Mit dem Gründonnerstag treten wir in das "sacrum triduum", also in die österliche Dreitagesfeier einer "Symphonie aus Dunkel und Licht", wie ich erst kürzlich lesen konnte. Es spielen hier Trauer, Angst, aber auch Hoffnung und Zuversicht herein. Der "Hohe Donnerstag" eröffnet drei wichtige Gedanken:
1. Jesus hatte immer eine "offene Gesellschaft" um sich und grenzte nicht aus. Er pflegte Tischgemeinschaft mit Frauen, Reichen, Sündern, Sklaven, Dirnen, Zöllnern. Auch beim sogenannten "Letzten Abendmahl" waren Menschen unterschiedlichster Charaktere bei Tisch. Grenzen die Kirchenleitungen nicht auch heute noch immer allzu viele von dieser Tischgemeinschaft aus unterschiedlichsten Gründen aus?
2. Das Amt des Dienens, Begleitens und Helfens durch das Beispiel der Fußwaschung. Sie ist nichts anderes als praktische Umsetzung des Mahles hinein in den Alltag. Mangelt es nicht auch heute sehr oft an der Hilfestellung gegenüber unseren Nächsten in einer Gesellschaft, die starke Tendenzen zur Entsolidarisierung zeigt?
3. Jesus schenkt sich selber: "So oft ihr es tut, tut es zu meinem Gedächtnis." In der Eucharistie zeigt sich "das Osterfest Christi als das 'Lebens-Mittel' und die 'Lebens-Mitte' der Kirche. Manna-Brot vom Himmel für die pilgernde Kirche," (Philipp Harnoncourt), aber auch für unsere persönliche Lebens- und Pilgerreise als Stärkung auch für manche Wüstenwanderung, die wir durchzustehen haben.
Jesus nimmt also Abschied aus dem Kreis seiner Freunde. Aber was bleibt? Erinnerungen, die verblassen, Spuren, die sich verlieren? Nein, diese Freundschaft, dieser Bund mit den Menschen soll bestehen bleiben in ganz konkreten Zeichen, im Zerbrechen des Brotes und im Dienst aneinander. Auf diese Weise bleiben Freundschaft und tiefe Verbundenheit mit Gott und untereinander bestehen. Heute werden wir in besonderer Weise daran erinnert: Wie dieses Brot zerbricht, wird auch Jesus zerbrochen, aber nicht um zugrunde zu gehen, sondern um Nahrung für alle Menschen zu sein, die sich zum Tisch des Herrn eingeladen fühlen. Kein einsames Zerbrechen, sondern ein Ausgeteiltwerden, eine Lebensbegleitung für uns Menschen, kein Tod für sich selbst, sondern Vorankündigung für die Vollendung aller. Diese Freundschaft trägt die Nähe Gottes in sich.
Der Gründonnerstag mahnt aber auch, dieses große Geschenk des gemeinsamen Brotbrechens und Mahlhaltens nicht abzuschwächen in Ersatzformen vereinfachter Feiern, weil es immer weniger Vorsteher bzw. Priester gibt.
"Gut, dass es die Pfarre gibt", Motto der vergangenen Pfarrgemeinderatswahl in Österreich. Zu ergänzen: Gut, dass es Gemeinde gibt. Sie wird aber nur bestehen können, wenn dieses wichtige Element des Brotbrechens weiter garantiert bleibt, wenn sich die Buntheit und Vielfalt der Menschen auch in einer etwas breiteren Vielfalt der Zugangsbestimmungen in den Dienstämtern der Kirche zeigt, denn Brot ist ein lebenswichtiges Nahrungsmittel, nicht nur für unser irdisches Dasein, sondern auch "Brot des Lebens", von dem Jesus selber sagt, dass Er es ist.
Gründonnerstag: Jesus schenkt sich in den Gestalten von Brot und Wein. Brot öffnet jeden Mund. Möge dieses Brot auch unseren Mund öffnen, nicht nur, um zu essen, sondern auch, um Gutes zu sagen, um einzuladen, um zu verzeihen, um Brücken zu bauen, Freundschaften anzubahnen und zu festigen zu Gott, zum Nächsten, zum Frieden in uns selbst.
Am Gründonnerstag erinnern wir uns ans das letzte Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern eingenommen hat. Den Jüngeren dürfte noch nicht bewusst gewesen sein, dass dieses Mahl ein Abschiedsessen war.
Gläubige Juden feierten an diesem Abend den Aufbruch des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Den traditionellen symbolische Zeichen, die bei der Paschafeier üblich waren, fügt Jesus noch zwei weitere bedeutungsvolle Handlungen hinzu und legte den Jüngern ans Herz, diese in Erinnerung an sein Leben immer wieder zu vollziehen. Wie ein Sklave wusch er als Meister den Schülern die Füße und teilte mit ihnen Brot und Wein. Mit diesen Zeichen fasste er deutend sein Leben zusammen. Die Erinnerung daran prägt unser ganzes Leben als Christen.
Am Beginn unseres Gottesdienstes bitten wir Gott um Vergebung für alle Oberflächlichkeiten, durch die wir oft unser Leben bestimmen lassen.
Allmächtiger, ewiger Gott,
am Abend vor seinem Leiden
hat dein geliebter Sohn der Kirche
das Opfer des Neuen und Ewigen Bundes anvertraut
und das Gastmahl seiner Liebe gestiftet.
Gib, daß wir aus diesem Geheimnis
die Fülle des Lebens und der Liebe empfangen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Gründonnerstag
Herr,
gib, daß wir das Geheimnis des Altares ehrfürchtig feiern;
denn sooft wir die Gedächtnisfeier dieses Opfers begehen,
vollzieht sich an uns das Werk der Erlösung.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB Gründonnerstag
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Als der wahre und ewige Hohepriester
hat er die Feier eines immerwährenden Opfers gestiftet.
Er hat sich selbst als Opfergabe dargebracht
für das Heil der Welt
und uns geboten,
daß auch wir diese Gabe darbringen zu seinem Gedächtnis.
Er stärkt uns,
wenn wir seinen Leib empfangen,
den er für uns geopfert hat.
Er heiligt uns,
wenn wir sein Blut trinken,
das er für uns vergossen hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat beim Lezten Abendmahl
das Gedächtnis des Kreuzesopfers gestiftet
zum Heil der Menschen bis ans Ende der Zeiten.
Er hat sich dargebracht als Lamm ohne Makel,
als Gabe, die dir gefällt,
als Opfer des Lobes.
Dieses erhabene Geheimnis heiligt
und stärkt deine Gläubigen,
damit der eine Glaube
die Menschen der einen Erde erleuchte,
die eine Liebe sie alle verbinde.
So kommen wir zu deinem heiligen Tisch,
empfangen von dir Gnade um Gnade und
werden neu gestaltet nach dem Bild deines Sohnes.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und
singen wie aus einem Munde
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 2
Allmächtiger Gott,
du hast uns heute
im Abendmahl deines Sohnes gestärkt.
Sättige uns beim himmlischen Gastmahl
mit dem ewigen Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Gründonnerstag
Warum hat Jesus sich mit Zöllnern und Sündern, mit Armen und Verlassenen an einen Tisch gesetzt? Viel leichter wäre doch gewesen, was alle anderen taten und tun: das Tischtuch zu zerschneiden und getrennt zu sitzen - die Armen in ihren Hütten, die Reichen im Schlemmerlokal, die Bürgerlichen beim Stammtisch, alle jeweils unter sich. Nein: Jesus durchkreuzt solche Abgrenzungen, er bildet eine neue Gemeinschaft. Er ist überzeugt, dass Gottes Reich angebrochen ist, die Weltherrschaft seiner zuvorkommenden Güte. Da ist jeder wichtig und deshalb sind die Ärmsten und Isoliertesten für ihn die ersten Adressaten.
Worum es ihm geht, das fasst er wie in einem Vermächtnis zusammen im Letzten Abendmahl: Noch in der Nacht des Verrates und angesichts des Todes - jeder andere wäre eher verzweifelt oder hätte gekniffen - bricht er das Brot, teilt er sich aus und mit. Alle sollen ein für allemal erkennen, wer er ist und wer Gott ist. Ausdrücklich heißt es ja im Kelchwort: »Für euch und für alle.« Das alles Entscheidende daran ist die Kraft seines Lebens für andere; dadurch stiftet er Versöhnung, schenkt er Vergebung, ermöglicht er Wandlung. Deshalb Eucharistie, deshalb das Fest der Danksagung.
Mutter Teresa sagte: Keiner darf so aus der Kirche herausgehen, wie er hineingegangen ist. Es ändert sich ja etwas. »Wandlung« sagen wir. Durch Gottes Heiligen Geist werden Brot und Wein zu Leib und Blut Christi. Er ist ganz da in unserer Mitte, er wird uns in die Hand gegeben. Wie geht er in uns ein? Wird er empfangen oder nur geschluckt? Wie wird er »verdaut«? Wenn wir ihn in Brot und Wein wirklich zu uns nehmen mit allem, was er ist und was ihn ausmacht, dann müsste sich das auswirken. Jedenfalls haben wir es mit in der Hand, ob wir uns durch ihn und in seinem Sinne wandeln lassen und durch uns die Welt gewandelt wird, ein Stück wenigstens.
Die Person Jesu ist nicht in gleicher Weise verfügbar, wie Brot und Wein verfügbar sind. Wer ihn nur einfach schlucken will, verschluckt sich.
Gegner können miteinander reden, geballte Fäuste können sich öffnen zum Friedensgruß. An einer alten Kirche steht zu lesen: »Hier tritt man ein, um Gott zu lieben. Von hier geht man fort, um die Menschen zu lieben.«
Leib Christi
»Das ist mein Leib für euch.« Das Wort der Wandlung! Indem Christus so mit Leib und Blut real präsent ist, ganz da für uns, geschieht etwas mit uns. Die Wandlung geht nicht über uns hinweg oder an uns vorbei, sie erfasst uns selbst. Wir werden Leib Christi.
Die Kirche ist der Leib Christi, sagen wir. Was heißt das? Es kommt nicht von ungefähr. Der Grund liegt im Abendmahl: »Das ist mein Leib für euch.« Bedenkt, was dieser Leib in sich hat, er schließt euch zum Leib Christi zusammen. »Empfangt, was ihr seid: Leib Christi, damit ihr werdet, was ihr empfangt: Leib Christi« (Augustinus).
Von hierher wird deutlich, wer zum heiligen Mahl einlädt. Nicht wir laden ein; die Tischgemeinschaft erwächst nicht aus unserer gegenseitigen Sympathie, nicht einmal aus unserer »Würdigkeit«. Christus lädt ein; es geht an den »Tisch des Herrn«, zum »Mahl des Lammes«. Er und er allein steht in der Mitte, er und er allein will gehört und empfangen werden. Der Priester handelt in seinem Auftrag, »in persona Christi«.
Worauf alles ankommt, ist dies: Der Herr schenkt sich selbst in seinem Mahl. Alles andere, auch das Miteinander, bekommt von daher seine Begründung. Erst die Gemeinschaft mit dem Leib Jesu Christi bewirkt die Gemeinschaft im Christusleib der Kirche. Darum gibt es auch eine Unwürdigkeit gegenüber dem Leib Jesu Christi selbst. Das darf gerade heute bei dem häufigen Kommunionempfang nicht in Vergessenheit geraten. Der Altartisch, der Tisch des Herrn, darf nicht mit einem x-beliebigen Tisch verwechselt werden. Unterscheidung tut not. Wer nicht an die Gegenwart des Herrn glaubt, darf nicht zu seinem Tisch treten.
Aus: Franz Kamphaus, Hinter Jesus her. Anstöße zur Nachfolge. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010.
Vor etwa zwanzig Jahren fuhr ich mit einigen Freunden in die Wüste Sahara. Da man bei solchen Unternehmungen nicht sicher ist, wie sie ausgehen, habe ich vorher noch ein Testament gemacht. Für ein Testament ist zu überlegen, was im Fall des Todes mit dem angehäuften Mammon geschehen soll. Es stellt sich dabei aber auch die Frage, auf welchen Nenner ich mein Leben eigentlich bringen will, was tatsächlich im Angesicht des Todes wichtig geworden ist, was letztlich im Schmelztiegel des Sterbens noch Bestand hat. Was ist nämlich das Typische meines Lebens? Was möchte ich weitergeben und verschenken? Worin kann mein Leben zur Gabe werden? Was ist mein letzter Wille? Welche Texte der Heiligen Schrift sollen bei meinem Begräbnis verkündet werden? Welches Wort soll auf der Todesanzeige stehen? Jesus hat uns am Abend vor seinem Tod seinen letzten Willen kundgetan: "Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe (Joh 13,14)
Es gibt Handlungen im menschlichen Leben, die oberflächlich erledigt werden. Manche Geschäfte erschöpfen sich im augenblicklichen Vorgang. Es gibt aber auch Zeichen, Worte und Taten, von denen wir überzeugt sind: Diese sind mir ganz wichtig, da ist alles zusammengefasst, was mir bedeutsam ist, da stecke ich ganz drinnen, an dieser Geste bin ich selber zu erkennen. Das kann ein bestimmtes Wort sein, ein Händedruck, eine Geste, ein Kuss, eine Umarmung, ein Symbol. Jesus hat uns ein solches Zeichen geschenkt, das ganz typisch ist für ihn, ein Zeichen, das sein ganzes Leben symbolisch zusammenfasst und in dem er ganz drinnen steckt. "Und sie erkannten ihn, als er das Brot brach" (Lk 24,35).
Von Pfarrern, Politikern und Wirtschaftsmanagern heißt es, dass sie sich gerne Denkmäler setzen. Waren es früher Triumphbögen oder Paläste, so sind es heute eher Straßen, Brücken und soziale Einrichtungen. Wichtig ist die Gedenktafel, deren Inschrift kommende Generationen an die großen Namen erinnern soll. Jesus hat uns ein solches Denkmal hinterlassen, eine Geste, mit der er über die Zeiten hinweg überliefert werden wollte. Die Eucharistie und die Fußwaschung sind Tradition im ursprünglichen Sinn Jesu. Sie sind die Weise, mit der das Gedächtnis an Jesus lebendig erhalten werden soll.
Jesus nahm Brot
Es gab Zeiten, in denen bei uns das Brot heilig war. Bevor ein Laib Brot angeschnitten wurde, wurde er gesegnet. Brot galt als Gabe Gottes, von der nichts verlorengehen durfte. Heute ist das Brot ein Wegwerfprodukt. Es landet - nicht bloß in den Schulen - in den Abfallkübeln. Millionen Tonnen Weizen werden ins Meer geschüttet. "Das Brot und das Wort sind Kleingeld geworden. Wir beten um tägliche Abfallkübel" (Christine Busta). Verloren ist der ehrfürchtige und aufmerksame Umgang mit Brot. Da nützt auch die sympathische Werbung für "das Körberl" nicht viel. Die Heiligkeit des Brotes ist auch nicht durch Bilder von hungernden Kindern in der Dritten Welt wiederzugewinnen, die uns ein schlechtes Gewissen einreden.
Was bedeutet Brot als sakramentales Zeichen? Das Brot ist transparent auf die Erde hin, wie es im Gabengebet der Eucharistie heißt: "Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde ...", auf den Humus hin. Im Brot steckt die ganze Mühe, der Schweiß der menschlichen Arbeit. Das Brot nimmt die glanzlose Alltäglichkeit mit hinein, in der es nichts Besonderes, keine Aktion, keine Show, keine Unterhaltung gibt.
Brot ist transparent auf das Du, auf das tägliche Miteinander hin. Das ist schon von den Arbeitsgängen her so. Arbeit muss ja nicht isolieren, sie kann auch eng miteinander verbinden. Ausdrücklich wird das Miteinander im gemeinsamen Essen, im Mahl. Es wäre schlimm, wenn wir "Eigenbrötler" würden.
Wenn Jesus dieses Brot zum Sakrament macht, so will er damit sagen: Ihr selbst, euer Leben, eure Arbeit, eure Gemeinschaft sollen zum Leib Christi werden. "Empfangt, was ihr seid, Leib Christi. Werdet, was ihr empfangt, Leib Christi", wie der Hl. Augustinus beschreibt. Heilige Messe und Leben sind nicht zwei Paar Schuhe. Wenn manchmal zu hören ist: Die Messe hat mir nichts zu sagen, die Eucharistie gibt mir nichts, oder wenn manche meinen, die Messe hätte nichts mit dem Leben zu tun, so kann das auch daran liegen, dass das Leben verkehrt, verblendet und entfremdet ist. In der Eucharistie wird gebündelt, was im Leben wichtig ist, ja, wie Leben gelingen kann.
Jesus nahm den Kelch mit Wein
"Das ist der Kelch des Neuen und Ewigen Bundes", heißt es dann im Hochgebet. Im Bund steckt die Verbindung, das Sich-Binden, die Verbindlichkeit. Das passt nicht zum Kult der Unverbindlichkeit, die alle Möglichkeiten offenhalten will. - Jesus ist das Ja Gottes in letzter, nicht mehr zurücknehmbarer Verbindlichkeit. Wenn er dieses Ja Gottes im Angesicht des Todes spricht und lebt, so ist es nicht mehr zerstörbar. Von Jesus her hat Gott nicht zwei Seiten: ein lächelndes, liebes und ein grausames Gesicht. Gott hat keinen Januskopf, er ist keine Chimäre. Im Kelch wird diese Treue der Liebe und des Bundes Gottes mit uns Menschen deutlich. Jedes Mal wieder.
Für euch ...
In den Wandlungsworten steckt das bedeutungsschwere Wort: "Für euch". Früher hat man dafür die Worte Stellvertretung und Sühne verwendet. Stellvertretung heißt bei der Eucharistie nicht, dass es da die billige Gnade ohne den Preis der Umkehr gäbe und wir uns die Wandlung, die Umkehr ersparen könnten. Im Gegenteil!
Stellvertretung heißt bei der Fußwaschung nicht, dass wir uns einen Vertreter, einen Ersatzmann suchen und uns so den Dienst, das Beugen auf den Boden, das Einatmen des Fußgeruches ersparen könnten. Im Gegenteil!
Jesus hat bei der Eucharistie und bei der Fußwaschung als Einzelner getan, was auf alle übergehen soll. Er will durch sein Tun die Freiheit des Dienstes und der Hingabe in uns freisetzen.
Christen müssen zu Stellvertretern werden, die die Stelle im Leben, in der Gesellschaft freihalten, die allein Gott gebührt. Christen müssen zu Stellvertretern werden auch in der Caritas, sie müssen den Platz für die Würde des Menschen freihalten, für den Armen, den Behinderten, den Fremden, gerade auch dann, wenn es heißt, dass das Boot -mit Ramsch! - voll ist. Stellvertretung üben heißt, dort Freiräume der Liebe zu schaffen, wo die Freiheit mit Füßen getreten wird. Jesus hat das "Für euch" gerade in einer Situation des Nicht-Verstehens, der Ablehnung und der Gleichgültigkeit gelebt, er hat es gratis, umsonst getan. An ihm konnte sich die Sünde totlaufen, er litt die Konsequenzen der Schuld aus.
Jesus hat uns seinen letzten Willen hinterlassen, er hat uns sein Testament gegeben. "Tut dies zu meinem Gedächtnis", sagte er, "damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe" (vgl. I Kor 11,24f bzw. Joh 13,15).
Aus: Franz Kamphaus, Hinter Jesus her. Anstöße zur Nachfolge. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010.

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