Der französische Schriftsteller Anatole France wurde einst gebeten, eine möglichst kurze Geschichte der Menschheit zu schreiben. Der Schriftsteller soll daraufhin ein Blatt Papier genommen, einen Satz darauf gekritzelt und gesagt haben: da habt ihr sie, die Zusammenfassung der Menschheitsgeschichte. Der Satz lautete: die Menschen leben, sie leiden und sie sterben.
Dieser Satz fasst knapp und nüchtern Tatsachen über uns Menschen zusammen. Uns allen ist ein bestimmtes Maß an Lebenszeit gegeben. Jedes Leben wird von Leid heimgesucht und am Ende steht allemal der Tod. Es stimmt also: die Menschen leben, sie leiden und sie sterben.
Dieser Satz fasst aber nicht nur Tatsachen zusammen. Er fällt gleichzeitig ein brutales Urteil, denn er sagt auch aus: eigentlich sind wir Menschen einem grausamen Schicksal unterworfen. Da sind ein paar Jahre, oft angefüllt mit Mühsal und Leid und das Ende von allem ist der Tod. Letztlich ist also alles, was Menschen ersehnen und hoffen, alles was sie lieben und leiden ohne bleibenden Sinn. Alles endet im Nichts.
Der christliche Glaube wird die Tatsachen, die der Satz des französischen Schriftstellers enthält, voll unterschreiben. Er wird aber beifügen: das ist nicht alles, was es über den Menschen und dessen Geschick zu sagen gibt. Das alles Entscheidende fehlt. Gerade im Blick auf Maria und das Fest ihrer Aufnahme in den Himmel können wir aus dem Glauben heraus dieses Letztentscheidende sehr präzise formulieren. Auf Maria angewandt muss der Satz lauten: Sie lebte, sie litt, sie starb und sie lebt jetzt voll und ganz bei Gott.
Maria lebte ein einfaches, unscheinbares Leben, wie die Meisten von uns. Darauf spielt das heutige Evangelium an, wenn es Maria das Wort in den Mund legt, Gott habe auf ihre Niedrigkeit geschaut. Leid hat Maria das ganze Leben hindurch begleitet, am Schlimmsten wohl, als ihr Sohn am Kreuz hing und die Mutter ohnmächtig darunter stand. Und schließlich ist sie gestorben, so wie jeder Mensch sterben muss.
Aber mit diesen Tatsachen ist nun eben nicht die ganze Wahrheit über diese Frau ausgesagt. Das heutige Fest lehrt uns: Maria verblieb nicht im Tod, sondern Gott hat sie auferweckt und ganz und gar zu sich genommen. Das ist gemeint, wenn wir sagen, sie sei mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden. Von Maria dürfen wir also sagen: sie lebte, sie litt, sie starb und sie fand mit ihrer ganzen Lebens- und Glaubensgeschichte Aufnahme und Vollendung bei Gott.
Was sich so an Maria erfüllt hat, das ist auch uns zugesagt. Auch wir dürfen darauf vertrauen, dass unser ganzes Leben, dass alles, was wir an Schönem und Schwerem durchstehen müssen, am Ende nicht einfach durch den Tod ausgelöscht wird, sondern sein Ziel finden wird bei Gott. Und diese Verheissung ist nicht bloß eine ungewisse Zukunftsmusik, von der wir nie wissen, ob sie einmal Wirklichkeit wird. Sie ist bereits Wirklichkeit geworden an einem Menschen, der wie wir gelebt und gelitten hat und gestorben ist, an Maria. Das stellt uns die Kirche mit dem heutigen Fest ganz konkret vor Augen.
Im Blick auf Maria dürfen wir darum die Menschheitsgeschichte des französischen Schriftstellers Anatole France mit der Freude und der Hoffnung des christlichen Glaubens anreichern und sagen: Die Menschen leben, leiden und sterben. Aber mit all dem gehen sie Gott entgegen. Und Gott wird uns bei sich aufnehmen mit unserer ganzen Lebensgeschichte und uns bei sich vollenden. Es ist also gut zu leben, denn Gott hat in jedes Menschenleben bleibenden Sinn und Wert hinein gelegt und wird dies auch einlösen.
(Falls Kräuterweihe)
Diese Zusage und die Hoffnung unseres Glaubens bringen wir auch zum Ausdruck, wenn ich jetzt die Kräuter und Blumen segne, die Sie mitgebracht haben. Die Kräuter weisen auf das hin, was gut ist und Gesundheit schenkt und die Blumen auf das Schöne und die Freude. So sagen sie uns auf ihre Weise, dass es gut und schön ist, zu leben, weil das Leben unter dem Segen Gottes steht und durch ihn Vollendung finden wird.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast die selige Jungfrau Maria,
die uns Christus geboren hat,
vor aller Sünde bewahrt
und sie mit Leib und Seele
zur Herrlichkeit des Himmels erhoben.
Gib, dass wir auf dieses Zeichen
der Hoffnung und des Trostes schauen
und auf dem Weg bleiben,
der hinführt zu deiner Herrlichkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. August, Mariä Aufnahme in den Himmel (am Tag)
Allmächtiger Gott,
unser Gebet und unser Opfer steige zu dir empor.
Höre auf die selige Jungfrau Maria,
die du in den Himmel aufgenommen hast,
und entzünde in unseren Herzen das Feuer der Liebe,
damit wir dich allzeit suchen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. August, Mariä Aufnahme in den Himmel (am Tag)
Kehrvers:
Der Herr hat Großes an uns getan,
sein Name sei gepriesen.
(GL 631,3)
Gott, unser Vater,
heute, am Fest der Aufnahme der Gottesmutter Maria an den Himmel
wollen wir dir unser Lob und unseren Dank darbringen.
Kehrvers
Wir danken dir für das Geschenk des Lebens,
für die wunderbare Gestalt, die du ihm gegeben hast.
Kehrvers
Wir danken dir für Jesus Christus,
den du uns als Erlöser gesandt hast.
Kehrvers
Wir danken dir für seine Mutter Maria,
durch die er menschliches Fleisch angenommen hat.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens
mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen hast.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du uns damit die Hoffnung geschenkt hast,
dass auch wir einmal mit Leib und Seele deine Herrlichkeit schauen werden.
Kehrvers
Mit der ganzen Kirche stimmen wir ein in das Lob deiner Größe
und singen:
Dankelied, z. B. GL 395: Den Herren will ich loben. . .
oder ein Magnificat oder Taizé-Magnificat GL 390)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Denn heute
hast du die jungfräuliche Gottesmutter
in den Himmel erhoben,
als erste empfing sie von Christus
die Herrlichkeit,
die uns allen verheißen ist,
und wurde zum Urbild der Kirche
in ihrer ewigen Vollendung.
Dem pilgernden Volk ist sie
ein untrügliches Zeichen der Hoffnung
und eine Quelle des Trostes.
Denn ihr Leib,
der den Urheber des Lebens geboren hat,
sollte die Verwesung nicht schauen.
Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Aufnahme Marias in den Himmel
Barmherziger Gott,
wir haben das heilbringende Sakrament empfangen.
Lass uns auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria,
die du in den Himmel aufgenommen hast,
zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. August, Mariä Aufnahme in den Himmel (am Tag)
Segne, Gott,
die Kräuter und Blumen, die wir bringen,
und segne und heile auch uns.
Segne, Jesus Christus,
unsere Sehnsucht nach Gesundheit
und lass uns an Leib und Seele gesund werden.
Segne, Heiliger Geist,
was dem Geiste nach krank ist an uns,
an unserer Kirche, in unseren Gemeinden und Gemeinschaften
und heile uns.
So segne uns Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
An das Wunder, das Gott an Maria gewirkt hat, wollen auch die Heilkräuter erinnern, die wir nun segnen wollen. Sie können nachher mitgenommen werden. Sie sollen uns an die bleibende Hoffnung auf ein Leben in Gottes neuer Schöpfung, den Himmel erinnern, der schon heute beginnt.
Lasset uns beten. -
Herr, unser Gott,
du hast Maria über alle Geschöpfe erhoben
und sie in den Himmel aufgenommen.
An ihrem Fest danken wir dir für alle Wunder deiner Schöpfung.
Durch die Heilkräuter und Blumen schenkst du uns Gesundheit und Freude.
Segne + diese Kräuter und Blumen.
Sie erinnern uns an deine Herrlichkeit und an den Reichtum deines Lebens.
Schenke uns auf die Fürbitte Mariens dein Heil.
Laß uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir gelangen
und dereinst einstimmen in das Lob der ganzen Schöpfung,
die dich preist durch deinen Sohn Jesus Christus in alle Ewigkeit.
(Vgl. Benediktionale, Studienausgabe f. d. kath. Bistümer d. dt. Sprachgebiets, Benziger/Herder Verlag, Einsiedeln/Freiburg 1979, S. 63 - abgeänderter Auszug aus: Otto Winkes, Bilder und Symbole im Jahreskreis, Erich Wewel Verlag 1995, S. 170f.)

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