Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Ezéchiel.
In jenen Tagen,
schaute ich das Aussehen der Gestalt
der Herrlichkeit des Herrn.
Und ich fiel nieder auf mein Angesicht.
Da hörte ich die Stimme eines Redenden.
Er sagte zu mir: Menschensohn, stell dich auf deine Füße;
ich will mit dir reden.
Da kam Geist in mich, als er zu mir redete,
und er stellte mich auf meine Füße.
Und ich hörte den, der mit mir redete.
Er sagte zu mir: Menschensohn,
ich sende dich zu den Söhnen Israels,
zu abtrünnigen Völkern, die von mir abtrünnig wurden.
Sie und ihre Väter sind von mir abgefallen,
bis zum heutigen Tag.
Es sind Söhne mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen.
Zu ihnen sende ich dich.
Du sollst zu ihnen sagen: So spricht Gott, der Herr.
Sie aber: Mögen sie hören oder es lassen
— denn sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit —,
sie werden erkennen müssen,
dass mitten unter ihnen ein Prophet war.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Unsere Augen sind erhoben zum Herrn, unserm Gott,
bis er uns gnädig ist. – Kv
Oder GL 307,5
Ich erhebe meine Augen zu dir, *
der du thronst im Himmel.
Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, /
wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, *
so sind unsere Augen erhoben zum Herrn, unserem Gott,
bis er uns gnädig ist. – (Kv)
Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig! *
Denn übersatt sind wir von Verachtung,
vom Spott der Selbstsicheren ist übersatt unsere Seele, *
von der Verachtung durch die Stolzen. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.
Schwestern und Brüder!
Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen
nicht überhebe,
wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen:
ein Bote Satans,
der mich mit Fäusten schlagen soll,
damit ich mich nicht überhebe.
Dreimal habe ich den Herrn angefleht,
dass dieser Bote Satans von mir ablasse.
Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir;
denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet.
Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen,
damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht,
alle Misshandlungen und Nöte,
Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage;
denn wenn ich schwach bin,
dann bin ich stark.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Paulus spricht in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth seine gesundheitliche/körperliche Schwäche an, die ihm - wie zwischen den Zeilen zu entnehmen ist - auch vorgeworfen wird. Erwartet wurde ein strahlender, siegesgewisser, herausragender und redegewandter Apostel, der mit seiner Erscheinung die Wahrheit des von ihm Verkündigten überzeugend darstellt.
Paulus sieht sich genötigt, zwei Einsichten zu vermitteln: 1. damit er sich nicht überhebt (überheblich wird), ist ihm ein Stachel ins Fleisch gegeben - bildlich gesprochen: die Flügel gestutzt - und 2. seine Stärke ist darin begründet, dass er schwach ist. Damit geht einher, dass die auch in Korinth gepflegten Vorstellungen von Stärke die Prüfung nicht bestehen.
Schon in 1 Kor 1 - 3 hatte Paulus das Wort vom Kreuz so entfaltet, dass jeder Ruhm, den ein Mensch für sich verbuchen möchte, ausgeschlossen ist. Paulus wehrt sich auch nicht einfach mit rhetorischen Mitteln, sondern mit einer christologischen Argumentation: Er verweist auf ein Wort des Kyrios: Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
Den Anspruch, "seine" Wahrheit überzeugend darzustellen, legt Paulus somit in die Hände des Kyrios, gibt dafür in Korinth aber eine offen ausgesprochene Rechenschaft.
In seinem "Willen zur Macht" hat F. Nietzsche Widerworte gegen den "Gekreuzigten" formuliert und auf die menschliche Selbstbehauptung gesetzt:
"Dionysos gegen den 'Gekreuzigten': da habt ihr den Gegensatz. Es ist nicht eine Differenz hinsichtlich des Martyriums, - nur hat dasselbe einen anderen Sinn. Das Leben selbst, seine ewige Fruchtbarkeit und Wiederkehr bedingt die Qual, die Zerstörung, den Willen zur Vernichtung. Im anderen Falle gilt das Leiden, der "Gekreuzigte als der Unschuldige", als Einwand gegen dieses Leben, als Formel seiner Verurteilung. - Man errät: das Problem ist das vom Sinn des Leidens: ob ein christlicher Sinn, ob ein tragischer Sinn. Im ersten Falle soll es der Weg sein zu einem heiligen Sein; im letzteren Fall gilt das Sein als heilig genug, um ein Ungeheures von Leid noch zu rechtfertigen. Der tragische Mensch bejaht noch das herbste Leiden: er ist stark, voll, vergöttlichend genug dazu; der christliche verneint noch das glücklichste Los auf Erden: er ist schwach, arm, enterbt genug, um in jeder Form noch am Leben zu leiden. Der Gott am Kreuz ist ein Fluch auf das Leben, ein Fingerzeig, sich von ihm zu erlösen; - der in Stücke geschnittene Dionysos ist eine Verheißung des Lebens: es wird ewig wiedergeboren und aus der Zerstörung heimkommen."
Aus: Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwertung aller Werte, Stuttgart 1964, S. 687f.
Paulus schreibt an seine Gemeinde in Korinth, die in einer heiklen Glaubensverfassung ist: Sie wollen als junge Kirche ihm die Gefolgschaft verwehren. So wendet er sich an die Christgläubigen in demütiger Haltung und erklärt ihnen all das Leid, das er für seine Überzeugungen erlitten hat. Der “Stachel im Fleisch” wird der Überzeugung der Exegeten folgend wohl eine veritable Krankheit gewesen ein. Mit welcher Diagnose wir es zu tun haben, bleibt Spekulation.
Halleluja. Halleluja.
Der Geist des Herrn ruht auf mir.
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die frohe Botschaft zu bringen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
kam Jesus in seine Heimatstadt;
seine Jünger folgten ihm nach.
Am Sabbat lehrte er in der Synagoge.
Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten,
gerieten außer sich vor Staunen
und sagten: Woher hat er das alles?
Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist!
Und was sind das für Machttaten, die durch ihn geschehen!
Ist das nicht der Zimmermann,
der Sohn der Maria
und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon?
Leben nicht seine Schwestern hier unter uns?
Und sie nahmen Anstoß an ihm.
Da sagte Jesus zu ihnen:
Nirgends ist ein Prophet ohne Ansehen
außer in seiner Heimat,
bei seinen Verwandten und in seiner Familie.
Und er konnte dort keine Machttat tun;
nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie.
Und er wunderte sich über ihren Unglauben.
Und Jesus zog durch die benachbarten Dörfer
und lehrte dort.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In Mk 6,1-6a scheinen einige biographische Informationen über Jesus und seine Familie (Bauarbeiter, Mutter Maria, Brüder und Schwestern) um den Spruch herum komponiert zu sein: "Ein Prophet gilt nichts in seiner Heimat"
Wahrscheinlich steht eine historische Erinnerung an einen Misserfolg Jesu in Nazaret im Hintergrund.
Im Urchristentum dürfte der "Sitz im Leben" die Ablehnung der urchristlichen Prediger und der charismatischen Heiler aufgrund ihrer vermutlich vorwiegend "einfachen" Herkunft und dem damit verbundenen geringen Bildungsstand sein.
Mk 1 erzählt von der Predigt und den Wundern Jesu in Kafarnaum und an anderen Orten (vgl. 1,21+39). Die Menschen sind fassungslos. Durch den parallelen Anfang der Erzählung (vgl. 1,21f. mit 6,2) lag nahe, auch in Nazareth auf ähnliche Reaktionen zu stoßen - aber: es folgen Fragen über Fragen, die die Distanzierung immer weiter auffächern.
"Die Beziehung zwischen Jesus und seiner Familie ist im Markusevangelium eher schwierig (Mk 3,20f. 31-35); sie halten Jesus für verrückt (Mk 3,21). Die Menschen in Nazaret schließen sich der Skepsis und dem "Urteil" der Verwandten Jesu an. Jesus sei nur "einer von ihnen", daher können seine Worte und Taten nicht göttlichen Ursprungs sein. Die Reaktion auf Jesus ist offene Ablehnung, die durch die Bemerkung des Erzählers in Mk 6,3c verdeutlicht wird. Die in Jesus herrschende Weisheit Gottes wird abgelehnt. (Blatz)
Trotz der Wundertaten, die durch Jesus geschehen, wird in diesem Abschnitt des Evangeliums nach Markus sehr deutlich, dass auch die größten Zeichen nicht zum Glauben an Jesus führen. In Nazareth trifft man auf die gebündelte Rationalität auch der einfachen Leute. Auf die von Markus gestellte Frage, wer denn Jesus sei (4,41), wird er hier auf Herkunft, verwandtschaftliche Beziehung und Familienklüngel festgelegt. In dieser Atmosphäre verflüchtigt sich auch das Staunen schneller als die Geschichten erzählt werden.
Es ist eher so: der Glaube führt zu Wundertaten. Die Nazareth-Perikope, die wie ein Einschub wirkt (vgl. 6,1 mit 6,6ff.), bricht die Gleichung von Wunder und Glauben auf und gibt im Evangelium dem Glauben auch die Wunder. Erst unter dem Kreuz wird offenbar, wer Jesus denn war. "Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn" gewesen (Mk. 15,39).
Eine anspruchsvolle und vertiefende Auslegung des Evangeliums findet sich unter:
http://www.perikopen.de/Lesejahr_B/14_iJ_B_Mk6_1b-6_Blatz.pdf
Die Synagoge in Nazareth ist eine von vielen in Galiläa, in denen Jesus auftritt. So macht Jesus eigentlich etwas Gewohnheitsmäßiges. Was diesem Auftritt aber etwas Besonderes verleiht ist der Umstand, dass hier die Menschen mit ihrem berühmt gewordenen Landsmann zusammentreffen.
Für Markus scheint es wichtig zu sein, zuerst eine unmittelbar positive Reaktion der Menschen (so wie in den anderen Synagogen) auf die Lehre Jesu zu formulieren. Erst danach artikuliert sich die Kritik in fünf Fragen, von denen drei sein Wirken und zwei seine Abstammung betreffen. Die Kenntnis des heimatlichen Milieus Jesu wird immer mehr zu einem Hindernis, seinen Offenbarungsanspruch anzuerkennen. Durch seinen Beruf und seine Familie ist Jesus also für seine Landsleute unverwechselbar bestimmt.
Ungewöhnlich ist dabei die Benennung nach der Mutter und nicht nach dem Vater. So hat man deshalb lange vermutet, dass Josef inzwischen bereits verstorben gewesen sei. Da dies auch in diesem Fall äußert ungewöhnlich gewesen wäre, scheint es eher eine situationsbezogene Bestimmung zu sein.
Nachdem der Unglaube der Landsleute festgestellt worden ist, erscheint der Spruch vom nicht anerkannten Propheten in der eigenen Gemeinde und Familie wie eine Entschuldigung.
Markus vermeidet die völlige Erfolglosigkeit, indem wenigstens einige Kranke geheilt wurden. Jesus wurde so nicht einmal in seiner Heimat seiner Sendung untreu.
Die meisten Menschen füllen in ihrem Leben verschiedene Rollen aus: beruflich, privat, öffentlich. Damit ist nicht immer leicht umzugehen. Privat haben wir oft nicht das Ansehen, das wir öffentlich haben. Für die Verkündigung und das Bezeugen des Glaubens hilft uns keine Rolle, da kommt es auf uns selbst an. Wie glaubwürdig bin ich als persönliche Glaubender?
Personen der Öffentlichkeit, Top Kader aus Firmen und Menschen mit ähnlichen Hintergründen kennen das: Im Arbeitsalltag da ist man wer, stellt was dar, die berufliche Autorität wird nicht hinterfragt. Ist aber dann einmal diese professionelle Situation beendet und geht es wieder heim oder zu Freunden, dann ist man mit einem Mal wieder Papa, Mama, Partnerin, Partner, Tochter oder Sohn, der Hans oder die Paula. Rang und Namen aus anderen Zusammenhängen interessieren oft niemanden. So ein Wechsel kann entweder sehr belebend und befreiend sein oder wie eine kalte Dusche fürs Ego.
Im heutigen Evangelium macht Jesus auch so eine Erfahrung. Er ist durch Galiläa gezogen, hat Gottes Wort verkündet und Menschen geheilt. Er hat Anhängerinnen und Anhänger begeistert und sie haben sich ihm angeschlossen. Einige Geschichten erzählen, wie die Massen an ihm hingen. Nun kehrt er für einen Moment nach Hause zurück und geht auch dort seine Wege, die er gewohnt war: "Am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte". Statt sich aber an seiner Botschaft aufzuhalten, geht es den Leute um seine Person: Der Zimmermannssohn, der Nachbar, vielleicht Mitschüler - wie auch immer -, soll jetzt ein Lehrender und Heiler mit Einfluss sein? Die Leute wollen es nicht glauben und sind so mit Jesus und seiner Vergangenheit beschäftigt, dass nachhaltige Heilsverkündigung abgesehen von ein paar Einzelmomenten nicht passieren kann.
Tja, so ist das. Jesus nennt ihr Verhalten Unglaube. Vielleicht war das so - vielleicht war es auch schlicht ein Desinteresse. Was Jesus ihnen an Wort und Beispiel da anzubieten hat, spielt halt für ihr Leben anscheinend keine Rolle - und so hören sie nicht hin und arbeiten sich stattdessen an oberflächlichen Fragen ab: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und was sind das für Machttaten, die durch ihn geschehen? - Für die Leute in Nazareth zunächst einmal eine verpasste Chance.
Wie gehen wir mit solchen Momenten um? Im Beruf, in den Kreisen, wo wir unsere Freizeit oder Ausbildung verbringen, sind wir gern gehört und geachtet, daheim aber zählt das alles nicht. Solch eine Erfahrung kann wie gesagt etwas sehr Heilsames an sich haben, vor allem wenn wir angesichts dieser Momente eine Antwort suchen auf die Frage, welche Position unseres Lebens uns denn wirklich etwas bedeutet: die herausragende und geachtete oder eingereiht in die Normalität.
Noch einmal um vieles spannender wird diese Frage, wenn wir sie vor dem Hintergrund unserer kirchlichen Aktivitäten und unseres Glaubenslebens stellen: Weil wir eine Glaubensüberzeugung haben, weil wir im Kontext von Glaubenden vielleicht eine besondere Rolle spielen, weil wir in der Kirche ein Amt innehaben, eine Aufgabe erfüllen oder aus welchen Gründen auch immer: Sind wir darum wer, den man überall in spezieller Weise achten muss? Sind wir darum jemand, den das Leben in einer besonderen Weise privilegiert hat? - Wer das glaubt, den lässt die Erfahrung Jesu im heutigen Evangelium wissen wie unrecht er oder sie hat.
Ein glaubwürdiger Zeuge oder eine glaubwürdige Zeugin der Frohbotschaft braucht nicht ein besonderer Jemand zu sein, gar mit kirchlichen Titeln versehen oder in besonderen Rängen der Kirche zu stehen. Jesus macht es vor: Das alles braucht es nicht. Ein glaubwürdiger Zeuge oder eine glaubwürdige Zeugin der Frohbotschaft weiß sich hinter die Botschaft zurückzuziehen und sie für die Welt transparent zu machen. Wie Paulus es erkennend formuliert: "Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe" (2 Kor 12,7).
Ein glaubwürdiger Zeuge oder eine glaubwürdige Zeugin der Frohbotschaft soll nichtsdestotrotz mutig und selbstbewusst verkünden - aber Christus den Gekreuzigten und Auferstanden und nicht sich selbst. Schauen wir uns derzeit ein wenig um in den Kirchen und christlichen Glaubensgemeinschaften, kommt doch schon hier und da die Frage auf, ob das allen so bewusst ist - auch in den Leitungsetagen der Kirche. Paulus erkennt für sich selbst: "Die Kraft [Gottes] wird in der Schwachheit vollendet. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt." (2 Kor 12,9). Solche Demut soll uns Vorbild sein. Nicht immer ganz einfach.
Als Gott den Propheten Ezechiel berufen hat, war damit für ihn auch die Position des Verkünders definiert: "Mögen sie [- die Völker -] hören oder es lassen, sie werden erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war." (Ez 2,5).
Wer nachhaltig Frohbotschaft verkünden will, kann nicht hinter oder über seiner Zuhörerschaft stehen, sondern muss mit den Menschen in Beziehung und somit mittendrin stehen. Die Notwendigkeit solcher Beziehungen gilt für jede Christin und jeden Christen. Glauben leben und verkünden kann man nicht von oben nach unten, auch wenn sich immer noch Menschen finden, die das so von der Kirche erwarten, oder kirchliche Amtsträger, die das gerne so praktizieren. Glauben leben lässt sich nur glaub-würdig in Beziehung. Wer in Beziehung steht, schaut hin, hört, fühlt sich ein, wendet sich zu. Fraglos geht dabei immer auch einiges schief, sind Konflikte vorprogrammiert. Aber so ist das nun einmal in Beziehungen von Menschen. Das darf unserem Bemühen nicht im Weg stehen.
Weil wahrhaftiges Glaubenszeugnis, wie immer es auch aussieht, nicht als große Show daherkommt, kann es eben auch passieren, dass es überhört oder übersehen wird. So wie es dem Gottessohn in seiner eigenen Heimat passiert ist. Lassen wir uns darum aber in unserem Dienst an der Frohbotschaft nicht entmutigen. Oder wie sagt’s Paulus: "Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, [...] denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark." (2 Kor 12,10).
Jesus eckt an in seiner Heimatstadt und bei seinen eigenen Verwandten. Er nimmt sich Freiheiten und steht trotzdem auf dem Boden der Tradition. Er lebt als Prophet. Doch was ist ein Prophet? Dazu braucht es da und dort Korrekturen unserer Vorsellungen.
Jesus wird in seiner Heimatstadt die Anerkennung verweigert, weil er nichts Besonderes zeigte. Er war seinen Landsleuten "zu normal". Es ist ihnen zu wenig, dass Gott im normalen Alltag wirkt. Der Glaube, den Jesus will, kommt demütig einher.
<b>Vom Stutzen der Flügel oder wie man Leute festnagelt auf ihre Herkunft und warum dann Wunder nicht möglich sind.</b> Was damals in Nazareth geschehen ist – Jesus wurde als Zimmermannsohn abgelehnt – geschieht auch heute noch, weil wir auf Grund unserer Vorurteile einander nichts zutrauen. Das ist fatal für Menschen mit falscher Wohngegend, falschem Nachnamen, falscher Nationalität. Ein konkretes Beispiel zeigt, dass es auch anders geht, dass auch heute "Wunder" möglich sind.
Hinter der Redeweise "den kennen wir doch!" können unterschiedliche Bedeutungsnuancen stecken, negative und positive. Oft enthält sie einen Vorwand, sich mit einer Person nicht weiter auseinandersetzten zu müssen. Der Evangelist will den Leser/Hörer einerseits dazu führen, Jesus wirklich kennenzulernen, andererseits ihn dafür öffnen, dass ein Mensch sich in positiver Weise verändern und weiterwachsen kann.
Die Botschaft Jesu wird auch heute noch so verkannt wie damals in Nazareth. Er erleidet auch heute ein Prophetenschicksal.
Nazareth ist hier in xy. Jesus kommt hierher in unseren Ort – und kann nur wenige Wunder tun. Warum? Da ist einer, der sagt: „Ach, den kennen wir schon, ist was für Kinder.“ „Ja“, pflichtet eine zweite bei, „den kennen wir. Im Religionsunterricht hab ich die ganzen Geschichten von ihm gehört. Aber was hat das bitte mit mir zu tun?“ Ein dritter mischt sich ein und sagt: „Ich tät schon an ihn glauben, aber so, wie ich ihn kennengelernt habe in der Kirche, ist er mir unsympathisch.“ Immer weiter geht die Diskussion. Ein Enttäuschter spricht davon, dass er so viel gebetet habe und trotzdem habe ihn Jesus mit einer schweren Krankheit gestraft. Ein Kind erzählt, dass seine Eltern ihm verboten haben, Jesus kennen zu lernen, ein Arbeiter meint, das mit Jesus sei ja schön und gut, er habe aber keine Zeit für ihn, und außerdem sei Christentum etwas aus der Mode. Er habe lieber eine Buddha-Statue bei sich daheim als ein Kreuz an der Wand. Abschließend meint die Frau vom Anfang: „Diesen Jesus kennen wir, von dem haben wir nichts zu erwarten.“
„Und Jesus konnte dort keine Wunder tun. Nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie.“ – Die gab es nämlich auch, die voller Sehnsucht auf ihn warteten und sich von ihm beschenken ließen. Es waren solche wie Paulus aus der Lesung aus dem zweiten Korintherbrief, die nicht auf ihre Kräfte, nicht auf ihre Genialität, nicht auf ihre Unverwundbarkeit bauten sondern die wie Paulus bekannten: „Wenn ich schwach bin, dann bin stark.“ Weil dann Gottes Kraft in mir wirken kann, weil dann alles in Gottes Händen liegt, weil dann alles auf ihn ankommt.
Der heutige Sonntag lädt uns dazu ein, das Evangelium neu zu hören. Es ist eben nichts Altbackenes, es ist neu und hat unserer Welt so viel zu geben. Seit Jesus kann jeder Mensch wissen: "Du bist unendlich geliebt." Seit Jesus hat jeder Mensch eine königliche Würde, die ihm auch in schwerer Krankheit oder Armut nicht genommen wird. Seit Jesus kommt uns der Himmel nahe in den Zeichen von Brot und Wein.
Im Evangelium erlitt Jesus ein übliches Prophetenschicksal, nämlich Ablehnung, so wie auch Ezechiel in der ersten Lesung von Gott zu ihm feindlich gesonnen Menschen geschickt wird. Propheten sind unbequeme Menschen, weil sie wunde Punkte berühren und deshalb reflexhaft Widerstand hervorrufen.
Ein Beispiel ist für mich der für den 19. September von verschiedenen christlichen Gruppen geplante Marsch für das Leben in Berlin. In einer Pressemitteilung bezeichnet die Linke alle, die sich für den Schutz des menschlichen Lebens einsetzen, als religiöse Fundamentalisten mit mittelalterlichen Parolen. (Katja Kipping am 29.6.15). Da sind wir als katholische Kirche in Deutschland angelangt, dass man uns für unsere Haltung als mittelalterliche Fundamentalisten diffamieren kann. „Und Jesus konnte dort keine Wunder tun.“
Traurig gestimmt hat mich eine Aussage von Anton Hofreiter von den Grünen. In der Diskussion um das Thema Sterbehilfe gab er im letzten SPIEGEL zu Protokoll: „Ich glaube nicht an einen Himmel. Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Warum darf man dann nicht bestimmen, wann es vorbei sein soll?“ (Der Spiegel 27/2015 auf Seite 55)
Und auch die Rezeption der Umweltenzyklika von Papst Franziskus irritiert mich: Jeder und jede kann herauspicken, was gefällt. – So wird die prophetische Schrift des Papstes um ihre Kraft gebracht. So ist das mit Propheten: Sie stören, damals und heute. Der heutige Sonntag lädt daher auch dazu ein, den Propheten unserer Tage aufmerksam zuzuhören, sonst kann es auch von uns heißen: „Er konnte dort keine Wunder tun.“
© Pfr. Markus Fiedler, Fiedler-Markus@web.de
Wer bin ich? Wer bin ich für Andere? Wer will ich sein? - Fragen der Eitelkeit oder wesentlich für unser Leben? Und unseren Glauben? Heute sind sie Diskussionsthema in der Verkündigung. Finden wir in einem Moment der Stille dazu einen persönlichen Zugang.
Wir feiern Gottesdienst, um in dieser heiligen Feier Gott zu begegnen. Eine Begegnung kommt jedoch nur zustande, wenn die sich Begegnenden einander auch wahrnehmen und erkennen. Gott begegnen und Gott erkennen können wir nicht voneinander trennen.
Gott ist jedoch immer ganz anders, als wir ihn uns vorstellen können. Trotzdem bemühen wir uns, immer mehr von seinem Geheimnis zu begreifen und zu erfassen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Lesen in den uralten Erzählungen der Menschheit, wie Menschen früherer Generationen Gott begegnet sind und erfahren haben. In Jesus von Nazareth hat Gott, so glauben wir, in endgültiger Weise sein menschliches Antlitz gezeigt und geoffenbart.
Wir treten nun dem Herrn gegenüber und erkennen in ihm Gott und preisen ihn als unseren Erlöser.
Jesus Christus
Du rufst uns zum Zeugnis für deine Frohbotschaft.
Herr, erbarme dich.
Du machst uns zu Künderinnen und Künder, dort wo wir sind und leben.
Christus, erbarme dich.
Gib uns Hoffnung, wenn wir auf taube Ohren und verschlossene Herzen treffen.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du bist Mensch geworden
und hast wie wir als Mensch gelebt.
Herr, erbarme dich unser.
Du bist der von Gott gesandte Messias und Erlöser.
Christus, erbarme dich unser.
In deiner menschlichen Schwachheit und Ohnmacht
hat sich die Weisheit und die Kraft Gottes gezeigt.
Herr, erbarme dich unser.
Barmherziger Gott,
durch die Erniedrigung deines Sohnes
hast du die gefallene Menschheit
wieder aufgerichtet
und aus der Knechtschaft der Sünde befreit.
Erfülle uns mit Freude über die Erlösung
und führe uns zur ewigen Seligkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott
in der Taufe hast du jeden und jede von uns
zu Prophetinnen und Propheten berufen,
zum Dienst an deiner Heilsbotschaft.
Lass uns mutig, kreativ und tatendurstig bleiben
auch wenn Zeit und Umstände manchmal schwierig sind.
Stärke uns immer wieder neu durch
die Kraft des Heiligen Geistes,
den dein Sohn seinen Jüngern und auch uns versprochen hat.
Er, der mit dir lebt und liebt in alle Ewigkeit. – Amen.
Jesus, du bist ganz anders, als wir es erwarten.
Du sprichst anderes, als wir es uns wünschen.
Du sprichst nicht nur Worte, die uns bestätigen.
Du sprichst Worte, die uns immer mehr zu dem machen,
wer wir vor Gott sein sollen.
Mach uns offen für dich, für deine Liebe,
dass wir dich nicht ablehnen,
dass wir dich erkennen, wenn du uns begegnest,
jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.
"Deine rechte Hand ist voll von Gerechtigkeit." (Ps 48)
So legen wir dir, guter Gott, unsere Anliegen in deine Hände und bitten dich voll Vertrauen:
Für all die stillen und unauffälligen Menschen, die uns so viel zu sagen hätten, die aber niemand wahrnimmt.
Lass sie hörbar werden im Lärm unserer Zeit.
Für alle, die sich einsetzen für Klimaschutz, für gerechte Lebensumstände und die Nöte der Mitmenschen.
Lass sie nicht gegen Mauern rennen, sondern lass ihr Bemühen in den Auseinandersetzungen mit Verantwortungsträgern reiche Frucht tragen.
Für Menschen, die in Schulen und Universitäten Wissen vermitteln, die mit Sicherheiten kritisch umgehen und die Welt offen halten für neue Entdeckungen und Sichtweisen, die zu Diskussionen und Reflexionen anregen.
Lass ihre Bemühungen Früchte tragen.
Für alle, die sich aus den Kirchen und Glaubensgemeinschaften zurückziehen, weil sie nicht wissen, was sie da sollen.
Führe sie zur Erkenntnis, wie neben allen Herausforderungen gemeinsames Glauben lebendig machen kann.
Für alle, die ihren Lebenskreis vollendet haben, die mit Lebensfülle gesättigt zu dir heimgekehrt sind;
für alle, die aus einem Trümmerhaufen des Lebens den Weg in dein Reich gefunden haben.
Schenke ihnen den Reichtum deiner Erlösung.
Guter Gott, du hörst unser Bitten,
du weißt, was wir noch alles still im Herzen tragen.
Nimm all dies an in Christus unserem Bruder und Herrn. – Amen.
In Jesus begegnet uns Gott aber auch ein Mensch unter Menschen.
Er lehrt uns, unsere Bitten Gott, seinem und unserem Vater, anzuvertrauen:
Für deine Kirche und die Vielen in ihr, die zu wissen meinen, wie dein Wille verwirklicht werden soll.
Für diejenigen unter den Jugendlichen unserer Gesellschaft, die meinen, mehr Lebenssicherheit durch Familie, Arbeit und Geld zu finden als durch Glauben und Religion.
Für alle, die sich in den kommenden Wochen auf eine Reise begeben, um eine gute Heimkehr und einen bewussten Umgang mit den Gefahren der Pandemie.
Für alle, die versuchen, ohne Vorurteile und festgefahrene Meinungen in Offenheit und Staunen dir und ihren Mitmenschen zu begegnen.
Für unsere Verstorbenen und alle, die um sie trauern und in ihrem Glauben auf deine Hilfe vertrauen.
Jesus hat uns durch sein Leben ein Beispiel für Gottvertrauen gegeben.
Dich, den treuen Gott, loben wir und danken dir durch Christus, unseren Herrn und Bruder. - Amen.
Menschen nehmen Anstoß an Jesus – doch er hat ihr Heil, ihr Leben im Sinn.
An ihn, der sein Leben für uns gegeben hat, wenden wir uns mit unseren Bitten.
Wo Menschen in ihren Rechten eingeschränkt werden;
wo Verfolgung und Unrecht herrschen,
da bitten wir um den Mut zum Widerstand und zum Einsatz für ihre Rechte.
Wo das Leben von Menschen bedroht ist durch Hunger, Kriege und Katastrophen,
da bitten wir um die Bereitschaft zu Frieden und zum Teilen.
Wo Menschen jetzt in den Urlaub und in die Ferien unterwegs sind,
da bitten wir um Erholung, und auch um Achtsamkeit füreinander und für die Schöpfung.
Wo Menschen sich mit einer schlimmen Diagnose anfreunden müssen,
einen letzten Rettungsversuch in einer Beziehung starten
oder um das Leben eines anderen Menschen kämpfen,
da bitten wir um Gottes Beistand.
Wir danken dir für die Freiheit der Rede auch dir gegenüber,
und wir bitten dich um deine Hilfe in unseren Nöten. - Amen.
Herr,
zu deiner Ehre feiern wir dieses Opfer.
Es befreie uns vom Bösen
und helfe uns,
Tag für Tag das neue Leben sichtbar zu machen,
das wir von dir empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott
mit Brot und Wein nährst du uns auf unserem Weg durch diese Zeit.
Als Sakrament der Gegenwart deines Sohnes
sind sie uns Vorgeschmack des ewigen Lebens.
Lass unser ganzes Leben darauf gerichtet und dadurch gestärkt sein.
Das erbitten wir durch ihn,
den diese Gaben unter uns lebendig werden lassen:
Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Kehrvers
Auf, lasst uns jubeln dem Herrn,
vor sein Angesicht kommen mit Dank! (GL 141)
Guter Gott und Vater,
wir kommen zu dir, um dir zu danken
und um deine Größe zu preisen.
Immer wieder hast du Propheten gesandt,
um den Menschen deine Weisheit mitzuteilen
und ihnen deinen Willen kundzutun.
Kehrvers
In Jesus von Nazareth hast du als Mensch unter Menschen gelebt
und sie durch sein Reden und Tun erfahren lassen,
wie sehr dir am Heil der Menschen gelegen ist.
In deinem Namen hat der Kranke geheilt,
dem Ungeist Einhalt geboten
und dein Wirken in dieser Welt geoffenbart.
Kehrvers
Seine Jünger hat er gelehrt,
trotz Erfahrung menschlicher Ohnmacht
den Glauben an deine göttliche Kraft lebendig zu halten,
das Kommen deines Reiches zu verkünden
und nach deinen Weisungen das Leben zu gestalten.
Kehrvers
Auch uns wurde diese Frohe Botschaft zuteil,
auch wir erfahren deine Gegenwart in dieser Welt
und auch wir leben in der Hoffnung,
dass du einmal das Werk der Erlösung vollenden wirst.
Dafür danken wir dir
und loben und preisen wir dich mit der ganzen Schöpfung.
Danklied, z. B. Herr, unser Herr, wie bist du zugegen (GL 414)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn aus Erbarmen mit uns sündigen Menschen
ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau.
Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns
vom ewigen Tod befreit und
durch seine Auferstehung
uns das unvergängliche Leben erworben.
Darum preisen dich deine Erlösten und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 2
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Der liebende Gott segne euch
und lasse euch die Ruhe finden
die ihr braucht
um ihm zu begegnen
Er lasse den Tau des Himmels'auf euch herab
damit eure Hoffnung auf Gott wachsen
und euer Glaube sich erfrischen kann
Er schenke euch das Vertrauen
dass er wirklich mit euch ist
und ihr ihn erkennt als den Gott
der euch liebt und an euch denkt
seit dem Tag, an dem ihr geboren wurdet
Er begleite euch jeden Tag,
zuhause und unterwegs
vom Morgen bis zum Abend
und durch die Nacht
Gottes Segen sei mit euch
Herr,
du hast uns mit reichen Gaben beschenkt.
Lass uns in der Danksagung verharren
und einst die Fülle des Heils erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Vater
wir haben Tod und Auferstehung deines Sohnes gefeiert,
haben uns leiten lassen von deinem Wort
und sind gestärkt durch das Sakrament des Heiles.
Begleite uns nun in der kommenden Zeit mit deinem Segen.
So bitten wir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Jesus, du Wegbegleiter,
sei schützend um mich,
wenn ich den Schritt wage
aus den alten Gleisen,
lass mich deine Nähe spüren,
wenn ich neues Land betrete,
zeige mir die Richtung,
wenn ich unsicher werde,
halte mich, wenn ich zu fallen drohe.
Um deinen Segen bitte ich,
auf allen meinen Wegen.
Amen.
Aus: Cäcilia Kittel, Sei stille dem Herrn, Impulse zur Eucharistischen Anbetung, München 2006.
Der Ewige,
der zerbrechliche Hoffnungen in seiner Hand bewahrt,
segne euch -
Der Barmherzige,
der verletzte Lebensgeschichten in seinem Herzen sammelt,
bewahre euch –
Der Treue,
der mutige Träume mit seinen Augen aufhebt,
behüte euch –
mit den Menschen, die ihr liebt und die euch brauchen.
Im Namen des Vaters..
Vielleicht müssten wir
wieder mehr Hörende sein
uns zu Jesus
setzen
seine Worte
widerkauen
verinnerlichen
in uns
eindringen
und
wirken lassen
und
ganz neu
STAUNEN LERNEN
was der Sohn eines Zimmermanns
uns zu sagen
und
zu schenken hat
vielleicht
werden wir dann
bereit
auch auf Stimmen
zu hören
die etwas
über ihren Glauben
ihre Hoffnung auf Gott
ihren Weg mit
IHM
zu sagen haben
auf die Stimmen
von
Frauen
und
Männern
auch
wenn sie nicht
die Schriftgelehrten
dieser Zeit sind
aber
Sucherinnen und Sucher
Sehnsüchtige
Gottesfürchtige
Menschen von nebenan
Menschen unter uns
Menschen mit uns
vielleicht
kann das „Schiff Kirche“
dann
doch noch
seine Fahrt
FINDEN
vielleicht müssten wir…
Beatrix Senft, unveröffentlicht
Letzten Monat habe ich an einem Treffen der Superioren der Redemptoristen in Lateinamerika teilgenommen. Unter den Mitbrüdern war auch Pater Vicente, ein junger Provinzial aus Brasilien, der auch für die Redemptoristen in Surinam zuständig ist. Pater Vicente berichtete auch über die Mitbrüder in diesem Land und sprach dabei mit großem Enthusiasmus über die dortige Mission. Aber: Er betonte auch, wie unterschiedlich dieses Land von Brasilien sei. Einige Male wiederholte er: "Surinam ist ein anderer Planet!"
Wenn jemand aus einem benachbarten Land eine solche Aussage über dieses Land macht, so können wir uns vorstellen, dass Paramaribo und Batavia erst recht Lichtjahre von Tilburg und den Niederlanden entfernt sein müssen. Als vor 167 Jahren der junge Priester mit dem Namen Peter Donders sein Schiff in Paramaribo verließ, war Surinam für den Besucher eine wunderschöne, aber trotzdem fremde ("außerirdische") Landschaft.
Der Ort Surinam ist nicht der einzige unübliche Teil in der Biographie von Peter Donders. Unter allen Heiligen und Seligen der Redemptoristen, ist Peerke der einzige, der erst einmal von unserer Kongregation abgelehnt worden ist. Nachdem nicht nur die Redemptoristen, sondern auch die Jesuiten und Franziskaner diesem frommen Sohn Tilburgs die Türen zugeschlagen hatten, führte ihn Gott zu der Einsicht erst einmal Diözesan-Priester zu werden und dann als Missionar nach Surinam zu gehen. Vierundzwanzig Jahre später folgten ihm die Redemptoristen in dieses ferne Land und fanden heraus, dass Peerke dort bereits im Geist unseres Gründers - des hl. Alphons - lebte. Nachdem die Redemptoristen ihn schließlich in die Kongregation aufnahmen, drückte Peerke später immer wieder seine von Herzen kommende Dankbarkeit hierfür aus; dabei sind es eigentlich wir, seine Mitbrüder, die auf Grund unserer Kurzsichtigkeit erröten müssten und diesem heiligen Mann mit Bescheidenheit begegnen müssten und mit Herzen, die bereit sind von ihm zu lernen.
Kann dieses ungewöhnliche Leben des Peter Donders, das vor über zwei Jahrhunderten in dieser Stadt begann und dann in den Wäldern, Flüssen und Plantagen Surinams gelebt wurde, uns heute noch etwas lehren? Oder sollten wir ihn und sein Leben eher wie ein schönes, aber außergewöhnliches Stück Kunst betrachten, das zwar bewundert werden will, dem aber nicht nachgeeifert werden sollte?
Die wahrscheinlich grundlegendste Lehre seines Lebens ist, wie er das große Geheimnis verstand, das immer noch Frauen und Männer fasziniert: Die Möglichkeit wahrer Liebe. Peerke wusste, dass er geliebt wurde - vorurteilslos, täglich, und für immer - von dem, der "die Welt so liebte, dass er seinen einzigen Sohn hingab." (Jo 3,16) Für ihn war das Christentum nicht einfach nur ein Auflistung von Glauben oder moralischen Vorschriften; vielmehr ist es für ihn die Begegnung mit der Person Jesus Christ. Er verstand die Lehre Jesus so, dass Gott nicht nur im Gebet begegnet werden kann, sondern auch in der liebenden Hingabe zu anderen. Aus diesem Grund verstand Peerke, dass sein Leben ein Geschenk war, ein Geschenk, das seine volle Entfaltung erst in der ganzen Hingabe zu Gott und seinen Männern und Frauen erreichen sollte.
Menschen werden niemals müde von der Liebe zu sprechen. Es ist nicht genug ins Kino zu gehen, sich eine Oper anzuhören oder große Literatur zu lesen, um zu verstehen, wie die Liebe das menschliche Wesen immer noch fasziniert. Das Leben des Seligen Peter zeigt uns, dass wirkliche Liebe nicht einfach diskutiert oder beobachtet werden kann; sie muss letztlich ganz direkt gelebt werden in den Entscheidungen und Gesten gegenüber anderen. Genauso ist es mit der Aufforderung des Apostels Johannes, die wir am Ende der ersten Lesung gehört haben: "Wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit." (1 Jo 3, 18).
Peter Donders theoretisierte nicht über Liebe. Es scheint, als habe er nur zweiundfünfzig Briefe während seiner fünfundvierzig-jährigen Missionsarbeit in Surinam geschrieben. Peerke war ein Mann des Handelns und sein Verständnis von Liebe drückt sich vor allem in seinen Handlungen und Taten aus und nicht in hochfliegenden Worten oder komplizierten Theorien. Wir sind mit den Gemälden und Abbildungen vertraut, die versuchen die Konkretheit seiner Liebe einzufangen. Anschaulich wird Peerke dargestellt, wie er die Wunden der Lepra- Kranken verbindet oder geduldig die Einheimischen Surinams instruiert. Soweit ich weiß gibt es leider keine Bilder, die ihn bei der Ausführung anderer Ausdruckformen seiner Menschenliebe zeigen. Ich meine damit seine Zigarren und sein Akkordeonspiel. . .
Als ich das letzte Mal die frühere Lepra Kolonie in Batavia besucht habe, zeigte einer der Mitbrüder auf einen isolierten Außenbereich des Lagers. Dort, so erklärte er, war der Ort an dem Peter rauchte. Warum er nicht in Anwesenheit der Kranken rauchte? - Während die Aufseher ständig in Anwesenheit der Kranken rauchten, um den Gestank der Kranken zu überdecken, hat Peter dies niemals getan, einfach als Zeichen des Respekts gegenüber seinen leidenden Brüdern und Schwerstern. Für ihn waren die Erkrankten Kinder Gottes, Brüder und Schwester in Jesus Christus und nicht Klienten, Teile einer Statistik oder einfach "Seelen die es zu retten galt." Seine Liebe ihnen gegenüber war respektvoll.
Als Peter fast 60 Jahre alt war begann er ein Apostolat zwischen den Einheimischen Surinams. Er erkannte schnell, dass die pastoralen Methoden, die in der Stadt Paramaribo oder der Lepra-Station in Batavia genutzt hatten, bei der einheimischen Bevölkerung nicht funktionieren würden. Daher suchte er nach neuen Wegen das Evangelium zu verkünden. Er fand heraus, dass Musik viele Leute anzog und er lernte das Akkordeon zu spielen. Seine Liebe zu ihnen war kreativ. Als er starb klagten die Einheimischen: "Wer wird uns jetzt das Singen beibringen?"
Kehren wir noch einmal zu der Frage zurück, die ich vorhin in meiner Reflektion gestellt habe. Kann Peters Leben selbst heute noch bedeutsam für uns sein. Ich glaube, dass wir eine bedeutende Wandlung in seinem 77jährigen Leben entdecken können. In seinen pastoralen Arbeiten für die Armen und Verstoßenen war er zuerst von einem Gefühl motiviert worden, einen Auftrag zu haben. Schritt für Schritt fand er große Befriedigung in seinem Dienst an den Armen. Schließlich aber verstand er, dass er einer von ihnen war, ein anderer armer Mann, der zusammen mit seinen geringsten Brüdern und Schwestern unendlich von Gott geliebt war.
Diese Solidarität wurde durch die Art, wie er die zwei Gebote lebte, hervorgerufen: "An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten." (Mt 22,40) Da Peerke Gott aus vollem Herzen, aus tiefster Seele und seinem ganzen Verstand liebte, fand er heraus, dass er seinen Nächsten wie sich selbst lieben muss. Seine Liebe zu Gott war einfach seine Antwort auf die Liebe, die er von Gott zuerst bekommen hatte und diese Liebe führte ihn schließlich zu der Überzeugung, dass Gott nicht nur ihn, sondern auch andere auf genau diese Art lieben müsse. Nach einem solch praktisch- gestalteten Leben fand er die tiefe Verbundenheit zu der jedes menschliche Wesen berufen ist.
Für uns, seine Mitbrüder der Kongregation des heiligsten Erlösers hat Peerke eine ganz besondere Botschaft. Können Sie sich ihn vor Ihrem geistigen Auge vorstellen, wie er an uns herantritt: lachend, mit einer zerschlissenen Klerik gekleidet und mit seinem Akkordeon über der Schulter hängend? Natürlich raucht er nicht, um unsere Gefühle nicht zu verletzen. Was sagt er zu uns? Seine Botschaft zu uns, seinen Brüdern ist: "Wenn ihr glücklich sein wollt, bleibt nahe bei Gott in dankbaren Gebeten, hört den Ruf der Armen und Verstoßenen, geht zu ihnen und die Liebe Jesus wird euch vor Freude singen lassen".
P. General Joe Tobin C.Ss.R anlässlich der Zweihundertjahrfeier der Geburt des sel. Peter Donders C.S.s.R. in Tilburg (NL) am 24. Juni 2009.

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Ezechiel wird von Jahwe als "Menschensohn" angesprochen, von ihm auch "aufgehoben" und auf die Füße gestellt. Es gehört zu den prophetischen Berufungsgeschichten, klein zu werden, auf die Erde zu fallen und nicht auf Augenhöhe zu bleiben.
Gesandt wird der Prophet zu den "abtrünnigen Söhnen Israels", die hier erscheinen als Menschen, die immer wieder und bis zum heutigen Tag abgefallen sind von Jahwe und seinem Willen. Sie werden als "widerspenstiges Volk" charakterisiert "mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen". Die Konkretion fehlt jedoch, lässt sich aber aus dem prophetischen "Buch" des Ezechiel erschließen. Es ist der Ungehorsam, der das Volk von Jahwe trennt. Sie werden, so heißt es am Schluss des Abschnittes, erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war. Was das heißt, erschließt sich auch erst aus dem "Buch" des Ezechiel: der Prophet deutet eine Unheilsgeschichte.
Zum Fortgang der prophetischen Verkündigung gehört auch, dass Jesus als "Menschensohn" vorgestellt wird, der das Volk Gottes errettet.