Im Laufe einer "Google-Recherche" (das ist eine beliebte Suchmethode im Internet) mit dem Stichwort "Patchworkfamilien" stellte sich für mich heraus: "Das ist alles nicht so einfach". Als Patchworkfamilien werden Familien bezeichnet, die nicht der Grundform der Familie entsprechen: Mutter, Vater, Kinder. Meist sind es Familien, in denen ein Partner ein oder mehrere Kinder aus einer vorangegangenen Beziehung oder Ehe mitgebracht hat. Es genügt nicht, dass die beiden Ehepartner eine tragfähige Beziehung zu einander aufbauen, auch die Kinder müssen erst in das neue Beziehungsgeflecht hineinfinden. Und das macht das Leben in einer Patchworkfamilie eben nicht so einfach.
Angesichts dieser Schwierigkeiten werde ich umso dankbarer für die konkrete Familie, in der ich selbst aufgewachsen bin. Ich muss mir aber verkneifen, für ein reguläres Familienideal schwärmen zu beginnen und den moralischen Zeigefinger gegen andere Familienformen zu erheben. Mein Vater ist auch in einer Patchworkfamilie aufgewachsen. Man hat das damals nicht so bezeichnet. Mit zweieinhalb Jahren verlor er im Jahre 1914 beide Elternteile. Seine Tante, deren Ehe kinderlos war, hat ihn nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter - der Vater war im selben Jahr im Krieg gefallen - mit nachhause genommen. Später hat sie und ihr Gatte ihre Familie mit "Geschwistern" aus anderen von Schicksalschlägen getroffenen Familien der Verwandtschaft ergänzt.
In der Kirche wird neben dem Familienideal auch noch das Ideal des ehelosen Lebens hoch gehalten. Der Religionslehrer der Ordensschule, die ich besuchte, bemühte sich, den Spagat herzustellen zwischen der Wertschätzung des Ehe- und Familienlebens und der Wertschätzung des ehelosen Lebens der Priester und Ordensleute, die Jahrhunderte lang von Theologen als der Berufung zum Ehestand überlegen eingestuft wurde.
Der Rückblick auf Jesus, der gerne zur Lösung kniffliger Wertefragen herangezogen wird, vergrößert die Verwirrung. Er selbst war unverheiratet. Damals ein Affront gegen die im Judentum herrschende Einstellung. Jesus selbst war so sehr Prophet, dass seine Verwandten ihn für verrückt hielten. Als sie ihn einmal sozusagen aus dem Verkehr ziehen wollten, wies Jesus auf seine Zuhörer und ließ seinen Verwandten samt der Mutter ausrichten: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter. Die Zugehörigkeit zum Reich Gottes und das Erfüllen des Willens Gottes ersetzte für ihn das damalige Familienideal.
Das Fest der Heiligen Familie muss meist dafür herhalten, die Idealisierung der Familie religiös zu stützen. Das Idealbild der Familie ist in unserer Zeit aber ziemlich angeschlagen. Die hohe Scheidungsrate bringt in einer großen Zahl die besagten Patchworkfamilien hervor. 59 % der Kinder wurden im Jahre 2006 in Österreich unehelich geboren.
Die Ursachen dieser Entwicklung liegen weniger darin, dass die Familie nichts mehr gilt. Im Gegenteil, die Jugendwertestudien zeigen, dass Familie und Beziehung nach wir vor zu den höchsten Werten der Jugendlichen zählen; und das nicht nur aus religiösen Motiven heraus. Der hohe Wert der Familie und partnerschaftlicher Beziehungen steht allerdings neben anderen Werten wie persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Meist lassen sich nicht alle diese Werte gleichzeitig unter einen Hut bringen.
Viele Funktionen, die früher den Familien zukamen, hat heute der Staat übernommen: Alterssicherung, Krankenvorsorge usw. Es scheint heute eher so zu sein, dass viele Menschen den eigenen hohen Ansprüchen an Beziehung und Familie nicht gewachsen sind.
Das Vorbild der Heiligen Familie scheint mir wenig geeignet, das Familienideal zu restaurieren. Wenn wir genau hinschauen: So ideal war auch die Heilige Familie nicht. Sie entsprach weder dem Ideal der damaligen Gesellschaft, noch würde sie heute als Ideal durchgehen. Romantisierungen helfen wenig weiter.
Um in der Familienpolitik weiter zu kommen, muss man nach anderen Mitteln greifen. Es gilt die Frage zu lösen, wie lassen sich persönliche Beziehungen, Familie, Kinder und Beruf besser vereinbaren. Wie kann man verhindern, dass aus der Sorge für Familie und Kinder wirtschaftliche und gesellschaftliche Nachteile entstehen.
Für mich gibt es tiefere Gründe, Maria, Josef und Jesus als Heilige Familie zu feiern. Sie verkörpern Haltungen, die für das Leben als Familie notwendig sind und die zugleich das eigene Leben heiligen.
Josef und Maria tun alles, um ihrer Verantwortung für ihr Kind gerecht zu werden. Sie nehmen jede Strapaz auf sich, das Kind vor jenen zu retten, die ihm nach dem Leben trachten. Zuvor schon haben sie alles getan, ihre Beziehung zu retten.
Maria und Josef können Vorbild sein für das Lösen von Krisen. Es ist Josef hoch anzurechnen, dass er über gängige Männlichkeitsideale hinausgewachsen ist. Es ist ihm auch in religiöser Hinsicht hoch anzurechnen, dass er über die gängigen Vorstellungen von Rechtschaffenheit hinausgewachsen ist und Maria trotz aller Bedenken zur Frau genommen hat.
Maria hat es bestimmt nicht leicht gehabt mit ihrem Sohn Jesus. Er war bestimmt kein Sohn zum Herzeigen, zum Stolzsein. Seinetwegen hat sie viel mitgemacht und hatte sie viel auszuhalten vonseiten der Verwandten und vonseiten der Mitbürger in Nazareth. Sie ist zu ihm gestanden bis zu seinem Tod.
Heilig und in diesem Sinn Vorbild ist diese Familie jedoch noch durch eine ganz andere Haltung. In den biblischen Erzählungen werden uns die Eltern Jesu als Personen vorgestellt, die ganz auf Gott ausgerichtet sind und auf seinen Willen hören. Wenn Jesus jene als seine neuen Familienangehörigen betrachtet, die den Willen Gottes erfüllen, dann sind Maria und Josef prominente Mitglieder dieser neuen Familie. Das Ja Mariens Gott gegenüber ist zum Inbegriff gläubigen Gehorsams geworden. Ähnlich die Einwilligung Josefs in den Plan Gottes. Nicht zufällig treffen wir nach der Himmelfahrt Jesu Maria mitten im Kreis der Apostel, die mit ihnen betend auf die Sendung des Heiligen Geistes wartet.
Diese menschlichen und religiösen Haltungen heiligen auch heute die Familien. Im übertragenen Sinn gelten sie jedoch auch für alle anderen Lebensformen. Es geht weniger um die äußere Form der Familien. Die hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gewandelt. Jede Epoche hat ihre eigenen Ideale gepflegt. Die Lösung kann nicht darin liegen, verschiedene Familienformen gegen einander auszuspielen.
Jede Art von Lebensgemeinschaft, seien es Klein- oder Großfamilien, Patchworkfamilien, Lebenspartnerschaften, auch Ordens- und Pfarrfamilien ist zur Heiligkeit berufen und bedarf des Strebens nach Heiligkeit mit Hilfe der menschlichen und religiösen Haltungen, die wir an Jesus, Maria und Josef bewundern.
Im heutigen Evangelium ist von der Flucht nach Ägypten die Rede. Jesus hatte zu Beginn seines Lebens kein Zuhause! Aber dann - nach dem Tod des Herodes - wird Josef angewiesen, nach Israel zu ziehen. Dort lässt er sich mit Maria und Jesus in einer Stadt namens Nazareth nieder. Jesus ist nun in Nazareth zu Hause.
Als ich vor etlichen Jahren mit Religionslehrerinnen und Religionslehrern im Heiligen Land war, besuchten wir auch Nazareth. Der Ort war für viele mit großen Erwartungen aufgeladen. Von Kindesbeinen an hatten sie von Nazareth gehört. Aber Nazareth ist kein Idyll. Sie waren von der Stadt enttäuscht. Ich sagte ihnen: "Ja, das ist Nazareth: eine enttäuschende Stadt! Zur Zeit Jesu noch mehr als heute war Nazareth ein Provinznest." Aber dort war er zu Hause.
Jemand kann sagen: Er ist nicht mehr auf dieser Erde zu Hause. Er ist im Himmel. Stimmt. Dennoch ist er auch hier zu Hause!
In der Lesung aus dem Brief an die Christengemeinde von Kolossä heißt es heute: "Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch"! Das Wort Christi kann bei uns wohnen! Und in seinem Wort ist er selber anwesend! "In euren Herzen wohne der Friede Christi!" Er selber ist es, der uns seinen Frieden erfahren lässt. Er selber ist in uns da! In uns und bei uns! "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!" Er kann bei uns zu Hause sein, wenn wir in seinem Sinne leben.
Jesus lebte mit Josef und Maria in Nazareth. Nun, da er beim Vater lebt, ist er nicht mehr an Raum und Zeit gebunden. Er kann und möchte bei uns wohnen, in uns und unter uns. Wir können ein Haus für ihn bauen, eine Wohnung für ihn herrichten, wenn wir so leben, wie es uns die Lesung sagt. Dann kann Nazareth auch in der Kaulbachstraße oder Königinstraße oder … sein!
Einige Erinnerungen an die gehörte Lesung aus dem Kolosserbrief für unseren Hausbau, für das Einrichten unserer Wohnung für ihn:
Jetzt feiern wir Eucharistie, die große Danksagung: Wir danken dem Vater, dass er uns in Jesus sein Wort schenkt. Wir danken Jesus, dass er uns zu seinen Freunden macht und zu seiner Familie. Wir danken dem Geist Gottes, dass er uns die Art lehrt, wie wir bei Gott zu Hause sein können.
Herr, unser Gott,
in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt.
Gib unseren Familien die Gnade,
daß auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben
und einander in der Liebe verbunden bleiben.
Führe uns alle zur ewigen Gemeinschaft in deinem Vaterhaus.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Heilige Familie
Herr, unser Gott,
am Fest der Heiligen Familie
bringen wir das Opfer der Versöhnung dar.
Höre auf die Fürsprache
der jungfräulichen Gottesmutter
und des heiligen Josef.
Erhalte unsere Familien in deiner Gnade
und in deinem Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Heilige Familie
(für Wortgottesfeiern)
Guter Gott,
wir haben allen Grund dir zu danken.
denn du hast uns durch Jesus, deinen Sohn,
der das Leben mit uns geteilt hat, geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er ist Mensch geworden und hat Höhen und Tiefen
menschlichen Lebens erfahren.
Durch sein Leben in einer menschlichen Familie
hat er die Familie geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch sein heiliges Leben hast du auch uns zur Heiligkeit berufen.
Er gab uns die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Seinetwegen hast du uns als deine Töchter und Söhne angenommen.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er hat uns vorgelebt, wie auch wir heilig und untadelig vor dir leben können,
wie wir einander in Liebe begegnen, einander verzeihen
und miteinander in deiner Gnade leben können.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch ihn gabst du uns jetzt schon Anteil am Frieden deines Reiches
und an der Fülle des Lebens, das du für deine Kinder bereit hältst.
Daher stimmen wir ein in den Lobgesang aller,
die in ihrer Heiligkeit bereits vollendet sind:
Danklied: z. B. GL 247: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Gott, unser Vater,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gestärkt.
Bleibe bei uns mit deiner Gnade,
damit wir das Vorbild der Heiligen Familie nachahmen
und nach der Mühsal dieses Lebens
in ihrer Gemeinschaft das Erbe erlangen,
das du deinen Kindern bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Fest der Heiligen Familie
Eine Folge der immer höher werdenden Zahl von Trennungen und Scheidungen ist auch die steigende Zahl von Stieffamilien. Denn Partner, die sich getrennt haben, gehen selbstverständlich häufig auch neue Partnerschaften ein und gründen neue Familien. In dieser neuen Familie bringt die Frau Kinder mit, deren Vater woanders lebt. Diese sog. "Stiefvaterfamilien" sind die häufigste Form der Stieffamilie, weil nach einer Trennung die Kinder meist bei der Mutter bleiben. Aber auch der Mann kann eigene Kinder, die bei ihm leben, in die neue Beziehung mitbringen, während die Mutter dieser Kinder woanders, vielleicht schon in einer anderen Beziehung, lebt. Solche "Stiefmutterfamilien" haben es meist schwerer. Denn die Erwartungen an eine Mutter sind umfassender als an einen Vater. Selbst der aufopferndste Einsatz der Stiefmutter wird von den Kindern (auf Grund ihrer Loyalität zur leiblichen Mutter) selten belohnt.
Wenn beide Partner Kinder in die neue Beziehung mitbringen ("zusammengesetzte Stieffamilie")**, ist jeder der beiden Partner also zugleich Vater oder Mutter eines leiblichen Kindes und Stiefvater oder -mutter des Kindes des Partners. Die Situation wird noch komplizierter, wenn sich Paare nach einer zweiten oder dritten Trennung zusammenfinden.
Und oft bekommt dieses Paar noch neue gemeinsame Kinder. Für die schon mitgebrachten Kinder bedeutet das: Die Rollen auf der Geschwisterebene müssen neu verteilt, Privilegien aufgegeben, neue Verantwortlichkeiten übernommen werden.
Die Kinder bringen so ihre unterschiedliche Geschichte und durchaus verschiedene Vorstellungen vom Familienleben mit. Einfluss auf die Kinder und über die Kinder auf die neue Familie haben meistens zusätzlich auch die von ihnen getrennt lebenden Elternteile nebst den dazugehörigen Großeltern. Die Stiefgeschwister, die über die neue Partnerschaft zusammengewürfelt werden, hatten dabei nicht die Chance, sich wie Freunde auszuwählen, sondern müssen in der neuen Familie erst lernen miteinander auszukommen.
Ich denke hier an ein Beispiel: Eine Frau, die nach ihrer Trennung mit ihren zwei Söhnen (Max und Moritz) im Alter von 8 und 6 Jahren eine Weile allein gelebt hatte, lernt einen Mann kennen, der mit seiner 8-jährigen Tochter (Paula) ebenfalls allein lebt. Sie beschließen zusammenzuziehen: Die Frau zieht mit ihren beiden Söhnen in die 3-Zimmer-Wohnung des Mannes. Hier nur zwei von mehreren Konfliktsituationen: Die drei Kinder müssen sich auf einmal das Kinderzimmer teilen, in dem Paula vorher allein belebt hat. Wogegen sie sich heftig sträubt! - Paula sieht ihre Mutter einmal wöchentlich zu einer bestimmten Zeit. Der Vater von Max und Moritz hat nur sporadisch Kontakt und zahlt auch keinen Unterhalt. Auch die Großeltern der neuen Partner verhalten sich sehr unterschiedlich: Die Eltern und Geschwister der Frau akzeptieren Paula voll und nehmen sie in die Familie auf. Die Eltern des Mannes versuchen, Max und Moritz zu ignorieren.
Natürlich gibt es in der neuen Familie auch noch die üblichen Paarprobleme, wie sie in Partnerschaften ohne mitgebrachte Kinder vorkommen. Das Konfliktpotential der Stieffamilie ist aber ungleich größer als in einer "Normalfamilie", somit auch die Gefahr, dass die Partner von der Massierung der Schwierigkeiten überrollt werden und sich am liebsten wieder trennen möchten. Deshalb verdienen Stieffamilien, und das ist in Deutschland heute etwa jede sechste Familie, das besondere Interesse einer psychologischen Beratungsstelle.
Zunächst gilt es, mit dem Paar zu schauen, was sie verbindet und was sie bis jetzt trotz aller Probleme gut geschafft haben. Das ist wichtig, weil Paare das oft gar nicht mehr wahrnehmen, wenn die Probleme über ihnen zusammenschlagen. Es wird ihnen auch leichter wieder präsent, wenn jemand von außen (in diesem Fall der/die BeraterIn) diese ihre Leistung anerkennt.
Als nächstes besteht dann die Möglichkeit, Lösungen für konkrete Detailprobleme zu erarbeiten, durch die sich die Gesamtsituation schon etwas entspannen kann. Im Fallbeispiel: Paula und Max + Moritz bekamen im Kinderzimmer klar abgegrenzte eigene Bereiche, und Max durfte abends, weil sein Licht die beiden anderen störte, noch 20 Minuten im Wohnzimmer lesen.
Das Paar erkennt aber, dass es sich für die Lösung der komplexeren Probleme mehr Zeit nehmen muss. Hierzu wird auch gehören, dass im Einzelfall auch der persönliche Hintergrund der Partner beleuchtet werden muss. Gerade in Stieffamilien macht es fallweise durchaus Sinn, die Kinder in die Beratung einzubeziehen. Ein Problembereich kann das Vorhandensein einer "sekundären Stieffamilie" sein, d.h. der neuen Familie des abwesenden Elternteils. Die Kinder werden sich meist beiden Familien zugehörig fühlen. Hier müssen Wege gefunden werden, die Grenzen der neuen ("primären") Stieffamilie zu betonen, ohne die Beziehung zu den außerhalb Lebenden zu behindern.
Wichtig ist, dass alle Beteiligten wissen: Sie brauchen viel Geduld, nicht nur mit den anderen, sondern auch mit sich selbst. Schließlich hat sich herausgestellt, dass Stief-/ Patchwork-Familien etwa 5 Jahre brauchen um zusammenzuwachsen. Die Geduld hat dann aber auch ihren Lohn: So entwickeln die Kinder einer solchen Patchworkfamilie durch die wesentlich höhere Zahl von ihnen wichtigen Bezugspersonen und durch die höhere Familiendynamik eine deutlich höhere Sozialkompetenz.
Von Hanne Reutti * * Die Verfasserin ist Juristin und Mediatorin (BAFM) und als Ehe-, Familien- und Lebensberaterin in der Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle, Nelkenstr. 17 in 76135 Karlsruhe, tätig. http://www.eheberatung-karlsruhe.de/seiten/patchwork.htm
Morgen ist Weihnachten. Die glücklichen Erinnerungen daran liegen so weit zurück, daß sie vielleicht ja auf reiner Einbildung basieren. Man hatte es da immerhin noch nicht mit einem alten, tollwütigen Vater zu tun, der auf einmal meine lieben und klugen Stiefkinder niederschreit, weil die gelernt haben, ehrlich ihre Meinung zu äußern. Auch über den Papst. Ich war derart erstaunt, da derselbe Vater vor zwanzig Jahren derbe Papstwitze zum Besten gab, daß ich erst mal alle niederschrie, um einen einigermaßen fragilen Frieden in der Familie wieder herzustellen. Zumindest geht der jetzt erst mal so weit, daß wir uns alle zu Weihnachten noch brav beschenken, und die Kinder sich wieder artig bei ihren Großeltern am Telefon bedanken. Glücklicherweise liegt das Jahr über eine gewisse Distanz zwischen meinem leicht reaktionären Vater, meiner Stiefmutter und den links orientierten Kindern meines Mannes, mit denen ich immerhin schon seit zehn Jahren zusammenlebe. Doch auch in seiner Familie lässt sich kurioses entdecken. Mein Schwager, seines Zeichens ebenfalls Vater, überraschte die vorweihnachtliche Runde durch absolute Unkenntniss seiner Sprösslinge, die bei seiner Exfrau leben, indem er altklug die Übersetzung eines lateinischen Zitates von seinem Sohn verlangte. Er schaute nicht schlecht, als man ihm mitteilte, besagter Sohn hätte niemals Latein in der Schule gehabt. Meine Stieftochter hätte die Übersetzung parat gehabt, doch sie ist vorsichtig geworden, wenn es um die Familie geht.
Dieses Jahr sind die Kinder am Heiligabend bei ihrer Mutter, und ich verbringe die glücklichsten Stunden des Jahres mit meinem Mann und meiner Schwiegermutter alleine unter dem Weihnachtsbaum. Ich sehne schon jetzt den nächtlichen und befreienden Gottesdienst herbei, wo ich all meine bösen Gedanken bereuen und mich auf die Kinder am nächsten Tag freuen kann, die uns den Familienstress durch ihre fröhliche und lautstarke Weihnachtsfreude wieder vergessen lassen.
"koboldine" (Nickname im Internet, Pseudonym) http://kommentare.zeit.de/user/koboldine/beitrag/2007/12/23/frohe-weihnachten-patchworkfamilie
"Wenn wir schon keine Vorbilder sind, so haben wir wenigstens unsere Feindbilder."
Und es erhebt sich tatsächlich die Frage, ob wir Erwachsenen noch Vorbilder für die Jugend sind. Wer um sich schaut, der kann sich des Gefühls nicht erwehren: Wie eine Welle, ja so unaufhaltsam wie ein Krieg, kommt der Verlust von traditionellen Werten auf uns zu. Und mit diesem Werteverlust machen wir uns unseren eigenen Krieg. Ein Wert war, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Man hat von den Problemen anderer Menschen oder Länder auf sich selbst oder sein Land geschlossen: Was kann ich selbst/können wir besser machen, damit mir/uns dies und jenes nicht passiert, was könnte ich/könnten wir ändern? Gewissenserforschung ist aber heutzutage nicht mehr in. Statt dessen wird verdrängt und zum Einschlafen eine Tablette genommen.
Ein Wert war die Ehe, heute reden viele mit den eigenen Kindern nur noch vom Zusammenziehen. Früher arbeitete man Enttäuschungen auf, indem man beispielsweise einem Priester das Herz ausschüttete oder auch bei sich einen Anteil an Schuld suchte. Heute staut man die Wut auf oder gibt die Aggressionen an Schwächere weiter oder zieht sich völlig in sich zurück. Fazit: Die ganze Welt ist schlecht!
Früher lebte der Mensch aus einer Mitte, aus der er auch den Sinn, das Wozu des Leidens zu verstehen suchte und annehmen konnte. Heutzutage hat sich der Mensch "aus der Gotteskindschaft herausgelöst". Er hat keinen Vater des Vertrauens mehr. Er fühlt sich im Leid verlassen, flüchtet sich zu Wahrsagern und Tischerückern. Oder in die Welt der Depression, der Obdachlosigkeit, des Alkoholismus.
Früher übernahm ein Paar Verantwortung für die Kinder. Heute wird der Partner verlassen, sobald man sich mißverstanden fühlt, ohne Rücksicht auf die Kinderseelen. "Sie werden es schon verkraften." Aber es ist ein Teufelskreis: die spätere Ehe muß leider auslöffeln, was die Erziehung ein-gebrockt hat. Die Kinder brauchen keinen Freizeitvater, der mit großen Geschenken an Sonntagen um die Gunst der Kinder wirbt, sie brauchen für die Entwicklung zwei ehrliche Elternteile, mit denen sie Probleme besprechen können, die nicht immer nur vor dem Fernseher herumlungern und ihre Angst vor einem Gespräch in der Familie pflegen, mit denen sie sich identifizieren können. Menschen mit Fehlern und Schwächen, die auch gelernt haben zu streiten.
Ein Wert war sicher auch das Verzeihen. Heute ist ein Seitensprung Grund genug, sich zu trennen. Wegwerfgesellschaft! Früher baute man auf gemeinsamer Ehegeschichte, heutzutage verdrängt man sie und baut allzurasch mit einem anderen Partner an einer neuen Geschichte. Ein Wert war das Feiern von Festen, von Sonntagen.
Sicher, es gibt sie noch: Liebe statt Egoismus, Verantwortung statt Verantwortungslosigkeit, Kraft aus dem Glauben. Es gibt Paare, die zur Beratung gehen und miteinander kämpfen. Es gibt welche, die Seminare in Bildungshäusern besuchen und ihre Beziehung pflegen. Es gibt sie, die sich in uneigennütziger Weise für Kinder einsetzen, nur, diese Paare sind so leise. Und die anderen sind so laut - so ansteckend laut ...
Aus: Elisabeth Schöffl-Pöll, Von Töchtern, Müttern und Großmüttern. Geschichten ind Dur und Moll. Butzon & Bercker Verlag Kevelaer, Klens Verlag Düsseldorf 1996.
Christliche Heiligkeit verwirklicht sich dabei vor allem in der Zugehörigkeit zu Gott, dem wahrhaft Heiligen, der »der dreimal Heilige« ist (Jes 6,3). Heilig ist einzig und allein Gott; und wir Menschen vermögen nur dadurch heilig zu werden, dass wir uns ganz in Gott hinein-verwurzeln. Von Gott selbst muss deshalb die Rede sein, wenn wir von Heiligkeit und von heiligen Menschen sprechen. Denn dort ist im Tiefsten gegeben, was unsere Kirche einen Heiligen nennt, wo das Ur-teil des Glaubens den Mut aufbringt, von einem konkreten Menschen zu bekennen, dass Gott bei ihm endgültig angekommen ist: Eine Heilige, ein Heiliger ist ein Mensch, der so offen und empfangsbereit für Gott ist, dass Gott wirklich bei ihm Ankunft, Advent, halten kann. Wenn wir Heilige verehren, dann ehren und loben wir Gott und seinen siegreichen Advent bei diesen konkreten Menschen, wie wir es in der Präfation von den Heiligen besingen: »Die Schar der Heiligen verkündet deine Größe, denn in der Krönung ihrer Verdienste krönst du das Werk deiner Gnade.«
Das Glaubenszeugnis der Heiligen fordert uns heraus, auch heute nach dem Willen Gottes zu suchen und in tiefer Gemeinschaft mit Gott zu leben. Diese Zugehörigkeit zu Gott ist uns geschenkt in unserer Taufe. Mit ihr sind wir in Christus einverleibt und damit in die Heiligkeit Gottes eingetreten. Heilig werden und als Getaufte leben ist des-halb identisch. Nur wenn wir diese Berufung zur Heiligkeit in ihrer wahren Tiefe und Strahlkraft wiederentdecken und nur wenn die einzelnen Christen ihr Christsein als ihre Berufung realisieren und als Getaufte leben, werden wir wieder mehr Berufungen zum geistlichen Leben und zum kirchlichen Dienst finden: »Nur aus der Quelle des neuen Lebens, das in der Taufe mitgeteilt wird, erfließen die Charismen, Dienste und Ämter für die Kirche.« Diese hellsichtigen Worte von KARL KARDINAL LEHMANN machen deutlich, dass die Verlebendigung des Taufbewusstseins zu den ersten pastoralen Prioritäten in der heutigen Kirche gehört und dass die vornehmliche Sorge der Kirche darin bestehen muss, den Menschen zu helfen, auf den Ruf Gottes in ihrem eigenen Leben zu hören und ihre ureigene Antwort auf die-sen Ruf Gottes geben zu können. Denn wenn uns Gott beim Namen gerufen hat, dann erwartet er von uns auch eine persönliche Antwort. Und wenn Gott, der Heilige beruft, dann ruft er uns zu einem heiligen Leben, das sich ausrichtet an seinem Willen zum Heil.
Aus: Kurt Koch, Bereit zum Innersten. Für eine Kirche, die das Geheimnis lebt. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Gott, ich danke dir für die Menschen,
die du an meine Seite gestellt hast,
Eltern, Kinder und Ehepartner,
Verwandte, Freunde und Nachbarn,
Frauen und Männer,
mit denen ich zusammen arbeite,
mit denen ich durch die Gemeinde,
die Kinder, die Freizeit, die Politik,
eine Krankheit oder eine Aufgabe
verbunden bin.
Ich danke dir, dass sie alle
von dir geliebt sind, du Gott der Liebe,
dass sie in deinen Augen
unendlich kostbar und wertvoll sind.
Ich danke dir für ihre Liebe und Freundschaft,
ihren Einsatz und ihren guten Willen.
Ich danke dir für ihre wohlwollende Kritik an mir,
für manche Skepsis gegenüber meinen Gedanken
und meinen gut gemeinten Vorschlägen.
Ich danke dir auch für die Menschen,
die mich mit ihrer Ablehnung
und Gegnerschaft herausfordern.
Sie helfen mir, mein Handeln und Denken
zu überprüfen und zu lernen,
allen Menschen in Achtung zu begegnen.
Aus: Rainer Haak, Dir neu begegnen. Gebete und Segensworte. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2004.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
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