Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Íjob.
Íjob ergriff das Wort
und sprach:
Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde?
Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners?
Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt,
wie ein Tagelöhner, der auf seinen Lohn wartet.
So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe
und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu.
Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn?
Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert.
Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage,
sie gehen zu Ende, ohne Hoffnung.
Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist!
Nie mehr schaut mein Auge Glück.
Lesung aus dem Buch Íjob.
Íjob ergriff das Wort
und sprach:
Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde?
Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners?
Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt,
wie ein Tagelöhner, der auf seinen Lohn wartet.
So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe
und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu.
Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn?
Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert.
Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf,
meine Haut schrumpft und eitert.
Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage,
sie gehen zu Ende, ohne Hoffnung.
Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist!
Nie mehr schaut mein Auge Glück.
Kv: Lobet den Herrn;
er heilt die gebrochenen Herzen. - Kv
(oder: Halleluja.)
oder: GL 77,1
Ja, gut ist es, unserem Gott zu singen und zu spielen, *
ja, schön und geziemend ist Lobgesang.
Der HERR baut Jerusalem auf, *
er sammelt die Versprengten Israels. - Kv
Er heilt, die gebrochenen Herzens sind, *
er verbindet ihre Wunden.
Er bestimmt die Zahl der Sterne *
und ruft sie alle mit Namen. - Kv
Groß ist unser Herr und gewaltig an Kraft, *
seine Einsicht ist ohne Grenzen.
Der HERR hilft auf den Gebeugten, *
er drückt die Frevler zu Boden. - KV
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Wenn ich das Evangelium verkünde,
gebührt mir deswegen kein Ruhm;
denn ein Zwang liegt auf mir.
Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!
Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn.
Wenn es mir aber nicht freisteht,
so ist es ein Dienst, der mir anvertraut wurde.
Was ist nun mein Lohn?
Dass ich unentgeltlich verkünde
und so das Evangelium bringe
und keinen Gebrauch von meinem Anrecht
aus dem Evangelium mache.
Obwohl ich also von niemandem abhängig bin,
habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht,
um möglichst viele zu gewinnen.
Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden,
um die Schwachen zu gewinnen.
Allen bin ich alles geworden,
um auf jeden Fall einige zu retten.
Alles aber tue ich um des Evangeliums willen,
um an seiner Verheißung teilzuhaben.
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Wenn ich das Evangelium verkünde,
gebührt mir deswegen kein Ruhm;
denn ein Zwang liegt auf mir.
Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!
Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn.
Wenn es mir aber nicht freisteht,
so ist es ein Dienst, der mir anvertraut wurde.
Was ist nun mein Lohn?
Dass ich unentgeltlich verkünde
und so das Evangelium bringe
und keinen Gebrauch von meinem Anrecht
aus dem Evangelium mache.
Obwohl ich also von niemandem abhängig bin,
habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht,
um möglichst viele zu gewinnen.
Den Juden bin ich ein Jude geworden,
um Juden zu gewinnen;
denen, die unter dem Gesetz stehen,
bin ich, obgleich ich nicht unter dem Gesetz stehe,
einer unter dem Gesetz geworden,
um die zu gewinnen, die unter dem Gesetz stehen.
Den Gesetzlosen bin ich sozusagen ein Gesetzloser geworden
- nicht als ein Gesetzloser vor Gott,
sondern gebunden an das Gesetz Christi - ,
um die Gesetzlosen zu gewinnen.
Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden,
um die Schwachen zu gewinnen.
Allen bin ich alles geworden,
um auf jeden Fall einige zu retten.
Alles aber tue ich um des Evangeliums willen,
um an seiner Verheißung teilzuhaben.
Halleluja. Halleluja.
Christus hat unsere Leiden auf sich genommen,
unsere Krankheiten hat er getragen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes
in das Haus des Simon und Andreas.
Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett.
Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie
und er ging zu ihr,
fasste sie an der Hand und richtete sie auf.
Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen.
Am Abend, als die Sonne untergegangen war,
brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.
Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt
und er heilte viele,
die an allen möglichen Krankheiten litten,
und trieb viele Dämonen aus.
Und er verbot den Dämonen zu sagen,
dass sie wussten, wer er war.
In aller Frühe, als es noch dunkel war,
stand er auf und ging an einen einsamen Ort,
um zu beten.
Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
und als sie ihn fanden,
sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.
Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen,
in die benachbarten Dörfer,
damit ich auch dort verkünde;
denn dazu bin ich gekommen.
Und er zog durch ganz Galiläa,
verkündete in ihren Synagogen
und trieb die Dämonen aus.
Nach dem Beseitigung des Täufers beginnt Jesus das Reich Gottes zu verkünden; in Wort und Tat. Seine erste Tat, sein erstes Zeichen, das er setzt, ist die Heilung der Schiegermutter des Petrus. So programmatisch beginnt Markus sein Evangelium.
Markus, erster Evangelist, beginnt die Geschichte Jesu so: „Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“. Dann erzählt er von Jesu Taufe und Versuchung, alles knapp und kurz, um geschwind auf die Ansage Jesu zu kommen: „Die Zeit ist erfüllt, und das Himmelreich Gottes ist herbeigekommen. Denkt um und glaubt an das Evangelium“. Erfüllte Zeit! Himmelreich Gottes! Umkehr! Neuanfang! Was für große Worte in wenigen Sätzen. Sie platzen förmlich aus allen Nähten.
Jesus geht in das Haus von Andreas und Simon. Jakobus und Johannes sind dabei. Übrigens: die ersten Jünger Jesu. Von Beruf: Fischer. Dass sie aus Galiläa sind, wird eigens vermerkt, ist aber eher ein Makel. Aus Galiläa kann nichts Gutes kommen – sagen die Leute. Hier besonders die Frommen, die für ihre kleine Welt immer schon Grenzen zu ziehen verstanden. Da gehen die Geschichten noch lange nicht aus! Versprochen!
Später wird Simon „Petrus“ genannt werden, Fels. Noch später wird er dann auch noch als erster Papst in der römischen Bischofsliste auftauchen. Aber so viele Geschichten auf einmal …
Jetzt ist erst einmal die Schwiegermutter Simons krank. Mit Fieber liegt sie danieder. Jesus wird an ihr Bett geführt. Sofort. Jesus fasst sie bei der Hand, zieht sie hoch – und das Fieber ist weg. Der Nachsatz ist interessant: „und sie diente ihnen“. Böse Zungen haben immer schon behauptet, dass Frauen nicht krank sein dürfen. Wenn Jesus schon in ihrem Haus ist, dann soll er, nein, dann sollen sie alle, „bedient werden“. Die Kochkünste von Simon sind nicht bekannt – die der anderen auch nicht. Zur Ehrenrettung der Gesellschaft: es sind auch keine Erwartungen formuliert. Schade, dass die Schwiegermutter ohne Namen bleibt. Immerhin ist sie die erste, die von Jesus geheilt wird! Das freilich darf auch gefeiert werden!
Es ist eine kleine Szene. Warum nur hält sich Markus, der Evangelist, an ihr auf? Überhaupt: Die Frauen der Jünger sind allesamt verschwunden, während die Jünger zu Säulen der Kirche wurden und heute noch auf ihren Sockeln stehen. Zwei Meter über unseren Köpfen. Manchmal noch höher.
Es ist eine sehr menschliche, zärtliche Szene: „Da trat er zu ihr, fasste sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie, und sie diente ihnen.“ Markus erzählt, obwohl er wenig sagt, dann doch sehr viel: Jesus wendet sich dieser Frau zu, nimmt sie an die Hand und richtet sie auf. Es ist ein Dreiklang, der es in sich hat. So kann ein Mensch tatsächlich gesund werden!
Der Versuchung, als großer Heiler oder Gesundbeter in die Geschichte einzugehen, hat Jesus sich entzogen. Er geht an eine einsame Stätte und betet, fern ab von dem Getümmel, fern ab auch von Erwartungen, die an ihn herangetragen werden und, Verzeihung, zu Enttäuschungen führen. Jesus will weiterziehen, um – zu predigen! Dazu bin ich gekommen, sagt er. Das Königreich Gottes kommt herbei! Denkt um! Glaubt an das Evangelium!
Was aber heißt predigen? Ganz einfach: böse Geister zu vertreiben. Sie bemächtigen sich der Menschen, nehmen ihn gefangen, reißen ihn hin und her, lassen ihm keine Ruhe. Böse Geister machen Angst. Böse Geister lassen keine Hoffnungen zu. Böse Geister versauen Beziehungen und Träume. Böse Geister verstecken sich. Niemand hat sie gesehen, wenn man fragt. Dann lachen sie. Über die dummen Menschen.
Jesus predigt von der Freiheit, der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes!
Aber was hat die Schwiegermutter des Petrus mit all dem zu schaffen? Sie hat doch nur Fieber. Seit wann – ich weiß es nicht. Wie hoch – auch das weiß ich nicht. Aber Fieber steht für etwas: ein Mensch friert, glüht, ist nicht mehr „ganz“ da. Er muss sich zurücknehmen und zurückziehen. Er fühlt sich schlapp und müde, abgekämpft. Fieber kann in Schüben kommen. Fieber kann sogar tödlich enden. Nur Fieber? Nur Fieber gibt es nicht. Es ist etwas nicht in Ordnung in einem Körper. In einem Menschen. Auch im übertragenen Sinn. Fieber meldet etwas – und erzwingt Aufmerksamkeit. Während die Hitze brennt. So umschreibt das griechische Wort, was wir als Fieber kennen. Väter und Mütter wachen am Bett ihres Kindes.
In der biblischen Sprache hat Fieber durchaus auch mit „bösen Geistern“ zu tun. Mit Ängsten und Sorgen, aber auch mit den Untiefen menschlichen Handels und Verschweigens. Umgangssprachlich ist das bis heute so geblieben. „Fieberwahn“ kann nicht gemessen werden - er macht aber eine ganze Gesellschaft krank und hinfällig. Fieberthermometer? Die Skala reicht nicht. Hitzköpfe taumeln durch die Welt, spielen aber die Unbesiegbaren und Größenwahnsinnigen. „Fiebrig“ und „fahrig“ ist so manches, was gedacht und gemacht, gemeint und verschwiegen wird. Vielleicht müssen Menschen in das Fieber flüchten, um sich zu spüren?
Eine Berliner Doktorarbeit hat sich des Fiebers sogar in der Literatur angenommen. Fieber ist eben auch eine krisenhafte Erscheinung, die durch Romane geht – oder zittert. Schüttelfrost!
Im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (1927–1942) gibt es die Definition, Fieber sei ein Heilvorgang, „der sich »austoben«“ müsse, es sei Ausdruck einer »wilden Bewegung« , es werde „von Dämonen geschickt oder habe selbst ein unheimliches Eigenleben“
(Leonie Achtnich, Literatur im Fieber, Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2020, S. 8)
Und Jesus predigt! Von einer neuen Welt, von einer neuen Hoffnung, von neuen Anfängen. Jesus zeigt, wie das ist mit dem Reich Gottes, wie das ist im Königreich Gottes: hingehen, anfassen, aufrichten. Dass die Schwiegermutter jetzt ihre Gäste „bedienen“ kann, ist dann auch ein Zeichen dafür, dass sie wieder leben kann. Aufrecht. Klar. Gesund. Dass auch die historisch gewachsenen Rollenbilder „fiebrig“ sind, können wir ruhig zugeben.
Wenn ein Mensch wieder gesund wird, steht er auf.
Wenn ein Mensch wieder leben kann, wird er von den eigenen Füßen getragen.
Wenn ein Mensch wieder glauben kann, wachsen seinem Herzen Flügel.
Das ist ein Gefühl! Das ist ein Glück! Das ist – himmlisch.
Wir haben Ijob’s Worte gehört, vorhin, in der ersten Lesung:
„Lege ich mich nieder, sage ich:
Wann darf ich aufstehn?
Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast,
bis es dämmert.
Schneller als das Weberschiffchen
eilen meine Tage,
sie gehen zu Ende,
ohne Hoffnung.“
Ijob hat schon vielen Menschen Worte geliehen, wenn es ihnen nicht gut ging. Wenn sie am Leben zu zerbrechen drohten. Wenn Gott verschwunden war. Es ist eine Klage: ich habe keine Hoffnung. Das darf ein Mensch auch sagen. Oder beten. Es ist nicht gottlos, unchristlich auch nicht. Es gibt Situationen, in denen ein Mensch nicht anders fühlen und denken kann.
Im Haus von Simon – wir waren heute dort -, hat Jesus das Evangelium in eine Begegnung verwandelt: Er geht zu der Schwiegermutter, ohne Angst vor Ansteckung, fasst sie an die Hand und richtet sie auf.
Ich kann auch gehen.
Ich kann auch anfassen.
Ich kann auch aufrichten.
Erfüllte Zeit! Königreich Gottes! Umkehr! Neuanfang! Was für große Worte in wenigen Sätzen. Sie platzen förmlich aus allen Nähten
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Den Spuren Jesu folgen, kann auch heißen, dass wir heilend aufeinander wirken, wie Jesus heilend auf die Menschen zugegangen ist. Die Schritte "heilen - anfassen - aufrichten - Dämonen austreiben - beten/Kraft tanken – verkünden" möchten dies Kindern nahebringen.
Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!
Manchmal gibt es sogar Schnee in unserer Gegend, so wie Anfang Dezember. Das ist selten in unserer Höhenlage. Vielleicht seid ihr Kinder und Eltern durch den Schnee gegangen, einer Spur nach, im Gänsemarsch? Mir gefällt das, Tierspuren zu bestimmen oder Schuhabdrücke zu entdecken. Und es lässt mich an einen Lieblingsausdruck von mir denken (den hab ich aber nicht selber erfunden): „in der Spur Jesu gehen“.
Wie diese Spuren Jesu aussehen, haben wir gerade im Matthäus-Evangelium gehört: Heilen - anfassen - aufrichten - Dämonen austreiben - beten/Kraft tanken – verkünden. Das passt heute sehr gut zu diesem Gottesdienst, zu dem Sie als Eltern und Kinder ja besonders eingeladen sind - weil Sie einiges von dem, was da genannt wird, in Ihrem Alltag als Familie immer wieder tun.
Dazu tragen wir bei, wenn wir trösten, Wunden blasen und mit einem Pflaster zudecken, Tee bereiten, Salben auftragen, zum Arzt gehen, für Ruhe sorgen, Mut zusprechen, dass es wieder gut werden wird. Das alles hat einen großen Anteil am Heil-werden-können, wenn Kinder, wenn Menschen krank sind. Für einen einsamen Menschen ohne Zuwendung und Erfahrung von „Care“, Sorge, ist es sehr mühsam, gesund zu werden.
Diese Form der menschlichen Zuwendung war in der Pandemie in Verruf - oder eben nur im Familienkreis gut angesehen. Aber Berührungen sind lebensnotwendig, für alle Menschen, insbesondere für Kinder im Aufwachsen. Sie stellen Nähe und Verbindung her, nehmen uns in unserer Körperlichkeit wahr. Berühren Sie einander, soweit es der/die andere will, bitte! (Zumindest mit einem netten Wort oder Anruf).
Nach dem Hinfallen oder Krank-sein, in Mutlosigkeit und Ausweglosigkeit. Körperlich - wie man Kindern die Hand reicht, oder mit dem Hinweis darauf, was dein Vermögen, dein Potential, dein Talent und deine Kraft ist. Wir brauchen Menschen, die uns was zutrauen, die sagen „du schaffst das schon!“, besonders in Momenten, wo wir selber nicht an unsere eigene Power glauben können.
Geister, die unserem Leben schaden. Momentan sehe ich da die Dämonen der Schwermut, Antriebslosigkeit, Feindschaft, Angst, auch den Zerfall von Solidarität und Zusammenhalt. Jede und jeder von uns hat da eigene „Dämonen“, die einem Lebenskraft und Lebensmut rauben, die das Zusammenleben stören und einen hinunterziehen. Diese – meine - Dämonen zu identifizieren, anzusprechen und damit in Zaum zu halten, dient dem Leben. Wenn ich weiß, was mich und dich immer wieder einmal bremst und stört im Lebensfluss, kann ich leichter damit umgehen, kann ich dir helfen.
Gerade auch in belasteten Zeiten ist es gut, die eigenen Kraft-Tankstellen zu kennen und regelmäßig aufzusuchen, bevor der Saft draußen ist. Das ist zu jeder Zeit eine besondere Herausforderung. Wie Jesus (von dem so viel verlangt wird, und der so viel gibt) kann ich ins Gebet gehen - eine bestimmte Zeit lang, mit bestimmten Worten oder auch ohne, in Ruhe oder in einer bewussten Tätigkeit. Ein Spaziergang mit offenen, dankbaren Augen, ein Dank am Abend, eine genussvolle Dusche, ein ruhiges Frühstück, ein Lied. Sie wissen selber, wo Ihre Oasen und Tankstellen sind, wo sie sich mit Gott und mit der Welt verbinden, sodass Sie im Alltag einen festen Grund haben.
Davon reden, was gut ist, was Hoffnung gibt, woran ich glaube, dass ich nicht selber der Superhero sein muss (weil ich zum Glück nicht Gott bin). Dass es jemanden gibt, an den ich mich wenden kann (wie an einen guten Vater, wie an eine gute Mutter) - im Glück wie auch im Unglück. Dass es Menschen gibt, die schon vor mir im Vertrauen auf Gott gelebt haben, und ich mich in diesen Strom der Menschen hineinbegeben kann. Dass ich getragen bin von Gott auf meinem Weg - im Gebet, in der Stille, von den Menschen meines Umfelds. Verkünden dadurch, dass ich Auskunft geben kann über meine Quellen und mein Ziel, verkünden dadurch, dass ich hoffnungsvoll lebe und da bin für die Menschen, die mir anvertraut sind. Amen.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels, St. Franziskus.
Krankheit, Kränkungen, Unglück, Schicksalsschläge können uns aus der Bahn werfen. Gott will uns heil und gesund haben. Jesus heilt und verkörpert damit den Heilswillen Gottes. Gesundheit hat auch eine geistige und geistliche Dimension.
Wie spielt das Leben? - Verrückt? Wohlwollend? Ungerecht? Glücksbringend? Vor allem beim alttestamentlichen Text hat man das Gefühl, dass es so wäre, und man kann das vielleicht mit seinen persönlichen Lebenserfahrungen bestätigen. Am Anfang des Buches Ijob sieht es noch gut aus, bis er dann vorübergehend zum Wrack wird und er auch noch Gott anklagt. Zunächst nimmt er demütig und schicksalsergeben alles hin: „Der HERR hat´s gegeben, der HERR hat´s genommen; gelobt sei der Name des HERRN.“ (Ijob 1,21).
Vielleicht denken auch wir so, besonders dann, wenn wir von schwerem Leid ziemlich lange verschont bleiben. Später dann brechen in jedes Leben Tage der Enttäuschung „ohne Hoffnung“ (Ijob 7,6) ein. Der Jammer geht weiter bis zur Existenzgefährdung und Gottverlassenheit. - Ist das gerecht? Ist Gott gerecht? Alles Fragen, die sich auch heute stellen, auch angesichts des Leides, der Verzweiflung, der auch heute viele Menschen ausgesetzt sind, auch dann, wenn es keinen Krieg gibt. Man könnte Lukas 21,28 nicht nur, was Naturkatastrophen betrifft, auch in diese Richtung hin interpretieren: „Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.“
Auch Paulus ist einer, den das Leben ordentlich durchgeschüttelt hat. Er verkündet trotz aller Niederlagen selbstlos das Evangelium und das unentgeltlich und selbstverständlich: „Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten.“ (1 Kor 9,22). Diese Stelle kann leicht zum Missverständnis werden, wenn sie wörtlich ausgelegt wird. Man darf und soll sich in eine schwierige Lebenssituation eines Menschen hineinversetzen, darf aber nicht darin aufgehen. Also ein „Gleichgewichtsproblem“ zwischen Nähe und Distanz. Alles braucht Lebenserfahrung, um innerlich zu wachsen. Die eigentliche Motivation soll ja sein, wie Paulus richtigerweise feststellt: das Evangelium unentgeltlich, also ohne finanziellen Eigennutz zu verkünden.
Das Evangelium arbeitet weder mit einem konkreten Beispiel. Jesus heilt die kranke Schwiegermutter und treibt Dämonen aus. Dämonen haben Wissen (siehe Evangelium des letzten Sonntags), Wissen ohne Liebe. Es kommt auf die Spiritualität an, vom guten Geist durchdrungen sein, damit der Leib auch gut leben kann. Dazu gibt es Hilfsmittel: beten, innehalten, das Gespräch mit Gott suchen, Sakramente empfangen. Sakrament ist Medikament, heilige Medizin, Heilmittel, Bibel lesen.
Jesus heilt von Krankheiten. Fieber zeigt an, dass mit dem Körper etwas nicht in Ordnung ist. Jakobus und Johannes sprechen mit Jesus darüber. Eine Situation wie wir sie auch heute kennen. Man rätselt herum, alles Annahmen, man braucht als Hilfe geschultes Personal, den Arzt.
Das wussten schon die Griechen. Hippokrates von Kos (um 460 – ca. 370 v. Chr.) hat schon einen Dreischritt in der Medizin vorgenommen, um Krankheiten gut zu diagnostizieren: Erster Schritt: Anamnese (als Gespräch über die Lebenssituation des Patienten, Ursachenforschung). Zweiter Schritt: Diagnose (das könnte die Krankheit mit ihren Erscheinungsformen sein). Dritter Schritt: Therapie (soll zur Gesundung führen).
Viel wird durch Schwächung des Immunsystems ausgelöst, durch psychische Einflüsse, ständige Überforderung, Konflikte, die immer wieder auftreten, Depression. Der innere Friede will einfach nicht kommen, Konflikte in der Familie. (Böse Zungen sprechen vom „Schwiegermutterproblem“). Wie ist das bei Jesus? Er richtet auf, hat „Gebeugte aufgerichtet mit seiner milden Macht" (siehe Lied „Lasst uns den Herrn erheben“ im Österreich-Gotteslob Nr. 943). Krankheit beugt, zwingt uns nieder. Krankheit hat nichts mit Schuld oder gar mit Sündenstrafe zu tun. Vereinzelt behaupten das heute noch immer einige. Jesus hat diese Ansicht überwunden. „Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu ihm.“ (Mk 1,32). Der Tag geht zu Ende, Ruhe kehrt ein. In der Großstadt ist davon kaum etwas zu spüren. Man sollte zur Ruhe kommen. Jesus zieht sich zum Gebet zurück (Andeutung der Sabbatruhe).
Mit der Heilung, der Austreibung der Dämonen, die auch uns besetzt halten können in Form von Niederlagen, Kränkungen, zeigt sich auch Jesus betroffen, als Mensch braucht auch er Ruhe. Man könnte sagen: spirituelles Auftanken im Gebet. „Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt.“ und „alle suchen dich.“ Jesus therapiert nicht durch. In manchen Lebensbereichen muss man durcharbeiten?! Das geht dann soweit bis der Mensch zur Ruhe gezwungen wird, zum „rastlosen Stillstand“ (Hartmut Rosa in seinem Buch: „Demokratie braucht Religion“). Die Aufforderung zu schweigen, soll zu reflektiertem Glauben führen.
In meiner Kindheit hörte ich folgendes Lied: „Seiner Zunge Meister werden hat des Nutzens viel auf Erden, weißt du viel, schweig auch viel.“ Gott kommt in unser Leben privat (siehe Jakobus, Johannes, Petrus, die Schwiegermutter) und öffentlich durch den Rhythmus des Alltags, durch die Zeichen der Zeit.
Schneller als man denkt, kann Krankheit einen Menschen einholen oder ein schwerer Schicksalsschlag ihn treffen wie z.B. Ijob. Quälende böse Gedanken drücken zusätzlich zu Boden. Was kann uns aufrichten, Halt geben, heilen? Jesus treibt "böse Geister", böses Denken, aus, richtet auf, heilt, gibt Halt. Er selbst bekommt Kraft und Halt durch seine innige Beziehung zum Vater. Wir können ihm darin nachfolgen und so auch anderen Halt geben.
Da ist ein Mensch am Boden zerstört. Jemand hat den Arbeitsplatz verloren. Die Ehe ist zu Bruch gegangen. Ein guter Freund ist gestorben. Pläne für das Leben oder für den Beruf sind hinfällig geworden. Ich könnte noch eine ganze Reihe Beispiele nennen.
Vieles ist auch durch Corona in die Brüche gegangen. Corona – es gibt die einen, die können diese Zeit positiv nutzen, um zu sich zu kommen, um die größere Ruhe (gerade an Weihnachten) zu genießen. Da gibt es aber auch die anderen, die schwer krank geworden sind, die durch Corona Angehörige verloren haben und, was auch nicht zu unterschätzen ist, viele bangen um ihren Arbeitsplatz und oft auch um ihr Lebenswerk. Unsere Welt sieht viel Unheil, unsere Welt ist in vielem krank.
Das spürt auch Hiob. Er ist in einer schwierigen Lage. Hiob geht es zuerst gut. Er hatte Reichtum. Er hatte wohlgeratene Kinder. Hiob war fromm. Das gefiel dem Widersacher nicht. Hiob sei doch nur deswegen so fromm, weil es ihm gut ginge. Da erlaubt Gott dem Widersacher, Hiob alles wegzunehmen. Nur müsse er Hiob das Leben lassen. Auf bittere Weise erfährt Hiob, wie schnell einem der Reichtum und die Familie genommen werden. Wir hören in der Lesung die Worte eines Menschen, der am Boden liegt, vor dem Scherbenhaufen seines Lebens steht.
Wir hören Worte wie Kriegsdienst. Das Leben wird ja oft wie ein Kampf empfunden. Man muss sich durchsetzen. Man wird verwundet, äußerlich wie innerlich. Hiob vergleicht sich mit schlecht bezahlten Tagelöhnern. Das Leben steckt so voller Ungerechtigkeiten. Die Tage vergehen wie im Flug. Das Leben wird als bedeutungslos empfunden. Hiob sieht nur noch schwarz. „Nie mehr schaut mein Auge Glück!“ Das Leben wird als schwer empfunden. Das Leben ist kein Wunschkonzert.
Was gibt uns Halt in allen Sorgen und in allem Schweren, das wir erleben? Als Christen*innen dürfen wir glauben, dass einer uns versteht. Es ist Jesus. Jesus ist immer wieder auf Menschen gestoßen, die unter ihrem Leben gelitten haben und auch heute noch leiden. Menschen können sich wieder aufrichten, wenn sie Jesus begegnen. Mit Jesus zu leben, das kann uns aufrichten. Die Schwiegermutter des Petrus ist vom Fieber geheilt worden. Das war damals noch gefährlicher als heute. Jesus hat ihr neu das Leben geschenkt. Viele Kranke kamen zu Jesus. Sie wurden geheilt. Jesus hat ihnen die Dämonen ausgetrieben.
Unsere Dämonen können Einstellungen sein, die unser Leben behindern. Es können auch die vielen Krankheiten sein, sei es dass es Depressionen sind oder Burnout. Es kann auch ein falsches und zu enges Bild von Gott sein. Wenn ich Angst vor einem strafenden Gott habe, dann behindert das mein Leben. Es können auch Sätze sein, die mir von früh auf eingetrichtert wurden: Du musst immer brav sein. Du darfst keine Fehler machen. Sie alle können mich hindern zu leben, Mensch zu sein.
Mit seinen Worten und auch mit seinen Heilungen richtet Jesus Menschen auf. Jesus schenkt Leben. Viele haben sich danach gesehnt. Wie auch heute sich Menschen danach sehnen, aufgerichtet zu werden. Nicht umsonst wollte Jesus möglichst viele Menschen erreichen. Er hat die Nöte der Menschen gesehen und gespürt. Darum hat er sie alle zur Quelle, zu einem Leben mit Gott führen wollen, zum Vater, der die Menschen liebt, ohne dass sie sich diese Liebe verdienen müssten. Er hat den verzeihenden Gott gepredigt, der uns immer wieder einen neuen Anfang schenkt. Jesus hat auf diese Weise die Welt heil gemacht und Heil gebracht.
Jesus hatte eine Kraftquelle: das Gebet, die Verbundenheit mit dem Vater. Darum konnte Jesus vielen Menschen Halt und Heilung schenken. Auch für uns, die wir Jesus nachfolgen, als Christen*innen leben, ist es wichtig, immer wieder mit Jesus verbunden zu sein. Im Gebet, in der liebenden Beziehung zu Gott finden wir unseren Halt. Im Gebet können wir die Liebe Gottes zu uns erfahren.
Diese Liebe können wir weitertragen. Was wir empfangen haben, geben wir weiter. Wir können Halt denen geben, die sich im Leben schwertun, ihnen Hoffnung schenken. Das Schicksal von Ijob wendet sich am Ende zum Guten. Wenn es uns nicht gut geht, wie jetzt in der Pandemie, dann hoffen wir, dass es wieder gut werden wird. Wir können wir nicht alle Krankheiten heilen, wir können aber Kranken beistehen, ihnen Hoffnung und Mut schenken, damit sie nicht verzweifeln. Wir können unsere Mitmenschen annehmen wie sie sind. Das kann schon heilen, aufleben lassen. Wir können alle – wenn auch oft nur durch unser Dasein – denen beistehen und Mut machen, die am Boden zerstört sind. Wir können nicht die Probleme derer lösen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben. Doch wir können ihnen zeigen: Du bist wertvoll, auch wenn du im Moment nichts leisten kannst oder darfst. Dieses Verhalten kann heilend wirken. Wir dürfen mitwirken am Heil der Welt, am Heil, das Jesus schenken möchte.
Weitergeben, was man im Glauben empfangen hat, das wollte auch Paulus. „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde...“ Weh mir, wenn ich diesen Gott, der liebt, der uns Heil und Heilung schenkt, nicht verkünde, dann enthalte ich der Welt Wichtiges vor. Gelebter Glaube kann heilen und aufbauen.
Das Evangelium beschreibt einen "Arbeitstag" im Leben Jesu. Er wird über seine Kräfte gefordert. Alle wollen etwas von ihm. Es genügt ihm nicht, sich davon zu erholen. Er sucht das Gebet und behält seine Sendung im Blick.
Jesus nimmt dem Volk die Angst vor individueller Bedrohung durch Krankheit und die Angst vor kollektiver Bedrohung durch das/die Fremde/n
Jesus kündigt durch seine Worte und durch Heilungen die Nähe des Reiches Gottes an. Auf diese Sendung richtet er sich aus.
Die Texte des heutigen Sonntags, die erste Lesung aus dem Buch Ijob mit seiner Klage und dem Evangelium, das vom Handeln Jesu berichtet, sind sehr bewusst zu einer Einheit zusammengestellt. In ihrer Zusammenschau wird das Anliegen dieser Gegenüberstellung sehr deutlich sichtbar. Es lautet: Erkenne den Wert des Glaubens.
Die heutige Perikope ist für mich insofern sehr ansprechend, weil sie mir zeigt, was für Jesus wichtig ist. Und das sind einerseits "wir", die gewöhnlichen Leute - wie eben die Verwandtschaft eines seiner Jünger oder die "vielen", die er heilte und die an allen möglichen Krankheiten litten, - und andererseits ist es seine eigene Beziehung zum Vater, die Kraftquelle für sein Tun. Heute könnte man sagen: Er schaffte so für sich eine ausgeglichene "work-life-balance" oder das richtige Maß zwischen Aktion und Kontemplation oder, wenn sie so wollen, zwischen Empathie und eigener Psychohygiene. Und, wenn man das schafft, dann ist es schon etwas!
Für mich ist auch die Unkompliziertheit der ganzen Situation faszinierend. Er kommt in das Haus des Petrus zu einem Zeitpunkt, wo man sich doch normalerweise, wenn die Hausfrau krank darnieder liegt, keinen hohen Besuch einladet. In einer solchen Situation kann der Besucher auch leicht die eigenen Unzulänglichkeiten im Haus sehen. Aber das stört offensichtlich nicht. Es muss nicht alles perfekt sein. Es gibt Wichtigeres im Leben und das ist das Beziehungsgeschehen. Die Menschen selbst sind wichtig. Für Jesus ist es die Schwiegermutter, die er vom Fieber heilt, und für die Schwiegermutter, die geheilt wird, sind es die Gäste, die sie gleich bewirtet - oder wie es genau im Griechischen heißt: ihnen dient, sie bedient, für sie sorgt, sich um sie kümmert, ihnen hilft, sie unterstützt. Es sind genau die Tätigkeiten, die, wie wir aus der Apostelgeschichte wissen, die Diakone für die Armen in der Gemeinde gemacht haben. So tut sie an Jesus genau das, was er ihr vorher getan hat. So verstehen die frühen Gemeinden offensichtlich Christentum: sie sehen, fühlen, was der andere gerade braucht und helfen dort, wo er sich selber nicht helfen kann.
So sieht es die Kirche in ihrer Soziallehre auch heute noch. Da geht es nicht darum, dem anderen alles abzunehmen, sondern ihn dort zu unterstützen, wo er sich selbst nicht mehr helfen kann. Dazu braucht es aber einen sorgsamen, wachen Blick auf den anderen. Es braucht ein waches Interesse aneinander um überhaupt zu sehen, was jeder selbst kann und wo er der Hilfe der Gemeinschaft bedarf. Da ist viel Feingefühl und Verstand von Nöten. Dahinein passt weder der Paternalismus z.B. in der Medizin oder Politik, wie das Besserwissen wie der andere seine Probleme lösen muss oder dieses Abnehmen oder Übernehmen aller Selbstverantwortung, noch die Gleichgültigkeit einer Gesellschaft, in der jeder nur auf seinen eigenen Vorteil und seine eigene Bequemlichkeit bedacht ist. Beides ist Gift für eine funktionierende Gemeinschaft, ob es sich jetzt dabei um die Familie, die Freunde, die pfarrliche Gemeinschaft oder die Gesellschaft überhaupt handelt. Wir alle sind angesprochen und gefragt, einander in Wachsamkeit und Respekt vor der Würde des Anderen zu begegnen. Auch Jesus hat wie es heißt "viele" geheilt, er hat nicht aussortiert. Er ist auch für uns alle gestorben, hat allen Menschen seine Erlösung geschenkt, und so uns allen die gleiche Würde verliehen.
Dass uns das nicht immer gelingt, steht auf einem anderen Blatt. Es sind unsere eigenen Schattenseiten und Fehler, die uns daran hindern und unser Leben lang begleiten. Sie zu erkennen und positiv und kreativ damit umzugehen, erfordert viel Kraft. Das ist keine einzelne Kraftanstrengung, sondern fordert uns ein Leben lang heraus. Woher aber diese Kraft nehmen? Auch dafür zeigt uns die heutige Schriftstelle einen Weg. Schauen wir, woher Jesus die Kraft nimmt, das Leid der anderen wahrzunehmen und ihnen zu helfen. "… er steht auf, geht hinaus, auf einen einsamen Ort und betet". Aufstehen ist immer auch ein Akt des Willens - ob in der Früh, ob vom Wirtshaus - oder Kaffeehaustisch, ob von der Arbeit; aufstehen unterbricht das, was wir gerade tun, und ist der Beginn von Neuem. Und wenn wir anfangs von der ausgeglichenen work-life-balance gesprochen haben, so ist es manchmal oder besser regelmäßig auch für uns selbst besser, aufzustehen und uns von all dem, was um uns herum passiert und auch sehr wichtig ist, uns nach innen zu wenden, uns auch um uns selbst zu kümmern. Das rechte Maß ist dabei wichtig. Für die anderen da sein, aber auch für mich selbst da sein. Sich sammeln, Kraft schöpfen, auf andere Gedanken kommen, die Quelle in uns entdecken. Das führt unweigerlich zur eigentlichen Quelle alles Seins - zu Gott, zum Schöpfer und Vater, - zu Jesus, der uns vorgelebt hat, wie menschliches Leben in Einklang mit dem Willen des Vaters gelingen kann, - zum Heiligen Geist, der uns beisteht und Kraft zum Guten gibt, uns antreibt, uns dabei stärkt und hilft.
Er riskiert einen ungetrübten Blick in sein Leben. Und was er da sieht benennt er, klar und ohne etwas zu beschönigen. Und es ist ernüchternd was er zu sehen bekommt. Das ganze Leben nur ein Hauch, Glück wird er nicht mehr zu sehen bekommen. Eine ernüchternde, trübselige Bilanz, die Ijob hier zieht. Diese Bilanz ist Teil der Antwort Ijobs auf die Belehrungen seines Freundes Elifas.
Was war geschehen? Ijob war reich. Hatte Besitz, Herden, eine große Familie und eine stählerne Gesundheit. All sein Besitz wurde ihm genommen, seine Kinder starben und zu guter letzt war auch seine eigene Gesundheit dahin. Er saß mit Wunden und Geschwüren bedeckt auf einem Aschehaufen und fragte sich ganz einfach: Warum? Warum muss ich soviel Leid aushalten? Und seine Antwort ist: Ich will nicht mehr!
Jeden Tag, wenn ich durchs Krankenhaus gehe höre ich die Klagen des Ijob, seine Fragen und die Antwort: Es macht doch eigentlich keinen Sinn mehr. Und so, wie ich Ijob gut verstehe, verstehe ich Menschen hier im Krankenhaus, die einfach nicht mehr können, weil das Leid und die Sorge ihr ganzes Fühlen und Denken bestimmt. Und ich werde sprachlos, weil es auf ihre Frage nach dem Warum keine wirkliche Antwort gibt.
Ijobs Freund Elifas versucht eine Antwort und es finden sich dann Sätze wie: Bedenk doch! Wer geht ohne Schuld zugrunde? Wo werden Redliche im Stich gelassen? Wer Unheil sät der erntet es auch. Übertragen vielleicht in einem Satz, der uns heute manchmal leichtfertig über die Lippen geht: Jeder bekommt was er verdient! Jemand erzählte mir mal, wie er diesen Satz gebraucht hat und ein anderer ihm geantwortet hat: Glaubst Du wirklich, dass ich das verdient habe? Er hat diesen Satz nie wieder gebraucht.
Und auch Ijob wehrt sich gegen seine Freunde, die ihm sein Leid deshalb als gerechtfertigt erklären wollen, weil Gott sich nicht irrt. Und Ijob geht sogar noch einen gewaltigen, entscheidenden Schritt weiter! Er fragt Gott an: Ich sage zu Gott: Spricht mich nicht schuldig, lass mich wissen, warum du mich befehdest? Hast du die Augen eines Sterblichen, siehst du, wie Menschen sehen?
Ijob lässt Gott nicht in Ruhe, nimmt ihn mit in sein Schicksal, in sein Leben hinein. Wenn du Gott, der bist, für wen ich dich ansehe, dann sag mir doch warum es mir so dreckig geht, heißt die Klage Ijobs in Richtung Gott.
Für mich ist das ein Gebet in seiner intensivsten und menschlichsten Form, weil es Gott mit in das Leben einbezieht, weil es ihn, als jemand um den es geht nicht dann außen vor lässt wenn er wirklich gebraucht wird.
Was für seine Freunde Frevel und Gotteslästerung ist, wird für Ijob zur Rettung. Sein Schicksal verändert sich, weil er fragt, weil er klagt, weil er anklagt und weil er sich nicht einfach in sein Schicksal ergibt.
So wie Ijob beten zu können wünsche ich uns allen, weil wir uns so selber mit unseren Grenzen, mit unserer Angst und unserem Leid ernst nehmen und weil wir so auch Gott einen Zugang zu uns möglich machen, weil wir ihn dort ansprechen, wo wir ihm am wenigsten verstehen und doch am nötigsten haben.
Ijob hat lernen müssen so zu beten.
Im Evangelium werden heute vier Jünger Jesu, Simon, Andreas, Jakobus und Johannes, hinter ihrem Meister herlaufen und sagen: Alle suchen dich! Alle suchen dich! Was erwarten Menschen von ihm? Was erwarten wir? Was erwarte ich?
Jesus antwortet den Vieren:
Lasst uns anderswohin gehen,
in die benachbarten Dörfer,
damit ich auch dort verkünde;
denn dazu bin ich gekommen.
Heute ist er bei uns. Ihn begrüßen wir in unserer Mitte:
Wir sind jetzt wieder versammelt als Schwestern und Brüder. Wir sind hiergekommen mit allem, was uns freut. Doch wir sind auch hier mit allem, wo wir enttäuscht sind, woran wir leiden, was uns Kummer und Sorgen bereitet. Wir stehen hier mit unseren Zweifeln, auch an Gott, und Fragen.
Mit seinem Wort und mit seiner Liebe lädt Jesus uns ein, mit allem Schweren zu IHM zu kommen. Sein Wort macht Mut und schenkt Trost, seine Liebe gibt uns die Kraft.
IHN, der uns Heil und Heilung schenkt, bitten wir um sein Erbarmen:
Gott, du begleitest uns im Leben, so wie es grad ist.
Wir dürfen uns dir anvertrauen mit allem, was uns belastet.
Bleib du uns zugeneigt und vergib uns,
wenn wir aneinander schuldig werden,
wenn wir hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben.
Wir danken dir für dein Erbarmen und dein Mitgehen!
Es ist gut zu wissen, dass du bei uns bist,
jeden Tag und jede Nacht.
Wir danken dir dafür und loben dich!
Ehre sei Gott, im Himmel und hier auf Erden!
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels, St. Franziskus.
Herr,
du heilst kranke Menschen,
in Liebe wendest du dich ihnen zu.
Herr, erbarme dich.
Christus,
die Geister, die Angst und Hass verbreiten,
vertreibst du.
Aus ihrem Bannkreis treten wir heraus.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du kennst die Nachrichten, die uns umtreiben,
unsere Sorgen verwandelst du in Hoffnung.
Herr, erbarme dich.
Er heilt, die gebrochenen Herzens sind, *
er verbindet ihre Wunden.
Er bestimmt die Zahl der Sterne *
und ruft sie alle mit Namen.
(Ps. 147)
Ehre sei Gott in der Höhe!
Herr Jesus Christus,
du hast Kranke geheilt.
Herr, erbarme dich.
Du hast Menschen von ihren Dämonen befreit.
Christus, erbarme dich.
Durch dein Tun hast du Gottes Botschaft verkündet.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du hast Menschen aufgerichtet, körperlich und seelisch.
Wo muss ich aufgerichtet werden, wo liege ich am Boden?
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
viele Menschen kamen zu dir oder sie wurden zu dir gebracht.
Vertraue ich auf dich in meinen Nöten und Krankheiten?
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist in die Einsamkeit gegangen, um zu beten.
Wie steht es um meine Liebe zu dir
und um die Zeit, die ich mir nehme für dich?
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du bist gekommen,
um uns die frohmachende Botschaft zu verkünden
und die Menschen aufzurichten.
Herr, erbarme dich.
Du bist auf vielfältigen Wegen den Menschen entgegen- und nachgegangen.
Christus, erbarme dich.
Du suchtest immer wieder Stärkung im Rückzug in die Stille,
im Gebet und in der Hinwendung zum Vater.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du bist gekommen, um uns zu heilen
und aus verhängnisvollen Bindungen zu lösen.
Herr, erbarme dich.
Du hast dich gestärkt im Gebet
und im Zwiegespräch mit deinem Vater.
Christus, erbarme dich.
Du bist von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf gezogen,
um allen Menschen die Frohe Botschaft von der Gegenwart Gottes zu verkünden.
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: 5. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
du hast die Not des Menschen gesehen,
der den Tod verfallen war,
und hast ihn erlöst durch die Ankunft deines Sohnes.
Gib uns die Gnade,
das Geheimnis der Menschwerdung in Ehrfurcht zu bekennen
und in der Gemeinschaft mit unserem Erlöser das Heil zu finden.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Advent 22. Dezember
Jesus,
die Menschen haben dich gesucht...
denn bei dir haben sie gefunden,
was ihnen oft fehlte:
gute Worte,
ein liebender Blick,
eine Geste, die Nähe zeigt,
heilende Zuwendung.
Auch wir brauchen deine Liebe,
deine Achtsamkeit.
Deine Worte richten auf.
Deine Liebe gibt uns Kraft -
Jetzt in unserer Feier
und in der Begegnung mit den Menschen um uns. - Amen.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels, St. Franziskus.
Du, Gott,
hast den Tag und die Nacht geschaffen,
als Krone der Schöpfung die Ruhe,
den weiten Blick.
Wir danken dir
für die Träume,
für die Geduld,
für die Kraft
unser Leben bestehen zu können.
Wenn uns das Gleichmaß abhanden kommt,
lass uns den Ausgleich finden.
Reden wir uns die Köpfe heiß,
schenke uns Schatten.
Suchen wir fiebrig nach Lösungen,
bewahre uns davor, uns zu verlieren.
Lass uns in der herrlichen Freiheit deiner Kinder leben!
In Christus, der uns zerbrechliche Menschen in seine Nachfolge ruft
und uns mit Heiligem Geist beschenkt.
Jesus,
die Menschen haben dich gesucht…
denn bei dir haben sie gefunden,
was ihnen oft fehlte:
gute Worte,
ein liebender Blick,
eine Geste, die Nähe zeigt.
Auch wir brauchen deine Liebe,
deine Zuwendung.
Deine Worte richten auf.
Deine Liebe gibt uns Kraft. - Amen.
Gott und Vater,
in der Geschäftigkeit unseres Alltags drohen wir oft unterzugehen.
Unsere Blicke verengen sich
und wir können uns oft nur noch darauf konzentrieren,
unter den Lasten des Lebens nicht zu verkrümmen.
Unsere Blicke werden eng.
Reich du uns die Hand,
die uns wieder in die Weite des Lebens führt
und uns aufrichtet.
Schenke uns die Kraft für jeden kleinen neuen Tag,
zu unserem Wohl und dem Wohl unserer Mitmenschen.
Gott und Vater,
du hast die Hoffnung der Menschen
auf die Zeichen deines Sohnes gesehen
aber auch seine Bereitschaft,
das Wort von dir zu verkünden.
Begleite uns, wenn wir um Heilung bitten
und öffne unsere Sinne, wenn du dich neu mitteilst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn,
der dich verkündet hat
und an dem du das größte Zeichen des Lebens vollendet hast.
„Íjob hatte das Wort ergriffen:
Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde?
Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners?“
Wir können uns nicht damit abfinden, dass Gewalt normal und alles, was wir tun, vergeblich ist.
Lasst uns für die Menschen, für die Welt beten:
Herr,
es werden Kriege geführt. In der Ukraine und im Gazastreifen, aber auch an so manchen Orten, die wir nicht sehen.
"So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe
und Nächte voller Mühsal teilte man Menschen zu."
Herr, erbarme dich!
Unsere Gesellschaften sind zerrissen. Viele Entwicklungen machen Angst, Vorwürfe gehen hin und her. Migranten werden zu Feindbildern.
"So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe
und Nächte voller Mühsal teilte man Menschen zu."
Herr, erbarme dich!
Menschen gehen auf die Straße. Sie demonstrieren gegen rechts. Sie demonstrieren für eine offene Gesellschaft. An vielen Stellen ist kein offenes Gespräch möglich.
"So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe
und Nächte voller Mühsal teilte man Menschen zu."
Herr, erbarme dich!
In den Kirchen verstummen die Diskussionen um Missbrauch nicht. Immer wieder kommen neue Geschichten hinzu. Für viele Menschen ist die Kirche gestorben.
"So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe
und Nächte voller Mühsal teilte man Menschen zu."
Herr, erbarme dich!
Krankheiten werden in Arztpraxen und Kliniken geheilt, liebevoll werden Menschen gepflegt. In vielen Ländern und Gegenden gehen Menschen unter.
"So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe
und Nächte voller Mühsal teilte man Menschen zu."
Herr, erbarme dich!
Herr, du hast gesagt: Meinen Frieden gebe ich euch! Meinen Frieden lasse ich euch!
Kriegsdienst ist nicht des Menschen Leben auf der Erde. Unsere Tage sind nicht verloren!
Gott, in deinen Händen liegt das Wohl der Generationen.
Wir bitten dich:
Für die Kinder und Jugendlichen,
dass sie mit guten Freunden, Freundinnen und Vorbildern heranwachsen können.
Für alle, die in der Erziehung tätig sind:
Um Geduld, Kreativität und langen Atem.
Für die Elterngeneration:
Um die Kraft zu unterscheiden, was wichtig und notwendig ist, damit sie sich nicht bis zur Erschöpfung verausgaben.
Für die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik,
dass sie familienfreundliche Arbeitsbedingungen schaffen.
Für alle Generationen,
dass sie wertschätzend und verantwortungsbewusst miteinander umgehen, damit dein Segen in dieser Welt erfahrbar wird.
Für uns alle,
dass wir den Menschen nach uns die Erde als intakten Lebensraum hinterlassen.
Für unsere Toten:
Lasse sie die Erfüllung ihres Lebens und Frieden finden im Himmel.
Gott wir trauen und vertrauen dir.
Erhöre unsere Bitten, nach deinem Willen. - Amen.
Mit Jesus lasst uns im Gebet Gott, unserem Vater, unsere Sorgen und Bitten anvertrauen:
Gerade dort, wo unsere Erwartungen sehr groß sind, werden wir oft enttäuscht.
Wir bitten dich um die Kraft, mit Enttäuschungen in der Kirche souverän umgehen zu können.
Wenn Wahlen anstehen, gibt es auch eine Fülle von Wahlversprechen.
Wir bitten dich um die Erkenntnis, welchen Schaden leere Versprechungen unserer Demokratie zufügen können.
Ständiger Leistungsdruck, totale Erschöpfung oder existenzielle Krisen überfordern viele.
Wir bitten dich für alle, die ihr Leben allein nicht mehr auf die Reihe bekommen.
Der Umgang mit Enttäuschungen fällt uns allen schwer.
Wir bitten dich um die Einsicht, dass auch sie uns im Leben weiterbringen können.
Angesichts des Todes nicht die Hoffnung zu verlieren, ist eine große Gnade.
Wir bitten dich für unsere Verstorbenen und alle, die um sie trauern.
Gott, unser Vater!
Im Glauben vertrauen wir auf deine Nähe gerade dort, wo wir mit unseren Kräften am Ende sind.
Dir danken wir und loben dich jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
auch Jesus, unser Bruder, dein Sohn, hat immer wieder deine Nähe im Gebet gesucht.
So dürfen auch wir im Gebet vor dich treten und dir unsere Bitten vortragen.
Für alle Menschen, die in Kirchenleitung und Gremien die Kirche zu lenken versuchen:
dass sie sich an deiner Botschaft orientieren und bei dir Kraft finden für Ihr Tun.
Für die Menschen, die in den Regierungen und Parlamenten dieser Welt die Geschicke der Menschen bestimmen:
dass sie nicht für ihr eigenes Wohl, sondern zum Wohle ihrer Mitmenschen entscheiden.
Für die Menschen, die gegen Rassismus, Faschismus und rechte Umtriebe aufstehen:
dass sie die Kraft haben, zu ihren Überzeugungen zu stehen und andere mitzunehmen.
Für alle Menschen, die als Mediziner und Therapeuten versuchen, das Leid kranker Menschen zu lindern:
dass sie den ganzen Menschen im Blick haben und ihn nicht nur als „Fall“ sehen.
Für alle Menschen, die sich in unserer Welt nicht mehr zurecht finden, die Angst vor der Zukunft haben und nicht wissen, wie es weitergehen kann:
dass sie Hilfe und Halt finden in Menschen, die ihnen beistehen.
Für alle Menschen, die überfordert sind und die an sie gestellten Anforderungen nicht mehr erfüllen können, die keinen Ausweg finden:
dass sie Zeiten der Erholung und der Ruhe finden und so neu ihren Weg gehen können
Für unsere Kranken:
Stärke sie und schenke ihnen Kraft, mit ihrer Krankheit leben zu können, sie anzunehmen, wenn es keine Heilung gibt, und um ihre Gesundheit zu kämpfen, wo es möglich ist.
Für unsere Verstorbenen:
Nimm sie auf in deine Herrlichkeit.
Guter Gott,
dein Sohn hat Kranke geheilt und Dämonen ausgetrieben. Auch wir müssen uns unseren Dämonen stellen und sie bekämpfen. Schenke uns die notwendige Kraft und Stärke.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Gott, du schaffst dein Reich mitten in der Welt, durch uns.
Wir bitten dich:
Viele Menschen leiden oft seelisch.
Heile sie, indem anderen ihnen zuhören und sie ernstnehmen.
Viele Menschen leiden an unheilbaren Krankheiten.
Sei ihnen nahe durch die Fürsorge anderer,
die ihnen Kraft und Zuwendung schenken.
Viele Menschen zweifeln an Gott wegen des vielen unverschuldeten Leids.
Nimm sie an in ihren Zweifeln und lass sie nicht aufhören, dich zu suchen.
Wir beten für alle, die im medizinischen Bereich wirken.
Schenke diesen Menschen Erfüllung, Geduld und Ausdauer.
Unsere Umwelt leidet am Klimawandel.
Lass in allen das Bewusstsein wachsen, unsere Schöpfung zu bewahren
Wir beten für alle, die in der Verkündigung wirken,
dass sie glaubwürdig sind.
Nimm unsere Verstorbenen auf in dein ewiges Reich,
in dem es keine Trauer und keine Krankheit mehr geben wird.
Dir zu folgen hat Folgen.
Dir allein wollen wir dienen, durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Mit unserer großen Sehnsucht nach Nähe kommen wir mit unseren Bitten zu dir, unseren Gott und Vater:
Für deine Kirche und ihrem Auftrag zur Verkündigung deiner unbedingten Liebe zu allen Menschen.
Für alle Wissenschaftler und Politiker und ihrer Verantwortung für den richtigen Weg aus dieser Pandemie.
Für alle Kinder und jungen Erwachsenen, die nur schwer mit den situationsbedingten Einschränkungen ihres Lebens umgehen können.
Für alle Kranken und für alle, die ihnen in ihrer Unsicherheit und Überforderung beistehen.
Für alle Verstorbenen, deren Beispiel uns immer wieder an die Vergänglichkeit alles irdischen Lebens erinnert.
Deine Nähe suchen wir, weil du uns aufrichtest und uns Hoffnung und Kraft schenkst.
Wir danken dir jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott und Vater,
dein Sohn hat in uns den Glauben an dein Wirken in dieser Welt geweckt.
Daher bitten wir dich:
Stärke alle, die sich der Schwachen und Leidenden annehmen,
und lass sie Freude im Dienst an den Menschen finden.
Steh allen bei, die gegen menschenverachtende Geisteshaltungen auftreten
und sich für die Achtung der Menschenwürde einsetzen..
Schütze alle, die anderen Gastfreundschaft gewähren,
und lass sie darin deine Gegenwart erfahren.
Lass Menschen, die auf der Flucht
und auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen sind,
Gastfreundschaft erleben.
Führe alle Menschen, die dich suchen,
zur Begegnung mit dir und mit deiner Frohen Botschaft.
Erfülle alle, die ihr Leben in den Dienst der Verkündigung der Frohen Botschaft stellen, mit deinem Geist.
Wir glauben, Herr, dass du auch in unserer Zeit gegenwärtig bist
und willst, dass wir heil und an Leib und Seele gesund werden.
Dir vertrauen wir uns an. Amen.
Herr, unser Gott,
du hast Brot und Wein geschaffen,
um uns Menschen in diesem vergänglichen Leben
Nahrung und Freude zu schenken.
Mache diese Gaben zum Sakrament,
das uns ewiges Leben bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
in dieser Feier
erfüllen wir den Auftrag deines Sohnes.
Nimm unsere Gaben an
und gib deiner Kirche die Gnade,
immer und überall sein Opfer zu feiern.
Schenke uns durch dieses Geheimnis dein Heil,
das du der Welt bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Herr, unser Gott,
diese Opferfeier bringe uns Heil und Segen.
Was du jetzt unter heiligen Zeichen wirkst,
das vollende in deinem Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Herr,
nimm die Gebete und Gaben deiner Kirche an;
und was jeder einzelne zur Ehre deines Namens darbringt,
das werde allen zum Heil.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 24. Sonntag im Jahreskreis
Dienstag der 1. Woche
Herr, unser Gott,
wir stehen als deine Diener vor dir
und bringen unsere Gaben dar.
Mache sie zum Sakrament,
das uns Heil und Leben spendet.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Montag der Fastenzeit
Unsere Gaben, Herr,
die wir dir bringen,
können gebrochen werden
und ausgeschenkt
und geteilt.
Brot und Wein.
Und du brichst das Brot,
du reichst den Kelch
und teilst dich aus.
Leib und Blut.
Du schenkst Gemeinschaft,
die in den Himmel führt.
Komm, unser Herr!
Jesus,
im Moment müssen wir Abstand halten.
Doch du kommst uns nahe,
in Brot und in Wein,
in deinem Leib und in deinem Blut.
In dir sind wir eine Gemeinschaft,
sind wir Schwestern und Brüder…
Hilf uns miteinander und füreinander zu leben,
so wie du für uns gelebt hast. – Amen.
(für Wortgottesdienstfeiern ohne Priester)
Kehrvers:
Preiset den Herrn, denn er ist gut.
Danket dem Herrn, denn er ist gut.
(ÖGL 875,1)
Guter und barmherziger Gott,
wir kommen zu dir, um dir zu danken und dich zu preisen.
Zwar ist unser Leben überschattet von Schicksal, Leid und Tod,
dennoch erfahren wir immer neu deine Güte und Menschenfreundlichkeit.
Kehrvers
Du bist ein Gott, der das Leben der Menschen will
und der uns beisteht und zu Hilfe kommt,
wenn die Mächte des Untergangs und des Todes
über uns Macht gewinnen.
Kehrvers
In Jesus von Nazareth hast du gezeigt,
dass dir das Heil und das Glück der Menschen am Herzen liegt.
Er hat Kranke geheilt und die Frohe Botschaft verkündet.
So haben sie erfahren, dass dein Reich nahe ist.
Kehrvers
Durch seinen Tod und seine Auferstehung
hat er auch uns die Hoffnung auf neues und unerschöpfliches Leben gegeben.
Dafür danken wir dir und stimmen wir ein in den Chor der Heiligen;
der dein Lob singt ohne Ende:
Danklied, z. B. Nun saget Dank und lobt den Herren (GL 385)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Präfation:
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist,
der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Wir preisen dich, heiliger Vater.
Du bist immer mit uns auf dem Weg,
besonders wenn Jesus, dein Sohn,
uns versammelt zum Mahl der Liebe:
Wie den Jüngern (von Emmaus)
deutet er uns die Schrift und bricht uns das Brot.
Darum bitten wir dich, allmächtiger Gott:
Sende deinen Geist über Brot und Wein,
damit Jesus Christus mit Leib + und Blut
in unserer Mitte gegenwärtig wird.
Denn am Abend vor seinem Leiden
nahm er beim Mahl das Brot und sagte dir Dank,
brach das Brot,
reichte es seinen Jüngern und sprach:
NEHMET UND ESSET ALLE DAVON:
DAS IST MEIN LEIB,
DER FÜR EUCH HINGEGEBEN WIRD.
Ebenso nahm er den Kelch mit Wein,
dankte wiederum
reichte den Kelch seinen Jüngern und sprach:
NEHMET UND TRINKET ALLE DARAUS:
DAS IST DER KELCH
DES NEUEN UND EWIGEN BUNDES,
MEIN BLUT,
DAS FÜR EUCH UND FÜR ALLE VERGOSSEN WIRD
ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN.
TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS.
Geheimnis des Glaubens ...
Gütiger Vater,
wir feiern das Gedächtnis unserer Versöhnung
und verkünden das Werk deiner Liebe:
Dein Sohn ist durch Leiden und Tod
hinübergegangen in das neue Leben
und ist auferstanden zu deiner Herrlichkeit.
Schau herab auf dieses Opfer:
auf Christus, der sich mit Leib und Blut hingibt
und uns in seiner Hingabe
den Weg öffnet zu dir, unserem Vater.
Barmherziger Gott,
Schenke uns den Geist der Liebe,
den Geist deines Sohnes.
Stärke uns durch seinen Leib und sein Blut
und laß uns eins werden im Glauben
und in der Liebe,
in Gemeinschaft mit unserem Papst ...
und unserem Bischof ...
Öffne unsere Augen für jede Not,
gib uns das rechte Wort,
wenn andere sich einsam und verloren fühlen.
Gib uns den Mut, tatkräftig zu helfen,
wo Menschen arm und unterdrückt sind.
Mache die Kirche zu einem Ort der Wahrheit
und Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens,
damit die Menschen neue Hoffnung schöpfen.
Vater, erbarme dich unserer Brüder und Schwestern,
die im Frieden Christi heimgegangen sind,
und aller Verstorbenen,
deren Glauben niemand so kennt wie du,
und führe sie zur Auferstehung.
Wenn unser eigener Weg zu Ende geht,
nimm auch uns auf in dein Reich,
wo wir für immer die Fülle des Lebens
und der Herrlichkeit erwarten.
Laß uns in Gemeinschaft
mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria,
mit den Aposteln und Blutzeugen
(mit dem heiligen ...)
und mit allen Heiligen
dich loben und preisen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
DURCH IHN UND MIT IHM UND IN IHM
IST DIR, GOTT, ALLMÄCHTIGER VATER,
IN DER EINHEIT DES HEILIGEN GEISTES
ALLE HERRLICHKEIT UND EHRE
JETZT UND IN EWIGKEIT.
Amen.
Schweizer Hochgebete, Urform 3
Ich glaube,
dass es für diese Welt
noch Hoffnung gibt.
Ich glaube,
dass die Schreie der Leidenden
nicht vergessen werden,
und dass die Taten der Liebe
nicht umsonst sind.
Ich glaube,
dass der Hass
nicht das letzte Wort hat,
und dass der Tod
kein Ende mehr ist.
Ich glaube,
dass die Kranken und Sterbenden
getröstet werden,
und dass die Traurigen
wieder Freude finden sollen.
Ich glaube,
dass uns Christus nicht
aus seinen Händen gibt,
und dass er unseren Weg mitgeht
überall hin.
Ich glaube,
dass wir heil werden können
an Leib und Seele
durch ihn,
unseren Gott.
Sich ausweinen können
Sich ausweinen können,
sich ausschreien können,
klagen können über eine Schöpfung,
wo Unschuldige leiden müssen.
Hiob sein dürfen
und Gott fragen können.
Sich aufregen können vor Gott
über die grausamen Rätsel der Geschichte.
Leiden können an den Steinen,
die statt des Brotes
in Seinem Namen angeboten werden.
Aufschreien können,
wenn ein Guter scheitert.
Traurig sein können
über die Schläfrigkeit der Christen.
Sich ausklagen können und spüren:
Er versteht dich,
wie dich keiner versteht!
Denn ein Mensch wäre davongerannt
oder wahnsinnig geworden,
müßte er hören,
was ich Gott sage
Martin Gutl, Loblied vor der Klagemauer
Barmherziger Gott,
du hast uns teilhaben lassen
an dem einen Brot und dem einen Kelch.
Laß uns eins werden in Christus
und Diener der Freude sein für die Welt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Herrn, unser Gott,
gib, daß deine Sakramente
in uns das Heil wirken, das sie enthalten,
damit wir einst
als unverhüllte Wirklichkeit empfangen,
was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 30. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
du hast uns in diesem Mahl
die Gabe des Heiles geschenkt.
Dein Sakrament gebe uns Kraft in dieser Zeit
und in der kommenden Welt das ewige Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.
MB 8. Sonntag im Jahreskreis
MB Donnerstag der 5. Woche der Fastenzeit
Jesus,
unsere Welt ist bestimmt von Krankheiten, Nöten und Leiden.
Segne uns,
dass wir unseren Mitmenschen zum Segen werden,
durch unser Reden
und durch das, was wir tun,
wie wir uns verhalten.
Sende uns aus,
dass wir mitbauen an deinem Reich. – Amen.
Gott,
Vater und Mutter,
Hort des Lebens,
Schützer der Hoffnungen,
Freund aller Menschen –
Dir danken wir für das Geschenk,
in deinem Namen predigen zu dürfen,
dein Wort auszurichten,
dein Reich anzusagen.
Uns fehlen die Worte oft,
doch das Schweigen tut weh.
Begleite uns in die neue Woche,
sei uns nah,
wenn wir schwach sind
oder vor Übermut strotzen,
wenn wir Angst bekommen
oder ungerecht werden.
Schenke uns einen frühlingshaften Glauben.
In Christus, der heilte, was krank war
oder auf der Kippe stand.
Mit deinem guten Geist.
Für die Ewigkeit.
Wer unter dem Schirm Gottes sitzt,
der kann sich in seinem Schatten ausrasten.
Ich sage zu Gott:
Du bist meine Zuflucht, meine Burg,
dir vertraue ich.
Wie ein Vogel seine Flügel über die Jungen ausbreitet,
so wird er auch dich stets behüten und dir nahe sein.
Möge Gott dich immer und überall beschützen.
Möge Gott dich begleiten, wo immer du hingehst.
Möge Gott mit dir sein und dich segnen.
So segne und behüte uns und alle Menschen dieser Welt
der gute Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels, St. Franziskus.
Gott, unser Vater,
deine Gemeinde
hat die Geheimnisse der Erlösung gefeiert.
Erhalte sie in der Freude über das Heil.
Hilf uns allen,
in Geduld den rechten Weg zu gehen
und so zur unvergänglichen Freude zu gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 15
Der Abschnitt aus dem 1. Korintherbrief (Lesung 1 Kor 9,16-23) gefällt mir gut. Hier handelt Paulus im Gegensatz zu anderen Texten nicht von oben herab. Er ist hier nicht der Weise, der die Unwissenden belehrt. Paulus weiß: So funktioniert es nicht. Er begibt sich mit den Adressaten seines Briefes auf Augenhöhe. Genau das wirkt.
Ich saß einmal vor einiger Zeit auf einer Bank in der Sonne und beobachtete, weil ich zu früh angekommen war, von meinem Platz aus einen Bettler, einen Obdachlosen, der da mit seinem Hund saß, vor sich den üblichen Becher… Manche Vorbeigehende warfen wie auch ich etwas hinein… Er sagte zwar danke, aber mehr so automatisch, wie mir schien. Dann kam eine Frau, die hockte sich vor ihn hin, suchte seinen Blick, sprach ein paar Worte und gab ihm Geld in die Hand. Und er blickte auf, ein Leuchten ging über sein Gesicht, und er bedankte sich und sagte „möge Gott Sie segnen.“ Kurze Zeit später packte er seine Sachen und ging, immer noch lächelnd, mit seinem Hund davon.
Diese Frau hat ihn erreicht. Sie hat sich auf seine Augenhöhe begeben - im wahrsten Sinne des Wortes - und das hat etwas verändert.
Ich denke oft an diese Begebenheit. Es hat nicht nur meinen Umgang mit Bettlern verändert, es hat mir auch etwas klar gemacht: Wir können Menschen nicht von oben herab erreichen. Wenn wir Heil bewirken wollen, wenn wir Heilung schenken wollen, dann geht das nur, indem wir die Menschen ernst nehmen. Hilfe darf nicht von oben herab kommen, wenn sie etwas bewirken will.
Und: Es geht nicht um Rundumsorglospakete…
Ich weiß natürlich nicht, wie viel die Frau dem Bettler gegeben hat, aber ich glaube, darauf kommt es nicht an, sondern auf die Geste, dass sie den anderen als Gegenüber wahrgenommen hat.
Diese Szene kommt mir auch immer wieder in den Sinn, wenn ich höre und lese, dass Jesus Dämonen austreibt. Er nimmt den Menschen ernst, er schaut ihn an, er nimmt ihn wahr. Und dadurch macht er ihn frei von seinen Dämonen. So wie in der oben beschriebenen Szene: Aus dem unterwürfigen Bettler wurde ein Mensch mit Würde. Ganz einfach dadurch, dass die Frau ihm auf Augenhöhe begegnete.
Bleibt die Frage: warum heilt Jesus nur einige? Warum geht er nicht zurück nach Karphanaum, wo doch noch so viel zu tun wäre, sondern weiter in andere Dörfer? Ich habe da keine endgültige Antwort. Aber die Heilungen – zu denen er später ja auch die Jünger aussendet – sind dazu da, den Menschen das Reich Gottes nahezubringen, zu zeigen, wie groß die Liebe Gottes ist. Und auch da kommt es im Endeffekt nicht darauf an, dass jemand gesund wird, sondern darauf, dass der oder die Geheilte erkennt, ein Mensch mit Würde zu sein. Nicht ausgeschlossen, wie Kranke es oft waren, sondern Mensch wie alle Menschen auch.
Und ich glaube: wenn wir das begriffen haben, wenn wir unseren Mitmenschen, egal wem, auf Augenhöhe begegnen, dann haben wir einen Schritt Richtung Frieden getan, dann haben wir unseren Anteil daran, dass Menschen heil werden können.
Und ich bin fest davon überzeugt, dass das Kreise ziehen kann. Und dass das Verkündigung ist: Nächstenliebe zu leben, auf Augenhöhe mit unseren Nächsten und nicht von oben herab. Geben – und dann auch annehmen, was der andere uns gibt, und sei es ein Segenswort. Ein ernst gemeintes Danke nicht abzutun mit den Worten „steht nicht dafür“, sondern es genauso ernst und aufrichtig entgegennehmen. Damit lassen wir denen, denen wir helfen wollen, ihre Würde. Das ist Nächstenliebe.
Edith Furtmann 2024.
Die Evangelien schildern an zahlreichen Stellen, wie Jesus betet und wie er andere zum Gebet ermutigt, ja aufruft. Dies geschieht quer durch Raum, Zeit und Begebenheit: als Rabbi und Gefährte auf dem Weg (Mt 6,5ff; Joh 4,19ff; Lk 11,1; 24,13ff) in der Synagoge, im Tempel, in Einsamkeit oder auf den Straßen (Lk 5,16; 6,12; Lk 4,16; Lk 2,41; Joh 2,13; Mk 11,11), voll Zuversicht oder in tiefer Traurigkeit und Angst (Mt 7,7ff; Mt 21,22; Mk 11,24; Mt 26,37; Lk 22,44), den Menschen zugewandt, inmitten der Kinder oder die intime Nähe Gottes suchend (Mt 5,44; Mt 19,13; Lk 18,1; 22,32; Joh 17,9ff; Lk 3,21; 6,12; Joh 17,1ff). Alle wichtigen Augenblicke, Begegnungen und Etappen in Jesu Leben sind umrahmt vom Gebet; augenscheinlich ist die Beständigkeit, mit der er Gottes Nähe sucht und sich einübt in das Horchen auf Sein Wort. In eindrücklichen Bildern wird im Neuen Testament von der Bedeutsamkeit dieser Momente erzählt; Momente, in denen "sich der Himmel öffnet" (Lk 3,21). oder Jesu "Gesicht leuchtet wie die Sonne" (Mt 17,2). Im Gebet, wo Gottes Schönheit und Sein Licht ihn treffen, scheint Jesu göttliche Würde auf; erfahrbar ihm selbst und sichtbar für seine Jünger und die Menschen, die ihm begegnen. Hier lebt Jesu Gottesbeziehung, gewinnt seine Verbundenheit zu Gott die Lebens Kraft, mit der er auch die Welt und den Menschen den Himmel öffnen wird. Alles, vor allem die nicht zu verdienende Liebe Gottes empfängt und erfährt Jesus zuerst im Gebet; alles kann er deshalb weiterschenken.
Vera Krause in: Georg Gänswein, Martin Lohmann, Katholisch, Wissen aus erster Hand, Freiburg, 2010.
Vater, es fällt mir schwer, zu sagen:
"Dein Wille geschehe."
Ich bin niedergeschlagen
und habe keinen Mut mehr.
Die Schmerzen sind unerträglich.
Alles, was mein Leben ausgemacht hat,
scheint mir weit weg;
die Menschen, die zu mir gehören,
meine Arbeit, meine Freuden,
mein ganz alltägliches Tun.
Auch wenn ich mutlos bin.
Herr, ich will versuchen,
ja zu sagen, zu dem, was ist:
zu meinen Schmerzen, zu meiner Schwäche,
zu meiner Hilflosigkeit.
Ich will alles ertragen, so gut es geht.
Lass mein Leiden nicht umsonst sein.
Vielleicht nützt es denen,
die für dich arbeiten und kämpfen.
Dein Wille geschehe.
Segne mich, Vater. Segne alle Menschen,
die mir Gutes tun und mir helfen.
Segne alle, die wie ich leiden müssen.
Und wenn du willst, lass mich und die anderen
gesund werden.
Aus: Annegret und Peter Kokschal Gebete für das ganze Leben, Benno Verlag Leipzig 2004.
Wenn einer mir nachfolgen will, folge er mir nach
(Joh 12, 26)
Herr Jesus Christus,
du hast Männer und Frauen berufen,
Alte und Junge, Arme und Reiche,
dass sie dir nachfolgen und so das Leben gewinnen.
Durch dich danken wir dem Vater im Heiligen Geist:
das immer neu Menschen in Taufe und Firmung
den Geist empfangen,
dass sie als Kinder Gottes gestärkt sind
für ihre Aufgaben in Kirche und Welt.
Wir bitten dich für die Kirche unseres Bistums:
Lass sie nicht ihren Auftrag vergessen,
die Gläubigen in ihrer Berufung zu fördern
und vor allem den jungen Menschen zu helfen,
deinen Ruf zu entdecken.
Du, Herr, kennst unsere Not.
Wir brauchen die Verkündigung deines Evangeliums,
die Erfahrung deiner Gegenwart in der Eucharistie
und in den anderen Sakramenten.
Herr, wir bitten dich von ganzem Herzen:
Schenke uns Priester, die unter der Führung
des Heiligen Geistes dein Wort verkündigen,
die den Armen und Kranken,
den Heimatlosen und Notleidenden beistehen,
die Gemeinden leiten und das Volk Gottes heiligen.
Lass sie ihrer Berufung treu bleiben.
Denn du bist der Hirt deines Volkes,
du bist unsere Hoffnung in Ewigkeit.
Franz Kamphaus, in: Gotteslob, katholisches Gebet und Gesangbuch, Münster 2003.
Herr, ich habe Zeit. Viel Zeit.
Als Gesunder dachte ich,
wie schön es wäre, viel Zeit zu haben.
Nun habe ich also Zeit, zwangsweise.
Aber diese Stunden und Tage
sind eine andere Art von Zeit.
Zeit zum Denken und Zeit zum Grübeln,
zum Fragen und auch zum Vorwürfemachen.
Soviel geht mir durch den Kopf.
Herr, ich brauche Dich:
Bewahre mir guten Mut, Vertrauen und Zuversicht,
dass du gut bist zu uns, Deinen Kindern.
Sei du unser Gott in Freude und Leid. Amen.
Blaise Pascal
In: Youcat, Jugendgebetbuch. Georg von Lengerke und Dörte Schrömges (Hrsg.). München 2011.
wusstest du schon
dass die nähe eines menschen
gesund machen
krank machen
tot oder lebendig machen kann
wusstest du schon
dass die nähe eines menschen
gut machen
böse machen
traurig und froh machen kann
wusstest du schon
dass das wegbleiben eines menschen
sterben lassen kann
dass das kommen eines menschen
wieder leben lässt
wusstest du schon
dass die stimme eines menschen
einen anderen menschen
wieder aufhorchen lässt
einen der für alles taub war
wusstest du schon
dass das wort oder das tun eines menschen
wieder sehend machen kann
einen der für alles blind war
der nichts mehr sah
der keinen sinn mehr sah in dieser welt
und in seinem leben
wusstest du schon
dass das zeithaben für einen menschen
mehr ist als geld
mehr als medikamente
unter umständen mehr
als eine geniale operation
wusstest du schon
dass das anhören eines menschen
wunder wirkt
dass das wohlwollen zinsen trägt
dass ein vorschuss an vertrauen
hundertfach auf uns zurückkommt
wusstest du schon
dass tun mehr ist als reden
wusstest du das alles schon
wusstest du auch schon
dass der weg vom wissen
über das reden zum tun
unendlich weit ist
Aus: Wilhelm Willms, Der geerdete Himmel. Wiederbelebungsversuche. Verlag Butzon und Bercker, Kevelaer 1987.
Das Heil der Welt hängt nicht an religiösen Gefühlen möglichst vieler. Es hängt auch nicht an der Reise ins eigene Innere. Gott entstand nicht aus den Träumen der Menschen. Er war längst da, bevor der erste Affe zu träumen begann. Das Heil der Welt hängt an einer realen Geschichte, die sich an bestimmbaren Orten und in definierbarer Zeit vollzog, und die doch die Geschichte Gottes mit der ganzen Welt war. Das Heil der Welt hängt daran, dass es Menschen gab, die sich auf diese Geschichte Gottes mit der Welt eingelassen und Gott im Glauben geantwortet haben: Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Josua, Samuel, David, Jesaja, Joschija, Esra, Johannes der Täufer. Es ist keine Geschichte, die sich im Kosmos an anderen Orten beliebig wiederholen oder die sich noch um eine neue Zielmarke verlängern könnte. Sie fand ihre Endgültigkeit in Jesus von Nazaret. Das Heil der Welt ist also schon entschieden. Aber es braucht noch viele, die den Weg nachgehen, der mit Abraham begann und in Jesus sein Ziel erreichte.
Aus Gerhard Lohfink, Heute – wann sonst?. Unangepasstes über Gott und die Welt. Katholisches Bibelwerk Stuttgart 2014.
Jesus setzt sich für die Armen ein, weil er mit der Armut von Menschen konfrontiert wird und weil ihm dies keine Ruhe lässt. Seine Wertschätzung der Armen folgt dem, was er wahrnimmt. Da ist zum einen die bedrängende Armut mit ihren vielen Gesichtern, die ihm alltäglich vor Augen tritt. Zum anderen liegt ihm die Armut alltäglich im Ohr, da seine heiligen Schriften sie besprechen. Die reelle Armut vor Augen und das Wort Gottes im Ohr - so entsteht Jesu Option für die Armen. Beides verstärkt sich wechselseitig. Wenn man mit der konkreten Armut konfrontiert wird, wird man hellhörig für ihre Thematisierung im Alten Testament. Und wenn die jüdischen heiligen Schriften Armut zu Gehör bringen, so schärft dies den Blick für das Elend, das alltäglich begegnet. Um Gottes und der Menschen willen schaut Jesus nicht an der Armut vorbei, und er hört nicht weg, wenn davon die Rede ist. Nur Weniges lässt sich über Jesus von Nazareth sagen - das aber sicher: Er war jemand, der sich von der Armut anderer Menschen bewegen ließ.
Aus: Hildegund Keul, Auferstehung als Lebenskunst. Was das Christentum auszeichnet. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2014.
In einer Podiumsdiskussion über Wunder in der Bibel fiel der Satz: „Für mich ist nicht einzusehen, warum der allmächtige Gott nicht gelegentlich ein Wunder wirken kann, und warum Wunder die Naturordnung Gottes ,stören‘ sollen.“
Der Satz wird verständlich vor dem Hintergrund einer leichtfertigen Nivellierung biblischer Wunder, wie sie bei manchen Theologen noch immer gang und gäbe ist. Trotzdem hilft er nicht weiter. Denn das „gelegentlich“ schafft Probleme. Es riecht nach göttlicher Willkür. Muss der normale Christ dann nicht denken: „Wenn Gott gerade einmal will, wirkt er Wunder. Offenbar will er aber meistens nicht. In meinem Leben hat er noch nie gewollt. Oder sollte ich etwas übersehen haben? Jedenfalls hat er in Auschwitz mit Sicherheit nicht gewollt. Aber gerade dort wären Rettungswunder fällig gewesen; dort ging es um sein Volk.“ Fazit: Die Vorstellung, dass Gott „gelegentlich“ Wunder wirkt, aber meistens nicht, kann nur Verwirrung stiften.
Müsste man das Ganze nicht umdrehen? Gott will das Wunder nicht nur gelegentlich. Er will es unablässig. Er umgibt die Welt geradezu mit seiner handlungsbereiten Liebe. Er durchdringt alles mit seinem Geist, der ständig das Angesicht der Erde erneuern möchte. Aber als Wunder in der Welt ankommen kann der Geist Gottes nur dann, wenn Menschen sich ihm öffnen. Weil Jesus für Gott absolut offen war - so offen wie kein anderer - war sein Leben voller Wunder. Überall wo er Glauben fand, geschahen Wunder. Und überall, wo er in der Kirche Glauben findet, geschehen auch heute Wunder. Das „gelegentlich“ ist nicht bei Gott zu situieren, sondern bei uns. Dass es leider nur ein „gelegentlich“ ist, liegt nicht an Gott, sondern an unserem Unglauben.
Aus Gerhard Lohfink, Heute – wann sonst?. Unangepasstes über Gott und die Welt. Katholisches Bibelwerk Stuttgart 2014.
Skorka: Das Gebet muss dazu dienen, die Menschen zu vereinen. Es ist ein Moment, in dem alle dieselben Worte sprechen. Im Judentum ist es sogar so, dass sich mindestens zehn Menschen zusammenfinden müssen, um einem Gebet Kraft zu verleihen. Das Gebet ist also ein gemeinschaftsstiftender Akt: Wir beten mit denselben Worten, auf dieselbe Art und Weise, mit demselben Ziel. Vor allem aber muss das Gebet ein Akt der Innenschau sein, jeder muss sich selbst finden, um mit Gott zu sprechen. Das ist gar nicht so einfach, denn bei diesem Dialog gilt es zu unterscheiden zwischen der eigenen Stimme und der Stimme Gottes. Einer der Gründe, warum man die Bibel studieren sollte, liegt genau hier: um zu lernen, diese beiden Stimmen nicht zu verwechseln. Jeder mystische Akt ist ein Versuch, Gott näherzukommen, ihn zu spüren. Und genau dies ist auch die Grundbedingung des Gebets. Das hebräische Wort für beten lautet leitpalel und bedeutet: sich selbst beurteilen. Wann immer man sich Gott nähern will, muss man zunächst einmal seine eigenen Fehler entdecken.
Bergoglio: Beten ist ein Akt der Freiheit. Doch manchmal kommt es zu dem Versuch, das Gebet kontrollieren zu wollen, was gleichbedeutend damit ist, Gott kontrollieren zu wollen. Das hat mit einer Verzerrung zu tun, mit einem exzessiven Ritualismus oder mit einer der vielen anderen Kontrollhaltungen. Beten heißt zu sprechen und zu hören. Es gibt Momente tiefer Stille, der Anbetung, in Erwartung dessen, was geschehen wird. Im Gebet lebt diese ehrfurchtsvolle Stille mit einer Art des Schachems zusammen wie in der Situation, als Abraham mit Gott über die Strafen für Sodom und Gomorra verhandelt. Mose feilscht auch, indem er für sein Volk bittet, er möchte den Herrn überzeugen, sein Volk nicht zu bestrafen. Das ist eine mutige Haltung, die zusammen mit Demut und Anbetung für das Beten unbedingt erforderlich ist.
Aus: Papst Franziskus / Abraham Skorka, Über Himmel und Erde. Jorge Bergoglio im Gespräch mit dem Rabbiner Abraham Skorka. Hrsg. Von Diego Rosemberg. Riemann Verlag, München 2013.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Dabei ist die ausgewählte Stelle nur eine Variante der Rede Ijobs in den Kapiteln 6+7. Nachdem Elifas keine brauchbaren Antworten gegeben hat, spielt Ijob selbst weitere Gedanken durch, die sich auch nicht als tragfähig erweisen.
So wie Petrus sich nicht mit dem Kranksein der Schwiegermutter abgibt und Jesus ruft, wird auf Ijobs Versuch Bildad in Ijob 8 weitere Erklärungen versuchen.
Die Lesung ist Teil des ersten Redeganges des großen Dulder Hiob. Nach seiner Klage im Monolog, in der er all das Leid beschreibt, das ihm als frommen Mann widerfahren ist, versucht Hiob, im Gespräch mit seinen Freunden eine Antwort auf die Ursache und Zweck des Leidens zu finden. Seine Freunde geben ihm folgende Möglichkeiten zur Antwort:
- Leid ist Folge menschlicher Schuld.
- Leid gehört zur Natur des Menschen.
- Leid ist eine Form göttlicher Zurechterweisung und Erziehung.
- Leid ist eine Prüfung des Frommen.
Die letzte Antwort findet sich, wenn der Mensch von seiner Anthropozentrik Abschied nimmt und sich auf Gott und sein Wirken in der Schöpfung ausrichtet. In der Theozentrik und Kosmozentrik ist der Mensch im Leid nicht mehr auf sich zurückgeworfen, sondern öffnet sich der Horizont auf das Gesamt der Schöpfung, in der Gott erfahrbar wird – auch im Leid.
Das Buch Hiob zeigt nicht einen Weg auf, das Leid zu verstehen, sondern hilft dem Leidenden, das Leid zu bestehen. Dementsprechend wird auch die Dynamik des Buches dieser Absicht und Aussage unterstellt sein.
In unserem Abschnitt der Lesung stehen wir noch am Beginn dieses Weges. Noch ist die Klage über die natürlichen Grenzen unseres menschlichen Seins durch Alter und Krankheit im Ohr. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird gestellt. Die stille Hoffnung auf Lohn und Glück, die zwischen den Zeilen steht, sucht ihren Ausdruck. Das Buch Hiob lädt die Leser ein, sich mit ihrer ganzen Befindlichkeit in die Gestalt des Hiob hineinzuversetzen und mit ihm den Weg zu gehen, als ein Mensch, der nach einer Antwort sucht und sich nicht mit den Fragen zufrieden gibt.