Lesung aus dem Buch der Sprichwörter.
Die Weisheit hat ihr Haus gebaut,
ihre sieben Säulen behauen.
Sie hat ihr Vieh geschlachtet,
ihren Wein gemischt
und schon ihren Tisch gedeckt.
Sie hat ihre Mägde ausgesandt
und lädt ein auf der Höhe der Stadtburg:
Wer unerfahren ist,
kehre hier ein.
Zum Unwissenden sagt sie:
Kommt,
esst von meinem Mahl
und trinkt vom Wein, den ich mischte!
Lasst ab von der Torheit,
dann bleibt ihr am Leben
und geht auf dem Weg der Einsicht!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Éphesus.
Schwestern und Brüder!
Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt,
nicht wie Toren, sondern wie Kluge!
Nutzt die Zeit,
denn die Tage sind böse.
Darum seid nicht unverständig,
sondern begreift, was der Wille des Herrn ist!
Berauscht euch nicht mit Wein
— das macht zügellos —,
sondern lasst euch vom Geist erfüllen!
Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen
und geistliche Lieder erklingen,
singt und jubelt aus vollem Herzen dem Herrn!
Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles
im Namen unseres Herrn Jesus Christus!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Epheserbrief stammt nicht von Paulus selber, sondern von einem unbekannten Schüler, der in seinem Namen die Sache des Paulus nach dessen Tod weiterführte und um 80 n. Chr. schrieb. Er orientiert sich in Aufbau und Inhalt stark am Kolosserbrief, der ebenfalls nicht von Paulus stammt. Die veränderte Situation in der christlichen Gemeinden macht ein neues Schreiben notwendig: Während man zur Zeit des Paulus die Wiederkunft Christi stündlich erwartete, muß man nun mit der Tatsache zurechtkommen, daß sich die Ankunft Christi zu verzögern scheint. Das Hauptthema des Eph ist deshalb die Kirche: was sie ausmacht und wie sie sich daher in der Zeit, die bis zum Kommen des Herrn bleibt, einrichten und verhalten soll. Zu dem zweiten Teil, dem Weisungsteil, gehört unsere Lesung.
Unmittelbar voraus, in Eph 5,14, lesen wir die Aufforderung (vermutlich ein kleines urchristliches Lied): "Wach auf, du Schläfer und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein!" Unsere Lesung entfaltet dann genauer, wie dieses "wache" Leben der getauften Christen aussehen soll. Auch hier werden wieder, wie im AT, zwei Wege der Lebensweise vorgestellt: Christen sollen nicht töricht, sondern klug, nicht unverständig, sondern einsichtig, nicht berauscht, sondern erfüllt vom Geist leben.
Ein Schlüsselbegriff zum rechten Verständnis ist die Mahnung zu Beginn, sein Leben in sorgfältiger Achtsamkeit zu leben. Wach, nüchtern und bewußt zu leben, darf nicht dahingehend mißverstanden werden, jede freie Minute zu verzwecken (etwa nach dem Motto "Zeit ist Geld" und "wer rastet, der rostet"). Der Autor des Eph lädt seine LeserInnen vielmehr dazu ein, wach zu bleiben, um die kostbare Zeit "auskosten" zu können. Er fordert sie heraus, die Zeit bis zum Kommen Christi nicht als unwichtige Zwischenzeit zu sehen, sondern sich immer wieder darauf einzulassen, den "Willen des Herrn zu begreifen". Sie sollen ihr Leben nicht verschlafen, sondern erfüllt leben. Dazu paßt auch die Aufforderung am Ende der Lesung zur Freude, zur Ekstase, zum Jubel - der ganze Epheserbrief beginnt mit einem Lobpreis, der von der Fülle spricht, die mit Christus angebrochen ist!
Der Epheserbrief übernimmt den groben Rahmen des Kolosserbriefes: In den Kapiteln 1-3 wird das Thema des Briefes, die Kirche, inhaltlich entfaltet. In der zweiten Hälfte des Brief, Eph 4,1-6,20 werden die sittlichen Folgerungen daraus gezogen. Zu diesem Weisungsteil gehört auch die heutige Lesung.
Im Absatz Eph 5,15-20 ist die Gemeinde als versammelte angesprochen und wird zu einem christlich geprägten Leben, zu gegenseitiger Unterstützung und zum Gebet ermuntert.
Im darauf folgenden Absatz (Eph 5,21-6,9) wird in den sogenannten Haustafeln die Verbindung des Gemeindelebens mit dem häuslichen und familiären Leben der Gemeindemitglieder hergestellt. Hier wird besonders die Abhängigkeit vom Kolosserbrief deutlich: ganze Wortgruppen stimmen wörtlich mit der Vorlage überein.
Geistlicher Gottesdienst
Eph 5,15-20 beginnt mit dem Aufruf, die eigene Lebensführung zu überprüfen. In dieser Zeit der Bedrohung der christlichen Existenz durch das heidnische Umfeld ist das praktische christliche Leben eine wesentliche Bedingung für das Bestehen einer christlichen Gemeinde. Drei Kontraste prägen den Text: nicht Toren, sondern Weise sollen die Leser sein; nicht unverständig, sondern verständig; nicht vom Wein berauscht sondern vom Geist erfüllt.
Die Christen sollen die ihnen zur Verfügung stehende Zeit nutzen, denn das christliche Leben findet nicht außerhalb von Zeit und Raum statt, sondern ist konkrete Aufgabe jedes Menschen dort wo er lebt.
Der Geist, der der Gemeinde geschenkt ist, ermöglicht es ihr, ein christliches Leben zu führen. In der Gemeindeversammlung und im persönlichen Gebet geschieht die Grundlegung allen christlichen Handelns. Den Gottesdienst zur Quelle und zum Höhepunkt kirchlichen Lebens (Vat II. SC 10) zu machen, ist nach wie vor eine Einladung an alle, die ihr Leben christlich gestalten wollen. Zugleich ist es aber auch eine Herausforderung an alle in der Seelsorge Tätigen, auch an die Liturgen und Liturgiker, die Menschen zur aktiven Mitfeier von Gottesdiensten hinzuführen, die dem Heiligen Geist Raum lassen und das alltägliche Leben, die Sprache und die Erfahrungen unserer Tage hereinnehmen und so Ausgangspunkt einer gläubig gestalteten Lebenswirklichkeit werden können.
Der Brief ist eine Art Rundschreiben des Paulus aus seiner Gefangenschaft. Doch wird die Autorenschaft des Paulus inzwischen allgemein bezweifelt (Luz). Die Situation der Gemeinde wird als gefestigt angenommen, eine erste Aufbruchsstimmung ist vorüber. An der einen oder anderen Stelle kehrt Verfall ein - dagegen wendet sich Paulus resp. der Autor, der sich auf die Autorität des Apostels beruft.
Die vorliegende Perikope ist Teil einer Reihe von Ermahnungen, die der Autor der Gemeinde gibt, dass sie ein glaubwürdiges Zeugnis in einer nichtchristlichen Umgebung gibt. Zu diesem Zeugnis zählt vor allem das sittsame Leben - in einer Hafenstadt anscheinend keine Selbstverständlichkeit.
Barmherziger Gott,
was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,
das hast du denen bereitet, die dich lieben.
Gib uns ein Herz,
das dich in allem und über alles liebt,
damit wir den Reichtum deiner Verheißungen erlangen,
der alles übersteigt, was wir ersehnen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
dein Sohn will uns begegnen
in den unscheinbaren Zeichen von Brot und Wein.
Laß uns dankbar sein
für das große Geschenk der Eucharistie
und hilf uns, selbst Brot zu werden,
von dem andere leben.
Durch Christus, unseren Herrn.
Herr,
wir bringen unsere Gaben dar für die Feier,
in der sich ein heiliger Tausch vollzieht.
Nimm sie in Gnaden an
und schenke uns dich selbst
in deinem Sohn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Als der wahre und ewige Hohepriester
hat er die Feier eines immerwährenden Opfers gestiftet.
Er hat sich selbst als Opfergabe dargebracht
für das Heil der Welt
und uns geboten,
daß auch wir diese Gabe darbringen zu seinem Gedächtnis.
Er stärkt uns,
wenn wir seinen Leib empfangen,
den er für uns geopfert hat.
Er heiligt uns,
wenn wir sein Blut trinken,
das er für uns vergossen hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat beim Lezten Abendmahl
das Gedächtnis des Kreuzesopfers gestiftet
zum Heil der Menschen bis ans Ende der Zeiten.
Er hat sich dargebracht als Lamm ohne Makel,
als Gabe, die dir gefällt,
als Opfer des Lobes.
Dieses erhabene Geheimnis heiligt
und stärkt deine Gläubigen,
damit der eine Glaube
die Menschen der einen Erde erleuchte,
die eine Liebe sie alle verbinde.
So kommen wir zu deinem heiligen Tisch,
empfangen von dir Gnade um Gnade und
werden neu gestaltet nach dem Bild deines Sohnes.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und
singen wie aus einem Munde
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 2
Barmherziger Gott,
im heiligen Mahl
schenkst du uns Anteil am Leben deines Sohnes.
Durch dieses Sakrament
mache uns auf Erden Christus ähnlich
und lass uns im Himmel zur vollen Gemeinschaft mit ihm gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Im ganzen Alten Orient schätzte man treffende Sprichwörter. Vor allem für die Unterweisung der Hofbeamten und Schreiber spielten sie eine große Rolle (daher mahnen sie gerne zur Besonnenheit, geben Ratschläge zum Umgang mit den Mächtigen und spiegeln überhaupt eine gewisse "Beamtenmentalität" wieder!). Meist fassen sie aber allgemeinmenschliche Wahrheiten ins Wort, die zu allen Zeiten gültig sind. Das Buch der Sprichwörter enthält ältere Sammlungen und neuere Lehrreden. Anlaß zur Endredaktion des Buches ist die Blüte der Weisheitsliteratur um 200 v. Chr. Aus dieser Zeit stammt auch die Lehrrede, der unsere Lesung entnommen ist.
Die Weisheitsliteratur des AT (Kohelet, Jesus Sirach, Ijob, das Hohelied, einige Psalmen und natürlich das Buch der Weisheit), kreist um die Frage: "Wie kann ich mein Leben so leben, daß es gut ist, daß es wirklich ein Leben im Vollsinn des Wortes ist?". Mit "Weisheit" ist also nicht Bildung oder Philosophie gemeint, sondern ein handfestes Lebenswissen für den Alltag. "Weise" nennt das AT denjenigen, der nach der "Weisung", der Tora, lebt. Wer sich auf die menschenfreundlichen Gebote des menschenfreundlichen Gottes einläßt - so die Überzeugung des AT - macht sich auf den Weg in ein Leben in Fülle. Als abschreckendes Gegenbeispiel wird gern der "Weg der Toren" oder "Frevler", die das Gesetz mißachten, angeführt.
Auch der vorliegende Text ist ein werbender, einladender Text, der mit üppigen Bildern zum Weisheitsweg verführen will. Er malt die göttliche Weisheit als wohlhabende, großzügige Gastgeberin, die die Unerfahrenen, die eigentlich ihrer unwürdig wären, zu sich einlädt und bewirtet. Daß die göttliche Weisheit als Person auftritt, kommt öfter vor - in Weish 8 spricht der Verfasser von ihr geradezu schwärmerisch als von seiner Geliebten und Lebensgefährtin. Das Bild vom Festmahl möchte seine Hörerinnen und Hörer davon überzeugen: Wer den Weg mit Gott, den Weg der Weisheit wählt, muß nicht darben, im Gegenteil! Er gewinnt eine neue Lebensqualität und tritt in einen neuen, prächtigen Lebensraum ein.
Das AT wählt hier also einmal ein weibliches Bild dafür, wie Gott im Leben der Menschen erfahren werden kann. Spannend ist, daß Jesus offensichtlich gerade dieses weibliche Gottesbild zum Vorbild nimmt, wenn er Zöllner zu sich zum Gastmahl einlädt, weil "nicht die Gesunden den Arzt brauchen, sondern die Kranken" (Mk 2,13-17 par)!
Weisheitsliteratur
Das Buch der Sprichwörter ist eine Sammlung von Lehrreden, Gedichten und Sprüchen, deren Zusammenstellung zwischen 550-200 v. Chr. endverfaßt wurde. Schon zur Zeit König Salomos (um 1000 v. Chr.) waren Sprüche, Rätsel und Lehrgedichte im Alten Orient sehr beliebt. Eine zweite Blüte erlebte die Weisheitsliteratur in der Zeit nach dem Babylonischen Exil.
Für das israelitische Weisheitsverständnis ist die religiöse Dimension charakteristisch. Die Wendung "Die Furcht vor Jahwe ist der Anfang der Weisheit" (Spr 1,7) erklärt die Frömmigkeit zur Voraussetzung der Weisheit und spricht dem Glauben an Gott eine wichtige Funktion in der menschlichen Erkenntnis zu. Da bei geht es den Israeliten sicher nicht um ein naives Naturverständnis, sondern darum, deutlich zu machen, daß der Mensch erst im Wissen um Gott und im Wissen um sich selbst in das richtige Verhältnis zu den Gegenständen seiner Erkenntnis kommt.
Die Weisheit als Person
Die Weisheit ist für die Lehrer Israels aber keine abstrakte Idee dessen, was zu tun oder zu lassen ist, sondern sie tritt als Person auf, die selbständig redet und handelt. Sie begegnet den aufmerksamen Menschen dort, wo man das Leben der Stadt beobachten kann: auf den Straßen, den Plätzen, am Stadttor. Die Weisheit lehrt ihre Schüler, sie bringt denjenigen, die sich an sie halten, Glück und langes Leben. Diejenigen, die sich nicht an ihre Lehren halten, geraten in Unglück, im schlimmsten Fall kann die Nichtbeachtung sogar die Todesstrafe nach sich ziehen, die z. B. auf Ehebruch steht (Spr 9,6). Darum lädt sie die Unerfahrenen ein, aus der Tradition und den Erfahrungen der Lehrer Konsequenzen für das eigene Leben zu ziehen, in das "Haus der Weisheit einzutreten".
Die ethische Erziehung der israelischen Weisheitslehrer ist also nicht diktatorisch autoritär geprägt, sondern appelliert an die Einsicht des Schülers. Gemeinsam mit den Schülern sind die Lehrer auf dem Weg der Weisheit unterwegs.
Gemäss 1 Kön 5,12 hat König Salomo 3.000 Sprüche niedergeschrieben. Auf diesen Satz geht die Vermutung zurück, das Buch der Sprichwörter stamme zumindest in den ersten Versen und auch noch an weiteren Stellen aus seiner Feder. Es haben sicher aber auch noch etliche andere Autoren mitgemischt. In der jüdischen Tradition wird das Buch König Hiskija zugeschrieben.
Im Buch ist die Weisheit eine weibliche Instanz, die den Menschen begleitet wie eine treue Gefährtin. In der vorliegenden Perikope schlüpft sie in die Rolle der Gastgeberin, die die Menschen zur Erkenntnis einlädt.