Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle? Mein Name ist Thomas, Apostel des Jesus von Nazareth... Dass ich vor meiner Begegnung mit IHM Fischer war, wissen Sie vermutlich nicht, aber Sie kennen wahrscheinlich meinen Spitznamen: Didymos. Dabei ist das gar kein Spitzname, sondern nur die griechische Übersetzung meines aramäischen Vornamens. "Thomas" bedeutet "Zwilling".
Und noch etwas ist weitum bekannt: Dass ich der Zweifler bin. Und darum glauben Sie mich zu kennen, nicht wahr? Thomas, der Zweifler. Der, der nicht glauben wollte, was er nicht sah. Aber Sie irren sich. Gezweifelt haben die anderen. Ich war verzweifelt.
Darum war ich auch nicht dabei, als ER den anderen Aposteln erschienen ist. Ich hielt es nicht aus in ihrer Gegenwart. Sie verschanzten sich und spielten "geschlossene Gesellschaft". Mich trieb es hinaus vor die Stadt. Ich wollte allein sein.
Aber auch wenn ich nicht wie sie hinter verschlossenen Türen in Todesstarre verfiel, so igelte ich mich dennoch ein in Verschlossenheit. Ich wollte nichts mehr hören und sehen.
Als ich sie dann wieder traf, erzählten sie mir von einer Begegnung mit IHM. Ich konnte es nicht glauben. Aber ich hatte den Eindruck, sie wussten auch nicht, was sie mir da erzählten. Und so sprach ich eigentlich nur aus, was alle dachten. Keiner von uns hatte kapiert, was hier eigentlich vorgefallen war. Unsere Türen waren wieder zugefallen.
Ich bin mir sicher, ER kam nicht wegen mir nocheinmal. ER kam nocheinmal, weil die Türen immer noch verschlossen waren. Er wusste, wie immer, wie es um uns stand.
So wie der Stein auf seinem Grab für ihn kein Hindernis war, so öffnete er die Türen vor unseren Seelengrüften. "Friede sei mit euch", sprach er zu uns. Jesu Friede ist der Dietrich, der Türen öffnet.
Jesus meinte keinen politischen Frieden. Sein Friede ist ein vom Geist erfülltes, gehauchtes Schalom, das Heilung schenkt. Der Friede Jesu ist eine offene Tür zum Leben.
Und so wurde auch für uns Auferstehung erfahrbar. Ich weiß jetzt: Auferstehung passiert nicht erst nach dem Tod des Menschen, sondern es ist täglich erfahrbar. Auferstehung passiert, wenn sich eine Tür zum Leben öffnet: Wenn jemand nach einer schweren Krankheit überraschend gesund wird, wenn man sich nach einem Streit versöhnt, wenn in einer ausweglosen Situation eine Lösung gefunden wird, wenn ein Wunsch in Erfüllung geht...
Ich konnte anfangs nicht glauben, was ich nicht angreifen konnte, was ich nicht be-greifen konnte. Und als dann Jesus vor mir stand, begriff ich: Ich muss ihn gar nicht angreifen. Es genügt Jesus zu erfahren. Wichtig ist nicht, ihn zu berühren. Wichtig ist es, die Sehnsucht wach zu halten und sich berühren zu lassen. Und darin habe ich Ihnen gar nicht so viel voraus. Gewiss, ich habe ihn dann tatsächlich gesehen, aber auch Sie dürfen darauf vertrauen, dass Jesus auch ihre Türen öffnet und sein heilendes Shalom über Sie haucht. Sie müssen sich nur ausrichten auf das Leben, das Jesus schenkt. "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." Denn das Wesentliche ist ohnehin für die Augen unsichtbar.
In der Liturgie der Kar- und Ostertage steht das Schicksal Jesu, sein Kreuz und seine Auferstehung im Vordergrund. Aber was bedeuten diese Ereignisse für uns Menschen? Was bringt uns Ostern? Welche Konsequenzen ergeben sich für unser Schicksal?
Diese Frage ist verwandt mit der Frage, die Karl Rahner in seinem letzten großen Vortrag aufgeworfen hat. Es ist die Frage: Was ist die "eigentliche Mitte des christlichen Glaubens"?
Karl Rahner beklagt, dass diese zentrale Frage von den Theologen "faktisch oft oder fast immer vergessen wird". Dies trifft nicht nur für Theologen zu, sondern auch für viele Christen. Auch sie haben die "eigentliche Mitte des christlichen Glaubens" oft nicht in den Blick bekommen oder sie vergessen
Was ist nun auf dem Hintergrund der Ostererfahrung "die eigentliche Mitte des christlichen Glaubens"? Was bewirkt Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene für uns? Was sagt uns zu dieser Frage der 1. Petrusbrief? Welche Antwort gibt Karl Rahner in seiner letzten großen Rede anlässlich seines achtzigsten Geburtstages?
Was sagt der 1. Petrusbrief in der heutigen Lesung? Die Aussagen sind gewichtig: Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren. Durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten haben wir eine lebendige Hoffnung. Wir empfangen das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe. Wir erlangen das Heil. Es wird uns Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil.
Nach diesen Worten werden wir durch Jesus Christus reich beschenkt:
Durch eine neue Geburt, eine lebendige Hoffnung, ein unzerstörbares und unvergängliches Erbe, durch den Anteil an Gottes Ehre und Herrlichkeit.
All diese Begriffe haben mit Gott zu tun. Gott ist uns in besonderer Weise nahe. Er wirkt in uns, er verwandelt uns. Er gibt uns Anteil an der göttlichen Natur (2 Petr 1,4)
Bei all diesen Begriffen geht es auch um die Mitte des christlichen Glaubens. Worin besteht die Mitte des Christentums nach Karl Rahner? "Die eigentliche und einzige Mitte des Christentums und seiner Botschaft ist darum für mich die wirkliche Selbstmitteilung Gottes in seiner eigensten Wirklichkeit und Herrlichkeit an die Kreatur, ist das Bekenntnis zu der unwahrscheinlichsten Wahrheit, dass Gott selbst mit seiner unendlichen Wirklichkeit und Herrlichkeit, Heiligkeit, Freiheit und Liebe wirklich ohne Abstrich bei uns selbst in der Kreatürlichkeit unserer Existenz ankommen kann und alles andere, was das Christentum anbietet oder von uns fordert dem gegenüber nur Vorläufigkeit oder sekundäre Konsequenz ist". (K. Rahner, Von der Unbegreiflichkeit Gottes. Erfahrungen eines katholischen Theologen, 4. Aufl., Freiburg: Verlag Herder 2006, S. 36).
Die Mitte des Christentums ist nicht das Engagement für Liebe und Gerechtigkeit in der Welt, nicht ein "Humanismus, der Gott für den Menschen verbrauchen will". Diese Mitte des Christentums ist eine neue Qualität der Beziehung zwischen Gott und Mensch, die Rahner als "Selbstmitteilung Gottes" beschreibt, eine Beziehung, wo der Geber und die Gabe identisch sind. Gott teilt sich uns mit und ist in uns. Der dreifaltige Gott wohnt in uns und wir in ihm.
Das ewige Leben - die Anschauung Gottes- ist sozusagen die organische Entfaltung dessen, was in der Selbstmitteilung Gottes schon gegenwärtig ist.
So gesehen geht es in der Osterliturgie um die eigentliche und letzte Bestimmung - Berufung - des Menschen. Jesus Christus , der Gekreuzigte und Auferstandene räumt die Hindernisse aus, die dieser Berufung entgegenstehen, und öffnet die Tore, damit sie sich verwirklichen kann.
Barmherziger Gott,
durch die jährliche Osterfeier
erneuerst du den Glauben deines Volkes.
Laß uns immer tiefer erkennen,
wie heilig das Bad der Taufe ist,
das uns gereinigt hat,
wie mächtig dein Geist,
aus dem wir wiedergeboren sind,
und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag der Osterzeit
Gott,
Friede und Vergebung
sind die großen Gaben des Auferstandenen an seine Jünger.
Schenke auch uns den Glauben,
daß der Herr mitten unter uns lebt und wirkt.
Durch Christus, unseren Herrn.
Gott,
du hast deinem Volk
durch das Bekenntnis des Glaubens
und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt.
Nimm die Gaben (der Neugetauften und aller)
deiner Gläubigen gnädig an
und laß uns in dir Seligkeit und ewiges Leben finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag der Osterzeit
Kehrvers:
"Gott, du bist herrlich und heilig,
wir wollen dir lobsingen. Halleluja."
(GL 488,2)
Großer und erhabener Gott.
Wir treten vor dich, um dir zu danken für alles Großartige,
das du an uns getan hast.
Wir danken dir für alles Lebendige in der Schöpfung
und dafür, dass wir am Leben teilhaben dürfen.
Kehrvers
Wir danken Dir für Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist
und den Tod für immer überwunden hat.
Er ist der Erste und der Letzte und der Lebendige.
Er war tot und lebt nun in alle Ewigkeit.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du ihn zu deiner Rechten erhöht
und ihm die Herrschaft über die ganze Welt übergeben hast.
Er lässt uns teilhaben an dem neuen Leben, das du ihm gegeben hast.
Kehrvers
Wir danken dir, dass er uns ganz nahe ist,
dass er unsere Zweifel und Ängste kennt und versteht
und uns entgegenkommt, wenn uns deine Wege unbegreiflich sind.
Kehrvers
Wir danken dir für den Heiligen Geist, den er uns eingehaucht hat,
Er gibt uns die Kraft, einender die Schuld zu erlassen, die Sünden zu vergeben
und einander so zu lieben, wie er uns geliebt hat.
Kehrvers
Für all das danken wir dir.
In Freude stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen mit allen Engeln und Heiligen:
Danklied, z. B. GL 328: Gelobt sei Gott im höchsten Thron
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater, immer und überall zu danken,
diese Nacht (diesen Tag, diese Tage)
aber aufs höchste zu feiern,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Denn er ist das wahre Lamm,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Durch seinen Tod
hat er unseren Tod vernichtet
und durch seine Auferstehung
das Leben neu geschaffen.
Darum jubelt in dieser Nacht (heute)
der ganze Erdkreis in österlicher Freude,
darum preisen dich die himmlischen Mächte
und die Chöre der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 1
Allmächtiger Gott,
im heiligen Sakrament haben wir
den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Laß diese österliche Gabe in uns weiterwirken
und fruchtbar sein.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag der Osterzeit

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.