Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Éxodus.
In jenen Tagen
murrte die ganze Gemeinde der Israeliten
in der Wüste gegen Mose und Aaron.
Die Israeliten sagten zu ihnen:
Wären wir doch im Land Ägypten
durch die Hand des Herrn gestorben,
als wir an den Fleischtöpfen saßen
und Brot genug zu essen hatten.
Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt,
um alle, die hier versammelt sind,
an Hunger sterben zu lassen.
Da sprach der Herr zu Mose:
Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen.
Das Volk soll hinausgehen,
um seinen täglichen Bedarf zu sammeln.
Ich will es prüfen,
ob es nach meiner Weisung lebt oder nicht.
Ich habe das Murren der Israeliten gehört.
Sag ihnen:
In der Abenddämmerung
werdet ihr Fleisch zu essen haben,
am Morgen werdet ihr satt werden von Brot
und ihr werdet erkennen,
dass ich der Herr, euer Gott, bin.
Am Abend kamen die Wachteln
und bedeckten das Lager.
Am Morgen lag eine Schicht von Tau
rings um das Lager.
Als sich die Tauschicht gehoben hatte,
lag auf dem Wüstenboden etwas Feines, Knuspriges,
fein wie Reif, auf der Erde.
Als das die Israeliten sahen,
sagten sie zueinander: Was ist das?
Denn sie wussten nicht, was es war.
Da sagte Mose zu ihnen:
Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Der Herr gab ihnen Brot vom Himmel. – Kv
GL 657, 3
Was wir hörten und erfuhren, *
was uns die Väter erzählten,
das wollen wir ihren Kindern nicht verbergen, *
sondern dem kommenden Geschlecht erzählen. – (Kv)
Er gebot den Wolken droben *
und öffnete die Tore des Himmels.
Er ließ Manna auf sie regnen als Speise, *
er gab ihnen Korn vom Himmel. – (Kv)
Jeder aß vom „Brot der Starken“; *
er sandte Nahrung, sie zu sättigen.
54Er brachte sie in sein heiliges Gebiet, *
zum Berg, den seine Rechte erworben hat. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Éphesus.
Schwestern und Brüder!
Das also sage ich und beschwöre euch im Herrn:
Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken!
Ihr habt Christus nicht so kennengelernt.
Ihr habt doch von ihm gehört
und seid unterrichtet worden,
wie es Wahrheit ist in Jesus.
Legt den alten Menschen
des früheren Lebenswandels ab,
der sich in den Begierden des Trugs zugrunde richtet,
und lasst euch erneuern
durch den Geist in eurem Denken!
Zieht den neuen Menschen an,
der nach dem Bild Gottes geschaffen ist
in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Im Epheserbrief treten vermehrt Mahnungen auf, wie Christsein zu leben ist. Der Verfasser fordert eine radikale Unterscheidung zu den Heiden. Christen sollen in einer Haltung der Liebe nach dem Vorbild Jesus Christus leben. Vor allem wendet er sich gegen ein lasterhaftes Verhalten in sexueller Unmoral, Begierde und Lüge. Christen leben als Kinder des Lichts gegenüber den Heiden als Kinder der Finsternis.
Sie sollen den alten Menschen ablegen (Heidentum), der verdorben und verblendet ist, und den neuen Menschen (Christus) anlegen. Der neue Mensch ist nach Gott geschaffen. Das abgestumpfte Leben der Ausschweifung wird erneuert durch ein Leben in Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit. Zugrunde liegt dem der Charakter der Taufe. ("anziehen" – Gal 3,27 und Röm 13,12b–14).
Die Aktualität der Mahnrede des Verfassers auf das liederliche Leben der Gemeinde, richtet sich auf das Wiederfinden der christlichen Identität. Die dort angesprochenen Diasporachristen stehen in der Gefahr, sich von ihren heidnischen Mitbürgern zu einem sündhaften Leben anstecken zu lassen. Sie vergessen dabei das, was sie durch Taufe geworden sind. Christliche Existenz und Lebensordnung orientiert sich allein an Jesus Christus.
Der Christ muss sich im Blick auf Jesus Christus ständig erneuern und überprüfen, ob er dem "neuen Menschen" treu bleibt, oder sich von säkularen Tendenzen anstecken und verlocken lässt.
Joachim Schröter (2003)
Mit diesem Abschnitt des Epheserbriefes beginnt ein Hauptanliegen von Paulus: Der Christ muß sich in Kirche und Welt von seiner heidnischen Vergangenheit lösen. Offensichtlich ist diese heidnische Vergangenheit, die den Menschen vielleicht Jahrzehnte lang geprägt hat, mit ihren Ansprüchen und Verlockungen gegenwärtig.
Kernpunkt ist dabei die Wahrheitsfrage. Der Mensch besitzt das Denkvermögen, die Wirklichkeit zu erfassen und für sich als Richtung weisend für sein Leben anzunehmen. Aber die "Nichtigkeit des Denkens" läßt ihn die Wahrheit, die allein in Gott ist, ablehnen und drängt ihn, sich auf "seine Welt", die letztendlich nur Trug und Schein ist, einzulassen. So ist nicht mehr Gott die Mitte in seinem Leben sondern das eigene Ich.
Wie sieht nun dieses christliche Leben aus?
Christus lernen: Für Paulus bedeutet dies, den Heilsplan Gottes verstehen zu lernen, erfassen zu lernen, was Gott durch Christus an uns gewirkt hat. Daß sich aus diesem Verständnis der Vorrangstellung Christi eine Lebensführung ableitet, die wir "Nachfolge Christi" nenen, ist eine logische Schlußfolgeung.
Christus hören: Wir verstehen, daß damit gemeint ist, wir haben etwas über Christus gehört. Paulus meint aber nicht nur, daß wir über Christus als Gegenstand, über den gesprochen wird, hören, sondern auch, daß Christus der ist, der bei der Verkündigung in und durch die Worte des Predigers zu uns spricht, so wie er z.B. im Abendmahl gegenwärtig ist.
Daher werden wir auch "in ihm" unterwiesen. Denn nur wenn der Verkündiger "in ihm" spricht und nicht nur über ihn, und wir dieses Wort "in Christus" vernehmen kann Glaubenswahrheit wirksam aufgenommen werden.
Der uns von Gott durch die Taufe gnadenhaft verliehene Anteil am göttlichen Leben muß nun ausgebildet werden zur Gleichförmigkeit mit "dem Bild des Sohnes Gottes"(vgl. röm 8,29). Und dieses Ablegen des alten Menschen, der nur zu Tod und Verderben führt, müßte eigentlich leicht fallen.
Bevor wir aber den neuen Menschen anziehen können ist ein Umdenken erforderlich; an die Stelle "nichtigen Denkens" muß eine Erneuerung im Geist treten, die uns die Glaubenswirklichkeit neu erfassen läßt.
Der "neue Mensch" ist dann der Mensch, der durch den Glauben Christus in sich wohnen hat. Und dieser Mensch entspricht dem gottgegebenen Sein, er ist "nach dem Bild Gottes geschafen" im Sinn von grundgelegt.
Der Abschnitt aus dem Epeserbrief, der als zweite Lesung vorgetragen wird, spiegelt die Lebensverhältnisse der Christen des 1. Jahrhunderts in Kleinasien wider. Sie kommen aus einer hellenistisch geprägten Kultur. Diese Lebenswelt wird von den Christen nach jüdischem Denkmuster als heidnisch bezeichnet. (Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Bezeichnung "heidnisch" bei den Juden nicht den gleichen arroganten Beigeschmack hatte wie bei uns heute.)
Durch die Taufe sind die Christen zu einer neuen Lebensweise berufen. Diese versucht der Apostel in unserem Text zu verdeutlichen, indem er heidnisches und christliches Leben gegenüberstellt. (Siehe ungekürzte Textfassung)
Der Hauptunterschied liegt für ihn in der Art des Denkens. Aus dem Blickwinkel der Christen sind die Heiden unwissend. Sie kennen nicht die Perspektiven des Glaubens. Der Vorwurf der Unwissenheit muß angesichts des hohen Bildungsniveaus hellenistisch Gebildeter ziemlich paradox geklungen haben.
Ein zweites Merkmal ist die Verhärtung des Herzens. Was die Christen gegenüber den Heiden auszeichnet, ist ihre Kultur der Liebe.
Weitere Vorwürfe sind Haltlosigkeit, Ausschweifung , Gier und jede Art von Gemeinheit. Dabei ist zu bedenken, daß es im Hellenismus eine Vielfalt von Philosophien und damit verbundenen Lebensweisen gab. Diese haben bei den Christen auf Grund ihrer Glaubenseinsichten in Welt- und Lebenszusammenhänge keine Geltung mehr. Sie blicken mit Geringschätzung auf das zurück, was sie selbst einmal geglaubt und gelebt haben.
Die hellenistisch-heidnischen Einstellungen gehören aber bei den Christen offenbar noch nicht ganz der Vergangenheit an. Wenn sie sie schon vollständig zurückgelassen hätten, müßte sie der Apostel nicht so eindringlich ermahnen, den alten Menschen abzulegen. Er greift damit die Symbolik der Taufe auf. Es gilt, die Wahrheit, die Jesus Christus ist, im Denken anzunehmen und immer mehr im konkreten Leben auszugestalten.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Éphesus.
Schwestern und Brüder!
Das also sage ich und beschwöre euch im Herrn:
Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken!
Sie sind verfinstert in ihrem Sinn.
Sie sind dem Leben Gottes entfremdet
durch die Unwissenheit, in der sie befangen sind,
durch die Verhärtung ihres Herzens.
In ihrer Haltlosigkeit gaben sie sich der Ausschweifung hin,
um jede Art von Unreinheit in Habgier zu vollführen.
Ihr habt Christus nicht so kennengelernt.
Ihr habt doch von ihm gehört
und seid unterrichtet worden,
wie es Wahrheit ist in Jesus.
Legt den alten Menschen
des früheren Lebenswandels ab,
der sich in den Begierden des Trugs zugrunde richtet,
und lasst euch erneuern
durch den Geist in eurem Denken!
Zieht den neuen Menschen an,
der nach dem Bild Gottes geschaffen ist
in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Nicht nur vom Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit,
als die Leute sahen,
dass weder Jesus noch seine Jünger
am Ufer des Sees von Galiläa waren,
stiegen sie in die Boote,
fuhren nach Kafárnaum
und suchten Jesus.
Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden,
fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierhergekommen?
Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch:
Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt,
sondern weil ihr von den Broten gegessen habt
und satt geworden seid.
Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt,
sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt
und die der Menschensohn euch geben wird!
Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.
Da fragten sie ihn:
Was müssen wir tun,
um die Werke Gottes zu vollbringen?
Jesus antwortete ihnen:
Das ist das Werk Gottes,
dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
Sie sagten zu ihm:
Welches Zeichen tust du denn,
damit wir es sehen und dir glauben?
Was für ein Werk tust du?
Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen,
wie es in der Schrift heißt:
Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.
Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch:
Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben,
sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.
Denn das Brot, das Gott gibt,
kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.
Da baten sie ihn:
Herr, gib uns immer dieses Brot!
Jesus antwortete ihnen:
Ich bin das Brot des Lebens;
wer zu mir kommt,
wird nie mehr hungern,
und wer an mich glaubt,
wird nie mehr Durst haben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Wesentliche Themen johanneischer Theologie sind auch im Kapitel 6 der exklusive Anspruch Jesu, der Offenbarer Gottes und Lebensmittler, die Bedeutung des Menschseins Jesu, die Beziehung zwischen Wort, Geist und Glauben, sowie die Rolle der Zeichen im Glaubensprozess.
Jesus offenbart sich als das "Brot des Lebens, das vom Himmel herabgekommen ist."
Die "Brotrede" ist ein Wechselgespräch zwischen Jesus ungläubigen Juden.
Drei Fragen werden an Jesus gestellt: Wann bist Du hier her gekommen? Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben?
Die Juden suchen Jesus – sie suchen allerdings Befriedigung ihrer irdischen Bedürfnissen. Jesus meint jedoch, sie sollen nicht beim Alltäglichen stehen bleiben, sie sollen hinter das Zeichen schauen. In ihrem Suchen sollen sie dem Gewöhnlichen des Lebens, (in der Arbeit, im Beruf, den Mitmenschen gegenüber, in der Familie...) eine andere Qualität geben.
Das Missverständnis setzt sich fort in der Frage, was sie tun sollen. Aber Jesus geht es nicht um ein "Tun", sondern um den Glauben an ihn. Nicht das Tun bestimmt die Beziehung zu Jesus Christus, sondern bedingungsloses Vertrauen und sich Einlassen.
Dann fordern sie ein Zeichen, welches ihnen Gewissheit gibt, sich auf ihn einzulassen. Sie verweisen auf das große Brotwunder im alten Testament, (Ex 16). In der Antwort stößt Jesus sie vor den Kopf. Gott gibt sich selbst, nämlich in Jesus Christus.
Das "wahre und eigentliche" Brot war überhaupt nicht das Manna, das Mose den Vätern gegeben hat, sondern es ist das Brot, das der Vater jetzt gibt: Es ist Jesus Christus selbst als Sohn Gottes.
Die Bitte nach diesem Brot wird erfüllt, im Glauben an Jesus, darin erfüllt sich der tiefere Lebenshunger.
Die Volksmenge sucht Jesus und Er deckt die Verkehrtheit ihres Suchens auf. Die Menge sucht ihn mit einer falschen Erwartung, in der Hoffnung, eine dauernde Fortsetzung des Speisenwunders zu erleben. Es geht um das vordergründige Sattwerden, um die Stillung der eigenen Bedürfnisse. Dieses "Suchen" muß Jesus ablehnen.
In Vers 27 zeigt Jesus die Richtung an, in der das rechte Suchen zu geschehen hat: Müht euch ab, aber nicht für eine Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt.
Die beiden in ihrer Qualität verschiedenen Speisen verweisen auf eine verschiedene Qualität von Leben. Die Speise, die für das ewige Leben bleibt, die ewiges Leben, eschatologisches Heil vermittelt, ist mehr als die Vorstellung von einem zukünftigen Schlaraffenland oder einer immer humaneren Welt.
Hinzugefügt wird, wer diese Speise gibt: Es ist der "Menschensohn". Diesen "Menschensohn" hat Gott mit seinem Siegel beglaubigt. Wer nach dem ewigen Leben fragt, wird von Gott selbst auf Jesus verwiesen. So wird die Brotvermehrung zu einem Zeichen für eine Form der Sättigung, die zum ewigen Leben dient.
Die Galiläer sind echte Juden; daher lautet ihre Gegenfrage: Welche Werke müssen wir tun. Jesus stellt aber den vielen Werken des jüdischen Gesetzes ein Werk gegenüber, nämlich den Glauben an ihn als den Gesandten Gottes. Im Glauben, der durch die Liebe wirkt, liegt der Schlüssel zum ewigen Leben.
Das Volk fordert als Antwort auf die Glaubensforderung Jesu ein Zeichen von ihm, daß er der von Gott gesandte Messias ist. Es denkt dabei an die Erneuerung des Mannawunders. Das Manna galt als "Brot vom Himmel" (vgl. Ps 78,24) das Zeichen der Brotvermehrung offenbar nicht.
Da erklärt ihnen Jesus:"Ich bin das Brot des Lebens". Mit dieser "Ich bin" Formel drückt er unmißverständlich aus, daß er der Geber ist und die Gabe. Er und kein anderer ist der Heilsbringer, und wer diese Gabe empfängt, muß in persönliche Beziehung zum Geber treten. Das "nie mehr hungern und Durst haben" verheißt dem Empfänger eine Überwindung der menschlichen Vergänglichkeit und zwar im Glauben. Dies ist begründet in Jesus Christus selbst, der das Lebensbrot ist.
Das Evangelium umfaßt den ersten Abschnitt der Rede Jesu über das Himmelsbrot in der Synagoge von Kafarnaum.
In den beiden vorausgehenden Erzählungen von der wunderbaren Speisung einer großen Volksmenge und von der nächtlichen Erscheinung bei der Überfahrt auf dem See Genesareth offenbarte sich Jesus als einer, der das Menschliche übersteigt. Der Evangelist nimmt diese Ereignisse zum Anlaß einer theologisch klärenden Rede über Jesus und sein Selbstverständnis.
Der vorliegende Evangelienabschnitt läßt sich nach den 3 Fragen, die die Menschen an Jesus richten, untergliedern:
Die 1. Frage, wann er hierher gekommen sei, nimmt Jesus zum Anlaß klarzustellen, daß er nicht "Brotkönig" sein wolle, der sie der Sorge um den täglichen Lebensunterhalt enthebt. Er möchte, daß sie sich um eine Speise mühen, die für's ewige Leben bleibt.
Die 2. Frage, die seine Zuhörer an ihn richten, entspringt religiösen Vorstellungen seiner Zeit: Welches Werk erwartet Gott von ihnen. Die Antwort faßt Jesus in einer paradoxe klingenden Formel zusammen: Das von Gott erwartete Werk ist der Glaube.
Damit überschreitet er die bei vielen Menschen beliebte und bei den Juden zur Zeit Jesu gängige Einstellung des religiösen Tauschhandels. Man vollbringt die von Gott geforderten Werke und erwartet als Gegenleistung das Wohlwollen Gottes, das sich im Wohlergehen des Gläubigen erweisen soll.
Die 3. Frage enthält die Aufforderung, Jesus möge seine Glaubwürdigkeit durch ein Wunderzeichen ausweisen. Mose hat in der Wüste seine Glaubwürdigkeit durch das Manna ausgewiesen. In der Fortsetzung des Brotwunders soll Jesus seine Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen.
Jesus mißt aber dem Brotwunder eine andere Bedeutung bei. Dieses soll auf ihn hinweisen. Er selbst ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer an ihn glaubt, wird lebessatt werden und weder hungern noch dürsten. Mit anderen Worten: Wer satt werden will, muß an ihn glauben als den, den der Vater gesandt hat.
Im Johannesevangelium ist Jesus nicht Wundertäter, sondern Verkünder des Reiches Gottes, der Zeichen setzt. Viele bleiben bei der Bewunderung Jesu stehen und erkennen nicht das, worauf er mit den Zeichen hinweist. So ist es auch mit dem Brot des Lebens, das uns Gott in Jesus gegeben hat. Erst wenn es unser ganzes Leben durchdringt, wird es uns dauerhaft satt machen.
Die Sehnsucht nach einem besseren Leben treibt unzählige Menschen, auf lebensgefährlichen und abenteuerlichen Wegen nach Europa oder Nordamerika zu gelangen; Menschen, die ihre Heimat verloren haben oder in ihrer alten Heimat nichts mehr zu verlieren haben.
Die Sehnsucht nach einem besseren Leben ist aber auch für uns im wohlhabenden Norden an ein wichtiger Antrieb, wenn wir uns bemühen, unser Einkommen zu verbessern, unsere Ausbildung zu erweitern, unseren sozialen Status zu erhöhen…
Die Generationen, die unser Land nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut haben, sagten sich: "Unsere Kinder sollen es einmal besser haben." Manches, was sie sich als besseres Leben vorgestellt haben, stellen wir Nachkriegsgeborenen heute in Frage. Wenn wir an die Zukunft denken, kommen Zweifel auf, ob die kommenden Generationen es besser haben werden: Viele Junge haben Schwierigkeiten, eine angemessene Arbeit zu finden, es wird ihnen ein Leben in einer ausgebeuteten und geschädigten Umwelt zugemutet, Katastrophen drohen, klimatische Veränderungen kommen auf uns aber vor allem auf sie zu.
Die Sehnsucht nach einem besseren Leben hat auch die Menschen getrieben, die sich an Jesus gehängt haben und ihm nachgelaufen sind. Er hat ihnen Hoffnung gemacht, dass in einer Welt, die von der Herrschaft Gottes bestimmt ist, alles besser sein wird, und seine Predigt mit beeindruckenden Zeichen unterstrichen. Die Zeichen, die er dafür gesetzt hat, wurden als Wunder wahrgenommen, jedoch nicht als Hinweise auf das Reich Gottes verstanden. Dass er Menschen von Leiden geheilt hat, ihnen auf unerklärbare Weise so viel zu essen gegeben hat, dass sogar noch eine Menge übriggeblieben ist, wurden von den meisten Leuten nicht so verstanden, wie er es verstanden wissen wollte.
Ihr Traum von einem besseren Leben erfüllte sich fürs Erste im "einfach satt werden". Dass "satt werden" noch mehr beinhalten könnte, als sich keine Sorgen um das tägliche Brot machen zu müssen, war ihnen nicht zugänglich. Ihre Bitte "gib uns immer dieses Brot" und seine Antwort "Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben", scheinen aneinander vorbeizugehen.
Bei aller Sehnsucht nach einem besseren Leben erwarten sich dieses nur wenige Menschen von Gott her. Der Aussage Jesu "Das Brot das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben", begegnen Menschen heute eher misstrauisch. Bringt Christsein ein besseres Leben? Haben in der Vergangenheit Religionen und auch das Christentum nicht auch manches Schlimme gebracht? Heute neigen die meisten Menschen dazu, Fortschritt und Entwicklung der eigenen Tüchtigkeit oder einer aufgeklärten Lebenseinstellung zuzuschreiben. Sie bringen dies nicht mit der eigenen Glaubenseinstellung in Verbindung. Worin liegt der "Mehrwert" dessen, was uns Jesus anbietet?
Ein Grund, warum die Verbindung von Christsein und dem Verlangen nach einem besseren Leben von vielen nicht mehr hergestellt wird, mag darin liegen, dass Jesu Rede vom Brot, das Gott gibt und das vom Himmel herabgekommen ist, einseitig sakramental als "Seelenspeise" zur persönlichen Erbauung verstanden wurde. Dieses spielt bestenfalls für die eigene Frömmigkeit eine Rolle, wirkt sich aber sonst nicht im Leben aus.
Ein anderer Grund dürfte darin liegen, dass viele sich wie die Menschen damals zufriedengeben, wenn sie ihre leiblichen Bedürfnisse stillen können, einfach dem Leibe nach satt werden, jedoch keine tiefere Erfüllung ihrer Lebenssehnsucht von ihm erwarten.
Die größte Hürde dürfte aber sein, dass Jesus sich selbst als das Brot vom Himmel, das Gott gibt, sieht und somit uns nahelegt, seine Lebensweise, seine Gottesbeziehung und sein Dasein für die Menschen in uns aufzunehmen und so zu einem intensiven und erfüllten Leben zu gelangen.
Christ sein bedeutet mehr als von Jesus begeistert zu sein, zur Gemeinschaft der Christen zu gehören, sich an Jesus zu erbauen. Es gilt, diesen Jesus in uns aufzunehmen, ihm ähnlich zu werden und wie er die Welt aus dem Geist Gottes heraus zu verwandeln.
Jesus konfrontiert seine Zuhörer mit Neuem, das sie teilweise überfordert. Wie die Geschichte zeigt, die Menschen erst lernen und einüben mit neuen Gegebenheiten, Möglichkeiten und Freiheiten umzugehen.
Heute hörten wir wieder ein Stück aus der sogenannten Brotrede des Johannesevangeliums. Wir haben gehört, wie wichtig Brot ist als Nahrungsmittel zum Überleben. Viele Redensarten sind damit verbunden. Am harten Brot kann man sich die Zähne ausbeißen; weiter gedacht geht es um Hartherzigkeit. Frisches Brot dagegen ist weich, riecht gut, ist geschmackig.
Das Alte Testament formuliert dieses Bild so: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt.“ (Ez 36,36). Das ist der Geist der Freiheit, der den Menschen zur Entfaltung dient, der ihn zur Persönlichkeit heranwachsen lässt.
Damit sind wir auch schon beim Buch Exodus, beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, von der Knechtschaft in die Freiheit. Da hören wir vom Murren des Volkes. Wie soll man mit dieser Freiheit umgehen, ist sie nicht sogar eine Last? Alles ist neu, unsicher, wir müssen jetzt selbst auf uns schauen und können es nicht. Damals waren wir geknechtet, unterdrückt, ausgeschunden und ausgemergelt, aber zu essen hatten wir: „Wir waren an den Fleischtöpfen und hatten genügend Brot zu essen,“ so klagt das Volk und beschuldigt dann Mose und Aaron, es in die Wüste zu führen, um dort die Menschen dem Hungertod auszusetzen. Ja, vieles war unbequem, aber sicher.
Es ist heute nicht anders: Vor mehr als dreißig Jahren brach das totalitäre Regime des Kommunismus zusammen. Das ging manchen zu rasch. Viele Menschen taten sich schwer mit der neuen Lebenssituation, mit der plötzlichen Freiheit. Bei gar nicht wenigen ist das bis heute so. Trotz aller Unterdrückung waren sie jahrzehntelang durch ein schlecht funktionierendes Sozialsystem abgesichert. Grundnahrungsmittel waren billig, aber nicht immer zu bekommen, die Miete durch den Staat gedeckelt. Einige murrten über die neue Freiheit.
Auch die Globalisierung zwingt uns, mit einem neuen Maß an Freiheit umgehen zu lernen. Angebot und Nachfrage bestimmen die Preise, damit natürlich auch, wie wir unsere Existenz absichern. Der Mensch will Sicherheit, damals und heute. Das Volk Israel murrt, JHWH versorgt es mit Manna, später auch mit Wasser. - Manna: Das Volk kennt diese Speise nicht, Manna heißt übersetzt: Was ist denn das?
Das Evangelium nimmt diesen Gedanken des Manna wieder auf. Manna, Nahrung für den Körper. „Brot vom Himmel gab er (JHWH) ihnen zu essen.“ Die Menschen kennen sich nicht aus. Sie wollen eine Erklärung: „Müht euch nicht um eine Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt.“ Der säkulare Mensch heute, aber auch das Volk damals denkt: Jetzt ist er komplett durchgeknallt. Es geht so weiter: „Ich bin das Brot des Lebens“.
Kann man Jesus noch ernstnehmen? Daher fragen sie: „Wo sind die Zeichen deiner Glaubwürdigkeit? Was tust du, damit wir dir glauben?“ Seine Antwort: Das einzig entscheidende Werk ist der Glaube an den, den Gott gesandt hat. Glaube ist Herausforderung, harte Arbeit „Fides quaerens intellectum“- Der Glaube sucht den Intellekt (Anselm von Canterbury 1033- 1089 in Proslogion). Was ich weiß und erfahren habe, muss ich nicht mehr glauben. Auswendig gelernte Glaubenssätze bringen nicht weiter. Früher galt: Frag nicht so viel, glaube, was man dir sagt. Von den Menschen wird der Glaube gefordert.
Glaube heißt auch die Zeichen der Zeit erkennen. Für heute bedeutet das z.B.: Was will uns diese so lang anhaltende Pandemie sagen? Der Glaube setzt die Natur voraus und vollendet sie. Es ist eine Vernunftnatur, die jeder von uns mitbekommen hat. Diese Verbundenheit mit der Vernunft führt zur Eigenverantwortung auch mit der Fragestellung: Was ist jetzt zu tun? Was haben wir verabsäumt, wie gehen wir mit der Natur, mit der Schöpfung um, sind wir Mitarbeiter Gottes oder eher Räuber dieser Schöpfung?
Zum Glauben gehören Fragen und Zweifel und auch der Dialog mit den Menschen untereinander, aber auch mit Gott. Er spricht zu uns auch durch die Zeichen der Zeit. Glaube als freiwillige Anbindung an Gott. Das ist ganz wichtig: Hören im Schweigen auf die Stimme Gottes. Die feste und beständige Verbindung mit Jesus wird zum Lebensmittel auch über den Tod des Menschen hinaus. Glaube ist Vernunft- und Vertrauenssache.
Öffnen wir uns in dieser Urlaubszeit für den neuen Geist, den Gott in uns hineinlegen will, öffnen wir uns für die dringenden Fragen der Zeit, hören wir in Stille, im Schweigen auf sein Wort. Im Schweigen, in der Ruhe ist Gott der Ideengeber für die Lösung unserer Probleme.
Nach der wunderbaren Brotvermehrung wollen die Menschen Jesus zum König machen. Er jedoch will das Wunder als Zeichen verstanden wissen. Jesus geht es darum, dass alle in einem umfassenden Sinn satt werden. Dazu gehört mehr als ein voller Magen.
An die wunderbare Brotvermehrung schließt Jesus eine ausführliche Rede über das wahre Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, an. Er will den Menschen mehr bieten als leibliches Sattwerden. Ihm ist es ein Anliegen, den Hunger der Seele zu stillen. Den seelischen Hunger muss man zunächst erst wahrnehmen und dafür sensibel werden.
Nach der wunderbaren Brotvermehrung kommt es zu einem Missverständnis. Jesus will für die Menschen mehr sein als Brotgeber. Er möchte in seiner ganzen Existenz für sie Brot des Lebens sein.
In der sog. Brotrede des Johannesevangeliums ist in mehrfacher Bedeutung von Brot die Rede. Jesus will nicht nur Helfer in der Not, sondern vielmehr Brot für unsere Seele sein. Durch dieses Brot können wir mit ihm eins werden und erhalten wir von ihm die Kraft, uns in neue Menschen verwandeln zu lassen.
Das Volk Israel ging in der Zeit der Wanderung durch die Wüste durch eine harte Schule. Es musste lernen, alle Hoffnungen auf einen Gott zu setzen, dessen Name "Ich bin der »ich bin da«" ist. Es lernte zu vertrauen, dass genug zum Leben da ist, Tag für Tag. Auch wir sind gefordert, uns in diese neue Gesellschaftsordnung einzuüben und das Teilen neu zu lernen.
Zur Erinnerung: Letzten Sonntag hörten wir bereits einen Teil der Brotrede. "Jesus ging an das andere Ufer des galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. Eine große Menge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an Kranken tat." (Joh. 6,1-2). Weiters wird berichtet, dass Jesus die fünf Gerstenbrote und zwei Fische nahm, das Dankgebet sprach und alles an die große Menschenmenge verteilte. Für jeden war genug da, ja es blieben sogar zwölf Körbe an Nahrung über.
Kurz darauf - so das Evangelium dieses Sonntags - folgte ihm die Menschenmenge wieder. Bevor die eigentliche Aussage des Evangeliums zur Sprache kommt - "Ich bin das Brot des Lebens" (Joh.6,35) - möchte ich doch einen Blick auf die Menschenmenge werfen, weil sie in ihrer Erwartung und in ihrer Mentalität wahrscheinlich nicht viel anders ist als unsere Bevölkerung heute.
Es muss eine sehr bunt gewürfelte Menge sein in ihrem Aussehen, Denken, Reden, Handeln, in ihren Ansichten, Erwartungen und Hoffnungen, in ihrer politischen Gesinnung und auch in ihrer religiösen Überzeugung. Lupenrein wird man diese Menschen sicher nicht schubladisieren, in Gruppen einteilen können, in Häretiker und Gläubige der "reinen Lehre", aber für unsere jetzigen Überlegungen sind gewisse Schematisierungen doch überlegenswert: Da sind die einen, die Handfestes wollen. Essen, Unterhaltung, Gemeinschaft erleben, da sind wieder andere, die spüren, da könnte mehr dahinterstecken, aber was nur? Wo sind die Zeichen, die Beweise seiner Glaubwürdigkeit? Setze doch jetzt diese Zeichen! Da wird es andere geben, die wohl Gemeinschaft und Unterhaltung wollen, aber auch in Gesprächen nachzuforschen versuchen, was Jesus zu sagen hat. In manchen von ihnen, vielleicht auch in Freunden und Bekannten, vielleicht auch in dem einen oder anderen der Jüngerschar selber wird so etwas wie Strohfeuermentalität ausgebrochen sein.
Diese Wunder und Zeichen, die Jesus setzt, sind manchem zu wenig konkret. Setzt da nicht eine gewisse "Tischlein-deck- dich- Mentalität" ein? Es gibt ohnedies immer etwas zu essen und für Gemütlichkeit wird auch gesorgt. So bleibt vieles verschleiert, denn so darf man wohl voraussetzen, für so einen Prominenten wie Jesus, ist es nicht schwierig, Nahrung für so viele herbeizuschaffen.
In dieser Perikope wird aber die entscheidende Frage gestellt: Glaubst du oder nicht? Die Jünger wussten ansatzweise, worum es geht, aber wie wir später hören, begannen auch sie heftige Kritik an Jesus zu üben.
Jesus verweist auf frühere Zeiten, auf die Wanderung durch die Wüste, auf das Manna, das nicht von Mose kommt, sondern vom himmlischen Vater.
Tatsächlich ist dieses Evangelium nicht leicht zu verstehen. Auch heute fassen wir es verschieden auf durch unterschiedlichen Wissens- und Bildungsstand, durch recht bunte Erwartungen und Glaubenserfahrungen, aber auch durch mannigfache Interpretation der VerkünderInnen. Dazu kommt gegenwärtig das Problem der Institution Kirche, dass sie sich in einer Glaubwürdigkeitskrise und viele Menschen aufgrund ihrer Lebenssituation in einer Sinnkrise befinden.
Das Johannes- Evangelium ist reich an Symbolen, die selbst in der Heiligen Schrift in der Umgebung Jesu missverstanden werden und einer genauen Nachfrage bedürfen. Diese Symbole sind Bestandteil der Realität: 5 Brote, 2 Fische ergibt die Zahl sieben als Symbol der Lebensfülle - Gnade über Gnade, somit reichlich Zuwendung Gottes an uns Menschen. Das Brot als Symbol des Lebens, auch des ewigen Lebens, Voraussetzung für unsere Existenz, aber auch Symbol des Teilens, wie es bei jeder Eucharistiefeier (= Danksagung) geschieht. Der Fisch, ein Symbol für Jesus Christus, ein Realsymbol vom See Gennesaret, ein verstecktes Zeichen für Jesus Christus Gottessohn. Jesus gibt im Überfluss, sodass trotz Teilens für jeden genug da ist. Für den menschlichen Verstand ist das nicht leicht fassbar, gerade in einer Zeit, wo auf dieser Erde so viel geistige und auch materielle Not herrscht. Wie soll man angesichts der Schuldenkrise noch teilen, wo alle den Gürtel enger schnallen müssen? Die Botschaft Jesu ist eine andere.
"Ich bin das Brot des Lebens" (Joh. 6,35) bedeutet wohl, dass Jesus selbst Ort und Grund jeglicher Lebenszuwendung Gottes zum Menschen ist. Es ist ein Versprechen für die Zukunft. Trotzdem hat das Reich Gottes schon begonnen. Vielleicht sind wir während der Sommermonate, in der Urlaubszeit, wenn Alltagsroutine und Sorgen hoffentlich nachlassen, offener und empfänglicher für dieses Versprechen Jesu. Ich wünsche es uns allen.
Lieder:
GL 211: Wir rühmen dich, König der Herrlichkeit.
GL 213: O heilge Seelenspeise (1., 3. und 4. Str.)
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein (2. Str.)
GL 281: Also sprach beim Abendmahle
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 378: Brot, das die Hoffnung nährt
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr (1., 3. und 4. Str.)
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr (3. Str.)
GL 423: Wer unterm Schutz des Höchsten steht
GL 424: Wer nur den lieben Gott läßt walten
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden (4. Str.)427 Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 439: Erhör, o Gott, mein Flehen, hab auf mein Beten acht
GL 450: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
GL 452: Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen (2. Str.)
GL 456: Herr, du bist mein Leben, Herr, du bist mein Weg
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 464: Gott liebt diese Welt, und wir sind sein Eigen
GL 470: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
GL 477: Seht Brot und Wein, Früchte der Erde
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (2. Str.)
GL 498: Das Heil der Welt, Herr Jesus Christ (3. Str.)
Psalmen und Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens - Mit Psalm 23 - VI.
GL 39: Kostet, kostet und seht: gut ist der Herr - Mit Psalm 34 - V.
GL 87: Aller Augen warten auf dich...
GL 214: Dies Brot ist mein Leib für das Leben der Welt - Mit Psalm 34 (GL 39) - V.
GL 420: Meine Seele dürstet nach dir, mein Gott - Mit Psalm 103 (GL 57,2) - II.
GL 616: Gott, du mein Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir. - Mit Psalm 63 - IV.
Die Olympischen Spiele ermitteln die besten Sportler. Immer besser zu werden, ist auch das Ziel in vielen Berufen, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft. Der Wettlauf um das jeweils Bessere hält unser Leben in Schwung. Damit ist aber noch nicht ausgemacht, dass wir es auch besser haben. Nicht wenige Menschen kommen dabei unter die Räder. Dieser Wettstreit erzeugt auch Verlierer.
Auch Jesus bietet uns ein besseres Leben an ein Leben, das uns rundum satt machen will. Er sieht sich als das Brot, das Gott uns vom Himmel her schenkt und das unseren Lebenshunger stillt. Sein Angebot gilt allen Menschen, auch jenen, die in dem allgemeinen Konkurrenzkampf nicht mithalten können. Wie die Menschen damals bitten auch wir Jesus: Gib uns für immer dieses Brot!
"Essen und Trinken hält Leib uns Seele zusammen" besagt eine gern gebrauchte Redeweise. Um Essen und Trinken, sowie um Leib und Seele geht es auch in unseren Gottesdiensten. Jesus möchte, dass wir dem Leib nach und auch seelisch satt werden. Das eine kann das andere nicht ersetzen. Dass Menschen in jeder Hinsicht satt werden, ist gar nicht so einfach zu erreichen. Jesus bietet sich selbst als Brot, das uns Gott vom Himmel her gegeben hat, an. Diesem Angebot nachzugehen, laden uns die Schriftlesungen dieses Sonntags ein.
Am Beginn schauen wir auf Christus, den Mittelpunkt dieser Versammlung:
Gott, unser Vater,
steh deinen Dienern bei
und erweise allen, die zu dir rufen,
Tag für Tag deine Liebe.
Du bist unser Schöpfer
und der Lenker unseres Lebens.
Erneuere deine Gnade in uns, damit wir dir gefallen,
und erhalte, was du erneuert hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 18. Sonntag im Jahreskreis
Die Bittmesse
Brot ist in unserem Kulturkreis ein Symbol für alles unbedingt Lebensnotwendige. Hinter dem eucharistischen Brot steht Jesus mit seiner Botschaft, wie wir untereinander denken, reden und handeln sollen, damit gutes Leben für alle gelingen kann.
Ihn lasst uns bitten:
Lehre uns, unsere Gottesdienste so zu gestalten, dass sie uns eine Hilfe sind, nach deiner Weisung zu leben.
Schenke uns als Gesellschaft die Vorstellungs- und Willenskraft, unsere Welt so zu gestalten, dass sie den nachfolgenden Generationen erhalten bleibt.
Eröffne allen Ausgegrenzten und Leidenden in der Wüste ihres Lebens neue tragfähige Perspektiven.
Hilf allen in ihrem Wohlstand Satten existenziellen Hunger zu spüren, der nicht mit materiellen Gütern allein gestillt werden kann.
Beschenke unsere Verstorbenen mit einem Platz an deinem himmlischen Gastmahl.
Denn deine Leiden, dein Sterben und deine Auferstehung weisen uns den Weg, trotz aller Mühsal des Lebens auf die bleibende Nähe deines und unseres Vaters zu vertrauen.
Ihm sei alle Ehre und Herrlichkeit jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Guter Gott,
du hast uns Jesus als das lebendige Brot vom Himmel gegeben,
das uns für immer sättigt.
Wir bitten dich:
Gib allen Menschen auf der Welt ausreichend Nahrung und Wasser.
Lass die Menschen Wege finden, alle Menschen mit gesunder Nahrung zu versorgen.
Lehre die Völker, die vorhandenen Ressourcen friedlich miteinander zu teilen.
Lass alle Menschen entdecken, was sie über die leibliche Nahrung hinaus satt macht.
Hilf den jungen Menschen, erfüllende Lebensaufgaben zu entdecken.
Hilf den älteren Menschen, enttäuschte Lebenshoffnungen zu ertragen
und führe sie in einen erfüllten Lebensabend.
Beschenke unsere Verstorbenen mit dem ewigen Leben.
Du, Gott, hast immer für dein Volk gesorgt.
Zeige dich auch uns als der fürsorgliche Spender des Lebens. - Amen.
Barmherziger Gott, heilige diese Gaben.
Nimm das Opfer an,
das dir im Heiligen Geist dargebracht wird,
und mache uns selbst zu einer Gabe,
die für immer dir gehört.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 18. Sonntag im Jahreskreis
Kerhvers:
Singt dem Herrn, alle Lander der Erde,
singt dem Herrn und preist seinen Namen. (GL 54,1)
Gott und Vater,
wir sind gekommen, um dir zu danken.
Denn du hast einen ewigen Bund mit uns geschlossen.
Du rufst uns zum lebendigen Wasser
und gibst uns das Beste zu essen.
Kehrvers
In deinem Sohn Jesus Christus hast du uns deine Liebe gezeigt.
Er hatte Mitleid mit den vielen Menschen,
er heilte ihre Krankheiten und schickte sie nicht hungrig weg.
Kehrvers
Er stärkte sie mit deinem Wort
und ließ sie von der Fülle des ewigen Lebens kosten.
Alle aßen und wurden satt.
Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten,
wurden zwölf Körbe voll.
Kehrvers
Für deine nie endende Liebe danken wir dir.
Sie gibt uns die Kraft, das, was wir haben, miteinander zu teilen
und so deinem Sohn nachzufolgen.
Mit allen Engeln und Heiligen preisen wir dich
und singen mit der ganzen Schöpfung dein Lob.
Danklied, z. B. Singet, danket unserm Gott, der die Welt erschuf (GL Ö874)
oder: Erfreue dich, Himmel, erfreue dich Erde (GL 467)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Als der wahre und ewige Hohepriester
hat er die Feier eines immerwährenden Opfers gestiftet.
Er hat sich selbst als Opfergabe dargebracht
für das Heil der Welt
und uns geboten,
daß auch wir diese Gabe darbringen zu seinem Gedächtnis.
Er stärkt uns,
wenn wir seinen Leib empfangen,
den er für uns geopfert hat.
Er heiligt uns,
wenn wir sein Blut trinken,
das er für uns vergossen hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 1
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Gott
wenn wir jetzt auseinander gehen
dann lass deinen Segen
um den wir dich bitten
zur befreienden Kraft
für unser Leben werden.
Dann lass deine Gegenwart
die wir erahnen
unser Leben überstrahlen
mit deinem Licht.
Gott
segne uns
in Christus
der uns erlöst und befreit hat
von allen Fesseln
der uns nährt und stärkt
im Brot des Lebens.
Gott
segne uns
im heiligen Geist
der uns begleitet bei allem Tun
und uns den Weg weist
zur ewigen Herrlichkeit.
Barmherziger Gott,
in den heiligen Gaben empfangen wir neue Kraft.
Bleibe bei uns in aller Gefahr
und versage uns nie deine Hilfe,
damit wir der ewigen Erlösung würdig werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 18. Sonntag im Jahreskreis
Treusorgender Gott,
lass uns immer wieder dankbar auf die Fülle schauen,
die du für uns bereit hältst.
Mache uns bereit,
unsere Nahrung und unser Leben mit anderen zu teilen,
damit ein gutes Leben hier auf Erden gelingen kann.
Das erbitten wir durch Christus,
unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Man setzt dort auf Bruttonationalglück statt auf Wachstum. Deshalb sehen Kapitalismusgegner in Bhutan das Paradies auf Erden. Der oberste Glückslehrer kennt die Realität.
Ganzer Beitrag:
https://www.diepresse.com/4930155/bhutan-auf-dem-weg-zu-gluck
Karl Gaulhofer in "Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2016.
Seit 2012 veröffentlicht das Sustainable Development Solutions Network (Netzwerk für nachhaltige Entwicklung) der UNO jährlich den World Happiness Report. Anhand von sechs Faktoren, die jeweils verschiedene Aspekte des Lebens abdecken sollen, wird dieser Bericht in über 150 Ländern erhoben.
Die sechs Faktoren sind das Bruttoinlandsprodukt, die Lebenserwartung der Menschen, das soziale Angebot für Bedürftige, das gemessene Vertrauen der Befragten in die Regierung und Wirtschaft, ihre gefühlte Entscheidungsfreiheit und ihre Spendenbereitschaft. Der Bericht verbindet dazu unter anderem Daten von Sozialsystemen und Arbeitsmarkt mit Befragungen über die Selbstwahrnehmung der Menschen. Ziel des Rankings ist es, Regierungen weltweit zu einer besseren Politik zu bewegen.
Der erste World Happiness Report, welcher statt ökonomischem Wachstum erstmals die Zufriedenheit der Befragten ins Zentrum stellte, wurde 2012 Jahr erstellt. Der bisher letzte wurde 2017 veröffentlicht. Die Spitzenränge werden kontinuierlich von den nordischen Ländern Dänemark, Island oder Norwegen besetzt. Lediglich die Schweiz schaffte es einmal als nicht nordisches Land auf den ersten Rang.
Die Relevanz der Untersuchung ist umstritten. Ob die gewählten Faktoren nun wirklich den Glückszustand der Menschen ergeben, bleibt fraglich. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob ein solch individueller und komplexer Zustand wie Glück quantitativ überhaupt messbar ist.
Ganzer Beitrag:
https://www.laenderdaten.de/indizes/world_happiness_report.aspx
World Happiness Report. (2017, March 21). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 10:17, March 21, 2017, from https://en.wikipedia.org
Mein Körper und meine Seele zeigen mir deutlich,
dass mehr als die Hälfte meiner Lebenszeit überschritten ist.
Der Verstand versucht daraus seine Schlüsse zu ziehen;
und häufig gelingt ihm das auch.
An dem, was hinter mir liegt, kann ich nichts ändern;
und wahrscheinlich würde ich im gleichen Alter
wieder in die gleichen Baustellen fallen,
bis ich erkenne, dass ich auch eine Umleitung benutzen kann.
Leider bin ich vor diesen Baustellen auch heute nicht gefeit,
aber, da ich alles viel langsamer laufen (lassen) muss,
nehme ich sie vielleicht eher wahr.
Meine Seele hat es nicht eilig,
weiß sie doch,
dass sie weder vorlaufen noch zurücklaufen kann.
Sie ist bereit, dass Tempo zu laufen,
das gerade heute von ihr abverlangt wird.
Und daran hat sie oft genug zu tragen.
Sie weiß auch nicht,
wie lange sie hier noch laufen darf,
soll oder muss.
Aber sie erkennt, dass sie im Heute bestehen muss,
damit sie nicht untergeht.
Sie erkennt auch, dass sie immer mehr der Klarheit bedarf,
damit sie nicht ins Schwanken gerät,
in eine Unruhe,
der sie nicht gewachsen ist.
Und bei aller Stärke, die sie hat,
ist sie so unendlich zerbrechlich –
und das ist vielleicht auch gut so.
Sie kennt den Schmerz der Liebe,
der einhergeht durch Verluste, Verletzungen,
Unverarbeitetem und vieles mehr.
Aber, sie will sich auch nicht mehr einreden lassen,
dass es dann vielleicht auch erst wahre Liebe ist.
Meine Seele braucht auch die frohen, lichten,
beschwingten Momente,
in denen sie anderen frei und offen begegnen kann,
anderen, die mit ihr auf der gleichen Suche
nach Offenheit und Ehrlichkeit,
nach Zutrauen und Verlässlichkeit
und noch vielem mehr sind.
Meine Seele hat es nicht eilig.
Sie will diese Momente ganz in sich aufnehmen,
um in schweren Zeiten davon zehren zu können.
Und sie will diese tragenden Erlebnisse spiegeln
und andere mit in ihren Glanz hineinnehmen.
Meine Seele weiß auch um die vielen Fähigkeiten,
die in mir stecken.
Sie weiß aber auch,
dass sie nicht mehr allem nachgehen muss
und dass sie nicht mehr alles beweisen muss.
Sie spürt sehr genau, wo ihre Tätigkeiten
durch einen guten Antrieb gesteuert werden
und wo sie auch den Motor einfach abstellen darf,
um sich nicht selbst zu verlieren.
Das war ein harter Lebensprozess für die Seele,
aber heute bewältigt sie diesen ganz gut –
meistens zumindest.
Meine Seele hat es gelernt, dass NEIN
ein wichtiger Bestandteil ihrer Hygiene ist.
Meine Seele hat einen tragenden Grund,
ein Grund,
der in guten und schweren Tagen (bis jetzt) getragen hat.
GOTT.
Hin und wieder muss meine Seele gezwungen werden,
dass sie zu den Quellen dieses Gottes zurückkehrt,
weil sie sich doch mal wieder „verheddert“.
Und meine Seele ist froh,
dass dieser Gott ihr das nicht übel nimmt,
sondern sie liebevoll wieder „einfängt“
und ihr neue Wege erschließt.
So bleibt meine Seele auf dem Weg.
Ist eine Pilgerin auf dieser Erde.
Und sie glaubt,
dass der Geist dieses Gottes
einst alles wieder zusammenführt,
was er aus Liebe geschaffen hat
und es bei sich behalten wird,
in verzeihender und bindender Liebe.
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Fünf Worte und zwei Sätze
von Jesus gesprochen
genügen
und fünftausend Menschen
werden satt
genügen
um sie weiterleben zu lassen
genügen
um ihnen Hoffnung zu geben
genügen ...
Aus Ilse Pauls, EDITION Club d’ART-INTERNATIONAL. Nachdruck 2014, 3441 Baumgarten.
Karg ist die Frucht
der Liebe,
die Ernte mager,
kein Überfluß,
kein Überquellen.
Doch habe ich
viel gesät,
viel gehegt,
viel gepflegt.
Aber
wenn Du, Herr,
austeilen wirst,
werden noch
zwölf Körbe
übrigbleiben.
Aus: Ilse Pauls, Lebensbilder. Wolfgang Hager Verlag 2020.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
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Im größeren Zusammenhang gesehen wird das Volk Israel von Mose und Aaron aus der Sklaverei Ägyptens herausgeführt. Im Kapitel 13 bis 15 geht die Rettung am Schilfmeer voraus, die Prophetin Miriam geht tanzend und Pauke schwingend voraus. "Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch erhaben! Rosse und Wagen warf er ins Meer." Das Volk befindet sich nun in der Wüste auf dem Weg zum Sinai, wo es die Grundlagen ihres Lebens, die Zehn Gebote erhalten soll.
Der Grundbestand des Kapitels will uns erzählen, wie das Volk auf dem viele Jahre dauernden Zug durch die Wüste ernährt wurde: Gott hat sie mit dem wunderbaren Manna versorgt.
Drei Motive werden hier angesprochen, das Murren des Volkes, das Manna in der Wüste und das Wüstenmotiv als solches.
a) Das Murren des Volkes:
Das Murren ist in dieser Situation als ein revoltierender Aufschrei in Todesangst, als Klage und Anklage zu verstehen. In der Vergangenheit, "an den Fleischtöpfen Ägyptens", war das Leben gesichert. Angesichts des nahen Untergangs wird den Führern Mose und Aaron vorgeworfen, sie hätten das Volk erst in diese Situation gebracht.
Das Murren wendet sich in einer tieferen Dimension letztendlich an Jahwe selbst, weil das Volk in der Wüste nicht mehr das Handeln Gottes erkennt. Anders als von Mose, wird darin von Gott kein Tadel gesehen. Es gilt nicht als sündhafte Auflehnung oder als Ungehorsam Jahwes gegenüber. Klage und Anklage erscheinen eher als lebensnotwendig: Nur wer Not und Todesangst empfindet und sie hinausschreit, kann Rettung erfahren. Jahwe beantwortet dies, indem er Manna vom Himmel regnen lässt.
b) Das Manna in der Wüste:
Volksetymologisch kommt das Wort Manna vom hebräischen "man". Die Israeliten fragen: "Was ist das?" (hebr.: man hu) Das nähere Aussehen von Manna gleicht einem 30 – 60 cm langen Doldenblütler. Die Samen sind hellbraune Kügelchen, die frisch einen unangenehmen Geruch haben, aber getrocknet ein wohlriechendes schmackhaftes Gewürz ergeben, ähnlich dem Geschmack des Korianders. Es kommt noch heute auf der Sinaihalbinsel und bis hinein in den Iran, in Steppen- und Wüstengebieten vor. Allerdings nur in sehr kleinen Mengen, es könnte also keine größere Wandergruppe längere Zeit ernähren. Das Manna war weiß, (besser hell) ist genießbar und schmeckt süßlich.
Das Wunder besteht nun darin, dass das ganze Volk Israel 40 Jahre lang davon leben kann. Jeder darf nur so viel nehmen, wie er täglich benötigt, ansonsten verdirbt es.
Der Wachtelfang scheint dagegen nur eine einmalige Zusatzkost gewesen zu sein. Die Wachteln sind im Frühjahr als Zugvögel auf dem Weg nach Norden und benötigen nach langer Flugzeit eine mehrstündige Rast, in der sie leicht gefangen werden können. Sie werden noch heute in Ägypten, im Negeb und auf der Sinaihalbinsel gefangen und als Leckerbissen gegessen, bzw. verkauft.
Nach Joh 6,23–49 ist das Manna zwar auch "Brot vom Himmel", es ersetzt aber nur das gewöhnliche Brot und kann nicht ewiges Leben garantieren. Jesus stellt es dem neuen Himmelsbrot gegenüber, seinem eigenen Leib als eucharistische Speise, die ewiges Leben gewährt. Offb 2,17 scheint an das in der Bundeslade aufbewahrte Manna anzuspielen.
c) Das Motiv der Wüste:
Wüste, das ist ausgemergelter Boden, endloser Sand, trockener Fels, glühende Hitze am Tag, Kälte in der Nacht, Sand, der mir überall in den Gliedern hängt. Wüste bedeutet Leere, lebensfeindlicher Raum, fremd, Einsamkeit und grenzenlose Öde. Der Mensch in der Wüste ist hilflos, mit seinen Möglichkeiten am Ende, ohne Wasser, ohne Nahrung, ist er dem Tod ausgesetzt. Nirgendwo erfährt er so intensiv wie dort, Grenzen der Abhängigkeit.
Je länger wir in dieser Wüste sind, desto mehr spüren wir, wie wir uns dort selbst ausgeliefert sind. Ich kann nicht mehr davonlaufen. Mein Leben steht auf dem Spiel. Die Wüste wird für mich der Ort und die Stunde der Wahrheit. Wer bin ich? Worauf baue ich mein Leben? Auf Jahwe, oder auf mich selbst?
Und darin wird die Wüste zur Chance für mich und für uns. Selbsttäuschungen lösen sich in nichts auf. Die falschen Götter unseres Lebens werden entlarvt. Ich muss alles loslassen, Besitz, gesellschaftliches Ansehen, alles was mir wichtig ist. Ich erkenne mich selbst, komme mir selbst und dem eigenen Ich wieder nahe. An einem Ort, wo ich dem Tode nahe bin, komme ich dem Leben wieder nahe – Paradox.
Joachim Schröter (2003)
Das Volk murrt. Dieses Murren drückt einerseits Unzufriedenheit aus über die drückenden äußeren Schwierigkeiten und zeigt doch vor allem den Mangel an Glauben und Gottvertrauen. Moses muß sich sogar gegen Verdrehungen und Unwahrheiten wehren. Denn es ist kaum anzunehmen, daß die Ägypter, die zwar selbst große Fleischesser waren, ihren Arbeitssklaven "Fleischtöpfe" zur Verfügung stellten.
Das Verhalten des Volkes ist eindeutig aufmüpfig und beleidigend; aber Gott sieht über diese unhöfliche Form der Aufforderung hinweg und wirkt seine Wunderzeichen, indem er natürliche Wirklichkeiten in seinen Dienst nimmt.
Schon Herodot, Aristoteles und Plinius erwähnen Wachtelschwärme, die in Ägypten und den umliegenden Ländern häufig sind. Diese Zugvögel treten in großen Schwärmen auf und sind, wenn sie sich zur Rast niederlassen, leicht zu fangen.
Auch beim Mannawunder geht die Darstellung nicht auf natürliche Hintergründe ein. Wahrscheinlich handelt es sich um eine sirupartige Ausscheidung von Blattläusen, die auf der von den Beduinen heute noch so genannten Manna-Tamariske leben. Dieses Sekret ist anfangs durchsichtig wie Tau und verändert sich dann in der Sonne. Aber dieses Manna ist jahreszeitlich begrenzt und kommt nur in kleinen Mengen vor. Das bedeutet: wer dieses Tamariskenmanna als historischen Kern des Bibeltextes annimmt, muß die Erzählung für ziemlich übertrieben halten.
In der 1. Lesung wird uns erzählt, wie Jahwe sein Volk, das er aus der ägyptischen Unterdrückung in die Freiheit geführt hat, nicht im Stich läßt und es mit Nahrung versorgt.
Die Erzählung lebt von symbolträchtigen Momenten: Dem Gegensatz von Knechtschaft und Freiheit stehen die Gegensatzpaare Ägypten und Wüste, Wohlergehen und Hunger gegenüber. Wenn es ums Überleben geht, denken die Menschen sehr konkret "irdisch", realistisch. Die Erzählung betont das Überirdische. Die Nahrung kommt auf wunderbare Weise von oben, vom Himmel. Die Sorge Gottes umfaßt sowohl das Geistige wie auch das Leibliche. Er ist um die Freiheit seines Volkes bemüht, hat aber auch Mitgefühl für seine konkreten Nöte.
An diesem Text haben mehrere Generationen geschrieben, modifiziert und gefeilt. Die Erfahrung der Israeliten in der Wüste wurden offenbar von Menschen, die unter ganz anderen Umständen gelebt haben, nachempfunden. In dieser Erzählung haben sich viele Menschen wiedergefunden, die in der Entbehrung die Erfahrung gemacht haben, daß Gott für sie sorgt, sie führt, und daß der Weg in die Freiheit des Volkes Gottes sich trotz aller Härte lohnt.