Lesung aus dem Buch der Sprichwörter.
Die Weisheit hat ihr Haus gebaut,
ihre sieben Säulen behauen.
Sie hat ihr Vieh geschlachtet,
ihren Wein gemischt
und schon ihren Tisch gedeckt.
Sie hat ihre Mägde ausgesandt
und lädt ein auf der Höhe der Stadtburg:
Wer unerfahren ist,
kehre hier ein.
Zum Unwissenden sagt sie:
Kommt,
esst von meinem Mahl
und trinkt vom Wein, den ich mischte!
Lasst ab von der Torheit,
dann bleibt ihr am Leben
und geht auf dem Weg der Einsicht!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Kostet und seht, wie gut der Herr ist! – Kv
(GL 39,1)
Ich will den Herrn allezeit preisen; *
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn; *
die Armen sollen es hören und sich freuen. – (Kv)
Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen; *
denn die ihn fürchten, leiden keinen Mangel.
Junglöwen darbten und hungerten; *
aber die den Herrn suchen,
leiden keinen Mangel an allem Guten. – (Kv)
Kommt, ihr Kinder, hört mir zu! *
Die Furcht des Herrn will ich euch lehren!
Wer ist der Mensch, der das Leben liebt, *
der Tage ersehnt, um Gutes zu sehen? – (Kv)
Bewahre deine Zunge vor Bösem; *
deine Lippen vor falscher Rede!
Meide das Böse und tu das Gute, *
suche Frieden und jage ihm nach! – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Éphesus.
Schwestern und Brüder!
Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt,
nicht wie Toren, sondern wie Kluge!
Nutzt die Zeit,
denn die Tage sind böse.
Darum seid nicht unverständig,
sondern begreift, was der Wille des Herrn ist!
Berauscht euch nicht mit Wein
— das macht zügellos —,
sondern lasst euch vom Geist erfüllen!
Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen
und geistliche Lieder erklingen,
singt und jubelt aus vollem Herzen dem Herrn!
Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles
im Namen unseres Herrn Jesus Christus!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Epheserbrief stammt nicht von Paulus selber, sondern von einem unbekannten Schüler, der in seinem Namen die Sache des Paulus nach dessen Tod weiterführte und um 80 n. Chr. schrieb. Er orientiert sich in Aufbau und Inhalt stark am Kolosserbrief, der ebenfalls nicht von Paulus stammt. Die veränderte Situation in der christlichen Gemeinden macht ein neues Schreiben notwendig: Während man zur Zeit des Paulus die Wiederkunft Christi stündlich erwartete, muß man nun mit der Tatsache zurechtkommen, daß sich die Ankunft Christi zu verzögern scheint. Das Hauptthema des Eph ist deshalb die Kirche: was sie ausmacht und wie sie sich daher in der Zeit, die bis zum Kommen des Herrn bleibt, einrichten und verhalten soll. Zu dem zweiten Teil, dem Weisungsteil, gehört unsere Lesung.
Unmittelbar voraus, in Eph 5,14, lesen wir die Aufforderung (vermutlich ein kleines urchristliches Lied): "Wach auf, du Schläfer und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein!" Unsere Lesung entfaltet dann genauer, wie dieses "wache" Leben der getauften Christen aussehen soll. Auch hier werden wieder, wie im AT, zwei Wege der Lebensweise vorgestellt: Christen sollen nicht töricht, sondern klug, nicht unverständig, sondern einsichtig, nicht berauscht, sondern erfüllt vom Geist leben.
Ein Schlüsselbegriff zum rechten Verständnis ist die Mahnung zu Beginn, sein Leben in sorgfältiger Achtsamkeit zu leben. Wach, nüchtern und bewußt zu leben, darf nicht dahingehend mißverstanden werden, jede freie Minute zu verzwecken (etwa nach dem Motto "Zeit ist Geld" und "wer rastet, der rostet"). Der Autor des Eph lädt seine LeserInnen vielmehr dazu ein, wach zu bleiben, um die kostbare Zeit "auskosten" zu können. Er fordert sie heraus, die Zeit bis zum Kommen Christi nicht als unwichtige Zwischenzeit zu sehen, sondern sich immer wieder darauf einzulassen, den "Willen des Herrn zu begreifen". Sie sollen ihr Leben nicht verschlafen, sondern erfüllt leben. Dazu paßt auch die Aufforderung am Ende der Lesung zur Freude, zur Ekstase, zum Jubel - der ganze Epheserbrief beginnt mit einem Lobpreis, der von der Fülle spricht, die mit Christus angebrochen ist!
Der Epheserbrief übernimmt den groben Rahmen des Kolosserbriefes: In den Kapiteln 1-3 wird das Thema des Briefes, die Kirche, inhaltlich entfaltet. In der zweiten Hälfte des Brief, Eph 4,1-6,20 werden die sittlichen Folgerungen daraus gezogen. Zu diesem Weisungsteil gehört auch die heutige Lesung.
Im Absatz Eph 5,15-20 ist die Gemeinde als versammelte angesprochen und wird zu einem christlich geprägten Leben, zu gegenseitiger Unterstützung und zum Gebet ermuntert.
Im darauf folgenden Absatz (Eph 5,21-6,9) wird in den sogenannten Haustafeln die Verbindung des Gemeindelebens mit dem häuslichen und familiären Leben der Gemeindemitglieder hergestellt. Hier wird besonders die Abhängigkeit vom Kolosserbrief deutlich: ganze Wortgruppen stimmen wörtlich mit der Vorlage überein.
Geistlicher Gottesdienst
Eph 5,15-20 beginnt mit dem Aufruf, die eigene Lebensführung zu überprüfen. In dieser Zeit der Bedrohung der christlichen Existenz durch das heidnische Umfeld ist das praktische christliche Leben eine wesentliche Bedingung für das Bestehen einer christlichen Gemeinde. Drei Kontraste prägen den Text: nicht Toren, sondern Weise sollen die Leser sein; nicht unverständig, sondern verständig; nicht vom Wein berauscht sondern vom Geist erfüllt.
Die Christen sollen die ihnen zur Verfügung stehende Zeit nutzen, denn das christliche Leben findet nicht außerhalb von Zeit und Raum statt, sondern ist konkrete Aufgabe jedes Menschen dort wo er lebt.
Der Geist, der der Gemeinde geschenkt ist, ermöglicht es ihr, ein christliches Leben zu führen. In der Gemeindeversammlung und im persönlichen Gebet geschieht die Grundlegung allen christlichen Handelns. Den Gottesdienst zur Quelle und zum Höhepunkt kirchlichen Lebens (Vat II. SC 10) zu machen, ist nach wie vor eine Einladung an alle, die ihr Leben christlich gestalten wollen. Zugleich ist es aber auch eine Herausforderung an alle in der Seelsorge Tätigen, auch an die Liturgen und Liturgiker, die Menschen zur aktiven Mitfeier von Gottesdiensten hinzuführen, die dem Heiligen Geist Raum lassen und das alltägliche Leben, die Sprache und die Erfahrungen unserer Tage hereinnehmen und so Ausgangspunkt einer gläubig gestalteten Lebenswirklichkeit werden können.
Der Brief ist eine Art Rundschreiben des Paulus aus seiner Gefangenschaft. Doch wird die Autorenschaft des Paulus inzwischen allgemein bezweifelt (Luz). Die Situation der Gemeinde wird als gefestigt angenommen, eine erste Aufbruchsstimmung ist vorüber. An der einen oder anderen Stelle kehrt Verfall ein - dagegen wendet sich Paulus resp. der Autor, der sich auf die Autorität des Apostels beruft.
Die vorliegende Perikope ist Teil einer Reihe von Ermahnungen, die der Autor der Gemeinde gibt, dass sie ein glaubwürdiges Zeugnis in einer nichtchristlichen Umgebung gibt. Zu diesem Zeugnis zählt vor allem das sittsame Leben - in einer Hafenstadt anscheinend keine Selbstverständlichkeit.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt,
der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
Halleluja.
Die Sommerzeit bietet viele Anlässe, das Leben zu zelebrieren und seine besten Seiten in Festspielen, Sportereignissen oder Dorffesten zu genießen. Dabei feiern wir unsere Stars und blicken wir auf die Erfolgreichen. Gutes Leben für alle kommt aber nicht durch Bewunderung derer, die es uns vorführen, sondern durch das Nachahmen und Selber-Tun. Das kostet Anstrengung, geht unter die Haut, schneidet mitunter ins Fleisch, geht ans Blut; nicht nur im religiös-rituellen Sinn sondern auch im Alltag.
Begleitmusik aller Festspiele ist der Aufmarsch der Promis und VIP. Was wäre Salzburg oder Bayreuth ohne Politprominenz! Alles, was in der Gesellschaft Rang und Namen hat, stellt sich ein, um dabei zu sein und gesehen zu werden. Auch bei Sportveranstaltungen wie z.B. bei einer Fußballweltmeisterschaft, gehört der Seitenblick auf illustre Gäste zum Großereignis.
Dass sich Prominente genauso wie große Teile der Bevölkerung für Kunst, Kultur oder Sport interessieren, ist zu erwarten. Aber warum interessieren sich die Medien, die Fernsehzuschauer, Hörer und Zeitungsleser so sehr für die Promis? Von manchen werden diese mit größerer Aufmerksamkeit verfolgt als die Festspiele oder das Sportereignis selbst.
Ich vermute, dass Prominente unser Interesse wecken, weil sie Werte verkörpern, die uns ansprechen. Ein Fußballstar verkörpert Fitness, Ballbeherrschung, Kampf- und Teamgeist, verkörpert eventuell ein Schönheitsideal und präsentiert einen Lebensstil, den seine Fans bewundern. Ähnlich ist es auch bei Sängern und Schauspielern. Was man selbst bewundert und in jungen Jahren vielleicht auch anstrebt, sieht man hier in einem Menschen aus Fleisch und Blut vor sich, der diese Werte verkörpert. Auch wenn man selbst all das nicht erreichen kann, hier kann ich die bewundern, die es geschafft haben. An den Erfolgreichen, die im Rampenlicht stehen, sehen wir, wie Lebensträume gelingen können.
In den Sonntagslesungen hören wir nun schon den vierten Sonntag von der wunderbaren Brotvermehrung und von den Wünschen und Diskussionen, die diese Begebenheit ausgelöst hat. Eine faszinierende Sache: Alle wurden satt, alle staunen und wünschen das für sich und für immer. Jesus erklärt seinen Zuhörern, wie es gutes Leben für alle und für immer geben könnte: Indem wir ihn nachahmen, nicht als Wundertäter mit geheimnisvollen Kräften, sondern indem wir einfach so leben wie er. Nicht als Zuschauer, nur als Nachahmer werden wir diese Gabe Gottes für immer erhalten. Jesus betont, dass wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken müssen, ganz mit ihm eins werden müssen, um dabei zu sein.
Seine Forderung, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken, ist verstörend, provokant und zugleich rätselhaft. Wir können sie in zwei Richtungen verstehen: Einerseits hören wir die Anspielung auf den Ritus der Eucharistiefeier heraus, andererseits kann die Rede von Fleisch und Blut auch bedeuten, dass es hier um den letzten Ernst, sozusagen ums "Eingemachte" geht.
Für dieses Verständnis helfen uns die Erfahrungen der Sportler und Künstler. Was sie können, setzt harte Arbeit voraus, regelmäßiges intensives Training... Nur Übung macht den Meister. Sie zu bewundern ist Eines, selbst zu trainieren, eine zielstrebige und disziplinierte Lebensführung auf sich zu nehmen, ein Anderes. Hier steigen viele aus; nicht nur mangels entsprechenden Talents oder weil es irgendwann zu spät ist.
Wir dürfen uns nicht über den Unterschied hinwegtäuschen: Etwas selbst zu tun ist etwas anderes als andere zu bewundern. Jesus geht es um das Tun. Es geht nicht nur um den rituellen Akt der Eucharistie, in dem wir das Fleisch Jesu in der Gestalt des Brotes essen und das Blut Jesu in der Gestalt des Weines trinken. Damit treten wir in eine mystische Verbundenheit mit Jesus und dem Vater ein, wir werden eins mit ihm. In dieser Verbundenheit mit ihm leben wir hingegeben an Gott und die Menschen. Wer das ernst nimmt, erfährt, dass dies unter die Haut geht, ans Fleisch und ans Blut geht. Hier steigen viele aus. Sie bleiben lieber Jesus-Fans, Zuschauer, Kritiker, die endlos über die mangelnde Performance der Kirche diskutieren und nicht mit guten Ratschlägen sparen.
Irgendwann ist jedes Festspiel zu Ende. Was kommt nach dem Schlusspfiff, nach der Siegerehrung? Künstler und Athleten gönnen sich vielleicht eine schöpferische Pause, bald aber geht die harte Arbeit weiter.
Viele Christen feiern wichtige Höhepunkte ihres persönlichen oder familiären Lebens mit einem festlichen Gottesdienst. Auch im öffentlichen Leben werden bestimmte Ereignisse in einem Gottesdienst gefeiert. Schön und gut! Die Verwandlung der Welt in eine menschlichere solidarische Heimat für alle erfordert Umdenken und intensive Anstrengung im christlichen Alltag.
Im Symbol des Brotes sind die wichtigsten Dimensionen des christlichen Glaubens zusammengefasst. Brot ist Nahrung, Grundnahrungsmittel des Alltags. Es hat eine transzendierende Dimension: Es ist Symbol der hingebenden Liebe Jesu, Mitte unseres Gleubens.
In der Eucharistie werden wir auf Innigste mit Jesus vereint. Er lebt in uns, stärkt uns, lässt uns seine Nähe erfahren.
Die Worte Jesu in der sog. eucharistischen Rede des Johannesevangeliums klingen zunächst unverständlich und werden zu einer Zumutung. Es sind starke Bilder, die von ihrem aramäischen Hintergrund her gelesen werden müssen. Unter den Zeichen von Brot und Wein bekundet Jesus sein Sich-Hingeben für das Leben der Welt, für unser Leben. Durch die Hingabe seines Lebens hat uns Jesus einen neuen Zugang zu Gott erschlossen.
Im Presbyterium der Stadtpfarrkirche von Bad Ischl wurde im Zuge einer Restaurierung des Freskos vom Abendmahl im darüber angebrachten Schriftzug ein Buchstabe vertauscht. "Nehmet IHN und esset" liest der staunende Betrachter. "Nehmet HIN und esset" müsste es richtiger Weise heißen, wie auf alten Aufnahmen deutlich zu erkennen ist. Die ursprüngliche Version hört sich feierlich, vergeistigt und erhaben an. Was wir jetzt zu sehen bekommen ist handfester. Noch dazu in Verbindung mit dem Bild darunter, das Jesus in Lebensgröße zeigt, wie er von den Stufen des Altares herab die Hostie reicht. Nehmt ihn, greift ihn euch, esst ihn. Jesus selbst spricht im Evangelium von "seinem Fleisch" und vom "Fleisch des Menschensohnes" und ruft damit bei seinen Zuhörern empörtes Staunen hervor. "Wie kann er uns sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken geben?", wundern sich die Juden zurecht.
Der Vorgang des Essens und Trinkens hat immer etwas Gewaltförmiges an sich. Auch für ein kultiviertes Mahl an schön gedecktem Tisch und bei Kerzenlicht wurden zuvor Pflanzen und Tiere geschnitten, zerrissen, geschlachtet, gebraten oder gekocht, und werden nun zerbissen, gekaut, vergoren, verdaut und ausgeschieden. Weder die Pflanze noch das Tier wird gefragt, ob es gegessen werden will. Auch glückliche, artgerecht gehaltene Schweine werden geschlachtet und an einem bestimmten Punkt ist auch der Vegetarier rücksichtslos gegen das Leben, das ihn nähren soll. Was der Mensch isst und trinkt, geht in seinem Körper auf. Die verfügende Gewalt ist ein unübersehbares Element der Einverleibung. (Gottfried Bachl, Eucharistie. Macht und Lust des Verzehrens, St. Ottilien 2008).
In einem sehr alten Buch, der Odyssee des griechischen Dichters Homer, kommt der Held Odysseus in der Unterhaltung mit seinem Knecht, dem Sauhirten Eumaios, auf den Magen zu sprechen:
"denn vieles schon hab ich erlitten, Wogen und Krieg;
was jetzt kommt, mag es denn auch noch geschehen!
Freilich der Magen! Der so viele Übel den Menschen verursacht.
Er ist schuld, dass sie Schiffe mit trefflichen Ruderbänken rüsten
aufs ruhlose Meer und Unheil bringen den Feinden."
Odysseus hat viel mitgemacht. Die Erfahrungen, die er in all seinen Kämpfen und auf seinen Irrfahrten gewonnen hat, bringt er seinem Knecht gegenüber gleichsam auf den Punkt. Der Magen ist die Schaltstelle. In ihm läuft alles zusammen, was das Leben angeht. Er verursacht alles Streben nach Genuss und Glück, alle Grausamkeit auf Leben und Tod, den erniedrigenden Hunger und die satte Lebenskraft. An dieser Stelle werden die mächtigen Faktoren der Weltgeschichte berührt, die Wirtschaft vor allem, soziales und politisches Verhalten. Die Frage der Verteilungsgerechtigkeit, die heute noch genauso aktuell ist wie damals, als Bert Brecht seine "Dreigroschenoper" verfasst hat, mit der sogenannten "Zuhälterballade", in der es heißt:
Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müsst ihr uns schon zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsere Bravheit liebt
Das Eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muss es möglich sein, auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.
Denn wovon lebt der Mensch? Indem er stündlich
Den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frisst.
Genau an dieser Stelle steht Jesus. Er setzt sich all dem aus. Seine Liebe geht durch diese Mitte. Sie geht nicht bloß - wie es eine bekannte Redewendung nahelegt - durch den Magen. Wir werden nicht nur von oben her wohlschmeckend bekocht, sondern das Werk der Liebe geschieht an diesem Brennpunkt, in diesem Ernstfall, dass sie den gefährlichsten Ort besteht. Jesus wurde und wird tatsächlich gepeinigt, ausgezogen und - ja man muss es in diesem Zusammenhang so drastisch sagen - gefressen. Er begleitet den Menschen dorthin, um ihm genau an diesem Punkt, in dieser Sackgasse, in die der Mensch sich immer wieder hinein manövriert, einen Weg zu öffnen.
Genau an dieser Stelle ist das Kreuz aufgerichtet, von dem Paulus sagt, es sei "für Juden ein empörendes Ärgernis, für Griechen eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit" (vgl. 1 Kor 1,23f). Konsequenter Weise wird in der Eucharistiefeier das Kreuz stets zusammen mit dem Altar und den eucharistischen Gaben von Brot und Wein verehrt.
Christus kann sich in Freiheit darauf einlassen, weil ihn eine göttliche Macht schützt, weil ihn - wie er im Sinne des Johannesevangeliums von sich sagt - "der lebendige Vater gesandt hat". Und weiter: "...wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben." Die Kraft seiner Liebe - die göttliche Liebeskraft, die in ihm und durch ihn wirkt, verwandelt den Drang zur Vernichtung in den siegreichen Willen, dass alle das Leben haben sollen, ein Leben ohne Ablaufdatum, Leben in Fülle. "Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit".
Der Glaube und die Liebe Jesu haben fünf Gerstenbrote und zwei Fische in ein Mahl für Tausende verwandelt. Sie wurden satt im Teilen, und dennoch ist das jenes Brot, nach dessen Genuss man schon Stunden später wieder hungrig ist. Aus dieser Erfahrung verweist Jesus auf jenes andere Brot, das Brot des Lebens, von dem der Mensch in Ewigkeit lebt. Und dieses Brot ist sein Leib. "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm" - so lautet der Evangelienruf der heutigen Messe. Um diesen Ruf, der über unsere Existenz hinauszielt, in die Realität unseres Lebens zurückzuholen, möchte ich abschließend ein Gebet der amerikanischen Autorin Alla Bozarth-Campbell zitieren, das uns sehr intensive Sprachbilder ans Ohr bringt und, wie ich hoffe, nicht nur ans Ohr.
Gott, du Bäckerin,
ich bin dein lebendiges Brot,
stark, braun,
Gott, du Bäckerin.
Ich bin dein flacher, weicher Leib,
der Gestalt annimmt.
Ich bin dein Brot, das aufgeht,
gut geknetet von einem Paar göttlicher und knotiger Knöchel,
von deinen warmen Erdenhänden.
Ich bin gut geknetetes Brot.
Lege mich in dein Feuer, Gott, du Bäckerin,
lege mich in dein eigenes, helles Feuer.
Ich bin warm, durchwärmt wie ein Feuer.
Brich mich Gott, du Bäckerin.
Ich werde gebrochen unter deinem fürsorgenden Wort.
Tauch mich in Stücken in deinen besonderen Saft.
Tauche mich in dein Blut.
Ertrunken bin ich in der großen, roten Flut.
Sich selbst hingebender Kelch, schlucke mich.
Meine Haut strahlt im göttlichen Wein.
Mein Gesicht ist vom Kelch bedeckt und ich ertrinke.
Ich tauche auf in einem roten Teich,
in einer goldenen Welt,
wo deine sonnendurchglühte Hand ist,
um mich aufzufangen und zu halten.
Gott, du Bäckerin, mach mich neu.
(Dolores Bauer (Hg.), Erfüllte Zeit.
Die Botschaft des Markusevangeliums, Mödling 1995)
© Mag. Christian Öhler, Pfarrer, Geistlicher Assistent der Kath. Aktion OÖ
Jesu, du bist das lebendige Brot.
Kyrie eleison.
Jesus. du stillst den Hunger unserer Seele.
Christe eleison.
Jesu, du bist gekommen, dass wir das Leben in Fülle haben.
Kyrie eleison.
Herr, sei uns nahe mit deiner heilenden, helfenden Liebe. Amen.
Barmherziger Gott,
was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,
das hast du denen bereitet, die dich lieben.
Gib uns ein Herz,
das dich in allem und über alles liebt,
damit wir den Reichtum deiner Verheißungen erlangen,
der alles übersteigt, was wir ersehnen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
dein Sohn will uns begegnen
in den unscheinbaren Zeichen von Brot und Wein.
Laß uns dankbar sein
für das große Geschenk der Eucharistie
und hilf uns, selbst Brot zu werden,
von dem andere leben.
Durch Christus, unseren Herrn.
Du lebenspendender Gott,
du zeigst uns Wege durch diese Zeit -
mit Möglichkeiten und Grenzen.
Mit dir an unserer Seite können wir das Leben wagen.
Dein Sohn ist bei uns:
im Wort, das vom Leben erzählt,
und im Brot, das ewiges Leben verheißt.
Dafür danken wir dir - durch ihn,
Jesus Christus, deinen Sohn.
Zu Jesus Christus, der uns ewiges Leben geben will,
lasst uns beten:
Für alle Menschen, die ihren Lebenshunger ohne Rücksicht auf andere stillen
und die Grundreche ihrer Mitmenschen übergehen.
Für alle Menschen, die ums nackte Überleben kämpfen müssen,
und keine Zeit und Energie haben, auch auf ihren seelischen Hunger und Durst zu achten.
Für alle Christen, die nur auf ihr eigenes leibliches und seelisches Heil bedacht sind
und das Wohl ihrer Mitmenschen außer Acht lassen.
Für alle Christen, die den inneren Bezug zum Geheimnis der Eucharistie verloren oder nie gefunden haben.
Für die Gemeinschaft aller Christen:
Lass sie durch das Feiern deines Todes und deiner Auferstehung mit dir verbunden leben.
Für unsere Verstorbenen:
Lass sie am verheißenen ewigen Leben teilhaben.
Du, Herr, bist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist
und durch das wir ewiges Leben haben. – Amen.
Herr,
wir bringen unsere Gaben dar für die Feier,
in der sich ein heiliger Tausch vollzieht.
Nimm sie in Gnaden an
und schenke uns dich selbst
in deinem Sohn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott,
Brot und Wein hier auf dem Altar zeigen uns,
was du uns gibst:
Lust am Leben und Kraft zum Gehen.
Lass unsere Tischgemeinschaft ein Zeichen sein
und lass alle, die hier versammelt sind,
Lebendigkeit ausstrahlen in die toten Winkel dieser Welt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Als der wahre und ewige Hohepriester
hat er die Feier eines immerwährenden Opfers gestiftet.
Er hat sich selbst als Opfergabe dargebracht
für das Heil der Welt
und uns geboten,
daß auch wir diese Gabe darbringen zu seinem Gedächtnis.
Er stärkt uns,
wenn wir seinen Leib empfangen,
den er für uns geopfert hat.
Er heiligt uns,
wenn wir sein Blut trinken,
das er für uns vergossen hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat beim Lezten Abendmahl
das Gedächtnis des Kreuzesopfers gestiftet
zum Heil der Menschen bis ans Ende der Zeiten.
Er hat sich dargebracht als Lamm ohne Makel,
als Gabe, die dir gefällt,
als Opfer des Lobes.
Dieses erhabene Geheimnis heiligt
und stärkt deine Gläubigen,
damit der eine Glaube
die Menschen der einen Erde erleuchte,
die eine Liebe sie alle verbinde.
So kommen wir zu deinem heiligen Tisch,
empfangen von dir Gnade um Gnade und
werden neu gestaltet nach dem Bild deines Sohnes.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und
singen wie aus einem Munde
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 2
Barmherziger Gott,
im heiligen Mahl
schenkst du uns Anteil am Leben deines Sohnes.
Durch dieses Sakrament
mache uns auf Erden Christus ähnlich
und lass uns im Himmel zur vollen Gemeinschaft mit ihm gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
du kommst
in mein leben
herein
du gehst
meine wege
mit
du nimmst
meine kreuze
auf dich
du für mich
wie so groß
ist die liebe
ich lasse dich
in mein leben
hereinkommen
ich gehe dir
auf deinen wegen
nach
ich stehe
vor dem kreuz
deiner liebe zu mir
ich vor dir
auf den spuren
der liebe
Aus: Andrea Schwarz, Du Gott des Weges segne uns. Gebete und Meditationen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
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Schneller am Ziel
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Im ganzen Alten Orient schätzte man treffende Sprichwörter. Vor allem für die Unterweisung der Hofbeamten und Schreiber spielten sie eine große Rolle (daher mahnen sie gerne zur Besonnenheit, geben Ratschläge zum Umgang mit den Mächtigen und spiegeln überhaupt eine gewisse "Beamtenmentalität" wieder!). Meist fassen sie aber allgemeinmenschliche Wahrheiten ins Wort, die zu allen Zeiten gültig sind. Das Buch der Sprichwörter enthält ältere Sammlungen und neuere Lehrreden. Anlaß zur Endredaktion des Buches ist die Blüte der Weisheitsliteratur um 200 v. Chr. Aus dieser Zeit stammt auch die Lehrrede, der unsere Lesung entnommen ist.
Die Weisheitsliteratur des AT (Kohelet, Jesus Sirach, Ijob, das Hohelied, einige Psalmen und natürlich das Buch der Weisheit), kreist um die Frage: "Wie kann ich mein Leben so leben, daß es gut ist, daß es wirklich ein Leben im Vollsinn des Wortes ist?". Mit "Weisheit" ist also nicht Bildung oder Philosophie gemeint, sondern ein handfestes Lebenswissen für den Alltag. "Weise" nennt das AT denjenigen, der nach der "Weisung", der Tora, lebt. Wer sich auf die menschenfreundlichen Gebote des menschenfreundlichen Gottes einläßt - so die Überzeugung des AT - macht sich auf den Weg in ein Leben in Fülle. Als abschreckendes Gegenbeispiel wird gern der "Weg der Toren" oder "Frevler", die das Gesetz mißachten, angeführt.
Auch der vorliegende Text ist ein werbender, einladender Text, der mit üppigen Bildern zum Weisheitsweg verführen will. Er malt die göttliche Weisheit als wohlhabende, großzügige Gastgeberin, die die Unerfahrenen, die eigentlich ihrer unwürdig wären, zu sich einlädt und bewirtet. Daß die göttliche Weisheit als Person auftritt, kommt öfter vor - in Weish 8 spricht der Verfasser von ihr geradezu schwärmerisch als von seiner Geliebten und Lebensgefährtin. Das Bild vom Festmahl möchte seine Hörerinnen und Hörer davon überzeugen: Wer den Weg mit Gott, den Weg der Weisheit wählt, muß nicht darben, im Gegenteil! Er gewinnt eine neue Lebensqualität und tritt in einen neuen, prächtigen Lebensraum ein.
Das AT wählt hier also einmal ein weibliches Bild dafür, wie Gott im Leben der Menschen erfahren werden kann. Spannend ist, daß Jesus offensichtlich gerade dieses weibliche Gottesbild zum Vorbild nimmt, wenn er Zöllner zu sich zum Gastmahl einlädt, weil "nicht die Gesunden den Arzt brauchen, sondern die Kranken" (Mk 2,13-17 par)!
Weisheitsliteratur
Das Buch der Sprichwörter ist eine Sammlung von Lehrreden, Gedichten und Sprüchen, deren Zusammenstellung zwischen 550-200 v. Chr. endverfaßt wurde. Schon zur Zeit König Salomos (um 1000 v. Chr.) waren Sprüche, Rätsel und Lehrgedichte im Alten Orient sehr beliebt. Eine zweite Blüte erlebte die Weisheitsliteratur in der Zeit nach dem Babylonischen Exil.
Für das israelitische Weisheitsverständnis ist die religiöse Dimension charakteristisch. Die Wendung "Die Furcht vor Jahwe ist der Anfang der Weisheit" (Spr 1,7) erklärt die Frömmigkeit zur Voraussetzung der Weisheit und spricht dem Glauben an Gott eine wichtige Funktion in der menschlichen Erkenntnis zu. Da bei geht es den Israeliten sicher nicht um ein naives Naturverständnis, sondern darum, deutlich zu machen, daß der Mensch erst im Wissen um Gott und im Wissen um sich selbst in das richtige Verhältnis zu den Gegenständen seiner Erkenntnis kommt.
Die Weisheit als Person
Die Weisheit ist für die Lehrer Israels aber keine abstrakte Idee dessen, was zu tun oder zu lassen ist, sondern sie tritt als Person auf, die selbständig redet und handelt. Sie begegnet den aufmerksamen Menschen dort, wo man das Leben der Stadt beobachten kann: auf den Straßen, den Plätzen, am Stadttor. Die Weisheit lehrt ihre Schüler, sie bringt denjenigen, die sich an sie halten, Glück und langes Leben. Diejenigen, die sich nicht an ihre Lehren halten, geraten in Unglück, im schlimmsten Fall kann die Nichtbeachtung sogar die Todesstrafe nach sich ziehen, die z. B. auf Ehebruch steht (Spr 9,6). Darum lädt sie die Unerfahrenen ein, aus der Tradition und den Erfahrungen der Lehrer Konsequenzen für das eigene Leben zu ziehen, in das "Haus der Weisheit einzutreten".
Die ethische Erziehung der israelischen Weisheitslehrer ist also nicht diktatorisch autoritär geprägt, sondern appelliert an die Einsicht des Schülers. Gemeinsam mit den Schülern sind die Lehrer auf dem Weg der Weisheit unterwegs.
Gemäss 1 Kön 5,12 hat König Salomo 3.000 Sprüche niedergeschrieben. Auf diesen Satz geht die Vermutung zurück, das Buch der Sprichwörter stamme zumindest in den ersten Versen und auch noch an weiteren Stellen aus seiner Feder. Es haben sicher aber auch noch etliche andere Autoren mitgemischt. In der jüdischen Tradition wird das Buch König Hiskija zugeschrieben.
Im Buch ist die Weisheit eine weibliche Instanz, die den Menschen begleitet wie eine treue Gefährtin. In der vorliegenden Perikope schlüpft sie in die Rolle der Gastgeberin, die die Menschen zur Erkenntnis einlädt.