Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Deuteronómium.
Mose sprach zum Volk:
Israel, hör auf die Gesetze und Rechtsentscheide,
die ich euch zu halten lehre!
Hört und ihr werdet leben,
ihr werdet in das Land,
das der Herr, der Gott eurer Väter, euch gibt,
hineinziehen und es in Besitz nehmen.
Ihr sollt dem Wortlaut dessen,
worauf ich euch verpflichte,
nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen;
ihr sollt die Gebote des Herrn, eures Gottes, bewahren,
auf die ich euch verpflichte.
Ihr sollt sie bewahren und sollt sie halten.
Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung
in den Augen der Völker.
Wenn sie dieses Gesetzeswerk kennenlernen,
müssen sie sagen: In der Tat,
diese große Nation ist ein weises und gebildetes Volk.
Denn welche große Nation hätte Götter,
die ihr so nah sind, wie der Herr, unser Gott, uns nah ist,
wo immer wir ihn anrufen?
Oder welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsentscheide,
die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung,
die ich euch heute vorlege?
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Deuteronómium.
Mose sprach zum Volk:
Israel, hör auf die Gesetze und Rechtsentscheide,
die ich euch zu halten lehre!
Hört und ihr werdet leben,
ihr werdet in das Land,
das der Herr, der Gott eurer Väter, euch gibt,
hineinziehen und es in Besitz nehmen.
Ihr sollt dem Wortlaut dessen,
worauf ich euch verpflichte,
nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen;
ihr sollt die Gebote des Herrn, eures Gottes, bewahren,
auf die ich euch verpflichte.
Ihr habt mit eigenen Augen gesehen,
was der HERR wegen des Baal-Pegor getan hat:
Jeden, der dem Baal-Pegor nachfolgte,
hat der HERR, dein Gott, in deiner Mitte vernichtet.
Ihr aber habt euch am HERRN, eurem Gott, festgehalten
und darum seid ihr alle heute noch am Leben.
Siehe, hiermit lehre ich euch,
wie es mir der HERR, mein Gott, aufgetragen hat,
Gesetze und Rechtsentscheide.
Ihr sollt sie innerhalb des Landes halten,
in das ihr hineinzieht, um es in Besitz zu nehmen.
Ihr sollt sie bewahren und sollt sie halten.
Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung
in den Augen der Völker.
Wenn sie dieses Gesetzeswerk kennenlernen,
müssen sie sagen: In der Tat,
diese große Nation ist ein weises und gebildetes Volk.
Denn welche große Nation hätte Götter,
die ihr so nah sind, wie der Herr, unser Gott, uns nah ist,
wo immer wir ihn anrufen?
Oder welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsentscheide,
die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung,
die ich euch heute vorlege?
Kv: Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt,
wer darf weilen auf deinem heiligen Berg? – Kv
Oder: GL 34,1
Der makellos lebt und das Rechte tut, /
der von Herzen die Wahrheit sagt, *
der mit seiner Zunge nicht verleumdet hat,
der seinem Nächsten nichts Böses tat *
und keine Schmach auf seinen Nachbarn gehäuft hat. – (Kv)
Der Verworfene ist in seinen Augen verachtet, *
aber die den Herrn fürchten, hält er in Ehren.
Er wird nicht ändern, *
was er zum eigenen Schaden geschworen hat. – (Kv)
Sein Geld hat er nicht auf Wucher verliehen *
und gegen den Schuldlosen nahm er keine Bestechung an.
Wer das tut, *
der wird niemals wanken. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Meine geliebten Schwestern und Brüder!
Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk
kommt von oben herab,
vom Vater der Gestirne,
bei dem es keine Veränderung oder Verfinsterung gibt.
Aus freiem Willen
hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren,
damit wir eine Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.
Nehmt in Sanftmut das Wort an,
das in euch eingepflanzt worden ist
und die Macht hat, euch zu retten!
Werdet aber Täter des Wortes
und nicht nur Hörer,
sonst betrügt ihr euch selbst!
Ein reiner und makelloser Gottesdienst ist es
vor Gott, dem Vater:
für Waisen und Witwen in ihrer Not zu sorgen
und sich unbefleckt von der Welt zu bewahren.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Meine geliebten Schwestern und Brüder!
Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk
kommt von oben herab,
vom Vater der Gestirne,
bei dem es keine Veränderung oder Verfinsterung gibt.
Aus freiem Willen
hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren,
damit wir eine Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.
Wisset, meine geliebten Brüder und Schwestern:
Jeder Mensch sei schnell zum Hören,
langsam zum Reden,
langsam zum Zorn;
denn der Zorn eines Mannes
schafft keine Gerechtigkeit vor Gott.
Darum legt alles Schmutzige und die viele Bosheit ab
und nehmt in Sanftmut das Wort an,
Nehmt in Sanftmut das Wort an,
das in euch eingepflanzt worden ist
und die Macht hat, euch zu retten!
Werdet aber Täter des Wortes
und nicht nur Hörer,
sonst betrügt ihr euch selbst!
Ein reiner und makelloser Gottesdienst ist es
vor Gott, dem Vater:
für Waisen und Witwen in ihrer Not zu sorgen
und sich unbefleckt von der Welt zu bewahren.
Halleluja. Halleluja.
Durch das Wort der Wahrheit hat uns der Vater das Leben geschenkt
und uns zu Erstlingen seiner Schöpfung gemacht.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
versammelten sich die Pharisäer
und einige Schriftgelehrte,
die aus Jerusalem gekommen waren,
bei Jesus.
Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot
mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen.
Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur,
wenn sie vorher mit einer Handvoll Wasser
die Hände gewaschen haben;
so halten sie an der Überlieferung der Alten fest.
Auch wenn sie vom Markt kommen,
essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen.
Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein,
wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also:
Warum halten sich deine Jünger
nicht an die Überlieferung der Alten,
sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen?
Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesája hatte Recht
mit dem, was er über euch Heuchler sagte,
wie geschrieben steht:
Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen,
sein Herz aber ist weit weg von mir.
Vergeblich verehren sie mich;
was sie lehren, sind Satzungen von Menschen.
Ihr gebt Gottes Gebot preis
und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.
Dann rief Jesus die Leute wieder zu sich
und sagte: Hört mir alle zu
und begreift, was ich sage!
Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt,
kann ihn unrein machen,
sondern was aus dem Menschen herauskommt,
das macht ihn unrein.
Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen,
kommen die bösen Gedanken,
Unzucht, Diebstahl, Mord,
Ehebruch, Habgier, Bosheit,
Hinterlist, Ausschweifung,
Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft.
All dieses Böse kommt von innen
und macht den Menschen unrein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
versammelten sich die Pharisäer
und einige Schriftgelehrte,
die aus Jerusalem gekommen waren,
bei Jesus.
Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot
mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen.
Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur,
wenn sie vorher mit einer Handvoll Wasser
die Hände gewaschen haben;
so halten sie an der Überlieferung der Alten fest.
Auch wenn sie vom Markt kommen,
essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen.
Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein,
wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also:
Warum halten sich deine Jünger
nicht an die Überlieferung der Alten,
sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen?
Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesája hatte Recht
mit dem, was er über euch Heuchler sagte,
wie geschrieben steht:
Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen,
sein Herz aber ist weit weg von mir.
Vergeblich verehren sie mich;
was sie lehren, sind Satzungen von Menschen.
Ihr gebt Gottes Gebot preis
und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.
Und weiter sagte Jesus:
Sehr geschickt setzt ihr Gottes Gebot außer Kraft,
um eure eigene Überlieferung aufzurichten.
Denn Mose hat gesagt:
Ehre deinen Vater und deine Mutter!
und: Wer Vater oder Mutter schmäht,
soll mit dem Tod bestraft werden.
Ihr aber lehrt:
Wenn einer zu seinem Vater oder seiner Mutter sagt:
Korbán - das heißt: Weihgeschenk sei,
was du von mir als Unterstützung erhalten solltest - ,
dann lasst ihr ihn nichts mehr für Vater oder Mutter tun.
So setzt ihr durch eure eigene Überlieferung
Gottes Wort außer Kraft.
Und ähnlich handelt ihr in vielen Fällen.
Dann rief Jesus die Leute wieder zu sich
und sagte: Hört mir alle zu
und begreift, was ich sage!
Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt,
kann ihn unrein machen,
sondern was aus dem Menschen herauskommt,
das macht ihn unrein.
Er verließ die Menge und ging in ein Haus.
Da fragten ihn seine Jünger nach dem Sinn
dieses rätselhaften Wortes.
Er antwortete ihnen: Begreift auch ihr nicht?
Versteht ihr nicht, dass das,
was von außen in den Menschen hineinkommt,
ihn nicht unrein machen kann?
Denn es gelangt ja nicht in sein Herz,
sondern in den Magen
und wird wieder ausgeschieden.
Damit erklärte Jesus alle Speisen für rein.
Weiter sagte er:
Was aus dem Menschen herauskommt,
das macht ihn unrein.
Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen,
kommen die bösen Gedanken,
Unzucht, Diebstahl, Mord,
Ehebruch, Habgier, Bosheit,
Hinterlist, Ausschweifung,
Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft.
All dieses Böse kommt von innen
und macht den Menschen unrein.
Das Einhalten von Gesetzen führt uns manchmal in Konflikte; Konflikte zwischen dem äußeren Erscheinen und dem inneren Erleben, aber auch Konflikte zwischen unterschiedlichen Vorstellungen von dem, was für mich gut ist und was für andere gut ist. Da sind manchmal wir versucht, uns mit "scheinheiligen" Scheinlösungen zufrieden zu geben und aus dem Blick zu verlieren, was uns allen gut bekommt.
Die heutigen biblischen Texte erinnern mich an den Schriftsteller und Autor Franz Kafka, dessen hundertsten Todestag wir in diesem Jahr begehen. Im Genaueren an seine Parabel „Vor dem Gesetz“. Darin geht es um das verzweifelte Bitten eines Mannes, um den Einlass zum Gesetz, welches von einem Türhüter verhindert wird mit der Begründung, dass nach ihm noch viel mächtigere Türhüter kämen. Letztendlich lässt sich der Mann bereits durch das Zeugnis des ersten Türhüters aufhalten und verbringt aus Angst vor all dem, was nachher kommen könnte, den Rest seines Lebens vor der Tür zum Gesetz, obwohl er die anderen nicht einmal gesehen hat und nur aufgrund des Zeugnisses des Ersten nicht weiter eintreten will. Am Ende stirbt er als gebrochener Mann, ohne einen weiteren Schritt getan zu haben.
Solche Ängste kennen wir nur zu gut, denn auch wir sind ihnen täglich ausgesetzt. Bei uns geht es etwa um die Angst vor Gewalt und Terror, um die Angst, zu viel oder zu wenig zu tun, oder um die Angst vor der Zukunft. Wie auch bei dem Mann aus Kafkas Werk. Er hat lediglich Angst vor dem, was kommt bzw. kommen könnte. Letztendlich mündet diese kleine Angst in eine Phobie, die einen selbst und das Leben lähmt oder gar handlungsunfähig macht. Nicht selten versuchen wir, sie zu überspielen, anstatt Dinge in Angriff zu nehmen und zu bewältigen, denn dies kostet oft große Anstrengung und lässt die Option zu versagen offen. Oftmals aber – so sehen wir an dieser kleinen Geschichte – müssten wir unsere Ängste einfach zulassen und dagegen ankämpfen, denn die Probleme scheinen oft größer als sie wirklich sind.
Auch die Pharisäer im heutigen Evangelium kann man mit dem Mann vor dem Gesetz vergleichen. Anstatt dem Blick auf die wesentlichen Dinge zu lenken, geben sie sich mit dem äußeren Schein zufrieden. Die aus unserer heutigen christlichen Sicht oft profan erscheinenden Speise- und Essvorschriften hatten zur Zeit Jesu für viele Juden wichtige Bedeutung. Jesus hingegen widerspricht den Juden, denn ihm geht es vorrangig nicht um irgendwelche Gesetze und Vorschriften, wie man sich wäscht oder wie man isst. Ihm geht es darum, dass all das, was von innen vom Menschen kommt, rein sein soll, dass wir unser ganzes Herz nach Gott ausrichten und als gläubige Menschen nach seiner Botschaft leben.
Oder einfacher gesagt: Das Gesetz ist gut, aber es gilt nicht Gott gegenüber. Seine Gebote und Satzungen betreffen das Lebensnotwendige, die Fragen, die für das Überleben des Menschen wichtig sind. Die Frage nach genug zu essen und zu trinken, die Frage nach Freiheit, nach Frieden usw. Somit wird deutlich: Auf essentielle Fragen des Lebens mit dem Gesetz zu antworten, ist nur bedingt eine Lösung. Damals wie heute!
Es braucht Gott, der uns die Richtung weist, damit wir nicht nur Gutes denken, sondern auch Gutes wollen und es letzten Endes auch tun. Wenn wir das erkennen, dann kann auch unser persönliches Inneres rein werden, fernab von bösen Gedanken.
Die erste Lesung aus dem Buch Deuteronomium bekräftigt das vor dem Volk Israel, worauf auch der Text aus dem Markusevangelium hinauswill. Mose zeigt hier Gott als den Gerechten, der durch seine Gebote, die Menschen nicht einschränken will. Gott hat dem Volk die Vorschriften zum Schutz, zum Wohl und zum Heil gegeben. In ihnen drückt sich einerseits die enge Verbindung zwischen Gott und den Menschen aus und andererseits regeln sie das Zusammenleben zwischen allen Menschen. Hier wird erkennbar: Diese Gesetze sind gerecht und Gott offenbart sich als der, der seinem Volk grenzenlose Freiheit schenkt.
Aber - halt! Wie passt das zusammen? Gesetze, die den Menschen einschränken, sollen die Israeliten als Zusage zur Freiheit verstehen? Ja, so ist es! Der Mensch weiß mit seiner Freiheit nur etwas anzufangen, wenn er gewissen Regeln unterstellt ist. Nur so kann menschliches Zusammenleben gelingen.
Wieder stellt sich die Frage: Wie ist das bei uns? Gesetze und Regeln werden bei uns oft als lästige Einschränkung der Freiheit empfunden. Auf den ersten Blick ist dies auch verständlich, denn meist gibt es nur zwei Optionen: Entweder ich halte mich an die Regel oder ich missachte sie. Ob ich z. B. im Ortsgebiet die vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer einhalte oder ob ich mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt rase mit dem gesteigerten Risiko, dass ich dabei jemanden übersehe.
Wie das Volk Israel sollten auch wir uns bewusst bleiben, wofür die Gesetze da sind: für das Wohl der Allgemeinheit und für den Schutz jedes einzelnen von uns. Beim Einhalten der Gesetze geht es auch für nicht um das Aufrechterhalten einer Fassade, sondern dass wir das Wohl und den Schutz aller auch verinnerlicht haben und von Herzen verfolgen. Jesus sieht nicht auf unsere Fassade, sondern er kennt auch unser tiefstes Inneres, unser Herz.
Um Menschen zum Guten anzuhalten, verfallen wir leicht auf Vereinfachungen und teilen die Welt in "gut" und "böse", in "rein" und "unrein" auf. Damit verwischen wir die vielen Nuancen dazwischen und weichen der Frage aus, was eine Handlung gut oder böse macht. Dass etwas gut wird, hängt auch von den Motiven ab, mit der wir etwas tun. Diese kommen aus unserem Herzen.
Die Zahl der Gesetze wird immer größer. Kaum jemand hat den Überblick über alle Normen und Rechtsvorschriften, die in einem Staat gelten. Juristen verdienen gutes Geld damit, dass sie den einfachen Staatsbürgern ihre Hilfe, ihren Rat und ihren Rechtsbeistand anbieten. Gesetze sind überall notwendig, wo Menschen zusammenleben. Wo sie nicht festgeschrieben sind, gelten "ungeschriebene Gesetze", Gewohnheiten oder Bräuche, die von allen einzuhalten sind, die dazugehören wollen.
Nicht alle Mitglieder einer Gesellschaft haben ihre Freude daran. Immer wieder meinen einzelne, über dem Gesetz zu stehen und sich nicht darum kümmern zu müssen. Dazu kommen noch alle jene, deren Rechtsempfinden einfach gesagt "unterentwickelt" ist.
Lawrence Kohlberg, ein US-amerikanischer Erziehungswissenschaftler hat dazu eine weithin anerkannte Theorie über Stufen des moralischen Lernens aufgestellt. Was bringt Menschen dazu, dass sie Vorschriften und Gesetze einhalten? Die Fähigkeit dazu entwickeln sie erst nach und nach. Diese verläuft nach Kohlberg in 6 Stufen.
Kleinkinder befolgen Regeln aus Angst vor Bestrafung wie z.B. Liebesentzug. Sie haben noch keine Einsicht, warum sie so handeln sollen, wie die Eltern ihnen vorgeben.
Etwa im Grundschulalter lernen sie dann, dass auch andere Menschen die gleichen Bedürfnisse haben wie sie selbst. Sie verhalten sich nun zusätzlich nach dem Grundsatz "do ut des" (lateinisch: "gib etwas, dann wirst du auch etwas dafür bekommen".)
Im frühen Jugendalter lassen sich Jugendliche von den Erwartungen einer Gruppe motivieren. Sie legen Wert darauf als "good boy – good girl" wahrgenommen zu werden.
Erst im Jugendalter beginnen sie zu verstehen, dass eine Gesellschaft nur gut funktionieren kann, wenn sich jeder und jede an die geltenden Gesetze hält.
Im Erwachsenenalter werden gesellschaftliche Normen nicht bloß befolgt, sondern auch hinterfragt, ob sie gerecht und dem einzelnen dienlich sind.
Nur wenige Menschen wachsen noch darüber hinaus und suchen Einsicht in allgemein gültige ethische Prinzipien wie etwa die "Goldenen Regel" oder dem "kategorischen Imperativ" eines Immanuel Kant.
Jeder Mensch muss diese Stufen durchlaufen. Die jeweils nächste baut auf die vorherige auf. Nicht jeder erreicht auch die höheren Stufen. Manche bleiben auf niedrigeren Stufen stehen und halten z.B. nach wie vor eine Regel nur aus Angst vor einer Bestrafung ein. Nicht wenige haben mit der Einsicht in die Notwendigkeit von Gesetzen den Zenit ihrer persönlichen moralischen Entwicklung erreicht. Sie fragen nicht mehr nach dem tieferen Sinn einer Vorschrift, sondern zeichnen sich durch ein unhinterfragtes Ordnungs- und Pflichtbewusstsein aus. Dies verlangen sie auch von den anderen. Ihr Prinzip lautet "Gesetz ist Gesetz".
Autoritäre Systeme wie auch religiös-fundamentalistische Gruppierungen machen sich diese Einstellung zunutze und verhindern weiteres darüber Nachdenken. Diese sind meist nicht daran interessiert, dass ihre Mitglieder über ein "Gesetz ist Gesetz"-Bewusstsein hinauswachsen. Persönliche Verantwortung übernehmen oder eine persönliche Gewissensentscheidung treffen kann jedoch nur jemand, der fähig geworden ist, sich mit dem tieferen Sinn von Gesetzen auseinanderzusetzen.
Diese psychologische und erziehungswissenschaftliche Betrachtungsweise zeigt, dass neben dem juristischen Blick auf Gesetze und der Frage, was ist erlaubt und was ist verboten, noch eine zweite Sichtweise wichtig ist: Was motiviert einen Menschen, Regeln und Gesetze einzuhalten?
Darauf laufen auch die Auseinandersetzungen Jesu mit den Pharisäern und Schriftgelehrten hinaus. Für ihn ist entscheidend, was sich im Herzen der Menschen abspielt. Erst dadurch wird etwas "rein" oder "unrein", erst dadurch wird eine Handlung gut oder böse. "Aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid. Lästerung, Hochmut und Unvernunft", haben wir im Evangelium gehört. Der Vollständigkeit halber müssten wir dieser Liste eine Liste der guten Gedanken und Motive gegenüberstellen: z.B. die Liebe in allen Facetten wie Gottes- und Nächstenliebe, Gerechtigkeitssinn, Barmherzigkeit und andere mehr.
"Rein" und "unrein" sind für uns heute wieder zu hygienischen Begriffen geworden, was sie von Anfang an waren. In der religiösen Praxis der meisten Christen spielen sie kaum mehr eine Rolle. Ich selbst erlebte noch eine Zeit, in der man mit einer undifferenzierten Spiritualität des "reinen Herzens" Menschen geplagt, überfordert und verstört hat.
Aber auch "gut" und "böse" lassen sich nicht einfach voneinander unterscheiden. "Gut gemeint" ist meist das Gegenteil von gut.
Um herauszufinden, was letztendlich als gut und was als böse zu bewerten ist, braucht es einen intensiven gesellschaftlichen Diskurs. Dieser findet auf mehreren Ebenen statt: In den traditionellen wie auch den neuen Medien, in der Erziehung, in der Wissenschaft und nicht zuletzt in der religiösen Praxis. Es ist wichtig, dass wir uns als Christen in diesen Diskurs einbringen und zur Sprache bringen, was uns wichtig und wertvoll ist. In diesem Dialog bringen wir nach außen, was uns im Innersten bewegt.
Wir sind erfreut oder entsetzt über das Gute oder über das Böse, das aus Menschen herauskommt. Wie kommt es in die Menschen hinein und was können wir tun, um das Gute zur Entfaltung zu bringen?
Was macht den Menschen aus? - Etwa sein Gewicht? Seine Stellung? Sein Beruf? Sein privates Glück? Oder?
Folgende Worte aus den heutigen Lesungen leiten mich bei der Frage, was den Menschen ausmacht. Das Wort Jesu im Evangelium: „von innen, aus dem Herzen des Menschen kommen die bösen Gedanken“ (Mk 7,21). Und Worte aus dem Jakobusbrief: „Werdet Täter des Wortes und nicht nur Hörer“ (Jak 1,22). Besonders: „Aus freiem Willen hat er (Gott) uns durch das Wort der Wahrheit geboren“ (Jak 1,18). Und: „Nehmt in Sanftmut (das heißt bereitwillig) das Wort an, das in euch eingepflanzt worden ist“ (Jak 1,21b).
Also erstens: Das Böse kommt von innen, „aus dem Herzen“ – aber auch das Gute! Was macht den Menschen aus? Sein Inneres, sein Herz!
Zweitens: „Werdet Täter des Wortes und nicht nur Hörer.“ Was den Menschen ausmacht, ist sein Handeln und was sich in seinem Handeln zeigt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!“
Was macht den Menschen aus? Die dritte Antwort: „Das Wort, das in euch eingepflanzt worden ist!“ Also das, was Gott in den Menschen hineingelegt hat, „eingepflanzt“ ist und die Macht hat, sich zu entfalten! Gott wird in diesem Zusammenhang „der Vater der Gestirne“ genannt: ein Hinweis auf seine Größe und seine Verlässlichkeit! Was von ihm kommt, was aus ihm herauskommt, aus seinem Herzen, gilt! Es ist keine Tageslaune. Dieser Gott, aus dessen Innerem das Wahre, das Verlässliche kommt, „hat uns durch das Wort der Wahrheit geboren“. Dass Jesus das Wort Gottes ist und daher die Wahrheit, ist uns vermutlich geläufig, aber da heißt es ja: „Er hat uns durch das Wort der Wahrheit geboren“. Also: ich bin durch ihn. Unser Inneres, unser wahres und tiefstes Sein ist sein Wort. Mich gibt es, dich gibt es „durch das Wort der Wahrheit“. So bin ich und so bist du ein Wort im Wort der Wahrheit. Wir sind Worte Gottes im WORT des Vaters. Jeder und jede von uns ist im Wort Gottes, das in Jesus Fleisch geworden ist, ein Wort Gottes! Was macht mich als den Menschen, der ich bin, zutiefst aus? Das Wort, das Gott in mir und durch mich zur Sprache bringt.
Warum kann dann – siehe Evangelium – aus dem Inneren auch Böses kommen? Weil auch Ungutes hineingerät, im Bild der verschiedenen Ackerfelder: das, was der Feind hinzu sät. Ja, es gibt auch in uns das Unkraut und Unkraut hat es in sich zu wuchern. Doch wir dürfen uns sagen: Das bin ich nicht! Ich habe nämlich die Fähigkeit, mich vom Unkraut zu distanzieren, z.B. im Bekenntnis vor Gott, in Reue und dem Vorsatz, es anders zu machen - und in der inneren Klärung dessen, was mich dabei zutiefst bewegt.
Ein Beispiel für das, was ich meine: Ich rege mich über das Verhalten eines anderen Menschen so richtig auf. Das Falsche daran kann sein, dass ich mich über den anderen erhebe und mit seinem nicht richtigen Verhalten seine Person mitverurteile. Das ist zu bereinigen. Aber ich kann weiterfragen: Was ist denn das, was mich da so aufregt? Ich kann zur Erkenntnis kommen: Die Aufregung ist Ausdruck dafür, dass ich mich von einem solchen Verhalten abgrenze, also ein scharfer Ausdruck meiner inneren Abgrenzung. Ich darf auch das Gute darin wahrnehmen und mir zugestehen, dass ich Nicht-Richtiges wahrnehmen kann und ablehne. Bei all dem ist es wichtig, das Herz immer wieder hineinzuhalten in die reinigende Gegenwart des Herrn.
Solches Arbeiten an sich selbst erfolgt wie in einer inneren Werkstatt. Was du in der inneren Werkstatt, also in dir klärst, wird sich positiv nach außen auswirken! Menschen, die sich in solcher Weise innerlich auseinandergesetzt haben, können gut bei sich sein, von innen her gesammelt und dann klar, in guter Weise, dem begegnen, was auf sie zukommt. Sie handeln aus einem geklärten Inneren: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!“.
Was macht mich als den Menschen, der ich bin, zutiefst aus? Das Wort, das Gott durch mich zur Sprache bringt! Das ist eine gediegene Basis, von der aus ich mich immer wieder klären kann. „Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren.“ „Aus freiem Willen“: Es ist der freie Wille dessen, der uns mit ewiger Liebe geliebt hat: Wir sind gewollt, in Liebe gewollt. Ich kann also Gott sagen: Du hast mich gewollt und du willst dich durch mich - auch durch mich - aussprechen.
In der Eucharistiefeier teilt sich uns das Wort, das Fleisch geworden, ja Brot und Wein geworden ist, mit. Wir sind eingeladen, uns neu mit ihm zu vereinen, um zusammen mit ihm, dem Wort, das in uns hineingelegte Wort, das mich als den Menschen, der ich bin, ausmacht, auszubuchstabieren. Was den Menschen ausmacht, ist sein Inneres, sein Herz. Dieses Innere muss mit seinem Handeln, mit seinem Verhalten übereinstimmen. Darum: „Nehmt das Wort an, das in euch eingepflanzt worden ist.“ Nehmt es bereitwillig an und lebt es!
Während die einen die Hände in Unschuld waschen, gehen andere zugrunde. Rein und unrein ist nicht nur eine rituelle Frage; auch in einer Welt, die mit Religion wenig am Hut hat.
Hinter guten Gewohnheiten im Alltag kann sich auch Formalismus verbergen oder gar Bosheit verstecken. Gutes und Böses beginnt im Herz.
Jesus nimmt die Diskussion über Reinigungsrituale zum Anlass über die Reinheit der Gedanken und des Herzens zu sprechen. Unser Herz ist zum Guten wie auch zum Bösen fähig. Glaube und Liebe können unser Herz reinigen.
Die Frage des Händewaschens vor dem Essen ist eine Frage der Hygiene. Jesus liegt aber mehr an der Seelenhygiene. Dies ist für uns heute genauso bedeutsam, sogar jetzt in dieser Liturgiefeier.
Jesus sieht sich im Gegensatz zu den Pharisäern. Ihnen geht es um die Einhaltung traditioneller Riten, ihm geht es um die Reinheit des Herzens. Gewohnheiten und Gebräuche können helfen, immer wieder die Nähe Gottes zu suchen und daraus Kraft zu schöpfen.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 149: Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 423: Wer unterm Schutz des Höchsten steht
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 455: Alles meinem Gott zu Ehren
GL 458/459: Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 489: Laßt uns loben, freudig loben
GL 491: Ich bin getauft und Gott geweiht
GL 543: Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit
GL Ö814: O höre, Herr, erhöre mich
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
Psalmen und Kehrverse:
GL 31: Selig der Mensch, der seine Freude hat, seine Freude an der Weisung des Herrn. - Mit Psalm 1 - IV.
GL 34: Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt. wer darf weilen auf deinem heiligen Berg? - Mit Psalm 15 - VI.
GL 584,4: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Psalm 19 - II.
GL 629,1: Du führst mich hinaus ins Weite; du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I.
Lernen, Erfahrungen sammeln, Entscheidungen treffen, Gesetze befolgen… Das Leben ist voller Herausforderungen, jeden Tag. Diese Tatsache erscheint uns einerseits als Einschränkung unserer Freiheit, andererseits ist sie aber auch eine Möglichkeit, diese Freiheit neu zu definieren. Jesus tut genau das im heutigen Evangelium und spricht damit nicht nur zu den Menschen seiner Zeit, sondern spricht auch jeden von uns persönlich an.
Ihn begrüßen wir nun in unserer Mitte im Kyrie:
Immer wieder sind wir schockiert über das Böse, das in unserer Welt und manchmal auch in unserem persönlichen Leben aufbricht. Wir fragen uns: Woher kommt all das Böse? Wie können wir ihm entgegentreten? Manche meinen: Wenn sich alle an die Gebote Gottes hielten, gäbe es das Böse nicht mehr. Genügt das? Auch Gesetze bleiben ein leeres Versprechen, wenn sie nicht vom Herzen her mit gutem Geist erfüllt werden.
Bitten wir Gott um Vergebung für alles Böse, in das auch wir verwickelt sind, und bitten wir ihn um seinen guten Geist, der uns befähigt, Gutes zu bewirken.
Wir kommen zur Eucharistiefeier zusammen. Die Eucharistiefeier ist Gedächtnis, Erinnerung an Jesus. Wir begegnen Jesus. Wir feiern die vergegenwärtigende Erinnerung an Jesus. Durch die Lesung des Evangeliums wird uns ein Ausschnitt seines Lebens und seiner Worte zugesprochen, in unser Heute hineingesprochen. In der Lesung aus einem Apostelbrief werden wir in die Tradition der christlichen Gemeinden hineingestellt. Wir haben Teil am Reichtum der Gesamtkirche, freilich auch an der Not, die sie durch das Versagen ihrer Glieder bedrängt.
Auch in diesem Bewusstsein versammeln wir uns.
Herr, unser Gott,
Oft ehren wir dich nur mit unseren Lippen,
unser Herz ist oft weit weg von dir.
Herr, erbarme dich.
Oft ziehen wir althergebrachte Gewohnheiten
deinem Gebot vor.
Christus, erbarme dich.
Was wir in unserem Herzen fühlen und denken
stimmt oft nicht mit dem überein,
was wir nach außen reden und zeigen.
Herr, erbarme dich.
Guter Gott,
immer wird dein Wort von Angst und Selbstsucht in unseren Herzen übertönt.
Herr, erbarme dich.
Statt auf Menschlichkeit und Nächstenliebe bauen wir auf Gesetze und Vorschriften.
Christus, erbarme dich.
Lenke unseren Blick auf das, was wirklich zählt.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
nur du weißt was in uns Menschen steckt.
Herr erbarme dich unser.
Du hast dein Wort und deine Weisung in unser Herz eingeschrieben.
Christus erbarme dich unser.
Du berufst uns alle in deine Nachfolge als Kinder Gottes.
Herr erbarme dich unser.
Herr, jeder und jede von uns steht ganz persönlich vor dir!
Herr, ich bin vor dir mit meinen Gaben, mit meinen Grenzen und meinem Versagen:
Herr, erbarme dich!
Herr, wir sind als Teil der gesamten Kirche von heute vor dir, auch der Kirche, der die Schamröte ins Gesicht steht.
Reinige deine Kirche, heile und heilige sie:
Christus, erbarme dich!
Herr, du rufst immer neu zusammen,
die dein Wort hören und danach handeln möchten:
Herr, erbarme dich!
Allmächtiger Gott,
von dir kommt alles Gute.
Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.
Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.
Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
übe Nachsicht mit unserer Schwäche,
und damit wir imstande sind,
den Kampf mit den Mächten des Bösen zu bestehen,
strecke deine Hand aus und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Samstag nach Aschermittwoch
Gott, unser Vater,
alles Gute kommt allein von dir.
Schenke uns deinen Geist,
damit wir erkennen, was recht ist,
und es mit deiner Hilfe auch tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 10. Sonntag im Jahreskreis
Dienstag der 1. Woche
MB Die Bittmesse
Herr.
Du kennst unser Elend.
Wir reden miteinander und verstehen uns nicht.
Wir schließen Verträge und vertragen uns nicht.
Wir sprechen vom Frieden und rüsten uns zum Krieg.
Zeige uns einen Ausweg.
Sende deinen Geist,
damit er den Kreis des Bösen durchbricht
und das Angesicht der Erde erneuert.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.
MB Auswahl 18
Guter Gott,
du bist langmütig und reich an Erbarmen.
Du hast uns in deinen Dienst gerufen.
Du willst,
dass wir dich mit ganzem Herzen lieben.
Entferne das Böse und das Verhärtete
und mach uns rein.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt
in alle Ewigkeit.
WB 22. Sonntag im Jahreskreis B
Gott,
in deinem Sohn willst du uns erneuern.
Laß uns erkennen, daß deine Gebote
Leben und Freiheit schenken.
Durch Christus, unseren Herrn.
Guter Gott,
Gesetzte und Vorschriften bestimmen unserer Leben,
weshalb wir das Wesentliche oft aus dem Blick verlieren.
Lass uns durch dein Wort nun erkennen, worum es dir geht,
damit wir als neue Menschen leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.
Vater im Himmel,
durch Jesus dürfen wir immer wieder erfahren,
wie wir so leben sollen,
dass es dir gefällt und zum Wohl aller Menschen dient.
Du schaust nicht auf unsere Äußerlichkeiten,
sondern auf unser Herz und unsere Gedanken.
Lass uns auch heute auf dein Wort hören
und gib uns die Kraft, danach zu leben.
Lass deinen Hl. Geist uns Beistand sein – heute und immer. – Amen.
Guter Gott,
dein Herz und dein Handeln sind bei uns Menschen für alle Zeit.
Voll Vertrauen wenden wir uns an dich und bitten:
Für die Amtsträger in unserer Kirche:
Dass sie das Evangelium treu verkünden und ihr Herz und ihr Handeln von Gottes Wort geleitet werden.
Für uns selber:
Dass wir immer neu von deinem Heiligen Geist begleitet werden,
um deine wahren Wege an uns zu erkennen.
Für die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft:
Dass sie die Sorgen der Mitmenschen ernstnehmen und zum Wohle aller handeln.
Für die Kranken und Notleidenden:
Dass sie Menschen finden, die ihnen helfen und sie in allen Situationen stützen.
Für die Verstorbenen:
Dass alles, was sie auf Erden gefehlt und nicht vollendet haben, sich vollende in deinem ewigen Licht.
Denn du, Gott unser Vater, schaust nicht auf unser Äußeres. Du nimmst uns an, so wie wir sind, mit all unseren Fehlern und Schwächen. Dafür danken wir dir, heute und in Ewigkeit. – Amen.
Für uns selbst, für unsere Gemeinschaft und für die ganze Welt bitten wir nun um Gottes Geist, der uns bewegt und der uns Leben schenkt:
Für eine Kirche, die durch ihre Verkündigung Menschen ermutigt, Freiheit, Hoffnung und Lebenssinn in deiner Botschaft zu entdecken.
Für eine Gesellschaft und deren politische Kräfte, dass sie gemeinsam versuchen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.
Für alle, die in diesen Tagen mit großen Erwartungen und Idealismus eine neue Schul- oder Berufsausbildung beginnen, um Freude und Ausdauer.
Für alle Kinder, die sich nach den Ferien wieder neu auf ihren Schulweg machen, um deinen Schutz und um besondere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit aller am Verkehrsgeschehen Beteiligten.
Für alle Verstorbenen, die bereits jetzt an ihrem ewigen Ziel bei dir angekommen sind.
Heiliger Geist, du schaffst Leben! Wandle uns mit deiner Kraft vom bloßen Hören des Wortes zu Menschen, durch deren Tun Gottes Liebe zu seiner Schöpfung sichtbar wird. - Amen.
Guter Gott,
im Evangelium hörten wir viel über saubere Hände und boshafte Herzen.
Vertrauensvoll bitten wir dich:
Für alle Menschen, denen die Befolgung deiner Botschaft wichtiger ist als alle menschengemachten Regeln.
Für alle Menschen, die sich darum bemühen, unser Zusammenleben für alle erträglich zu gestalten
Für alle Menschen, die sich bemühen, deine Botschaft zu verkünden und in der Nachfolge deines Sohnes zu leben.
Für alle Menschen, die unsere Kirche verlassen, weil sie ihre Regeln zu starr finden und hinter den Gesetzestexten und Strukturen deine Botschaft nicht mehr erkennen können.
Für alle Menschen, die darunter leiden, dass gute Ideen und Vorschläge oft Lippenbekenntnisse bleiben.
Für alle Menschen, die auf der Flucht und auf der Suche nach einem menschenwürdigeren Leben sind.
Für alle Menschen, die in unserer Gesellschaft nicht mehr Anerkennung und Respekt finden.
Für alle Kranken und Trauernden.
Steh ihnen bei.
Für unsere Verstorbenen.
Nimm sie auf in deine Herrlichkeit.
Herr Jesus Christus,
du hast Worte des ewigen Lebens. An dich können wir uns in jeder Situation unseres Lebens vertrauensvoll wenden. – Amen.
Herr Jesus Christus, du kennst uns Menschen bis auf den Grund. Du weißt, wer wir sind und weißt, was für unser Zusammenleben gut ist.
Höre auf unsere Bitten:
Hilf uns, Gottes Weisungen in ihrem Sinn zu verstehen und sie von Herzen zu befolgen!
Christus, höre uns! - Christus, erhöre uns!
Erfülle die gesetzgebenden Organe auf allen Ebenen mit der nötigen Weisheit, die erforderten Gesetze zum Wohl des menschlichen Zusammenlebens zu erstellen!
Begleite die Arbeit an uns selbst und befähige uns, uns in Kirche und Gesellschaft mit den uns gegebenen Begabungen einzubringen!
Stärke in den Gemeinden, Gemeinschaften und kirchlichen Gruppens das gegenseitige Wohlwollen und die Achtsamkeit im Umgang miteinander!
Herr Jesus Christus,
du hast uns berufen, mit dir Wort für unsere Mitmenschen zu sein.
Lass uns mit dir auch zur Vollendung gelangen,
der du mit dem Vater im Heiligen Geist lebst und herrscht in Ewigkeit! - Amen.
In seinen Geboten eröffnet uns Gott einen Weg zu einem Leben, in dem Beziehung zu ihm und unseren Mitmenschen gelingen kann.
Um seinen Geist lasst uns ihn bitten:
In der Taufe wurde uns das Evangelium anvertraut.
Hilf deiner Kirche, die Menschen in ihren Lebensbrüchen und -fragen ernst zu nehmen und sie in ihrer Sehnsucht nach dir zu bestärken.
Viele Menschen fürchten sich vor Missbrauch von Macht, Einengung ihrer Freiheit, Gewalt und Terror.
Hilf uns trotz aller Unterschiede in Kultur, Bildung und Religion für die Würde der Betroffenen einzutreten und ihre Not nach Möglichkeit zu lindern.
Vertrauensbruch, Arroganz und verletzende Worte zerstören zwischenmenschliche Beziehungen.
Hilf uns nicht nur deine Botschaft zu hören sondern auch nach ihr zu handeln.
Nur den schönen Schein zu pflegen ist letztlich für uns selbst nicht befriedigend und verletzt die anderen.
Hilf uns zu verstehen, wie gutes Leben für alle gelingen kann.
Auf deine Barmherzigkeit sind wir alle angewiesen.
Schenke unseren Verstorbenen Anteil an deiner ewigen Herrlichkeit.
Dich, Gott, zu verehren, heißt nicht nur dich mit unseren Worten zu loben sondern auch in deinem Geist zu handeln. Nur so können wir dich aufrichtig loben und preisen, jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
wenn vor dich hintreten, wird uns bewusst, dass in unserer Welt und in unserem eigenen Leben vieles nicht gut und in Ordnung ist.
Wir bitten dich:
Für die Menschen, die in Afghanistan vor einer ungewissen Zukunft stehen.
Steh ihnen bei in dieser für sie schweren Zeit.
Für die neuen Machthaber in Afghanistan.
Lass sie die Not der Menschen sehen
und befähige sie, ihr Land zum Wohl seiner Bewohner zu lenken und leiten.
Für die Menschen, die sich genötigt sehen,
aus diesem Land zu fliehen und anderswo eine neue Existenz aufzubauen.
Begleite sie auf ihren ungewissen Wegen.
Für die Menschen in unserem Land,
die sich mit den Einschränkungen infolge der Pandemie schwertun.
Lass sie begreifen und tun, was zum Vorankommen aller notwendig ist.
Für alle Menschen,
die Kraft aus dem Evangelium zu schöpfen suchen.
Befähige sie, den Geist der Frohen Botschaft zu erfassen
und sich nicht in Diskussionen um Vorschriften und Gesetze zu verfangen.
Für unsere Verstorbenen.
Heile, was in ihrem Leben nicht recht war,
und lass sie teilhaben an deinem himmlischen Gastmahl.
Du, guter Gott, schaust auf die Herzen der Menschen.
nimm unseren guten Willen und leite uns zum Guten. – Amen.
Im Evangelium hören wir von reinen, gewaschenen Händen und verstörten, boshaften Herzen.
Wir sehen böse Gedanken, verführerischen Hochmut und tödliche Unvernunft.
Das befehlen wir Gott, der die Herzen kennt und zwischen den Zeilen liest.
Herr,
wir bitten dich für die Menschen, die sich in ihr eigenes Leben so vergraben haben, dass sie andere nicht mehr sehen können.
Wir rufen zu dir: Herr, schenke uns ein reines Herz!
Herr,
wir bitten dich für die Menschen, die nur noch die Sprache der Gewalt kennen, die Hass säen
und andere für ihre Interessen missbrauchen.
Wir rufen zu dir: Herr, schenke uns ein reines Herz!
Herr,
wir bitten dich für die Menschen, die als Fremde und Flüchtlinge zu uns kommen, auf Schweigen und Distanz stoßen, aber Brücken bauen.
Wir rufen zu dir: Herr, schenke uns ein reines Herz!
Herr,
wir bitten dich für die Menschen, die an vielen Stellen der Welt helfen, dass Menschen sich versöhnen; die Entwicklungsprojekte begleiten und Bildungsprogramme durchführen.
Wir rufen zu dir: Herr, schenke uns ein reines Herz!
Herr,
wir bitten dich für die Menschen, die als Opfer von Missbrauch traumatische Erfahrungen verarbeiten und um ihr Recht kämpfen.
Wir rufen zu dir: Herr, schenke uns ein reines Herz!
Du, Gott, dem wir unser Leben verdanken,
du kennst die vielen Abhängigkeiten, in denen wir Menschen leben,
du kennst die Schuld, die Menschen voneinander trennt,
du kennst die Rollen, in die sich Menschen flüchten.
Dich bitten wir um Liebe und Barmherzigkeit für eine neue Welt
in Christus, unserem Herrn.
Herr, unser Gott,
diese Opferfeier bringe uns Heil und Segen.
Was du jetzt unter heiligen Zeichen wirkst,
das vollende in deinem Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Herr und Vater,
was wir für dieses heilige Mahl bereitet haben,
das nimm gnädig in das Geheimnis deines Sohnes auf.
Er ist schuldlos um der Schuldigen willen in den Tod gegangen. -
Erlöse uns von aller Bosheit
und reinige uns durch seine Reinheit.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Amen.
MB Auswahl 5
Herr, unser Gott,
nimm die Gaben an, die wir darbringen,
und mache das heilige Opfer in uns wirksam.
Befrei uns von der alten Anhänglichkeit an das Böse
und laß das neue Leben der Gnade in uns wachsen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Montag der Fastenzeit
Barmherziger Gott,
das heilige Opfer reinige uns von Sünden
und mache uns zu neuen Menschen.
Es helfe uns, nach deinem Willen zu leben,
damit wir den verheißenen Lohn erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis
Sieh, oh Herr, auf die Gaben, die wir zu deinem Lobe darbringen.
Sie sollen ein Zeichen sein für deine grenzenlose Liebe.
Sie sollen ein Zeichen sein für unsere Erneuerung
und sie sollen Zeichen sein für alle Menschen.
Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
Kehrvers: Wir loben dich, wir preisen dich!
Gott und Vater, wir haben allen Grund, dich zu preisen
und dir Dank zu sagen.
In der Taufe hast du uns rein gewaschen von aller Schuld
und uns befähigt, als deine Töchter und Söhne zu leben.
Kehrvers
Um uns aus der Macht des Bösen zu befreien,
hast du durch den Tod Jesu das Böse für immer überwunden.
Kehrvers
In Jesus von Nazareth hast du uns gezeigt,
wie auch wir den Weg der Liebe und Versöhnung gehen
und zum Heil finden können.
Kehrvers
Im Sakrament der Versöhnung schenkst du uns neu die Reinheit des Herzens,
wenn wir schuldig geworden sind und gegen dich gesündigt haben.
Kehrvers
Du stärkst uns im Dienst an den Armen und Schwachen
und hilfst uns, deine Güte und Menschenfreundlichkeit zu bezeugen.
Kehrvers
Wir stimmen ein in den Dank und den Lobpreis der ganzen Schöpfung
und singen:
Danklied, z. B.: Lasst uns loben, freudig loben (GL 489)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Geburt
hat er den Menschen erneuert,
durch sein Leiden unsere Sünden getilgt,
in seiner Auferstehung den Weg zum Leben
erschlossen und in seiner Auffahrt zu dir
das Tor des Himmels geöffnet.
Durch ihn rühmen dich deine Erlösten und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 4
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen deinen heiligen Namen.
Denn jetzt ist die Zeit der Gnade,
jetzt sind die Tage des Heiles.
Du hilfst uns, das Böse zu überwinden,
du schenkst uns von neuem die Reinheit des Herzens.
Du gibst deinen Kindern die Kraft,
in dieser vergänglichen Welt
das unvergängliche Heil zu wirken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dich
in deiner Kirche und vereinen uns
mit den Engeln und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig...
MB Fastenzeit 2
Wenn wir unseren Schuldigern vergeben, kommt ein gutes Wort aus unserem Mund. Wenn wir dich um Schutz in der Versuchung bitten, beugen wir einem falschen Tun vor.
Darum lasst uns rufen:
Vater Unser….
Einleitung zum Friedensgebet:
Herr, wenn du den Menschen Frieden gesagt hast, war es oft der erste Schritt auf dem Weg des heil-Werdens. Auch uns und unserer Zeit täte Heilung gut.
Darum bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
Gott der Allmächtige segne uns
er mache uns frei
von allen inneren und äußeren Zwängen
von allem „du musst“ und „du sollst“
von allen Anpassungen
und leeren Gesetzeserfüllungen.
Er gebe uns Mut und Kraft
unseren eigenen Weg zu gehen
den für uns bestimmten Weg
zu suchen und zu finden.
Er behüte uns
und schütze uns vor allem Unheil.
Er lasse uns erfahren
wie gut es ist, ihm zu gehören.
Er lasse sein Angesicht über uns leuchten
und er schenke reichlich sein Erbarmen.
Er öffne unsere Augen und Herzen
auf dass wir ihn jederzeit erkennen
in all den Werken und Wundern
die er für uns erbringt
und auch in den unscheinbaren Dingen des Alltags.
Er schenke uns Frieden und Heil
innere Sicherheit
und die Zuversicht
dass wir nicht irre gehen
wenn wir auf ihn vertrauen.
Allmächtiger Gott,
du hast uns gestärkt durch das lebendige Brot,
das vom Himmel kommt.
Deine Liebe,
die wir im Sakrament empfangen haben,
mache uns bereit,
dir in unseren Brüdern zu dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
das Sakrament, das wir empfangen haben,
sei uns Heilmittel gegen das Böse in unserem Herzen
und Schutz in jeder Gefahr.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Mittwoch der 5. Woche der Fastenzeit
Allmächtiger Gott,
du gibst uns Anteil
am Leib und Blut deines Sohnes.
Dieses Sakrament reinige uns von Schuld
und stärke uns in unserer Schwachheit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag nach Aschermittwoch
Wir danken dir, gütiger Gott,
für die heilige Gabe,
in der wir die Kraft von oben empfangen.
Erhalte uns in deinem Geist
und lass uns dir stets aufrichtig dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 32. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott,
dein Wort will uns tragen,
wenn wir jetzt in die Welt gehen,
die uns herausfordert.
In der wir anpacken
und unsere Hände schmutzig machen müssen.
Hilf uns,
dabei nicht zu Ellenbogenkämpfern zu werden,
sondern all unser Tun
mit Herzlichkeit und Wärme anzugehen.
Das erbitten wir, durch Jesus,
der uns Vorbild ist. - Amen.
Treuer Gott,
du entlässt uns in eine laute Welt.
Du mutest uns zu, schmutzige Hände zu bekommen.
Schuldig werden wir uns auch machen.
Wenn du aber mitgehst, können wir barmherzig sein,
Lasten miteinander tragen und für einander einstehen.
Darum bitten wir dich auch
in Christus, unserem Bruder und Weggefährten,
der, eins mit dir, uns dein Reich schenkt.
Gott unser Vater,
diese heilige Speise bestärke uns im Dienst an unseren Mitmenschen.
Lass uns immer wieder neu deine Nähe und Güte erfahren,
damit wir die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen
und unser Herz für deine Ankunft erneuern, durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Es segne uns Gott, der Vater, der in seinem Wort uns hält. - Amen.
Es segne uns Jesus, Gottes Sohn, der bereit war, sich für uns die Hände schmutzig zu machen. - Amen.
Es segne uns die Kraft des Hl. Geistes, dass wir gestärkt unseren Weg gehen können. - Amen.
Der allmächtige Gott segne und bestärke euch
mit einem Herz voll Feuer,
damit ihr täglich euren Glauben zu den Menschen tragt;
mit einer Hand voll Liebe,
damit ihr nie vergesst, was Jesu euch aufgetragen hat;
mit einem Fuß voll Mut, damit ihr stehen bleibt und zuhört, wenn Gott euch seine Botschaft lehrt.
Dazu segne euch der + Vater, der Sohn und der Heilige Geist. – Amen.
Nach dem Anschlag von Solingen werden die Rufe nach härteren Gesetzen und nach Verschärfung der Vorschriften wieder laut. Wir haben Angst um unser Leben und unsere Freiheit und glauben, dass durch neue Gesetze und Regeln alles wieder ins Lot kommt. Wenn kein Syrer mehr einreisen und Asyl beantragen darf, so unser Schluss, dann kann auch kein Syrer mehr islamistische Anschläge begehen. Wenn kein Afghane mehr einreisen kann, gibt es keine Messerstechereien mehr…
Tief in unseren Herzen spüren wir, dass es menschenverachtend ist, auf Grund einzelner Täter alle, die aus dem gleichen Land kommen, in Sippenhaft zu nehmen. Würden wir leichter abschieben dürfen, so tönt es, dann wäre der Täter gar nicht mehr im Land gewesen. Es war ja klar, dass er ja abgeschoben werden sollte. Doch gegenüber Behördenversagen nutzen auch Gesetze nichts.
Die Juden hatten eine Vielzahl von Gesetzen und Regeln, die das Zusammenleben schützen sollten. Ein ausgefeiltes Rechtssystem, dass besonders die Ärmsten, die Witwen und Waisen schützte – in der damaligen Welt einmalig und bis heute nicht selbstverständlich. Viele andere Regeln wie z.B. die Reinheitsgebote sollten vor Krankheiten schützen, waren also zur Gesundheitsvorsorge gedacht. Alles war zu seiner Zeit gründlich durchdacht und notwendig. Allerdings ging im Laufe der Jahre der Sinn manch einer Vorschrift verloren. Hier knüpft Jesus an. Manche Regeln hatten sich gleichsam verselbständigt. Sie waren einzuhalten, man verstand aber ihren Sinn und Zweck nicht mehr. Für Jesus lebte aber gottesfürchtig nicht derjenige, der sich auf Punkt und Komma an alle Regeln hält, sondern wer von innen heraus gottesfürchtig ist. Deshalb erklärte er z.B. alle Speisen für „rein“. Nicht, weil er die Gesetze der Juden missachtete, im Gegenteil, er respektierte sie und hielt sie ja selbst auch durchaus ein, wenn er ihren Sinn und ihre Notwendigkeit erkennen konnte. Er aß mit denen, mit denen "man" nicht essen „durfte“. Er sah keine Notwendigkeit, dieses Gebot als von Gott gegeben zu halten. Demonstrativ heilte er am Sabbat, weil ihm die Gesundheit des Menschen wichtiger war als die Einhaltung eines Gebotes um des Gebotes wegen.
Gesetze und Vorschriften sind der Rahmen, der das Zusammenleben erleichtert. Sie werden jedoch von Menschen gemacht und sind immer wieder daraufhin zu prüfen, ob sie noch sinnvoll sind oder ob sie gar einem Menschen schaden. Ob jemand ein guter Christen ist, erkennt man nicht an dem Einhalten von Regeln, Gebetszeiten und Ähnlichem. Jesu Nachfolge muss aus dem Herzen heraus kommen. Die Liebe soll unser Handeln bestimmen. Dann erkennen wir auch, ob die Forderungen nach mehr oder härteren Gesetzen sinnvoll sind oder ob sie nur beruhigen wollen. Wenn die Liebe unser Handeln bestimmt, müssen wir unter Umständen Regeln übertreten, damit die Menschlichkeit obsiegt.
Georg Legerke in: Youcat. Jugendgebetbuch. Youcat-Verlag, 12. Auflage 2015.
Und wieder dieser
FETTNAPF
in den er tritt
dieser umherziehende Besserwisser
dieser Vababund des Glaubens
und seine Bande
selbst die
einfachsten Regeln
nicht einhaltend
staubig
wie sie von ihren Wanderungen sind
nicht mal die
kleinste Sauberkeit
beachtend
und auch noch in Zweifel ziehend
was die Etablierten des Volkes
an Mindestmaß fordern
unflätig ist das
schädlich für die Moral
und
ER
setzt Begrifflichkeiten
gegen-einander
Lippenbekenntnis
und
Herzens-Wärme
Regelerfüllung
und
Menschlichkeit
sinnlose Verehrung
und
Gottesgebot
und macht deutlich:
es gilt nur das EINE
die Reinheit des Herzens
und dieses Gebot
gilt
damals
und
heute
ist Teil seines Evangeliums
und gilt
für alle
wirklich alle
Beatrix Senft 2021, unveröffentlicht.
Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Genesis.
Der HERR sah,
dass auf der Erde die Bosheit des Menschen zunahm
und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war.
Da reute es den HERRN,
auf der Erde den Menschen gemacht zu haben,
und es tat seinem Herzen weh.
Da sprach Gott zu Noach:
Mach dir eine Arche aus Goferholz!
Statte sie mit Kammern aus
und dichte sie innen und außen mit Pech ab!
Von allem, was lebt,
von allen Wesen aus Fleisch,
führe je zwei in die Arche,
damit sie mit dir am Leben bleiben;
je ein Männchen und ein Weibchen sollen es sein.
Von allen Arten der Vögel,
von allen Arten des Viehs,
von allen Arten der Kriechtiere auf dem Erdboden
sollen je zwei zu dir kommen,
damit sie am Leben bleiben.
Nimm dir von allem Essbaren mit
und leg dir einen Vorrat an!
Dir und ihnen soll es zur Nahrung dienen.
Noach tat alles genauso, wie ihm Gott geboten hatte.
Lesung aus dem Buch der Sprichwörter:
So spricht die Weisheit Gottes:
Der HERR hat mich geschaffen als Anfang seines Weges,
vor seinen Werken in der Urzeit;
in frühester Zeit wurde ich gebildet,
am Anfang, beim Ursprung der Erde.
Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren,
als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.
Ehe die Berge eingesenkt wurden,
vor den Hügeln wurde ich geboren.
Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren
und alle Schollen des Festlands.
Als er den Himmel baute, war ich dabei,
als er den Erdkreis abmaß über den Wassern,
als er droben die Wolken befestigte
und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,
als er dem Meer sein Gesetz gab
und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften,
als er die Fundamente der Erde abmaß,
da war ich als geliebtes Kind bei ihm.
Ich war seine Freude Tag für Tag
und spielte vor ihm allezeit.
Ich spielte auf seinem Erdenrund
und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.
Nun, ihr Kinder, hört auf mich!
Selig, die auf meine Wege achten.
Hört die Mahnung und werdet weise,
lehnt sie nicht ab!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Abschnitt aus dem Buch der Sprichwörter führt zurück auf die Geschichte der Schöpfung. Die priesterschriftliche Überlieferung in Gen 1,1-2,4 setzt ein mit: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser." Im Hebräischen ist dafür der weibliche Begriff "ruach" verwendet, das ist der Atem, der Lebenshauch Gottes.
Im Buch der Sprichwörter ist es die Weisheit, welche die "ruach" beerbt und sich in einem Gedicht als erstes Geschöpf Gottes vorstellt. Liebevoll und variantenreich dargestellt, begegnet uns hier die Schöpfungsgeschichte neu geordnet: "Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern ... als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm." Davor und dazwischen: Urmeere und Quellen, Berge und Hügel, Erde, Fluren und Schollen.
Höhepunkt der weisheitlichen Rede ist, dass das "geliebte Kind" allezeit vor IHM spielt, auf "seinem Erdenrund", und von sich sagt: "und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein." Eine schöpferische Leichtigkeit liegt in dem Wort "spielen". Frau Weisheit geht überhaupt spielerisch mit der Schöpfung um, weil das "geliebte Kind" aus den befestigten Wolken und abgemessenen Fundamenten noch etwas anderes bewirkt: "So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! Hört die Mahnung und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn. Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod." (Spr 8:32-36) - Die Schöpfungsgeschichte wird zu einer Wegweisung verdichtet, in der Menschen Halt finden.
Im Buch der Sprichwörter tritt die Weisheit auf die Bühne. Der Evangelist Johannes wird dann den Logos vorstellen: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen." (Joh 1,1-5)
Lesung aus dem Buch Genesis.
Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
Die Erde war wüst und wirr
und Finsternis lag über der Urflut
und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gott sprach:
Es werde Licht.
Und es wurde Licht.
Gott sah, dass das Licht gut war.
Und Gott schied das Licht von der Finsternis.
Und Gott nannte das Licht Tag
und die Finsternis nannte er Nacht.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
erster Tag.
Dann sprach Gott:
Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser
und scheide Wasser von Wasser.
Gott machte das Gewölbe
und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes
vom Wasser oberhalb des Gewölbes.
Und so geschah es.
Und Gott nannte das Gewölbe Himmel.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
zweiter Tag.
Dann sprach Gott:
Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort
und das Trockene werde sichtbar.
Und so geschah es.
Und Gott nannte das Trockene Land
und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer.
Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott:
Die Erde lasse junges Grün sprießen,
Gewächs, das Samen bildet,
Fruchtbäume,
die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde.
Und so geschah es.
Die Erde brachte junges Grün hervor,
Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet,
und Bäume,
die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
dritter Tag.
Dann sprach Gott:
Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein,
um Tag und Nacht zu scheiden.
Sie sollen als Zeichen
für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen.
Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein,
um über die Erde hin zu leuchten.
Und so geschah es.
Gott machte die beiden großen Lichter,
das große zur Herrschaft über den Tag,
das kleine zur Herrschaft über die Nacht,
und die Sterne.
Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe,
damit sie über die Erde leuchten,
über Tag und Nacht herrschen
und das Licht von der Finsternis scheiden.
Gott sah, dass es gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
vierter Tag.
Dann sprach Gott:
Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen
und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen.
Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen,
die sich fortbewegen nach ihrer Art,
von denen das Wasser wimmelt,
und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Gott segnete sie
und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch!
Füllt das Wasser im Meer
und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
fünfter Tag.
Dann sprach Gott:
Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor,
von Vieh,
von Kriechtieren
und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art.
Und so geschah es.
Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art,
das Vieh nach seiner Art
und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott:
Lasst uns Menschen machen
als unser Bild, uns ähnlich!
Sie sollen walten über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels,
über das Vieh,
über die ganze Erde
und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
als Bild Gottes erschuf er ihn.
Männlich und weiblich erschuf er sie.
Gott segnete sie
und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehrt euch,
füllt die Erde
und unterwerft sie
und waltet über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
Dann sprach Gott:
Siehe, ich gebe euch alles Gewächs,
das Samen bildet auf der ganzen Erde,
und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren der Erde,
allen Vögeln des Himmels
und allem, was auf der Erde kriecht,
das Lebensatem in sich hat,
gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung.
Und so geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
der sechste Tag.
So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet.
Am siebten Tag
vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte,
und er ruhte am siebten Tag,
nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.
Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn;
denn an ihm ruhte Gott,
nachdem er das ganze Werk erschaffen hatte.
Das ist die Geschichte der Entstehung
von Himmel und Erde, als sie erschaffen wurden.
Zur Zeit, als Gott, der HERR,
Erde und Himmel machte,
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Es handelt sich um den ersten der beiden Schöpfungsberichte aus dem Buch Genesis. Er entstammt in seiner Endgestalt vermutlich der Zeit nach dem Babylonischen Exil, also frühestens der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Christus. Ein zentrales Anliegen war es damals wohl zu zeigen, daß der Gott des kleinen, machtlosen Israel der Schöpfer des Himmels, der Erde und der Menschen ist.
Von seiner Gattung her ist der erste Schöpfungsbericht der Genesis eine "Kosmogonie", also eine Erzählung von der Entstehung des Kosmos. Allerdings darf er nicht als eine naturwissenschaftliche Darstellung im heutigen Sinn verstanden werden. Es handelt sich nicht um einen Tatsachenbericht, sondern es geht um eine theologische Aussage über Gott und sein Verhältnis zur Welt und zum Menschen. Wichtige Aspekte dieser Aussage seien im folgenden genannt:
1. Der Schöpfungsbericht ist das Bekenntnis, daß die Welt und der Mensch sich Gott verdanken und deshalb in guten Händen geborgen sind.
2. Die Schöpfung ist Gleichnis und Ausdruck Gottes. So wie ein Kunstwerk auf seinen Meister verweist, verweist die Welt auf ihren Schöpfer. Gott gibt der Welt seine Gutheit mit und will sie in ihr zur Geltung gebracht sehen.
3. In besonderer Weise gilt dies vom Menschen. Er wird als das Ebenbild Gottes bezeichnet (Gen 1:27). Im ganzen antiken Denken hat das Ebenbild engste Beziehung mit dem Urbild. Es ist gewissermaßen der Stellvertreter des Urbildes.
4. Zum menschlichen Sein gehört von Anfang an die Dimension der Gemeinschaft. Gerade in der Gemeinschaftlichkeit und im Aufeinander-verwiesen-sein von Mann und Frau ist der Mensch Ebenbild Gottes.
5. Gott als Schöpfer anzuerkennen heißt, auch die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu sehen. Der sogenannte Herrschaftsauftrag (Gen 1:28) versetzt den Menschen in die Stellung eines Sachwalters. Er soll die Schöpfung sich aneignen und kreativ weiterführen. Wer den Herrschaftsauftrag des Menschen über die Schöpfung im Sinne von bloßer Selbstherrlichkeit auffaßt, mißversteht ihn. Der Mensch und die übrige Schöpfung bilden eine Solidargemeinschaft, da sie beide von Gott hervorgebracht sind. Außerdem wird der Herrschaftsauftrag in einem Segenswort übertragen. Das heißt: Nur unter den Bedingungen des Segens ist dieser Auftrag erfüllbar.
Für das Volk Israel war die Vorstellung von Gott als Schöpfer gegenüber der Vorstellung von Gott als dem geschichtsmächtigen Befreier aus der Knechtschaft Ägyptens lange Zeit eher zweitrangig, wiewohl freilich nicht unwichtig. Erst die frühe Kirche hat den Schöpfungsglauben zu einer vorrangigen Lehre gemacht: siehe Glaubensbekenntnis. In der Osternacht, die in vielerlei Hinsicht aufs Ganze geht, haben beide Sichtweisen des einen Gottes ihren Platz. Gott als der gute Schöpfer und der in der Geschichte wirkende Gott.
Lesung aus dem Buch Genesis.
Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
Dann sprach Gott:
Lasst uns Menschen machen
als unser Bild, uns ähnlich!
Sie sollen walten über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels,
über das Vieh,
über die ganze Erde
und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
als Bild Gottes erschuf er ihn.
Männlich und weiblich erschuf er sie.
Gott segnete sie
und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehrt euch,
füllt die Erde
und unterwerft sie
und waltet über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
Dann sprach Gott:
Siehe, ich gebe euch alles Gewächs,
das Samen bildet auf der ganzen Erde,
und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren der Erde,
allen Vögeln des Himmels
und allem, was auf der Erde kriecht,
das Lebensatem in sich hat,
gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung.
Und so geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Noach war ein gerechter, untadeliger Mann unter seinen Zeitgenossen;
er ging mit Gott.
Die Erde aber war vor Gott verdorben,
die Erde war voller Gewalttat.
Gott sah sich die Erde an
und siehe, sie war verdorben;
denn alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben.
Da sprach Gott zu Noach:
Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch ist gekommen;
denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat.
Siehe, ich will sie zugleich mit der Erde verderben.
Mach dir eine Arche aus Goferholz!
Statte sie mit Kammern aus
und dichte sie innen und außen mit Pech ab!
Ich bin es.
Siehe, ich will die Flut, das Wasser, über die Erde bringen,
um alle Wesen aus Fleisch unter dem Himmel,
alles, was Lebensgeist in sich hat, zu verderben.
Alles auf Erden soll den Tod finden.
Mit dir aber richte ich meinen Bund auf.
Geh in die Arche, du, deine Söhne,
deine Frau und die Frauen deiner Söhne!
Von allem, was lebt,
von allen Wesen aus Fleisch,
führe je zwei in die Arche,
damit sie mit dir am Leben bleiben;
je ein Männchen und ein Weibchen sollen es sein.
Von allen Arten der Vögel,
von allen Arten des Viehs,
von allen Arten der Kriechtiere auf dem Erdboden
sollen je zwei zu dir kommen,
damit sie am Leben bleiben.
Nimm dir von allem Essbaren mit
und leg dir einen Vorrat an!
Dir und ihnen soll es zur Nahrung dienen.
Noach tat alles genauso,
wie ihm Gott geboten hatte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
Gott sprach zu Noach
und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
Ich bin es.
Siehe, ich richte meinen Bund auf
mit euch und mit euren Nachkommen nach euch
und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch,
mit allen, die aus der Arche gekommen sind,
mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
Ich richte meinen Bund mit euch auf:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Zeichen des Bundes werden
zwischen mir und der Erde.
Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch verdirbt.
Steht der Bogen in den Wolken,
so werde ich auf ihn sehen
und des ewigen Bundes gedenken
zwischen Gott und allen lebenden Wesen,
allen Wesen aus Fleisch auf der Erde.
Und Gott sprach zu Noach:
Dies ist das Zeichen des Bundes,
den ich zwischen mir und allen Wesen aus Fleisch auf der Erde aufgerichtet habe.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Schriftlesungen zum Beginn der österlichen Bußzeit beginnen mit einer Verheißung. Aus der Sintflutgeschichte hören wir die Zusage Gottes, daß Gott weiterhin den Menschen zugewandt bleibt. Und daß er ein Gott des Beistandes ist.
Im Zentrum der priesterlichen Schrift steht der Bundesschluß. Es geht dabei nicht um einen beiderseitigen Abschluß eines Bundes oder Vertrages, sondern Gott selbst gibt hier eine feierliche Bindung und Zusage. Die Menschen sind hingegen die beschenkten Bundespartner. Im Zeichen des Regenbogens wird diese Zusage besiegelt. Gott selbst will sich an die Zusage immer wieder erinnern.
Hintergrund dieser Erzählung ist auch die Erfahrung des babylonischen Exils. Hinter all den negativen und schlimmen Erfahrungen, dürfen sich die Menschen doch immer wieder an den geschenkten Bund und die Treue Gottes halten und auf ihn bauen.
Israel ist ein Volk, das auf seinen Gottesbund setzt. Dieser Bund wird in den 5 Büchern Mose immer wieder thematisiert. Der Noahbund ist ein Mosaikstein der großen Aussage: Gott steht zu uns.
Besonders in der Zeit des Exils war dieser Bund wichtig. Wenn Gott nicht mehr will, dass alles ausgerottet wird, dann muss die aktuelle Not in der Verbannung einen glücklichen Ausgang finden.
Ein Zeichen der Schöpfung, das sich in allen Gegenden finden lässt, wird zum Zeichen des Bundes. Es gibt keinen Ort, an dem Gott sich nicht zu seinem Bund und seiner Treue bekennen kann.
Unsere Perikope steht am Ende der Sintfluterzählung, gehört aber zugleich auch zum Finale der Priesterschrift in der Urgeschichte (Gen 1 bis 10).
Die "sehr gute" Schöpfung ist durch die Gewalttat des Menschen verdorben worden (6,11-13). Über die aus der Ordnung geratene Schöpfung ergeht das Gericht Gottes (Sintflut), aber über ihr waltet die Treue Gottes und seine erbarmende Liebe.
Der Text der ersten Lesung läßt zwei Teile erkennen:
Die erste Rede (9, 8 –11) kündigt den Bundesschluß an. Noach und seinen Nachkommen, alle kommenden Geschlechter (d. h. allen Menschen), aber auch die Tiere sind Partner dieses Bundes. Gott garantiert die Beständigkeit dieser Schöpfung und gibt die Zusicherung, daß eine Sintflut sich nicht wiederholen wird.
Die zweite Rede (9,12–16) beschreibt diesen Bundesschluß. Für den Menschen des Altertums bedeuten die Gewitter die Bedrohung, dass das Chaos ausbrechen kann. Der Regenbogen nach dem Unwetter ist das natürliche Zeichen des Aufatmens. Dieses natürliche Zeichen wird aufgegriffen und zum Zeichen dafür gemacht, dass Gott das Chaos ein für allemal überwunden hat. Indem er den Bogen in die Wolken setzt, stiftet Gott zugleich ein dauerhaftes, ewiges Zeichen des Bundes. Jedes neue Erscheinen dieses Bundeszeichens erneuert den "Noachbund" und erinnert die Menschen an die Treue Gottes zur ganzen Schöpfung.
Lesung aus dem Buch Genesis
Der Pharao hatte einen Traum:
Siehe, er stand am Nil.
Siehe, aus dem Nil stiegen sieben Kühe
von schönem Aussehen und fett im Fleisch
und weideten im Riedgras.
Nach ihnen stiegen sieben andere Kühe aus dem Nil;
sie waren von hässlichem Aussehen
und mager im Fleisch.
Sie stellten sich neben die Kühe am Ufer des Nils.
Und die hässlichen, mageren Kühe
fraßen die sieben schön aussehenden
und fetten Kühe auf.
Dann erwachte der Pharao.
Er schlief aber wieder ein
und träumte ein zweites Mal:
Siehe, an einem einzigen Halm
wuchsen sieben Ähren,
prall und schön.
Doch siehe:
Nach ihnen wuchsen sieben kümmerliche,
vom Ostwind ausgedörrte Ähren.
Die kümmerlichen Ähren
verschlangen die sieben prallen, vollen Ähren.
Der Pharao wachte auf:
Siehe, es war ein Traum.
Am Morgen fühlte er sich beunruhigt;
er schickte hin
und ließ alle Wahrsager und Weisen Ägyptens rufen.
Der Pharao erzählte ihnen seine Träume,
doch keiner war da, der sie ihm deuten konnte.
Da schickte der Pharao hin und ließ Josef rufen.
Man holte ihn schnell aus der Grube,
schor ihm die Haare,
er wechselte seine Obergewänder
und kam zum Pharao.
Der Pharao sagte zu Josef:
Ich hatte einen Traum,
doch keiner kann ihn deuten.
Von dir habe ich aber gehört,
du brauchst einen Traum nur zu hören,
dann kannst du ihn deuten.
Josef antwortete dem Pharao:
Nicht ich, sondern Gott
wird zum Wohl des Pharao
eine Antwort geben.
Darauf sagte Josef zum Pharao:
Der Traum des Pharao ist ein und derselbe.
Gott hat dem Pharao kundgetan,
was er vorhat:
Die sieben schönen Kühe sind sieben Jahre
und die sieben schönen Ähren sind sieben Jahre.
Es ist ein und derselbe Traum.
Die sieben mageren und hässlichen Kühe,
die nachher heraufkamen,
sind sieben Jahre
und die sieben leeren,
vom Ostwind ausgedörrten Ähren
sind sieben Jahre Hungersnot.
Siehe, sieben Jahre kommen,
da wird großer Überfluss
im ganzen Land Ägypten sein.
Nach ihnen aber
werden sieben Jahre Hungersnot heraufziehen:
Da wird der ganze Überfluss im Land Ägypten
vergessen sein
und Hunger wird das Land auszehren.
Dann wird man nichts mehr
vom Überfluss im Land merken wegen des Hungers,
der danach kommt;
denn er wird sehr drückend sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Deuteronomium:
Höre, Israel!
Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig.
Darum sollst du den HERRN, deinen Gott,
lieben mit ganzem Herzen,
mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte,
sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.
Du sollst sie deinen Kindern wiederholen.
Du sollst sie sprechen, wenn du zu Hause sitzt
und wenn du auf der Straße gehst,
wenn du dich schlafen legst
und wenn du aufstehst.
Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden.
Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden.
Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses
und in deine Stadttore schreiben.
Und wenn der HERR, dein Gott,
dich in das Land geführt hat, von dem du weißt:
er hat deinen Vätern
Abraham, Isaak und Jakob geschworen,
es dir zu geben
- große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast,
mit allen Gütern gefüllte Häuser,
die du nicht gefüllt hast,
ausgehauene Zisternen,
die du nicht ausgehauen hast,
Weinberge und Ölbäume,
die du nicht gepflanzt hast - ,
wenn du dann isst und satt wirst:
nimm dich in Acht,
dass du nicht den HERRN vergisst,
der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Dieser Abschnitt schließt an den Dekalog (Dtn 5) an und leitet zu den Unterweisungen des Volkes über (Dtn 7-11).
Dtn 6,4-5 (bzw. 4-9) wurde später einer der wichtigsten liturgischen Texte des Judentums: Zusammen mit Dtn 11,13-21 und Num 15,37-41 ist es das "Schemac"-Gebet.
Wenn sich Israel an die Gesetze hält, wird ihm Wohlstand verheißen. Mit dem "Höre, Israel" (vgl. auch Dtn 5,1; 9,1; 20,3; 27,9) wird eine Grundsatzaussage, gleichsam ein Glaubensbekenntnis eingeleitet.
Das Bekenntnis zum einen Gott hängt zusammen mit dem Liebesgebot; es geht nicht mehr nur um ein juristisches Verhältnis anhand der Gesetze, sondern um ein Liebesverhältnis zu Gott, um "Vater-Kind".
"Diese Worte" (also eigentlich das gesamte Gesetzeswerk) müssen gelernt und weitergegeben werden.
Das Besondere dieser Stelle ist die eindringliche Aufforderung zur Gottesliebe (vgl. Hosea). Dieses ist das erste und wichtigste aller Gebote.
Lesung aus dem Buch Deuteronomium:
Wenn der HERR, dein Gott,
dich in ein prächtiges Land führt,
ein Land mit Bächen, Quellen und Grundwasser,
das im Tal und am Berg hervorquillt,
ein Land mit Weizen und Gerste,
mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum,
ein Land mit Ölbaum und Honig,
ein Land, in dem du nicht armselig dein Brot essen musst,
in dem es dir an nichts fehlt,
ein Land, dessen Steine aus Eisen sind,
aus dessen Bergen du Erz gewinnst;
wenn du dort isst und satt wirst
und den HERRN, deinen Gott,
für das prächtige Land, das er dir gegeben hat, preist,
dann nimm dich in Acht und vergiss den HERRN,
deinen Gott, nicht,
missachte nicht seine Gebote,
Rechtsentscheide und Satzungen,
auf die ich dich heute verpflichte!
Und wenn du gegessen hast und satt geworden bist
und prächtige Häuser gebaut hast und sie bewohnst,
wenn deine Rinder, Schafe und Ziegen sich vermehren
und Silber und Gold sich bei dir häuft
und dein gesamter Besitz sich vermehrt,
dann nimm dich in Acht,
dass dein Herz nicht hochmütig wird
und du den HERRN, deinen Gott, nicht vergisst,
der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat;
der dich durch die große und Furcht erregende Wüste
geführt hat,
durch Feuernattern und Skorpione,
durch ausgedörrtes Land, wo es kein Wasser gab;
der für dich Wasser aus dem Felsen der Steilwand
hervorsprudeln ließ;
der dich in der Wüste mit dem Manna speiste,
das deine Väter noch nicht kannten,
um, nachdem er dich gefügig gemacht
und dich geprüft hat, dir zuletzt Gutes zu tun.
Dann nimm dich in Acht
und denk nicht bei dir:
Ich habe mir diesen Reichtum aus eigener Kraft
und mit eigener Hand erworben.
Gedenke vielmehr des HERRN, deines Gottes:
Er ist es, der dir die Kraft gibt, Reichtum zu erwerben,
weil er seinen Bund,
den er deinen Vätern geschworen hatte,
so verwirklichen will, wie er es heute tut.
Nach dem Erhalt der Bundesgebote (5,1-22) und seiner Ausfaltung in Kap. 6 ("Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist einzig.") wird Israel der Lohn für die Treue zu Gottes Gebot verheißen: der Besitz des verheißenen Landes.
Der Weg durch die Wüste wird hier pädagogisch gedeutet als ein Einüben in die Gottesfurcht und in den Gottesdienst.
8,3: "Er wollte dich erkennen lassen, daß der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern daß der Mensch von allem lebt, was der Mund des Herrn spricht."
In 8,7ff wird zuerst das Land mit all seinem Reichtum geschildert - und gleichzeitig die Warnung ausgesprochen: Gerade anhand des Überflusses darf auf Gott nicht vergessen werden (V. 11). Ebenso wird vor dem Hochmut gewarnt (V. 14), der zur Gottvergessenheit führen kann.
Die Versuchung besteht darin zu sagen: all der Reichtum wurde aus eigener Kraft erworben (V. 17). Demgegenüber betont Dtn 8,18: alles verdankt sich Gott.
V. 19f wird die Drohung angefügt für den Fall des Vergessens: Gott wird das Volk vertilgen.
Der Text aus dem Buch Deuteronomium stellt sich in eine Reihe anderer Texte des Ersten und Zweiten Testaments, die den richtigen Umgang mit den Gütern der Welt vermitteln wollen. Dem Verfasser steht sicher eine Zeit des Wohlstandes im Volk Israel vor Augen: vermutlich die Zeit König Joschijas (641-609 v. Chr.), in der durch die Schwäche beider vorderasiatischen Hegemonialmächte (Assur und Ägypten – Babylon ist noch nicht zu seiner späteren Stärke gelangt) Juda sich nahezu auf das alte davidische Territorium wieder ausdehnen konnte.
Angesichts des Wohlstandes mahnt der Verfasser, dass die Menschen nicht den Geber dieser Gaben, Jahwe, vergessen sollen. Er warnt vor Gottvergessenheit und Hochmut angesichts des Reichtums. Durch die Erinnerung an die entbehrungsreichen Anfangszeiten des Volkes Israel, wird dem Volk die Größe Gottes, dem sie alles zu verdanken haben, vor Augen geführt.
Lesung aus dem Buch Ezechiel:
Der Mann, der mich begleitete,
führte er mich zum Eingang des Tempels zurück
und siehe, Wasser strömte unter der Tempelschwelle hervor nach Osten hin;
denn die vordere Seite des Tempels schaute nach Osten.
Das Wasser floss unterhalb der rechten Seite des Tempels herab,
südlich vom Altar.
Dann führte er mich durch das Nordtor hinaus
und ließ mich außen herum zum äußeren Osttor gehen.
Und siehe, das Wasser rieselte an der Südseite hervor.
Der Mann ging nach Osten hinaus, mit der Messschnur in der Hand,
maß tausend Ellen ab
und ließ mich durch das Wasser gehen;
das Wasser reichte mir bis an die Knöchel.
Dann maß er wieder tausend Ellen ab
und ließ mich durch das Wasser gehen;
das Wasser reichte mir bis zu den Knien.
Darauf maß er wieder tausend Ellen ab
und ließ mich hindurchgehen;
das Wasser ging mir bis an die Hüften.
Und er maß noch einmal tausend Ellen ab.
Da war es ein Fluss,
den ich nicht mehr durchschreiten konnte;
denn das Wasser war tief,
ein Wasser, durch das man schwimmen musste,
ein Fluss, den man nicht mehr durchschreiten konnte.
Dann fragte er mich:
Hast du es gesehen, Menschensohn?
Darauf führte er mich zurück, am Ufer des Flusses entlang.
Als ich zurückging,
siehe, da waren an beiden Ufern des Flusses sehr viele Bäume.
Er sagte zu mir:
Diese Wasser fließen hinaus in den östlichen Bezirk,
sie strömen in die Araba hinab und münden in das Meer.
Sobald sie aber in das Meer gelangt sind,
werden die Wasser gesund.
Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen,
alles, was sich regt, leben können
und sehr viele Fische wird es geben.
Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden sie gesund;
wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben.
An beiden Ufern des Flusses wachsen alle Arten von Obstbäumen.
Ihr Laub wird nicht welken und sie werden nie ohne Frucht sein.
Jeden Monat tragen sie frische Früchte;
denn ihre Wasser kommen aus dem Heiligtum.
Die Früchte werden als Speise
und die Blätter als Heilmittel dienen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem Buch des Propheten Joël.
Fürchte dich nicht, Ackerboden!
Freu dich und juble;
denn der HERR hat Großes getan!
Fürchtet euch nicht, ihr Tiere auf dem Feld!
Denn das Gras in der Steppe wird wieder grün,
der Baum trägt seine Frucht,
Feigenbaum und Weinstock bringen ihren Ertrag.
Jubelt, ihr Kinder Zions,
und freut euch über den HERRN, euren Gott!
Denn er gibt euch Nahrung, wie es recht ist.
Er schickt euch den Regen,
Herbstregen und Frühjahrsregen
wie in früherer Zeit.
Die Tennen sind voll von Getreide,
die Keltern fließen über von Wein und Öl.
Ich ersetze euch die Ernten,
die von der Wanderheuschrecke und der Larve,
vom Nager und vom Grashüpfer gefressen wurden,
von meinem großen Heer,
das ich gegen euch sandte.
Ihr werdet essen und satt werden
und den Namen des HERRN, eures Gottes, preisen,
der für euch solche Wunder getan hat.
Mein Volk braucht sich nie mehr zu schämen.
Dann werdet ihr erkennen,
dass ich mitten in Israel bin
und dass ich der HERR, euer Gott, bin,
ich und sonst niemand.
Mein Volk braucht sich nie mehr zu schämen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Lesungstext ist dem ersten Teil des Prophetenbuches Joel entnommen. Die Zeit, in der er entstanden ist, lässt sich nicht mit Sicherheit datieren.
Im ersten Kapitel wird eine Heuschreckenplage und eine darauf folgende Dürre beschrieben und beklagt, die das ganze Land in eine Hungersnot stürzte. Der Prophet sieht sie als Vorzeichen des Tages des Herrn und ruft zu Buße und Umkehr auf.
Der Abschnitt der Lesung enthält bereits die Antwort des Herrn auf Buße und Umkehr und verheißt neue Fruchtbarkeit. Der reiche Ertrag wird ebenso wie die vorangehende Katasprophe als Zeichen Gottes verstanden. Das Volk soll erkennen, dass er in seiner Mitte ist und für es sorgt.
Lesung aus der Apostelgeschichte:
Sie hielten an der Lehre der Apostel fest
und an der Gemeinschaft,
am Brechen des Brotes und an den Gebeten.
Alle wurden von Furcht ergriffen;
und durch die Apostel
geschahen viele Wunder und Zeichen.
Und alle, die glaubten,
waren an demselben Ort
und hatten alles gemeinsam.
Sie verkauften Hab und Gut
und teilten davon allen zu,
jedem so viel, wie er nötig hatte.
Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel,
brachen in ihren Häusern das Brot
und hielten miteinander Mahl
in Freude und Lauterkeit des Herzens.
Sie lobten Gott
und fanden Gunst beim ganzen Volk.
Und der Herr
fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu,
die gerettet werden sollten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In der Schriftstelle aus der Apostelgeschichte werden idealtypische Elemente christlich-gemeindlichen Lebens in wenigen Strichen herausgearbeitet:
das Festhalten an der Lehre der Zeugen des Auferstandenen, also der Apostel, die Einmütigkeit untereinander und die soziale Verantwortung sowie die Gemeinschaft in Eucharistie und Gebet.
Nicht zu übersehen ist, dass der Tempel der Mittelpunkt dieser christlichen Urgemeinde von Jerusalem war. Tag für Tag war man dort. Das entsprach dem Wurzelboden der Urgemeinde wie auch der Jesusbewegung überhaupt.
Die knappen Angaben über die ersten Christen von Jerusalem erweisen einen großen Beziehungsreichtum: Das Leben des einzelnen vollzieht sich in der Beziehung zu Gott (Gebet) und zu den Mitmenschen (Einmütigkeit, soziale Verantwortung). Auch die Christengemeinde als ganze weiß sich in doppelter Beziehung: Sie lebt aus der Gemeinschaft mit dem erhöhten Herrn (Eucharistie) und übt einen guten Einfluß auf sie umgebende andersgläubige Menschengruppen aus. Gottesdienst und Weltverantwortung sind kennzeichnend für die Christengemeinde.
Bei der vorliegenden Textstelle aus der Apostelgeschichte handelt es sich um einen Sammelbericht, wie sie in der Apostelgeschichte noch einige vorkommen. Es geht dabei nicht um eine historische Schilderung, sondern will Lukas vielmehr idealtypisch Elemente christlichen Lebens an der Urgemeinde herausarbeiten.
Richtig verstandenes Beibehalten alter Traditionen, Einmütigkeit (nicht 100% Übereinstimmung in allen Belangen) und soziale Verantwortung, Gemeinschaft der Eucharistie und Gebet sind damals wie heute Grundpfeiler christlichen Gemeindelebens. Wenn Lukas hier das Wort "verharren" verwendet, so bedeutet das auch: Ausharren in Geduld, ständige Bereitschaft zum Neubeginn, auch das Durchhalten so mancher ernüchternder Situationen, die oft gar nichts mehr mit dem Enthusiasmus der ersten Zeit zu tun hat.
Die wenigen Angaben über das Gemeindeleben spiegeln einen großen Beziehungsreichtum: Das Leben des einzelnen Christen vollzieht sich in der Beziehung zu Gott (Gebet) und zu den Mitmenschen (Einmütigkeit, soziale Verantwortung).
Auch die Christengemeinde als ganze weiß sich in doppelter Beziehung: Sie lebt aus der Gemeinschaft mit dem erhöhten Herrn (Eucharistie) und übt einen guten Einfluß auf sie umgebende andersgläubige Menschengruppen aus (beachte auch den Gedanken der Kontrastgesellschaft im Werk der beiden Lohfinks). Gottesdienst und Weltverantwortung sind kennzeichnend für die Christengemeinde.
In der ersten Lesung werden Szenen und Situationen geschildert, die einen idealtypischen Charakter besitzen und wichtige Elemente des Lebens in der Gemeinde darstellen:
- Festhalten an der Lehre der Apostel
- Einmütigkeit untereinander
- soziale Verantwortung
- Gemeinschaft in Eucharistie und Gebet
Dreh- und Angelpunkt des Handelns der Gemeinde war der Tempel, "in dem sie Tag für Tag einmütig verharrten".
In diesem kurzen Text zeigen sich auch die Grundpfeiler christlichen Lebens: Martyria (Verkündigung und das Bekenntnis der Frohbotschaft - Zeugnis geben), Liturgia (Gedächtnis von Leben, Sterben und Auferstehung Jesu Christi), Diakonia (Dienst am Notleidenden, am Nächsten - soziale Verantwortung) und Koinonia (Gemeinschaft).
Kv: Preise den HERRN, meine Seele!
Herr, mein Gott, überaus groß bist du! - Kv
(oder GL 58,1)
Preise den HERRN, meine Seele! /
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. - Kv
Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. /
Du nimmst dir die Wolken zum Wagen,
du fährst einher auf den Flügeln des Windes.
Du machst die Winde zu deinen Boten,
zu deinen Dienern Feuer und Flamme. - Kv
Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, /
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit,
darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere. - Kv
Auf dich warten sie alle,
dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit.
Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein,
öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem. - Kv
Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, /
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub.
Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen
und du erneuerst das Angesicht der Erde. - Kv
Kv - Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen dir die Völker alle. – Kv
(oder GL 55,1)
Gott sei uns gnädig und segne uns.
Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,
damit man auf Erden deinen Weg erkenne,
deine Rettung unter allen Völkern.- Kv
Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, /
denn du richtest die Völker nach Recht
und leitest die Nationen auf Erden.
Die Völker sollen dir danken, Gott,
danken sollen dir die Völker alle.- Kv
Die Erde gab ihren Ertrag.
Gott, unser Gott, er segne uns!
Es segne uns Gott!
Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde.- Kv
Lesung aus dem Buch der Psalmen.
Preise den HERRN, meine Seele!
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt.
Du lässt Quellen sprudeln in Bäche,
sie eilen zwischen den Bergen dahin.
Sie tränken alle Tiere des Feldes,
die Wildesel stillen ihren Durst.
Darüber wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.
Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.
Du lässt Gras wachsen für das Vieh
und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen,
damit er Brot gewinnt von der Erde
und Wein, der das Herz des Menschen erfreut,
damit er das Angesicht erglänzen lässt mit Öl
und Brot das Herz des Menschen stärkt.
Die Bäume des HERRN trinken sich satt,
die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat,
dort bauen die Vögel ihr Nest,
auf den Zypressen nistet der Storch.
Die hohen Berge gehören dem Steinbock,
dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht.
Du machst den Mond zum Maß für die Zeiten,
die Sonne weiß, wann sie untergeht.
Du sendest Finsternis und es wird Nacht,
dann regen sich alle Tiere des Waldes.
Die jungen Löwen brüllen nach Beute,
sie verlangen von Gott ihre Nahrung.
Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim
und lagern sich in ihren Verstecken.
Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk,
an seine Arbeit bis zum Abend.
Wie zahlreich sind deine Werke, HERR,
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Ich will dem HERRN singen in meinem Leben,
meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.
Preise den HERRN, meine Seele! Halleluja!
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Ich bin überzeugt,
dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten
im Vergleich zu der Herrlichkeit,
die an uns offenbar werden soll.
Denn die Schöpfung
wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
Gewiss, die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen,
nicht aus eigenem Willen,
sondern durch den, der sie unterworfen hat,
auf Hoffnung hin:
Denn auch sie, die Schöpfung,
soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden
zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Mensch ist ein Teil der ganzen Schöpfung. Das Leben der Christen in dieser Welt hat als Ziel die Herrlichkeit bei Gott. Der Weg dorthin ist gekennzeichnet durch Solidarität mit der Schöpfung, denn wir stehen wie sie unter dem Gesetz der Vergänglichkeit. Doch als Christen haben wir eine sichere Hoffnung: Gott führt uns und alles Geschaffene den Weg zu Befreiung aus aller Knechtschaft und Verlorenheit hin zur Freiheit und Herrlichkeit, die ihren Grund allein in Gott hat.
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an Timotheus.
Die Frömmigkeit bringt in der Tat reichen Gewinn,
wenn man genügsam ist.
Denn wir haben nichts in die Welt mitgebracht
und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen.
Wenn wir Nahrung und Kleidung haben,
soll uns das genügen.
Die aber reich sein wollen,
geraten in Versuchung und Verstrickung
und in viele sinnlose und schädliche Begierden,
welche die Menschen ins Verderben
und in den Untergang stürzen.
Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht.
Nicht wenige, die ihr verfielen,
sind vom Glauben abgeirrt
und haben sich viele Qualen bereitet.
Du aber, ein Mann Gottes,
flieh vor alldem!
Strebe vielmehr nach Gerechtigkeit,
Frömmigkeit, Glauben, Liebe,
Standhaftigkeit und Sanftmut!
Ermahne die, die in dieser Welt reich sind,
nicht überheblich zu werden
und ihre Hoffnung
nicht auf den unsicheren Reichtum zu setzen,
sondern auf Gott,
der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen!
Sie sollen wohltätig sein,
reich werden an guten Werken,
freigebig sein
und, was sie haben, mit anderen teilen.
So sammeln sie sich einen Schatz
als sichere Grundlage für die Zukunft,
um das wahre Leben zu erlangen.
Timotheus, bewahre, was dir anvertraut ist!
Halte dich fern von dem gottlosen Geschwätz
und den Widersprüchen
der fälschlich sogenannten Erkenntnis!
Einige, die sich darauf eingelassen haben,
sind vom Weg des Glaubens abgekommen.
Die Gnade sei mit euch!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der erste und der zweite Brief an Timotheus und der Brief an Titus werden seit dem 18. Jahrhundert "Pastoralbriefe" genannt. Sie geben Anweisungen für die "Pastores", die "Hirten" und Leiter christlicher Gemeinden. Die paulinische Herkunft wird unter Exegeten nicht mehr für sicher gehalten. Die Pastoralbriefe könnte ein späterer, Paulus-begeisterter "Paulusschüler", verfaßt haben, der für eine veränderte Situation in der Kirche das Evangelium des Paulus verkünden wollte und der vielleicht um 100 in Kleinasien lebte.
Timotheus wurde von Paulus in Ikonien bekehrt und war von der zweiten Missionsreise an sein ständiger Begleiter (vgl. Apg 16,1-3). Wegen seiner Hilfe in der schwierigen Missionsarbeit wird er vom Apostel sehr geschätzt. Die Überlieferung kennt ihn als ersten Bischof von Ephesus (vgl. 1 Tim1,3; 2 Tim 1,6).
Zur Lesungsperikope: Angesichts der schweren Einbrüche des Irrglaubens in die Gemeinde, soll sich Timotheus im Glaubenskampf bewähren als Diener Christi an der Gemeinde. Paulus ist erschüttert, ihn trifft das Schicksal derer, die sich selbst und andere in den Untergang mit hineinziehen.
Der Apostel spricht Timotheus als "Mann Gottes" an, weil er, wie die alttestamentlichen Propheten, in einem besonders engen und nahen Verhältnis zu Gott steht, dem er durch Berufung (Taufe) und Amt (Weihe) sein ganzes Leben geweiht hat. Wie in einem Wettlauf soll er einem anderen Ziel nachjagen, jenen Tugenden, die sein Verhältnis zu Gott und den Menschen regeln. Denn Gott selbst hat Timotheus berufen und dieser hat mit seinem Bekenntnis geantwortet. Welches Bekenntnis hier gemeint ist – jener bei der Taufe oder jenes bei der Weihe - geht nicht eindeutig aus dem Text hervor.
Timotheus soll sich nach Paulus in einem heiligen Lebenswandel das "Gebot", den christlichen Glauben, bewahren, und zwar bis zur Ankunft Christi im Weltgericht. Die Wiederkunft Christi wird als "Epiphanie" - Erscheinung - bezeichnet. Das Wann der Erscheinung kennt der Mensch nicht. Gott allein kennt den Zeitpunkt. Der Christ muß sie erwarten und stets bereit sein.
Die Mahnung des Apostels klingt aus in einem Lobpreis Gottes. Vor Gott kann keine irdische Macht bestehen. Gott allein besitzt Unsterblichkeit und wohnt in unzugänglichem Lichte. Damit ist er jeder menschlichen Erkenntnis unerreichbar, wenn nicht Gottes Gnade den Menschen selbst zu Licht emporhebt. Am Ende steht ein Lobwort, in dem die ewige und unbeschränkte Macht Gottes hervorgehoben wird.
Halleluja, Halleluja.
Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
In jener Zeit sprach Jesus:
Ich sage euch:
Sorgt euch nicht um euer Leben,
was ihr essen oder trinken sollt,
noch um euren Leib,
was ihr anziehen sollt!
Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung?
Seht euch die Vögel des Himmels an:
Sie säen nicht,
sie ernten nicht
und sammeln keine Vorräte in Scheunen;
euer himmlischer Vater ernährt sie.
Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge
sein Leben
auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung?
Lernt von den Lilien des Feldes,
wie sie wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht
nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet,
das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird,
wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Macht euch also keine Sorgen
und fragt nicht: Was sollen wir essen?
Was sollen wir trinken?
Was sollen wir anziehen?
Denn nach alldem streben die Heiden.
Euer himmlischer Vater weiß,
dass ihr das alles braucht.
Sucht aber zuerst sein Reich
und seine Gerechtigkeit;
dann wird euch alles andere dazugegeben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
trieb der Geist Jesus in die Wüste.
Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste
und wurde vom Satan in Versuchung geführt.
Er lebte bei den wilden Tieren
und die Engel dienten ihm.
Nachdem Johannes ausgeliefert worden war,
ging Jesus nach Galiläa;
er verkündete das Evangelium Gottes
und sprach: Die Zeit ist erfüllt,
das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um
und glaubt an das Evangelium!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Schriftstelle ist zweigeteilt. Der erste Teil besteht aus der Versuchungsgeschichte, die eigentlich mehr den Abschluß der vorausgehenden Tauferzählung bildet.
Der zweite Teil wird bei den meisten Übersetzungen (so auch in der Einheitsübersetzung) mit einer eigenen Überschrift versehen, also abgehoben.
Der Vers 14 ist das "Summarium der Verkündigung Jesu", eine Zusammenfassung der Predigt Jesu (nämlich "das Evangelium Gottes"), während der Vers 15 konkreter ausformuliert, was Jesus verkündete:
"Die Zeit ist erfüllt": Hinter diesem Ausspruch "steht das Wissen, das Gott die Zeiten festlegt. So hat Gott den Zeitpunkt des Auftretens Jesu im voraus bestimmt." Mit ihm vollzieht sich die Zeitenwende, der Anbruch der Endzeit. Damit ist die Nähe der Gottesherrschaft eindeutig festgemacht.
Die Gottesherrschaft stellt sich aber "nicht als kosmisches Ereignis mit herabstoßenden Engelscharen", sondern "als ein verborgener Anfang, den nicht jedes Auge wahrnahm, sondern nur der Glaube."
Umkehr: Im Gegensatz zum Aufruf zur Umkehr und Buße bei Johannes, ruft Jesus zur Umkehr angesichts der nahendenn Gottesherrschaft auf, und es setzen die Zwölf Apostel diesen Ruf auch fort.
Mit Umkehr ist biblisch gesprochen die "Kehre des Lebens, die den Lebensweg radikal umwenden will und den gedanklichen Bereich selbstverständlich miteinbezieht und die sich im praktischen Leben auswirken muß. Ziel der Wandlung auf dem Weg, der also bis dahin ein falscher war, ist Gott, weil die Gottesherrschaft hier alle Bereiche des menschlichen Lebens des einzelnen, den privaten und öffentlichen, den ethischen und politischen, umgreift."
Die Forderung hinter all dem ist der Glaube an das Evangelium von Jesus Christus.
Die Verse 1-15 im ersten Kapitel bilden den "Prolog" des ältesten der vier Evangelien. Das Stichwort "Evangelium" im Vers 1 und in den Versen 14 und 15 bildet gleichsam den Rahmen dieses Prologs. Die prophetische Rede und Wirksamkeit des Johannes wird von der Verkündigung Jesu und den Ereignissen um seine Person (Taufe, Versuchung) überboten. Jesus, zu dem sich im Bericht von der Taufe der Vater bekennt, soll schon hier als Hauptperson des ganzen Evangeliums herausgestellt werden.
Der knappe und sprachlich markante Bericht vom Wüstenaufenthalt und der Versuchung Jesu steht in engem Zusammenhang mit der Taufe im Jordan. Der Geist, der auf Jesus herabgekommen ist, führt ihn in die Wüste, den Ort der Gottesbegegnung, aber auch den Ort, an dem das Böse mächtig ist.
Jesus ist dem Satan überlegen. Gottes Geist ist unvergleichlich stärker als die Macht des Bösen. Das friedliche Zusammensein mit den wilden Tieren deutet darauf hin, dass mit dem Anbrechen der Gottesherrschaft paradiesische Zustände einkehren. Eine Adam-Christus-Typologie wird angedeutet. Die messianische Zeit bricht an. Boten Gottes bedienen den Gesalbten des Herrn.
Der Hinweis auf die Gefangennahme des Täufers Johannes (Vers 14) will sicher nicht nur einen zeitlichen Zusammenhang herstellen, er hat auch eine theologische Bedeutung. Der unbegreifliche Plan Gottes steht dahinter: Auch Jesus wird ausgeliefert werden. Der Ausdruck "Evangelium Gottes", der nur hier bei Markus steht, hat höchstwahrscheinlich seinen Ursprung im Freudenboten von Jesaia 52,7. Jesus ist der Bringer der Freudenbotschaft Gottes. Seine Verkündigung bedeutet Heil und Frieden.
Der Vers 15 faßt in vier knappen Aussagen, von denen je zwei zusammengehören, die Predigt Jesu zusammen: "Die Zeit ist erfüllt!" und "Das Reich Gottes ist nahe!" – "Kehrt um!" und "Glaubt an das Evangelium!". Jetzt ist der "Kairos", der rechte Augenblick. Jesu Heilsverkündigung steht in der Spannung zwischen dem "Schon jetzt" und "Noch Nicht", zwischen Heilsgegenwart und Heilszukunft (... ist nahe). Wer auf den Ruf Jesu mit der totalen Hinwendung seines Lebens auf Gott antwortet, der wird auch die rettende Macht des Glaubens erfahren.
Nach der Wüste beginnt Jesu Auftritt. Wüste ist Ort der Erinnerung an die Gottesbegegnung im Sinai. Und es ist die Erinnerung an die vielen Erfahrungen beim Exodus. An diese Erinnerungen knüpft der Geist an, der Jesus in die Wüste führt (Mk 1,12).
Aus der "Fülle der Geschichte" verkündet Jesus die Botschaft der Umkehr. Sie ist Botschaft zur Erinnerung an die Fülle der Zuwendungen Gottes.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit sagte Jesus:
Mit dem Reich Gottes ist es so,
wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
dann schläft er und steht wieder auf,
es wird Nacht und wird Tag,
der Samen keimt und wächst
und der Mann weiß nicht, wie.
Die Erde bringt von selbst ihre Frucht,
zuerst den Halm, dann die Ähre,
dann das volle Korn in der Ähre.
Sobald aber die Frucht reif ist,
legt er die Sichel an;
denn die Zeit der Ernte ist da.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat findet sich im vierten Kapitel des Markusevangeliums zusammen mit anderen Gleichnissen vom Werden und von der Vollendung des Reiches Gottes.
Aufmerksam wird hier ein bekannter Vorgang aus der Realität landwirtschaftlichen Lebens und Arbeitens geschildert, der gleichwohl zum Staunen und zur Dankbarkeit anregen kann. Denn: Kein Tun des Sämanns kann erklären, warum am Ende das Feld zur Ernte reif dasteht. Während die Saat aufgeht und von selbst wächst, wartet der Sämann. Wenn das Getreide reif ist, ist die Zeit zur Ernte gekommen. Es ist Gott, der das Aufgehen und Wachsen der Saat bis zur reifen Frucht fördert und garantiert.
Wie mit der Saat so verhält es sich auch mit dem Reich Gottes. Aus den kleinen Anfängen im unscheinbaren Wort der Verkündigung oder im Leben in der Jesusnachfolge erwächst das Gottesreich durch geheimnisvolle Kraft, bis es in voller Frucht steht und die Zeit der Ernte gekommen ist.
Das Gleichnis führt von der Beschreibung einer natürlichen Wirklichkeit zur Einsicht in eine übernatürliche Wirklichkeit. Es kann aber umgekehrt auch die übernatürliche Wirklichkeit das Geheimnisvolle und Wunderbare in den Vorgängen der Natur erschließen helfen.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Als Jesus die vielen Menschen sah,
stieg er auf den Berg.
Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm.
Und er öffnete seinen Mund,
er lehrte sie und sprach:
Ich sage euch:
Sorgt euch nicht um euer Leben,
was ihr essen oder trinken sollt,
noch um euren Leib,
was ihr anziehen sollt!
Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung?
Seht euch die Vögel des Himmels an:
Sie säen nicht,
sie ernten nicht
und sammeln keine Vorräte in Scheunen;
euer himmlischer Vater ernährt sie.
Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge
sein Leben
auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung?
Lernt von den Lilien des Feldes,
wie sie wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht
nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet,
das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird,
wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Macht euch also keine Sorgen
und fragt nicht: Was sollen wir essen?
Was sollen wir trinken?
Was sollen wir anziehen?
Denn nach alldem streben die Heiden.
Euer himmlischer Vater weiß,
dass ihr das alles braucht.
Sucht aber zuerst sein Reich
und seine Gerechtigkeit;
dann wird euch alles andere dazugegeben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder
und kam über Sidon an den See von Galiläa,
mitten in das Gebiet der Dekapolis.
Da brachten sie zu ihm einen, der taub war und stammelte,
und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen.
Er nahm ihn beiseite,
von der Menge weg,
legte ihm die Finger in die Ohren
und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;
danach blickte er zum Himmel auf,
seufzte
und sagte zu ihm: Effata!,
das heißt: Öffne dich!
Sogleich öffneten sich seine Ohren,
seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit
und er konnte richtig reden.
Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen.
Doch je mehr er es ihnen verbot,
desto mehr verkündeten sie es.
Sie staunten über alle Maßen
und sagten: Er hat alles gut gemacht;
er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Im Gebiet der Dekapolis, der zehn Städte am Ostufer des Sees Genesareth, bringen Unbekannte einen Unbekannten zu Jesus. Der Unbekannte ist taubstumm und wahrscheinlich ein Heide. Das griechische Wort für Stummheit bedeutet in etwa "er konnte nur stammeln".
Ein Kind, das nicht hören kann, stammelt meist nur und lernt (ohne heutige medizinische Standards) auch nie richtig sprechen. Ob er allerdings von Geburt an taubstumm gewesen ist oder erst aufgrund einer Krankheit, kann aus dem Text nicht geschlossen werden. Sicher ist hingegen, daß Taubheit damals oft mit Besessenheit gleichgesetzt worden ist. Dieser Taubstumme wird also zu Jesus gebracht, und seine Heilung, ein Wunder, wird erwartet.
Jesus nimmt den Kranken beiseite, da dieser in der Masse hilflos zu sein scheint, und Jesus möchte ihm den nötigen Raum zur "gesamtmenschlichen" Begegnung mit ihm geben. Die Finger waren oft Sinnbilder einer Kraftübertragung und werden hier auf die "Orte des Schmerzes" gelegt. Speichel kam im Alten Orient eine heilende und exorzistische Bedeutung zu. Der Blick zum Himmel drückt die tiefe Verbundenheit mit Gott aus. Die Heilung kommt nicht von verborgenen Kräften, es werden keine unverständlichen Riten und Rituale praktiziert, sondern die Heilung beruft sich auf die Kraft Gottes. Dadurch lösen sich die (dämonischen?) Blockaden im Körper des Taubstummen und er wird zu einer normalen menschlichen Kommunikation befähigt.
Jesus will aber nicht, daß die Menschen von dieser Heilung berichten. Seine Zeit, die Zeit in der die Menschen sein Tun erst begreifen werden, ist die Zeit des Kreuzes und diese ist noch nicht gekommen. Logisch, daß die Menge dieses Wunder nicht geheim halten konnte. Doch sie läuft gleichsam Gefahr, das Wesentliche zu übersehen und am Wunder "hängen zu bleiben". Das "effata", das "öffne dich" gilt auch für die Menge.
Das Evangelium dieses Sonntags erzählt von einer wunderbaren Heilung eines Tabstummen. Diese Geschichte ist einzigartig. Obwohl sie Matthäus und Lukas vorgelegen hat, haben sie sie nicht übernommen. Sie wird ganz nach dem Muster der Wunder- und Heilungserzählungen, die es im palästinenschischen und hellnistischen Umfeld gegeben hat, erzählt. Die Erzählung beschreibt ungewöhnlich bis ins Detail, was der Heiler mit dem zu Heilenden anstellt. So zu erzählen war damals üblich.
Markus gibt dieser Erzählung jedoch seine eigene Deutung. Diese läßt sich aus dem Kontext und dem Schweigegebot, das Markus an mehreren Stellen einfügt, ablesen. Für Markus ist Jesus der verborgene Gottessohn, der erst am Kreuz offenbar wird. Was man von ihm schon vor diesem Offenbarwerden erzählt und erzählen kann, ist mißverständlich. Deshalb fügt Markus immer wieder das Schweigegebot ein.
"Die Heiden" (Dekapolis und Gliläa, wo sie diese Ereignisse zutragen, gelten als heidnische Gebiete) mißverstehen Jesu Wundertäter, göttlichen Arzt, Wohltäter der Menscheit...
Jesus läßt sich aber auch nicht nach den Forderungen der Pharisäer nach jüdischen Vorstellungen verstehen.
Auch die Jünger verstehen ihn nicht (vgl. Mk 8, 21).
Der Abschluß der Erzählung knüpft jedoch an die alttestamentliche Überlieferung vom Schöpfer, der alles gut macht, und vom Retter, der heilt und die Schöpfung wieder herstellt, an.
Die Geschichte von der Heilung des Hör- und Sprachbehinderten steht im Zusammenhang von verschiedenen Heilungs- und auch anderen Wundergeschichten. Diese Wundergeschichten haben zwei Aussageebenen: Zuerst verweisen sie auf die Wirkmächtigkeit des Gottessohnes. Die Taten sollen die Menschen wissen lassen: Das, was er sagt, stimmt wirklich. Und all jene, die keine Ahnung haben von Torah und Propheten, bekommen mit: Da ist einer, mit dem bricht Neues an - da muss man wirklich daran glauben. Darüber hinaus soll der fromme Jude erfahren: Mit diesem Mann erfüllen sich die Schriften der Alten. Im Fall der Heilung des Hör- und Sprachbehinderten sind es die Worte aus Jesaja 35.
Ein kleines Detail in der Geschichte verwundert (und nicht nur in dieser): Immer wieder verbietet Jesus nach seiner Tat den Leuten - den Geheilten wie der Zeugenschaft - zu erzählen, was sie erlebt haben. Eigentlich sollte man annehmen, das Gegenteil müsse Jesu Absicht sein. Vermutlich ist das Schweigegebot ein Hinweis darauf, dass das Handeln Jesu mit der Heilung nicht fertig ist. Darauf verweist auch die Komposition unserer Sonntagsliturgie, wenn dem Evangelium die Jesaja-Lesung vorangeht, die von der Erfüllung des Heilsversprechens erzählt. Diesen Hinweis hatten die Menschen damals aber nicht. Für sie sollte sich der Sinn der Heils- und Wundertaten mit der Erfahrung der Auferstehung Jesu erschließen. Und bis zu diesem Moment sollten sie nicht marktschreierisch und unverständig von dem erzählen, was sie gesehen hatten. In allen Heilungsgeschichten können wir nachlesen: Dieses Schweigegebot ist ungehört verhallt.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
In jener Zeit
bat einer aus der Volksmenge Jesus:
Meister, sag meinem Bruder,
er soll das Erbe mit mir teilen!
Er erwiderte ihm: Mensch,
wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch eingesetzt?
Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht,
hütet euch vor jeder Art von Habgier!
Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin,
dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.
Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis:
Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun?
Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte.
Schließlich sagte er:
So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen
und größere bauen;
dort werde ich mein ganzes Getreide
und meine Vorräte unterbringen.
Dann werde ich zu meiner Seele sagen:
Seele, nun hast du einen großen Vorrat,
der für viele Jahre reicht.
Ruh dich aus, iss und trink
und freue dich!
Da sprach Gott zu ihm: Du Narr!
Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.
Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?
So geht es einem,
der nur für sich selbst Schätze sammelt,
aber bei Gott nicht reich ist.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Jesus stellt klar, dass er den Sinn des Lebens nicht in materiellen Gütern sieht. Er warnt vor Habgier. Seine Antwort ist die Beispielerzählung vom reichen Kornbauern, der "nur für sich Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist" (V. 21). Das Selbstgespräch, die Gedanken des Bauern, in denen sechsmal das Wort "ich" vorkommt zeigt, dass er nur auf sich selber schaut und sehr egoistisch denkt. Er kreist um seine Vorräte, seine Lebenssattheit und Absicherung.
Doch seine selbstsicheren Zukunftsplanungen werden durch den plötzlichen Tod zunichte gemacht. Der Tod, der uns alle aufeinmal "gleich" macht. Der Gedanke, das Ziel der Lebensabsicherung hat sich als Torheit erwiesen.
Die Frage stellt sich massiv: "Was oder wer gibt wirklichen Sinn über den Tod hinaus?" Sammelt euch Schätze, die vor Gott reich machen! Was damit gemeint ist, mit diesem "reich-sein" vor Gott läßt das Evangelium offen. Vielleicht ist unser Leben, d. h. Geben und Nehmen, das Haben und Loslassen, jetzt schon eine Erfahrung, dass ich Sinn und Zufriedenheit hier und jetzt schon finden kann.
Dem Trachten nach Reichtum und der ängstlichen Sorge um Selbstsicherung (Lk 12,13-21) wird in diesem Text das vom Vertrauen auf Gott getragene Trachten nach seinem Reich gegenübergestellt.
Der kunstvoll gegliederte Abschnitt (rahmende Erzählung, parallel formulierte gleichnisartige und weisheitliche Unterweisung) leitet die Leser an, die Grundlosigkeit ihrer ängstlichen Sorge zu erkennen und frei zu bleiben für die Erwählung. Die Textsorte (eine Art Lehrgedicht) verbietet es, darin eine schwärmerische, naive Ablehnung jeglichen Sorgens ausgesprochen zu finden. Lk hat die Vorlage (aus der Redequelle Q) besonders durch ihre Einordnung nach dem Gleichnis und den erweiterten Abschluss als Trostwort und Mahnung an kleinmütige, verängstigte Jünger in der Urkirche gestaltet. Der schon im Blick auf die Christen erfolgten Zusammenstellung ursprünglich getrennt überlieferter Worte liegen Jesu eigene Warnung vor ängstlichem Sorgen sowie deren gleichnisartige Motivierung zugrunde.
Für die urkirchlichen Leser, besonders für die Wandermissionare, wie auch für heutige Christen ist dieser Text ein Beleg für Jesu meditierendes Gewahrwerden von Zusammenhängen in der Natur. Es ist zugleich eine Aufforderung, alle Sorgen und Ängste jeweils im größeren Zusammenhang des geschenkten Lebens, der ganzen Welt und der Umsorgung durch den Vater zu betrachten, um so für die einem jeden abverlangte Sorge um das Reich Gottes freizubleiben. Die Empfehlung des Schätzesammelns für Gott setzt die Hoffnung auf individuelle Entgeltung durch geschenkhaften Lohn voraus.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
In jener Zeit
sagte Jesus zu den Leuten: Gebt Acht,
hütet euch vor jeder Art von Habgier!
Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin,
dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.
Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis:
Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun?
Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte.
Schließlich sagte er:
So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen
und größere bauen;
dort werde ich mein ganzes Getreide
und meine Vorräte unterbringen.
Dann werde ich zu meiner Seele sagen:
Seele, nun hast du einen großen Vorrat,
der für viele Jahre reicht.
Ruh dich aus, iss und trink
und freue dich!
Da sprach Gott zu ihm: Du Narr!
Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.
Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?
So geht es einem,
der nur für sich selbst Schätze sammelt,
aber bei Gott nicht reich ist.
Und er sagte zu seinen Jüngern:
Deswegen sage ich euch:
Sorgt euch nicht um euer Leben,
was ihr essen sollt,
noch um euren Leib,
was ihr anziehen sollt!
Denn das Leben ist mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung.
Seht auf die Raben:
Sie säen nicht und ernten nicht,
sie haben keine Vorratskammer
und keine Scheune;
und Gott ernährt sie.
Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel!
Wer von euch
kann mit all seiner Sorge sein Leben
auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
Wenn ihr nicht einmal etwas so Geringes könnt,
warum macht ihr euch dann Sorgen um das Übrige?
Seht euch die Lilien an, wie sie wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht
nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet,
das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird,
wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Und darum auch ihr:
Sucht nicht,
was ihr essen und was ihr trinken sollt,
und ängstigt euch nicht!
Denn nach all dem streben die Heiden in der Welt.
Euer Vater weiß, dass ihr das braucht.
Vielmehr sucht sein Reich;
dann wird euch das andere dazugegeben.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Denn euer Vater hat beschlossen,
euch das Reich zu geben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Evangelienperikope ist ein Lehrgedicht in 3 Strophen über die Sorglosigkeit. Es stammt aus der sog. Redenquelle. Lukas hat es nach dem Gleichnis vom Mann, der sein Leben vergeblich durch Reichtum absichern will, eingeordnet.
Die 1. Strophe streicht die Nutzlosigkeit der Sorge um das Leben, den Leib und die Nahrung hervor. Nach Ansicht der damaligen Medizin kann niemand weder seine Lebensdauer noch seine Körpergröße verlängern. Das Leben liegt in Gottes Hand. Dies wird durch den Vergleich mit den Raben unterstrichen. Den Juden galten diese als unrein. Sie wurden obendrein als die verlassensten Tiere eingestuft, da sie von ihren eigenen Eltern vernachlässigt würden („Rabeneltern“). Und dennoch sorgt Gott für sie…
Die 2. Strophe zieht zum Vergleich die Lilien heran, mit deren Pracht sich nicht einmal der israelit-ische „Sonnenkönig“ Salomon messen kann. Wenn Gott sie so großartig kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen…
In der 3. Strophe fordert Jesus seine Jünger auf, für das Reich Gottes Sorge zu tragen. Das ist ihr erster Auftrag. Alles andere werden sie aus der Hand des Vaters empfangen.
Dem Trachten nach Reichtum und der ängstlichen Sorge um Selbstsicherung (Lk 12,13-21) wird in diesem Text das vom Vertrauen auf Gott getragene Trachten nach seinem Reich gegenübergestellt.
Der kunstvoll gegliederte Abschnitt (rahmende Erzählung, parallel formulierte gleichnisartige und weisheitliche Unterweisung) leitet die Leser an, die Grundlosigkeit ihrer ängstlichen Sorge zu erkennen und frei zu bleiben für die Erwählung. Die Textsorte (eine Art Lehrgedicht) verbietet es, darin eine schwärmerische, naive Ablehnung jeglichen Sorgens ausgesprochen zu finden. Lk hat die Vorlage (aus der Redequelle Q) besonders durch ihre Einordnung nach dem Gleichnis und den erweiterten Abschluss als Trostwort und Mahnung an kleinmütige, verängstigte Jünger in der Urkirche gestaltet. Der schon im Blick auf die Christen erfolgten Zusammenstellung ursprünglich getrennt überlieferter Worte liegen Jesu eigene Warnung vor ängstlichem Sorgen sowie deren gleichnisartige Motivierung zugrunde.
Für die urkirchlichen Leser, besonders für die Wandermissionare, wie auch für heutige Christen ist dieser Text ein Beleg für Jesu meditierendes Gewahrwerden von Zusammenhängen in der Natur. Es ist zugleich eine Aufforderung, alle Sorgen und Ängste jeweils im größeren Zusammenhang des geschenkten Lebens, der ganzen Welt und der Umsorgung durch den Vater zu betrachten, um so für die einem jeden abverlangte Sorge um das Reich Gottes freizubleiben. Die Empfehlung des Schätzesammelns für Gott setzt die Hoffnung auf individuelle Entgeltung durch geschenkhaften Lohn voraus.
Jesus stellt klar, dass er den Sinn des Lebens nicht in materiellen Gütern sieht. Er warnt vor Habgier. Seine Antwort ist die Beispielerzählung vom reichen Kornbauern, der "nur für sich Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist" (V. 21).
Das Selbstgespräch, die Gedanken des Bauern, in denen sechsmal das Wort "ich" vorkommt, zeigt, dass er nur auf sich selber schaut und sehr egoistisch denkt. Er kreist um seine Vorräte, seine Lebenssattheit und Absicherung.
Doch seine selbstsicheren Zukunftsplanungen werden durch den plötzlichen Tod zunichte gemacht. Der Tod, der uns alle auf einmal "gleich" macht. Der Gedanke, das Ziel der Lebensabsicherung hat sich als Torheit erwiesen.
Die Frage stellt sich massiv: "Was oder wer gibt wirklichen Sinn über den Tod hinaus?"
Sammelt euch Schätze, die vor Gott reich machen! Was damit gemeint ist, mit diesem "reich-sein" vor Gott läßt das Evangelium offen.
Vielleicht ist unser Leben, d. h. Geben und Nehmen, das Haben und Loslassen, jetzt schon eine Erfahrung, dass ich Sinn und Zufriedenheit hier und jetzt schon finden kann.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
In jener Zeit
sagte zu seinen Jüngern:
Deswegen sage ich euch:
Sorgt euch nicht um euer Leben,
was ihr essen sollt,
noch um euren Leib,
was ihr anziehen sollt!
Denn das Leben ist mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung.
Seht auf die Raben:
Sie säen nicht und ernten nicht,
sie haben keine Vorratskammer
und keine Scheune;
und Gott ernährt sie.
Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel!
Wer von euch
kann mit all seiner Sorge sein Leben
auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
Wenn ihr nicht einmal etwas so Geringes könnt,
warum macht ihr euch dann Sorgen um das Übrige?
Seht euch die Lilien an, wie sie wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht
nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet,
das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird,
wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Und darum auch ihr:
Sucht nicht,
was ihr essen und was ihr trinken sollt,
und ängstigt euch nicht!
Denn nach all dem streben die Heiden in der Welt.
Euer Vater weiß, dass ihr das braucht.
Vielmehr sucht sein Reich;
dann wird euch das andere dazugegeben.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Denn euer Vater hat beschlossen,
euch das Reich zu geben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Evangelienperikope ist ein Lehrgedicht in 3 Strophen über die Sorglosigkeit. Es stammt aus der sog. Redenquelle. Lukas hat es nach dem Gleichnis vom Mann, der sein Leben vergeblich durch Reichtum absichern will, eingeordnet.
Die 1. Strophe streicht die Nutzlosigkeit der Sorge um das Leben, den Leib und die Nahrung hervor. Nach Ansicht der damaligen Medizin kann niemand weder seine Lebensdauer noch seine Körpergröße verlängern. Das Leben liegt in Gottes Hand. Dies wird durch den Vergleich mit den Raben unterstrichen. Den Juden galten diese als unrein. Sie wurden obendrein als die verlassensten Tiere eingestuft, da sie von ihren eigenen Eltern vernachlässigt würden („Rabeneltern“). Und dennoch sorgt Gott für sie…
Die 2. Strophe zieht zum Vergleich die Lilien heran, mit deren Pracht sich nicht einmal der israelit-ische „Sonnenkönig“ Salomon messen kann. Wenn Gott sie so großartig kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen…
In der 3. Strophe fordert Jesus seine Jünger auf, für das Reich Gottes Sorge zu tragen. Das ist ihr erster Auftrag. Alles andere werden sie aus der Hand des Vaters empfangen.
Dem Trachten nach Reichtum und der ängstlichen Sorge um Selbstsicherung (Lk 12,13-21) wird in diesem Text das vom Vertrauen auf Gott getragene Trachten nach seinem Reich gegenübergestellt.
Der kunstvoll gegliederte Abschnitt (rahmende Erzählung, parallel formulierte gleichnisartige und weisheitliche Unterweisung) leitet die Leser an, die Grundlosigkeit ihrer ängstlichen Sorge zu erkennen und frei zu bleiben für die Erwählung. Die Textsorte (eine Art Lehrgedicht) verbietet es, darin eine schwärmerische, naive Ablehnung jeglichen Sorgens ausgesprochen zu finden. Lk hat die Vorlage (aus der Redequelle Q) besonders durch ihre Einordnung nach dem Gleichnis und den erweiterten Abschluss als Trostwort und Mahnung an kleinmütige, verängstigte Jünger in der Urkirche gestaltet. Der schon im Blick auf die Christen erfolgten Zusammenstellung ursprünglich getrennt überlieferter Worte liegen Jesu eigene Warnung vor ängstlichem Sorgen sowie deren gleichnisartige Motivierung zugrunde.
Für die urkirchlichen Leser, besonders für die Wandermissionare, wie auch für heutige Christen ist dieser Text ein Beleg für Jesu meditierendes Gewahrwerden von Zusammenhängen in der Natur. Es ist zugleich eine Aufforderung, alle Sorgen und Ängste jeweils im größeren Zusammenhang des geschenkten Lebens, der ganzen Welt und der Umsorgung durch den Vater zu betrachten, um so für die einem jeden abverlangte Sorge um das Reich Gottes freizubleiben. Die Empfehlung des Schätzesammelns für Gott setzt die Hoffnung auf individuelle Entgeltung durch geschenkhaften Lohn voraus.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Zu jener Zeit kamen einige Leute
und berichteten Jesus von den Galiläern,
deren Blut Pilatus
mit dem ihrer Opfertiere vermischt hatte.
Und er antwortete ihnen:
Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder waren
als alle anderen Galiläer,
weil das mit ihnen geschehen ist?
Nein, sage ich euch,
vielmehr werdet ihr alle genauso umkommen,
wenn ihr nicht umkehrt.
Oder jene achtzehn Menschen,
die beim Einsturz des Turms am Schiloach erschlagen wurden -
meint ihr, dass sie größere Schuld auf sich geladen hatten
als alle anderen Einwohner von Jerusalem?
Nein, sage ich euch,
vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen,
wenn ihr nicht umkehrt.
Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis:
Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt;
und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug,
fand er keine.
Da sagte er zu seinem Winzer:
Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre
und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt,
und finde nichts.
Hau ihn um!
Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?
Der Winzer erwiderte:
Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen;
ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.
Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte;
wenn nicht, dann lass ihn umhauen!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In einer Abfolge von Gleichnissen unterbricht der Evangelist Lukas die Hörer und Leser mit einer Schreckensmeldung (diese ist nur bei Lukas anzutreffen). Die Aufzeichnungen des Josephus Flavius (Jüdisches Altertum, Rom, Ende des 1. Jhdt.) erzählen von diesen beiden Vorfällen. Darin wird von Samaritern berichtet, die zum Heiligtum zogen und auf Befehl von Pilatus niedergemetzelt wurden. Der Zeitpunkt dieses Vorfalles liegt aber nach diesen Quellen nach dem Tod Jesu. Hingegen wird von einer jüdischen Demonstration in Jerusalem etwa zur Zeit Jesu berichtet, die auch von Pilatus blutig niedergeschlagen wurde.
Der Evangelist Lukas gibt in knapper Form den Inhalt dieser Schreckensmeldungen wieder. Jesus nimmt diese Meldungen und Fragen auf und gibt eine klare Stellung ab. Jesus widerspricht der landläufigen jüdischen Ansicht, dass besondere Schuld der Menschen zu besonderem Unglück führe. Jesus blickt nicht auf den Ursprung des Unglücks, sondern viel eher auf die Zukunft der Lebenden. Die beiden Unglücke zeigen den Lebenden, dass es ihnen auch so ergehen wird, wenn sie nicht umkehren.
Die angeschlossene Parabel macht dies deutlich. Der Weingärtner ist solidarisch mit dem Feigenbaum; die Fürbitte des Winzers für den Feigenbaum erinnert an die Bitte des Abraham für Sodom (vgl. Gen 18,23ff). Die Fürbitte wird erhört. Der Feigenbaum erhält noch eine Chance um Frucht zu bringen. Das Kriterium ist also, dass der Baum Frucht bringe. Das letzte Urteil bleibt dem Besitzer des Weinbergs vorbehalten.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
erzählte Jesus ihnen dieses Gleichnis:
Ein Mann hatte in seinem Weinberg
einen Feigenbaum gepflanzt;
und als er kam und nachsah,
ob er Früchte trug,
fand er keine.
Da sagte er zu seinem Winzer:
Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre
und sehe nach,
ob dieser Feigenbaum Früchte trägt,
und finde nichts.
Hau ihn um!
Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?
Der Winzer erwiderte:
Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen;
ich will den Boden um ihn herum aufgraben
und düngen.
Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte;
wenn nicht, dann lass ihn umhauen!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
kam er zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß
und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
und setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.
Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.
Die Samariterin sagte zu ihm:
Wie kannst du als Jude
mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten?
Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
Jesus antwortete ihr:
Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten
und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß
und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?
Bist du etwa größer als unser Vater Jakob,
der uns den Brunnen gegeben
und selbst daraus getrunken hat,
wie seine Söhne und seine Herden?
Jesus antwortete ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird niemals mehr Durst haben;
vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
in ihm zu einer Quelle werden,
deren Wasser ins ewige Leben fließt.
Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser,
damit ich keinen Durst mehr habe
und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen!
Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann
und komm wieder her!
Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann.
Jesus sagte zu ihr:
Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.
Denn fünf Männer hast du gehabt
und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.
Damit hast du die Wahrheit gesagt.
Die Frau sagte zu ihm:
Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet;
ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte,
wo man anbeten muss.
Jesus sprach zu ihr:
Glaube mir, Frau, die Stunde kommt,
zu der ihr weder auf diesem Berg
noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt,
wir beten an, was wir kennen;
denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt und sie ist schon da,
zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit;
denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist
und alle, die ihn anbeten,
müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Die Frau sagte zu ihm:
Ich weiß, dass der Messias kommt,
der Christus heißt.
Wenn er kommt,
wird er uns alles verkünden.
Da sagte Jesus zu ihr:
Ich bin es, der mit dir spricht.
Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen.
Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach,
doch keiner sagte: Was suchst du?
oder: Was redest du mit ihr?
Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen,
kehrte zurück in die Stadt
und sagte zu den Leuten:
Kommt her, seht, da ist ein Mensch,
der mir alles gesagt hat, was ich getan habe:
Ist er vielleicht der Christus?
Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm.
Währenddessen baten ihn seine Jünger: Rabbi, iss!
Er aber sagte zu ihnen:
Ich habe eine Speise zu essen,
die ihr nicht kennt.
Da sagten die Jünger zueinander:
Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?
Jesus sprach zu ihnen:
Meine Speise ist es,
den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat,
und sein Werk zu vollenden.
Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte?
Sieh, ich sage euch: Erhebt eure Augen
und seht, dass die Felder schon weiß sind zur Ernte!
Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn
und sammelt Frucht für das ewige Leben,
sodass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.
Denn hier hat das Sprichwort recht:
Einer sät und ein anderer erntet.
Ich habe euch gesandt
zu ernten, wofür ihr euch nicht abgemüht habt;
andere haben sich abgemüht
und euch ist ihre Mühe zugutegekommen.
Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus
auf das Wort der Frau hin,
die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.
Als die Samariter zu ihm kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben;
und er blieb dort zwei Tage.
Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn
aufgrund seiner eigenen Worte.
Und zu der Frau sagten sie:
Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir,
denn wir haben selbst gehört
und wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Evangelium ist dem 4. Kapitel des Johannes entnommen. Jesus zieht auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem durch Samarien. Dieses Gebiet war einst Kernland des israelischen Nordreiches. Im 8. Jh. v. Chr. wurde es assyrische Provinz. Da sich in dieser Zeit die Bevölkerung mit der neuen Oberschicht mischte, wurde es von den Juden als kultisch unrein betrachtet. Es entwickelte sich ein eigenständiger samaritischer Kult, der sich trotz mehrfacher Versuche nie gänzlich auslöschen lies. In den Büchern des Neuen Testamentes treten an mehreren Stellen die religiösen Spannungen zwischen Juden und Samaritern zutage. Diese bilden auch den Hintergrund der Erzählung von der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen.
Die Frau gilt in einem mehrfachen Sinn als vom Heil abgeschnitten: Als Frau, durch ihren Lebenswandel, als Samariterin. Trotzdem nimmt Jesus Kontakt zu ihr auf; nicht nur aus einer persönlichen Notlage heraus. Es kommt zu einer Begegnung, in der die Frau (und später auch die Leute aus ihrem Dorf) zum Glauben an den Messias findet, während Jesus von den eigenen Volksangehörigen als solcher abgelehnt (im folgenden Kapitel 5) wird.
In der Erzählung haben Wasser und die Speisen, welche die Jünger besorgten, eine besondere symbolische Bedeutung. Man kann die Geschichte nicht lesen, ohne an die Wasser- und Speisungswunder des Alten Testamentes zu denken.
Betrachtet man die österliche Bußzeit als Vorbereitungszeit auf den Empfang des Taufsakramentes, so steht ab dem dritten Fastensonntag der konkrete Weg zu diesem Sakrament immer mehr im Mittelpunkt. In Sonntagsgottesdiensten und zusätzlichen Bußgottesdiensten soll die gemeinsame Vorbereitung geschehen. Dabei geht es nicht mehr um Glaubenswissen oder Glaubensbelehrung, sondern um die tiefere Erkenntnis Christi, um die Erkenntnis des eigenen Herzens oder die Befreiung vom "Negativen". Also um die intensive Vorbereitung auf die Osternacht und die Feier der Auferstehung.
Das Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen zeigt, wie der Evangelist Johannes mit dem hintergründigen Sinn von Worten und Begriffen "spielt". Zunächst spricht Jesus von Wasser im wörtlichen Sinn. Mit seinem Angebot, "lebendiges Wasser" zu geben, kommt ein doppeldeutiger Begriff ins Spiel. Er kann, wörtlich verstanden, das fließende Wasser bezeichnen, im Unterschied zum Wasser aus der Zisterne. So fasst ihn die Frau zunächst auch auf. Zwar stellt sie erstmals die Frage nach der Würde Jesu ("Bist du etwa größer als unser Vater Jakob?"); doch ihr bleibt der tiefere Sinn des "lebendigen Wassers" selbst dann noch verborgen, als Jesus es auf das ewige Leben bezieht. Denn die Verheißung, das von Jesus gegebene Wasser werde nie mehr dürsten lassen, versteht sie als Erleichterung der täglichen Mühsal: Sie müsste nicht mehr zum Brunnen gehen, um Wasser zu schöpfen.
Jesus meint dagegen, dass das menschliche Streben nach Sinn und Erfüllung gestillt wird; er spricht von der Gabe einer neuen Existenz, die auch den Tod überdauert - vielleicht mit besonderer Beziehung zum Geist. Dass die Frau dies letztlich versteht, zeigt eine fast unscheinbare Bemerkung: Sie läßt ihr Schöpfgefäß stehen, ehe ihr Zeugnis die Einwohner der Stadt zu Jesus führt.
Das Evangelium erzählt eine Begegnung am Brunnen. Sein Ort ist weder zufällig noch unwichtig: Sychar in Samarien. Für Juden ist Samarien unrein, obwohl der Brunnen mit dem Namen Jakob, einem der Väter Israels, eng verbunden ist. Jesus spricht als Jude und Mann - gegen die gute Sitte - eine Samariterin an und erbittet von ihr Wasser. Dass die Frau keinen Namen hat, macht sie "typisch" - ihre Lebensgeschichte allerdings, die Jesus kennt, gibt ihr die Würde, einmalig zu sein.
Der Brunnen wird bei Johannes zu einem Ort der Offenbarung. Das Gespräch, das ohne Jünger geführt wird und Jesus mit der samaritanischen Frau allein zeigt, kreist um das Wasser: Jesus, der von der Frau das Wasser aus dem Brunnen erbittet, offenbart sich ihr als das "lebendige" Wasser, das ewiges Leben schenkt.
Zu dieser Offenbarung - Jesus spricht am Ende sogar davon, der Messias zu sein - gehört, dass die Heiligen Orte, der Berg Garizim für die Samariter, der Berg Zion für die Juden, nicht mehr die Orte der Gegenwart Gottes sind, auch nicht mehr Menschen und Gebete trennen: "Die Stunde kommt - und sie ist schon da (!) -, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden." Dass die Stunde schon da ist, kann nur Jesus sagen. Er selbst ist da. Der, der um Wasser bat, ist die Wahrheit: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Johannes hat die Geschichte kunstvoll aufgebaut. Er legt der samaritanischen Frau in den Mund, was zu einem Bekenntnis wird. Oder: was ihr aufgeht:
Erst ist Jesus ein Jude (V. 9), dann ein Prophet (V. 19b), am Ende formuliert sie die die Hoffnung, dass der Messias kommt (V. 25). Darauf hin offenbart sich ihr Jesus.
Die fast schon intime Begegnung am Brunnen mit vielen zärtlichen Zwischentönen wird von Johannes geöffnet: Viele Samariter kommen zum Glauben und bitten Jesus, bei ihnen zu bleiben. Zwei Tage bleibt er bei ihnen (am dritten ist seine Auferstehung).
Die Geschichte am Jakobsbrunnen endet mit der Begegnung der anderen Samariter mit der Frau. Sie legen vor ihr (!) das Bekenntnis ab: "Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt." Dieses Messiasbekenntnis ist gleich in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Es kommt aus dem Mund der Samariter (nicht der Juden), ist aber von einer Frau mit Vergangenheit bezeugt und vor ihr sogar bekannt. Johannes nimmt in dieser Begegnungsgeschichte das Osterzeugnis der Maria von Magdala vorweg (Joh. 20,11-18).
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
kam er zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß
und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
nd setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.
Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.
Die Samariterin sagte zu ihm:
Wie kannst du als Jude
mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten?
Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
Jesus antwortete ihr:
Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten
und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß
und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?
Bist du etwa größer als unser Vater Jakob,
der uns den Brunnen gegeben
und selbst daraus getrunken hat,
wie seine Söhne und seine Herden?
Jesus antwortete ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird niemals mehr Durst haben;
vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
in ihm zu einer Quelle werden,
deren Wasser ins ewige Leben fließt.
Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser,
damit ich keinen Durst mehr habe
und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen!
Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet;
ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte,
wo man anbeten muss.
Jesus sprach zu ihr:
Glaube mir, Frau, die Stunde kommt,
zu der ihr weder auf diesem Berg
noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt,
wir beten an, was wir kennen;
denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt und sie ist schon da,
zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit;
denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist
und alle, die ihn anbeten,
müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Die Frau sagte zu ihm:
Ich weiß, dass der Messias kommt,
der Christus heißt.
Wenn er kommt,
wird er uns alles verkünden.
Da sagte Jesus zu ihr:
Ich bin es, der mit dir spricht.
Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus.
Als die Samariter zu ihm kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben;
und er blieb dort zwei Tage.
Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn
aufgrund seiner eigenen Worte.
Und zu der Frau sagten sie:
Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir,
denn wir haben selbst gehört
und wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Ich bin der wahre Weinstock
und mein Vater ist der Winzer.
Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt,
schneidet er ab
und jede Rebe, die Frucht bringt,
reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
Ihr seid schon rein kraft des Wortes,
das ich zu euch gesagt habe.
Bleibt in mir
und ich bleibe in euch.
Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann,
sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt,
so auch ihr,
wenn ihr nicht in mir bleibt.
Ich bin der Weinstock,
ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe,
der bringt reiche Frucht;
denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
Wer nicht in mir bleibt,
wird wie die Rebe weggeworfen
und er verdorrt.
Man sammelt die Reben,
wirft sie ins Feuer
und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt
und meine Worte in euch bleiben,
dann bittet um alles, was ihr wollt:
Ihr werdet es erhalten.
Mein Vater wird dadurch verherrlicht,
dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In der Reihe der „Ich-bin“-Worte, die im Johannesevangelium überliefert werden, begegnet uns heute das Bildwort von dem Weinstock, von der Rebe und von der Frucht. Unschwer ist wahrzunehmen, dass in den vielen Assoziationen nur ein Thema variiert wird: reiche Frucht bringen.
Gerichtszüge trägt das Evangelium auch: Reben, die keine Frucht bringen, werden abgeschnitten. Für die Hörer in ihrer alltäglichen Erfahrung eine vertraute Schlussfolgerung. Jesus will aber seine Zuhörer davon befreien, abgeschnitten zu werden: „reiche Frucht bringen“ ist jedoch nicht nur eine Vorgabe, sondern eine Verheißung. Die Rebe, die am Weinstock bleibt, wird reiche Frucht bringen!
Das Ich-bin-Wort „Ich bin der wahre Weinstock“ umkreist das Geheimnis des „bleibens“. Am Weinstock reift die reiche Frucht, von ihm getrennt bleibt nur der Abfall. Auf Jesus bezogen, stellt der Evangelist vor Augen, in ihm zu bleiben und sein Wort zu verinnerlichen. Es ist Jesu Wort, dass reiche Frucht beschert. Nach Jes 55 kommt Gottes Wort nie leer zurück.
Der letzte Satz bindet Bilder und Assoziationen zusammen: Der Vater Jesu wird dadurch verherrlicht, dass wir Jesu Jünger werden und reiche Frucht bringen. Es gehört zu der johanneischen Sehweise, Jesu Wort und Werk nicht an sich zu betrachten und vorzustellen, sondern als sein „Bleiben“ im Vater zu bezeugen. So kann der Evangelist mit dem Wort „bleiben“ Gott, Jesus und uns verbinden. Statisch ist „bleiben“ nicht. Als Bildwort kann das „Ich-bin-Wort“ Jesu einen Wachstumsprozess beschreiben und gleichzeitig einen großartigen Geschmack hinterlassen. Für die Hörer kann es nur eine Konsequenz geben: „Reiche Frucht bringen“
Der Freude des Erntedankfestes stehen die Sorgen um das Wohl der Schöpfung, des Klimawandels und des Artensterbens gegenüber. Die Erzählung von Noah und der Arche kann als erstes Artenschutzprogramm gelesen werden. Erntedank bedeutet Dank für die Wunder der Natur. Es gilt neu staunen zu lernen und behutsam mit der Schöpfung umzugehen.
„Das sechste Sterben“ - so nennen Fachleute das gegenwärtige Artensterben auf unserem Planeten Erde. Fünf große Artensterben gab es im Laufe der Erdgeschichte bereits, alle lange bevor Menschen entstanden. Jetzt schätzt der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen, dass weltweit in naher Zukunft wiederum eine Million Arten aussterben könnte. Rund ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Seit 65 Millionen Jahren gab es auf der Erde kein so schnelles Artensterben. Doch während zur Zeit der Dinosaurier ein Meteoriteneinschlag dafür verantwortlich war, sind das heute wir Menschen. Unsere Übernutzung von Land- und Meeresflächen, unsere übermäßige Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die menschengemachte Klimaerwärmung, die Verschmutzung von Boden, Luft und Wasser sowie der interkontinentale Personen- und Warenverkehr, der sogenannte „invasive Arten“ als blinde Passagiere in andere Kontinente bringt, wo sie Ökosysteme zerstören, verursachen und beschleunigen das Artensterben. - Lässt sich dieses sechste Sterben überhaupt noch aufhalten?
Die erste Lesung von der großen Flut macht zunächst einmal klar: Nicht die Willkür eines launenhaften Gottes verursacht die große Zerstörung, sondern die „Bosheit“ und Gewalt der Menschen. Heute würden wir in einem solchen Fall sagen: „Die Natur schlägt zurück“ oder „die Natur rächt sich“. Damals vor 2500 Jahren sagten die Menschen: „Gott schlägt zurück“ und „Gott rächt sich“. Übereinstimmend ist jedoch in beiden Fällen die Ursache - das zerstörerische Handeln der Menschen. Gott hingegen will, so die Lesung, dass das Leben weitergeht. Er geht auf die Suche, bis er wenigstens einen Menschen findet, dem alle Lebewesen am Herzen liegen: Noach. Der spürt in seinem Gewissen, dass er eine Arche bauen sollte, um darin Tieren aller Arten Platz zu geben. Allen - auch denen, die keinen Nutzen für uns Menschen haben! Es geht Noach nicht um Eigennutz oder wirtschaftlichen Gewinn. Er schützt die Tiere um ihrer selbst willen und ist dafür sogar bereit, den engen Platz des Rettungsschiffs mit ihnen zu teilen. Vereinfacht gesagt haben wir es mit dem ersten großen Artenschutzprogramm der Menschheitsgeschichte zu tun. Und Gott sorgt dafür, dass Noach mit seinem fürsorglichen Handeln Erfolg hat.
Viel wird gegenwärtig darüber gesprochen, welchen Nutzen die Artenvielfalt für uns Menschen hat. Eine vielfältige Lebenswelt versorgt uns besser und verlässlicher mit Lebensmitteln, Rohstoffen und Wirkstoffen für Arzneien; sie reguliert das lokale Klima und mildert die Folgen von Extremwetterereignissen ab; sie sorgt für unsere Erholung an Leib und Seele und regt unsere Kreativität an; sie ist ein großartiger Vermittler von Spiritualität. Doch warnt Papst Franziskus uns ausdrücklich davor, die Artenvielfalt nur um unseres eigenen Nutzens willen erhalten zu wollen. In seiner Enzyklika Laudato si' schreibt er: „Es genügt nicht, an die verschiedenen Arten nur als eventuelle nutzbare Ressourcen' zu denken und zu vergessen, dass sie einen Eigenwert besitzen.“ (LS 33)
Genau an dieser Stelle tritt die Spiritualität auf den Plan. Im Psalm 104 haben wir gehört, wie wunderbar und vielfältig Gottes Schöpfung ist. Allen Tier- und Pflanzenarten hat Gott ein passendes Biotop zugewiesen - und wo viele Arten im selben Biotop wohnen, können sie zu unterschiedlichen Zeiten aktiv sein, die einen am Tag, die anderen bei Nacht. Alle bekommen ihre Nahrung. Natürlich weiß der Psalmist, dass viele Lebewesen sich ernähren, indem sie andere fressen. Aber das Fressen und die Konkurrenz untereinander stehen nicht an erster Stelle wie bei Charles Darwin, sondern sind eingebettet und moderiert durch eine Ressourcenfülle, die überwältigend groß ist. Der Tisch der Erde ist mehr als reich gedeckt, und alle dürfen daran teilhaben.
Dieselbe Spiritualität des Staunens über die Lebensfülle kennzeichnet auch Jesu Einladung im Evangelium: Wenn der Schöpfer schon für die Vögel des Himmels und die Blumen des Feldes so großartig sorgt, um wieviel mehr dann für uns! Es wird für alle Lebewesen reichen! Das gegenwärtig in politischen Debatten oft geäußerte Argument, dass die Menschheit nicht genug zu essen oder anzuziehen hätte, würde sie nicht alle landwirtschaftlich nutzbaren Flächen auch tatsächlich nutzen, ist wissenschaftlich betrachtet schlichtweg falsch; es ist darüber hinaus aber auch ein Zeichen des Unglaubens, des mangelnden Gottvertrauens. Unsere Sorge sollte allein die Gerechtigkeit sein, sagt Jesus - die Gerechtigkeit gegenüber den armen Menschen, die hungern, obwohl genügend Lebensmittel für alle vorhanden wären, und gegenüber der nichtmenschlichen Schöpfung, der wir kaum Lebensräume lassen, in denen sie frei und uneingeschränkt leben können.
Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Erntedankfest lädt Jesus uns ein, über das Wunder der Schöpfung zu staunen und dem Gott des Lebens zu vertrauen. Aber wie können wir das lernen? Und wie können wir es ganz praktisch im Alltag leben?
Ein erster Schritt ist das heutige Fest selbst: Danken ist wichtiger als Bitten! Auf das zu schauen, was uns geschenkt ist, ist wichtiger als auf das zu schauen, was wir gerne noch dazu hätten. Es ist doch unendlich großartig, dass die meisten Menschen in unserem Land sich nicht tagtäglich sorgen müssen, was sie heute zum Essen haben. Das kann ihre Herzen öffnen für die, die aktuell wirklich Sorge um ihr täglich Brot haben - und das sind weltweit fast eine Milliarde Menschen!
Der zweite Schritt ist das Staunen über die Wunder der Natur. Gehen Sie hinaus in einen abwechslungsreichen Naturraum und entdecken Sie dort die vielen Tier- und Pflanzenarten! Schauen Sie vor allem auf die kleinen Tiere, die Insekten, Käfer, Spinnen und anderen Kleintiere. Hören Sie auf den Gesang der Vögel oder das Quaken der Frösche. Berühren Sie die Rinde verschiedener Bäume oder die Oberfläche unterschiedlicher Blätter. Schmecken Sie jetzt im Herbst die essbaren Früchte und Kräuter. Und riechen Sie den Duft nicht nur der Blüten, sondern auch anderer Teile der Pflanzen. Solche Naturerlebnisse mit allen Sinnen sind spirituelle Erlebnisse - sie öffnen uns den Zugang zum Schöpfer selbst.
Durch diese beiden Schritte können wir dem ökonomischen Denken ganz nebenbei Grenzen setzen. Es geht nicht um größtmögliche Effizienz. Es geht nicht darum, das Maximale aus dem Boden herauszuholen. Es geht um ein verträgliches Wirtschaften mit den Schöpfungsgaben - so, dass für die nichtmenschlichen Lebewesen Raum bleibt. Und das wäre dann der dritte Schritt, den wir nur gemeinsam politisch realisieren können: Dass wir auf die Nutzung eines Teils unserer Flächen verzichten und sie sein lassen, wie sie sich von selbst entwickeln. Ich bin überzeugt, es werden die schönsten, die lebendigsten, die kostbarsten Flächen sein. Wer es nicht glaubt, begebe sich nur ein einziges Mal für ein paar Stunden in den Nationalpark Kalkalpen und beobachte die Natur mit allen Sinnen. Wundervoller können wir Menschen die Welt niemals gestalten.
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, das sechste Sterben ist im Gang - doch es lässt sich noch aufhalten. Wir müssen nur wie Noach bereit sein, „Archen“ zu bauen, Schutzräume für alle Lebewesen. Umsonst sind sie nicht zu haben. Aber das war zu Noachs Zeiten schon genau so. Doch vergessen wir nicht: In der Arche mag es eng werden, es mag manchmal stinken und unbequem sein. Aber es ist eine wundervolle Gemeinschaft, die unser Leben reich macht.
(c) Prof. Dr. Michael Rosenberger, Linz.
Mit Klugheit und kompetentem Wissen versuchen wir, einen zerstörerischen Umgang mit der Natur zu korrigieren. Eine uralte biblische Tradition bewundert die Weisheit, mit der Gott seine Schöpfung eingerichtet hat. Diese Weisheit in unser Denken und Handeln hereinzuholen und sie zu unserer Wegbegleiterin zu machen, eröffnet uns in ein neues Verhältnis zur Natur und zur Schöpfung.
Im Psalm 104 (Vers 24) wird von Gott gesagt: "Mit Weisheit hast du alle deine Werke gemacht." Klingt interessant: Mit Weisheit, nicht mit Logik, nicht mit Mathematik, nicht mit kosmischen Gesetzen oder mit Evolution, nein mit Weisheit hat Gott die Welt erschaffen. Weisheit, das ist mehr als Klugheit und Intelligenz, mehr als Reflexion und Kalkül. Weisheit erfasst das Ganze, sieht in die Tiefe und Breite, erahnt Wirkungen und Perspektiven, die nicht auf der Hand liegen.
Im Buch der Sprichwörter wird gesagt, dass Gott diese Weisheit nötig hat, um die Welt zu erschaffen. Sie wird weiblich, als Frau personifiziert. Ohne sie läuft gar nichts, auch für Gott. Gott hat sie als Erste geschaffen, vor aller Zeit wurde sie geboren und dann war sie bei allem dabei, was Gott ins Dasein gerufen hat. Die Weisheit spielte vor Gott, wie ein selbstvergessenes Kind, ganz in der Gegenwart und es war ihre Freude, bei den Menschen zu sein.
Welche Bedeutung haben diese biblischen Aussagen für unseren Zugang zur Natur und für unseren Umgang mit allem Lebendigen um uns herum?
Stimmen werden heutzutage immer lauter, die fordern, dass es bei den Fragen rund um Klimawandel, das Artensterben und die Nachhaltigkeit neben konkreten Maßnahmen um einen fundamentalen Wandel unserer Einstellung zur Umwelt gehen muss. Für viele ist die Natur eine Sache, die man möglichst gut und gewinnbringend nützen soll und kann. Die Frage ist, was man herausholen kann, wie man Ertrag und Effizienz steigern kann. Solange diese Mentalität herrscht, werden Maßnahmen zum Klima oder Artenschutz, zur Renaturierung oder Nachhaltigkeit vielleicht eingesehen (besonders nach der letzten Wetterkatastrophe), aber unwillig in Kauf genommen.
Wir können aber auch wieder lernen, die Natur mit den Augen von Frau Weisheit zu sehen. Wir können staunen, welche Schönheit die Schöpfung uns bietet, wie ausgewogen und raffiniert das Zusammenspiel der Naturgesetze ist oder wie kreativ sich die Lebewesen an ihren Lebensraum und ihre Situation anpassen.
Wir können unsere Gleichgültigkeit, Überheblichkeit und Arroganz hinter uns lassen und zum Beispiel am Weg in die Arbeit darüber staunen, dass jetzt die Sonne aufgeht, oder dass unser Magen das Essen verdaut, das uns so gut geschmeckt hat oder dass die Dämmerung eine friedliche Stimmung erzeugt, die uns zur Ruhe kommen lässt. Dann können wir spüren, wie alles mit Weisheit gemacht ist und wie kostbar, schützenswert und einmalig unsere Umwelt ist.
Wenn wir einen absichtslosen, bewundernden Zugang zur Schöpfung pflegen, Ausbeutung und Zerstörung zurücknehmen, dann können wir auch Gott, der Schöpferin in der Natur begegnen.
Die Frau Weisheit, die Freude hat, unter uns Menschen zu sein, kann uns einen guten Weg zeigen. Wenn wir uns auf sie einlassen, können wir von ihr lernen:
+ Genügsamkeit:
Wer weise mit der Natur umgeht, spürt, wann es genug ist, und verbraucht nicht mehr, als er oder sie nötig hat.
+ Genussfähigkeit:
Wer mit allen Sinnen den Reichtum der Schöpfung erspürt, der oder die erfährt Fülle und Glück im Leben.
+ Respekt und Ehrfurcht:
Wer mit weisen Augen auf die Natur schaut, erkennt ihre Einmaligkeit aber auch ihre Zerbrechlichkeit und Verletzbarkeit.
+ Verantwortung:
Wer die Weisheit findet, selbst ein Teil dieser wunderbaren Schöpfung zu sein, kann sensibel und rücksichtsvoll mit der Natur umgehen.
UND es ist nicht schwer diese Weisheit zu finden. An anderer Stelle sagt die Bibel, dass Frau Weisheit auf unserer Türschwelle sitzt und auf uns wartet. Wir brauchen nur die Tür zu öffnen, dann ist sie da und wartet darauf, hereingebeten zu werden.
Öffnen wir unsere Türen und Herzen und bitten sie herein, denn es ist ihre Freude bei den Menschen zu sein.
© Dorothea Schwarzbauer Haupt, Diözese Linz.
In einer Welt, die vom Untergang bedroht ist, können wir nicht Erntedank feiern, ohne handeln zu beginnen und uns für den Erhalt der Schöpfung einsetzen.
1. Lesung: Gen 9,8-17
2. Lesung: Röm 8,18-21
Evangelium: Mk 1,12-15
Als die Umweltorganisation Greenpeace im Juli 1985 gegen französische Kernwaffentests auf dem Mururoa-Atoll demonstrieren wollte, weil die Bewohner*innen der Nachbaratolle seit Jahrzehnten an Strahlungsschäden litten, befestigten Taucher des französischen Geheimdienstes mit Wissen des französischen Staatspräsidenten Francois Mitterand im Hafen von Auckland/Neuseeland zwei Sprengsätze an dem Schiff und versenkten es. Ein Greenpeace-Mitarbeiter kam ums Leben.
Sicher können Sie sich den tiefen Frust der Umweltengagierten vorstellen, als sie von diesem Ereignis erfuhren. Denn viel schlimmer als der materielle Schaden war ja die Botschaft Frankreichs: Wir werden mit der Entwicklung von Atomwaffen fortfahren, und ihr werdet uns daran nicht hindern! Frust und Verzweiflung breiten sich aus.
Ganz ähnlich dürfte die Gefühlslage vieler Umweltaktivist*innen heute sein. Da setzen sich die Jugendlichen der Fridays for Future, der Letzten Generation und anderer Gruppierungen uneigennützig und mit leidenschaftlichem Engagement für den Schutz von Klima und Biodiversität ein. Aber auch nach vier Jahren zeigen ihre Proteste kaum Wirkung. Politik und Gesellschaft machen weiter wie bisher und tun so, als ob uns noch Jahrhunderte Zeit blieben, um unsere zerstörerischen Praktiken aufzugeben.
Der Frust ist hoch, und er ist nachvollziehbar. Verzweiflung und die sprichwörtliche „Klima-Angst“ greifen um sich, so dass viele junge Menschen ernsthaft erwägen, keine Kinder in die Welt zu setzen, um sie nicht einer furchtbaren Lebenssituation auszusetzen. Diese Gefühlslage sollten wir sehr ernst nehmen, denn sie ist gut begründet und nimmt die wissenschaftlichen Prognosen ernster als sämtliche Parolen eines naiven „Weiter-so“.
Doch wie können wir mit Angst und Sorge umgehen? Wie können wir verhindern, dass junge Menschen völlig verzweifeln und ihre Hoffnung ganz verlieren? Lässt sich eine trost- und hoffnungsvolle Perspektive finden, die keine billige Vertröstung, sondern echte Stärkung bedeutet? Klassisch ist das eine Frage an die Religionen. Und wenn wir genau hinsehen, hält die christliche Tradition dazu einige Ressourcen bereit, die wir allerdings in den letzten Jahrhunderten wenig beachtet haben.
So haben wir in der Lesung aus dem Buch Genesis gehört, dass Gott nach der großen Flut einen Bund mit der Schöpfung schließt. Als ob die Autoren wüssten, wie widerständig die Menschen sind, hämmert ihr Text den Zuhörenden vielfach ein, dass es um einen Bund mit allen Lebewesen geht, menschlichen und nichtmenschlichen - auf dem Land, denen im Wasser und denen in der Luft. Fast in jedem Satz wird das betont, damit es auch der letzte kapiert. Menschen und Tiere können nur gemeinsam überleben, sie sitzen sprichwörtlich in einem Boot. Und Gott verspricht ihnen, dass, wenn es nach ihm geht, nie wieder eine derart zerstörerische Flut das Leben auf der Erde vernichtet. Der Regenbogen, der den damaligen Menschen als Vorbote von Blitz und Donner Angst und Schrecken einflößte, soll daher zum Zeichen der Treue und Fürsorge Gottes werden - zum Symbol des Friedens.
Abstrakter formuliert Paulus im Römerbrief etwas Ähnliches: Er leugnet nicht, dass die Schöpfung leidet und stöhnt und in vielerlei Weise ernsthaft bedroht ist. Doch in allen Bedrängnissen sieht er Hoffnung - für die gesamte Schöpfung. Auch er macht klar: Das Geschick der Menschheit und das Geschick der nichtmenschlichen Schöpfung hängen untrennbar zusammen. Gott aber will von seiner Seite alles zum Guten führen.
Ganz in diesem Sinne stellt schließlich der Evangelist Markus im Prolog seines Evangeliums Jesus als neuen Adam vor, der anders als der erste Adam mit den nichtmenschlichen Geschöpfen in Frieden lebt. Das „Reich Gottes“, über das Jesus wenig später zu predigen beginnt, ist folglich nach Markus dann und nur dann unter uns gegenwärtig, wenn Menschen und nichtmenschliche Geschöpfe miteinander in Frieden leben.
Liebe Schwestern und Brüder, es gibt Hoffnung, sagen die biblischen Texte - jedoch nur unter einer Bedingung: Dass wir diese Hoffnung in unserem Handeln ergreifen! Von Gott her soll nie wieder eine Flut kommen, die die Welt zerstört - das ist sein Bundesangebot an uns. Aber an uns liegt es, unseren Teil der Bundesverpflichtung wahrzumachen und mit Rücksicht auf die Zerbrechlichkeit und Sensibilität der Schöpfung, ihrer Lebensräume und Lebewesen zu leben. Das fordert die Bereitschaft, eigene Ansprüche um des größeren Ganzen willen zurückzustellen.
Hoffnung ist keine Beruhigungspille, keine Einladung, uns auf die faule Haut zu legen, nach dem Motto: „Es wird schon irgendwie gut gehen!“ Nein, wenn wir die Hände in den Schoß legen, wird es furchtbar ausgehen - und Hoffnung heißt, das ernst zu nehmen. Hoffnung macht sich aber unabhängig vom Erfolgsdruck, sie ist frei. Frei aus der Dankbarkeit. Frei, weil sie weiß, dass uns alles geschenkt ist, dass wir uns die Gaben der Schöpfung nicht gemacht und nicht verdient haben, wie wir es heute am Erntedanksonntag feiern. Die Schöpfungsgaben kommen uns aus der überfließenden Liebe des Schöpfers zu. Genau diese Dankbarkeit macht frei, umso entschlossener, umso hingebungsvoller, umso selbstloser zu handeln. Es geht nicht um die Frage: Was habe ich davon? Sondern es geht darum, dem Schöpfer und der Schöpfung etwas zurückzugeben, wo wir doch so unendlich viel empfangen haben. Um es mit dem früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel zu sagen: Hoffnung ist die Gewissheit, dass unser Engagement Sinn macht - völlig unabhängig davon, wie es ausgeht.
Liebe Schwestern und Brüder, von Anfang an nannte Greenpeace seine Schiffe „Rainbow Warrior“, auf Deutsch „Regenbogen-Kämpfer“, und malte auf den Bug den Regenbogen und die Taube mit dem Ölzweig. Eine deutliche Anspielung auf die Noacherzählung der Bibel, die große Kraftquelle der Organisation. Als die „Rainbow Warrior“ 1985 durch den französischen Geheimdienst versenkt worden war, startete Greenpeace eine weltweite Plakatkampagne mit dem Motto: „Einen Regenbogen könnt ihr nicht versenken!“ Das ist eine großartige, zutiefst spirituelle Botschaft der Hoffnung: Unser Schiff, unseren materiellen Besitz könnt ihr zerstören, und vielleicht sogar unser Leben. Aber unsere Leidenschaft für die Schöpfung, unseren unermüdlichen Einsatz, unsere Hingabe und unsere Hoffnung - die könnt ihr nie zerstören! Wie ein Regenbogen können sie nicht untergehen.
Ich wünsche uns, dass wir uns von dieser Leidenschaft anstecken lassen - und so in unserem täglichen Handeln Zeugnis ablegen von der Hoffnung, die uns erfüllt.
Die große Katastrophe der »Sintflut« und Unfälle wie der Einsturz eines Turmes sind nicht einfach Naturereignisse. Sie sind folgen menschlicher Sorglosigkeit und werden uns so zu Mahnmalen für den Umgang mit der Schöpfung. Erntedank macht uns bewusst, dass uns die Früchte der Erde geschenkt sind. Geschenke verpflichten jedoch zu einem sorgsamen Umgang.
Predigtgedanken zur Lesung Gen 6,9. 11-14. 17-22 und zum Evangelium Lk 13,1-9:
Vor 16 Jahren, am 30. Oktober 2006 legte der Chefvolkswirt der britischen Regierung, Nicholas Stern, seinem Regierungschef Tony Blair einen Bericht über die Folgen der Klimaerwärmung vor. Die Kernbotschaft lautete: Wenn die Treibhausgasemissionen ab sofort kontinuierlich reduziert würden, würde das ungefähr ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts kosten. Wenn hingegen nichts getan würde, koste das auf Grund der Schäden der Erderwärmung langfristig ungefähr 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Je länger wir zögerten, umso teurer würde es am Ende.
Heute, 16 Jahre später, müssen wir eingestehen, dass wir seitdem fast nichts getan haben. In Österreich haben sich die Treibhausgasemissionen nahezu überhaupt nicht verringert, europaweit nur um etwa 20 Prozent. Die vorgeschlagenen Reduktionsziele des Stern-Reports werden krachend verfehlt. Noch immer emittiert jeder Europäer und jede Europäerin das Fünffache an Treibhausgasen, das klimaverträglich wäre. Und was ich am Beispiel des Klimas gezeigt habe, lässt sich genauso an dem anderen großen Problem, dem Erhalt der Biodiversität zeigen. Es wird immer teurer, sie zu erhalten - doch wir tun viel zu wenig.
Dabei kommen die „Einschläge“ immer näher. Große Schadensereignisse haben unsere direkten Nachbarländer erreicht, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die erste Maxi-Katastrophe in Österreich passiert. In der Schweiz der verheerende Bergsturz am Piz Cengalo 2011; in Deutschland die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021; in Tschechien der Tornado ebenfalls 2021; in Italien der Gletscherabbruch an der Marmolata 2022. Ganz zu schweigen von häufigeren Hitzewellen und Dürren, die unserer Land- und Forstwirtschaft seit Jahren schwer zu schaffen machen. Die Folgen der Klimaerwärmung werden von Jahr zu Jahr schlimmer und treten häufiger auf.
Angesichts dessen ist der Ukraine-Krieg und die damit einhergehende Verknappung und Verteuerung der fossilen Energieträger nur das Tüpfelchen auf das „i“. Wer jetzt noch nicht kapiert hat, was die Stunde schlägt, dem ist nicht zu helfen.
Genau von einer solchen Situation erzählt uns die heutige Lesung. Die Flutkatastrophe, die Menschen und Tieren bevorsteht, ist darin ein Symbol für die Bosheit und Gewalttätigkeit „aller Wesen aus Fleisch“. Sie ist kein Willkürakt eines launenhaften Gottes, sondern menschengemacht und eine logische Folge eines falschen, zerstörerischen Verhaltens, so der Bibeltext. Doch die dramatische Bedrohung nehmen nur jene wenigen ernst, die sich verantwortungsbewusst verhalten: Noach und seine Familie. Sie distanzieren sich vom Tun der Masse, bauen ein Rettungsboot und nehmen die gesamte Schöpfung mit ins Boot.
Auf unsere heutige Situation übertragen könnten wir sagen: Das Wasser der Umweltzerstörung steht uns Menschen und allen Geschöpfen bis zum Hals. Ein Überleben in einer lebenswerten Umwelt ist nur möglich, wenn wir sehr schnell sehr durchgreifend reagieren. Also raus aus dem unreflektierten Konsumieren, raus aus dem verschwenderischen Lebensstil, der Lebensstandard mit Lebensqualität verwechselt, und rein in die Arche des einfachen, solidarischen Lebens, rein in ein achtsames Zusammenleben mit allen Lebewesen!
Auch das Evangelium geht in eine ähnliche Richtung: Da nimmt Jesus Bezug auf zwei menschengemachte Katastrophen. Eine passierte aus Fahrlässigkeit - der Einsturz des Turmes von Schiloach -, eine aus Brutalität - die Ermordung der Galiläer durch Pilatus. Jesus schiebt die Schuld weder Gott noch den umgekommenen Menschen in die Schuhe, sondern interpretiert beide Ereignisse als dringende Mahnung zur Umkehr an alle: „Ihr werdet alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt!“ (Lk 13,3.5). Zweimal sagt er diesen Satz und betont das „alle“: Unsere Geschicke hängen zusammen - wir sollten nicht meinen, dass wir nach dem Floriani-Prinzip vor Katastrophen geschützt sind, die nur die anderen betreffen. Nein, es wird auch uns treffen - wenn wir nicht umkehren.
Dann erzählt Jesus ein wunderbares Gleichnis. Ein Mann hat in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt, der jedoch keine Früchte trägt. Verständlicherweise will er den Baum umhauen und einen neuen an seiner Stelle pflanzen. Doch der Mitarbeiter, der den Baum jahrelang gepflegt und gehegt hat, bettelt ganz demütig: „Ein Jahr noch!“ (Lk 13,8). Ob der Besitzer ihm die Bitte gewährt, erzählt Jesus nicht. Es bleibt eine offene Frage. -
Auch das können wir auf unsere Situation übertragen: Der göttliche Besitzer des irdischen Gartens erkennt, dass die Spezies homo sapiens keine Früchte bringt, sondern das Klima ungebremst weiter schädigt und die Biodiversität weiter ungehemmt zerstört. Doch einer, der fleischgewordene Gottessohn, bittet um einen kurzen Aufschub. Noch ein Jahr, noch ein Jahrzehnt, um klimaneutral zu werden und die Lebensvielfalt zu respektieren! Ob der Schöpfer der Menschheit diesen Aufschub gewährt? Und ob wir ihn dann nutzen, um tatsächlich Früchte des Klima- und Biodiversitätsschutzes zu bringen?
Erntedank ist ein Tag des Dankes und der Freude. Trotz aller Anstrengung und harten Arbeit der Bäuerinnen und Bauern, vor der wir großen Respekt haben müssen, haben wir unverdient ein riesiges Geschenk des Schöpfers empfangen: Auf unseren Feldern und in unseren Gärten ist so viel gewachsen, dass wir davon leben können. Noch dazu in einer Reichhaltigkeit und Vielfalt, die uns Genuss am Essen und Trinken spüren lässt.
Im Jahr des Ukrainekriegs, in dem viel mehr Menschen hungern müssen als sonst, weil das Getreide aus der Kornkammer Europas nicht exportiert werden kann, wissen wir das umso mehr zu schätzen. Aber jedes Geschenk verpflichtet und mahnt auch zu einem sorgsamen Umgang. Die Landwirtschaft ist in hohem Maße abhängig von einem stabilen Klima und vom Vorhandensein einer reichen Biodiversität. Beides sind wir gegenwärtig im Begriff zu zerstören. Die Zeit läuft uns davon. Es gilt schnell zu handeln. Wir alle müssen unsere Art zu leben und zu konsumieren erheblich verändern. Und zwar heute. Denn schon morgen kann es zu spät sein.
© Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, Linz.
Das Erntedankfest ist Anlass, für alles zu danken, was Gott uns zum Leben gibt. Die Kostbarkeit des Wassers wird dabei leicht übersehen. Ohne Wasser keine Ernten. Das Wasser ist Symbol des Lebens und der Lebendigkeit.
Jedes Jahr sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres um einen ganzen Meter ab. Schon ist absehbar, wann das Meer vollständig verschwunden sein wird. Dem See Gennesaret und dem Jordan wird zu viel Süßwasser entnommen, als Trink- und Brauchwasser für die Haushalte, besonders aber für die Landwirtschaft. So kommt der Jordan, eigentlich ein kräftiger Fluss, wie ein jämmerliches Rinnsal im Toten Meer an. Würde Johannes der Täufer heute an seinem angestammten Platz taufen wollen, müsste er das Taufwasser tropfenweise verwenden.
Was kann getan werden, um die ökologische Katastrophe des Wassermangels im Nahen Osten zu bewältigen? Seit Jahrzehnten wird eine technische Lösung vorangetrieben. 2013 haben Jordanien, Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde ein Abkommen zum Bau einer „Zwei-Meeres-Pipeline“ unterzeichnet, über die aus dem Roten Meer jährlich 80 Millionen Kubikmeter Wasser in eine Entsalzungsanlage und 120 Millionen Kubikmeter Wasser in das Tote Meer geleitet werden sollen. Nebenbei würde eine große Menge Ökostrom produziert, weil das Wasser vom Roten zum Toten Meer 400 Meter in die Tiefe stürzt und eine Turbine antreiben kann.
UmweltschützerInnen warnen allerdings davor, dass das Projekt im Roten Meer ein Korallensterben und im Toten Meer die Bildung von Gipsschichten zur Folge haben könnte. Beides wäre ökologisch fatal. Die Alternative zu einer technischen Lösung kann jedoch nur eine Veränderung des Lebensstils und der Wirtschaftsweise im Nahen Osten sein. Bis 1960 hat das vorhandene Süßwasser, das fast zu 100 Prozent vom Hermon-Gebirge im Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Libanon kommt, vollkommen ausgereicht. Erst die Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft sowie der verschwenderische Umgang mit Wasser in den Haushalten haben in Verbindung mit einer massiven Bevölkerungszunahme zur gegenwärtigen Knappheit geführt.
An sich wusste Israel stets um die Kostbarkeit des Wassers. Immer wieder litt das Land unter mehrjährigen Dürrekatastrophen, wie die Bibel eindrücklich erzählt. Der Hermon ist ein vergleichsweise kleines Quellgebiet, das nicht so stabile Wassermengen zur Verfügung stellt wie das Quellgebiet des Nils für Ägypten. Doch dessen ungeachtet glaubte Israel an einen Gott, der für Menschen, Tiere und Pflanzen ausreichend Wasser spendet, wenn man damit nur behutsam umgeht.
In der Erzählung von der Tempelquelle im Buch Ezechiel träumt der Prophet von einer Quelle, die so viel Wasser liefert, dass das Tote Meer lebendig wird, dass also aus seinem hochgradig salzigen Wasser Süßwasser wird, in dem Fische und andere Meerestiere leben können und an dessen Ufer Obstbäume wachsen. Ein paradiesischer Traum. Aber Ezechiel macht deutlich, dass nur einer diesen Traum erfüllen kann: Gott selbst. Das Wasser quillt aus dem Tempel hervor und nicht aus einer menschengemachten Pipeline. Gott ist der Geber des Wassers. Die Menschen können nur demütig bitten - und achtsam mit dem geschenkten Wasser umgehen.
Liebe Schwestern und Brüder, noch haben wir nördlich der Alpen vergleichsweise viel Wasser. Aber die Dürrejahre 2019 und 2020 waren unübersehbare Warnsignale für das, was uns mit der Zuspitzung der Klimaerwärmung bevorstehen könnte. Monatelang ausbleibende Niederschläge und knochenharte, staubtrockene Böden. Die LandwirtInnen können von den Ernteeinbußen der vergangenen Jahre ein Lied singen. Keine einzige unserer Feldfrüchte kommt ohne Wasser aus. Das Wasser ist ihr Lebenssaft und führt ihnen die nötigen Nährstoffe zu. Daher gilt es, mit dem Wasser sorgsam umzugehen:
Als Jesus in Sichem die Samariterin um Wasser bittet, ist ein tiefer Brunnen des Stammvaters Jakob die einzige Wasserquelle weit und breit. Jesus ist ohne Schöpfgefäß unterwegs und damit auf Hilfe angewiesen. Demütig bittet er die Frau um Wasser. Auch wenn unser Wasser unkompliziert aus der Leitung fließt, sind wir eingeladen, die Haltung Jesu nachzuahmen: Eine Haltung der Demut und der Dankbarkeit. Wasser ist ein großartiges Lebens-Mittel!
© Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, Linz.
Die gegenwärtigen Krisen machen uns mehr als in anderen Jahren bewusst, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind und einander zu danken haben. Sie können uns aber auch bewusstmachen, wem wir unser Leben und unsere Lebensgüter ver-danken. Mitauslöser der gegenwärtigen Krisen sind auch die weltweit herrschenden Ungerechtigkeiten. Zum Danken kommt das Denken an jene, die nicht am großen Segen Gottes teilhaben.
Die Coronakrise hat uns gezeigt, dass viele Personen in unserer Gesellschaft an wichtigen Posten tätig sind, die wir im Alltag oft gar nicht wahrnehmen und oft auch nicht ausreichend wertschätzen: Kassierinnen im Supermarkt, Pflegerinnen und Pfleger im Gesundheitsdienst, die Leute von der Müllabfuhr, um nur einige zu nennen. "Systemrelevant" zu sein ist eine Auszeichnung geworden.
Sichtbar geworden sind auch eine Vielzahl von Experten, von denen wir zuvor kaum gehört haben, die sonst in stillen Hinterzimmern Dinge wie z.B. Viren erforschen oder Modellrechnungen anstellen und Notfallspläne entwerfen. In der Krise hat sich der Öffentlichkeit gezeigt, wie wichtig ihre Tätigkeit ist.
Es ist uns bewusst geworden, wie sehr wir auf einander angewiesen und voneinander abhängig sind. Unser tägliches Leben baut auf eine Vielfalt an Kompetenzen auf, die es zu entwickeln und zu erhalten gilt. Meist werden sie nicht bewusst wahrgenommen.
Ähnliches gilt auch für unsere Lebensmittel. Im Supermarkt vergleichen wir die Angebote und Preise, wir nehmen aber nur selten die vielen Menschen wahr, die mit ihrem Können und Wissen dahinterstehen und dafür sorgen, dass wir in den Genuss all dessen kommen. Als Kunden fühlen wir uns als Könige, als die Anschaffer, weil wir das alles ohnehin bezahlen. Da uns die Vielfalt der Angebote ständig zur Verfügung steht, haben wir den Blick dafür verloren, dass dies gar nicht so selbstverständlich ist. Weil wir dafür bezahlen und arbeiten, ist uns entschwunden, dass genaugenommen alles, was wir zum Leben gebrauchen, genauso wie das Leben selbst geschenkt ist, Gabe Gottes.
Das Reden von einer Gabe Gottes tragen heute viele Menschen nicht mehr mit. Sie reden lieber von der Natur, die unser Leben trägt und erhält. Die Klimakrise hat uns bewusstgemacht, dass wir durch unkritischen Umgang mit den natürlichen Gegebenheiten wichtige Zusammenhänge in der Natur durcheinanderbringen und sogar das Klima der ganzen Welt in eine lebensbedrohende Richtung verändert haben.
Wir erleben uns als die großen Könner und Macher, die alles produzieren, was wir zum Leben brauchen. Wir haben viele Dinge entwickelt, die das Leben angenehmer machen und lebenswerter erscheinen lassen. Dabei haben wir übersehen, dass wir natürliche Kreisläufe unterbrechen, begrenzte Ressourcen ohne Rücksicht auf die Nachwelt ausbeuten und vergeuden.
Wem verdanken wir unser Leben, die Lebensgrundlagen, die Lebensmittel? Dadurch, dass so viele Menschen an der Herstellung der Lebensmittel beteiligt sind, werden wir verleitet zu glauben, wir hätten sie gemacht. Wir verlieren das Gespür dafür, dass all das uns zuvor geschenkt worden ist.
Die Wirtschaftskrise - ausgelöst und verschärft durch die Corona-Pandemie und die Klimaveränderungen - konfrontiert uns noch mit weiteren Fragen, die für unser Überleben wichtig sind, wie die der gerechten Verteilung der Lebensgüter und des wirtschaftlichen Fortschritts der Reichen auf Kosten der Armen.
In jedem Herbst feiern wir ein scheinbar veraltetes Fest: Erntedank. Wir danken Gott für die Früchte der Erde. Hinzu kommt der Dank für die menschliche Arbeit. In agrarisch geprägten Gemeinden wird dieses Fest mit großem Prunk und in großer Festesfreude begangen. Es ist aber ein Fest nicht nur für Bauern und Gärtner. Alle, die die Früchte der Erde genießen, haben Grund zu danken: dem Schöpfer aber auch den vielen, die an der Bereitstellung der Nahrungsmittel mitwirken.
Es ist aber nicht nur ein Fest des Dankens. Es ist auch ein Fest, das uns zu denken gibt. Wir tun gut daran innezuhalten und uns bewusst zu machen, wie abhängig wir von dem sind, was wir der Mutter Erde abringen oder gläubig ausgedrückt, was wir dem Schöpfer verdanken. Mehr als in anderen Jahren machen uns die gegenwärtigen Krisen in diesem Jahr bewusst, wie viel wir einander verdanken durch das Mitwirken eines jeden an unserem Wohlstand. Wir tun gut daran, auch diesen Dank einmal bewusst allen auszusprechen, die sich aufbauend in das Leben der Gesellschaft einbringen; dieses Jahr ganz besonders denen, die infolge der Krisen besonderen Belastungen ausgesetzt sind.
Vergessen wir aber auch nicht, über den sprichwörtlichen Tellerrand hinauszuschauen auf die Teller derer, die nur sehr dürftig gefüllt oder gar leer sind. Es wäre ein scheinheiliger Dank, wenn wir die Fragen nach der gerechten Verteilung der Lebensgüter ausblendeten und wenn wir auf all jene vergäßen, die keinen Zugang zu dem haben, was Gott uns allen geschenkt hat.
Die ökotheologischen australischen Handreichungen von Pater Charles Rue für die Sonntage im September, die ins Lesejahr A fallen können, sind als Denkanstöße ins Deutsche übersetzt.
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Die ökotheologischen australischen Handreichungen von Pater Charles Rue für die Sonntage im September, die ins Lesejahr A fallen können, sind als Denkanstöße ins Deutsche übersetzt.
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Wir haben viele Gründe zu danken und dankbar zu sein. Eine Dankbare Haltung verändert unsere Einstellung zum Leben. Dankbarkeit ist ein Lebenselixier, lässt Traurigkeit überwinden, bringt Sonne und Wärme in unser Gemüt.
Wenn wir auf das Leben zurückschauen, merken wir, dass wir mehr Grund zu danken als zu bitten haben. Mein verstorbener Bruder hat in seinem Testament geschrieben: „Gott ist der Geber aller guten Gaben. Wir haben nichts, was wir nicht empfangen haben.“ Aus diesem Grund ist „Dankbarkeit die Mutter aller Tugenden“ (Cicero).
Einsicht macht dankbar. Wer denkt, der dankt. Nicht das Glück, sondern die Dankbarkeit ist die Quelle wahrer Lebensfreude. Dank ist ein Lebenselixier. Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass unser Hormonsystem positiv auf die Haltung der Dankbarkeit reagiert. Eine Frau hat mir erzählt, dass für sie die Dankbarkeit ein Anker ist, der ihr hilft über schlechte Zeiten hinwegzukommen. Positives Denken und Dankbarkeit verändern unser Leben. Ich kann mich noch sehr gut an eine Stunde in der Volksschule erinnern. Der Lehrer fragte uns: „Wie viele Personen haben für uns gearbeitet, damit die Mama das Frühstück auf den Tisch stellen konnte?“ Da mussten der Bäcker, der Bauer, der Fleischer, der Händler und viele andere am Werk sein. Da kommt Dankbarkeit auf.
Damit Dankbarkeit wächst, müssen wir unseren Blick für die Realität öffnen: Kein Mensch kann alles und hat alles. „Jeder ist für den anderen geboren“, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Es ist auch so, dass kein Mensch für sich stirbt (Röm 14,7). Der dänische Philosoph Kierkegaard sagt daher: „Es lohnt sich erst dann zu leben, wenn man eine Idee hat, für die es sich lohnt zu sterben“. Ich bin reich, wenn ich all die Dinge zähle, die ich für Geld nicht kaufen kann. Zum Beispiel Liebe und Wohlwollen, Hingabe und Eifer, Ausdauer und Fleiß, Gelassenheit und Geduld.
Das irdische und das ewige Leben kann der Mensch sich nicht selbst geben. Das Wichtigste gibt es nicht um Geld. Wenn wir jeden Tag in unser Tagebuch das Gute aufschreiben, das wir erlebt haben, haben wir immer Grund zum Danken. Dann wird die Geschichte unseres Lebens eine Sammlung schöner Erlebnisse, Eindrücke und Freundschaften sein.
Wenn es einmal im Leben kriselt, Undankbarkeit aufkommt, dann denken wir daran: die besten Ärzte der Welt sind Dr. Ruhe, Dr. Humor und Dr. Fröhlich oder Frau Dr. Musica. Aber der Arzt aller Ärzte ist Gott selbst. Er ist der Geber alles Guten. Er schenkt uns so viele Feste: Weihnachten, Ostern, Pfingsten und viele andere. Der Benediktinermönch David Steidl-Rast sagt. „Wäre das Wort „Danke“, das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen“. Für mich ist Dankbarkeit ein Lebenselixier, lässt Traurigkeit überwinden, bringt Sonne und Wärme in unser Gemüt.
Immer mehr entdecken wir, wie wichtig eine gesunde Natur ist und wie gut sie uns tut. Gleichzeitig nutzen wir die Ressourcen der Erde über die Grenzen des Verantwortlichen hinaus aus. Der Blick auf den Schöpfer kann uns das rechte Verhältnis zur Schöpfung bringen.
Mit den Fingern essen gilt als unschicklich. Kinder zeigen uns, wie wichtig tasten und fühlen auch beim Essen ist. Tasten und Fühlen bringt uns in einen intensiveren Kontakt mit unseren Speisen und ihrer Herkunft. Sie können uns auch zu unserem Schöpfer hinführen.
Das Erntedankfest ist ein Anlass für den Überfluss, in dem wir leben zu danken. Der Dank beinhaltet aber auch Bitten an Gott und die Mitmenschen und die Herausforderung auch das wechselseitige Vertrauen in der Gesellschaft zu fördern. Grundlage dieses Vertrauens ist das Vertrauen in Gott.
Auch wenn unwetterbedingt Ernteausfälle zu beklagen sind und betroffene Bauern damit in beträchtliche Nöte geraten sind, leben wir insgesamt im Überfluss. Beim Einkaufen werden wir von den Ernteausfällen gar nichts bemerken. Wir haben einen Überfluss an Lebensmitteln, und es steht uns ein Warenangebot zur Verfügung wie noch nie zuvor. Fast könnten wir uns sorglos zurücklehnen wie der Gutsbesitzer im Lukasevangelium (Lk 12, 19) und sagen: "Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!" und vergessen, dafür Gott zu danken.
Wenn wir genauer hinschauen, haben wir auch einen Überfluss an Problemen, über die wir nicht hinwegschauen dürfen: Nicht alle Menschen haben teil am Überfluss. Viel zu viele leiden noch bittere Armut und Hunger. Sie sind nicht fähig, aus eigener Kraft ihrer Not zu entkommen. Wer wird ihnen helfen? Wie können gerechtere politische und ökonomische Verhältnisse geschaffen werden?
Seit Jahren beobachten wir klimatische Veränderungen, von denen wir nicht genau sagen können, wodurch sie verursacht werden. Es besteht der dringende Verdacht, dass unser unbedachtes Leben im Überfluss diese mitverursacht. Und es ist zu befürchten, dass wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen, die wieder vor allem die Ärmsten am härtesten trifft. Millionen von Menschen sind auf der Flucht vor Kriegen wie auch vor Dürre- und Hungerkatastrophen.
Kopfzerbrechen bereiten uns auch der Einsatz chemischer Mittel bei der Produktion von Lebensmitteln und der Ausstoß von Schadstoffen seitens der Industrie, die unsere Umwelt belasten.
Erntedank ist ein Innehalten am Ende der Erntezeit. Wir danken Gott für die Fülle der Lebensmittel, die uns zur Verfügung stehen. Wir danken bei dieser Gelegenheit auch allen Menschen, die in der Erzeugung von Lebensmitteln mitarbeiten. Darüber hinaus danken wir allen, die sich dafür einsetzen, dass möglichst viele Menschen gut leben können.
Unser Dank ist zugleich auch eine Bitte: Eine Bitte an den Schöpfer, dass er auch in Zukunft wachsen lässt, was wir zum Leben brauchen.
Mit unserem Dank bitten wir auch alle, die an der Herstellung und Verteilung von Lebensmitteln mitwirken, dass sie sich ihrer Verantwortung für die Gesundheit und das Wohl aller Menschen bewusst sind.
Mit unserem Dank verbinden wir aber auch Bitten an jeden einzelnen Nutznießer des Überflusses an Gütern: Vergessen wir jene nicht, die vom Reichtum unserer Zivilisation ausgeschlossen sind, auch wenn wir für ihre Nöte keine schnellen Lösungen bereit haben.
Auch wir tragen Mitverantwortung für unsere Umwelt und für die Zukunft unseres Planeten, auch wenn uns unsere Mitverantwortung zeitweise überfordert und wir uns nicht gerne daran erinnern lassen. Erntedank ist auch die gegenseitige Bitte an uns alle, dass wir unsere Augen nicht vor den Problemen verschließen und uns+ am gesellschaftlichen Dialog, der diesbezüglich notwendig ist, teilnehmen.
Neben der Aufforderung zu Danken und den damit verbundenen Bitten beinhaltet das Erntedankfest noch eine dritte Aufforderung an uns alle: Es gilt das Vertrauen zu stärken, das Vertrauen in Gott wie auch das Vertrauen in unsere Mitmenschen. Dies scheint mir in einer Zeit, da nicht wenige Kräfte Interesse daran haben, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu destabilisieren, erneut wichtig. Wechselseitiges Vertrauen ist ein hohes Gut, das nicht von selbst entsteht sondern wie unsere Erntefrüchte dem Wachstum unterworfen ist. Es fällt nicht vom Himmel. Und es kann auch zugrunde gehen, "verfaulen" oder zerstört werden.
Die biblischen Texte (z.B. Dtn 6,4-12 oder Ez 36,1-12) werden nicht müde in Erinnerung zu rufen, wie Gott uns bisher getragen und ernährt hat. Sie möchten in den Lesern und Hörern das Vertrauen stärken, dass Gott auch in Zukunft für uns sorgen wird, auch wenn wir selbst unseren Teil dazu beitragen müssen.
Das Zusammenwirken der Menschen ist keine Selbstverständlichkeit. Es treten immer wieder Kräfte auf, die Zwietracht, Neid und Hass säen, die Menschen entzweien und daran hindern, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen. Ich halte es für wichtig und notwendig, dass sich alle Menschen über die Grenzen von religiösen, ideologischen und nationalen Interessen hinweg vernetzen und jenen entschlossen entgegentreten, die einer friedlichen und gerechten Zukunft für alle Menschen entgegenarbeiten.
Vertrauen kann wachsen, wenn wir uns immer wieder all das Positive vor Augen halten, das durch Zusammenhalt und dauerhaften Frieden möglich geworden ist. Reiche Ernten auch in Zukunft sind am meisten bedroht durch persönliche und nationale Egoismen, die zu Krieg und Terror führen. Hier entgegenzuwirken ist auch unsere Herausforderung.
Unser Gehörsinn ist oft einseitig getrimmt auf Geräusche, die für unseren Alltag Bedeutung haben. Das Erntedankfest und dessen diesjähriges Motte lädt uns ein, unser Ohr für die Geräusche der Schöpfung zu schärfen.
Es ist uns ein Bedürfnis, Gott für alles zu danken, was er uns zum Leben gibt. Eine Form des Dankens ist das Teilen. Es macht uns reicher, schenkt Freude.
Das Motto des Erntedanksonntags wurde übernommen von der OeKU, der ökumenischen Arbeitsstelle Kirchen und Umwelt in der Schweiz. Bei dieser Stelle können unter www.oeku.ch auch weitere Materialien zum Thema und für die Schöpfungszeit vom 1.9. bis zum 4.10. bezogen werden. Die OeKU schreibt zum diesjährigen Motto: Die Alpen gehören mit etwa 30 000 Tier- und 13 000 Pflanzenarten zu den artenreichsten Gebieten Europas. Die Leitidee für die landwirtschaftliche, touristische, energetische und verkehrsmäßige Nutzung der Bergwelt muss die Nachhaltigkeit sein. Das bedeutet, dass der Lebensraum Berge den künftigen Generationen möglichst intakt erhalten werden soll. So bleiben die Berge auch in Zukunft Ort für die spirituelle Erfahrung. Dafür dürfen auch Pfarreien und Kirchgemeinden eintreten.
Vielleicht waren manche von Ihnen schon einmal in den italienischen oder französischen Alpen zum Wandern. Wenn ja, dann ist Ihnen sicher der große Unterschied zu den schweizerischen, österreichischen und deutschen Alpen aufgefallen: In Italien und Frankreich sind die meisten Almen verwaist, die Almhütten eingefallen, die Weiden verbuscht und bewaldet. Die typischen Almlandschaften, die jahrhundertelang fast flächendeckend verbreitet waren, gibt es dort nicht mehr.
Womöglich werden manche spontan sagen: Da holt sich die Natur zurück, was der Mensch ihr mit der Rodung der Bergwälder einst genommen hat. Da wächst wieder eine „natürliche", nicht vom Menschen gestaltete Vegetation heran. Doch ist der Verlust der Almen so leicht abzuhaken? Kann man den Traditionsbruch, den das Verlassen der Almen darstellt, so einfach beiseiteschieben?
Historisch betrachtet ist die heutige Almlandschaft der Alpen im Wesentlichen im Hochmittelalter entstanden. Zwar gab es zum Beispiel auf dem Dachstein-Hochplateau schon von 1700 bis 900 vor Chr. eine bronzezeitliche Almwirtschaft mit 28 Almen, um die Arbeiter des Salzbergbaus in Hallstatt mit ausreichender Nahrung zu versorgen. Ohne die Almwirtschaft wäre der Bergbau dort gar nicht möglich gewesen. Daher fand an allen Bergbaustandorten in den Alpen bereits in dieser frühen Phase Almwirtschaft statt. Doch eine systematische und flächendeckende Erschließung der höheren Lagen zur Sommerbewirtschaftung war erst nötig, als die alpine Bevölkerung ihren Höchststand erreichte - und das war im 12. und 13. Jahrhundert. Seitdem sehen die Alpen unterhalb der Baumgrenze so aus, wie wir sie kennen.
Welche Bedeutung haben die Almen aber in einer modernen Industriegesellschaft? Warum kann man sie nicht einfach aufgeben? Warum setzen die nationalen Regierungen und die Europäische Union Fördermittel für die Almbewirtschaftung ein?
Natürlich ist das wundervolle Landschaftsbild am auffälligsten, das durch die Almen erzeugt wird: Statt eintöniger Berghänge, die flächendeckend bewaldet sind, ist der Wechsel von Wald und Almweide eine Wohltat für die Augen. Hinzu kommen die bunten Blumen auf den Almwiesen, die uns erfreuen. Das ist der schönste, aber zugleich der nebensächlichste Aspekt der Almen.
Ökologisch betrachtet von höchster Bedeutung ist die Funktion der Almen für die Artenvielfalt: Die Alpen gehören mit etwa 30 000 Tier- und 13 000 Pflanzenarten zu den artenreichsten Gebieten Europas. Eine große Zahl von ihnen kann in dieser Höhe nur dann leben, wenn sie nicht vom Wald verdrängt wird. Die Artenvielfalt der Berge ist menschengemacht.
Ursprünglich war die wichtigste Funktion der Almen die Lebensmittelgewinnung: Weil die Felder und Wiesen im Tal als Lebensgrundlage für die Bevölkerung nicht ausreichten, musste man auch die höheren Lagen erschließen und landwirtschaftlich nutzen. Heute haben wir eine so mühsame Erarbeitung von Lebensmitteln nicht mehr nötig, weswegen die Almwirtschaft ohne Fördermittel nicht mehr lebensfähig ist.
Dennoch verdanken wir der Almwirtschaft sehr viel, unter anderem unsere vielfältige und hochentwickelte Käsekultur: Seit einiger Zeit vergibt die Europäische Union für bestimmte Lebensmittel die sogenannte „geschützte Ursprungsbezeichnung". Diese besagt, dass Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung eines Produkts in einem bestimmten geographischen Gebiet nach einem dort traditionell anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgen. In Österreich sind sechs von acht Lebensmitteln mit geschützter Ursprungsbezeichnung Bergkäsesorten, in Deutschland fünf von zwölf. Mit den Almen ginge ein zentrales Stück unserer Ernährungskultur verloren.
Liebe Schwestern und Brüder, Israel kennt keine Almen, die nur im Sommer bewirtschaftet würden. Das Klima ist so warm, dass man selbst auf den höchsten Bergen ganzjährig Landwirtschaft treiben kann. Deshalb ist Israel ein Volk der Berge. In den fruchtbaren Ebenen am Meer und am Jordan wohnen die Philister und die Kanaanäer. Die haben modernste Waffen, so dass die Israeliten sie nicht besiegen können. Also ziehen sie sich in die Berge zurück, wo sie nur schwer angegriffen werden können und weitgehend in Ruhe gelassen werden (Jdt 7,10). Ihre Gegner trösten sich damit, dass Israel nur in den Bergen stark ist, denn sie sagen: „Ihr Gott ist ein Gott der Berge" (1 Kön 20,23. 28).
Für Israel sind die Berge Lebensraum und Nahrungsquelle zugleich:
- ein Lebensraum der Tiere, denn „die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht." (Ps 104,18).
- ein lebensnotwendiges Wasserreservoir, denn „du tränkst die Berge aus deinen Kammern, aus deinen Wolken wird die Erde satt." (Ps 104,13).
- die Kornkammer des Landes, denn „im Land gebe es Korn in Fülle. Es rausche auf dem Gipfel der Berge." (Ps 72,16).
Besonders aber ist die Fruchtbarkeit der Berge ein Sinnbild für das Leben des Volkes Israel, wie uns die Lesung aus dem Buch Ezechiel eindrücklich verdeutlicht (Ez 36): „Ihr aber, ihr Berge Israels, sollt wieder grün werden und Früchte hervorbringen für mein Volk Israel; denn es wird bald zurückkommen. Seht, ich wende mich euch wieder zu und dann ackert und sät man wieder auf euch und ich lasse viele Menschen dort leben, das ganze Haus Israel... Ich lasse viele Menschen und Tiere auf euch leben und sie werden sich vermehren und fruchtbar sein."
Mit der Deportation der Jerusalemer Oberschicht ins babylonische Exil waren die Berge verödet und wurden kaum noch landwirtschaftlich genutzt. Vier Jahrzehnte später prophezeit Ezechiel, dass dieser Zustand bald ein Ende hat. Das Bergvolk Israel darf in seine Berge zurückkehren. Aber Ezechiel richtet seine Botschaft nicht an die Menschen, sondern an die Berge: Ihnen verkündet er Heil und erneutes Wohlergehen. An sie denkt Gott ganz unmittelbar, als er sein Volk befreit.
Vor diesem Hintergrund wird es verständlich, warum Matthäus so viel Wert darauf legt, dass Jesus seine Predigt über die Fülle der Nahrung für Pflanzen und Tiere auf einem Berg verkündet. Wo sonst könnten die Israeliten so augenscheinlich an die Großzügigkeit des Vaters im Himmel erinnert werden wie dort, wo alles voll ist von Lebensmitteln? Wo sonst könnten sie die Sorglosigkeit und das Gottvertrauen besser lernen als dort, wo Gott ihnen Nahrung wachsen lässt?
Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Erntedanksonntag danken wir für alle Lebensmittel, die der Schöpfer in diesem Jahr hat wachsen lassen. Dazu gehören auch die würzige Bergbauernbutter, die geschmacksintensive Almenmilch und die vielen Käsesorten, die im Alpenraum produziert werden. Es ist großartig, dass es diese Lebensmittel gibt und dass sie anders schmecken als die Produkte aus dem Tal.
Aber danken heißt auch denken. Ohne unsere Unterstützung kann die Almwirtschaft nicht überleben. Wenn wir die Almen wertschätzen, sollten die Bergbauern und -bäuerinnen sie umweltbewusst pflegen, die SteuerzahlerInnen sie mit öffentlichen Mitteln unterstützen und die KonsumentInnen in ihrer Freizeit auf den Almen und im Alltag zuhause das essen und trinken, was dort produziert wird - zu fairen Preisen. Außerdem müssen wir auf der Hut sein, dass nicht immer mehr und größere Skipisten die lebendige Vielfalt der Almen verdrängen. Und schließlich sollte die Kirche in alpinen Gemeinden den Almauf- und abtrieb auch im 21. Jahrhundert selbstbewusst feiern: Als Bitte um und Dank für den gesunden, unfallfreien Aufenthalt von Mensch und Tier in großer Höhe.
In Italien und Frankreich sind die meisten Almen verwaist, die Hütten eingefallen, die Wiesen verbuscht und bewaldet. Die biblischen Texte erinnern uns daran, dass da ein wertvoller Lebensraum verlorengeht. Noch ist das bei uns nur vereinzelt der Fall. An uns allen - auch weit weg vom Gebirge - liegt es, den Lebensraum Berge für die Zukunft zu erhalten.
© Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, KTU Linz
In den 1960er-Jahren wurden in den Ferienmonaten hunderte von Kindern aus Berlin zur Erholung in die Steiermark eingeladen. Mehrere Jahre hindurch kam Ricardo auf den Hof meiner Eltern. Bei seinem ersten Aufenthalt war er erst fünf Jahre alt. Das anfängliche Heimweh war bald verflogen, denn bald hatte er gleich mehrere "Geschwister" und auf dem Bauernhof gab es für das Großstadtkind viel zu entdecken.
Meine Eltern hielten damals keine Kühe mehr. Die Milch holten wir bei den Nachbarn. Dort konnte Ricardo auch zusehen, wie die Nachbarin ihre Kühe mit den Händen melkte. Ihm war das nicht geheuer, denn daheim kam die Milch aus dem Kühlschrank. Und wenn keine mehr da war, kaufte man sie im Laden. Anfangs weigerte er sich daher, Milch von der Kuh zu trinken...
Weit entfernt von landwirtschaftlichen Produktionsverhältnissen sind heute nicht nur Großstadtkinder. Die meisten Menschen erleben keinen direkten Kontakt mehr zur Erzeugung von Lebensmitteln. Viele haben auch kaum eine Vorstellung davon, wie viel Arbeit, Mühe, Fachwissen und Sachkenntnis dazu notwendig ist. Die Lebensmittelproduktion ist eine unüberschaubare Technologie geworden. Wer darin mitarbeiten will, braucht eine gediegene und umfassende Ausbildung. Wir aber bezahlen im Supermarkt den uns vorgegebenen Preis und erhalten dafür, was wir haben wollen.
Erst in der Krise beginnen wir darüber nachzudenken, wo alles herkommt und dass nicht alles so selbstverständlich ist, wie es im Alltag erlebt wird. In der Krise müssen wir erst lernen, wie wir mit mageren Jahren zurechtkommen, denn in den fetten leben die meisten Menschen gedankenlos dahin.
Auch in anderen Bereichen haben wir grundlegende Zusammenhänge aus dem Blick verloren. Geld holt man sich vom Bankomaten. Wie es dort hineinkommt, weiß man bestenfalls vom Fernsehen. Dass es nicht immer fließt, sondern dass der Lohn manchmal nur langsam tröpfelt, und vor allem dass er meist hart erarbeitet werden muss, begreifen Kinder und Jugendliche oft erst sehr spät, manches Mal sogar zu spät...
Die Geldwirtschaft ist zu einer undurchschaubaren Technologie geworden. Der Zusammenhang mit der Wertschöpfung ist vielen aus dem Bewusstsein geraten. In der Krise versuchen vife Politiker an den Stellschrauben dieser Maschine ein wenig herumzuschrauben. Dies wird nicht viel bringen, solange wir nicht zugleich ein Gespür für Geldwert, Leistung und Warenwerte zurückgewinnen.
Im Herbst - so ist es vielerorts Brauch - feiern wir Erntedank. Dieses Fest erinnert uns daran, dass nicht alles so selbstverständlich ist, wie wir es im Alltag wahrnehmen. Die Milch kommt eben nicht nur aus dem Kühlregal und das Brot nicht nur vom Bäcker. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir ausreichend zu essen haben, unverdorbenes Wasser, gesunde Lebensmittel. Es ist nicht selbstverständlich, dass der Wirtschaftskreislauf funktioniert, dass aus den Bankomaten Geld kommt, dass Menschen sich anstrengen, forschen und ihr Wissen unmanipuliert weitergeben.
Wir haben Grund, allen dankbar zu sein, die ihre Kräfte und Begabungen in diesen großen Kreislauf einbringen. Und wir ahnen, dass hinter all dem ein geheimnisvoller Geber steht, dem es vor allen anderen zu danken gilt.
Menschen, die näher an der Natur leben oder gar von ihr abhängig sind, werden sich leichter tun, in diesen Dank einzustimmen. Denn sie wissen, dass alles miteinander verknüpft und verflochten ist und dass es letztlich einem Wunder gleichkommt, dass die Natur so Vielfältiges so reichlich hervorbringt.
Erntedank ist darüber hinaus Anlass, an all jene zu denken, die aus irgendeinem Grund an diesen Kreisläufen nicht teilhaben können. Etwa weil sie in einem Land oder in einer Gesellschaftsschicht leben, die von unserer modernen Zivilisation abgeschnitten sind, und sie deswegen hungern oder gar verhungern müssen. Die Spielregeln, nach denen Lebensmittel produziert und verteilt werden, sind von Menschen gemacht und sind oft sehr ungerecht. Das darf uns nicht ruhig schlafen lassen.
Erntedank ist auch Anlass, an jene Menschen zu denken, die aus irgendeinem Grund an den Arbeitsprozessen nicht teilnehmen können. Die Gründe dafür sind vielschichtig und nicht einfach zu lösen. Ohne Solidarität werden die Schattenseiten der Erfolgsgeschichte der modernen Weltwirtschaft nicht zu beseitigen sein.
Der schönste Dank ist das dankbare Genießen all dessen, was der Schöpfer uns geschenkt hat, und das Miteinander-Teilen. Beides kommt im Brotbrechen zum Ausdruck. Es ist kein Zufall, dass dieses Brotbrechen ein zentraler Ritus unseres Glaubens geworden ist und dass unsere Dankbarkeit dem Schöpfer und den Mitmenschen gegenüber in der Eucharistiefeier den innigsten Ausdruck findet.
Viele gläubige Menschen - nicht nur Christen - bringen ihre Haltung der Dankbarkeit auch im Tischgebet zum Ausdruck. Dieses macht uns die größeren Zusammenhänge, die in der Hektik des Alltag leicht untergehen, immer neu bewusst. Wir tun gut daran, diesen Brauch nicht verkümmern zu lassen.
Lieder
GL 81: Lobet den Herren alle, die ihn ehren
GL 86: Aus meines Herzens Grunde
GL 184: Herr, wir bringen in Brot und Wein
GL 187: Wir weihn der Erde Gaben
GL 382/Ö866: Ein Danklied sei dem Herrn
GL 385: Nun saget Dank und lobt den Herren (1. und 2. Str.)
GL 386: Laudate omnes gentes
GL 390: Magnificat
GL 392: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren
GL 402: Danket Gott, denn er ist gut
GL 403: Nun danket all und bringet Ehr
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 406: Danket, danket dem Herrn (Kanon)
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 411: Erde singe, dass es klinge
GL 412: Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich (Kanon)
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 433,2 Schweige und höre
GL 462: Tanzen, ja tanzen wollen wir
GL 463: Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht
GL 466: Herr, dich loben die Geschöpfe
GL 467: Erfreue dich, Himmel, erfreue dich, Erde
GL 468 Gott gab uns Atem
GL 469: Der Erde Schöpfer und ihr Herr
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben
Psalmen und Kehrverse
GL 19,2/559: Sonnengesang des Franz von Assisi
GL 37: Der Herr ist mein Hirt - Mit Psalm 23 - VI.
GL 45: Der Herr krönt das Jahr mit seinem Segen - Mit Psalm 65 - VI.
GL 51: Wie groß sind deine Werke, o Herr, wie tief deine Gedanken - Mit Psalm 92 - I.
GL 58: Lobe den Herrn meine Seele. - Mit Psalm 104 - VIII.
GL Ö877: Wie schön ist es, dem Herrn zu danken - Mit Psalm 65 (GL 45,2) - VI.
Jedes Jahr im September werden wir eingeladen, unser Verhältnis zur Schöpfung Gottes zu überdenken. Rufen wir am Beginn unserer Feier das Erbarmen Jesu an, der gesagt hat: „Lernt von den Lilien des Feldes.“
Jesus, wir leben über unsere Verhältnisse und beuten die Natur aus.
Herr, erbarme dich unser.
Jesus, wir drücken uns davor, die Verantwortung für unser Wirtschaften und Konsumieren zu übernehmen.
Christus erbarme dich unser.
Jesus, unser Respekt und unsere Ehrfurcht vor dem Wunder Natur sind oft nicht sehr groß.
Herr, erbarme dich unser.
© Dorothea Schwarzbauer Haupt, Diözese Linz.
Gott, unser Vater,
du sorgst für deine Geschöpfe.
Du hast dem Menschen die Erde anvertraut.
Wir danken dir für die Ernte dieses Jahres.
Nähre damit unser irdisches Leben
und gib uns immer das tägliche Brot,
damit wir dich für deine Güte preisen.
und mit deinen Gaben den Notleidenden helfen können.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: Zum Erntedank
Wir danken dir, Herr, für die Früchte der Erde
und für das Walten deiner Vorsehung.
Lass auch die Früchte deiner Gnade in uns reifen:
die Gerechtigkeit und die Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: Zum Erntedank
Gott, unser Vater,
du sorgst für deine Geschöpfe.
Menschen, Tieren und Pflanzen schenkst du Wasser, Nahrung und Lebensraum im Überfluss.
Darin erkennen wir einen guten Grund zur Hoffnung.
Wir danken dir für die Ernte des Jahres
in ihrer unendlichen Vielfalt und ihrem unerschöpflichen Reichtum.
Nähre und stärke alle Geschöpfe mit dem,
was auf Wiesen und Feldern, auf Almen und Bergen, in Gärten und Weinbergen gewachsen ist.
Lass uns allezeit dankbar sein vor dir, unserem Schöpfer.
Gib uns Mut zur ökologischen Verantwortung
und nähre in unseren Herzen die feste Gewissheit, dass unser Engagement sinnvoll ist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gott, unser Vater,
du sorgst für deine Geschöpfe.
Menschen, Tieren und Pflanzen schenkst du Wasser, Nahrung und Lebensraum im Überfluss.
Wir danken dir für die Ernte des Jahres in ihrer unendlichen Vielfalt und ihrem unerschöpflichen Reichtum.
Nähre und stärke uns mit dem, was auf Wiesen und Feldern, Almen und Bergen und in Gärten und Weinbergen gewachsen ist.
Lass uns allezeit dankbar sein vor dir, unserem Schöpfer,
und gib uns heute den Mut zur ökologischen Umkehr.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Lebenspendender Gott, Quelle des Lebens, wir bitten dich:
Um Weisheit im Umgang mit deiner Schöpfung.
Um die Bereitschaft im Einklang mit der Natur zu leben.
Um die Einsicht, unseren Konsum und die Verschwendung kritisch zu reflektieren.
Um den Mut, jene zu unterstützen, die die Macht haben, den Umweltschutz umzusetzen.
Um Geduld, mit anders Denkenden im Gespräch zu bleiben.
Um die Fähigkeit, über die Schönheit und Pracht der Natur zu staunen.
Um Trost und Frieden für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen.
Gott du bist uns nahe und begleitest uns alle Tage unseres Lebens.
Dafür danken wir dir. – Amen.
Guter Gott,
dir verdanken wir unser Leben und alles, was wir zum Leben brauchen.
Wir tragen dir unsere Bitten für alle, die mit uns diese Erde bewohnen, vor:
Wir bitten dich für alle,
die durch die gegenwärtigen Krisen besonderen Belastungen ausgesetzt sind.
Gib ihnen Kraft für ihren Einsatz zum Wohl aller.
Wir bitten dich für alle,
die vor Krieg, Verfolgung und Hungersnot geflohen sind und noch keine neue Heimat gefunden haben.
Lass sie wirksame und dauerhafte Hilfe erfahren.
Wir bitten dich für alle,
die ihren Arbeitsplatz verloren haben oder um ihre Arbeitsmöglichkeit bangen müssen.
Lass sie sozialen Rückhalt und Solidarität erleben.
Wir bitten dich für alle,
denen ein gerechter Lohn für ihre Arbeit vorenthalten wird.
Stärke in ihren Arbeitgebern das Bewusstsein für Gerechtigkeit.
Wir bitten dich für alle,
die an der Erzeugung von Lebensmitteln beteiligt sind.
Mache ihnen ihre Verantwortung für gesunde Nahrungsmittel und für eine heile Umwelt bewusst.
Wir bitten dich für unsere Verstorbenen.
Vergilt ihnen, was sie in ihrem Leben zum Gemeinwohl beitgetragen haben.
Dir, guter Gott,
gebührt unser Dank für das Leben, die Lebensfreude und die Lebensmittel.
Dir vertrauen wir uns und alle Geschöpfe an. - Amen.
Herr, unser Gott,
segne die Früchte der Erde,
die wir in Dankbarkeit darbringen.
Heilige Brot und Wein für das Opfer
und lass uns durch den Empfang deines Sakramentes
Frucht bringen,
die bleibt für das unvergängliche Leben.
Darum bitten wird durch Christus, unseren Herrn.
MB Zum Erntedank
Jetzt, Gott, willst du uns begegnen.
Jetzt willst du unser Herz berühren.
Jetzt willst du uns verwandeln wie Brot und Wein.
Rühre uns an, rüttle uns auf, verwandle uns,
damit unsere Angst zur Quelle des Handelns und der Hoffnung wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Jetzt, Gott, willst du uns begegnen.
Jetzt willst du unser Herz berühren.
Jetzt willst du uns verwandeln wie Brot und Wein.
Rühre uns an,
rüttle uns auf,
verwandle uns,
damit wir deinem Ruf zur ökologischen Umkehr folgen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Lehre uns einen weiten Blick,
Gott,
auf die Herkunft unserer Nahrung.
Lass uns das Wasser erkennen,
das in den Lebensmitteln verborgen ist.
Lass uns in ihm die Gutheit deiner Schöpfung erspüren
und dafür sorgen, dass sie erhalten bleibt.
In Brot und Wein und allem,
was die Schöpfung bietet,
lass uns dir begegnen
so wie jetzt in Jesu Mahl.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn. – Amen.
(für Wortgottesfeiern)
Kehrvers:
Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue.
(GL 401)
Gepriesen bist du, Herr, unser Gott.
Alles, was du geschaffen hast, ist gut.
Kehrvers
Die Welt kündet deine Weisheit und Größe.
Der Mensch kann dich erkennen und dir dienen.
Kehrvers
Du lässt uns in der Sorge um die Welt nicht allein.
In Jesus Christus ist uns deine Liebe erschienen.
Kehrvers
Auf ihn hin ist alles geschaffen;
er schenkt uns die Fülle des Lebens.
Kehrvers
Er heilt die Wunden der Schöpfung
und gibt uns unzerstörbare Hoffnung.
Kehrvers
Er ist der Anfang einer neuen Schöpfung;
durch ihn willst du die Welt vollenden.
Kehrvers
Gepriesen bist du, Herr unser Gott,
durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn.
Im Heiligen Geist versammelt, stimmen wir ein
in den Lobgesang der himmlischen Chöre:
Danklied, z.B.: Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus... (GL 381)
(Nach: Wort-Gottes-Feier; Werkbuch für die Sonn- und Festtage; Hrsg. Liturg. Institute Deutschlands und Österreichs, Trier 2004, S. 180f)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn du hast die Welt mit all ihren Kräften ins Dasein gerufen
und sie dem Wechsel der Zeit unterworfen.
Den Menschen aber hast du
auf dein Bild hin geschaffen und
ihm das Werk deiner Allmacht übergeben.
Du hast ihn bestimmt,
über die Erde zu herrschen,
dir, seinem Herrn und Schöpfer, zu dienen
und das Lob deiner großen Taten zu verkünden
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 5
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Denn wunderbar sind deine Werke.
Die ganze Welt hast du erschaffen:
Die Sonne gibt uns Licht und Wärme.
Sie lässt das Korn und die Früchte reifen.
Blumen und Tiere, Wälder und Wiesen - alles ist für uns da.
Du gibst uns Menschen Verstand und Phantasie.
Wir bauen Häuser und Straßen.
Wir können Vieles erfinden, was uns das Leben leichter macht.
Darüber freuen wir uns, dafür danken wir dir, Vater.
Zusammen mit allen, die an dich glauben,
zusammen mit den Heiligen und den Engeln preisen wir dich und rufen:
Heilig…
Herr, von den Früchten deiner Schöpfung werden alle satt.
Du schenkst dem Menschen Brot von der Erde
und Wein, der sein Herz erfreut.
(vgl. Ps. 104,13-15)
Oder:
Aller Augen warten auf dich
und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf
und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.
(Ps 145,15f)
Guter Gott
Wir danken Dir heute
für alle guten Gaben
für den Weg, den wir gemeinsam gehen
für alle Erfahrungen, die uns Zusammenhalten
für jedes Wort, das trägt, Mut macht und tröstet
für offene Augen und Ohren
für alle Herzen, die sich öffnen
und die Hände, die uns halten.
Wir danken dir
für den Tisch, um den wir versammelt sind
für Brot und Wein
für die köstlichen Gaben der Schöpfung
für alles, was uns am Leben erhält.
Wir verbinden uns mit allen Menschen
auf der weiten Welt
mit jedem Tier auf der Erde
mit dem Fisch im Wasser und dem Vogel in der Luft
mit jeder Blume die blüht
und jedem Samen der keimt
mit jedem Stein und jedem Berg
mit allem was du geschaffen hast
und was von deiner Gegenwart kündet.
Wir wissen uns in deiner Hand
denn du bist wie ein Vater, der Leben schenkt
und wie eine Mutter, die alles trägt und umfängt
in dir wissen wir uns geborgen
heute danken wir dir dafür.
Alles, unser Gott, kommt von dir
nichts geschieht von selbst
du hältst deine Hand über uns.
Wir danken dir heute dafür.
Dass es Tag wird durch den Lauf der Sonne
verdanken wir dir
und dass es Nacht wird
und die Mühen des Tages ein Ende finden.
Wir wissen
nichts ist selbstverständlich
was bei Tag oder Nacht geschieht.
Millionen Jahre waren ehe es uns gab
Jahrmillionen werden vielleicht nach uns sein.
Irgendwo in der Mitte
ein paar Sommer lang
leben wir.
Für diese Spanne Zeit danken wir dir.
Alles ist Geschenk für uns
alle Liebe, die wir geben oder empfangen dürfen
alle Lebenskraft, die uns erfüllt.
Alles, was uns an Gutem zufällt
ist deine Gabe.
Wir danken dir dafür
aus ganzen Herzen.
Guter Gott
du hast uns verheißen:
In Freude werdet ihr schöpfen
aus den Quellen des Heils.
Mit leeren Gefäßen sind wir gekommen
du hast sie gefüllt
mit Wasser für Wiesen und Felder
mit Wasser für Menschen und Tiere
mit dem Wasser, das uns ewiges Leben schenkt.
Mit leeren Händen sind wir gekommen
du hast sie gefüllt
mit Früchten von Wiesen und Feldern
mit Blumen aus Gärten und Wäldern
mit dem Brot, das uns ewiges Leben schenkt.
Mit leeren Herzen sind wir gekommen
du hast sie gefüllt
mit deinem Wort, das unsere Gemeinschaft stärkt
mit deinem Wort, das uns zur Liebe befähigt
mit dem Wort, das uns ewiges Leben schenkt.
Herr,
in dieser heiligen Feier
haben wir dir für die Ernte des Jahres gedankt.
Schenke uns als Frucht dieses Opfers die ewigen Güter,
welche die Erde nicht geben kann.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Zum Erntedank
«Biodiversität - Heilige Vielfalt!» lautet der Slogan für die SchöpfungsZeit 2024. Der Verlust der Biodiversität verläuft rasant. Die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz ist bedroht. Die Biodiversitätskrise wirkt sich negativ auf die Gesellschaft, auf unsere Gesundheit und unsere Lebensqualität aus. «Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht», stellt Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato Si‘ fest (33).
Um den Verlust der Biodiversität zu bremsen, ist eine Veränderung unseres Lebensstils notwendig, beispielsweise indem wir unsere Konsum- und Ernährungsgewohnheiten ändern. Einzelne, Pfarreien und Kirchgemeinden haben vielerlei Möglichkeiten, in ihrer Umgebung die Biodiversität aktiv zu fördern und zu einer Trendumkehr beizutragen. In den Arbeitsunterlagen der oeku finden sich Informationen und Anregungen zum Thema. Auch bei der Einführung des Umweltmanagements sind Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität ein wichtiges Thema.
Ziel 15: Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen.
Das Motto des Erntedanksonntags ist übernommen von der OeKU, der ökumenischen Arbeitsstelle Kirchen und Umwelt in der Schweiz. Bei dieser Stelle können unter www.oeku.ch auch weitere Materialien zum Thema und für die Schöpfungszeit vom 1.9. bis zum 4.10. bezogen werden.
Die OeKU schreibt zum diesjährigen Motto: Die Hoffnung ist in der Krise. Klimaangst macht sich unter Jugendlichen weltweit breit. «Hoffnung ist nicht etwas, was geschenkt wird. Es ist etwas, was man sich erarbeiten und verdienen muss,» haben Aktivist:innen von Fridays for Future getwittert. Was können die Kirchen beitragen, damit unsere Gesellschaft die Hoffnung nicht verliert und sich an der Gestaltung einer lebenswerten Zukunft beteiligt?
Am Ende bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe (1 Kor 13), schreibt der Apostel Paulus. Die Liebe aber ist die Größte. Christinnen und Christen setzen sich aus Liebe für die Schöpfung und die Menschen ein. «Die Liebe Gottes ist der fundamentale Beweggrund der gesamten Schöpfung», meint Papst Franziskus (Laudato Si‘ 77). Christinnen und Christen wissen, dass sie von Gott geliebt sind, und dass Gott alles Geschaffene liebt (Weish 11,24). Die Liebe weigert sich, die Welt - unser gemeinsames Haus - verloren zu geben und treibt zum Engagement für die Bewahrung der Schöpfung.
Nicht nur als Einzelne sind wir gefordert. Die ganze Gesellschaft muss Verantwortung übernehmen. Pfarreien und Kirchgemeinden können ihre Zukunftshoffnung mit konkreten Zeichen zum Ausdruck zu bringen, indem sie ihre Treibhausemissionen vermindern, ein Umweltmanagement einführen und die Sorge für die Schöpfung in Gottesdienst und Unterricht zum Ausdruck bringen - durch das ganze Kirchenjahr und ganz besonders während der SchöpfungsZeit. Möglich ist auch, sich klimapolitisch zu engagieren, beispielsweise mit einem Statement bei www.christinnenfuerklimaschutz.ch.
wsww. oeku.ch
Ref.: Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
Heute wird getan oder auch vertan,
worauf es ankommt, wenn er kommt
1) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast du gespart,
was hast du alles besessen?
Seine Frage wird lauten:
Was hast du geschenkt,
wen hast du geschätzt um meinetwillen?
2) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast du gewusst,
was hast du Gescheites gelernt?
Seine Frage wird lauten:
was hast du bedacht,
wem hast du genützt um meinetwillen?
3) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du beherrscht,
was hast Du Dir unterworfen?
Seine Frage wird lauten:
Wem hast Du gedient,
wen hast du umarmt, um meinetwillen?
4) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du bereist,
was hast Du Dir leisten können?
Seine Frage wird lauten:
Was hast Du gewagt,
wen hast Du befreit um meinetwillen?
5) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du gespeist,
was hast Du Gutes getrunken?
Seine Frage wird lauten:
Was hast Du geteilt,
wen hast du genährt um meinetwillen?
6) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du geglänzt,
was hast Du Schönes getragen?
Seine Frage wird lauten:
Was hast Du bewirkt,
wen hast Du gewärmt um meinetwillen?
7) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du gesagt?
Was hast Du alles versprochen?
Seine Frage wird lauten:
Was hast Du getan,
wen hast Du geliebt um meinetwillen?
8) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du erreicht,
was hast Du Großes gegolten?
Seine Frage wird lauten:
Hast du mich erkannt?
Ich war dein Bruder um deinetwillen!
Text: Alois Albrecht, Melodie: Ludger Edelkötter
https://www.evangeliums.net/lieder/lied_jetzt_ist_die_zeit_jetzt_ist_die_stunde.html
«Höchste Zeit für die Schöpfung» lautet der Slogan der SchöpfungsZeit 2022. Zum einen wird damit auf die Empfehlung der Charta Oecumenica an die Kirchen Europas aus dem Jahr 2001 Bezug genommen, sich im September «Zeit für die Schöpfung» zu nehmen. Zum andern erinnern die Klima- und die Biodiversitätskrise an die Dringlichkeit, das Engagement für den Schutz der Schöpfung zu verstärken.
Über diese Adresse können Sie diverse Materialien zur Gestaltung des Erntedankfestes beziehen.
Der Name «oeku Kirchen für die Umwelt» ist Programm: Wir setzen uns für Nachhaltigkeit und umweltbewusstes Handeln in Kirchgemeinden, Pfarreien und kirchlichen Institutionen in der Schweiz ein.
Ab 1. September machen die christlichen Kirchen in Österreich wieder auf die Dringlichkeit der Bewahrung der Schöpfung aufmerksam. Bis zum 4. Oktober, dem Fest des Heiligen Franziskus und offiziellen Ende der fünfwöchigen "Schöpfungszeit", finden österreichweit themenbezogene Veranstaltungen und Gottesdienste statt.
Seit 2015 ist der bereits davor ökumenisch begangene "Schöpfungstag" am 1. September offiziell als "Weltgebetstag für die Schöpfung" im katholischen Kirchenkalender eingetragen. Der Tag sollte in allen Ortskirchen angemessen begangen werden und einen nachhaltigen Lebensstil fördern, betonte Papst Franziskus. Damit griff er einen Impuls aus der orthodoxen Kirche auf, den der damalige Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Dimitrios, bereits 1989 gesetzt hatte.
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Karg ist die Frucht
der Liebe,
die Ernte mager,
kein Überfluß,
kein Überquellen.
Doch habe ich
viel gesät,
viel gehegt,
viel gepflegt.
Aber
wenn Du, Herr,
austeilen wirst,
werden noch
zwölf Körbe
übrigbleiben.
Aus: Ilse Pauls, Lebensbilder. Wolfgang Hager Verlag 2020.
Mein Gott,
wie schön ist deine Welt,
wie großartig ist deine Schöpfung,
wie wunderbar sind alle deine Werke.
Mein Gott,
wie überraschend bunt sind all die vielen Seiten
im großen Bilderbuch deiner Schöpfung.
Mein Gott,
wie geheimnisvoll ist das Wechselspiel
der von dir immer neu geschenkten Zeit
von Morgen und Abend, von Tag und Nacht.
Mein Gott,
wie zahlreich sind deine Fingerabdrücke
in den unterschiedlichsten Kunstwerken,
die du in der Natur geschaffen hast.
Mein Gott,
wie gewaltig und sanft sind die Kräfte
in den Schauspielen der Elemente von
Feuer und Wasser, Luft und Erde.
Mein Gott,
wie vielfältig und geistreich hast du
Farben und Formen
verteilt in Bäumen und Blumen,
Pflanzen und Tieren.
Mein Gott,
wie einzigartig und schön
hast du Gesicht und Wesen eines
jeden Menschen auf dieser Erde ersonnen.
Mein Gott,
ich stimme ein in die Sonnengesänge
und Loblieder aller deiner
Kreaturen in deiner schönen Welt.
Paul Weismantel in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. HOHE Verlag, Erfstadt. 2007.
1. Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt
und hofft auf ihn!
2. Er sendet Tau und Regen
und Sonn- und Mondenschein,
er wickelt seinen Segen
gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behende
in unser Feld und Brot:
es geht durch unsre Hände,
kommt aber her von Gott.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!
3. Was nah ist und was ferne,
von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne,
der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter
und Korn und Obst von ihm,
das schöne Frühlingswetter
und Schnee und Ungestüm.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!
4. Er läßt die Sonn aufgehen,
er stellt des Mondes Lauf;
er läßt die Winde wehen
und tut den Himmel auf.
Er schenkt uns so viel Freude,
er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide
und unsern Kindern Brot.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!
Matthias Claudius, 1782

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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Zentrales Anliegen des Deuteronomiums ist es, durch Gesetze und ethische Richtlinien den Rahmen für eine Gesellschaft zu schaffen, in der jeder - auch die sozial Unterprivilegierten wie Arme, Waisen, Witwen, Sklaven und Fremde - die Freiheit erfahren können, die Jahwe Israel bei der Errettung aus dem Schilfmeer schenkte. Niemand soll so tief unter die Armutsgrenze fallen, dass er davon auf Dauer ausgeschlossen ist.
So schreibt das Gesetz vor, dass jeder, der sich aus Not selber als Sklave verkauft hat, im siebten Jahr freigelassen werden muß. Dabei muß ihm sein Herr soviel mitgeben, dass der Freigelassene genug für einen neuen Anfang in Freiheit hat (Dtn 15,12-18). Auch Schulden müssen jedes siebte Jahr erlassen werden, und es wird extra eingeschärft, selbst kurz vor dem siebten Jahr noch großzügig zu leihen, obwohl der Gläubiger dann kaum noch Chancen hat, das Geliehene zurück gezahlt zu bekommen (Dtn 15,7-11).
Deutlich liegt der Akzent des Gesetzeswerks auf dem Schutz der Schwachen: Asylsuchenden ist Schutz zu gewähren; sie dürfen nicht ausgebeutet werden (Dtn 23:16-17). Es wird verboten, das Recht von Fremden, Waisen und Witwen zu beugen - eine Gefahr, die immer bestand, weil diese Gruppen keine einflußreichen Angehörigen hatten, die die Richter einschüchtern oder bestechen konnten (Dtn 24,17-18). Mehrfach wird betont, dass am Sabbat Sklave und Sklavin ihre Arbeit genauso ruhen lassen sollen wie ihr Herr (Dtn 5,14-15) - eine Regelung, die im ganzen Alten Orient einzigartig sein dürfte. Vor diesem Gesetz ist sogar der König nur ein Untertan wie jeder andere. Er darf sein Herz nicht über seine Brüder erheben und sein Volk nicht versklaven (Dtn 17,14-20).
Das alles sollte man beim Lesen unserer Perikope nicht vergessen. Es macht den eindringlichen, werbenden Ton verständlich, in welchem eingeschärft wird, dem Gesetz ja "nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen". Ein solches Gesetz tut nämlich gerade denen weh, die im Land das Sagen haben. Sie sind es, die um des Gemeinwohls willen auf die Durchsetzung ihrer Privatinteressen verzichten sollen. Damals wie heute ein kühnes Ansinnen! Was könnte ihnen die geforderte Selbstlosigkeit "schmackhaft" machen?
Vordergründig die Achtung der anderen Völker vor der Kultur und Bildung Israels (das im Alten Orient dafür wahrlich nicht berühmt war). Aber es geht noch tiefer: Dieses Gesetz ist notwendig zum "Leben", wie es eingangs in der Perikope heißt. Es ist ein Zeichen für die unglaubliche Nähe des lebensspendenden Gottes Jahwes. Und dieser Gott ist nur dort gegenwärtig erfahrbar, wo Gerechtigkeit gelebt wird. Hier wird also keine sklavische Gesetzesfrömmigkeit eingeschärft, sondern es wird an die Mächtigen appelliert, sich einem Gesetz zu unterwerfen, das den Armen und Rechtlosen neuen Lebensraum gibt – also im Wortsinn eine neue "frohe Botschaft" ist.
Die Perikope bildet im Buch Deuteronomium die große Überleitung zwischen dem historischen Rückblick (Kapitel 1 - 3) und dem Gesetz (Kapitel 5 - 28) und ist damit gewissermaßen eine Ouvertüre bzw. eine Interpretationshilfe für alles Folgende. Israel soll die Gesetze und Rechtsvorschriften halten, weil sie von Gott stammen und sie letztlich Medium der Gottesnähe sind. So findet es seine unvergleichliche Identität im Reigen der Großmächte. Israel wird durch sein Gesetz und die darin geborgene Gesellschafts- und Sozialordnung gewissermaßen eine "Alternativ-" oder "Kontrastgesellschaft" zu den übrigen Völkern.
Das große Ganze wird betont. Es kann nur seine Kraft zeigen, wenn die einzelnen Teile beachtet werden.
Gott wird als der mitgehende und vielfach erfahrbare Gott beschrieben. Dies ist so stark, dass es missionarisch wirken kann und Jahwe den Vorteil im Ranking der Götter geben soll.