Lesung aus der Offenbarung des Johannes.
Ich, Johannes, sah eine weiße Wolke.
Auf der Wolke thronte einer, der wie ein Menschensohn aussah.
Er trug einen goldenen Kranz auf dem Haupt
und eine scharfe Sichel in der Hand.
Und ein anderer Engel kam aus dem Tempel
und rief dem, der auf der Wolke saß, mit lauter Stimme zu:
Schick deine Sichel aus und ernte! Denn die Zeit zu ernten ist gekommen:
Die Frucht der Erde ist reif geworden.
Und der auf der Wolke saß, schleuderte seine Sichel über die Erde
und die Erde wurde abgeerntet.
Und ein anderer Engel trat aus dem himmlischen Tempel.
Auch er hatte eine scharfe Sichel.
Vom Altar her kam noch ein anderer Engel,
der die Macht über das Feuer hatte.
Dem, der die scharfe Sichel trug, rief er mit lauter Stimme zu:
Schick deine scharfe Sichel aus
und ernte die Trauben vom Weinstock der Erde!
Seine Beeren sind reif geworden.
Da schleuderte der Engel seine Sichel auf die Erde,
erntete den Weinstock der Erde ab
und warf die Trauben in die große Kelter des Zornes Gottes.
Lesung aus der Offenbarung des Johannes.
Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet
und in seinem Tempel
wurde die Lade seines Bundes sichtbar:
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel:
eine Frau, mit der Sonne bekleidet;
der Mond war unter ihren Füßen
und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
Sie war schwanger
und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.
Ein anderes Zeichen erschien am Himmel
und siehe, ein Drache, groß und feuerrot,
mit sieben Köpfen und zehn Hörnern
und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.
Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel
und warf sie auf die Erde herab.
Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte;
er wollte ihr Kind verschlingen,
sobald es geboren war.
Und sie gebar ein Kind,
einen Sohn,
der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird.
Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt.
Die Frau aber floh in die Wüste,
wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte.
Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen:
Jetzt ist er da, der rettende Sieg,
die Macht und die Königsherrschaft unseres Gottes
und die Vollmacht seines Gesalbten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Kapitel 12 - 14 gehören zu den Kernstücken der Offenbarung des Johannes. Der erste Teil dieses Kernstückes wird heute vorgelesen.
Der Text ist durchdrungen von mythischen Bildern. Hintergrund sind die konkreten Erfahrungen der christlichen Gemeinden (Verfolgung durch den römischen Staat; Vergöttlichung des römischen Kaisers usw. ...). Trotz aller schweren Bedrängnis soll und kann die Gemeinde zuversichtlich bleiben; der Sieg gehört Gott und dem Christus.
Das Bild der Himmelskönigin (mit Sonne bekleidet, auf einer Mondsichel stehend, am Haupt eine Krone von 12 Sternen) stammt aus der astralreligiösen Welt (vgl. auch die göttliche Mutter Ägyptens, Isis).
Im Judentum wurde den Gestirnen - im Gegensatz zu den anderen Völkern rundherum - keine göttliche Würde zuerkannt. Sonne, Mond und Sterne sind also für Johannes nur der Schmuck der Frau. Die Zwölfzahl deutet wohl darauf hin, daß sie das Gottesvolk der zwölf Stämme repräsentieren. Völker und Stämme wurden im alten Orient vielfach in Frauengestalt versinnbildlicht.
Die Frau am Himmel ist schwanger - sie soll den Messias gebären. Da dieser kein anderer als Jesus von Nazareth ist, könnte es nahe liegen, in der Himmelskönigin Maria, die Mutter Jesu, zu erkennen und sie als die mit der Sonne bekleidete Frau zu verehren. In diesem Sinne hat besonders die mittelalterliche Kirche das Bild verstanden und Maria als Himmelskönigin dargestellt. Die Exegeten sehen in der Frau aber eher das wahre Israel, das Gottesvolk des Alten und Neuen Bundes, aus dem Christus gekommen ist.
Die alten oder die chaotischen Mächte der Welt verkörpern auch das Bild des Drachens. Sie streiten als Widersacher gegen Gott. Das Bild vom Kampf des Drachens gegen die gebärende Frau findet sich in verschiedensten Kulturen, so auch in den griechischen Mythen. Für den Seher ist die Frau das wahre Israel und das Kind der Messias. Mit dem Kommen Jesu Christi hat der letzte Kampf begonnen. In dieser letzten Zeit wird aber auch der besondere Schutz Gottes zugesagt.
Die Offenbarung des Johannes, ein Trostbuch in der Verfolgungszeit, zeichnet am Beginn der heutigen Perikope das Bild von der siebenten Posaune. Sie verkündet die Herrschaft Gottes, die so sicher kommt, dass jetzt schon der Sieg in Jubel- und Dankliedern gefeiert werden kann. Die Danklieder sind aus Schriftzitaten aus dem Alten Testament zusammengesetzt.
Nun wird das Ende angekündigt. Jesus herrscht als König über die ganze Welt. Die Lade, die früher verborgen war, ist nun für alle sichtbar (19). Nun steht der Zugang zu Gott offen.
Im Kapitel 12-14, dem Kernstück des Buches, werden treibende Kräfte in der Geschichte gezeigt. Die hier vorgelegte Deutung der Geschichte geht nicht von den innerweltlichen Ursachen aus, wie es allgemein geschieht. Die Kirche muß sich in ihrer Geschichte mit Satan und seinem Treiben in der Welt auseinandersetzen. Der Ausgang dieses Kampfes ist der Sieg über Satan. Die Kirche wird befreit, wenngleich ihre Situation in der letzten Zeit aussichtslos erscheint. Am Ende wird das Lamm und sein Gefolge siegreich sein.
Die beiden Gegner (12,1-6) werden gezeigt: eine Frau von überirdischer Hoheit, das Gottesvolk - ein Drache, die gottfeindliche Macht mit unermesslicher Kraft, Satan. Die Geburt des männlichen Kindes, des messianischen Weltherrschers, konnte aber nicht verhindert werden. Der Messias wird zu Gott entrückt (Himmelfahrt). Die Frau, die Kirche, wird von Gott trotz aller Not der Drangsalszeit (1260 Tage - dreieinhalb Jahre - Zeit des Antichrist) bewahrt. Mit der Menschwerdung Jesu hat der Entscheidungskampf zwischen Gott und Satan um die Herrschaft über die Welt begonnen.
Der siegreiche Ausgang in diesem Kampf wurde schon in einem himmlischen Kampf vorgebildet. Der Erzengel Michael, der das Gottesvolk beschützt, und seine Engel besiegten Satan. Ein Hymnus besingt die Wende.
Die erste Lesung beinhaltet einen Auszug aus dem letzten Buch der Hl. Schrift, der Offenbarung (auch "Apokalypse"; genannt; griech.: apokálypsis = Enthüllung). Der Verfasser dieses Buches, der sich Johannes nennt (wahrscheinlich nicht identisch mit dem Apostel Johannes), schrieb dieses Werk gegen Ende der Regierungszeit des römischen Kaisers Domitian (ca. 81-96 n. Chr.). Der Verfasser rechnet damit, daß der Zwang zur göttlichen Verehrung des Kaisers in nächster Zukunft zu einer schweren Verfolgung der Kirche führen wird. Das Buch der Offenbarung gilt als erste selbständige christliche Apokalypse. Die Offenbarung vollzieht sich durch "Visionen" und "Auditionen", also durch das Schauen und Hören von himmlischen Botschaften.
Was für das Buch im allgemeinen gilt, lässt sich auch zu unserer Perikope sagen: Der Verfasser verwendet Bilder, Symbole und allegorische Szenen, um sein Hauptthema, den bevorstehenden Triumph der Herrschaft Gottes zu verdeutlichen. Jener endgültige Sieg Gottes, der dann auch am Schluß unseres Ausschnittes thematisiert wird (vgl. Offb 12,10ab). Allen Erwartungen nach möchte der Verfasser jedoch keine Voraussagen über den Gang der Welt- und Kirchengeschichte machen. Ebensowenig ist es seine Intention, das mit der baldigen Wiederkunft Christi verbundene Geschehen in seinem Ablauf genau zu beschreiben.
Die Perikope beginnt mit der Beschreibung, daß etwas Unerhörtes passiert. Es geschehen Dinge, die noch nie stattgefunden haben. Die geheimnisvolle Bundeslade, in der das göttliche Gesetz aufbewahrt wird und die so ein Zeugnis für die Gegenwart Gottes gibt, wird für alle sichtbar. Sonst durfte nach jüdischer Tradition nur der Hohepriester alljährlich am Versöhnungstag das Allerheiligste sehen. Dann beschreibt der Verfasser das Erscheinen von Zeichen am Himmel. Zunächst wird eine gewaltige frauliche Figur skizziert. Hier sind unterschiedliche Interpretationen möglich. Mit dem Hinweis auf die Schwangerschaft der Frau und der Geburt eines Kindes lassen sich deutliche Parallelen zu Maria und ihrem Sohn Jesus, dem Christus erkennen.
Dieses Bild könnte aber auch auf das Volk Gottes, die Kirche angewandt werden. Die zwölf Sterne stehen somit als Sinnbild für die zwölf Stämme Israels oder (wenn man dies neutestamentlich deuten möchte) für den Zwölferkreis der Apostel. Aus dieser Sichtweise sind die Geburtswehen weniger von der leiblichen Geburt des Messiaskindes zu verstehen als von den Leiden des Volkes Gottes im Verlauf seiner Geschichte.
Das Erscheinen des Drachen ist ein Bild für das Zerstörerische, Feindliche, Dämonische und Tödliche, das scheinbar vor niemanden und nichts Halt macht. Selbst das Leben des Kindes ist von der Drachengestalt bedroht. Und doch ist die Macht des Drachens begrenzt. Er kann keinen Einfluß über das Kind gewinnen, da es von Gott erhöht wird. Hier wird offensichtlich Bezug genommen auf das universale Heilsgeschehen in Jesus Christus.
Das Wüstenmotiv, welches dann noch aufscheint, erinnert deutlich an die Wüstenwanderung des Volkes Israel. Kann aber auch wieder neutestamentlich auf die Kirche bezogen werden, die sich in Verfolgungszeiten aus der Öffentlichkeit zurückziehen muß und eine Zeitspanne höchster Not und Lebensgefahr allein durch die Hilfe Gottes durchstehen kann. Der rettende Sieg durch die Macht und Herrschaft Gottes bleibt ihr jedoch für alle Zeit sicher.
Bernd Michael Pawellek
Lesung aus der Offenbarung des Johannes.
Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet
und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar:
Da begann es zu blitzen, zu dröhnen und zu donnern,
es gab ein Beben und schweren Hagel.
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel:
eine Frau, mit der Sonne bekleidet;
der Mond war unter ihren Füßen
und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
Sie war schwanger
und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.
Ein anderes Zeichen erschien am Himmel
und siehe, ein Drache, groß und feuerrot,
mit sieben Köpfen und zehn Hörnern
und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.
Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel
und warf sie auf die Erde herab.
Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte;
er wollte ihr Kind verschlingen,
sobald es geboren war.
Und sie gebar ein Kind,
einen Sohn,
der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird.
Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt.
Die Frau aber floh in die Wüste,
wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte.
dort wird man sie mit Nahrung versorgen,
zwölfhundertsechzig Tage lang.
Da entbrannte im Himmel ein Kampf;
Michael und seine Engel erhoben sich,
um mit dem Drachen zu kämpfen.
Der Drache und seine Engel kämpften,
aber sie hielten nicht stand
und sie verloren ihren Platz im Himmel.
Er wurde gestürzt, der große Drache,
die alte Schlange,
die Teufel oder Satan heißt
und die ganze Welt verführt;
der Drache wurde auf die Erde gestürzt
und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.
Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen:
Jetzt ist er da, der rettende Sieg,
die Macht und die Königsherrschaft unseres Gottes
und die Vollmacht seines Gesalbten.
denn gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder,
der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Selig bist du, Jungfrau Maria,
du stehst zur Rechten des Herrn. – Kv
Oder GL 649,1
Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr, *
vergiss dein Volk und dein Vaterhaus!
Der König verlangt nach deiner Schönheit; *
er ist ja dein Herr, wirf dich vor ihm nieder! – (Kv)
Sie werden geleitet mit Freude und Jubel, *
sie kommen in den Palast des Königs.
Ich will deinen Namen in Erinnerung rufen von Geschlecht zu Geschlecht; *
darum werden die Völker dich preisen auf immer und ewig. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.
Schwestern und Brüder!
Christus ist von den Toten auferweckt worden
als der Erste der Entschlafenen.
Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist,
kommt durch einen Menschen
auch die Auferstehung der Toten.
Denn wie in Adam alle sterben,
so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge:
Erster ist Christus;
dann folgen, wenn Christus kommt,
alle, die zu ihm gehören.
Danach kommt das Ende,
wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft entmachtet hat
und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt.
Denn er muss herrschen,
bis Gott ihm alle Feinde unter seine Füße gelegt hat.
Der letzte Feind, der entmachtet wird,
ist der Tod.
Denn: Alles hat er seinen Füßen unterworfen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Apostel Paulus stellt in diesem Abschnitt die Tatsache der Auferweckung Jesu Christi als des Erstlings der Entschlafenen in den Mittelpunkt. Zugleich betont er den Zusammenhang der zukünftigen Auferweckung der Toten mit der durch Gottes Eingreifen bereits erfolgten Auferweckung Jesu.
Die Folgen der Auferweckung Jesu Christi werden von Paulus zunächst für die Zukunft entfaltet. Der Apostel kämpft gegen die Vorwegnahme der Auferstehung in der Taufe.
Beim Wiederkommen Christi kommt es zur endgültigen Vernichtung aller gottfeindlichen Mächte, einschließlich des Todes, der trotz der Versöhnungstat Gottes seine Macht über die Menschen noch bis zur Weltvollendung ausübt.
Dem ersten, irdischen Adam, stellt Paulus Jesus Christus als den zweiten, eschatologischen Adam entgegen.
Zwischen der Auferweckung Jesu und der Auferstehung aller Toten liegt nach Paulus eine längere Zeitstrecke. Paulus erwartete aber die Parusie (Wiederkunft Christi) wohl noch zu seinen Lebzeiten.
Die in Korinth offenbar vorhandene Überzeugung, durch den Geistbesitz die Heilsvollendung erlangt zu haben, brachte es wohl mit sich, den christlichen Glauben an die Auferstehung der Toten für überflüssig zu erachten. Eine totalmenschliche Auferstehung im Tod widersprach auch der im Hellenismus vorhandenen Ansicht, der Körper sei nur das hassenswerte Gefängnis der Seele. Mit Berufung auf die urchristliche Grundverkündigung sucht Paulus zuerst die Tatsache der Auferstehung der Glaubenden, dann die Weise der Auferstehung zu besprechen und die konkrete Folgerung für die Gegenwart zu ziehen.
Paulus gibt seiner Gemeinde in Korinth ein deutliches Glaubensbekenntnis von der Auferstehung Jesu Christi. Offensichtlich hatten die Korinther Schwierigkeiten im Glauben an die Auferstehung des Herrn. Auf die Betonung des wahren Menschseins Christi legt Paulus hier besonderen Wert, so daß er die Parallele zwischen Adam (dem "Auslöser des Todes´") und Christus gebraucht. Gott hat durch die Auferweckung seines Sohnes, die Auferstehung für alle Menschen generell möglich gemacht, auch wenn Paulus eine bestimmte Reihenfolge gesetzt sieht, an deren Anfang Christus selbst steht.
Entscheidend für die Auferstehung ist die Zugehörigkeit zu Christus, die sozusagen als Privileg für das ewiges Leben gilt. Wer am Auferstehungsglauben rührt, gefährdet den universalen Heilswillen Gottes und die Durchsetzung seines Reiches.
Folgend beschreibt Paulus in Etappen das Endgeschehen dieser irdischen Welt. Schließlich gebraucht er die Motive von der Königsherrschaft Christi, die in der Übergabe der Herrschaft an Gott ihre Zielgebung findet.
Bernd Michael Pawellek
Halleluja. Halleluja.
Aufgenommen in den Himmel ist die Jungfrau Maria.
Die Engel freuen sich und preisen den Herrn.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg
und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharías
und begrüßte Elisabet.
Und es geschah:
Als Elisabet den Gruß Marias hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leib.
Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme:
Gesegnet bist du unter den Frauen
und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte,
hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Und selig,
die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ.
Da sagte Maria:
Meine Seele preist die Größe des Herrn
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Und Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabeth;
dann kehrte sie nach Hause zurück.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Als Anlaß für den Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabeth läßt sich die unmittelbar vorausgehende Botschaft des Engel der Verkündigung nennen. Die beiden Frauen werden zu den ersten Menschen, die in der Kraft des Geistes den kommenden Herrn begrüßen. Über das von beiden erfahrene persönliche Wunder hinaus sehen sie dabei das Revolutionäre Gottes, der in die konkreten Verhältnisse hinein wirkt.
Maria und Elisabeth machen die erste Begegnung zwischen Jesus und Johannes möglich. Schon im Mutterleib macht Johannes durch sein freudiges Strampeln auf Jesus aufmerksam. Elisabeth interpretiert in geisterfüllter und prophetischer Art den Hinweis ihres ungeborenen Sohnes und bringt staunend die einzigartige Berufung Mariens zum Ausdruck.
In der Seligpreisung zeigt Elisabeth die zweifache Qualität Mariens auf: Hören und Glauben. So gilt es nun, das große Handeln Gottes weiterzuerzählen. Maria gibt Elisabeth keine Antwort auf ihren Segensspruch, sondern spricht ein anbetendes Lob von Gott, den Lobgesang, das Magnificat. Das Magnificat ist das große Lob- und Danklied, in dem alle Glaubenden der alten Zeit und der kommenden Generationen sich vereinen.
Der Schlüssel für das Fest der Aufnahme Mariens liegt sicherlich einerseits in der Kontinuität, daß sich Gott immer wieder als Retter erweist. Anderseits tritt im Lobgesang Mariens ihre demütige Sonderstellung als niedrige Magd in Erscheinung. An dieser Frau hat "der Mächtige wirklich Großes getan", so daß sie schließlich nach Ablauf ihres irdischen Lebens seine Herrlichkeit schauen darf.
Im Mittelpunkt des heutigen Abschnittes stehen der Hinweis auf Johannes, den Vorläufer Christi, sowie die Seligpreisung Marias durch Elisabeth und der Lobpreis Marias im Magnificat.
Der Hörer und Leser soll darin bestärkt werden, in Johannes den Vorläufer Jesu zu sehen. Außerdem wird auf den vorbildhaften Glauben von Maria verwiesen. Dieser findet letztlich im Lobpreis (Magnificat) seinen Ausdruck.
Das aus alttestamentlichen Worten stammende Magnificat soll dazu anregen, das Heilsgeschehen des Neuen Bundes - im Leben der Kirche und des einzelnen - im Licht der Rettungsgeschichte aller Söhne und Töchter Abrahams zu betrachten.
Vom Ausblick auf die österliche und endzeitliche Erfüllung her ist es möglich, schon in dieser Zeit ( voll Bedrängnis etc.) Gott, dem Retter, zuzujubeln.
Die Begrüßung Mariens wurde später in das "Ave Maria" aufgenommen.
Das Magnificat selbst (als Zusammenfassung der von Gott geschenkten Zuwendung an Maria und alle Glaubenden) wurde in die kirchliche Abendliturige (Vesper) aufgenommen.
Das "Magnificat", benannt nach dem ersten Wort der lateinischen Fassung, ist eingebettet in eine historisch nicht faßbare Rahmenerzählung, nach der Maria zu ihrer Verwandten Elisabeth geht. Im Laufe der Zeit wurde dies legendenhaft ausgeschmückt, von einem Gang über das Gebirge und einer Hilfeleistung an Elisabeth ist nach dem Evangelienbericht allerdings nicht die Rede.
Johannes macht bereits im Mutterleib durch eine freudige Bewegung auf Jesus aufmerksam, er ist also bereits im Mutterschoß zu seiner Aufgabe bestimmt und befähigt. Elisabeth versteht den Hinweis ihres Kindes und preist mit prophetischen Worten die werdende, vor allen Frauen ausgezeichnete Mutter und ihr noch ungeborenes Kind. "Herr" (griechisch kyrios) ist zunächst - aus nachösterlicher Sicht - der Name des erhöhten Jesus, in ihm klingt andererseits aber auch die Nähe Christi zu Gott an, der auch mit Herr angeredet wird.
Marias Antwort, auf die in einer Frage formulierte Anrede Elisabeths ist ein Lobpreis, das Magnifikat, in dem sie die Aufmerksamkeit auf Gott richtet. Im ersten Teil nennt Maria als Grund ihres Jubels zunächst die ihr von Gott geschenkte Aufmerksamkeit, wegen der sie in Hinkunft alle Menschen preisen werden.
Im zweiten Teil preist Maria Gott in allgemeinen, alttestamentlichen Wendungen. Den Niedrigen verschafft er rettendes Recht und den Notleidenden Güter.
Im dritten Teil deutet Maria das ihr Widerfahrende eindeutig als Handeln Gottes an seinem Volk, in Treue zu den Verheißungen an die alten Patriarchen.
Das Magnificat, ein judenchristlicher Hymnus mit vielen Anklänge an das Alte Testament, weist auf den vorbildlichen Glauben Mariens hin. Die an Maria erwiesene Huld wird als Großtat Gottes gepriesen. Maria spricht ihren Lobpreis stellvertretend für alle Erlösten. Die aus dem Glauben Altisraels stammenden Worte des Magnificat regen dazu an, das Heilsgeschehen des Neuen Bundes im Lichte der Rettungsgeschichte aller Töchter und Söhne Abrahams zu sehen. Aus österlichem Blick ist es möglich, in einer Welt voller Bedrängnis über Gott, den Retter aller, zu jubeln.
Die Begrüßung Mariens durch Elisabeth wurde von der Kirche in das "Ave Maria", das "Gegrüßt seist du Maria", und ihr Magnificat in die kirchliche Abendliturgie (Vesper) aufgenommen.
Der Blick auf Maria hat Dichter und Mythenerzähler inspiriert. Viele Texte zeugen davon, dass Menschen zu Maria aufgeschaut haben und aus ihrem Schicksal, das mit ihrer Aufnahme in den Himmel sein Ziel gefunden hat, Trost und Hoffnung in einer bis aufs Äußerste bedrohten Welt gesehen haben.
„Geh‘ aus meiner Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben“ – so Paul Gerhardt 1653. Die Wunden des 30-jährigen Krieges sind noch nicht verheilt, die Verwüstungen nicht überwunden. Heute, am 15. August, mitten im Sommer, sehen wir reife Felder, ein üppiges Grün, Blüten, eine schöner als die andere. In Zeiten des beängstigenden Klimawandels entdecken wir aber auch neu, wie bedroht die Welt ist, wie vergänglich ihre Schönheit, wie sorglos unser Umgang.
In einem hebräischen Lied, das wir in der Bibel finden, im „Hohen Lied“ wird von einer „Blume des Feldes“ und einer „Lilie in den Tälern“ gesungen. Im Mittelalter fand man, dass dieses schöne Bild doch genau auf die Jungfrau Maria passt – Blume des Feldes und Lilie in den Tälern. In einer der „goldenen Legenden“, die in der „legenda aurea“ im 13. Jahrhundert gesammelt sind, wird erzählt, dass dem Leichnam Mariens bei ihrer Beerdigung eine Palme vorausgetragen wurde. Als Christus selbst, drei Tage nach dem Tod seiner Mutter erschien, um sie auf ihrem Weg in den Himmel zu begleiten, breitet sich ein unaussprechlich schöner Duft aus. Es riecht nach Leben, nicht nach Tod. Eine alte wundersame Geschichte, volkstümlich, aber auch zärtlich und liebevoll. Dass sie nicht in der Bibel steht, mag man ihr nicht ankreiden. Jesus holt seine Mutter zu sich. Das steht am Anfang eines Festes, das wir als „Aufnahme Mariens“ in den Himmel heute feiern.
In der ersten Lesung, die wir hörten, heißt es:
Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet
und in seinem Tempel
wurde die Lade seines Bundes sichtbar: (Doppelpunkt)
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel:
eine Frau, mit der Sonne bekleidet;
der Mond war unter ihren Füßen
und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
Sie war schwanger
und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.
Ein anderes Zeichen erschien am Himmel
und siehe, ein Drache, groß und feuerrot,
mit sieben Köpfen und zehn Hörnern
und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.
Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel
und warf sie auf die Erde herab.
Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte;
er wollte ihr Kind verschlingen,
sobald es geboren war.
Wir sehen eine Frau, mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen. Ihr Kopf ist geschmückt mit einem Kranz, einer Krone mit 12 Sternen. Ein hoheitsvolles Bild. Immerhin: Sonne und Mond! Künstler haben nicht gerastet und geruht, die schönsten Darstellungen zu schaffen. Ein Bild für Maria? Jedenfalls – das lässt sich dann nicht so gut darstellen – ist die Frau schwanger. Mehr: die Wehen haben eingesetzt. Wir hören die Schreie! Die „schönen“ Madonnen sind schlank und rank, fein gekleidet, gelegentlich im bäuerlichen Umfeld auch ein wenig fülliger. Aber sie haben keinen dicken Bauch, keine Wehen.
Dann sehen wir einen Drachen, groß, feuerrot – sozusagen höllisch – mit sieben Köpfen, zehn Hörnern und einem Schwanz, der ein Drittel der Sterne vom Himmel fegt. Was für ein Untier! Es macht sogar die Mythen klein. Dieses Großmaul stellt sich vor die Frau – und will ihr Kind verschlingen, sobald es geboren ist. Da lauert es! Ist denn die Frau jetzt ganz alleine?
Noch unheimlicher und gewaltiger lässt sich eine Bedrohung nicht darstellen. Die Bilder platzen förmlich. Die kleinen Gemeinden in Kleinasien, die als erste angesprochen werden, sehen jetzt nicht nur in den Himmel, sie fühlen sich in dieser Szene verstanden – und in ihr auch aufgehoben. Wie ist das, einem Ungeheuer zu begegnen, das sich breit und schnaubend einfach vor einen setzt, um das Kind zu fressen? Das Kind? Ein Kind. Einen Menschen. Viele Menschen?
Wie ist das, wenn nicht einmal der nächtliche Himmel noch glänzen kann, wenn die Löcher im Land immer größer werden, wenn die Erde im Chaos versinkt? Es gibt schrecklich viele Geschichten dieser Art. Dass Menschen aussehen können wie Drachen, Drachen Menschen sind – ist das eine Offenbarung? Im Leben Marias haben Menschen die Bedrohung, die Angst, die Einsamkeit sehen können, aber auch den Sieg! Wenn sie Maria malten, wenn sie Maria sahen, malten und sahen sie ihr eigenes Leben, ihre eigene Hoffnung.
Maria preist die Größe Gottes, sie macht ihn groß. Ihn groß zu machen, ihn zu besingen, macht den Himmel aus. Da wird der Himmel aufgenommen, da nimmt der Himmel auf.
„Denn der Mächtige hat Großes an mir getan
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“
Es ist das Magnificat! Es ist ein umstürzlerisches Lied, das die Welt nicht so lässt wie sie ist. Karl Marx hat es mit großen Augen gelesen. Gott zerstreut die Hochmütigen, er stürzt die Mächtigen vom Thron, er erhöht die Niedrigen. Ein Satz ist gewagter als der andere. Maria besingt nicht nur die neue Welt, sie sagt „ja“ dazu, Mutter zu werden, Mutter Jesu – und Mutter Gottes. Jetzt! Anders kann die Welt nicht neu werden. Der Mächtige hat Großes an mir getan, singt sie. Und wird Teil seiner Geschichte mit uns Menschen. Gott wird Mensch, einer von uns. Klein, bedroht, hilflos. Die Größe Gottes ist seine Barmherzigkeit, seine Liebe. Nur darin mag er allmächtig sein, nur darin kann er allgegenwärtig sein, nur darin wird er allwissend sein. Die großen Worte, die großen Hoffnungen werden geboren. Mit einem Kind. Und mit einer Mutter. Gott erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht, von Generation zu Generation. Wenn wir den Himmel räumlich denken, wissen wir weder, wo er beginnt noch, wo er aufhört. Wenn wir den Himmel aber da sehen, wo Maria Jesus auf dem Schoß hält, entdecken wir Gott. Er denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vorfahren versprochen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Ich muss jetzt an die vielen Bilder denken, die von großen und kleinen Künstlern geschaffen wurden. Maria hält uns Jesus hin, Maria wird zu einem Thron, zum Sitz der Weisheit, Maria trägt ihren toten Sohn in ihren Armen, auf ihrem Schoß. Maria bekommt Gesichtszüge, Gesichtszüge eines Menschen von nebenan und doch gleichzeitig die Gesichtszüge Gottes von soweit weg. Barmherzigkeit braucht ein Gesicht, Liebe bekommt ein Gesicht.
An unserem Festtag heute werden an vielen Orten auch nach altem Brauch Kräuter gesegnet. Eine kleine Erinnerung an die alte zärtliche Geschichte, die mit diesem Tag verbunden ist. Gebündelt sollen die Kräuter gegen Unheil schützen, das sich in Häusern und Ställen groß machen kann. Ein feiner Tee lässt sich mit Kräutern auch zubereiten. Und mit gesegneten Kräutern sollen auch die Spaghetti noch viel besser schmecken. Es sind symbolische Gesten, in der sich ein großes Vertrauen ausdrückt. Zeichen des Lebens in einer bedrohten Welt. Es riecht nach Leben!
Heute stellen wir uns breitbeinig vor dem Drachen auf. Du machst uns keine Angst – schaff die Sterne wieder an den Himmel! Maria wissen wir nicht nur im Himmel, wir wissen sie an unserer Seite.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Maria ist am Ziel ihres Lebens angelangt. Der eigentliche Inhalt des heutigen Festes ist daher die Auferstehung. Diese ist nicht nur eine fromme Hoffnung, sondern Realität, bringt das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel zum Ausdruck.
Die Sommermonate sind für viele junge Menschen eine Zeit der Aufnahmeprüfungen: Es gibt Aufnahmeprüfungen für die Universitäten, für Lehrstellen und Berufe, für unterschiedliche Arbeitsplätze. Bei einer Aufnahmeprüfung versucht jeder und jede, sich von der besten Seite zu zeigen. Jeder Nachweis einer Zusatzausbildung oder einer besonderen Leistung kann dabei wichtig sein. Wir bereiten uns für die Aufnahme in einen Beruf jahrelang mit der Schule oder besonderen Ausbildungen vor.
Das heutige Fest heißt: „Aufnahme Mariens in den Himmel“. D.h. wir feiern heute, dass Maria unmittelbar nach ihrem Tod von ihrem Sohn zu sich in den Himmel geholt worden ist. Mit anderen Worten: Maria hat gewissermaßen die „Aufnahmeprüfung für den Himmel“ sofort bestanden!
„Prüfung“ – das ist aber ein Wort, das für uns üblicherweise nicht positiv klingt. Mit Prüfungen verbinden wir, dass man auch durchfallen kann. Man kann sich blamieren oder man kann dabei scheitern. Prüfungen verlangen Vorbereitung – und dann ist da einer oder eine, die uns prüfen.
Doch Prüfungen sind etwas ganz Biblisches: In der Bibel ist immer wieder von Prüfungen die Rede – und oft ist es Gott selbst, der die Menschen und ihren Glauben prüft. Da heißt es z.B. im Buch Deuteronomium 13,4: „Der Herr, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr das Volk seid, das den Herrn, seinen Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele liebt.“
Das Volk Israel versteht seinen Weg durch die Wüste als Weg der Prüfung durch Gott. Die Psalmen sprechen davon, dass der Herr „Gerechte und Frevler“ (Ps 11,5) prüft. Vor allem aber ist Gott einer, der die Herzen prüft und der in das Innerste des Menschen schaut (Spr 24,12; Jer 11,20).
Auch der Apostel Paulus fordert dazu auf, sich selbst zu prüfen und zu schauen, ob man noch im Glauben ist oder nicht (2Kor 13,5).
Wie aber sieht es vor diesem Hintergrund aus mit der Aufnahmeprüfung für den Himmel? Paulus würde hier zu Recht fragen: Kann man sich den Himmel denn überhaupt verdienen? Kann ich durch meine eigene Leistung dorthin kommen? Und er würde sagen: Nein! Der Himmel ist nicht zu verdienen – denn er ist Geschenk Gottes! Und so heißt es heute auch in der Lesung aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth: Der Stachel des Todes, die Sünde, ist besiegt – und diesen Sieg hat uns Gott durch Jesus Christus geschenkt. Das heißt: Der Himmel ist uns schon einmal geschenkt, wir brauchen ihn uns nicht zu verdienen!
Und dennoch geht es nicht ohne das Dazutun des Menschen: Denn Gottes Geschenk ist eine Einladung, kein Zwang; er erwartet sich, dass wir uns seines Geschenkes würdig erweisen – und das heißt: nach seinem Wort leben und handeln. Die Aufnahmeprüfung ist somit unser eigenes Leben, unser Handeln und unser Tun.
In diesem Sinn hat Maria eine Vorbild- und Vorreiterfunktion für einen jeden Menschen übernommen – so wie der große Theologe Karl Rahner den Sinn dieses heutigen Marienfestes ausdrückt: „Geliebte Menschen, sagt der heutige Tag, sind gerettet, sind heil, sind endgültig; sie mit ihrer konkreten Geschichte, mit ihrer ganzen Leibhaftigkeit, in der ein Mensch erst er selbst ist. Kein Gespenst, keine Seele“, ein Mensch ist im vollen Heil.
Dass wir von der Aufnahme Mariens „mit Leib und Seele“ sprechen – das ist mir für unseren christlichen, katholischen Glauben sehr wichtig: denn es bedeutet, dass der Himmel nicht eine Negierung, eine Verneinung der menschlichen Bedürfnisse ist, sondern deren Erfüllung. Der eigentliche Inhalt des heutigen Festes ist daher die Auferstehung – und dass sie nicht nur ein fromme Hoffnung, sondern Realität ist, das will das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel ausdrücken.
Wie die Auferstehung aussieht, wie dies vor sich geht: wir wissen es nicht; wir können es uns nicht vorstellen. Es bleibt uns der Glaube, dass der Tod zwar das letzte Wort in diesem Leben auf Erden hat; dass er aber nicht Gottes letztes Wort ist. Denn das letzte Wort Gottes ist das Wort der Liebe; es ist das Wort, mit dem er die Menschen geschaffen hat, liebt und zu sich heimholt.
Maria ist uns somit um diesen einen Schritt voraus: Sie ist bei dem Ziel angelangt, auf das hin wir unterwegs sind; unterwegs mit der Hoffnung, wie Karl Rahner sie formuliert: "Geliebte Menschen sind gerettet, sind heil, sind endgültig."
Die Wurzeln dieses Festes gehen zurück in das sechste Jahrhundert. In den östlichen Provinzen der Kirche feierte man das Fest "der Entschlafung Marias". Daraus wurde das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel. Jesus hat seine Mutter mit Leib und Seele zu sich in den Himmel geholt. Wie er ist sie mit Leib und Seele vollendet. Daraus schöpfen wir die Hoffnung, dass auch unser Leben einmal mit Leib und Seele vollendet wird.
Mit dem Fest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ wird eine tiefe Sehnsucht der Menschen nach einer heilen, unversehrten, einer ganzen Welt angesprochen, über den Tod hinaus. Es erinnert an die Zusage Gottes: du bist angenommen, ich bin für dich da!

Das Fest Mariä Himmelfahrt lenkt unseren Blick nach oben und ruft uns in Erinnerung, "nach dem zu trachten, was droben ist". Dieser Blick nach oben hilft uns zu verhindern, dass der Mensch ein Opfer der modernen Zeit wird und dass die Menschlichkeit unter die Räder kommt.
Wer im Großen wie im Kleinen Ja sagt zum Willen Gottes und den sich ihm stellenden Aufgaben, der wird wie Maria Aufnahme in den Himmel erfahren.
Die Lesung aus der Apokalypse von der „Frau, die mit Sonne bekleidet, jedoch vor Schmerzen schreit“, zeigt das von Prophetenworten inspirierte Frauenbild der Visionärs Johannes: Eine strake, aufschreiende, Frau, die im Bild des Gebärens auf etwas Neues für die Menschen in der Bedrohung hinweist. Dieses Bild der starken Frau lässt die Männerwelt der biblischen Autoren „stehen“ eine ZuMUTung bis heute.
Bild herunterladen
| Mariensäule, Blaues Kreuz, Neusiedl am See, Burgenland. Maria Immaculata auf Weltkugel mit Schlange, quadratischen Pfeiler mit Akanthus-Volutenkapitell. 2. Hälfte 18 Jhdt. |
Die apokalyptische Bedrohung der Menschheit und des Planeten Erde ist realer denn je. Dennoch hoffen wir, dass Gott die Menschheit errettet. Maria verkörpert diese Errettung und Vollendung, sie wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.
Vor wenigen Tagen wurden wir an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 70 Jahren erinnert. Der 6. August 1945 markiert den Beginn der atomaren Aufrüstungsspirale. Und obwohl der Ruf "Nie wieder!" einhellig ertönt, haben die Staaten, die über Atomwaffen verfügen, das vielfache Potential, die ganze Erde zu vernichten. Trotz Abrüstungsverträgen und -appellen drängen neue Staaten in den Kreis derer, die mit Atomwaffen den Rest der Welt erpressen können.
Doch der Einsatz von Atomwaffen ist nicht die einzige Bedrohung der gegenwärtigen Menschheit. Wohin der Klimawandel uns noch führen wird, können wir nicht einmal erahnen. Ein viel zu heißer Sommer ist vermutlich nur ein erster Vorgeschmack des Kommenden.
Ideologische, religiöse und nationalistische Auseinandersetzungen vertreiben Millionen von Menschen aus ihren Heimatländern und hinterlassen verbrannte Erde.
Bisher unvorstellbare Wanderbewegungen aus einem armen Süden in einen reicheren Norden bedrohen unsere politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systeme.
Wissenschaft und Forschung ermöglichen Eingriffe in die Lebensgrundlagen, die in neuer Weise das Leben auf diesem Planeten zerstören könnten.
Ich zähle all das auf, nicht um Angst zu schüren, sondern um bewusst zu machen, dass wir keineswegs in einer heilen Welt leben. Das apokalyptische Bild der Bedrohung, das uns in der Lesung aus dem Buch der Offenbarungen des Johannes vor Augen geführt worden ist, ist zwar schon zweitausend Jahre alt, aber aktueller denn je.
Die Frage ist: Wer ist mit dieser Frau und wer ist mit dem Kind, das sie gebären soll, gemeint? Da diese Lesung vornehmlich an Marienfesten gelesen wird, deuten wir sie vorschnell auf Maria. Diese Bilder und Texte aber kursierten schon vor der christlichen Marienverehrung in Kreisen, die vom Gedankengut der Apokalypse fasziniert waren, und wurden vermutlich erst danach auf Maria hin gedeutet.
In der Frau, die von dem siebenköpfigen Drachen bedroht wird, können wir zunächst einmal die von vielen Gefahren in ihrer Existenz bedrohte Menschheit sehen. Die sieben Köpfe verkörpern die vielen Gesichter der Bedrohung der Menschheit. Im Kind, das diese Frau gebiert, fließen die Messiashoffnungen der Menschheit zusammen. Die Botschaft, welche diese Bilder vermitteln wollen, ist jedoch trotz aller Angst, die sie auslösen, eine positive: Gott entrückt das Messiaskind zu seinem Thron und bringt die bedrohte Frau an einen sicheren Ort in der Wüste. Darin kommt die Hoffnung zum Ausdruck, dass Gott die Menschheit aus den verschiedenen Bedrohungsszenarien erretten wird.
Das Evangelium erzählt von der Begegnung der beiden schwangeren Frauen Maria und Elisabeth. Elisabeth, die Mutter Johannes' des Täufers, erkennt in Maria die Mutter des ersehnten Messias und preist sie selig. Das erhoffte Eingreifen Gottes ist in der Geburt Jesu aus Maria wahr geworden. An ihr und durch sie ist die Errettung der Welt und die Erlösung der Menschheit Wirklichkeit geworden.
Heute feiern wir die Aufnahme der Gottesmutter Maria mit Leib und Seele in den Himmel. Darin kommt zum Ausdruck, dass Gott die begonnene Errettung der Welt vollendet. Maria geht als ganzer Mensch, mit Leib und Seele, in die vollendete Welt Gottes ein; nicht nur irgendwie geistig oder im übertragenen Sinn. Der Glaube der Kirche behauptet, dass die Rettung der Menschheit ganz und vollständig geschehen wird. Maria hat die Vollendung erreicht, die auch uns erwartet.
Das gibt uns eine zweifache Hoffnung. Der Kampf mit dem Drachen, den wir gegenwärtig auf verschiedenen Ebenen ganz real erleben, ist nicht aussichtslos. Allerdings wird die Menschheit diesen Kampf nicht aus eigener Kraft auf sich allein gestellt gewinnen. Gott kämpft auf unserer Seite, weil ihm seine Schöpfung nicht gleichgültig ist. Darauf dürfen wir vertrauen. Darum kann auch uns die Schöpfung nicht gleichgültig sein.
Das Zweite: Die Errettung und die Vollendung der Schöpfung haben auch eine leibhafte Seite. Es geht nicht nur um einen geistigen Sieg. Die leibhafte und körperliche Realität der Schöpfung hat auch für unsere Zukunft Bedeutung. Auch wenn wir uns eine "Auferstehung des Fleisches" (noch) nicht vorstellen können, dürfen wir die leibhafte Basis unseres Lebens nicht gering schätzen. "Verherrlicht Gott in eurem Leib!" (1 Kor 6,20) ruft Paulus den Christen in Korinth zu; denn er ist "Tempel des heiligen Geistes". Der Geist Gottes wohnt in unserer leibhaften und materiellen Welt. Darum wird Gott sie retten und vollenden.
Als am 14. Oktober 2012 Felix Baumgartner den Sprung aus 39 km Höhe wagte und heil auf der Erde landete, saß auch ich gebannt vor dem Fernseher und hielt den Atem an. Extremsport liegt aber im Trend und fasziniert viele Menschen. Er verspricht den besonderen Kick. Es muss ja nicht gleich ein Absprung aus der Stratosphäre sein. Es reizt viele Menschen, die Grenzen ihrer körperlichen Belastbarkeit auszuloten und am eigenen Leib zu spüren, wozu der trainierte Körper fähig ist. Dass mentales Training fast genauso wichtig ist, hat sich mittlerweile auch herumgesprochen.
Es muss ja nicht Extremsport sein. Um den Körper fit zu halten, ihn zu modellieren und zu stylen, lassen sich viele viel Schweiß und Geld kosten. Notfalls muss ein Schönheitschirurg ein wenig nachhelfen. Wer nicht einen ansehnlichen Körper vorweisen kann, zählt in gewissen Kreisen nicht. Dieser wird meist auch durch eine körperbetonende sportliche Kleidung unterstrichen und zur Schau gestellt.
Es gibt aber auch das Gegenteil: "no sports"; "Sport ist Mord" pflegen andere als Grundsatz; oft als Verneinung des allgegenwärtigen Körperkults. Nicht selten wird dieser Protest auch durch ein Outfit unterstrichen, das den Körperkult verhöhnt.
Ein Weg von den Körperwelten kann man auch in ganz anderen Bereichen beobachten. Moderne Kommunikationsmittel erlauben es, sich in von der realen Welt abgehobene Kommunikationsräume zu begeben und dort eine Identität anzunehmen, die mit dem wirklichen Leben nicht mehr viel zu tun haben. Menschen tauchen von Zeit zu Zeit ab in virtuelle Welten und "leben" dort erdachte Lebensentwürfe. Sie finden Befriedigung in geistigen Welten.
Das Verhältnis zum eigenen Körper ist auch in unserer gegenwärtigen Zeit immer noch zwiespältig trotz aller Versuche, den Menschen ganzheitlich zu sehen und als unverwechselbare Person, als Einheit von Körper, Seele und Geist wahrzunehmen.
Ein zwiespältiges Verhältnis zu Körper und Geist hatten auch viele Menschen im ersten christlichen Jahrhundert. Das lässt sich gut beim Apostel Paulus nachlesen; und dies trotz jüdischer Denktradition, die den Menschen eher ganzheitlich in den Blick nahm. Für ihn ist der Körper irdisch, "Fleisch", und der Geist himmlisch. Allen Äußerungen des Leiblichen stand er skeptisch gegenüber. Paulus hat das nicht erfunden. Er ist ein Kind seiner Zeit. Diesen Zwiespalt gab es auch im hellenistischen Denken dieser Epoche. Einerseits erlebte der Körperkult bei den Griechen und Römern eine Hochblüte, andererseits griffen Geistesströmungen, die allem Körperlichen skeptisch gegenüberstanden, sowohl in der Philosophie wie auch in den Religionen um sich.
Umso bemerkenswerter ist, dass sich trotz dieser leibfeindlichen Tendenzen die Christen zu einem Glaubensbekenntnis durchrangen, in dem sie ausdrücklich die Inkarnation, die "Fleischwerdung Gottes" bekannten und eine Auferstehung des Fleisches erhofften. "Und das Wort ist Fleisch geworden" ist zu einem christlichen Leitgedanken geworden. Am Beginn des vierten Jahrhunderts stellte das Konzil von Ephesus klar, Maria sei "Gottesgebärerin", um keinen Zweifel an der Leibhaftigkeit und vollen Menschlichkeit Jesu aufkommen zu lassen.
Am 15. August feiern wir die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Obwohl Papst Pius XII. die Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele erst 1950 zu einem Dogma erklärte, geht es dabei um ein Anliegen, das die Christen seit frühester Zeit bewegte: Maria ist als ganzer Mensch mit Leib und Seele in die Herrlichkeit Gottes eingegangen. Dies bestärkt uns in der Hoffnung, dass auch wir mit Leib und Seele an der Herrlichkeit Gottes teilhaben werden.
Damit wird jeglicher spirituellen Abwertung des Leiblichen eine Absage erteilt, auch wenn offen bleibt, wie wir uns ein leibhaftes Leben in dieser neuen Welt Gottes vorstellen können. Dieses Glaubensgeheimnis verbietet uns jegliche Geringschätzung des Leibes aber auch jede Instrumentalisierung des Leibes. Bei aller Leibfreudigkeit weist es uns aber auch auf die Dimension des Seelischen und des Geistes hin, die ebenso Teil unseres Lebens ist, und spornt uns an, auch diese zu pflegen, zu trainieren und zu entwickeln.
Künstler haben dies der jeweiligen Kunstepoche gemäß mit Vorliebe an Maria dargestellt. Die vielen Marienbilder zeigen sie meist sehr leibhaft und dennoch in den Himmel entrückt. In uns wecken diese Darstellungen die Sehnsucht nach Vollendung als ganze Menschen mit Leib, Seele und Geist.
Wir stehen mitten in der Erntezeit. Es ist die Zeit der Reife. Mir scheint es kein Zufall, dass sich im Laufe der Geschichte diese Zeit für dieses Fest angeboten hat: Die Fülle und der Reichtum, der uns zu dieser Zeit begegnet ist ein ausdrucksstarkes Symbol dafür, dass auch unser Leben einmal bei Gott seine letzte volle Reife und Schönheit mit Leib, Seele und Geist erreichen wird. An Maria sehen wir diese Hoffnung erfüllt.
Der französische Schriftsteller Anatole France wurde einst gebeten, eine möglichst kurze Geschichte der Menschheit zu schreiben. Der Schriftsteller soll daraufhin ein Blatt Papier genommen, einen Satz darauf gekritzelt und gesagt haben: da habt ihr sie, die Zusammenfassung der Menschheitsgeschichte. Der Satz lautete: die Menschen leben, sie leiden und sie sterben.
Dieser Satz fasst knapp und nüchtern Tatsachen über uns Menschen zusammen. Uns allen ist ein bestimmtes Maß an Lebenszeit gegeben. Jedes Leben wird von Leid heimgesucht und am Ende steht allemal der Tod. Es stimmt also: die Menschen leben, sie leiden und sie sterben.
Dieser Satz fasst aber nicht nur Tatsachen zusammen. Er fällt gleichzeitig ein brutales Urteil, denn er sagt auch aus: eigentlich sind wir Menschen einem grausamen Schicksal unterworfen. Da sind ein paar Jahre, oft angefüllt mit Mühsal und Leid und das Ende von allem ist der Tod. Letztlich ist also alles, was Menschen ersehnen und hoffen, alles was sie lieben und leiden ohne bleibenden Sinn. Alles endet im Nichts.
Der christliche Glaube wird die Tatsachen, die der Satz des französischen Schriftstellers enthält, voll unterschreiben. Er wird aber beifügen: das ist nicht alles, was es über den Menschen und dessen Geschick zu sagen gibt. Das alles Entscheidende fehlt. Gerade im Blick auf Maria und das Fest ihrer Aufnahme in den Himmel können wir aus dem Glauben heraus dieses Letztentscheidende sehr präzise formulieren. Auf Maria angewandt muss der Satz lauten: Sie lebte, sie litt, sie starb und sie lebt jetzt voll und ganz bei Gott.
Maria lebte ein einfaches, unscheinbares Leben, wie die Meisten von uns. Darauf spielt das heutige Evangelium an, wenn es Maria das Wort in den Mund legt, Gott habe auf ihre Niedrigkeit geschaut. Leid hat Maria das ganze Leben hindurch begleitet, am Schlimmsten wohl, als ihr Sohn am Kreuz hing und die Mutter ohnmächtig darunter stand. Und schließlich ist sie gestorben, so wie jeder Mensch sterben muss.
Aber mit diesen Tatsachen ist nun eben nicht die ganze Wahrheit über diese Frau ausgesagt. Das heutige Fest lehrt uns: Maria verblieb nicht im Tod, sondern Gott hat sie auferweckt und ganz und gar zu sich genommen. Das ist gemeint, wenn wir sagen, sie sei mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden. Von Maria dürfen wir also sagen: sie lebte, sie litt, sie starb und sie fand mit ihrer ganzen Lebens- und Glaubensgeschichte Aufnahme und Vollendung bei Gott.
Was sich so an Maria erfüllt hat, das ist auch uns zugesagt. Auch wir dürfen darauf vertrauen, dass unser ganzes Leben, dass alles, was wir an Schönem und Schwerem durchstehen müssen, am Ende nicht einfach durch den Tod ausgelöscht wird, sondern sein Ziel finden wird bei Gott. Und diese Verheissung ist nicht bloß eine ungewisse Zukunftsmusik, von der wir nie wissen, ob sie einmal Wirklichkeit wird. Sie ist bereits Wirklichkeit geworden an einem Menschen, der wie wir gelebt und gelitten hat und gestorben ist, an Maria. Das stellt uns die Kirche mit dem heutigen Fest ganz konkret vor Augen.
Im Blick auf Maria dürfen wir darum die Menschheitsgeschichte des französischen Schriftstellers Anatole France mit der Freude und der Hoffnung des christlichen Glaubens anreichern und sagen: Die Menschen leben, leiden und sterben. Aber mit all dem gehen sie Gott entgegen. Und Gott wird uns bei sich aufnehmen mit unserer ganzen Lebensgeschichte und uns bei sich vollenden. Es ist also gut zu leben, denn Gott hat in jedes Menschenleben bleibenden Sinn und Wert hinein gelegt und wird dies auch einlösen.
(Falls Kräuterweihe)
Diese Zusage und die Hoffnung unseres Glaubens bringen wir auch zum Ausdruck, wenn ich jetzt die Kräuter und Blumen segne, die Sie mitgebracht haben. Die Kräuter weisen auf das hin, was gut ist und Gesundheit schenkt und die Blumen auf das Schöne und die Freude. So sagen sie uns auf ihre Weise, dass es gut und schön ist, zu leben, weil das Leben unter dem Segen Gottes steht und durch ihn Vollendung finden wird.
Heute feiern wir ein Hochfest, das Fest „Aufnahme Mariens in den Himmel“. Alte Geschichten erzählen, dass Jesus seine Mutter nach ihrem Tod zu sich genommen hat. Wir freuen uns darüber. Für uns ist es ein Zeichen der Hoffnung und der Liebe.
Vieles, was Maria erlebte und durchlitt, kennen wir auch.
Um Gottes Erbarmen bitten wir:
Herr,
es ist schön, wenn ein Mensch „ja“ sagen kann zu deinem Wort wie Maria.
Wir haben oft Bedenken und fragen, was es uns bringt, dir zu folgen.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du bist geboren worden wie wir. Maria hat dich unter Schmerzen geboren.
Alles Menschlich ist dir nicht fremd.
Christus, erbarme dich.
Herr,
ein Schwert ging durch Marias Herz.
Du hast Leiden und Tod auf dich genommen, um uns Leben zu schenken.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast die selige Jungfrau Maria,
die uns Christus geboren hat,
vor aller Sünde bewahrt
und sie mit Leib und Seele
zur Herrlichkeit des Himmels erhoben.
Gib, dass wir auf dieses Zeichen
der Hoffnung und des Trostes schauen
und auf dem Weg bleiben,
der hinführt zu deiner Herrlichkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. August, Mariä Aufnahme in den Himmel (am Tag)
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast die selige Jungfrau Maria
zur Mutter deines ewigen Sohnes erwählt.
Du hast auf deine niedrige Magd geschaut
und sie mit Herrlichkeit gekrönt.
Höre auf ihre Fürsprache
und nimm auch uns in deine Herrlichkeit auf,
da du uns erlöst hast
durch den Tod und die Auferstehung deines Sohnes,
unseres Herrn Jesus Christus,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Mariä Himelfahrt, am Vorabend
Du, Gott, schenkst uns einen Blick in den Himmel
und lässt uns die Erde sehen.
Angstbesetzte Szenen und böse Erinnerungen bringen wir dir.
Oft halten wir Bedrohungen und Befürchtungen nicht aus.
Wir suchen Sicherheit,
nehmen sie anderen Menschen aber weg.
Dir danken wir, Zeugen deiner Liebe zu sein.
Du bist Mensch geworden.
Du hast Maria eine Heimat bei dir gegeben.
Du wirst auch uns vollenden
und die herrliche Freiheit deiner Kinder schenken.
Heute feiern wir ein Fest.
Wir sehen Maria im Himmel und freuen uns,
mit ihr zu hoffen und zu lieben
in Christus, unserem Herrn.
In der Apokalypse sehen wir einen furchtbaren Drachen und eine Frau in Not.
Viele Menschen, viele Gemeinden sind bedrängt.
Im Evangelium preist Maria Gottes Barmherzigkeit.
Er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut.
Viele Menschen, viele Gemeinden sind glücklich,
dass Jesus einer von uns geworden ist.
Darum beten wir:
Herr, dir befehlen wir die Gemeinden in der Welt, die um ihres Glaubens willen verfolgt, ausgegrenzt und missachtet werden.
Hilf uns, für sie einzutreten, ihnen Mut zu machen und für Religionsfreiheit einzutreten.
Herr, erbarme dich.
Herr, dir befehlen wir die Mütter, die alleine gelassen sind, die ihre Kinder alleine erziehen müssen,
die überfordert sind.
Schenke uns, Not zu sehen und zu begegnen.
Herr, dir befehlen wir die Erde in ihrer Not. Viele Kräuter und Insekten, viele Tiere sind bedroht vom Aussterben. Gletscher schmelzen. Für viele Menschen gibt es keinen Lebensraum.
Stärke das Verantwortungsbewusstsein unter den Menschen und Völkern.
Herr, dir befehlen wir die Mächtigen, die kein Augenmaß mehr haben, die keine Barmherzigkeit kennen, die notfalls auch über Leichen gehen.
Lass nicht zu, dass wir uns ihnen beugen.
Herr, dir befehlen wir die Menschen, die ohnmächtig zusehen müssen, wie ihre Zukunft verspielt wird, die sich auf lebensgefährliche Fluchten begeben, die sich auf keine Heimat verlassen können.
Bewahre uns die Neugier und den Mut, unseren Reichtum mit ihnen zu teilen.
Maria hat dein Lied gesungen, Herr,
das Lied einer neuen Welt,
das Lied alter Verheißungen.
Schenke uns - wie ihr - den Himmel.
In Christus, unserem Herrn und Bruder.
Lebendiger Glaube heißt, Gott einen Platz in meinem Leben geben, ihn in mein Leben einzubeziehen. Die Gottesmutter Maria ist uns dabei ein Vorbild.
Auf ihre Fürsprache lasst uns den Vater bitten:
Für die Kirche, dass sie vom Heiligen Geist geführt den christlichen Glauben lebendig und dem Verständnis unserer Zeit gemäß verkündigt.
Für alle Menschen, die sich erniedrigt fühlen und für die Mächtigen, die meinen, ungestraft anderen Menschen ihre Würde und ihre Rechte absprechen zu können.
Für alle Frauen, die „guter Hoffnung“ sind, dass sie zusammen mit den Vätern ihrer Kinder ihnen Geborgenheit und Vertrauen vermitteln können.
Für uns selbst, dass wir in den Freuden und Nöten unseres persönlichen Lebens wie Maria auf Gott bauen und unsere Lebensängste abbauen können.
Für unsere Verstorbenen: Maria zeige ihnen und uns den Weg und das Ziel zur Vollendung allen menschlichen Lebens.
Lasst uns mit Maria Gott preisen und über ihn, unseren Helfer, jubeln jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
da hast die Mutter deines Sohnes mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen
und damit unsere Hoffnung auf die volle Erlösung gestärkt.
Wir bitten dich:
Für alle Menschen, denen Krieg und Verfolgung alle Lebensgrundlagen zerstört haben.
Schaffe ihnen einen Zufluchtsort, an dem sie leben können.
Für alle Kinder, die um das Überleben kämpfen.
Schenke ihnen Frieden, Nahrung, ein Zuhause und Zugang zu Bildung.
Für alle Menschen, die sich für Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.
Lass ihr Bemühen Früchte tragen.
Für alle Menschen, deren Lebensmöglichkeiten durch Krankheit oder Behinderung eingeschränkt sind.
Schenke ihnen trotz allem den Glauben an deine Vaterliebe,
die ihr Leben zur Fülle führen wird.
Für alle Menschen, deren irdisches Leben zu Ende gegangen ist.
Schenke ihnen das unendliche Leben,
in das du die Gottesmutter Maria bereits emporgehoben hast.
Du Gott, hast alles Leben hervorgebracht.
Dir vertrauen wir uns und die ganze Schöpfung an.
Amen.
Allmächtiger Gott,
unser Gebet und unser Opfer steige zu dir empor.
Höre auf die selige Jungfrau Maria,
die du in den Himmel aufgenommen hast,
und entzünde in unseren Herzen das Feuer der Liebe,
damit wir dich allzeit suchen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. August, Mariä Aufnahme in den Himmel (am Tag)
Herr und Gott,
am Fest der Aufnahme Marias in den Himmel
bringen wir das Opfer des Lobes und der Versöhnung dar.
Es erwirke uns die Vergebung der Sünden
und die Gnade, dir immer zu danken.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
MB 15. August, Mariä Aufnahme in den Himmel (am Vorabend)
Herr,
Maria hat gesagt: Was er euch sagt, das tut!
Und du hast, als Zeichen deines Reiches,
Wasser in Wein verwandelt.
Wir sehen deine Welt,
deine Liebe, deine Barmherzigkeit.
Sie hat keinen Anfang, kein Ende.
Du lädst uns ein zu der großen Hochzeit.
Dir bringen wir, was wir haben,
unsere Arbeit, unsere Schmerzen,
unsere Träume, unsere Fehler,
Brot und Wein.
Sprich du das Wort, das alles verwandelt.
Trauer in Freude,
Resignation in Mut,
Tod in Leben,
Brot und Wein in deinen Leib, dein Blut.
Schenke uns, dass wir dich empfangen,
wie du gesagt hast.
In Christus, unserem Herrn.
Kehrvers:
Der Herr hat Großes an uns getan,
sein Name sei gepriesen.
(GL 631,3)
Gott, unser Vater,
heute, am Fest der Aufnahme der Gottesmutter Maria an den Himmel
wollen wir dir unser Lob und unseren Dank darbringen.
Kehrvers
Wir danken dir für das Geschenk des Lebens,
für die wunderbare Gestalt, die du ihm gegeben hast.
Kehrvers
Wir danken dir für Jesus Christus,
den du uns als Erlöser gesandt hast.
Kehrvers
Wir danken dir für seine Mutter Maria,
durch die er menschliches Fleisch angenommen hat.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens
mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen hast.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du uns damit die Hoffnung geschenkt hast,
dass auch wir einmal mit Leib und Seele deine Herrlichkeit schauen werden.
Kehrvers
Mit der ganzen Kirche stimmen wir ein in das Lob deiner Größe
und singen:
Dankelied, z. B. GL 395: Den Herren will ich loben. . .
oder ein Magnificat oder Taizé-Magnificat GL 390)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Denn heute
hast du die jungfräuliche Gottesmutter
in den Himmel erhoben,
als erste empfing sie von Christus
die Herrlichkeit,
die uns allen verheißen ist,
und wurde zum Urbild der Kirche
in ihrer ewigen Vollendung.
Dem pilgernden Volk ist sie
ein untrügliches Zeichen der Hoffnung
und eine Quelle des Trostes.
Denn ihr Leib,
der den Urheber des Lebens geboren hat,
sollte die Verwesung nicht schauen.
Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Aufnahme Marias in den Himmel
Ein Zeichen erschien am Himmel
Eine Frau für die Erde
Als Zeichen für die Kleinen
Ihr werdet groß sein vor Gott
Als Zeichen für die Schwachen
Gott selbst ist eure Stärke
Als Zeichen für die Demütigen
Gott wird euch emporheben
Als Zeichen für die Hungrigen
Gott wird euer Brot sein
Als Zeichen für alle, die dürsten nach Gerechtigkeit
Gott wird alles recht machen
Als Zeichen für die Unglücklichen
Gott wird euch erlösen
Als Zeichen für uns alle
Mit Gott wird alles gut
Barmherziger Gott,
wir haben das heilbringende Sakrament empfangen.
Lass uns auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria,
die du in den Himmel aufgenommen hast,
zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. August, Mariä Aufnahme in den Himmel (am Tag)
Herr, unser Gott,
am Fest der Aufnahme Marias in den Himmel
hast du uns an deinem Tisch versammelt.
Erhöre unser Gebet
und lass auch uns nach aller Mühsal dieser Zeit
zu dir in die ewige Heimat gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
MB 15. August, Mariä Aufnahme in den Himmel (am Vorabend)
Treuer, barmherziger Gott,
uns fehlen die Worte,
deine Größe und Schönheit zu bewundern,
zu besingen,
was du uns schenkst vom ersten bis zum letzten Tag.
Lass uns von Maria lernen, was Vertrauen ist,
hilf uns, mit ihr mutig zu sein
und schenke uns, dass wir mit Leib und Seele
deine Kinder sind und vollendet werden.
Unsere Zweifel kennst du,
unsere Ängste sind dir nicht fremd,
doch du zeigst uns den Himmel.
Wir sehen eine Frau, hart attackiert,
wir hören ihr Lied, voller Hoffnung.
Hilf uns, dass wir uns gegenseitig anstecken
und das Glück finden mit Maria
bei dir
in Christus, unserem Herrn.
Gott, der allmächtige Vater,
segne euch durch den Erlöser der Welt,
unseren Herrn Jesus Christus,
den Sohn der jungfräulichen Mutter Maria.
Sie hat den Urheber des Lebens geboren;
ihre mütterliche Fürsprache erwirke euch Gottes Hilfe.
Euch und allen, die heute das Fest ihrer Aufnahme in den Himmel begehen,
schenke Gott die wahre Freude und den ewigen Lohn.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
MB Feierliche Schlussegen. Von der seligen Jungfrau Maria
L: Schön bist du, Maria, du Mutter aller Geschöpfe.
V: Du bist wie die Erde, die das Leben hervorbringt, Maria...
A: Wir rufen zu dir.
L: Schön bist du, du Frau des Sommers.
V: Du bist wie die Sonne, die uns Menschen begleitet, Maria...
A: Wir rufen zu dir.
L: Schön bist du, Maria, du Freundin der Blumen.
V: Du bist wie die Rose, die dem Himmel entgegenblüht, Maria...
A: Wir rufen zu dir.
Lasset uns beten:
Gott, alle Kräuter und Blumen strecken sich dir entgegen,
denn du hast sie gemacht.
Auch Maria, deine schönste Blume, ist dir entgegengewachsen,
und du hast sie in den Himmel aufgenommen.
An ihrem Fest danken wir dir für die Sonne
und für die Erde, für die Kräuter und für die Blumen.
Wir bitten dich:
Segne diese Kräuter und Blumen.
Schenke uns durch sie Gesundheit und Heil, Freude und Lebenslust.
Lass uns wie sie dir entgegenwachsen
und Blüten treiben, schön wie Maria.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.
Aus: Christiane Bundschuh-Schramm (Hg.), Du bist gesegnet unter den Frauen. Mariengottesdienste. Schwabenverlag.
An das Wunder, das Gott an Maria gewirkt hat, wollen auch die Heilkräuter erinnern, die wir nun segnen wollen. Sie können nachher mitgenommen werden. Sie sollen uns an die bleibende Hoffnung auf ein Leben in Gottes neuer Schöpfung, den Himmel erinnern, der schon heute beginnt.
Lasset uns beten. -
Herr, unser Gott,
du hast Maria über alle Geschöpfe erhoben
und sie in den Himmel aufgenommen.
An ihrem Fest danken wir dir für alle Wunder deiner Schöpfung.
Durch die Heilkräuter und Blumen schenkst du uns Gesundheit und Freude.
Segne + diese Kräuter und Blumen.
Sie erinnern uns an deine Herrlichkeit und an den Reichtum deines Lebens.
Schenke uns auf die Fürbitte Mariens dein Heil.
Laß uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir gelangen
und dereinst einstimmen in das Lob der ganzen Schöpfung,
die dich preist durch deinen Sohn Jesus Christus in alle Ewigkeit.
(Vgl. Benediktionale, Studienausgabe f. d. kath. Bistümer d. dt. Sprachgebiets, Benziger/Herder Verlag, Einsiedeln/Freiburg 1979, S. 63 - abgeänderter Auszug aus: Otto Winkes, Bilder und Symbole im Jahreskreis, Erich Wewel Verlag 1995, S. 170f.)
Segne, Gott,
die Kräuter und Blumen, die wir bringen,
und segne und heile auch uns.
Segne, Jesus Christus,
unsere Sehnsucht nach Gesundheit
und lass uns an Leib und Seele gesund werden.
Segne, Heiliger Geist,
was dem Geiste nach krank ist an uns,
an unserer Kirche, in unseren Gemeinden und Gemeinschaften
und heile uns.
So segne uns Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Sie ist mir lieb, die werte Magd
und kann ihr nicht vergessen,
Lob, Ehr und Zucht von ihr man sagt,
sie hat mein Herz besessen.
Ich bin ihr hold,
und wenn ich sollt
groß Unglück han,
da liegt nicht an;
sie will mich des ergetzen
mit ihrer Lieb und Treu an mir,
die sie zu mir will setzen
und tun all mein Begier.
Sie trägt von Gold so rein ein Kron,
da leuchten inn zwölf Sterne,
ihr Kleid ist wie die Sonne schon,
das glänzet hell und ferne;
und auf dem Mon
ihr Füße stohn;
sie ist die Braut,
dem Herrn vertraut.
Ihr ist weh und muss gebären
ein schönes Kind, den edlen Sohn
und aller Welt ein Herren,
dem sie ist unterton.
Das tut dem alten Drachen Zorn
und will das Kind verschlingen,
sein Toben ist doch ganz verlorn,
es kann ihm nicht gelingen.
Das Kind ist doch
gen Himmel hoch
genommen hin
und lässet ihn
auf Erden fast sehr wüten.
Die Mutter muss gar sein allein;
doch will sie Gott behüten
und der recht Vater sein.
Martin Luther, 1535
Das Lied hat drei Strophen, die einem ungewöhnlich kunstvollen Vers- und Reimschema folgen, sein Lied ist formal von der spätmittelalterlichen Liebeslyrik der sog. Hoflieder beeinflusst. Inhaltlich zeichnet es die Vision von der Apokalyptischen Frau aus dem 12. Kapitel der Johannesoffenbarung nach. Die zweite und dritte Strophe beschreiben, in enger Anlehnung an den Bibeltext, das Bild der Frau im Sternenkranz, die Geburt ihres Kindes, den Aufruhr des Drachen, die Entrückung des Kindes zu Gottes Thron und die Bewahrung der Frau auf der Erde. Bemerkenswert ist die erste Strophe. Sie ist eine Liebeserklärung an die werte Magd und ein Bekenntnis zu ihrer helfenden Treue. (Wikipedia)
Michael Praetorius, Sie ist mir lieb, die werte Magd
https://www.youtube.com/watch?v=7E1yH0-LkEA
Barossance - Sie ist mir lieb, die werte Magd
https://www.youtube.com/watch?v=r4AqwT89bI4
Martin Luther, 1535
Vielleicht gelingt es Ihnen für dieses Marienlob Kontakt mit evangelischen Mitchristinnen zu knüpfen und eine Einladung auszusprechen. Gemeinsam Maria zu entdecken, zu meditieren und mit ihren Worten zu beten - gerade auch im Jahr des Reformationsgedenken.
Für Protestanten war Maria lange Zeit eher ein Tabuthema, weil sie sich absetzen wollten von römisch-katholischer Marienverehrung", schreibt Margot Käßmann in einem Grußwort: "Dabei war der Reformator Martin Luther ein großer -heute würden wir sagen -'Fan' Marias." Frau Käßmann ist Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das 500. Reformationsjubiläum.
www.bistum-eichstaett.de
Die Herrgottskirche in Creglingen mit dem berühmten Riemenschneider-Altar ist ein besonderer Ort: Dazu gehört auch, dass dort an einem urkatholischen Feiertag eine evangelische Marienandacht stattfindet.
https://www.evangelisches-gemeindeblatt.de/regionales/nordwuerttemberg-ostalb/detailansicht/maria-auf-evangelisch-1735/
www.evangelisches-gemeindeblatt.de
Ein Feiertag, der mit allerlei Brauchtum verbunden ist, aber in der Öffentlichkeit weitgehend kaum bekannt ist. Fragen und Antworten rund um das Fest.
Das Fest erinnert an die "leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel". Diese wird zwar nicht in der Bibel beschrieben, wurde aber 1950 als bisher letztes katholisches Dogma von Papst Pius XII. verkündet. In diesem mit höchster Autorität verfassten unfehlbaren Lehr- und Glaubenssatz heißt es unter anderem, dass "die Unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde". Nach katholischer Lehre lebt die Seele nach dem Tod weiter, während der Leib erst am Tag des Jüngsten Gerichtes auferweckt wird. Die sofortige leibliche Aufnahme Mariens ist also ein besonderes Privileg, das die herausragende Rolle der Muttergottes betont. Papst Benedikt XVI. hat es einmal so formuliert: "Wir glauben, dass Maria, wie Christus ihr Sohn, den Tod schon besiegt hat."
Christus steigt aus eigener Kraft zu Gott empor, Maria dagegen wird in den Himmel aufgenommen. Im Deutschen heißt beides Himmelfahrt, im Lateinischen wird der Unterschied deutlich zwischen "Assumptio Mariae" (Annahme, Aufnahme Mariens) und "Ascensio Christi" (Hinaufsteigen Christi).
Das Fest hat seinen Ursprung in der Ostkirche, wo es im Jahr 431 eingeführt wurde. Im 6. Jahrhundert folgen erste legendarische Darstellungen. In der römischen Kirche wird die Aufnahme Mariens in den Himmel seit dem 7. Jahrhundert gefeiert, in Deutschland seit dem 9. Jahrhundert. Im Konzil von Trient (1545-1563) wurde die Lehre von der Aufnahme Mariens zum festen Bestandteil der kirchlichen Lehre, ehe sie dann 1950 sogar zum Dogma erhoben wurde.
In Deutschland ist lediglich im Saarland arbeitsfrei sowie in weiten Teilen Bayerns, genau in 1.704 von 2.056 Kommunen mit mehrheitlich katholischer Bevölkerung. Nur in weiten Teilen Ober- und Mittelfrankens mit evangelischer Mehrheit ist es kein gesetzlicher Feiertag. Dies wurde nach den Ergebnissen der Volkszählung von 2011 neu festgelegt. In der evangelischen Kirche ist Mariä Himmelfahrt kein besonderer Festtag.
In Österreich und in Liechtenstein ist der 15. August landesweit gesetzlicher Feiertag, ebenso in acht Kantonen der Schweiz. In weiteren sieben Kantonen ist in etlichen Gemeinden arbeitsfrei. Außerdem ist Mariä Himmelfahrt in etlichen anderen katholischen Staaten weltweit Feiertag, in Europa etwa in Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Polen, Portugal und Spanien.
Franziskus betet am Mittag wie an Sonn- und Feiertagen üblich auf dem Petersplatz das Angelus-Gebet mit den Gläubigen. Der 15. August ist in Italien nicht nur Mariä Himmelfahrt, sondern auch "Ferragosto", ein Feiertag, an dem in Rom fast alles stillsteht. Der Begriff geht auf die heidnischen "Feriae Augusti" (Ferien des Augustus) aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert zurück. Der römische Kaiser Augustus (63 v. Chr.-14 n. Chr.) hatte an diesem Datum seinen Untertanen das Privileg eines freien Tags gewährt.
In katholischen Regionen Deutschlands sind an dem auch als "großer Frauentag" bekannten Fest vor allem Lichterprozessionen und Kräuterweihen populär. Dabei werden bis zu 77 verschiedene Kräuter und Pflanzen gesammelt, zu sogenannten Buschen zusammengebunden und gesegnet. Danach werden sie oft im Haus aufgehängt, wo sie gegen Krankheiten, Gewitter und Blitzschlag helfen sollen, oder sie werden kranken Tieren unters Futter gemischt. Einer Legende nach öffneten die Jünger das Grab Mariens und fanden nicht ihren Leichnam, sondern blühende Blumen und Kräuter. Daraus hat sich die Tradition der Kräutersegnung entwickelt. Heute wird daraus oft auch der Appell abgeleitet, die Natur mitsamt ihrer Schönheit und Heilkraft wieder stärker zu achten.
https://www.domradio.de/themen/glaube/2018-08-15/was-feiern-wir-eigentlich-mariae-himmelfahrt
Gottfried Bohl (KNA)
Gottes Segen komme zu uns Frauen,
daß wir stark sind in unserer schöpferischen Kraft,
daß wir mutig sind in unserem Recht.
Gottes Segen komme zu uns Frauen,
daß wir Nein sagen, wo es nötig ist,
daß wir Ja sagen, wo es gut ist.
Gottes Segen komme zu uns Frauen,
daß wir schreien, wo Unrecht ist,
daß wir schweigen, wo Entsetzen ist.
Gottes Segen komme zu uns Frauen,
daß wir Weisheit suchen und finden,
daß wir Klugheit zeigen und geben.
Gottes Segen komme zu uns Frauen,
daß wir die Wirklichkeit verändern,
daß wir das Lebendige fördern.
Daß wir Gottes Mitstreiterinnen sind auf Erden!
Hanna Strack in: Du bist der Atem meines Lebens. Frauengebetbuch. Schwabenverlag / KlensVerlag, Ostfildern 2010.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Die Kapitel 12 - 14 gehören zu den Kernstücken der Offenbarung des Johannes. Der erste Teil dieses Kernstückes wird heute vorgelesen.
Der Text ist durchdrungen von mythischen Bildern. Hintergrund sind die konkreten Erfahrungen der christlichen Gemeinden (Verfolgung durch den römischen Staat; Vergöttlichung des römischen Kaisers usw. ...). Trotz aller schweren Bedrängnis soll und kann die Gemeinde zuversichtlich bleiben; der Sieg gehört Gott und dem Christus.
Das Bild der Himmelskönigin (mit Sonne bekleidet, auf einer Mondsichel stehend, am Haupt eine Krone von 12 Sternen) stammt aus der astralreligiösen Welt (vgl. auch die göttliche Mutter Ägyptens, Isis).
Im Judentum wurde den Gestirnen - im Gegensatz zu den anderen Völkern rundherum - keine göttliche Würde zuerkannt. Sonne, Mond und Sterne sind also für Johannes nur der Schmuck der Frau. Die Zwölfzahl deutet wohl darauf hin, daß sie das Gottesvolk der zwölf Stämme repräsentieren. Völker und Stämme wurden im alten Orient vielfach in Frauengestalt versinnbildlicht.
Die Frau am Himmel ist schwanger - sie soll den Messias gebären. Da dieser kein anderer als Jesus von Nazareth ist, könnte es nahe liegen, in der Himmelskönigin Maria, die Mutter Jesu, zu erkennen und sie als die mit der Sonne bekleidete Frau zu verehren. In diesem Sinne hat besonders die mittelalterliche Kirche das Bild verstanden und Maria als Himmelskönigin dargestellt. Die Exegeten sehen in der Frau aber eher das wahre Israel, das Gottesvolk des Alten und Neuen Bundes, aus dem Christus gekommen ist.
Die alten oder die chaotischen Mächte der Welt verkörpern auch das Bild des Drachens. Sie streiten als Widersacher gegen Gott. Das Bild vom Kampf des Drachens gegen die gebärende Frau findet sich in verschiedensten Kulturen, so auch in den griechischen Mythen. Für den Seher ist die Frau das wahre Israel und das Kind der Messias. Mit dem Kommen Jesu Christi hat der letzte Kampf begonnen. In dieser letzten Zeit wird aber auch der besondere Schutz Gottes zugesagt.
Die Offenbarung des Johannes, ein Trostbuch in der Verfolgungszeit, zeichnet am Beginn der heutigen Perikope das Bild von der siebenten Posaune. Sie verkündet die Herrschaft Gottes, die so sicher kommt, dass jetzt schon der Sieg in Jubel- und Dankliedern gefeiert werden kann. Die Danklieder sind aus Schriftzitaten aus dem Alten Testament zusammengesetzt.
Nun wird das Ende angekündigt. Jesus herrscht als König über die ganze Welt. Die Lade, die früher verborgen war, ist nun für alle sichtbar (19). Nun steht der Zugang zu Gott offen.
Im Kapitel 12-14, dem Kernstück des Buches, werden treibende Kräfte in der Geschichte gezeigt. Die hier vorgelegte Deutung der Geschichte geht nicht von den innerweltlichen Ursachen aus, wie es allgemein geschieht. Die Kirche muß sich in ihrer Geschichte mit Satan und seinem Treiben in der Welt auseinandersetzen. Der Ausgang dieses Kampfes ist der Sieg über Satan. Die Kirche wird befreit, wenngleich ihre Situation in der letzten Zeit aussichtslos erscheint. Am Ende wird das Lamm und sein Gefolge siegreich sein.
Die beiden Gegner (12,1-6) werden gezeigt: eine Frau von überirdischer Hoheit, das Gottesvolk - ein Drache, die gottfeindliche Macht mit unermesslicher Kraft, Satan. Die Geburt des männlichen Kindes, des messianischen Weltherrschers, konnte aber nicht verhindert werden. Der Messias wird zu Gott entrückt (Himmelfahrt). Die Frau, die Kirche, wird von Gott trotz aller Not der Drangsalszeit (1260 Tage - dreieinhalb Jahre - Zeit des Antichrist) bewahrt. Mit der Menschwerdung Jesu hat der Entscheidungskampf zwischen Gott und Satan um die Herrschaft über die Welt begonnen.
Der siegreiche Ausgang in diesem Kampf wurde schon in einem himmlischen Kampf vorgebildet. Der Erzengel Michael, der das Gottesvolk beschützt, und seine Engel besiegten Satan. Ein Hymnus besingt die Wende.
Die erste Lesung beinhaltet einen Auszug aus dem letzten Buch der Hl. Schrift, der Offenbarung (auch "Apokalypse"; genannt; griech.: apokálypsis = Enthüllung). Der Verfasser dieses Buches, der sich Johannes nennt (wahrscheinlich nicht identisch mit dem Apostel Johannes), schrieb dieses Werk gegen Ende der Regierungszeit des römischen Kaisers Domitian (ca. 81-96 n. Chr.). Der Verfasser rechnet damit, daß der Zwang zur göttlichen Verehrung des Kaisers in nächster Zukunft zu einer schweren Verfolgung der Kirche führen wird. Das Buch der Offenbarung gilt als erste selbständige christliche Apokalypse. Die Offenbarung vollzieht sich durch "Visionen" und "Auditionen", also durch das Schauen und Hören von himmlischen Botschaften.
Was für das Buch im allgemeinen gilt, lässt sich auch zu unserer Perikope sagen: Der Verfasser verwendet Bilder, Symbole und allegorische Szenen, um sein Hauptthema, den bevorstehenden Triumph der Herrschaft Gottes zu verdeutlichen. Jener endgültige Sieg Gottes, der dann auch am Schluß unseres Ausschnittes thematisiert wird (vgl. Offb 12,10ab). Allen Erwartungen nach möchte der Verfasser jedoch keine Voraussagen über den Gang der Welt- und Kirchengeschichte machen. Ebensowenig ist es seine Intention, das mit der baldigen Wiederkunft Christi verbundene Geschehen in seinem Ablauf genau zu beschreiben.
Die Perikope beginnt mit der Beschreibung, daß etwas Unerhörtes passiert. Es geschehen Dinge, die noch nie stattgefunden haben. Die geheimnisvolle Bundeslade, in der das göttliche Gesetz aufbewahrt wird und die so ein Zeugnis für die Gegenwart Gottes gibt, wird für alle sichtbar. Sonst durfte nach jüdischer Tradition nur der Hohepriester alljährlich am Versöhnungstag das Allerheiligste sehen. Dann beschreibt der Verfasser das Erscheinen von Zeichen am Himmel. Zunächst wird eine gewaltige frauliche Figur skizziert. Hier sind unterschiedliche Interpretationen möglich. Mit dem Hinweis auf die Schwangerschaft der Frau und der Geburt eines Kindes lassen sich deutliche Parallelen zu Maria und ihrem Sohn Jesus, dem Christus erkennen.
Dieses Bild könnte aber auch auf das Volk Gottes, die Kirche angewandt werden. Die zwölf Sterne stehen somit als Sinnbild für die zwölf Stämme Israels oder (wenn man dies neutestamentlich deuten möchte) für den Zwölferkreis der Apostel. Aus dieser Sichtweise sind die Geburtswehen weniger von der leiblichen Geburt des Messiaskindes zu verstehen als von den Leiden des Volkes Gottes im Verlauf seiner Geschichte.
Das Erscheinen des Drachen ist ein Bild für das Zerstörerische, Feindliche, Dämonische und Tödliche, das scheinbar vor niemanden und nichts Halt macht. Selbst das Leben des Kindes ist von der Drachengestalt bedroht. Und doch ist die Macht des Drachens begrenzt. Er kann keinen Einfluß über das Kind gewinnen, da es von Gott erhöht wird. Hier wird offensichtlich Bezug genommen auf das universale Heilsgeschehen in Jesus Christus.
Das Wüstenmotiv, welches dann noch aufscheint, erinnert deutlich an die Wüstenwanderung des Volkes Israel. Kann aber auch wieder neutestamentlich auf die Kirche bezogen werden, die sich in Verfolgungszeiten aus der Öffentlichkeit zurückziehen muß und eine Zeitspanne höchster Not und Lebensgefahr allein durch die Hilfe Gottes durchstehen kann. Der rettende Sieg durch die Macht und Herrschaft Gottes bleibt ihr jedoch für alle Zeit sicher.
Bernd Michael Pawellek