Den Gemeinden, die Paulus gegründet hatte, schreibt er immer wieder Briefe, um sie im Glauben zu stärken und lebendig zu erhalten. Bewusst und kraftvoll soll jeder Getaufte seinen Glauben leben. Hatten die Israeliten, die im Grunde ja das gleiche Ziel verfolgten, immer wieder neue Vorschriften und Gebote aufgestellt, so verzichtet schon Jesus darauf, die Menschen mit Geboten und religiösen Vorschriften zu überschütten. Jesus kennt grundsätzlich nur ein Gebot, das er mit einem einzigen Wort ausdrücken kann: Liebe! Liebe Gott und die Menschen! Mit wahrer und echter Liebe lassen sich alle weiteren Gebote und Vorschriften einhalten. Vor allem: Wer mit ganzem Herzen liebt, unterlässt nicht nur das Negative und Böswillige, sondern baut das Positive, Bereichernde und alles ihm mögliche Gute umfangreich aus.
Paulus hat sich Jesus zum Vorbild genommen, wie er in der Lesung eigens betont, und er möchte, dass die Gläubigen in den Gemeinden es ebenso tun. In zahllosen Beispielen gibt er in seinen Briefen konkrete Anregungen, wie ein Leben in der Nachfolge Jesu verwirklicht werden kann. Denken wir nur an das "Hohelied der Liebe". Aber auch darin ist Jesus dem Apostel ein Vorbild: Paulus will nicht einen neuen Gebotekatalog mit zahllosen Einzelvorschriften aufstellen. Ihm geht es um eine Grundeinstellung, die sich jeder Christ aneignen soll, damit er leicht den Weg der Nachfolge gehen kann. Hatte Jesus kurz und bündig gesagt: "liebe!", so formuliert Paulus als Faustregel den Satz: "Tut alles zur Verherrlichung Gottes!".
Es ist eine gute Faustregel. Denn schon der Gedanke "Ich will durch mein Denken und Handeln dich, meinen Gott, ehren und dir danken" bewegt uns zu positivem Denken, regt sofort unsere Kreativität an, dämpft deutlich unsere negativen Gefühle. Ja, es legt sich spürbar so etwas Frohes und Mutiges in unser Herz, das uns zum Guten hinzieht und den Blick auf Ungenügendes, Halbes oder gar Böses gar nicht erst richtig aufkommen lässt. Gott ehren wollen weckt innerlich Energie.
Die Verherrlichung Gottes wird bei uns oft die Form von Lobpreis, Dank und Anbetung Gottes haben. Es ist die Weise, die uns wohl am ehesten und einfachsten gelingt. Wir können unsere ganze Freude über Gott und den Jubel unseres Herzens jederzeit sehr persönlich Gott entgegenbringen.
Zur Verherrlichung Gottes gehört sodann die Ehrfurcht vor dem, was Gott geschaffen hat: die Welt mit ihren Pflanzen und Tieren, die Menschen mit ihren Hoffnungen, Erwartungen und ihrem Sehnen, geliebt zu werden.
Ehrfurcht lässt uns immer wieder einmal innehalten und die Natur in ihrer Schönheit und Vielfalt aufmerksam bestaunen. Ja es bedarf des Staunens, um Gottes Größe und seine Erhabenheit intensiver zu erahnen und gebührend zu würdigen.
Ehrfurcht bewegt uns, auch den Menschen mit Achtung und Vorsicht zu begegnen - selbst jenen, die uns unsympathisch sind, als Gegner gegen uns auftreten oder sogar Unrecht zufügen. Denn Ehrfurcht lässt uns die Frage stellen: Wie sieht und beurteilt eigentlich Gott den anderen? Und wenn uns diese Frage dann dazu anspornt, schnelle Verurteilungen zu meiden, bei erlittenem Unrecht nicht zornig zu reagieren, sondern besonnen zu handeln, dann ehren wir Gott auf die schönste Weise, die uns Menschen möglich ist. Denn nichts ehrt Gott mehr, als sein Wesen der Güte und des Erbarmens nachzuahmen. Es wird uns Kraft und Überwindung kosten; aber dafür ist der Verzicht auf Widervergeltung oder gar Rache auch die Höchstform der Verherrlichung Gottes.
Was uns leichter fällt, aber dennoch ebenso als eine wunderbare Verherrlichung Gottes einzuordnen ist, betrifft unser Wollen und Streben, Gutes in vielfältiger Weise zu tun. Es sind oft Kleinigkeiten, die gar nicht viel Mühe kosten, aber ihre oft erstaunliche Wirkung haben. Das freundliche Wort, die ehrliche Anteilnahme, Hilfsbereitschaft, Anerkennung, Schwieriges mit durchtragen und durchstehen, bei der Wahrheit bleiben - all das ist Verherrlichung Gottes, weil wir die guten Anlagen, die Gott uns geschenkt hat, nicht brach und ungenutzt liegen lassen, sondern gebrauchen. Gott ehrt, wenn wir seine Geschenke an uns nicht nur bestaunen, sondern lebendig und vielfältig nützen und zur Geltung bringen.
Bei aller Begeisterung für das Gute sollten wir nicht übersehen, dass uns geschehen kann, was Jesus widerfuhr. Im Evangelium wird uns berichtet, dass Jesus nach seiner guten Tat, der Heilung des Aussätzigen, ins Abseits kam. Dies kann auch uns geschehen. Zum Beispiel: Sie machen nicht mit, einen schwierigen Nachbarn oder Verwandten zu schneiden, verweigern, sich gängigem Mobbing gegen jemanden anzuschließen, Streitigkeiten aufrecht zu erhalten, auf vagem Hintergrund gefasste Verdächtigungen zu übernehmen und damit zu stützen. Nicht wenige haben in diesen Fällen den Zorn anderer auf sich gezogen und Ablehnung erfahren. Paulus würde uns sagen: Lass dich nicht beirren oder in deiner Haltung umstimmen. Gott ist es wert, dass wir Leiden, die uns aus unserem Gut-Sein erwachsen, mutig tragen. Und hinzufügen würde der Apostel: Glaube daran, dass es dir ergehen wird wie Jesus, zu dem sich Menschen in seine Abgeschiedenheit aufmachten. So werden sich auch bei dir Menschen, die wie du die Verherrlichung Gottes suchen, an deine Seite stellen.
Lassen wir uns von Paulus einladen, unser Denken und Handeln so zu gestalten, dass es einer Verherrlichung Gottes entspricht. Sprechen wir es aus "Dich, Gott, will ich ehren!" und spüren wir die Kraft, die bei diesem Gedanken und Entschluss in uns einströmt.
Lieder:
GL 225: Wir ziehen vor die Tore der Stadt (2. Str.)
GL 365: Meine Hoffnung und meine Freude
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 384: Hoch sei gepriesen unser Gott
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 416: Was Gott tut das ist wohlgetan
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 423: Wer unterm Schutz des Höchsten steht
GL 424: Wer nur den lieben Gott lässt walten
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 435: Herr, ich bin dein Eigentum
GL 437: Meine engen Grenzen
GL 440: Hilf Herr meines Lebens
GL 453: Bewahre uns Gott
GL 456: Herr, du bist mein Leben
GL 464: Gott liebt diese Welt, und wir sind sein Eigen
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GLÖ 896: Mit dir gehe ich alle meine Wege
GLÖ 907: Meine Zeit steht in deinen Händen
Psalmen und Kehrverse:
GL 34: Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt, wer darf weilen auf deinem heiligen Berg – Mit Psalm 15 oder mit Psalm 116 (GL629,4) – VI.
GL 285: Ubi caritas et amor, Deus ibi est - Mit Psalm 30 (GL 629,1) – I.
GL 305,4: Dies ist mein Gebot: Liebet einander, wie ich euch geliebt - Mit Psalm 8 (GL 33,2) oder mit Psalm 19 (Gl 35,2) oder mit Psalm 146 (Gl 77,2) – VII.
GL 307,5: Meine Hilfe und mein Retter bist du. Säume doch nicht, du mein Gott - Mit Psalm 30 (GL 629,1) – I.
GL 312,5: Aus der Tiefe zogst du mich empor; dich will ich rühmen in Ewigkeit – Mit Psalm 8 (GL 33,2) oder mit Psalm 19 (Gl 35,2) oder mit Psalm 146 (Gl 77,2) – VII.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 8 (GL 33,2) oder mit Psalm 19 (Gl 35,2) oder mit Psalm 146 (Gl 77,2) – VII.
GL 629: Du führst mich hinaus ins Weite; du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 – I.
Herr,
wir haben Angst, in das Leben anderer Menschen hineingezogen zu werden.
Wir möchten gerne unter uns bleiben.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du hast Mitleid mit Menschen, die krank sind und aufgegeben werden.
Bedenken und Sorgen verwandelst du.
Christus, erbarme dich.
Herr,
von dir erbitten wir ein weites Herz.
Lass uns mutig eintreten für Menschen, die sich selbst nicht helfen können.
Herr, erbarme dich.
Gott, du liebst deine Geschöpfe,
und es ist deine Freude,
bei den Menschen zu wohnen.
Gib uns ein neues und reines Herz,
das bereit ist, dich aufzunehmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis
Herr,
wir freuen uns, dass heute Sonntag ist.
Dein Tag!
Du hast dem Tod die Macht genommen,
das letzte Wort über unser Leben zu haben.
Du lädst uns ein, mit dir über den Lauf der Dinge ins Reine zu kommen,
an Menschen zu denken, die uns begegnet sind
und an deinem Tisch Gemeinschaft mit dir zu haben.
Wir bringen alles mit, was uns umtreibt,
Angst einjagt und klein macht.
Aber auch alles, was uns Flügel verleiht.
Du bist die Quelle der Hoffnung!
Für uns und für alle Menschen.
Lass uns aus deiner Liebe leben.
Durch Christus, unserem Herrn.
Im Evangelium hören wir von einem Menschen,
der dazu verurteilt ist, draußen zu bleiben.
Jesus hört seinen Hilferuf.
Jesus hat Mitleid mit ihm.
Darum beten wir heute besonders
Für alle Menschen, die durch ihre Krankheit nicht mehr am Gemeinschaftsleben teilnehmen können, die sich selbst zurückziehen oder von anderen dazu gedrängt werden.
Herr, berühre uns!
Für alle Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen und eine Zuflucht suchen, aber vor einer Mauer aus Vorurteilen und Ängsten stehen.
Herr, berühre uns!
Für alle Menschen, die in der Ukraine hin und hergerissen werden, die ihre Nationalitäten neu entdecken, aber sich dann als Feinde gegenüberstehen.
Herr, berühre uns!
Für alle Menschen, die um ihres Glaubens willen fliehen müssen, Angst um ihr Leben haben, aber mit ihren Gesichtern im Nachrichtendschungel untergehen.
Herr, berühre uns!
Für alle Menschen, die die Welt nicht einteilen in Freund und Feind, dafür aber auf andere zugehen, ihre Geschichten hören und sich um Verständigung mühen.
Herr, berühre uns!
Für alle Menschen, die in diesen Tagen Karneval oder Fasching feiern, gemeinsam lachen, aber die Achtung voreinander nicht verlieren.
Herr, berühre uns!
Für alle Menschen, die einsam geworden sind, die nicht mehr wahrgenommen werden, die namenlos sterben.
Herr, berühre uns!
Herr,
du streckst deine Hand aus, du gehst auf Menschen zu,
du birgst die kleinsten Hoffnungen und die größten Schmerzen.
Hilf uns, unsere Hände auszustrecken
und gib ihnen die Kraft, fest und zärtlich zu sein.
Barmherziger Gott,
das heilige Opfer reinige uns von Sünden
und mache uns zu neuen Menschen.
Es helfe uns, nach deinem Willen zu leben,
damit wir den verheißenen Lohn erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig. (GL 558,1)
Guter Gott,
wir kommen zu dir, um dir zu danken
und dich für deine Barmherzigkeit zu loben:
Du nimmst jeden einzelnen in seiner Not wahr
und hast Mitleid mit allen, die unter der Last ihres Lebens leiden.
Kehrvers
Du bist ein Gott des Lebens
und willst, dass jedes deiner Geschöpfe heil und gesund ist.
Du hörst die Hilferufe aller,
denen der Zugang zum Leben verwehrt wird.
Kehrvers
Du duldest nicht, dass als unrein behandelt wird,
was du für rein erklärt hast.
Du siehst auf das Herz der Menschen und achtest darauf,
was aus dem Herzen der Menschen hervorkommt.
Kehrvers
Dein Sohn Jesus von Nazareth scheute sich nicht,
mit Menschen in Berührung zu kommen,
die von der Gemeinschaft ausgeschlossen waren.
Er hat alle in das Volk Gottes zurück geholt,
die auf dich ihre Hoffnung setzten.
Kehrvers
Mit allen,
die unsere Sehnsucht nach dem Kommen deines Reiches teilen,
singen wir dir unser Lob:
Danklied, z. B. Erfreue dich, Himmel, erfreue dich Erde (GL 467)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Ja, es ist recht, dir zu danken, guter Gott,
denn in Jesus Christus hast du uns deine vorbehaltlose Liebe geoffenbart.
Durch ihn streckst Du allen Menschen,
die sich von dir abgewendet haben,
deine Hand der Versöhnung entgegen,
durch ihn überwindest du die Grenzen,
die wir aus Angst und Überheblichkeit vor einander ziehen,
durch ihn zeigst du uns,
dass du den Menschen heil und ganz haben willst.
Er befähigt uns,
dass auch wir die Barrieren vor einander abbauen,
dass wir als dein Volk Freude und Trauer miteinander teilen
und dein Reich unter den Menschen sichtbar machen.
Dafür danken wir dir und rühmen wir dich
mit der ganzen Schöpfung und mit allen Heiligen:
Gott, du Spender alles Guten,
du hast uns das Brot des Himmels geschenkt.
Erhalte in uns das Verlangen nach dieser Speise,
die unser wahres Leben ist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis

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