Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jósua.
In jenen Tagen
versammelte Jósua alle Stämme Israels in Sichem;
er rief die Ältesten Israels,
seine Oberhäupter, Richter und Aufsichtsleute zusammen
und sie traten vor Gott hin.
Jósua sagte zum ganzen Volk:
Wenn es euch nicht gefällt, dem Herrn zu dienen,
dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt:
den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten,
oder den Göttern der Amoríter, in deren Land ihr wohnt.
Ich aber und mein Haus,
wir wollen dem Herrn dienen.
Das Volk antwortete:
Das sei uns fern,
dass wir den Herrn verlassen
und anderen Göttern dienen.
Denn der Herr, unser Gott, war es,
der uns und unsere Väter
aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat
und der vor unseren Augen
alle die großen Wunder getan hat.
Er hat uns beschützt
auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind,
und unter allen Völkern,
durch deren Gebiet wir gezogen sind.
Auch wir wollen dem Herrn dienen;
denn er ist unser Gott.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jósua.
In jenen Tagen
versammelte Jósua alle Stämme Israels in Sichem;
er rief die Ältesten Israels,
seine Oberhäupter, Richter und Aufsichtsleute zusammen
und sie traten vor Gott hin.
Jósua sagte zum ganzen Volk:
So spricht der HERR, der Gott Israels:
Jenseits des Stroms wohnten eure Väter von Urzeiten an,
Terach, der Vater Abrahams und der Vater Nahors,
und dienten anderen Göttern.
Da holte ich euren Vater Abraham
von jenseits des Stroms
und ließ ihn durch das ganze Land Kanaan ziehen.
Ich schenkte ihm zahlreiche Nachkommenschaft
und gab ihm Isaak.
Dem Isaak gab ich Jakob und Esau
und ich verlieh Esau das Bergland Seïr,
damit er es in Besitz nahm.
Jakob aber und seine Söhne
zogen nach Ägypten hinab.
Dann sandte ich Mose und Aaron
und schlug Ägypten,
so wie ich es in seiner Mitte getan habe,
und dann habe ich euch herausgeführt.
Ich führte eure Väter aus Ägypten heraus.
Da seid ihr ans Meer gekommen.
Die Ägypter aber verfolgten eure Väter
mit Wagen und Pferden bis zum Roten Meer.
Da schrien eure Väter zum HERRN
und er legte zwischen euch und die Ägypter eine Finsternis
und ließ das Meer über sie kommen,
sodass es sie überflutete.
Mit eigenen Augen habt ihr gesehen,
was ich in Ägypten getan habe.
Dann habt ihr euch lange in der Wüste aufgehalten.
Ich brachte euch in das Land der Amoriter,
die jenseits des Jordan wohnten.
Sie kämpften mit euch, aber ich gab sie in eure Hand;
ihr habt ihr Land in Besitz genommen
und ich habe sie euretwegen vernichtet.
Dann erhob sich der König Balak von Moab,
der Sohn Zippors, und kämpfte gegen Israel.
Er schickte Boten zu Bileam, dem Sohn Beors,
und ließ ihn rufen, damit er euch verflucht.
Ich aber wollte keinen Fluch von Bileam hören.
Darum musste er euch segnen
und ich rettete euch aus seiner Hand.
Dann habt ihr den Jordan durchschritten
und seid nach Jericho gekommen;
die Bürger von Jericho kämpften gegen euch,
ebenso die Amoriter, die Perisiter, die Kanaaniter,
die Hetiter, die Girgaschiter, die Hiwiter und die Jebusiter
und ich gab sie in eure Hand.
Ich habe Panik vor euch hergeschickt.
Die hat sie vor euch auseinandergejagt,
die Könige der Amoriter.
Das geschah weder durch dein Schwert
noch durch deinen Bogen.
Ich gab euch ein Land,
um das ihr euch nicht bemüht hattet,
und Städte, die ihr nicht erbaut hattet.
Ihr habt in ihnen gewohnt
und ihr habt von Weinbergen und Ölbäumen gegessen,
die ihr nicht gepflanzt hattet.
Fürchtet also jetzt den HERRN
und dient ihm in vollkommener Treue!
Schafft die Götter fort,
denen eure Väter jenseits des Stroms
und in Ägypten gedient haben,
und dient dem HERRN!
Wenn es euch nicht gefällt, dem Herrn zu dienen,
dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt:
den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten,
oder den Göttern der Amoríter, in deren Land ihr wohnt.
Ich aber und mein Haus,
wir wollen dem Herrn dienen.
Das Volk antwortete:
Das sei uns fern,
dass wir den Herrn verlassen
und anderen Göttern dienen.
Denn der Herr, unser Gott, war es,
der uns und unsere Väter
aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat
und der vor unseren Augen
alle die großen Wunder getan hat.
Er hat uns beschützt
auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind,
und unter allen Völkern,
durch deren Gebiet wir gezogen sind.
Der HERR hat alle Völker vertrieben,
auch die Amoriter, die vor uns im Land wohnten.
Auch wir wollen dem Herrn dienen;
denn er ist unser Gott.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Kostet und seht, wie gut der Herr ist! – Kv
Oder: GL 39,1
Ich will den Herrn allezeit preisen; *
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn; *
die Armen sollen es hören und sich freuen. – (Kv)
Die Augen des Herrn sind den Gerechten zugewandt, *
seine Ohren ihrem Hilfeschrei.
Das Angesicht des Herrn richtet sich gegen die Bösen, *
ihr Andenken von der Erde zu tilgen. – (Kv)
Die aufschrien, hat der Herr erhört, *
er hat sie all ihren Nöten entrissen.
Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen *
und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe. – (Kv)
Viel Böses erleidet der Gerechte, *
doch allem wird der Herr ihn entreißen.
Er behütet all seine Glieder, *
nicht eins von ihnen wird zerbrochen. – (Kv)
Den Frevler wird die Bosheit töten, *
die den Gerechten hassen, werden es büßen.
Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte, *
niemals müssen büßen, die bei ihm sich bergen. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Éphesus.
Schwestern und Brüder!
Einer ordne sich dem andern unter
in der gemeinsamen Furcht Christi!
Ihr Frauen
euren Männern wie dem Herrn;
denn der Mann ist das Haupt der Frau,
wie auch Christus das Haupt der Kirche ist.
Er selbst ist der Retter des Leibes.
Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet,
so sollen sich auch die Frauen in allem
den Männern unterordnen.
Ihr Männer,
liebt eure Frauen,
wie auch Christus die Kirche geliebt
und sich für sie hingegeben hat,
um sie zu heiligen,
da er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort!
So will er die Kirche herrlich vor sich hinstellen,
ohne Flecken oder Falten oder andere Fehler;
heilig soll sie sein und makellos.
Darum sind die Männer verpflichtet,
ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib.
Wer seine Frau liebt,
liebt sich selbst.
Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst,
sondern er nährt und pflegt ihn,
wie auch Christus die Kirche.
Denn wir sind Glieder seines Leibes.
Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen
und sich an seine Frau binden
und die zwei werden ein Fleisch sein.
Dies ist ein tiefes Geheimnis;
ich beziehe es auf Christus und die Kirche.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Epheserbrief fällt stilistisch aus der Reihe der Paulusbriefe. Dies und noch weitere Merkmale lassen vermuten, daß dieser Brief von einem Paulusschüler stammt. Sollte der Brief von Paulus verfaßt sein, dann hat er diesen Brief nicht an die Gemeinde von Ephesus geschrieben. In einigen guten Handschriften fehlt die Ortsangabe "Ephesus", was andeutet, daß dieses Schriftstück für eine eher allgemeine Verwendung gedacht war. Weiters ist festzustellen, daß dieses Schriftstück gar kein wirklicher Brief ist, sondern eine theologische Abhandlung. Der Brief ist ein Ringen mit Gegnern, welche sich jedoch nicht ausmachen lassen.
Der für diesen Sonntag konkret gewählte Abschnitt, läßt die Besonderheit der Denkweise des Verfassers erkennen. Ein fest geprägtes Traditionsgut der Antike, eine "Haustafel", wird übernommen. Der Verfasser wurzelt in der antiken Sozialordnung, wenn er schreibt, die Frau habe sich dem Mann unterzuordnen. Sie kann keine öffentliche Stellung übernehmen. Diese Ordnung braucht vom Briefverfasser gar nicht begründet werden, denn diese ist in der Gesellschaft einfach vorgegeben, und wird folglich auf Christus und die Kirche hingedeutet, bzw. hinübergebogen. Die Verbindung zur Taufe wird gemacht, welche ziemlich gekünstelt wirkt. Die Schöpfungsgeschichte wird einbezogen, und doch: einmal ist die Kirche Braut, dann Frau. Dies gibt wiederum eine Störung im Bezug auf Mann.
Über die Stelle hinauszugreifen, sprich weiterzulesen, ist interessant: Es folgen Ermahnungen an die Kinder und an die Sklaven. Die bestehende Gesellschaftsordnung wurde als gegeben hingenommen. Für die Urchristen existierte die Sklavenfrage nicht.
Bei den meisten der heutigen Hörerinnen wird diese Lesung sofort Widerstände wecken: Der Aufruf an die Frauen, sich ihren Männern unterzuordnen, widerspricht dem heutigen Verständnis von Gleichberechtigung und Partnerschaft von Frau und Mann. Umso wichtiger ist es, den Entstehungshintergrund des Textes zu beachten: Der Epheserbrief erhebt im ersten Vers den Anspruch, ein von Paulus abgefasstes Schreiben an die Gemeinde in Ephesus zu sein. Dagegen spricht aber eine Reihe von Gründen. In wichtigen Handschriften fehlt die Ortsangabe "Ephesus", so dass es sich wohl eher um ein Rundschreiben mit allgemeiner Verwendung handelt. Formal ist der Text zwar wie ein Brief gestaltet, inhaltlich aber eher als theologische Abhandlung oder Predigt über die Kirche. Sprache, Stil, Theologie und die vorausgesetzte Gemeindestruktur unterscheiden sich stark von authentischen Paulusbriefen. Als Verfasser ist daher ein Paulusschüler zu vermuten, der gegen Ende des 1. Jh. im Namen des Apostels an Heidenchristen schrieb.
Der vorliegende Lesungstext ist der erste Abschnitt einer "Haustafel", einer Zusammenstellung der gegenseitigen Verpflichtungen von Menschen, die in einer Hausgemeinschaft der Antike zusammenleben. Das sind neben den in der Lesung angesprochenen Frau und Mann Eltern und Kinder sowie Sklaven und Herren. Die literarische Form der Haustafel stammt aus der griechischen Philosophie und wurde bereits vom hellenistischen Judentum übernommen. Auch der Verfasser des Epheserbriefes greift auf diese Form und ihre überlieferten Inhalte zurück, betont aber das gegenseitige Verpflichtet- und Aufeinanderangewiesensein und begründet dieses aus dem christlichen Glauben.
Eph 5,21 ist daher als eine Art Überschrift der folgenden Mahnungen zu verstehen: "Einer ordne sich dem anderen unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus." Die in der Antike selbstverständliche Unterordnung der (Ehe-)Frau unter ihren Mann wird vom Verfasser übernommen, aber mit der damals sehr ungewöhnlichen Mahnung an die Männer verbunden, ihre Frauen zu lieben. Auch hebt er die enge Zusammengehörigkeit von Mann und Frau hervor. Im letzten Vers der Lesung wird dieses liebevolle Verhältnis auf Christus und seine Kirche bezogen, die ja das zentrale Thema des Epheserbriefes darstellen.
In ihrem Entstehungskontext betrachtet handelt es sich bei dieser Lesung also sogar um einen für die damalige Zeit "modernen" Text. Soll er heute im Gottesdienst gelesen werden, dann sind aber vorab Erläuterungen notwendig, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.
Um das Thema des Evangeliums und den roten Faden von der 1. Lesung zum Evangelium in Gottesdienst und Predigt besser zu entfalten, empfiehlt es sich allerdings, diese 2. Lesung mit ihrem ganz eigenen inhaltlichen Schwerpunkt wegzulassen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 7/2009. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009. S. 13-27.
Halleluja. Halleluja.
Deine Worte, Herr, sind Geist und Leben.
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
sagten viele seiner Jünger, die ihm zuhörten:
Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?
Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten,
und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
Was werdet ihr sagen,
wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht,
dorthin, wo er vorher war?
Der Geist ist es, der lebendig macht;
das Fleisch nützt nichts.
Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe,
sind Geist und sind Leben.
Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben.
Jesus wusste nämlich von Anfang an,
welche es waren, die nicht glaubten,
und wer ihn ausliefern würde.
Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt:
Niemand kann zu mir kommen,
wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück
und gingen nicht mehr mit ihm umher.
Da fragte Jesus die Zwölf:
Wollt auch ihr weggehen?
Simon Petrus antwortete ihm:
Herr, zu wem sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir sind zum Glauben gekommen
und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Sogar die Jünger nehmen Anstoß an Jesus. Darin liegt eine Gewichtung in der ausgewählten Perikope. Eine zweite besteht darin, daß die Jünger zu verkraften haben, daß an Jesus überhaupt Anstoß genommen wird. Der Anstoß liegt im Anspruch Jesu als Mensch Lebensmittler zwischen Gott und Menschen zu sein.
Jesus gibt keine antwortende Erklärung auf das Murren ab, sondern stellt eine Frage: Was..., ...wenn der Menschensohn hinaufsteigt? Soll das Aufsteigen das Ärgernis mildern, oder verlangen Jesu Tod und Auferstehung nicht erst recht den Glauben?
Letzendlich gilt es, das Wort gläubig anzunehmen. Jesus und die Jüngern, alle zusammen Juden, sind mit der Wirkmacht des Wortes vertraut. In den Schriften des Alten Testamentes ist das Wort Gottes, und dessen Wirkmacht Um und Auf.
Die endgültige Fassung des Johannesevangelium entstand zu Beginn des 2. Jhdt. nach Chr. Der Verfasser betrachtet das Wirken Jesu daher aus zeitlicher Distanz und auf einem hohen Reflexionsniveau. Geprägt ist das Evangelium von Offenbarungsreden Jesu. Im Anschluss an eine solche Rede, die so genannte "Brotrede", spielt die im vorliegenden Textausschnitt beschriebene Szene von der Spaltung unter den Jüngern. Hintergrund hierfür ist die gemeindliche Situation zum Ende des ersten Jahrhunderts, die der Verfasser reflektiert: Christen wandten sich von der frühen Kirche ab, weil ihnen vieles nicht mehr einleuchtend, zumutbar und glaubwürdig erschien.
Solche Situationen haben sich im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder ereignet - bis heute. Gründe für den Kirchenaustritt heute finden viele Menschen genug: von der Kirchensteuer über den Vorwurf des Formalismus bis hin zu persönlichen Enttäuschungen und negativen Erfahrungen mit Vertretern der Kirche. Das alles erscheint "unerträglich" (Joh 6,60) und führt dazu, dass "viele... sich zurückziehen" (vgl. Joh 6,66).
Da die Predigt im Gottesdienst sich aber an diejenigen wendet, die trotzdem gekommen sind, lohnt es sich, deren Beweggründen nachzugehen, die zur Entscheidung für Gottesdienst und darüber hinaus vielleicht für die Teilnahme am übrigen Gemeindeleben führen. Die Bandbreite der "guten Gründe" für den Gottesdienst reicht vom Sonntagsgebot, Totengedenken, bis zum Bedürfnis nach Besinnung und Impulsen für sich selbst. Diese unterschiedlichen Motivationen sollen nicht gegeneinander ausgespielt oder bewertet werden.
Das Evangelium lenkt den Blick aber auf "Worte, die Geist und Leben sind" (Vers 63) als ausschlaggebenden Grund. Petrus, zusammen mit den verbliebenen Zwölf von Jesus ausdrücklich vor die Entscheidung gestellt, begründet so sein Bleiben: "Du hast Worte des ewigen Lebens" (Vers 68). "Worte des Lebens", die trösten, befreien, aufrichten, lebendig machen, erhofft sich mancher vom Gottesdienstbesuch, weil er dies schon früher erfahren hat: Ein Liedvers, Gebet, ein Symbol, ein Bibelwort oder Predigtgedanke hat vielleicht auch durch Krisenzeiten des Lebens getragen. Sich auf solche persönlichen "Worte des Lebens" zu besinnen und dafür zu danken, stärkt die Entscheidung für den Glauben, Gottesdienst und Kirche.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 7/2009. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009. S. 13-27.
Was Paulus im Brief an die Gemeinde in Ephesus den Frauen ans Herz legt, ist vielen ein rotes Tuch. Wenn wir seine Worte genau lesen, entdecken wir darin das Erinnern an die Haltung Jesu, dessen Liebe zu den Menschen zum Grundmuster jeder christlichen Liebe geworden ist. Es geht dabei nicht um Unter- oder Überordnung, sondern um Hingabe und Dienst aneinander.
Seit einiger Zeit gibt es in der Kirche die Bewegung "Maria 2.0". Diese Bewegung fordert die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der Kirche. Frauen sollen Zugang zu Ämtern bekommen. Sie sollen in ihrer Würde und in ihrem Wert als Christ*innen gleich geachtet werden. Was die Gleichberechtigung von Mann und Frau angeht, gibt es auch in der Kirche Fortschritte. Doch es sind wie auch in der Gesellschaft noch manche Wünsche offen. So sitzen in den Chefetagen überwiegend Männer. In vielen Bereichen erhalten Frauen für die gleiche Arbeit immer noch weniger Geld. Was die Gleichberechtigung von Mann und Frau angeht, sind wir bestenfalls "auf dem Weg".
Die Lesung aus dem Brief an die Epheser scheint auf dem ersten Blick auch die Frauen unter die Männer zu stellen. Aber das ist wirklich nur auf den ersten Blick. Das sage ich allen, die sich beim Hören der Wortes „Ihr Frauen ordnet euch den Männern unter wie Christus, dem Herrn“ geärgert haben. Lange waren diese Worte ein Alibi dafür, die Frauen zu unterdrücken, ja regelrecht unterzubuttern.
Für die Zeit, in der Paulus gelebt hat, sind diese Worte jedoch ein Riesenfortschritt. Darum sind sie auch heute noch bedenkenswert. Paulus schreibt in diesen Worten auch uns Männern einiges ins Stammbuch: Männer sollen ihre Frau lieben. Dabei ist die gleiche Augenhöhe wichtig. Eine herablassende Liebe – ich liebe dich, aber du hast mir zu gehorchen – ist herabwürdigend. Paulus schreibt uns Männern ins Stammbuch, auf welche Weise Männer ihre Frauen lieben sollen. „Ihr Männer liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt hat und sich für sie hingegeben hat...“ Das ist die Weise, wie Männer ihre Frauen lieben sollen. So wie Jesus seine Kirche liebt. Das sind die Menschen, die an ihn geglaubt haben, die ihm nachgefolgt sind. Das sind die Menschen, die ihr Leben auf Jesus ausgerichtet haben. Wie hat Jesus denn seine Kirche geliebt? In einer Liebe und Hingabe, die bis hin zum Tod ging. Seine Liebe zu den Menschen war grenzenlos. Niemand war ausgeschlossen. Es war eine Liebe, die keine Bedingungen stellte. In seiner Liebe hat Jesus Menschen auch die Freiheit gelassen, mit ihm zu wandern oder ihn auch zu verlassen. Weil Jesus seine Kirche liebt, darum will er sie rein und heilig machen.
Ebenso sollen die Männer ihre Frauen derart tief lieben. Die Männer sollen ihre Frauen so ansehen, als seien sie ihr eigener Leib. Die Männer werden aufgefordert, ihre Frauen so zu lieben wie sich selbst. Auch darin sind sie wie Jesus. Die Kirche ist der Leib Christi.
An dem, was Paulus schreibt, zeigt sich: Die Ehe und auch das Zusammenleben in nichtehelichen Gemeinschaften haben mit Jesus zu tun. Wer seine Worte genau liest, spürt: Hier geht es um gegenseitige Achtung. Hier geht es um die gegenseitige Liebe. Wo Männer und Frauen einander so lieben, da gibt es keine Unterordnung, keine Unterwerfung. Da werden diese Wörter meiner Meinung nach überflüssig.
Paulus legt diese gegenseitige Liebe den Eheleuten, Männern wie Frauen ans Herz. „Einer ordne sich dem anderen unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.“ Die Liebe Christi ist das Grundmuster christlicher Liebe. Sie ist die Wurzel, dass beide das Wohl des anderen suchen, einander helfen, sich gegenseitig zu entfalten.
Wer ist denn ein größeres Vorbild als Jesus, von dem Petrus ja im Evangelium sagt: „Herr, zu wem sollen wir denn gehen. Du hast Worte ewigen Lebens...“ Jesus hat Worte, mit denen er das Leben und vor allem das Zusammenleben der Menschen und das Zusammenleben von Eheleuten gelingen lässt. Jesu Worte waren gefüllt mit Leben. Er sprach davon, dass wir einander dienen sollen. Er selbst hat seinen Jüngern gedient. Im Abendmahlssaal hat er ihnen die Füße gewaschen. An einer anderen Stelle sagt Jesus seinen Jüngern: Ich nenne euch nicht mehr Knechte. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt. In der Nähe Jesu konnten Menschen aufleben. In seiner Nähe haben sie gespürt: Ich bin wertvoll und wichtig. So können Mann und Frau sich einander Worte des Leben schenken, Worte auch zum ewigen Leben.
Bei allem, was ich gesagt habe, weiß ich auch: Viele Männer und Frauen mühen sich um diese gegenseitige Liebe oder sie haben sich gemüht und sie sind gescheitert. Es gibt Männer und Frauen, die große Enttäuschungen erleben mussten und Lieblosigkeiten erfahren haben. So sehr man sich auch mühen muss, dass eine Ehe gut wird, sie ist auch immer wieder eine große Gnade. Gott aber nimmt in seiner großen Liebe und Barmherzigkeit auch das an, was uns nicht gelingt. Er nimmt auch unsere Bruchstücke an.
Es gibt neben der Ehe noch viele Formen von Zusammenleben. Wir alle leben in verschiedenen Lebenszusammenhängen. In allen Bereichen dürfen wir die Liebe und die gegenseitige Achtung weitertragen und Zeugen für Jesus sein. Das ist die gemeinsame Berufung aller Christ*innen: Die Liebe Christi zu üben und zu suchen. Das gilt besonders für alle, die unsere Kirche zu Recht erneuern wollen.
Im letzten Abschnitt der Eucharistischen Rede des Johannesevangeliums verlassen Jesus viele seiner Anhänger. Sie empfinden seine Forderungen als Zumutung. Jesus fordert eine Entscheidung, so wesentlich ist ihm die vorbehaltlose und innige Gemeinschaft mit ihm. Ihm geht es um das Reich Gottes, ohne Abstriche. Wer sich heute für Jesus entscheidet, exponiert sich in vielen Punkte gegen den Mainstream der Gesellschaft und gegen die politische Mehrheit.
In der sog. "galiläischen Krise" verlassen viele anfangs Jesusbegeisterte die Jesusbewegung. Krisen erschüttern die Kirche auch gegenwärtig. Petrus bekennt stellvertretend für jene, die bleiben, dass sonst niemand Worte habe, die das Leben tragen. Die sieben "Ich-bin-Worte" Jesu konkretisieren das Petrusbekenntnis.
Die Forderung Jesu, ihn als das Brot des ewigen Lebens anzunehmen und sein Fleisch zu essen und sein Blut zu tinken, lässt viele sich von ihm abwenden. Die Zwölf aber bleiben. Sie haben erkannt, dass Jesus der Heilige Gottes ist. Ihm vertrauen sie.
Zwei Szenen stehen sich in der Lesung aus dem Buch Josua und dem Evangelium gegenüber. In der ersten versammeln sich die zwölf Stämme Israels und beschließen, am Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der sie aus der Sklaverei heraus- und durch die Wüste geführt hat, festzuhalten. In der zweiten fragt Jesus die zwölf Jünger, ob auch sie weggehen wollen. Sie entscheiden sich für das Bleiben, denn Jesus hat Worte, die ewiges Leben schenken.
Nach der Brotvermehrung versucht Jeus den Zuhörern zu erklären, wie er dieses Zei-chen verstanden wissen will. An seinen Worten scheiden sich die Geister. Die Jünger bleiben bei ihm, nicht weil sie besser verstanden hätten, was Jesus wollte. Sie bleiben, weil sie sich im Herzen an ihn gebunden fühlten. Die tiefere Sicht der Zusammenhänge stellte sich bei ihnen erst später ein. Es lohnt sich auch für uns, nicht gleich aufzugeben, wenn wir die tieferen Zusammenhänge des Glaubens nicht gleich verstehen.
Als sich viele Menschen, die sich für Jesus interessierten, sich von ihm abwandten, weil sie die Herausforderung des Glaubens, wie er ihm wichtig war, nicht wagten, ließ er auch seinen Jüngern die Freiheit, ihre eigenen Wege zu gehen. Auch Josua stellt dem Volk die Vertrauensfrage. Sie sollen entscheiden, ob sie sich auf neue Weise versklaven wollen oder die von Gott geschenkte Freiheit leben wollen. Auch wir stehen vor der Entscheidung, uns nicht die Abhängigkeit neue Götzen zu begeben.
Die verbreitete Meinung, sich irgendwann einmal für oder gegen Gott entscheiden zu müssen, verhindert oft einen anderen Zugang zum Glauben: sich einfach der Liebe Gottes öffnen. Mystiker leben ausgerichtet auf Gott. Auch wir können uns immer wieder der Gegenwart Gottes vergewissern und uns auf ihn ausrichten.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 142: Zu die, o Gott erheben wir die Seele mit Vertrauen
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 184: Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir...
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein, lass ziehn mich meine Straßen
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 378: Brot, das die Hoffnung nährt
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 423: Wer unterm Schutz des Höchsten steht
GL 424: Wer nur den lieben Gott lässt walten
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 449: Herr, wir hören auf dein Wort
GL 450: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 470: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
GL 484: Dank sei dir Vater für das ewige Leben
GL 489: Lasst uns loben, freudig loben
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
Psalmen und Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens - Mit Psam 23 - VI.
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Psalm 27 oder mit Psalm 34 (GL 651,4) - IV.
GL 584,4: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Psalm 19 - II.
629,3-4: Ich gehe meinen Weg vor Gott im Lande der Lebenden - Mit Psalm 116 - VI.
GL 630,4: Dein Wort ist Licht und Wahrheit; es leuchtet mir auf all meinen Wegen.
Es gibt Worte in der Bibel, an denen wir uns reiben. Andere Worte sind schwer zu verstehen, schwer zu ertragen. Die Bibel, das Wort Gottes fordern heraus, biedern sich nicht an. Wer Gottes Wort hört, wer sich ehrlich fragt, was sie für uns im Jahr 2021 bedeuten, kann im Glauben und in der Liebe zu Gott wachsen und riefen. Stellen wir uns dem Wort immer wieder aufs Neue.
Bitten wir den Herrn um sein Erbarmen, wo seine Worte schwer zu verstehen sind:
Gehen oder nicht gehen? Vor dieser Entscheidung sind Sie vielleicht heute Früh gestanden, oder vor der Frage: Wohin gehe ich heute?
"Wollt auch ihr gehen?" fragt Jesus seine Jünger, als viele seiner Bewunderer ihn verlassen hatten, nachdem sie mit Forderungen konfrontiert wurden, die ihnen zu hoch waren.
Diese Frage Jesu ist auch heute noch aktuell: Bleibe ich Christ? Warum bleibe ich Christ? Warum gehe ich zum Gottesdienst? Was erwarte ich vom Gottesdienst? Was gibt mir der Gottesdienst? Was bin ich bereit, Gott zu geben?
Am Beginn unserer Feier bitten wir den Herrn um die Gnade des Glaubens und um sein Erbarmen:
Worauf sollen wir hören, sag uns, worauf?
So viele Geräusche, welches ist wichtig?
So viele Beweise, welcher ist richtig?
So viele Reden! - Ein Wort ist wahr.
Herr erbarme dich.
Wohin wollen wir gehen, sag uns wohin?
So viele Termine, welcher ist wichtig?
So viele Parolen, welche ist richtig?
So viele Straßen! - Ein Weg ist wahr!
Christus erbarme dich.
Wofür sollen wir leben, sag uns wofür?
So viele Gedanken, welcher ist richtig?
So viele Programme, welches ist richtig?
So viele Fragen! - Die Liebe zählt!
Herr erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
oft schienen deine Worte unerträglich.
Herr, erbarme dich.
Menschen haben dich deswegen verlassen
und sind nicht mehr mit dir gegangen.
Christus, erbarme dich.
Die Apostel sind geblieben
und auch wir wollen bleiben,
denn du hast Worte ewigen Lebens.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
dein Geist macht lebendig.
Herr, erbarme dich.
Die Worte, die du zu uns gesprochen hast,
sind Geist und Leben.
Christus, erbarme dich.
Nur du hast Worte ewigen Lebens.
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Herr,
du verbindest alle, die an dich glauben,
zum gemeinsamen Streben.
Gib, daß wir lieben, was du befiehlst,
und ersehnen, was du uns verheißen hast,
damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens
unsere Herzen dort verankert seien,
wo die wahren Freuden sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Jesus,
du Wort Gottes,
du Wort, das Leben schenkt,
du Wort, das uns Hoffnung macht für das ewige Leben,
du Wort, das herausfordert,
du Wort, an dem wir uns zuweilen stoßen.
Lass uns auch jetzt erfahren
wie notwendig dein Wort ist.
Denn du hast dein Wort
aus Liebe zu uns gesprochen.
Lass es in unser Herz dringen. - Amen.
Du, Gott, der uns von Ewigkeit her liebt,
du Gott der Beständigkeit,
du Gott, der uns unsere Entscheidungsfreiheit lässt.
Zu dir kommen wir,
um uns heute neu von dir beschenken zu lassen,
damit wir die Kraft haben, uns in deinen Dienst zu stellen,
zu dem Jesus uns gerufen hat.
Wir danken dir heute und alle Tage
für deine schenkende Zugewandtheit,
die uns hilft, unser Leben zu gestalten. - Amen.
Du Gott und Vater,
von dessen Liebe Jesus gesprochen hat,
wir bitten dich heute:
Hilf uns, deinem Sohn zu begegnen.
Hilf uns, seine Worte für heute fruchtbar zu machen
und damit das zu leben, wofür er geworben hat:
Die Gemeinschaft untereinander in deinem Geist.
Darum bitten wir durch eben diesen Jesus Christus,
deinen Sohn und Boten deiner Liebe,
der mit dir und dem Heiligen Geist
Gemeinschaft lebt in Ewigkeit. Amen!
Herr Jesus Christus, du Haupt deiner Kirche.
Du schenkst Leben und du bist die Liebe.
Wir bitten dich:
Stärke die Liebe aller Eheleute zueinander
und lass sie miteinander und aneinander wachsen und reifen.
Erneuere die Herzen aller,
die sich vom Glauben abgewendet haben,
weil deine Worte sie überforderten.
Lass deine Kirche zu einer glaubwürdigen Zeugin deiner gelebten Liebe werden.
Lass Achtung und Wohlwollen gegenüber Andersdenken immer größer werden.
Steh den jungen Menschen bei, die nach ihrem Lebenssinn fragen.
Erbarme dich unserer verstorbenen Schwestern und Brüder.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit,
in alle Ewigkeit. - Amen.
Jeder unserer Tage ist voll von Entscheidungen. Ob das Ergebnis richtig oder falsch ist, lässt sich oft erst im Nachhinein beurteilen. Wesentlich ist, dass wir unsere Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen treffen.
Dafür bitten wir Gott miteinander und für einander um den Geist der Unterscheidung:
Wir bitten um deinen Geist für deine Kirche, damit wir in ihrer Gemeinschaft weder den Blick auf die Treuen und Traditionsbewussten noch auf die ihr Fernstehenden und Skeptischen verlieren.
Wir bitten um deinen Geist für die ganze Weltgemeinschaft, damit alle, die not-wendenden Maßnahmen für den Schutz der Erde, deiner Schöpfung, mittragen können.
Wir bitten um deinen Geist in den vielen ethischen Fragen unserer Gesellschaft:
den möglicherweise einschränkenden Maßnahmen der persönlichen Freiheit und dem Schutz der Allgemeinheit;
dem Schutz des Lebens und selbstbestimmten Entscheidungen am Beginn oder Ende des Lebens;
der Offenheit und Hilfsbereitschaft für alle, die vor Hunger und Armut fliehen, und der Angst vor Überfremdung und Verlust unserer europäischen Werte.
Wir bitten um deinen Geist für uns selbst und für alle, die uns verbunden sind, in den vielfältigen Entscheidungen unseres eigenen Glaubens- und Alltagslebens.
Wir bitten um deine Barmherzigkeit in unserer eigenen Sterbestunde und für unsere Verstorbenen.
Gott!
Wir danken dir für Jesus, der einer von uns geworden ist, um uns deine Botschaft von Liebe und Erlösung zu vermitteln.
Durch ihn preisen und loben wir dich im Heiligen Geist, jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
du kennst die Nöte der Menschen.
Du kennst auch die Not des Nicht-glauben-Könnens
und die Not des nicht vertrauen Könnens.
Wir bitten dich:
Für die vielen Menschen, die sich heute vom Christentum abwenden.
Schenke ihnen die Gnade des Glaubens.
Für die vielen Menschen, die am Leben der Kirche Anstoß nehmen.
Lass sie Christen begegnen, die ihren Glauben überzeugend leben.
Für alle Menschen, die von Mitarbeitern der Kirche durch Missbrauch körperlichen oder seelischen Schaden erlitten haben.
Heile ihre Wunden und bewahre sie im Glauben an dich.
Für alle Menschen, die nach einem festen Fundament für ihr Leben suchen.
Zeige ihnen den Weg, der zu wahrem und ewigem Leben führt.
Für unsere Verstorbenen.
Schenke ihnen das verheißene ewige Leben.
Die Worte, die du, Herr, zu uns gesprochen hast,
sind Geist und Leben.
Wir folgen dir, denn wir wissen: Du bist der Heilige Gottes. - Amen.
Herr und Gott,
du hast dir
das eine Volk des Neuen Bundes erworben
durch das Opfer deines Sohnes,
das er ein für allemal dargebracht hat.
Sieh gnädig auf uns
und schenke uns in deiner Kirche
Einheit und Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Jesus,
du Brot des Lebens,
du Brot der Hingabe,
du Brot der Liebe,
wir wollen eins werden mit dir,
dich empfangen
und immer mehr verwandelt werden.
Wir sind Gäste an deinem Tisch
Du willst uns beschenken
mit deiner Liebe. – Amen.
Kehrvers:
Wir loben dich, wir danken dir!
Großer Gott,
wir haben Grund, dir zu danken und dir unseren Lobpreis darzubringen:
Wir danken dir für das Geschenk des Glaubenkönnens.
Wir danken dir dafür, dass wir das Wort Gottes
als Frohe Botschaft kennen lernen durften.
Wir danken dir für die Weisheit,
die du uns in den Heiligen Schriften anvertraut hast.
Wir danken dir für alle Menschen,
die den Schatz des Glaubens bewahrt und uns überliefert haben.
Wir danken dir für alle Menschen,
die uns einen Zugang zum Glauben erschlossen haben.
Wir stimmen ein in den Dank der ganzen Kirche
uns singen mit den Engeln und Heiligen:
(Danklied, z. B. "Nun danket alle Gott", GL 405)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat Großes an uns getan:
durch seinen Tod und seine Auferstehung
hat er uns von der Sünde
und von der Knechtschaft des Todes befreit
und zur Herrlichkeit des neuen Lebens berufen.
In ihm sind wir ein auserwähltes Geschlecht,
dein heiliges Volk,
dein königliches Priestertum.
So verkünden wir die Werke deiner Macht,
denn du hast uns aus der Finsternis
in dein wunderbares Licht gerufen.
Darum singen wir
mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres den Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 1
"Ich bringe das Leben des Vaters" hat Christus den Menschen immer wieder gesagt.
Zu diesem Vater, der uns an seinem Leben Anteil geben will, rufen wir:
Vater Unser...
Herr, du hast deine Jünger gefragt: "Wollt Ihr gehen?"
Wir ahnen, dass dein Friede in uns ist, wenn wir bleiben.
Darum bitten wir:
Herr Jesus, schaue nicht auf unsere Sünden...
Gott allein kann Leben schenken
aber du und ich können es achten und schützen.
Gott allein kann Glauben schenken
aber du und ich können Zeugnis geben.
Gott allein kann Hoffnung wecken
aber du und ich können den anderen Vertrauen zeigen.
Gott allein kann die Freude schenken
aber du und ich können ein Lächeln weitergeben.
Gott allein ist das Unmögliche
aber du und ich können das Mögliche tun.
Gott allein würde sich selbst genügen
aber er hat es vorgezogen
auf dich und mich zu zählen.
Herr, unser Gott,
schenke uns durch dieses Sakrament
die Fülle deines Erbarmens
und mache uns heil.
Gewähre uns deine Hilfe,
damit wir so vor dir leben können,
wie es dir gefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Jesus,
du unser Leben,
du unsere Hoffnung,
du unsere Zuversicht.
Wir gehen mit dir,
wir bleiben bei dir
in unserem Alltag
Du hast Worte ewigen Lebens.
Dich wollen wir bezeugen
in Wort und in der Tat.
Sei bei uns,
geh mit uns auf unseren Wegen
Und segne uns. - Amen.
Jesus Christus,
du hast uns zugesagt,
dass deine Worte Geist und Leben sind.
Unser Weg in die neue Woche liegt jetzt vor uns.
Lass uns spüren,
dass dein Wort und dein Beispiel uns befähigen,
dir getreu nachzufolgen,
damit die Gestaltung des Miteinander zum Guten gelingen kann.
Dir sei Lob und Ehre,
mit dem Vater und dem Hl. Geist,
heute und in Ewigkeit. - Amen.
Gott, Dein Lebensatem hüllt uns ein
wie die Luft, die wir atmen.
Hülle uns ein - segne unsere Augen,
öffne sie für die Farben deiner Schöpfung.
Hülle uns ein - segne unsere Ohren,
öffne sie für die Lebensgeschichten der anderen Menschen.
Hülle uns ein - segne unseren Mund,
öffne ihn für Hoffnungsworte.
Hülle uns ein und segne uns alle,
lass uns spüren, dass wir alle durch Dich verbunden sind.
Bleibe um uns und in uns.
So segne uns Gott - der uns wie Mutter und Vater ist,
durch Christus unseren Wegbegleiter,
im Lebensatem, der alles umhüllt.
Ursula Schell, in: Benedikta Hintersberger u. a. (Hg.), Du bist der Atem meines Lebens, Das Frauengebetbuch. Schwabenverlag, Ostfildern 2006.
Ihr wurdet zusammen geboren,
und ihr werdet auf immer zusammen sein.
Ihr werdet zusammen sein,
wenn die weißen Flügel des Todes eure Tage scheiden.
Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein.
Aber lasst Raum zwischen euch.
Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.
Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel:
Lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.
Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.
Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.
Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein,
So wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern.
Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderen Obhut.
Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.
Und steht zusammen, doch nicht zu nah:
Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,
Und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.
Khalil Gibran, Der Prophet, Walter Verlag 1973.
Jesus blickt um sich uns sieht, dass einige von denen, die gern seien Jünger wären, zu solch einem Maß von Hingabe noch nicht bereit sind. Sie sind auf diese Glaubenstiefe nicht vorbereitet, denn sie beginnen, ihn zu verlassen. Andere schließen sich ihnen an. Man kann geradezu die Traurigkeit in seinen Augen sehen, als er zusehen muss, wie sie sich ohne ihn auf den Weg machen.
Da fragte Jesus die Zwölf: „Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens (Johannes 6, 67 – 68).
Das ist ein Gebet, mit dem sich viele von uns identifizieren können. Manchmal sind wir nicht sicher, welchen Sinn unser Leben hat. Manchmal können wir nicht gerade behaupten, dass unser Weg irgendeine erkennbare Richtung hat. In solchen Zeiten mögen wir im Blick auf den Herrn zugeben, dass er uns nicht als real erscheint. Wir mögen bekennen, dass wir unsere Zweifel haben und am liebsten alles hinschmeißen würden. Und dennoch müssen wir ihm zugleich ganz ehrlich sagen: Wohin sollten wir gehen? Wir haben seine Güte in der Vergangenheit erlebt. Seine Worte haben uns früher mal zum Leben geführt. Die Erinnerung an vergangene Gnadenerweise gibt uns den Mut, weiterzugehen, selbst, wenn keine Wunder passieren – nicht einmal dann, wenn wir sie dringend bräuchten...
Richard Rohr, Das entfesselte Buch, Eine Einführung in die Bibel, Altes und Neues Testament. Freiburg 1987.
Jesus Christus, du bist der,
der mich bis in das Leben liebt,
das niemals aufhört.
Du öffnest mir den Weg zum Wagnis.
Du gehst mir voraus.
Glücklich ist auf diesem Weg,
wer bis über den Tod hinaus liebt,
denn die letzte Antwort ist das Hingeben
deines Lebens.
Du willst von mir nicht einige Bruchstücke, sondern mein ganzes Dasein.
Du bist es, der Tag und Nacht in mir betet,
ohne dass ich wüsste wie.
Dich beim Namen Jesus zu nennen,
darin erfüllt sich unsere Gemeinschaft.
Du bist es, der jeden Morgen den Ring des
Verlorenen Sohnes an meinen Finger heftet,
den Ring des Festes.
Du hast mich unablässig gesucht.
Warum habe ich von neuem gezögert
Und noch um Zeit gebeten,
meine eigenen Sachen in Ordnung zu bringen?
Warum habe ich noch zurückgeschaut,
nachdem ich schon die Hand
an den Pflug gelegt hatte?
Dennoch habe ich dich geliebt,
ohne dich gesehen zu haben.
Du hast es mir wiederholt gesagt:
Lebe das, was du vom Evangelium
Begriffen hast, wenn es auch ganz wenig ist.
Verkünde mein Leben unter den Menschen.
Entzünde ein Feuer auf der Erde
und folge mir.
Roger Schutz in: Beten im Alltag. Frankfurt.
Ich muss dir sagen, was in mir vorgeht.
Meine Liebe ist zerstört.
Alle Hoffnungen
und die wiederholten Versöhnungen
waren eitel.
Ich muss schreien und anklagen,
da ein solches Leben mir zugemutet wird.
Auch gegen mich selbst
Vorwürfe über Vorwürfe.
Ich denke an die Kinder,
die am meisten betroffen sind,
dass die Liebe uns so zerquält.
Oft scheint mir Scheidung
Als alleiniger Ausweg,
dass wir uns nicht noch mehr zerstören.
Und wenn ich jetzt nicht sprechen kann
Und schweige
Und nur das Notwendige verrichte,
dass das Leben weitergeht,
dann lass mein Inneres
nicht verdorren oder verhärten.
Dass ich nicht gefühllos werde für Stunden,
die das Schlimmste wenden können,
dass ich nicht kraftlos werde,
wenn Verzeihung geboten ist,
dass ich nicht die Erinnerung an alles Gute
und gemeinsame Schöne auslösche –
davor bewahre mich.
Wir haben uns einander versprochen
und nicht geahnt, wie das Leben
uns niederschlagen könnte.
Ich bete um Kraft, ich bete um Einsicht.
Ich bete um Bewahrung meiner Ehe.
Ich bete um ein wenig Liebe,
ohne die ich nicht leben kann.
Aus: Beten im Alltag, Frankfurt.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Das Buch Josua stellt einen Abschluß und einen Beginn dar. Josua ist der Nachfolger des Mose. Mose selbst kommt nicht mehr in das gelobte Land. Unter der Führung Josuas wird das "Gelobte Land" erobert, bzw. in Besitz genommen. Die Wanderung durch die Wüste findet somit den Abschluß.
Der Neubeginn liegt im Sesshaftwerden der Stämme des Volkes Israel. Unserem Abschnitt ist die Verteilung des Landes auf die Stämme bereits vorausgegangen. Ein neues Problem steht an. Israel wird mit den Göttern der Bewohner des Landes, welche zuvor da waren, und bei der Eroberung nicht getötet, oder vertrieben wurden, konfrontiert.
Josua stellt die Israeliten vor die Entscheidung: Entweder der Gott Israels, oder die Götter. Diese Versuchung wird die Geschichte Israels im gelobten Land immer prägen. Diese Götter versprechen anscheinend Glück und Wohlstand. Oft wird Israel dadurch in die Katastrofe schlittern. Es ist nicht so einfach für ein seßhaft gewordenes Volk an einem Gott der Wanderschaft festzuhalten. Josu greift bereits auf "das Erinnern an den Gott, der geführt hat", zurück
Nur in der gegenseitigen Hilfe einer homogenen Gemeinschaft kann nach dem erfolgreichen Weg aus Ägypten ins Gelobte Land die Landnahme und Sesshaftwerdung beginnen. Die verschiedenen Götter der Stämme des Landes sind eine Herausforderung. Ihnen werden unterschiedliche Gebets- und Opferpraktiken gewidmet. Wer daran teilnimmt, erfährt auch die verschiedenen Versprechen.
Dagegen ruft Josua zur Einheit und Entschiedenheit auf. Die Treue zum Gott des Auszugs ist die Antwort des erwählten Volkes. Im Text der Lesung wird diese Antwort gegeben.
Josua, der Nachfolger des Mose, hat das Volk Israel nach der langen Wüstenwanderung über den Jordan in das "gelobte Land" geführt. Nach der Eroberung, Inbesitznahme und Landverteilung an die einzelnen Stämme steht Israel nun vor einem neuem Problem: Es wird mit den Göttern der teilweise noch verbliebenen Bewohner des Landes konfrontiert. Diese Götter versprechen anscheinend Glück und Wohlstand und werden die Israeliten immer wieder in Versuchung führen, ihrem Gott Jahwe untreu zu werden. In der Szene, die in der heutigen Lesung (gekürzt) geschildert wird, stellt Josua das Volk vor die Entscheidung. Der Ort Sichem ist in dieser Hinsicht geschichtsträchtig: Nach der Überlieferung erschien hier Jahwe dem Abraham, später vergrub hier Jakob die fremden Götter seines Clans. Jetzt ruft Josua (im ungekürzten Text dreimal) das Volk feierlich auf, sich zwischen seinem Herrn und den anderen Göttern zu entscheiden. Ebenso klar und eindeutig spricht sich das Volk für den Herrn aus. Der ausformulierte Wortwechsel zwischen Josua und dem Volk hebt hervor, dass es sich hier um eine freie Entscheidung handelt, die ebenso folgenschwer wie unwiderruflich ist.
Als Lesung im Gottesdienst heute erinnert dieser Wortwechsel kirchlich Sozialisierte vielleicht an das liturgische Ritual der Tauferneuerung in der Osternacht. Auch hier werden die Gläubigen ausdrücklich und mehrfach gefragt und bekennen sich feierlich zu ihrem Gott.
Das Volk Israel begründet seine Entscheidung mit den Erfahrungen, die es mit seinem Gott in der Vergangenheit gemacht hat: Es hat Gott als Befreier erlebt und auf seinem schwierigen Weg immer wieder seinen Schutz erfahren. So kann es sich von ganzem Herzen neu für seinen Herrn entscheiden.
Ein solcher Rückblick auf die eigene Lebensgeschichte mit Gott bietet sich auch als Hinführung auf eine Erneuerung des Taufversprechens im einem Gottesdienst an. Das biblische Bild von Gott als einem Wegbegleiter besonders in Krisenzeiten spricht auch heute viele Menschen an. Und die Versuchung, sich beim "Sesshaftwerden" im Alltag an allzu viele Dinge wie an "Götter" zu binden, erfordert auch von Menschen heute immer wieder innezuhalten und sich neu bewusst für einen befreienden Gott zu entscheiden.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 7/2009. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009. S. 13-27.