Maria Magdalena ist die Hauptgestalt eines aktuellen Films. Sie wird als Frau dargestellt, die durch Jesus zu einer befreienden Spiritualität findet. Im Johannesevangelium findet sie am Ostermorgen das leere Grab. Was Ostern bedeutet, muss sie und die Jünger erst nach und nach entdecken: ein neuer Tag, eine neue Schöpfung...
Maria Magdalena schafft es gerade hochmotiviert und überaus hübsch ins Kino – haben Sie den Film schon gesehen? In der fachmännischen Kritik heißt es: „Die junge, unangepasste Frau bricht aus der patriarchalischen Enge ihrer Familie und Dorfgemeinschaft aus (man denkt bei diesen Anfangsszenen unwillkürlich an muslimische Frauen im Nahen Osten heute), schließt sich dem Outsider Jesus an, erfährt bei ihm Achtung ... und findet durch ihn zu einer befreienden Spiritualität und einem Leben tätiger Barmherzigkeit. So ist sie am Ende nicht nur diejenige, die ihm bis in den Tod treu bleibt, sondern sie wird auch die erste Zeugin seines neuen Lebens und Predigerin eines Glaubens an Christus, der den Tod überwindet. Dabei schreckt sie nicht davor zurück, mit mächtigen Männern zu streiten – ihrem Vater, dem Bruder oder mit Petrus ... Die weibliche Hauptfigur stiftet so eine schöne Sensibilität für den »liberalen« Jesus, und schenkt eine Ahnung dafür, dass ein christlicher Glaube auch heute noch möglich ist.“
(https://www.epd-film.de/filmkritiken/maria-magdalena)
Sie werden, wenn Sie den Film gesehen haben, schon die passenden Worte für ihn finden. Dass Jesus liberal gewesen sein soll, ist eine schöne moderne Sehnsucht. Dass die weibliche Hauptfigur – in einem Film unerlässlich – eine schöne Sensibilität stiftet, wird vielen gefallen. Dass ein christlicher Glaube auch heute noch möglich ist, ist für den Kritiker auch nur eine Ahnung. Was kann ein Film darstellen? Was nicht? Und was sehe ich dann?
Im Evangelium wird uns eine Gewissheit geschenkt. Die Gewissheit, dass Jesus auferstanden ist. Dabei wiegen die letzten Worte schwer: „Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.“
Die letzten Worte im Evangelium wiegen deshalb so schwer, weil eigentlich nur erzählt wird, dass das Grab leer ist. Der Stein ist weggerollt. Maria, die frühmorgens am ersten Tag der Woche – „als es noch finster war“ – zum Grab kommt, entdeckt das als Erste. Ist das Ostern? Schon Ostern? Der weggewälzte Stein kann alles heißen, nur nicht automatisch, dass Jesus auferstanden ist. Was muss man eigentlich wissen, um die Auferstehung Jesu glauben zu können?
Wenn wir in der Geschichte bleiben, die der Evangelist Johannes überliefert, überraschen zunächst einmal Verben: laufen und gehen. Alles gerät in Bewegung. An diesem Morgen. Maria rennt zu Petrus und Johannes, hier „der andere Jünger“ genannt. Petrus und Johannes gehen dann hinaus und kommen zum Grab. Nach der laufenden und atemlosen Maria scheinen es die beiden Herren nicht so eilig zu haben. Maria hatte doch auch nur geäußert, dass sie – wer auch immer das sein mochte – Jesus weggenommen haben. Elektrisiert hat das die beiden wohl nicht. Oder doch? Dann nimmt die Geschichte plötzlich Fahrt auf: die beiden Jünger laufen um die Wette. Der „andere Jünger“ ist wohl etwas schneller, lugt auch schon ins Grab, lässt Petrus dann aber den Vortritt. Eine Ehrenbezeugung? Vielleicht. Was die beiden sehen? Nicht viel: Leinentücher. Totentücher. Auffällig nur, dass das Schweißtuch, das den Kopf bedeckte, sorgfältig abgenommen schien und säuberlich zusammengerollt in einer Ecke liegt. Nach Flucht sieht das nicht aus. Auch nicht nach einer Entführung. Und warum hätten die Unbekannten das so machen sollen, wenn sie Jesus weggenommen hätten, wie Maria erst dachte? Nein, es muss etwas passiert sein. Von langer Hand vorbereitet? Manchmal ist es ein Detail, das eine Spur legt. Warum nur ist das Schweißtuch Jesu so liebevoll zusammengerollt, achtsam gehortet? Das Grab ist leer – nur warum? Maria rennt, am Ende laufen auch die beiden Jünger um die Wette – doch ganz am Ende heißt es im Evangelium: „Da gingen die Jünger wieder heim“.
Es ist eine schnelle Geschichte geworden. Die Spannung wird sichtbar, doch auch das ratlose Schweigen. Ließe sich das in einem Film darstellen, ohne peinlich berührt zu sein? Zugegeben: Das Evangelium ist kein Film. Aber was wir darstellen können, sind Menschen, die traumatisiert und verängstigt sind. Schnelle Schnitte sind dann nicht angezeigt. Eher einfühlsame Szenen, die nachzeichnen, wie der Tod in das Leben einbricht. Maria kommt ja zu einem frischen Grab. Gestern erst verschlossen. In einem Garten. Josef von Arimathäa und der Schriftgelehrte Nikodemus haben Jesus gesalbt und in Leinentücher gewickelt. Ein letzter Liebesdienst. Aber das Kreuz, an dem Jesus aufgehängt wurde, steht noch. Maria hat das Bild im Kopf. Es geht ihr auch nicht aus dem Sinn. Auch nicht an diesem Morgen. Sie ist eine Geschlagene, Verwundete, Getroffene.
Viele Menschen sind geschlagen, verwundet und getroffen. Kurz tauchen sie im Fernsehen auf. Wenn wieder einmal von einem Bombenangriff berichtet wird, wenn Bilder von der Flucht gezeigt werden, wenn ein Terroranschlag die Nachrichten okkupiert.
In Frankreich denken viele Menschen an einen Polizisten, Arnaud Beltrame, der sich letzte Woche bei einem Attentat im südfranzösischen Städtchen Trèbes selbst als Geisel im Tausch für das Leben einer Frau anbot. Der islamistische Attentäter ging auf den Tausch ein; kurz darauf erschoss er Beltrame. Der Tod feiert ein Fest – und viele Menschen richten es ihm aus. Die Aktien der Rüstungsunternehmen stehen gut. Daten sind käuflich – und Menschen auch. Nicht nur Waffen, auch Worte, Schlagzeilen, Vorurteile treffen Menschen hart. Viele können sich nicht wehren, viele schweigen. Viele fressen die Wut in sich hinein.
Viele werden zu Schatten ihrer selbst. Ich freue mich immer, wenn sie aufstehen – und ihren Widersachern keine Rache entgegenbringen. Selbstverständlich ist das nicht. Aber ist Bitterkeit, Trostlosigkeit, Angst – selbstverständlich? Es ist schon bemerkenswert, wie die Geschichte von Maria tatsächlich verfilmt wird. Es ist nicht das große Kino. Eher Format Tagesthemen. Eine Reportage. Eine Talkshow. Wenn wir die vielen Bilder nebeneinander stellen, die vielen Gesichter an uns heranlassen, gleicht das jenem Morgen, von dem der Evangelist erzählt: „als es noch dunkel war“.
Als es noch dunkel war... Der Evangelist erzählt die Ostergeschichte als eine Geschichte in der Frühe des ersten Tages. Der erste Tag – das ist der Tag der Schöpfung, nein, nicht der ganzen: der Tag des Lichts, das die Finsternis abtrennt. Jetzt erst ist Dunkel Dunkel, jetzt erst wird Tag Tag, jetzt erst wird Leben Leben. Nach dem ersten Tag kann die Welt Welt sein, Schöpfung Schöpfung, Mensch Mensch. Ostern ist der erste Tag! Wir sehen die Sonne aufgehen. Und das Leben siegt.
In der Frühe sind die zurückgelassenen Leinentücher, das sorgsam und liebevoll zusammengelegte Schweißtuch Indizien, dass Jesus nicht mehr im Reich des Todes zu Hause ist, sondern ihn überwunden hat. In alten Geschichten wird sogar von Jesu Höllenfahrt erzählt. Jesus bringt die Hölle zum Einsturz, durchbricht ihre Dächer und Mauern – und führt alle hinaus, die vom Tod gefangen gehalten werden. Ob sich das in einem Film zeigen lässt? Im Fernsehen? Auf YouTube?
Vielleicht viel einfacher als geahnt: Ich sehe Menschen, die eine Kette bilden. Friedlich. Sie protestieren gegen den laxen Umgang mit Waffen. Ich sehe Menschen, die mutig, vielleicht auch kompromisslos, in Kirchen ein Asyl einrichten. Ich sehe Menschen, die es satt haben, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht und alte Kulturen vor die Hunde geraten. Ich sehe viel... Ich sehe auch über Vieles hinweg. Meistens sehe ich nicht, dass immer, wenn das Dunkel weicht, ein österlicher Tag aufgeht. Vielleicht habe ich die Auferstehung Jesu auch noch nicht verstanden? Könnte doch sein, wo es doch von den Jüngern heißt: „Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.“
Petrus, übrigens, wird in seiner Osterpredigt – die wir in der Lesung gehört haben - , sagen: „Gott aber hat ihn – Jesus - am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen: Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.“
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
In der heiligen Woche sind wir mit Christus den Weg vom Einzug als Messias, seinem Abschiedsvermächtnis bis zu seinem Tod am Kreuz und bis zum leeren Grab mitgegangen. Seine Auferstehung stärkt unsere Hoffnung und gibt uns Kraft, eine Kultur des Lebens zu pflegen.
Ostern ist vor allem ein Fest des Glaubens. An den einen Gott, der sich in Jesus Christus gezeigt hat. Ostern bedeutend mehr als etwa ein „Frühlingsfest“ oder eine Art von „rituellem Miteinander“. Ostern kann uns ein Wegweiser sein. Es ermutigt uns, Freude und Hoffnung zu schöpfen. Ostern ist auch ein Fest des Lebens.
Was wir zu Ostern feiern ist unglaublich. Um an Ostern glauben zu können, müssen wir die Augen und die Herzen öffnen. Ostern lässt uns glauben, dass nicht alles auf den Tod zugeht, sondern dass viel mehr für das Leben spricht. Ostern ist der Beginn einer neuen Schöpfung.
Zu Ostern stehen die Erzählungen von den Ostererfahrungen der Jünger, allen voran Maria von Magdala und Johannes, im Mittelpunkt. Aber auch viele andere Erzählungen des Neuen Testamentes sind nur von Ostern her zu verstehen.
Wer seine Denkgewohnheiten von Unerwartetem umwälzen lässt, erfährt neue Lebensmöglichkeiten.
Vielleicht sind Sie jetzt ein bisschen enttäuscht von diesem Evangelium am Ostertag: Es klingt so ganz anders als die schwungvollen und anschaulichen Osterlieder, die wir heute singen. Der Bibeltext schildert gar keine direkte Begegnung mit dem auferstandenen Jesus selbst! Stattdessen wird beschrieben, wie es den Frauen am Grab ergeht. Aber auch hier ist nicht von Osterjubel die Rede, sondern von Ratlosigkeit, Erschrecken und Verwunderung. Aber genau das ist sehr realistisch, denn so etwas Ungeheuerliches, wie das, was mit „Auferstehung“ gemeint ist, kann man nicht sofort begreifen und bejubeln. Der Weg vom Schock über die Brutalität des Todes zum Sehen neuer Lebensmöglichkeiten ist weit.
Diese Erfahrung machen auch Menschen heute: Wenn ein lieber Mensch stirbt und eine große Lücke hinterlässt; wenn eine Beziehung zerbrochen ist und alle Versuche, neu anzufangen, gescheitert sind; wenn Eltern damit fertig werden müssen, dass ihre Kinder eigene, den Eltern unverständliche Wege gehen; wenn Alter oder Krankheit die Lebensmöglichkeiten einschränken; wenn einem Menschen die Lebensfreude und Lebensmut schwinden – in solchen Situationen erwarten wir nicht mehr viel vom Leben.
Ganz ähnlich erging es den biblischen Frauen, als sie sich am Ostermorgen zum Grab Jesu aufmachten, aber dann wurde für sie alles anders. Ich lade Sie ein, diesen inneren Weg dieser Frauen mitzugehen und sich auf die Umwälzungen einzulassen. Dann kann auch in uns Festgefahrenes wieder in Bewegung kommen.
Noch tief im Morgengrauen kommen die Frauen mit ihren Erwartungen zum Grab: wenigstens gibt es einen Ort, an dem sie den geliebten Menschen, den sie verloren haben, besuchen können. Die Frauen sind gut vorbereitet mit wohlriechenden Salben, um das zu tun, was man damals in Israel mit einem Toten tat: mit einer Salbung wenigstens dem Leichnam eine letzte Ehre und Zuwendung zu erweisen. Aber es kommt ganz anders als geplant und erwartet. Schon der weg gewälzte Stein deutet an, dass hier Umwälzendes geschieht, dass hier große Kräfte am Werk sind. Die Frauen betreten die Grabhöhle und finden – nichts. Ratlosigkeit, Verwirrung: Erklärungsmöglichkeiten werden gesucht. Noch bevor die Frauen wieder richtig zu sich kommen, geschieht wieder etwas Überraschendes: zwei Männer mit leuchtenden Gewändern, Engel, Boten Gottes, treten herbei. Das löst Erschrecken aus.
Mitten in diese aufgewühlten Gefühle und Gedanken der Frauen sprechen die Engel eine Frage: „Was sucht Ihr den Lebenden bei den Toten?“ Diese Frage bringt eine völlig neue Sichtweise ins Spiel: Jesus, der - wie die Frauen es mit eigenen Augen gesehen haben - gekreuzigt wurde und starb; Jesus, dessen Leichnam sie salben wollten, wird als „Lebender“ bezeichnet.
Das ist eine ungeahnte Möglichkeit, die der bisherigen Erfahrung und dem gewohnten Denken der Frauen widerspricht. Aber dieser neuartige Gedanke öffnet in der festen Überzeugung von der Endgültigkeit des Todes vielleicht einen winzigen Spalt Richtung Hoffnung und Zukunft. Die so verstörten Frauen brauchen Zeit, um sich und ihr Denken neu zu sortieren. Ihr Weltbild wurde zuerst zerstört durch Jesu brutalen Tod und jetzt noch einmal umgewälzt durch eine neue Sichtweise. Die Bruchstücke ihres Weltbildes müssen sie nun neu sortieren, manche verwerfen und Reste neu zusammen puzzeln.
Und dann bringen die Engel noch eine alte, bisher unbeachtete Deutung ein: „Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat… Der Menschensohn muss … ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.“ Diese bisher unverständliche Ankündigung Jesu passt plötzlich als wichtiges Puzzlestück in das neue Denken: „Da erinnerten sie sich an seine Worte.“ Manches im Leben ergibt erst im Nachhinein einen Sinn.
Jetzt kommen die Frauen auch äußerlich in Bewegung. Sie kehren dem Grab den Rücken und gehen zurück in die Stadt zu den anderen Jüngern, die noch in Angst, Trauer und Aussichtslosigkeit verharren. Mutig sind die Frauen, dass sie von ihrer für sie selbst noch so neuen Erfahrung berichten. Von den Aposteln wird ihr Zeugnis auch prompt als „Geschwätz“ abgetan – wie die Aussage einer Frau damals auch vor Gericht nicht zählte. Allein Petrus scheint etwas überzeugend Hoffnungsvolles an ihren Worten und ihrer Ausstrahlung wahrzunehmen. Wie die Frauen ist er ist offen für einen neuen Impuls und sei er noch so paradox. Petrus eilt zum Grab, um sich sein eigenes Bild zu machen. Er sieht zwar keinen Engel, aber das Ganze löst etwas in ihm aus: Verwunderung – ein neues, lebendiges Gefühl.
In starken Bildern und Worten spricht das Evangelium von der Erfahrung neuer Lebendigkeit, wie auch wir sie heute machen können - mitten in unseren persönlichen Todeserfahrungen.
Zunächst erlebe ich meine Situation vielleicht so: Das, was meinem Leben Sinn gab, mir Lebensfreude und Kraft schenkte, ist nicht mehr. Trauer braucht zwar Zeit, aber es besteht auch die Gefahr wie gebannt vor den Gräbern meiner Verluste, Enttäuschungen und Hoffnungslosigkeiten stehen zu bleiben: Wenn ich mit nichts mehr rechne, mir nichts mehr von Beziehungen, vom Beruf, vom Leben verspreche, dann macht mich das blind für andere Möglichkeiten und Sichtweisen. Die Frauen im Osterevangelium ermutigen uns aber zu einer anderen Haltung: Ich kann mich auch in meinen vertrauten Vorstellungen und meinem Weltbild verstören lassen. Dann kann ich mich öffnen für ein deutendes Wort von außen, das meine Situation in einem neuen Licht erscheinen lässt: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“. Wenn ich mich auf dieses neue Denken einlasse und beginne, erfülltes Leben zu suchen, dann kann sich die Verheißung der Auferstehung auch für mich heute erfüllen.
Auferstehung, neues Leben kann dann bedeuten, dass sich jemand nach einer gescheiterten Beziehung wieder auf neue persönliche Begegnungen unterschiedlicher Qualität einlassen kann; dass Eltern trotz allem den Glauben und vor allem die Liebe zu ihren Kindern nicht verlieren; dass ein alter oder kranker Mensch auch in engen Grenzen seine Lebensmöglichkeiten neu schätzen lernt; dass jemand am Grab eines lieben Verstorbenen die innere Gewissheit spürt, dass die Liebe stärker ist als der Tod.
Wie ist das bei Ihnen? Lassen Sie sich von dem, was ganz anders als erwartet ist, noch herausfordern und bewegen? Wagen Sie es, daran zu glauben, dass es für Sie viel mehr Möglichkeiten erfüllten Lebens gibt, als Ihre bisherige Erfahrung und Denkweise es zulässt?
Angenommen, auch wir hätten den Mut, unsere gewohnten Denk- und Sichtweisen umwälzen zu lassen – wie viel mehr Lebensmöglichkeiten könnten wir entdecken! Dazu will Gott uns am heutigen Ostertag verlocken – damit auch jede und jeder von uns Auferstehung mitten im eigenen Leben erfährt.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C4/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010, S. 24-38.
Allmächtiger, ewiger Gott,
am heutigen Tag
hast du durch deinen Sohn den Tod besiegt
und uns den Zugang zum ewigen Leben erschlossen.
Darum begehen wir in Freude
das Fest seiner Auferstehung.
Schaffe uns neu durch deinen Geist,
damit auch wir auferstehen
und im Licht des Lebens wandeln.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Ostersonntag
Herr, unser Gott, nimm die Gaben an,
die wir in österlicher Freude darbringen
für das Opfer, durch das deine Kirche
auf wunderbare Weise wieder geboren und gestärkt wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Ostersonntag
Für den Lobpreis am Ostersonntag eignen sich auch einige Osterlieder,
z. B. GL 220: Das ist der Tag, den Gott gemacht.
Oder:
Kehrvers:
Jubelt dem Herrn alle Lande,
Halleluja, preist unseren Gott.
(GL 643,3)
Lasst uns den allmächtigen Vater preisen,
der seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt
und zu seiner Rechten erhöht hat.
Kehrvers
Lasst und den allmächtigen Vater preisen,
der durch seinen Sohn Jesus Christus den Tod besiegt hat
und uns teilhaben lässt am ewigen Leben.
Kehrvers
Lasst uns den allmächtigen Vater preisen,
der uns das Licht des Glaubens geschenkt hat
und uns die Welt mit neuen Augen sehen lässt.
Kehrvers
Lasst uns den allmächtigen Vater preisen,
der uns Zukunft gibt
und Hoffnung allen, die den Namen Jesu anrufen.
Kehrvers
und uns einstimmen lässt in den Jubel aller Engel und Heiligen.
die den Namen Jesu anrufen.
Kehrvers, evtl. Danklied
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater, immer und überall zu danken,
diese Nacht (diesen Tag, diese Tage)
aber aufs höchste zu feiern,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Denn er ist das wahre Lamm,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Durch seinen Tod
hat er unseren Tod vernichtet
und durch seine Auferstehung
das Leben neu geschaffen.
Darum jubelt in dieser Nacht (heute)
der ganze Erdkreis in österlicher Freude,
darum preisen dich die himmlischen Mächte
und die Chöre der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 1
In österlicher Freude und Zuversicht lasst uns zu Gott unserem Vater beten:
Allmächtiger Gott,
du hast deiner Kirche
durch die österlichen Geheimnisse
neues Leben geschenkt.
Bewahre und beschütze uns in deiner Liebe
und führe uns zur Herrlichkeit der Auferstehung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Ostersonntag
An diesem Tag,
der geheiligt ist durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus,
segne euch der gütige Gott
und bewahre euch vor der Finsternis der Sünde. Amen!
In Christus haben wir Anteil am ewigen Leben,
in ihm führe euch Gott zur unvergänglichen Herrlichkeit. Amen.
Unser Erlöser hat uns durch die Tage seines Leidens
zur österlichen Freude geführt,
er geleite euch alle Tage des Lebens
bis zu jener Osterfreude, die niemals endet. Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen!
MB Osternacht
Der allmächtige Gott
hat uns durch die Auferstehung seines Sohnes
aus Sünde und Tod befreit.
Er segne euch
und schenke euch seine Freude.
Amen.
Und Christus,
mit dem wir auferstanden sind durch den Glauben,
bewahre in euch die Gabe der Erlösung.
Amen.
Gott hat uns in der Taufe angenommen als Kinder seiner Gnade;
Er schenke euch das verheißene Erbe.
Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott ...
(Messbuch 542)
Nicht erst,
wenn alle Mißverständnisse
weggeräumt sind,
sondern
wenn ich alles
vergeben habe.
Wenn der schwere Stein
meiner Traurigkeit
vom Herzen weggeweint ist
und ich wieder
Hoffnung habe.
Wenn ich nicht mehr
flüchten will,
sondern mich
auf den Weg mache
zu meinen Brüdern und Schwestern.
Dann erst
werde ich IHM begegnen
in den Gesichtern
der geringsten meiner Brüder,
in Seinem Wort,
in Seinem Brot.
Dann erst werden mir
die Augen aufgehen,
und mein totes Herz
lebt wieder
und brennt für Dich
Ilse Pauls
Zu Paul Celans Gedicht „Zürich, Zum Storchen“
Den goldenen Schimmer der Auferstehung
lass uns hinüberretten in den Alltag.
Seinen Glanz bewahren,
seine Gegenwart erspähen
in manchen Bildern,
Offenbarungen,
Gesprächen …
Es gibt Worte,
die Glanz innehaben,
Blicke, die strahlen,
Begegnungen,
die Ewigkeit ahnen lassen …
Lass uns das Hellwort finden,
das uns trägt,
das mit uns geht.
Ilse Pauls
Licht-Strahlen streifen
sanft und leise
die Augen
verkünden den Anbruch
eines neuen Tages
die sprengende Leucht-Kraft
der Morgensonne
weckt die müden Lider
durchflutet den Raum
mit buntem Farbenzauber
Strahlen brechen
mit eleganter Leichtigkeit
Schatten und Licht
ziehen eine Leucht-Spur
der Hoffnung
kraftvoll und stark
jeden Tag neu
ist dieser Licht-Einfall -
durchdringender
als jedes Dunkel der Nacht
spürbar durchdrungen
vom Licht des Ostermorgens
verklingt die Trauer
wiegt das Herz wieder leicht
wenngleich Narben zurückbleiben
im Aufgang der Sonne
erscheinen die Dinge
in einem anderen Licht
gibt es Hoffnung - österliche Zuversicht!
Michaela E. Lugmaier, Ostern 2017
Linzer Bischof verortet Leibfreundlichkeit des Christlichen in Werken der Barmherzigkeit, in Sakramenten, in leiblicher Auferstehung und auch in der leiblichen Liebe.
Linz, 24.3.2016 (KAP) Mit Ostern setzt Gott ein "Ausrufezeichen" mit der Botschaft "Ich mag den Leib". Entgegen allen Klischees von christlicher Leibfeindlichkeit sieht der Linzer Bischof Manfred Scheuer viele Elemente einer "Leibfreundlichkeit des Christlichen". Er verortete diese in einem Oster-Interview der Linzer "KirchenZeitung" in den leiblichen Werken der Barmherzigkeit, in den sinnlich erfahrbaren Sakramenten, und ebenso im Glauben an die Auferstehung auch des Fleisches, den die Christen bekennen. Als weitere Beispiele nannte Scheuer die leibliche Liebe, "in den Dimensionen von Agape, Caritas, aber auch von Freundschaft und Eros".
In der heutigen Gesellschaft gebe es zwar die "Betonung einer vordergründigen Leibfreundlichkeit", jedoch sind viele der alltäglichen Erfahrungen nach den Worten des Bischofs leibfeindlich. Bei der Arbeit werde der Leib oft losgelöst vom ganzen Menschen gesehen, in der Medizin werde der Leib manchmal "wie ein Motor" behandelt, "den man repariert" und der zu funktionieren habe. Es gehe aber vielmehr darum, "auf den Rhythmus des Leibes zu achten und auf seine Signale zu hören", erklärte der leidenschaftliche Bergwanderer.
Ostern ist für Scheuer "das Zusammen von Tod und Auferstehung" und somit mehr als nur ein Frühlingsfest, als welches von vielen der Palmsonntag empfunden werde. Auferstehung knüpfe an eine menschliche Ursehnsucht an, die über den Tod hinaus auf eine Versöhnung von Glück und Gerechtigkeit hofft.
Wenn Umfragen einen hohen Prozentsatz an Christen ergeben, die nicht an die Auferstehung glauben, stelle sich für ihn - so Scheuer - die Frage: "Finden sich die Leute einfach ab damit, dass Menschen kaputtgehen und das eigene Leben sinnlos ist? Das wäre schon ein Alarmzeichen." Denn das würde nach den Worten des Bischofs bedeuten, "dass todbringende Kräfte letztlich obenauf sind". Der Auferstehungsglaube sei auch ein Fingerzeig dafür, ob "wir das Leben lieben und annehmen können, oder finden wir uns eigentlich ab mit den offenen oder versteckten Formen des Todes?"
Für "kritische und solidarische Zeitgenossenschaft"
Zu Ostern ist laut Scheuer "die Gegenwart der leiblichen und auch durch das Leid hindurchgehenden Liebe Gottes" besonders erfahrbar. Gott fordere die Kirche zugleich auf, an den konkreten Menschen mit ihren Freuden und Hoffnungen, ihrer Trauer und Angst dranzubleiben. "Das gelingt uns manchmal besser, manchmal schlechter." Der Linzer Bischof plädierte für eine "Zeitgenossenschaft" der Kirche, die nicht einfach Angleichung bedeute. "Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, erlebt sich schnell als Witwer", zitierte Scheuer den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard. "Mir geht es um eine kritische und solidarische Zeitgenossenschaft", betonte der Bischof.
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Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.
Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.
Marie Luise Kaschnitz in: Georg Langenhorst, Gedichte zur Bibel. Texte – Interpretationen – Methoden. Ein Werkbuch für Schule und Gemeinde. Kösel Verlag, München 2001.
Das sich von Gott her empfangend-schenkende Leben steht unter der von Christus verbürgten Hoffnung ewigen Lebens. Und hier bekommt das christliche Menschenbild seinen letzten Akzent. Wer auf Tod und Auferstehung Christi schaut, für den ist nichts ausgeschlossen von der universalen Heilsmöglichkeit Gottes, der in der Ohnmacht der Gnade, der versöhnenden Kraft des Leidens und in der Herrschaft sich hingehender Liebe, inmitten des Elends, hier und heute den Tag des Heils beginnt.
Das ist eine harte Rede, und man möchte widerstreben. Aber nur so hat Jesus Christus den wirklich Hoffnungslosen auf dieser Welt die Hoffnung Gottes gebracht. Die Zukunft des Menschen hat im gekreuzigten und auferstandenen Messias schon begonnen. »Wer glaubt, flieht nicht mehr, weder in die unberührbare Ironie, noch in die trotzige Utopie. Er flieht nicht sozialromantisch in die goldene
Vergangenheit. Er emigriert nicht innerlich in die Reinheit des Herzens. Er verliert sich auch nicht mehr in Träume von einer besseren Welt. Er findet überraschenderweise »Frieden mitten im Streite und das versöhnende Ja mitten im berechtigten Nein« (Jürgen Moltmann).
Das christliche Menschenbild vertritt keinen billigen Optimismus, es verniedlicht nicht die Situation des Menschen.103 Der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn ist unser Realismus mit einer außerordentlichen Portion Hoffnung. Es ist ein »hellsichtiger Realismus«. Die Hoffnung aber ist eine Zukunft, die auf mich zukommt und nicht von mir gemacht wird. Das ist Hoffnung im christlichen Sinn. Sie ist Hoffnung gegen alle Hoffnung, Hoffnung der Zukunftslosen.
Nicht die Prognose über einen Menschen ist entscheidend. Gegenüber einem Behinderten, dessen Zukunft im Sinne der Prognose gering ist, kann ich immer noch eine Hoffnung aussprechen und mit ihm leben, die von Gott auf ihn zukommt. Gott wird an jenem Tag alle Tränen abwischen. Und wir haben die Zusicherung Gottes, dass bei der Auferstehung des Fleisches alles Gute im Himmel und auf Erden in allen Umwandlungen nicht verloren gehen wird. »Ewiges Leben« heißt der alte Name für solches Glück ohne Ende. Diese Hoffnung macht uns heute menschlich, wenn ich Träger dieser Hoffnung sein will.
Aus: Ludger Schulte, Gott suchen - Mensch werden. Vom Mehrwert des Christseins. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.

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