Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn ihr mich liebt,
werdet ihr meine Gebote halten.
Und ich werde den Vater bitten
und er wird euch einen anderen Beistand geben,
der für immer bei euch bleiben soll.
Wenn jemand mich liebt,
wird er mein Wort halten;
mein Vater wird ihn lieben
und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.
Wer mich nicht liebt,
hält meine Worte nicht.
Und das Wort, das ihr hört,
stammt nicht von mir, sondern vom Vater,
der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
Der Beistand aber, der Heilige Geist,
den der Vater in meinem Namen senden wird,
der wird euch alles lehren
und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Einmal im Jahr am Ende des Osterfestkreises bekommt der Heilige Geist etwas mehr Raum zugesprochen, obwohl wir bei jeder heiligen Messe den Heiligen Geist herabrufen und die biblischen Texte immer wieder vom Heiligen Geist sprechen. Nicht die Kirche oder die Gemeinschaft der Heiligen sind Gegenstand unseres Glaubens wie man aus dem Text des Glaubensbekenntnisses schließen könnte, sondern einzig und allein der dreifaltige Gott, den wir am nächsten Sonntag besonders in den Blick nehmen: Ich (wir) glaube(n) an den Heiligen Geist- somit an den, der Beziehung schafft. Das Leben Gottes ist Beziehung: Beziehung in sich, Selbstmitteilung, sich einander mitteilen, Austausch des Lebens, das wir Person nennen.
Die erste Lesung aus der Apostelgeschichte zeigt uns, dass Gott neue Seiten seines Wesens zu erkennen gibt. Der Heilige Geist ist Gabe für die Zeit nach Jesu Tod. Es ist der Geist der Einheit, der Menschen über die Barrieren von Sprache und Nationalität zusammenführt ohne die kulturelle Vielfalt, die es von Anfang an in unserer Welt und auch in der Kirche gibt, zu zerstören. Auch wenn es immer wieder Spannungen, Auffassungsunterschiede und Konflikte gibt, ist ein Weg in die Einheit möglich, zugegebenermaßen schwer zu finden.
Im Roman "Parallelen der Liebe" von Aldous Huxley (1894-1963) lesen wir: "Von zweierlei Treue hin- und hergerissen zu werden ist das schmerzliche Los fast jedes Menschen: Hie Gott, hie Teufel, hie Geist, hie Fleisch." Anders gesagt: Der Mensch ist ein Zerrissener, Heimatloser. "Dieser Konflikt in seinen verschiedenen Gestalten ist der Gegenstand jedes Dramas." Persönlich füge ich hinzu: ist der Konflikt jedes menschlichen Lebens. Zerrissenheit, seelische Halt-und Heimatlosigkeit, Unsicherheit werden durch die neuen Medien wie Internet, Facebook, Twitter- und damit auch durch die Rasanz der Zeit offenbar.
An anderer Stelle in Huxleys Roman "Parallelen der Liebe" ist zu lesen: "Der Geist muss offen sein [...] frei von unwichtigen Dingen und völlig ruhig. Es ist kein Platz für Gedanken in einem angestopften Hirn voll Lärm. Wo der Mensch seinen Geist mit so viel irdischem Kleinkram füllt, dass Gott darin keinen Raum mehr findet, da begeht er die Sünde wider den Geist." Paulus empfiehlt deshalb im Brief an die Römer: "Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne (und Töchter) Gottes." (Röm.8,14). Am Pfingstfest kommt der Heilige Geist in Form von Feuerzungen auf die Apostel nieder. (Apg. 2,1-4). Gott wählt das Symbol des Feuers, um den Menschen nahe zu sein. Seine Wärme und sein Licht sind spür- und sichtbar.
Ob wir für andere Licht sind, zeigt sich in unserem täglichen Leben, in all jenen Begebenheiten, in denen wir uns in irgendeiner Weise mit unseren Mitmenschen auseinandersetzen. Sie haben immer einen konkreten Anfang, der sehr schnell eine kritische Phase heraufbeschwören kann. Daraus erwächst der Höhepunkt, dem das gute oder böse Ende folgt. Anfang, kritische Phase, Höhepunkt und Ende sind die vier Bauelemente unserer persönlichen "Alltagsgeschichten" oder unserer Lebensgeschichte. Ob es sich um eine gute oder böse handelt, entscheidet sich in der kritischen Phase.
Hat nicht hier besonders das Schriftwort Gültigkeit: "Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne (und Töchter) Gottes." Unsere persönliche Alltagsgeschichte kann zur Überlebensgeschichte werden. Die Psychologie hilft uns, blinde Flecken in unserem vielschichtigen Menschsein auf dem Weg zur Mitte zu entdecken. Der Mensch ist ein Rätsel, ein Geheimnis. Vieles in meiner persönlichen Lebensgeschichte ist mir nicht bewusst, unbekannt, damit auch nicht erklärbar, manches wird anderen über mich bekannt, was sich zur kritischen Phase in meinem Alltag entwickeln kann. Sind in diesen Situationen andere für mich Licht, und inwieweit habe ich anderen Wärme gegeben?
"Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne (und Töchter) Gottes." Das gilt natürlich auch für die christlichen Kirchen. Wie viele blinde, dunkle Flecken sind auch in den Kirchen zu erforschen? Blindheit nimmt gefangen, macht eng und ängstlich, das Licht des Geistes fehlt. Es ist sehr zu hoffen, dass wir durch den neuen Papst, der ein großer Verehrer des Heiligen Geistes ist, wir wieder besser ans Evangelium herangeführt werden. Unser Umgang miteinander, auch der einzelnen Kirchen untereinander, bestimmt, ob wir Wege und Tore öffnen oder verschließen, ob wir Licht sein wollen als geisterfüllte Menschen oder, ob wir nicht das Licht ausblasen, auch das Licht anderer Konfessionen.
"Der Geist des Herrn erfüllt das All
mit Sturm und Feuersgluten.
Er krönt mit Jubel Berg und Tal.
Er lässt die Wasser fluten."
Herr, nach unserer Ebbe, schenke uns deine Flut.
Allmächtiger, ewiger Gott,
durch das Geheimnis des heutigen Tages
heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen.
Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes,
und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat,
das wirke sie auch heute in den Herzen aller,
die an dich glauben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Pfingsten am Tag
Allmächtiger Gott,
erfülle die Verheißung deines Sohnes:
Sende uns deinen Geist,
damit er uns in die volle Wahrheit einführt
und uns das Geheimnis dieses Opfers
immer mehr erschließt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingsten am Tag
Kehrvers:
Jubelt dem Herrn alle Lande,
Halleluja, preist unseren Gott. (GL 643,1)
Danke, Schöpfer-Geist, dass du ununterbrochen unser Chaos in Kosmos verwandelst; dass du unseren Geist besucht und unser Herz mit Gnade erfüllt hast.
Kehrvers
Danke, dass du für uns der Tröster bist, die größte Gabe des Vaters, das lebendige Wasser, das Feuer, die Liebe und die geistliche Salbung.
Kehrvers
Danke für die unendlichen Gaben und Charismen, die du als mächtiger Finger Gottes unter den Menschen verteilt hast, du erfüllte und ständig zu erfüllende Verheißung des Vaters.
Kehrvers
Danke für das Wort aus Feuer, das du niemals aufgehört hast, in den Mund der Propheten, der Seelsorger, der Missionare und der Beter zu legen.
Kehrvers
Danke für das Licht Christi, das du in unserem Geist hast leuchten lassen, für seine Liebe, die du in unsere Herzen ausgegossen hast, und für die Heilung, die du in unserem gebrechlichen Leib bewirkt hast.
Kehrvers
Danke, dass du uns im Kampf zur Seite gestanden hast, dass du uns geholfen hast, den Feind zu besiegen oder uns nach der Niederlage wieder zu erheben.
Kehrvers
Danke, dass du unser Führer warst in den schwierigen Entscheidungen des Lebens und dass du uns vor der Faszination des Bösen bewahrt hast.
Kehrvers
Danke schließlich, dass du uns das Angesicht des Vaters offenbart und uns gelehrt hast, "Abba!" zu rufen.
Kehrvers
Danke, dass du uns dazu anspornst, zu erklären: "Jesus ist der Herr!"
Kehrvers
Danke, dass du dich der Kirche der Väter und der unserer Tage offenbart hast als das Band der Einheit zwischen Vater und Sohn, als unaussprechliches Objekt ihrer gemeinsamen Hauchung der Liebe, als Lebensatem und Duft göttlicher Salbung, die der Vater dem Sohn überträgt, indem er ihn zeugt "noch vor dem Morgenstern".
Kehrvers
Danke einfach dafür, dass du da bist, jetzt und in alle Ewigkeit, sei dir, Heiliger Geist, gedankt!
Danklied: z. B.: Nun danket alle Gott (GL 405)
Aus Raniero Cantalamessa, Komm, Schöpfer Geist. Betrachtungen zum Hymnus Veni Creator Spiritus. Aus dem Italienischen von Ingrid Stampa. Mit einem Vorwort von Joseph Kardinal Ratzinger, Freiburg i. Br.: Verlag Herder 1999.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken
und diesen Tag in festlicher Freude zu feiern.
Denn heute hast du das österliche Heilswerk vollendet,
heute hast du den Heiligen Geist
gesandt über alle,
die du mit Christus auferweckt
und zu deinen Kindern berufen hast.
Am Pfingsttag erfüllst du
deine Kirche mit Leben:
Dein Geist schenkt allen Völkern
die Erkenntnis des lebendigen Gottes
und vereint die vielen Sprachen
im Bekenntnis des einen Glaubens.
Darum preisen dich alle Völker
auf dem Erdenrund in österlicher Freude.
Darum rühmen dich die himmlischen Kräfte
und die Mächte der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Pfingsten
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt
und verkündeten Gottes große Taten.
(vgl. Apg 2, 4.11)
Oder:
Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen,
und du erneuerst das Antlitz der Erde.
Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn;
der Herr freue sich seiner Werke.
(Ps. 104,30f.)
Oder:
Wie mich der Vater gesandt hat,
so sende ich euch.
(Joh 20,21)
Oder:
Wenn der Geist dessen in euch wohnt,
der Jesus von den Toten auferweckt hat,
dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat,
auch euren sterblichen Leib lebendig machen,
durch seinen Geist, der in euch wohnt.
(Röm. 8,11)
Herr, unser Gott,
du hast deine Kirche
mit himmlischen Gaben beschenkt.
Erhalte ihr deine Gnade,
damit die Kraft aus der Höhe, der Heilige Geist,
in ihr weiterwirkt
und die geistliche Speise sie nährt
bis zur Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingsten am Tag
Herr, unser Gott,
du hast uns im heiligen Mahl gesättigt.
Erfülle uns durch dieses Sakrament mit der Glut des Heiligen Geistes,
den du am Pfingstfest den Aposteln gesandt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der gütige Gott hat am heutigen Tag die Jünger durch die Eingießung des Heiligen Geistes erleuchtet.
Er segne euch und schenke euch den Reichtum seiner Gaben. Amen.
Jenes Feuer, das in vielen Zungen auf die Jünger herabkam,
reinige eure Herzen und entzünde in euch die göttliche Liebe. Amen.
Der Heilige Geist, der die vielen Sprachen im Bekenntnis des Glaubens geeint hat,
festige euch in der Wahrheit und führe euch vom Glauben zum Schauen. Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
MB Vom Heiligen Geist
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Was ist das?
Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft
an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann;
sondern der Heilige Geist
hat mich durch das Evangelium berufen,
mit seinen Gaben erleuchtet,
im rechten Glauben geheiligt und erhalten;
gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden
beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt
und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben;
in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen
täglich alle Sünden reichlich vergibt
und am Jüngsten Tage
mich und alle Toten auferwecken wird
und mir samt allen Gläubigen in Christus
ein ewiges Leben geben wird.
Das ist gewißlich wahr.
Martin Luther (1529) Kleiner Katechismus.
Und doch, obwohl ein jeder von sich strebt
Wie aus dem Kerker, der ihn hasst und hält,-
Es ist ein großes Wunder in der Welt:
Ich fühle: alles Leben wird gelebt.
Wer lebt es denn? Sind das die Dinge, die
wie eine ungespielte Melodie
im Abend wie in einer Harfe stehn?
Sind das die Winde, die von Wassern wehn,
sind das die Zweige, die sich Zeichen geben,
sind das die Blumen, die die Düfte weben,
sind das die langen alternden Alleen?
Sind das die warmen Tiere, welche gehen,
sind das die Vögel, die sich fremd erheben?
Wer lebt es denn? Lebst du es, Gott, - das Leben?
R. M. Rilke, Die Gedichte, Frankfurt: Insel 1986.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Entscheidend ist die innere Verbindung mit Jesus durch die Liebe zu Jesus. Wer mit Jesus in Liebe verbunden ist, ist zugleich mit dem Vater in Verbindung, und erfährt den Beistand, d. h. die Begleitung und Führung durch den Heiligen Geist.
Voraussetzung und Konsequenz des Beschenktwerdens mit dem Heiligen Geist als Beistand ist die Liebe zu Jesus und das Festhalten an seinem Wort bzw. an seinen Geboten. Es geht dabei nicht nur um ein bloß verstandesmäßiges Begreifen dessen, was Jesus ist und was er sagt und fordert, sondern um eine Lebenspraxis, die ihm und seiner Weisung entspricht. Für das liebende Festhalten am Wort Jesu ist den Jüngern zusätzlich zum Heiligen Geist eine neue Gemeinschaft mit Jesus und dem Vater verheißen. Wenn in Ez 37,26 f. für die Endzeit von der Wohnung Gottes unter den Menschen gesprochen wird, so kommt diese Wirklichkeit in der vorliegenden Perikope in mehr existentiell-persönlicher Weise zum Ausdruck: Wer Jesus liebt und an seinem Wort festhält, zu dem werden er und der Vater kommen und bei ihm wohnen.
Wer sich auf die Verbundenheit mit Jesus einlässt, wird auch den Vater erfahren, der Jesus gesandt hat. Und er wird den Geist spüren, den Vater und Sohn senden.