Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk,
das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Adventsonntag
Herr, unser Gott,
in dieser Feier
erfüllen wir den Auftrag deines Sohnes.
Nimm unsere Gaben an
und gib deiner Kirche die Gnade,
immer und überall sein Opfer zu feiern.
Schenke uns durch dieses Geheimnis dein Heil,
das du der Welt bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue.
(GL 401)
Guter Gott und Vater;
Wir kommen vor dein Angesicht, um dir Dank zu sagen.
Du hast auf die Not deines Volkes geachtet und Jesus gesandt,
dass er jenen zu Hilfe komme,
die an den Verwundungen der Schöpfung leiden.
Kehrvers
Er hat erfüllt, was die Propheten verheißen haben:
Er hat die erschlafften Hände gestärkt,
die wankenden Knie wieder gefestigt
und allen Menschen Mut zugesprochen.
Kehrvers
Den Blinden hat er die Augen geöffnet,
den Tauben die Ohren,
die Zungen der Stummen hat er gelöst
die Lahmen geheilt,
Tote auferweckt
und die Ausgeschlossenen
in die Gemeinschaft des Volkes zurückgeführt.
Kehrvers
Wie Johannes der Täufer
hat der den Armen die Frohe Botschaft verkündet
und ihnen die Freude des Reiches Gottes erschlossen.
Kehrvers
Mit allen Menschen, die sich für das Fest seiner Menschwerdung bereiten,
stimmen wir ein in das Lob der ganzen Schöpfung und singen:
Danklied, z. B. Danket, danket dem Herrn... (GL 406)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Ihn hast du der verlorenen Menschheit
als Erlöser verheißen.
Seine Wahrheit leuchtet den Suchenden,
seine Kraft stärkt die Schwachen,
seine Heiligkeit bringt den Sündern Vergebung.
Denn er ist der Heiland der Welt,
den du gesandt hast, weil du getreu bist.
Darum preisen wir dich
mit den Cherubim und Serafim
und singen mit allen Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 3
Barmherziger Gott,
komm durch dieses heilige Mahl
uns schwachen Menschen zu Hilfe.
Reinige uns von Schuld
und mache uns bereit für das kommende Fest.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Johannes der Täufer entspricht dem Archetyp des wilden Mannes. Schon sein Auftreten hat manchem Schrecken eingejagt. Markus schildert ihn so: »Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.« (Markus 1,6) Er hat alle Kultur hinter sich gelassen und lebt wie die Beduinen in der Wüste. Der lederne Gürtel erinnert an den Propheten Elija, der ähnlich bekleidet war. Er lebt in der Wüste, nicht nur unter den wilden Tieren, sondern angetan mit einem Kleid aus Kamelhaaren. In manchen Handschriften heißt es sogar, daß sein Kleid aus Kamelhaut war. Das würde die jüdischen Reinheitsvorschriften verletzen. Aber dieser Johannes ist ausgestiegen aus dem Kreis derer, die sich an die äußeren Gesetze halten, die die Kultur des Landes repräsentieren. Und die Kamelhaut zeigt, daß er das Tierische in sich integriert hat, die Vitalität, die Sexualität, die Triebkraft der Tiere. Johannes ist der wilde Mann, der Zugang hat zu allem Wilden in sich und um sich herum. Das Wilde dient ihm als Kraftquelle, um seine Botschaft von Gott den Menschen zu verkünden und um die Menschen zur Umkehr aufzurufen.
Seine Predigt paßt zu seinem Auftreten. Sie ist rau, ohne Rücksicht auf die Empfindlichkeiten seiner Zuhörer. Die in der Bevölkerung hochgeachteten Pharisäer fährt er an: »Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, daß ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater.« (Matthäus 3,7f) Johannes muß sich bei keinem beliebt machen. Er sagt das, was er in sich spürt. Er tritt auf, ohne sich von Menschen abhängig zu machen. Er weiß sich im Dienst Gottes. Er ist innerlich frei. Seine Freiheit führt ihn dazu, auch den König Herodes anzugreifen und ihm Vorwürfe zu machen, weil er Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, geheiratet hatte. Herodes läßt ihn deshalb ins Gefängnis werfen. Seine Frau will ihn am liebsten töten. Doch »Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wußte, daß dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu.« (Mk 6,20) Der mächtige König hat Angst vor dem wilden Mann. Aber zugleich fühlt er sich von ihm angezogen. Er spürt, daß in diesem Menschen eine innere Kraft und Freiheit ist, die er bei sich selbst vermißt. Und er weiß, daß Johannes ein gerechter und heiliger Mann ist. Er ist in sich richtig, aufrecht, ohne Angst vor Menschen. Er läßt sich nicht verbiegen. Und er ist heilig, das heißt er ist unverfügbar, er ist herausgenommen aus dem Kreis der anderen Menschen. Man kann nicht über ihn herrschen. Denn er hat in sich eine andere Kraft, eine heilige Kraft. Herodes redet gerne mit Johannes und zugleich wird er dabei »unruhig und ratlos«. Er spürt in ihm etwas Echtes und Authentisches. Und er hat eine Ahnung davon, daß ihm guttun würde, wenn er sich auf diesen wilden Mann einlassen würde. Aber zugleich hat er Angst davor, sein Leben zu ändern, von seinem Königsthron herabzusteigen und sich der eigenen Wahrheit zu stellen. Doch der wilde Mann läßt sich nicht einschüchtern. Er zwingt jeden, sich mit seinem eigenen Herzen zu befassen, das Wilde und Ungebändigte darin zu erkennen, aber auch die Kraft und die Klarheit.
Jesus spricht im Matthäusevangelium über Johannes, der zu ihm Boten gesandt hat, um ihn zu fragen, ob er wirklich der ist, auf den die Frommen Israels gewartet haben: »Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten: Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer.« (Mt 11,7-11) Es ist eine gute Charakteristik, die Jesus hier von Johannes entwirft. Er schwankt nicht wie ein Schilfrohr, sondern steht zu sich. Er richtet sich nicht nach der Meinung der Menschen. Er ist kein Wendehals, der sich nach dem Wind dreht. Er gibt nichts auf seine Kleidung. Hier hat Jesus als Gegensatz sicher Herodes im Blick, der sehr viel Wert darauf legte, in feinsten Kleidern aufzutreten. Herodes ist das Gegenbild des wilden Mannes. Einerseits lebt er in ungeheurem Luxus, ist er verweichlicht. Gleichzeitig aber ist er sehr grausam - so läßt er alle seine Gegner heimtückisch ermorden. Und dieser scheinbar so mächtige Mann ist in Wirklichkeit abhängig von Frauen. Das zeigt die Szene, in der er Salome die Hälfte seines Reiches verspricht. Er läßt sich von Salome und deren Mutter zum Mord an Johannes treiben und übergeht dabei die Stimme seines eigenen Herzens. Johannes ist klar und eindeutig, nach außen wild und kraftvoll, aber zugleich mit einem milden und guten Herzen. Er verletzt die Menschen nicht, sondern richtet sie auf. Johannes hat vor niemandem Angst. Er sagt das, was er denkt.
Johannes braucht auf sein Äußeres keinen Wert zu legen, weil er in sich stimmig ist. Er braucht keine Maske. Er ist, wie er ist. Und dann beschreibt Jesus die Aufgabe des Johannes: Er soll ihm den Weg bereiten. Das ist die geschichtliche Aufgabe in Beziehung zu Jesus. Es ist aber auch eine psychologische Aufgabe, die immer gilt. Der wilde Mann bahnt dem wahren Selbst in uns den Weg. Er befreit uns von allen Rollen und Masken, mit denen wir unser wahre Selbst verstellen. Er wirft die Fassaden ein, die wir aufgebaut haben, um nach außen hin gut aufzutreten. Alles Äußere zerbricht er, damit wir den Weg nach innen finden, zu unserem unverfälschten Kern, zu unserem Selbst, zum >Christus in uns<
Aus: Anselm Grün, Kämpfen und lieben. Wie Männer zu sich selbst finden. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2003.

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