Wenn wir in die Weltgeschichte schauen, beobachten, was sich in Staat und Kirche tut, entsteht der Eindruck, dass wir ganzjährigen Fasching feiern. Manches ist skurill, widersprüchlich, einiges kann man nicht mehr ernstnehmen. Es ist zum Lachen oder zum Heulen. Tatsächlich: Lachen, Weinen, Ernstes, Heiteres, alles liegt sehr eng nebeneinander. Auf diese Weise können wir Menschen leicht die Orientierung verlieren. Was ist noch sicher? Wem können wir noch glauben, Vertrauen schenken? Gibt es noch die vielgepriesene Handschlagqualität?
Die Texte des heutigen Sonntags versprechen Orientierung und Handschlagqualität. Ältere Menschen auf dem Land erzählen, wie Grundstücksgrenzen festgelegt wurden. In Gegenwart von Zeugen - meist Jugendliche oder Kinder- wird ein Grenzstein eingeschlagen oder wieder gut sichtbar gemacht. Diese jungen Leute wurden an den Ohren gezogen und erhielten sehr oft am Ende dieses Rituals eine schallende Ohrfeige. Ein mitunter sehr schmerzhaftes Erlebnis hält die Erinnerung an diesen Rechtsvorgang wach.
Mose erhielt Gesetze in Stein gemeißelt. Es geht dabei um ein unauflösbares Treueverhältnis zwischen Gott und Mensch. Dieses steingemeißelte Wort zeigt erst dann Wirkung, wenn es auch in Kopf und Herz dringt. Anders gesagt: Das Wort Gottes soll im Volk und auch in uns heute in Fleisch und Blut übergehen. Der Glaube kommt vom Hören: das Evangelium mit wachem Verstand aufnehmen, kritisch neugierig sein und darüber nachdenken, wie die Worte Jesu in unserem Leben wirksam werden können.
Sehr oft liegen Wort und Tat weit auseinander. In der ersten Lesung heißt es: "Heute werde ich euch den Segen und den Fluch vorlegen". (Dtn. 11,26). Segen (lat.: benedicere), also Gutes sagen und wünschen. Alles, was zu unserem Heil führt, was uns gut tut, möge uns begleiten. Der Fluch ist Gottes Enttäuschung über die Zurückweisung seiner Liebe und Treue durch Verehrung und Hinwendung zu anderen Göttern wie Besitz, Geld und Macht.
Gottes treue ist in Stein gemeißelt, somit von seiner Seite her fest, unwiderruflich. Auch in Politik und Kirche hören wir, dass manche Maßnahme "unwiderruflich" oder "in Stein gemeißelt" sei. Gar nicht selten müssen wir dann feststellen, dass das, was "in Stein gemeißelt" ist den Härtegrad von weicher Butter oder anderem Weichmaterial hat und Wortakrobaten, Sprechblasenschleuderer und Schwätzer tonangebend waren. Bei mancher dieser Feststellungen war nicht der Stein, der Fels das Fundament für die solide Grundlage eines Hauses, sondern Sand und Lehm, wie das Evangelium sagt. Ein Dummkopf somit, wer auf dieser Basis sein Haus, sein Lebenshaus aufbaut. Dieses Wort Jesu ist auch Grundlage und Basis unserer Kirche. "Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Stein baut.....Als ein Wolkenbruch kam, stürzte es nicht ein." (Mt.7,24f.).
Welche Bausteine und Baustoffe nehmen wir zur Hand, um am Haus der Kirche, auch an unserem Lebenshaus weiterzubauen? Wer sind unsere Berater und Weggefährten bei der Auswahl des Baumaterials? Wieder gibt das Schriftwort Hinweise: "Nicht jeder, der zu mir Herr, Herr sagt, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters erfüllt." (Mt.7,21). Das heißt: Wort und Tat in Einklang bringen. Daran schließt die Warnung vor Dämonen und falschen Propheten, die im Namen Gottes auftreten. Entsprechend bringen sie auch Baumaterial ein: Angst, Misstrauen, Machtgehabe. Ein "No-go-Syndrom" und ein automatischer "Nein-Reflex" bei allen neuen Überlegungen, wie heute in einer sich wandelnden Gesellschaft Gottes Wort sichtbar wird, verschütten aber die festen Fundamente und wertvollen Bausteine.
Das Wort Jesu gibt es in jeder Eucharistiefeier, in jeder Bibelrunde, in der Verkündigung. Auch im Alltag kommt Gottes Wort zur Sprache, wenn es um Entscheidungen, um Lebenssituationen, um Sinnfindung geht.
Gott fragt: Wie willst du dein Lebenshaus bauen? Willst du am Haus der Kirche mitbauen, mitgestalten, auch wenn du in deinen Entscheidungen wenig Spielraum hast? Prüft genau, was euch gesagt wird!
Die heutigen Texte sind keine leichte abwechslungsreiche Faschingsunterhaltung. Sie können uns aber im guten Sinn des Wortes Fröhlichkeit, inneren Frieden und Vertrauen schenken, wenn wir sie ernstnehmen und darauf bauen, dass Gott der einzige Fels ist.
Gott, unser Vater,
deine Vorsehung geht niemals fehl.
Halte von uns fern, was uns schadet,
und gewähre uns alles, was zum Heile dient.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 9. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott.
Junge und alte Menschen,
einfache und kluge,
erfolgreiche und solche, die sich schwertun,
hast du hier zusammengeführt als deine Gemeinde.
Gib einem jeden
etwas von deinem guten, heiligen Geist,
damit wir dich und uns selbst
und einander besser verstehen
und vorankommen auf dem Weg,
auf den du uns miteinander gestellt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 15
Herr, unser Gott,
im Vertrauen auf deine Güte
kommen wir mit Gaben zu deinem Altar.
Tilge unsere Schuld
durch das Geheimnis des Glaubens,
das wir im Auftrag deines Sohnes feiern,
und schenke uns deine Gnade.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 9. Sonntag im Jahreskreis
(für den priesterlosen Wortgottesdienst)
Kehrvers:
Dem Herrn will ich singen;
machtvoll hat er sich kundgetan. (GL 624,2)
Lasst uns mit Dank vor Gott hintreten,
denn er gibt unserem Leben Halt.
Er hat sich als barmherzig, treu und verlässlich erwiesen.
Kehrvers
Gott und Vater, wir danken dir,
denn du hast die Welt in Weisheit geschaffen und geordnet.
Den Menschen hast du Gebote gegeben,
die ihnen Heil und Segen bringen.
Kehrvers
Mit dem Volk, das du dir erwählt hast,
hast du einen Bund geschlossen
und es in ein Land geführt,
in dem es wachsen und sich entfalten konnte.
Kehrvers
Mit uns hast du durch Jesus deinen Bund erneuert.
Er ist für uns das lebendige Wort geworden,
das uns zum wahren Leben führt.
Er ist für uns der feste Grund,
auf den wir unser Leben aufbauen können
und der allem Bösen, das uns bedroht, standhält.
Kehrvers
Wir danken dir für die Gemeinschaft der Kirche,
in der sein Wort und sein Beispiel weiterleben.
Sie führt uns zu den Quellen des Lebens
und gibt uns Heimat und Geborgenheit.
Kehrvers
Mit allen Engeln und Heiligen
stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen dir zum Dank:
Danklied, z. B. Nun danket alle Gott (GL 405)
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Herr,
wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Führe uns durch deinen Geist,
damit wir uns nicht nur mit Worten zu dir bekennen,
sondern dich auch durch unser Tun bezeugen
und den ewigen Lohn erhalten in deinem Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 9. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott und Vater,
du hast deinen gekreuzigten Sohn auferweckt
und ihm, dem Lebendigen,
die Macht des lebenspendenden Geistes gegeben.
Nimm dich deiner Kirche an, o Herr,
und erneuere ihre Jugend.
Laß sie aufleben durch den Geist,
dessen Zeichen das Feuer ist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Schlussgebete zur Auswahl 4

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