Das eben gehörte Evangelium hat der Evangelist Johannes allen noch folgenden Berichten über Jesu Wirken vorangestellt. Im Zeugnis des Täufers wird Christus als das Lamm Gottes, als der Erlöser der Welt bezeugt, der alle Sünde hinwegnimmt. Jesus ist der, auf den sich Gottes Geist herabsenkt. Unter diesem Gesichtspunkt soll der Hörer oder Leser die noch kommenden Berichte im Johannesevangelium über den Messias betrachten. Also noch bevor sich Jesus durch seine Lehren und Taten selbst als der Messias erweist und offenbart, möchte der Evangelist Johannes klarstellen, wer Jesus von seinem Wesen her ist. Jeder einzelne soll dann für sich die Berichte über Jesus und seine Taten betrachten und persönlich entscheiden, ob er Christus trauen und sich seiner Gemeinschaft anschließen will.
Das Zeugnis des Täufers beruht nicht auf eigener Erkenntnis, sondern entspringt der Offenbarung Gottes. Johannes der Täufer sagt: Ich sah, wie der Geist vom Himmel herabkam und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn vorher nicht; aber der, der mich gesandt hat, der hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist taufen wird.
Wenn wir die Berichte der anderen Evangelisten über Johannes den Täufer mit dem gehörten Text vergleichen, dann spüren wir, dass der Evangelist Johannes den Täufer als den zeichnet, der auf Christus hinweist. Nichts wird beim vierten Evangelisten berichtet von der Bußpredigt des Täufers, von seiner ungewöhnlichen, symbolhaften Kleidung in Kamelfell‚ von seiner asketischen Lebensweise, der Ernährung von Heuschrecken und wildem Honig. Der vierte Evangelist zeichnet den Täufer nicht als Bekehrungsprediger, sondern als den, der den Sohn Gottes in den Blick bringt.
Wir können davon ausgehen, dass die ersten drei Evangelisten das Auftreten des Täufers im Groben geschildert haben, wie es tatsächlich war. Der Täufer war eine kantige Gestalt, der kein Blatt vor den Mund nahm und niemanden fürchtete, selbst Herodes nicht. Wenn der Evangelist Johannes in seinem Bericht über den Täufer hiervon absieht und dies unerwähnt lässt, dann dürfen wir vermuten und annehmen, dass er uns jene Seite des Täufers nahe bringen wollte, die wir nachahmen können, nämlich: Hinweisen auf Christus. Das kann jeder; dazu braucht man nicht notwendig den Charakter und das lautstarke Auftreten des Bußpredigers am Jordan. Der Täufer, ein Vorbild und Beispiel für alle Christen - so könnte man wohl die Absicht des Evangelisten Johannes zusammenfassen.
Wie wichtig das Hinweisen auf Christus ist, dafür liefert der Evangelist Johannes direkt im Anschluss an den gehörten Evangelientext ein Beispiel, indem er berichtet: Am Tag darauf stand Johannes wieder dort, und zwei seiner Jünger - die wohl am Vortag nicht anwesend waren - standen bei ihm. Als Jesus vorüber ging, richtete der Täufer seinen Blick auf Jesus und sagte: Seht, er ist das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten es und folgten Jesus.
Zum Glauben an Christus finden auch heute die meisten Menschen, indem sie auf Jesus und seine Weisungen aufmerksam gemacht werden. In der Regel sind dies zunächst die Eltern, Lehrer, Katecheten. Aber mit zunehmendem Alter werden es Menschen sein, die durch ihre Haltung, ihre Denken und Handeln auf den hinweisen, dem sie sich innerlich verpflichtet wissen. Worte, Katechesen, Religionsunterricht, Predigten sind wichtig; aber sie werden bei weitem übertroffen durch Begegnungen mit Menschen, die echt und bewusst ihren Glauben leben.
Dabei ist tröstlich und entlastend für uns zu sehen, worauf uns der Evangelist Johannes aufmerksam machen möchte: Um zu denen zu gehören, die auf Christus hinweisen, muss ich nicht so kühn und unerschrocken wie der Täufer sein. Ich muss mich von den normalen Menschen nicht absondern und auffällig werden in meiner Kleidung oder in meinem Lebensstil. Ich darf sanft sein und muss nicht kantig auftreten. Nicht der erhobene Zeigefinger ist wichtig, sondern Liebe, Güte, Herzlichkeit, Wohlwollen.
Noch ein Zweites will uns der Evangelist Johannes mit der Art und Weise, wie er uns den Täufer vor Augen stellt, nahelegen. Dieser hätte sich als der Vorläufer des Messias aufplustern und herausstreichen können, hätte mit der Offenbarung, die ihm zuteil wurde, auftrumpfen und angeben können. All das findet sich beim Täufer nicht. Er bleibt bescheiden, demütig, ein Diener Gottes, in dessen Auftrag er sich weiß.
Mit diesem Bild des Täufers, eines demütigen, schlichten Hinweisers auf Christus möchte uns der Evangelist Johannes zu den Menschen senden. Diese Seite an Johannes dem Täufer sollen wir nachahmen. Wir können nicht darauf zählen, dass wir stets so erfolgreich sind wie der Täufer. Oft wird wahrscheinlich unser Hinweis auf den Glauben, auf Christus, auf eine christliche Norm oder ein Gebot auch ins Leere gehen, nicht angenommen oder sogar deutlich abgelehnt werden. Das sollte uns nicht entmutigen. Wenn wir geprüft haben, ob unser Hinweis demütig, ohne erhobenen oder gar drohenden Zeigefinger, aus Sorge um den anderen geschieht, dann bleibt unser Hinweis ein wertvoller Dienst. Denn ohne Hinweise auf Christus würden viele nicht zu ihm finden. Und niemand weiß, ob nicht ein von Liebe getragener Hinweis, der zunächst durchaus strickt abgelehnt wurde, nicht doch in zwei oder fünf Jahren dennoch gern und dankbar aufgegriffen wird.
Hinweisen auf Christus als unseren Retter, auf Jesu grenzenlose Liebe, auf sein Heil und sein Heilen, bleibt Aufgabe und Auftrag für jeden Getauften. Daran möchte uns der Evangelist Johannes mit dem heutigen Evangelium erinnern. Dieser Auftrag wird uns nicht diktiert und befohlen, aber sehr eindringlich ans Herz gelegt.
Johannes sieht einen Mann, der unterwegs ist, der auf ihn zugeht. Einen Mann unter vielen, einen, dem man nichts Besonderes merkt, der nicht groß auffällt. Einen, den man gewöhnlich übersieht. Dann aber deutet Johannes auf diesen Mann: "Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt." Und er begründet sein Wort auch: "Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam und wie eine Taube auf ihm blieb."
Dadurch ging dem Johannes auf, wer dieser Jesus ist. Und er betrachtet es als seine wichtigste Aufgabe, auf ihn hinzuweisen, den Menschen, die ihm zuhören, zu verkünden, mit wem sie es bei Jesus zu tun haben. Damit fangen auch andere an, Jesus zu erkennen, um seine Bedeutung für die Welt zu wissen. Wenn wir im Johannes-Evangelium weiter lesen, dann folgen die ersten Jünger auf das Zeugnis des Johannes dem Jesus nach.
Der Maler Matthias Grünewald hat im Isenheimer Altar diese Szene an das Ende des Lebens Jesu verlegt. Da steht unter dem Kreuz nicht der Jünger Johannes, sondern Johannes, der Täufer. Mit langem Finger deutet er auf den, der am Kreuz stirbt. Da sollen die Menschen erkennen, er ist wie ein Lamm, das geschlachtet wird, er ist der, der durch sein Sterben die Sünde der Welt hinweg nimmt. Und um die Symbolik noch zu verstärken, hat der Künstler ein Lamm zu Füßen des Täufers platziert.
Was Johannes, der Täufer, verkündet, wofür er Zeugnis gibt, das bestätigt sich im Leben und Wirken Jesu. Hier ist einer, durch den Gottes Geist wirkt, der aus der Kraft des Geistes eine neue Lehre mit Vollmacht verkündet. Durch Jesus, den Sohn Gottes, zeigt Gott sein Erbarmen mit den Menschen, er heilt die Kranken, vergibt den Sündern, er führt die Menschen in eine neue Beziehung zu Gott, in ihm ist das Reich Gottes gegenwärtig. Selbst, als er ungerecht verurteilt, gefoltert und verspottet wird, er erträgt das, selbst, als er unter furchtbaren Schmerzen stirbt, er nimmt es an, und damit können wir wahrnehmen: Hier wirkt Gott in diese Welt herein.
In allem, was uns in dem Menschen Jesus begegnet, wirkt Gott, berührt uns Gott und berühren wir Gott. Johannes hat dies erkannt und bezeugt es den anderen. Er war der erste aber bald nicht der einzige Zeuge für den Herrn. Auf sein Wort hin haben sich einige seiner Jünger Jesus angeschlossen, sind ihm gefolgt und bei ihm geblieben. Und ihr ganzes Leben war dazu da, für den Herrn Zeugnis zu geben, sie haben es so eindeutig getan, dass sei sogar ihr Leben hingegeben haben, als Martyrer, d.h. als Zeugen.
Was hat Johannes, der Täufer, was hat dieses Evangelium uns hier und heute zu sagen? Es geht darum, Jesus zu bezeugen als den Herrn, als den, der beim Vater für uns eintritt, als den, der bei uns und in uns ist. Gerade in unserer Zeit, in der viele auf Gott vergessen, in der viele eben anderes zum Wichtigsten, das heißt zum Gott oder zum Götzen machen, sind wir als Christen gefragt. Wir sind aufgefordert, die Punkte zu erkennen, in denen Gott uns berührt, in denen er uns nahe kommt und wir ihn finden.
Wir geben Zeugnis von Jesus Christus, von seinem Geist, wenn wir ihn anerkennen, den unfassbaren, geheimnisvollen und heiligen Gott. Wenn wir an ihn glauben und zu ihm beten, ihn loben und preisen, ihm danken und ihn anbeten. Wir geben Zeugnis für ihn, wenn wir uns zum Gottesdienst versammeln und ihn in unserer Mitte feiern. Dieses Zeugnis ist nötig gegenüber denen, die Jesus nur als guten Menschen oder als Revolutionär oder als Friedensstifter sehen. Das war er auch, aber er übersteigt diese Vorstellungen.
Wir geben Zeugnis von Jesus Christus, wenn wir ihm vertrauen, darauf vertrauen, dass sein Geist in uns wirkt, uns über das hinaus führt, was wir sind. Er bewegt uns zur Hoffnung, zur Hoffnung auf eine andere Welt und zu einer Liebe, die diese Welt verändert.
Wir geben Zeugnis von Jesus Christus, wenn wir ihn auch da suchen und finden, wo wir ihn zunächst gar nicht sehen wollen. Sie kennen sicher Menschen, die fragen: "Warum lässt Gott das zu, warum verhindert er das nicht?" - Dass jemand, der persönlich betroffen ist, solche Frage stellt, ist verständlich. Doch dabei dürfen wir nicht bleiben. - Gott ist auch zu finden in dem, was uns schlimm und ungerecht vorkommt. Nicht zu selten wirkt er auf diese Weise an uns, er verändert uns durch Krisen, durch Leid, durch all das, was wir, wenn wir zu bestimmen hätten, ganz bestimmt vermieden hätten.
Gott nimmt unser Leben ernst, so wie es ist. Bei ihm zählt alles, unsere Arbeit und unsere Freizeit, unsere Sorgen und unsere Freude, unsere Schwäche und unsere Kraft, unser Schuld und unser Gutsein. Weil er all das sieht, so können wir durch all dies hindurch uns für ihn öffnen, ihn entdecken - und bezeugen. Alles kann uns zum Heil werden, weil Gott eben durch alles durchscheint. Dafür gilt es, sich zu öffnen, gilt es ihn zu entdecken, ihm zu begegnen. Dann ist eben der Glaube mitten in unserem Leben angekommen, dann wird unser ganzes Dasein zum Zeugnis für ihn.
"Seht das Lamm Gottes", sagt Johannes. Durch uns kann dieser Jesus Christus, der Gott, der Fleisch geworden ist, wieder lebendig werden, wir können ihn bezeugen, und damit tun wir das, was unser Auftrag in dieser Welt ist.
Weil mich jemand auf ein gutes Buch aufmerksam gemacht hat, darum habe ich es gelesen.
Weil mich jemand auf Wichtiges hinwies, darum habe ich es nicht übersehen.
Weil mich jemand in den Glauben einführte und mir Gottes Liebe nahe brachte, darum suche ich Gottes Nähe und die Freundschaft mit ihm.
Kurz: Sehr viel Gutes und Entscheidendes konnte geschehen, weil mich jemand darauf aufmerksam gemacht hat.
Allmächtiger Gott,
du gebietest über Himmel und Erde,
du hast Macht über die Herzen der Menschen.
Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir;
stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen,
und schenke unserer Zeit deinen Frieden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du hast den Menschen auf vielerlei Weise deine Nähe kundgetan.
Hilf uns,
die Spuren deines Wirkens in der Kirche
und in der Welt zu entdecken.
Durch Christus, unseren Herrn.
Herr,
gib, daß wir das Geheimnis des Altares ehrfürchtig feiern;
denn sooft wir die Gedächtnisfeier dieses Opfers begehen,
vollzieht sich an uns das Werk der Erlösung.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis
(für Wortgottesfeiern)
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Guter Gott wir danken dir,
dass du uns Jesus Christus als Licht der Völker gesandt hast,
damit er dein Volk zusammenführe
und es wieder aufrichte.
Kehrvers
Johannes hat auf ihn hingewiesen,
er sei das Lamm Gottes,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt
und uns mit dir versöhnt.
Kehrvers
Johannes hat ihn bezeugt als den Sohn Gottes,
auf den der Geist vom Himmel herabgekommen ist
und auf der Geist ruht.
Kehrvers
Ihn hast du gesandt,
dass er mit dem Heiligen Geist taufe.
Er hat auch uns geheiligt
und berufen ihm nachzufolgen.
Kehrvers
Für all das danken wir dir.
Wir stimmen ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen mit den Engeln und Heiligen:
Danklied, z. B. GL 484:
Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben...
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn heute enthüllst du
das Geheimnis unseres Heiles,
heute offenbarst du das Licht der Völker,
deinen Sohn Jesus Christus.
Er ist als sterblicher Mensch auf Erden erschienen
und hat uns neu geschaffen
im Glanz seines göttlichen Lebens.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Erscheinung des Herrn
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn deine Vorsehung waltet über jeder Zeit;
in deiner Weisheit und Allmacht
führst du das Steuer der Kirche
und stärkst sie durch die Kraft des Heiligen Geistes.
In ihm kann sie allezeit auf deine Hilfe vertrauen,
in Not und Bedrängnis zu dir rufen
und in Tagen der Freude dir danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Heiliger Geist 2
Barmherziger Gott,
du hast uns alle mit dem einen Brot des Himmels gestärkt.
Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe,
damit wir ein Herz und eine Seele werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis

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