Lesung aus dem Buch Sacharia.
So spricht der Herr:
Juble laut, Tochter Zion!
Jauchze, Tochter Jerusalem!
Siehe, dein König kommt zu dir.
Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil,
demütig ist er und reitet auf einem Esel,
ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.
Ausmerzen werde ich die Streitwagen aus Éfraim
und die Rosse aus Jerusalem,
ausgemerzt wird der Kriegsbogen.
Er wird den Nationen Frieden verkünden;
und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer
und vom Strom bis an die Enden der Erde.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Ich will dich erheben, meinen Gott und König. – Kv
Oder: Halleluja.
GL 649, 5
Ich will dich erheben, meinen Gott und König, *
ich will deinen Namen preisen auf immer und ewig.
Jeden Tag will ich dich preisen *
und deinen Namen loben auf immer und ewig. – (Kv)
Der Herr ist gnädig und barmherzig, *
langmütig und reich an Huld.
Der Herr ist gut zu allen, *
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. – (Kv)
Danken sollen dir, Herr, all deine Werke, *
deine Frommen sollen dich preisen.
Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, *
von deiner Macht sollen sie sprechen. – (Kv)
Treu ist der Herr in seinen Reden, *
und heilig in all seinen Werken.
Der Herr stützt alle, die fallen, *
er richtet alle auf, die gebeugt sind. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Ihr seid nicht vom Fleisch,
sondern vom Geist bestimmt,
da ja der Geist Gottes in euch wohnt.
Wer aber den Geist Christi nicht hat,
der gehört nicht zu ihm.
Wenn aber der Geist dessen in euch wohnt,
der Jesus von den Toten auferweckt hat,
dann wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat,
auch eure sterblichen Leiber lebendig machen,
durch seinen Geist, der in euch wohnt.
Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder und Schwestern,
sodass wir nach dem Fleisch leben müssten.
Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt,
müsst ihr sterben;
wenn ihr aber
durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet,
werdet ihr leben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Brief an die Römer beschreibt im achten Kapitel das Leben im Geist Gottes.
Gott hat uns mit der Rechtfertigung Gaben geschenkt, die uns den Vollbesitz des Heiles sichern wollen (1-39). Wir haben den Heiligen Geist (1-11) und die Kindschaft Gottes (12-17) empfangen. Gottes Geist ist lebendig und wirkt in allen, die zu Christus gehören. Er gibt uns Kraft in der ständigen Auseinandersetzung zwischen Fleisch (Schwäche des der Sündenherrschaft verfallenen Menschen) und Geist (Gottes Kraft, die uns die Liebe gibt). Er versichert uns die Auferweckung des Leibes und lässt uns zu Gott "Abba" sagen. Er gibt uns Anteil an der Herrlichkeit Christi.
Paulus ist ein Leben in der Gegenwart Christi ein großes Anliegen der Verkündigung. Hat Gott Raum im Herzen seiner Gläubigen? Diese Frage bestimmt die Lesung aus dem Römerbrief. Sie ist Teil der Einheit zwischen Röm 8,1 - 8,17.
Wenn Gott keinen Raum hat, dann kann nicht gut werden, was der Mensch plant. Wenn Gott Raum hat und sich dies im Heiligen Geist zeigt, dann sollen die Früchte des Geistes zu spüren sein.
Geistempfang war für Paulus der Abschluss der Einführung in die Gemeinde. Zuvor stand die Taufe als öffentlichem Bekenntnis zu Christus. In der Erfahrung des Geistes gab Gott noch einmal sein Ja zur Tauferfahrung.
Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Jetzt also gibt es keine Verurteilung mehr für die,
welche in Christus Jesus sind.
Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens
in Christus Jesus
hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.
Denn weil das Gesetz,
ohnmächtig durch das Fleisch,
nichts vermochte,
sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches,
das unter der Macht der Sünde steht, wegen der Sünde,
um die Sünde im Fleisch zu verurteilen;
dies tat er,
damit die Forderung des Gesetzes durch uns erfüllt werde,
die wir nicht nach dem Fleisch,
sondern nach dem Geist leben.
Denn diejenigen, die vom Fleisch bestimmt sind,
trachten nach dem, was dem Fleisch entspricht,
die aber vom Geist bestimmt sind,
nach dem, was dem Geist entspricht.
Denn das Trachten des Fleisches führt zum Tod,
das Trachten des Geistes aber zu Leben und Frieden.
Denn das Trachten des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott;
es unterwirft sich nämlich nicht dem Gesetz Gottes
und kann es auch nicht.
Wer aber vom Fleisch bestimmt ist,
kann Gott nicht gefallen.
Ihr seid nicht vom Fleisch,
sondern vom Geist bestimmt,
da ja der Geist Gottes in euch wohnt.
Wer aber den Geist Christi nicht hat,
der gehört nicht zu ihm.
Wenn aber der Geist dessen in euch wohnt,
der Jesus von den Toten auferweckt hat,
dann wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat,
auch eure sterblichen Leiber lebendig machen,
durch seinen Geist, der in euch wohnt.
Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder und Schwestern,
sodass wir nach dem Fleisch leben müssten.
Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt,
müsst ihr sterben;
wenn ihr aber
durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet,
werdet ihr leben.
Denn die sich vom Geist Gottes leiten lassen,
sind Kinder Gottes.
Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen,
sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet,
ondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen,
in dem wir rufen: Abba, Vater!
Der Geist selber bezeugt unserem Geist,
dass wir Kinder Gottes sind.
Sind wir aber Kinder, dann auch Erben;
Erben Gottes und Miterben Christi,
wenn wir mit ihm leiden,
um mit ihm auch verherrlicht zu werden.
Halleluja. Halleluja.
Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde;
du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach Jesus:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen
und es den Unmündigen offenbart hast.
Ja, Vater,
so hat es dir gefallen.
Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden;
niemand kennt den Sohn,
nur der Vater,
und niemand kennt den Vater,
nur der Sohn
und der, dem es der Sohn offenbaren will.
Kommt alle zu mir,
die ihr mühselig und beladen seid!
Ich will euch erquicken.
Nehmt mein Joch auf euch
und lernt von mir;
denn ich bin gütig und von Herzen demütig;
und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.
Denn mein Joch ist sanft
und meine Last ist leicht.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die meisten Wunder Jesu ereigneten sich in dem kleinen Gebiet am Nordufer des Sees Genezareth um Kapernaum, Chorazin und Bethsaida. Die Bewohner dieser Gegend zeigten trotzdem nur sehr wenig Interesse an Jesus. Darum trifft sie die Drohrede Jesu unvermeidlich.
Aber nicht alle versagen Jesus den Glauben. Die "Unmündigen" (nicht die Kinder, sondern die einfachen, kleinen Leute, die nicht viel gelten, aber ihr Vertrauen auf Gott setzen), nehmen die Offenbarung Gottes an. Die Worte Jesu enthalten zuerst dankenden Lobpreis (25.26), dann Selbstoffenbarung (27): Jesus ist der Menschensohn, dem alles übergeben ist und Gottes Sohn, der in einzigartiger Gemeinschaft mit seinem Vater lebt. Für die einfachen Menschen gilt seine Einladung. Ihnen, die ihre Lasten kaum mehr tragen können, gibt er Kraft, sodass sie nicht überfordert werden.
Es sind drei Abschnitte in diesem Sonntagsevangelium zusammengefasst. Zum einen ist der Dank Jesu an den Vater in den Versen 25 - 27, dann die Einladung Jesu zur Ruhe in ihm und schließlich seine Aufforderung, sein Joch aufzunehmen.
Im ersten Teil ist Gott der Ansprechpartner, im zweiten alle Glaubenden und im dritten die Jünger Jesu.
Das heutige Evangelium hat in der Kirchengeschichte eine große Rolle gespielt. Am Vers 27 entschied sich die Frage, ob Jesus wahrer Gott und Mensch ist oder nicht. Wenn der Vater das Reich übergeben hat, ist dies dann ein Hinweis darauf, dass Jesus nicht von Anfang an als Sohn bei Gott war und daher seine Gottheit in Frage steht?
Es tut uns manchmal gut, wenn wir in den Arm genommen werden und uns jemand sein Mitgefühl spüren lässt. Gott lässt uns wissen, dass er uns nahe ist und mit uns fühlt. Durch Menschen, die uns das Heil Gottes spüren lassen, können wir dies auch spüren. Dies die Menschen erfahren zu lassen, ist auch unser Auftrag.
Wenn es uns schlecht geht, freuen wir uns, wenn da jemand ist, der uns in den Arm nimmt oder auf welche Weise auch immer sein Mitgefühl deutlich macht. In der letzten Zeit der Pandemie durften wir das verstärkt spüren, wie Menschen ausdrückten, dass ihnen die Not ihrer Nachbarn nicht egal ist. Überall gab es breite Wellen der Solidarität mit Menschen in den verschiedensten Lebenslagen. Und diese Solidarität funktionierte selbst dann, wenn sich die Menschen nicht richtig begegnen konnten, nur auf Abstand. Ein Sprichwort sagt: “Geteiltes Leid ist halbes Leid”, und dafür muss man nicht einmal im selben Raum sein.
Unser Gott macht es genauso. Selbst wenn wir seine Gegenwart nicht sehen oder anfassen können, ist er da und lebt Solidarität mit seiner Schöpfung. So hörten wir es einmal mehr heute im Evangelium. Jesus wendet sich zunächst wie jeder Beter an Gott den Vater und tut dies ganz und gar in der Tradition der jüdischen Spiritualität, wie es im jüdischen Synagogengebet oder Privatgebet üblich war. Dann aber wechselt Jesus die Perspektive. Aus dem Gegenüber eines Beters wird der Sohn Gottes, eine einzige Gottheit mit Gott dem Vater: "Niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn." Und Jesus macht seiner Zuhörerschaft deutlich: Alles Heil, was ihr durch mich erfahren habt, vielleicht sogar am eigenen Körper, ist Heil Gottes.
Die Solidarität mit dem leidenden Menschen, die Jesus zu allen Zeiten seines Wirkens an den Tag gelegt hat, ist mehr als zwischenmenschliches Mitgefühl oder Empathie - es ist die Solidarität Gottes mit seiner Schöpfung. Wenn Gott den Weg von uns Menschen mitgeht, dann heißt das nicht, dass das Leben völlig easy, so ganz einfach daherkommen wird. Wäre das das Versprechen Gottes, wäre das Leiden und Sterben des Gottessohnes völlig sinnlos gewesen. Nein, wenn Gott mit uns Menschen durchs Leben geht, dann ist sein Versprechen, dass hinter allem Schwerem, hinter allem unabwendbaren, aber auch hinter allem sinnlosen Leiden noch mehr steht. Gott wendet sich in Jesus Christus in Demut und Liebe dem Menschen zu und macht uns deutlich: Du schaffst das, du kannst das Leben bestehen! Da ist einer, der das vorgemacht, der das schwerste Joch des Lebens auf sich genommen hat: den freiwilligen Tod.
Aber das war nicht alles, denn Gott will nicht den Untergang des Menschen, sondern sein Leben in Fülle. Darum ist Jesus von den Toten auferstanden und nimmt uns auf diesen Weg mit. Paulus fasst das in eine seiner Kurzformeln des Glaubens, die wir heute in der Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Rom gehört haben: "Wenn aber der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt". Wenn Gott also den Weg von uns Menschen mitgeht, dann tut er das nicht als fixe Idee, sondern ganz real - in der Person des Sohnes, der noch immer wieder unter uns weilt unter den Gestalten von Brot und Wein.
Gott verspricht nicht das Paradies auf Erden, wenn wir mit ihm sind und er mit uns. Das wäre auch widersinnig, ist doch die Schöpfung mit allem darin gezeichnet von menschlicher Begrenztheit und menschlicher Unzulänglichkeit. So können wir das Paradies auf Erden weder erhoffen noch darauf warten. Stattdessen aber sind wir eingeladen und aufgerufen, alles daran zu setzen, dass diese Erde einen Vorgeschmack des Paradieses bietet - nicht ganz generell, das wird kaum klappen, aber immer wieder punktuell, und dafür deutlich. Jede und jeder, der in Gottes Schöpfung ist, soll sich dafür einsetzen, soll dieses Joch auf sich nehmen und mitmachen.
Das beginnt ja bekanntlich im ganz Kleinen - die Zeit der Pandemie hat uns das gelehrt, an wievielen Stellen man sich den Nächsten zuwenden kann, um Heil Gottes spürbar werden zu lassen. Und diese Handeln für eine Schöpfung, in der Gottes Geist wirklich spürbar ist, kann schließlich zu einer Lebenshaltung werden. Was immer jede und jeder sich letztendlich vornimmt: Es ist oftmals Denken, Reden und Handeln, das im besten Sinn des Wortes alternativ ist, weil es nur zu oft gegen das geht, was die Mehrheit macht. Genau das hilft, dieser Erde Züge des Himmels zu verleihen.
Wenn wir so am Himmel auf Erden mitmachen, können wir sicher sein, dass Gott mit uns ist. Er ist dann nicht ein fremder Gott, ein Gott, der Opfer annimmt und sich dann wieder aus dem Leben seiner Schöpfung zurückzieht. Nein, er ist und bleibt Gott-mit-uns, auch dann wenn es schwierig wird.
Die Frage ist: Können wir das glauben, können wir das annehmen? Hat das eine existentielle Bedeutung für unser Leben? Für unser Leben aus dem Glauben? Oder hören wir die Worte hier in der Kirche an, messen ihnen keine Bedeutung zu und halten uns nach dem Gottesdienst lieber an Äußerlichkeiten auf, die wir in der Kirche erlebt haben. - Schauen wir hin: Wer wie der Ochse auf dem Feld ein Joch auf sich nehmen will, muss zu allererst eines machen: still stehen und den Kopf beugen. Und wer das leichte Joch Jesu auf sich nehmen will, braucht neben der Haltung der Demut auch noch die Haltung der Sanftmut, wie der protestantische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer darauf verwiesen hat. Das gilt für jeden und jede, der diese Worte der Heiligen Schrift in der Kirche hier hört, aber das gilt natürlich ganz genauso auch für jeden, der diese Worte der Heiligen Schrift verkündet.
Das Evangelium dieses Sonntags ist ein Versprechen: Mit Gott an unserer Seite können wir das Leben wagen, das er mit uns geht. Aber dieses Evangelium ist auch ein Aufruf: Weil der Gott Jesu Christi an unserer Seite ist, sollen wir dieses Leben wagen.
Wo Menschen sich unter die Herrschaft der Tora, bzw. des Messias stellen blüht die Hoffnung auf neue Herrschaftsverhältnisse in der Gesellschaft. Sie kann neue Formen des Zusammenlebens hervorbringen. - Herrschaft ohne Herrschaft nach Bildern von Sacharja 9,9-10 und Matthäus 11,25-30.
Die Seligpreisung Jesu der "Unmündigen" und seine Rede vom Joch, das nicht drückt sind zu verstehen vor seinen Auseinandersetzungen mit den Weisen und Klugen, die ihn und seine Botschaft ablehnen. Wer wie er in Einklang mit Gott ist, wird die Last der Liebe tragen können und Ruhe finden.
Jesus stellt mit seiner Seligpreisung der Unmündigen die Welt auf den Kopf. Er entlarvt die Weisen und Klugen als Besserwisser und lädt alle, die Lasten zu tragen haben, in sein neues Gottesverhältnis einzureten. Darin werden sie Ruhe finden.
Jeder hat Lasten zu tragen. Sie können sehr unterschiedlich sein. Was bedeutet es vor diesem Hintergrund, wenn Jesus einlädt: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“? Inwiefern werden unsere Lebenslasten leichter?
Für das heutige Evangelium habe ich den Text der neuen Luther-Übersetzung gewählt. Das gehört sich ja auch so in diesem Lutherjahr und kurz nach dem Evangelischen Kirchentag. Ich kann nur allen empfehlen, sich diese neue Lutherübersetzungen einmal anzuschauen mit ihren kraftvollen Ausdrücken, die Luther manchmal sehr frei formuliert hat, weil der den Leuten aufs Maul geschaut hat. Viele sind längst zu Sprichwörtern geworden, wie etwa „Der Mensch denkt – Gott lenkt“. Manche dieser Übersetzungen sind heute auch unverständlich oder bringen uns einfach zum Lachen. So habe ich losgebrüllt, als ich neulich den Psalm 12 in der Lutherbibel las: Er beginnt mit dem Ruf: „Hilf, Herr, die Heiligen haben abgenommen...“. Martin Luther hat in seinem Leben immer mehr zugenommen, vor allem, seit er seine Käthe geheiratet hatte. Und in den Nachrichten würde es natürlich heißen: „Die Zahl der Heiligen hat abgenommen.“ Die (katholische) Einheitsübersetzung, die letztes Jahr auch neu herausgegeben wurde, und gerade die Psalmen sehr schön formuliert, schreibt im Psalm 12, Vers 1: „Hilf doch Herr, der Fromme ist am Ende!“
Wir sehen daran: Das Übersetzen ist eine große Kunst: Üb ersetzen! Üb, das was im vorderasiatischen Raum auf aramäisch oder meist auf Griechisch erzählt und geschrieben wurde, so auszudrücken, dass es für Menschen von heute eingängig wird. Daher ist es auf jeden Fall ein Gewinn, in der Lutherbibel und auch in der Einheitsübersetzung zu lesen.
Nach diesem Werbeblock zu unserem Evangeliumstext:
„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“ –
Eine Arbeit, die mühselig ist, macht nicht besondern Spaß, ist eher fade, langweilig. In der Einheitsübersetzung heißt es: „die ihr euch plagt“, schwertut. Wenn in meinem Arbeitszeugnis steht, „...er hat sich immer bemüht, seine Aufgaben zu erfüllen...“, heißt das eigentlich: Er blickt es nicht, er taugt nichts.
Jesus ruft alle die zu sich, die nicht so fit sind , die sie schwer tun mit ihren Aufgaben, mit denen sie beladen sind: Von anderen, vom Arbeitgeber, vom Vorgesetzten. Wir hören von maximaler Auslastung, ja von Überlastung etwa auch des Pflegepersonals in Krankenhäusern und Pflegeheimen, und wir alle kennen den Druck, wenn uns immer wieder schon der nächste Termin im Nacken sitzt. Aber es gibt auch Schuldenlasten und sozial ungleich verteilte Lasten in unserer Gesellschaft, in der Menschen um ihr Überleben und ihre Existenz bangen, weil sie zum Beispiel von Arbeitslosigkeit oder Altersarmut betroffen sind, während andere sich über ein gesichertes Leben freuen können. Manchmal lädt man sich auch selbst Aufgaben und Funktionen auf, die einem zu viel sind, mit denen man überfordert ist.
Zu all diese Menschen sagt Jesus: „Kommet alle zu mir!“ Jesus kann sicher nicht für alle eine andere Lösung finden, eine leichtere Aufgabe. Und doch will er uns „erquicken“. „Denn ich bis sanftmütig und von Herzen demütig: So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“.
Jesus sagt auch: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir...“. Es ist tatsächlich so: Jeder muss sein Päckle tragen. Aber dieses Päckle kann leichter oder schwerer sein. Darauf habe ich auch selbst Einfluss: Bei allem was mich drückt, kann ich fragen: Ist das wirklich mein Problem, z.B. wenn meine Tochter eine neue Wohnung mietet, die fürchterlich teuer ist? Die ist doch selber groß! Und meine eigenen Probleme nehme ich vielleicht auch zu wichtig.
Ich war einmal eine Zeitlang beim Psychotherapeuten, und eine seiner Standardfragen war: Was kann Ihnen denn schlimmstenfalls passieren? Da wusste ich dann öfter nicht, was ich sagen sollte. Unsere Ängste werden oft bodenlos. Vor meiner Gehirnoperation gegen meine epileptischen Anfälle hat mir der Stationsarzt alles vorgelesen, was möglicherweise passieren konnte. Das mit der halbseitigen Lähmung und dem Hirntod wusste ich ja, aber da war auch die Rede von eingeschränkter Sicht und dass möglicherweise Nervenbahnen durchtrennt werden. „Ach, Herr Lohmiller, etwas Schlimmeres als halbseitige Lähmung oder Hirntod kann Ihnen doch gar nicht passieren.“. Da habe ich mir dann gesagt: Wenn das stimmt, was ich seit 44 Jahren glaube, kann ich nur in Gottes Hand fallen.“
Wenn ich Ihm alles überlasse, kommen mir auch neue Gedanken, neue Ideen. Als mir einmal gekündigt wurde, spürte ich plötzlich neue Kräfte, neue Energie in mir. Ich wollte kämpfen! Und mir fielen auch Menschen ein, an die ich mich wenden kann, zum Beispiel der Betriebsrat.
Dies alles sind Wege, wie mein Joch leichter werden kann. Jesus legt es mir nicht auf, sondern hilft mir, es zu tragen, mein eigenes Päckle, das ich brauche, um sinnvoll leben zu können, Familie, Beruf zu bewältigen: das, was mir wichtig ist, was mir Freude macht.
Und so passt auch hier die Lutherübersetzung, über die ich mich so amüsiert habe: „Die Heiligen haben abgenommen“: Wir alle gehören ja zur Gemeinschaft der Heiligen, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Und durch Jesu Hilfe ist unser Joch leichter geworden.
© Gastautor Wolfgang Lohmiller, D-88348 Bad Saulgau, wolf.lohmiller@t-online.de
Lieder:
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein
GL 347: Der Geist des Herrn erfüllt das All
GL 351: Komm, Schöpfer Geist
GL 361: Mein schönste Zier und Kleinod bist
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 382: Ein Danklied sei dem Herrn (3. bis 5. Str.)
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 414: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen
GL 416: Was Gott tut, das ist wohlgetan (3. und 4. Str.)
GL 417: Stimme, die Stein zerbricht, kommt mir im Finstern nah
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 435: Herr, ich bin dein Eigentum
GL 437: Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 452: Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 467: Erfreue dich, Himmel,erfreue dich Erde
GL 474: Wenn wir das Leben teilen
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 489: Lass uns loben, freudig loben
GL Ö861:Anbetung, Dank und Ehre
GL Ö862: Halleluja...
GL Ö866: Ein Danklied sei dem Herrn
GL Ö891: All meine Quellen entspringen in dir
GL Ö892: Meine Seele ist stille in dir
GL Ö897: Von guten Mächten wunderbar geborgen
GL Ö907: Meine Zeit steht in deinen Händen
GL Ö919: Vater, ich will dich preisen
Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt - Mit Psalm 23 - VI.
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Ps 27 - IV.
GL 76: Der Herr ist nahe allen, die ihn rufen - Mit Psalm 145 - I.
GL 263: Seht, unser König kommt; er bringt seinem Volk den Frieden. - Mit Psalm 23 (GL 37,2) - VI.
GL 633,3-4: Hebt euch, ihr Tore, hebt euch, ihr Tore! Unser König kommt. - VII.
Gott ist kein distanziertes Gegenüber, Gott ist mit uns. Im Wirken seines Sohnes ist die Brücke zum Vater gebaut, die nie einstürzen wird. Die Beziehung Gottes zu den Menschen und die Beziehung von uns Menschen zu unserem Gott kann eine Herausforderung sein - wir hören heute davon.
Kommt, atmet auf, Ihr sollt leben.
Ihr müsst nicht mehr verzweifeln,
nicht länger mutlos sein.
Gott hat uns seinen Sohn gegeben.
Mit ihm kehrt neues Leben bei uns ein.
Ihr, die Ihr seit langem nach dem Leben jagt,
und bisher vergeblich Antworten erfragt.
Hört die gute Nachricht, dass Euch Christus liebt,
dass er Eurem Leben Sinn und Hoffnung gibt.
Ihr seid eingeladen, Gott liebt alle gleich.
Er trennt nicht nach Farben,
nicht nach arm und reich.
Er fragt nicht nach Rasse, Herkunft und Geschlecht.
Jeder Mensch darf kommen, Gott spricht ihn gerecht.
Noch ist nichts verloren, noch ist Rettung nah.
Noch ist Gottes Liebe für uns Menschen da.
Noch wird Leben finden, wer an Jesus glaubt.
Noch ist angenommen wer IHM fest vertraut.
Text und Melodie: Peter Strauch (1993)
Ihn grüßen wir jetzt in unserer Mitte und bitten um sein Erbarmen:
Herr Jesus Christus,
du bist zugleich Geheimnis und Offenbarung unsere Gottes.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du zeigst uns den Vater,
der mit uns das Schwere und das Leichte des Lebens trägt.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
in der Kraft des Heiligen Geistes bist du in der Schöpfung
zu allen Zeiten und über das Ende hinaus.
Herr, erbarme dich.
Der gütige Gott erbarme sich unser,
er mache unseren Gang aufrecht und unsere Herzen leicht,
er nehme von uns das Joch der Sünde und der Schuld,
er schenke uns Versöhnung und Frieden.
Barmherziger Gott,
durch die Erniedrigung deines Sohnes
hast du die gefallene Menschheit
wieder aufgerichtet
und aus der Knechtschaft der Sünde befreit.
Erfülle uns mit Freude über die Erlösung
und führe uns zur ewigen Seligkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott
dein Sohn hat uns eine Ahnung gegeben,
wie du, der Vater für uns bist.
Du hast uns versprochen, mit uns das Leben zu bestehen.
Sei du mit uns zu allen Zeiten.
Trage unser Leben mit, wenn es zu schwer wird.
Lass uns auch wissen, wie sehr wir in der Verantwortung stehen,
wenn wir es zu leicht nehmen.
So bitten wir dich, unseren Vater,
der in der Einheit mit dem Sohn und dem Heiligen Geist
lebt und liebt in alle Ewigkeit. – Amen.
Gütiger Gott, du versprichst, dass das Leben mit dir gelingt.
Nicht immer können wir das so deutlich erkennen.
Daher bitten wir dich:
Wir beten für all jene Menschen, die unter den Lasten ihres Lebens zusammen zu brechen drohen.
Lass sie dein Mitgehen erleben, wenn andere an ihrer Seite das Joch tragen helfen.
Wir beten für all jene Menschen, die sich nichts zutrauen, die vor allen Ansprüchen und Herausforderungen resignieren.
Lass sie erkennen, was sie können, und ermutige sie, das auch zu tun.
Wir beten für all jene Menschen, die meinen, ganz allein auf sich selbst gestellt zu sein und die niemandem trauen - nicht einmal dir.
Schenke ihnen die Erfahrung, dass du auch dann da bist, wenn wir das nicht glauben können.
Wir beten für all jene Menschen, die nie zur Ruhe finden und sich beständig über ihre Grenzen hinaus verausgaben.
Lass sie wissen, dass du das Ziel unseres Lebens bist und wir uns die Erlösung nicht selbst bereiten können.
Wir beten für all jene Menschen, die ihren irdischen Weg vollendet und jedes Joch ihres Lebens endgültig abgelegt haben.
Schenke du ihnen Ruhe und Frieden in deinem Reich.
Guter Gott, auf dich vertrauen wir, auf dich setzen wir, weil dich, den verborgenen Vater, der Sohn in seinem Taten und Worten geoffenbart hat.
Dir sei Lob und Preis - heute und in alle Ewigkeit. – Amen.
In jedem Gottesdienst sind wir eingeladen zu Gott und zu uns selbst zu finden.
An ihn, unseren Vater, wenden wir uns mit unseren Bitten:
Für eine Kirche, in der sich alle auch noch so unterschiedlichen Menschen beheimatet fühlen können.
Für eine Welt, in der auch den Schwächsten vermittelt wird, welchen Wert sie haben und wie wir einander bereichern können.
Für alle, die sich für gesellschaftlich wesentliche Anliegen in friedvoller und gewaltloser Weise engagieren.
Für alle Menschen, die in den kommenden Ferien- und Urlaubswochen Erholung und einen weiten Blick auf ihr Leben suchen.
Für unsere Verstorbenen, für die wir nach allen Mühen ihres Lebens deine Nähe und Güte erhoffen.
Vater!
Du schenkst uns deinen Geist, durch den wir erfahren dürfen, wie unser Leben und das unserer Mitmenschen aufblühen kann.
Dich, Gott der Liebe und Güte, preisen wir jetzt und allezeit. - Amen.
Herr,
zu deiner Ehre feiern wir dieses Opfer.
Es befreie uns vom Bösen
und helfe uns,
Tag für Tag das neue Leben sichtbar zu machen,
das wir von dir empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott
du selbst deckst uns den Tisch
und lässt uns zusammen kommen,
um deine bergende Nähe spüren.
Lass uns in der Gegenwart deines Sohnes im Sakrament des Altares
die Gegenwart unseres verborgenen Gottes erahnen.
Dafür wollen wir dir jetzt in dieser Feier Dank sagen
durch ihn, Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe. (GL 444)
Guter und barmherziger Gott,
wir haben uns versammelt,
um Dir unseren Dank und Lobpreis darzubringen.
Denn du bist ein menschenfreundlicher Gott bist,
der auf den Notschrei der Kleinen und Unterdrückten hört.
Kehrvers
Durch deine Propheten hast du soziale Gerechtigkeit eingemahnt
und allen Völkern Frieden verheißen.
Du hast dich auf die Seite der Schwachen gestellt
und du wirst die Gewalttätigen zur Rechenschaft ziehen.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hast du gesandt,
um allen Völkern Frieden zu bringen.
Den Unmündigen hat er sich als Messias geoffenbart,
dessen Joch nicht drückt und dessen Last leicht ist.
Alle, die schwere Lasten zu tragen haben,
lässt er bei sich ausruhen
und verschafft ihnen Frieden.
Er ist gütig und von Herzen demütig.
Wer von ihm lernt, findet Ruhe für seine Seele.
Allen, die auf Jesus hören, hast Du deinen heiligen Geist gesandt.
Er wohnt in unseren Herzen und erweckt uns zu neuem Leben.
Jetzt schon gibt er uns die Kraft,
die Neigung zum Bösen in uns zu überwinden
und als deine Töchter und Söhne zu leben.
Darum loben und preisen wir dich
und singen wir mit allen Engeln und Heiligen dein Lob:
Danklied, z. B. Nun lobet Gott im hohen Thron (GL 393)
oder: Nun danke alle Gott mit Herzen Mund und Händen (GL 405)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn ihn hast du zum Haupt
der neuen Schöpfung gemacht,
aus seiner Fülle haben wir alle empfangen.
Obwohl er dir gleich war an Herrlichkeit,
hat er sich selbst erniedrigt
und der Welt den Frieden gebracht
durch sein Blut,
das er am Stamm des Kreuzes vergossen hat.
Deshalb hast du ihn über alle Geschöpfe erhöht,
so wurde er für jene, die auf ihn hören,
zum Urheber des ewigen Heiles.
Durch ihn preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 1
Erholungsbedürftig
ausgelaugt und müde
ohne Luft und ohne Lust
sind wir manchmal
„Komm“ sagt Jesus
„Komm zu mir“ -
du wirst Ruhe finden
und neue Kraft
und neuen Atem
du darfst auf – atmen
Wir wollen der Einladung folgen:
Ruhe suchen
und Frieden finden
für Leib und Seele.
Herr,
du hast uns mit reichen Gaben beschenkt.
Lass uns in der Danksagung verharren
und einst die Fülle des Heils erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du hast uns zusammengerufen
und mit dem Wort vom Heil und dem Brot des Lebens gestärkt.
Nun gehen wir hinaus, um das Leben zu meistern,
das du uns aufträgst.
Sei du mit uns - heute, an allen Tagen unseres Leben - bis in Ewigkeit. – Amen.
Seid gesegnet
in all eurem Ringen und Aufbegehren
in all eurer Sehnsucht und Hoffnung
in all eurer Verzweiflung und Angst.
Seid gesegnet
jeden Tag neu
in eurer Einmaligkeit und Stärke
in eurer Einzigartigkeit und Schwäche. -
Und so segne euch...
(Nach: Pierre Stutz / schott.de)
Ein junge fragt nach dem Heiligen Geist,
er kann sich darunter nichts vorstellen.
Das ist, hört er darauf, also du weißt
doch, wir haben vor Kurzem eine Collage
gemacht zum Thema, dass es in unserer
Welt und überhaupt doch viel Gutes gibt,
Helfen zum Beispiel, Freundschaft und
so, da ist doch etwas erfahrbar davon,
möcht ich mal sagen ...
Schon, aber wer ist der Heilige Geist?
Ganz einfach, also zum Beispiel die
Friedenstaube, das ist so ein Bild.
Auch mit Begeisterung hat es zu tun.
Oder nimm eine Fußballmannschaft,
da sagt man doch auch: da ist ein
guter Geist, wenn sie elf Freunde
sind. Bei Jesus waren es zwölf. Oder
auch dreizehn, ihn mitgerechnet ...
Doch was genau ist der Heilige Geist?
Hast du's noch nicht verstanden?
Also mal andersherum: Es gibt doch,
das wissen wir alle vom Fernsehn,
etwas wie Ungeist. Länder, wo echt noch
gefoltert wird und Leute verhungern ...
Okay, okay, sagt der junge, aber was oder
wer ist der Heilige Geist?
Ich find's echt gut, dass du fragst.
Also pass auf, darüber reden wir dann
ein andermal ganz ausführlich ...
Aus: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011.

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Sacharja, ein Visionär aus einer Priesterfamilie stammend, fasste die Botschaft der früheren Propheten zusammen und richtete den Blick auf die Ereignisse in einer fernen Zukunft. Die heutige Perikope ist dem zweiten Teil des Buches entnommen, das mit Kapitel 9 beginnt. Es geht hier um Verheißungen und Gerichtsworte aus späterer Zeit.
Der sogenannte "zweite Sacharja" hat nach dem Tod Alexanders des Großen gewirkt. Hier tauchen Heilsworte auf, die im Neuen Testament ihre Erfüllung finden. Der einstige Einzug Davids in die eroberte Jebusiterstadt findet seine Erfüllung im friedlichen Einzug Jesu in das Jerusalem des ersten Jahrhunderts. Nachdem Jerusalem seine Schuld gebüßt hat, wird sein König "für die Völker den Frieden verkünden". Selbst die Philister, die Erzfeinde Israels, werden zum Rest gehören, der unserem Gott zueigen ist, wenn sie sich von ihren heidnischen Sitten zum wahren Gott bekehrt haben, also auch das Gesetz beobachten, das den Genuss von Blut und unreinen Tieren verbietet (9,7).
Mit Kap. 9 beginnt ein neuer Abschnitt im Sacharjabuch. 9,1-8 erzählt von Rettungstaten Gottes an seinem Volk und der Vernichtung der Feinde. In 9,9-17 ist plötzlich nicht mehr Krieg, sondern der Friedenskönig im Mittelpunkt. (Es wird aber dennoch als zukünftiges Geschehen verstanden).
Der kurze Abschnitt Verse 9-10 ist dem Heroldsruf nachempfunden: der Ankündigung eines Herrschers. Der Herold ist hier aber Gott selbst.
Genannt werden die Eigenschaften des Herrschers (gerecht; ihm selbst wird geholfen; er ist "arm" und "niedrig" – er ist steht so für das arme Israel!).
Die Nennung des Esels V. 9b bezieht sich auf Gen 49,10f.
Vers 10a berichtet die Auswirkungen dieses Kommens auf die Welt: Krieg und Kriegsgerät wird abgeschafft (vgl. Gottesknecht, Jes 42)
Vers 10b zitiert Ps 72,8 auf: der endzeitliche Herrscher ist Herrscher der Welt.
Die Stelle übernimmt sowohl messianische Verheißungen wie auch Motive aus den Gottesknechtliedern. Diese Verse werden in Mt 21,5 beim Einzug Jesu in Jerusalem aufgegriffen.
Vgl. Mt 11,29 (Evang. dieses Sonntags): Jesus ist "demütig". Sein Leben ist vorbildhaft das Leben des "Armen", der alles von Gott erhofft und erwartet.
Der Abschnitt aus dem Buch Sacharja stammt aus dem "Messiaskapitel". Es wird den Gesandten Gottes geben, der anders kommt als erwartet (siehe Vers 9). Darin unterscheidet er sich von den Königen, die man kennt. Aber dann werden sich die Wünsche nach Macht und Stärke erfüllen (Vers 10). Hier sind alle bekannten Bilder des Messias Wahrheit geworden.
Das Messiasthema setzt sich gegen die ersten 7 Kapitel des Sacharja ab. Es gibt nicht mehr - wie in Sach 1- 8 - eine zeitliche Zuordnung. Es werden Bilder in Erinnerung gebracht, die ihre eigene Tradition haben.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive