Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus:
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut,
die Vergebung der Sünden
nach dem Reichtum seiner Gnade.
Durch sie hat er uns reich beschenkt,
in aller Weisheit und Einsicht,
er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan,
wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat in ihm.
Er hat beschlossen,
die Fülle der Zeiten heraufzuführen,
das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen,
was im Himmel und auf Erden ist, in ihm.
In ihm sind wir auch als Erben vorherbestimmt
nach dem Plan dessen, der alles so bewirkt,
wie er es in seinem Willen beschließt;
wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt,
die wir schon früher in Christus gehofft haben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Maria: sie steht in der Reihe der großen Erwählten in der Heiligen Schrift und der Menschheitsgeschichte. Denken wir dabei nur an Abraham, an Moses, an Ruth, an David, an die Propheten und großen Religionsweisen zu allen Zeiten.
Das heutige Fest ist nicht nur ein großes und schönes Marienfest, ja - das auch. Letztlich ist dieses Fest aber hineingebettet in die Heilsgeschichte Christi. Was Maria ist und was sie bedeutet, wird durch ihr Verhältnis zu Christus bestimmt. Alle Bücher, alle Schriften über Maria, alle marianische Verehrungsformen, sind also Folge der Christologie, der Lehre über Jesus Christus.
„Alle marianischen Predigten, alle marianische Theologie, ist letztlich nur entfaltete Christologie“. Dahinter stand und steht immer die Frage: wer war und wer ist und was bedeutet Jesus von Nazareth für die Welt, für die Geschichte der Menschheit? Ist er einzigartig gegenüber den anderen großen Religionsstiftern, zu den großen Propheten und Gurus aller Zeiten, oder einer von Ihnen?
In der Überlegung, in der Vorstellung von Maria geht es immer auch um Christus selbst. Es geht weiterhin auch um den erwählten Menschen, um die Gemeinschaft, die sich um Christi willen bis heute versammelt.
Unter diesen Aspekten ist es „würdig und recht“, dass Menschen weltweit zu dieser „heilsgeschichtlichen Gestalt“ eine besondere Beziehung entwickelten, dass tausende Wallfahrtorte weltweit entstanden, dass zig-tausende Kirchen und Kapellen den Namen von Maria tragen.
Was in der Heiligen Schrift über Maria geschrieben wird, ist wenig. Alle Evangelien erwähnen sie als Mutter Jesu. Als Tochter Israels gehorchte sie dem Gesetz; durch ihre Mutterschaft wurde auch Jesus zu einem Juden. Die Evangelien erzählen von Maria als Begleiterin des Lebensweges ihres Sohnes. Sie empfängt ihn durch den Hl. Geist, reist als Schwangere zu ihrer Verwandten Elisabeth, sie gebiert das Kind, macht mit dem Zwölfjährigen eine Wallfahrt nach Jerusalem. Was ihr erwachsener Sohn redet und macht, versteht sie anscheinend nicht immer; sie wird von ihm gar schroff zurückgewiesen („Wer ist meine Mutter?“ fragt Jesus), vertraut ihm jedoch (bei der Hochzeit von Kana sagt sie: „Was er euch sagt, das tut“). Schließlich steht sie unter dem Kreuz und empfängt der Überlieferung nach am Ende zu Pfingsten im Kreise der Apostel den Hl. Geist.
Eine Frau in Beziehung zu Jesus – zugleich eine Frau, eine Glaubende, eine Schwester von uns Menschen! Diese Frau aus Galiäa ist uns vielleicht gerade deshalb sehr nahe. Sie war und sie ist auch heute für viele eine Brücke zu Jesus Christus.
Sie ist also eine von Gott Erwählte. Diesen Titel trägt sie teilweise in anderen christlichen Kirchen. Im Magnifikat bei Lukas heißt dazu sehr schön: „Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter“.
Wie Maria, sind auch wir, jeder von uns, die Getauften auf den dreieinigen Gott, die den Weg des Glaubens versuchen zu gehen, Erwählte, Berufene. Trotz aller Hinfälligkeit, trotz aller Erbärmlichkeit, trotz aller Endlichkeit und manchmal müssen wir auch sagen: trotz aller „Menschenunwürdigkeit“.
Was heißt das für uns Christen?
Lassen Sie mich heute vor allem einen Aspekt anfügen: gehen wir als Getaufte nicht mit Schuldgefühlen, mit einem „religiösen Minderwertigkeitsgefühl“, sondern vor allem in Dankbarkeit, in Würde und in Freude – ob unserer Erwählung – durch diese Welt! Wie viele von den vor allem Älteren haben noch eine ganze andere religiöse Erziehung erfahren müssen, die recht oft die „Sündhaftigkeit“ des Menschen, die „Strenge Gottes“ überbetonte.
Heute, an diesem Fest dürfen wir – im Sinne des Apostels Paulus – sagen: ihr seid „Heilige im Herrn und Berufene“. Ihr sind angesprochen – von Gott! Dass daraus aber eine Antwort des so Angesprochenen erwächst, darf nicht vergessen werden. Die Seligpreisungen Christi sind ein Gradmesser dazu.
Seien wir heute auch einwenig „stolz“ – für dieses unser Getauft- und Christsein! Lassen wir uns auch einmal „hineinfallen“ und umgeben von dieser Kraft, die uns Gott verliehen hat! Für uns ist Christus, sein Kommen in diese Welt etwas Einzigartiges; durch ihn haben wir Gott – und damit auch den Menschen – in seinem großen Geheimnis näher kennenlernen dürfen.
Karl Rahner, der große Theologe des 20. Jahrhunderts schreibt dazu recht passend: „Gott ist das Geheimnis schlechthin, und was er setzte, als er uns in unserem Anfang einsetzte, ist noch das in seinem Offenbarungswort verborgene Geheimnis seines freien Willens. Aber, ohne dass dadurch das Geheimnis aufgehoben wird, können wir sagen: zu unserem Anfang gehört die Erde, die Gott geschaffen, die Ahnen, in deren Geschichte Gott weise und vergebend waltete, gehört Jesus Christus, die Kirche und die Taufe, Erde und Ewigkeit.“.
Lassen wir uns vielleicht gerade wieder in diesem Advent ein, darüber nachzusinnen, was dies wohl für eine Bedeutung habe, unsere Erwählung? Wer und wie ist Christus in meinem Leben ein Gradmesser, ein Ort der Zuflucht und der Hoffnung? Maria, die Mutter des Herrn, unserer Schwester, sei uns dabei eine Brücke und ein großer Hinweis.
Wir feiern heute das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Muttergottes Maria. Dieses Fest ist nicht ganz einfach zu verstehen. Es geht darum, dass Maria von Anfang ihrer Existenz an aus dem Schuldzusammenhang heraus genommen wurde. Aus einem Schuldzusammenhang, den wir Erbsünde nennen.
Blicken wir etwas genauer auf die Botschaft des heutigen Tages. Sie lädt uns ein, uns über zwei wichtige Themenkreise Gedanken zu machen. Zum einen ist es die Heilsgeschichte, die Gott mit seinem Volk Israel begonnen hat und bis heute mit uns wirkt. Zum zweiten geht es um das Thema Schuld, das in der heutigen Zeit gerne verdrängt wird.
Gott hat auf vielerlei Weise in der Geschichte zu uns gesprochen. Wir dürfen in einer Welt leben, die uns wahrlich Anlass zum Staunen und zur Dankbarkeit geben kann. Großartig und wunderbar sind die Zusammenhänge durchwirkt. Faszinierende Wunder tun sich auf, sowohl im Mikrokosmos als auch im Makrokosmos.
In diese Welt hinein hat Gott immer wieder Menschen gerufen. Beginnend beim Stammvater des christlichen und des jüdischen Glaubens: Abraham. Weiter über hunderte von Propheten und Königen in der alttestamentlichen Zeit. Zeugnis Ihres Glaubens und ihres oft sehr schweren Lebens gibt uns das Alte Testament mit seinen zahlreichen Erzählungen über Berufungen, Antworten des Glaubens, schweren Prüfungen und auch Verfehlungen.
Gott offenbarte sich immer als Jahwe, als der Ich-bin-da. Dieser Ich-bin-da ging alle Wege mit seinem Volk mit. Er schrieb auf krummen Zeilen gerade. Er zeigte sich als barmherziger, liebevoller Vater, als mütterlicher Gott, der sein Volk beschütze und hütete.
Durch die Geburt Jesu ist uns Gott auf ganz besondere Weise nahe gekommen. In ihm konnten wir wahrhaft sehen, was Menschsein bedeutet. Jesus lebte in Einheit mit seinem Vater, so sehr, dass Johannes ihn sagen lässt: Ich bin der Weg zum Vater. Auf diesen Weg sind auch wir gerufen. Im Sakrament der Taufe wurden wir hinein genommen in diese Lebensgemeinschaft mit Gott. Seither sind auch wir ein Teil der Heilsgeschichte in dieser Welt. Seither sind auch wir berufen, mit unserem ganzen Sein Antwort zu geben auf den Ruf Gottes. Es ist ein Ruf zum Leben, zum vollen, erfüllten Leben.
Freilich sind wir alle auch hineingestellt in unterschiedlichste Schuldzusammenhänge. Wir können nichts dafür, dass wir in diesem Land geboren sind, dafür, dass Menschen in anderen Ländern viel schlechtere Lebensbedingungen vorfinden. Wir können nichts dafür, dass wir in einem reichen Industriestaat leben, während in den Entwicklungsländern Menschen nicht das Nötigste zum Überleben vorfinden. Wir können für Zwistigkeiten unter Menschen nichts, die vor unserer Geburt stattfanden. Dennoch stehen wir in so vielen bewussten und unbewussten Schuldzusammenhängen. Das ist ein Teil der ererbten Schuld, für die wir nicht wirklich etwas können, die uns aber das Leben oft nicht einfach macht.
Das heutige Fest sagt uns: Gott kann aus dem Schuldzusammenhang herausnehmen. Er kann auf krummen Zeilen gerade schreiben. Er kann auch aus den Bruchstücken unserer Lebensgeschichte Großartiges wachsen lassen, wenn wir unseren Weg mit ihm gemeinsam gehen.
Ich möchte nun noch gemeinsam mit ihnen ein wenig darauf blicken, wie wir mit Schuld umgehen. Vorausgesetzt wir verdrängen und verleugnen sie nicht, dann haben wir die Wahl verschieden darauf zu reagieren, wenn uns Böses angetan wurde oder wir selber Böses taten.
Sehr oft wählen wir den Weg der Autoaggression. Bewusst oder unbewusst versuchen wir durch Suchtmittel unterschiedlichster Art unser Gewissen zum Schweigen zu bringen. Psychosomatische Erkrankungen wie Kopfweh, Magenschmerzen und vieles mehr richten dann die Kräfte gegen uns selbst, die eigentlich dazu da wären, Positives und Neues zu beginnen.
Eine weitere Möglichkeit mit leidvollen Frustrationen umzugehen ist die Übertragung oder Projektion. Unschuldige werden bewusst oder unbewusst dafür verantwortlich gemacht, dass es uns schlecht geht.
Menschlich einsichtiger ist dann die dritte Möglichkeit, die uns zur Verfügung steht, auf selbst- oder fremdverschuldete Taten zu reagieren: es ist die Gegenaggression. Wir lassen unsere Wut aus im Schuldigen, der uns verletzt hat oder in einem unabänderlichen Schicksal, das wir tragen müssen.
All diese Wege sind leidvermehrend. Sie durchbrechen nicht den Teufelskreis des Bösen in der Welt. Sie vergrößern Schuld und Leid. Letztlich lassen sie den Menschen hart und verbittert zurück. Vielleicht ist das Bedürfnis nach Rache oder Rechtfertigung gestillt. Aber hoffnungsfroh und liebevoll werden wir dadurch sicher nicht.
In Jesus ist uns der wahre Weg zum Leben gewiesen. Er zeigt, wie wir mit Schuld, die wir selbst uns aufgeladen haben, oder mit Schuld, die andere uns zugefügt haben, wirklich umgehen sollen.
Wenn Herr A an Frau B ein Minus weitergibt und diese wieder an C und so weiter, dann wird die Spirale der Gewalt und Aggression immer größer.
Die christliche Antwort darauf ist: machen wir doch aus dem Minus ein Plus. Dieses Plus ist das Symbol des Kreuzes. Das Kreuz durchkreuzt alle Sehnsucht nach Rache, alles sich Verhärten wollen nach einem fürchterlichen Schicksalsschlag. Das Kreuz Jesu weist uns darauf hin, dass wir da, wo wir nichts mehr leisten können an Gutem und an positiver Veränderung, dass wir da das Größte leisten durch Annahme des Geschickten in Demut und Liebe.
Gott wirkt Heilsgeschichte in unserer Welt. Er kann Heil in der Geschichte wirken durch Menschen, die sich in seiner Gnade herausnehmen lassen aus dem Teufelskreis von Gewalt und Vergeltung. Im Blick auf das Kreuz sehen wir, dass aus jedem Minus ein Plus werden kann. Gott schenkt uns dazu seine Kraft und seine Gnade.
Der Begründer der Logotherapie, der Wiener Arzt und Psychiater Viktor Frankl hatte als Jude seine Eltern, seinen Bruder und seine schwangere Frau im Konzentrationslager verloren. Als einziger Überlebender seiner Familie sagt er selbst in der höllischen Situation des KZ: “Es gibt etwas, was ihr mir nicht nehmen könnt: Meine Freiheit, zu wählen, wie ich auf das, was ihr mir antut, reagiere.“
In dieser Entscheidung zeigt sich der Triumph des Menschen über Leid, Schuld und Tod.
Jesus hat uns diesen Weg in unübertroffener Weise vorgelebt.
Das heutige Fest macht den Anfang der vertikalen Linie zum Kreuz. In Jesus wurde sie vollendet.
Was feiern wir wirklich heute außer einem verlängerten Wochenende, - Erholung, Freizeit? „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ – Ist der Inhalt jetzt klarer geworden, und sind die biblischen Texte hilfreich?
Beim Durchlesen der Genesisstelle 3,9-15.20 fiel mir ein sehr weltliches steirisches Volkslied ein: „Und jetzt gang i ans Peters Brünnele“ - Die 6. Strophe lautet: „Und der Adam is stutzig wurdn und der Zurn hat eahm packt, weil die Eva vom Apfel eahm nur den Potz´ lassn hat.“ Verfasser unbekannt, „Theologie“ des Volkes.
Die Texte sind genauso schwierig wie der Inhalt des Festes. Vielleicht kommen wir doch gemeinsam dem Anliegen des Festes näher.
Biblische Texte sind Gottes Wort in zeitbedingter menschlicher Sprache, wodurch durch die lange Zeit Missverständnisse, auch Irrtümer entstehen. Die ersten elf Kapitel des Buches Genesis sind eine Existenzanalyse des Menschen in dichterischer Sprache, keineswegs ein historischer Bericht, wie man vor etwas mehr als hundert Jahren in kirchlichen Kreisen gemeint hat. Der / die Verfasser verwenden eine poetische Sprache, die Textform sind Mythen, also Anfangsgeschichten, Erklärungsversuche von der Erschaffung der Welt, Entstehung des Menschen, Erklärungsversuche wie der / das Böse in die Welt kam. Es geht nicht um Darstellung der Natur, auch nicht um Erklärungsversuche des Kosmos. Die Bibel ist weder Biologie- noch Geographiebuch, um den Ort des Paradieses ausfindig zu machen. Das Paradies ist viel mehr ein Ort in uns, ein Ort der Harmonie mit Gott, ein kultivierbares Land, das im Hebräischen mit „Wonne“ übersetzt wird, Zeichen für Leben. Der Text will zeigen, dass Gott zu den Menschen geht und dass Gottes Liebe sichtbar wird, in dem er Menschengestalt angenommen hat. Wir nehmen somit ein kleines bisschen Weihnachten vorweg.
Dieses Elternpaar Adam und Eva lebt in der „Wonne“: Adam, adamah = der Ackerboden, Erdling. Adam ist ein Gattungsbegriff für beide Geschlechter und wird erst später zum Eigennamen Adam in der lateinischen Bibelübersetzung des Hieronymus, der Vulgata (4./5. Jhdt.).
In einer damals patriarchalischen Gesellschaft stand die Frau unter dem Mann, sie soll sich auch in der Schöpfung unterordnen. In der Übersetzung Gen.2, 22 heißt es: „Gott, der Herr, baute aus der Rippe….eine Frau, die er dem Menschen zuführte.“ Es müsste heißen:
„…aus der Mitte des Menschen / des Mannes“. Das hebräische Wort szela ist aber kaum übersetzbar, wird als „Rippe“ dargestellt. Jedenfalls begann damals der Abstieg der Frau als „Sünderin“, „Verführerin“, und man entfernt sich von Eva als „Mutter der Lebendigen“.
Aus diesem Bericht von Genesis ist es somit abwegig, den historischen Hergang des Sündenfalls zu erklären, denn Tod und Vernichtung gab es schon lange vor dem ersten Menschenpaar (z.B.: das Aussterben der Saurier vor 60 Mill. Jahren). Aus dem Genesistext lässt sich lediglich ablesen, dass es Sünde (=Absonderung) gab und gibt. Sünde wird nicht vererbt, wir sprechen heute von Sündenverflochtenheit.
Die Geschichte mit dem Apfel kommt in der Bibel nicht vor. Dieser „Baum der Erkenntnis“ ist ein Mythos. Er vermittelt Erkenntnis nicht im Sinn von Allwissenheit, sondern im Sinn einer Einschätzung von „Gut“ und „Böse“. „Malus“ im Lateinischen ist der Apfelbaum, der 2.Fall dazu heißt „mali“; der 2. Fall von „der /das Böse,“ im Lateinischen heißt leider auch „mali“. Wegen dieses Übersetzungsfehlers aus dem Lateinischen kam der Apfel mit Adam und Eva in Verbindung und auch ins steirische Volkslied. So wird auch klar, warum die Frau so schlecht wegkam.
Was hat das aber mit Maria zu tun? Leider ist auch die Evangelienstelle nicht hilfreich, denn wir feiern die Zeugung und Empfängnis durch Joachim und Anna, den Eltern Mariens. Das Gemeinsame beider Textstellen ist, dass Gott mit der Menschheit eine Liebesgeschichte eingeht, die zu Weihnachten in der Person Jesu auch historisch sichtbar wird.
An Anna und Joachim, die nie Geschichte geschrieben haben, merken wir, dass Gott offenbar unbedeutende Personen in seinen Heilsplan beruft. Das II. Vatikanum schlug vor, diesen heutigen Festtag „Erwählung Mariens“ zu nennen, was sich aber nicht durchgesetzt hat.
Karl Rahner (+1984) spricht von einem „Fest des heiligen Anfangs“. Maria als Frau an der Spitze der Kirche, das wird uns in der Apostelgeschichte bewusst gemacht. Gott schreibt mit den Menschen eine intensive Liebesgeschichte, bei der Maria sich ganz in den Dienst Jesu, aber auch der gesamten Menschheit stellt. Ihre Stärke ist ihre Hingabe.
Christine Busta formuliert im Gedicht:
Einfach so
Sich in die Hingabe bergen
ins große Wagnis der Liebe.
Sich keine Sicherheit errechnen,
nur eine Gewissheit haben:
den Tod.
Vielleicht kann man so
das Leben erfüllen.
Großer und heiliger Gott,
im Hinblick auf den Erlösertod Jesu Christi
hast du die selige Jungfrau Maria schon im ersten Augenblick ihres Daseins
vor jeder Sünde bewahrt, um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten.
Höre auf ihre Fürsprache:
Mache uns frei von Sünden und erhalte uns in deiner Gnade,
damit wir mit reinem Herzen zu dir gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Mariä Empfängnis
Gott, du bist groß und unbegreiflich.
Nach deinem Willen
ist dein ewiges Wort durch Maria Mensch geworden.
Gläubig bekennen wir,
dass unser Erlöser wahrer Gott und Mensch ist.
Mache uns immer wieder würdig,
Anteil zu erhalten an seiner Verheißung.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn.
MB
Herr, unser Gott,
in deiner Gnade
hast du die selige Jungfrau Maria auserwählt
und vor jeder Sünde bewahrt.
An ihrem Fest feiern wir das Opfer,
das alle Schuld der Menschen tilgt.
Befreie uns auf ihre Fürsprache
aus der Verstrickung in das Böse,
damit auch wir heilig und makellos vor dir stehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Erwählung Mariens
Herr, unser Gott,
nimm unsere Gaben an
und erleuchte uns mit deinem Heiligen Geist,
damit wir nach dem Beispiel der seligen Jungfrau Maria
dein Wort in unserem Herzen erwägen und bewahren.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Marienmessen in der Weihnachtszeit
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und das Werk deiner Liebe zu rühmen.
Denn du hast Maria vor der Erbschuld bewahrt,
du hast sie mit der Fülle der Gnade beschenkt,
da sie erwählt war,
die Mutter deines Sohnes zu werden.
In unversehrter Jungfräulichkeit
hat sie Christus geboren,
der als schuldloses Lamm
die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Sie ist Urbild und Anfang der Kirche,
der makellosen Braut deines Sohnes.
Vor allen Heiligen ist sie ein Vorbild der Heiligkeit,
ihre Fürsprache erfleht uns deine Gnade
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und singen
wie aus einem Munde das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Mariä Empfängnis
Großes hat man von dir gesagt, Maria,
denn aus dir ging hervor die Sonne der Gerechtigkeit,
Christus, unser Gott.
Oder:
Maria sagte Ich bin die Magd des Herrn;
Mir geschehe, wie du es gesagt hast.
(Lk 1, 38)
Oder:
In Christus hat Gott uns erwählt vor der Erschaffung der Welt.
(vgl. Eph 1,4)
Oder:
Meine Seele preist die Größe des Herrn
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter:
(Lk 1,46)
Herr und Gott,
das Sakrament, das wir empfangen haben,
heile in uns die Wunden jener Schuld,
vor der du die allerseligste Jungfrau Maria
vom ersten Augenblick ihres Daseins an
auf einzigartige Weise bewahrt hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Erwählung Mariens
Menschenfreundlicher Gott,
in Freude haben wir
am Fest (Gedenktag) der seligen Jungfrau Maria
(beim Gedenken an die selige Jungfrau Maria)
den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen,
der für uns Mensch geworden ist.
Lass uns durch diese geheimnisvollen Gaben
seiner Gottheit teilhaftig werden.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Marienmessen in der Weihnachtszeit
Gott, der allmächtige Vater,
segne euch durch den Erlöser der Welt,
unseren Herrn Jesus Christus,
den Sohn der jungfräulichen Mutter Maria.
Sie hat den Urheber des Lebens geboren;
Ihre Fürsprache erwirke euch Gottes Hilfe.
Euch allen, die (heute) das Fest ihrer [_________] begehen,
[Euch und allen, die heute ihr Gedächtnis begehen]
schenke Gott die wahre Freude und den ewigen Lohn.
Das gewähre euch der
Der dreieinige Gott,
der Vater, der Sohn und der Hl. Geist.
MB Feierliche Schlusssegen von der seligen Jungfrau Maria
Das Fürbittgebet, das die Menschen unzählige Male an Maria richteten, das "Ave Maria", ist genauso schlicht und kurz wie die Erwähnung Mariens in der Bibel, auf die es Bezug nimmt: "Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit (gesegnet) unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen." Das Gebet endet mit der Bitte um Fürsprache Mariens in den beiden wichtigsten Augenblicken unseres Lebens. Es ist gewiss kein Zufall, dass gerade dieses Gebet sich in der Vertonung von Schubert oder Bach/Gounod besonderer Volkstümlichkeit erfreut. Es geht zu Herzen, wie man so sagt.
Das Christentum ist die sinnlichste Religion, die es gibt, denn es glaubt an die Menschwerdung, an die Fleischwerdung Gottes. Gott, das ist also nicht eine abstrakte Größe, eine Idee oder eine philosophisches Postulat. Gott hat ein menschliches Angesicht. Das Angesicht Jesu Christi.
Manfred Lütz, Gott, Eine kleine Geschichte des Größten, München 2007, 285.
Die Heilige Schrift lehrt nämlich, dass der Menschen nach dem Bild Gottes’ geschaffen ist, fähig, seinen Schöpfer zu erkennen und zu lieben, von ihm zum Herrn über alle irdischen Geschöpfe gesetzt, um sie in Verherrlichung Gottes zu beherrschen und zu nutzen …
II. Vatikanisches Konzil 1965, Gaudium et spes, Art. 14
Maria gehört in die Heilsgeschichte hinein um Christi willen. Was sie ist und was sie bedeutet, wird durch Verhältnis zur Christus bestimmt. (…) Die Mariologie ist also Folge der Christologie. Sie ist entfaltete Christologie.
Michael Schmaus, Katholische Dogmatik, in: Handbuch der Dogmengeschichte Bd. III/4, Freiburg 1978.
Mit einem Hymnus aus dem 8./9. Jahrhundert grüßt die Kirche seit mehr als 1000 Jahren Maria, die Mutter des Herrn, als "Meeresstern": Ave maris stella. Menschliches Leben bedeutet Unterwegssein. Zu welchem Ziel? Wie finden wir die Straße des Lebens? Es erscheint wie eine Fahrt auf dem oft dunklen und stürmischen Meer der Geschichte, in der wir Ausschau halten nach den Gestirnen, die uns den Weg zeigen. Die wahren Sternbilder unseres Lebens sind die Menschen, die recht zu leben wussten. Sie sind Lichter der Hoffnung. Gewiss, Jesus Christus ist das Licht selber, die Sonne, die über allen Dunkelheiten der Geschichte aufgegangen ist. Aber wir brauchen, um zu ihm zu finden, auch die nahen Lichter - die Menschen, die Licht von seinem Licht schenken und so Orientierung bieten auf unserer Fahrt.
Und welcher Mensch könnte uns mehr als Maria Stern der Hoffnung sein - sie, die mit ihrem Ja Gott selbst die Tür geöffnet hat in unsere Welt; sie, die zur lebendigen Bundeslade wurde, in der Gott Fleisch annahm, einer von uns geworden ist, unter uns "zeltete" (vgl. Joh 1, 14)?
Darum rufen wir zu ihr: Heilige Maria, du gehörtest zu jenen demütigen und großen Seelen in Israel, die - wie Simeon - 'auf den Trost Israels warteten' (Lk 2, 25), wie Anna auf die "Erlösung Jerusalems" hofften (Lk 2, 38). Du lebtest in den heiligen Schriften Israels, die von der Hoffnung sprachen - von der Verheißung, die Abraham und seinen Nachkommen geschenkt war (vgl. Lk 1, 55). So verstehen wir das heilige Erschrecken, das dich überfiel, als der Engel Gottes in deine Stube trat und dir sagte, du sollest den gebären, auf den Israel hoffte, auf den die Welt wartete. Durch dich, durch dein Ja hindurch sollte die Hoffnung der Jahrtausende Wirklichkeit werden, hineintreten in diese Welt und ihre Geschichte. Du hast dich der Größe dieses Auftrags gebeugt und ja gesagt: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort" (Lk 1, 38). Als du in der heiligen Freude über die Berge Judäas zu deiner Base Elisabeth eiltest, wurdest du zum Bild der kommenden Kirche, die die Hoffnung der Welt in ihrem Schoß über die Gebirge der Geschichte trägt.
Aber neben der Freude, die du in deinem Magnificat in die Jahrhunderte hinein gesagt und gesungen hast, wusstest du doch auch um die dunklen Worte der Propheten vom Leiden des Gottesknechtsein dieser Welt. Über der Geburt im Stall zu Bethlehem leuchtete der Glanz der Engel, die den Hirten die frohe Kunde brachten, aber war doch zugleich auch die Armut Gottes in dieser Welt nur allzu spürbar. Der greise Simeon sprach dir von dem Schwert, das dein Herz durchdringen werde (vgl. Lk 2, 35), vom Zeichen des Widerspruchs, das dein Sohn sein werde in dieser Welt. Als dann das öffentliche Wirken Jesu begann, musstest du zurücktreten, damit die neue Familie wachsen konnte, die zu gründen er gekommen war und die aus denen wachsen sollte, die sein Wort hörten und es befolgten (vgl. Lk 11, 27f). Bei all der Größe und Freude des ersten Aufbruchs von Jesu Wirken hast du doch schon in der Synagoge von Nazareth die Wahrheit des Wortes vom "Zeichen des Widerspruchs" erfahren müssen (vgl. Lk 4, 28ff). So hast du die wachsende Macht der Feindseligkeit und der Ablehnung erlebt, die sich immer mehr um Jesus zusammenbraute bis zur Stunde des Kreuzes hin, in der du den Retter der Welt, den Erben Davids, den Sohn Gottes als Gescheiterten, zum Spott Ausgestellten zwischen Verbrechern sterben sehen musstest. Du empfingst das Wort: "Frau, siehe da dein Sohn" (Joh 19, 27). Vom Kreuz her empfingst du eine neue Sendung. Vom Kreuz her wurdest du auf neue Weise Mutter: Mutter für alle, die deinem Sohn Jesus glauben und ihm folgen wollen. Das Schwert des Schmerzes durchbohrte dein Herz. War die Hoffnung gestorben? War die Welt endgültig ohne Licht, das Leben ohne Ziel? In jener Stunde hast du gewiss neu in deinem Innern auf das Wort des Engels gehört, mit dem er auf dein Erschrecken beim Augenblick der Verheißung geantwortet hatte: "Fürchte dich nicht, Maria!" (Lk 1, 30). Wie oft hatte der Herr, dein Sohn, dasselbe zu seinen Jüngern gesagt: Fürchtet euch nicht! In der Nacht von Golgotha hörtest du in deinem Herzen neu das Wort. Zu seinen Jüngern hatte er vor der Stunde des Verrats gesagt: "Habt Mut. Ich habe die Welt überwunden" (Joh 16, 33). "Euer Herz lasse sich nicht verwirren und zage nicht" (Joh 14, 27). "Fürchte dich nicht, Maria!" In der Stunde zu Nazareth hatte der Engel zu dir auch gesagt: "Seines Reiches wird kein Ende sein" (Lk 1, 33). War es zu Ende, bevor es begonnen hatte? Nein, beim Kreuz warst du von Jesu eigenem Wort her zur Mutter der Glaubenden geworden. In diesem Glauben, der auch im Dunkel des Karsamstags Gewissheit der Hoffnung war, bist du auf den Ostermorgen zugegangen. Die Freude der Auferstehung hat dein Herz berührt und dich nun neu mit den Jüngern zusammengeführt, die Familie Jesu werden sollten durch den Glauben. So warst du inmitten der Gemeinschaft der Glaubenden, die in den Tagen nach der Himmelfahrt Jesu einmütig um die Gabe des Heiligen Geistes beteten (vgl. Apg 1, 14) und sie dann am Pfingsttag empfingen. Das "Reich" Jesu war anders, als die Menschen es hatten erdenken können. Es begann in jener Stunde, und dieses "Reiches" wird kein Ende sein. So bleibst du inmitten der Jünger als ihre Mutter, als Mutter der Hoffnung.
Heilige Maria, Mutter Gottes, unsere Mutter, lehre uns mit dir glauben und hoffen und lieben. Zeige uns den Weg zu seinem Reich. Stern des Meeres, leuchte uns und führe uns auf unserem Weg!
Papst Benedikt VXI., Enzyklika Spe Salvi, 30. November 2007, Nr. 49

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