Das Evangelium ist den sog. Abschiedsreden entnommen. Bei seinem Abschied geht es Jesus darum, dass die Seinen in seiner Liebe bleiben. Er hat ihnen eine neue Qualität der Liebe und Beziehung vorgelebt.
Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit sind biblische Grundprinzipien des Zusammenlebens. In seiner Abschiedsrede spricht Jesus die Grundwerte an, die er seinen Jüngern ans Herz legt. Sie fordern uns auch heute heraus.
Jesus legt in den Abschiedsreden die Vorgaben an seine Jünger sehr hoch. Vor allem die Forderung einer Liebe, wie er uns geliebt hat, scheint unerreichbar. Der Geist, den er über seine Kirche ausgegossen hat, befähigt uns, den Weg der Liebe zu gehen.
Der Geist, den Jesus ausgießen wird, wird seine Jünger befähigen zu lieben, wie er geliebt hat. Dieses Gebot wird zur Quelle der Freude.
Sich um die Liebe mühen ist nicht immer einfach. Aber die Mühe lohnt sich. Gott liebt jeden Menschen. Von ihm können wir lernen, Abneigung oder negative Erfahrungen zu überwinden und auf einander zuzugehen.
Jesus trägt seinen Jüngern auf: Liebt einander! Gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung lässt Menschen aufleben. Jesus hat uns das Mit-leiden und Mit-freuen vorgelebt und gezeigt, dass es Leid und Tod überwinden kann.
"Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ Mit diesen Worten beschreibt die Apostelgeschichte den Lernprozess des Petrus, durch den die Offenheit der jungen Kirche für alle Menschen möglich wurde. Lassen wir uns davon immer mehr inspirieren!
Seit Menschen zusammenleben, gibt es wohl jenes Phänomen, das heute Soziologen mit dem Begriff "Othering" umschreiben. Dieser Begriff kommt vom englischen "other", was "anders" bzw. "der/die Andere" bedeutet. "Othering" meint dementsprechend den Versuch, sich selbst und die eigene Gruppe hervorzuheben, indem man gleichzeitig andere Menschen oder Gruppen als "andersartig" und "fremd" bewertet. Dabei wird unterstellt, dass aufgrund der unterschiedlichen Religionen, Kulturen, Lebensformen oder anderer Merkmale ein Miteinander bzw. ein gutes Zusammenleben unmöglich ist. Die Gegensätze scheinen zu groß zu sein. Was heute in Deutschland etwa die "Pegida" propagiert, hat unübersehbar mit "Othering" zu tun. Auch in Österreich gibt es dieses Phänomen. Hier versucht beispielsweise eine bestimmte Partei seit Jahrzehnten das vermeintlich Österreichische vom Nicht-Österreichischen zu trennen, ja das Andere bzw. die anderen als unvereinbar mit der eigenen Identität zu betrachten. Denken Sie nur an das Plakat "Daham statt Islam".
Die Jahre 2014 und 2015 sind besondere Gedenkjahre für Österreich und Deutschland (100 Jahre Beginn Erster Weltkrieg und 70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg). Beide "Jubiläen" zeigen, wie leicht der verständliche Wunsch nach Identität und Zugehörigkeit (gerade in unübersichtlichen Zeiten) in Fremdenfeindlichkeit und Hetze, Abgrenzung und Ausgrenzung abgleiten kann - mit dramatischen Folgen. Gleichzeitig zeigt der Blick in die Geschichte, dass es stets Gegenbewegungen zum "Othering" gegeben hat: Nicht nur das Ziehen von Gräben und das Ausgrenzen, sondern auch das "Brücken-Bauen" und Aufeinander-zu-gehen ist ein Phänomen menschlichen Zusammenlebens. Besonders deutlich spiegelt sich das in der Bibel wider. Das Ringen zwischen den beiden genannten Optionen hat hier unübersehbare Spuren hinterlassen: als Aufgabe für Generationen und Zeiten hindurch, als etwas, womit Menschen regelmäßig konfrontiert sind.
So nimmt uns die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte mit hinein in diese uralte wie zugleich aktuelle Herausforderung, Gräben zu überwinden. Die Stelle aus der Apostelgeschichte ist eigentlich in eine größere Erzählung über Petrus und seine Begegnung mit Cornelius eingebettet. Cornelius ist ein Vertreter Roms, der aus einer anderen Kultur und Tradition kommt. Zudem ist er auch noch Centurio jener Armee, die Israel besetzt hält. Er befehligt 100 Soldaten der Italischen Kohorte in Cäsarea. Dennoch wird Cornelius als aufrechter Gottsucher beschrieben mit einem vorbildlichen Lebenswandel. Mit Blick auf Petrus erfahren wir in diesem zehnten Kapitel der Apostelgeschichte ebenfalls Spannendes. Es gibt uns Einblick in das Denken und Fühlen jenes Mannes, der enger Freund und Weggenosse Jesu war. Die Apostelgeschichte macht kein Geheimnis daraus, dass Petrus - trotz seiner Erfahrungen mit Jesus - nach einem ganz bestimmten, scheinbar fest eingefahrenen Muster "tickt". Er trennt die Welt in einen reinen und unreinen Bereich, in reine Menschen und unreine Menschen, in solche, die durch bestimmte Merkmale und durch eine bestimmte Kultur zusammengehören und jene, die durch bestimmte Merkmale und eine bestimmte Kultur nicht dazugehören - ganz nach dem Motto: hier die "Kinder Israels", dort die Heiden. Und damit hat Petrus zunächst auch keine Probleme. So hat er es gelernt, so wurde es in seinem Umfeld übermittelt und praktiziert. Dieses von Beginn an eingeübte Denken, diese Logik, diese Überzeugung wird allerdings aufgebrochen, als er es ganz persönlich mit dem römischen Hauptmann Cornelius zu tun bekommt. Ab diesem Zeitpunkt kommt Bewegung in sein Denken. Er verändert seine Sichtweise - und damit verbunden seine Haltung und seine Praxis. Was für ihn bisher unmöglich schien, wird nun möglich: er überschreitet Grenzen, persönliche wie gesellschaftliche, er bricht Tabus, die bisher als unüberwindbar galten. Wir, die Hörerinnen und Hörer können gleichsam Satz um Satz mitverfolgen, wie es bei Petrus immer mehr "klick" macht und ihm Entscheidendes aufgeht. Was aber hat diese Veränderung bewirkt? Was hat Petrus ermutigt, "Neu-Land" zu betreten? Was hat ihm die Kraft und den Mut gegeben, alte Muster zu überwinden?
Der Knack-Punkt der Geschichte ist eine ganz besondere (Gottes-)Erfahrung: Petrus weilt in Joppe. Er ist im Haus eines Freundes zu Gast, direkt am Meer. Eines Tages geht er in der Mittagszeit (um die sechste Stunde) auf das Flachdach des Hauses, um zu beten. Und wie sich Petrus - mit leerem Magen und hungrig - seinem Gott zuwendet, bekommt er vom Himmel her "Unerhörtes" aufgetischt und vor Augen geführt: Speisen, die für einen Menschen mit jüdischem Hintergrund vollkommen inakzeptabel sind. Ja, mehr noch! Obwohl die Lebensmittel als unrein gelten, wird Petrus durch eine Stimme zu einem Verhalten aufgefordert, das einem Tabubruch gleichkommt: "Steh auf, Petrus, schlachte und iss!" (Apostelgeschichte 10,13) Irritiert antwortet Petrus auf diese göttliche "Zu-Mut-ung": "Niemals, Herr! Noch nie habe ich etwas Unheiliges und Unreines gegessen." (Apostelgeschichte 10,14). Aber der Herr gibt in diesem Punkt nicht nach und es heißt weiter: "Da richtete sich die Stimme ein zweites Mal an ihn: Was Gott für rein erklärt, nenne du nicht unrein!" (Apostelgeschichte 10,15).
Was hier geschildert wird, spiegelt wohl das innere Ringen des Petrus wider, sein Verharren in alten Mustern, seine ängstliche Dickköpfigkeit und sein stures Festhalten an äußeren Sicherheiten. Alte Gewohnheiten und Zuschreibungen überwindet man eben nicht von heute auf morgen! Deshalb wiederholt sich das Ganze dreimal. Auch wenn Petrus - dieser "Schauer" - dann immer noch nicht alles richtig "verdaut" hat, ist er dennoch bereit, sich auf die göttliche "Zu-mut-ung" immer mehr einzulassen. Auf diese Weise kommt Bewegung in sein Denken und in sein Herz. Ohne die Begegnung mit dem so ganz anderen Horizont Gottes, ohne die Begegnung mit dessen Weite und Menschlichkeit aber wäre alles beim Alten geblieben. Nur weil Petrus von dieser Weite "kosten" durfte, nur weil er von Gottes Menschenfreundlichkeit herausgefordert wurde, konnte sich sein Horizont und sein Herz wandeln, konnte er weiter und offener werden. Deshalb wagt er es auch schließlich, mit den Leuten des römischen Hauptmanns Cornelius mitzugehen in dessen Haus. Als er hier eintritt, spricht er zu den dort Versammelten den erstaunlichen Satz: "Ihr wisst, dass es einem Juden nicht erlaubt ist, mit einem Nichtjuden zu verkehren oder sein Haus zu betreten; mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf." (Apostelgeschichte 10,28).
Die Erzählung aus der Apostelgeschichte zeigt deutlich: Christsein und "Othering", Christsein und das Ziehen von Gräben - das geht nicht zusammen! Denn für Gott ist das vermeintlich Trennende bzw. Vordergründige unwichtig. Er sieht nicht auf bestimmte Praktiken oder Kleidungsvorschriften, auf Essensregeln oder Gebote, sondern auf das Innere der Menschen, auf ihr Herz und auf ihre Menschlichkeit, auf ihr Suchen und ihr Bemühen, gut zu leben. Wir dürfen und sollen daher mit Petrus sagen: "Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist." (Apostelgeschichte 10, 34 f). Wagen wir es daher ruhig, aufeinander mit Respekt zuzugehen und das in den Blick zu nehmen, was uns mit den Menschen verbindet, auch mit denen aus anderen Religionen und Kulturen.
Dazu ermutigen die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) auf besondere Weise. Gleich zu Beginn ihrer "Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen" heißt es: "Gemäß ihrer Aufgabe, Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu fördern, fasst sie vor allem das ins Auge, was den Menschen gemeinsam ist und sie zur Gemeinschaft untereinander führt." Dementsprechend erteilt die Kirche jeder Bewegung, die trennende Barrieren aufbaut und Gräben zieht, eine deutliche Absage. Im Abschlusskapitel von "Nostra Aetate" ist zu lesen: "Wir können aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern. ... Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht." Lassen wir uns davon immer mehr inspirieren.
© Dr. Stefan Schlager, Theologische Erwachsenenbildung, Diözese Linz
Jesu Liebe zu den Menschen zeigte sich darin, dass er die Menschen mit Gottes Augen sehen konnte: jede und jeder einzigartig und wertvoll, voller Sehnsucht nach Leben. Das wurde in seinen Begegnungen konkret und wirkte heilend. Wenn wir selber bruchstückhaft erfahren, dass andere – und darin Gott - uns liebevoll und wertschätzend anschauen, dann können wir Jesu Beispiel folgen, indem auch wir Menschen mit Gottes Augen anschauen lernen.
Allmächtiger Gott,
laß uns die österliche Zeit
in herzlicher Freude begehen
und die Auferstehung unseres Herrn preisen,
damit das Ostergeheimnis,
das wir in diesen fünfzig Tagen feiern,
unser ganzes Leben prägt und verwandelt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 6. Sonntag der Osterzeit
Herr und Gott,
laß unser Gebet zu dir aufsteigen
und nimm unsere Gaben an.
Reinige uns durch deine Gnade,
damit wir fähig werden,
das Sakrament deiner großen Liebe zu empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag der Osterzeit
Kehrvers:
Bis in den Himmel reicht deine Liebe, Herr,
bis zu den Wolken deine Treue (GL 40,1)
Guter Gott und Vater,
wir kommen zu dir, um dir zu danken und dich zu loben.
Wir preisen dich für die Liebe, die du uns Tag für Tag erfahren lässt.
In den Geboten, die du den Menschen ins Herz geschrieben hast,
zeigst du uns den Weg zu erfülltem Leben.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hat uns in seinen Worten
und in seinem Umgang mit den Menschen gezeigt,
wie wir einander in Liebe begegnen und für einander da sein können.
Alle, die seine Nähe gesucht haben, hat er zu seinen Freunden gemacht
und in seine Liebe zu dir, guter Gott, hineingenommen.
Kehrvers
Im Vertrauen, dass du seine Liebe nicht vergeblich sein lässt,
hat er für seine Freunde das Leben hingegeben.
Du aber hast ihn von den Toten auferweckt und uns gezeigt,
dass deine Liebe nicht an der Grenze des Todes Halt macht.
Kehrvers
Seine Botschaft der Liebe hat die Grenzen überwunden,
die Menschen vor einander aufgerichtet haben.
Denn dir ist in jedem Volk willkommen, wer sich deiner Liebe öffnet.
Du hast auch uns berufen,
Jesus auf dem Weg der Liebe und Hingabe nachzufolgen
und uns aufzumachen und Frucht zu bringen.
Dafür loben und preisen wir dich und singen wir dir unseren Dank:
Danklied, z. B. GL 464: Gott liebt diese Welt.
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig, dir zu danken,
heiliger Vater.
Es ist recht, dich zu preisen.
Denn du allein bist der lebendige und wahre Gott.
Du bist vor den Zeiten und lebst in Ewigkeit.
Du wohnst in unzugänglichem Lichte.
Alles hast du erschaffen,
denn du bist die Liebe
und der Ursprung des Lebens.
Du erfüllst deine Geschöpfe mit Segen
und erfreust sie alle mit dem Glanz deines Lichtes.
Vor dir stehen die Scharen der Engel
und schauen dein Angesicht.
Sie dienen dir Tag und Nacht,
nie endet ihr Lobgesang.
Mit ihnen preisen auch wir deinen Namen,
durch unseren Mund rühmen dich alle Gesschöpfe
und künden voll Freude das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Hochgebet 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater,
in diesen Tagen freudig zu danken,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Das Alte ist vergangen,
die gefallene Welt erlöst,
das Leben in Christus erneuert.
Darum preisen wir dich in österlicher Freude und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 4
Gott, du bist die Liebe.
Das erkennen wir und darauf bauen wir, wenn wir zu dir rufen:
Vater unser...
Einleitung zum Friedensgebet:
Herr, wenn wir deine Freunde sein dürfen,
dann lebt in uns auch etwas von dem Frieden,
den du bringen wolltest und oft gezeigt hast.
Wir wollen ihn in deinem Namen leben
und bitten dich deshalb:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
Allmächtiger Gott,
du hast uns durch die Auferstehung Christi
neu geschaffen für das ewige Leben.
Erfülle uns mit der Kraft dieser heilbringenden Speise,
damit das österliche Geheimnis in uns reiche Frucht bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag der Osterzeit

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