Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
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Lesung aus dem Buch Jeremía.
So spricht der Herr:
Jubelt Jakob voll Freude zu
und jauchzt über das Haupt der Völker!
Verkündet, lobsingt
und sagt: Rette, Herr, dein Volk,
den Rest Israels!
Siehe, ich bringe sie heim aus dem Nordland
und sammle sie von den Enden der Erde,
unter ihnen Blinde und Lahme,
Schwangere und Wöchnerinnen;
als große Gemeinde kehren sie hierher zurück.
Weinend kommen sie
und in Erbarmen geleite ich sie.
Ich führe sie an Wasserbäche,
auf ebenem Weg, wo sie nicht straucheln.
Denn ich bin Vater für Israel
und Éfraim ist mein Erstgeborener.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Groß hat der Herr an uns gehandelt.
Da waren wir voll Freude. – Kv
(oder GL 432)
Als der HERR das Geschick Zions wendete,
da waren wir wie Träumende.
Da füllte sich unser Mund mit Lachen
und unsere Zunge mit Jubel. - Kv
Da sagte man unter den Völkern:
Groß hat der HERR an ihnen gehandelt!
Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt.
Da waren wir voll Freude. - Kv
Wende doch, HERR, unser Geschick
wie die Bäche im Südland!
Die mit Tränen säen,
werden mit Jubel ernten. - Kv
Sie gehen, ja gehen und weinen
und tragen zur Aussaat den Samen.
Sie kommen, ja kommen mit Jubel
und bringen ihre Garben. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Jeder Hohepriester wird aus den Menschen genommen
und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott,
um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen.
Er ist fähig,
mit den Unwissenden und Irrenden mitzufühlen,
da er auch selbst behaftet ist mit Schwachheit,
und dieser Schwachheit wegen muss er
wie für das Volk
so auch für sich selbst Sündopfer darbringen.
Und keiner nimmt sich selbst diese Würde,
sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron.
So hat auch Christus
sich nicht selbst die Würde verliehen,
Hohepriester zu werden,
sondern der zu ihm gesprochen hat:
Mein Sohn bist du.
Ich habe dich heute gezeugt,
wie er auch an anderer Stelle sagt:
Du bist Priester auf ewig
nach der Ordnung Melchísedeks.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der vermutlich aus dem Paulus-Umfeld stammende, vor der Zerstörung des Tempels abgefasste Brief an die Hebräer beschäftigt sich in seinen Grundzügen mit der Gegenüberstellung des Tempelopfers und des Kreuzesopfers.
In der heutigen Perikope geht es um den, der das Opfer darbringt, um den Hohenpriester. Während der Hohepriester des Tempels sein Amt durch »Ordination« erhält, fällt es Christus durch seine Sohnschaft zu. Und er ist nicht nur der Hohepriester, sondern zugleich auch das Opfer und der Altar (vgl. Vers 5). In der Präfation von Ostern heißt es: Als er seinen Leib am Kreuz dahingab, hat er die Opfer der Vorzeit vollendet. Er hat sich dir dargebracht zu unserem Heil, er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm.
Halleluja. Halleluja.
Unser Retter Jesus Christus hat den Tod vernichtet
und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht
durch das Evangelium,
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit,
als Jesus mit seinen Jüngern
und einer großen Menschenmenge Jéricho verließ,
saß am Weg ein blinder Bettler,
Bartimäus, der Sohn des Timäus.
Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war,
rief er laut: Sohn Davids, Jesus,
hab Erbarmen mit mir!
Viele befahlen ihm zu schweigen.
Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids,
hab Erbarmen mit mir!
Jesus blieb stehen
und sagte: Ruft ihn her!
Sie riefen den Blinden
und sagten zu ihm: Hab nur Mut,
steh auf, er ruft dich.
Da warf er seinen Mantel weg,
sprang auf
und lief auf Jesus zu.
Und Jesus fragte ihn:
Was willst du, dass ich dir tue?
Der Blinde antwortete:
Rabbúni, ich möchte sehen können.
Da sagte Jesus zu ihm: Geh!
Dein Glaube hat dich gerettet.
Im gleichen Augenblick
konnte er sehen
und er folgte Jesus auf seinem Weg nach.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Heilung des Blinden wird bei allen Synoptikern berichtet, aber nur bei Markus mit dem Ort und dem Namen des Geheilten. Diese Heilung geschieht im Zusammenhang mit der Jüngerschaft. In der vorherigen Szene wurde der Jüngerstreit um die Nummer 1 berichtet, im nächsten Kapitel erfolgt der Einzug in Jerusalem.
Bartimäus wird zu dem Mann, der die Größe Jesu anerkennt und nur davon geprägt ist. Da er in der Heilung diese Größe bestätigt findet, wird er selbst zum Jünger.
Mk 10, 46-52 bildet die Schlußperikope des vierten und zugleich zentralen Hauptteils (8,27 – 10,52) im Markus-Evangelium. Die Jünger und mit ihnen die Leser sollen nach der Intention des Evangelisten in das Geheimnis des Gottesreiches und des Menschensohnes eingeführt werden, ins Gesetz der Nachfolge, in die Haltung des kindlichen Glaubens und des Dienens.
V 47-48:
Bartimäus hört von den vorbeigehenden Leuten, wer da vorbeikäme: "Es ist Jesus von Nazareth." In dieser Lage beginnt der Kranke zu schreien, was als Ausdruck seines Glaubens aufzufassen ist. Markus insinuiert, daß der Blinde Jesus kennt. Bei der Bezeichnung "Sohn Davids, Jesus" geht es dem Evangelisten nicht um eine genealogische Aussage, sondern um eine eschatologische Würdebezeichnung für den Messias. Die zweimalige Anrufung, ein beliebtes volkstümliches Steigerungsmittel, unterstreicht und verstärkt die Bitte und hebt zugleich die Würde des Namensträgers hervor. Unsere Perikope stellt diesen Davidssohn dem Bartimäus gegenüber. Jesus ist als Retter und Helfer angesprochen.
"Hab Erbarmen mit mir!" Eine solche Bitte konnte ein Jude in dieser Formulierung nur an Gott richten, nicht an den irdischen Messiaskönig, weil dieser nach zeitgenössischer Vorstellung gerade als ein handgreiflicher Ausdruck des göttlichen Erbarmens verstanden wurde.
"Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen." Eine erste, amorphe Glaubensstufe zeichnet sich darin ab, aber Jesus hört sie – sie ist ausreichend für sein Heilshandeln.
V 50:
Der Blinde handelt wie ein Sehender: "Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu." Eine dreifache, an sich für einen Blinden ungewöhnliche Aktivität. Ziel ist Jesus. Der sonst Geführte findet selbst zu Jesus.
V 51:
Die Frage Jesu provoziert die glaubende Antwort des Blinden. Der Dialog redet aber auch den Leser in seiner Heilsbedürftigkeit an. Heilshoffnung und Glaubenszuversicht sind deutlich genug ausgesprochen.
V 52:
Das Wunder wird nicht weiter geschildert. In der Weisung Jesu wird die Vollmacht Jesu ausgesprochen: "Geh, dein Glaube hat dir geholfen." Der Geheilte wird zum Jünger und folgt Jesus in die Passion. Das Wunder und die Wundererzählung sind nicht Selbstzweck, sondern Weg zur Nachfolge, Aufruf an die Leser, im Nazarener den Meister zu erkennen und anzuerkennen. Die Perikope faßt die ganze Jüngerbelehrung ab Mk 8,27 zusammen und bringt sie auf den Punkt: Erst der in Christus heile und gerettete Mensch ist auch zur Nachfolge bereit und fähig.
In den Kapiteln vor der Bartimäusgeschichte geht es um Ereignisse unmittelbar vor dem Einzug Jesu in Jerusalem, um Leidensankündigung und den Streit der Jünger, wer der Erste im Messiasreich sein soll. Beides will nicht zueinander passen. Die Bartimäusgeschichte, die aufgrund ihrer Form vermutlich von Markus aus anderen Quellen aufgegriffen wurde, lässt nun die Zuhörerschaft wissen, worauf es in der Nachfolge Jesu ankommt: nicht auf Kalkül und Rankings, sondern auf Vertrauen und die Erkenntnis Gottes. Der Blinde (dessen Geschichte auch in den Evangelien des Lukas und des Matthäus zu finden ist) kann nicht kalkulieren. Wenn er geheilt werden will, muss er alles auf eine Karte setzen. Markus lässt damit die Menschen wissen: So geht Nachfolge, voll Vertrauen, das Einsicht und Erkenntnis schafft. Der Weg der Nachfolge muss dann genauso konsequent gegangen werden, notfalls auch als Kreuzesnachfolge: Und er folgte Jesus auf seinem Weg nach, heißt es am Ende Perikope; das meint: mit nach Jerusalem hinein zu Verurteilung und Kreuzestod Jesu.
Die Finsternis, in der der Blinde Bartimäus lebt, ist ein Bild der Hoffnungslosigkeit. Jesus kennt er nur vom Hörensagen. Er wird für ihn zum Hoffnungsträger. Er ermöglich ihm, die Welt sehen und neu wahrnehmen zu können. Viele Menschen leben auch heute im Elend und sind darauf angewiesen, Hoffnungsträgern zu begegnen, die ihnen neue Lebensperspektiven eröffnen.
Ich stelle mir Bartimäus vor. Er ist blind. Sein Leben ist bestimmt von Abhängigkeit. Er hat nur noch die Möglichkeit, an der Straße um seinen Lebensunterhalt zu betteln. Keine staatliche Fürsorge, keine Förderung für blinde Menschen gab es damals. Sein Leben war eher hoffnungslos. Da hört er von Jesus. Er hört, welche Frohe Botschaft Jesus verkündet. Er hört von Krankenheilungen. Nur vom Hören kennt Bartimäus Jesus. Eines Tages sitzt er so wie jeden Tag am Straßenrand. Da hört er, wie Jesus vorkommt. Sein ganzes Handeln ist von der Hoffnung auf Jesus bestimmt. Er springt auf Jesus zu, wirft seinen Mantel weg. Er lässt sich das nicht verbieten. Jesus nimmt den Bartimäus ernst. Er heilt ihn. Er lobt seinen Glauben. Bartimäus spürt: Jesus schenkt mir ein neues Leben. Darum folgt er Jesus.
Hoffnung – das ist das, was viele Menschen brauchen, die im Elend leben. Dieses Elend kann eine Krankheit sein, eine Behinderung oder einfach Einsamkeit sein. Im Elend lebt, wer an den Rand der Gesellschaft gespült wurde und entbehren muss, was ein menschenwürdiges Leben ausmacht. Im Elend leben auch Arbeitslose, die Jugendliche, die ohne Ausbildung und ohne Perspektive auskommen müssen. Sie erleben Hoffnungslosigkeit. Im Elend leben, kann auch bedeuten, das eigene Leben als sinnlos anzusehen.
Da braucht es Frauen und Männer, die Hoffnungsträger sind, die offene Augen für die Nöte ihrer Mitmenschen haben. Hoffnungsträger sind Menschen, die anstatt zu jammern und schwarzzumalen, nach Wegen suchen, dem Elend dieser Menschen abzuhelfen. Es sind Menschen, die an ihrer Stelle und an ihrem Platz, mit ihren Fähigkeiten das tun, was sie tun können, um diese Welt menschlicher zu machen.
Jedes Jahr stellt das Werk „misereor“ solche Frauen und Männer vor. In diesem Jahr gehört zu ihnen auch einer meiner Mitbrüder, Pater Arnold Schmitt. Mit ihm habe ich studiert. Seit 25 Jahren lebt und wirkt Pater Arnold Schmitt in Papua-Neuguinea. „Mit den Menschen leben“, war sein Motto. Danach hat er gehandelt. Er hat Jugendlichen zu einer Ausbildung verholfen. Er hat Kranke ins Hospital gebracht, wenn sie keine anderen Möglichkeiten hatten.
Vor kurzem hat Pater Arnold an seiner Wirkungsstätte die Räume der Kirche renoviert. Diese Räume hat er mit Hilfe von Spenden mit Stühlen und Lehrmaterial ausgestattet. Ausgebildete Lehrer und Lehrerinnen geben in diesen Räumen Alphabetisierungskurse. Pater Arnold macht den Menschen immer wieder deutlich, dass nur durch Bildung die Menschen auch Hoffnung auf eine bessere berufliche Zukunft haben.
Durch Bildung – und hier greife ich die Erzählung der Blindenheilung auf - lernen die Menschen ihre Welt anders zu sehen. Sie werden herausgeholt aus dem Dunkel ihrer Unwissenheit in das Licht der Bildung. Sie bekommen die Möglichkeit, Zusammenhänge anders zu sehen. Die Fähigkeit zu schreiben und zu lesen eröffnet ihnen neue Lebenschancen.
Bartimäus ergreift die große Lebenschance und folgt Jesus, richtet sein Leben auf Jesus aus. Eben das hat auch Jesus in der heutigen Evangeliumserzählung getan. Er hat dem Blinden ein neues Leben geschenkt. Jesus war ein Mutmacher, der nicht nur in schönen Worten steckengeblieben ist.
Nun können wir neben der Blindheit des Bartimäus und seiner Heilung auch noch eine andere Blindheit verstehen. Es gibt eine Blindheit des Herzens. Ich kann blind im Herzen sein, wenn ich nicht sehe und erkenne, was Gott in meinem Leben Gutes gewirkt hat. Der gläubige Mensch kann im Regenbogen das Zeichen entdecken, dass Gott mit uns einen Bund schließt und uns nie allein lässt. Wer blind im Herzen ist, sieht nur den Regenbogen.
Jeremia verkündet in der Lesung diesen Gott. Das Volk Israel war untergegangen. Gott aber sammelt das Volk und führte es aus dem Elend, aus der Not der Verbannung in die Heimat zurück. Es sind „Blinde und Lahme, Schwangere und Wöchnerinnen“ darunter.
Es gibt ein schönes Lied, das mancherorts bei der Taufe gesungen wird: „Segne dieses Kind und hilf uns ihm zu helfen.“ In einer Strophe singen wir: „Dass es sehen lernt mit seinen eigenen Augen: das Gesicht seiner Mutter, und die Farben der Blumen und den Schnee auf den Bergen und das Land der Verheißung.“
Der Glaube kann uns helfen, die Sorgen und Nöte, die Fragen und Hoffnungen der Mitmenschen und auch die eigenen sehen zu lernen. „Herr, ich möchte wieder sehen können!“, sagt Bartimäus zu Jesus. Es könnte auch unser Gebet sein. Wir dürfen auf Jesus unsere Hoffnung setzen. Denn Jesus war mit Gott verbunden. „Meine Hoffnung, sie gilt dir“ (Ps 39,8), lautet das Motto des diesjährigen Sonntags der Weltmission, Unsere Hoffnung gilt Jesus!
Nach dem Markusevangelium sind wir mit Jesus auf dem Weg nach Jerusalem, wo sich in seinem Tod und in der Auferstehung sein wahres Wesen und seine Bedeutung für die Menschen zeigen wird. Es bedarf einer neuen Sichtweise.
„Jubelt Jakob voll Freude zu […]
Verkündet, lobsingt und sagt:
Rette, HERR, dein Volk,
den Rest Israels!“
(Jer 31,7).
Die erste Lesung ist ein Loblied auf Gott, weil Gott Israel adoptiert hat.
„Denn ich bin Vater für Israel“
(Jer 31,9).
Ähnliches sagt schon der Psalm 2 in Vers 7:
„Mein Sohn bist du.
Ich selber habe ich dich heute gezeugt.“
Adoption im Sinn von „nicht verwaist sein.“ Der Heilige Geist, Geist der Adoption, wird uns zugesagt:
„Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne (und Töchter) zu werden
durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen
nach seinem gnädigen Willen.“
(Eph 1,5 – vgl. auch Joh 14,18))
Wir sind in die Familie des Herrn aufgenommen.
Dieser Gedanke setzt sich in der zweiten Lesung fort: Jesus war ganz Mensch, stammt nicht aus priesterlichem Geschlecht und er wird trotzdem als Hoherpriester dargestellt, weil in ihm der Wille Gottes, der Beistand, der Geist der Adoption gegenwärtig ist, der seine Wirksamkeit nach dem Weggang des irdischen Jesus fortsetzt und weiter ausbreitet. „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück.“ Der Hohepriester Jesus Christus als Mittler zwischen Gott und den Menschen bringt Opfer in vollkommener Weise dar durch sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung.
Unser Opfer sollte entsprechend Ps 51,18 anders aussehen: „Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie dir geben, an Brandopfern hast du kein Gefallen.“ Diese wurden nämlich am Tempelplatz von den Hohenpriestern dargebracht. „Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du Gott nicht verschmähen.“ (Ps 51,19). Opfer finden bei Gott durch Umkehr und Reue statt, wenn sich diese im guten und gerechten Tun zeigen. Was wir dem Herrn an Materiellem geben, gehört ihm ja schon. Nachlässigkeiten, üble Taten sollen durch gerechtes Handeln gut gemacht werden.
Das macht das Evangelium wieder in einer Alltagsgeschichte sichtbar. Wunder und Glaube sind untrennbar miteinander verbunden. Auf dem Weg von Kafarnaum nach Jerusalem, dem Ort des Leidens, der Kreuzigung und Auferstehung, ist Jericho die letzte Station mit neuer Begegnung. Viele Menschen sind ihm bisher gefolgt. Er hatte regen Zuspruch. Seine Anfangsbotschaft lautet: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ (Mk 1,14). Die Schar seiner Anhänger wird immer kleiner, eine Alltagssituation. Man ist von jemandem anfänglich begeistert, dann macht die betreffende Person unverständliche Äußerungen, gibt Statements ab, die zunächst Erstaunen, Verwunderung, dann sogar Ablehnung hervorrufen. „Er ist von Sinnen.“ (Mk 3,21). Da sich auch viele seiner Jünger zurückzogen, nicht mehr mit ihm mitgehen wollten, fragte er die verbleibende kleinere Schar der zwölf Jünger: „Wollt auch ihr weggehen?“ (Joh 6,67).
Nicht die Macht der Gebote, der Verbote, nicht die Macht des Schwertes und der Gewalt stehen im Vordergrund, sondern die Macht des Kreuzes mit der Ohnmacht der Liebe. Kreuz und Dornenkrone dürfen nicht verniedlicht werden. Die Jünger haben das damals kaum verstanden. Erst später sind ihnen die Augen aufgegangen. Verstehen wir heute Jesu Botschaft schon besser oder sind wir von diesem anderen Jesus noch immer unangenehm berührt? Im Glauben sind Widersprüche und Gegensätze zusammengefasst. Das Wort des Herrn, die gute Nachricht, die frohmachende Botschaft, das Vertrauen bleibt. Gott ist den Menschen treu.
Diese heilsame Begegnung zwischen Jesus und Bartimäus ist nur mit einem festen Glauben möglich, der heilend wirkt. Ein Wunder also? Nein, nicht ganz, gefordert dabei ist unsere Mitarbeit, Glaube als unerschütterliches Vertrauen. „Was willst du, dass ich dir tue?“ Die Antwort des Blinden: „Ich will wieder sehen können.“ (Mk 10,51). Der Blinde hat schon einmal gesehen. Er hat einen Verlust erlitten. Ein neuer Anfang, ein neuer Zugang wird ihm durch Jesus geschaffen. „Er (Bartimäus) folgt Jesus auf seinem Weg nach.“ Das heißt, er orientiert sein Leben an Jesu Geboten.
„Was willst du, dass ich dir tue?“ Ein fragender Appell an unsere Hilfsbereitschaft gegenüber unseren Mitmenschen. Wo die Frage die gute Tat ergänzt, da ist gelebter Glaube.
Mit offenen Augen auf die Wirklichkeit des Lebens schauen, ist nicht immer einfach und selbstverständlich. Die Liebe Gottes macht nicht blind sondern sehend, bzw. gibt uns Mut zum Hinschauen.
Lasst uns dem Leben trauen,
weil Gott es mit uns lebt (A. Delp)
“Liebe macht blind”, sagt ein Sprichwort. Und es meint: Wenn wir uns in irgendwen oder irgendwas verguckt haben, so heftig, wie es nur geht, verabschiedet sich der Verstand. Da gibt’s kein Halten mehr, kein Reflektieren oder Kalkulieren, nur noch: Ich will. Wenn dann alles gut geht, ist das wunderbar. Aber liebestolle Blindheit und die Gefahr, auf schlechte Wege geführt zu werden, liegen schon recht nah beieinander.
In einer Beziehung ist es doch sehr oft so, dass das Hirn berechnend und überlegend wieder angestellt wird, sobald die Schmetterlinge im Bauch wieder gelandet sind. Dann kommen die Fragen, ob man das Richtige getan hat, ob alles so bleiben soll, wie es ist. Oft gut und richtig, manchmal aber eben auch zu viel des Guten. Bei vielen anderen Projekten ist es aber dann doch auch sehr wichtig, Kalkül walten zu lassen. Kurzum: Blindes Verliebtsein ist mit allerlei Risiken verbunden, oftmals mit zu hohen.
Im heutigen Evangelium erleben wir eine andere, genau umgekehrte Situation: Wir hören, dass Gottes Liebe nicht blind, sondern vielmehr sehend macht. Und dass diese Liebe nicht so ein turbulentes Gefühl ist, sondern ein eingehender Prozess, dass die Liebe Gottes etwas in Gang bringt.
Schauen wir einmal näher auf die Geschichte vom blinden Bartimäus. Zu Beginn wird uns berichtet, dass Bartimäus wegen seiner Blindheit irgendwie nicht dazu gehört; so ein bisschen wohl, aber zuerst steht er am Rand der Gesellschaft. Aber er will drinnen sein und über diesen Mann aus Nazareth hatte er gehört, dass mit ihm eine Chance dazu daherkommt. Jesus ist die Chance seines Lebens, und die will er sich nicht vermasseln. So verlässt er mit aller Kraft die ihm zugeordnete Rolle des schweigenden Bettlers und macht sich bemerkbar. Gegen jegliche Konventionen. Die Leute wollen ihn wohl wieder zurückdrängen an seinen angestammten Platz, aber Bartimäus bahnt sich seinen Weg.
So ist das, wenn Gottes Hinwendung zu den Menschen zu reicher Erkenntnis führt: Dann gibt’s kein Halten mehr. Und als Jesus all sein Mühen honoriert, lenken die Zuschauenden ein und lassen ihn vor zu ihm. Und dann diese scheinbar absurde Frage: "Was willst du, dass ich dir tue?" Was will ein Blinder schon von seinem Retter? - Aber Jesus nimmt auch in diesem Schicksalsmoment dem Blinden die Verantwortung für sein Leben nicht ab. Wenn er sehen können soll, dann nur, weil der Blinde es will. Denn Gottes Liebe zu den Menschen fällt nicht einfach so über uns her, sondern sie begleitet uns auf jedem einzelnen Schritt unseres Lebens, den wir aber selbst gehen müssen.
"Rabbúni, ich möchte sehen können." - Und Jesus sendet den Geheilten zurück auf seinen Lebensweg, den er nun im Licht des Glaubens an seinen Erlöser erkennen und gehen kann: "Geh!" Die Heilserfahrung bewirkt in Bartimäus einen tiefen Glauben und lässt ihn an Jesus dranbleiben: "Und er folgte Jesus auf seinem Weg nach."
Gottes Liebe ist nicht (nur) ein quirliges Gefühl im Bauch, Gottes Liebe schafft Erkenntnis, öffnet uns die Augen fürs Leben.
Die Verkündigung der anderen Texte des heutigen Sonntags geben uns davon ebenfalls ein beredtes Beispiel. Im Buch des Propheten Jeremia hörten wir den Satz: "Ich führe sie an Wasserbäche, auf ebenem Weg, wo sie nicht straucheln. Denn ich bin Vater für Israel".
Das Jeremiabuch ist wenige Jahrzehnte vor der größten Katastrophe des Alten Volkes Israel entstanden, kurz vor dem Babylonischen Exil. Die Prophetenbücher dieser Zeit verweisen auf Rettung durch Gott. Aus ihm erwächst mitten in allem Unheil neues Leben. Der Prophet öffnet dem Volk die Augen und macht sie sensibel für einen Weg, den sie gehen können, um zu überleben und zu leben. Anders als der Gottessohn lässt Jeremia die Menschen aber wissen: Ich kann euch nur darauf aufmerksam machen, wo es lang geht, hinschauen und dann gehen müsst ihr selbst. Im Gottessohn bekommt die Erkenntnis eine neue Qualität, in ihm wird die Sicht auf die Liebe Gottes vielfach klarer, sie wird Mensch, wie Bartimäus hat spüren dürfen.
Wer dann einmal erkannt hat, wo ein Weg entlanggeht und wie ein Lebensweg gut ist, der soll das nicht einfach für sich behalten. Paulus sagt dazu im Brief an die Gemeinde der Hebräer, dass jede und jeder die Erkenntnis Gottes weitergeben soll. Oder anders: Jede/r soll "mit den Unwissenden und Irrenden mitfühlen", wie er schreibt. Jede und jeder mit Erkenntnis soll zu einem Blindenführer werden für all jene, die nicht sehen können oder wollen.
Das Evangelium lässt einen womöglich schwierigen Aspekt der Blindenheilung aus. Es erzählt nicht, wie Bartimäus auf seine Heilung selbst reagiert. Wir hören nur, dass er sich Jesus anschließt.
Im Gespräch mit Menschen mit Sehbehinderungen habe ich immer wieder zu hören bekommen, welch eine Auseinandersetzung es braucht, wenn sich die Sehfähigkeit verändert, sowohl wenn sie sich verschlechtert als auch wenn sie sich verbessert. Die veränderten Seherfahrungen müssen verarbeitet werden, und das ist oftmals nicht ganz einfach. Es bedarf einiger Auseinandersetzungen mit sich selbst und der Umwelt und einer großen Anpassungsfähigkeit.
Das gilt auch für die geistige und geistliche Sehfähigkeit. Wenn Gott in seiner Zuneigung zu uns Menschen uns sehen und erkennen lässt, wie unser Lebens wirklich ist und verläuft, ist das nicht immer eine ganz einfache Erfahrung. Lassen wir uns heute von Bartimäus dazu ermutigen, die Augen aufzumachen und hinzuschauen; zunächst auf uns selbst, um zu sehen wer und wie wir wirklich sind, und dann auch auf die Nöte unserer Nächsten. Und lassen wir uns nicht erschrecken und verängstigen, von dem was wir sehen und erkennen. Wir sind nicht allein. Gott lässt niemanden sitzen, weder Bartimäus damals am Wegesrand noch uns heute.
Oder um es mit den Worten des Jesuitenpaters Alfred Delp zu sagen, der 1945 von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee ermordet wurde und kurz vor seinem Tod schrieb: Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.
Der Prophet Jeremia spricht dem Volk Trost zu, Jesus heilt Menschen und will, dass auch seine Jünger heilend wirken. Die Mission der Kirche (heute ist Sonntag der Weltkirche) besteht darin, dass sie den Menschen Trost und Heilung bringt und so den Menschen dient.
In diesen Sonntagslesungen geht es um Trostworte und Freude. Israel ist gerettet. JHWH befreit sein Volk, weil er treu ist und all die Wunden, das Leid, Krankheiten und körperliche Behinderungen ein Ende haben sollen. Das Volk braucht Hilfe, und der Prophet Jeremia stärkt diese Hoffnung in der Zeit des abrupten Zerfalls des Assyrischen Reichs und des Babylonischen Reiches, von dem 586 v. Chr. Die Zerstörung Jerusalems ausgeht. Trostworte: „Seht, ich bringe sie heim aus dem Nordland und sammle sie von den Enden der Erde.“
Es bleibt aber nicht nur bei Worten, sondern es folgt die Heilung und damit auch die Frage, wer das tun darf. Jesu Antwort ist im Evangelium zu finden, zusammengefasst: Jeder bzw. „Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden.“ Gemeint sind auch die kleinsten Werke der Barmherzigkeit: das tröstende Wort, Zuhören können, die helfende Hand. Das können auch all jene tun, die fernstehen, die nicht viel mit der Religion am Hut haben, die die Institution Kirche sehr kritisch in den Blick nehmen oder überhaupt nichts von ihr wissen wollen.
Die 2. Lesung sagt auch sehr deutlich, von wem aus Heilung geschieht. „Wir haben einen Hohenpriester… Jesus, den Sohn Gottes.“ Da richtet sich auch der Blick auf das Priestertum des Alten Bundes, aus seiner Stellung als Mittler zwischen Gott und Menschen. Der Hohepriester hat auch den Auftrag, sich der Schwachen anzunehmen. Er ist von Gott dazu berufen. Diese Voraussetzungen hat Jesus erfüllt, weil er mit dem Vater eins ist, und der Vater ihm die Würde des Hohenpriesters verliehen hat.
Das wird im Evangelium genauer ausgeführt. Da hören wir auch heute wieder ein Stück Heilsgeographie: die Heilung des Blinden beim Aufbruch von Jericho nach Jerusalem - ein Tagesmarsch. Diese Heilungsgeschichte ist die letzte vor dem Passionsbericht. Heilung als Auftrag für Christinnen und Christen. In den neutestamentlichen Schriften sind Heilungen als Auftrag an die Apostel belegt, bereits bei der Berufung der Zwölf (siehe Mk 3,15 dort lesen wir vom Verkündigungsauftrag und von Heilung), auch bei Mk 6,7 lesen wir vom Sendungsauftrag: „Er sandte sie aus, jeweils zu Zweit“ und gab ihnen „Vollmacht über die unreinen Geister“, also Heilung.
Dieser Auftrag geht weiter an die Kirche. Heute ist Sonntag der Weltkirche, früher Weltmissionssonntag. Das Wort „Mission“ (Sendung) hat bis heute einen üblen Beigeschmack, weil auch hier wieder Schattenseiten der Kirche durchkommen. Deswegen finde ich den Slogan „mission first“ problematisch. Viele Verzerrungen und Missverständnisse der Wahrheit und des Guten führten zu Kriegen, haben eben auch ihren Ursprung in den christlichen Reihen.
Vielmehr meint der Sendungsauftrag, die Mission, Dienst am Menschen. In diesem Evangelium finden wir das Leitmotiv Jesu, den Auftrag für die Kirche und auch für jeden einzelnen von uns: „Bartimäus, was soll ich dir tun?“ Übersetzt heißt das: Wie willst du weiterleben? Welche Unterstützung brauchst du beispielsweise bei der Postensuche, in finanzieller Not, in Beziehungsfragen, im Alter, bei der Hilfe im Haushalt? Die Antwort des Bartimäus: „Ich will w i e d e r sehen.“ Also: Befreie mich nicht nur vom physischen Leiden, sondern auch von Betriebsblindheit. Gib mir Weitblick für meine persönliche Entwicklung und Empathie, Einsicht für andere. Der Blinde hat schon einmal gesehen, er hat einen Verlust erlitten. „Dein Glaube hat dir geholfen.“ Geistig / Seelisches und Körperliches sind wieder in Ordnung, auch untrennbar miteinander verbunden.
Heute also eine Ermunterung hinauszugehen, besonders zu jenen, deren Lebenssituation Hilfe notwendig macht, auch wenn es nur kleine Werke sind, „das Glas Wasser“, von dem vor einigen Sonntagen auch im Markusevangelium die Rede war.
Die Heilung des blinden Bartimäus ist Anlass über das eigene manchmal eingeschränkte Sehvermögen zu schauen und den Herrn zu bitten: "Rabbuni, ich möchte wieder sehen können".
Die Heilung eines Blinden geschieht als letzte Heilung vor dem Einzug und dem Leiden Jesu in jerusalem. Um den Messias Jesus sammeln sich Blinde, Lahme usw.
Der blinde Bartimäus verkörpert Menschen, die um Hilfe schreien. Jesus hört ihn und nimmt sich seiner Not an. Die ist ein Musterbild für Mission. Wo wir auf die unterschiedlichen Hilfeschrei der Menschen hören und den Menschen in Not begegnen, werden wir als Menschen in der Nachfolge Jesu wahrgenommen.
Das Gute, das man selbst erfahren hat, weitererzählen, ist ein Verkünden der Barmherzigkeit Gottes, ist konkrete Mission.
„Meine Hoffnung – sie gilt dir!“ Dieses Wort aus dem Psalm 39, Vers 8, ist das Leitwort des diesjährigen Weltmissionssonntags. Aus diesem Anlass nehmen wir besonders die Mitmenschen in Papua Neu Guinea in den Blick. Ihre Hoffnung gilt Gott, damit sie aus Armut und Elend herausfinden.
Der blinde Bartimäus setzte seine Hoffnung auf Jesus. Das Volk Israel setzte nach dem Untergang seiner Königreiche die Hoffnung auf Gott. Auch unsere Hoffnung gilt Gott. Gott schenkt uns Worte der Hoffnung. Gott schenkt uns Nähe und Liebe im heiligen Mahl. Grüßen wir ihn in unserer Mitte.
Wie mit Blindheit geschlagen sein - das kann einem auch sehenden Auges passieren. Die Männer in Emmaus haben das erfahren. Der blinde Bartimäus nimmt uns heute mit auf einen solchen Gedankengang, der uns die Augen öffnen soll.
Bereiten wir uns einen Moment in Stille vor.
Jesus Christus,
du warst Hoffnungsträger für viele Menschen deiner Zeit und auch heute.
Wir rufen zu dir, der du das Elend vieler Menschen gesehen hast.
Herr, erbarme dich.
Wir rufen zu dir, der du mit den leidenden Menschen Erbarmen hattest.
Christus, erbarme dich.
Wir rufen zu dir, der du die Blinden sehend, die Lahmen gehend und die Tauben hörend gemacht hast.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus,
du öffnest uns die Augen und lässt uns sehen, was wirklich ist.
Herr erbarme dich.
Jesus Christus,
du führst uns vom Sehen zum Erkennen, was wirklich zählt.
Christus erbarme dich.
Jesus Christus,
du schenkst uns eine neue Perspektive für unser Leben hier und heute.
Herr, erbarme dich.
Der gute Gott, erbarme sich unser,
er öffne unsere Augen für uns selbst und diese Welt
er befreie uns von Sünde und innerer Not
und führe uns zum ewigen Leben.
Allmächtiger, ewiger Gott,
mehre in uns den Glauben,
die Hoffnung und die Liebe.
Gib uns die Gnade,
zu lieben, was du gebietest,
damit wir erlangen, was du verheißen hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 30. Sonntag im Jahreskreis
Gott, du willst, dass deine Kirche
ein Zeichen des Heils unter den Völkern sei
Und das Werk Christi bis zum Ende der Welt fortführe.
Erwecke in allen, die glauben,
die wache Sorge für das Heil der Menschen,
damit aus allen Völkern ein heiliges Volk wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn
MB Für die Ausbreitung des Evangeliums B
Gott.
Du suchst Menschen, die von dir sprechen
und der Welt deine gute Botschaft weitersagen.
Hilf uns,
Trägheit und Menschenfurcht zu überwinden
und deine Zeugen zu werden -
mit unserem ganzen Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 7
Guter Gott,
in Jesus Christus schenkst du uns deine ganze Liebe.
Öffne uns die Augen,
dass wir ihn als unseren Heiland erkennen
und ihm folgen auf seinem Weg.
Darum bitten wir durch ihn,
Jesus Christus, deinen Sohn,
unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt in Ewigkeit.
WB 30. Sonntag im Jahreskreis B
Jesus,
Viele Menschen leben in Elend,
sei es, dass sie krank sind,
sei es, dass sie behindert sind,
sei es, dass sie unterdrückt sind,
sei es, dass sie in schlimmen Lebensverhältnissen festgefahren sind.
Viele setzen ihre Hoffnung auf dich.
"Was soll ich dir tun?" – hast du Bartimäus gefragt.
"Was soll ich dir tun?" – fragst du auch uns.
Sei auch unsere Hoffnung
in allem, was uns bedrückt,
in allem, was uns krank macht.
Zeige uns Wege aus dem vielen Elend unserer Zeit. - Amen.
Guter Gott,
wie dem Blinden öffnest du auch uns die Augen
und lässt uns sehen, wie wir wirklich sind.
Schenke uns Weitblick und Einsicht,
dass wir unsere Lebenswege mit Mut und Zuversicht
und im Glauben an dich, unseren Schöpfer, gehen können.
So bitten wir durch Christus. – Amen.
Vater im Himmel,
du sandtest uns deinen Sohn,
damit er uns die Augen neu öffnete
für deine Liebe zu uns.
In ihm hast du uns DAS BEISPIEL gegeben,
das unser Sehen und Handeln tragen soll.
Vieles hat er „auf den Kopf“ gestellt,
damit deutlich wird,
dass immer die Liebe zu dir, zu unseren Mitmenschen
und unserer Umwelt das Maß ist,
das wir im Blick haben sollen.
Schenke uns neu einen wachen Blick
und die Kraft zu handeln.
Zu unserem Herrn Jesus Christus, der Bartimäus von seiner Blindheit befreite und neues Leben schenkte, beten wir voll Hoffnung.
Steh allen, deren Leben bedrückt und trostlos ist, durch die Hilfe und Zuwendung ihrer Mitmenschen bei.
Bewahre die Armen und Verzweifelten davor, sich wertlos zu fühlen.
Schenke allen jungen Menschen in Papua-Neuguinea, die durch Schulbildung ihre Zukunft aufbauen wollen, Mut und Zuversicht.
Mache alle reichen Menschen bereit, ihren Wohlstand mit denen zu teilen, die arm sind.
Bekehre die Herzen aller, die durch Krieg und Unterdrückung das Leben anderer zerstören.
Hilf allen Menschen, Nöte zu sehen und nach Kräften zu helfen.
Erbarme dich der Verstorbenen und schenke ihnen die Erfüllung aller Hoffnungen.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
In der eigenen Blindheit gefangen zu sein kann uns alle unabhängig unserer Sehkraft treffen.
Bitten wir Jesus, uns unsere Augen für sein Licht und seine Wahrheit zu öffnen:
Beten wir um eine Kirche, die ihre Beziehung zu dir vertiefen und der Gottvergessenheit unserer Zeit entgegenwirken kann.
Beten wir um Mut und Möglichkeit für einen offenen Austausch der oft festgefahrenen Meinungen, damit sie nicht zur Zerreißprobe unserer Gesellschaft werden.
Beten wir für alle, die sich ohnmächtig und zurückgelassen fühlen, um das Gefühl dazu zu gehörigen und wahrgenommen zu werden.
Beten wir für uns selbst, dass wir einerseits mit unseren Gaben anderen helfen und andererseits auch Hilfe annehmen können, wenn wir sie brauchen.
Beten wir für alle Sterbenden um deine Nähe und dein Licht beim Übergang in ihre ewige Heimat.
Wir danken dir, Herr, für das Geschenk des Glaubens und deine Hingabe für unser Heil.
Dich loben wir in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist jetzt und allezeit. - Amen.
Gütiger Gott, wir Menschen sind oft mit Blindheit geschlagen
So wollen wir dich bitten:
Menschen haben sich auf ihrem Lebensweg verrannt und wissen nicht mehr, wie es weitergeht. - Öffne ihnen die Augen und lass sie einen Weg in die Zukunft ausmachen.
Menschen schauen weg, weil sie mit Not und Elend anderer nichts zu tun haben wollen.
Öffne ihnen die Augen und lass sie erkennen, was sie nicht wahrhaben wollen.
Menschen fürchten sich vor der Wirklichkeit dieser Welt und belügen sich mit falschen Vorstellungen.
Öffne ihnen die Augen und schenke ihnen den Mut, sich dem zu stellen, was echt und wahr ist.
Menschen sehen nur sich selbst, ergehen sich in Eigennutz und Egoismus und haben kein Gefühl für ihren Nächsten.
Öffne ihnen die Augen und lass sie spüren, dass sie nicht allein auf dieser Welt sind.
Menschen haben ihren Lebenskreis vollendet und ihr Leben zurück in deine Hände gegeben.
Öffne ihnen die Augen und lass sie deine Herrlichkeit auf ewig schauen.
Gott,
dein Sohn hat uns zugerufen, Licht dieser Welt zu sein.
Er mache unsere Dunkelheiten hell
und helfe uns, unsere Augen auf das zu richten, was wichtig ist.
So bitten wir durch Christus unseren Herrn. - Amen.
Wenn wir in unserer Alltagssprache vom „Blindsein“ sprechen, meinen wir oft nicht eine organisch bedingte Sehschwäche sondern verwenden diesen Ausdruck meist im übertragenen Sinn. Lasst uns jetzt den Herrn um sein Erbarmen für die Blindheit unseres Herzens bitten:
Öffne uns die Augen, damit wir die Wege sehen, die du deine Kirche führen willst.
Öffne uns die Augen für alle jene Menschen, die in ihren Nöten durch Pandemie, Umweltbedrohungen, Hunger, Armut, Kriege und Unfreiheit von uns Beistand und konkrete Hilfe erwarten.
Öffne uns als Gesellschaft die Augen, damit wir erkennen, dass die Wirklichkeit oft größer und anders ist als das Augenscheinliche.
Öffne uns die Augen, wenn unser Glaube an dich zur Gewohnheit geworden ist und wir davon nicht mehr existenziell berührt werden.
Öffne uns die Augen für jenes Leben, das du uns nach unserem irdischen Tod verheißen hast.
Engstirnigkeit und egozentrische Perspektiven stören oft unsere Sicht auf dich. Auf dein Erbarmen sind wir immer angewiesen. Dir, unserem Schöpfer und Herr, allein gehört unser Lob und Dank jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, Jesus Christus, du hast dich der Not des blinden Bartimäus angenommen.
Wir bitten dich in den Nöten unserer Zeit.
Jesus, Sohn Davids, erbarme dich unser.
Lass alle Blinden und Sehbehinderten die Hilfe finden,
die sie zur Bewältigung ihres Lebens benötigen.
Lass in den Entwicklungsländern alle Menschen, deren Sehvermögen bedroht ist, ausreichend medizinische Hilfe finden.
Öffne den Blick der politisch Verantwortlichen für die Nöte derer, die in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt werden.
Befähige die Seelsorger und Theologen zu sensiblem Umgang mit Menschen, die sich von der Kirche diskriminiert erleben.
Lass unsere Verstorbenen das Licht des Himmels schauen.
Du, Herr, hast Blinden das Augenlicht geschenkt
und hast dich als Licht der Welt erwiesen.
Dir sei Dank dafür uns Lobpreis. - Amen.
Allmächtiger Gott,
sieh gnädig auf die Gaben, die wir darbringen,
und laß uns dieses Opfer so feiern,
dass es dir zur Ehre gereicht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 30. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat sich als Lösegeld für alle hingegeben.
Mach dein Wort wahr,
dass alle Völker
vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang
durch ihn deinen Namen preisen
und dir überall das eine Opfer darbringen werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Für die Ausbreitung des Evangeliums A
Herrn, unser Gott,
dieses Opfer erwirke uns deine Gnade
und lasse uns teilhaben
am ewigen Leben deines Sohnes.
Denn er ist in unser vergängliches Leben eingetreten,
um uns von unserer Sterblichkeit zu heilen.
Er, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Advent 18. Dezember
Jesus,
du rufst uns an deinem Tisch,
Gesunde und Kranke,
Arme und Reiche,
Erfolgreiche und jene, die sich schwertun.
Du schenkst dich uns allen in Brot und Wein.
Brot und Wein sind dein Leib und dein Blut.
Sie sind Zeichen deiner Liebe.
Sie sind Zeichen, dass du dich für alle hingibst.
Deine Nähe mache uns stark. - Amen.
Treuer Gott,
Brot und Wein geben unserem Leben Nahrung und Freude.
Wandle du sie in die Gegenwart deines Sohnes
und lass uns so erkennen, wie du für uns da bist
und dich um uns sorgst.
So bitten wir durch Christus unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Kehrvers:
Dir sei Dank und Preis und Ehre.
(GL 670,8)
Gott und Vater,
wir haben allen Grund, dir Dank zu sagen und dich zu loben.
Wir danken dir die Augen,
dass wir sehen und die Pracht der Schöpfung wahrnehmen können.
Darüber hinaus danken wir dir, dass du unsere Augen geöffnet hast für das,
was hinter der sichtbaren Schöpfung liegt.
Kehrvers
Wir danken dir für die Ohren,
für die Fähigkeit, Worte und Klänge wahrnehmen und deuten zu können.
Unser Dank gilt dir auch für den Sinn,
den du in alles Geschaffene hineingelegt hast.
Kehrvers
Wir danken dir den Geruchs- und Geschmackssinn,
für alles Angenehme, das sie in uns auslösen,
und für die gute Atmosphäre, für Geborgenheit und Gemeinschaft,
die uns Menschen damit bereiten.
Kehrvers
Wir danken dir, dass wir Dinge ertasten und erfühlen können,
für unsere Fähigkeit, unsere Umgebung wahrzunehmen und zu deuten.
Auch danken wir dir für das Wissen und die Gewissheit deiner Liebe,
die uns in vielfältiger Weise begegnet.
Kehrvers
Schließlich danken wir dir für das Geschenk des Glaubens,
den du uns durch Jesus Christus, deinen Sohn, erschlossen hast,
für die Hoffnung, die er uns daraus erwachst
und für die Liebe, zu der er uns befähigt.
Kehrvers
Wir stimmen ein in den Lobpreis der ganzen Schöpfung und singen:
Danklied: z. B.: Gl 283: Danket, danket dem Herrn… (GL 406)
Wir danken dir,
treuer Gott und barmherziger Vater,
für deinen Sohn Jesus Christus,
unseren Herrn und Erlöser.
Er hatte ein Herz für die Armen und die Kranken,
die Ausgestoßenen und die Sünder.
Den Bedrängten und den Verzweifelten war er ein Bruder.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
dass du für deine Kinder sorgst
wie ein guter Vater und eine liebende Mutter.
Darum rühmen wir deine Güte und Treue
und singen mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Besondere Anliegen 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Gott,
mitten hinein
in die Schatten
unseres Lebens
rufst du uns zu:
Habt Mut - fürchtet euch nicht!
Du versprichst uns
Zuversicht
inmitten der Verzweiflung,
Neuanfang
mitten in der Resignation,
Mut
in jeder Bedrängnis.
Habt Mut - fürchtet euch nicht!
Rufst du auch uns zu,
damit wir eintreten
füreinander,
damit wir es laut weitersagen:
Nicht Dunkelheit und Angst
haben das letzte Wort,
du befreist daraus,
wenn wir dich darum bitten.
Herrn, unser Gott,
gib, daß deine Sakramente
in uns das Heil wirken, das sie enthalten,
damit wir einst
als unverhüllte Wirklichkeit empfangen,
was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 30. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist das wahre Licht,
das jeden Menschen erleuchtet.
Heile die Blindheit unseres Herzens,
damit wir erkennen, was vor dir recht ist,
und dich aufrichtig lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
heilige uns durch das Mahl, das wir gefeiert haben,
und gib uns Kraft zu einem christlichen Leben.
Mache deine Kirche zum Zeichen des Heils unter den Völkern,
damit sie die Gnade empfangen,
die dein Sohn am Kreuz für alle Menschen erworben hat,
der mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit. Amen.
MB Für die Ausbreitung des Evangeliums B
Jesus,
du sendest uns jetzt aus,
deine Liebe zu bezeugen.
So kann Glaube wachsen
in uns und in den Mitmenschen.
Durch uns handelst du auch heute,
durch uns schenkst du auch heute Hoffnung,
wo sonst nur Hoffnungslosigkeit wäre.
Stärke dazu unseren und anderer Menschen Glauben. – Amen.
Gütiger Gott,
Wir haben das Sakrament des Altares gefeiert
und dich, unseren Gott,
in den Gaben von Brot und Wein geschaut.
Gestärkt an Leib und Seele
und mit dem Wort der Frohbotschaft in unseren Herzen
gehen wir nun in die kommende Zeit.
Dazu bitten wir um deinen Segen
durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Vater im Himmel,
wir danken dir für Jesus Christus,
der Blinde sehend gemacht
und Bedürftige aufgerichtet hat,
der uns den Blick weitet für ein gutes Miteinander
und uns zuspricht, dass auch wir ihm folgen können,
in dieser Welt Heil bringend zu handeln.
Schenke uns den Durchblick,
den wir dazu benötigen
und leite du uns mit deinem Segen.
Du, der du eins bist mit Jesus, deinem Sohn,
und mit der Kraft, die uns zufließt durch den Hl. Geist. - Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch.
Er zeige euch sein liebendes Angesicht.
Er beschenke euch mit seinem Heil von Tag zu Tag.
Seine Güte fülle eure Herzen und eure Hände.
Dies gewähre euch der dreieine Gott:
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
(Misso-Werk Aachen zum Sonntag der Weltmission)
Wir rufen zu dir, barmherziger Gott:
Schau gnädig auf dein Volk, das an dich glaubt.
Lass alle, die auf deine Güte vertrauen,
deine Hilfe erfahren
und überall die Großtaten deiner Liebe verkünden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 10
Dein Heil lass uns verkünden, Gott,
von Tag zu Tag,
mit segnenden Händen,
mit heilender Berührung,
mit Not wendender Tat.
Dein Heil lass uns verkünden, Gott,
von Tag zu Tag,
gegen das Dunkel der Angst,
gegen die Last der Armut,
gegen die Bedrohung der Gewalt.
Dein Heil lass uns verkünden, Gott,
von Tag zu Tag,
mit der Freude des Glaubens,
mit der Kraft der Hoffnung,
mit der Macht der Liebe.
Dein Heil lass uns verkünden, Gott,
von Tag zu Tag,
über alle Grenzen,
gegen alle Widerstände,
wider alles Unheil.
Dein Heil lass uns verkünden, Gott,
von Tag zu Tag,
mit Liedern und Tanz,
mit Anmut und Poesie,
mit Herzen, voll von Dank
Irmgard Icking, kirche-poxdorf.de
https://kirche-poxdorf.de/spirituelles/gedanken/dein-heil
Blind bin ich nicht.
Aber kurz - sichtig.
Ich sehe nur das, was direkt vor mir liegt,
was in die Augen springt:
nur die dicken Überschriften in der „Bild“ ,
nur die Probleme, die mich unmittelbar berühren.
Das Kleingedruckte lese ich nicht,
auf die Details achte ich nicht.
Nur das Grobe fällt mir ins Auge,
für Feinheiten habe ich keinen Blick.
Mein Horizont ist recht eng,
mein Weltbild sehr eingeschränkt.
Ich denke nicht weiter und habe wenig Fantasie.
Längerfristige Pläne mache ich nicht.
Mein Spannungsbogen und
meine Geduld reichen nicht weit.
Ich lebe von der Hand in den Mund,
von einem Augenblick zum andern
Blind bin ich nicht. Aber kurzsichtig.
Blind bin ich nicht.
Aber weit-sichtig.
Ich sehe fern.
Nicht nur „Schwarzwaldklinik“ und „Dallas“,
auch „Weltspiegel“ und „Internationalen Frühschoppen“.
Ich engagiere mich für Südafrika und El Salvador,
für Brasilien und Südvietnam.
Ich lese Bücher über Welternährung und Waffenexport.
Nur, was vor meiner Haustür geschieht,
das sehe ich in meiner Weitsichtigkeit nicht;
die schwermütige Kollegin,
die Spüle voll Abwasch zu Hause,
den überfließenden Mülleimer,
der geleert werden muss,
die völlig fertige Frau des Alkoholikers nebenan,
die Asylanten aus dem Bunker ... die sehe ich nicht.
Fernsten - Liebe fällt mir leichter als Nächstenliebe.
Blind bin ich nicht. Aber weitsichtig.
...
Ich brauche einen,
der meinen „blinden Fleck“ heilt.
Ich brauche einen, der mich sehen lehrt.
Aus Hermann Josef Coenen, Meine Jakobsleiter, Patmos Verlag Düsseldorf, 1986.
Ein lauter
oder
ein stummer
SCHREI
„Hab Erbarmen mit mir“
anhalten
Erspüren des Gegenübers
einen Augenblick
mich hinten anstellen
um in sein Innerstes zu sehen
ihn wahrnehmen
wie er ist
mit all seiner Bedürftigkeit
mit all seinem Sehnen -
auch mit seiner ganzen Fülle -
mit ALLEM
was ihn ausmacht
einen Augen-Blick
schenken
der
heilen
aufrichten
befähigen kann
einen Augen-Blick
schenken
der die eigenen blinden Flecken
ins Sehen erhellt
der dem anderen An-Sehen schenkt
einen Augen-Blick schenken
der in diesem Moment
eine kleine Welt
retten kann
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Zweimal bereits hat Jürgen Habermas die markante Selbstbeschreibung „religiös unmusikalisch“ in der Öffentlichkeit eingesetzt: zuerst in seiner Dankrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Jahr 2001, dann nochmals in der Diskussion zwischen ihm und dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger in der Katholischen Akademie in München im Jahr 2004. Dass er dabei, ohne es besonders zu erwähnen, eine semantische Anleihe bei Max Weber machte, war ihm ebenso bewusst wie seinem gebildeten Publikum.
Ich möchte diese überaus diskrete Reverenz des Sozialphilosophen aus Starnberg an den Sozialwissenschaftler aus Heidelberg zum Anknüpfungspunkt nehmen, einige Anmerkungen zu machen, zum einen zur eigenartig gestrickten Konstruktion dieser Art des Sprechens über Religion und zum anderen über das Verhältnis des Theorieproduzenten Jürgen Habermas zum Werk Max Webers.
Mit der Formel von der „religiösen Unmusikalität“ als Selbstprädikation will der Sprecher sagen, dass er über Religion in distanzierter, selbstbeobachtender Weise spricht. Er redet nicht aus der Perspektive eigener religiöser Erfahrung, also eines Gläubigen, sondern aus der Reflexion der Praxis anderer, von denen er sich durch sein Sprechen absetzt. Es gibt, so sagt er, Menschen, die das praktizieren, sogar gekonnt und zuweilen virtuos praktizieren, was ich nicht praktizieren kann. Dennoch sage ich nicht, dass ich das, was jene anderen praktizieren, für unsinnig, ja blödsinnig halte, sondern eher für sachlich erforderlich, ja vielleicht sogar für notwendig. So wie uns Musik umgibt und jeden angeht, so umgibt uns auch Religion, auch die Nichtpraktizierenden. Und beides, Musik wie Religion, ist wichtig, vielleicht sogar schön.
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Dirk Kaesler auf: literaturkritik.de - 23.10.2018
Bei dem Soziologen Weber machen viele Politiker Anleihen, wenn sie ihr Tun als das "Bohren dicker Bretter" beschreiben. Auch seine These zum Verhältnis von Calvinismus und Kapitalismus ist keineswegs verstaubt. In Zeiten der Finanzkrise hat der Ruf nach Moral in der Wirtschaft Konjunktur. Braucht es ein Zurück zur protestantischen Ethik, wurde schon nach den ersten Bankencrashs gefragt, muss der Meisterdenker Max Weber neu entdeckt werden?
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https://www.evangelisch.de/inhalte/93909 - 23.10.2018
Der britische Astrophysiker Stephen Hawking starb am 14. März 2018 im Alter von 76 Jahren friedlich in seinem Haus in Cambridge. Seine Kinder Lucy, Robert und Tim teilten mit, sie seien zutiefst traurig. "Wir werden ihn für immer vermissen."
Hawking litt an der unheilbaren Muskel -und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Bereits seit Jahrzehnten war er fast völlig bewegungsunfähig, er saß im Rollstuhl. Schon seit langem konnte er sich nur noch mühsam mit Hilfe eines Computers verständigen. Zuletzt nahmen seine Kräfte immer mehr ab.
Stephen Hawking war nicht nur ein weltberühmter Physiker und Mathematiker. Der Brite hat sein Wissen über das Universum auch für Millionen Leser verständlich niedergeschrieben. Zu den bekanntesten Werken zählen:
Zitate:
"Meiner Meinung nach sollten sich behinderte Menschen auf die Dinge konzentrieren, die ihnen möglich sind, statt solchen hinterher zu trauern, die ihnen nicht möglich sind."
Aus seiner 2013 auf Deutsch erschienenen Autobiografie "Meine kurze Geschichte".
"Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe es aber auch nicht eilig."
In einem Interview mit: der britischen Zeitung "The Guardian ", 2011.
"Weil es die Gesetze der Schwerkraft gibt, hat sich das Universum aus dem Nichts selbst geschaffen."
Hawking in seinem Buch "Der große Entwurf", 2010.
"Man kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert (...). Aber die Wissenschaft macht Gott überflüssig."
In einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC, 2010.
"Einstein lag falsch, als er sagte "Gott würfelt nicht". (...) Er hat die Würfel manchmal nur dorthin geworfen, wo wir sie nicht sehen."
An der Uni Cambridge bei einer Debatte über Schwarze Löcher, 1994.
"Ich bin der Ansicht, dass wir alle, nicht nur die theoretischen Physiker, gern wissen wollen, woher wir kommen."
In einem Interview mir dem "Spiegel", 1988.
"Wenn wir eine komplette Theorie haben, können wir die Gedanken Gottes verstehen."
In seinem Buch "Eine kurze Geschichte derzeit", 1988.
Zitat über Hawking:
"Die Wissenschaft kann uns nicht hinreichend erklären, woher wir kommen und wohin wir gehen und welchen Sinn unsere Existenz hat".
Papst Benedikt XVI. im September 2010 zu Hawkings Thesen.
Ganzer Beitrag...
diepresse.com über den Astrophysiker und Mathematiker Stephen Hawking - 23.10.2018
Glaubende Menschen sind ein bisschen wie Erfinder. Sie "sehen" Dinge, die es (noch) nicht gibt. Sie "sehen" Dinge, die es bislang nur in ihrer Vorstellung gibt. An Gott glauben heißt: Anteil haben, "sehen", was es bisher nur in der Zukunft nach Gottes Zusagen gibt. Wir kennen das aus unserem Alltag: Auch da "glauben" wir nicht nur, was wir sehen. Wir glauben auch an die Dinge, die noch nicht sind. Wir haben Eingebungen und Ideen, "Visionen", das heißt eigentlich "Sichtungen". Ein Mensch "glaubt" an einen anderen, weil er Dinge für möglich hält, die dieser noch nicht leisten kann. Weil er die Hoffnung, ja das feste Vertrauen hat, dass sich ein Mensch verändern wird. Ein Architekt "sieht" ein Gebäude, das es noch nicht gibt. Wir alle, ob fromm oder nicht, "glauben" also ständig, ohne zu sehen: Würden wir uns nur auf das beschränken, was ist, könnten wir uns weder individuell noch gesellschaftlich weiterentwickeln. Dabei bestehen unsere Projekte und Visionen nicht nur aus einer Erweiterung und Neukombination dessen, was es schon gibt. Manchmal "sieht" jemand etwas, was es noch gar nicht gegeben hat.
Ich denke, es ist heute sehr wichtig, dass wir nicht zu sehr bei den Dingen stehen bleiben, die wir sehen können. Träume, Sehnsüchte, Ängste bestimmen unser Leben in hohem Maße mit, ohne, dass wir sie sehen könnten. Man braucht also gar nicht an die Existenz von Geistern und anderer sichtbarer Mächte glauben und kann dennoch an viel mehr glauben als an das, was man sieht.
Markus Schaefer, Schokolade macht glücklich - Gott auch. Eine Ermutigung zum Glauben. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2004.
"Mystik", das Wort hängt zusammen mit dem Wort "myein", die Augen schließen. Die Mystiker schließen die Augen, um innere Bilder zu sehen und um danach die äußeren Bilder so zu sehen, dass sie Wirklichkeit mitteilen, wahrnehmbare Wirklichkeit.
Wie kommt man dazu? Es beginnt wohl mit der Einübung des Sehens. Wirklich sehen heißt, die Dinge nicht einfordern. Nicht Besitz ergreifen von ihnen. Nicht sie zerstören. Nicht sie missbrauchen. Sich ihnen behutsam nähern, ehrfürchtig, dem Fremden gegenüber. Dabei immer genau sehen. Immer mehr wahrnehmen.
Sehen heißt darum: verstehen, dass alles ein Geschick hat und dass jedes fremde Geschick dich angeht. Sehen heißt achtsam sein."
Gott,
lehre mich hinschauen
auf die Schönheit deiner Welt
auf das Leiden
den Menschen zugefügt
auf den Baum am Wegrand
den flackernden Kerzenschein
das Lächeln im Gesicht des Kindes
die Traurigkeit im Gesicht der alten Frau
auf das Funkeln des Weines im Glas
den Reif auf dem Rosenblatt
das trostlose Gesicht hinter der Fensterscheibe
auf die Gebrochenheit in mir
lehre mich mit neuen Augen sehen
damit ich sehe
wenn ich sehe
hell und dunkel
heil und gebrochen
mich und die Welt
Andrea Schwarz, Wie ein Gebet sei mein Leben. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2012.
Wenn Sie Gott wirklich nahe kommen möchten, sollten Sie es mit Beten versuchen. Aber wie macht man das? Es gibt viele mögliche Körperhaltungen für das Gebet, aber für den Beginn empfiehlt sich das aufrechte Stehen, mit offenen Augen. Ein starker, mutiger Stand, verwurzelt bis in die Tiefen der Erde, und ein mutiger Blick nach vorne und nach oben. Eine Körpersprache, die sagt: "Hier bin ich. Dein Geschöpf. Mit all meiner Kraft, allen Fähigkeiten, die ich dir verdanke. Ich bin bereit." Diese Haltung lässt sich am besten unter freiem Himmel durchführen, wo der Blick nach oben nirgends hängen bleibt, wo die Höhe der Wolken über einem ist oder das weite Blau des Himmels oder die unendliche Schwärze der Nacht. Deswegen sind die alten Kathedralen so gebaut, dass sie fast automatisch den Blick nach oben lenken und viel Raum lassen für eine offene Sicht.
Das Ziel des Betens ist es, Gott zu bewegen, dass er Anteil nimmt an meinem Leben. Im Gebet stelle ich eine lebendige Verbindung her mit Gott. Eine Verbindung mit zwischen dem, was ich mir wünsche, und dem, was Gott will. Eine Verbindung zwischen meinen Bedürfnissen und seinem Überfluss. Eine Verbindung zwischen meinen Grenzen und seiner Stärke.
Die eigentlichen, die wesentlichen Gebete, das sind die Gebete vor einer Grenze oder einer Mauer, Gebete in der Ausweglosigkeit, geschriene Gebete, geweinte Gebete, gestammelte Gebete, oder einfach hilflos stumme Gebete. Manche Menschen haben Scheu, zu beten, weil sie sich schämen, immer erst zu Gott zu kommen, wenn sie keinen eigenen Ausweg wissen. Dafür ist das Gebet doch da, höre ich Gott sagen: Komm zu mir mit deiner Hilflosigkeit, mit deiner Frage. Ich werde mehr tun als sie zu beantworten. Ich werde sie verwandeln.
Werner Tiki Küstenmacher, Drei Minuten Bibel, Pattloch Verlag, München 2004.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Es ist eine Trostaussage, die auch als solche zu lesen ist: Die Not wird beschrieben und anerkannt, aber ihr wird auch der Ausweg angeboten. Der Ausweg heißt aufrichtige Begegnung.
Zum Text:
Vers 7: "Denn so spricht Jahwe": ist Anfang eines neuen Spruchs, gleichzeitig aber auch die Verbindung mit Vers 6. Dort rufen Wächter auf dem Gebirge Ephraim (Nordreich) auf zur festlichen Wallfahrt nach Jerusalem. Der Gedanke der religiösen (und politischen) Enheit steht dahinter: Zion wird wieder Mittelpunkt für danz Israel (Nord- und Südreich) sein. Die kultisch-liturgiesche Vorstellung klingt in V 7 weiter: Aufforderung zum Jauchzen, Jubel und gottesdienstlichem Bekenntnis. Der Jubel mündet in das Bekenntnis: "Jahwe hat sein Volk gerettet, den Rest Israels." Die Vorstellung vom "Rest" ist politisch-militärischer Herkunft (von besiegten Völkern bleibt ein Rest übrig), wird aber mehr und mehr bei Amos, bei Jeremia, Deuterojesaja und Ezechiel zu einem festen Terminus mit messianisch-eschatologischen Erwartungen verbunden: Mitten im Zusammenbruch erweist sich Gott darin am Werk, daß überhaupt ein Rest übrigbleibt, den Gott zu einem neuen Anfang in der Geschichte seines Heils ausersehen hat.
Vers 8: Mit der Restvorstellung ist meist auch das "Sammeln der Zerstreuten" verbunden. Nicht nur aus dem Exilland, sondern von allen Seiten, aus allen Ländern führt Jahwe die Zerstreuten heim: ein ergreifender Ausdruck für seine unwiderstehliche rettende Tat, die keinen übersieht, mag er in die fernsten Winkel der Erde verschlagen worden sein und keinen zurückläßt, auch nicht diejenigen, die zu allen Zeiten und überall den "Fortschritt" behindern: Blinde, Lahme, Schwangere etc - die "unproduktiven" Gruppen der Gesellschaft. Eschatologisches Heil und menschenmögliche reale, sozialpolitische Hoffnung sind hier fast unzertrennlich verbunden.
Vers 9: Unter Jahwes Geleit wird das neue Heil erfahren als die große Schicksalswende, in Bildern ausgedrückt, die stark an die Psalmen erinnern. Grund und Gewähr für den Erfolg auf diesem Weg liegen allein darin, daß man erfährt und erkennt: "Ich (der Herr) bin Israels Vater". Gottes erbarmende Liebe und väterliche Sorge machen Umkehr und Schicksalswende möglich.
Jeremia ist einer der Propheten, der seine Rolle als Mahner, Warner und Verkünder von Gottes Gericht am intensivsten ausgeübt hat. Was er will, steht gleich im 1. Kapitel: Ausreissen und niederreissen, vernichten und einreissen, aufbauen und einpflanzen (1,10). Wobei ein Übergewicht des Destruktiven augenscheinlich ist. Die zwei Verse der heutigen Lesung verbreiten daher eine Stimmung, die im Jeremia-Buch nicht unbedingt zur vorherrschenden gehört: Freude über erlebte Rettung. Nach aller Bedrängnis und allem Gericht gibt es die Rettung in Gott. Die Textstelle erinnert an Psalm 23, der dem Autor des Jeremia-Buches bekannt gewesen sein muss.