Am Gründonnerstag erinnern wir uns ans das letzte Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern eingenommen hat. Den Jüngeren dürfte noch nicht bewusst gewesen sein, dass dieses Mahl ein Abschiedsessen war.
Gläubige Juden feierten an diesem Abend den Aufbruch des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Den traditionellen symbolische Zeichen, die bei der Paschafeier üblich waren, fügt Jesus noch zwei weitere bedeutungsvolle Handlungen hinzu und legte den Jüngern ans Herz, diese in Erinnerung an sein Leben immer wieder zu vollziehen. Wie ein Sklave wusch er als Meister den Schülern die Füße und teilte mit ihnen Brot und Wein. Mit diesen Zeichen fasste er deutend sein Leben zusammen. Die Erinnerung daran prägt unser ganzes Leben als Christen.
Am Beginn unseres Gottesdienstes bitten wir Gott um Vergebung für alle Oberflächlichkeiten, durch die wir oft unser Leben bestimmen lassen.
Allmächtiger, ewiger Gott,
am Abend vor seinem Leiden
hat dein geliebter Sohn der Kirche
das Opfer des Neuen und Ewigen Bundes anvertraut
und das Gastmahl seiner Liebe gestiftet.
Gib, daß wir aus diesem Geheimnis
die Fülle des Lebens und der Liebe empfangen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Gründonnerstag
Herr,
gib, daß wir das Geheimnis des Altares ehrfürchtig feiern;
denn sooft wir die Gedächtnisfeier dieses Opfers begehen,
vollzieht sich an uns das Werk der Erlösung.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB Gründonnerstag
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Als der wahre und ewige Hohepriester
hat er die Feier eines immerwährenden Opfers gestiftet.
Er hat sich selbst als Opfergabe dargebracht
für das Heil der Welt
und uns geboten,
daß auch wir diese Gabe darbringen zu seinem Gedächtnis.
Er stärkt uns,
wenn wir seinen Leib empfangen,
den er für uns geopfert hat.
Er heiligt uns,
wenn wir sein Blut trinken,
das er für uns vergossen hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat beim Lezten Abendmahl
das Gedächtnis des Kreuzesopfers gestiftet
zum Heil der Menschen bis ans Ende der Zeiten.
Er hat sich dargebracht als Lamm ohne Makel,
als Gabe, die dir gefällt,
als Opfer des Lobes.
Dieses erhabene Geheimnis heiligt
und stärkt deine Gläubigen,
damit der eine Glaube
die Menschen der einen Erde erleuchte,
die eine Liebe sie alle verbinde.
So kommen wir zu deinem heiligen Tisch,
empfangen von dir Gnade um Gnade und
werden neu gestaltet nach dem Bild deines Sohnes.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und
singen wie aus einem Munde
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 2
Allmächtiger Gott,
du hast uns heute
im Abendmahl deines Sohnes gestärkt.
Sättige uns beim himmlischen Gastmahl
mit dem ewigen Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Gründonnerstag
Vom menschlichen Hunger und dem Augenblick der Ewigkeit
»Verweile doch, o Augenblick, du bist so schön!« Diese Worte pflegen Menschen zu sagen, wenn sie in einer Liebesbeziehung mitten im Strudel der Zeit Oasen der Ewigkeit erleben dürfen und deshalb wünschen, dass die Zeit stehen bleibt. Indem sie sich gegenseitig in die Augen blicken, möchten sie am liebsten den »Augenblick« - im tiefen Doppelsinn dieses Wortes - festhalten. Solche Oasen der Ewigkeit mitten in der Zeit brauchen wir Menschen auch im Leben des Glaubens. Die christliche Tradition nennt sie die Zeit der Anbetung Gottes. Diese ist eine qualifizierte Zeit, die Zeit Gottes mitten in der Weltzeit und auch gegen sie, nämlich als Unterbrechung des natürlichen Zeitenlaufs. Anbetung Gottes ist der Einbruch der Ewigkeit in die Zeit der Welt, auch wenn es nur für die Zeitspanne eines »Augenblicks« ist.
Aufrechter Gang und Kniefall vor Gott
»Verweile doch, o Augenblick, du bist so schön!« Diese Worte werden auch Glaubenden immer wieder im Herzen hochsteigen, wenn sie die eucharistische Anbetung pflegen. Hier erleben sie den Augen-Blick schlechthin, nämlich den Blick Jesu Christi, der uns ansieht und uns sein An-Sehen schenkt, ja der uns ein solches Ansehen schenkt, dass wir im Herzen froh werden dürfen. Was aber wäre in der Welt und Kirche heute Not-wendiger als die Erfahrung der Gegenwart des Auferstandenen in unserem Leben? Diese Gegenwart Jesu Christi wird uns in besonderer Weise in der eucharistischen Anbetung geschenkt, in der wir Augen und Herzen ganz auf den richten, der uns auf eine so liebenswürdige Weise nahe sein will.
»Anbetung« ist freilich ein arg unmodernes Wort geworden. Auf das erste Zusehen hin ist dies sogar verständlich. Denn Anbetung bedeutet, dass Menschen vor Gott, und zwar im buchstäblichen Sinn, in die Knie gehen. In die Knie zu gehen empfinden Menschen heute aber weithin als Entwürdigung oder gar als Demütigung. Denn wir haben gelernt, den aufrechten Gang zu lieben, und haben Angst, das Rückgrat zu verlieren. Und dies mit bestem Recht! Denn in der Welt muss man »den Mann« und »die Frau stehen«, in der Welt darf man in der Tat vor niemandem in die Knie gehen, und in der Welt ist nichts und niemand anzubeten. Die Anbetung Gottes hingegen schenkt die heilsame Erfahrung: Nur wer ein starkes Rückgrat hat, kann sich so tief bücken, weil er dankbar erspürt, dass er seinen aufrechten Gang gerade dem verdankt, vor dem er in die Knie geht und den er anbetet. Den aufrechten Gang in der Welt lernt der Mensch im Kniefall vor Gott.
Solche Anbetung Gottes vermag nur im Lebensraum eines radikalen Vertrauens zu gedeihen. Denn Vertrauen bedeutet, sich selbst aus dem Gefängnis des eigenen Ich zu lösen und demjenigen, dem man begegnet, zu trauen und sich ihm anzuvertrauen. Da sich im Vertrauen aber die tiefste Sehnsucht des Menschen nach einer maßlosen Erfüllung seiner ebenso maßlosen Hoffnungen zum Ausdruck bringt, kann solches Vertrauen in der Welt nie aufgehen. Die Welt ist, um mit dem Dichter KURT TUCHOLSKY zu sprechen, »eine Nummer zu klein geraten, um die unendliche Sehnsucht eines Menschen stillen zu können«. Diese tiefe Wahrheit äußert sich sogar noch in der Sucht, die nicht zufälligerweise in der heutigen Zeit so weit verbreitet ist. Denn selbst noch die Sucht ist ein Zeichen eines maßlosen Hungers, der in dieser Welt nie befriedigt werden kann.
Es ist kein Zufall, dass wir in der biblischen Botschaft immer wieder den Bildern von Hungern und Dürsten begegnen, um die tiefste Sehnsucht des Menschen auszudrücken. Der christliche Glaube weiß von einem maßlosen Hunger; ja er selbst ist dieser Hunger. Denn »christlicher Glaube ist heiß auf das, was kommt. Er gibt sich nicht zufrieden mit dem, was ist. Er ist auf den richtigen Geschmack gekommen für das, was wahr ist und bewährt, auch wenn es noch nicht voll da ist« (BISCHOF FRANZ KAMPHAUS).
Aus: Kurt Koch, Bereit zum Innersten. Für eine Kirche, die das Geheimnis lebt. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Das Brot ist neben dem Kreuz das größte Symbol des christlichen Glaubens. Das ist nicht verwunderlich: Es gibt im Deutschen das Wort "Kumpan” für einen Menschen, der mir im Alltag verbunden ist, der die gleichen Erfahrungen mit mir macht, die gleiche schwere Arbeit zu leisten hat, der mit mir so vieles teilt, was der Tag bringt. Das Wort kommt vom Lateinischen: conpanis und bedeutet also ein Mensch, der mit mir durch das tägliche Brot verbunden ist, oder um es noch wesentlicher zu sagen: Er ist Mit-Brot, er ist mir Brot, ich bin ihm Brot.
Auch im Französischen gibt es dieses Wort: copain, es meint den Menschen, der sich aus allen anderen heraushebt und der mir in Freundschaft verbunden ist, einen Menschen, der mir viel bedeutet, der mir so notwendig ist wie das tägliche Brot.
Ich glaube, daß wir von daher einen neuen Zugang zur Eucharistie bekommen könnten: Wir sind alle einander "Kumpane”, "copains”, Menschen, die einander Brot sind, die einander in Glaube, Hoffnung und Liebe nötig haben wie das tägliche Brot. Und diese Erfahrung übersteigt eine bloß menschliche Annahme. Wir sind das füreinander, weil Jesus Christus unser Kumpan ist, unser copain, Gott und Mensch, der mit uns unser Leben teilt, der uns sein Leben mitteilt als Brot für das Leben der Welt.
Von dieser Brotfeier könnte sich eine neue Welt aufbauen: Zwei oder drei sind in Christus versammelt und lernen sich von Christus her neu verstehen, eben als "Kumpane". Um diesen kleinen Kreis herum können sich neue Kreise bilden, bis die ganze Welt erfaßt ist. Darum gehört die Offenheit für die ganze Welt zum Wesen dieser Feier. Darum nennt man im Gottesdienst auch die Namen des Papstes und verweist auf alle Bischöfe, Priester und Diakone, weil sich eben von dieser Feier her die ganze Welt neu aufbaut. Und darum hat man in der alten Kirche vor der Kommunion immer ein Stück der konsekrierten Hostie in den Wein gesenkt und dabei an andere Eucharistiegruppen der Stadt, des Landes, der Welt gedacht. Und darum hat man den Gottesdienstteilnehmern Hostienbrote mitgegeben, damit die Kranken und anderen, die nicht an der Feier teilnehmen konnten, mit in die neue Welt der "Kumpane” Christi einbezogen werden konnten.
An diese Überlegung möchte ich zwei faszinierende Gedanken des heiligen Franziskus anschließen. Zunächst einmal diesen: Franziskus hat das Symbol des Brotes bzw. die Feier der Eucharistie entgrenzt. Er bleibt nicht in der Kirche oder in einer bestimmten zeitlichen Dauer der Messe. Er sieht die Eucharistie überall auf der Welt. Am besten, ich erzähle aus der Lebensgeschichte des Heiligen: Franziskus erfährt in seiner Armut immer wieder die menschliche Not. Und nun umgibt er diese Not sozusagen mit einer eigenen Liturgie. Die Brüder sollen sich aufmachen und von Tür zu Tür gehen. Sie sollen dann sagen: "Gepriesen sei der gute Gott”, gleichsam als Eröffnungsspruch für eine eigenartige Kommunionfeier.
Dann folgt die Bitte: "Wegen der Liebe, mit der Gott liebt, helft mir in meiner Not.” Und das Brot, das man dann bekommt, soll wie eine Hostie ehrfürchtig entgegengenommen werden. "Denn es ist heiliges Brot, das durch das Lob und die Liebe Gottes geheiligt ist." Um das zu verstehen, muß ich hinzufügen, daß man damals schon, wie übrigens teilweise heute noch, die Hostie heiliges Brot nannte. Und "heiligen" war damals das Wort für konsekrieren.
Mit anderen Worten: Die Eucharistie vollzieht sich nicht nur als Feier in der Kirche, sondern auch in der Erfahrung von Hilfe, in der liebenden Begegnung der Menschen.
Ganz auf dieser Linie liegt, wenn Franziskus den Ausdruck "Tisch des Herrn" nicht für Kommunionbank oder Altar - wie wir vermuten würden - gebraucht, sondern eben für Caritas, spontane Hilfe, für das Teilen im Alltag.
Eucharistiefeier und Alltag gehören also zusammen. Sie verhalten sich wie das Symbol zur Wirklichkeit, auf die es hinweist: Wir sind Kumpane nicht nur in einem symbolischen Sinn, sondern wirklich. Wir müssen das Symbol umsetzen in die tägliche Praxis, in die gegenseitige Hilfe hinein, in Schenken und Empfangen.
So dürfen wir auch folgende Geschichten eucharistisch, als Wirklichkeit der Eucharistie im Alltag, deuten.
Einmal hatten sich Franziskus und seine Brüder ein strenges Fasten vorgenommen. Sie wollten mit Jesus in der Wüste solidarisch sein und so ganz Gott gehören. Vierzig Tage lang sollte dieses Fasten dauern. Und nun geschieht es, daß eines Nachts einen Bruder so der Hunger plagt, daß er es nicht mehr aushält und weint und schreit. Was tut Franziskus? Er hört das Weinen und Seufzen dieses Bruders, steht auf, schaut, was im Hause ist an Brot, Rüben, Trauben, Wein und bereitet ein festliches Mahl. Und damit der Bruder wegen seiner Schwäche sich nicht schämen muß, fängt Franziskus mit dem Essen und Trinken an.
Das ist Eucharistie im Alltag: Einfühlung, Solidarität, Teilen.
Ein anderes Mal sieht Franziskus, wie ein Bruder krank und schwach herumläuft. Er denkt sich, daß ihm vielleicht ein paar Trauben Freude bereiten und ihm neue Kraft geben könnten. Er lädt den Bruder zu einem kleinen Spaziergang in den Weinberg ein und setzt sich mit ihm unter eine Rebe, und sie geben sich nun gegenseitig köstlich süße Trauben.
Das ist Eucharistie im Alltag, die Kommunion der Aufmerksamkeit, der Geschwisterlichkeit und des Teilens.
Ein zweiter Gedanke, der mich bei Franziskus so fasziniert: Franziskus glaubt nun, daß Christus allgegenwärtig ist: im Wort, im Sakrament, in den Aussätzigen, in den Armen, aber auch - und das ist das Ungewohnte - in den Reichen. Franziskus unterscheidet nämlich zwei sich ergänzende Aspekte an Christus: Da ist einmal Christus, insofern er Not leidet, ohnmächtig ist, arm, abhängig, auf die Hilfe anderer verwiesen - und auf diese Weise ist er in den Armen, Kranken, Aussätzigen, Bettlern gegenwärtig bis ans Ende der Welt. Und dann ist da Christus, insofern er glücklich, mächtig und voll Kraft ist, reich, frei, großzügig im Schenken - und auf diese Weise ist er - aber nur so! - in den Gesunden und Erfolgreichen.
Was nun aber entscheidend ist: Christus ist nur dann im vollen Sinne gegenwärtig, nur dann wirklich ganz erfüllend da, wenn sich die beiden Gruppen geschwisterlich im Empfangen und Schenken entsprechen, was im lebendigen Hin- und Herfließen der Liebe erfahrbar wird. Nur im Teilen, in das alle einbezogen sind, ist Christus real präsent, mit Leib und Blut da - jetzt und in alle Ewigkeit.
Darum ist das Brot die Hoffnung der Welt - wie das Kreuz, an dem sich Jesus hingab für alle.
Aus: Anton Rotzetter, Gottes Leidenschaft ist Liebe. Der Sinn von Kreuz und Auferstehung. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1990.
Einen Tisch träume ich
unendlich in allen Dimensionen
ungezählten Menschen bietet er Platz
an dem Hände sich berühren
Blicke sich begegnen
Worte Wiederklang finden
Einen Tisch träume ich
der aller Gastgeber ist
jeder - so gewollt - wie Platz genommen
einfach willkommen
Einen Tisch träume ich
an dem kein Mund leer
kein Herz trocken bleibt
Worte werden gereicht
die nach Dank schmecken
Lieder gesungen
einfach zum Geschenk
Ein Stück Brot und ein Schluck Wein sättigen
auch für diesen Morgen
jenseits von Raum und Zeit
mit Dir
Ich träume ein Mahl das die Menschen vereint
von allen Gesichtern dieser Welt lebt
ein Krümel die Welt sättigt
und ein Schluck spüren lässt:
"Du bist aller Gastgeber"
Aus: Gemeinsam entdecken. Ökumenische Gebete und Meditationen, Herausgegeben von Marcus Leitschuh und Cornelia Pfeiffer. Bonifatius / Verlag Otto Lembeck, Paderborn / Frankfurt am Main 2003.

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