Wenn wir die bekannte Geschichte vom barmherzigen Samariter aus der Perspektive des Opfers lesen, erschließt sich ein neues Verständnis der Frage "Wer ist mein Nächster?"
Am Beispiel des Barmherzigen Samariters zeigt Jesus, worauf es bei der Erfüllung des Gebotes der Gottes- und Nächstenliebe ankommt: Wer aus dem innersten Herzen heraus das Naheliegende tut, erfüllt das Gebot und tut auch sich selbst etwas Gutes. "Ewiges Leben" oder mit anderen Worten "Leben in Fülle" erhält man auf diesem Wege.
Wieder einmal treten die Gesetzeslehrer, die Perfektionisten, die Reibebäume für Jesus auf, um ihn in "eine Falle" (Lk. 10,25) zu locken. Trotz dieser unlauteren Absicht ist festzuhalten, dass sie sehr gläubige Menschen waren und eine Frage stellen, mit der wir alle in unterschiedlichsten Lebenssituationen konfrontiert werden: "Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?" (Lk. 10,26). Man merkt, die Pharisäer kennen ihre Schrift, die Tora, sehr genau: "Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele, mit all deiner Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst." (Lk. 10,27 siehe auch Dtn. 6,5 u. Lev.19, 18). Sie kennen offenbar auch die Stelle: "Ihr sollt auf meine Satzungen und meine Vorschriften achten. Wer sie einhält, wird durch sie leben." (Lev.18,5). Bekanntlich stehen aber Gesetzesvorschriften und Lebenspraxis gar nicht selten in großer Spannung.
Die jesuanische Pädagogik ist sehr lebensorientiert, deshalb antwortet Jesus mit einer Begebenheit, einem Gleichnis aus dem Leben, das wir beinahe nahtlos in die Gegenwart übertragen können: ein Raubüberfall, den das Opfer nur knapp überlebt. An diesem Menschen zeigt Jesus, wer der Nächste ist. Gerade diese Extremsituationen fordern rasche Entscheidungen und im Handeln oder Nichtstun wird offenbar, ob ein Mensch dem anderen nahe steht oder ob ihm sein weiteres Schicksal gleichgültig ist. Der Nächste ist wohl der Allernächste mit seinen guten und schlechten Seiten. Die Menschenliebe inklusive der Feindesliebe ist eine gewaltige Herausforderung. Der Nächste soll die Erfahrung machen, dass Gott uns bedingungslos liebt.
Dieses Gleichnis ist diesbezüglich sehr gut ausgewählt, weil nicht nur das Gute, sondern auch manches Vorurteil sowie fehlendes Problembewusstsein und Abgehobenheit zum Ausdruck kommen. Ein Mann aus Samaria hilft. Er stammt aus jener Landschaft in der Mitte des palästinensischen Westjordanlandes, deren Hauptstadt Samaria ist. Dieses Gebiet mit seinen Einwohnern war damals den Juden gegenüber feindlich eingestellt. Das alte Gebiet von Samarien deckt sich im Großen und Ganzen mit dem heutigen Palästinenserterritorium. Hauptstadt, Landschaft und Bewohner haben ein sehr wechselvolles Schicksal hinter sich. Nach dem Untergang des Nordreiches Israel 722 v. Chr. kamen viele fremde Siedler ins Land, die die JHWH- Religion nicht kannten. Es entstand ein Mischvolk, die Samariter, in das bis zur römischen Eroberung 63 v. Chr. kaum Juden eindrangen. Auf diese Weise entstand ein brutaler Nationalismus und Chauvinismus, der bis heute im Nahen Osten zu spüren ist.
Jesus bricht aus seiner Heimat in Galiläa auf, um nach Jerusalem zu gehen, wo ihn Leid, Kreuz, Tod und Auferstehung erwarten. Geographisch wäre das über die Jordansenke mit unglaublichen körperlichen Strapazen möglich oder über den etwas kürzeren Weg des ungefähr 1000 m hohen Gebirges. Aber gerade dieser Weg führt durch das feindliche Gebiet. Das Land der Samariter wird gleichsam zur Zwischenstation zwischen Juden- und Weltmission. Die Apostelgeschichte (8,1 und Kapitel 9) weist darauf hin, dass Samarien zum urchristlichen Bereich gehört. Trotz allem bleibt aber die menschliche Kluft zwischen den Völkern bestehen, obwohl Jesus sich selbst mehrmals in dieses Gebiet begeben hat. Abwertend nannten die Juden Jesus einen Samariter (Joh.8,48).
Dieses Gleichnis mit seinem historischen Hintergrund hat auch für uns heute eine Reihe wichtiger Erkenntnisse. Liebe ist nicht Beliebigkeit und stellt sich konkreten Situationen ohne berechnende Absicht. Liebe überwindet Grenzen von Nationen und Vorurteilen, sie schließt nicht aus. Es gibt für die Nächstenliebe keine geographischen, ethnischen oder religiösen Merkmale.
Jesus fragt, ob die Pharisäer auch verstanden haben, was er ihnen erzählt hat: "Wer von diesen dreien hat den Mann, der von den Räubern überfallen wurde, wie seinen Nächsten behandelt?" (Lk. 10,26) - Der Samariter, der Ausländer, wird zum Vorbild für Menschlichkeit.
Sollten wir nicht gerade heute, wo wir große Schwierigkeiten mit Menschen verschiedener Kulturen, Sprachen und Hautfarbe haben, dieses Gleichnis besser in den Blick nehmen? Es ist auch interessant zu sehen, wer aller an diesem hilfsbedürftigen Mann vorbeigeht: Es sind die, die sich mit dem Liebesgebot, mit der Verkündigung des Wortes Gottes schon vertraut gemacht haben. Gibt es hier nicht Parallelen zu heutigen kirchlichen und staatlichen Zentralstellen, die die Not der Menschen wohl erkennen, aber zu wenig tun, sie mit ihrer Not und ihren Problemen allein lassen, Gesetze genau befolgen, sie aber nicht mit Geist und Leben erfüllen.
Jesus verbindet Gottes-, Nächsten-, Selbst- und Feindesliebe zu einem einzigen Liebesgebot, ist doch die Liebe Ursehnsucht des Menschen. Er will lieben und geliebt werden. Wer seine Mitmenschen liebt, wird auch auf die Frage nach Gott stoßen. Das Menschliche kann und darf nicht außer Acht bleiben. Die Liebe umfasst immer den ganzen Menschen. Am Schluss des Evangeliums die Aufforderung, die für uns alle Gültigkeit hat: "Geh hin und handle genau so." (Lk.10,37). Dann nämlich wird das Reich Gottes schon jetzt sichtbar werden.
„Liebe“ – dieses große Wort steht heute im Mittelpunkt. Nicht romantische Liebe oder spontane Sympathie, sondern die „Liebe zum Nächsten“, wie es schon im Alten Testament heißt. Im heutigen Evangelium zeigt Jesus, wie das geschehen kann: jemanden in Not, der mir begegnet, „von Herzen lieben“ und beherzt zu handeln.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56
Jesus Christus,
du hast dich uns zugewandt,
dass auch wir einander zuwenden.
Wir schauen oft aneinander vorbei.
Herr, erbarme dich
Du hast uns gelehrt, im Nächsten Gott zu suchen.
Wir erschaffen unsere eigenen Götter.
Christus, erbarme dich
Du mahnst uns, unsere Stärken einzusetzen für die Schwachen.
Oft sind wir hilflos.
Herr, erbarme dich
Gott,
nimm von uns, was uns belastet, schwächt und hilflos macht.
Lass in uns das Gute und Starke wachsen
zu unserem Wohl und zum Nutzen der Anderen.
Gott, du bist unser Ziel,
du zeigst den Irrenden das Licht der Wahrheit
und führst sie auf den rechten Weg zurück.
Gib allen, die sich Christen nennen,
die Kraft, zu meiden, was diesem Namen widerspricht,
und zu tun, was unserem Glauben entspricht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Lebendiger Gott,
durch dein Wort willst du uns den Weg zu erfülltem Leben zeigen.
Öffne unsere Ohren und unsere Herzen,
damit wir deine Stimme vernehmen
in den Bibeltexten,
in unserem Innern
und in der Begegnung und Gemeinschaft untereinander.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
der deine Weisung den Menschen in Wort und Tat nahe gebracht hat. - Amen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56.
Guter Gott,
du willst, dass alle Menschen gut leben können.
Darum bitten wir dich:
Für alle, die unter Gewalt, Krieg, Armut und Krankheit leiden:
Lass sie Zuwendung und Hilfe erfahren.
Für die Menschen, die in ihrem Beruf das Leid anderer zu lindern versuchen:
Schenke ihnen Kraft und Ausdauer für ihre Arbeit
und lass sie dabei die Liebe zu sich selbst nicht vergessen.
Für die sozialen Einrichtungen der Kirche:
Lass sie Orte der Nächstenliebe nach dem Beispiel Jesu sein.
Für uns alle:
Mache uns in unserem Alltag sensibel für andere,
so dass wir ihnen von Herzen helfen können.
Guter Gott, schenke uns ein offenes Herz, Fantasie, Mut und Kraft,
damit wir selber etwas zu einem besseren Leben der Menschen beitragen können.
Darum bitten wir Dich, den Gott des Lebens und der Liebe. - Amen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56.
Gott,
sieh auf dein Volk, das im Gebet versammelt ist,
und nimm unsere Gaben an.
Heilige sie, damit alle, die sie empfangen,
in deiner Liebe wachsen und dir immer treuer dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
an deinem Tisch nährst du alle Menschen mit dem Brot des Lebens:
die Starken und die Schwachen
die Armen und die Reichen
die Kranken und Gesunden
Lass uns genauso handeln,
wie du uns das vormachst.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Freund und Bruder.
Als Lobpreis bietet sich der Gesang aus Kolosserbrief 1,12-20 (2. Lesung), GL 633,8-9 an.
Oder:
Kehrvers:
Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn.
(GL 633,8)
Gott und Vater, wir haben Grund dir zu danken,
denn du hast uns deinen Sohn geschenkt.
Er hat uns würdig gemacht,
das Erbe der Heiligen zu empfangen, die im Lichte sind.
Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen
und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.
Kehrvers
In ihm haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes,
der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
Kehrvers
Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden,
das Sichtbare und das Unsichtbare,
Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten,
alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.
Er ist vor aller Schöpfung, alles hat in ihm Bestand.
Kehrvers
Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche.
Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten;
so hat er in allem den Vorrang.
Kehrvers
Denn Gott wollte in seiner ganzen Fülle in ihm wohnen
um durch ihn alles zu versöhnen.
Er wollte alles auf Erden und im Himmel zu Christus führen,
der Frieden gestiftet hat durch das Blut seines Kreuzes.
Kehrvers
Danklied, z. B.: Mein ganzes herz erhebet dich... (GL 143)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Jesus nennt die Liebe zu Gott und zum Nächsten die Erfüllung des Gesetzes.
So gilt unser Blick nun Gott und unserer Beziehung zu ihm.
Wir können beten: Vater unser…
Einleitung zum Friedensgebet:
Herr, deine Zuwendung geschah immer aus vollem Herzen.
So konnten die Menschen auch spüren,
wie ernst dir der Wunsch nach Frieden war.
Darauf hoffen auch wir und bitten dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
"Geh, handle genauso und du wirst leben!"
(vgl. Lk 10,37)
Oder:
Christus spricht:
Es gibt keine größere Liebe,
als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt
(Joh 15,13)
Oder:
Christus spricht:
Wie mich der Vater geliebt hat,
so habe auch ich euch geliebt.
Bleibt in meiner Liebe!
(Joh 15,9)
Oder:
Daran haben wir die Liebe erkannt,
daß Er sein Leben für uns hingegeben hat.
(1 Joh 3,16)
Herr, unser Gott,
wir danken dir für die heilige Gabe.
Laß deine Heilsgnade in uns wachsen,
sooft wir diese Speise empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Lebendiger, liebender Gott,
in Jesu Wort und Tat hast Du uns gezeigt,
wie wir Menschen miteinander von Herzen liebevoll umgehen können.
Hilf uns, seinem Beispiel auch in unseren alltäglichen Begegnungen zu folgen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder. - Amen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56.
Hoffnung und Glaube werden ein Ende haben, wenn wir sterben. Die Liebe aber wird bleiben. Liebe währt ewig. Liebe kommt von Gott und kehrt zu Gott zurück. Wenn wir sterben, werden wir alles verlieren, was das Leben uns gab, außer der Liebe. Die Liebe, in der wir unser Leben geführt haben, ist die Liebe Gottes in uns. Sie ist der göttliche, unzerstörbare Kern unseres Seins. Diese Liebe wird nicht nur fortdauern, sondern auch Früchte tragen von Geschlecht zu Geschlecht.
Stehen wir an der Schwelle unseres Todes, dann lasst uns zu allen, die wir zurücklassen, sagen: "Seid nicht traurig! Die Liebe Gottes, die in meinem Herzen wohnt, wir zu euch kommen und euch Trost und Stärke sein."
Henri Nouwen, Leben hier und jetzt; Herder Verlag, Freiburg1996.
Du liebst leidenschaftlich
kennst Zorn und Glut
Doch Du bist Liebe
Du liebst zärtlich
wie Mutterhände
Innig wie Liebende
Milde und nachsichtig
Du bist treu und vergibst
Du liebst weise und gütig
Du richtest auf
Leidenschaftlich willst Du
geliebt werden
geliebt sein
Aus ganzem Herzen
Aus ganzem Gemüt
Aus ganzer Kraft
Heilige lebten so
In allem spürten sie
Deinen Atem und
ließen sich auf ihn ein
Überfordert
mühen wir uns ab
an Deiner Welt
Theresia Hauser, Offen für den Augenblick. Schwabenverlag, Ostfildern 2002.
Die Liebe führt mich
zu den Dingen,
und die Dinge
führen mich zu der Liebe.
Alle Trennungen sind künstlich,
es gibt nur eine Verwandlung
zum Leben hin,
und die geschieht durch die Liebe.
Seit Jahrtausenden
sind wir nicht müde geworden,
neue Namen für den Zauber zu finden,
aber am Ende kehren wir doch zurück
zu dem Wort,
das uns Hoffnung macht
und in dem die Verwandlung
beheimatet ist.
Kannst du es mir glauben,
wenn ich noch einmal sage:
"Ich liebe dich."
Ulrich Schaffer, Liebendes Wahrnehmen. Ed. Schaffer im Kreuz Verlag, Stuttgart 1989.
Gott liebt uns. Seine Liebe zu uns ist unvergänglich. Halten wir an dieser Wahrheit fest, gewinnt unser Leben an Weite und Tiefe. Sind wir geliebt, erstreckt sich unser Leben weit über die Grenzen von Geburt und Tod hinaus. Zu geliebten Söhnen und Töchtern Gottes werden wir nicht nur bei unserer Geburt und hören bei unserem Tod auch nicht auf, es zu sein. Unser Geliebtsein währt ewig.
Ein Leben im Geist setzt voraus, dass wir an dieser vergänglichen, ewigen Liebe Gottes zu uns festhalten und unser eigene zeitliche Liebe, die wir Eltern, Brüdern und Schwestern, Lehrern, Freunden, unseren Ehegatten und allen, die Teil unseres Lebens sind, entgegenbringen, zum Widerschein dieser ewigen Liebe Gottes werden lassen. Weder Vater noch Mutter können ihren Kindern vollkommene Liebe schenken. Weder Ehemann noch Ehefrau können einander unbegrenzte Liebe schenken. Menschliche Liebe wird stets irgendwo gebrochen sein.
Wenn unsere gebrochene Liebe die einzige Liebe ist, dir wir schenken oder erwarten dürfen, könnten wir der Hoffnungslosigkeit verfallen. Leben wir aber unsere gebrochene Liebe als einen bedingten Abglanz von Gottes vollkommener, bedingungsloser Liebe, dann können wir einander unsere Grenzen vergeben und uns der Liebe erfreuen, die wir zu geben haben.
Henri Nouwen, Leben hier und jetzt; Herder Verlag, Freiburg1996.
Behüte unsere Liebe
vor Lieblosigkeit und Egoismus,
behüte sie vor Eifersucht
und Vertrauensbruch,
lass uns darüber klar werden,
ob wir für immer
zusammenbleiben wollen,
sei du in unserer Mitte.
Guido Erbrich, Zum Beispiel: du. Gebete für junge Menschen; Leipzig, St. Benno Verlag, 2002.

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