Lesung aus dem Buch Daniel.
Ich, Daniel, sah in einer nächtlichen Vision:
Throne wurden aufgestellt
und ein Hochbetagter nahm Platz.
Sein Gewand war weiß wie Schnee,
sein Haar wie reine Wolle.
Feuerflammen waren sein Thron
und dessen Räder waren loderndes Feuer.
Ein Strom von Feuer ging von ihm aus.
Tausendmal Tausende dienten ihm,
zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm.
Das Gericht nahm Platz
und es wurden Bücher aufgeschlagen.
Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen:
Da kam mit den Wolken des Himmels
einer wie ein Menschensohn.
Er gelangte bis zu dem Hochbetagten
und wurde vor ihn geführt.
Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben.
Alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm.
Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft.
Sein Reich geht niemals unter.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Der Herr ist König,
er ist der Höchste über der ganzen Erde. – Kv
Oder GL 52,1
Der Herr ist König. Es juble die Erde! *
Freuen sollen sich die vielen Inseln.
Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, *
Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Thrones. – (Kv)
Berge schmelzen wie Wachs vor dem Herrn, *
vor dem Angesicht des Herrn der ganzen Erde.
Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, *
seine Herrlichkeit schauen alle Völker. – (Kv)
Zion hört es und freut sich, *
Judas Töchter jubeln, Herr, über deine Urteile.
Denn du, Herr, bist der Höchste über der ganzen Erde, *
hoch erhaben bist du über alle Götter. – Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Petrus.
Schwestern und Brüder!
Wir sind nicht
klug ausgedachten Geschichten gefolgt,
als wir euch die machtvolle Ankunft
unseres Herrn Jesus Christus kundtaten,
sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe.
Denn er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen,
als eine Stimme von erhabener Herrlichkeit an ihn erging:
Das ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.
Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört,
als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.
Dadurch ist das Wort der Propheten
für uns noch sicherer geworden
und ihr tut gut daran, es zu beachten,
wie ein Licht,
das an einem finsteren Ort scheint,
bis der Tag anbricht
und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
2. Petr. 1,17-18 legt die Verklärungsgeschichte aus: Jesus hat Ehre und Herrlichkeit empfangen, er ist der geliebte Sohn – und „wir“, formuliert der Briefschreiber, haben nicht nur die Stimme gehört, sondern auch „seine“ Macht und Größe gesehen. Hier spricht ein Augen- und Hörzeuge.
Welche Bedeutung hat dieses Zeugnis? Erstens sind „wir“ nicht klugen, aber ausgedachten Geschichten gefolgt, zweitens ist das Wort der Propheten noch sicherer geworden.
2 Petr. 1,16-19 stellt so heraus, dass die Verkündigung der Ankunft Jesu Christi gut begründet und verlässlich ist. Hat es da Zweifel, Bedenken, Einreden gegeben? Jedenfalls endet die Lesung mit einem Ausblick auf den anbrechenden Tag und dem aufgehenden Morgenstein „in euren Herzen“. Beide Bilder sind eschatologisch geprägt.
Bezogen auf die Evangelienüberlieferung ist 2 Petr. 1,17-18 allerdings gänzlich auf Ehre und Herrlichkeit, Macht und Größe bezogen. Das erste Evangelium – Markus – legt aber die Leidensweissagung aus, erzählt bescheiden von einem strahlend weißen Gewand und stellt die Stimme in den Vordergrund: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören“. Der Augen- und Hörzeuge Petrus legt das in seinem Brief pointiert aus.
Petrus führt sich als Augenzeuge (und damit als Autorität) ein, um für die Wahrheit der Verkündigung einzustehen. Klug ausgedachten und erzählten Geschichten steht die Erfahrung gegenüber, die „Stimme der erhabenen Herrlichkeit“ gehört zu haben. Ob es entsprechende Vorwürfe und Einreden gegeben hat?
Die Forschung nennt Briefe „echt“ oder „nicht echt“. Ihr Kriterium ist, ob der Verfasser der ist, der er zu sein vorgibt oder ob er „nur“ im Windschatten eines großen Namens segelt. Für die Botschaft selbst trägt diese Frage nicht viel aus. Der „unechte“ Petrus bezieht sich auf das Evangelium von der Verklärung und legt es so aus, dass das „Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden“ ist und als Licht erscheint, das die Durststrecke bis zu dem „Jüngsten Tag“ hell macht.
Betont stellt der 2 Petr aus dem Evangelium die Szene heraus, in der die drei Jünger Augenzeugen der Verklärung und Hörzeugen der himmlischen Stimme wurden. Diese Zeugenschaft begründet und rechtfertigt, die machtvolle Ankunft Jesu Christi zu verkünden. In dem herausgehobenen dreifachen „wir“ (wir verkündigten, wir waren Augenzeugen, wir hörten …) werden Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit unterstrichen. Das Evangelium wird als bekannt vorausgesetzt?
2 Petr ist mehr ein Lehrschreiben als ein Brief, aber er hat Menschen vor Augen, die nicht nur weit weg sind von dem „heiligen Berg“, sondern sich auch Zerreißproben und Zweifeln ausgesetzt sehen. Dass der „Morgenstern aufgeht“, ist für 2 Petr eine Folgerung aus dem Evangelium von der Verklärung. 2 Petr ist ein Kronzeuge, wie das von den Synoptikern erzählte Evangelium in einem neuen Kontext zur Sprache kommt und für Klarheit sorgt.
In dieser Textstelle wehrt sich der Verfasser des Zweiten Petrusbriefes zunächst gegen die Vorwürfe, das das, was von der Wiederkunft Christi erzählt werde, schlau ausgedachte Mythen oder bewusst betrügerische Erfindung sei.
Menschen unserer Zeit, die die Parusie leugnen, sprechen von einer Lehre, die der menschlichen Sehnsucht entgegenkommt, der aber in der Wirklichkeit nichts entspricht. Die Apostel, einschließlich Petrus, legen Wert darauf, dass sie Augenzeugen der Herrlichkeit Christi bei der Verklärung geworden sind und nur berichten, was sie selbst gesehen haben.
Die "Stimme", die über Jesus sprach, kam von Gott selbst. Darin liegt der Grund für die Macht und Herrlichkeit Jesu. Er ist der geliebte Sohn Gottes, die Herrlichkeit Gottes ist auch die Herrlichkeit Jesu. Erst durch das Wort des Vaters war es den Jüngern möglich, das geheimnisvolle Ereignis zu verstehen. Durch das Wort Gottes erfahren wir den Sinn der Geschichte, auch der Geschichte unseres eigenen Lebens.
Die Apostel sind "Ohrenzeugen". Sie hörten die Stimme und sie sahen mit ihren Augen die Herrlichkeit Gottes. Auch wir müssen hören und sehen: auf das Evangelium, die Verkündigung der Kirche, aber auch das Antlitz unserer Mitmenschen. Nur so können wir Ansatzweise etwas von der Herrlichkeit Gottes erfahren und zuversichtlich an die Wiederkunft Christi glauben.
Das prophetische Wort, das in der Hl. Schrift aufbewahrt ist, ist für uns das "Licht", das "an einem finsteren Ort" - in unserer Welt - scheint Wir aber brauchen dieses Licht, "bis der Tag anbricht" und alle Finsternis ein Ende hat. Mit der Ankunft Christi wird seine Herrlichkeit auch unser Innerstes durchleuchten.
Halleluja. Halleluja.
Aus der leuchtenden Wolke rief die Stimme des Vaters:
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich
und stieg auf einen Berg, um zu beten.
Und während er betete,
veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes
und sein Gewand wurde leuchtend weiß.
Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm.
Es waren Mose und Elíja;
sie erschienen in Herrlichkeit
und sprachen von seinem Ende,
das er in Jerusalem erfüllen sollte.
Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen,
wurden jedoch wach
und sahen Jesus in strahlendem Licht
und die zwei Männer, die bei ihm standen.
Und es geschah:
Als diese sich von ihm trennen wollten,
sagte Petrus zu Jesus: Meister,
es ist gut, dass wir hier sind.
Wir wollen drei Hütten bauen,
eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja.
Er wusste aber nicht, was er sagte.
Während er noch redete,
kam eine Wolke und überschattete sie.
Sie aber fürchteten sich,
als sie in die Wolke hineingerieten.
Da erscholl eine Stimme aus der Wolke:
Dieser ist mein auserwählter Sohn,
auf ihn sollt ihr hören.
Während die Stimme erscholl,
fanden sie Jesus allein.
Und sie schwiegen
und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem,
was sie gesehen hatten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Im Evangelium wird uns von der Verklärung Jesu auf einem Berg erzählt. Bei Jesus sind drei ausgewählte Jünger als Zeugen. Die Erzählung steht in einem inneren Zusammenhang mit der Offenbarung Jesu als Sohn Gottes bei der Taufe im Jordan und der Auferstehung, in der er sich endgültig als Sohn Gottes erweist.
Die Verfasser dieses Textes - Lukas hat ihn bereits vorgefunden - lassen wiederholt alttestamentliche Motive der Gottesoffenbarung anklingen. So findet das Ereignis auf einem Berg statt. Mose und Elija wurden auf dem Gottesberg Gottesbegegnungen zuteil. Darüber hinaus vertreten sie "das Gesetz und die Propheten", also die ganze Tradition. Während Mose bei seiner Gottesbegegnung auf dem Sinai so vom Lichtglanz Gottes getroffen wurde, daß er strahlend den Berg hinabstieg, leuchtet Jesus von sich selbst aus in strahlendem Licht.
Der Inhalt ihres Gespräches Jesu mit Mose und Elija bezieht sich auf das Messiasgeheimnis, daß er leiden und sterben müsse. Die Jünger verschlafen das Ereignis beinahe. Als sie aufwachen, begreifen sie nicht, was sich vor ihren Augen ereignet. Das Motiv des Nichtverstehens der Jünger tritt immer auf, wenn es um dieses Messiasgeheimnis geht. Erst nach dem Tod und der Auferstehung Jesu werden sie begreifen. Bis dahin schweigen sie. Statt zu hören und zu verstehen, wollen sie Aktionen setzen und Hütten bauen.
Die Stimme aus der Wolke weist (die hörende Gemeinde) an, was zu tun ist: Auf den Herrn zu hören ist wichtiger als das Gesetz und die Propheten.
Das Evangelium von der Verklärung Jesu ist gemeinsame synoptische Tradition, mit Markus als Gewährsmann. Bedeutsam sind darum auch die Nuancierungen, die in jedem Evangelium zu finden sind.
Lukas stellt heraus: dass Jesus mit den drei Jüngern auf einen Berg geht, "um zu beten" - und dass sich sein Gesicht und sein Gewand verändern, "während er betete". In strahlendem Licht erscheinen Mose und Elija - und sprechen von seinem Ende, "das sich in Jerusalem erfüllen sollte". Während bei Markus die Jünger auf einen hohen Berg geführt werden und Jesus vor ihren Augen verwandelt wird, sie also von Anfang an dabei sind, sind sie bei Lukas eingeschlafen. Als sie wach werden, sehen sie Jesus "in strahlendem Licht" und eben die zwei Männer. Auch dass Mose und Elija von seinem Ende reden, überliefert nur Lukas - und die Jünger bekommen es nicht mit.
Unschwer ist zu erkennen, dass die Szene bei Lukas schon Züge der Gethsemane-Geschichte (Lk 22,39-46) trägt: der betende Jesus und die schlafenden Jünger. Die Steigerung fällt jedoch auf: Während hier Mose und Elija noch reden, wird Jesus dort von einem Engel gestärkt. Während hier noch "strahlendes Licht" erscheint, schwitzt Jesus dort Blutstropen. Beide Geschichten sind von Lukas als Passionsgeschichten geformt und korrespondieren miteinander; von der Verklärung fällt jedoch österlicher Glanz auf Jesu Weg.
In jenen Tagen erzählten die Jünger niemand davon. Das sog. "Schweigegebot" bei Markus hat Lukas auf seine Weise bewahrt. Während Markus noch überliefert, den Jüngern sei sehr nachgegangen, "was das sei: von den Toten auferstehen", schweigen sie bei Lukas ganz. Blicken wir auf das Bild, das Lukas von den Jüngern zeichnet, sehen wir hinter dem Wunsch, drei Hütten zu bauen, ihre Müdigkeit und Sprachlosigkeit - schauen wir auf das Bild, das von Jesus gezeichnet wird, nehmen wir ihn als Beter wahr, im Gespräch mit Mose und Elija über seinen (Leidens)weg vertieft - und als den auserwählten Sohn, den wir hören. Sein Wort klärt unsere eigenen Wege.
Warum erscheinen Mose und Elia? Sie verbinden mit ihren Namen den Anfang und die Vollendung der in der hebräischen Bibel erzählten Heilsgeschichte, die "sich in Jerusalem erfüllen sollte".
Den Jüngern, die Jesus auf den Berg der Verklärung begleitet haben, fehlte die nötige Wachsamkeit, um wahrzunehmen, was sich dort in Wirklichkeit abgespielt hat. Zu sehr waren sie mit ihren eigenen Träumen beschäftigt. Erst der Heilige Geist hat sie zu Pfingsten wach und bereit gemacht, die Welt aus dem Geiste Jesu zu verändern.
Den biblischen Berichten nach wird im Leben Jesu zwei Mal deutlich eine Stimme aus dem Himmel hörbar. Ein erstes Mal ist sie vernehmbar bei der Taufe Jesu im Jordan. Der Himmel öffnet sich, der Heilige Geist kommt sichtbar in der Form einer Taube auf Jesus herab und eine Stimme aus dem Himmel spricht: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen. Der Täufer Johannes erfährt die Bestätigung seiner Überzeugung, in Jesus den zu sehen, der weitaus größer ist als er selbst. Diese Bestätigung, Sohn Gottes zu sein, wiederholt sich dann auf dem Berg der Verklärung in Gegenwart der anwesenden Jünger. Eine Stimme aus der Wolke verkündet: Dieser ist mein erwählter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Jesus hatte sich schon oft zurückgezogen und einen Berg bestiegen, um sich im Gebet, im Gespräch mit dem Vater, tief mit diesem und seinem Willen zu verbinden. Auf diese Weise schöpfte Jesus Kraft für seine Aufgabe. Am Tag der Verklärung nimmt er die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes mit auf den Berg. In seinem Beten hatte er sich tief mit dem Vater vereint, sodass sein Gesicht sich erhellte, ja seine ganze Gestalt aufleuchtete. Diese Verwandlung, die aus dem Inneren kam, wiederholte sich nach der Auferstehung für immer. Während seines Betens erscheinen Jesus Moses und Elija. Sie sprechen mit ihm über sein Ende, das sich in Jerusalem vollziehen würde. Jesus nimmt diese Botschaft Gottes an.
Moses und Elija waren so intensive Botschafter Jahwes wie keine sonst. Moses übergab den Willen Gottes an Israel in den zehn niedergeschriebenen Geboten. Elija wies die Gläubigen voller Eifer und Leidenschaft immer wieder auf Gott hin. Viele glaubten, er werde vor dem Erscheinen des Messias wieder auf die Erde kommen, um die Ankunft des Messias zu verkünden. Moses, Elija und Jesus, sie sind die entscheidenden Zeugen und Verkünder Gottes. Alle drei durchlaufen sie in Treue zu ihrem Auftrag Leidenswege. Dies führt sie zur Verherrlichung.
Die Jünger sind – so wird berichtet – nach und nach eingeschlafen. Ihnen fehlt die Wachheit für die Wichtigkeit dessen, was sich gegenwärtig vollzieht. Am Ölberg wiederholt sich dieses Verhalten. Während Jesus sich erneut zum Ja, seiner Aufgabe treu zu bleiben, durchringt, geben die Jünger sich dem Schlaf hin. Unterm Kreuz fehlen sie ganz. Auf dem Berg der Verklärung schrecken sie erst dann auf, als eine Wolke sie einhüllt. Jetzt ganz wach vernehmen sie deutlich die Worte aus der Wolke: Dieser ist mein Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Bis Pfingsten schweigen sie und berichten niemandem über das Erlebte. Heiliger Geist muss auch auf sie herabkommen, wie er bei der Taufe auf Jesus herabkam, um sie zu stärken und zu befähigen, Zeugnis für Gott und Christus abzulegen, obwohl ihnen inzwischen deutlich klar ist, dass auch sie mit Verfolgung und Leiden rechnen müssen. Zu Pfingsten vollzieht sich bei den Jüngern wahrhaft tiefe Verbundenheit mit Jesus, sprechen sie endgültig ihr Ja zu ihrer Aufgabe, Verkünder des Wesens Gottes zu sein, das ihnen in den Erlebnissen mit Jesus erschlossen wurde. Von nun an begreifen sie, dass Beten nicht in einem frommen Heranrücken an Gott besteht. Beten muss sich hineingeben und versenken in die Gnade Gottes, in die Annahme seines Willens und die Aufgaben, die er dem einzelnen überträgt. Beten heißt: Sich mit aller Hingabe wach- und bereithalten für Gott. Wo dies geschieht, kommt Glanz in die Augen, Energie ins Herz, ein Aufleuchten in unser Wesen, wie Jesus es auf dem Berg der Verklärung erlebte.
Wir, die Hörer des Evangeliums, sollen uns in den Jüngern wiedererkennen und unser Verhalten überprüfen. Die Jünger waren ja Suchende, weithin Jesus Folgende. Was ihnen fehlte, war die Wachsamkeit, die Tiefe der inneren Verbundenheit mit Gott, ihre noch unzureichende Bereitschaft, ihr Leben ganz unter den Willen Gottes zu stellen. Sie träumten vom Entstehen des Reiches Gottes mit schönerem Leben für sie als bisher. In Jesus erhofften sie sich den, der dies bewerkstelligen würde. Seine Wunder ließen darauf schließen. Daher schalteten sie ab, sobald von Jesu Leiden die Rede war. Darin sahen sie Schwäche, die er aus ihrer Sicht nicht haben durfte. Ihre Erwartungen erfüllen sich nicht. Jesus greift nicht nach Macht, schlägt nicht zurück, sobald ihm Unrecht angetan wird. Er weicht vom Weg der Liebe, die er verkündet und gelebt hat, nicht ab. Bis in den Tod am Kreuz bleibt er seiner Aufgabe, die Liebe und das Erbarmen Gottes den Menschen zu bezeugen, treu.
Im Erleben der Auferstehung und dem Sichtbarwerden, dass niemand Jesus zu besiegen oder zu vernichten vermag, werden die Jünger wach. Zu Pfingsten mit heiligem Geist ausgestattet begreifen sie, wie sehr sie nach Jesu und Gottes Willen einbezogen werden sollen, das Reich Gottes mit zu erstellen. Dieses Reich wird Israel nicht zur Großmacht führen, zu Glanz und Ansehen, nicht mit Reichtum überschütten und in den Luxus führen. Das Reich Gottes, so wurde den Jüngern klar, wird sich über die ganze Erde erstrecken. Und es wird neben den weltlichen Reichen, die es weiterhin geben wird, überall dort entstehen, wo sich Menschen von der Gesinnung Jesu erfassen lassen und seine Art zu leben übernehmen.
Jesu Leben bestand nicht im Streben nach Reichtum, im Erwerben von Ansehen und Macht, in einem Leben ohne besondere Mühe. Sein Leben war bestimmt vom Schenken, sich Erbarmen, Aufrichten, Beistehen. Er wusste sein Leben in Gottes Hand. Seinem Willen stellte er sich zur Verfügung. Darin sah Jesus gelingendes Leben und den Aufbau des Reiches Gottes.
Nie hat Jesus Reiche zur Armut aufgerufen, von Angesehenen verlangt, auf Wertschätzung zu verzichten, dafür plädiert, Beförderung nicht anzustreben. Nicht die äußeren Strukturen der Welt wollte Jesus verändern, sondern die innere Einstellung der Menschen. Sie sollen sich ausrichten lassen auf Gottes Wesen der Liebe. Seien wir ruhig reich, angesehen, mit einem hohen und verantwortlichen Amt ausgestattet; aber beteiligen wir uns am Aufbau des Reiches Gottes in dieser Welt, indem wir die innere Einstellung Jesu und sein Lebensmodell übernehmen. Es enthält: Vertiefung in Gott und seinen Willen, ein sich Hingeben und Verschenken, Mühen um das Gute, klares Bekennen zu Christus.
Träumen wir nicht, bleiben wir nicht hängen in unseren Wünschen. Hören wir auf das, was Jesus uns immer wieder sagt und im Inneren vernehmen lässt, damit wir unseren Anteil zum Aufbau des Reiches Gottes beitragen.
Die Erzählung von der Verklärung der Welt ist zunächst eine glänzende Geschichte. Sie verweist auf die große Wallfahrt der Völker beim Propheten Jesaja, in der die Menschen auf dem Berg Gottes eine neue, verwandelte Welt vorfinden werden.
Die Erzählung von der Verklärung Christ beschreibt einerseits ein sehr persönliches Erlebnis Jesu und seiner Jünger, andererseits kann diese Erzählung gedeutet werden, wie Menschen in innerer Not und scheinbarer Ausweglosigkeit Überblick und Durchblick für ihr Leben gewinnen können.
Lieder:
GL 84: Morgenglanz der Ewigkeit
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich (Str. 1 u. 3)
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein
GL 331: Ist das der Leib, Herr Jesu Christ (1., 2. und 6. Str.)
GL 334: O Licht der wunderbaren Naht (3. Str.)
GL 336: Jesus lebt, mit ihm auch ich
GL 357: Wie schön leuchtet der Morgenstern (1. und 4. Str.)
GL 363: Herr, nimm auch uns zum Tabor mit
GL 364: Schönster Herr Jesu
GL 365: Meine Hoffnung und meine Freude
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht (Str. 3-5)
GL 412: Die Herrlichkeit des Herrn bleibet ewiglich
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen (3. Str.)
GL 429: Gott wohnt in einem Lichte
GL 481: Sonne der Gerechntigkeit
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
Kehrverse und Psalmen:
GL 46: Lass dein Angesicht über uns leuchten, o Herr. - Mit Psalm 67 - II.
GL 52: Herr, du bist König über alle Welt - Mit Psalm 93 - VIII.
GL 373: Du bist Licht und du bist Leben, Christus, unsere Zuversicht. - Mit Psalm 65 (GL 45,2) oder mit Psalm 81 (GL 49,2) - VI.
Wir begehen heute das Fest der „Verklärung des Herrn“. Es knüpft an die Taufe Jesu an. Neben seinen Wundern, infolge derer die Menschen bereits auf Jesu mögliche Messianität schließen konnten, bestätigt ihn – nach den Berichten der Bibel – zwei Mal eine Stimme aus dem Himmel als Sohn Gottes: nach der Taufe am Jordan und auf dem Berg der Verklärung. Die Evangelisten überliefern beide Ereignisse sehr umfassend, um den Glauben der Christen zu festigen und zu stärken.
Herr Jesus Christus,
vom Vater im Himmel zu unserem Heil in die Welt gesandt.
Herr, erbarme dich.
Stimmen aus dem Himmel bestätigen dich als Sohn Gottes.
Christus, erbarme dich.
Mit der Auferstehung kehrst du zurück in die immerwährende Verklärung deines göttlichen Wesens.
Herr, erbarme dich.
Für deinen Weg zu uns und dein Wirken zu unserem Heil danken wir dir und dem Vater. - Amen.
Allmächtiger Gott,
bei der Verklärung deines eingeborenen Sohnes
hast du durch das Zeugnis der Väter
die Geheimnisse unseres Glaubens bekräftigt.
Du hast uns gezeigt, was wir erhoffen dürfen,
wenn unsere Annahme an Kindes statt
sich einmal vollendet.
Hilf uns, auf das Wort deines Sohnes zu hören,
damit wir Anteil erhalten an seiner Herrlichkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 6. August, Verklärung des Herrn
Herr Jesus Christus,
uns Menschen als Heiland und Erlöser gesandt, kommen wir im Vertrauen auf deine Hilfe mit unseren Bitten zu dir:
Hilf uns zu erspüren, wo unser Glaube und unser Vertrauen in dich vertieft und gestärkt werden müsste.
Christus, höre uns…
Segne und unterstütze jedes Bemühen um Liebe, Aufrichtigkeit, Hingabe, Frieden und Versöhnung.
Wir bitten für die Menschen, deren Leben belastet ist durch Krankheit, Unglück oder Ausweglosigkeit.
Schenke allen Verantwortlichen in der Kirche und Gesellschaft Erkenntnis über die richtigen Wege. Schenke ihnen Kraft, die ihnen Anvertrauten auf diese Wege hinzuführen.
Stehe bei allen Sterbenden und nimm die Verstorbenen auf in die Gemeinschaft mit dir.
Herr Jesus Christus,
für alle Hilfe, die du uns immer wieder gewährst, danken wir dir.
Auf deine Stimme wollen wir hören. – Amen.
Gott, unser Vater,
sende über uns und diese Gaben
das Licht deiner Herrlichkeit,
das in deinem Sohn aufgestrahlt ist.
Es vertreibe das Dunkel der Sünde
und mache uns zu Kindern des Lichtes.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. August, Verklärung des Herrn
Es ist wahr, heilsam und gut,
dich, Vater, an allen Orten und zu allen Zeiten zu loben.
Durch unseren Herrn und Bruder, Jesus Christus.
Als er Gewissheit für seinen Weg erbat,
der ihn nach Jerusalem führen sollte und dort an das Kreuz,
schenktest du ihm den Glanz, der ihn zu Licht werden ließ.
Jetzt wächst müden Menschen Mut zu,
alte Hoffnungen leben unter uns auf
und wir hören Jesu Wort, das uns in dein Reich führt.
Darum loben wir dich mit allen,
die uns im Glauben vorausgegangen sind,
wir stimmen ein in den Lobpreis,
den die Engel angefangen haben:
Heilig...
Herr, unser Gott,
in der Verklärung deines Sohnes
wurde der Glanz seiner Gottheit offenbar.
Lass uns durch den Empfang der himmlischen Speise
seinem verherrlichten Leib gleichgestaltet werden.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB 6. August, Verklärung des Herrn
1. Ich weiß, woran ich glaube,
ich weiß, was fest besteht,
wenn alles hier im Staube
wie Sand und Staub verweht;
ich weiß, was ewig bleibet,
wo alles wankt und fällt,
wo Wahn die Weisen treibet
und Trug die Klugen prellt.
2. Ich weiß, was ewig dauert,
ich weiß, was nimmer läßt;
mit Diamanten mauert
mir's Gott im Herzen fest.
Die Steine sind die Worte,
die Worte hell und rein,
wodurch die schwächsten Orte
gar feste können sein.
3. Auch kenn ich wohl den Meister,
der mir die Feste baut,
er heißt der Herr der Geister,
auf den der Himmel schaut,
vor dem die Seraphinen
anbetend niederknien,
um den die Engel dienen:
ich weiß und kenne ihn.
4. Das ist das Licht der Höhe,
das ist der Jesus Christ,
der Fels, auf dem ich stehe,
der diamanten ist,
der nimmermehr kann wanken,
der Heiland und der Hort,
die Leuchte der Gedanken,
die leuchten hier und dort.
5. So weiß ich, was ich glaube,
ich weiß, was fest besteht
und in dem Erdenstaube
nicht mit als Staub verweht;
ich weiß, was in dem Grauen
des Todes ewig bleibt
und selbst auf Erdenauen
schon Himmelsblumen treibt.
Ernst Moritz Arndt, 1819.
Marie Luise Kaschnitz, Überallnie. Ausgewählte Gedichte 1928 - 1965. Mit einem Nachwort von Karl Krolow, Claassen Verlag 2. Aufl. 1998, S. 191.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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Schneller am Ziel
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In Dan. 7 wird ein prophetisches Traumbild überliefert. Daniel sieht in den Himmel. Er nimmt die Bewegung wahr: Throne werden aufgestellt, ein „Alter“ nimmt Platz und eine nicht mehr überschaubare Menge ist auf ihn gerichtet. Es ist eine Gerichtsszene. Besonders auffällig ist die Beschreibung des „Alten“: er ist rein, geläutert und verzehrend zugleich. Vor dem Feuer können die Mächte, die Geschichte machen, nicht bestehen. Die Macht wird den Herrschern der Welt genommen und dem „Menschensohn“ übergeben, der – so VV 13-14 – mit den Wolken des Himmels kommt. Ihm werden Herrschaft, Würde und Königstum gegeben, alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Die entscheidenden Worte, die einander bedingen, sind: „Ihm“ (allein) und „alle“. Es gibt keine Sonder-, Parallel- oder Ausnahmewelten.
Durch die Auslegung der Evangelien ist im „Menschensohn“ menschliche Niedrigkeit und göttliche Hoheit verbunden, er gehört zur menschlichen und göttlichen Sphäre gleichermaßen, ist von Gott jedoch unterschieden.
In dem doxologischen Schluss des Herrengebetes „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“ wird die himmlische Szene auf Gott hin, der als Vater angerufen wird, durchsichtig.
Wirkungsgeschichtlich ist zu bedenken, dass die – apokalyptische – Sicht des Daniel das Gottesbild nachhaltig geprägt hat: der alte Mann über den Wolken geistert nicht nur durch manche Kindervorstellung. Was die Lesung jedoch sehr deutlich macht, ist, dass hier ein Richter Platz nimmt, der rein ist. Der Blick auf den „Alten“ legt auch offen, dass er die Reiche kommen und gehen sah: Jetzt geht es nicht mehr weiter. Ein Strom von Feuer geht von ihm aus!
Inhaltlich gehört Dan. 7 eng mit Dan. 2 zusammen. Daniel fasst die „ganze“ Weltgeschichte in vier Reichen zusammen, die aufeinander folgen. Aber nicht der historische Ablauf, sondern die Gegenüberstellung zum Reich Gottes weist die Weltgeschichte als dämonisch aus. In seinem prophetischen Traumbild wird das „Ende der Geschichte“ antizipiert.
Die überaus dichte Bilderwelt, mit der Daniel seine Vision zu beschreiben versucht, spricht unmittelbar an – und lässt neue Bilder entstehen.
Im Kreis der Propheten ist Daniel der Apokalyptiker: Er enthüllt die Zukunft, verbirgt sie aber gleichzeitig. Für Berechnungen gibt er keine Anhaltspunkte. Aber seine Botschaft öffnet historische und biographische Situationen. Daniel sieht den Auftakt eines großes Prozesses. Angeklagt sind die Weltreiche. Für das kleine gedemütigte Israel, ein Schatten seiner selbst, sieht Daniel in einem himmlischen Panorama die dämonischen Mächte, die sich in der Weltgeschichte manifestieren, abgeurteilt und überwunden.
Der Richter, der schon das letzte Wort bei der Schöpfung hatte (und als „Hochbetagter“ erscheint), ist rein. Sein fahrbarer Thron ist Feuer. Dieses Motiv findet sich auch in altorientalische Darstellungen: Gott ist unnahbar rein. Von den Urgewalten ist es besonders das Feuer, das ihn begleitet. Er/es verzehrt alles.
Daniel sieht in einer „nächtlichen Vision“ eine Gestalt, die sich jeder Beschreibung und Festlegung entzieht: „einer wie ein Menschensohn“. Er kommt mit den Wolken. Ihm wird die Macht über alle Völker, Nationen und Sprachen gegeben. Sein Reich ist ewig. Versuchen, dieser Gestalt ein Gesicht und einen Namen zu geben, hat Daniel keine Chance eingeräumt. Die Formulierungen aber finden sich, immer wieder neu variiert, im neutestamentlichen Christusbild. Nur Jesus erscheint dort als Menschensohn, der viel leiden muss – der Christushymnus in Phil. 2:5-11 bringt größte Erniedrigung und höchste Macht zusammen.
Die Apokalypse des Johannes, am Ende des neutestamentlichen Kanons, tritt in das Erbe Daniels ein. Zentral ist bei Johannes das Lamm, das würdig ist, Herrschaft, Ruhm und Herrlichkeit zu übernehmen. Die Erlösten bekommen weiße Gewänder – und haben so Anteil an Gottes Reinheit und Klarheit.
Dieser Text stellt uns das „Herzstück" des Buches Daniel vor. Der Prophet stellt die Weltgeschichte dem Reich Gottes gegenüber. Der „Hochbetagte" als Vorsitzender des Gerichtshofes ist niemand anderer als Gott selbst. Das Alter und das weiße Gewand, wie es auch die Priester trugen, machen feierlich und ehrwürdig. Licht und Feuer begleiten die Gotteserscheinung. Die Verhandlung wird nicht beschrieben, sondern nur die Eröffnung.
Der „Menschensohn", der mit den Wolken des Himmels kommt, ist gemäß der Erklärung des Engels (Dan 7,18) Sinnbild für die Gesamtheit der „Heiligen des Höchsten", also ein Bild für das Kollektiv aller Auserwählten.
Andererseits kündet er aber auch den „Menschensohn" der Verkündigung der Evangelien an, „der mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen wird" (Mk 13:26). Der damit verknüpfte Gedanke der Weltherrschaft ist messianisch. Der „Menschensohn" wird im Mund Jesu zur Bezeichnung des göttlichen Messias, der seinem Wesen nach nicht irdischer Natur ist.