Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus der Apostelgeschichte
In jenen Tagen
tat Stephanus aber,
voll Gnade und Kraft,
Wunder und große Zeichen unter dem Volk.
Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner
und Kyrenäer und Alexandriner
und Leute aus Kilikien und der Provinz Asien
erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten;
aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach,
nicht widerstehen.
Als sie seine Rede hörten,
waren sie in ihren Herzen aufs Äußerste über ihn empört
und knirschten mit den Zähnen gegen ihn.
Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist,
blickte zum Himmel empor,
sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen
und rief:
Siehe, ich sehe den Himmel offen
und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
Da erhoben sie ein lautes Geschrei,
hielten sich die Ohren zu,
stürmten einmütig auf ihn los,
trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn.
Die Zeugen legten ihre Kleider
zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.
So steinigten sie Stephanus;
er aber betete
und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!
Dann sank er in die Knie und schrie laut:
Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!
Nach diesen Worten starb er.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Herr, in deine Hände lege ich meinen Geist. – Kv
(oder GL 308,1)
Sei mir ein schützender Fels,
ein festes Haus, mich zu retten!
Denn du bist mein Fels und meine Festung;
um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten. - Kv
In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist;
du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.
Ich will jubeln und deiner Huld mich freuen;
denn du hast mein Elend angesehn.
du kanntest die Ängste meiner Seele. - Kv
In deiner Hand steht meine Zeit;
entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger!
Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht,
hilf mir in deiner Huld! - Kv
Halleluja. Halleluja.
Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn.
Gott, der Herr, erleuchte uns.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach jesus zu seinen Jüngern:
Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht!
Denn sie werden euch an die Gerichte ausliefern
und in ihren Synagogen auspeitschen.
Ihr werdet um meinetwillen
vor Statthalter und Könige geführt werden,
ihnen und den Heiden zum Zeugnis.
Wenn sie euch aber ausliefern,
macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt;
denn es wird euch in jener Stunde eingegeben,
was ihr sagen sollt.
Nicht ihr werdet dann reden,
sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.
Der Bruder wird den Bruder dem Tod ausliefern
und der Vater das Kind
und Kinder werden sich gegen die Eltern auflehnen
und sie in den Tod schicken.
Und ihr werdet um meines Namens willen
von allen gehasst werden;
wer aber bis zum Ende standhaft bleibt,
der wird gerettet.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Text des Evangeliums stammt aus der so genannten "Aussendungsrede" (Mt 9,35 - 11,1). Matthäus komponierte hierbei aus überlieferten Worten Jesu eine eigene Rede zusammen. Adressaten dieser Rede sind nicht allein die Jünger Jesu sondern gleichsam alle Christinnen und Christen. Dass es sich dabei um keine authentische Rede Jesu handeln kann, wird beispielsweise an der Formulierung "... und in ihren Synagogen auspeitschen..." deutlich, denn Jesus selbst hätte nie von "ihren" Synagogen gesprochen. Vielmehr hat der Autor hier bereits die Zeit der ersten Verfolgungen und Anfeindungen vor Augen.
Das Kennzeichen für das Leben der Jünger ist nach dem Evangeliumstext die Verfolgung. Die Verfolgung droht den Jüngern dabei von verschiedenen Seiten: Mitmenschen, Familie, Repräsentanten des jeweils herrschenden Systems etc..
Immer wieder hat Jesus seine Jünger darauf hingewiesen, was sie von den Menschen zu erwarten haben, aber auch, was sie - wenn sie treu sind - von Gott zu erwarten haben. Die "Welt" wird ihr Tun und Wirken nicht anerkennen, doch Gott sie "entschädigen" und ihnen Ewiges Leben schenken. In der Stunde der Entscheidung, dann „wenn es darauf ankommt", wird der Hl. Geist selbst, ihre Worte formen und ihnen die "Sprache abnehmen". Im Zusammenhang mit dem Gedächtnis des hl. Stephanus sind die Worte mehr als prophetisch: Die eigenen Angehörigen werden einen verleugnen, aber Gott, der Herr, bleibt treu und sendet seinen Beistand, den Heiligen Geist.
Die heutige Perikope ist aus der Aussendungsrede (9,35 - 11,1) genommen. Mattäus stellt aus Worten Jesu, die bei verschiedenen Gelegenheiten gesprochen wurden, eine Aussendungsrede zusammen. Sie ist nicht allein an die zwölf Apostel gerichtet, manches gilt für alle ChristenInnen ("JüngerInnen").
Der heutige Evangeliumsabschnitt befasst sich mit dem Los der Jünger, wobei nur der 1. Teil (10,17-22 von 10,16–39) gelesen wird. Das Jüngerlos ist die Verfolgung. Die Jünger werden ohne irdische Macht in eine Welt der Feinde geschickt, die Ausrüstung sind das "Ich" Jesu und die kluge Zurückhaltung. Die Verfolgung droht gleich von mehreren Seiten: durch jüdische und heidnische Obrigkeiten, aber auch von eigenen Familien.
Die Jünger Christi können aber nicht ausgerottet werden. Sie sollen um die Geborgenheit im Geist Vaters wissen und das ist ihre Rettung.
Vom hl. Diakon Stephanus erzählt nur die Apostelgeschichte. Auf drei Abschnitte aus der Apostelgeschichte werde ich jeweils meine Gedanken zum Leben des hl. Stephanus vorlegen.
Wir hören einen ersten Abschnitt über den unfairen Prozess gegen Stephanus:
Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner und Zyrenäer und Alexandriner und Leute aus Zilizien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten; aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.
Da stifteten sie Männer zu der Aussage an: Wir haben gehört, wie er gegen Mose und Gott lästerte. Sie hetzten das Volk, die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, drangen auf ihn ein, packten ihn und schleppten ihn vor den Hohen Rat. Und sie brachten falsche Zeugen bei. (Apg 6,8-13a).
Was wir hier über Stephanus gehört haben, reißt uns aus der Weihnachtsstimmung heraus und versetzt uns in die Karwoche. Die Sätze über Stephanus weisen mehrere Parallelen zum Leben Jesu auf. Das beginnt bei den Streitgesprächen und endet mit dem gleichen einzigartigen Verzeihen: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“
Wir dürfen davon ausgehen, dass Stephanus als Diakon nicht nur Almosen verteilte, sondern auch Partei ergriff für die Ärmsten und für mehr Gerechtigkeit eintrat. Dabei standen ihm Zeichen und Wunder zur Seite.
Wie seinen Herrn und Meister ziehen die Gegner den Stephanus mit falschen Vorwürfen vor Gericht. Selbst die Anklage, Stephanus würde nicht dem Gesetz des Mose folgen und den Tempel ablehnen, klingt wie gegen Jesus.
Stephanus wird beschuldigt, das Gesetz des Mose und seine Bräuche ändern und den Tempel zerstören zu wollen. Nichts davon stimmt. Vielmehr nimmt Stephanus die Thora, die hl. Schrift der Juden, sehr ernst und bezieht sie ausführlich in seine Rede vor dem Hohen Rat ein. Stephanus bleibt genauso wie Christus nicht beim Altgewohnten stehen, sondern baut darauf auf und führt weiter.
Wir hören den zweiten Teil der Lesung aus der Apostelgeschichte mit Auszügen aus der Rede des heiligen Stephanus:
Stephanus begann seine Rede: Brüder und Väter, hört mich an! Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham und sagte zu ihm: Zieh weg aus deinem Land in ein Gebiet, das ich dir zeigen werde. Und Gott verhieß ihm viele Nachkommen.
Dann geht Stephanus kurz ein auf die 400 Jahre Knechtschaft Israels in Ägypten. Für Zeiten des Ungehorsams und Glaubensabfall musste Israel büßen und auch die Unterdrücker in Ägypten wurden mit Plagen bestraft.
Stephanus schildert, wie Mose das Volk Israel aus Ägypten führte. Verehrung des goldenen Kalbes und Murren auf der Wüstenwanderung kennzeichnen das wankelmütige Volk.
Die Worte des Stephanus münden in den Vorwurf: Eure Väter haben sich dem Heiligen Geist widersetzt und auch ihr bleibt halsstarrig und seid um keinen Deut besser. (Apg 7,1-53)
Der Vorwurf des Stephanus wirkt deswegen besonders schwer, weil seine Gegner die Thora kennen sollten. Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid. Letztlich wirft Stephanus ihnen vor, sich wider besseres Wissen gegen das Gesetz des Mose gestellt zu haben.
Es ist zu wenig, sich im Besitz des Wortes Gottes zu wissen. Viel wichtiger ist es, aus dem Geist der hl. Schrift zu leben. Diakon Stephanus kannte die biblischen Aussagen sehr gut. Er hatte Mut bewiesen, den gekreuzigten und auferstandenen Christus als den wahren Messias zu verkünden, auch wenn die führenden Juden nicht an Christus glaubten. Stephanus hat die Vorwürfe seiner Gegner geschickt entkräftet. Als sie im fairen Streiten dem Stephanus nicht beikommen konnten, hielten sie sich die Ohren zu, wurden laut und gingen auf ihn los.
Harte Wahrheiten anhören zu können, sich von ihnen herausfordern zu lassen, zeugt von einem reifen Charakter. Letztlich ist dies eine unumgängliche Voraussetzung sich zu bekehren und Fortschritte zu machen.
Wir hören nun den dritten Teil der Lesung über die Steinigung des heiligen Stephanus:
Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen. Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. Stephanus aber betete: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er. (Apg 7,54 - 8,1a).
Auf die Rede des Stephanus findet die Menge keine andere Antwort als Zähneknirschen, Tumult und Gewalt. Wo Argumente und Einsicht über Bord geworfen werden, ist die Gewalt nicht mehr weit.
Als Stephanus Jesus bei Gott erhöht sieht, wird die Wut noch größer. Er schaut Gott im Himmel und nicht im Tempel, was die Gegner als weitere Provokation empfinden. Stephanus sieht Jesus zur Rechten Gottes stehen. Vor ihm, dem endzeitlichen Richter, bezeugt der Gekreuzigte und Auferstandene die Worte des Stephanus. Das treibt die Wut der Gegner auf die Spitze und drängt sie zur Steinigung.
Leider entdecken wir solche Schritte bis hin zur Gewalt in sehr vielen vor allem politischen Karrieren. Diese Blutspur zieht sich bis in unsere Gegenwart. Schreiendes Unrecht wächst, wo Wahrheiten verdreht werden, wo man Konkurrenten mit falschen Anschuldigungen klein macht. Hitler hatte bereits bei seinen ersten Auftritten Anfang der 20ger Jahre einen Sicherheitsdienst, der jeden, der zu widersprechen wagte, aus dem Saal entfernte.
Der Wille, Macht auszuüben steckt mehr oder weniger in uns allen, ob gegenüber dem Partner oder der Partnerin, gegenüber den Kindern; ob im Beruf, am Arbeitsplatz oder in der Schule. Fake News, Mopping, Verdächtigungen, Zurückhalten von Informationen und schrittweise Isolierung sind auch heute noch wirksame Mittel, die eigene Macht auf Kosten anderer zu stärken.
Der Stephanustag ist vor einigen Jahren zum Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen erklärt worden. Es gab noch nie so viele Christen, die wegen ihres Glaubens in Gefängnissen schmachten oder getötet werden, wie heute.
Bitten wir den heiligen Stephanus um tiefere Verwurzelung in Christus, damit auch wir uns mutig zu Christus bekennen. Mit Christus können wir am meisten zu Freiheit und Friede beitragen nicht nur in der Weihnachtszeit.
Stephanus sieht bei seiner Steinigung den Himmel offen…Sein Fest wurde schon früher als Weihnachten gefeiert. Verfolgte Christen haben zu ihm aufgeblickt, weil er auf Christus verweist, der uns den Himmel geöffnet hat.
Wenn Sie in Fernsehzeitschriften blättern, fallen Berichte über Sternstunden der Menschheit auf. Häufig sind das Filme der Wissenschaftsredaktionen. Sie beschreiben die Entwicklung von Tieren oder Landschaften. Immer wieder kommt auch ein Part: „So fing es wahrscheinlich an.“
Sternstunden gibt es auch in der Sparte der Unterhaltungsfilme. Im richtigen Moment trifft der Held des Films auf Menschen in Not. Diesen Menschen wird übel mitgespielt. Diese Menschen werden verfolgt. Aber der Held ist da – und es läuft meist auf ein Happy End hinaus. Der Ausklang des Films lässt ahnen: Diese Menschen werden für die Zukunft ihrer Familie ein Segen sein.
Für Stephanus war es anders. Seine Sternstunde war seine letzte Stunde. Sein Tod war beschlossene Sache. Die Art der Tötung war allen bekannt. Ein Zurück hätte es nur geben können durch einen Widerruf. Das aber war nicht möglich. Die Diskussionen mit den Vertretern der Synagoge hatten ja gezeigt: „Dieser Mann redet aus Gott.“
In dieser Situation kommt es zu seiner Vision. Die gibt ihm Sicherheit und Antwort. Er kann spüren: Ich habe auf das Richtige gehofft. Gut, dass ich dabei bleiben kann.
Sein Zeugnis war eine Sternstunde für Christengemeinden, die Menschen zu sich eingeladen haben. Sie mussten bekennen und gleichzeitig befürchten, verfolgt zu werden. Wie konnten sie mit ihrem Wunsch zum Bekenntnis und ihrer Angst umgehen? Wie konnten sie sich schützen und doch dem Reich Gottes mehr Raum geben? Die Geschichte des Stephanus zeigte ihnen: „Gott steht uns bei. Er verlässt uns nicht. Das gibt uns Mut.“
Im Evangelium der Heiligen Nacht wurde den Hirten und uns gesagt: „Fürchtet Euch nicht. Der Heiland ist geboren!“ Diese verängstigten Menschen, die sich keinen Reim auf all das machen konnten, schauten und glaubten.“ Das Geschehen rund um Stephanus ist eigentlich gleich.
Die weihnachtliche Freude soll nicht gestört werden durch das Fest des Märtyrers Stephanus. Vielmehr sollte suchenden Menschen gesagt werden: Die Märtyrer stehen für einen Menschen ein, den Gott gesandt hat, damit wir mit ihm und durch ihn wachsen.
Weihnachten ist das Fest der Liebe Gottes, die uns Menschen und die Welt verändern will. An Stephanus sehen wir, wozu begeisterte Liebe fähig macht. Wir schauen auf Stephanus, damit diese Liebe in unserem Leben fortwirkt.
Am zweiten Weihnachtstag wird uns von der Liturgie her das Martyrium des Diakons Stephanus vor Augen gestellt. Auf den ersten Blick erscheint dies nicht sehr feinfühlig. Mitten in den Jubel über die Geburt Jesu und in die Weihnachtsfreude hinein werden wir mit negativer Lebensrealität konfrontiert: Verurteilung und Hinrichtung wegen des Glaubens. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Liturgen, die die Texte für das Kirchenjahr zusammengestellt haben, uns nicht die Freude am Weihnachtsfest verderben wollten, sondern eine pastorale Absicht verfolgt haben.
Wenn wir nicht wachsam sind, geraten wir leicht in die Gefahr, das Anliegen von Weihnachten mit der Zeit mehr und mehr abklingen zu lassen. In der Menschwerdung Jesu hat Gott das ungeheure Ausmaß seiner Liebe zu uns Menschen sichtbar werden lassen. Und von dieser Liebe weicht Jesus ein Leben lang keinen Zentimeter ab, obwohl sie ihm ein hohes Maß an menschlichem Leid einbrachte. Machen wir uns bewusst: Es gibt keine ärmlichere Geburt eines Menschen auf dieser Erde als die Geburt Jesu: Es gibt keinen schmachvolleren Tod zur Zeit Jesu als die Kreuzigung. Sie war den Schwerstverbrechern vorbehalten als Ausdruck der Schande. Jesus durchlebt also ein Höchstmaß an Armut und Schmähung. Dennoch wich er von der Liebe nicht ab. Dieses Verhalten Jesu sollen wir Weihnachten us vor Augen halten und in Freude darüber aufjubeln. Denn nur wenn wir uns in Staunen und Freude vom Leben Jesu begeistern lassen, wird in uns die Sehnsucht wachsen, an der Liebe selbst dann festzuhalten, selbst wenn uns Unrecht und Leid angetan wird.
In welches Ausmaß an Liebe Begeisterung führen kann, zeigt uns Stephanus. In seinem Herzen gibt es keinen anhaltenden Groll auf seine Gegner, Zorn oder Rachegedanken. Das zeugt nicht von Schwäche. Stephanus lässt sich von niemanden einschüchtern. Vor den Ältesten des jüdischen Gerichts hält er eine flammende Rede, in der er begeistert von Christus spricht und Zeugnis für ihn ablegt. Diese Begeisterung des Stephanus sollen wir uns vor Augen halten. Denn lebendiger Glaube benötigt Begeisterung und Festhalten an der Liebe. Nicht Traurigkeit über die Steinigung des Stephanus soll uns heute erfassen, sondern Hochachtung und Bewunderung darüber, welch enorme Kraft die Einstimmung auf die Liebe Gottes dem Stephanus brachte.
Schon in der Urkirche galt Stephanus als ein Musterbeispiel für gelebte Liebe und gelebte Nachfolge Jesu. Was wir von Stephanus, seinem Leben und Wirken wissen, ist uns in einer Form überliefert, die ihn als Abbild Christi zeichnet:
Fast parallel und spiegelgleich verläuft das Leben des Stephanus mit dem Leben Jesu. Und nicht von ungefähr gipfelt das Ende des Märtyrers im Gebet Jesu am Kreuz: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an. Dieser Satz enthält das Leitmotiv, unter das Stephanus sein gesamtes Leben stellte: Jene Liebe, die selbst den ärgsten Feind nicht ausklammert. Die Liebe prägte sein Denken, formte sein Wesen und bestimmte sein Handeln.
Stephanus ein Abbild Jesu, ein Vorbild für alle, die den Namen Christi tragen. Dieses Bild sollen wir vor Augen haben. Mit diesem Bild sollen wir in den Tagen nach Weihnachten aufbrechen in unseren Alltag und in das neue Jahr hinein.
Keiner, der sich nun im Stillen sagt „Das schaffe ich doch nie, ich bin kein Stephanus!“, soll resignieren oder aufgeben. Vielmehr möge er neu in die Krippe schauen auf den, von dem ja auch Stephanus seine Kraft bezog. Auch wenn wir keine großen Heiligen aus uns machen und uns nicht in allen Lebenslagen bewähren, so ist dennoch jedes kleine Werk unserer Liebe wertvoll und wichtig. Lassen wir uns durch weihnachtliche Besinnung auf Jesus, Stephanus und deren Leben immer neu bewegen zu einer Begeisterung, die über Weihnachten hinaus anhält und die im Laufe unseres Lebens immer stärker wird.
Das Fest des hl. Stephanus passt auf den ersten Blick nicht zu Weihnachten. Es erinnert eher an die Konflikte von Menschen, die religiöses Leben sehr ernst nehmen. Stephanus und Weihnachten zeigen uns, wie wir von unserem Glauben an die menschgewordene Liebe Gottes Zeugnis geben können.
Der zweite Weihnachtsfeiertag ist dem hl. Stephanus gewidmet. Er tritt mutig für Christus und dessen neuen Weg ein. An ihm wird sichtbar, wie die Botschaft von Jesus Christus die Welt verändert.
Weihnachten ist nur ein Fest der Gefühle. Liebe kann sehr ernst werden, zeigt sich im Leben und im Sterben des hl. Stephanus.
Obwohl das Fest des hl. Stephanus eine ganz andere Stimmung wachruft, ist der zweite Weihnachtsfeiertag ein echter Weihnachtstag.
Viele dem hl. Stephanus geweihte Kirchen im Donauraum erinnern an die Anfänge des Christentums hier. Stephanus ist eine wichtige Persönlichkeit am Anfang des Christentums in Jerusalem. Er ist entschlossen, in der Spur Jesu zu bleiben und sich den Konflikten zu stellen, die sich im konkreten Glaubensleben daraus ergeben.
Es mag verwundern, dass unmittelbar nach Weihnachten das Fest eines Märtyrers, eines Zeugen für Christus, begangen wird. Aber gerade dadurch wird uns vor Augen geführt, dass in keinem anderen Heil zu finden ist als im menschgewordenen Gottessohn. Das Christuskind in der Krippe ist mehr als Stimmung und Idylle. Stephanus war einer der sieben Diakone der christlichen Urgemeinde in Jerusalem. In Streitgesprächen vertrat er das Evangelium Jesu Christi. Auch vor dem Hohen Rat zu Jerusalem hatte er den Mut, sich zu Christus, dem Auferstandenen, zu bekennen. Deshalb stieß er auf Widerstand und wurde gesteinigt.
Wenn wir unser Leben neben Christus und Stephanus stellen, erkennen wir, wie weit wir hinter ihnen zurückbleiben. Im Kyrie öffnen wir uns dem Erbarmen Gottes:
Viele fragen sich: „Warum muss denn auf die Freude und den Glanz von Weihnachten gleich ein Märtyrerfest gelegt werden?“ Die schlichte Antwort darauf lautet: „Das Fest des Stephanus war eher!“
Die frühen Christen feierten schon Stephanus und andere Märtyrer als Zeugen ihres Glaubens. Erst viel später hatten sie die Möglichkeit, das Jahr nach christlicher Sicht zu gestalten. Sie sahen Christus als das Licht für die Welt und wählten als Geburtsfest einen Tag in der Nähe der Wintersonnenwende.
Christus erlebten sie als Licht für die Menschen. Sein Tun machte Mut, seine Worte fanden Antwort – damals wie hoffentlich auch heute.
Ihn bitten wir:
Heute begehen wir den Gedenktag des Hl. Stephanus. Nicht so sehr sein Martyrium als vielmehr sein Leben der Liebe und Begeisterung von Christus wird uns in der Apostelgeschichte vor Augen geführt. Wahrscheinlich kann keiner von uns so eindeutig die Liebe zu Christus leben wie dieser Martyrer. Aber resignieren müssen wir deshalb nicht. Bitten wir ihn vielmehr in diesem Gottesdienst, dass er uns beistehe und durch seine Fürbitte Kraft zur Liebe verleihe.
Herr Jesus Christus,
du hast den hl. Stephanus mit Gnade und Glaubenskraft erfüllt.
Herr, erbarme dich.
Du hast ihn die Herrlichkeit Gottes schauen lassen.
Christus, erbarme dich.
Du hast ihm die Fähigkeit gegeben,
für dich in den Tod zu gehen und für seine Peiniger zu beten.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus,
Licht im Dunkel unserer Zeit.
Kyrie, eleison.
In deiner Nachfolge wandte sich Stephanus den Armen seiner Zeit zu.
Christe, eleison.
In deiner Liebe fand ein Saulus zur Berufung seines Lebens.
Kyrie, eleison.
Der Gott, der zu uns gekommen ist, lasse uns unsere Schuld nach und führe uns zu unserem Platz in seiner Liebe und seinem Licht. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du rufst uns Menschen auf, dir mit Hingabe und Kraft nachzufolgen.
Herr, erbarme dich.
Du willst, dass wir uns nicht bekämpfen,
sondern versöhnt und im Frieden miteinander leben.
Christus, erbarme dich.
Im Hl. Stephanus hast du uns ein Vorbild und einen Fürsprecher gegeben.
Herr, erbarme dich.
Es erbarme sich unser der gütige und barmherzige Herr.
Er stärke auch uns zu einem Leben der Liebe und Versöhnung. – Amen.
Herr Jesus Christus,
mit deiner Ankunft haben Engel Frieden für eine friedlose Welt verkündet.
Herr, erbarme dich.
Du aber lässt die Menschen wissen:
"Ich bin gekommen um Feuer auf die Erde zu werfen".
Christus, erbarme dich.
Du lädst uns ein,
vor der Wirklichkeit menschlicher Schwächen nicht zu erstarren,
sondern kraftvoll die Welt zu gestalten
Herr, erbarme dich.
Der gute Gott erbarme sich unser,
er befreie uns von Schuld und Sünde
und führe uns in seinen ewigen Frieden.
Allmächtiger Gott,
wir ehren am heutigen Fest
den ersten Märtyrer deiner Kirche.
Gib, dass auch wir unsere Feinde lieben
und so das Beispiel
des heiligen Stephanus nachahmen,
der sterbend für seine Verfolger gebetet hat.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Hl. Stephanus
Gott und Vater,
das Leben deines Sohnes
hatte Momente von Freude und von Schmerz,
von Einsamkeit und Gemeinschaft.
Lass uns deine Gemeinschaft spüren
und rühre uns an in unserer Einsamkeit,
damit wir den Menschen sagen können:
Gott ist mit uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…
Lasset uns zu Gott beten, der uns in Jesus Christus entgegenkommt mit seiner ganzen Liebe, der uns aber auch zum Zeugnis herausfordert:
Befähige alle Christen, denen die Glaubensfreiheit eingeschränkt wird, auf deinen Beistand zu vertrauen und dich zu bekennen.
Gib uns Mut und Entschlossenheit, in deinem Geiste zu handeln, wenn in unserer Umgebung Unrecht und Gewalt übermächtig zu werden drohen.
Lass uns für dich werben; mehr durch ein vorbildliches Leben als durch Worte.
Lass die Glaubenden wachsen in der Beziehung zu dir, dass sie für ihre Mitmenschen wertvoller werden können.
Hilf den Sterbenden, dass sie ihren letzten Weg in der Hoffnung auf dich gut bewältigen.
Herr und Gott, erfülle uns mit deinem Geist.
Lass uns wie Stephanus deine Zeugen sein an dem Platz, an dem wir stehen.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Herr Jesus,
dich sah Stephanus, als er litt.
Wir hoffen darauf auch für die Leidenden unserer Tage und bitten:
V/A: Zeige deine Gegenwart
Der Frieden der Heiligen Nacht ist in manchen Gegenden sehr brüchig.
Für die dort Lebenden bitten wir:
Menschen werden verfolgt, weil sie ihren Glauben an dich bezeugen.
Für sie bitten wir:
Getötete Menschen hinterlassen Angehörige, die an dir zweifeln können.
Für ihre Familien bitten wir:
Das Weihnachtsfest in diesem Jahr müssen manche Menschen einsam verbringen.
Für sie bitten wir:
Stephanus wird als Heiliger verehrt, viele Glaubenszeugen bleiben namenlos. Du kennst ihre Namen und ihre Lebensgeschichte.
Sie sind bei dir und für sie bitten wir:
Wir hoffen, dass auch wir einmal in deiner Liebe für immer verbleiben. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du bist das Licht, das uns den Weg weist,
du bist die Kraft, in der wir über uns hinauswachsen können.
Auf Fürsprache des hl. Stephanus bitten wir dich:
Stehe allen bei, die wegen ihres Bekenntnisses zu Gott oder wegen der Ausübung ihrer Religion verfolgt, verspottet oder benachteiligt werden.
Christus, höre uns…
Ermutige alle Christen, zu ihrem Glauben zu stehen und ihn zu bekennen, auch wenn ihnen dadurch Nachteile entstehen.
Hilf allen Menschen, sich vor Fehlurteilen und schnellen Verurteilungen anderer zu hüten.
Lass uns in unserer weihnachtlichen Stimmung nicht vergessen, dass die Botschaft von der Menschwerdung und Liebe Gottes uns prägen und verändern soll.
Nimm die Verstorbenen auf in die Gemeinschaft mit dir und allen Heiligen.
Herr Jesus Christus,
es war die von dir geschenkte Gnade, aus der sich Stephanus bewähren konnte.
Wir danken dir für alle Kräfte, die du in uns hineingelegt hast und die du uns schenkst.
Wirke du in uns, heute und alle Tage unseres Lebens. – Amen.
Herr, unser Gott, schau gütig auf dein Volk,
das mit Freude und Hingabe
den Festtag des heiligen Stephanus feiert,
und nimm unsere Gaben an.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Hl. Stephanus
Kehrvers:
Die Freude an Gott ist unsere Kraft, Halleluja. Halleluja..
(ÖGL 980)
Großer und menschenfreundlicher Gott,
es ist recht, dass wir dir danken und dich preisen
für den neuen Weg, den uns Jesus gewiesen hat,
und durch den er das Angesicht der Erde erneuert hat.
Kehrvers
Wir danken dir für die Wahrheit,
die du durch Jesus aufs neue geoffenbart hast;
Durch sie hast du gezeigt, wie sehr du deine Geschöpfe liebst.
Kehrvers
Wir danken dir und preisen dich für das neue Leben,
das du der Menschheit in Jesus von Nazareth geschenkt hast.
Kehrvers
Wir danken dir für alle Menschen,
die mit Geist und Leidenschaft
für dich und deinen Sohn Zeugnis abgelegt haben.
Kehrvers
Wir danken dir für alle Menschen,
die unsere oft verfahrene Welt durch ihr mutiges Beispiel
aus Irrwegen und Sackgassen herausgeführt haben.
Kehrvers
Wir danken dir, dass dein Geist auch heute
Menschen zu glaubwürdigen Zeugen deiner schöpferischen Liebe
und deiner Menschenfreundlichkeit macht.
Wir danken dir für die Menschen, die ihr Leben einsetzen,
um deine Frohe Botschaft allen Menschen bekannt zu machen.
Kehrvers
Mit allen Engeln und Heiligen stimmen wir ein
in das Lob der ganzen Schöpfung und singen:
Danklied, z. B.: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Stephanus sah den Himmel offen und darin Gottes Herrlichkeit.
Wir rufen zu Gott mit den Worten Jesu:
Vater Unser…
Herr Jesus,
Stephanus hat wie du noch im Tod an Vergebung und Frieden gedacht.
Frieden war auch das erste Wort der Engel an Weihnachten.
Wir bitten dich, der du die Fülle des Friedens bist:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
Eben erst
sind wir bei der Krippe angekommen.
Eben erst
haben wir staunend das Wunder gesehen.
Eben erst
haben wir voll Freude gejubelt.
Und nun, Herr,
sollen wir gehen dich zu bezeugen.
Nun sollen wir den Menschen sagen:
Gott ist mit uns!
Nun sollen wir standhaft sein und mutig,
sollen uns nicht mundtot machen lassen
von denen, die dir nicht glauben.
Gott ist mit uns
Er erfüllt uns, wie Stephanus,
mit Glauben und Heiligem Geist.
Er schenkt Kraft und Mut,
er ist Weg und Ziel.
Ihm dürfen wir vertrauen.
Gott ist mit uns -
seit Weihnachten
wissen wir das neu.
Herr, unser Gott,
wir danken dir
für die Gnade dieser festlichen Tage.
In der Geburt deines Sohnes
schenkst du uns das Heil;
im Sterben des heiligen Stephanus
zeigst du uns das Beispiel
eines unerschrockenen Glaubenszeugen.
Wir bitten dich:
Stärke unsere Bereitschaft,
deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus,
standhaft zu bekennen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Hl. Stephanus
Gott und Vater,
du hast uns an Weihnachten deinen Sohn geschenkt,
um uns den Himmel wieder zu öffnen.
Du hast Stephanus den offenen Himmel gezeigt
und ihm darin Platz gegeben.
In dieser Feier hast du uns heute ahnen lassen,
wie uns das Mahl deines Sohnes beschenkt.
Für all das danken wir dir
durch ihn unseren Herrn. - Amen.
Stephanus schaute Gott in seinem Sterben.
Gott schenke euch seine Nähe und seinen Segen. - Amen.
Christus wurde das Geschenk für die Menschen in allen Zeiten seines Lebens.
Er beschenke euch mit seiner Kraft und seinem Segen. - Amen.
Gottes Geist gibt den Verfolgten die Worte ein, die sie brauchen.
Er beschenke durch euer Wort unsere Welt und gebe euch seinen Segen. - Amen.
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
erfülle euch an diesem Tag. - Amen.
An einem Karfreitag wurde der alte Husarengeneral von Ziethen zur Tafel Friedrichs des Großen geladen. Der General aber ging an diesem Tag zum Abendmahl. Er ließ sich deshalb beim König entschuldigen. Nicht lange danach lud ihn der König wieder ein:
»Nun, Ziethen, wie ist Ihm das Abendmahl am Karfreitag bekommen? Hat Er den Leib und das Blut Christi auch ordentlich verdaut?« Alles lachte. Ziethen aber stand auf, trat vor den König und sprach mit fester Stimme:
»Eure königliche Majestät wissen, dass ich im Krieg keine Gefahr gescheut habe. Wenn's nütze ist und mein König befiehlt, so lege ich mein graues Haupt zu seinen Füßen. Aber es gibt einen über uns, der ist mehr als Eure königliche Majestät. Das ist der Heiland der Welt. Den Heiligen lasse ich nicht antasten und verhöhnen; denn auf ihm beruht mein Glaube, mein Trost und meine Hoffnung im Leben und im Sterben.«
Allgemeine Bestürzung im Saal.
Der König aber stand auf und sagte bewegt: »Glücklicher Ziethen! Ich habe allen Respekt vor deinem Glauben. Es soll nicht wieder vorkommen.«
Aus: Axel Kühner, Überlebensgeschichten für jeden Tag. Verlag Aussaat 2001.
Das Gesicht des alten Mannes ist von einem über 80jährigen bewegten Leben gezeichnet. Der Bischof einer Diözese in China gehört zu den eindrucksvollsten heutigen Zeugen für die Kraft des Evangeliums. Menschen wie ihm verdankt es die Kirche, dass sich - fast 25 Jahre nach der Kulturrevolution - wieder viele junge Menschen in China zu Christus bekennen. Damals war eine entsetzliche Welle der Gewalt gegen alle vermeintlichen Feinde und Gegner des radikalen Kommunismus durch das Land gefegt. Auch alle Religionen sollten zerstört werden. Bibeln und christliche Bücher wurden verbrannt. Viele Christen verloren wegen ihres Glaubens das Leben, andere wurden jahre-, jahrzehntelang eingesperrt, zur Zwangsarbeit in Lager geschickt.
Auch die Kathedrale dieses alten Bischofs wurde gestürmt, verwüstet und entweiht. Als Höhepunkt des barbarischen Schauspiels ließen sich die Roten Garden etwas Besonderes einfallen. Auf der Treppe, die zur Kathedrale führte, zwangen sie dem Bischof einen schweren Schlagstock in die Hand. Sie befahlen ihm, eigenhändig die Madonnenfigur der verwüsteten Kirche zu zertrümmern. Der tiefgläubige Bischof schleuderte den Stock weg mit den Worten: „Ihr könnt alles zerschlagen und vernichten, auch mich. Aber meinen Glauben könnt ihr nicht zerstören.“ Der Mut dieses Christen brachte ihn ins Gefängnis. Er überlebte. Heute wird der schwerkranke Mann von vielen Menschen in China verehrt und bewundert. Sie lieben ihn wie einen Vater. Die Marienstatue steht wieder auf ihrem gewohnten Platz in der neu restaurierten Kirche.
Bernd Kaut, Missio Aachen.
Von 1934 an verschärfen die Nationalsozialisten den Kampf gegen die Kirche. Unter den Predigthörern von Pater Rupert Mayer sitzen Spitzel und berichten jedes verdächtige Wort weiter.
Gegen die Verleumdungen setzt sich Pater R. Mayer entschieden zur Wehr. Man drohte ihm mit Gefängnis. Doch P. Mayer predigte mutig weiter. Daraufhin wurde er eingesperrt. Man bot ihm die Freiheit wieder an unter der Bedingung, dass er nicht mehr predige. Darauf antwortete Pater Mayer: "Das kommt gar nicht in Frage."
Als Gefangener verfasst er folgende Erklärung:
"Ich erkläre, dass ich im Falle meiner Freilassung - trotz des gegen mich verhängten Redeverbotes - nach wie vor, sowohl in den Kirchen Münchens, als auch im übrigen Bayern, aus grundsätzlichen Erwägungen heraus predigen werde. Ich erkläre insbesondere, dass ich auch in Zukunft von der Kanzel herab in der bisherigen Form die Kirche gegen Angriffe mit aller Entschiedenheit, Offenheit und Schärfe, aber ohne persönlichen Angriff verteidigen werde... "
Aus: Christian Feldmann: Die Wahrheit muss gesagt werden. Rupert Mayer, Leben im Widerstand. Verlag Herder Freiburg Basel Wien 1987.
Menschen, die mir freundlich begegnen, nenne ich nicht gleich meine Freunde.
(…)
Und doch können wir immer wieder diese gute Erfahrung machen: Bei diesem Zusammensein fand wirklich Begegnung statt.
Inneres Berührtwerden, weil es gelungen ist, aus Worthülsen auszusteigen, den Small-Talk zu durchbrechen und stattdessen sich etwas für unterwegs mitzugeben:
Ein interessanter neuer Gedanke, ein Fenster zu einem Leben, das nicht meins ist.
Aus: Claudia Filker; Freunde sind so kostbar Johannis Verlag Lahr 2001.
Ja, ich lade dich ein, mein Freund,
in meinem Leben Platz zu nehmen.
Ich gebe zu, der Platz ist begrenzt.
Nicht jeden lasse ich so weit vor.
Sei bei mir zu Haus mit deinen
Gedanken und Gefühlen.
Entscheide, was du mit mir teilen möchtest.
Aus: Claudia Filker; Freunde sind so kostbar Johannis Verlag Lahr 2001.
Der Dichter Ernst Wiechert schrieb 1939 über seine Erfahrungen im KZ Buchenwald: „Ich habe nur am Tor gestanden und auf die dunkle Bühne geblickt… Aber die Speichen des schrecklichen Rades begannen sich schon zu drehen, und Blut und Grauen tropften aus ihrem blitzenden Kreis.“
Speichen des schrecklichen Rades – das waren alle, wenn einmal vom SS-Apparat erfasst. Speichen am Rad der Zeit.
Aus: Adalbert Ludwig Balling, Reinhard Abeln; Speichen am Rad der Zeit. Priester in Dachau. Herderverlag Freiburg – Basel – Wien 1985.
Seh ich Bilder
Von Geschlagenen, Geschundenen,
muss ich an die Männer
im gestreiften Sträflingskitteln
denken.
Der Aufseher brachte sie an Weihnachten
in mein Elternhaus.
Der Betrieb war geschlossen.
Dort sollten sie arbeiten.
Jetzt saßen sie an unserem Tisch.
(…)
Sie froren, waren hungrig, gedemütigt.
Wir teilten mit ihnen das wenige Brot
den Kaffee, die Milch
Das Verbotene machte uns
tagelang Angst.
Aus: Theresia Hauser; Du hast mich geführt. Sich betend erinnern Herderverlag Freiburg – Basel – Wien 1991.
Du legst in unsre Dunkelheit,
Christus, deine Herrlichkeit.
Mit Schöpfermacht trägst du das All
und schenkst dich uns als Kind im Stall.
Ehre sei Gott!
Auf deinem Weg, der so begann,
geht uns Stephanus voran,
der Erste, der durch Leid und Tod
der Welt das Christuszeichen bot.
Ehre sei Gott!
Er diente deinen Armen treu.
Er gab Zeugnis ohne Scheu.
Er machte deinen Namen groß,
und sehend teilte er dein Los.
Ehre sei Gott!
Geheimnis, Ziel und Maß der Zeit,
sei uns nah im Erdenstreit!
Wie Stephanus den Kranz gewann,
nimm uns und unsre Gaben an.
Ehre sei Gott!
Peter Gerloff auf: http://glauben-singen.de/Stephanus_.htm
Jede ernsthafte Beziehung lebt von einem starken Gegenüber. Sie reift in dem Maße, wie Achtung und Respekt voreinander wachsen. Das gilt erst recht für die Gottesbeziehung. Gott ist nicht jemand von nebenan. Er ist der Schöpfer, und wir sind seine Geschöpfe. Gott ist Gott und Menschen sind Menschen, nicht Herrgötter. Wer es mit Gott zu tun bekommt, der kann sich auf Einiges gefasst machen. Es ist jedenfalls nicht das reine Vergnügen mit einem himmlischen Spaßmacher. Viele denken sich das so. Die Vorstellung vom Richter mit dem Schwert in der Hand ist oft genug in eine Religion des lieben Gottes umgeschlagen. Der segnet nur ab, was kommt. Da ist nichts von Herausforderung, von Widerstand oder Zorn gegen das, was ist und was ich gerade zu sein beliebe. Der so erträumte oberste Gutmütige trägt schließlich dazu bei, die Feigheit vor dem Leben, die Scheu vor harten Bewährungen zu verewigen. »Ein Gott ohne Zorn brachte Menschen ohne Sünde in ein Reich ohne Gericht durch den Dienst eines Christus ohne Kreuz« (R. Niebuhr). Entsprechend folgenlos, langweilig und realitätsfremd ist die Glaubenspraxis. Unser »Gott« ist weder zu fürchten noch zum Verlieben. »Mein Problem ist nicht, ob Gott existiert oder nicht, das meine beginnt damit, dass Er existiert« (F. Stier). Und dass die Verhältnisse in dieser Welt so sind, wie sie sind. Ist es nicht das Leben selbst, das uns die Abgründe Gottes ahnen lässt? Das Leben in dieser Welt ist nicht nur hinreißend schön, es kann auch ganz schrecklich sein und kaum mehr erträglich. Ein reifer Glaube kann das Leid der Welt nicht einfach wegschminken, er muss ihm standhalten. Den Gott, der umstandslos zu unseren Wünschen passt, gibt es im Christentum nicht.
In die Knie gehen Jesus hat uns einen anderen Gott nahegebracht, nicht einen, den man sich unter den verlieblichenden Schalmeientönen einer esoterischen Kuschelreligion nach eigenen Bedürfnissen zurechtträumen kann. Er passt nicht in unseren Kram, steht quer zu Vielem in der Welt, ist auch erschreckend fremd, unbequem und widerständig. Menschen, die ihm begegnen, gehen in die Knie. Kennen wir das noch? Vor wem gehen wir in die Knie? »Fürchte dich nicht«, heißt es oft, wenn Gott auf den Plan tritt. Also ist doch Grund zur Furcht. Gottesbegegnungen sind Erfahrungen an der Grenze unseres Daseins. Sie gehen durch Mark und Bein. Mit dem »Fürchte dich nicht« sagt Gott dem Menschen, dass er ihm in dieser Situation vertrauen kann: »Ich bin bei dir.« Gottesfurcht ist nicht lähmende Angst, sie ist befreiend. Wer Gott fürchtet, braucht vor keinem Menschen Angst zu haben. Umgekehrt: Wer die Gottesfurcht preisgibt, der wird von der Heidenangst überrollt. Die Gottesfurcht ist eine Gabe des Heiligen Geistes. Gott bleibt der ganz Andere, der Unbegreifliche, der Heilige. Aber Jesu Botschaft lässt uns erahnen, dass die Andersartigkeit Gottes aus seiner abgründigen Liebe kommt. Dafür steht der Heilige Geist. Er lässt uns im Lichte Gottes erkennen - in Glück und Dank und im Erschrecken über die Welt und über uns selbst -, wie wir sein könnten und sein sollten, im Format Jesu.
Aus: Franz Kamphaus, Gott beim Wort nehmen. Zeitansagen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
»Gott ist kein Hampelmann (auch keine Hampelfrau), sondern das unendliche Geheimnis in und jenseits menschlicher kosmischer Existenz. Mit Gott kann man nicht 'Hoppe Reiter' spielen, denn er ist unserem Zugriff und unserer Verfügbarkeit entzogen. Wo allenthalben die Banalisierung Gottes ausgerufen wird, ist umso schärfer dagegen zu halten, gegen eine Verkleinerung, gegen eine fugen-lose Verkleisterung in die menschlichen Bedürfnisse und Sehnsüchte hinein, gegen seine lückenlose Vermarktung in die Nachfrage hinein, gegen die Trivialisierung des Mysteriums in die Mystery-Angebote der Unterhaltung, gegen die Verstopfung der Transzendenzsehnsüchte der Menschen durch vorschnelle religiösmagische Erfüllungsangebote, vom Horoskop bis zu den Heilwässerchen. [...] Nicht die Gottesbeziehung ist beherrschend, sondern das Haben und Bekommen, und wenn dies nicht erlebt wird, sucht man sich andere Beziehungen. Die Erlebnisqualität diktiert und qualifiziert die Beziehung zu dem, was man Religion, Esoterik oder gar Gott nennt. Hauptsache, man kann die Transzendenz diesseitig verhackstücken und in den Griff bekommen, sei es im Tarotspiel oder in Meditationstechniken«
Otmar Fuchs in: Ludger Schulte, Gott suchen - Mensch werden. Vom Mehrwert des Christseins. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
Berühre du, o Gott,
die Gipfel meiner
Gedanken, damit in
den Tälern und Tiefen
meiner Seele deine
Saat wachse und reife.
Belebe du, o Gott,
die Kräfte meines
Herzens, damit darin
all das bewahrt bleibe,
womit du mich so reich
beschenkst.
Verwandle du, o Gott,
das Dickicht meiner
Trübsal, damit ich dein
heilsames Licht ausstrahle,
dort, wo ich
stehe.
Besiege du, o Gott, die
bösen Geister und
Gedanken in mir,
damit ich freimütig und
aufrichtig dir und den
Menschen diene.
Beflügle du, o Gott,
die Schwingen meiner
Fantasie, damit ich
nicht müde werde,
über dein Wirken zu
staunen.
Bestärke du, o Gott,
das Schwache in mir,
damit ich behutsam
und tatkräftig mich
einsetze für die Bewahrung
des Lebens.
Paul Weismantel in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.
gott
du nichts
du alles
du in allem der rest
du lücke
du bruchstelle in einer perfekten weit
du in meiner letzten wüste verdunstet
gott
du irrsinn
du wahnsinn
du sinn
gott
du irrsinn
du wahnsinn
du sinn
gott
du irrsinn
du wahnsinn
du sinn
du jenseits unserer sinne
ich habe
die angst verloren
nicht plötzlich gestern
im supermarkt
ich habe
die angst verloren
nicht stehen lassen
wie meinen schirm
in der straßenbahn
ich habe
die angst verloren
nicht hängen lassen
wie meinen hut
beim friseur -
ich habe
die angst verloren
nicht verlegt
wie meine brille
ich habe
die angst verloren
nicht wie mein geld
bei der inflation
ich habe
meine angst verloren
mit der zeit
meine angst vor dem tod
meine angst vor dem leben
meine angst vor den menschen
meine angst vor meinem gott
gott hat angst
vor so viel macht
und übermacht
die macht ist nicht mehr
göttlich
die macht ist
zum teufel gegangen
jetzt sitzt sie zur rechten
des teufels
ich habe
meine angst verloren
als ich menschen fand
Wilhelm Willms in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.
Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.
Der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern
und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt.
Wer den Vater ehrt,
sühnt Sünden,
und wer seine Mutter ehrt,
sammelt Schätze.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern
und am Tag seines Gebets
wird er erhört.
Wer den Vater ehrt, wird lange leben,
und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört.
Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an
und kränke ihn nicht, solange er lebt!
Wenn er an Verstand nachlässt,
übe Nachsicht
und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft!
Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen;
und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Buch Jesus Sirach gehört zur Weisheitsliteratur. Man vermutet eine Abfassung um 200 vor Christus. In der Weisheitsliteratur werden die guten Erfahrungen des Alltags und der Geschichte gesammelt. Alle diese Erfahrungen gelten als das große Geschenk Gottes an sein Volk.
Der Verfasser des Buches Jesus Sirach betont die Bedeutung des Zusammenspiels zwischen der elterlichen Fürsorge für die Kinder auf der einen Seite und der späteren Sorge um das Wohlergehen der Eltern von Seiten der erwachsenen Kinder. Ehrfurcht und Achtung sollen das Miteinander prägen.
Das Buch Jesus Sirach ist eine im Verhältnis zum übrigen AT spät entstandene Schrift. Als Abfassungszeit kommen die Jahre um 180 v. Chr. in Betracht. Es ist das einzige Buch, das zwar nicht zum jüdischen Kanon der Bibel gehört, aber trotzdem zeitweise wie ein kanonisches Buch behandelt wurde. Für die christlichen Kirchen gehörten die meist griechischen Spätschriften, die die jüdische Tradition nicht zur Bibel zählt, schon relativ früh zum Kanon der biblischen Bücher.
Zu den griechischen Überlieferungen des Textes von Jesus Sirach sind seit 1896 ungefähr zwei Drittel des hebräischen Textes wiederentdeckt worden. Die Schwierigkeit in der Arbeit mit diesem Text liegt zum Teil in der bewegten Überlieferungsgeschichte, zum Teil auch darin, daß es eine kürzere und eine erweiterte Textfassung gibt, Verse vertauscht wurden und auch alte Übersetzungen, wie zum Beispiel die syrische und die altlateinische Fassung für das Verständnis unumgänglich sind.
Das Buch erweckt den Eindruck einer lockeren Sammlung von Sprüchen, Lehrvorschriften, Gebeten und Hymnen. Die Inhalte betreffen die alltägliche Lebenswelt, die Beziehung zu den Mitmenschen genauso wie die Beziehung zu Gott.
Eine zentrale Idee des Buches Jesus Sirach ist die Weisheit, die sogar als Person auftreten kann. Sie wurzelt in der "Gottesfurcht", der umfassenden Haltung der Offenheit und Bereitschaft des Menschen Gott gegenüber. Konkret zeigt sich diese Grundhaltung in der Anerkennung der Würde auch des Geringsten (Sir 10,19-24) und ermöglicht die Freiheit von Furcht vor allem, was geringer ist als Gott (Sir 34,16).
Die Aussagen über die Weisheit und die Gottesfurcht sind der Horizont, in den die konkreten Ratschläge und Unterweisungen für die verschiedenen Bereiche des Verhaltens im persönlichen und öffentlichen Leben hineingestellt sind. Vielfach wird dabei so wie in diesem Lesungstext mit der Familie begonnen.
Die Weisungen die den Kindern in Sir 3,1-16 gegeben werden, sind dabei weniger als ethische, sondern als soziale Grundregeln zu sehen. Sie wenden sich an die Erwachsenen und garantieren eine Art soziales Netz oder "Pensionsversicherung" für die älteren Menschen.
Die Auswahl der Verse für die Lesung ist hier irreführend, weil sie sofort mit dem göttlichen Gebot beginnt und den konkreten Hintergrund der Vater- und Mutterschaft, der in Sir 3,1 der eigentliche Ausgangspunkt ist, streicht.
Die Generation, die jetzt für die Leben der Gesellschaft arbeitet und die Verantwortung trägt, ist auch dafür verantwortlich, daß die Älteren ein lebenswertes Leben führen können, auch wenn sie nicht mehr in der Lage sind, selbst dafür zu arbeiten. Die alten Menschen werden so zum Schatz (3,3) und zum Segen (3,8), nicht nur im Blick auf das eigene Altwerden sondern auch durch den Reichtum der Erfahrung und des Wissens, die die Wurzel des Lebens festigen (3,9) und so Zukunft auch für kommende Generationen ermöglichen.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.
Der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern
und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt.
Wer den Vater ehrt,
sühnt Sünden,
und wer seine Mutter ehrt,
sammelt Schätze.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern
und am Tag seines Gebets
wird er erhört.
Wer den Vater ehrt, wird lange leben,
und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört.
Wer den Herrn fürchtet, ehrt den Vater.
So wie Herren dient er seinen Eltern.
In Tat und Wort ehre deinen Vater,
damit sein Segen über dich kommt!
Denn der Segen des Vaters festigt die Häuser der Kinder,
der Fluch der Mutter aber entwurzelt die Fundamente.
Rühme dich nicht durch Entehrung deines Vaters,
denn die Entehrung des Vaters
gereicht dir nicht zum Ruhm!
Denn der Ruhm eines Menschen
kommt von der Ehre seines Vaters,
aber eine Schande für die Kinder
ist eine Mutter mit schlechtem Ruf.
Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an
und kränke ihn nicht, solange er lebt!
Wenn er an Verstand nachlässt,
übe Nachsicht
und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft!
Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen;
und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen.
Kv - Selig die Menschen, die Gottes Wege gehn. – Kv
Oder (GL 71,1)
Selig jeder, der den HERRN fürchtet,
der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen;
selig bist du - es wird dir gut ergehn. - Kv
Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock
im Innern deines Hauses.
Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder
rings um deinen Tisch herum. - Kv
Siehe, so wird der Mann gesegnet,
der den HERRN fürchtet.
Es segne dich der HERR vom Zion her.
Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens. - Kv
Hanna hatte lange auf ein Kind gehofft. Nun wurde es ihr geschenkt. Sie weiß, wem sich dieses Kind verdankt und handelt danach.
Lesung aus dem ersten Buch Samuel:
Hanna, die Frau Elkánas, wurde schwanger.
Sie gebar einen Sohn
und nannte ihn Samuel,
denn sie sagte: Ich habe ihn vom HERRN erbeten.
Als dann Elkana
mit seiner ganzen Familie wieder hinaufzog,
um dem HERRN das jährliche Opfer
und die Gaben, die er gelobt hatte, darzubringen,
zog Hanna nicht mit,
sondern sagte zu ihrem Mann:
Ich werde den Knaben
erst, wenn er entwöhnt ist, hinaufbringen;
dann soll er vor dem Angesicht des HERRN erscheinen
und für immer dort bleiben.
Als sie den Stier geschlachtet hatten,
brachten sie den Knaben zu Eli
und Hanna sagte: Bitte, mein Herr,
so wahr du lebst, mein Herr,
ich bin die Frau, die damals neben dir stand,
um zum HERRN zu beten.
Ich habe um diesen Knaben gebetet
und der HERR hat mir die Bitte erfüllt,
die ich an ihn gerichtet habe.
Darum lasse ich ihn auch vom HERRN zurückfordern.
Er soll für sein ganzes Leben
ein vom HERRN Zurückgeforderter sein.
Und sie beteten dort den HERRN an.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Ein besonderes Kind
Der Text steht fast am Beginn der Samuelbücher und ist Teil der Kindheitsgeschichte Samuels in 1 Sam 1 - 3. Kindheitsgeschichten erfüllen in der Bibel vor jeder historischen Aussage das Hauptziel, die Bedeutung eines Menschen herauszustellen. Wie auch viele moderne Biografien möchten sie zeigen, dass dieser Mensch von Anfang an, seit seiner Geburt oder bereits davor, ganz offensichtlich anders war als gewöhnliche Menschen.
Im Falle des Richters und Propheten Samuel sind Kriterien seiner Besonderheit: die lange Unfruchtbarkeit seiner Mutter (1,1-8); die besondere Liebe, die sein Vater dennoch zu ihr hegt (1,5); das Gelübde, das die Mutter ablegt (1,11) und das letztlich zur ersehnten Geburt eines Kindes führt (1,19f), sowie die Verheißung des Priesters Eli (1,17).
Für Besonderes ausersehen
Samuel ist von Geburt an für eine höhere Aufgabe vorgesehen: Er soll ein „Zurückgeforderter“ werden. Das ist ein Wortspiel mit der Namenserklärung von „Samuel“ in Vers 20: Dort wird die Bedeutung von „Samuel“ (hebräische Wortwurzel: sml) eher assoziativ von der Wortwurzel von „erbitten“ (sl) abgeleitet.
Ein „Zurückgeforderter“ ist demnach einer, nach dem Gott fragt/verlangt, ein Gott Geweihter, anderswo auch als „Nasiräer“ bezeichnet. Zu den Bestimmungen für solche Menschen gehörten unter anderem das Fernhalten von berauschenden Getränken und das ungeschorene Haar. Doch im Gegensatz zu den Nasiräer-Bestimmungen in Num 6,1-21 ist die Berufung zum Nasiräer bei Samuel nicht zeitlich begrenzt. Sie gilt das ganze Leben und sie beginnt bereits vor seiner Geburt.
Sehr ähnlich ist auch die Geburt des Richters Simson (Ri 13) aufgebaut. Beide Texte weisen bezüglich der Berufung des Kindes Parallelen auf:
- Schon die Mutter nimmt keine berauschenden Getränke zu sich.
- Sie empfängt das Kind erst nach langer Unfruchtbarkeit und nach einer Verheißung.
- Schon vor der Geburt des Kindes legt sie das Gelübde für das Kind ab.
Über wahre Zugehörigkeit
Hanna nimmt das Gelübde sehr ernst: Sie bringt den Sohn bereits im Kleinkindalter zum Tempel und lässt ihn beim Priester Eli. Dort soll er zum Dienst an Gott ausgebildet werden. Sie handelt in der Gewissheit, dass das Kind nicht ihr selbst gehört, sondern Gott.
Um diese Zugehörigkeit eines Kindes zu Gott geht es auch im Evangelium. Den Eltern, die Jesus suchen und ihm Vorwürfe machen, hält dieser entgegen, dass er dort sein müsse, wo sein Vater ist. Das ändert nichts an seiner Liebe zu seinen Eltern, sondern verschafft ihm erst das nötige Fundament dafür.
Elisabeth Birnbaum
© Diözese Linz. Team Bibelwerk Linz und Glaubenskommunikation
Lesung aus dem ersten Buch Samuel:
Hanna, die Frau Elkánas, schwanger.
Sie gebar einen Sohn
und nannte ihn Samuel,
denn sie sagte: Ich habe ihn vom HERRN erbeten.
Als dann Elkana
mit seiner ganzen Familie wieder hinaufzog,
um dem HERRN das jährliche Opfer
und die Gaben, die er gelobt hatte, darzubringen,
zog Hanna nicht mit,
sondern sagte zu ihrem Mann:
Ich werde den Knaben
erst, wenn er entwöhnt ist, hinaufbringen;
dann soll er vor dem Angesicht des HERRN erscheinen
und für immer dort bleiben.
Ihr Mann Elkana sagte zu ihr: Tu, was dir gefällt!
Bleib hier, bis du ihn entwöhnt hast!
Wenn nur der HERR sein Wort erfüllt!
Die Frau blieb also daheim
und stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnte.
Als sie ihn entwöhnt hatte,
nahm sie ihn mit hinauf,
dazu einen dreijährigen Stier,
ein Efa Mehl
und einen Schlauch Wein.
So brachte sie ihn zum Haus des HERRN in Schilo;
der Knabe aber war damals noch sehr jung.
Als sie den Stier geschlachtet hatten,
brachten sie den Knaben zu Eli
und Hanna sagte: Bitte, mein Herr,
so wahr du lebst, mein Herr,
ich bin die Frau, die damals neben dir stand,
um zum HERRN zu beten.
Ich habe um diesen Knaben gebetet
und der HERR hat mir die Bitte erfüllt,
die ich an ihn gerichtet habe.
Darum lasse ich ihn auch vom HERRN zurückfordern.
Er soll für sein ganzes Leben
ein vom HERRN Zurückgeforderter sein.
Und sie beteten dort den HERRN an.
Ein besonderes Kind
Der Text steht fast am Beginn der Samuelbücher und ist Teil der Kindheitsgeschichte Samuels in 1 Sam 1 - 3. Kindheitsgeschichten erfüllen in der Bibel vor jeder historischen Aussage das Hauptziel, die Bedeutung eines Menschen herauszustellen. Wie auch viele moderne Biografien möchten sie zeigen, dass dieser Mensch von Anfang an, seit seiner Geburt oder bereits davor, ganz offensichtlich anders war als gewöhnliche Menschen.
Im Falle des Richters und Propheten Samuel sind Kriterien seiner Besonderheit: die lange Unfruchtbarkeit seiner Mutter (1,1-8); die besondere Liebe, die sein Vater dennoch zu ihr hegt (1,5); das Gelübde, das die Mutter ablegt (1,11) und das letztlich zur ersehnten Geburt eines Kindes führt (1,19f), sowie die Verheißung des Priesters Eli (1,17).
Für Besonderes ausersehen
Samuel ist von Geburt an für eine höhere Aufgabe vorgesehen: Er soll ein „Zurückgeforderter“ werden. Das ist ein Wortspiel mit der Namenserklärung von „Samuel“ in Vers 20: Dort wird die Bedeutung von „Samuel“ (hebräische Wortwurzel: sml) eher assoziativ von der Wortwurzel von „erbitten“ (sl) abgeleitet.
Ein „Zurückgeforderter“ ist demnach einer, nach dem Gott fragt/verlangt, ein Gott Geweihter, anderswo auch als „Nasiräer“ bezeichnet. Zu den Bestimmungen für solche Menschen gehörten unter anderem das Fernhalten von berauschenden Getränken und das ungeschorene Haar. Doch im Gegensatz zu den Nasiräer-Bestimmungen in Num 6,1-21 ist die Berufung zum Nasiräer bei Samuel nicht zeitlich begrenzt. Sie gilt das ganze Leben und sie beginnt bereits vor seiner Geburt.
Sehr ähnlich ist auch die Geburt des Richters Simson (Ri 13) aufgebaut. Beide Texte weisen bezüglich der Berufung des Kindes Parallelen auf:
- Schon die Mutter nimmt keine berauschenden Getränke zu sich.
- Sie empfängt das Kind erst nach langer Unfruchtbarkeit und nach einer Verheißung.
- Schon vor der Geburt des Kindes legt sie das Gelübde für das Kind ab.
Über wahre Zugehörigkeit
Hanna nimmt das Gelübde sehr ernst: Sie bringt den Sohn bereits im Kleinkindalter zum Tempel und lässt ihn beim Priester Eli. Dort soll er zum Dienst an Gott ausgebildet werden. Sie handelt in der Gewissheit, dass das Kind nicht ihr selbst gehört, sondern Gott.
Um diese Zugehörigkeit eines Kindes zu Gott geht es auch im Evangelium. Den Eltern, die Jesus suchen und ihm Vorwürfe machen, hält dieser entgegen, dass er dort sein müsse, wo sein Vater ist. Das ändert nichts an seiner Liebe zu seinen Eltern, sondern verschafft ihm erst das nötige Fundament dafür.
Elisabeth Birnbaum
© Diözese Linz. Team Bibelwerk Linz und Glaubenskommunikation
Kv - Selig, die in deinem Hause wohnen, Herr,
die dich loben allezeit - Kv
(Oder GL 651,7)
Wie liebenswert ist deine Wohnung, du HERR der Heerscharen!
Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht
nach den Höfen des HERRN.
Mein Herz und mein Fleisch,
sie jubeln dem lebendigen Gott entgegen. - Kv
Selig, die wohnen in deinem Haus,
die dich allezeit loben.
Selig die Menschen, die Kraft finden in dir,
die Pilgerwege im Herzen haben. - Kv
HERR, Gott der Heerscharen, höre mein Bittgebet,
vernimm es, Gott Jakobs!
Gott, sieh her auf unseren Schild,
schau auf das Angesicht deines Gesalbten! - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Kolóssä.
Schwestern und Brüder!
Bekleidet euch
als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte,
mit innigem Erbarmen,
Güte, Demut, Milde, Geduld!
Ertragt einander
und vergebt einander,
wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat!
Wie der Herr euch vergeben hat,
so vergebt auch ihr!
Vor allem bekleidet euch mit der Liebe,
die das Band der Vollkommenheit ist!
Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.
Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Seid dankbar!
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander!
Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder
in Dankbarkeit in euren Herzen!
Alles, was ihr in Wort oder Werk tut,
geschehe im Namen Jesu, des Herrn.
Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!
Ihr Frauen,
ordnet euch den Männern unter,
wie es sich im Herrn geziemt!
Ihr Männer,
liebt die Frauen
und seid nicht erbittert gegen sie!
Ihr Kinder,
gehorcht euren Eltern in allem,
denn das ist dem Herrn wohlgefällig!
Ihr Väter,
schüchtert eure Kinder nicht ein,
damit sie nicht mutlos werden!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Kolosserbrief hat seinen Namen nach der Gemeinde von Kolossä, 200 km vom Meer entfernt, an der Handelsstrasse zwischen Milet und Ephesus, ursprünglich ein wichtiges Zentrum der Wollindustrie. Er wird dem Paulus zugeschrieben und wurde um 150 n. Chr. von Markion bereits in seinen Kanon aufgenommen.
Der erste Abschnitt unserer Lesung (Verse 12-17) ist die Fortsetzung des vorderen negativen Abschnittes ab Vers 5. Wurde darin vielseitig zum Ablegen aller Untugenden und zusammenfassend des Alten Menschen aufgefordert, werden in unserem Abschnitt positive Gegenimperative gesetzt, zusammenfassend und vorangesetzt die Aufforderung, die Tugenden anzuziehen, zugleich mit der Begründung: Ihr seid die Erwählten Gottes! Daraus resultieren die guten Worte und Werke – immer in Verbindung mit dem einen Herrn Jesus Christus.
Eine weitere Konkretion dessen erfolgt mit der Haustafel (eigentlich Kol 3,18-4,1), einer Zusammenstellung von kurzen Ermahnungen an die verschiedenen „Stände" einer damaligen Hausgemeinschaft. Auch diese schliessen mit dem Hinweis auf den einen Herrn (im Himmel) ab und geben so noch einmal die Begründung für das geforderte Verhalten.
Im zweiten, eher praktischen Teil des Kolosserbriefes (Kapitel 3-4; Der theologische Teil umfaßt Kapitel 1-2) begegnen konkrete Aussagen für das christliche Leben, Handeln und Glauben.
Die Tugend- und Lasterkataloge (3,5-17) entsprechen einem aus der iranischen Religion stammenden Schema, dem die Vorstellung zugrunde liegt, das der Mensch aus Tugenden und Lastern zusammen gesetzt ist, wie die Glieder des Körpers zusammengefügt sind. Die Existenz des Menschen baut sich nach diesem Verständnis aus seinen Taten auf.
Die heutige Lesung beginnt nach dem Lasterkatalog mit der Einführung des Tugendkatalogs: "Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen" (Kol 12 a). Ähnlich wie beim Aufbau des ganzes Briefes ist die Theologie der Ethik voran gestellt: Vor dem Tun des Menschen steht das Handeln Gottes. Erst die liebende Zuwendung Gottes ermöglicht dem Menschen, "gut" zu handeln. Ethische Weisungen sind Hilfen, wie die Menschen in ihrer Zeit und in ihrer konkreten Situation ein christliches Leben führen können. Solche Vorschriften enthalten daher notwendigerweise Zeitbedingtes und nicht für alle Fälle Anwendbares.
Auch die Haustafel (Kol 3,18-4,1), von der ein Teil noch zu Tageslesung gehört, ist von der Zeitsituation geprägt. Die in dieser Tafel enthaltenen Normen sind nicht spezifisch christlich, sondern stammen wie die christliche Ethik überhaupt aus der Umwelt, vor allem aus der Ethik der Popularphilosophie. Der grundlegende Unterschied zwischen einem ethisch verantwortet handelnden Christen und einem Philosophen ist die Motivation aus dem Glauben. Äußerlich ist eine sittlich gute Tat nicht zu unterscheiden oder zu werten, aber für einen Christen müssen der Friede Christi (Kol 3,15) und die Gnade Gottes (Kol 3,16) die Orientierungspunkte sein, nicht einzelne Normen und Gesetze. Das Besondere an der christlichen Haltung ist daher die Fähigkeit, über die buchstäbliche Erfüllung der Gesetze hinauszuwachsen und auch die Normen hinterfragen und verändern zu können. Mit der Weisung zur Unterordnung der Frau, auf die immer noch manchmal zurückgegriffen wird, ist das z.B. passiert, auch mit der Einstellung gegen über der Sklaverei (Kol 3,22 f).
Die Haustafel kann eine Anregung sein, jene Regeln anzuschauen, die heute für unser Zusammenleben gelten, und wie der Kolosserbrief darin das christlich Lebbare zu aufzuzeigen.
Hallula, Halleluja
Der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
Halleluja.
Lesung aus dem ersten Johannesbrief.
Schwestern und Brüder!
Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat:
Wir heißen Kinder Gottes
und wir sind es.
Deshalb erkennt die Welt uns nicht,
weil sie ihn nicht erkannt hat.
Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes.
Doch ist noch nicht offenbar geworden,
was wir sein werden.
Wir wissen,
dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird;
denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Geliebte, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt,
haben wir gegenüber Gott Zuversicht;
und alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm,
weil wir seine Gebote halten
und tun, was ihm gefällt.
Und das ist sein Gebot:
Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben
und einander lieben gemäß dem Gebot, das er uns gegeben hat.
Wer seine Gebote hält,
bleibt in Gott und Gott in ihm.
Und daran erkennen wir,
dass er in uns bleibt:
an dem Geist, den er uns gegeben hat.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Herr, öffne uns das Herz,
dass wir auf die Worte deines Sohnes hören.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Die Eltern Jesu
gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.
Als er zwölf Jahre alt geworden war,
zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.
Nachdem die Festtage zu Ende waren,
machten sie sich auf den Heimweg.
Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem,
ohne dass seine Eltern es merkten.
Sie meinten, er sei in der Pilgergruppe,
und reisten eine Tagesstrecke weit;
dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.
Als sie ihn nicht fanden,
kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten nach ihm.
Da geschah es, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel;
er saß mitten unter den Lehrern,
hörte ihnen zu
und stellte Fragen.
Alle, die ihn hörten, waren erstaunt
über sein Verständnis und über seine Antworten.
Als seine Eltern ihn sahen, waren sie voll Staunen
und seine Mutter sagte zu ihm:
Kind, warum hast du uns das angetan?
Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.
Da sagte er zu ihnen:
Warum habt ihr mich gesucht?
Wusstet ihr nicht,
dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?
Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte.
Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück
und war ihnen gehorsam.
Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen.
Jesus aber wuchs heran
und seine Weisheit nahm zu
und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Am Fest der heiligen Familie steht ein Text im Zentrum, den wir nur bei Lukas finden. Und es ist keine idealisierende Familienidylle, die erzählt wird, sondern der Evangelist Lukas nimmt hier bereits vorweg, was im Evangelium später über Jesu Familienbegriff offenbar wird (vgl. Lk 8,19-21; 9,57-62; 11,27f).
Der Anteil der Eltern
Die Eltern Jesu erfahren erstmals, was die Zugehörigkeit Jesu zum „Vater“ bedeutet. Das ist für sie nicht leicht. Sicher, sie sind fromme Juden und tun auch für ihr Kind alles, was „das Gesetz“ ihnen vorschreibt: Sie lassen ihr Kind beschneiden (V. 21), sie „weihen“ den Erstgeborenen „dem Herrn“ (VV. 22-24) und sie ziehen jedes Jahr zu Pessach nach Jerusalem (V. 41). Sie schaffen damit die Rahmenbedingungen dafür, dass sich Jesus spirituell entfalten kann und an „Weisheit und Gnade“ zunimmt: Im Tempel wird von Simeon über Jesus geweissagt, im Tempel zeigt Jesus erstmals sein ungewöhnlich großes Verständnis, und im Tempel erleben die Eltern - schon an der Reaktion der Außenstehenden -, wie anders „ihr“ Jesus ist. Sie verstehen vieles daran nicht, aber sie behindern es auch nicht.
Der eigene Weg
Auf die Gottesbeziehung Jesu haben die Eltern dennoch keinen Einfluss. Darum erschrecken sie, als sie merken, welche Konsequenzen das hat: Im Zweifelsfall verlässt Jesus seine Eltern und geht zu seinem wahren Vater. Er wird später auch alleine den Weg zum Täufer Johannes gehen - auch da ist niemand von seiner Ursprungsfamilie mit auf dem Weg.
Die wahre Familie Jesu
Schon hier, in der Jugend Jesu, wird ein Konflikt dargestellt, der später intensiv diskutiert wird: der Konflikt zwischen der Beziehung zu Gott und jener zu den Eltern. Jesu Standpunkt ist bereits zu dieser Zeit klar: Seine primäre Heimat ist Gott. Wenn es um eine Entscheidung für Gott geht, steht die Familie an zweiter Stelle. Das heißt aber nicht, dass Jesus seinen Eltern gegenüber achtlos gewesen wäre. Er ist ihnen gehorsam und ehrt sie. Doch seine Beziehung zu Gott ist wichtiger und steht unabhängig von den Eltern. Daran müssen sich die Eltern erst einmal gewöhnen. Auch andere Aussagen in den Evangelien unterstreichen diese Botschaft. In der Jesusnachfolge geht die Spaltung dann ebenfalls mitten durch die Familie (vgl. Mt 10,37; Mk 10,29f; Lk 12,53).
Eine mögliche Botschaft für Eltern
Für Eltern kann der Text ein Doppeltes zu bedenken geben: Die Gottesbeziehung eines Kindes ist eine Beziehung abseits des elterlichen Zugriffs. Es steht nicht in unserer Macht, welche spirituellen Anlagen ein Kind hat, es ist weder unser Verdienst noch unsere Schuld. Doch nichtsdestoweniger ist es Aufgabe der Eltern, dem Kind die Rahmenbedingungen für diese Gottesbeziehung bereitzustellen und alles, was das Kind betrifft, wie Maria im Herzen zu bewahren.
Elisabeth Birnbaum
© Diözese Linz. Team Bibelwerk Linz und Glaubenskommunikation
Nach dem Sammelbericht in Vers 40 beginnt mit Vers 41 eine weitere Erzählung aus der Kindheit Jesu, an die sich die Vorbereitung des Wirkens Jesu anschließt. Die Erzählung von der Pilgerreise nach Jerusalem, der sich Jesus wie jedes jüdische Kind unterzieht – aber gemäss den jüdischen Gesetzmäßigkeiten noch nicht vorher verpflichtet ist – ist nicht nur eine Erzählung von Verlorengehen und Wiedergefundenwerden, sondern hat vielmehr theologische Bedeutung: Bereits als Kind erweist sich Jesus von Nazareth als der, der er ist: Sohn Gottes. Schlüsselvers ist dabei Vers 49. Als Mensch ist er Sohn Gottes. Beide Ebenen und damit auch das Verständnis des Urchristentums bringt Lukas in dieser Erzählung geschickt zum Klingen und verwebt sie miteinander.
Mit der Erzählung vom 12 jährigen Jesus im Tempel beschließt Lukas die Kindheitsgeschichte Jesu.
Das Wegkonzept, welches das ganze Lukasevangelium durchzieht, klingt hier schon an: Die Eltern Jesu gehen nach Jerusalem hinauf. Als Jesus alt genug ist um mitzugehen, geht auch er nach Jerusalem (Lk 2,41f). Jesus ist von Anfang an auf dem Weg nach Jerusalem. Der Beginn des Reiseberichtes verdeutlicht die christologische Bedeutung des Wegmotives: "Es geschah, als der Tag erfüllt war, daß er hinweggenommen werden sollte, richtete er sein Angesicht fest auf den Weg nach Jerusalem". (Lk 9,51). Die Formulierung "sein Angesicht richten auf" beinhaltet in der Bibel immer etwas Bedrohliches. Der Weg nach Jerusalem führt zum Kreuz, damit aber auch zur Auferstehung. Nach der lukanischen Darstellung ist Jesus fest entschlossen, diesen Weg zu gehen. Das Leben Jesu als "Weg zum Leben" kennzeichnet so sein ganzes Wirken bis hin zu seinem Sterben und Auferstehen als ein befreiendes und erlösendes Geschehen.
Wo sollte ich sonst sein?
Psychologisch gesehen könnten man hier einen klassischen Konflikt zwischen dem pubertierenden Jesus und seinen Eltern vermuten. Es geht dem Evangelisten aber nicht darum, Erziehungsprobleme in der damaligen Zeit aufzuarbeiten, sondern er verpackt in dieser Erzählung grundlegende theologische Inhalte.
Jesus ist Jude, er wächst mit den Bräuchen des jüdischen Volkes auf, ist im Gespräch mit den Gelehrten seines Volkes und kennt sich aus, so daß die Zuhörer über seine Einsicht staunen (2,47). Lukas geht noch viel stärker als die anderen Evangelisten davon aus, daß Jesus nur zum Volk Israel gesendet ist.
Jesus steht in der Tradition seines Volkes und trotzdem ist sein Verhältnis zu Gott und zu den Menschen ein ganz anderes. Er nennt Gott seinen Vater, was nicht einmal die Menschen verstehen die ihm am nächsten waren. Schon in der Ankündigung seiner Geburt beschreibt ihn der Evangelist als den, der den Thron seines Vaters David erhalten wird, und der in Ewigkeit über das Haus Jakob als König herrschen wird (Lk 1,32f). Auch sonst spricht verwendet der Evangelist an die alttestamentliche Sprechweise angelehnte Titel wie "Christus des Herrn" oder "Christus Gottes". Diese messianischen Titel trennt Lukas allerdings scharf vom Titel des Gottessohnes, wie besonders in dem Abschnitt von der Verhandlung vor dem Synhedrium deutlich wird (Lk 22,66-71). Die Fragen "Bist du der Christus?" und "Bist du der Sohn Gottes?" werden gesondert an Jesus gerichtet. Erst mit der Beantwortung der Frage nach der Gottessohnschaft sieht Lukas den Tatbestand der Gotteslästerung gegeben.
Judentum und Gottessohnschaft führen von der Kindheitsgeschichte an durch das ganze Evangelium und geben den Blick frei auf die Sendung und das Wirken Jesu, aber auch auf die Konsequenzen.
Nicht nur in unserer gegenwärtigen Zeit begegnen uns vielfältige Formen familiären Lebens. Wir müssen uns hüten, Idealfamilien zu entwerfen und diese heilig zu sprechen. Dennoch gibt es Familienwerte, die es zu schätzen gilt, und die Herausforderung, in welcher Lebensform auch immer uns selbst und einander zu heiligen.
Wir wissen wenig über das Leben der Hl. Familie. Die wenigen Informationen darüber können uns jedoch die Richtung weisen, wie Gemeinsamkeit gelingen kann.
Das Evangelium beschreibt die Loslösung Jesu von seiner Familie. Die Ent-bindung bei der Geburt wird weitergeführt und lässt ihn erwachsen werden. Dazu gehört, neue Bindungen eingehen und selbst gestalten zu können. Als Kinder Gottes sind wir zwar frei. Wir bleiben aber Kinder Gottes für immer.
Josef und Maria erleben in der gerade gehörten Geschichte schockiert, wir ihr Jesus, der ihnen so vertraut ist, seinen Weg geht und darauf beharrt, dass das ja gar nicht anders geht: Er muss einfach seine Sonderwege gehen, wenn er dem gehorcht, von dem jede Elternschaft ihre Berechtigung bezieht, nämlich dem himmlischen Vater.
Die Geschichte von Jesus in den Jahren der Pubertät war mir als Vater ein großer Trost, besonders dann, wenn meine Söhne, meine Tochter Entscheidungen trafen, die ich nicht sofort nachvollziehen konnte.
Nun, das ist die eine Seite der Verantwortlichkeit zwischen Generationen: Dass Eltern ihren Kindern ermöglichen, ihren je eigenen Weg zu ziehen. Und wenn das geschieht, dürfen wir uns als Eltern auch herzlich freuen: geht damit doch eine Frucht auf, die wir mit Liebe gepflegt haben.
Dass das nicht immer so leicht geht, weil wir als Eltern nicht immer rasch erkennen, was die Jungen bewegt, das wird uns hier am Beispiel von Josef und Maria vor Augen geführt: Es ist also keine Schande, wenn wir manchmal etwas länger brauchen: Es ist ja nicht unser Leben, was die jüngere Generation lebt. Ich finde, dieser Gedanke hat viel Entlastendes - für beide Seiten. Wir Eltern können also getrost unsere Kinder und deren Weg der Hand Gottes anvertrauen. Bei ihm sind sie gut aufgehoben.
Die andere Seite der Verantwortung bringt uns die Lesung aus dem Buch Jesus Sirach nahe: Den Vater zu ehren und die Mutter zu achten, auch wenn deren Kräfte abnehmen, ist im Sinn Gottes des Schöpfers. Das war zur Zeit, als das Vierte Gebot aufgeschrieben wurde, der Kern der Sozialgesetzgebung im Stamm der Israeliten, die durch die Wüste zogen und ihr Land in Besitz nahmen. Und übertragen auf die Zeit des Buches Jesus Sirach, der für die Israeliten in der hellenistischen Zeit und in der Diaspora schrieb, hieß das: Wenn wir überleben wollen als bedrohtes Volk, dann müssen wir unsere alten Eltern in Ehren halten, wie wir es von Gott überkommen haben. - Was heißt das für uns als Volk Gottes im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa?
Da gibt es viel, was nach wie vor aktuell ist, und es gibt Neues, was wir berücksichtigen sollten. Zunächst das Vertraute: Leben geht weiterhin von Generation zu Generation und es ist eine Ehre für jede Frau und jeden Mann, als Mutter und Vater an diesem Lebensfluss aktiv beteiligt zu sein. So, wie wir unseren Kindern das Leben aus der Hand Gottes schenken durften, so dürfen wir uns darüber freuen, wenn dieses Leben in der Hand unserer Kinder - und Enkelkinder - seine ganz eigenen Wege weiter fließt. Im Lauf unserer Biografie standen und stehen wir in diesem Lebensfluss an verschiedenen Stellen. Und an den verschiedenen Orten gibt es verschiedenen Notwendigkeiten:
Wenn wir uns als kleine Kinder unseren Eltern anvertrauen konnten, um schließlich immer mehr eigene Verantwortung und erwachsenes Leben zu lernen, so führt uns das schließlich dazu, dieses Vertrauen in das Leben den eigenen Kindern weiterzugeben und früher oder später auch zu den Verpflichtung, uns um Angehörige zu kümmern, die nicht mehr gut auf eigenen Füßen stehen können.
Diese spiralförmige Bewegung ist für alle Zeiten gleich: wir Menschen werden geboren, wachsen heran in unsere eigene Verantwortlichkeit, altern und gehen eines Tages von dieser Welt, die unsere Nachkommen bestellen.
Damit dies mit guten Rahmenbedingungen erfolgen kann, braucht es die Solidarität zwischen den Generationen. Solidarität meint nach der katholischen Soziallehre einen Zusammenhalt zwischen ähnlich Betroffenen, um ein wichtiges Gut zu erreichen und zu sichern.
Und wir alle sind von diesem Gang der Generationen betroffen, sind darin eingewoben an sich verändernden Stellen. Und so kann das Leben gedeihen.
Daher ist es wichtig, wenn wir Eltern unterstützen im Umgang mit ihren Kindern, wenn wir einander fördern im Loslassen der Heranwachsenden sowie in der Sorge um die Älter werdenden. Überall dort haben wir als Gesellschaft, auch als kirchliche Gemeinschaft unsere Aufgaben (vom Kindergarten bis zum Seniorenclub, von den Tischmüttern bis zu den Besuchen der Kranken und Betagten ...).
Was aber auch zu dieser Solidarität gehört, ist das, was die Gesellschaft den "Generationsvertrag" nennt: Dass nämlich jene, die mit ihrer Erwerbstätigkeit einen finanziellen Wert schaffen, für die Jüngeren ebenso sorgen wie für die Älteren, die das nicht mehr können. Wir nennen das üblicherweise das System der Pensionsversicherungen mit allen Begleitmaßnahmen.
Was aber in den letzten Jahrzehnten neu hinzugekommen ist: Wir sind - aufgrund unserer hohen Lebenserwartung - nicht mehr nur drei Generationen, sondern vier: War es früher die mittlere Generation , die für die beiden anderen sorgte, so kann es auf Dauer nicht so sein, dass die zweite der inzwischen vier Generationen für die drei anderen sorgen muss, zumal die Generation der "jungen Alten" immer rüstiger geworden ist: In meiner Kindheit waren 60- 70-Jährige zum Großteil körperlich verbraucht, während heute die Generation der aktiven Alten durchaus noch in der Lage ist, in unterschiedlicher Weise unterstützend tätig zu sein, manche auch noch in höchst verantwortlichen Positionen - privaten wie beruflichen, familiären wie gesellschaftlichen.
Ich glaube, das ist die große Herausforderung unserer Zeit, diese Verantwortlichkeit der rüstigen älteren Erwachsenen wahrzunehmen und auch gesellschaftlich zu würdigen. Davon haben alle Seiten etwas.
Wenn wir heute der Generation derer, die die Familienphase verlassen haben und noch aktiv leben, respektieren, dann sollen wir sie auch begrüßen in haupt- wie ehrenamtlichen Tätigkeiten, dann sollten wir wie in anderen europäischen Ländern ermöglichen, dass Erfahrene ihren Platz haben, auch wenn sie nicht mehr im selben Rhythmus wie 30- jährige leben und arbeiten. (Das ist auch ein Appell an öffentliche Arbeitgeber wie politische Parteien!)
Und wenn die Kräfte nachlassen, dann sollte ein gesichertes und gut betreutes Leben ermöglicht werden mittels aller Netzwerke, die wir auf allen Ebenen pflegen.
Das ist heute neu: Dass dieser Übergang für jeden Menschen unterschiedlich aussehen kann, dass die Linie zwischen Berufstätigkeit und zu versorgender Pensionszeit zu einem weiten Feld geworden ist, wo jede und jeder von uns ihren und seinen jeweiligen Platz finden soll.
Und dafür können wir uns als Familien im Sinn unseres Gottes einsetzen. Und dafür können wir uns alle darauf freuen, in Würde alt zu werden und zu sein.
Autor: Mag. Rolf Sauer (Theologe, Familienberater und -therapeut), Referent für Ehe- und Familienpastoral bei
"BEZIEHUNGLEBEN.AT"
„Das Wort ist Fleisch geworden“ haben wir an Weihnachten bekannt. Wir können fortfahren und hinzufügen: „Das Wort ist in eine begrenzte Zeit gekommen“, „in einen geographisch bestimmbaren Ort“, „in eine konkrete Familie gekommen“.
In der Liturgie feiern wir jetzt seine Anwesenheit unter uns. Wir dürfen sagen: Er kommt jetzt unter uns. Ja, Er ist jetzt unter uns. Wir rufen ihn an:
Herr, unser Gott,
in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt.
Gib unseren Familien die Gnade,
daß auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben
und einander in der Liebe verbunden bleiben.
Führe uns alle zur ewigen Gemeinschaft in deinem Vaterhaus.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Heilige Familie
Herr, unser Gott,
am Fest der Heiligen Familie
bringen wir das Opfer der Versöhnung dar.
Höre auf die Fürsprache
der jungfräulichen Gottesmutter
und des heiligen Josef.
Erhalte unsere Familien in deiner Gnade
und in deinem Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Heilige Familie
(für Wortgottesfeiern)
Guter Gott,
wir haben allen Grund dir zu danken.
denn du hast uns durch Jesus, deinen Sohn,
der das Leben mit uns geteilt hat, geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er ist Mensch geworden und hat Höhen und Tiefen
menschlichen Lebens erfahren.
Durch sein Leben in einer menschlichen Familie
hat er die Familie geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch sein heiliges Leben hast du auch uns zur Heiligkeit berufen.
Er gab uns die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Seinetwegen hast du uns als deine Töchter und Söhne angenommen.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er hat uns vorgelebt, wie auch wir heilig und untadelig vor dir leben können,
wie wir einander in Liebe begegnen, einander verzeihen
und miteinander in deiner Gnade leben können.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch ihn gabst du uns jetzt schon Anteil am Frieden deines Reiches
und an der Fülle des Lebens, das du für deine Kinder bereit hältst.
Daher stimmen wir ein in den Lobgesang aller,
die in ihrer Heiligkeit bereits vollendet sind:
Danklied: z. B. GL 247: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Gott, unser Vater,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gestärkt.
Bleibe bei uns mit deiner Gnade,
damit wir das Vorbild der Heiligen Familie nachahmen
und nach der Mühsal dieses Lebens
in ihrer Gemeinschaft das Erbe erlangen,
das du deinen Kindern bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Fest der Heiligen Familie
Guter Gott,
nicht nur in Gottesdiensten sind wir Christinnen und Christen,
sondern im alltäglichen Leben, im alltäglichen Miteinander,
im Verzeihen,
wenn wir zueinander JA sagen,
wenn wir gemeinsam Schweres durchstehen,
wenn wir treu sind.
Segne uns dazu. - Amen.
Die Zuschauer in 2 Gruppen einteilen; vorweg einstudieren und zwischen den Strophen:
Gruppe 1: „Heilige Familie“ (eins, zwei)…
Gruppe 2: „Was heißt’n das, mh?“ (eins, zwei) „Ja, was heißt’n das, mh?“ (eins, zwei)
Was heißt denn das, „Heilige Familie“, heute?
Wir sind doch ganz normale, gewöhnliche Leute.
Sonntags gehen wir auch mal in die Kirche rein,
doch davon kriegt niemand einen Heiligenschein.
Ich will mal überlegen, was könnte „heilig“ sein,
vielleicht fällt mir dazu ja doch etwas ein.
Gruppe 1+2
Mama oder Papa verdienen das Geld,
doch sagen sie, das ist es nicht, was wirklich zählt.
Statt sich abends nach der Arbeit vorm Fernseher zu bequemen
find’ ich gut, dass sie sich viel Zeit für uns nehmen:
Wir reden oder singen und spielen noch ein Spiel;
ich denk’, das ist für zwei gestresste Eltern doch viel!
Will weiter überlegen, was könnte „heilig“ sein,
vielleicht fällt mir dazu ja noch etwas ein.
Gruppe 1+2
Am Ende unsrer Straße lebt ein alter Mann
in einer kleinen Wohnung, der nicht mehr laufen kann.
Dort gibt’s eine Familie, die für ihn sorgt;
er ist wie ein Großpapa – nur geborgt.
Egal, was passiert, wie der alte Mann sich regt,
er wird, ganz klar, sehr liebevoll gepflegt.
Will weiter überlegen, was könnte „heilig“ sein,
vielleicht fällt mir dazu ja noch etwas ein.
Gruppe 1+2
Junge Frau, grade siebzehn, die jetzt schwanger ist,
und noch zur Schule geht; ziemlicher Mist.
Der Vater des Kindes ist arbeitslos;
das ist nun wirklich nicht famos.
Zu einer Abtreibung, sagen sie trotzdem „nein“,
das Baby kann erstmal bei den Großeltern sein.
So trägt ein jeder, es sorgen viele mit;
es ist nur ein Tropfen, doch das wird der Hit.
Denn viele Tropfen werden ein Meer, wie man weiß;
dann hat jeder Mensch sein Brot, Hirse, Maniok oder Reis.
„Heilig“ kann alles sein, was Leben spendet;
das ist es ja, warum Gottes Reich nicht endet.
Es beginnt schon jetzt, hier und heute bei uns,
bei den Meyers, bei Wagners und Familie Kunz.
Nochmal? O.k.!
„Heilig“ kann alles sein, was Leben spendet;
das ist es ja, warum Gottes Reich nicht endet.
Es beginnt schon jetzt, hier und heute bei uns,
bei den Meyers, bei Wagners und Familie Kunz.
Jeder selbst kann überlegen, was könnte „heilig“ sein,
sicher fällt jedem dazu noch viel mehr ein. 3 x
(jedes Mal etwas leiser werden, zuletzt flüstern)
Viel Freude + viel Segen + viel gute Zeit!
Reinhard Burchhardt
Texter, Komponist und Musiker,
freier Referent für Neue Geistliche Musik
Eichenweg 5
34414 Warburg
Text: Reinhard Burchhardt (Rap), aus: EXTRA VAKANT – Krippe ohne Kind
Gott, du weißt, warum er mir das angetan hat.
Warum hat er mich so behandelt?
Warum hat er mich so tiefst verletzt?
Er weiß doch genau, wie ich mich jetzt fühle.
Ich kann an gar nichts anderes mehr denken.
Ich bin zutiefst traurig und enttäuscht.
Und ich dachte immer,
wir wären durch so etwas wie
Freundschaft verbunden.
Das schlimmste ist, dass sich meine
Trauer und Enttäuschung
auch auf meine Mitmenschen auswirkt.
Gott, du bist ein Gott der Liebe und des Friedens.
Hilf uns beide, dass wir wieder
aufeinander zugehen und miteinander reden,
dass wir wieder in Frieden und
Freundschaft miteinander umgehen können.
Zeige uns den Weg zu einem neuen Miteinander.
Du weißt, es liegt mir wirklich sehr viel daran.
Margarita Gröting (*1966) in: Gotteslob Nr. 16, 2
Gott und Vater,
du hast den Frieden in unserer Familie gewahrt
oder uns immer wieder neu geschenkt.
Wir danken dir.
Behüte uns und hilf, uns gegenseitig in Liebe
zu tragen und zu ertragen.
Gib uns den guten Willen zur Versöhnung
nach jedem Streit
und die Kraft zu einer ehrlichen Aussprache
bei Zwistigkeiten.
Schenke uns Verständnis füreinander.
Schütze auch unsere Lieben,
die nicht gesund sind,
denen wir im Geist und bei allzu seltenen
Begegnungen verbunden sind.
Gib unserer Familie auch die Kraft,
sich nicht denen zu verschließen,
die unsere Nähe und unsere Hilfe brauchen.
Du liebst alle Menschen,
dich wollen wir lieben in unseren Nächsten.
Bleibe bei uns. Amen.
Aus: Gebete für das ganze Leben, St. Benno Verlag Leipzig 2004.
Und eine Frau, die einen Säugling an ihre Brust drückte, sagte: Sprich zu uns von den Kindern.
Und er sagte:
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch, doch nicht aus euch.
Und sind sie auch bei euch, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken.
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihren Körpern dürft ihr eine Wohnstatt bereiten,
doch nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus der Zukunft, und das bleibt euch verschlossen, selbst in euren Träumen.
Ihr dürft danach streben, ihnen ähnlich zu werden,
doch versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben schreitet nicht zurück, noch verweilt es beim Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebendige Pfeile abgeschnellt werden.
Der Schütze sieht die Zielscheibe auf dem Pfad des Unendlichen, und Er beugt euch mit Macht, damit Seine Pfeile umso geschwinder und weiter fliegen.
Freut euch der Beugung, die euch die Hand des Bogenschützen aufzwingt,
denn so wie Er den flüchtigen Pfeil liebt, liebt er auch den verharrenden Bogen.
Aus: Khalil Gibran, Der Prophet, München, 2007 (8).
Eine amerikanische Studie zeigt auf, wie sehr der Druck, täglich frisch und gesund zu kochen, Müttern zusetzt. Und will zu Diskussionen über neue Wege anregen.
mehr...
http://diepresse.com/home/leben/mode/4618762 - abgerufen am 20.12.2014
Für mein Enkelkind Isabel
Ganz unvermutet
hat sich die Kinderhand
so im Gehen
in meine Hand geschmiegt.
Kleine Geste,
großes Geschenk
des Vertrauens -
berührt Hand und Herz.
Aus: Ilse Pauls: Worte am Weg. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, Stolzalpe 2013.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Das griechische Wort stéphanos bezeichnet den aus Zweigen (oftmals aus Palmzweigen) geflochtenen "Kranz des Siegers", der bei den antiken Wettkämpfen dem Sieger überreicht und aufgesetzt wurde. Im Hintergrund dieser Ehrung steht wahrscheinlich der strahlende Leuchtkranz der Sonne, die so genannte corona. Verschiedentlich wurde der Kranz auch als Zeichen der Priester- oder Beamtenwürde getragen. Manchmal bekam der so Ausgezeichnete den Namen stephanos, der in späterer Zeit allgemein zu einem Vornamen geworden ist.
Stephanus begegnet uns erstmals im sechsten Kapitel der Apostelgeschichte als führender Mann der Hellenisten innerhalb der Urgemeinde. Bei ihnen wird es sich um Juden gehandelt haben, die in der weltweiten Diaspora geboren worden und aufgewachsen waren, aber später - aus welchen Gründen auch immer - in das "Land der Väter" gezogen sind. Ihre Muttersprache war das Griechische, der aramäischen Umgangssprache in Palästina waren sie nur begrenzt mächtig. Apg 6,1-8 zeigt uns, dass es Zwistigkeiten zwischen den Hellenisten und den aus Palästina stammenden Juden, den so genannten Hebräern, gegeben hat.
Stephanus wird als jüdischer Hellenist wohl ebenfalls aus der Diaspora nach Palästina gekommen sein. Es kann angenommen werden, dass seine Heimat das ägyptische Alexandrien gewesen ist - manche Aspekte der Stephanusrede (Apg 7,2-53) sprechen nach Meinung der Exegeten dafür. Neben seiner Tätigkeit als Armenpfleger in der Urgemeinde fand er Gelegenheit, diesen seinen Bekannten das Evangelium zu verkünden.
Stephanus wurde durch seine hellenistischen Widersacher denunziert und ebenso wie bei der Passion Christi treten gegen ihn falsche Zeugen auf, welche ihm Aussagen gegen Moses, Gott, den Tempel und das Gesetz nachsagen. Von der Menge wird er vor den Hohen Rat gebracht und muss sich vor diesem verteidigen. Die Einzelheiten dieses Prozesses, bzw. dieses Geschehens, liegen für uns völlig im Dunkeln. Der lukanische Bericht schwankt zwischen der Schilderung eines ordentlichen Verfahrens und Lynchjustiz hin und her. Jedenfalls wird der Angeklagte in seiner Verteidigungsrede unterbrochen, vor die Stadt gebracht und dort gesteinigt. Interessant ist das "kleine Detail am Rande": hier taucht, historisch gesehen, Paulus erstmals im Neuen Testament auf.
Stephanus stirbt betend und mit einer Vision des erhöhten Herrn vor Augen. Selbst im Tode wollte er Jesus ähnlich sein und betet daher für seine Mörder. Die Tatsache, dass auch "angesehene" Bürger Jerusalems bei seinem Begräbnis anwesend waren, könnte dafür sprechen, dass er doch nicht rechtmäßig verurteilt worden ist.
In seiner Verteidigungsrede, die einer damaligen Synagogenpredigt nicht unähnlich ist, geht Stephanus ausführlich auf die Geschichte Israels im Blick auf sein Gottesverhältnis und auf Gottes Treue zu seinem Volk trotz vielfacher Untreue Israels ein. Er hebt hervor, dass Gottes Heil seit jeher nicht an den Tempel gebunden war. Diese distanzierte Haltung zum Tempelkult findet sich schon bei den alttestamentlichen Propheten, aber auch bei Jesus und im zeitgenössischen Judentum der Diaspora, das wegen seiner großen geographischen Entfernung zu Jerusalem andere Formen der "Frömmigkeitsausübung" finden musste, die den Opferkult im Tempel ersetzen konnten.
In Alexandria, der vermutlichen Heimat des Stephanus, hatte man längst die hermeneutischen Methoden der Spiritualisierung und der Allegorese entwickelt. Der alexandrinische Philosoph Philo, ein Zeitgenosse des Stephanus, hat sie in seinen Kommentaren zu alttestamentlichen Texten zur Blüte gebracht. Bei Stephanus kommen noch die heilsgeschichtliche Sicht der Gottesgeschichte mit Israel und eine recht urtümliche Christologie dazu. Vor allem mit seiner Vision des erhöhten Jesus in unmittelbarer Nähe Gottes dürfte Stephanus absolut nicht in das religiöse Weltbild der jüdischen Theologen gepasst haben und so wird es annäherungsweise erklärlich, weshalb er auf schärfste Kritik stieß und letztlich hingerichtet wurde.
Der heutigen Lesung geht die Wahl der ersten 7 Diakone voraus (6,1-7) und damit wird ein neues, dem Kreis der Zwölf untergeordnetes Gemeindeamt geschaffen. Diakonie war aber, wie an Stephanus (Apg 6,8 - 7,53) zu sehen ist, von Anfang an auch Teilnahme an der Verkündigungsaufgabe der Apostel.
Der Stephanusprozess erinnert an den Prozess Jesu, in dem gleichfalls von falschen Zeugen die Anklage erhoben wurde, Jesus stellte den Tempel als den einzigen Ort der Gottesbegegnung in Frage. Der Vorwurf, das alttestamentliche Gesetz als überholt abzutun, verbindet Stephanus mit seinem "Nachfolger" Paulus (Apg 21,28).
Die Rede des Stephanus (Apg 7,1-53) wird in der heutigen Lesung übersprungen (vgl. "ungekürzte Fassung"). Stephanus reagiert mit einer langen Rede auf die Vorwürfe. Er greift auf die Geschichte Israels zurück um zu zeigen, dass das Volk Israel nie bereit war, den Heilswillen Gottes anzuerkennen. Israel hat immer das abgelehnt, was Gottes Wille war. Die Kreuzigung des Gerechten (d. h. des Messias) ist daher – wie auch die Hinrichtung des Stephanus - nur eine Folge der immerzu widersätzlichen Haltung Israels gegen die Heilstaten Gottes.
Stephanus hat seine Richter der Empörung gegen Gott, der Übertretung des Gesetzes und des Messiasmordes angeklagt (51-53). Die Umkehrung der Gerichtssituation wird durch das Bekenntnis, Jesus stehe als der Menschensohn zur Rechten Gottes, ins Unerträgliche gesteigert.
Stephanus, einer der sieben urkirchlichen "Diakone", die zum Dienst am Tisch der Armen eingesetzt waren, wird als Mann voll Kraft und Hl. Geist geschildert. Das öffentliche Wirken des Heiligen wird mit Wundern berichtet. Doch seine Worte, seine Predigt, wird ihm zum Verhängnis. Vor dem Hohen Rat wird er unter dem Zeugnis falscher Zeugen wegen drei Punkten angeklagt:
- Er stelle die Gültigkeit des jüdischen Gesetzes in Frage.
- Er wende sich gegen den Tempel.
- Er lästere Gott.
Stephanus selbst verteidigt sich in der längsten Rede der Apostelgeschichte (7:1- 53), aber seine Worte verwandeln sich zur Anklage seiner Ankläger und Richter.
Im Zentrum steht ein Überblick über die Geschichte des Volkes Israel. Die in einer Vision gegebene Bestätigung der Richtigkeit dessen, was Stephanus gesagt hatte, empört die Zuhörer. Diese Rede reizt die Zuhörer aufs höchste, so dass sie ihn gleich richten, wie die in seiner Verteidigung angeführten Gottesmänner.
In einem Akt der Lynchjustiz wird Stephanus zum ersten Märtyrer.
Lukas, der als Verfasser der Apostelgeschichte gilt, schildert die Hinrichtung des Diakons mit vielen Parallelen zur Kreuzigung Jesu. Außerhalb der Stadtmauern wird an ihm die jüdische Art der Hinrichtung (Steinigung) vollzogen. Die Worte des sterbenden Stephanus erinnern an die letzten Worte Jesu am Kreuz.
Das Martyrium des Heiligen markierte eine Wende in der Geschichte des jungen Christentums und war das Signal zur ersten größeren Christenverfolgung. Die Gemeinde von Jerusalem zersplitterte sich, was dazu beitrug, dass sich die Botschaft Jesu über die Grenzen der Stadt hinaus verbreitete.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz