Lesung aus dem Buch Númeri.
In jenen Tagen
kam der Herr in der Wolke herab und redete mit Mose.
Er nahm etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte,
und legte ihn auf die siebzig Ältesten.
Sobald der Geist auf ihnen ruhte,
redeten sie prophetisch.
Danach aber nicht mehr.
Zwei Männer aber waren im Lager geblieben;
der eine hieß Eldad,
der andere Medad.
Auch über sie kam der Geist.
Sie gehörten zu den Aufgezeichneten,
waren aber nicht zum Offenbarungszelt hinausgegangen.
Auch sie redeten prophetisch im Lager.
Ein junger Mann lief zu Mose
und berichtete ihm:
Eldad und Medad
sind im Lager zu Propheten geworden.
Da ergriff Jósua, der Sohn Nuns,
der von Jugend an der Diener des Mose gewesen war, das Wort
und sagte: Mose, mein Herr, hindere sie daran!
Doch Mose sagte zu ihm: Willst du dich für mich ereifern?
Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde,
wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Ihr Reichen,
weint nur und klagt über das Elend, das über euch kommen wird!
Euer Reichtum verfault
und eure Kleider sind von Motten zerfressen,
euer Gold und Silber verrostet.
Ihr Rost wird als Zeuge gegen euch auftreten
und euer Fleisch fressen wie Feuer.
Noch in den letzten Tagen habt ihr Schätze gesammelt.
Siehe, der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben,
der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt,
schreit zum Himmel;
die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben,
sind bis zu den Ohren des Herrn Zebaoth gedrungen.
Ihr habt auf Erden geschwelgt und geprasst
und noch am Schlachttag habt ihr eure Herzen gemästet.
Verurteilt und umgebracht habt ihr den Gerechten,
er aber leistete euch keinen Widerstand.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus:
Meister, wir haben gesehen,
wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb;
und wir versuchten, ihn daran zu hindern,
weil er uns nicht nachfolgt.
Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht!
Keiner, der in meinem Namen eine Machttat vollbringt,
kann so leicht schlecht von mir reden.
Denn wer nicht gegen uns ist,
der ist für uns.
Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt,
weil ihr zu Christus gehört –
Amen, ich sage euch:
Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben,
Ärgernis gibt,
für den wäre es besser,
wenn er mit einem Mühlstein um den Hals
ins Meer geworfen würde.
Wenn dir deine Hand Ärgernis gibt,
dann hau sie ab;
es ist besser für dich,
verstümmelt in das Leben zu gelangen,
als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen,
in das nie erlöschende Feuer.
Und wenn dir dein Fuß Ärgernis gibt,
dann hau ihn ab;
es ist besser für dich, lahm in das Leben zu gelangen,
als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.
Und wenn dir dein Auge Ärgernis gibt,
dann reiß es aus;
es ist besser für dich,
einäugig in das Reich Gottes zu kommen,
als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden,
wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Wie ein Mühlstein lastet der fahrlässige Umgang mit Priestern und Ordensleuten, die sich des Missbrauchs ihnen anvertrauter Jugendlicher oder Erwachsener schuldig gemacht haben, auf der Kirche. Die Fakten und Zusammenhänge sind zu komplex, um sie an dieser Stelle ausreichend zu analysieren und aufarbeiten zu können. Wo immer die Vorwürfe zutreffen, lösen sie Abscheu und Erschütterung aus. Die Auseinandersetzung mit einzelnen Fällen hat gezeigt, dass es dabei meist nicht nur um Missbrauch im Bereich der Sexualität geht, sondern um den Missbrauch eines Vertrauensverhältnisses und um den Missbrauch eines Vertrauensvorschusses, den jemand auf Grund seines Amtes oder seiner Stellung genießt.
Das Bildwort vom Mühlstein, das wir heute im Evangelium gehört haben, ist vor dem Hintergrund derartiger Fakten gut nachvollziehbar, auch wenn damit noch nicht alles gesagt ist. Sieht man sich die persönliche Geschichte eines Täters näher an, entdeckt man nicht selten Zusammenhänge, die es nicht zulassen, dass man ihnen allein die Schuld anlastet. Manches davon lässt uns ratlos zurück. Trotz Mühlstein-Wort glaube ich an die Barmherzigkeit Gottes und die Möglichkeit der Vergebung. Diese darf aber nicht zum Vorwand für eine Verharmlosung werden.
Schwerer einzuordnen als das Wort vom Mühlstein sind die Aufforderungen Jesu, sich lieber selbst zu verstümmeln als unversehrt dem Gericht Gottes zu verfallen.
Um diese Worte zu verstehen, halte ich es für notwendig, auf den Zusammenhang des ganzen Abschnittes zu schauen. Am vergangenen Sonntag haben wir die Vorgeschichte dieser harten Rede Jesu vorgetragen bekommen. Während Jesu Gedanken um sein bevorstehendes Leiden, den Tod und die Auferstehung in Jerusalem kreisten, beschäftigten sich die Jünger mit der Frage, wer von ihnen im kommenden Reich Gottes welche (Macht-)Position einnehmen werde. Jesus demonstriert am Beispiel von Kindern, dass die eigentliche Größe vom Kleinsein und Dienen komme. Ihm geht es darum, die in diesem Sinne "Kleinen" um sich zu sammeln und nicht darum, eine mächtige Bewegung aufzubauen. Wer diesen "Kleinen" auch nur einen Becher Wasser reiche - ob er sich zu den Jüngern und Jüngerinnen rechnet oder nicht - werde nicht um seinen Lohn kommen. Wer hingegen einem dieser "Kleinen" schade - in welcher Weise auch immer - werde dem Gericht Gottes überantwortet.
Mit den Kleinen sind hier nicht nur die Kinder gemeint, sondern die Bedeutungslosen und Schwachen in der Gefolgschaft Jesu. Für sie da zu sein, darauf kommt es an. Die Versuchung, diese Kleinen als Steigbügel für den eigenen Aufstieg bzw. für den eigenen Egotrip zu missbrauchen, ist für alle gegeben, die sich selbst groß machen und verwirklichen wollen.
Jede Begabung, jedes Charisma hat auch eine Kehrseite und kann zur Versuchung werden. Es ist gut und notwendig, dass Menschen andere führen und leiten können. Wer andere führt und leitet, achte aber darauf, wohin er sie führt. Jede Machtposition beinhaltet auch die Versuchung zum Machtmissbrauch.
Missbrauch hat viele Facetten und darf nicht auf den sexuellen Missbrauch allein fixiert werden. Es gibt Zeitgenossen, die polieren ihr Image mit Geld, das nicht ihnen gehört. Andere gefallen sich in der Rolle des Meinungsmachers oder Gurus, der von allen um Rat gefragt wird und der um keinen Rat verlegen ist. Wieder andere blenden als Star oder Wunderwuzzi...
Gerade im religiösen Bereich gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, seine Rolle zu missbrauchen. Und dies gilt nicht nur für Priester. Dies gilt für alle, die ein Amt oder einen Dienst in der Kirche wahrnehmen. Der geistliche Berater ist unter Umständen versucht, in der geistlichen Begleitung seine eigenen Interessen oder die der Kirche zu verfolgen und das seelische Wohl des Ratsuchenden aus dem Blick zu verlieren. Der Liturge und alle Mitwirkenden in der Liturgie können versucht sein, mehr sich selbst oder die Größe der Kirche zu zelebrieren als das Lob Gottes. Ordensleute sind versucht, das Image ihrer Organisation höher zu stellen als das Heil der ihnen Anvertrauten. U.v.a.m.
Die Grenzen zum Missbrauch sind fließend. Dass ein Gemeinwesen funktioniert, dazu braucht es viele Begabungen und Fähigkeiten, die gefunden, geweckt und gepflegt werden müssen. Für jeden, der seine Möglichkeiten für die Gemeinschaft der Kirche einsetzt, müssen wir froh und dankbar sein. Es wäre genauso falsch, seine Talente zu vergraben, belehrt uns Jesus an anderer Stelle. Jede Begabung kann sich aber auch verselbständigen und das Ziel der Gemeinschaft, dem sie dienen soll, aus den Augen verlieren. In manchen Fällen kann eine Begabung, ein Charisma sogar zum Schaden anderer werden. Davor möchte Jesus seine Jüngerinnen und Jünger bewahren. Seine drastischen Worte zeigen, dass es dabei nicht nur um Ausrutscher oder Kavaliersdelikte geht. Unter Umständen können die Fehler Einzelner das Ganze gefährden und zum Mühlstein werden.
Wir müssen uns hüten, aus der Möglichkeit des Missbrauchs falsche Konsequenzen zu ziehen. Falsch wäre es meines Erachtens, zum Schutz vor Missbrauch neue Tabus aufzubauen. Der beste Schutz ist, dass wir über alles, was uns bewegt, offen reden. Auch über heikle Themen wie Sexualität und Machtverteilung. Dazu braucht Aufrichtigkeit, Feinfühligkeit, Diskretion, aber auch den Mut, wichtige Fragen offen anzusprechen.
Jesus spürt genau, was seine Jünger bewegt und worüber sie hinter seinem Rücken sprechen. Er spricht es offen aus und an. Er legt ihnen seine Vorstellungen vom Umgang mit Fragen der Machtausübung im Reich Gottes dar. Er mischt sich ein, redet, argumentiert und spielt seine göttliche Autorität nicht aus. – Da gibt es für uns noch manches zu lernen.
Gut und böse liegen oft nahe beieinander. Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Der Anfang des Bösen sieht meist harmlos aus. Es braucht ein gewisses Maß an Klugheit, um das Gute, das wir anstreben, auch zu erreichen und das Böse, das wir ablehnen, auch zu vermeiden. Bitten wir den Herrn um diese Klugheit und bitten wir ihn um Vergebung des Bösen, in das wir hinein verwickelt wurden.
Großer Gott, du offenbarst deine Macht
vor allem im Erbarmen und im Verschonen.
Darum nimm uns in Gnaden auf,
wenn uns auch Schuld belastet.
Gib, dass wir unseren Lauf vollenden
und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott.
Bei dir ist Freude über jeden Menschen,
der umkehrt und Buße tut.
Denn du bist der Vater, der für alle ein Herz hat.
Lass uns darauf vertrauen und deinem Ruf folgen.
Hilf uns,
dass auch wir einander vergeben,
wie du uns vergibst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 27
Barmherziger Gott,
nimm unsere Gaben an
und öffne uns in dieser Feier
die Quelle, aus der aller Segen strömt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
nimm die Gaben an, die wir darbringen,
und mache das heilige Opfer in uns wirksam.
Befrei uns von der alten Anhänglichkeit an das Böse
und laß das neue Leben der Gnade in uns wachsen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Montag der Fastenzeit
Kehrvers
Dir sei Preis und Dank und Ehre. (GL 670,8)
Guter Gott, wir preisen dich,
weil du immer wieder zeigst,
dass du ein Herz für die Hilflosen und Schwachen hast.
Einst hast du auf das Schreien deines unterdrückten Volkes gehört
und es aus der Sklaverei des Pharao herausgeführt.
Kehrvers
Durch die Propheten hast du immer wieder deine Stimme erhoben
und bist für die Rechte der Armen und Schwachen,
der Fremden oder Heimatlosen, der Witwen und der Waisen eingetreten.
Kehrvers
Jesus, dein Sohn hat den Armen und Ohnmächtigen,
den Hungernden, den Trauernden und Friedfertigen
Mut zugesprochen und sie selig gepriesen.
Die Kinder hat er in seinen Schutz genommen,
und ihr Vertrauen in deine Güte uns zum Vorbild gegeben.
Kehrvers
Mit den Ausgegrenzten und Sündern hat er sich an den Tisch gesetzt
und sie das Reich des Friedens erahnen lassen,
das du uns allen einmal schenken wirst.
Darum stimmen wir ein in den Lobpreis der ganzen Schöpfung
und singen wir mit allen Engeln und Heiligen.
Danklied, z. B. Nun danket alle Gott (GL 405)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken für deine Liebe,
die du uns niemals entzogen hast.
Du hast den Menschen in deiner Güte erschaffen
und ihn, als er der gerechten Strafe verfallen war,
in deiner großen Barmherzigkeit erlöst
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir
das Werk deiner Gnade und singen
mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 2
Allmächtiger Gott,
in der Feier der Eucharistie
haben wir den Tod des Herrn verkündet.
Dieses Sakrament stärke uns an Leib und Seele
und mache uns bereit mit Christus zu leiden,
damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
schenke uns durch dieses Sakrament die Fülle deines Erbarmens
und mache uns heil.
Gewähre uns deine Hilfe,
damit wir so vor dir leben können, wie es dir gefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB

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Numeri erzählt den Aufbruch Israels vom Sinai nach der Gesetzgebung, die neuerliche Wanderung durch die Wüste, bis an die Grenze des Verheißenen Landes.
Das Führungsteam
Der erste Teil des Buches Numeri Num 1,1 - 10,10 setzt sich mit der neuen Ordnung des Gottesvolkes nach der Gesetzgebung auseinander. Danach bricht das Volk unter der Führung des Mose auf, um in das von Gott verheißene Land zu ziehen (Num 10,11ff). Aber schon nach drei Tagen beginnt das Volk wieder zu jammern und sich nach Ägypten zurückzusehnen so wie vor dem Bundesschluß. In dieser Situation wird es dem Mose zuviel und er klagt Gott: "Warum hast du deinen Knecht so schlecht behandelt, und warum habe ich nicht deine Gnade gefunden, daß du mir die Last mit diesem ganzen Volk auferlegst?" (Num 11,11). Die Antwort Gottes sind wieder Wachteln für das Volk und ein Leitungsteam von 70 Ältesten für Mose.
Prophetie und Amt
Die 70 Ältesten empfangen Gottes Geist, und damit werden die zu Richtern und Volksführern Bestimmten zu Propheten. Auch auf die beide Ältesten, die nicht mit den anderen zum Offenbarungszelt hinausgegangen waren, kam der Geist Gottes. Der Geist Gottes nimmt keine Rücksicht auf Ort und Zeit, menschliche Konventionen und fromme Vorstellungen, er wirkt dort, wo sich Menschen von ihm berühren lassen, auch mitten im Alltag. Als es darüber zur Diskussion kommt, vertritt Mose eine neue Sicht der Berufung des Volkes Israel: Alle sollen Gottes Geist empfangen. Das Gesetz allein bringt das Volk nicht zum Halten der Gebote, wie Israel gerade erst bewiesen hat, sondern das Gesetz muß im Herz des Menschen, in seiner Personsmitte verankert sein. Der Prophet Ezechiel formuliert diese Notwendigkeit einige Jahrhunderte später so:
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch.
Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, daß ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt. (Ez 36,26-27)
Der Apostel Petrus sieht diesen Wunsch Mose, dessen Realisierung später auch als Zeichen für die messianische Endzeit galt, im Pfingstereignis erfüllt (Apg 2,16ff).