Lesung aus dem Buch der Weisheit.
Die Nacht der Befreiung wurde unseren Vätern vorher angekündigt;
denn sie sollten sich freuen
in sicherem Wissen,
welch eidlichen Zusagen sie vertrauten.
So erwartete dein Volk
die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde.
Wodurch du die Gegner straftest,
dadurch hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht.
Denn im Verborgenen
opferten die heiligen Kinder der Guten;
sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz,
dass die Heiligen
in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten,
und stimmten dabei schon im Voraus die Loblieder der Väter an.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Selig das Volk, das der Herr sich zum Erbteil erwählt hat. – Kv
Oder GL 56,1
Jubelt im Herrn, ihr Gerechten, *
den Redlichen ziemt der Lobgesang.
Selig die Nation, deren Gott der Herr ist, *
das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat. – (Kv)
Siehe, das Auge des Herrn ruht auf denen, die ihn fürchten, *
die seine Huld erwarten,
dass er ihre Seele dem Tod entreiße *
und, wenn sie hungern, sie am Leben erhalte. – (Kv)
Unsre Seele hofft auf den Herrn; *
er ist unsre Hilfe und unser Schild.
Lass deine Huld über uns walten, o Herr, *
wie wir auf dich hofften! – Kv
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Schwestern und Brüder!
Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft,
ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.
Aufgrund dieses Glaubens
haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten.
Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf,
wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte;
und er zog weg,
ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
Aufgrund des Glaubens
siedelte er im verheißenen Land wie in der Fremde
und wohnte mit Ísaak und Jakob,
den Miterben derselben Verheißung, in Zelten;
denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern,
die Gott selbst geplant und gebaut hat.
Aufgrund des Glaubens
empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft,
trotz ihres Alters noch Mutter zu werden;
denn sie hielt den für treu,
der die Verheißung gegeben hatte.
So stammen denn auch von einem einzigen Menschen,
dessen Kraft bereits erstorben war,
viele ab:
zahlreich wie die Sterne am Himmel
und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.
Im Glauben sind diese alle gestorben
und haben die Verheißungen nicht erlangt,
sondern sie nur von fern geschaut und gegrüßt
und sie haben bekannt, dass sie Fremde und Gäste auf Erden sind.
Und die, die solches sagen, geben zu erkennen,
dass sie eine Heimat suchen.
Hätten sie dabei an die Heimat gedacht,
aus der sie weggezogen waren,
so wäre ihnen Zeit geblieben zurückzukehren;
nun aber streben sie nach einer besseren Heimat,
nämlich der himmlischen.
Darum schämt sich Gott ihrer nicht,
er schämt sich nicht, ihr Gott genannt zu werden;
denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.
Aufgrund des Glaubens hat Abraham den Ísaak hingegeben,
als er auf die Probe gestellt wurde;
er gab den einzigen Sohn dahin,
er, der die Verheißungen empfangen hatte
und zu dem gesagt worden war:
Durch Ísaak wirst du Nachkommen haben.
Er war überzeugt,
dass Gott sogar die Macht hat, von den Toten zu erwecken;
darum erhielt er Ísaak auch zurück.
Das ist ein Sinnbild.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Hebräerbrief nennt keinen Verfasser. Er ist das erste Beispiel für eine christliche Lehrschrift, die sich nicht durch Nennung eines Verfassers aus der apostolischen Zeit besondere Autorität verschaffen möchte. Es ist auch kein Adressat genannt, ein Briefkopf fehlt. Lediglich die Verse am Schluss weisen auf einen Brief hin. Die Überschrift "An die Hebräer" ist ein späterer Zusatz. Der Brief wurde vermutlich zwischen 80 und 100 n. Chr. von einem hellenistischen Judenchristen geschrieben.
Das Kapitel 11 beschreibt die "Wolke der Zeugen" (Hebr 12,1). Vorbilder im Glauben werden genannt, um den Lesern und Hörern Mut zu machen, selber den Glauben zu leben und zu bezeugen. Es handelt sich um einen Paradigmenkatalog, der zur ethischen Unterweisung dienen sollte. Damit nimmt er die Stiltradition weisheitlicher Paradigmenreihen auf.
Sprachlich wird die Aufzählung durch sich wiederholende gleiche Versanfänge deutlich gemacht. "Durch den Glauben" (griech. "pistin") kommt sieben mal vor. Der Einschub Vers 13-16 ist durch einen veränderten Versanfang "voll Glauben" (griech. "kata pistin") gekennzeichnet.
Der Anfang spricht das Thema "Glaube" an. Die Definition von Glauben, die hier gegeben wird, betont eine objektive Haltung gegenüber den Glaubensfundamenten: feststehen in dem, was man erhofft. Das Subjektive, z.B. ein persönliches Überzeugtsein, wird weniger betont. Die Definition ist ganz allgemein gehalten. Ein persönliches Verhältnis zu Jesus spielt hier keine Rolle.
Die Verse 8-22 haben Abraham zum Thema. Damit nimmt er als Einzelgestalt den größten Raum in diesem Kapitel ein. Das entspricht der Bedeutung, die Abraham als Vater des Glaubens von Anfang an gehabt hat und auch heute noch hat.
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Schwestern und Brüder!
Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft,
ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.
Aufgrund dieses Glaubens
haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten.
Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf,
wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte;
und er zog weg,
ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
Aufgrund des Glaubens
siedelte er im verheißenen Land wie in der Fremde
und wohnte mit Ísaak und Jakob,
den Miterben derselben Verheißung, in Zelten;
denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern,
die Gott selbst geplant und gebaut hat.
Aufgrund des Glaubens
empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft,
trotz ihres Alters noch Mutter zu werden;
denn sie hielt den für treu,
der die Verheißung gegeben hatte.
So stammen denn auch von einem einzigen Menschen,
dessen Kraft bereits erstorben war,
viele ab:
zahlreich wie die Sterne am Himmel
und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Seid wachsam und haltet euch bereit!
Denn der Menschensohn kommt
zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Denn euer Vater hat beschlossen,
euch das Reich zu geben.
Verkauft euren Besitz
und gebt Almosen!
Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden!
Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt,
im Himmel, wo kein Dieb ihn findet
und keine Motte ihn frisst!
Denn wo euer Schatz ist,
da ist auch euer Herz.
Eure Hüften sollen gegürtet sein
und eure Lampen brennen!
Seid wie Menschen,
die auf ihren Herrn warten,
der von einer Hochzeit zurückkehrt,
damit sie ihm sogleich öffnen,
wenn er kommt und anklopft!
Selig die Knechte,
die der Herr wach findet, wenn er kommt!
Amen, ich sage euch:
Er wird sich gürten,
sie am Tisch Platz nehmen lassen
und sie der Reihe nach bedienen.
Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache
und findet sie wach – selig sind sie.
Bedenkt:
Wenn der Herr des Hauses wüsste,
in welcher Stunde der Dieb kommt,
so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.
Haltet auch ihr euch bereit!
Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde,
in der ihr es nicht erwartet.
Da sagte Petrus:
Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns
oder auch zu allen?
Der Herr antwortete:
Wer ist denn der treue und kluge Verwalter,
den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird,
damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt?
Selig der Knecht,
den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!
Wahrhaftig, ich sage euch:
Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen.
Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt:
Mein Herr verspätet sich zu kommen!
und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen,
auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen,
dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen,
an dem er es nicht erwartet,
und zu einer Stunde, die er nicht kennt;
und der Herr wird ihn in Stücke hauen
und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.
Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt,
sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt,
der wird viele Schläge bekommen.
Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen,
etwas tut, was Schläge verdient,
der wird wenig Schläge bekommen.
Wem viel gegeben wurde,
von dem wird viel zurückgefordert werden,
und wem man viel anvertraut hat,
von dem wird man umso mehr verlangen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Eure Hüften sollen gegürtet sein
und eure Lampen brennen!
Seid wie Menschen,
die auf ihren Herrn warten,
der von einer Hochzeit zurückkehrt,
damit sie ihm sogleich öffnen,
wenn er kommt und anklopft!
Selig die Knechte,
die der Herr wach findet, wenn er kommt!
Amen, ich sage euch:
Er wird sich gürten,
sie am Tisch Platz nehmen lassen
und sie der Reihe nach bedienen.
Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache
und findet sie wach – selig sind sie.
Bedenkt:
Wenn der Herr des Hauses wüsste,
in welcher Stunde der Dieb kommt,
so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.
Haltet auch ihr euch bereit!
Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde,
in der ihr es nicht erwartet.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Jeder, der Macht hat, ist versucht, diese auch für sich persönlich auszunutzen. Jesus sagt uns zwar nicht direkt etwas zum Umgang mit Sexualität. Er wird aber sehr deutlich, wenn es um den Missbrauch der Macht geht, den der Herr seinen "Knechten" gegeben hat.
Die Missbrauchskrise der Kirche ist noch lange nicht überwunden. Es hat viele Jahre gebraucht, bis Missbrauchsopfer ausreichend Gehör gefunden haben. Persönliche Scham hat sie gehindert, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Und dann hat man ihnen allzu oft nicht geglaubt. Erst nach und nach sind die Mechanismen der persönlichen und der gesellschaftlichen Verdrängung größeren Kreisen bewusst geworden. Es zeigte sich dabei viel Entrüstung und zugleich wenig Fähigkeit, sich mit dem ganzen Fragenkomplex kompetent auseinanderzusetzen.
Ein Problem war und ist, dass Missbrauch nicht gleich Missbrauch ist, aber oft alles in 1 Topf geworfen wird.
Als ich in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Grundschule besuchte, waren körperliche Strafen durchaus üblich. Kaum einer wagte es, den Eltern zu erzählen, wenn jemand eine Ohrfeige ausfasste oder sonst geschlagen wurde. Die meisten haben befürchtet, von den Eltern nochmals bestraft zu werden, wenn der Anlass zur Sprache kam. Da schwieg man lieber.
Sexualität war weitgehend tabu. Kaum einer konnte darüber reden; schon gar nicht mit den Eltern. Die Kirche erschwerte den Umgang mit und das Reden über Sexualität, indem sie alles Denken, Reden und Tun über alles, was das 6. Gebot betraf, als schwere Sünde deklarierte.
Eine weitere Ebene war der Missbrauch der Spiritualität. Die Kirche beanspruchte lange Zeit das Monopol, als einzige Instanz die Wahrheit in spirituellen Fragen zu vertreten. Durch ihre Beichtpraxis übte sie zudem eine spirituelle Herrschaft aus, die heute von den meisten Christen abgelehnt wird. Dieser Missbrauch der spirituellen Macht ist meines Erachtens der Hauptgrund dafür, dass heute so viele Menschen von der Kirche nichts mehr wissen wollen.
Wie soll man unter solchen Voraussetzungen über diese Probleme reden? Noch heute tun sich viele Menschen schwer damit, sich zu heiklen Themen zu äußern. Und wenn dann alle Themen über einen Kamm geschoren werden, breitet sich Unbehagen aus. Wir müssen erst lernen, über Fragen der Autorität, der Sexualität und der Spiritualität zu reden, die Erfahrungen jedes Einzelnen anzuhören und ernst zu nehmen. Erst dann können wir ausloten, wo Missbrauch beginnt, wo rote Linien überschritten werden und Regeln finden, wie wir damit gut umgehen können.
Über Sexualität sagt Jesus kaum etwas. Das war nicht sein Thema. Auch damals schien dieses Thema ein Tabu gewesen zu sein. Wohl aber äußert er sich über das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Er weist zurück, dass Männer Frauen als ihren Besitz betrachten und über sie herrschen. Er nimmt sich der Kinder an und spricht ihnen das Himmelreich zu. Damals haben Kinder wenig gegolten, solange sie nicht erwachsen waren. Wehe denen, die den Kleinen und Unmündigen etwas zuleide tun.
Im Evangelium mahnt uns Jesus zur Wachsamkeit in so allgemeiner Form, dass man versucht ist, schnell zu anderen, konkreteren Themen weiterzugehen. Über Wachsamkeit könnte man lange schön reden. Die Rückfrage des Petrus, für wen all das gelte, lässt Jesus konkreter werden: Es geht alle an, betrifft aber besonders jene, die in der Gemeinschaft Verantwortung tragen. Er ruft der ganzen Kirche in Erinnerung: Das ihr anvertraute "Haus" mit allem, was dazu gehört, gehört nicht den "Knechten". Die Vollmacht der "Oberknechte" ist nur eine geliehene. Sie müssen dem Herrn Rechenschaft ablegen, wenn er zurückkehrt. Auch eine von Gott verliehene Vollmacht berechtigt nicht zu absolutistischer Machtausübung.
Kirchliche Machtausübung hat immer im Dienst der betroffenen Menschen zu stehen. Ihnen zu geben, was sie brauchen, ist Aufgabe der "Knechte". Die Not der Opfer schreit zum Himmel und darf nicht kleingeredet werden. Die Frage, wie den Opfern sexuellen Missbrauchs geholfen werden kann und wie sexueller Missbrauch in Zukunft verhindert werden kann, hat höchste Priorität.
Darüber hinaus muss aber auch der Umgang mit organisatorischer wie auch spiritueller Macht durch Kirchenfunktionäre aufmerksam verfolgt werden. Dazu braucht es die kritische Aufmerksamkeit aller. Seit einigen Jahren werden in vielen Diözesen kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geschult, dass sie selbst verfänglich Situationen meiden, aber auch Vorgänge innerhalb der Gemeinden und kirchlichen Organisationen kritisch beobachten und möglichen Missbrauch verhindern, indem sie mit zuständigen Personen darüber reden.
Jesus fordert die Jünger und Jüngerinnen auf, wachsam zu sein. Das kostbare Gut, das uns der Herr anvertraut hat, ist mehr als eine Institution, die glanzvoll zu halten ist. Es ist seine Sorge um das Wohl aller Menschen. Sie im Auge zu behalten, ist unser aller Auftrag.
Ein Leben nach dem Evangelium scheint oft dem "wirklichen Leben" entgegenzustehen. Der Glaube bewahrheitet sich jedoch als das feste Fundament unseres Lebens. Er ermöglich uns, wach und bereit sein, prophetisch und zupackend, furchtlos und liebend zu sein.
Wenn ich die Lesung und das heutige Evangelium in wenigen Worten zusammenfassen sollte, dann würde ich diese wählen: hoffen und erwarten, feststehen und überzeugt sein, nicht fürchten und beherzt sein, wach und bereit sein. Eigenschaften und Tugenden, die uns mit der christlichen Muttermilch eingeflößt und anerzogen wurden. Aber haben wir sie uns wirklich angeeignet? Sind es nicht viel eher Tugenden und Eigenschaften, die unserem Denken und Fühlen entgegengesetzt sind, gegen die wir uns innerlich aufbäumen und gegen die unser gesunder Menschenverstand rebelliert? Schon bei dem ersten Wortpaar: hoffen und erwarten, sagt uns ein Sprichwort: "Hoffen und Harren macht manchen zum Narren" und ist es nicht auch die Hoffnung, die zuletzt stirbt?
Genau hier liegt der Knackpunkt: - Unsere Erfahrungen und unser Denken sind geprägt von der Diktatur der Fakten, sind geprägt von einer Wirklichkeit, die in ihrer unbarmherzigen Brutalität selbst die Hoffnung in den Tod zu treiben scheint. Ein Narr, wer sich dieser Wirklichkeit in den Weg zu stellen wagt. Blind übernehmen wir diese Aussage, weil sie ja durch unsere eigenen Erfahrungen gedeckt scheint und spiegeln sie millionenfach in diese Welt zurück: wenn Jugendliche auf die Straße gehen, um von ihren Erwartungen und Hoffnungen zu sprechen, von ihrer Zukunft, wenn Menschen sich für den Frieden engagieren, wenn Kranke an der Hoffnung auf Heilung festhalten. Wirklich alles nur Narren?
Auch das zweite Wortpaar: feststehen und überzeugt sein, widerspricht so ganz unseren alltäglichen Erfahrungen. Ist es doch das weiche Holz, das sich im Wind bewegt, während das feste, gebrochen wird. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind heute die geforderten Attribute in Wirtschaft, Gesellschaft und nicht zuletzt auch häufig in Kirche. Menschen, die diesen Attributen nicht entsprechen gelten schnell als Querulanten und werden als unverbesserliche Betonköpfe an die Seite geschoben.
Auch dem dritten Wortpaar ergeht es nicht besser: nicht fürchten und beherzt sein. Denken wir nur an das Jahr der Willkommenskultur, Tausende von Freiwilligen gingen furchtlos und beherzt auf die Flüchtlinge, die in unser Land kamen, zu, versuchten, sie wirklich willkommen zu heißen, ihnen zu helfen und sie zu begleiten. Heute werden sie als Gutmenschen und Idealisten abgetan, die die Realität nicht sehen wollten. Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Angst. Und Angst ist zum Mittel der Politik geworden. Nicht nur ein Herr Trump baut Mauern der Angst, auch in Europa sind ca. 1000 km Mauern gebaut worden, nicht weil sie uns schützen, sondern weil sie sichtbar beweisen, dass unsere Politiker etwas tun.
Auch unserem letzten Wortpaar: wach und bereit, geht es nicht anders. Schon der römische Kaiser entdeckte, dass es sich mit Panem et Circensis, mit Brot und Spielen besser regieren lässt. Und das ist bis heute so geblieben, die Unterhaltungsindustrie boomt, glücklich und abhängig, das sind die besten Kunden.
Jetzt wäre eigentlich der Punkt gekommen, an dem wir unseren Glauben an den Nagel hängen könnten. Doch genau darum geht es der frohmachenden und befreienden Botschaft Jesu. Wir sollen darauf hoffen und vertrauen, dass es diesen Nagel, an welchem unser Glaube hängt, wirklich gibt und dass er das tragende Fundament ist, auf dem die scheinbar so erdrückenden Fakten unserer Wirklichkeit nur kleine Ziegelsteine sind, die sich dem großen Bauplan unterzuordnen haben. Von diesem Bauplan aber heißt es: „Euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben“, oder wie es im Brief an die Hebräer heißt, Euch zu „Miterben der Verheißung“ zu machen. Und hier taucht auch schon das Bild mit dem Fundament auf: „Denn wir erwarten die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat.“
Auf diesem Fundament, auf diesem Hintergrund bekommen unsere Wortpaare eine ganz andere Bedeutung und ich beginne zu ahnen, welche Herausforderungen da auf mich zukommen, wenn ich mich auf die Nachfolge Jesu einlasse. „Glauben ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht.“
Jetzt verstehe die Worte Jesu am Tempel: „Kein Stein wird auf dem anderen bleiben“. Der Tempel ist das Bild der scheinbar unwandelbaren und erdrückenden Wirklichkeit, Jesus schaut aber nicht auf Wirklichkeit, sondern auf die Möglichkeiten, die sich dahinter verbergen. Er schaut nicht auf die Krankheit, sondern auf die Möglichkeiten des Lebens, er schaut nicht auf das Gesetz und das System der Angst, sondern auf die Möglichkeiten der Liebe, er schaut nicht auf das Kreuz, sondern auf die Möglichkeiten des Reich Gottes, auf die Möglichkeiten des Vaters.
Darum sollen wir wach und bereit sein, prophetisch und zupackend, furchtlos und liebend, voll der Hoffnung und Erwartung. „Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“ Zögern wir nicht länger, nehmen wir freudig dieses Erbe an, auch wenn wir dadurch in den Augen der Welt, zu Narren der Hoffnung werden.
Die Rede Jesu von der kleinen Herde kommt zwiespältig an. Einerseits schmeckt sie nach Rückzug oder Abbau. Andererseits enthält sie eine große Hoffnung. Weil Gott mit ihr ist, hat sie ein große Zukunft.
Im Evangelium dieses Sonntags hat der Evangelist offenbar Jesusworte zusammengetragen, die zur Wachsamkeit mahnen. Angesichts der Tatsache, dass sich die Naherwartung des Wiederkommens Jesu nicht erfüllt, kämpft Lukas gegen den Schlendrian, der in die jungen Gemeinden einzureißen droht. Die Mahnung gilt auch uns heute noch.
An Gott glauben heißt, sich in allen Lebenslagen auf Gott verlassen. Das Wissen um das Wirken Gottes lässt uns ruhig und gelassen sein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir tun und lassen können, was uns beliebt. Wir müssen unser Tun und unsere Lebenswiese vor Gott verantworten. Er wird von uns Rechenschaft darüber verlangen, was wir aus den uns anvertrauten Gütern gemacht haben.
Am Beginn des Gottesdienstes treten wir vor den Herrn hin und preisen seine Größe und sein Erbarmen.
Herr, Jesus Christus,
du hast die Menschen ermutigt,
sich ganz dem Wohlwollen des Vaters im Himmel anzuvertrauen.
Herr, erbarme dich.
Du mahnst uns zu achtsamem Umgang mit den uns anvertrauten Menschen und Gütern.
Christus, erbarme dich.
Wenn du wiederkommst, werden wir Rechenschaft darüber ablegen müssen, wie wir mit der Schöpfung und den Mitmenschen umgegangen sind.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes Statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, daß wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
Du hast uns geschaffen - doch wir kennen dich kaum.
Du liebst uns - und doch bist du uns fremd.
Offenbare dich deiner Gemeinde.
Zeige uns dein Gesicht.
Sag uns, wer du bist und was du für uns bedeutest.
Lehre uns dich erkennen, dich verstehen, dich lieben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.
MB Auswahl 2
Guter Gott,
du hast uns als Verwalter der Schöpfung eingesetzt
und berufen, sie nach deinem Willen zu gestalten.
Wir bitten dich, dass die Mächtigen in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ihre Macht zum Wohl der ihnen anvertrauten Menschen einsetzen.
Wir bitten dich, dass alle, die sich durch Missbrauch ihrer staatlichen Macht bereichert oder Vorteile verschafft haben, zur Verantwortung gezogen werden.
Wir bitten dich für alle, die durch den Missbrauch kirchlicher Macht körperlichen oder seelischen Schaden erlitten haben, rehabilitiert und entschädigt werden.
Wir bitten dich, dass alle, sie sich durch Missbrauch ihnen verliehener Macht schuldig gemacht haben, Vergebung finden.
Wir bitten dich, dass unsere verstorbenen Freunde, Verwandten und Seelsorger bei dir Frieden und Gerechtigkeit erfahren.
Du, Vater, hast beschlossen, uns dein Reich zu geben.
Dir sei Lob und Dank dafür. - Amen.
Gott, unser Vater!
Unser Glaube ist dein Geschenk an uns. Durch ihn dürfen wir auf dich und deine Verheißungen hoffen.
Dich bitten wir:
In deine Kirche berufen zu sein, bedeutet sich in Dienst nehmen zu lassen und Verantwortung für sie zu übernehmen.
Hilf uns, aus dem Glauben an dich als deine Jüngerinnen und Jünger zu leben.
Durch die Botschaft des Evangeliums verstehen wir, dass du allen Menschen dieser Erde ein gutes Leben in Freiheit und Frieden zugedacht hast.
Bewahre die Welt vor den Folgen der erneut einsetzenden atomaren Aufrüstung.
Mit einem wachsamen Geist verfolgt die junge Generation die Gefahren des Klimawandels und der Erderwärmung.
Hilf uns, im persönlichen Leben und auf weltweiter Ebene mit ihnen und für sie effektive Maßnahmen zum Schutz unseres Planeten umzusetzen.
Du versprichst uns kein einfaches und unkompliziertes Leben.
Hilf uns, im Glauben an deine Nähe und Vorsehung Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus deiner Hand anzunehmen.
Keiner ist Herr seines Lebens.
Hilf uns in Wachsamkeit die endgültige Begegnung mit dir am Ende unseres Lebens zu erwarten.
In den schwachen Stunden unseres Lebens sagst du uns deine Stärke zu.
Dir vertrauen wir, auf dich hoffen wir und an deine Liebe glauben wir.
Dir sei Dank jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
wir zweifeln wir oft an deiner Gegenwart
weil wir dich nicht sehen können.
Zeige, dass du da bist, und höre auf unsere Bitten:
Wir bitten für alle Menschen, die auf der Flucht sind
vor Krieg, vor Hunger, vor Ungerechtigkeit...
Lass sie Menschen finden, die sie aufnehmen.
Wir bitten für alle Menschen, die auf der Suche sind
nach Arbeit, ausreichendem Einkommen, nach stabilen Beziehungen...
Lass sie finden, was sie zum Leben nötig haben.
Wir bitten für alle Menschen, die in Angst vor einer ungewissen Zukunft leben;
die konfrontiert sind mit einer unheilbarten Krankheit,
mit den Folgen eines Unfalles, enttäuschten Hoffnungen.
Lass sie Halt finden in der Beziehung zu dir.
Wir bitten für alle Frauen und Männer, die in der Kirche Verantwortung tragen.
Behüte sie vor dem Missbrauch ihrer Macht
und befähige sie zu selbstlosem Dienst an den Schwestern und Brüdern.
Wir bitten dich für alle, deren Leben in dieser Welt zu Ende gegangen ist.
Enttäusche nicht ihre Hoffnungen, die sie auf dich gesetzt haben.
Herr, wir danken dir, dass du uns nicht vergeblich warten lässt.
Stärke unseren Glauben. – Amen.
Herr, unser Gott,
wir bringen die Gaben zum Altar,
die du selber uns geschenkt hast.
Nimm sie von deiner Kirche entgegen
und mache sie für uns zum Sakrament des Heiles.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
(für Wortgottesdienstfeiern):
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade.
(GL 56,1)
Oder :
Alle Enden der Erde schauen Gottes heil.
(GL Ö800)
Großer und erhabener Gott.
Wir preisen dich, weil du uns immer nahe bist,
unsere Sorgen, Nöte und Ängste kennst
und uns gibst, was wir zum Leben brauchen.
Kehrvers
In Jesus, deinem Sohn bist du uns auf unüberbietbare Weise nahe gekommen.
In ihm haben sich die Verheißungen der Propheten erfüllt.
Durch ihn haben wir deine väterliche Liebe und Fürsorge schätzen gelernt.
Kehrvers
Sein Erbe hat seinen Jüngern anvertraut
und ihnen die Sorge für dein Volk übergeben.
Er hat jene selig gepriesen,
die er bei seinem Wiederkommen wachend antreffen wird.
Kehrvers
Wachend und betend warten wir auf sein Kommen.
Wir werden nicht müde, die Größe deiner Liebe zu rühmen
und wir singen mit der ganzen Schöpfung dein Lob.
Danklied, z. B. GL 551: Nun singt ein neues Lieb dem Herren (3. Str.)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn in seinem ersten Kommen
hat er sich entäußert
und ist Mensch geworden.
So hat er die alte Verheißung erfüllt
und den Weg des Heiles erschlossen.
Wenn er wiederkommt
im Glanz seiner Herrlichkeit,
werden wir sichtbar empfangen,
was wir jetzt mit wachem Herzen gläubig erwarten.
Darum preisen wir dich
mit allen Engeln und Heiligen
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 1
Du liebevoller Gott:
Sei über uns und segne uns,
sei unter uns und trage uns,
sei neben uns und stärke uns,
sei hinter uns und schütze uns,
sei vor uns und führe uns.
Sei du die Freude, die uns belebt,
sei du die Ruhe, die uns erfüllt,
sei du das Vertrauen, das uns hält,
sei du der Mut, der uns beflügelt.
Sei du der Glaube, der uns trägt,
sei du die Hoffnung, die uns leuchtet,
sei du die Liebe, die uns antreibt,
sei du das Ziel, das uns erwartet.
Barmherziger Gott,
wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Das heilige Sakrament bringe uns Heil,
es erhalte uns in der Wahrheit
und sei unser Licht in der Finsternis.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
„Als ich jung war“: Unwillkürlich stellen sich bei der Lektüre von Norbert Gstreins Roman Verdächtigungen gegen männliche Figuren ein. Subtil entrollt er, wie eng die Kategorien Geschlecht, Sexualität und Machtmissbrauch verbunden sein können.
Ganzer Beitrag:
https://diepresse.com/home/spectrum/literatur/5662267
Johanna Öttl in der Tageszeitung "Die Presse" am 19.7.2019
Papst Franziskus legt eine ersehnte Reform vor. Geregelt wird das Verfahren gegen Bischöfe, die selbst Täter sind und Täter durch Vertuschen decken. Der Fall Groër wäre heute anders gelaufen.
Ganzer Beitrag:
https://diepresse.com/home/panorama/religion/5625556
Dietmar Neuwirth in der Tageszeitung "Die Presse" am 9.5.2019
Eine zweistündige Dokumentation über sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Priester erschüttert die mächtige katholische Kirche und könnte politische Folgen haben.
Ganzer Beitrag:
https://diepresse.com/home/ausland/welt/5629517
Burkhard Bischof in der Tageszeitung "Die Presse" am 9.5.2019

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Die vorliegende Perikope ist dem dritten Teil des Buches entnommen, in dem an die Geschichte Israels, speziell an den Exodus erinnert wird. Bedrängnisse in der Vergangenheit, die bestanden werden konnten, können in der Not der Gegenwart trösten. Die Erinnerung an die Befreiung aus Not und Elend kann auch in der Gegenwart Hoffnung schenken. Eine Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart schafft zudem unter den Zuhörern eine Identität. Sie stärkt den Glauben an Gott, der der Herr über alle und alles ist.
Im Text ist das Stilmittel der "Synkrisis" (Vergleich) verwendet worden, das in der griechischen Literatur bekannt ist. Den Plagen an den Ägyptern werden die Wohltaten am Volk Israel gegenübergestellt.
Mit "der Nacht der Befreiung" wird an den Exodus erinnert. Interessant an der Schilderung des Paschamahles ist die Bemerkung, dass Loblieder gesungen wurden. Lieder und Hymnen werden in der Exodus-Erzählung selber nicht erwähnt. Es handelt sich wohl um einen späteren liturgischen Brauch, der dann in die Vergangenheit zurückverlegt wurde. Dieser Brauch wird auch an anderen Stellen der Hl. Schrift erwähnt.
Das Buch ist im Kontext des Neuen Testament vor allem von Paulus gelesen und verwendet worden. Die vorliegende Perikope gehört zum dritten Teil des Buches, der als ein großes Gebet gestaltet ist. Dort findet sich in sieben gegenüber stellenden Darstellungen (11,5 - 19,27) das strafende und rettende Eingreifen Gottes in die Geschichte seine Volkes.