Jesus öffnet uns die Türen. Auch die Herzen. Was klein anfängt, erobert die Welt. Mit Worten, die alle verstehen. Pfingsten erzählt von einer Liebenserklärung: „Ich habe euch lieb“. Das beflügelt alle guten Geister. Was ist das für ein Fest! Es stürmt, lodert – und wir reden mit der Welt, als ob wir nie etwas anderes gemacht hätten. So viel Welt an diesem kleinen Ort! Sie steht Kopf! Und: die Menschen verstehen. Sie verstehen Gott, sie verstehen sich, sie verstehen die Welt. Was ist das für ein Fest!
Einmal im Jahr am Ende des Osterfestkreises bekommt der Heilige Geist etwas mehr Raum zugesprochen, obwohl wir bei jeder heiligen Messe den Heiligen Geist herabrufen und die biblischen Texte immer wieder vom Heiligen Geist sprechen. Nicht die Kirche oder die Gemeinschaft der Heiligen sind Gegenstand unseres Glaubens wie man aus dem Text des Glaubensbekenntnisses schließen könnte, sondern einzig und allein der dreifaltige Gott, den wir am nächsten Sonntag besonders in den Blick nehmen: Ich (wir) glaube(n) an den Heiligen Geist- somit an den, der Beziehung schafft. Das Leben Gottes ist Beziehung: Beziehung in sich, Selbstmitteilung, sich einander mitteilen, Austausch des Lebens, das wir Person nennen.
Die erste Lesung aus der Apostelgeschichte zeigt uns, dass Gott neue Seiten seines Wesens zu erkennen gibt. Der Heilige Geist ist Gabe für die Zeit nach Jesu Tod. Es ist der Geist der Einheit, der Menschen über die Barrieren von Sprache und Nationalität zusammenführt ohne die kulturelle Vielfalt, die es von Anfang an in unserer Welt und auch in der Kirche gibt, zu zerstören. Auch wenn es immer wieder Spannungen, Auffassungsunterschiede und Konflikte gibt, ist ein Weg in die Einheit möglich, zugegebenermaßen schwer zu finden.
Im Roman "Parallelen der Liebe" von Aldous Huxley (1894-1963) lesen wir: "Von zweierlei Treue hin- und hergerissen zu werden ist das schmerzliche Los fast jedes Menschen: Hie Gott, hie Teufel, hie Geist, hie Fleisch." Anders gesagt: Der Mensch ist ein Zerrissener, Heimatloser. "Dieser Konflikt in seinen verschiedenen Gestalten ist der Gegenstand jedes Dramas." Persönlich füge ich hinzu: ist der Konflikt jedes menschlichen Lebens. Zerrissenheit, seelische Halt-und Heimatlosigkeit, Unsicherheit werden durch die neuen Medien wie Internet, Facebook, Twitter- und damit auch durch die Rasanz der Zeit offenbar.
An anderer Stelle in Huxleys Roman "Parallelen der Liebe" ist zu lesen: "Der Geist muss offen sein [...] frei von unwichtigen Dingen und völlig ruhig. Es ist kein Platz für Gedanken in einem angestopften Hirn voll Lärm. Wo der Mensch seinen Geist mit so viel irdischem Kleinkram füllt, dass Gott darin keinen Raum mehr findet, da begeht er die Sünde wider den Geist." Paulus empfiehlt deshalb im Brief an die Römer: "Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne (und Töchter) Gottes." (Röm.8,14). Am Pfingstfest kommt der Heilige Geist in Form von Feuerzungen auf die Apostel nieder. (Apg. 2,1-4). Gott wählt das Symbol des Feuers, um den Menschen nahe zu sein. Seine Wärme und sein Licht sind spür- und sichtbar.
Ob wir für andere Licht sind, zeigt sich in unserem täglichen Leben, in all jenen Begebenheiten, in denen wir uns in irgendeiner Weise mit unseren Mitmenschen auseinandersetzen. Sie haben immer einen konkreten Anfang, der sehr schnell eine kritische Phase heraufbeschwören kann. Daraus erwächst der Höhepunkt, dem das gute oder böse Ende folgt. Anfang, kritische Phase, Höhepunkt und Ende sind die vier Bauelemente unserer persönlichen "Alltagsgeschichten" oder unserer Lebensgeschichte. Ob es sich um eine gute oder böse handelt, entscheidet sich in der kritischen Phase.
Hat nicht hier besonders das Schriftwort Gültigkeit: "Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne (und Töchter) Gottes." Unsere persönliche Alltagsgeschichte kann zur Überlebensgeschichte werden. Die Psychologie hilft uns, blinde Flecken in unserem vielschichtigen Menschsein auf dem Weg zur Mitte zu entdecken. Der Mensch ist ein Rätsel, ein Geheimnis. Vieles in meiner persönlichen Lebensgeschichte ist mir nicht bewusst, unbekannt, damit auch nicht erklärbar, manches wird anderen über mich bekannt, was sich zur kritischen Phase in meinem Alltag entwickeln kann. Sind in diesen Situationen andere für mich Licht, und inwieweit habe ich anderen Wärme gegeben?
"Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne (und Töchter) Gottes." Das gilt natürlich auch für die christlichen Kirchen. Wie viele blinde, dunkle Flecken sind auch in den Kirchen zu erforschen? Blindheit nimmt gefangen, macht eng und ängstlich, das Licht des Geistes fehlt. Es ist sehr zu hoffen, dass wir durch den neuen Papst, der ein großer Verehrer des Heiligen Geistes ist, wir wieder besser ans Evangelium herangeführt werden. Unser Umgang miteinander, auch der einzelnen Kirchen untereinander, bestimmt, ob wir Wege und Tore öffnen oder verschließen, ob wir Licht sein wollen als geisterfüllte Menschen oder, ob wir nicht das Licht ausblasen, auch das Licht anderer Konfessionen.
"Der Geist des Herrn erfüllt das All
mit Sturm und Feuersgluten.
Er krönt mit Jubel Berg und Tal.
Er lässt die Wasser fluten."
Herr, nach unserer Ebbe, schenke uns deine Flut.
Lieder:
GL 165: Send uns deines Geistes Kraft
GL 341: Veni, creator Spiritus
GL 342: Komm, Heilger Geist, der Leben schafft
GL 343: Veni Sancte Spiritus
GL 344: Komm herab, o Heilger Geist
GL 345: Veni Sancte Spiritus
GL 346: Atme in uns, heiliger Geist
GL 347: Der Geist des Herrn erfüllt das All
GL 348: Nun bitten wir den Heiligen Geist
GL 349: Komm, o Tröster, Heilger Geist
GL 350: Geist der Zuversicht, Quelle des Trostes (Kanon)
GL 351: Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein
GL 487: Nun singe Lob, du Christenheit
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen (3. Str.)
Kehrverse und Psalmen:
GL 645,3-4: Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu - Mit Ps 104 - VII.
GL 645,5-6: Alle wurden erfüllt mit Heiligem Geist und kündeten Gottes große Taten - Mit Psalm 147 - V.
GL 646,1: Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis, Halleluja, Halleluja
GL 654,1: Ihr seid der Tempel Gottes, in euch wohnt Gottes Geist
Allmächtiger, ewiger Gott,
durch das Geheimnis des heutigen Tages
heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen.
Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes,
und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat,
das wirke sie auch heute in den Herzen aller,
die an dich glauben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Pfingsten am Tag
Gott,
du hast uns verschiedene Gaben geschenkt.
Keinem gabst du alles - keinem gabst du nichts.
Jedem gibst du einen Teil.
Hilf uns, dass wir uns nicht zerstreiten,
sondern einander dienen mit dem,
was du einem jeden zum Nutzen aller gibst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.
MB Auswahl 14
Allmächtiger Gott,
erfülle die Verheißung deines Sohnes:
Sende uns deinen Geist,
damit er uns in die volle Wahrheit einführt
und uns das Geheimnis dieses Opfers
immer mehr erschließt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingsten am Tag
Kehrvers:
Jubelt dem Herrn alle Lande,
Halleluja, preist unseren Gott. (GL 643,1)
Danke, Schöpfer-Geist, dass du ununterbrochen unser Chaos in Kosmos verwandelst; dass du unseren Geist besucht und unser Herz mit Gnade erfüllt hast.
Kehrvers
Danke, dass du für uns der Tröster bist, die größte Gabe des Vaters, das lebendige Wasser, das Feuer, die Liebe und die geistliche Salbung.
Kehrvers
Danke für die unendlichen Gaben und Charismen, die du als mächtiger Finger Gottes unter den Menschen verteilt hast, du erfüllte und ständig zu erfüllende Verheißung des Vaters.
Kehrvers
Danke für das Wort aus Feuer, das du niemals aufgehört hast, in den Mund der Propheten, der Seelsorger, der Missionare und der Beter zu legen.
Kehrvers
Danke für das Licht Christi, das du in unserem Geist hast leuchten lassen, für seine Liebe, die du in unsere Herzen ausgegossen hast, und für die Heilung, die du in unserem gebrechlichen Leib bewirkt hast.
Kehrvers
Danke, dass du uns im Kampf zur Seite gestanden hast, dass du uns geholfen hast, den Feind zu besiegen oder uns nach der Niederlage wieder zu erheben.
Kehrvers
Danke, dass du unser Führer warst in den schwierigen Entscheidungen des Lebens und dass du uns vor der Faszination des Bösen bewahrt hast.
Kehrvers
Danke schließlich, dass du uns das Angesicht des Vaters offenbart und uns gelehrt hast, "Abba!" zu rufen.
Kehrvers
Danke, dass du uns dazu anspornst, zu erklären: "Jesus ist der Herr!"
Kehrvers
Danke, dass du dich der Kirche der Väter und der unserer Tage offenbart hast als das Band der Einheit zwischen Vater und Sohn, als unaussprechliches Objekt ihrer gemeinsamen Hauchung der Liebe, als Lebensatem und Duft göttlicher Salbung, die der Vater dem Sohn überträgt, indem er ihn zeugt "noch vor dem Morgenstern".
Kehrvers
Danke einfach dafür, dass du da bist, jetzt und in alle Ewigkeit, sei dir, Heiliger Geist, gedankt!
Danklied: z. B.: Nun danket alle Gott (GL 405)
Aus Raniero Cantalamessa, Komm, Schöpfer Geist. Betrachtungen zum Hymnus Veni Creator Spiritus. Aus dem Italienischen von Ingrid Stampa. Mit einem Vorwort von Joseph Kardinal Ratzinger, Freiburg i. Br.: Verlag Herder 1999.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken
und diesen Tag in festlicher Freude zu feiern.
Denn heute hast du das österliche Heilswerk vollendet,
heute hast du den Heiligen Geist
gesandt über alle,
die du mit Christus auferweckt
und zu deinen Kindern berufen hast.
Am Pfingsttag erfüllst du
deine Kirche mit Leben:
Dein Geist schenkt allen Völkern
die Erkenntnis des lebendigen Gottes
und vereint die vielen Sprachen
im Bekenntnis des einen Glaubens.
Darum preisen dich alle Völker
auf dem Erdenrund in österlicher Freude.
Darum rühmen dich die himmlischen Kräfte
und die Mächte der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Pfingsten
Herr, unser Gott,
du hast deine Kirche
mit himmlischen Gaben beschenkt.
Erhalte ihr deine Gnade,
damit die Kraft aus der Höhe, der Heilige Geist,
in ihr weiterwirkt
und die geistliche Speise sie nährt
bis zur Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingsten am Tag
Herr, unser Gott,
du hast uns im heiligen Mahl gesättigt.
Erfülle uns durch dieses Sakrament mit der Glut des Heiligen Geistes,
den du am Pfingstfest den Aposteln gesandt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der Geist der Liebe ist es, der aus der entmutigten, verzweifelten, zerstreuten und verleugnenden Jüngerschar Zeugen der Auferstehung erstehen lässt. Gottes Geist gibt ihnen eine neue Sprache: aus dem Blabla, dem unverbindlichen Geschwätz, aus dem Gezänk der Parteien, der Saft- und Kraftlosigkeit der Predigten, in den Sprachbarrieren entsteht eine neue Verstehensgemeinschaft. Als geisterfüllte Menschen erinnern und bezeugen die Apostel das kraftvolle, tröstende Wort Gottes, das Jesus in Person ist. Der Geist ist ihnen Beistand, der guten Stand gibt, gerade wenn sie traurigen, sprachlosen, lahmen, trägen, einsamen, verängstigten oder verbitterten Menschen begegnen. Der Heilige Geist eröffnet Lebensräume, wo alle in die Enge getrieben sind, Freiräume, wo die Lasten drücken, Quellen, wo alles verkarstet, Licht, wo Dunkel herrscht.
"Die Gnade des Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes seien mit euch allen" (2 Kor 13,13). Der Heilige Geist ist der Kuss, die Beziehung zwischen Vater und Sohn, das "Zwischen", die Atmosphäre. Geist ist das, was verbindet, was zusammenfügt, was Gemeinschaft stiftet. Gemeinschaft ist geradezu der Urgedanke Gottes. Nur ein gemeinschaftsfähiger Mensch entspricht dem trinitarischen Gott der Liebe und der Gemeinschaft.
Aus: Manfred Scheuer, Und eine Spur von Ewigkeit. Ein geistlicher Begleiter durch das Jahr. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
Fast lauter junge Gesichter und leuchtende Augen sind es, in die ein Bischof bei den vielen Firmspendungen im Laufe eines Kirchenjahres blickt. Im Wechsel von einem Gesicht zum anderen kommt er manchmal in ein inneres Gespräch mit dem Heiligen Geist, der diesen Firmlingen in Gebet, Handauflegung und Salbung geschenkt wird.
Fragen drängen sich auf: Was wirst du, Gottes Geist, in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit diesem jungen Menschen tun, der jetzt vor mir steht? Und was wird er in seiner Freiheit mit dir, der niemanden zwingt, tun? Wird er dein Licht in einer großen Lebens- und Glaubenskrise auslöschen? Oder wird er dieses Licht durch ein laues Leben zu einer armselig brennenden Funzel, zu einem glimmenden Docht verkommen lassen? Werden die Augen dieses Firmlings in zwanzig, in fünfzig Jahren inmitten eines dann vielleicht schon runzeligen Gesichtes noch leuchten, weil das Licht des Heiligen Geistes dann immer noch in seinem Herzen brennt? Oder werden diese Augen stumpf sein und werden sich Spuren von tiefen Enttäuschungen, von Gier und von Gleichgültigkeit in dieses Gesicht eingeschrieben haben?
Jeder weiß, dass viele junge Menschen mit so guten Gesichtern und leuchtenden Augen zur Firmung herangetreten sind und trotzdem bald darauf schon die großen Ferien vom kirchlichen Leben begonnen haben; dass sie aufgehört haben, regelmäßig zu beten, den Sonntagsgottesdienst mitzufeiern, zu beichten und sich für die Kirche mitverantwortlich zu fühlen. Die Firmung ist für sie absurderweise nicht Anfang eines Lebens als mündiger Christ geworden, sondern Abschied vom Leben mit der Kirche.
Der Bischof gleicht bei der Firmspendung jenem Sämann, über den Jesus in einem Gleichnis gesprochen hat: Er streut das Saatgut mit dem Wind und auch gegen den Wind aus. Er ahnt, dass einiges verloren geht, weil es auf steinigen Boden oder in ein Dornengestrüpp fallt. Er darf aber auch hoffen, dass vieles von dem, was da ausgesät wird, aufgehen und dreißigfach, sechzigfach, ja hundertfach Frucht bringen wird (Mk 4,1-9).
Jede Firmspendung geschieht in der Hoffnung, dass mindestens diesmal kein Firmling mit dabei ist, der in einer der ihm bevorstehenden Krisen den Geist Gottes in seinem Herzen ganz auslöschen wird. Diese Hoffnung gründet auf der Erfahrung, dass viele Getaufte und Gefirmte zwar durch Jahre, ja Jahrzehnte in weite Feme von der Kirche geraten, dass sie aber eines Tages neu zum Glauben erwachen wie aus einem Winterschlaf. Manchmal geschieht dies, wenn sie Mutter oder Vater geworden sind und nun ihren Kindern jenen Glauben vermitteln wollen, den sie selbst anscheinend verloren haben. Öfter aber geschieht dies im Alter oder während einer schweren Krankheit. Die Krankenhäuser und die Altenheime sind ja so etwas wie Exerzitienhäuser, auch wenn viele Menschen dort ohne kirchlichen Beistand auskommen müssen. In diesen Häusern steigen häufig Fragen wieder auf, die durch lange Zeit vergessen, verdrängt waren: Wozu lebe ich eigentlich? Woher komme ich und wohin gehe ich? Fängt jemand mich auf, wenn ich sterbend fürchte, ins Nichts zu fallen? In christlicher Sicht sind dies Fragen, die der Geist Gottes eingibt und die allein er auf unübertreffliche Weise beantworten kann. Es sind Fragen, die zu einer Tauferneuerung und Firmerneuerung führen können.
Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Was ist das?
Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft
an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann;
sondern der Heilige Geist
hat mich durch das Evangelium berufen,
mit seinen Gaben erleuchtet,
im rechten Glauben geheiligt und erhalten;
gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden
beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt
und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben;
in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen
täglich alle Sünden reichlich vergibt
und am Jüngsten Tage
mich und alle Toten auferwecken wird
und mir samt allen Gläubigen in Christus
ein ewiges Leben geben wird.
Das ist gewißlich wahr.
Martin Luther (1529) Kleiner Katechismus.
Und doch, obwohl ein jeder von sich strebt
Wie aus dem Kerker, der ihn hasst und hält,-
Es ist ein großes Wunder in der Welt:
Ich fühle: alles Leben wird gelebt.
Wer lebt es denn? Sind das die Dinge, die
wie eine ungespielte Melodie
im Abend wie in einer Harfe stehn?
Sind das die Winde, die von Wassern wehn,
sind das die Zweige, die sich Zeichen geben,
sind das die Blumen, die die Düfte weben,
sind das die langen alternden Alleen?
Sind das die warmen Tiere, welche gehen,
sind das die Vögel, die sich fremd erheben?
Wer lebt es denn? Lebst du es, Gott, - das Leben?
R. M. Rilke, Die Gedichte, Frankfurt: Insel 1986.

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