Lange Jahre habe ich in der Jugendarbeit mit Jugendlichen folgende Meditation gemacht. Sie handelt von einer Kerze. Ich habe dieser Kerze meine Stimme gegeben. Sinngemäß sagte die Kerze: "Ihr habt mich angezündet. Nun brenne ich. Aber seit ich brenne, bin ich auch schon ein wenig kürzer geworden. Aber so ist das halt. Entweder ich lasse mich anzünden, aber dann muss ich auch etwas geben von mir selbst, ja sogar mich selbst. Nur dann kann ich aber auch leuchten. Oder ich bleibe ganz. Dann bleibe ich aber nur im Karton liegen. Ich muss mich dann aber auch fragen, wozu ich da bin. Im Karton hat mein Sein als Kerze keinen Sinn."
Am Bild vom Licht und vom Salz zeigt sich: wie Salz nur dann seinen Sinn erfüllt, wenn es würzt, wie ein Licht dazu geschaffen wurde, um zu leuchten, so erfüllen wir den Sinn unseres Christseins nur dann, wenn wir von unserem Glauben weiterschenken, wenn wir uns anderen gegenüber als Christen bewähren. Wie wichtig der Glaube ist, zeigt sich, dass er uns Kraft schenkt, dass er uns eine Lebenshilfe ist. Ebenso ist es wichtig, unseren Glauben weiter zu schenken. Wer seinen Glauben nicht verbirgt, der wird früher oder später den Mitmenschen zur Anfrage. Dann gilt es, Zeuge zu sein für Jesus Christus.
Jesus redet sagt uns: "Ihr seid das Licht der Welt. Ihr seid das Salz der Erde." Jesus sagt nicht: "Ihr sollt Licht, ihr sollt Salz sein…" Die Frage ist die: sind wir wie ein fades Salz, ohne Geschmack, das seine Funktion, Speisen zu würzen nur noch mangelhaft erfüllt? Sind wir wie ein Licht, das unter einem Leuchter steht und dessen Leuchtkraft nur noch sehr schwach ist?
Bevor ich anfing Theologie zu studieren, wurde ich öfters angefragt: warum wirst du Priester, warum lebst du so? Es ist für das Glaubenszeugnis kein Studium erforderlich. Wir dürfen einfach von dem erzählen, was uns im Glauben bewegt, was uns der Glaube schenkt. Gerade in unserer Zeit scheint der Glaube zu verdunsten. Immer weniger können - Kinder wie Erwachsene – die Grundgebete. Immer weniger Menschen wissen den Sinn von Festen. Auf Wissen allein kommt es zwar nicht an, doch zeigt dies auch, dass der Glaube immer schwächer wird. Dabei ist dieser Glaube wichtig und kostbar.
Gerade das, was den Glauben so kostbar macht, können wir dann entdecken, wenn wir uns immer wieder fragen: was wäre mein Leben ohne den Glauben an Jesus. Kämen wir zu dem Ergebnis, dass ich dann nicht viel ändern würde, außer dass ich die Kirchenzeitung abbestellen könnte, dass ich am Sonntag mehr freie Zeit hätte, dann bräuchten wir sicher eine Erneuerung des Glaubens. Dann ist der Glaube schal oder wie ein schwaches Licht.
Doch wie die Kirche immer wieder erneuert werden muss, wie die frohe Botschaft, das Evangelium, in jeder Zeit neu gesagt werden muss, so braucht mein persönlicher Glaube Erneuerung. Erneuern kann ich meine Glauben durch Nachdenken, durch Gespräche mit anderen, auch durch eine gute Beichte. Es ist nicht falsch, wenn ich von Zeit zu Zeit neue Gebetsformen entdecke, wenn alte Gebetsformen nicht mehr tragen.
Ich muss eingestehen: manches Mal ist es nur das Pflichtgefühl, das mich hierher geführt hat. Pflicht ist an sich nichts Schlechtes. Es kann mich bewahren vor einer allzu großen Nachlässigkeit. Es kann mich bewahren, den Glauben aufzugeben und dabei Gott aus den Augen zu verlieren. Es kann mich davor bewahren, mir nur die Rosinen herauszusuchen. Pflicht kann mich davor bewahren, nur dann zu beten oder den Gottesdienst zu besuchen, wenn es mir gerade passt.
Unsere Pflicht als Christen aber ist es zu lieben! Gehen wir in den Gottesdienst - dann aus Liebe zu Gott. Versuchen wir zu unseren Mitmenschen gut zu sein - dann aus Liebe zu Gott. Liebe heißt immer, sich verschenken, für andere zu leben und das Wohl des anderen zu wollen. Wir möchten ja kein schales Salz sein, sondern ein Salz, das würzt. So sollen ja auch keine laschen Christen sein, die sich nur der Welt angleichen. Die Mitmenschen sollen an uns spüren: es lohnt sich Christ zu sein.
Durch unseren Glauben an Gott haben wir einen echten Halt geschenkt bekommen. Gott möchte jedem Menschen dieser Halt sein, ein guter Vater wie eine liebende Mutter. Christen sind keine Hinterwäldler, sondern sie haben der Welt Entscheidendes und Wichtiges zu schenken. Es ist das Zeugnis für den lebendigen Gott, der mit uns Menschen lebt, der sich um die Mitmenschen sorgt. Christen sind keine Menschen, die ihre Ellenbogen gebrauchen, um ich durchzusetzen. Sie sind keine Menschen, bei denen nur die erfolgreichen Zeitgenossen Ansehen genießen, die anderen, die auf der Verliererseite des Lebens stehen jedoch nicht.
Woran man Menschen auch erkennen kann, dass sie zu Gott gehören wollen, da schenkt uns Jesaja gute Hinweise. Wir sollen das Brot teilen - es kann heißen, Not zu lindern, mit den Armen zu teilen - es kann ebenso heißen, auch vom Glauben zu erzählen und denen die frohe Botschaft zu verkünden, die nach Sinn im Leben suchen.
Die Gerechtigkeit ist wichtig. Niemanden verleumden, auf keinen mit dem Finger zeigen. Die Welt wäre menschlicher und heller, wenn wir uns immer daran hielten. Es fällt uns auch nicht in den Schoß, so zu leben wie es Jesaja fordert. Doch schon das Bemühen darum ist wertvoll. Wir können nicht über die schlechte Welt klagen, wenn wir nicht bei uns anfangen oder es zumindest versuchen. Vielmehr gilt es, Licht zu sein, ein Licht, das leuchtet.
Einfach ist es nicht Christ zu sein. Es bringt auch schmerzliche Erfahrungen, Enttäuschungen und Kummer. In vielen Ländern der Welt sind Christen gefährdet. Ein Glaubenszeugnis bringt nicht immer Freunde. Denn Gottes Gebote und seine Liebe widersprechen oft dem, was Menschen wollen. Als Christen sind wir Zeugen für Gott in Wort und in Tat, im Verhalten zu den Mitmenschen, in der Art und Weise wie wir leben. Wir sollen ausstrahlen, auf andere wirken, für andere wirken, dann strahlen wir Gottes Liebe aus.
Leben wir so, dass die Menschen unseren Glauben sehen, denn unser Licht soll leuchten, "damit sie eure guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen".
Für alle, die sich fragen, wie soll mein Glaube aussehen und sich gestalten, gibt das heutige Evangelium eine klare und hilfreiche Richtlinie. Jesus gebraucht zwei Bilder, die jedem von uns aus dem Alltag sehr vertraut sind und sich als Erinnerungsbilder gut bei uns einprägen: Salz und Licht.
Schon die jüngeren Kinder wissen, dass Salz zum Würzen da ist. Salz, das seine Kraft verloren hat, gehört in den Abfall. Das ist allen klar. Aber schon eine kleine Priese tauglichen Salzes genügt, um Speisen schmackhaft zu machen. Niemand schüttet einen ganzen Salzstreuer oder ein halbes Päckchen Salz auf einmal ins Essen. Ungenießbar und verdorben wäre alles.
Ähnliches lässt sich vom Licht sagen. Schon ein kleines Licht in der Nacht oder Dunkelheit kann uns den Weg und die Richtung zeigen. Und in der Dämmerung oder im Halbdunkel dosieren wir die Helligkeit des Lichtes auf wohltuende Stärke. Denn grelles Licht blendet und tut auf Dauer den Augen weh. Es verdunkelt eher, als dass es erhellt.
Übertragen wir diese Bilder auf den Glauben. Ein Glaube, in dem Pfeffer und Salz stecken, soll den anderen ein schmackhafter und wohltuender Glaube sein. Beachten wir: Es geht um meinen Glauben. Jesus sagt ja nicht, wir sollen den anderen Salz und Pfeffer in ihren Glauben schütten. Nein, mein Glaube soll nicht fade und schal sein. Für meinen Glauben soll ich Sorge tragen. Wahrscheinlich kennen wir alle Menschen, die immer wieder an anderen herummäkeln, auf sie einreden und sie bearbeiten; nur auf das, was es bei sich selber zu tun gäbe, schauen sie nicht oder nur selten. Diesen Fehler sollten wir unbedingt meiden.
Wo mein Glaube gut gewürzt ist, da werde ich vor allem ein dankbarer Mensch sein: Gott gegenüber, den Menschen gegenüber - vor allem denen, die mir beistanden, halfen, mich ermutigten, mein Leid mittrugen, mich auf Gefahren hinwiesen. Dankbare Menschen sind immer sehr wohltuende Menschen.
Neben der Dankbarkeit wird gewürzter Glaube Mut in unsere Herzen legen. Etwas wagen, mutig mit Gottvertrauen das Leben angehen, gehört zum Glauben. Dies fängt damit an, dass ich Gott ehrlich frage, wie er sich mein Leben denkt, welche Erwartungen er an mich richtet, welche Aufgabe ich anpacken, welches Risiko ich eingehen sollte. Und diese Frage gilt es immer wieder einmal neu zu stellen, weil das Leben im Fluss ist, Situationen sich ändern und neue Herausforderungen mit sich bringen. Wer mit Mut und Vertrauen seinen Glauben würzt, der bringt Spontanität und Abwechslung, Vielfalt und Reichtum, Fülle und Überraschendes in sein Leben. Das wiederum animiert oftmals andere zur Nachahmung oder zum Mitmachen im Streben um Gutes, Vorteilhaftes und Beglückendes.
Ein Drittes möchte ich nennen, was würzigen Glauben auszeichnet. Mit Dankbarkeit, Mut und Zuversicht gelebtem Glauben ergeht es wie Speisen, auf die Salz gestreut wurde.
Das Salz bleibt nicht an der Oberfläche. Nach und nach dringt es ein, verteilt sich und würzt die Speise durch und durch. Diesen Prozess durchlebt auch der Glaube. Beginnen wir getrost an irgendeiner Stelle, unserem Glauben Pfeffer und Salz beizumischen. Nach und nach wird unser ganzes Denken und Handeln davon erfasst. Im Gegensatz zum Salz vollzieht sich im Bereich des Glaubens dieser Prozess vielleicht wesentlich langsamer, aber mit Sicherheit stetig. Das ist das Schöne und beglückende an diesem Vorgang.
Werfen wir auch noch einen Blick auf das Licht. Die Lesung aus dem Buch Jesaja hat uns viele Beispiele aufgezählt, wie wir Licht für andere werden können. Als Erstes wird benannt: Ein Herz haben für Arme und Leidende, ihnen helfen und beistehen so gut, wie wir es können und vermögen. Aber auch noch auf einem anderen Gebiet werden wir angesprochen - einem Punkt, der für Arme und Reichere in gleicher Weise gilt:
- Wir sollen nicht mit dem Finger auf andere weisen und niemanden verleumden.
- Bloßstellen,
- Nackt-Machen,
- das Gute kaum erwähnen, aber die Fehler und das Versagen pompös herausstellen,
- den Betroffenen möglichst geschickt in Widersprüche verwickeln, um neu über ihn herfallen zu können,
all das scheint in unserer Gegenwart Trend und Mode zu sein. Ich rede hier nicht der Verharmlosung oder dem Verschweigen von Fehlern und Versagen das Wort. Dass es negatives Handeln und Verhalten gibt, ist nicht in Ordnung und soll auch nach Recht und Gesetz belangt werden.
Einladen möchte ich, uns zu überprüfen: Was ist mein Handlungsmotiv? Will ich den anderen, der schuldig geworden ist, fertig machen, Spießruten laufen lassen, abservieren, ruinieren, wegwerfen? Oder liegt mir daran, dem Schuldiggewordenen Wege zu eröffnen, Schuld möglichst zu bereinigen und neue Pfade zu betreten?
Ich kann anderen das Grab schaufeln, für immer Dunkelheit und Nacht über sie bringen. Die modernen Medien sind gute Helfer bei diesem Werk. Und als Opfer trifft es nicht nur Politiker oder angesehene Persönlichkeiten. Auch zahlreiche einfache Menschen werden Opfer der Bloßstellungsmaschinerie: sei es durch die Medien, sei es durch Mobbing oder Tratsch.
Beteilige dich nicht daran, Menschen kaputt zu machen, sagt uns Jesus. Sei Licht für die Menschen - auch dem, der an dir oder sonst schuldig wurde. Jeder darf sich schützen und verteidigen. Aber tun wir es mit fairen Mitteln und der Bereitschaft, dem Schuldiggewordenen aufzuhelfen. Dann sind wir Licht, nach dem sich alle sehnen. Beklatschen wir nicht die gnadenlosen Fertigmacher ohne Herz, die genüsslich bloßstellen, aber niemals fragen, was aus ihren Opfern wird.
Salz und Licht sollen wir für die Menschen sein und damit Abbilder der Liebe und Barmherzigkeit des Vaters im Himmel. Es gibt keinen größeren Dank, keine größere Verehrung Gottes als unser Streben, das Leben der Menschen nicht zu verdunkeln oder gar zu zerstören. Leuchtende, wohltuende Menschen sucht der Herr, - Menschen, die kraftvoll und mit Schwung ihren Glauben leben und nicht aufhören, sich auch dem Schuldiggewordenen gegenüber ein Herz zu bewahren. Lassen wir auch uns dazu neu einladen.
Das Salz, das würzt und damit Geschmack gibt, das Salz, das hilft beim Haltbarmachen von Nahrungsmitteln. Das Salz, das lebensnotwendig ist für unseren Organismus… Das Salz, das so wertvoll ist, dass es früher auch schon mal als Zahlungsmittel gegolten hat.
Kurz gesagt: ohne Salz geht es nicht, und das ist beileibe nicht bloß eine Geschmacksfrage! Ohne Salz, ohne diesen Mineralstoff kein Leben. Und dieses Salz löst sich auf, lässt sich reinwerfen ins Gemisch der Speise, macht die Suppe würzig, durchdringt das Ganze.
Wir sind also das Salz der Erde, so Jesus. Uns spricht er das zu, er meint, dass dieses Bild des Salzes auf uns passt. Ich erlaube mir, dieses Bild für Menschen zu verwenden, die alltäglich versuchen Salz der Erde zu sein. Menschen, die in unseren Pfarrgemeinden versuchen so zu wirken wie oben beschrieben. Die aktiv sind unter dem Stichwort der Pfarrcaritas oder der pfarrlichen Sozialkreise. Die die Kirchensuppe, und nicht nur diese, vor Ort würzen durch ihr Engagement.
Ich denke an die Pfarrcaritasleiterin, zugleich Lehrerin, die in ihrer Freizeit einem Kind einer Familie aus Afghanistan Nachhilfe gibt, damit der Bub in der Volksschule eine Chance bekommt, da der Hort keinen Platz mehr für ihn hat.
Ich denke an den Apotheker, der regelmäßig in einer städtisch geprägten Pfarre eigene Sozialberatungsstunden anbietet für die Menschen aus seinem Stadtviertel.
Ich denke an die Pfarrcaritas, die selber in einer Landgemeinde einige Pflegebetten angeschafft hat und verleiht an pflegebedürftige Menschen aus dem Ort.
Ich denke an die Leiterin einer Pfarrcaritas, die unermüdlich Menschen im Pfarrgebiet nachgeht, sie zuhause besucht, sie jahrelang begleitet durch Dick und Dünn. Bis hin zu Terminen beim Asylgerichtshof in Wien.
Ich denke an den engagierten Mann aus einer anderen Pfarre, der einer psychisch kranken Frau hilft nach ihrer Übersiedlung in die neue Wohnung beim Montieren der Möbel.
Ich denke an die Pfarre, die in einem Stadtteil mit vielen materiell armen Menschen einen Dauerflohmarkt betreibt und den Erlös wiederum für ihre soziale Arbeit verwendet.
(Anmerkung des Verfassers: an dieser Stelle wenn möglich eigene pfarrliche Beispiel einfügen!)
Ich denke an die ca. 7000 Frauen und Männer, die in Oberösterreich noch immer im Frühjahr von Tür zu Tür gehen, und für die diözesane Caritas um Spenden bitten.
Ich denke an viele, von denen man gemeinhin nicht so viel spricht, die leise, unauffällig und oft verborgen Salz der Erde sind. An Menschen, die Halt geben, die vor Ort da sind, wenn Hilfe gebraucht wird. An Menschen, die nicht bloß schöne Worte machen, sondern Hand anlegen, weil sie verstanden haben, worum es geht.
Wir brauchen solche Leute, die auch Salz in unserer Kirchensuppe sind. Wir brauchen sie, weil sie uns daran erinnern, dass bei allem, was wir sonst auch unter dem Kirchendach initiieren, es letztendlich darum geht: Licht und Salz zu sein für die, die es nötig haben. Wir sollen nicht uns selber wärmen, sondern das Licht soll leuchten für die, die im Dunkeln sind. Wir sollen nicht uns selber in der Kirche mit Salz überwürzen, sondern das Leben derer, die es dringend nötig haben, soll wieder Kräftigung und Geschmack erfahren.
Ohne Pfarrcaritas geht es also wirklich nicht; es braucht überall Frauen und Männer, die sich bewusst dafür einsetzen, hinzuschauen, die bereit sind loszugehen, die keine Angst haben auch aufzugehen im Engagement für die Leute vor Ort. Wir brauchen die Leute vor Ort, nahe bei den Menschen. Und es kann es eigentlich auch nie genug Leute geben, die sie dabei unterstützen!
Deshalb am Ende noch eine Einladung an uns alle zu einer kleinen geistlichen Übung:
Schließen wir die Augen, gehen wir einmal in Gedanken und mit einem offenen Herz durch die Straßen unserer Stadt, unseres Viertels, unseres Ortes.
Und wenn wir da durchgehen, fragen wir uns mal: wo mangelt es da an Salz und Licht? Wo schaut es finster aus, wo fehlt das notwendende geschmackgebende Salz?
Und wenn wir da solche Orte finden, wo Mangel ist, dann stellen wir uns die nächste Frage: was können wir dazu tun, damit es besser, heller, würziger wird?
Und wenn wir dazu eine Idee bekommen, und sei sie noch so klein, dann die letzte Frage: was wird unser erster Schritt dazu in der kommenden Woche sein? Denn wir sind das Salz der Erde! Wir sind das Licht der Welt!
© DSA Mag. Wilfried Scheidl, RegionalCaritas, Regional-Koordinator für Wels Stadt und Wels Land
"Ihr seid das Salz der Erde", sagt uns der Herr. Was könnte er damit meinen? Was ist Salz? Weiß, feinkörnig, unscheinbar; wenn man es in einer Flüssigkeit oder in einer Speise auflöst, wird es unsichtbar, und bleibt trotzdem wirksam. Für die Menschen des Altertums und Mittelalters ein wertvoller Stoff, unbedingt nötig, um Speisen schmackhaft zu machen. Es war und ist lebenswichtig, der Körper braucht es dringend. Früher war es auch das einzige Konservierungsmittel. In Israel wurde es im Tempel verwendet. "Jedes Speiseopfer ist zu salzen", steht in der Schrift (Ex 30,35). Salz war Symbol der Beständigkeit; beim Abschluss eines Vertrages aßen beide Partner Salz.
"Ihr seid das Salz der Erde": Wir sollen wie Salz sein, ein eigenartiger Vergleich.
Abraham a Santa Clara, der Wiener Hofprediger, sagte einmal in einer Predigt: "Ihr sollt Salz seid, Salz und nicht Zucker! Und Salz, das beißt."
Es geht nicht um eine bestimmte Eigenschaft, um Tugenden, die wir in die Menschheit einzubringen haben, sondern es geht um unser ganzes Sein, um unser Tun, um unser Verhalten hier in dieser Welt. Wir sollen mit unserem christlichen Leben den anderen nicht um jeden Preis gefallen, wir dürfen nicht überall beliebt sein, sondern die Menschen von heute dürfen sich auch an uns stoßen, es darf ihnen sauer aufstoßen, wenn sie uns erleben.
Wir sollen Salz sein, also nur eine kleine Menge, ein kleiner Bestandteil. Wir müssen nicht die ganze Suppe, die ganze Speise werden, es reicht, wenn wir als kleine Gruppe, als Minderheit, die wir ja sind, das Unsere als "Salz" dazugeben, wenn wir das Ganze dadurch prägen.
Wie lebensnotwendig das ist, was Christen in die Welt hinein zumischen haben, sehen wir am Gegenteil. Schales Salz "taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Menschen zertreten". Wenn wir Christen ausfallen, wenn wir versagen, total angepasst sind, haben wir keinen Wert mehr, und nichts sonst kann unseren Dienst für die Welt ersetzen. Wenn wir zu wenig an Christus, an sein Evangelium glauben, wenn wir nicht wirklich davon durchdrungen und überzeugt find, fehlt Entscheidendes. Wie wollen wir dann noch wirklich Anderes, Neues, in die Welt bringen? Alles fault.
Das Urteil Jesu ist ziemlich vernichtend über uns, denn wir werden wie ein fades, geschmackloses Salz, wenn uns keine Kraft mehr innewohnt, wenn wir nichts mehr von seinem Geist bringen. Wir wandern auf den Müll, sind soviel wert wie Abfall. Es braucht uns nicht mehr, also bleiben wir nicht.
Jesus sagt uns, wir sind etwas, Salz der Erde, und wir sollen das sein, sollen es aushalten, dass wir nur das sind. Zunächst klingt das relativ passiv, keine Spur von Machen-Können, von Selbst-Machen. Dieses Symbol Salz bringt uns also mit unserer eigenen Ohnmacht in Berührung.
Ich gehe davon aus, wir kennen aus eigener Erfahrung diese Gefühle: Ich bin ohne Einfluss, ich kann nichts ändern, nichts bewegen, nichts gestalten. Wenn wir in die Welt voller Gewalt und Ungerechtigkeit hineinschauen und uns fragen:
Kann ich da etwas ändern? Kann ich mich gegen diese Flut anstemmen? Dann ist die Antwort gerne die: Nein, dazu bin ich zu schwach, da bin ich ohnmächtig.
Oder wenn Sie einmal in den Blick nehmen, wie in unserer Zeit, in unserer Gesellschaft der Unglaube sich ausbreitet, und wir, die wir die Frohe Botschaft zu verbreiten haben, stellen fest: Es will uns niemand hören, dann fühlen wir uns ohnmächtig.
Solche Gefühle sind schwer auszuhalten. Manche resignieren dann und werden depressiv, damit nehmen die Ohnmachts-Gefühle zu. Andere werden aggressiv, schlagen um sich, oder stürzen sich wie wild in die Arbeit, um doch etwas zu erreichen. Die Ergebnisse weisen meist nicht in die gewünschte Richtung. Wie können wir mit unserer Ohnmacht leben, ohne davon zu sehr gelähmt oder zu sehr angetrieben und bestimmt zu werden? Da werden unter Umständen Kräfte in uns wirksam, die uns von dem abhalten, was wir zu sein haben.
In solchen Situationen ist die Erinnerung an das Evangelium eine Hilfe: Ihr seid das Salz der Erde. Nicht mehr! Wir dürfen daran glauben, davon ausgehen: Gott wohnt in mir. Er ist durch seinen Geist in mir anwesend. Es geht darum, damit in Kontakt zu kommen. Wir sind alle getauft. Damit ist göttliches Leben, göttlicher Geist, göttliche Kraft in uns. Dieser Gott wirkt in uns und durch uns, oft unsichtbar, oft in einer Art und Weise, dass wir erst viel später merken: Er war es.
Wir dürfen, wir sollen Salz sein, das bedeutet für mich auch: Wir sollen anders sein als die Welt. In manchen Punkten dürfen wir im Widerspruch stehen, zum Beispiel wenn die Habsucht als Tugend, als Wert dargestellt wird. Wenn diejenigen das höchste Ansehen genießen, die ein ungeheures Vermögen angehäuft haben. Wir brauchen das nicht, denn wir wissen: Es bleibt uns am Ende nichts.
Wenn wir so leben, im Widerspruch zu dem, was unserer Gesellschaft so wichtig ist, dann ecken wir zwar an, aber wir ändern damit etwas, vielleicht unsichtbar, verborgen, und doch wirksam, denn der eine oder andere kommt dann doch zum Nachdenken, kommt zur Besinnung, dass man anders leben kann als die Masse, dass man freier wird, wenn man sich nicht dem Diktat der Mehrheit beugt. Das ist unsere Aufgabe als Salz der Erde. Und wie gesagt, es beißt. Wenn unser Leben, unser Verhalten in dieser Welt anderen so vorkommt, dann sind wir auf dem richtigen Weg.
Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: 5. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
hilf uns, durch das Bekenntnis des Glaubens,
durch die Ausdauer in der Hoffnung und
durch Werke der Liebe den Menschen
ein Zeugnis deiner Nähe zu geben.
Durch Christus, unseren Herrn.
Herr, unser Gott,
du hast Brot und Wein geschaffen,
um uns Menschen in diesem vergänglichen Leben
Nahrung und Freude zu schenken.
Mache diese Gaben zum Sakrament,
das uns ewiges Leben bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
(für Wortgottesfeiern)
Kehrvers:
Gott, du bist herrlich und heilig,
wir wollen dir lobsingen. Halleluja. (GL 488,2)
Guter Gott,
wir treten vor dich, um dir unseren Dank darzubringen.
In Weisheit hast du die Welt geschaffen
und ihre eine Ordnung gegeben,
in der sich alle Geschöpfe entfalten können.
Kehrvers
Deine Propheten haben Gerechtigkeit und Barmherzigkeit eingemahnt.
Durch sie wird das Leben hell
und strahlt in der Dunkelheit menschlicher Machenschaften dein Licht auf.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hast du zum Licht für alle Völker gemacht.
Sein Leben und seine Botschaft erhellen auch unseren Weg.
Sein Umgang mit den Hungrigen, Armen und Kranken
heilte die Bedrängten und Geschlagenen.
Kehrvers
Seinen Jüngern trug er auf, selbst Salz und Licht zu sein,
damit alle Welt ihre guten Werke sehe
und dich, Vater im Himmel, preise.
Für dein Licht und für dein Wohlwollen danken wir dir
und preisen wir dich mit der ganzen Schöpfung.
Danklied, z.B. "Nun saget Dank und lobt den Herren" (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig, dir zu danken,
heiliger Vater.
Es ist recht, dich zu preisen.
Denn du allein bist der lebendige und wahre Gott.
Du bist vor den Zeiten und lebst in Ewigkeit.
Du wohnst in unzugänglichem Lichte.
Alles hast du erschaffen,
denn du bist die Liebe
und der Ursprung des Lebens.
Du erfüllst deine Geschöpfe mit Segen
und erfreust sie alle mit dem Glanz deines Lichtes.
Vor dir stehen die Scharen der Engel
und schauen dein Angesicht.
Sie dienen dir Tag und Nacht,
nie endet ihr Lobgesang.
Mit ihnen preisen auch wir deinen Namen,
durch unseren Mund rühmen dich alle Gesschöpfe
und künden voll Freude das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Hochgebet 4
Ja, es ist würdig und recht,
dich, unseren liebenden Gott und Vater,
immer und überall zu preisen.
Denn du hast deinen Sohn in unsere Welt gesandt.
Er ist das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
das alle Dunkelheit durchdringt
und unser Leben erhellt.
Durch ihn hast du dein heiliges Volk selbst
zum Licht der Welt und zum Salz der Erde gemacht.
Es ist die Stadt auf dem Berg,
die nicht verborgen bleibt,
und das Licht auf dem Leuchter,
das allen leuchtet.
Darum preisen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen,
darum singen auch wir vereint mit ihnen
zum Lobe deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
Barmherziger Gott,
du hast uns teilhaben lassen
an dem einen Brot und dem einen Kelch.
Laß uns eins werden in Christus
und Diener der Freude sein für die Welt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Wer da bedrängt ist findet
mauern, ein
dach und
muß nicht beten
Aus: Reiner Kunze, gespräch mit der amsel, Frankfurt a. Main 1984.
Der Mensch strebt danach, sich zu verwirklichen. Man will etwas aus seinem Leben machen. Die Lebenstage sollen erfüllt, sinnvoll und schön sein. Je älter ein Mensch wird, ums so mehr wird er rückblickend von seinem Leben erzählen können.
Gerade aber ein älterer Mensch wird eher als ein junger wissen, dass das Leben nicht nur Selbstverwirklichung und Freude ist, sondern vielschichtiger und umfassender und dass zum Leben immer auch Schweres und Leidvolles gehört.
Der junge Mensch glaubt, das Leben vor sich zu haben, alles erreichen und sich selbst verwirklichen zu können und es ist gut so, dass er voller Hoffnung und Tatendrang ist.
Der ältere Mensch schaut vielleicht eher zurück auf sein Leben und fragt sich zuweilen, ob das alles gewesen sein soll? Vielleicht hat er das Gefühl, einiges verpasst zu haben, nichts mehr nachholen zu können. Er sieht Möglichkeiten schwinden, Kräfte vergehen. Da ist es gut, wenn man im Rückblick auf sein Leben die positiven Dinge nicht übersieht, wenn man auch Kleinigkeiten, die gut getan haben, dankbar betrachten kann, wenn man die Spuren Gottes in seinem Leben erkennen kann.
Es ist schön, wenn die junge Generation von der Lebensweisheit der älteren lernt. Schön, wenn auch dem jungen Menschen die rückblickende Dankbarkeit nicht fremd ist. Andererseits ist zu wünschen, dass sich auch ältere Menschen etwas von der hoffnungsfrohen Lebenseinstellung ihrer Jugend bewahren.
Aus: Cäcilia Kittel, Sei stille dem Herrn, Impulse zur eucharistischen Anbetung, München 2006.
Vielleicht denken manche: Das Gesagte ist viel zu fromm. Wo bleibt der Weltauftrag? Unsere Verantwortung in der Welt den Menschen gegenüber wird dabei keineswegs übersehen. Das Bemühen um Transparenz des eigenen Lebens und Handelns auf Gott hin drängt von sich her zu einer solidarischen Hinwendung zu den Menschen, für die wir da sind. Denn das Tun Christi soll ja durch uns für sie übersetzt werden, soll ein für sie verstehbares Zeichen sein. Das setzt Nähe zwischen Ihnen und uns voraus, Aufmerksamkeit für die Lebenssituation der Menschen, ihre Nöte und Freuden, Ängste und Hoffnungen, ihr Denken, Fühlen und Handeln. So wächst Spiritualität aus dem Alltag heraus, aus der Begegnung mit den Menschen, mit denen wir leben. Haben wir Freunde unter denen, die es schwer haben, die das Nachsehen haben? Haben wir Freunde und Bekannte unter den Armen?
Die Alltagsbegegnungen sind wichtig. In ihnen vollzieht sich die Hinwendung zu den erdnahen Gegebenheiten der jeweiligen Wohn- und Umwelt unterhalb der großen Weltverantwortung. Dass wir uns nicht davon dispensieren können, muss nicht eigens betont werden. Sie kann aber, wenn die Überanstrengung permanent wird, auch dazu führen, dass der Realitätssinn Schaden nimmt und man wie gelähmt ist. Wer fortwährend nicht weniger als den Globus meint schultern zu müssen (was nicht einmal Herkules auf Dauer hielt), kommt leicht in Gefahr, geringere Ziele nicht der Mühe wert zu achten.
Dem großen "Weltgespräch" muss das "Ortsgespräch" vorausgehen. "Es kommt alles darauf, wie wir den Alltag bestehen. Er kann alltäglich machen. Er kann uns aber auch frei von uns selbst machen wie sonst nichts. Brächten wir dieses Frei- und Selbstloswerden fertig, dann würde dieses Liebe durch alle Dinge hindurch, mitten durch das Herz der Dinge hindurch sich hinaufschwingen in die unendlichen Weiten Gottes und auch noch all die verlorenen Dinge des Alltags mitnehmen" (K. Rahner).
Entnommen aus: Franz Kamphaus, Priester aus Passion Freiburg 1993.
Als ich versucht habe, so zu leben, habe ich festgestellt, dass es Liebe und Liebe gibt. Man kann ein gewisses Verständnis für die anderen aufzubringen, sich ein wenig für ihre Schmerzen interessieren, ihre Lasten irgendwie mittragen. Doch diese Art zu lieben genügt nicht, um dem zu entsprechen, was Gott von uns möchte: eine Liebe, deren Maß Jesus vorgegeben hat: "Liebt einander. Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!" Unsere Taten der Liebe sollen zumindest von der entschiedenen Absicht getragen sein, so zu lieben. Was wir auch tun, um dem anderen unsere persönliche Liebe zu erweisen, sollte, von der grundlegenden Bereitschaft geprägt sein, für ihn das Leben zu geben. Nicht irgendein Anstrich von Liebe gefällt Jesus, sondern eine Liebe, die das eigene Leben einsetzt. Wenn wir so leben, sind wir ganz offen für andere, und unser Ich wird entthront.
[…]
Wenn wir in der nächsten Zeit jemandem begegnen, mit jemandem telefonieren, jemandem einen Brief schreiben, einen Vertrag vorbereiten oder unsere tägliche Arbeit als Dienst am Nächsten tun, fragen wir uns immer: Bin ich bereit, für den Betroffenen das Leben zu geben? Stellen wir uns diese Frage auch zehn oder zwanzigmal am Tag, sooft wir etwas für andere tun. Ich bin überzeugt, dass unser Leben einen großen Qualitätssprung erfährt.
Aus: Chiara Lubich: Die gegenseitige Liebe, Ottmaring 2013.

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