Der heutige Sonntag beschließt die Weihnachtszeit: Wir feiern die Taufe Jesu. Der Bogen spannt sich weit: vom Kind in der Krippe zum Erwachsenen Jesus, der sich taufen lässt. Als Jesus in den Jordan hinabsteigt zur Bußtaufe, bricht von Oben herab der Himmel auf: Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe. Dieses Wort gilt auch uns. Es will helfen, unsere Erwählung zu begreifen und zu leben.
Warum ließ sich Jesus, der Gottessohn, von Johannes taufen? Hat er es nötig? Eine Buß-Taufe? Der Täufer spürt das Dilemma und will den Spieß umdrehen: Ich müsste von Dir getauft werden und Du kommst zu mir? Doch Jesus antwortet: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.
Die Gerechtigkeit ganz erfüllen? Ein schwieriges Wort. Was soll den gerecht sein, richtig gestellt werden? Dass er ein Mensch ist wie Du und ich. Er reiht sich ein in die Menschen, stellt sich in die Schlange derer, die sich taufen lassen, steigt wie die Sünder in den Jordan hinab, um die Buß-Taufe zu empfangen. Es soll richtig herauskommen, wer Jesus ist: ganz Mensch wie wir.
Zugleich offenbart Gott selber, wer Jesus ist: Es ist doch keine Buß-Taufe. Der Vater im Himmel bestätigt persönlich, dass Jesus sein Sohn ist: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Gefallen finde." Der Geist Gottes kommt wie eine Taube auf ihn herab. Damit erfüllt Jesus die alttestamentliche Verheißung bei Jesaja. Dort heißt es: "Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze, mein Erwählter, an ihm finde ich gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt. Er schreit und lärmt nicht. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht. Den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Ich habe dich bestimmt, der Bund für mein Volk, das Licht der Völker zu sein."
Im Geist kann Jesus seinen Weg nach Galiläa gehen: er besteht die Versuchungen in der Wüste; er verkündet die Gottesherrschaft in Galiläa; er heilt Besessene und Kranke; er entzündet die Lebensflamme, wo sie aus zu sein scheint; Geknickte richtet er auf.
Bei unserer Taufe sprach auch zu uns der Vater im Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, meine liebe Tochter, die mir gefallen. Nicht aus uns selbst haben wir diese Würde, sondern als Geschenk durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist, in unserer Taufe. Wir brauchen nichts leisten und vorweisen, es reicht, dass Gott uns liebt. Gibt das nicht Kraft? Geliebt und getragen zu sein, kann beflügeln!
Eine kleine Geschichte erklärt es so: Ein Schmetterling, eine Blume und eine Schnecke treffen sich. Sagt der Schmetterling wichtigtuend: Ich bin bunt und kann fliegen. Ereifert sich die Blume: ich blühe und kann duften. Meint die Schnecke bescheiden: Mir reicht's, dass Gott mich liebt!
Nicht immer im Alltag leben wir aus dieser Kraft. Oft drücken uns Aufgaben und Probleme nieder. Kürzlich, als ich voller Sorgen war und nicht wusste, wie ich eine Aufgabe meistern sollte, sagte mir ein Mitbruder, beinahe beiläufig: "Weißt Du, es ist doch alles so einfach für uns Glaubende: wir brauchen nur das tun, was wir können, alles andere macht der von Oben, der uns nicht m Stich lässt! Hinter unserem Leben steht Gott, unser Vater." Es war für mich, als würde eine Nadel in meinen aufgeblähten Sorgen-Luftballon stechen; alles entspannte sich, ich fand zum Vertrauen.
"Wer befreit ist, kann befreien!" so habe ich oft in einem Jugendlied gesungen. Es stimmt. Auch inmitten ungelöster Probleme - wer von uns kann alle Probleme lösen? - können wir durchatmen und uns offen den Menschen zuwenden. So kann sich Gottes Gerechtigkeit und Erbarmen auch durch uns einen Weg bahnen.
Schade! In unserem Gottesdienst wird heute kein Mensch getauft. Kein Kind. Kein Erwachsener. Dabei ist es nicht nur ein Fest der Familie, sondern ein Fest der ganzen Gemeinde, wenn ein Mensch getauft wird. Wenn sich eine kleine oder größere Gemeinde an einem Taufbecken - oder auch Taufbrunnen - versammelt, an der Osterkerze die Taufkerze entzündet - und dann die Taufe feiert. Die Heilige Taufe. Mit Wasser und Geist.
In unseren Breiten ist die Taufe längst nicht mehr selbstverständlich. Vielleicht auch nur als Pflichtübung, als guter Brauch. Dabei ist die Taufe doch nichts weniger als ein großes Geschenk Gottes: Ich werde sein Kind - und werde auch so genannt, angesehen und sogar im Testament berücksichtigt. Ohne Vorleistung, Probezeit oder Bewährungsfrist. Was das für uns heißt, als Menschen, die sich ständig beweisen, rechtfertigen und besserstellen wollen, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es kann nur gefeiert werden. Mit Wasser und Geist.
Lange wurde darüber gestritten, ob Kinder getauft werden könnten oder nicht doch nur Erwachsene, die doch wissen, was sie tun. Es war eine Entscheidung nach dem Herzen Gottes: Gerade Kinder. Und Menschen, die noch nichts mitbringen können, die nicht einmal auf ihren Glauben pochen können. Die sich beschenken lassen. Heute machen sogar viele Erwachsene gerade diese Erfahrung. Sie möchten sich taufen lassen. Sie möchten angenommen werden, die Zusage Gottes für sich hören, Glauben überhaupt erst einmal entdecken. Ohne fertig zu sein - und vielleicht je fertig zu werden.
Wenn ich jetzt an das Evangelium denke, das wir gehört haben, erscheint uns Jesus selbst als einer, der uns voraus- und vorangegangen ist. Er lässt sich taufen. Er geht an den Jordan. Er geht zu Johannes. Hat er es nötig, sich taufen zu lassen? Muss er auch Buße tun, umkehren, noch einmal neu anfangen? Entsetzt reagiert auch Johannes. Du - bei - mir? Wenn, müsste es doch umgekehrt sein. Ich - bei - dir! Aber Jesus lässt sich von seinem Weg nicht abbringen. Es ist ein Weg, der ihn mit den vielen anderen verbindet, die sich aufmachen, um getauft zu werden. Jesus stellt sich sogar in eine Reihe mit ihnen. Wartet, bis er dran ist. Wenn es Gott ernst ist, sich unter die Menschen zu mischen, einer von ihnen zu sein - jetzt, heute wird es sichtbar. Und sichtbar gemacht! Denn der Himmel öffnet sich. Wir hören die Stimme, ohne das Gesicht dazu sehen zu können: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.
Auffällig ist das schon: von Leuten, die das gesehen und gehört haben könnten, erzählt der Evangelist nichts - aber er erzählt es so, dass wir es hören und sehen. Eine Vorstellung für uns. Jetzt wissen wir, wer Jesus ist: Einer von uns - und doch Gottes Sohn. In den Streit, ob Jesus nur adoptiert worden sei, müssen wir uns nicht hineinziehen lassen. Wir werden auch keine neuen Argumente für die eine oder andere Seite finden - allerdings: wenn uns Jesus als Sohn Gottes begegnet, geht uns der Himmel auf. Gott ist auf einmal so nah, seiner Ferne und Größe geradezu entkleidet. Ich sehe Jesus an den Jordan gehen. Er will sich taufen lassen. Er ist nicht einmal der Erste, der sich taufen lässt - und nicht der letzte.
Sie könnten mir jetzt den Vorwurf machen, ich würde die Würde Jesu schmälern. Ihn einfach einreihen - und klein machen. Aber das könnte mir nicht einmal dann gelingen, wenn mir daran gelegen wäre. Nein, wer Jesus ist, wird uns heute in feinen Strichen gezeichnet:
In einer schrecklichen Situation, in der Israel buchstäblich am Ende war, predigt Jesaja:
"Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht"
Und dann, warm, nah, vertraut:
"Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus".
Erst dachte ich, ich müsse unbedingt etwas zu dieser Predigt des Jesaja sagen - aber dann ging mir auf, dass die Worte für sich sprechen: Wir wissen doch alle, wie Hoffnungen verglimmen, letzte Sicherheiten wegbrechen, uns selbst das Leben entgleitet. Gott setzt sich für Menschen ein, gerade dann, wenn sie glauben müssen, er habe sie fallen gelassen. Er gibt ihnen nicht den - Rest.
Bei Gott heißt das, "blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien." Eine neue Zeit kündigt sich an. Mit Menschen, die sehen - und die nicht mehr gefangen sind. Wir sehen geradezu das Licht aufgehen. Es gibt da einen, der sich kümmert - und der Autorität hat. Heißt er bei Jesaja noch "Knecht", wird er uns im Evangelium als "Sohn" vorgestellt - Gott begibt sich immer tiefer in die Geschichte der Menschen. Er gibt sein Bestes.
Wir sind heute auch in der glücklichen Lage, einer Predigt des Petrus zu lauschen. Darf ich ihn zitieren? - "Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm."
Ich fühle mich auf Anhieb wohl: Ich weiß. Zumindest traut Petrus mir das zu. Das ist etwas! Manchmal bin ich da eher zögerlich - oder auch zweifelnd. Jesus, mit dem Heiligen Geist "gesalbt" - wunderschön ausgedrückt! - tut Gutes und heilt alle, die in der Gewalt des Teufels waren. Alle! Nun ist das mit dem Teufel so eine Sache, aber reden wir heute doch einmal von den bösen Erfahrungen, die wir machen - und die wir bereiten, reden wir heute doch einmal von der Angst, die wir ausstehen - und die wir machen, reden wir heute doch einmal von den Schuldverstrickungen, die uns gefangen halten - und aus denen wir andere nicht entkommen lassen. Auf einmal ist das Wort genannt: frei, erlöst. Und zwar: alle - Einschränkungen machen wir. Nicht ER.
Immer, wenn ich an meine Taufe denke, wenn ich mit anderen eine Taufe feiere, dann sehe ich Jesus an den Jordan gehen. Seine Taufe fest im Blick. Das gefällt mir, tröstet mich auch. Er ist auf meiner Seite. Aber dann höre ich auch die Stimme aus dem Himmel. Sie ist - mir zugedacht. Der, der mit mir auf dem Weg ist, kommt von Gott, ist ein Teil von ihm, ja, am Ende nicht mehr zu unterscheiden von ihm. Das ist meine Hoffnung, mein Glück, mein Lied.
Was alles in meinem Leben zerbricht und zerbrechen kann: bei ihm muss ich nicht fertig sein. Mich auch nicht fertig machen. Aber er richtet mich auf. Was mich gefangen nimmt und wie ein Fluch auf mir lastet: ich bin frei gesprochen.
Was Gott über Jesus sagt: Das ist mein geliebter Sohn, strahlt auf uns aus. Es ist wie ein Licht, das auf uns gebreitet wird - wie ein Himmel, der sich uns öffnet. Jetzt - als Kinder Gottes angenommen, angesehen und sogar testamentarisch bedacht - werden wir glimmende Dochte nicht auslöschen, sondern entfachen; werden wir den Teufelskreisläufen keine Macht einräumen, sondern dem Bösen Paroli bieten; werden wir Gutes tun.
Zu den schönsten Geheimnissen des Weges Gottes mit uns Menschen gehört, dass er uns nicht alleine gehen lässt. Wenn wir schon "Kinder" sind - haben wir auch Brüder, Schwestern - Menschen, die mit uns auf dem Weg sind. Menschen, die uns, die wir brauchen! Wie gut tut da auch der Gedanke, Kirche zu sein - oder zu werden.
In meinen Leben spiele ich viele Rollen. Nicht immer gute. Auch nicht immer erfolgreiche. Schon gar nicht "göttliche". Aber was mir heute zugemutet wird, sprengt so ziemlich alles, was ich mir zurecht gelegt habe: Ich bin getauft!
Johann Jakob Rambach schreibt 1734:
Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heil'ger Geist,
Ich bin gezählt zu deinem Samen,
Zum Volk, das dir geheiligt heißt,
Ich bin in Christum eingesenkt,
Ich bin mit seinem Geist beschenkt.
AMEN.
Allmächtiger, ewiger Gott,
bei der Taufe im Jordan
kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab,
und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart.
Gib, daß auch wir,
die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind,
in deinem Wohlgefallen stehen
und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Taufe des Herrn
Allmächtiger Gott,
dein einziger Sohn, vor aller Zeit aus dir geboren,
ist in unserem Fleisch sichtbar erschienen.
Wie er uns gleichgeworden ist in der menschlichen Gestalt,
so werde unser Inneres neu geschaffen nach seinem Bild.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Taufe des Herrn
9. Januar
Gott, unser Vater,
wir feiern den Tag,
an dem du Jesus als deinen geliebten Sohn geoffenbart hast.
Nimm unsere Gaben an
und mache sie zum Opfer Christi,
der die Sünden der ganzen Welt abgewaschen hat.
Er, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Taufe des Herrn
Kehrvers:
GL 401: Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue
Wir preisen dich, Vater,
für die Menschwerdung deines Sohnes,
für seine Geburt aus der Jungfrau Maria,
für sein Kommen in unserer Mitte.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für Jesu verborgenes Leben in Nazareth,
für sein Heranwachsen im Licht deiner Liebe,
für sein Leben in der heiligen Familie.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für die Offenbarung deines Sohnes am Jordan,
für sein Hinabtauchen in die Tiefen des Wassers,
für die Herabkunft des Heiligen Geistes.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für jedes Wort aus dem Munde Jesu,
für sein heilendes und ermutigendes Wirken,
für die Zeichen seiner Herrlichkeit.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für alle Macht, die du Jesus gegeben hast,
für seine Gegenwart in unserer Mitte,
für sein Kommen am Ende der Zeiten.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
durch ihn Jesus Christus, deinen Sohn,
im Heiligen Geist.
Und wir danken dir in alle Ewigkeit. Amen.
Kehrvers
Danklied, z.B. Lasst uns loben, freudig loben (GL 489)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater,
zu danken und deine Größe zu preisen.
Denn bei der Taufe im Jordan
offenbarst du das Geheimnis deines Sohnes
durch wunderbare Zeichen:
Die Stimme vom Himmel verkündet ihn
als deinen geliebten Sohn,
der auf Erden erschienen ist,
als dein ewiges Wort,
das unter uns Menschen wohnt.
Der Geist schwebt über ihm in Gestalt einer Taube
und bezeugt ihn als deinen Knecht,
den du gesalbt hast,
den Armen die Botschaft der Freude zu bringen.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Taufe des Herrn
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dass wir dich, ewiger Gott, immer und überall loben
und dir danken durch deinen geliebten Sohn Jesus Christus.
Als die Zeit erfüllt war, hast du ihn gesandt,
mit uns deinen Bund zu schließen.
In seiner Taufe ist er zu uns getreten als Bruder,
um uns vom ewigen Tod zu erlösen.
In unserer Taufe haben wir sein unauslöschliches Siegel empfangen,
das uns Anteil verbürgt an seinem göttlichen Licht und ewigen Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Heiligen und Vollendeten
und singen das Lob deiner Herrlichkeit.
Heilig...
Gütiger Gott,
du hast uns mit deinem Wort
und dem Brot des Lebens genährt.
Gib, daß wir gläubig auf deinen Sohn hören,
damit wir deine Kinder heißen und es in Wahrheit sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Taufe des Herrn
Die Taufe Jesu bleibt ein Höhepunkt in der Wirksamkeit des Herrn. Jesus, der selbst nie taufte, ließ sich von dem taufen, der auf ihn verwies, Johannes den Täufer.
Hier am Jordan reihte sich Jesus unter die Menschen ein. Und doch geschah etwas Einmaliges: Gott war bei der Taufe Jesu nicht nur dabei, sondern mitten drin. Er tat danach den Himmel auf und ließ seinen Geist wie eine Taube niedersteigen und über ihn kommen, mit den Worten: "Das ist mein geliebter Sohn an dem ich Wohlgefallen habe."
Hier spricht man auch von der "Adoptionsformel", weil Gott Jesus zu seinem Sohn erklärt.
Heiliger Geist
Genau das geschieht bei unserer Taufe, wenn auch nicht so spektakulär aber dennoch mit der gleichen Kraft und Macht. Auch wir werden als Getaufte, zu Söhnen und Töchtern Gottes. Der heilige Geist soll die treibende Kraft in uns sein, daran sollen wir erkannt werden, dass wir Gottes Kinder sind.
"Du bist von Gottes Geist getrieben - nicht im Strudel von Ereignissen und enthusiastischem Überschwang, sondern in Kraft, Liebe und Besonnenheit."*
Weihwasserbecken
In der Nähe der Kirchentüre ist in den allermeisten Kirchen ein Weihwasserbecken aufgestellt. Das soll uns an unsere eigene Taufe erinnern. Man taucht zwei oder mehr Finger kurz in das Wasser und bekreuzigt sich damit.
Manche, die zu Zweit oder zu Dritt in die Kirche kommen, befeuchten die Finger mit Weihwasser, um diese dann auch den anderen Eintretenden zu reichen, bevor sie selbst das Kreuzzeichen an sich vollziehen. Das deutet an, dass der getaufte Christ selbst zur "Quelle lebendigen Wassers" geworden ist.
In die Taufe kriechen
Luther spricht davon, täglich in die eigene Taufe zu kriechen. Von Luther wird berichtet, wie er, als er sich in einem Gespräch besonders missverstanden und von seinen Gegnern verfolgt fühlte, diesen Satz "Ich bin getauft.” auf einen Tisch schrieb. Er rief immer wieder: "Bapticatus sum", ich bin getauft.”
Unabhängig davon, ob diese Legende tatsächlich der historischen Wahrheit entspricht: Die Gewissheit, getauft zu sein, gab Luther Kraft, die ihn hoffen ließ, von Gott nicht alleine gelassen zu werden. Was auch immer in seinem Leben passieren würde: Gott hatte versprochen, bei ihm zu sein. Deshalb verstand Luther die Taufe auch als den Beginn und das Zentrum des christlichen Lebens. Ja, jeden Morgen neu - so schrieb Luther - solle man in die Taufe hineinkriechen. Denn das, was sich einmalig in der Taufe vollzogen hat, bedürfe, dass wir es für uns tagtäglich aneignen.
Der getaufte Mensch gehört unwiderruflich zu Gott. Dies wird in der Taufe jedem Einzelnen zugesagt: Du bist ein Kind Gottes. Du gehörst zu Ihm und Er ist mit dir.
Die Bekreuzigung
Das Bekreuzigen, welches an die eigene Taufe er-innern soll, wird in der katholischen Kirche sehr stark gepflegt, in den evangelischen Kirchen gewöhnlich nicht mehr. ... Jedoch gibt Martin Luther beim Beginn der Anweisung zu seinem Abend- und Morgensegen:
"Des Morgens, so du aus dem Bette fährest, magst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sollst sagen: "Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen."
http://www.christ-im-dialog.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1714&Itemid=30
Ein geistlich Lied von unsre heiligen Taufe, darin fein kurz gefasset: Was sie sei? Wer sie gestiftet habe? Was sie uns nützt? usw.
Christ, unser Herr, zum Jordan kam
Nach seines Vaters Willen,
Von Sankt Johannes die Taufe nahm,
Sein Werk und Amt zurfüllen.
Da wollt er stiften uns ein Bad,
Zu waschen uns von Sünden,
Ersäufen uns den bittern Tod
Durch sein selbst Blut und Wunden.
Es galt ein neues Leben.
So hört und merket alle wohl,
Was Gott heißt selbst die Taufe,
Und was ein Christen glauben soll,
Zu meiden Ketzerhaufen.
Gott spricht und will, daß Wasser sei,
Doch nicht allein schlecht Wasser,
Sein heilges Wort ist auch dabei
Mit Geist ohn Maßen, reichen
Der ist allhie der Taufer.
Solchs hat er uns beweiset klar
Mit Bildern und mit Worten.
Des Vaters Stimm man offenbar
Daselbst am Jordan horte.
Er sprach: Das ist mein lieber Sohn,
An dem hab ich Gefallen,
Den will ich euch befohlen han,
Daß ihr ihn höret alle
Und folget seinen Lehren.
Auch Gottes Sohn hie selber steht
In seiner zarten Menschheit.
Der heilig Geist hernieder fährt,
In Taubenbild verkleidet.
Das wir nicht sollen zweifeln dran,
Wenn wir getaufet werden:
All drei Personen getaufet han,
Damit bei uns auf Erden
Zu wohnen sich ergeben.
Sein Jünger heißt der Herre Christ:
Geht hin, all Welt zu lehren,
Daß sie verlorn in Sünden ist,
Sich soll zur Buße kehren.
Wer glaubet und sich taufen läßt,
Soll dadurch selig werden,
Ein neugeborner Mensch er heißt,
Der nicht mehr könne sterben,
Das Himmelreich soll erben.
Wer nicht glaubt dieser großen Gnad,
Der bleibt in seinen Sünden
Und ist verdammt zum ewigen Tod
Tief in der Höllen Grunde.
Nicht hilft sein eigen Heiligkeit,
All sein Tun ist verloren,
Die Erbsünd machts zur Nichtigkeit,
Darin er ist geboren,
Vermag ihm selbst nichts helfen.
Das Aug allein das Wasser sieht,
Wie Menschen Wasser gießen,
Der Glaub im Geist die Kraft versteht
Des Blutes Jesu Christi.
Und ist vor ihm ein rote Flut
Von Christi Blut gefärbet,
Die allen Schaden heilen tut,
Von Adam her geerbet.
Auch von uns selbst gegangen.
Martin Luther (1541) in EG 202.
Gott Vater, du hast deinen Namen
In deinem lieben Sohn verklärt
Und uns, so oft wir zu dir kamen,
die Vatergnade neu gewährt.
So rufe dieses Kind mit Namen,
das nun nach deinem Sohne heißt.
Wir glauben, du Dreiein'ger! Amen!
Zum Wasser gabst du Wort und Geist.
Erhalte uns bei deinem Namen!
Dein Sohn hat es für uns erfleht.
Geist, Wort und Wasser mach zum Samen
der Frucht des Heils, die nie vergeht.
Jochen Klepper (1941), EG 208.
Dietrich Bonhoeffer schrieb anlässlich der Taufe an sein Patenkind im Mai 1944:
"Du wirst heute zum Christen getauft. Alle die alten großen Worte der christlichen Verkündigung werden über Dir ausgesprochen, und der Taufbefehl Jesu Christi wird an Dir vollzogen, ohne dass Du etwas davon begreifst. Aber auch wir selbst sind wieder ganz auf die Anfänge des Verstehens zurückgeworfen. Was Versöhnung und Erlösung, was Wiedergeburt und Heiliger Geist, was Feindesliebe, Kreuz und Auferstehung, was Leben in Christus und Nachfolge Christi heißt, das alles ist so schwer und so fern, dass wir es kaum mehr wagen, davon zu sprechen... Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen..."
Dietrich Bonhoeffer schließt seinen Brief mit dem Wunsch, dass sein Patenkind zu den Menschen gehören möchte, "die beten und das Gerechte tun und auf Gottes Zeit warten", und dass es von ihm einmal heißt: "Des Gerechten Pfad glänzt wie das Licht, das immer heller leuchtet bis auf den vollen Tag" (Sprüche 4, 18).
Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, DBW 8, Gütersloh 1998.
Überfließende Himmel verschwendeter Sterne
prachten über der Kümmernis. Statt in die Kissen,
weine hinauf. Hier, an dem weinenden schon,
an dem endenden Antlitz,
um sich greifend, beginnt der hin-
reißende Weltraum. Wer unterbricht,
wenn du dort hin drängst,
die Strömung? Keiner. Es sei denn,
daß du plötzlich ringst mit der gewaltigen Richtung
jener Gestirne nach dir. Atme.
Atme das Dunkel der Erde und wieder
aufschau! Wieder. Leicht und gesichtlos,
lehnt sich von oben Tiefe dir an. Das gelöste
nachtenthaltne Gesicht gibt dem deinigen Raum.
Rainer Maria Rilke, Aus den Gedichten an die Nacht http://www.textlog.de/22450.html
Die Evangelische Kirche in Deutschland begeht 2011 als ein "Jahr der Taufe". In den kommenden zwölf Monaten sind unter anderem große Tauf- und Tauferinnerungsgottesdienste geplant. Außerdem soll es Seminare für Erwachsene und Projekte für Jugendliche geben. Laut dem EKD-Ratsvorsitzenden Schneider ist die Taufe "das Grunddatum christlicher Freiheit schlechthin". Der westfälische Präses Buß bezeichnete die Taufe als ein Gottesgeschenk, das ausgepackt werden wolle. Dabei wollten die Kirchen helfen.
http://www.domradio.de/news/70498/evangelische-kirche-in-deutschland-eroeffnet-jahr-der-taufe.html
Liebe Familie von ..........................,
bei der Geburt Ihres Kindes haben viele gute Wünsche Sie begleitet. Inzwischen ist Ihr Kind herangewachsen, hat Ihnen viel Freude aber vielleicht auch Sorgen bereitet. Wir wünschen Ihnen ein Zusammenleben, das von gegenseitiger Liebe und Achtung getragen ist.
Es ist ein großes Geschenk, wenn wir Liebe erfahren. Auch die Taufe ist ein solches Geschenk, denn in ihr wird einem Menschenkind Gottes Liebe zugesagt. So ist die Taufe der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen Gott und einem Menschen.
Dass viele Kinder nicht getauft sind, hat verschiedene Gründe, die wir natürlich respektieren. Manche Eltern wollen, dass sich ihre Kinder für die Taufe selbst entscheiden. Bei anderen haben äußere Gründe bisher gegen eine Taufe gestanden. Vielen Familien fehlte einfach nur der konkrete Anlass.
Den möchten wir Ihnen nun bieten und wollen den Wünschen vieler Familien mit einem besonderen Kindertauffest nachkommen. Wir laden Sie, Ihre Angehörigen und Freunde zu einem Tauffest mit Kaffee, Kuchen und Kinderaktionen am ........... in ........... herzlich ein. Einzelheiten entnehmen Sie dem beiliegenden Flyer.
Es grüßt Sie herzlich ...
P.S.: Sollte Ihr Kind bereits getauft sein und dieser Brief Sie irrtümlicherweise erreichen, dann bitten wir Sie, uns dieses mitzuteilen, damit wir die Taufe in das Kirchenbuch eintragen und damit dokumentieren können.
http://www.evlka.de/content.php?contentTypeID=1425

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