Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch der Weisheit.
Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit;
wer sie liebt, erblickt sie schnell,
und wer sie sucht, findet sie.
Denen, die nach ihr verlangen,
kommt sie zuvor und gibt sich zu erkennen.
Wer sie am frühen Morgen sucht,
braucht keine Mühe,
er findet sie vor seiner Türe sitzen.
Über sie nachzusinnen, ist vollkommene Klugheit;
wer ihretwegen wacht,
wird schnell von Sorge frei.
Sie geht selbst umher,
um die zu suchen, die ihrer würdig sind;
freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen
und kommt ihnen entgegen bei jedem Gedanken.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv Meine Seele dürstet nach dir, mein Gott. – Kv
GL 420
Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, *
es dürstet nach dir meine Seele.
Nach dir schmachtet mein Fleisch *
wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser. – (Kv)
Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, *
zu sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Huld ist besser als das Leben. *
Meine Lippen werden dich rühmen. – (Kv)
So preise ich dich in meinem Leben, *
in deinem Namen erhebe ich meine Hände.
Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, *
mein Mund lobt dich mit jubelnden Lippen. – (Kv)
Ich gedenke deiner auf meinem Lager *
und sinne über dich nach, wenn ich wache.
Ja, du wurdest meine Hilfe, *
ich juble im Schatten deiner Flügel. – Kv
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Thessalonich.
Schwestern und Brüder,
wir wollen euch über die Entschlafenen nicht in Unkenntnis lassen,
damit ihr nicht trauert wie die anderen,
die keine Hoffnung haben.
Denn wenn wir glauben,
dass Jesus gestorben und auferstanden ist,
so wird Gott die Entschlafenen
durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen.
Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn:
Wir, die Lebenden,
die noch übrig sind bei der Ankunft des Herrn,
werden den Entschlafenen nichts voraushaben.
Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen,
wenn der Befehl ergeht,
der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt.
Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen;
dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind,
zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt
zur Begegnung mit dem Herrn.
Dann werden wir immer beim Herrn sein.
Tröstet also einander mit diesen Worten!
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Abschnitt des Ersten Thessalonicherbriefs eröffnet in der Absetzung zu den vorherigen Versen über die Bruderliebe ein neues Thema: die Entschlafenen. Es wird abgelöst im 5. Kapitel vom Thema Zeiten.
Zunächst argumentiert Paulus mit seiner eigenen Glaubensüberzeugung und dem Lebensschicksal Jesu. Dann erfolgt eine zweite Begründung, der er wie auch im Eucharistiethema des 1. Korintherbriefs besonderes Gewicht verleiht, indem er ein Argument als Herrenwort kennzeichnet.
Schließlich werden apokalyptische Bilder der Zeit benutzt. Am Anfang und Ende des Abschnitts steht noch einmal die Zielbestimmung: Wir wollen euch besser stellen als die Hoffnungslosen. Und tröstet die Menschen.
Paulus richtet sich in diesem Brief an die heidenchristliche Gemeinde der Thessalonicher. Man kann davon ausgehen, dass dieser Abschnitt deshalb geschrieben wurde, weil den Thessalonichern das Heil der Verstorbenen ungewiss war. Angesichts der Erwartung des nahenden Gottesreiches ist es verständlich, dass sich die Thessalonicher nicht auf die allgemeine Erfahrung des Todes einstellten. Sie erwarteten, dem wiederkommenden Jesus als noch Lebende zu begegnen. Aber nun machen sie die Erfahrung, dass Gemeindemitglieder sterben.
Mit dem Hinweis auf das Sterben und die Auferstehung Jesu erschließt Paulus die Hoffnung, dass auch die bereits verstorbenen Gemeindemitglieder zur Herrlichkeit gelangen werden. Paulus will nicht über die bereits "Entschlafenen" reden, sondern er will einer Haltung entgegenwirken, die von Hoffnungslosigkeit beherrscht ist. Paulus macht klar, dass Rat- und Hoffnungslosigkeit angesichts des Todes nicht Sache der Christen ist, wie auch immer die Erwartung für die Zukunft der Toten sein mag.
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Thessalonich.
Schwestern und Brüder,
wir wollen euch über die Entschlafenen nicht in Unkenntnis lassen,
damit ihr nicht trauert wie die anderen,
die keine Hoffnung haben.
Denn wenn wir glauben,
dass Jesus gestorben und auferstanden ist,
so wird Gott die Entschlafenen
durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen.
Halleluja. Halleluja.
Seid wachsam und haltet euch bereit!
Denn der Menschensohn kommt
zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich
wird es sein wie mit zehn Jungfrauen,
die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen.
Fünf von ihnen waren töricht
und fünf waren klug.
Die törichten nahmen ihre Lampen mit,
aber kein Öl,
die klugen aber nahmen mit ihren Lampen
noch Öl in Krügen mit.
Als nun der Bräutigam lange nicht kam,
wurden sie alle müde und schliefen ein.
Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf:
Siehe, der Bräutigam!
Geht ihm entgegen!
Da standen die Jungfrauen alle auf
und machten ihre Lampen zurecht.
Die törichten aber sagten zu den klugen:
Gebt uns von eurem Öl,
sonst gehen unsere Lampen aus!
Die klugen erwiderten ihnen:
Dann reicht es nicht für uns und für euch;
geht lieber zu den Händlern
und kauft es euch!
Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen,
kam der Bräutigam.
Die Jungfrauen, die bereit waren,
gingen mit ihm in den Hochzeitssaal
und die Tür wurde zugeschlossen.
Später kamen auch die anderen Jungfrauen
und riefen: Herr, Herr, mach uns auf!
Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch:
Ich kenne euch nicht.
Seid also wachsam!
Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Text des Evangeliums gehört zum Sondergut des Matthäus. Er gliedert sich in den Kontext des gesamten 25. Kapitels ein. In verschiedenen Beispielen wird immer wieder deutlich: Auch bei Gott gibt es Gericht und Entscheidung, und darin ist er oft anders als man glaubt.
Der Text müsste eigentlich von hinten entschlüsselt werden. Zentral ist zum Verständnis die Ablehnung der törichten Jungfrauen durch den Bräutigam: "Ich kenne euch nicht!" Um zu verstehen, warum Menschen für das Reich Gottes abgelehnt werden, wird das Gleichnis erzählt. Die Abgelehnten haben sich nicht vorbereitet und die Bedeutung der Gegenwart nicht gesehen.
In mehreren Details wird in diesem Gleichnis anders geschildert als es der jüdischen Hochzeitstradition entspricht. Somit wird deutlicher, dass eine Botschaft vermittelt werden soll.
Die Aufgabe der Brautjungfern bei einer Hochzeit besteht darin, den Bräutigam mit brennenden Lampen einzuholen. Matthäus kennzeichnet die Klugheit der klugen Jungfrauen dadurch, dass sie zu den Lampen auch genügend Ölvorräte in Krügen bereitstellen, während dies die Törichten verabsäumen. Auch wenn am Ende dieses Gleichnisses vom Bräutigam gesagt wird: "Seid wachsam!", zeigt das Einschlafen aller Jungfrauen, dass der Blick nicht auf den Schlaf, sondern auf das allzeitige Bereitsein zu richten ist.
Matthäus geht es um die Verzögerungsthematik hinsichtlich der Parusie (Wiederkunft Christi). Die Törichten leben in der Illusion, dass der Bräutigam schon bald käme, während sich die Klugen auf eine lange Wartezeit eingerichtet haben. Der Text ist an alle gerichtet als Warnung und Mahnung zur Wachsamkeit und Vorsorge angesichts des unbekannten Zeitpunktes der "Ankunft des Menschensohnes." Die Folgen des Unvorbereitetseins zeigen sich in dem Wort des Bräutigams: "Ich kenne euch nicht!" Er sagt sich von den Törichten los, sie gehören nicht mehr zu seiner Gefolgschaft.
Das Matthäusevangelium hat als zentrale Mitte das Liebesgebot, um das sich die Verkündigung des Christus als Erben des Alten Bundes aufbaut. In dem Gottessohn gewinnt der Weg Gottes mit den Menschen eine neue Qualität. Die Mahnung zur Erwartung der Vollendung des Reiches Gottes hat der Autor - wie so oft - in die Form eines Gleichnisses gefasst. Es steht in der Umgebung der Leidensgeschichte, die im Auferstehungsgeschehen den Anbruch dieses Reiches auf Erden verheißt.
Die alltägliche Erfahrung lästigen Wartens kann zum Segen werden, wenn sehnsüchtig Erwartetes uns geschenkt wird.
Noch sind es drei Wochen bis zum 1. Advent, aber das Stichwort Warten ist schon da. Es sind die Brautjungfrauen, die warten. Die Hochzeit steht bevor und alle erwarten einen angemessenen Empfang. Aber wann kommen die Hochzeiter? Wann muss ich bereit sein?
Am 1. Advent ist es leichter. Da kennen wir den Starttermin: Es ist der 29. November. Und wir kennen den Zielpunkt: Je nach eigener Gewichtung ist es der Heilige Abend oder der 1. Weihnachtstag. Da läuft der Countdown.
Anders ist es bei manchen Versandfirmen. Dann heißt es in der Benachrichtigung: „Ihr Paket wird Ihnen zugestellt zwischen Dienstag, 14:00 Uhr und Mittwoch 18:30 Uhr.“ Toll, aber so lange soll ich erreichbar sein? 28 Stunden? Ich habe auch noch andere Dinge zu erledigen als nur auf den Paketboten zu warten. Ich schlucke den Ärger herunter, denn ich will ja das bestellte Produkt erhalten. Dann gelingt das Warten eher.
Lohnt sich das Warten denn? Der Text aus dem Buch der Weisheit liest sich wie ein Reklameversprechen. „Die Weisheit ist strahlend und leicht zu finden. Sie gibt sich selbst zu erkennen, damit sie ihren Dienst tun kann. Gib ihr Raum!“
Für die klugen Jungfrauen aus dem Evangelium hat sich das Warten gelohnt. Sie wurden gelobt dafür, dass sie gewartet hatten. Sie wurden gelobt für den hellen Schein, der dem Bräutigam den Weg in den Festsaal wies.
Das Warten lohnt sich für jene, die als Glaubende darüber nachdenken, was ewiges Leben bedeutet: „Wir werden für immer beim Herrn sein!“ Das werden die Verstorbenen erleben. Das werden die Menschen erleben, die noch leben, wenn der Herr vom Himmel kommt.
Im Gotteslob gibt es unter der Nummer 457 das Lied „Suchen und fragen“. Es gibt viele Momente im Leben, die wir durch die richtige Tat auflösen können. Wenn wir es tun, gilt der Refrain dieser drei Strophen: „So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein!“
Im gewissen Sinne spricht in diesem Lied Gott: Ich habe auf dich gewartet! Ich habe dir die Kraft zum Glauben geschenkt. Du teilst irgendwann diesen Glauben mit anderen. Du verstehst die anderen Menschen in ihrem Handeln. Du lachst und tanzt mit ihnen. Dort erlebst du mein Ja! Ich habe dich mit Menschen in Kontakt gebracht, die jemanden gebrauchen, der ihre Klagen anhört. Es tut ihnen gut. Du zeigst ihnen, dass ich an ihrer Seite bin. Du bist Zeugin und Zeuge für mein Ja an sie! Ich habe dir die Kraft gegeben, neue Dinge zu planen, in denen Menschen Heimat und Schutz finden. Du setzt sie im Moment ein. Neue Zukunft beginnt für Menschen, denen ich mein JA sagen kann.
„Worauf wartest du?“ Manche Menschen hören diesen Satz als Aufforderung; etwa: „Der Rasen muss mal wieder gemäht werden. Worauf wartest du?“
Ich möchte ihnen jedoch keine Aufforderung mitgeben, vielmehr lade ich Sie zu einer Rückschau ein: „Wann haben Sie gemerkt, dass Ihr Warten zu einem großen Moment geworden ist?“
Ich erlebe es manchmal bei Geschenken. Ich gehe mit einer Idee in ein Geschäft und suche die Regale ab. Ich sehe etwas und denke: Es ist nicht ganz das, was ich suche. Aber notfalls nehme ich das. Die letzten zwei Regale mache ich noch. Dort finde ich dann, was genau passend ist. Das Glücksgefühl bei mir und dem Beschenkten ermutigt mich, immer wieder bis zum Schluss zu suchen und zu erleben: Es lohnt sich. Manchmal ist es häufiger, als man denkt.
© Pater Norbert Riebartsch, Kamillianer November 2026
Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen hat der Evangelist in eine Zeit der Verunsicherung hineingestellt, als viele zu zweifeln begannen, dass sich die Naherwartung der Wiederkunft Christi nicht erfüllte. Heute stehen wir vor anderen, neuen Herausforderungen und müssen wir uns der Frage stellen: Kann die Tür nicht offen bleiben?
Ich stelle dem Evangelisten Matthäus die Frage, die mich beim Hören des Evangeliums bewegt: Was wäre, wenn die Tür offen bliebe?
Dann könnten – jedenfalls aus meiner Sicht – auch jene beim Fest dabei sein:
…die immer zu spät kommen,
…die unvorbereitet sind,
…die am Rand der Gesellschaft leben,
…die weniger mobil sind und für die der Weg zum Festsaal im Dunkeln liegt.
Aber denken wir auch an jene, die keine Beziehung zum Glauben an das Evangelium haben, die nicht den Ansprüchen der inneren Bereitschaft entsprechen, die hier Matthäus einst von seiner Gemeinde erwartete: Kann für sie nicht die Tür offen bleiben?
Und wie steht es um Menschen, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen, oft gar nicht erkennen können aufgrund ihrer Erfahrungen und Erlebnisse?
Das Theaterstück „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert lässt erkennen, wie der Kriegsheimkehrer Beckmann aufgrund seiner Kriegstraumata von der Gesellschaft ausgeschlossen bleibt. Von niemandem bekommt er Antwort auf seine Lebensfragen. So bleibt er „draußen vor der Tür der Gesellschaft“.
Erinnern wir uns an den 9. November 1938 – wo der Ausschluss von Juden, Roma, Sinti usw begann. Auf einmal hatten sie keinen Platz mehr in der so genannten Mehrheitsgesellschaft. Maria Potesil, eine stille Heldin in dieser Zeit, berichtete später, dass sie und ihr von der Kinderübernahmestelle der Gemeinde Wien zugewiesener Pflegesohn, der jüdischer Herkunft war, seit 1942 keinen lebensrettenden Luftschutzkeller mehr betreten durften, die Türe ging zu und sie blieben wie viele jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen draußen im Bombenhagel.
Deshalb frage ich Matthäus nochmals: Was wäre, wenn die Türe offen bliebe?
So viele Menschen, die immer wieder in ihrem Leben vor einer verschlossenen Tür stehen. Kennen wir jene, die draußen vor der Tür sind, deren Licht kaum ausreicht für den Weg? So manchmal gehöre ich selber zu jenen, die dann davonlaufen, statt zu vertrauen, dass sie in der Dunkelheit, die sie umgibt, gesehen werden.
Im Prophetenbuch Jona wird so eine Begebenheit ausführlich geschildert: Jona läuft weg, sein Glaube, sein Vertrauen an die lichtvolle Vision der Liebe, der Barmherzigkeit Gottes ist im Keller. Langsam, sehr langsam merkt er, dass Gottes Liebe niemanden ausschließt, auch ihn nicht.
Und nochmals frage ich: Was spricht dagegen, dass Menschen durch eine offene Tür erkennen, dass sie willkommen, eingeladen sind? Es geht um die Einladung zum Mitfeiern, zum Mitfreuen. Ob diese Einladung angenommen wird oder nicht, bleibt jedem Menschen offen, so wie die Tür.
Eine offene Tür würde dieses Gleichnis von den 10 jungen Frauen auf den Kopf stellen: „Wo käme man denn da hin, wenn jeder kommen kann“, auch jene, deren Licht nicht brennen mag, und wenn auch sie am himmlischen Gastmahl teilhaben könnten?
Aber du, Matthäus, schreibst in deinem Evangelium: „... und die Tür wurde verschlossen.“ - Ich vermute: Für deine Zeit, für deine Gemeinde hattest du recht!
Zwei Gründe sind mir aufgefallen, die ich versuche nachzuvollziehen:
Erstens: Für eine nach damaligen Begriffen schöne, bildhübsche Braut gab es noch Zusatz-Geschenke zum Brautpreis dazu. Diese Geschenke wurden erst beim Abholen der Braut mit den Brauteltern „ausgehandelt“. Dieses Feilschen konnte dauern, oft bis in die Nacht. Deshalb hatten die Brautfreundinnen, so würden wir sie heute bezeichnen, damit zu rechnen, dass sie eventuell lange warten müssen. Als Fackelträgerinnen, die für das Ansehen des Paares von großer Bedeutung waren, mussten sie darauf vorbereitet sein. Wenn sich nun der Bräutigam mit der Braut, die mit keinem Wort im Evangelium erwähnt wird (!), seinem eigenen Haus näherte, war es an der Zeit, die Fackeln zu entzünden. Vorher waren alle vor Müdigkeit eingeschlafen. Doch beim Kommen des Bräutigams mit seiner Braut, mussten die Fackeln mit ölgetränkten Lappen entzündet werden. Pech, wenn die Ölvorräte in diesem Moment nicht reichten und Schande für die Braut, über die dann geredet wird. Peinlich, peinlich... – Das willst du, Matthäus, verhindern. Das verstehe ich.
Zweitens: Du reagierst mit dieser Gleichniserzählung auf eine Resignation nicht der Fackelträgerinnen, denen das Öl ausging, sondern auf die Enttäuschung vieler in deiner Gemeinde. Diese und andere jesusgläubige Gemeinden lebten in einer Naherwartung. Dabei ging es um die baldige Wiederkunft Jesu Christi, um das Reich der Himmel, das durch sein Wiederkommen in Herrlichkeit vollendet werde. Daran glaubten sie und davon waren sie überzeugt. Aber als du dein Evangelium geschrieben hast, waren schon gute 40 Jahre nach Jesu Tod und Auferweckung vergangen. Ungeduld, Enttäuschung und Resignation verbreiteten sich. So wolltest du deiner Gemeinde sagen: Bleibt vorbereitet und wachsam, denn der Bräutigam wird kommen, die Wiederkunft Jesu Christi lässt sich Zeit.
Aber: Der Moment des Wartens der frühen Gemeinden steht für uns nicht mehr im Vordergrund, sondern für uns ist eine Zeit des Handelns nach dem Evangelium angebrochen, bedeutend geworden – bis ER kommt in Herrlichkeit, wann immer das ist. Wir bekennen dies ja im gemeinsamen Ruf: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.
Uns, die wir das Gleichnis heute lesen und hören, fordern andere Perspektiven heraus und lassen uns für die fünf zu spät kommenden jungen Frauen Position beziehen. Unser Handeln kann für andere zu einem Türöffner werden. Die Frage „Reicht die überfließende Barmherzigkeit Gottes nicht für alle?“ rückt heute in neuer Weise in die Mitte. Eine verschlossene Tür wie damals bei Matthäus wird von vielen heute nicht als Ruf zur Wachsamkeit wahrgenommen.
Heute, wo so viel aus dem Gleichgewicht gerät, wo so viel Orientierungslosigkeit unter den Menschen ist, bedarf es einer anderen Wachsamkeit - ohne damit Matthäus in seiner Zeit, der die Tür schließen lässt, in Frage zu stellen.
Matthäus sah seine Gemeinde bedroht durch jene, die enttäuscht waren, die resigniert haben und ihr Leben nicht nach dem Himmelreich ausrichteten. So ein Verhalten stiftete Unruhe in einer Zeit, als angespannte Erwartungen, die Hoffnung auf die Ankunft des Messias das Leben der ersten jesusgläubigen Gemeinden prägte. Darum legte er seiner Gemeinde ein ständiges Leben im Licht des Evangeliums nahe, damit man so jederzeit auf das Kommen des „Himmelreiches“ vorbereitet war. Diese Naherwartung des Messias ist uns heute aber fremd geworden.
Unser Leben kann das Heute als Zeit Gottes verstehen, als Ewigkeit, die eben gerade beginnt. Es ist eine geschenkte Zeit, die nicht ausschließt, sondern alle zur Fülle des Lebens einlädt, auch jene die immer zu spät kommen, auch jene, die die Orientierung im Leben verloren haben, auch jene…
Eine solche Willkommenskultur ist heute als Programm einer christlichen Gemeinde angesagt.
So stelle ich heute am Schluss bewusst noch einmal die Frage: Kann die Tür offen bleiben?
Immer wieder zu spät zu kommen, ist nicht nur eine schlechte Angewohnheit, es kann unter Umständen sogar lebensgefährlich sein. Da helfen keine Ausreden. Jesus geht es um mehr als um Pünktlichkeit. Es geht um Wachsamkeit, Klugheit, Wahrheit.
Kennen Sie das Gefühl, plötzlich zu merken: Jetzt geht sich etwas nicht mehr aus, man ist zu spät weggefahren, hat die Zeit übersehen oder eine Chance verpasst?
Bei manchen Menschen ist es eine schlechte Angewohnheit oder manchmal passiert es einfach. Oft ist es harmlos. Die Reaktionen kennen wir: Manche hoffen, dass es niemand bemerkt, andere entschuldigen sich, viele schieben die Schuld auf den Verkehr oder den Stress…
Doch es gibt Situationen, in denen „zu spät“ eine ganz andere Tragweite hat. Eine Krankheit wurde nicht ernst genommen – und nun ist sie nicht mehr heilbar. Ärztliche Warnungen, den Lebensstil zu ändern, wurden ignoriert – nun ist das Unausweichliche eingetreten und eine Einschränkung bleibt zurück. Man wollte noch reisen, noch vieles erleben – und plötzlich lässt es die Gesundheit nicht mehr zu.
Im Straßenverkehr kann „zu spät reagieren“ oder „zu spät bremsen“ lebensgefährlich, ja sogar tödlich sein.
Die Hochzeit, von der das Evangelium erzählt und in dem die Jungfrauen auf den Bräutigam warten, steht für ein gutes, gesichertes Leben – letztlich für den Himmel, für die neue Welt Gottes. Die klugen Jungfrauen handeln mit Weitblick, die törichten vertrödeln die Zeit, nehmen die Situation nicht ernst und stehen am Ende vor verschlossener Tür. Für sie ist es endgültig zu spät.
Jesus sagt uns: Seid wachsam! Eine der menschlichsten Reaktionen, wenn es um die letzten Dinge geht, ist der Gedanke: Ich habe ja noch Zeit. Ich werde schon noch anfangen, Gutes zu tun, mich weniger um mich selbst zu drehen, mich für eine gerechte Welt einzusetzen – irgendwann… Später werde ich mich um meine Gottesbeziehung kümmern – später.
Ein gutes Beispiel ist auch der Umgang mit der Umwelt. Vieles wird auf den sprichwörtlichen Nimmerleinstag verschoben. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät. Ausreden nützen dann nichts mehr.
Jesus sagt klar: Niemand kennt Tag und Stunde. Darum ist es wichtig, wahrhaftig zu leben – nicht irgendwann, sondern jetzt. Doch was heißt das?
Wahrhaft leben bedeutet: Mutig, integer leben. Ehrlich sein – keine Lügen, keine Ausreden. Dass Denken, Reden und Handeln zusammenpassen; tun, was man sagt und vertreten, wovon man überzeugt ist. Innere Klarheit, sich selbst nichts vormachen, die eigenen Motive ehrlich ansehen. Dass man sich nicht verstellt – weder vor anderen noch vor sich selbst. Authentisch handeln – nicht perfekt, aber echt.
Wer wahrhaft lebt, beschönigt die Realität nicht, ist radikal ehrlich mit sich selbst, muss nichts verstecken und findet inneren Frieden. Denn Wahrhaftigkeit führt zur Freiheit. Wahrhaft leben tut gut. Es macht frei – man lebt nicht mehr für die Erwartungen anderer.
Stellen wir uns vor, die fünf Jungfrauen, denen das Öl ausgegangen ist, würden heute in unseren Gottesdienst kommen. Sie würden uns ihren Schmerz schildern, ihre Verzweiflung, ihre Selbstvorwürfe – dass sie aus eigenem Verschulden die wunderbare Welt Gottes verpasst haben.
Würden wir nicht beim Hinausgehen unser Leben ändern wollen? Doch aus eigener Erfahrung weiß ich: Diese Betroffenheit lässt wieder nach. Der alte Schlendrian kehrt zurück…
Das Evangelium ruft uns heute nicht zur Angst, sondern zur Klarheit. Nicht zur Panik, sondern zur Wachsamkeit. Nicht zur Perfektion, sondern zur Wahrhaftigkeit.
Damit wir nicht zu spät kommen – sondern bereit sind für das Leben, das Gott uns schenken will.
Was bedeutet die Mahnung Jesu "Seid wachsam!", unter den gegenwärtigen Voraussetzungen? Sie fordert Weisheit, Weitblick und Verantwortung über den Augenblick hinaus.
Wer viel weiß, hat viel Verantwortung. In einer Zeit, in der Wissen in nicht mehr überschaubaren Datenmengen für jeden einzelnen vorhanden ist, wächst auch die Verantwortung, wie wir mit dieser großen Zahl an Informationen umgehen. Deshalb wird es notwendig, die Verantwortung aufzuteilen auf die Hersteller digitaler Systeme, auf die Programmierer der Algorithmen und auch auf die Benutzer. Wer durch diese Systeme Weisheit gefunden hat, muss sein Gewissen besonders schulen hin zur göttlichen Weisheit.
Die Worte aus dem Buch der Weisheit hat für alle Mächtigen in Gesellschaft und Kirche besondere Bedeutung, da sie für das Wohl der Gemeinschaft verantwortlich sind. „Verlangt nach meinen Worten und sehnt euch danach und ihr werdet Bildung erwerben.“ (Weish 6,11). Gott ist logisch (=Logos) und sinnvoll. Diese Gottes-Logik wird auch in der Natur sichtbar, wo Ordnung (Kosmos, Schmuck) herrscht im Werden und Vergehen.
Ich sehe darin eine gute Bestätigung dafür, dass Christentum eine Bildungsreligion ist. Wenn wir das Wort Gottes befolgen, erleben wir Glück und „Leben in Fülle“ (Joh 10,10). Glück braucht Ordnung in der Seele, inneren Frieden, was zu Einsicht und Erkenntnis führt, worauf das Evangelium hinweist.
Vorsorge treffen, Weitblick erwerben, hängt mit innerweltlicher Klugheit zusammen. Auffällig ist das Begriffspaar „töricht“ und „klug“ und in diesem Zusammenhang die Zahl fünf, die auf ausgewogene Verteilung hinweist. Ob Klugheit und Torheit wirklich in dieser Welt und durch die Geschichte, wie an dieser Textstelle dargestellt, so gleichmäßig verteilt sind, bleibt dahingestellt. Jedenfalls werden wir so wie die klugen und törichten Jungfrauen mit genetischen Ausstattungen und physischen Prägungen versehen. Hinzu kommen noch psychische Prägungen durch Kultur, Religion, Tradition.
Wie ist dieses Begriffspaar zu verstehen? Töricht steht im Griechischen für anóitos, also „dumm“, „blöd“, „unvernünftig“, „nicht vorausschauend“. Klugheit ist sehr wichtig, um die innerweltlichen Anforderungen zu meistern durch Entdeckung und Entfaltung unserer Talente, die uns mitgegeben wurden. Zunächst aber muss man sich mit dem, was man hat, in die persönlichen Gegebenheiten einfügen, bevor man seine eigene Welt gestalten kann. Es ist „Die Welt in dir“, wie das jüngst erschienene Buch von Matthias Beck zeigt. Dann wird das Vorgegebene allmählich zum Aufgegebenen, zur Aufgabe. Diese Aufgaben sind Herausforderungen. Dabei traut uns Gott etwas zu. „Die Gnade setzt die Natur voraus und vollendet sie“ schreibt Thomas von Aquin, (1225-1274). Mit Hilfe unserer Gnadengaben sollen wir Vorsorge treffen und auch sich selbst etwas zutrauen.
Beim Lesen dieses Gleichnisses kommt zuerst der Gedanke auf, dass die klugen Frauen ein sehr unchristliches Verhalten an den Tag legen. Tatsächlich steckt aber der Hinweis dahinter, dass es um mangelnde Wachsamkeit und um mangelnde Vorbereitung und Vorsorge geht. Das hat für unser ganzes Leben Bedeutung. Seid wachsam über den Augenblick hinaus. Das Evangelium weist auch auf zukünftiges Verhalten hin. Was ist, wenn alle nichts mehr haben? Daher soll auch überlegt werden, wie man richtig hilft. Wir können auch nicht immer alles den anderen abnehmen und umgekehrt: Von den anderen verlangen, dass sie uns alles abnehmen. Es gibt auch immer wieder die Chance, aus Fehlern zu lernen. In diesem Gleichnis geht es um Vorsorge und Weitblick.
Die persönliche Erfahrung wäre diesbezüglich eine gute Lehrmeisterin. Beobachten wir uns selbst und unsere Umgebung, was uns mitunter sehr unvorbereitet durch Leichtsinn, Faulheit, auch durch hoffentlich nur vorübergehende Dummheit treffen kann. „Dummheit ist Sünde“, sagt Thomas von Aquin. Diese Sünde hat aber kaum noch jemand gebeichtet.
Der letzte Satz dieser Evangelienstelle klingt hart: „Ich kenne euch nicht.“ (Mt 25,12). Wenn ihr so leichtfertig seid, seid ihr lieblos. Ihr kommt nicht in das Himmelreich. Auch die Weherufe an die Pharisäer und die Schriftgelehrten, auch an uns alle, wenn wir leichtfertig, hochmütig handeln, wird das Konsequenzen haben; auch wenn wir uns eine „billige Gnade“ erschleichen wollen (Dietrich Bonhoeffer) ohne Mitarbeit, ohne weiteres Nachfragen, auch was Glaubensfragen betrifft. „Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ (Mt 25,13). Jeden Tag kann Unvorhergesehenes geschehen, auch wenn wir nach dem Gottesdienst die Kirche verlassen. Weitblick, Achtsamkeit sind wesentliche Voraussetzungen, die auch für das Kommen Jesu Bedeutung haben.
Im Gleichnis von den Klugen und törichten Jungfrauen geht es nicht um Klugheit und Dummheit, sondern wer ins Reich Gottes gelangen möchte, braucht dazu Herz und vorausschauenden Verstand.
Ein Bild vom heutigen Evangelium bleibt besonders hängen. Die Gegenüberstellung von törichten und klugen jungen Mädchen. Dieses Bild erinnert mich an einen Aphorismus, den man dem bekannten Heimatdichter Karl Heinrich Waggerl zuschreibt. Dieser lautet: „Am auffälligsten unterscheiden sich die Leute darin, dass die Törichten immer wieder dieselben Dummheiten machen, die Gescheiten immer wieder neue“. Dieser Ausspruch führt uns ziemlich unvermittelt zum Kern der Botschaft des heutigen Evangeliums: Wer zum Reich Gottes gehören möchte, braucht Herz und Verstand!
Die Erzählung von den törichten und klugen Jungfrauen will ja keine Geschichte über besser oder schlechter organisierte junge Frauen sein, sie stellt uns vielmehr vor Augen, wie es sich mit dem Himmelreich verhält, wie man am besten dorthin gelangt. Die beiden Frauengruppen stehen für den unterschiedlichen Umgang von Menschen mit dem wertvollen Gut der christlichen Botschaft.
Schauen wir genauer hin: Beiden Gruppen ist bekannt, dass der Bräutigam (Christus) sein Kommen angekündigt hat, um seine Braut (Kirche) in sein Reich heimzuführen. Der damals übliche Hochzeitsritus beinhaltete, dass die Braut dem ankommenden Bräutigam entgegengeht und auf diesem Weg von ihren Brautjungfern begleitetet wird. Der Zeitpunkt ihrer Begegnung mit dem Bräutigam ist unbekannt. Er kann auch in Nacht und Dunkelheit kommen. Speziell dann ist es notwendig ihm mit Licht entgegenzugehen. Alle 10 Jungfrauen besitzen sowohl Lampen als auch Öl, damit sie leuchten. Aber 5 von ihnen rechnen nicht mit der Länge der Wartezeit. Sie rechnen nicht mit einer Begegnung in dunkler Nacht. Sie haben sich auf die Nachahmung einer Tradition verlassen. Sie haben übliche Rituale einfach übernommen, ohne sie an die aktuelle Situation anzupassen. Sie sind nur halbherzig bei der Sache. Ihr persönlicher Einsatz, ihr Nachdenken und ihr Einstimmen auf die besondere Situation fehlt.
Als Christen und Christinnen besitzen mit der Botschaft Jesu Christi eine klare Anleitung, wie wir aus dem Funken Gottes, der jedem Menschen innewohnt, ein beständiges Feuer machen können, das uns den Weg zum Reich Gottes ausleuchtet. Es ist unsere Entscheidung, wie wir mit dieser Anleitung umgehen. Diese Anleitung kennen auch die törichten Jungfrauen. Sie verstehen und bejahen sie auch, integrieren sie aber nicht in ihr Handeln. Doch um den Funken Gottes auch in dunkler Zeit zum Leuchten zu bringen, ist es notwendig, immer wieder genug Öl nachzufüllen.
Auf unsere Situation umgelegt bedeutet das: Es ist nicht genug, die christliche Botschaft zu hören und sie gut zu finden, sondern es gilt aus dieser Botschaft zu leben. Sie wird erst zum Ölvorrat, wenn wir sie selbstverantwortlich umsetzen, wenn wir uns mit allem, was uns zur Verfügung steht, einbringen, mit unserem Herz, mit unserem Verstand und mit unserer Kreativität. Im daraus folgenden Tun werden wir uns selbst und andere Menschen zum beständigen Leuchten bringen. Dann wird der Bräutigam seine Braut finden und in den festlichen Hochzeitssaal führen können.
Das eigene Leben künden lassen von der Liebe Gottes in dieser Welt funktioniert nicht wie ein Waschprogramm, man drückt den richtigen Knopf, und es geht los. Nein! Es braucht vielmehr eine beständige Offenheit, Aufmerksamkeit und Sensibilität für das richtige Wort und die richtige Tat zur rechten Zeit. Es braucht „gescheite, kluge Menschen“ wie Heinrich Waggerl sie beschreibt. Menschen, die bereit sind, immer wieder neue Dummheiten – ich würde es lieber Versuche nennen - zu machen. Jemand der auf der Suche ist, jemand der spürt, dass allein die Tradition hochzuhalten zu wenig ist. Es gilt, sich immer neu auszurichten, will man sein Leben als Leben in Fülle wahrnehmen, gemäß dem Jesus-Wort: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in Fülle haben."
Wer danach lebt, liebt die Weisheit, wie wir heute in der Lesung aus dem Buch der Weisheit gehört haben, und findet sie auch, weil er sie sucht. Er oder sie weiß um den Funken Gottes, der in jedem von uns wohnt, und ist bestrebt diesen Funken zum Leuchten zu bringen, bei sich und bei anderen. Jeder, der sich auf diese Weise bemüht, macht unsere Welt heller. Er wird zur Leuchte auf dem Weg.
Dann wird auch die Begegnung mit Gott zum jenem lichtvollen Hochzeitsfest, zu dem jeder von uns persönlich eingeladen ist; auch wenn, wie wir in der Lesung aus dem Brief an die Thessalonicher gehört haben, viele dann vielleicht ihr irdisches Dasein bereits beendet haben werden. Dann erfüllt sich das Wort aus dem Psalm 126, wie es Martin Gutl übersetzt hat: Wenn er uns heimholt in sein Reich, das wird ein Fest sein.
Im Gleichnis von den zehn Jungfrauen, die auf das Kommen des Bräutigams warten, geht es vorrangig nicht um Klugheit und Torheit sondern um die Bewältigung einer Kirchenkrise zur Zeit des Evangelisten Matthäus. Klugheit beinhaltet weises Vorausschauen. Weisheit ist vonnöten, um die gegenwärtigen Krisen bewältigen zu können.
Das Gleichnis von den Brautmädchen ist sehr bekannt und regt immer wieder auf. Als gelernte Christ:innen erscheint es uns geboten, dass die klugen Mädchen ihr Öl mit den törichten teilen. Wo bleibt die Nächstenliebe? Die Stelle möchte aber etwas anderes verdeutlichen: Wir haben Verantwortung für unser Handeln, und zwar auch vorausschauend.
Das Gleichnis von den Brautmädchen wurde formuliert, als die junge Christengemeinde des Matthäus vergeblich darauf gewartet hat, dass Jesus wiederkommt. Sie hatten gehofft, dieses Wiederkommen noch zu erleben und damit die Herrschaft Gottes anbrechen zu sehen. Aber die Zeit verging und nichts geschah, Eifer und Aufmerksamkeit erlahmten. Hier möchte das Gleichnis aufzeigen, dass Klugheit nötig ist, um im richtigen Moment bereit zu sein und das Entscheidende nicht zu verpassen.
Klugheit ist anzuraten, nicht töricht zu sein. Torheit hat den Beigeschmack von Naivität und der Unfähigkeit, vorausschauend und verantwortungsvoll zu handeln. Töricht ist es, in dieser Situation in den Tag hineinzuleben und nur das Jetzt im Blick zu haben. Als klug wird die Fähigkeit bezeichnet vorauszudenken, Unwägbarkeiten einzuplanen und vorzusorgen, damit man für den entscheidenden Moment bereit und gerüstet ist. Dazu kommt noch die Fähigkeit, abschätzen zu können, was in einer konkreten Situation Sinn macht und was nicht. Wenn die Mädchen das Öl teilen, haben alle zu wenig und verpassen den Bräutigam. Zur Klugheit gehört offenbar auch, sich abzugrenzen und zu verweigern, damit das angestrebte Ziel wenigstens von einigen erreicht werden kann. Außerdem verachten die klugen Mädchen die törichten nicht und machen sogar einen Vorschlag wie sie aus der Misere kommen könnten.
Und dann ist da noch die Lesung über die Weisheit.
Die Bibel versteht unter Weisheit ein überlegtes, geschicktes, sachkundiges Verhalten zur Bewältigung der Lebensaufgaben. Weisheit wird in der Bibel weiblich gedacht und als Frau dargestellt. Sie ist eine göttliche Eigenschaft. Im Text wird betont, dass die göttliche Weisheit auf uns zu kommt, dass sie sich leicht finden lässt, dass sie uns sucht und sich zu erkennen gibt.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, warum sie dann gerade heute, wo wir weise Menschen und weise Entscheidungen so dringend brauchen, so abwesend ist. Oft hat man den Eindruck, im Ringen um Lösungen für die vielen Krisen unserer Zeit findet man von Weisheit keine Spur.
Genaues Hinhören kann uns da weiterhelfen. Die Bibel beschreibt Voraussetzungen, die es braucht, um die Weisheit zu finden. Der Text sagt, dass wer die Weisheit am frühen Morgen sucht, sie auf der Türschwelle sitzend findet.
Wie gestaltet sich aber gewöhnlich unser Morgen? Wir verlassen gehetzt und voller Eile unsere Wohnungen. Wie wollen wir da wahrnehmen, dass die Weisheit auf der Schwelle sitzt? Um sie zu sehen wäre ein bewusstes Innehalten, bevor wir die Aufgaben des Tages in Angriff nehmen, hilfreich. Früher hat man ein Kreuzzeichen mit Weihwasser gemacht, wenn man das Haus verließ, und gesagt: In Gottes Namen gehen wir‘s an.
Nachsinnen über die Weisheit, wach bleiben und horchen, sich Gedanken machen, diese Mittel werden genannt, um die Weisheit Gottes zu erfahren. Das klingt wie eine hilfreiche Anleitung, was wir tun können, um die göttliche Weisheit in heutigen Krisensituationen wirksam werden zu lassen.
Wenn wir uns also verunsichert und Orientierung suchend mit den Möglichkeiten und Vorschlägen wie man auf die diversen Krisen am besten reagieren sollte, herumschlagen, können wir uns an der Bibel orientieren.
Klug sind Maßnahmen und Verhaltensweisen, die vorausschauend sind und von Eigenverantwortung getragen werden. Klug ist es auch, vorbereitet zu sein, um die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt treffen zu können.
Wenn wir immer wieder innehalten, uns für Gottes Nähe und Hilfe öffnen, wenn wir uns Zeit zum Nachdenken nehmen und aufmerksam sind, werden wir auch spüren, dass Gottes Weisheit immer noch bei uns ist. Gott geht mit uns durch die Krisen, ist da und möchte uns seine Weisheit schenken, damit unsere Entscheidungen und Handlungen klug, und zielführend sind.
© Dorothea Schwarzbauer Haupt; Diözese Linz.
Das Gleichnis von den Jungfrauen, die auf den Bräutigam warten, weckt in vielen Hörern eine Torschlusspanik. Es mahnt uns vielmehr wachsam zu sein, dass wir nicht naiv am eigentlichen Auftrag christlichen Lebens vorbeileben. Dass der Himmel auf die Erde kommt, soll Anliegen eines jeden, sein, der oder die in den Fußspuren Jesu läuft.
Es ist mal wieder Endzeitstimmung. Nachdem sich der Sommer ja lange wirklich gut - Klimaexperten sagen zu gut - gehalten hat, kehrt nun doch der Herbst ein. Die Tage werden kürzer und dunkler, und damit wird vielerorts auch die Stimmung gedrückter. Manchmal liegt das allerdings nicht nur am Wetter: So manche persönliche Situation und noch vielmehr die derzeitige politische Großwetterlage in der Welt schlagen aus gutem Grund aufs Gemüt.
Inmitten solcher Situationen hören wir auch immer wieder lautere oder leisere Stimmen, die uns zurufen und warnen vor allen möglichen Schrecknissen, die die Welt für uns zusätzlich bereithält. Seit Corona-Zeiten sind wir vor vielem, was an Verschwörerischem auf uns zukommt, gewarnt. Aber manchmal werden wir dann doch skeptisch.
Das Evangelium hält an diesem November-Sonntag eine Geschichte parat, die der Zuhörerschaft auch eine deutliche Warnung sein will. Wir hören ein Gleichnis des Evangelisten, das vom Himmelreich erzählt. Es handelt von einem Brautgelage. Der Autor gibt uns einen Einblick, wie in orientalischen Traditionen zueinander gefunden wird: nämlich wie auf einem Basar. Es geht dabei weder um Liebe oder Sexappeal, sondern zuerst einmal um die beste Selfmarketing-Strategie. Um diese in Anwendung bringen zu können, muss eine Braut parat und hellwach sein. Hier setzt jetzt der Autor mit seiner Warnung an: Wer zu Beginn des Gelages nicht ganz vorne und wachsam mitmischt, hat schon verloren, bekommt den Bräutigam ganz sicher nicht ab. "Seid also wachsam", heißt die Kernbotschaft des Evangelisten.
Nun, der Evangelist hat eigentlich eher weniger Interesse an Brautschauen, er benutzt den Hochzeitsmarkt als Bild, Sein Anliegen ist das Himmelreich. Aber was will er seinen Leuten damit sagen? Wachsam sein fürs Himmelreich? Was soll das bedeuten?
Zur Zeit der drei frühen Evangelisten Markus, Lukas und Matthäus herrschte die Vorstellung, der Gottessohn käme bald nach seiner Auffahrt in den Himmel zum Endgericht zurück zur Erde. In einigen Metaphern wird dies dargestellt als die Vermählung des Irdischen mit dem Himmlischen. Diese drei Evangelisten - wegen ihrer ähnlichen Sicht auf das Heilsgeschehen nennt man sie auch Syn-optiker - deuten in den Evangelien immer wieder an, dass die Wiederkunft Christi durchaus noch zur Erfahrung eines damals lebenden Zeitgenossen werden könnte. Später dann, mit der Feststellung, dass sich die Rückkehr des Gottessohnes verzögert, lieferten die Evangelien dafür ebenso Erklärungen.
So ist das Gleichnis des Matthäus, das wir gehört haben, geprägt von der unsicheren Frage: Ja, wann denn? Matthäus bleibt die definitive Antwort schuldig und lässt seine Zuhörerschaft lediglich wissen: Der Termin ist eigentlich egal. Seid einfach in eurem Leben parat.
Der Gottessohn kommt zurück und bringt den Himmel auf die Erde - was werden da für Bilder in uns wach? Vielleicht erinnern Sie sich gerade an irgendwelche apokalyptischen Hollywood-Produktionen, die Sie gesehen haben, oder ähnlich geartete Literatur. Aber weit müssen wir eigentlich gar nicht schauen, bis wir auf die Idee von der Rückkehr des Gottessohnes stoßen, als konkrete Vorstellung unseres Glaubens. Jeden Sonntag etwa, wenn wir das Glaubensbekenntnis miteinander sprechen, sagen wir mit den Worten des Apostolicums: Ich glaube an Jesus Christus, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Unser Glaube ist es, dass sich nicht nur alles Irdische sondern auch unser Erlösungsgeschehen in Gott in Kreisläufen vollzieht. Dazu gehört dann auch, dass nicht nur wir Menschen uns dem Himmel entgegenentwickeln, sondern dass auch der Himmel auf die Erde kommen will. Wenn es aber auf der Erde himmlisch zu- und hergehen soll, dann müssen wir Menschen uns auch dafür starkmachen, dass dieser Himmel auf Erden seinen Platz finden kann. Dass alle Menschen auf Erden den Himmel spüren können.
Der franzöisische Theologe Alfred Loisy hat im 19. Jahrhundert geschrieben: Jesus verkündete das Reich Gottes - und gekommen ist die Kirche. Oft wird diesem Satz eine Ironie eingehaucht, die ihm aber eigentlich völlig abgeht: Unsere Gemeinschaft von Gläubigen, die Kirche, ist das hier auf Erden angebrochene und in ersten Ansätzen erfahrbare Reich Gottes. Es ist ein Vorgeschmack dessen, was Gott einmal für uns bereithält. Schlecht ist jetzt nur, wenn das hier und heute aufgrund einer unglaubwürdigen Zeugenschaft niemand merkt. Das Evangelium ruft uns auf, hier und heute den Himmel in den Blick zu nehmen und unser Handeln dafür nicht aufzuschieben. Nicht an zukünftigen Generationen liegt es, die Erde ein wenig himmlischer werden zu lassen, sondern an jedem und jeder von uns hier und heute. Wir können das weder aufschieben noch delegieren.
Das Evangelium des heutigen Sonntags scheint auf den ersten Blick Hektik zu verbreiten. Da das Himmelreich auch mit der Ewigkeit einhergeht, ist erhöhte Betriebstemperatur in unserem Glaubensleben wohl kaum angesagt. Wir haben Zeit. Aber der Evangelist lässt uns wissen: Bleibt dran. Erkennt, dass der Himmel ein Anliegen eines jeden, einer jeden ist, wer in Jesu Fußspuren läuft. Also: Zünden wir unsere Lampen an und schauen wir, was unsere Aufmerksamkeit und unser Handeln erfordert.
Das Kirchenjahr neigt sich dem Ende zu. Die Lesungstexte mahnen zu weisem Umgang mit dem Leben und der Schöpfung, zum Vorausschauen und zur Vorsorge auch in spiritueller Hinsicht.
„Den Menschen hast du in deiner Weisheit geschaffen, damit er über deine Geschöpfe herrsche.“ (Weish 9,1). Damit er über deine Geschöpfe, also auch über die Natur herrsche. Manchmal fragt man sich, wo da die Weisheit geblieben ist. Der Umgang mit der Natur und ihren Gaben weist auch auf ein bestimmtes Gottesbild hin, das hier zum Ausdruck kommt. Räuber oder Mitarbeiter in dieser Schöpfung? Da fehlt es bereits in manchen Teilen der Gesellschaft an Weitblick.
Weisheit heißt im Lateinischen sapere= schmecken, riechen, es schmeckt etwas gut, riecht gut, dazu unser mundartlicher Ausdruck „sabbern“, also auf den Geschmack kommen. Weiter gedacht in Bezug auf diese Texte: auf den Geschmack kommen für die anziehende und befreiende Botschaft des Evangeliums.
Die erste Lesung sagt auch: „Die Weisheit ist strahlend und unvergänglich… Wer sie sucht, findet sie. Sie selbst geht umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; freundlich erstrahlt sie ihnen auf allen Wegen.“ Das gilt auch für unseren Lebensweg. Es ist ein Wechselspiel von „suchen“ und „finden“. Wenn wir suchen, beanspruchen wir viele Sinne und Organe: Augen, Ohren, Hände, unser Erinnerungsvermögen. Die Weisheit „erstrahlt“. Sie kennen die Redewendung „Mir leuchtet etwas ein“. Wir entdecken etwas. Wir könnten mehr entdecken als wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, etwa die Weisheit als Gottes Stimme in uns; die ist aber leise und diskret. Weisheit hat wenig mit lexikalischem Wissen zu tun. Wir tragen ganze Lexika in unseren Smartphones herum. Was heute weitgehend fehlt, sind die „Generalisten des Wissens“ in vielen Bereichen des Lebens, die Zusammenhänge von Begebenheiten erkennen lassen. Das gilt auch für Glaubensfragen.
Die zweite Lesung weist schon darauf hin. Sie erfordert Weitblick. Wir sollen nicht in Unkenntnis über die Entschlafenen bleiben. „Wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott die Entschlafenen durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen … Tröstet einander!“ (1 Thess 4,14. 18). Theresa von Avila (spanische Mystikerin, 1515-1582) wird noch konkreter: „Gedenke, dass du nur eine Seele hast und nur einmal sterben wirst, dass du nur ein Leben hast und zwar ein kurzes und dass es nur eine und zwar ewige Glorie gibt.“ Also Weitblick auch im Hinblick auf unsere begrenzte Lebenszeit und Aspekt der Weisheit.
Damit sind wir beim Evangelium: Die Jungfrauen, also keine Kinder mehr, sondern junge Erwachsene. Erwachsenwerden und Erwachsensein heißt auch, dass das Wissen und damit verbunden Lebenszusammenhänge mit ihren Folgen wachsen oder wachsen sollten. Dadurch wird aber auch das Glaubensleben schwieriger, anspruchsvoller. Das Geschenk der Zeit soll nicht vergeudet werden durch falsche Zielsetzungen durch unnötiges Aufschieben wichtiger Dinge und Herausforderungen, die dann noch kaum zu bewältigen sind. Das gilt auch für die Kirche. Papst Franziskus will auf dieser Synode einen Problemkatalog auf den Tisch legen und dann Prioritäten setzen, beispielsweise Ökologisierung und Schöpfungstheologie, Frauen- und Geschlechterfragen. Tun und auch Nichtstun hat immer mitunter sehr unangenehme Folgen, wie wir am Beispiel der törichten Jungfrauen sehen. Diese treffen keine Vorsorge, schieben alles auf.
Dieses Gleichnis aus dem Alltag Jesu, literarisch könnte man von einer „Reich Gottes-Parabel- Jesu“ sprechen (Begriff von Otto Knoch 1926-1993, Seelsorger und Bibelwissenschaftler), gibt eine klare Zielsetzung vor: das Hochzeitsmahl ein Fest der Freude: Das ewige JETZT, zeit- und raumlos. Dazu braucht es das Öl der Freude, das bei vielen auszugehen droht, daher Vorsorge. Der Zentralgedanke ist die Mahnung angesichts der Ungewissheit im Hinblick auf das Kommen des Herrn. Der Leitgedanke ist darin das Warten trotz Verzögerungen und Enttäuschungen.
Diese Einsichten wollen uns die Texte dieses Sonntags mitgeben, dass wir trotz dichtem Alltagsprogramms auf das Kommen des Herrn nicht vergessen. Die Zeit Jesu und seine Stunde unterscheidet sich wesentlich von der Zeit des Menschen und des Kosmos. Die Stunde Jesu ist Stunde der Passion und Auferstehung, die zur Vollkommenheit, zur Verherrlichung führt. Viele Ereignisse glückliche, erfolgreiche, aber auch schmerzhafte treten plötzlich auf. Deswegen wünsche ich uns allen eine gute Vorbereitung, viel Weitblick auf die endgültige Wiederkunft Jesu.
Die Bewunderung der Weisheit Gottes hat in der biblischen Überlieferung eine lange Tradition. Jesus mahnt sie ein, wenn er durch seine Reden zur Wachsamkeit aufruft. Heute sprechen wir gerne von Achtsamkeit. Wer behutsam und achtsam mit dem Leben umgeht, begegnet der Weisheit Gottes im eigenen Erleben.
In der Tradition des Volkes Israel hat die Weisheit einen hohen Stellenwert, wie wir es schon aus den Büchern Mose und Jeremia erfahren. Weisheit steht für etwas vor allem in geistigen Belangen Hervortretendes. Es geht darum, das Wechselspiel von Ursache und Wirkung zu erkennen, wie Welt und Leben eigentlich geordnet sind und wie der Mensch sich in diese Ordnungen am besten einfügen kann. Die bis heute sprichwörtliche Weisheit des Königs Salomo galt in Israel als bewundernswertes Musterbeispiel. Den gläubigen Menschen war jedoch immer bewusst, letztendlich kommt alle Weisheit von Gott.
Erstaunlich ist, dass die biblische Weisheit meist als weiblich dargestellt wurde. Schlussendlich verwundert es dann doch nicht, denn in ihr will sich Gottes Schöpfungsplan in die Welt gebären.
Auf der Grundlage der jüdischen Bilder der Weisheit, baute sich schon für die ersten Christen die Erkenntnis auf, dass sich in Jesus die Weisheit Gottes personalisiert hat, Mensch geworden ist, dass er das göttliche Bild des Menschen erweitert.
In den Evangelien der letzten Sonntage haben wir gehört, dass Jesus immer wieder zu den Hohenpriestern und Ältesten spricht. Wir könnten uns fragen: „Was ist ihm da eingefallen?“ – Mutig tritt er auf. Er hat eine klare Botschaft, die die Engstirnigkeit der Gesetzesfrömmigkeit sprengt. In allem verkündet er, was an erster Stelle steht: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. Und, dass er nicht gekommen sei zu richten, sondern aufzurichten. Für ihn ist das die wichtigste Erkenntnis der ihm geschenkten Weisheit. Und im Rückzug und in der Rückbesinnung auf den Vater hinterfragt er sich auch immer wieder. Er schaut auf das, was er verkündet – und vor allem, er lebt danach.
Wenn Jesus das Gleichnis von den 10 Jungfrauen erzählt, dann weiß er darum, dass wir Menschen mal töricht und mal klug handeln. Keine und keiner von uns ist da ausgeschlossen. Der zentrale Punkt, zu dem Jesu auffordert: „Seid wachsam!“ Das sagt er den klugen und den törichten Jungfrauen, denn beide Gruppen sind eingeschlafen. Beide haben den entscheidenden Punkt verschlafen.
In unserer schnelllebigen Zeit geht vieles oft im Minuten-, ja Sekundentakt an uns vorüber. Viele Menschen – und da können wir uns in verschiedenen Phasen unseres Lebens nicht ausschließen - merken viel zu spät, dass sie der Schnelllebigkeit unserer Zeit nicht immer gewachsen sind. Manche führt dies in ein Burnout. Dann müssen wir die Achtsamkeit wieder lernen, zu der wir in vielen Büchern und Lernprogrammen aufgefordert werden. Sie ist eine Voraussetzung für die Wachsamkeit, bildet mit ihr eine Einheit.
Gefragt nach Menschen, die ich für weise halte, brauche ich nur in die vielen Bücher schauen, die in meinen Regalen stehen. Bücher gefüllt mit Weisheiten, an denen Menschen uns teilhaben lassen und in denen sie uns anbieten, uns ihre Weisheiten zu eigen zu machen. Und immer wieder nehme ich mir Zeit, in ihnen zu lesen und manche Erkenntnis in Ruhe in mir nachwirken zu lassen.
Als ich mich jedoch fragte, wo ich konkret einem Menschen begegnet bin, den ich als weise bezeichnen möchte, da habe ich eine ganze Zeit überlegt. Die Erkenntnis, auf die ich traf, wurde dann sehr persönlich. Denn dann dachte ich an meinen Mann, als er die Diagnose »unheilbar« bekam. Ganz bewusst hat er sich der Frage gestellt, was ihm in der Endphase seines Lebens, in der Zeit die ihm noch bleibt, wichtig sein soll, was er noch geregelt haben möchte, was er noch tun möchte. Er, der nie viel von sich erzählt hat, hat erkannt, dass diese Zeit gut gelingen kann, wenn wir miteinander reden und uns so allen Anfragen und auch Ängsten stellen, wenn wir jeden Tag so gestalten, dass wir für ihn dankbar sein können. Ich bewundere ihn bis heute, wie gut – wie weise - ihm das gelungen ist.
Am Ende bleibt uns nur das Staunen und sich Verneigen vor dem Mysterium der Weisheit Gottes, die in unser ganz persönliches Leben tritt, wenn wir dem Leben achtsam begegnen.
Beim Gleichnis von den törichten und klugen Jungfrauen springt uns zunächst die Mahnung zur Wachsamkeit ins Auge. Der gebannte Blick auf ein mögliches böses Ende lässt uns die Einladung Gottes zum großen Fest überhören. Im Trubel des Alltäglichen sollen wir nicht das große Fest vergessen, zu dem uns Gott geladen hat.
Wohl jedem von uns klang das eben gehörte Gleichnis vertraut, die Geschichte von den 5 törichten und den 5 klugen Jungfrauen gehört, so kann gesagt werden, zum Kulturgut. Sie hat viele Menschen bewegt, Künstler haben die zehn Jungfrauen an den mittelalterlichen Domen in Stein gehauen. Dichter haben sich von ihnen inspirieren lassen, Komponisten haben wunderbare Bearbeitungen dazu geschrieben. Gerade bei bekannten Texten besteht allerdings die Gefahr, nur mit halbem Ohr hinzuhören und zu überhören, was Jesus uns wirklich sagen will.
Gleich zu Beginn lohnt es sich, auf jedes Wort zu achten: Jesus sagt nicht: „es waren einmal 10 Jungfrauen“, sondern: „mit dem Himmelreich wird es sein wie mit 10 Jungfrauen“. Er blickt also nicht zurück auf Vergangenes, sondern wirft einen Blick nach vorn. Jenen, die wie die törichten Jungfrauen handeln, die sich nicht sorgfältig auf ihre Aufgabe vorbereiten, welche unzuverlässig sind und gedankenlos in den Tag hineinleben, wird es wie diesen ergehen: Sie werden nicht in den Festsaal hineingelassen, sondern müssen draußen bleiben. Die anderen, welche für das Notwendige vorsorgen, welche klug handeln, gehen mit hinein in den Festsaal.
Jesus spricht seine damaligen Zuhörer und auch uns direkt an und sagt: „Seid wachsam!“ Ihr habt die Wahl, ihr könnt töricht oder klug handeln. Seid euch aber der Konsequenzen, welche sich daraus ergeben, bewusst.
Im Gegensatz zu den Menschen in der Frühzeit des Christentums rechnen wir heute nicht mehr täglich und stündlich mit der Wiederkunft Christi. Für uns persönlich kann aber das Ende trotzdem jederzeit da sein – wie ein Dieb in der Nacht. Weiß ich denn, ob ich meine nächste Fahrt mit dem Auto überlebe? Ob mich nicht schon bald eine tödliche Krankheit befällt? Oft schlägt der Tod ganz brutal dazwischen, trifft uns völlig unvorbereitet und macht von jetzt auf gleich Hoffnungen und Lebenspläne zunichte. Und wenn ich mich heute noch aufmachen müsste zum himmlischen Hochzeitsfest, kann ich mir sicher sein, dass das Öl in meinem Gefäß lang genug reichen würde?
Aber wenn es so ist, was können wir dann tun? Sind wir in der Lage, ständig wachsam zu sein? Müssen wir jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen? Sollen wir jeden Tag mit dem Gefühl beginnen, dass es der letzte sein könnte? Ich glaube, das hält kein Mensch durch. Unser Leben stellt viele Anforderungen an uns, und denen kann niemand gerecht werden, wenn er immer nur auf das Ende sieht. Ständig mit dem Tod rechnen, das macht auf Dauer lebensuntüchtig. Ich glaube, so ist das Gleichnis auch nicht gemeint. Schließlich schlafen die klugen Jungfrauen genauso ein wie die törichten. Aber sie können auch beruhigt schlafen, sie haben ja vorgesorgt.
Welche Vorsorge können wir treffen? - Wir dürfen wissen: Gott lädt uns zu einer Hochzeit. Jenseits unseres irdischen Lebens liegt ein Fest ohne Ende. Gott und wir, endlich für immer vereint, das ist Grund genug, um zu feiern. Daneben wird jede „Traumhochzeit des Jahres“ armselig wirken. Gott will uns alle dabeihaben. Keiner soll fehlen, auch nicht einer. Wenn wir uns das vor Augen führen, ist das nicht Motivation genug, alles daransetzen, um mitfeiern zu können? Wenn uns das Fest so viel wert ist, dass wir unbedingt dabei sein wollen, sind wir dann nicht motiviert genug, alles dafür tun, was wir können?
Was bedeutet das im Blick auf das Fest in Gottes neuer Welt? Matthäus würde wohl sagen: hört auf die Worte Jesu und müht euch, den Willen seines Vaters im Himmel zu tun. Wie es gehen kann, dazu ist in seinem Evangelium einiges nachzulesen, von der Bergpredigt an. Oder in dem doppelten Liebesgebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt“ und „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Natürlich müssen wir nicht ständig ans Sterben denken oder an die Wiederkunft Christi. Aber wir sollten darüber nachdenken, was wir unseren Mitmenschen Gutes tun können und es dann auch tun. Im Sterben dann können wir unser Leben in Gottes Hände legen, auch wenn uns in Sachen Gottes- und Nächstenliebe nicht alles gelungen ist. Gott will nicht, dass wir uns zum Perfektionismus quälen, sondern dass wir tun, was dran ist, und uns dann nach getaner Arbeit an seinen gedeckten Tisch setzen. Viele sind uns dorthin schon vorangegangen, aber neben ihnen sind noch eine Menge Plätze frei. Sie reichen für uns alle.
Das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen verstört. Es hinterlässt viele offene Fragen. Es stellt uns selbst vor die Frage: Wo lässt du dein Licht leuchten?
Das Gleichnis von den 10 Jungfrauen mahnt uns zur Wachsamkeit. Wer liebt, wartet auf den Geliebten, hat Sehnsucht nach ihm. Wir sollen auf den Herrn warten, wie auf den Geliebten, die Geliebte.
In der Erzählung von den zehn Jungfrauen werden die Mädchen in törichte und kluge eingeteilt. Der Text möchte uns einladen, klug und weise zu werden.
Warten an der Bushaltestelle oder am Bahnhof kann sehr belastend sein. Wann kommt der Bus oder der Zug? Wieviel Verspätung hat er diesmal? Warten ist Oft eine lästige Herausforderung.
Bei der Segnung der Osterkerze sagt der Preister: "Dein ist die Zeit…". - Können wir das an uns geschehen lassen?
Das eigene Leben künden lassen von der Liebe Gottes in dieser Welt funktioniert nicht wie ein Waschprogramm: Man drückt den richtigen Knopf und es geht los. Nein: Es braucht vielmehr eine beständige Offenheit, Aufmerksamkeit und Sensibilität für das richtige Wort und die richtige Tat zur rechten Zeit. - Die Verkündigung heute erzählt davon.
Wir haben uns als Kirche Jesu Christi versammelt, um Gottes Wort zu hören und gemeinsam Mahl zu halten. Möge uns die Gemeinschaft mit Gott und mit den Menschen, die wie wir auf das endgültige Kommen des Reiches Gottes warten, Kraft für den Alltag geben.
Herr Jesus Christus,
in mehreren deiner Gleichnisse spielen Geduld und Warten können eine Rolle.
Kyrie, eleison.
Du hast Menschen ins Herz gesagt:
Ich warte auf dich.
Christe, eleison.
Nach manchem erfolgreichen Warten feiern wir in deinem Namen ein Fest.
Kyrie, eleison.
Jesus Christus,
du rufst uns zum Zeugnis für dich in dieser Welt.
Herr, erbarme dich.
Du zeigst uns den Moment, auf den es ankommt.
Christus, erbarme dich.
Dein Reich beginnt schon hier und jetzt.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
gesandt aus der Weisheit des Vaters.
Herr, erbarme dich.
Wachsam und aufrichtend bis du den Menschen begegnet.
Christus, erbarme dich.
Immer wieder kommst du uns liebend entgegen
und lädst uns ein zur Gemeinschaft mit dir.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
wir erwarten dein Kommen.
Herr, erbarme dich.
Wir wissen nicht, wann das sein wird.
Christus erbarme dich.
Wir wollen bereit sein.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger und barmherziger Gott,
wir sind dein Eigentum,
du hast uns in deine Hand geschrieben.
Halte von uns fern, was uns gefährdet,
und nimm weg, was uns an Seele und Leib bedrückt,
damit wir freien Herzens deinen Willen tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 32 Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
gib, dass wir die Ankunft deines Sohnes
mit großer Wachsamkeit erwarten
und unserem Erlöser und Heiland Jesus Christus
mit brennenden Lampen entgegengehen.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 2. Freitag im Advent
Barmherziger Gott,
was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,
das hast du denen bereitet, die dich lieben.
Gib uns ein Herz,
das dich in allem und über alles liebt,
damit wir den Reichtum deiner Verheißungen erlangen,
der alles übersteigt, was wir ersehnen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du Grund unserer Hoffnung.
Wir haben uns versammelt
und feiern deine Gegenwart.
Halte uns wach in der Erwartung deines Sohnes,
damit wir ihm entgegengehen, wenn er kommt:
Jesus Christus, unser Herr,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und herrscht in Ewigkeit.
WB 32. Sonntag im Jahreskreis A
Herr, unser Gott,
wir sind Wartende.
Du wartest darauf, dass wir zu dir kommen
in Hoffnung und Vertrauen.
Wir warten auf deine Zeichen in unserem Alltag.
Nun sind wir im Gottesdienst bei dir
und hören „Worte des lebendigen Gottes“.
Lass es Begegnung werden, der noch viele Begegnungen folgen.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Du, o Gott, hast uns den Himmel versprochen,
der hier auf Erden seinen Anfang nehmen soll.
In der Gemeinschaft der Kirche
sollen wir einen Vorgeschmack dessen leben,
was du verheißen hast.
Lass uns wachsam und aufmerksam sein für das,
was dazu notwendig und durch uns machbar ist.
Schenke uns den Mut, die Dinge anzupacken.
Lass uns voll Freude und Tatkraft reden und handeln.
So bitten wir dich, guter Gott,
durch deinen Sohn Jesus Christus, der uns gerufen hat,
im Heiligen Geist, dessen Feuer ins uns brennt,
von heute bis in alle Ewigkeit. – Amen.
Gott,
du lädst uns ein, deine Schöpfungsweisheit zu erkennen.
Du willst unser Licht sein, das unsere Wege erhellt,
damit wir eine Hoffnung haben für ein Leben hier und bis in deine Unendlichkeit.
Lass uns nun offen und still werden,
damit alles, was du uns aus deiner Weisheit offenbarst,
in uns wirken kann und sich spiegelt durch unser Leben.
Das erbitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Darum bitten wir dich für Menschen, die schon lange gewartet haben:
Erfülle alle Sehnsucht.
Sei bei den Menschen, die auf einen dringenden Arzttermin warten.
Sei bei Flüchtenden, die noch keinen sicheren Ort gefunden haben.
Sei bei den jungen Paaren, die ihre Hochzeit vorbereiten.
Sei an der Seite derer, die ratlos sind.
Sei bei den Menschen, die Schritte des Friedens suchen und gehen wollen.
Sei bei den Sterbenden, die auf ihren Tod warten.
Wer dir vertraut, soll deine Antwort und Hilfe spüren.
Darauf vertrauen wir. - Amen.
Jesus Christus,
ohne dich vermögen wir nichts. Dein Geist ist es, der uns antreibt.
So rufen wir zu dir und bitten dich:
Statt den Himmel erleben Menschen die Hölle von Krieg, Morden und Vertreibung; in der Ukraine, im Gaza-Streifen, in Israel und an so vielen anderen Orten in der Welt.
Dein Geist bewege die Herzen der Menschen zu Friede und Gerechtigkeit.
Die Zusammenkunft 2023 der Weltsynode ist vorbei. Viele Fragen bleiben vorerst noch ungeklärt.
Dein Geist schenke die Kraft, Ungeduld, Resignation und sinkendem Mut noch hoffnungsvoll begegnen zu können.
Deine Nachfolgegemeinschaft, die Kirche, kämpft in der Gesellschaft um ihre Glaubwürdigkeit.
Dein Geist lasse die Christen und Christinnen überzeugende Beispiele einer gelebten Heilsbotschaft in unserer Welt sein.
In diesen Tagen, die geprägt sind von weniger Licht und dem Verfall der Natur, ist es auch in vielen Herzen dunkel.
Dein Geist lasse allen, die unter Ängsten und Schwermut leiden, ein Licht der Hoffnung aufgehen.
Menschen haben ihren Lebensweg vollendet und sind nun bei dir im Himmel.
Schenke unseren Verstorbenen einen Platz in deinem Reich und lass sie deine endlose Güte und Freude erfahren.
"So preise ich dich in meinem Leben, in deinem Namen erhebe ich meine Hände". - Wie der Beter dieses Psalms wissen wir uns geborgen im Schatten deiner Flügel. Dafür sagen wir dir Dank; heute, alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. – Amen.
Es wäre weise vorausschauend und nachhaltig agieren zu können.
Weil uns das aber nicht immer gelingt, bitten wir dich, guter Gott, um deinen Beistand:
Für alle in deiner Kirche, die in der Verkündigung der Frohbotschaft Hoffnung, Zuversicht und Trost vermitteln.
Für alle, die von Sorgen und Nöten der Kriege um uns herum, der Zerstörung der Umwelt oder den ungünstigen eigenen Lebensbedingungen bedrückt sind.
Für alle Ungeduldigen, die den rechten Zeitpunkt für ihr Handeln nicht erwarten können, und für die Unentschlossenen, die dabei die passende Gelegenheit im Leben versäumen.
Für alle, die sich um Weisheit und Wahrhaftigkeit bemühen und dabei bewusst oder unbewusst dich suchen.
Für alle Lebenden und Verstorbenen, die im Glauben an die Auferstehung Trost und Hoffnung finden.
Denn, allmächtiger Gott, in Jesus Christus ist deine Weisheit unter uns erschienen. Durch ihn schenkst du uns Orientierung jetzt und einst die Vollendung in dir.
Dafür sei dir gedankt bis in alle Ewigkeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
Du hast Dein Wiederkommen in Herrlichkeit versprochen. Wir wissen nicht, wann es sein wird, aber wir glauben daran und bitten Dich:
Wir bitten für die die vielen Todesopfer der gegenwärtigen Kriege und Katastrophen und für alle Verstorbenen, die uns nahestanden.
Lass sie mit dir zu Tisch sitzen in deinem Reich.
Wir bitten für uns selbst, die wir um Verstorbene trauern.
Lass uns lernen, mit Trauer zu leben, und mach uns dankba, sie bei uns gehabt zu haben.
Wir bitten für alle die Menschen, die unbeachtet von der Gesellschaft verstorbenen sind und derer niemand gedenkt.
Du, der du ihre Namen kennst, nimm auch sie auf in Dein Reich.
Wir bitten für alle Menschen, die in Israel und der Ukraine und auch an anderen Orten dieser Welt in sinnlosen Kriegen sterben müssen.
Lass sie bei dir Geborgenheit finden.
Wir bitten für alle Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Terror, Hunger und Perspektivlosigkeit in den Wüsten dieser Welt verdursten, in den Meeren ertrinken oder auf andere Weise zu Tode kommen.
Lass sie unvergessen bleiben in den Herzen ihrer Liebsten.
Wir bitten für alle Menschen, die dem Tod entgegengehen.
Stärke sie auf ihrem Weg zu dir.
Guter Gott,
du bist ein Gott der Lebenden und auch der Toten. Wir glauben an eine Zukunft bei Dir. Wir hoffen, dass wir die, die uns in unserem Leben wichtig waren, einst bei Dir wiedersehen werden.
Dafür danken wir dir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Zu Gott, unserem Vater im Himmel,
beten wir voller Vertrauen:
Stärke unseren Glauben an die Wiederkunft Christ
und an ein glückliches Leben in deinem Reich.
Herr des Lebens, wir bitten dich, erhöre uns!
Belebe deine Kirche und bewahre sie vor Lähmung.
Herr des Lebens…
Stärke die Christen, die sich der Verkündigung des Glaubens widmen.
Herr des Lebens…
Lass uns wachsam bleiben
und im Alltag nicht vergessen, welche Zukunft du uns verheißen hast.
Herr des Lebens…
Nimm unsere Verstorbenen auf in dein Reich
und tröste die Hinterbliebenen.
Herr des Lebens…
Gott, du Spender allen Lebens,
gemeinsam mit allen Erlösten preisen wir dich mit deinem Sohn und dem Heiligen Geist
jetzt und alle Zeit. – Amen.
Gerade jetzt wird uns allen die Verletzlichkeit und Begrenztheit alles Lebens bewusst.
Lasst uns miteinander und für einander beten:
Wir beten mit allen, die sich im Glauben an dich nicht von ihren Lebensängsten erdrücken lassen, die Hoffnung und Zuversicht verbreiten.
Wir beten mit allen, die sich in den Dienst des Wohls der Gesellschaft stellen:
für die Wissenschaftler, die Politiker, die Ärzte und das Pflegepersonal, für alle, die dafür sorgen, dass wir unsere täglichen Bedürfnisse stillen können.
Wir beten mit allen, die an Covid-19 erkrankt sind, die angstvoll auf ihr Testergebnis warten, die befürchten, durch ihr Verhalten andere gefährdet zu haben.
Wir beten mit allen, die danach verlangen, dir in deiner Weisheit und deinem Wirken in ihrem persönlichen Leben zu begegnen.
Wir beten mit allen, die trauern, die am Verlust eines lieben Menschen leiden, die einsam sterben müssen und für unsere Verstorbenen.
Denn deine Weisheit erstrahlt in der Schöpfung.
Auf dich hin ist alles angelegt.
Dir gilt unser Lobpreis jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Gott, unser Vater,
nimm unsere Opfergaben gnädig an
und gib, dass wir mit gläubigem Herzen
das Leidensgeheimnis deines Sohnes feiern,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 32. Sonntag im Jahreskreis
MB Mittwoch in der Karwoche
Allmächtiger Gott,
alles, was wir haben, kommt von dir.
Nimm die Gaben an, die wir darbringen.
Mache sie für uns in diesem Leben
zum Sakrament der Erlösung
und rufe uns an deinen Tisch im kommenden Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Adventsonntag
Die Gaben sind gerichtet, Gott.
Es sind Gaben deiner Schöpfung.
Wir sollen und wollen diese Gaben empfangen.
Schenke ihnen deinen Geist,
damit wir deinen Sohn empfangen,
den du zu uns gesandt hast. - Amen.
Barmherziger Gott,
unsere Versammlung hier am Altar,
den wir mit deinen Gaben gedeckt haben,
ist ein Vorgeschmack des himmlischen Hochzeitsmahls,
das du uns verheißen hast.
Erfülle diese Gaben mit deinem Segen
und mach sie zur Gegenwart deines Sohnes.
So bitten wir durch ihn,
Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Kehrvers:
Jubelt, ihr Lande, dem Herrn;
alle Enden der Erde schauen Gottes Heil.
(GL 55,1)
Großer, erhabener Gott,
dir gebührt unser Lobpreis und Dank.
Deine Weisheit hat Klein und Groß erschaffen
und trägt gleiche Sorge für alle.
Über sie nachzusinnen ist vollkommene Klugheit
und wer sie sucht, findet sie.
Kehrvers
Dereinst wirst du deine Schöpfung vollenden
und alle heimholen, die in deiner Gnade stehen,
wenn Christus kommt und die Toten zu neuem Leben erweckt.
Dann wirst du unsere Hoffnung erfüllen
und alle, die mit Christus gestorben sind,
zur Auferstehung und zur Herrlichkeit führen.
Kehrvers
Wenn er zur Stunde kommt, die niemand kennt,
wird er allen, die ihn wach und bereit erwarten, die Tür öffnen
und am himmlischen Hochzeitsmahl teilhaben lassen.
In Erwartung dieses Tages
stimmen wir ein in den Lobpreis der ganzen Schöpfung und singen:
Danklied, z.B.: Lass uns. Loben, freudig loben. (GL 489:)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn in dir leben wir,
in dir bewegen wir uns und sind wir.
Jeden Tag erfahren wir aufs neue
das Wirken deiner Güte.
Schon in diesem Leben
besitzen wir den Heiligen Geist,
das Unterpfand ewiger Herrlichkeit.
Durch ihn hast du Jesus auferweckt von den Toten
und uns die sichere Hoffnung gegeben,
daß sich an uns das österliche Geheimnis vollendet.
Darum preisen wir dich
mit allen Chören der Engel und
singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 6
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
In dankbarer Liebe
gedenken wir seines Todes,
bekennen seine Auferstehung
in lebendigem Glauben und erwarten
voll Hoffnung und Zuversicht
sein Kommen in Herrlichkeit.
Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen
mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 5
Wir können beim Gebet des Herrn bei jeder Bitte innerlich ergänzen: "Denn wir warten darauf":
Vater Unser im Himmel…
Spätestens im Himmelreich werden wir wissen, wie der Vater ist.
Schon jetzt können wir zu ihm rufen:
Vater unser...
Herr Jesus,
wenn wir uns bei den Worten des Evangeliums fragen,
ob wir auf deinen Wegen sind,
kann die Kraft deines Friedens uns Sicherheit geben.
Sie kann uns auch neu auf deine Spur bringen.
Darum bitten wir:
Schaue nicht auf unsere Sünde...
Auch wir möchten rufen:
mach uns auf, Herr
die Tür zu deinem Herzen
mach auf
die Tür zu deinem Reich
Du hast die Tür längst aufgemacht
du wartest auf unser Kommen
wir möchten sagen können
ja, Herr wir kommen
wir sind bereit
wir wollen nicht mehr schlafend dahinleben
sondern uns auf den Weg machen
deine Wahrheit
und deine Liebe zu verkünden
durch unser Leben
Wir wollen uns aufmachen
und das tun
was du uns aufträgst
wir wollen uns aufmachen
für dich, unser Gott
Wir danken dir, gütiger Gott,
für die heilige Gabe,
in der wir die Kraft von oben empfangen.
Erhalte uns in deinem Geist
und lass uns dir stets aufrichtig dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 32. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
stärke uns durch die Kraft deines Sakramentes.
Laß uns durch deine Gnade reich werden an guten Werken
und bei der Wiederkunft deines Sohnes
den verheißenen Lohn empfangen: die ewige Freude.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Advent 22. Dezember
Herr, unser Gott,
du bist bei deinem Volk eingekehrt
und hast durch die heiligen Geheimnisse
in uns Wohnung genommen.
Bleibe uns nahe und wache über uns,
damit wir die Heilsgabe bewahren,
die uns durch dein Erbarmen zuteil geworden ist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Montag in der Karwoche
Gott, die klugen Jungfrauen
wurden in den Festsaal gelassen
und waren Gast am Tisch.
Auch wir waren in dieser Stunde
Gast bei dir als Hörende und Empfangende.
Dafür danken wir dir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Gütiger Gott
du hast uns gestärkt mit deinem Wort vom Heil
und dem Sakrament des Lebens.
Mach unsere Herzen weit und unsere Augen hell,
dass wir wach und aufmerksam bleiben
und immer besser erkennen können,
wie wir mitten in dieser Welt
schon jetzt an deinem Reich bauen können.
So bitten wir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Herr, unser Gott,
in Tagen und Nächten,
in Helligkeit und Dunkelheit,
in Ängsten und Glücksmomenten
willst du an unserer Seite sein.
Lass uns wachsam sein für dich und unsere Nächsten,
damit unser Leben hier auf Erden nach deinem Willen gelingt.
Stärke unser Vertrauen,
dass durch deine Liebe alles überwunden werden kann,
selbst der Tod.
Darum bitten wir dich durch Jesus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Gottes Segen sei bei euch,
wenn ihr zu Menschen geht, die auf euch warten. - Amen.
Gottes Segen sei bei euch,
wenn ihr Worte sucht, die im Warten hilfreich sind. – Amen.
Gottes Segen sei bei euch,
wenn ihr lebendig bleibt für sein Wirken im Alltag. – Amen.
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes sei bei euch. - Amen.
Voll sind wir von Wissen
voll von Zugängen zu allem Wissenswerten
wie nie eine Generation vor uns
mobile Daten
wo wir gehen und stehen
Zugang zu allem Wissen
und Halbwissen
zu Meinungen und Parolen
überschallt
überfordert
überrollt
hasten wir durch alles hindurch
hasten mit dem Handy in der Hand
um ja nichts zu verpassen
von all dem
wir hasten und rennen
und verpennen
was Weisheit des Lebens ist
wir erfassen sie nicht
ohne die Liebe zu ihr
ohne Nachdenken
ohne Rückzug in die Stille
ohne zu erkennen
wie vergänglich alles bleibt
wenn wir uns nur drehen
um das
was gerade noch galt
und kurz drauf
schon überholt und vergangen ist
ein vermeintlicher Reichtum
der zur Armut wird
ja – zur Gefahr
wenn sich nicht Wissen
zur Weisheit entwickeln kann
Mensch –
halte an -
damit
der Reichtum der Weisheit
in dir reifen kann
Die ersten Christen wurden irgendwann unruhig. Menschen starben, und niemand wusste so genau, was mit ihnen geschieht, da sie ja bei der Wiederkunft des Herrn bereits nicht mehr dabei sein würden. Auch Paulus ging wohl davon aus, dass Jesus Christus zeitnah wiederkommen und die Menschen erlösen würde. Er aber war aber sicher, dass die Verstorbenen als Erste mit ihm auferstehen würden. So tröstete er die Hinterbliebenen damals mit der Hoffnung auf Auferstehung.
Heute, 2000 Jahre später, wissen wir, dass sich die ersten Christen und mit ihnen auch Paulus mit dieser Naherwartung geirrt haben. Auf die Auferstehung der Toten dürfen wir hoffen. Wie es sein wird, und wann es sein wird, das weiß niemand.
Das Gleichnis von den Jungfrauen, die auf den Bräutigam warten sagt uns dazu: Wir müssen bereit sein; immer. Wir sollen die Nachfolge nicht auf morgen verschieben oder auf eine Zeit, wann es uns besser passt. Wir sollen bereit sein; jetzt. Auch wenn es schwerfällt. Auch wenn wir vielleicht noch keinen Gedanken an unser eigenes Sterben zulassen. Jetzt ist die Zeit. Das Heute macht den Unterschied.
Am auffälligsten unterscheiden sich die Leute darin,
dass die Törichten immer wieder dieselben Dummheiten machen,
die Gescheiten immer wieder neue.
Aus: Karl Heinrich Waggerl "Aphorismen", 2003 Otto Müller Verlag, Salzburg, Wien.
Wir sind nicht gefangen
im Grab unserer Ängste,
nicht festgenagelt
an das Kreuz unseres Versagens,
nicht gelähmt
von den Sorgen um unsere Zukunft,
denn
Gott führt uns
aus dem Dunkel ins Licht,
aus der Ohnmacht zu neuer Kraft,
aus dem Tod ins Leben.
Vera-Sabine Winkler auf www.krippenweg.de
Lebendiger Gott
Gib Frieden
uns und allen Toten
Gib Ruhe
uns und allen Toten
Gib Leben
uns und allen Toten
Was du den Toten gibst
gib uns
Was du uns gibst
gib allen Toten
Damit wir eine Gemeinschaft sind
die Toten
seit Anfang der Welt
und wir
die jetzt leben
Am Samstag, den 21. Februar 2026 feierten wir das 30-jährige Bestehen des Predigtforums.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Schneller am Ziel
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Die Lesung ist dem Buch der Weisheit entnommen. Weisheitssammlungen hatten im Orient eine weite Verbreitung. Das Buch der Weisheit wurde erst seit dem 2. Jahrhundert zum biblischen Kanon dazugezählt.
Die Weisheit hat einen göttlichen Ursprung und wird personifiziert. Dadurch kann sie alle Eigenschaften annehmen, die zur Unterweisung und Ermutigung der Menschen nötig sind. Denn sie befasst sich mit den großen Themen der Menschheit.
Es handelt sich hier um die Sehnsucht der Weisheit, mit dem Menschen die Welt zu gestalten - vielleicht ein Bild für den Wunsch, göttliches Tun im Alltag zu erkennen.
Der Verfasser versucht, den "königlichen Adressaten" (siehe Vers 6,1) die Weisheit als erstrebenswertes Gut nahe zu bringen. Einerseits wird die Weisheit dargestellt als etwas, das jeder - am besten getrieben aus Liebe zur Weisheit - suchen muss.
Weisheit ist für uns oft mit anstrengendem Lernen und mit mühevoller Auseinandersetzung mit unseren Lebenserfahrungen verbunden. Doch dieser Text will uns eines anderen belehren: Wer sich auf die Weisheit, auf das Nachsinnen einlässt, der braucht keine Mühe zu fürchten. Denn sie kommt dem Menschen entgegen, um sich entdecken zu lassen. Nicht erst in den großen Gedankengebilden der Menschen steckt sie, sie ist bereits in den kleinen Dingen vor der Türe zu finden.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz