Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesája.
Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet.
Ich aber wehrte mich nicht
und wich nicht zurück.
Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen,
und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen.
Mein Gesicht verbarg ich nicht
vor Schmähungen und Speichel.
Und Gott, der Herr, wird mir helfen;
darum werde ich nicht in Schande enden.
Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel;
ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
Er, der mich freispricht, ist nahe.
Wer will mit mir streiten?
Lasst uns zusammen vortreten!
Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit?
Er trete zu mir heran.
Siehe,
Gott, der Herr, wird mir helfen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Ich gehe meinen Weg vor Gott
im Lande der Lebenden. – Kv
(Oder: Halleluja, oder GL 629, 3)
Ich liebe den Herrn; *
denn er hört meine Stimme, mein Flehen um Gnade.
Ja, er hat sein Ohr mir zugeneigt, *
alle meine Tage will ich zu ihm rufen. – (Kv)
Mich umfingen Fesseln des Todes, /
Bedrängnisse der Unterwelt haben mich getroffen, *
Bedrängnis und Kummer treffen mich.
Ich rief den Namen des Herrn: *
„Ach Herr, rette mein Leben!“ – (Kv)
Gnädig ist der Herr und gerecht, *
unser Gott erbarmt sich.
Arglose behütet der Herr. *
Ich war schwach, er hat mich gerettet. – (Kv)
Ja, du hast mein Leben dem Tod entrissen, /
mein Auge den Tränen, *
meinen Fuß dem Straucheln.
So gehe ich meinen Weg vor dem Herrn *
im Lande der Lebenden. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Meine Schwestern und Brüder,
was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben,
aber es fehlen die Werke?
Kann etwa der Glaube ihn retten?
Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind
und ohne das tägliche Brot
und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden,
wärmt und sättigt euch!,
ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen –
was nützt das?
So ist auch der Glaube für sich allein tot,
wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.
Aber es könnte einer sagen: Du hast Glauben
und ich kann Werke vorweisen;
zeige mir deinen Glauben ohne die Werke
und ich zeige dir aus meinen Werken den Glauben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen,
durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
ging Jesus mit seinen Jüngern
in die Dörfer bei Cäsaréa Philíppi.
Auf dem Weg fragte er die Jünger:
Für wen halten mich die Menschen?
Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer,
andere für Elíja,
wieder andere für sonst einen von den Propheten.
Da fragte er sie: Ihr aber,
für wen haltet ihr mich?
Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Christus!
Doch er gebot ihnen, niemandem etwas über ihn zu sagen.
Dann begann er, sie darüber zu belehren:
Der Menschensohn muss vieles erleiden
und von den Ältesten,
den Hohepriestern und den Schriftgelehrten
verworfen werden;
er muss getötet werden
und nach drei Tagen auferstehen.
Und er redete mit Freimut darüber.
Da nahm ihn Petrus beiseite
und begann, ihn zurechtzuweisen.
Jesus aber wandte sich um,
sah seine Jünger an
und wies Petrus mit den Worten zurecht:
Tritt hinter mich, du Satan!
Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will,
sondern was die Menschen wollen.
Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich
und sagte:
Wenn einer hinter mir hergehen will,
verleugne er sich selbst,
nehme sein Kreuz auf sich
und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will,
wird es verlieren;
wer aber sein Leben um meinetwillen
und um des Evangeliums willen verliert,
wird es retten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Viele Menschen sind hinter Jesus hergelaufen, weil sie in ihm etwas Besonderes sahen. Nicht wenige haben in ihm den erwarteten Messias gesehen. Doch was heißt das konkret? Was hieß das für Jesus selbst? Was hieß das für die, die ihm nachfolgten? Was heißt das für die, die ihm heute nachfolgen wollen und sich als Christen bezeichnen?
Die Wunschberufe von Kindern lassen Erwachsene meist ein wenig schmunzeln. Unter den zehn meistgenannten finden sich: Fußballprofi, Polizist*in, Feuerwehrmann/-frau, (Tier-)Arzt/Ärztin, Tierpflegerin, Filmschauspieler*in, Prinzessin und Pilot oder Astronaut.
Zur Überraschung meiner Eltern habe ich schon als Volksschüler "Geistlicher" werden wollen. So nannte man bei uns alle, die einen geistlichen Beruf ausgeübt haben. Nach der Matura schwankte ich zwischen Theologie-, Psychologie- und Medizinstudium. Ich entschied mich für die Theologie, da ich zum Schluss kam, als Seelsorger den Menschen am umfassendsten leben helfen zu können. "Leben helfen" wurde mein Berufsideal. Schließlich trat ich dann vor 50 Jahren in die Ordensgemeinschaft der Redemptoristen ein, da ich bei ihnen engagierte Priester und Seelsorger erlebte, die Menschen ansprechen und überzeugen konnten. Die konkrete Art und Weise, wie ich meine Berufsvorstellung ausfüllen wollte, musste ich im Laufe der Jahre immer wieder neuen Gegebenheiten anpassen. Das Ideal "leben helfen" hat sich in mir ständig weiterentwickelt.
Im Evangelium hat Jesus die Jünger gefragt: Für wen halten mich die Menschen? Die einen sahen in ihm einen neuen Johannes den Täufer, andere den Elija, dessen Wiederkunft viele erwarteten, wieder andere sahen in ihm einfach einen neuen Propheten, wie in der Geschichte des Gottesvolkes immer wieder aufgetreten und dann wieder in Vergessenheit geraten sind. Die Leute haben Jesus an bekannten Rollenmustern gemessen.
Als Jesus von den Jüngern, die mit ihm viel Zeit gemeinsam verbracht haben, wissen wollte, wer er für sie sei, antwortete Petrus: "Du bist der Christus", d.h. der von vielen erwartete gottgesandte Messias. In diesen Messias konnte jeder und jede seine Wunschvorstellungen hineinprojizieren: Er tritt auf wie seinerzeit der König David, wie der Prophet Elija, er hat etwas von Moses oder von anderen historisch bedeutsamen Persönlichkeiten, je nach persönlicher Faszination. Es gab kein fixes Rollenbild des Messias.
Messiassein ist kein Berufsbild und schon gar nicht eine Jobbeschreibung. Unter dieser Bezeichnung türmte sich ein Idealbild auf, dem kein Mensch entsprechen konnte. Keinen Menschen war es möglich, all diese Erwartungen zu erfüllen. Wie Jesus seine messianische Berufung ausgestalten und ausfüllen konnte, musste sich erst Schritt für Schritt entwickeln und konnte sich erst nach und nach zeigen. In Auseinandersetzung mit den Menschen, denen er begegnete, hat er seiner Vorstellung vom Messiassein und seiner Berufung zum Gestalt gegeben.
Von den Jüngern und Jüngerinnen Jesu hatte wohl auch jeder und jede seine persönliche Vorstellung vom Messias, ohne dass sie sich der Unterschiede ihrer Erwartungen bewusst waren. Menschen, die Jesus nachgefolgt sind, konnten sich anfangs noch nicht klar darüber sein, wohin sie dieser Weg führen wird. Auch ihre Berufung der Nachfolge Jesu musste sich erst nach und nach entwickeln. Viele haben ihn im Laufe der Zeit auch wieder verlassen.
Von Petrus gibt es die eindrucksvolle Legende, dass er vor seinem Martyrertod aus Rom davonlaufen wollte, dass ihm jedoch Jesus erschienen sei und gefragt habe: Quo vadis, Petrus? Wohin gehst du?
Der Frage "Quo vadis?", "wohin gehst du?" muss sich jeder und jede stellen, der Jesus nachfolgen will. Christ sein, Jünger oder Jüngerin Jesu sein, Seelsorger oder Priester sein sind auch heute noch nicht fertige Berufsbilder oder Jobbeschreibungen, die man einmal wählt und dann ein Leben lang hat. Die persönliche Berufung muss ein Leben lang Schritt für Schritt neu errungen werden. Nicht selten werden dabei persönliche Lebensplanungen durchkreuzt, z.B. durch historische Ereignisse, neue Herausforderungen, unerwartete Entwicklungen oder Schicksalsschläge. Wer sein Leben nicht verlieren will, muss sich immer neu fragen: Wohin gehst du? Wohin willst du gehen? Mit welchen Inhalten willst du dein Leben ausfüllen?
Als Petrus mit seinen Messiasvorstellungen Jesus gegenübertritt und sich ihm in den Weg stellen will, fordert Jesus ihn auf: Tritt hinter mich! Werde mir nicht zum Versucher! Folge du mir nach! Ich werde mich nicht nach deinen Vorstellungen ausrichten.
Bei einer Begegnung des Petrus mit Jesus nach dessen Auferstehung fragt Jesus ihn dreimal: Liebst du mich? Er fordert ihn dann dreimal auf: Folge mir nach! Zugleich verband er dieses Nachfolgen mit einer neuen Herausforderung und besonderen Aufgabe: Weide meine Lämmer! Auch sein Nachfolgen musste sich weiterentwickeln und neuen Aufgaben gerecht werden.
Wer Jesus nachfolgen will – ganz gleich in welchem Beruf oder Lebensstand -, dem stellt er auch heute die Frage: Liebst du mich? Wer darauf mit "ja" antwortet, wird von ihm auch heute aufgefordert: Folge mir nach! Dabei geht es nicht gleich ums Sterben und um den Märtyrertod. Es geht um ein Nachfolgen im Leben, in einem Leben aus dem Geiste Jesu heraus: für andere offen sein, da sein, wie Jesus; auch für die Schwachen und auf Hilfe Angewiesenen, Eintreten für Gerechtigkeit und Menschenwürde. Das ist und bleibt eine lebenslange Herausforderung für alle, die wie Petrus sagen: Du bist Christus, der von Gott gesalbte Messias. Sie gilt jedem einzelnen Christen, aber auch den Gemeinschaften, die das Christliche für sich in Anspruch nehmen wie Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften, christlichen Kirchen. Sie gilt auch den politischen Parteien, die mit dem "C" in ihrer Abkürzung Wähler suchen.
Petrus erkennt in Jesus den Messias. Er muss aber erst lernen, dass der Weg des Messias anders ist, als er und viele Menschen sich wünschen. Petrus muss im Glauben erst wachsen, dennoch macht ihn Jesus zum Felsen, auf den er die Kirche bauen wird. Auch wir müssen/können im Glauben noch nicht perfekt sein, auch wir müssen im Glauben wachsen und reifen.
Petrus scheint Jesus zu kennen und erkennt in ihm den Messias. Er muss aber erst lernen, dass der Weg des Messias ganz anders verläuft, als er und die Anhänge Jesu es sich wünschen. Auch wir müssen Jesus erst kennenlernen, indem wir ihm nachfolgen.
Die Vorstellungen der Zuhörer Jesu gehen in der Frage, wer Jesus sei, weit auseinander. Sogar die Jünger, die ihn für den Messias halten, müssen erst lernen, was dies bedeutet. Kreuz und Leiden passen nicht so recht in ihre Vorstellungen. Aber auch wir tut uns schwer mit dem Glauben, wenn glauben weh tut.
Jesus offenbart sich den Jüngern als ein ganz anderer, als diese ihn haben möchten. Sie können ihn zunächst nicht verstehen. Jesus will sie einführen ins Geheimnis der Liebe, die Leid verwandelt.
Drei Aspekte drängen sich beim Lesen des Evangeliums dieses Sonntags auf: Wer ist Jesus für mich? Er weiß um das Risiko, sich als Messias zu deklarieren. Seine Botschaft hat Jahrhunderte überdauert, obwohl er sie in die Hände von begrenzten Menschen wie Petrus, dich und mich gelegt hat.
Mit großer Faszination sehe ich Zauberkünstlern zu. Mich beeindruckt jedes Mal, wie es ihnen gelingt, meine Aufmerksamkeit so abzulenken, dass ihre heimliche Manipulation nicht wahrnehme. Ihnen zuzuschauen ist für mich eine heilsame Übung, die mir bewusst macht, wie wenig ich wirklich wahrnehme, obwohl ich aufmerksam hinsehe.
Mit großem Interesse verfolge ich Berichte zu naturwissenschaftlichen Themen, die Einblick geben in Forschungsergebnisse des jeweiligen Wissensgebietes und die gleichzeitig zeigen, wie wenig wir insgesamt wissen über die Welt, in der wir leben. Skeptisch stehe ich allen Berichtgen gegenüber, die ein Ergebnis präsentieren nach der Formel: "dieses oder jenes Phänomen ist nichts anderes als..."
Wenn ein Mensch, den ich gut zu kennen meine, etwas tut, was ich ihm an Positivem oder Negativem nicht zugetraut hätte, bin ich ganz von den Socken. Da wird mir bewusst, wie wenig ich in Menschen hineinschauen kann und wie wenig ich von ihm letztlich wirklich weiß.
Im Evangelium, das wir gehört haben, fragt Jesus seine Jünger, für wen die Leute ihn hielten. Als Antwort bieten sie ihm eine bunte Palette von Möglichkeiten, die alle ein wenig stimmen und doch auch wieder nicht stimmen. In ihren Augen ist er "nichts anderes als ein Johannes der Täufer", "nichts anderes als Elija", "nichts anderes als ein Prophet"; und solche hat es in Israel schon viele gegeben.
Als Jesus die Jünger fragt: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?", bekommt er zur Antwort: "Du bist der Messias!". Diese Antwort wird in ihm und auch in manchem Jünger Freude und Staunen ausgelöst haben. Jesus will aber sicherstellen, dass sie mit diesem Wissen behutsam umgehen. Es ist unter Umständen lebensgefährlich.
Wer aber meint, nun sei das Geheimnis gelüftet und er wisse nun alles, muss bald erkennen, dass er noch immer nicht durchschaut hat, was dies wirklich bedeutet. Mit dem Hinweis, "der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden, er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen", können sie noch nichts anfangen. Petrus reagiert menschlich verständlich darauf und will ihn von diesem Weg abhalten. Jesus weist ihn aber als Versucher zurück. Was es mit seinem Messiassein auf sich hat, werden sie erst viel später und auch dann erst nach und nach begreifen. Zuvor wird dieser Petrus ihn noch verleugnen und behaupten: "Ich kenne diesen Menschen nicht".
Wir sind in der glücklichen Lage und kennen Jesus zurückblickend aus der Geschichte. Wir wissen, wie sein Tod und seine Auferstehung zu verstehen sind. Wir wissen, dass Gott ihn rehabilitiert hat und dass er nun zur Rechten Gottes sitzt, wie es unser Glaubensbekenntnis formuliert.
Wie viel wissen wir aber wirklich? Wie gut kennen wir Jesus? Wie gut kennen ihn Menschen, die die Bibel mehr oder weniger auswendig kennen, jedes Wort untersucht und hin und her gedreht haben? Theologen wissen mehr über Jesus, aber kennen sie ihn deshalb auch besser? Diakone, Priester und Bischöfe repräsentieren ihn in der Liturgie, aber sind sie deshalb mit ihm vertrauter? Und auch die, die sich ein Leben lang bemüht haben, mit ihm vertraut zu werden, wie gut kennen sie ihn und wie nahe sind sie ihm wirklich?
Spätestens hier beginnt der Weg der Nachfolge. Wenn jemand in die Nachfolge Jesu tritt und konkret versucht zu leben, wie Jesus gelebt hat, wird er im Vergleich zum Nachdenken über Jesus andere, neue, tiefere Erfahrungen machen. Es ist ein Unterschied, ob ich einen todkranken Menschen auf seinem Weg begleite oder selbst in der Notaufnahme gelandet bin, an allen möglichen Maschinen hänge und voller Ungewissheit auf das Untersuchungsergebnis warte. Wenn ich versuche, religiöse Zusammenhänge anderen Menschen verständlich zu machen, geht mir selbst oft erst im Ringen um Worte der entscheidende Knopf auf.
Was Christsein bedeutet, erfahre ich erst, wenn ich selbst in die Fußstapfen Jesu trete und mein Leben in der ganzen Bandbreite, mit all seinen Möglichkeiten, Höhen, Tiefen, Abgründen und Unbegreiflichkeiten annehme. Das Kreuz, das wir auf uns nehmen sollen, ist unser eigenes Leben.
Was könnte mit der Möglichkeit des Verlierens gemeint sein, das uns droht, wenn wir unser Leben retten wollen? Ich sehe darin die Versuchung eines jeden Menschen, etwas anderes sein zu wollen, als wir in unserer Personmitte eigentlich sind. Wir legen uns Rollen zurecht, die wir spielen, um etwas zu gelten, jemand zu sein. Wir pflegen unser Image und legen einander nahe, was sie von uns denken und halten sollen. Je weiter sich diese Rolle von dem entfernt, was wir im Innersten sind, desto mehr verlieren wir uns.
Einen anderen Menschen gut zu kennen, ist nicht einfach. Oft meinen wir, jemand zu durchschauen. Aber was wissen wir wirklich von einander? Sich selbst zu kennen, zu erkennen, ist ebenso schwierig. Uns selbst besser kennen und verstehen zu lernen, ist eine lebenslange Aufgabe. Dabei wird hin und wieder unser Selbstbild durchkreuzt und wir werden durch unsere eigene Lebenserfahrung eines Besseren belehrt.
Ich fürchte, das hat nun sehr düster und pessimistisch geklungen, sollte es aber nicht. Jesus stellt uns in Aussicht: Wer diesen Weg geht, wird das Leben gewinnen. Auch sein Weg endete nicht am Kreuz. "Nach drei Tagen werde er auferstehen" ist der Zielpunkt seines Lebensweges. Die Jünger können damit noch nichts anfangen, weil sie es noch nicht verstehen.
Das Wort Jesu vom Kreuz ist eine Ermutigung. Jene, die ihr Leben als Kreuzeslast spüren, sollen wissen, dass dies nicht das Ende ist. Und jene, die hoffen, dem Kreuz entgehen zu können, sollen wissen, dass ihr Leben mehr für sie bereit hält, als sie zu diesem Zeitpunkt ahnen können. Jesus selbst ist diesen Weg vorausgegangen, um uns zu zeigen, wo er wirklich endet.
Jesus ist für viele Menschen eine faszinierende Persönlichkeit, mit dessen Tun und Denken sich auseinanderzusetzen auch heute noch aktuell ist. Er zieht immer noch Menschen so in seinen Bann, dass sie seine Ziele und Absichten teilen und ihm nachfolgen. Als Getaufte sind wir auch zu seiner Nachfolge berufen, doch oft sind wir uns der Größe dieser Herausforderung nicht bewusst. Wer Jesus nachfolgt, wird auch mit seinem Kreuz konfrontiert.
Am Beginn des Gottesdienstes treten wir vor ihn hin und rufen wir ihn an als unseren Herrn und Messias.
Leid und Kreuz sind Dinge, denen wir Menschen gern ausweichen. Wo dies auf redliche Weise möglich ist, sollen wir jede Chance nützen. Es gibt aber auch Situationen, wo wir dem Schweren nicht ausweichen dürfen, wenn wir einem lebendigen Glauben die Treue halten wollen. Dafür wirbt Jesus im heutigen Evangelium, wenn er uns sagt: Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Um hierfür Kraft zu erlangen, bitten wir Jesus:
Nach wie vor geht für viele Menschen von Jesus eine Faszination aus. Sie fühlen sich von ihm angezogen. Die Frage "wer ist dieser Jesus für mich?" kann sehr unterschiedlich beantwortet werden. Und auch wir müssen uns immer wieder neu entscheiden, in welcher Beziehung wir zu ihm stehen wollen, und wer er für jeden einzelnen von uns ist: Prophet, Religionsstifter, moralischer Orientierungspunkt, Messias, Sohn Gottes, Bruder...?
Wie lasse ich mein Leben von ihm beeinflussen? Höre ich auf das, was er mir sagen will? Bin ich bereit, ihm nachzufolgen?
Am Beginn dieser Feier rufen wir ihn als Kyrios an, als "Herrn unseres Lebens" könnte man das übersetzen. Als Kyrios wollen wir ihm nun huldigen und ihn um seine Zuwendung bitten:
Christus, Herr und Messias,
du hast uns mit deiner Frohen Botschaft vom Reich Gottes in deinen Bann gezogen.
Kyrie, eleison.
Du lädst uns ein, mit unserem Denken und Handeln in deine Fußstapfen zu treten.
Christe, eleison.
Dir nachzufolgen bedeutet, dem Kreuz nicht auszuweichen,
wenn es christliches Leben von uns verlangt.
Kyrie, eleison.
Jesus Christus,
du hast dich zu den Menschen aufgemacht,
um allen, die es hören wollten, das Wort deines Vaters zu künden.
Herr, erbarme dich.
Du bist nicht davor zurückgeschreckt, dass dein Weg ein steiniger wird.
Christus, erbarme dich.
Du hast daran geglaubt, dass der Vater dich aus den Fängen des Todes in die Auferstehung ruft.
Herr, erbarme dich.
Kyrios, Herr und Messias, Jesus Christus,
du bist in die Fußstapfen der Propheten getreten,
um die Menschen mit Gott zu versöhnen.
Herr, erbarme dich.
Du musstest vieles erleiden,
bist von den Menschen verworfen worden
und hast dich von deinen Verfolgern töten lassen.
Christus, erbarme dich.
Du bist von den Toten auferstanden
und wurdest erhöht zur Rechten Gottes, des Vaters.
Herr, erbarme dich.
Gott, du Schöpfer und Lenker aller Dinge,
sieh gnädig auf uns.
Gib, daß wir dir mit ganzem Herzen dienen
und die Macht deiner Liebe an uns erfahren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 24. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du hast uns in die Kreuzesnachfolge deines Sohnes gerufen.
Gib uns die Kraft,
Jesus auf seinem Weg nachzufolgen.
Darum bitten wir dich voll Vertrauen
durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Vater im Himmel,
zu allen Zeiten hast du Menschen berufen,
deinen Willen zu bekunden.
Als besonderes Geschenk hast du uns deinen Sohn geschickt.
Er hat uns vorgelebt, dass die Macht deiner und seiner Liebe zu uns Menschen alles Trennende sprengt – selbst den Tod.
Dafür danken wir dir, heute und alle Tage. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
du hast uns berufen, dir nachzufolgen.
Wir sind auf deine Hilfe angewiesen.
Wir bitten dich:
Für die Bevölkerung in Afghanistan.
Schenke ihr Kraft und langen Atem,
die Zeit der Unterdrückung durchzustehen
und an der Herstellung menschenwürdiger Lebensbedingungen mitzuwirken.
Für alle, die von der Pandemie nach wie vor gefährdet sind,
und für alle, die sich vorschnell in Sicherheit wiegen.
Gib ihnen Klugheit und Einsicht in notwendige Vorsichtsmaßnahmen.
Für die Kinder und Jugendlichen,
die in diesen Tagen wieder die Schule beginnen.
Lass in ihren Alltag Ruhe und Ordnung einkehren,
damit sie ungestört lernen können.
Für alle, die einen seelsorgerlichen Beruf ausüben,
insbesondere für alle Religionslehrerinnen und Religionslehrer.
Begleite ihren Einsatz mit deinem Segen.
Für alle, die als Ordensleute am Wachsen des Reiches Gottes mitwirken.
Schenke ihnen Freude an ihrer Berufung.
Für die Verstorbenen, die darauf vertraut haben,
dass du den Deinen ewiges Leben schenkst.
Lass sie daran teilhaben.
Herr, Jesus Christus,
du hattest nicht im Sinn, was die Menschen wollen, sondern was Gott will.
Gib auch uns die Kraft, dem Willen Gottes zu folgen. – Amen.
Auch wenn Jesus annehmen konnte, dass seine Botschaft nicht gut ankommt, verfolgt er weiterhin seinen Weg, den er als Willen Gottes, den er seinen Vater nennt, erkannt hat.
Ihn lasst uns bitten:
Für Papst Franziskus und alle, die in diesen Tagen am Eucharistischen Weltkongress in Budapest teilnehmen.
Für uns alle, die wir in dieser Pandemie nicht nur für uns selbst sondern auch für unsere Mitmenschen Verantwortung tragen.
Für alle, die du in der Taufe zu einem Leben in deiner Nachfolge berufen hast.
Für uns selbst, wenn wir immer wieder neu nach einer Antwort auf die Frage nach deiner Bedeutung für unser persönliches Leben suchen.
Für unsere Verstorbenen, für die wir hoffen, dass du ihnen nicht nur im Tod sondern auch in deiner Auferstehung vorangegangen bist.
Jesus, dir nachzufolgen ist für uns eine Herausforderung. Nur im Glauben können wir darauf hoffen, dass du uns zum Leben in Fülle führst.
Dafür danken wir dir und loben dich, den dreieinen Gott, jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Guter Gott und Vater,
die Welt, die du geschaffen hast,
enthält viel Negatives, mit dem wir allein nicht zurecht kommen.
Wir bitten dich:
Für alle, die um ihrer Aufrichtigkeit willen verfolgt werden.
Lass ihre Opfer nicht vergeblich sein.
Für alle, die Ungerechtigkeit, Hass und Aggressionen ausgesetzt sind.
Erlöse sie von allem Bösen.
Für alle, die mit Krankheit und Leid konfrontiert sind.
Stärke sie in ihrer leiblichen und seelischen Not.
Für alle, dies sich für die Minderung von Leiden einsetzen:
Lass sie auch Früchte ihrer Mühe sehen.
Für alle, die ihr Leben nach dir ausrichten und dir nachfolgen.
Gib ihnen Kraft, ihr Lebenskreuz zu tragen.
Für alle, die ihr Leben vollendet haben.
Schenke ihnen Anteil an deinem ewigen Leben.
Dein Sohn Jesus Christus hat uns verheißen,
dass wir das Leben gewinnen, wenn wir ihm nachfolgen.
Ihm vertrauen wir. Amen.
Herr,
nimm die Gebete und Gaben deiner Kirche an;
und was jeder einzelne zur Ehre deines Namens darbringt,
das werde allen zum Heil.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 24. Sonntag im Jahreskreis
Dienstag der 1. Woche
Kehrvers:
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind Ehre, Lob und Ruhm und aller Segen.
(evtl. gesungen, GLÖ 864)
Oder:
Der Herr hat Großes an uns getan,
sein Name sei gepriesen. (GL 69,1)
Höchster und allmächtiger Herr,
wir haben allen Grund dir zu danken
und dir unseren Lobpreis zu singen.
Kehrvers
Wir danken dir für Jesus von Nazareth,
der uns durch seine Botschaft
und durch seinen heilsamen Umgang mit den Menschen begeistert.
Kehrvers
Wir danken dir, dass wir dich durch Jesus von Nazareth neu sehen gelernt haben
und dass wir dich durch ihn unseren Vater nennen dürfen.
Kehrvers
Wir danken dir, dass er uns die Angst genommen hat, uns zu verlieren,
wenn wir unser Leben nach deinem Weisungen gestalten.
Kehrvers
Wir danken dir, dass er uns aus den Erfolgszwängen
unseres irdischen Lebens befreit hat.
Kehrvers
Wir danken dir, dass er uns einen Weg gewiesen hat,
wie wir unsere Schuld bewältigen
und als Kinder Gottes leben können.
Kehrvers
Wir danken dir, dass er uns ewiges und unzerstörbares Leben eröffnet hat
und am Frieden des Reiches Gottes Anteil gegeben hat.
Kehrvers
Mit den Engeln und Heiligen stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und rufen:
Danklied, z. B.: Nun lobet Gott im hohen Thron (GL 393)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Gnade zu rühmen.
So sehr hast du die Welt geliebt,
daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast.
Er ist uns Menschen gleich geworden
in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst,
was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde
haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes
hast du ihn erneuert.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ....
MB Sonntage 7
Jesus, du fragst auch uns
heute und hier
wer bin ich für dich?
Hältst du mich für einen
der dir helfen kann
oder für einen unbequemen Mahner?
Hältst du mich für einen
dessen Worte unmodern geworden sind
oder für einen
der auch heute etwas zu sagen hat?
Hältst du mich für einen
dessen Weg heute nicht mehr gangbar ist
oder für einen
dessen Vorbild für alle Zeiten gültig ist?
Hältst du mich für einen Dummkopf
dessen Leben am Kreuz geendet hat
oder für einen
der uns durch Kreuz und Leid Erlösung bringt?
Jesus fragt uns immer wieder
wer bin ich für dich?
Hilf uns, dich zu erkennen, Herr.
Herr, unser Gott,
wir danken dir,
dass du uns Anteil am Leib und Blut Christi gegeben hast.
Lass nicht unser eigenes Streben Macht über uns gewinnen,
sondern gib,
dass die Wirkung dieses Sakramentes unser Leben bestimmt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 24. Sonntag im Jahreskreis
Jesus Christus,
du hast ganz offen zu den Menschen gesprochen,
bist ohne Vorbehalte auf sie zugegangen
und hast dich allen Herausforderungen deines Lebens gestellt.
Schenke auch uns die Kraft,
klar und eindeutig den Menschen zu begegnen
und sie so wahrzunehmen,
wie du es vorgelebt hast,
auf das unser Miteinander zum Wohl aller gelingt. - Amen.
gesetzt den Fall
wir könnten
Jesus
zu einem Zeitsprung bewegen
ihn anrufen
im Hier und Heute
Mensch zu werden
wo würde er geboren
in keiner Kirche
schon gar nicht
in einer Basilika
er würde wohl geboren
in einer der „Höhlen“ der Notunterkünfte
und
er würde
wieder
mit seinen Eltern flüchten müssen
wie so viele heute
und
in seinem Unterwegssein
wäre er auch heute
bei den Armen
bei den Unterdrückten
bei den Kranken
den Gefangenen
bei den Bedürftigen jeder Art
und er würde
die Tempel
unserer Zeit reinigen
kirchliche und
weltliche
gleich wer sie gebaut hat
und wie wir sie nennen
er würde uns sagen
ich bin gekommen
alle
auf-zu-richten
wenn ihr es jetzt nicht versteht
wann dann
er würde es uns zeigen
ganz bestimmt
denn er hätte
noch heute
das im Sinn
was Gott will
und
nicht was Menschen wollen
Beatrix Senft 2021, unveröffentlicht.
Der Evangelist sagt etwas, das er nie zuvor gesagt hat, ein Wort, das uns sein Geheimnis auszuloten erlaubt: Er spricht vom Menschensohn und greift dabei eine geheimnisvolle Bezeichnung des Messias auf, die sich in religiösen Schriften seiner Zeit findet. Neu an der Verwendung dieses Begriffs durch Jesus ist, daß er vom Menschensohn nicht wie damals üblich im Zusammenhang mit der Verherrlichung, dem Triumph des Messias spricht, sondern den Menschensohn mit Erniedrigung und Ablehnung zusammenbringt: Der Menschensohn "muß viel leiden und verworfen werden".
Verworfen werden muß er von den kulturell Hochstehenden, von den gesellschaftlichen Schichten, die damals zählten, die damals die Macht besaßen. Es sind außerordentlich harte Worte, zu hart für die Jünger; auch für jeden Menschen von heute, der sie ernsthaft an sich herankommen läßt, scheinen sie zu hart
Warum muß Jesus, der gerechte Mensch, diesem Schicksal unterworfen werden? Heißt das nicht, daß sich die Gerechtigkeit nicht durchsetzen kann? Ist es demnach Schicksal des Gerechten, unterzugehen, zu unterliegen?
Jesu Ankündigung des Schicksals, das ihn erwartet, löst bei seinen Jüngern Bestürzung und Verwirrung aus. Sie entspricht der Reaktion jedes normalen Menschen: Das darf nicht geschehen, das geht nicht, das ist sinnlos, so etwas kann man nicht akzeptieren ... Die Jünger begreifen, daß auch ihre Zukunft nicht ruhig und problemlos sein kann, wenn ihrem Meister so etwas zustößt. Der Einsatz für die Gerechtigkeit ist nicht leicht, er garantiert keinen unmittelbaren Erfolg, vor allem wenn dieser Einsatz mit den Waffen Jesu erfolgt, also durch Liebe, Versöhnung, Vertrauen auf die Überzeugungskraft, durch völlige Verfügbarkeit.
Aber Jesus läßt sich in diesem Punkt nicht korrigieren. Er durchkreuzt das Bild eines triumphierenden Menschensohnes, eines Weges ohne Hindernisse. Wenn Gott sich in einer grenzenlosen Liebe dem Menschen anbietet, muß diese Grenzenlosigkeit in allen ihren Konsequenzen ausgekostet werden. Dazu kann gehören, daß man zurückgewiesen, nicht gehört, verstoßen und getötet wird.
Gerade in dieser Verfügbarkeit bis zum Letzten erweist Jesus in seiner menschlichen Wirklichkeit die Verfügbarkeit Gottes zugunsten des Menschen, die unbedingte Entscheidung Gottes, den Menschen bis zum Letzten zu lieben.
Gerade darin erschließt sich uns der tiefere Sinn der Rede vom Menschensohn. Damit wird nämlich bekräftigt, daß es Bestimmung jedes Menschen ist, von dem Lebenshauch, der von Christus her stammt, durchdrungen zu werden. Deshalb muß sich die Kirche dem Menschen, seinen wirklichen Problemen, seinen Hoffnungen und Leiden, Eroberungen und Mißerfolgen zuwenden ...
[...]
Aus: Carlo M. Martini, Seht, welch ein Mensch. Texte für alle Tage der Fasten- und Osterzeit. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1999.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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In der heutigen Lesung tritt uns der Gottesknecht als eine prophetische Gestalt entgegen. Er hat sein Ohr und sein ganzes Wesen dem Wort Gottes geöffnet und er ist zum Sprecher Gottes geworden.
Der Knecht entzieht sich dem Prophetenberuf nicht im Gegensatz zu Jona (1,3) und Jeremia (1,6f, 20,7-9), sondern übt sein Amt trotz des härtesten Widerstandes aus, der ihm von seinen eigenen Volksgenossen entgegengebracht wird. Der tiefere Grund des Widerstandes ist der Unglaube seiner Volksgenossen. Der Widerstand artet in Tätigkeiten aus, die besonders schmerzlich und entehrend sind: Bart ausreißen, Schläge auf den Rücken und Spucken in das Angesicht. Die Verfolgung und die Feindschaft seines Volkes wird im schließlich den Tod bringen.
Die Evangelisten haben diese prophetischen Aussagen auf Jesus bezogen. Er ist Gottessohn und Gottesknecht. Er weiß, daß auch in Leiden und Tod der Vater ihn nicht allein lässt.