Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Maleachi:
Seht, der Tag kommt,
er brennt wie ein Ofen:
Da werden alle Überheblichen und alle Frevler zu Spreu
und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen,
spricht der Herr der Heerscharen.
Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen dann bleiben.
Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet,
wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen
und ihre Flügel bringen Heilung.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Der Herr wird kommen, um die Erde zu richten. – Kv
Oder GL 633,3
Spielt dem Herrn auf der Leier, *
auf der Leier zu lautem Gesang!
Mit Trompeten und lautem Widderhorn *
jauchzt vor dem Herrn, dem König! – (Kv)
Es brause das Meer und seine Fülle, *
der Erdkreis und seine Bewohner.
In die Hände klatschen sollen die Ströme, *
die Berge sollen jubeln im Chor. – (Kv)
Jubeln sollen alle vor dem Herrn, denn er kommt, *
um die Erde zu richten.
Er richtet den Erdkreis in Gerechtigkeit, *
die Völker so, wie es recht ist. – Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Thessalónich.
Schwestern und Brüder!
Ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll.
Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt
und bei niemandem unser Brot umsonst gegessen;
wir haben uns gemüht und geplagt,
Tag und Nacht haben wir gearbeitet,
um keinem von euch zur Last zu fallen.
Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt;
wir wollten euch aber ein Beispiel geben,
damit ihr uns nachahmen könnt.
Denn als wir bei euch waren,
haben wir euch geboten:
Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.
Wir hören aber,
dass einige von euch ein unordentliches Leben führen
und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten.
Diesen gebieten wir
und wir ermahnen sie in Jesus Christus, dem Herrn,
in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen
und ihr eigenes Brot zu essen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Richtet euch auf und erhebt eure Häupter;
denn eure Erlösung ist nahe.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit,
als einige darüber sprachen,
dass der Tempel
mit schön bearbeiteten Steinen
und Weihegeschenken geschmückt sei,
sagte Jesus:
Es werden Tage kommen,
an denen von allem, was ihr hier seht,
kein Stein auf dem andern bleibt,
der nicht niedergerissen wird.
Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen
und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll?
Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt!
Denn viele werden unter meinem Namen auftreten
und sagen: Ich bin es!
und: Die Zeit ist da. –
Lauft ihnen nicht nach!
Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört,
lasst euch nicht erschrecken!
Denn das muss als Erstes geschehen;
aber das Ende kommt noch nicht sofort.
Dann sagte er zu ihnen:
Volk wird sich gegen Volk
und Reich gegen Reich erheben.
Es wird gewaltige Erdbeben
und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben;
schreckliche Dinge werden geschehen
und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.
Aber bevor das alles geschieht,
wird man Hand an euch legen und euch verfolgen.
Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern,
vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen.
Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
Nehmt euch also zu Herzen,
nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben,
sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen
und nichts dagegen sagen können.
Sogar eure Eltern und Geschwister,
eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern
und manche von euch wird man töten.
Und ihr werdet um meines Namens willen
von allen gehasst werden.
Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
Wenn ihr standhaft bleibt,
werdet ihr das Leben gewinnen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Texte der Apokalyptik kreisen um die Möglichkeit des Weltunterganges. Unsere gegenwärtige Welt ist früher oder später dem Untergang geweiht. In der biblischen Apokalyptik folgt dem Untergang jedoch Neues: Gott schafft Gerechtigkeit, einen neuen Himmel und eine neue Erde…
Das hört sich alles nicht gut an! Der Prophet Maleachi, den heute kaum noch ein Mensch kennt, spricht von einem Tag, der wie ein Ofen brennt – also ziemlich vernichtend. Schon die Vorstellung, dass es einen solchen Tag geben könnte, flößt Angst und Schrecken ein. Schon die Vorstellung? Es gibt Menschen, die davon erzählen, wie die Tage brennen. Dunkle Rauchwolken breiten sich aus. Es stinkt nach Ruß und Asche. Die Sonne ist schwarz. Wär' doch schön, wenn das alles in Vergangenheitsform gesagt werden könnte. – Nein! Es ist Gegenwart.
Lukas bläst in dasselbe Horn. Als ob sie sich abgesprochen hätten, der Prophet und der Evangelist:
"Volk wird sich gegen Volk
und Reich gegen Reich erheben.
Es wird gewaltige Erdbeben
und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben;
schreckliche Dinge werden geschehen
und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen."
Unheil am laufenden Meter. Völker, die gegeneinander Krieg führen. Erdbeben, die Wohnräume in Schutt und Asche verwandeln. Seuchen und Hungersnöte, die die Ärmsten treffen. Alles vor den Augen der Welt. Im Fernsehen im Minutentakt zugeschnitten. Fehlt noch, dass auch der Himmel ins Wanken gerät. Von Drohnen mag ich gerade nicht reden. Der Himmel ist voller Schrott. Sterne werden in einen Krieg verwickelt. Erst im Kino – dann haben wir uns schon einmal daran gewöhnt. Es sind Bilder des Schreckens. Betrachten wir sie alle, womöglich in Reihenfolge, werden wir erschlagen. Als Zuschauer. Als Nachrichtenhörer. Als Zeitzeugen. Was hier von Lukas beschrieben wird als Wort Jesu: es sind apokalyptische Horrorszenarien. Das Wort „Weltuntergang“ ist so verkehrt nicht. Mal ganz einfach: Meine Welt geht unter. Ich kann in ihr nicht länger bleiben. Fliehen muss ich, nur wohin?
Das hört sich alles nicht gut an!
Vielleicht sind Sie auch gar nicht überrascht, heute solche Geschichten zu hören. Nicht nur, dass die Dinge tatsächlich geschehen und in unseren Kalendern verzeichnet werden, gegen Ende des Kirchenjahres kommen sie mit Macht zu uns. Es ist eine ernste Zeit. Totenmonat. Heute ist der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr. Er hat (in Deutschland) auch den Namen „Volkstrauertag“ bekommen.
Bleiben wir einmal bei diesem Wort, soll ein Volk trauern über das Elend, das Menschen angerichtet haben – und jetzt schon wieder! Der Sonntag macht keine Vorwürfe, er redet nicht einmal von Schuld – es würde reichen, wenn ein Volk, wenn wir, von Herzen trauern könnten. Dann könnte etwas Neues beginnen. Es ist die Unfähigkeit zu trauern (Mitscherlich), die Unheil schafft – oder verschweigt – oder schönredet. Es ist die Unfähigkeit zu trauern, die Herzen verhärtet und Blicke verstört. Es ist die Unfähigkeit zu trauen, die einfach alles laufen lässt. Egal, wie wir diesen Sonntag nennen: er präsentiert uns die Welt in ihrer Zerbrechlichkeit. So möchte ich heute die apokalyptischen Bilder anschauen. Merkwürdig, wie aktuell sie sind. Zerbrechlich, brüchig ist alles.
Es ist wohl – zugegeben – ein Traum: Russland und Ukraine trauern gemeinsam, Israel und Palästinenser trauern gemeinsam. Und auf der Klimakonferenz, die in Brasilien gerade stattfindet, trauern die, die aus wirtschaftlichen Gründen Klimaziele ihren Bedingungen anpassen, und die, deren Heimat untergeht.
Eine große Trauer über das Elend der Kriege, über eine zerrissene Erde, über Brände und Überschwemmungen wird zu einem Aufschrei, zu einem Gebet: Verfinstere nicht die Sonne – lass sie uns aufgehen, Gott!
Der Prophet Maleachi, Begleiter von Menschen in sehr schwierigen Übergangszeiten, sieht schon die Sonne aufgehen:
"Für euch aber,
die ihr meinen Namen fürchtet,
wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen
und ihre Flügel bringen Heilung."
Die Sonne geht uns zwar jeden Tag neu auf, ein tolles Gefühl jeden Morgen, aber die Sonne der Gerechtigkeit wird ersehnt, erbeten, erwartet. Einem Wunder gleich, das alle Finsternis hell macht.
Alle Ungerechtigkeiten werden aufgedeckt. Jede Propaganda wird durchleuchtet. Die frommen Schleier fangen Feuer. Es kann sich auch niemand mehr verstecken. Die Schlupfwinkel sind im Licht. Hohle Phrasen finden keine Worte mehr.
Der Prophet Maleachi kann auf ein altes Bild zurückgreifen. In der alten orientalischen Welt war es vertraut. Es erinnert uns an die geflügelten Räder der Eisenbahn an Jugendstilbahnhöfen. Geflügelte Räder sind schon ein großartiger Anblick, Bilder für schnelle Lokomotiven, umwerfend ist aber die geflügelte Sonne. In der Realität würden Flügel verbrennen, im Bild aber kann die Sonne fliegen. Sie, die eigentlich alles hell macht, gelegentlich auch heiß und unwirtlich, wird in diesem Bild von Flügeln getragen – und kommt zu uns. Wie ein Vogel. Unterwegs auf Schwingen. Dass jemand die Sonne mit Flügeln gesehen hat, behauptet Maleachi nicht – aber die Sonne bekommt so eine Nähe, die sie in natura natürlich nicht hat. Sie ist unendlich weit weg und so heiß, dass sich kein Lebewesen an sie heranwagen darf. Die Sonne mit Flügeln aber ist wendig. Ein wenig geheimnisvoll. Aber ich kann sie sehen, ohne zu erblinden, ich kann sie fühlen, ohne zu verbrennen. Die Sonne mit Flügeln jagt die Dämonen, vertreibt die Ängste und verfolgt die Ideologen in ihre Verstecke.
Dass die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht, dass ihre Flügel Heilung bringen – das hat Gott sich zu Eigen gemacht. Er ist selbst die Sonne der Gerechtigkeit.
Der Evangelist Lukas, der dem Propheten Maleachi an den Fersen hängt, weiß von Jesus zu erzählen, dass er für seine Jünger und Jüngerinnen auch im Angesicht schrecklicher Geschehnisse eine aufrüttelnde Rede gehalten hat:
"Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
Nehmt euch also zu Herzen,
nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben,
so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen
und nichts dagegen sagen können."
Die Gegner, Hasser, Feindbildmacher, Unheilbringer – mundtot. Das Maul gestopft. Die Zunge wie gelähmt.
"Denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben."
Ich brauche Worte und Weisheit!
Sie sind wie die eine Sonne mit Flügeln!
Lukas erwähnt auch, dass die Menschen, die sich zu Jesus halten, verfolgt, verleumdet oder ignoriert werden. Das gehört zu den apokalyptischen Szenarien, dass ein Widerspruch nicht geduldet wird. Von denen, die mit apokalyptischen Szenarien ihr Geld machen, den Status pflegen und grenzenlose Macht ausüben. Sie dulden eigentlich nur Zuschauer, Jasager – und Mitmacher. Ansonsten: Finsteres Schweigen.
Dass Menschen in der Kirche Schuld angehäuft haben, die mit dem Namen Missbrauch nur unzureichend benannt werden kann, macht uns an vielen Stellen sprach- und machtlos. Dabei wird im Evangelium den Jüngern und Jüngerinnen das Wort anvertraut, das wie eine Sonne aufgeht: Gegen Hass und Gewalt, gegen die Zerstörung der Schöpfung, gegen Kleinglauben und Resignation.
Das hört sich gut an:
"Da werden alle Überheblichen und alle Frevler zu Spreu
und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen,
spricht der Herr der Heerscharen."
So Maleachi.
Die Dinge, angeblich für die Ewigkeit gemacht – Spreu.
Die Gewalt, die alles zusammenhalten soll – Spreu.
Die Macht, die sich selbst erhält – Spreu.
Vorhin sagten wir: Das hört sich alles nicht gut an.
Jetzt sagen wir: Das hört sich gut an!
Gott wird seine Gerechtigkeit offenbaren. Vor den Augen aller Völker. Uns wachsen Worte und Weisheit zu – mehr nicht. Sie verwandeln sich in die Sonne mit Flügeln.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Wie kann man trotz ängstigender Weltlage und besorgniserregenden Nachrichten Hoffnung und Zuversicht haben? Was gibt uns die Kraft standhaft zu bleiben?
Das heutige Evangelium erscheint höchst aktuell, wir können ohne viel Fantasie unsere Zeit erkennen, als wenn Jesus die Zeit vorausgesehen hätte. Angst vor der Zukunft, Not, Krieg und Leid, all das ist leider nichts neues, das gab es auch schon als Jesus lebte.
Wir sind geschockt vom Krieg, von Elend und Not, in der Ukraine, in Israel, im Sudan. Auch ein erschreckendes, nie dagewesenes Aufrüsten in der ganzen Welt, ja selbst in Österreich ist es traurige Realität. Eine aufgeheizte Stimmung zwischen den politischen Parteien verhindert ein Miteinander. Die Prophezeiungen des Evangeliums scheinen wahr zu werden, viele Menschen blicken sorgenvoll in die Zukunft, und haben Angst.
Angst ist eine natürliche Reaktion auf Bedrohungen und soll uns schützen. Doch sie kann auch lähmen und unfähig machen, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen, oder sie führt dazu, dass wir Schuldige suchen, anstatt Verantwortung zu übernehmen.
Angst und Unsicherheit werden von falschen Propheten für den eigenen Vorteil ausgenützt, um damit politisch an die Macht zu kommen, um andere für ihre eigene Sache zu missbrauchen und den Menschen Geld aus der Brieftasche zu locken.
In der öffentlichen Meinung nehmen wir immer mehr war, dass Schuldige gesucht werden, einmal ist die es die Regierung bzw. sind es die Politiker, ein andere Mal sind es die Flüchtlinge und viele andere mehr. Schuldige zu suchen ist auch einfacher, um nicht selbst auf Veränderungen reagieren zu müssen. Angst lähmt.
Wir sagen lieber: Ich kann da ja nichts machen, auf mich kommt es auch nicht mehr an. Ich kann die Welt nicht retten. Damit wird jede persönliche Veränderung abgewehrt.
Ein Bild, das Angst erklärt, ist der „Engel der Geschichte“ von Paul Klee: Das Bild zeigt einen Engel, der die Flügel und den Kopf verkehrt aufgesetzt hat. Er blickt zurück in die Vergangenheit, während ihn der Sturm der Geschichte unaufhaltsam in die Zukunft treibt. Er geht nach rückwärts gewendet in die Zukunft, die er nicht sieht und nicht kennt. So geht es allen, die keine Vision für ihr Leben haben.
Ich denke, gerade wir Christen haben eine Vision, ein Ziel. Wir dürfen getrost in die Zukunft gehen, die wir zwar nicht kennen, aber wir haben eine Hoffnung, mehr noch, wir haben Gewissheit, dass wir, egal was kommen mag, an Gottes Hand in sein Reich gehen. Selbst wenn wir stürzen, können wir nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. Ob Freud oder Leid, wir haben die Gewissheit, Gott ist mit uns, er begleitet uns und fängt uns auf.
Natürlich haben wir Angst, dass wir die Veränderungen, vielleicht auch Leid und Schmerzen nicht ertragen können. Doch wir dürfen auf die vielen Heiligen oder auch auf Viktor Frankel schauen, der sagte: Wer ein Warum hat, erträgt jedes Wie. Viktor Frankl blieb im KZ trotz großem Leid und scheinbar auswegloser Situation ein hoffnungsvoller und positiver Mensch und hat dadurch überlebt und viel für die Menschen geleistet.
Wir Christen haben ein Warum, wir haben einen liebenden Gott, bei dem wir sein wollen. Dieser liebende Gott ermutigt uns durch Jesus, auf unserem Weg niemand zurückzulassen. Wir gehen nicht egoistisch, ohne nach links und rechts zu schauen unseren Weg. Die Nächstenliebe ermutigt und befähigt uns, niemand zurückzulassen, als Christen versuchen wir, alle mitzunehmen.
Jesus sagt uns im heutigen Evangelium: "Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen." Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
Die Propheten mahnten in Zeiten der Umbrüche Gerechtigkeit und Umkehr an. Umbrüche verunsichern und ängstigen. Sie bieten aber auch die Chance auf einen Neubeginn, auf Neuordnung.
„Die Welt steht auf kan Fall mehr lang“, singt der Schuster Knieriem im „Lumpazi Vagabundus“ von Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862). Ein apokalyptisches Wort, das gut zum Evangelium des 33. Sonntags passt.
Die Apokalypse will aufdecken, enthüllen. Das geschieht ansatzweise bereits in der ersten Lesung aus dem Buch des Propheten Maleachi. Das Volk ist aus dem Exil heimgekehrt, der Tempel ist wieder aufgebaut, noch lange ist aber nicht alles in Ordnung. Er kündigt den „Tag der göttlichen Gerechtigkeit“ an, an dem JHWH zurechtrückt, was in Unordnung geraten ist. JHWH zeigt sich als „Sonne der Gerechtigkeit“ für alle, die vor ihm Respekt haben und seinen Namen ehren. Jeden Sonntag strahlt in der Eucharistiefeier Ostern auf, ein Licht, das alles überstrahlt. Nach all dem Unheil kommt der „Tag der Gerechtigkeit“ als Hoffnungsträger, wo sich die Gerechtigkeit, das Richtige und Gute durchsetzt. Das geschieht durch Mitarbeit.
In der zweiten Lesung rügt Paulus die Gemeinde in Thessalonich, "dass einige von euch ein unordentliches leben führen" und „wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“ (2 Thess 3,10). Da spürt man noch etwas von der Naherwartung, von der Wiederkunft des Herrn, weil es sich nicht mehr auszahlt, sich überhaupt noch anzustrengen. Für einige ist das der Freibrief, nichts mehr zu tun. „Das Fest der Faulenzer ist vorbei“, schreibt der Prophet Amos (Amos 6,7). Vermutlich haben einige schamlos auf Kosten der Gemeinde gelebt. Deshalb mahnt Paulus, "das selbstverdiente Brot zu essen“ (2 Thess 3,12) und nicht den anderen auf der Tasche zu liegen. Das kann auch für heute gelten, wenn das Sozialsystem durch Nichtstun einiger überstrapaziert wird. Sonst geht die Ordnung flöten und Ungerechtigkeit mach sich breit. Es ist eine große Herausforderung, Schwindel und Täuschung aufzudecken und nicht den wirklich Bedürftigen die Unterstützung zu entziehen.
„Wenn ihr geduldig ausharrt, werdet ihr gerettet werden“, so der letzte Satz des Evangeliums. Es braucht viel Geduld, gegen Faulheit, Müdigkeit und Gleichgültigkeit anzukämpfen. Dazu kamen damals gesellschaftspolitische Spannungen, wie wir dem Evangelium entnehmen können. Das Lukasevangelium entsteht um das Jahr 85. Viel Unheil ist bereits geschehen durch den Krieg gegen die Römer in den Jahren 66 bis 70 und die Zerstörung des Jerusalemer Tempels.
„Kein Stein wird auf dem anderen bleiben“ ist ein Wort, das auch heute sehr aktuell und bedrohlich klingt. Alles ist unsicher, manche Existenz wird zum Trümmerhaufen. Worauf kann man sich noch verlassen? Dazu kommen Naturkatastrophen, Seuchen, Krankheiten. Es folgt die Zeit der Bewährung und der Erneuerung. Von all diesen Problemen sind auch wir heute nicht verschont. Gesellschaftlich sind wir sogar mittendrinnen: Pleiten von (Groß)betrieben, Verlust von Arbeitsplätzen, Sparpläne, die verhindern, das wichtige Vorhaben nicht mehr ausgeführt werden können.
Kein Stein bleibt auf dem anderen, heißt neu beginnen. Es gibt eine Menge von Baustellen. Das hören wir fast täglich. Wir empfinden Baustellen als sehr unangenehm. Das sind sie auch, dennoch bieten sie auch Chance, vieles besser zu gestalten. Sie sind Orte der Kreativität, halten auf Trab. Es gibt viele Besprechungen, Beratungen, manchen Ärger. Sie geben aber auch einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft, wenn man beobachten kann, wie manches wieder schöner und bequemer wird.
Das gilt nicht nur für Gebäude, Wohnungen und Straßen. Das gilt auch für die Gesellschaft, für den Staat und die Kirche. Auf Baustellen können wir auch Faszinierendes entdecken, etwa das Freilegen von Mosaiken. Was können wir in der Kirche freilegen? Spiritualität wieder neu entdecken, dem Ursprung Zukunft geben. Wir werden heute immer mehr von der Volkskirche zur Entscheidungskirche. Jede Baustelle stellt uns vor entscheidende Fragen. Es sind nicht nur Geldprobleme, die die Kirche quälen. Es geht um Sinnfragen: Wozu brauchen wir die Kirche, wozu leben wir, woher kommen wir, wohin gehen wir? Diese Fragen stellen sich in manchen Situationen auch in unserem ganz persönlichen Dasein. Zurück zu den Ursprüngen, zur Hauskirche? Sehr mühsam! Die Arbeit lohnt sich, Gott ist unser Begleiter! Bitten wir ihn um seine Hilfe!
In Krisensituationen nehmen uns Sorgen und Ängste gefangen. Hier noch Hoffnung zu haben, bedeutet: Über den Horizont hinausschauen. Die biblische Botschaft will uns Mut und Hoffnung machen.
Ein protestantischer Missionar suchte in der Sprache der Einheimischen nach einer passenden Übersetzung für das Wort „Hoffnung!“ Eines Tages musste er sein neugeborenes Kind zu Grabe tragen. Doch er weinte nicht. Daraufhin wurde er von einem Jungen angesprochen. „Ich sehe dich gar nicht weinen.“ Auf diese Frage antwortete der Missionar: „Warum denn, unser Kind ist bei Gott.“ Der Junge dachte bei sich: „Ja, ich hörte es, ihr Christen schaut über den Horizont hinaus.“ „Über den Horizont hinausschauen. Jetzt wusste der Missionar, wie er das Wort „Hoffnung“ zu übersetzen hatte.
In dieser kleinen Geschichte wird etwas sehr Trauriges erzählt. Wie schlimm empfinden es Eltern, wenn sie ihr Kind verlieren. Im Moment erleben wir vieles, was Angst und Bange machen kann, was traurig stimmt. Die Katastrophen tragen viele Namen: Corona, Kriege in der Ukraine, Klimakatastrophe. Fügen wir auch noch unsere Sorgen hinzu. Viele haben Angst davor, den Wohlstand zu verlieren. Dann kennt jeder seinen persönlichen Schlamassel. Das sind unerfüllte Wünsche, zerbrochene berufliche Pläne, zerbrochene Beziehungen. In all dem suchen wir doch immer wieder nach dem, was bleibt, was nicht zerstört werden kann.
Jesus kennt diese Gedanken und auch Sorgen. Schon zurzeit von Jesus war das Leben vieler von Ängsten und Sorgen geprägt. Wenn wir das Evangelium hören, dann möchten wir Jesus in die Reihe der Schwarzmaler einreihen. Schwarzmaler sehen keine Perspektive. Sie sind gefangen in den schlechten Entwicklungen. Sie sind gar nicht in der Lage zu sehen, dass auf schlechte Zeiten wieder bessere Zeiten kommen können. Sie blicken nicht über den Horizont heraus. Darum sehen sie ihre schwarze Sicht als Realismus an.
Doch Jesus war ein großer Realist. Seine Botschaft war bestimmt davon, dass er über den Horizont herausblickte. Jesus hat die Sorgen und Nöte der Welt und der einzelnen Menschen gesehen. Doch er war kein Gefangener dieser Sorgen und Nöte. Denn er blickte über den Horizont hinaus, auf Gott. Jesus hat diesen Gott verkündigt. Gott hat diese Welt geschaffen. Gott wird einst diese Welt erneuern. Doch geschieht das schon in diesem Leben. Es geschieht dort, wo Menschen auf Gott vertrauen. In einem schönen Lied heißt es: „Immer auf Gott zu vertrauen, das ist der beste Weg!“ In der ersten Strophe lautet der Text: „Du weißt oft gar nicht viel von morgen, bist ganz ratlos und voll Sorgen, jeder Ausweg scheint verborgen, doch du weißt ja Gott hilft dir!“
Wir erleben alle Sorgen, die auch unsere Mitmenschen erleben. Doch das Evangelium macht Mut. Es gibt Hoffnung. Denn uns ist eine neue Perspektive geschenkt. Diese Perspektive ist Gott. Die ganzen Katastrophen, sowohl die im eigenen Lebensbereich wie auch jene, die die ganze Welt belasten haben für uns, die wir an Gott glauben, nicht das letzte Wort. Es wird allen, die an Gott glauben, welche die Worte ernstnehmen, die sich um eine rechte Lebensführung mühen, zugesagt: Gott wird diese Welt einst zu einem guten Ende führen. Weil Gott eingreift, weil Gottes Macht größer ist als die der Welt und der Menschen, darum dürfen wir hoffen, darum braucht uns die Angst nicht kleinzuhalten. Aus diesem Glauben und dieser Hoffnung heraus dürfen wir mutig unser Leben gestalten.
Das war auch schon die Erfahrung des Propheten Maleachi. „Die Überheblichen und die Frevler“ werden zu Spreu. Es sind diejenigen, welche glauben, das Leben und auch diese Welt ohne Gott gestalten zu können, die in dem Glauben leben, dass der Mensch das Maß aller Dinge ist. Es wird sich zeigen, wie hinfällig alles ist, worauf Menschen ihre Hoffnung setzen. Es wird sich zeigen, dass alles, was Menschen schaffen, von heute auf morgen hinfällig sein kann.
Lassen wir uns einladen, Gottes Namen zu fürchten, seine Gebote ernst zu nehmen, Gott den wichtigsten Platz im Leben zu geben, schauen wir über den Horizont unseres Lebens und unserer Sorgen und Ängste hinaus auf den lebendigen Gott. Unsere Hoffnung auf Gott macht uns Mut.
Große Umbrüche erwecken viel Besorgnis und Ängste. In manchen Punkten kann man die Gegenwart mit der Anfangszeit des Christentums vergleichen. Die Heiligen Schriften machen zwar auf den Ernst der Lage aufmerksam, wollen jedoch trösten und Halt geben.
In diesen Texten des Sonntags finden wir mehrere Logien, also Sprüche, Redewendungen, Begriffe, die wir im Alltag verwenden oder zumindest schon gehört haben. Das Buch Maleachi (1. Lesung) ist das letzte Buch des Alten Testaments. Dort heißt es: „Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen.“ Den Namen zu fürchten, bedeutet zunächst nichts Gutes: Es geht um Ehrfurcht, um Gottesfurcht. Diese lehrt Demut, dass der Mensch ein begrenztes Wesen ist und von Gott gewollt und geliebt wird, aber auch Respekt.
Die Symbolik des Feuers, der Sonne, zeigt sich in Licht und Wärme, aber auch in Vernichtung. Die Klimakrise lehrt uns, was es heißt, unter Trockenheit und Hitze zu leiden und zu leben. Weitergedacht sagt diese Lesung, dass das Miserable der Vernichtung zum Opfer fallen soll. Wir hörten schon Ähnliches in den Sommermonaten: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen.“ (Lk 12,49 bzw. 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C). Um welches Feuer es sich handelt, erklärt die 1. Lesung mit dem Bild „Sonne der Gerechtigkeit“. Gottes Liebe und umsichtige Führung nimmt sein Volk nicht an, deshalb kommt der Tag, wo alles Ver-rückte zurechtgerückt wird. Man könnte sagen: Aus allem Unglück, Deportation, Not, Elend, das diesem Volk schon widerfahren ist, hat es nichts gelernt. Das ist heute genauso. Aus schmerzhaften Erfahrungen wie Kriege, Raub an der Natur, extreme Wetterverhältnisse haben sehr viele Politiker und in der Gesellschaft Einflussreiche nichts gelernt, Warnungen werden in den Wind geschlagen, Ausreden jeder Art sind vorhanden, um nichts ändern zu müssen.
Die 2. Lesung zeigt uns ein bekanntes Sprichwort, das oft unvollständig ausgedrückt wird: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Das Wort „will“ bleibt manchmal weg. Diese Verkürzung ist sinnentstellend. Wir wissen, dass der 2. Thessalonicherbrief Jahrzehnte nach dem ersten entstanden ist und Christen unter dem Eindruck lebten, wenn der Herr ohnedies bald kommt, hat auch der herkömmliche Alltag mit all seinen Mühen ein Ende, also ist jede weitere Anstrengung überflüssig. Sicher gab es auch damals Menschen, die die Arbeit nicht erfunden haben. Heute geht es aber um bewussten Missbrauch des Sozialsystems, um auf Kosten anderer gut zu leben. In diesem Fall hätte der unvollständige Spruch Berechtigung. In dieser Lesung steckt aber auch die Mahnung, die auch uns Geistliche angeht, sich nicht auf Kosten anderer aushalten zu lassen. Paulus stellt sich hier als Vorbild hin, der sich müht, mit seiner Hände Arbeit nicht auf Kosten anderer zu leben.
Das Lukasevangelium zeigt eine Redewendung, die wir in dieser raschlebigen Zeit heute verhältnismäßig oft hören: „Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben; alles wird niedergerissen werden.“ Da geht es nicht nur um alte Bauwerke allein, wie der Spruch zunächst vermuten lässt, damit manche Immobilienhaie am Abriss und dann entstehenden Luxuswohnungen gut verdienen können. Auch sichere Arbeitsplätze wackeln oder verschwinden, Verträge, die jahrelang gehalten haben, verlieren ihre Gültigkeit, Termine, die als fix vereinbart waren, werden verschoben oder ersatzlos gestrichen, Kriege und Verfolgungen, von denen im Evangelium die Rede ist, halten besonders heute die Welt in Atem. Das Herumgefuchtel mit Nuklearwaffen und Experimente damit sorgen für ein Gleichgewicht des Schreckens. Woran kann man sich noch halten, worauf kann man sich noch verlassen? Institutionenkrise in Gesellschaft und Kirche. Das alles in irr raschlebiger Zeit. Für solche Geschwindigkeiten, was diese Veränderungen betrifft, ist der Mensch physisch und psychisch nicht geschaffen.
Ein Blick zurück: Für die Juden war der Tempel Wohnstätte des Herrn. Er wurde im Jahre 70 nach Chr. zerstört, ein gewaltiger Angriff auf die Identität des Judentums. Wo wohnt dann der Herr? Was wir da heute zu hören bekommen, ist wahrlich keine Frohe Botschaft. Am Beginn des Kirchenjahres (November 2021) hörten wir ebenfalls bei Lukas: Wenn all das Schreckliche geschieht, „dann erhebt eure Häupter, eure Erlösung ist nahe.“ (Lk 21,28) und heute: „Bleibt standhaft, ihr werdet das Leben gewinnen.“ All das kostet Mühe und Anstrengung, mitunter auch Verzweiflung, so die 2. Lesung. Aber all das sind Trostworte, ja sogar eine Lebensdevise für miserable Zeiten.
Was Arbeit für Menschen bedeutet, hängt einerseits vom Stellenwert einer konkreten Tätigkeit im Zusammenhang der geschichtlichen Umstände ab, andererseits von der persönlichen Erfüllung und der gesellschaftlichen Anerkennung. Diese muss immer neu ausdiskutiert werden. Vorschnelle Urteile sind missverständlich und oft auch ungerecht.
„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Dieser Satz, den der Verfasser des Briefes, der dem Apostel Paulus zugeschrieben wird, in der heutigen Lesung an die Gemeinde in Thessalonich schreibt, provoziert und polarisiert. Es gibt vermutlich die einen, die lautstark ihre Zustimmung kundtun, aber auch die anderen, die schockiert den Kopf schütteln, weil das so gar nicht in ihre christliche Weltanschauung passt. Wenn man den Satz so herausnimmt und für sich betrachtet, kann man durchaus die Frage stellen: Was hat sich Paulus, beziehungsweise der Verfasser, da gedacht? Welches Menschenbild steckt da dahinter? Muss man sich das Leben erst verdienen? Auch, wenn man die komplette Lesung betrachtet, bietet sie der Gruppe derer, die zustimmen noch ausreichend Argumentationsstoff. Paulus schreibt von einem „unordentlichen Leben“, von Menschen, die „alles Mögliche treiben“. Das klingt doch nach einer sehr kritischen und vorwurfsvollen Botschaft und nicht nach einer, die eint.
Ich möchte Sie nun einladen, dass wir gemeinsam den historischen Kontext betrachten, in dem unser Text eingebettet ist. Möglicherweise zeigt sich dadurch, welche Botschaft Paulus vermitteln wollte. Dadurch müssen wir zuerst zurückblicken auf den ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher. Dieser Brief, der vermutlich tatsächlich aus der Feder des Apostels stammt, möchte die Gemeinde auf die bevorstehende Endzeit vorbereiten. Schon in 1 Thess 2,9 schreibt er, wie die Apostel Tag und Nacht gearbeitet haben, um den Menschen nicht zur Last zu fallen und das Evangelium zu verkünden. Das wiederholt er auch im heutigen Lesungstext. Zur Zeit des zweiten Briefs, soll es Apostel gegeben haben, die sich durch ihren Status Vorteile erhofften. Die Endzeit schien so nahe und so konnte man sich ruhig etwas zurücklehnen. Das könnte mit einem „unordentlichen Leben“ gemeint sein und darauf bezieht sich die Aussage „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Die Apostel dürfen sich nicht auf ihrem Status ausruhen und sollen neben dem Verkünden des Evangeliums, nicht den Menschen zur Last fallen, sondern „in Ruhe ihrer Arbeit“ nachzugehen und „ihr eigenes Brot zu essen“.
Diese Botschaft an die Verkünder*innen des Evangeliums von damals lässt sich also nicht einfach so auf unsere heutige Zeit übertragen und vor allem lässt sie sich nicht als Botschaft an Menschen, die sich auf Arbeitssuche befinden, verwenden.
Was also sollen wir heute, an diesem Tag, mit dem Lesungstext anfangen?
Eine Möglichkeit wäre, einen Diskurs über Arbeit zu beginnen. Welche Herausforderungen und Fragen stellen sich heutzutage mit Blick auf die Arbeit, beziehungsweise die Arbeitswelt und damit verbunden auf die Gesellschaft?
Nehmen wir Bezug auf diesen letzten Satz der Lesung. Was kann es denn bedeuten in Ruhe der eigenen Arbeit nachzukommen? Die Antwort darauf beginnt immer mit einer weiteren Frage: Was ist denn die mir eigene Arbeit? Dabei gilt es, den Begriff der Arbeit zu öffnen und über reine Erwerbsarbeit hinauszudenken. Ja, Arbeit ist mehr als der Beruf, mit dem ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Arbeit ist, philosophisch gedacht, eine schöpferische Tätigkeit - etwas Gestaltendes, das Bedeutendes hervorbringt. Arbeit ist auch lebenserhaltend und lebensverbessernd. Und in der Arbeit kann sich der Mensch verwirklichen, ohne darin aufzugehen. Gleichzeitig ist der Arbeitsbegriff auch mit Mühsal und Pflicht beladenen - was anstrengend (aber nicht nur) an die Erwerbsarbeit gekoppelt ist. Beides sind Dimensionen der Arbeit. Und beides muss man ernstnehmen. Eine mir eigene Arbeit ist möglicherweise eine solche, bei der der schöpferische Aspekt überwiegt.
Ich kann mich darin verwirklichen und betrachte sie als sinnstiftend. Das ist immer ein persönliches Befinden. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese persönlich bedeutenden Tätigkeiten keinen Mehrwert für die Gesellschaft haben. Im Gegenteil: Ganz oft wird durch diese, nicht selten unbezahlte, Arbeit ein riesiger gesellschaftlicher Beitrag geleistet und es wäre an der Zeit, manche dieser auch besser oder überhaupt zu vergüten. Als Beispiele kann man hier Betreuungsaufgaben als Elternteil oder die Pflege von Angehörigen sehen. Aber auch andere Tätigkeiten, die unter den Begriff des Ehrenamts fallen, wie zum Beispiel Feuerwehr, Arbeit in der Pfarre, Vereinsarbeit, etc., sind hier zu nennen. Wenn man eine solche Tätigkeit, eine solche Arbeit für sich gefunden hat, ist es wichtig dieser auch nachzugehen.
Dabei kann auch die Gesellschaft oder das direkte Umfeld Einfluss nehmen, indem es als Unterstützung dient. Das kann idealerweise schon im Jugendalter bei der Berufssuche sein. Es muss im Laufe des Lebens aber immer wieder neu betrachtet werden.
Jetzt könnte der Vorwurf kommen, es sei naiv zu sagen, dass jede*r einer erfüllenden Arbeit nachgehen soll. Wer würde dann Arbeiten erledigen, die niemand als erfüllend sieht? In Zeiten, in denen in vielen Bereichen immer wieder von Arbeitskräftemangel zu hören, ist das ja durchaus eine berechtigte Frage.
Dem möchte ich jedoch mehrere Fragen entgegenstellen: Es geht dabei offensichtlich um Tätigkeiten, die für eine Gesellschaft wichtig sind, ansonsten würde man vermutlich die Frage, wer das machen soll, nicht stellen. Wie kann es also sein, dass bei solch wichtigen Tätigkeiten die Angst besteht, dass sie niemand machen möchte? Wie kann man diese Arbeiten aufwerten - sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in nicht-materieller Weise? Wie kann man Arbeit im Allgemeinen aufwerten und attraktiv für die Menschen machen. Die Zeiten, unsere Gesellschaft, aber auch die Werte der Menschen verändern sich stetig und deshalb muss man auch die Arbeitswelt immer wieder neu denken. Das beginnt bei den Gehältern - wenn das Leben teurer wird, müssen auch die Löhne entsprechend angepasst werden - und muss natürlich weitergedacht werden bis hin zu Fragen der Work-Life-Balance.
Das sind nur ein paar Fragen und Herausforderung, denen wir uns als Gesellschaft stellen müssen. Gerade so provokant wirkende Texte können dabei den Anstoß geben, den Diskurs über gesellschaftliche Fragen und vor allem Fragen der Arbeitswelt immer wieder neu zu beginnen.
© Peter Habenschuß, Jugendleiter Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf
Die drohenden Szenarien der Propheten und der Apokalyptiker sind aktueller denn je. Die angedrohten Katastrophen sind in der Vergangenheit immer wieder eingetroffen. Die Propheten inklusive Jesus versprechen jedoch auch, dass Menschen, die ihm vertrauen, kein Haar gekrümmt wird.
Kann man sich mit einer Predigt den Mund verbrennen? Sich um Kopf und Kragen reden? Keine Sorge: kann man. Warum ich so frage, fragen Sie? Weil mir unheimlich ist. Unheimlich, weil es tatsächlich in der Welt brennt. Wälder in Brasilien, in Australien… Ich weiß gar nicht, wie oft große Brände in diesem Jahr schon in die Nachrichten gerieten. Schreckliche Bilder! Und das alles Gottes Gericht? Der Prophet Maleachi – er gehört zu den zwölf kleinen Propheten im Alten Testament – verbindet tatsächlich den Weltenbrand mit dem Weltuntergang und den Weltuntergang mit dem Gericht Gottes. Sozusagen: Hölle auf Erden. Aber den Treuen, Gottergebenen wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, während den anderen weder Wurzel noch Zweig bleiben. Bei dem Gedanken wird mir ganz heiß.
Maleachi sagte:
Seht, der Tag kommt,
er brennt wie ein Ofen:
Da werden alle Überheblichen und alle Frevler zu Spreu
und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen,
spricht der Herr der Heerscharen.
Es ist erkennbar ein Drohszenario. Wenn ihr nicht…, dann …
Gibt es Situationen und Gelegenheiten, Menschen zu drohen? Ihnen gar den Weltuntergang zu prophezeien? Ihnen die Hölle vor Augen zu malen?
Maleachi, was machst du da!
In vielen alten Texten und Geschichten wird die Sorge, ja, die Angst ausgedrückt, dass wir die Welt verlieren, preisgeben, verraten, wenn wir Ungerechtigkeit und Hass fördern, in Kauf nehmen oder stillschweigend dulden. Was als Gericht Gottes angedroht wird, sind die entsetzlichen Folgen menschlicher Schuld und Vermessenheit. Das hat Maleachi schon gewusst und wortgewaltig inszeniert. Damals, als die israelische Gesellschaft aus den Fugen geriet, Macht missbraucht wurde und die Kleinen auf der Strecke blieben. Wenigstens einer muss dann mutig sein! Mutig für die Wahrheit, mutig auch für eine – Gerichtsrede. Und die wird heute hier laut. So, als ob nicht Jahrhunderte dazwischen lägen, Fortschritte erzielt wurden, Träume ausgeträumt sind. Heute muss es gesagt werden:
Seht, der Tag kommt,
er brennt wie ein Ofen:
Da werden alle Überheblichen und alle Frevler zu Spreu
und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen,
spricht der Herr der Heerscharen.
Wie sich das anhört! Doch die Gerichtsrede Gottes ist keine Drohung mehr, sie enthüllt eher, was Menschen unter Menschen anrichten, was die Welt in Brand steckt, wo die Zukunft verspielt wird. Es brennt an vielen Orten: In Lateinamerika, im Libanon, im Irak, in Syrien – ich kann gar nicht mehr aufhören. Und vollständig kann ich gar nicht sein. Sogar das Klima wehrt sich, die Erde wehrt sich. Wir Menschen sind nicht nur Zeugen apokalyptischer Szenarien, wir sind – auch – für sie verantwortlich. Gewiss nicht nur, auch!
Ein Prophet darf keine falsche Sicherheit vermitteln, er kann nicht einfach Heil predigen, er muss die Dinge beim Namen nennen. So wie Maleachi. Gelegentlich muss er – dazwischenfahren. Mit dem ganzen Risiko, unverstanden, ausgegrenzt, der Lüge bezichtigt zu werden. Wenn die Welt untergehen kann, was kann sie retten? Wer kann sie retten? Die schönen Worte sind verkommen, entlarvt, ins Leere gelaufen. Können es die harten noch richten?
Jesus spricht davon, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Der schöne Tempel – Schutt und Asche. Es ist tatsächlich so gekommen. Als Lukas die Worte Jesu aufschrieb, konnte er nur noch darauf zurückschauen. Wenn kein Stein auf dem anderen bleibt, sehen wir eine Ruine. Selbst Gottes Haus – eine Ruine. Die alten Sicherheiten tragen nicht mehr. Worte sind brüchig. Der Glaube wird zu einem Torso. Selbst unter den Christen gibt es Verrat, Eitelkeiten und Bosheiten. Menschen stehen nicht nur gegeneinander, sie stellen sich gegeneinander. Mal einfach so, mal mit der ganzen Wucht irgendeiner Wahrheit. Jesus erzählt das in einer Seelenruhe, dass mir angst und bange wird. Am liebsten würde ich „nein“ schreien bei diesem Evangelium, aber die Zunge versagt mir den Dienst. Ich weiß, wie wahr das alles ist, was Jesus sagt. Es bleibt tatsächlich kein Stein auf dem anderen.
Wir erzählen von Krisen und Katastrophen, wir hören von Menschen, die schon lange keine Menschen mehr sind, wir sehen Weltuntergänge. Kleine. Wie mit Nadelstichen. Hier mal so, dort ein wenig anders. Die eine Welt zersplittert. Der Tag ist schon lange da. Wir brauchen keine Propheten mehr. Nachrichtensprecher tun es auch.
In Deutschland ist der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr auch der Volkstrauertag. Können wir überhaupt noch trauern? Trauern darüber, dass Kriege die Welt zerrissen, die Welt zerreißen, Menschen zerreißen? Trauern darüber, dass wieder gezündelt wird, Hass salonfähig ist, Fremde ihrer Heimat beraubt werden? An vielen Stellen der Welt sehen wir die Welt brennen, buchstäblich und doch auch über alle Buchstaben hinausgehend. Nicht für alle Brände gibt es eine Feuerwehr. Für viele Brände aber gibt es Brandbeschleuniger. Mit ihnen lassen sich gute Geschäfte machen.
Maleachi! Komm! Erzähle uns von dem Tag Gottes!
Nein, selbst die gefühlt richtige Drohung kann das letzte Wort nicht haben! Bei den Propheten nicht, bei Jesus nicht. Jesus sagt den Menschen, die ihm vertrauen, zu, dass ihnen kein Haar gekrümmt wird. Auch dann nicht, wenn sie für Wahrheit und Recht eintreten, selbst dann nicht, wenn sie ihr Leben auf Spiel setzen. Dass kein Haar gekrümmt wird, ist das Gegenteil davon, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Unversehrt, geschützt, bewahrt bleiben wir in der Liebe Jesu. In der Bergpredigt heißt es von ihm, dass er alle unsere Haare zählt. Mehr und Größeres lässt sich von seiner Nähe nicht sagen.
„Nehmt euch also zu Herzen,
nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben,
so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen
und nichts dagegen sagen können.“
So Jesus. Sein letztes Wort: Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen!
Ob ich mir damit auch den Mund verbrennen kann, um Kopf und Kragen reden? Keine Sorge:
Ich muss es! Warum ich so frage, fragen Sie? Sie wissen doch:
„Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet,
wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen
und ihre Flügel bringen Heilung.“
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Den Propheten Maleachi und Jesus verbindet eine kritische düstere Sicht auf ihre jeweilige Gegenwart. Wir entdecken auch in unserer Zeit vieles, das uns resignieren lassen könnte. Jesus und die Propheten sehen aber auch Neues, das uns Hoffnung gibt.
Ein echter Miesmacher dieser Jesus. Da freuen sich einige, dass der Tempel schön geschmückt ist. Wahrscheinlich stand ein Fest an, und die Leute waren bereit zu feiern. Aber da ist einer, der macht es madig. „Es wird eine Zeit kommen, dann wird von allem, was ihr da seht, kein Stein auf dem anderen bleiben. Alles wird niedergerissen.“ Keine guten Aussichten. Und auch der Prophet Maleachi ist ebenso keiner, der für eine gute Stimmung sorgt. Die Frevler werden brennen…
Deutliche Worte. Harte Worte. Sind sie aber auch realistisch und gerechtfertigt?
Immer wieder macht sich eine solche Stimmung breit. Da will sich Gutes und Schönes einfach nicht einstellen, alle Hoffnung und Zuversicht scheint sich in Nichts aufzulösen.
Jeden Tag erlebe ich hier im Krankenhaus, dass eine Krankheit Menschen zerstört, Lebensträume platzen lässt und das Krankheit und Tod Menschen vor einem Trümmerhaufen stehen lässt. Dann steht, in einem übertragenen Sinn, kein Stein mehr auf dem anderen.
„Was soll ich jetzt bloß machen?“
„Nun stehe ich ganz alleine da!“
„Für alle anderen geht das Leben weiter! Aber für mich?“
Trauer, Verzweiflung. Das ist jetzt alles was geht.
Oder ich schaue in unsere Kirchen und Gemeinde. Kirchen werden abgerissen oder verkauft und haben nun eine ganz andere Funktion. Sie sind ein sehr klares Zeichen dafür, dass der Glaube und die Zugehörigkeit zu unseren Kirchen abnehmen, vielleicht auch in ein paar Jahren ganz verschwinden. Mauern werden eingerissen. Tatsächlich und im übertragenen Sinn. Und Menschen um uns herum scheinen es nicht einmal zu merken, oder es scheint ihnen nichts auszumachen. Einige verfallen in Aktionismus, andere wissen nicht mehr, was sie dagegen tun sollen.
Und schauen wir in unsere Welt. Kriege, Naturkatastrophen, Klimawandel und auch die politischen Systeme, die so lange funktioniert haben, die uns Wohlstand und ein gutes Stück Sicherheit gebracht haben, zerbrechen. Menschen die selbstgefällig über andere reden, die ausgrenzen und nur noch sich selber sehen. Warum will all das nicht mehr funktionieren? Warum zerbricht so viel, was Menschen etwas bedeutet hat?
Auch hier: Trümmerhaufen tatsächlich und im übertragenen Sinn.
Also doch keine Miesmacher, der Prophet Maleachi und Jesus. Eher Menschen, die die Zeichen der Zeit schon damals sensibel wahrnehmen? Menschen, die nicht vertuschen, keine Schönfärberei betreiben?
Aber können wir, kann ich, können Sie mit solchen Aussichten leben?
Ich glaube schon, dass es wichtig ist genau zu schauen, auch die düsteren Aussichten wahrzunehmen und anzunehmen. Aber nur damit leben könnte ich nicht. Aber was dann?
Die Texte sind mit dem Beschreiben der schweren und düsteren Aussichten und Verheißungen nicht zu Ende. Auch das ist wichtig sehr genau zu hören und wahrzunehmen. Maleachi verheißt die Sonne der Gerechtigkeit und Jesus spricht davon, dass wir das Leben gewinnen werden.
Diese abschließenden Sätze können sehr leicht moralisch verstanden werden. Nur der, der gut lebt, das Richtige tut usw. dem oder der gelten die Verheißungen. Sicherlich ist daran etwas Richtiges. Aber es nur so zu sehen würde der gesamten Ausrichtung der Bibel wiedersprechen.
Aus vermeintlich Zerstörtem lässt Gott Neues und noch Größeres werden. Den geschundenen, gequälten und am Kreuz getöteten Jesus erweckt er zu neuem Leben.
Mehr geht nicht. Und dies gilt. Trotz allem.
Am Pauluswort "wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" und seiner Schelte gegen Personen, die "unordentlich" leben, kann man leicht auch Anstoß nehmen. Es lohnt sich, die verschiedenen Facetten der Arbeit und ihrer Bedeutung für den sozialen Zusammenhalt näher zu betrachten und miteinander zu diskutieren.
Unsere Gesellschaft differenziert sich immer mehr aus. Menschen leben nach Werten und haben Gedanken und Ansichten, die immer stärker voneinander abweichen oder sich sogar widersprechen. Parallel dazu kann man beobachten, dass die Leute immer weniger miteinander reden, einander zuhören und andere, abweichende Meinungen tolerieren und respektieren können oder wollen.
Viele umgeben sich, nicht nur in den sozialen Netzwerken mit Personen, die dieselben Ansichten haben wie sie und meiden den Kontakt zu Leuten, die anders denken oder handeln. Das geht bis in die Familien hinein und führt zu Entfremdung und zur Entstehung von Vorurteilen.
In Deutschland wurde daher eine Initiative im Bereich der Politik gestartet, bei der Menschen aus unterschiedlichen Parteien eingeladen wurden, mit einer Person aus einer anderen Partei ein strukturiertes Gespräch zu führen. Dabei wurde zuerst eine festgelegte Zeit lang der jeweilige Standpunkt dargelegt und die andere Person hörte zu ohne zu unterbrechen. Nach dem Rollentausch war noch Gelegenheit über das Gehörte zu diskutieren.
Alle Leute, die sich darauf eingelassen hatten, sagten nach der Veranstaltung, dass es sich gelohnt hätte zu kommen und sie es sehr interessant und bereichernd gefunden haben, sich mit anderen Meinungen auseinander zu setzen.
Diese Idee liegt der vorliegenden Predigt zu Grunde. Auch sie soll die Mitfeiernden des Gottesdienstes animieren, verschiedene Ansichten zum Thema Nächstenliebe anzuhören und zuzulassen und darüber ins Gespräch zu kommen.
Es wäre gut, wenn die Predigt von zwei Sprechenden vorgetragen würde. Jeweils ein Absatz sollte von einer Person gelesen werden.
Danach kann man die Mitfeiernden bitten, sich mit ihrem Banknachbarn oder der Nachbarin über das Gehörte auszutauschen. Wichtig dabei ist, klare Zeitvorgaben zu machen, damit das Gespräch den Rahmen des Gottesdienstes nicht sprengt.
Wahrscheinlich wird es sinnvoll sein nach der Feier noch Gelegenheit zum Weiterreden anzubieten als Pfarrkaffee, Frühschoppen oder Ähnliches.
Folgende Predigt knüpft an die 2. Lesung aus dem Zweiten Brief an die Gemeinde in Thessalonich an.
Was war denn das? Die Tonart der Lesung erinnert an hetzerische Stimmen, die auch hierzulande im Moment oft genug zu hören sind. „Jeder soll für sich selber sorgen!“ – "Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen", meint Paulus. „Da gibt es welche, die auf Kosten der anderen leben wollen und unser Sozialsystem ausnutzen.“ - Paulus erwähnt Leute, die unordentlich leben.
Bevor hier zu schnelle Rückschlüsse gezogen werden, wollen wir uns noch mal dem Text aus der Lesung zuwenden und die Hintergründe beleuchten. Was ist wirklich gemeint, wem gilt die Botschaft dieses Briefes?
Der Brief ist an die Gemeindemitglieder adressiert. Die Vorstellung, dass die Welt bald zu Ende geht und das Reich Gottes, das verkündet wurde, in Kürze anbricht, war präsent. Nichtsdestotrotz gab es eine klare Vorstellung vom Leben in den jungen christlichen Gemeinden. Sie sollten aufeinander schauen, sich gegenseitig unterstützen, teilen, was sie hatten. Wer missionierte - das Reich Gottes verkündete - sollte Unterstützung von der Gemeinde erhalten. Diese Regel ist im ersten Thessalonicher Brief zu finden (1Thess 2,7).
Neben diesen Regeln des Zusammenlebens gab es allerdings auch klar das Vorbild der ersten Apostel Paulus, Silvanus und Timotheus, die bei der Gründung der Gemeinde beides unter einen Hut brachten: Das Reich Gottes zu verkünden und einer Arbeit nachzugehen. Ja, es ist anzunehmen, dass dieses Ideal auch „Sinn“ machte und so zur Ordnung in den christlichen Gemeinden wurde. Unordentliche Missionare waren demnach jene, die „nur“ missionierten und sich dadurch einen Sonderstatus erhofften, auf Arbeit gänzlich verzichteten und die Gemeinde nötigten, sie zu erhalten.
Ganz deutlich ist hier festzuhalten: als „unordentlich“ werden nicht jene bezeichnet, die - aus welchen Gründen auch immer - keine Arbeit gefunden haben oder nicht arbeiten konnten, sondern jene, die aufgrund ihres Glaubens an die nahe Ankunft des Reiches Gottes oder ihrer Predigertätigkeit auf Arbeit verzichtet haben.
Arbeit ermöglicht den Lebensunterhalt und stellt das tägliche Brot sicher. Arbeit bedeutet Teilhabe an der Schöpfung und das Einbringen der individuellen Fähigkeiten. Arbeit bedeutet auch Anstrengung, Schweiß und Plage. Arbeit stiftet Sinn, Arbeit stiftet auch Gemeinschaft und bedeutet Teilhabe an der Gesellschaft.
Dieser letzte Aspekt wird in diese Lesungsstelle unmittelbar in Verbindung gebracht mit der Verkündigung. Wer den Menschen vom Reich Gottes erzählen will, wer über Leid und Freude, über Leben und Hoffnung spricht, soll auch Teil dieser Gesellschaft sein. Wer in der Arbeitswelt steht, wer die Sorgen und Nöte der Kolleglnnen sieht und das Ringen der Menschen um gerechte Verhältnisse kennt, kann die Menschen mit der Botschaft vom guten Leben für alle erreichen.
Arbeit, ob bezahlt oder unbezahlt, ist die Erdung der christlichen Missionarlnnen. Das tägliche Brot selber zu verdienen, bedeutet wohl auch, auf Augenhöhe mit den Menschen in der Gemeinde zu leben. Sich als „Prediger“ nicht abzuheben, sondern Teil der Gemeinschaft zu bleiben, das ist das „Vorbild“ der christlichen Gemeinde und auch das Leitbild für unsere Gemeinden und Pfarren.
Hier sehe ich wohl auch die Herausforderung für uns und unsere Pfarre. Gelingt es uns in unseren Feiern und Predigten, nahe bei dem zu sein, was die Menschen in unserer Gemeinde bewegt und beschäftigt? Sind wir auf
Augenhöhe mit denen, die ungerecht behandelt werden, die am Rand leben, Einsamkeit und Isolation spüren?
(Einladung zum Gespräch mit den Nachbarin in den Bänken, anschließend beim Pfarrcafe / Stammtisch,...)
Eine zweite Herausforderung spricht uns dann noch persönlich an. Ich höre sie mehr noch als Ermutigung für uns als Getaufte:
- Was sehe / erlebe ich in den Arbeitswelten, in denen ich unterwegs bin?
- Wo kann ich die Spuren Gottes lesen?
- Welche Botschaft habe ich als Christ, als Christin dadurch für meine Gemeinde?
- Nehmen wir diese Herausforderung und die Ermutigung an?
-
Was denken Sie dazu?
© Michaela Pröstler-Zopf, Betriebsseelsorge in Zusammenarbeit mit Heinz Mittermayr, KAB, Diözese Linz.
Die Katastrophen-Alarmmaschinerie mancher Medien spielt mit der Angst-Lust vieler Menschen. Das war offenbar zur Zeit Jesu nicht anders. Eingetretene und mögliche Katastrophen fordern von uns verantwortungsvolles Handeln. Spekulationen über den Weltuntergang nützen niemand.
Zur Zeit Jesu stand apokalyptische Literatur hoch im Kurs. Sie will nicht Angst einjagen, sondern ermahnt standhaft zu bleiben, auch wenn wir Gegenwind verspüren.
Die Zerstörung des Tempels, falsche Messiasse, Verwirrungen, Kriege, Seuchen, Hungersnöte, Erdbeben, Christenverfolgung, Hass auf die Gläubigen, Ablehnung der Christen in ihrer Familie…
Diese Sätze aus dem Evangelium gehören zur sogenannten apokalyptischen Literatur, die im Altertum weit verbreitet war. Das ist eine Mischung aus Visionen, Prophezeiungen und realen Begebenheiten. Sie suchte inmitten der Angst und Bedrängnis zu trösten und zu ermutigen. Sie hat die Christen des ersten Jahrhunderts herausgefordert und gestärkt, auf die schweren Nöte der Gläubigen Antworten aus dem Glauben zu finden.
Angesichts der Schreckensvisionen und Verfolgungen der Christen lädt Jesus auch uns heute ein. Mit dem Worten: „Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“ Das Wort, das im griechischen Originaltext für „standhaft“ steht, hat viele Schattierungen: Geduld, Beständigkeit, Widerstandsfähigkeit und Vertrauen. Wenn man leidet oder mit der Versuchung kämpft aufzugeben, wenn man verfolgt wird, dann braucht man nichts nötiger als Standhaftigkeit.
Wahrscheinlich ist jeder von uns schon einmal in die Situation geraten, aufzugeben statt geduldig auszuhalten. Oder andere für schuldig zu erklären ohne unsern Teil einzubringen. Vielleicht haben wir das eine oder andere Mal auch der Versuchung nachgegeben. Eventuell stecken wir sogar gerade in einer solch schmerzlichen Lage. Fassen wir neuen Mut und bleiben wir standhaft! Wer Christus nachfolgen will, ist eingeladen, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen und – wenigstens mit dem Willen – ja zur schmerzlichen Situation zu sagen. Die Berufung des Christen ist eine Berufung zur Standhaftigkeit. Wenn wir das Kreuz annehmen und durchhalten, folgen wir Christus auf seinem Weg, der zum Vater führt, in das ewige Leben.
Um standhaft zu bleiben, können wir uns nicht auf unsere eigenen Kräfte verlassen. Wir brauchen die Hilfe Gottes. Wenn wir um die Tugend der Standhaftigkeit bitten, wird Gott sie uns geben. Es genügt nicht, getauft zu sein, oder ab und zu ein bisschen Frömmigkeit zu zeigen und ein gutes Werk zu tun. Wirklich standhaft ist, wer aus der Nächstenliebe heraus lebt, den Feinden vergibt und bereit ist zum Dienst an den Schwächeren.
Für uns heute ist das Böse eine unleugbare Realität, es sind die Verdrehung der Wahrheit, die Kriege, die Vergötzung des Geldes, die Ausbeutung der kleinen Leute. Viele lehnen den christlichen Glauben ab. Wir beobachten eine Gleichgültigkeit gegen Gott und die Kirche. Auch die Moralvorstellungen der Gesellschaft und die vieler Gläubiger widersprechen sich: In Fragen des Ungeborenen Lebens, der Euthanasie, in der Genforschung, in der Sexualmoral. In der Familie schmerzt es, wenn Mitglieder aus der Familie gleichgültig sind gegen die Kirche und Gott.
Es gibt einen grundsätzlichen Gegensatz zwischen der „Welt“ und ihrer Ichbezogenheit, wie es das Evangelium bezeichnet, und den Jüngerinnen und Jüngern Jesu.
Gegenwind ist ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Den gleichen Weg ist Jesus gegangen. Deshalb sollten wir vertrauen. Jesus hat genau das gesagt: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen verfolgt werdet, dann freut euch und jubelt ...!“ Vielleicht klingt das sehr abgehoben. Aber jedenfalls müssen wir an die vielen Schwestern und Brüder denken, die mit uns glauben und in vielen Ländern verfolgt werden.
Und dann heißt es: Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Trotz aller Schwierigkeiten dürfen wir uns in der Hand Gottes wissen. Gott ist Vater. Er nimmt sich auch der noch so kleinen Sorge an für unser Leben und das der Menschen, die uns nahe stehen. Viele bekannte und unbekannte Märtyrer haben daraus ihre Kraft bezogen. Petrus ermutigt: Werft alle Eure Sorge auf den Herrn!
Lieder:
GL 84: Morgenglanz der Ewigkeit (4. Str.)
GL 90: Christus, du bist der helle Tag (3. Str.)
GL 282: Beim letzten Abendmahle
GL 360: Macht weit die Tore in der Welt
GL 365: Meine Hoffnung und meine Freude
GL 370: Christus, du Herrscher des Himmels
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied (3. Str.)
GL 415: Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
GL 416: Was Gott tut, das ist wohlgetan
GL 423: Wer unterm Schutz des Höchsten steht
GL 424: Wer nur den lieben Gott läßt walten
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen; du schaust mein Wesen ganz
GL 429: Gott wohnt in einem Lichte, dem keiner nahen kann
GL 435: Herr, ich bin dein Eigentum
GL 456: Herr, du bist mein Leben
GL 457: Suchen und Fragen
GL 464: Gott liebt diese Welt (6. und 7. Str.)
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 503: Mitten wir im Leben sind
GL 505: Wir sind nur Gast auf Erden
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GL 560: Christus, Sieger, Christus König
Psalmen und Kehrverse:
GL 622,1-2: Habt Mut, ihr Verzagten, und fürchtet euch nicht! Gott selbst wird kommen und euch erretten. - Mit Jes 35 oder mit Psalm 98 (GL 55,2) - VIII.
GL 622,4: Siehe, der Herr kommt in Herrlichkeit
GL 629,1-2: Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell. - Mit Psalm 30 - I.
GL 629,5-5: Christus Sieger, Christus König, Christus, Herr in Ewigkeit. - Mit Phil 2,6-11 - VI.
Heute ist schon der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr! Wir sind mitten im November. Auf die Adventszeit freuen wir uns!
Doch die Texte, die uns heute begleiten, sind ernst: Von Weltuntergängen ist die Rede.
Wir hören:
„Es werden Tage kommen,
kein Stein auf dem andern bleibt,
der nicht niedergerissen wird.“
Kleine und große Weltuntergänge nehmen uns tatsächlich gefangen, verunsichern uns und lassen eine große Ratlosigkeit zurück.
Aber wir hören auch:
„Euch wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen
und ihre Flügel bringen Heilung.“
Wir bringen unsere Gefühle, Schmerzen und Sehnsüchte vor ihn, unseren Herrn.
Ihn rufen wir an:
Unser Leben geht einmal zu Ende. Unsere Welt wird einmal untergehen. Wie? Darüber gibt es verschiedene Theorien. Doch für uns, die wir Jesus nachfolgen, ist das sichere Ende unseres Lebens wie auch das Ende der Welt mit Hoffnung verbunden. In Jesus hat Gott den Tod besiegt.
Seine Worte leiten uns an, unsere Aufgaben anzunehmen, unsere Berufung zu leben, diese Welt mit Mut und Zuversicht zu gestalten.
Öffnen wir uns IHM, öffnen wir uns dem Auferstandenen und grüßen wir IHN in unserer Mitte.
Es hört sich nicht gerade schön an, wenn kein Stein auf dem anderen bleibt. Dann kommt uns eine Ruine in den Sinn. Überall liegen Steine herum. Aber wenn wir dann hören, dass uns kein Haar gekrümmt wird, fühlen wir uns geborgen und gut aufgehoben.
Es sind Bilder, die uns heute am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres begegnen: Bilder von zerbrochenem Leben, von apokalyptischen Szenen – und Bilder von der Liebe, die zärtlich Haare zählt und an kein Ende kommt.
Die Gefährdungen, Ängste und Risiken, die wir in der Schöpfung Gottes sehen, legen wir in seine Hand.
Sie scheint nicht da zu sein, sonst bräuchten wir dieses Lied nicht zu singen: „Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unserer Zeit“. Sie steht aus. Das Lied drückt eine Sehnsucht aus nach dem was noch nicht ist und doch so sehnsüchtig erwartet wird.
In der heutigen Lesung aus dem Prophten Maleachi, dem letzten Buch des ersten oder Alten Testaments verspricht auf den letzten Seiten Gott dies den Menschen, die ihm treu sind. Und auch im Evangelium hören wir etwas Vergleichbares.
Die Texte am Ende des Kirchenjahres verbreiten die Stimmung: Es steht noch etwas aus. Es hat sich noch nicht alles erfüllt. Hören wir hin!
Gott,
wir sparen mit Worten und Werken der Liebe und der Zuversicht,
Herr erbarme dich.
Gott,
wir sparen mit Worten und Werken der Zärtlichkeit und Anerkennung.
Christus erbarme dich.
Gott,
wir sparen am Evangelium, an guten Nachrichten und am Mitmenschen.
Herr erbarme dich.
Herr, guter Gott,
zeige uns im Angesicht Jesu,
wie menschlich wir sein können
und wie viel Zärtlichkeit und Wärme
wir für andere bereithalten könnten. - Amen.
Herr,
es ist modern, von multiplen Krisen zu reden.
Einen Durchblick haben wir nicht.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du schenkst uns vielfältige Hoffnungen.
Sie können wir teilen. Sie richten uns auf.
Christus, erbarme dich.
Herr,
apokalyptische Szenarien geistern durch die Welt.
Lichtvoll und schön hast du sie uns aber anvertraut.
Herr, erbarme dich.
Christus spricht:
"Ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben,
so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen
und nichts dagegen sagen können."
Ehre sei Gott in der Höhe!
Herr Jesus Christus,
der du den Tod überwunden hast,
Herr, erbarme dich
Herr Jesus Christus,
der du uns aufrichtest,
Christus erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
der du uns ewiges Leben schenkst,
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast dich vom Vater in diese Welt senden lassen –
auch in ihre Schrecken.
Herr, erbarme dich.
Du bist durch Leid und Tod gegangen –
bis in die Auferstehung.
Christus, erbarme dich.
Du hast uns zugesagt, in allem bei uns zu sein.
Herr, erbarme dich.
Herr,
an vielen Orten brennt die Welt.
Ruinen bleiben zurück.
Wir bringen dir unsere Ratlosigkeit.
Herr, erbarme dich.
Christus,
an vielen Orten wird gezündelt und mit Feuer gespielt.
Es wächst der Hass.
Wir bringen dir unsere Hoffnungen.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du birgst jeden Menschen in deiner Liebe.
Nicht ein Haar wird gekrümmt.
Wir bringen dir unsere Schuld.
Herr, erbarme dich.
"Jubeln sollen alle vor dem Herrn, denn er kommt, *
um die Erde zu richten.
Er richtet den Erdkreis in Gerechtigkeit, *
die Völker so, wie es recht ist."
(Ps. 98)
Im Vertrauen, dass Gott seine Schöpfung erhält, loben wir ihn:
Ehre sei Gott in der Höhe…
Gott, du Urheber alles Guten,
du bist unser Herr.
Laß uns begreifen, daß wir frei werden,
wenn wir uns deinem Willen unterwerfen,
und daß wir die vollkommene Freude finden,
wenn wir in deinem Dienst treu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
deine Vorsehung bestimmt den Lauf der Dinge
und das Schicksal der Menschen.
Lenke die Welt in den Bahnen deiner Ordnung,
damit die Kirche
in Frieden deinen Auftrag erfüllen kann.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 8. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott, sieh gnädig auf alle,
die du in deinen Dienst gerufen hast.
Mach uns stark im Glauben,
in der Hoffnung und in der Liebe,
damit wir immer wachsam sind
und auf dem Weg deiner Gebote bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 16. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: 5. Sonntag im Jahreskreis
Ewiger Gott.
Die Tage zerrinnen uns zwischen den Händen.
Unser Leben schwindet dahin.
Du aber bleibst.
Gestern und heute und morgen
bist du derselbe.
Von Ewigkeit her kennst du uns.
Unsere Zukunft liegt in deiner Hand.
Mach uns bereit für alles,
was du mit uns tun wirst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 31
Allmächtiger Gott,
wir bekennen, dass unser Erlöser
bei dir in deiner Herrlichkeit ist.
Erhöre unser Rufen
und lass uns erfahren,
dass er alle Tage bis zum Ende der Welt
bei uns bleibt, wie er uns verheißen hat.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 7. Sonntag der Osterzeit
Ewiger Gott,
du bist der Ursprung
und die Erfüllung unseres Lebens.
Schenke uns deine Gnade,
damit wir standhaft bleiben im Glauben
und Zeugnis ablegen für dich.
Darum bitten wir durch unseren Herrn
Jesus Christus, deinen Sohn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
WB 33. Sonntag im Jahreskreis C
In deinem Wort bist du, Gott, zugegen.
Unsere Ängste verwandelst du in Mut,
unseren Größenwahn in Bescheidenheit,
unsere Schuld in neue Anfänge.
Wir danken dir!
Wir danken dir, dass wir im tägliche Nachrichtendschungel,
in den Schreckensmeldungen unserer Tage
im Hin und Her der Meinungen
deine Stimme hören.
Schenke deiner Sonne Flügel
und lass sie uns tragen
in Christus, dem Licht der Welt.
In der Kraft deines Geistes,
heute,
für die Ewigkeit.
Jesus, diese Welt, in der wir leben
scheint aus den Fugen zu geraten.
Kriege, Klimakatastrophe, Corona…
Werden wir auf diesem Planeten noch gut leben können?
Es gibt keinen Planeten B…
Wir alle haben in dieser Welt nur dies eine Leben.
Dennoch: Wir haben Hoffnung.
Denn du bist die Auferstehung und das Leben.
Uns ist diese Hoffnung geschenkt.
Du willst diese Welt erneuern.
Himmel und Erde vergehen,
aber deine Worte bleiben bestehen.
Das wollen wir immer tiefer glauben. -Amen.
Guter Gott,
am Beginn dieser neuen Wochen kommen wir zu dir.
Wir bringen alles mit, was uns ausmacht.
Alles Helle und Freudige, allen Kummer und allen Schmerz.
Schenke uns in der Gemeinschaft mit deinem Sohn Jesus Christus
und untereinander, Hoffnung, die uns durch das Leben trägt.
Lass uns wieder neu spüren, dass deine Liebe uns begleitet.
Heute und immer - was immer uns widerfährt.
Du, Gott,
hast die Zeit in deiner Hand.
Uns hast du die Ewigkeit ins Herz gelegt.
Wir danken dir,
dass du uns jeden Morgen die Welt neu öffnest.
Du bist Licht, du schaffst Licht.
In diesen Tagen schauen wir auf den Holocaust zurück,
auf menschliche Schuld,
auf eine untergehende Welt..
An vielen Stellen brennt sie auch heute,
an vielen Stellen wird sie in Brand gesteckt,
an vielen Stellen breitet sich die Hölle aus.
Oft haben wir das Gefühl, dass uns die Welt über den Kopf wächst.
Schenke uns offene Augen für das Unheil,
das Menschen anrichten,
und einen freien Mund,
für deine Wahrheit einzutreten.
Du lässt die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen
über deine Schöpfung, unsere Welt
in Christus, unserem Herrn.
Gott, du Urheber alles Guten,
du bist unser Herr.
Lass uns begreifen, dass wir frei werden,
wenn wir uns deinem Willen unterwerfen,
und dass wir die vollkommene Freude finden,
wenn wir in deinem Dienst treu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unserem Bruder und Freund. - Amen.
Schreckliche Nachrichten, die Angst einflößen, begegnen uns auch in unserem Gottesdienst.
Aber unsere Trauer, unsere Ängste und Aggressionen nimmst du in deine Hand, Herr.
Im Evangelium haben wir gehört:
Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben.
Wir bitten dich für die vielen Menschen, die unter die Räder kommen, die keine Heimat haben, die Opfer der Zeitläufe werden.
Gib uns, Herr, Worte und Weisheit!
Wir bitten dich für die, die sich zu Herren der Welt machen, die Machtansprüche mit Gewalt durchsetzen, die die Sprache des Todes sprechen.
Gib uns, Herr, Worte und Weisheit!
Im Evangelium haben wir gehört:
Es wird gewaltige Erdbeben
und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben.
Wir denken an die vielen Menschen, die Opfer von Erdbeben und Überschwemmungen werden, die die Folgen der Klimaveränderungen unmittelbar spüren, die um ihre Inseln fürchten.
Gib uns, Herr, Worte und Weisheit!
Wir denken an die Delegierten der Weltklimakonferenz, die um Klimaziele kämpfen, die wirtschaftlichen Interessen geopfert werden, die sich verhängnisvollen Entwicklungen entgegenstellen, die sich auf verlorenem Posten fühlen.
Gib uns, Herr, Worte und Weisheit!
Im Evangelium haben wir gehört: schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.
Wir befehlen dir das Weltall, das von Menschen erobert wird, in dem Sterne Krieg führen, das von Schrott gefüllt wird.
Gib uns, Herr, Worte und Weisheit!
Wir befehlen dir die verletzte Schönheit der Welt, unsere Sprachen, die Geschichten, die von unseren Hoffnungen erzählen.
Gib uns, Herr, Worte und Weisheit!
Im Evangelium haben wir gehört: Sorgt euch nicht im Voraus für eure Verteidigung! Du wirst uns Worte und Weisheit geben, sodass wir mutig für Gerechtigkeit und Wahrheit einstehen, für die Liebe, die die Welt zusammenhält.
Dafür danken wir dir. – Amen.
Gott, wer auf dich baut, darf dem Tod zuversichtlich entgegensehen.
Wir bitten dich:
Lass alle, die nicht an die Auferstehung glauben können,
durch echte Vorbilder zu dir finden.
Steh mit deiner Kraft denen bei,
die wissen, dass sie bald sterben werden.
Segne das Wirken der Hospize,
und aller, die Sterbende begleiten.
Mache alle bereit, deine Schöpfung zu bewahren
und so mit ihr umzugehen, dass auch die kommenden Generationen in ihr leben können.
Erfülle mit Demut alle Wissenschaftler, welche diese Welt erforschen,
dass sie deinen Willen suchen.
Bekehre alle, die Krieg, Gewalt und Hass säen.
Nimm alle Verstorbenen auf,
und lass sie tiefes Glück in deiner Nähe erfahren.
Dir vertrauen wir,
dich loben und preisen wir. - Amen.
Im Vertrauen darauf, dass Gott richten wird, was wir selbst oft trotz unseres guten Willens nicht richtigmachen,
lasst uns ihn gemeinsam bitten:
Als kirchliche Gemeinschaft leben wir aus und mit deinem Wort.
Durchdringe uns mit deinem Licht, dass so dein Geist in unserem gesellschaftlichen und politischen Leben wirksam wird.
Wir vertrauen darauf, dass deine Gerechtigkeit stärker ist als das Unrecht der Gegenwart.
Deine Leidenschaft für uns Menschen sei mit allen, die sich in den diversen Hilfsorganisationen für Solidarität und einen gerechten Ausgleich der Güter einsetzen.
Wir kommen nur schwer mit den aktuellen Krisen zurecht.
Dein Geist helfe uns, die Unsicherheiten des Lebens zu akzeptieren und in deiner Botschaft eine neue Sicherheit zu finden.
Unser Leben hält auch im scheinbar grauen Alltag viele Überraschungen für uns bereit, die erspürt und erfahren werden können.
Dein Geist lehre uns zu staunen und uns in Dankbarkeit vom Leben berühren zu lassen.
In dir finden wir im Tod Gericht und Heil zugleich.
Beschenke unsere Verstorbenen mit deiner Barmherzigkeit und deinem Frieden.
Dir haben wir unsere Bitten anvertraut.
Wir danken dir, dass du uns mit unseren Sorgen nicht allein lässt.
Denn bei dir wissen wir im Glauben alle Macht und Herrlichkeit jetzt und allezeit. - Amen.
Der Prophet Maleachi hat eine Gerichtspredigt gehalten. Er spricht vom Tag des Herrn. Aber auch von der Sonne der Gerechtigkeit.
Auch Jesus hat eine Gerichtspredigt gehalten. Er zeigt die tiefen Risse, die die Welt zur Ruine machen. Aber er lenkt unsere Blicke auch auf die Haare, die nicht gekrümmt werden.
Gott lässt seine Welt nicht fallen. Ihn rufen wir an:
Wälder brennen. Häuser gehen in Flammen auf. Menschen sind auf der Flucht.
Schütze die Rettungskräfte, wehre den Brandstiftern.
Wir rufen zu dir: Hilf uns, das Leben zu gewinnen
Menschen gehen auf die Straße. In ihrer Not greifen sie zur Gewalt. Sie wissen nicht, wie es in ihren Ländern weitergeht.
Schenke Besonnenheit, lass Frieden wachsen.
IS-Kämpfer sollen in ihre Heimatländer zurück. Die Angst, dass sie den Hass mitbringen, ist groß. Die Rechtsprechung steht vor großen Herausforderungen.
Bewahre uns davor, neuen Hass zu säen, sei bei Anwälten und Richtern.
Touristen entdecken die Schönheiten der Welt. Viele Brüche bleiben ihnen verborgen. Die Erde ächzt unter der Last, die ihr aufgebürdet wird.
Nimm das Klima in deine Hand, zeige uns neue Lebensstile.
Alte Menschen sind oft allein. Viele sterben einsam und verlassen. Viele kommen auch mit der Welt nicht mehr klar, in der ihre Geschichten nicht mehr gefragt sind.
Schreibe alle Geschichten in dein Buch, wecke unter jungen Menschen Neugier.
Du hast die Welt gut, reich und schön geschaffen.
Wir können ihre Dauer nicht überblicken.
Schenke uns Heimat, offene Häuser und Herzen
und die große Hoffnung,
dass unter unseren Händen die Welt nicht untergeht.
Deine Liebe ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.
In Christus, unserem Herrn.
Wir suchen das Leben.
Wir fragen nach Gott.
Wir sehen die Welt und die Menschen.
Wir bitten:
Für alle, die Verantwortung tragen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft,
dass ihr Leben anderen Mut mache, mitzuarbeiten an mehr Gerechtigkeit, Liebe und Frieden für unsere Zeit.
Gott unser Vater…
Für alle, die sich klein und abgeschoben fühlen,
dass sie immer neu spüren, dass sie Anteil an deinem Geist haben und dass du ein Freund ihres Lebens bist.
Für alle, die anderen Menschen helfen,
dass sie aus einem guten inneren Gefühl handeln und Freude ausstrahlen.
Für alle, die nach dir fragen und dich suchen,
dass ihr Leben offen bleibt für die deine frohe Botschaft und für die Begegnung mit glaubenden Menschen.
Für alle, die ganz nahe zu uns gehören, für Eltern, Kinder, Verwandte, Freunde,
dass ihr Leben durch unsere Liebe und Gemeinschaft reicher und erfüllter werde.
Für unsere Verstorbenen,
dass sie das volle Leben bei dir gefunden haben.
Wir leben von der Zuwendung Gottes.
Wir hoffen auf sein Kommen.
Wir vertrauen seinem Wort und antworten mit unserer Liebe.
Durch Christus unserem Bruder und Herrn. - Amen.
Wir alle kennen das Gefühl, wenn Angst in uns aufsteigt. Sie ist ein Warnzeichen vor echten oder vermeintlichen Gefahren. Sie kann unser Handeln mitbestimmen, muss ausgehalten oder überwunden werden. Es heißt auch: „Angst lehrt beten“. So lasst auch uns Gott, unseren Vater, bitten:
Um eine Kirche, die aus der Hoffnung auf dich lebt und so zum sichtbaren Zeichen deiner Verheißung wird.
Um eine gerechte Lösung der sozialen Fragen in den derzeit sehr unsicheren politischen Systemen vieler arabischer Länder.
Um ein globales Verständnis und weltweites Bemühen für die Probleme des Klimaschutzes.
Um einen Journalismus, der von ernsthafter Recherche und verantwortungsvoller Berichterstattung geprägt ist.
Um deine ausgleichende Gerechtigkeit für alle Verstorbenen, besonders aber für alle Opfer von Terror, Krieg und Gewalt.
Denn du, Herr, versprichst allen, die dich suchen und ehren, Heilung und Gerechtigkeit. Deine Größe beten wir an und rühmen dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
die Gabe, die wir darbringen,
schenke uns die Kraft, dir treu zu dienen,
und führe uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Wir danken dir, Gott,
für Brot und Wein,
für den Reichtum deiner Schöpfung,
für das Geheimnis deiner Liebe.
Dir bringen wir unsere Arbeit,
unsere Schmerzen, unsere Träume,
dir bringen wir unsere Freude,
unsere innere Leere, unsere Sehnsucht.
Du verwandelst Brot und Wein
in Zeichen deiner Liebe
und Gemeinschaft mit uns.
Du schenkst uns Anteil an Christi Leib und Blut.
In ihm sind wir geborgen
In Ewigkeit. -Amen.
Jesus, diese Gaben, die auf diesem Altar stehen,
Brot und Wein, werden dein Leib,
Brot und Wein zeigen deine Nähe,
geben uns Kraft unserer Seele.
Du bist so nahe.
Du machst dich eins mit uns,
durchdringst unsere Herzen,
du wandelst sie in liebende Herzen.
Die Liebe zu dir überwindet jeden Tod,
jede Hoffnungslosigkeit.
Dein Mahl, deine Nähe mache uns zu Hoffnungsträgern/innen. – Amen.
Bescheiden sind die Gaben, Herr,
mit denen du uns das Leben schenkst,
Brot und Wein.
Wir danken dir für die Liebe,
die so gut schmeckt wie Brot,
die so sehr wärmt wie der Wein.
Wir feiern ein Fest,
wir feiern dein Gedächtnis,
wie du uns sagst.
Umhülle Brot und Wein mit deinem Wort.
Dann wird wahr, was du gesagt hast:
Das ist mein Leib,
das ist mein Blut.
Du schenkst uns dich
In Christus, unserem Herrn.
(für Wortgottesdienstfeiern):
Kehrvers:
Singet dem Herrn alle Länder der Erde,
singt dem Herrn und preiset seinen Namen. (GL 54,1)
Gott, unser Vater,
angesichts der Not so vieler unschuldig Leidender
fällt es uns oft schwer, dir zu danken und dich zu loben.
Dennoch glauben wir, dass du ein Gott des Lebens bist.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du uns Hoffnung gibst,
dass nicht jene das letzte Wort behalten,
die sich mit Gewalt und Unrecht über alles hinwegsetzen.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du dich auf die Seite der Schwachen und Ohnmächtigen stellst
und ihnen Recht verschaffst.
Du wirst kommen, um die Ungerechtigkeit dieser Welt zu beenden,
und du wirst jene richten,
die sich über Recht und Menschenwürde hinwegsetzen.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du allen neues Leben schenken wirst,
die standhaft bleiben und treu zu deinem Namen halten;
dass du sie zum Tisch in deinem Reich führen wirst,
zum ewigen Gastmahl, das du denen bereitest, die dich lieben.
Kehrvers
Mit der ganzen Schöpfung,
die der Vergänglichkeit unterworfen ist,
und darauf wartet, von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden
zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes
rufen wir und singen wir dein Lob:
Danklied, z.B.: Singt dem Herrn ein neues Lied... (GL 409)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
In dankbarer Liebe
gedenken wir seines Todes,
bekennen seine Auferstehung
in lebendigem Glauben und erwarten
voll Hoffnung und Zuversicht
sein Kommen in Herrlichkeit.
Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen
mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 5
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn in dir leben wir,
in dir bewegen wir uns und sind wir.
Jeden Tag erfahren wir aufs neue
das Wirken deiner Güte.
Schon in diesem Leben
besitzen wir den Heiligen Geist,
das Unterpfand ewiger Herrlichkeit.
Durch ihn hast du Jesus auferweckt von den Toten
und uns die sichere Hoffnung gegeben,
daß sich an uns das österliche Geheimnis vollendet.
Darum preisen wir dich
mit allen Chören der Engel und
singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 6
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn deine Vorsehung waltet über jeder Zeit;
in deiner Weisheit und Allmacht
führst du das Steuer der Kirche
und stärkst sie durch die Kraft des Heiligen Geistes.
In ihm kann sie allezeit auf deine Hilfe vertrauen,
in Not und Bedrängnis zu dir rufen
und in Tagen der Freude dir danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Heiliger Geist 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn du hast die Welt mit all ihren Kräften ins Dasein gerufen
und sie dem Wechsel der Zeit unterworfen.
Den Menschen aber hast du
auf dein Bild hin geschaffen und
ihm das Werk deiner Allmacht übergeben.
Du hast ihn bestimmt,
über die Erde zu herrschen,
dir, seinem Herrn und Schöpfer, zu dienen
und das Lob deiner großen Taten zu verkünden
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 5
Wir leben im Schon und Noch Nicht!
Wir kennen die Verheißung und sehen die Zerstörung.
Wir spüren unsere Sehnsucht und ahnen unsere Hilflosigkeit.
Wir sprechen von Hoffnung und verlieren den Mut.
Wir sehnen uns nach Liebe und machen den Nächsten zum Fremden.
Wir wollen Frieden und schaffen Abgrenzung.
Wir leben im Schon und Noch-Nicht!
Denn wir können auf den anderen zugehen.
Denn wir können uns ändern.
Denn er, Gott verspricht uns: Sehe ich mache alles neu.
Wir leben, leben im Schon und Noch-Nicht
Ein Fest des Lebens
wollen wir feiern
es kennt keine Gebühr
und keinen Ausweis
die Einladung
ist da
Das Fest des Lebens
beginnt in dem Augenblick
wenn ich erkenne
was mein Leben
wertvoll macht
Wenn ich erkenne
dass ich eingeladen bin
zu lieben
Wenn das gelingt
dann wird mir viel geschenkt
Leben in Fülle
ein Fest für immer
Barmherziger Gott,
wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt
und sein Gedächtnis begangen.
Die heilige Gabe,
die wir in dieser Feier empfangen haben,
helfe uns,
daß wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern
Christus nachfolgen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
die heilige Speise, die wir empfangen haben,
durchdringe uns mit ihrer Kraft.
Sie vertiefe unseren Glauben,
mache stark unsere Hoffnung
und entzünde unsere Herzen zu Werken der Liebe.
Lass das göttliche Leben, das du uns geschenkt hast,
sich entfalten und Frucht bringen für das ewige Leben.
Darum bitten wir…
MB Schlussgebete zur Auswahl 10
Herr, unser Gott,
im heiligen Mahl haben wir den Leib
und das Blut deines Sohnes empfangen.
Der Glaube an ihn lässt uns das volle Leben erhoffen.
Lass uns in der Freude dieser Hoffnung
die nötigen Schritte tun, dieses Ziel zu erreichen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Fest des Heiligsten Erlösers
Um deinen Segen bitten wir dich, Gott,
dass wir unter den vielen Stimmen,
die uns ständig umfangen,
deine Stimme hören.
Dass wir unter den vielen Botschaften,
die um unser Herz kämpfen,
dein Evangelium finden.
Dass wir unter den vielen Ansprüchen,
die jeden Tag auf uns einstürmen,
deine Liebe teilen.
Dann wachsen der Sonne Flügel
in Christus,
der Sonne der Gerechtigkeit. - Amen.
Guter Gott,
du sendest uns in die neue Woche,
damit wir von der erlösenden Botschaft deines Sohnes künden.
Hilf uns, dass wir auch in den Dunkelheiten des Lebens
nicht verzweifeln und schenke uns die Kraft,
jeden kleinen Tag zu bestehen.
Lass durch uns sichtbar werden,
dass die Dunkelheit der Welt nicht den Sieg davonträgt.
Das erbitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
Treuer, barmherziger Gott,
wir danken dir,
dass du uns die Welt, die wir lieben,
in ihrer Schönheit und Zerbrechlichkeit zeigst.
Es sind Menschen, die ihr zusetzen,
ihr Gewalt antun, sie ihrer Würde berauben.
Hilf uns, Verstrickungen, Schuldzusammenhänge
und Angststrategien aufzubrechen,
für Wahrheit und Recht einzutreten und
deiner Liebe den Raum zu lassen,
den du von Anfang an für uns alle abgesteckt hast.
Über Dunkelheiten und Abgründe
lass die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen.
Dann geht die Welt nicht unter
In Christus, unserem Herrn.
Es segne uns Gott, der Vater,
der unseren Füssen weiten Raum schenkt.
Es segne uns Jesus Christus, Gottes Sohn,
der uns ein standhaftes Vorbild des Glaubens vorgelebt hat.
Es segne uns die Hl. Gotteskraft,
die das Gute in uns bewirkt und uns Beistand schenkt.
So segne uns der GOTT MIT UNS,
der Vater und der Sohn und der Hl. Geist.
Amen.
Aktueller Tagesreport?
Liest sich fast so …
Standhaft bleiben
in all dem Wahnsinn
inmitten von Irrungen
und Verwirrungen
Stehen wir nicht eher
ohnmächtig daneben?
Was haben wir in der Hand
gegen verrückte Kriegstreiber
die Kinder verhungern lassen
um ihre eigene Macht zu sichern
Wer standhaft bleibt
siegt
eine ganz schöne Zumutung …
Wer traut sich
wenn’s drauf ankommt?
Katastrophen kommen und gehen
Letztlich
wird mich mein Glaube
im LEBEN halten
um die große Frage
auszuhalten
Warum
Wozu
?
Worauf hin
Ich reibe mich wund daran
und
bleib in der Hoffnung …
auf DICH hin!
mit offenen Augen die Welt sehen
die Schönheit der Welt
in jeder Blume
im Fließen des Flusses
im Rauschen des Meeres
im Flug der Vögel
im Grün der Wiese
in der Majestät der Berge
eben in der Schönheit der Schöpfung
mit offenen Augen die Welt sehen
die Zerstörungskraft
in Kriegen und Katastrophen
in Leid und Not
in Krankheit und Trauer
beide Sichtweisen gehören
zu allen Zeiten
zur Realität
unseres Menschseins
immer
wenn uns die dunkle Seite fesselt
ob durch persönliche Schicksale
wie Krankheit und Tod
durch Trauer und Depression
oder
durch Kriege und Katastrophen
dann können wir sie spüren
diese apokalyptische Schwärze
die uns ins Verderben ziehen will
die uns nur noch
ein Bild von SCHWARZ gibt
uns zu SCHWARZMALERN macht
und wir ersehnen –
manchmal –
geradezu
dass das alles bitte ein Ende haben mag
und da
spricht Jesus
von der Standhaftigkeit im Glauben
spricht von der Hoffnung
über all das hinaus
und
lebt diesen Glauben
auch in Leid und Tod
und
erfährt Auferstehung
nennt mich naiv
doch ich will IHM vertrauen
will mit IHM hoffen
dass ich nicht in der Dunkelheit bleibe
sondern mit IHM
und
durch IHN
das Licht am Ende des Tunnels sehe
das Licht
das alles auf-löst
ja
das alles er-löst
Beatrix Senft 2022
„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ – schön hat er das gesagt, der Dichter Friedrich Hölderlin. Und er spricht etwas an, was die Menschen seit jeher bewegt hat. Wenn Schicksalsschläge ihr Leben erschüttert und sie den letzten Funken Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, dass ihnen nochmals Gutes geschieht. So natürlich auch schon zu den Zeiten Jesu. Auch da warteten viele sehnsüchtig auf Befreiung. Die Römer beherrschten Israel. Viele Menschen waren krank, sozial und gesellschaftlich verelendet. Religiös waren die Menschen verstört und voller Angst.
Nicht wenige haben von Gott erwartet, dass er eingreift. Manche aber schauten auch voller Angst in eine ungewisse Zukunft: Was haben wir noch alles zu erwarten? Der Evangelist Markus scheint diesen Befürchtungen in seinem Evangelium Recht zu geben. Er zeichnet ein turbulentes und düsteres Bild von der Zukunft (13,24–32). Danach werden die Kräfte der Erde und des Himmels erschüttert werden. Man denke an Erdbeben, Überschwemmungen und Hungersnöte. Und es heißt weiter: Die Menschen werden bestürzt und ratlos sein und ohne Orientierung.
Damit will der Evangelist Markus die Menschen aber nicht noch mehr verwirren oder ihnen drohen. Er will sie wachrütteln und ihnen Mut machen: Es gibt auf der Erde keine letzte Sicherheit. Alles ist begrenzt und gefährdet, kurzatmig und vergänglich. Aber sie können Gott vertrauen und von ihm Hilfe, Kraft und Trost erwarten und trotz allem eine letztlich gute Zukunft. Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es bei Gott noch nicht das Ende:
Eine Vertröstung? Nein, eine wunderbare Perspektive, finde ich. Eine Perspektive, die aufatmen und aufrecht gehen lässt. Und was erwarte ich? Dass das auch heute gilt und wir von Gott Gutes erwarten können. Und was ist dieses Gute? Es sei noch einmal gesagt: Dass ich den Mut nicht verliere. Dass ich mich in schwierigen Zeiten nicht verführen und nicht verrückt machen lasse. Was auch immer passiert, die Botschaft der Evangelien will zu keiner Zeit drohen. Sie ist zu jeder Zeit Evangelium. Und das ist die Frohe Botschaft von einer im Letzten guten Zukunft. Wie sie aussieht, weiß ich nicht. Aber ich ahne etwas ganz Großartiges. Ja, ich erwarte etwas unvorstellbar Schönes. Wie wenn sich ein wunderbarer Sonnenaufgang ankündigt, die Sonne aber noch nicht da ist.
Aus: Michael Broch, Jesus – Mit dem Herzen denken und glauben. Stuttgart 2013.
… In unserem Tod wird Christus wiederkommen. Und oft genug erleben die Menschen ihren Prozess des Sterbens in den Bildern, die uns Jesus in seiner Endzeitrede vor Augen hält. Da verdunkelt sich der Himmel. Da fallen Sterne vom Horizont unserer Seele. Da breiten sich auf einmal Hoffnungslosigkeit und Angst aus. Da ist man ratlos „über Toben und Donnern des Meeres“ (Lk 21,25), über all das, was da im Unterbewussten auf einmal hochkommt und das ganze Lebensgebäude erschüttert. „Die Menschen werden vor Angst vergehen in Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert.“ (Lk 21,26)
Der Todeskampf, den wir bei vielen Menschen beobachten können, ist von Angst geprägt vor dem, was da kommt. Man hat keine geistige Kraft mehr, sich gegen die Schmerzen und gegen den Aufruhr der Seele zu schützen. So ist man hoffnungslos dem Sterben ausgeliefert. Doch all diese Bedrängnisse des Sterbens sind nur Vorzeichen dafür, dass der Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit kommen wird, dass er uns im Tod hinführt in sein Reich und in seine Herrlichkeit. Im Lukasevangelium mahnt uns Jesus, mitten in den Bedrängnissen unser Haupt zu erheben: „Denn eure Erlösung ist nahe.“ (Lk 21,28) Hier steht das griechische Wort „apolytrosis“, das Lösung und Befreiung bedeutet. Die Fesseln, die uns gefangen halten, werden gesprengt. Im Tod werden wir von allem befreit, was uns bedrängt und beengt. Wir werden hineingeführt in die Weite des göttlichen Lebens.
Aus: Anselm Grün, Was kommt nach dem Tod, Die Kunst zu leben und zu sterben, Münsterschwarzach 2008.
Wir bitten dich, Gott der Gnade und des ewigen Lebens;
Mehre in uns, stärke in uns die Hoffnung,
schenke uns diese Tugend der Starken,
diese Kraft der Zuversichtlichen,
diesen Mut der Unerschütterlichen.
Dann können wir mutig immer wieder
die Aufgaben unseres Lebens anpacken,
dann lebt in uns die fröhliche Zuversicht,
nicht umsonst zu arbeiten,
dann tun wir unser Werk und wissen, dass Du,
ohne uns, wo unsere Kräfte versagen,
Deine Ehre und dein Heil wirkst,
Du nach Deinem Wohlgefallen.
Stärke in uns Deine Hoffnung.
Amen.
Karl Rahner in: Youcat, Jugendgebetbuch, Georg von Lengerke und Dörte Schrömges (Hrsg).
Ich habe keinen anderen Helfer als dich,
keinen anderen Erlöser, keinen anderen Halt.
Zu dir bete ich, nur du kannst mir helfen.
Die Not ist zu groß, in der ich jetzt stehe.
Die Verzweiflung packt mich an,
und ich weiß nicht mehr ein noch aus.
Ich bin ganz untern,
und ich komme allein nicht mehr hoch
noch heraus.
Wenn es dein Wille ist,
dann befreie mich aus dieser Not.
Lass mich wissen,
dass du stärker bist als alle Not
und alle meine Feinde.
O Herr, wenn ich durchkomme,
dann lass doch diese Erfahrung zu meinem
und dem Heil meiner Brüder beitragen.
Du verlässt mich nicht. Ich weiß das. Amen.
Aus: Peter und Annegret Kokschal, Gebete für das ganze Leben. Benno Verlag Leipzig 2004.
Was will ich
mit meinem Leben?
An schönen Dingen sich erfreuen
erfreut das Herz
Am Bleibenden sich erfreuen
erfüllt das Herz
Worauf hin lebe ich
auf Dauer
in Wirklichkeit
sinnerfüllend
Jesu Botschaft
ist ein Weg
Mein Weg …
kein bequemer
jedoch zielführend
und erfüllend
Die Herrlichkeit der Erden
muß Rauch und Asche werden
kein Fels, kein Erz kann stehn.
Dies, was uns kann ergötzen
was wir für ewig schätzen
wird als ein leichter Traum vergehn
Der Ruhm, nach dem wir trachten,
den wir unsterblich achten,
ist nur ein falscher Wahn;
sobald der Geist gewichen
und dieser Mund erblichen
fragt keiner, was man hier getan.
Es hilft kein weises Wissen
wir werden hingerissen
ohn einen Unterscheid.
Was nützt der Schlösser Menge?
Dem hier die Welt zu enge
dem wird ein enges Grab zu weit
Dies alles wird zerrinnen,
was Müh und Fleiß gewinnen
und saurer Schweiß erwirbt.
Was Menschen hier besitzen,
kann vor dem Tod nichts nützen;
dies alles stirbt uns, wenn man stirbt.
Wie eine Rose blühet,
wenn man die Sonne siehet
begrüßen diese Welt,
die, eh der Tag sich neiget
eh sich der Abend zeiget
verwelkt und unversehens fällt
so wachsen wir auf Erden
und denken groß zu werden,
von Schmerz und Sorgen frei;
doch eh wir zugenommen
und recht zur Blüte kommen,
bricht uns des Todes Sturm entzwei
Wir rechnen Jahr auf Jahre;
indessen wird die Bahre
uns vor die Tür gebracht.
Drauf müssen wir von hinnen
und, eh‘ wir uns besinnen
der Erde sagen: Gute Nacht
Auf, Herz, wach und bedenke,
daß dieser Zeit Geschenke
den Augenblick nur dein.
Was du zuvor genossen
ist als ein Strom verschossen;
was künftig, wessen wird es sein?
Verlache Welt und Ehre,
Furcht, Hoffen, Gunst und Lehre
und geh den Herren an,
der immer König bleibet,
den keine Zeit vertreibet
der einzig ewig machen kann.
Wohl dem, der auf ihn trauet!
Er hat recht fest gebauet,
und ob er hier gleich fällt,
wird er doch dort bestehen
und nimmermehr vergehen
weil ihn die Stärke selbst erhält.
Andreas Gryphius (1650) in: EG 527
Originalfassung unter: http://dick.wursten.be/gryphius_rosa.htm
Die Apokalypse ist eine echte Erfolgsgeschichte. Schon seit Jahrhunderten denkt der Mensch über das Ende der Welt nach. Doch woher rührt unsere Sehnsucht nach dem Untergang?
Der Halleysche Komet am Himmel über Valparaíso, Chile, 1910. Astronomen hatten erklärt, dass giftige Blausäure aus seinem Schweif alles Leben auf der Erde auslöschen könne. Es blieb beim schaurigschönen Schauspie
Am 31. Dezember des Jahres 999, so die Legende, soll Papst Silvester II. mit seiner Ankündigung des bevorstehenden Weltuntergangs eine Massenhysterie ausgelöst haben. Das Leben ging weiter. Apokalypse hat, trotz solcher Fehlprognosen, immer Konjunktur. Allein Martin Luther kommt auf drei Termine binnen zehn Jahren.
Die wohl erste wissenschaftlich geförderte Untergangspanik wird 1910 von einer Annäherung des Halleyschen Kometen ausgelöst. Die Bevölkerung deckt sich mit Gasmasken, Pillen, Anti-Kometen-Schirmen ein.
Die Vorstellung, die Existenz der Welt könne für immer enden, war frühen Kulturen noch weitgehend fremd. Die Götter mochten die Menschen hart strafen, doch erlaubten sie stets auch einen Neuanfang. Die großen asiatischen Religionen lehren bis heute eine Abfolge von Welten, deren Untergang und Erneuerung sich zur zyklischen Wiederkehr des ewig Gleichen fügt. Seit Zarathustra aber, der ein definitives Ende voraussah, verbreitet sich die Idee, die Welt könne unwiederbringlich untergehen.
Die wahrscheinlich bekannteste endzeitliche Fantasie der Christenheit ist die „Offenbarung des Johannes“. Im Römischen Reich wurden die Christen verfolgt, Johannes mahnt die Gemeinden, standfest zu bleiben, denn die Rettung sei nah. Und er malt ihnen aus, wie schon bald Krieg und Pest die Erde verheeren würden: Die Sonne werde sich verfinstern, der Mond rot sein wie Blut. Gepanzerte Heuschrecken mit Reißzähnen und menschlichem Antlitz würden die Überlebenden quälen, feuerspeiende Pferde mit Schweifen aus Schlangen Tod und Entsetzen bringen.
Bis endlich Christus mit dem Heer des Himmels erscheine, die Armeen der Gottlosen niedermache und den Teufel gefangen setze. Die Toten würden auferstehen zum Weltgericht, Märtyrer und Fromme gelangten ins neue, himmlische Jerusalem. Gottes Leugner aber folgten dem Teufel in seine ewige Qual. Und die Erde – sie werde endgültig vernichtet.
Apokalypsen haben in unübersichtlichen Zeiten Konjuktur
Das Ende hat immer dann besonderen Reiz, wenn die Zeiten unübersichtlich und die Verhältnisse schwer erträglich scheinen. Dann häufen sich Propheten, die Umkehr und Buße predigen, und es entstehen Endzeitbewegungen, wie in den 1530er Jahren die Täufer in Münster.
Fast immer kommen astronomische Beobachtungen ins Spiel. Babylonier, Chinesen, präkolumbische Amerikaner, Europäer: Sie alle haben zu diversen Zeiten ehrfürchtig in die Sterne geblickt, um Zeichen zu finden, die von göttlichem Zorn künden.
Apokalypsen sind Erzählungen von den letzten Dingen. Sie lassen uns schaudernd in einen Abgrund blicken, der tiefer nicht sein könnte. Faszination des Grauens: Millionen werden heute, da sich Hollywood ihrer angenommen hat, mit Endzeitvisionen verdient. Doch bisher galt stets: Es gibt immer einen „Day after“.
Warum wir vor lauter News die Nachrichten übersehen - in ihrem Sachbuch erklärt die Neurowissenschaftlerin Maren Urner, warum uns die Informationsflut der modernen Medien überfordert und welche Auswege es gibt.
Egal ob morgens in der Zeitung, abends im TV oder gleich den ganzen Tag im Liveticker auf dem Smartphone: Kriege, Skandale, Terroranschläge, Katastrophen. Der Welt scheint es so schlecht zu gehen wie noch nie, und in Zukunft wird alles noch schlimmer. Diese Sicht der Dinge drängt sich auf, wenn wir uns in den Medien über den Zustand der Welt informieren.
Maren Urner warnt vor den fatalen Auswirkungen dieser Art von Berichterstattung: Wir sind ständig gestresst, unser Gehirn ist dauerhaft im Angstzustand, und unsere Sicht auf die Welt wird durch Schwarz-Weiß-Malerei und Panikmache verzerrt. So gewinnen wir keinen Überblick über die Geschehnisse, sondern bleiben überfordert und hilflos zurück.
Mit ihrer wissenschaftlichen Expertise erklärt die Autorin, was in der modernen Medienwelt schiefläuft und wie unser Steinzeithirn täglich von der digitalen Informationslandschaft überfordert wird. Als Gründerin von Perspective Daily berichtet Maren Urner aber auch von einer Alternative: von einem Online-Magazin, das lösungsorientiert berichtet. Als Neurowissenschaftlerin und Vorreiterin des Konstruktiven Journalismus in Deutschland erzählt sie von einer Berichterstattung, die uns nicht hoffnungslos zurücklässt, aber auch nichts schönreden will – inklusive interaktivem Crashkurs in kritischem Denken.
Maren Urner studierte Kognitions- und Neurowissenschaften in Deutschland, Kanada und den Niederlanden und promovierte am University College London. 2016 gründete sie Perspective Daily mit, das erste werbefreie Online-Magazin für Konstruktiven Journalismus. Seit Oktober 2019 ist sie Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln.
»Sobald mich meine Berufskrankheiten Zorn, Angst oder Verzweiflung befallen, lese ich Maren Urner. Klug und mit frischer Schärfe zeigt sie, was ein verantwortungsvoller Journalismus leisten kann.« Hajo Schumacher.
An jenem Tag, der kein Tag mehr ist —
vielleicht wird er sagen
Was tretet ihr an
mit euren Körbchen voller Verdienste,
die klein sind wie Haselnüsse
und meistens hohl?
Was wollt ihr
mit euren Taschen voller Tugenden,
zu denen ihr gekommen seid
aus Mangel an Mut,
weil euch die Gelegenheit fehlte
oder
durch fast perfekte Dressur?
Habe ich euch
davon nicht befreit?
Wissen will ich:
Habt ihr die anderen
angesteckt mit Leben
so wie ich?
Joachim Dachsel, in: W. Bruners/W. Schwarz, Und es kam die Zeit. Ein Weg durch das Lukas-Evangelium, Beerenverlag Frankfurt 2000.
Freier Geist
lässt sich nicht festnageln
nicht umbringen
als Messias
ersehnt
erwartet
erkannt
verkannt
verachtet
um’s Leben gebracht
Jesus und der Verbrecher
auf Augenhöhe
Am Kreuz
erniedrigt
und
erhöht
Entwürdigt
Aufrecht
In königlicher Würde
Würde ich
einen anderen Weg
wählen?
Eine existentielle Frage
nicht nur
in Zeiten wie diesen …
Das Kometenlied ist ein berühmtes Wiener Couplet aus der Posse Der böse Geist Lumpacivagabundus (UA: April 1833) von Johann Nestroy. Die Musik stammt von Adolf Müller senior. Den Text hatte Nestroy bereits für die nicht aufgeführten Possen Genius, Schuster und Marqueur sowie Der Feenball geschrieben (allerdings noch ohne die Musik Müllers) und danach im Lumpacivagabundus verwendet.
Das Kometenlied beklagt den Verfall der Welt und die Torheit der Menschen und sagt den Weltuntergang, hervorgerufen durch einen auf die Erde stürzenden Kometen, voraus. Der Refrain lautet: „Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang.“
Das Kometenlied wurde ursprünglich von Nestroy selbst in der Rolle des Knieriem gesungen, welcher als einzige Figur an die letztendlich doch nicht eintretende zerstörerische Wirkung des Kometen glaubt. Es ist im dritten Akt die achte Szene und wird von einem pseudowissenschaftlichen Monolog eingeleitet, in dem Astronomie und Astrologie vermischt werden und der Nestroys Komik berühmt machte. – Viele österreichische Schauspieler haben es interpretiert und mit aktuellen Zusatzstrophen angereichert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kometenlied - 08-11-2015
Streit ums Geld, Debatte über die richtige Strategie - konkrete Beschlüsse? Ab Montag tagt die Uno-Klimakonferenz in Marrakesch: Fragen und Antworten zu einer verzwickten Veranstaltung.
Von Axel Bojanowski
Mehr:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/uno-klimakonferenz-in-marrakesch-was-der-gipfel-bringt-und-was-nicht-a-1119885.html
spiegel.de - 08-11-2016.
[HTML] Das ist dieses Jahr, von dem man reden wird
Das ist dieses Jahr, von dem man schweigen wird.
Die Alten sehen die Jungen sterben.
D je Törichten sehen die Weisen sterben.
Die Erde trägt nicht mehr, aber sie schluckt.
Der Himmel wirft keinen Regen, sondern nur Eisen.
Aus: Die Gedichte von Bertolt Brecht in einem Band. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995 (1981).
Herr, sei du vor mir,
um mir den Weg zu zeigen.
Herr, sei du neben mir,
um mich in deine Arme zu schließen
um mich zu schützen.
Herr, sei du unter mir,
um mich aufzufangen,
wenn ich falle,
um mich aus der Schlinge zu ziehen.
Herr, sei du um mich herum,
um mich zu verteidigen,
wenn andere über mich herfallen.
Herr, sei über mir, um mich zu segnen.
4. Jahrhundert.
Aus: Peter und Annegret Kokschal, Gebete für das ganze Leben. Benno Verlag Leipzig 2004.

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Das Buch Maleachi wird als anonyme Prophetenschrift angesehen. Da Maleachi jedoch als Personenname möglich ist, kann diese Annahme freilich nicht hundertprozentig bewiesen werden. Als Anhaltspunkte für eine ungefähre Datierung dieser Schrift gibt es nur wenige Hinweise. Aufgrund der Hinweise nimmt man an, dass die Schrift in der Periode der Perserherrschaft (1. Hälfte des 5. Jhdt. vor Chr.) zu datieren ist.
Hintergrund des Prophetenwortes ist die Klage, dass die Priester und das Volk Gott und die Zeit nicht mehr ernst nehmen. Es wird vom "Tag Jahwes" gesprochen, der als Gerichtstag über die Gottlosen geschildert wird. Der kommende Tag wird - in bildreicher Sprache - verglichen mit einem brennenden Backofen. Damit ist Gottes Zorn ausgedrückt.
Im Gegensatz zu diesem Geschehen wird denen, die Jahwe fürchten und ehren versprochen, dass die "Sonne der Gerechtigkeit" aufgehen wird. Das Aufgehen des Lichts, das die Finsternis vertreibt, kann ein Bild für Jahwes Epihanie sein; die geflügelte Sonnenscheibe ist eine bekannte altorientalische Darstellung. Ihre Flügel repräsentieren Heilung. Die alte Kirche deutet die Verheißung von der "Sonne der Gerechtigkeit" messianisch und sah sie in Jesus Christus erfüllt.
In den meisten Kulturen der Antike ist der Sonnenkult reichlich vorhanden. Die Sonne wird bei den Syrern wie auch bei den Ägyptern als eine Gottheit verehrt. Die Sonne spendet jeden Morgen erneut Licht, Leben und Wärme. Selbst in Israel ist die Versuchung des Sonnenkultes eine über viele Jahrhunderte hindurch dauernde Gefahr. In der Bibel selbst ist die Sonne ein Geschöpf, das von Jahwes Macht zeugt. Im Buch Jesus Sirach heißt es: "Die Sonne geht auf und erglänzt in vollem Licht, ein staunenswertes Gestirn, das Werk des Höchsten ... Ja, groß ist der Herr, ihr Schöpfer, sein Wort lässt seinen Helden erstrahlen" (Sir 43,2-5).