Die Verklärung Jesu bietet ein Bild voller Licht und Herrlichkeit. Jesus hatte mit den drei Jüngern, die er mit sich auf den Berg genommen hatte, so etwas wie eine Sternstunde erlebt. Man könnte denken: fast zu schön, um wahr zu sein. Solche Sternstunden sind sicher eine Ausnahme. Aber es gibt sie. Jede und jeder von uns hat so etwas schon im eigenen Leben erfahren. Da gibt es Augenblicke, wo alles stimmt, wo ein Gefühl von Harmonie und Glück uns durchflutet. Vielleicht war es so, als Sie zum ersten Mal verliebt waren, oder als Sie nach einer Krise wieder gewusst haben, wie es weiter gehen kann im Leben.
Solche Augenblicke sind eher selten. So schnell sie über uns kommen, so schnell gehen sie vorüber. Wir können sie nicht festhalten. Petrus wollte das. Wie gern hätte er die drei Hütten gebaut und sich auf dem Berg der Verklärung eingenistet. Es ging nicht. Zusammen mit den Anderen musste er hinunter ins Tal, hinunter in den Alltag. Genau so geht es auch uns. Für einen Augenblick kann das Leben aufleuchten in strahlendem Licht. Und schon ist es vorüber. Schon wieder umgibt auch uns der Alltag. Und da werden wir immer mit Sorgen und Problemen konfrontiert. Eng und ermüdend kommt es uns da manchmal vor, und dann fragen wir: ist das alles; ist das mein ganzes Leben?
Da kann die Versuchung groß sein, sozusagen die Flügel hängen zu lassen und einfach vor sich hin zu leben. Man hält dann gar nicht mehr Ausschau nach etwas Besserem und Größerem. Aber in uns, unserem Inneren drin, fühlen wir uns dabei frustriert und unzufrieden. Wir spüren genau, dass wir aus unserem Leben nicht das machen, was eigentlich möglich wäre und unserer Sehnsucht entsprechen würde. Wie wär's, wenn wir uns da von der Figur anstecken lassen würden, die uns heute die alttestamentliche Lesung vorgestellt hat, von der Figur des Abraham?
Der hatte schon ein gewisses Alter und sich auch eingerichtet in seinem Land und seinem Leben. Und da hinein bricht nun wie ein Blitz aus heiterem Himmel Gottes Aufforderung, Haus und Heimat und den gewohnten Alltag zu verlassen, um sich auf einen Weg zu machen, der in ein völlig unbekanntes Land und in eine total ungewisse Zukunft führt. Es muss auf Abraham wie ein Schock gewirkt haben, urplötzlich alles Vertraute hinter sich lassen zu sollen. Viele, auch sorgenvolle Gedanken werden ihm durch Kopf und Herz gegangen sein. Sollte er wirklich, trotz vorgerücktem Alter, noch einmal einen neuen Anfang wagen? Konnte er das für sein Leben und das seiner Angehörigen wirklich riskieren und einfach so der Verheißung Gottes vertrauen? Eines war für Abraham sicher klar: sein normaler Alltagstrott war total in Frage gestellt. Er stand vor der Entscheidung, etwas Neues zu wagen und sich auf einen unbekannten Weg zu machen.
Die Fastenzeit stellt uns vor eine ähnliche Situation. Sie eröffnet auch uns einen Weg, der zu etwas Neuem und Großem hinführen will, zum Osterfest. Die Fastenzeit fordert uns auf, diesen Weg des Glaubens zu gehen. Aber dazu müssen auch wir bereit sein, manch Liebgewordenes, manches, mit dem wir uns im Alltag arrangiert haben, zu hinterfragen und neu zu gestalten, in der Partnerschaft, in der Familie, im Beruf und in der freien Zeit. Sind wir bereit, in diesem Sinne Altvertrautes, Bequemes hinter uns zu lassen, aufzustehen, uns neu auf den Weg zu machen, einfach, weil Gott uns dazu einlädt?
Aber wie damals Abraham, so sagt Gott auch uns zu, dass er mit uns sein wird auf diesem Weg. Genau das verheißt das Evangelium von heute, genau das will das Bild von der Verklärung vermitteln. Petrus und die anderen Jünger mussten zwar hinunter vom Berg der Verklärung. Aber dabei waren sie nicht allein. Auch Jesus ging hinunter. Er ging den Weg mit ihnen in die Niederungen des Lebens. Er ging den Weg so weit hinab wie niemand sonst, bis ans Kreuz, aber durch das Kreuz hindurch zur Auferstehung.
Er wird also nicht immer leicht sein, dieser Weg. Im Gegenteil. Er fordert viel, letztlich alles. Aber wie Abraham Gottes Zusage vertraut hatte, so dürfen auch wir darauf vertrauen, dass wir auf dem Weg des Glaubens immer von Gott begleitet und gehalten sind, und vor allem dürfen wir darauf vertrauen, dass dieser Weg wirklich zu etwas Großem und Beglückendem hinführt.
Dafür hat die Verklärung auf dem Berg so etwas wie eine Vorschau gegeben. Es ist die Vorschau auf das, was Ostern und Auferstehung bedeuten. Sie bedeuten vor allem, dass unser Leben ausgerichtet ist auf etwas Großes und Beglückendes, auf die Gemeinschaft mit jenem Gott, der uns die Fülle des Lebens schenken will. Was das genau beinhaltet, das wissen wir nicht. Wir können es uns nicht einmal vorstellen. Und doch bietet die Verklärung Jesu dafür einen Vorgeschmack. Sie sagt uns: der Weg dazu ist offen und das Ziel wird Licht und Glück sein. Wir müssen allerdings bereit sein, aufzustehen, das Abgestandene hinter uns zu lassen und uns auf den Weg zu machen, so wie Abraham es getan hat ganz im Vertrauen auf Gott. Dann wird Ostern für uns wahrhaft zum Fest des Lebens und dann wird unser ganzes Leben sich einmal vollenden im Licht der Verklärung.
Herr, Jesus Christus,
du hast deinen Jüngern deine Herrlichkeit geoffenbart.
Herr, erbarme dich.
Du bist ihnen als der von Gott geliebte Sohn gegenüber getreten.
Christus, erbarme dich.
Du hast uns Anteil am Wohlwollen Gottes gegeben.
Herr, erbarme dich.
Gott, du hast uns geboten,
auf deinen geliebten Sohn zu hören.
Nähre uns mit deinem Wort
und reinige die Augen unseres Geistes,
damit wir fähig werden,
deine Herrlichkeit zu erkennen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Fastensonntag
Gütiger Gott,
durch das Wirken deiner Gnade
schenkst du uns schon auf Erden
den Anfang des ewigen Lebens.
Vollende, was du in uns begonnen hast,
und führe uns hin zu jenem Licht,
in dem du selber wohnst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Samstag in der 2. Fastenwoche
Herr,
das Opfer, das wir feiern,
nehme alle Schuld von uns.
Es heilige uns an Leib und Seele,
damit wir uns in rechter Weise auf das Osterfest vorbereiten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Fastensonntag
Herrn, unser Gott,
im heiligen Opfer, das wir feiern,
nimm auch unsere Mühen an,
damit der äußere Verzicht,
den wir in diesen vierzig Tagen auf uns nehmen,
uns durch deine Gnade innerlich erneuere.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Donnerstag in der 2. Fastenwoche
Guter Gott,
auf dem Berg der Verklärung hast du Jesus
vor den Augen der Jünger verherrlicht.
Wir bitten Dich, nimm mit diesen Gaben auch uns an
und verwandle uns,
damit wir an seiner Herrlichkeit teilhaben können.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Kehrvers:
Alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. (GL Ö800)
Oder: Jubelt dem Herrn, alle Enden der Erde, schauen Gottes Heil. (GL 55,1))
Guter Gott, wir kommen zu dir, um dir zu danken
und deine Größe zu preisen.
Einst hast du Abraham herausgerufen
aus seinem Volk und aus seinem Vaterhaus,
um ihn zu einem großen Volk
und zum Segen für alle Geschlechter der Erde zu machen.
Kehrvers
Mose und Elija hast du deine Herrlichkeit schauen lassen
Sie haben dein Volk durch schwierige Zeiten geführt
und ihm deinen Willen geoffenbart.
Kehrvers
Auf dem Berg der Verklärung
hast du Jesus als deinen geliebten Sohn geoffenbart,
an dem du Gefallen gefunden hast.
Kehrvers
Durch ihn hast du deinen Plan mit den Menschen vollendet.
Er ist durch Leiden und Tod hindurch
in deine himmlische Herrlichkeit eingetreten.
Kehrvers
Durch ihn hast du auch uns den Himmel aufgeschlossen
und lässt uns jetzt schon erahnen,
Was du denen bereitet hast, die dich lieben.
Kehrvers
Dafür loben und preisen wir dich
mit allen Engeln und Heiligen.
Zusammen mit der ganzen Schöpfung singen wir zu deinem Lob:
Danklied, z. B.: Gott wohnt in einem Lichte (GL 429)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat den Jüngern
seinen Tod vorausgesagt
und ihnen auf dem heiligen Berg
seine Herrlichkeit kundgetan.
In seiner Verklärung erkennen wir,
was Gesetz und Propheten bezeugen:
daß wir durch das Leiden mit Christus
zur Auferstehung gelangen.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 2
Ja, es ist recht, dir, Vater im Himmel,
zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus.
Auf dem Berg der Verklärung ist er Mose und Elija begegnet
und seine Größe und Herrlichkeit wurden offenbar.
Gestärkt durch diese Begegnung und durch die Gewissheit deines Wohlgefallens
ist er den Weg seiner Sendung zu Ende gegangen bis zum Tod am Kreuz.
Du hast ihn endgültig verherrlicht und zu Deiner Rechten erhöht.
Seine Aufrichtigkeit gibt auch uns die Kraft, unseren Weg in Treue zu gehen,
und die Hoffnung, dass wir einmal mit ihm verherrlicht werden.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und singen in Gemeinschaft mit allen Propheten, Aposteln und Heiligen
das Lob Deiner Herrlichkeit.
Herr,
du hast uns im Sakrament
an der Herrlichkeit deines Sohnes Anteil gegeben.
Wir danken dir,
daß du uns schon auf Erden teilnehmen läßt
an dem, was droben ist.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Fastensonntag
Gott segne das Dunkel
Gott segne das Dunkel, das du nicht verstehst,
und lasse dich schauen
Sein Licht.
Gott segne deine Schwäche
und lasse dich erfahren
Seine Kraft.
Gott segne deine Schmerzen
und lasse sie zum Weg werden
zu Ihm.
Gott segne deine Fragen
und öffne dir Ohren und Herz,
dass du Seine Antwort verstehst zu Seiner Zeit.
Gott segne die Ungewissheit
und mache dich gewiss
Seiner Gegenwart.
Gott segne deine Hoffnung
und lasse dich vertrauen,
dass größer als deine Wünsche Seine Liebe ist.
Gott segne deine schlaflosen Nächte
und lasse den Glauben in dir wachsen,
dass ER dich führt.
Wilma Klevinghaus, in: Peter Müller: Wer aufbricht, kommt auch heim
"Die eigentliche und einzige Mitte des Christentums und seiner Botschaft ist darum für mich die wirkliche Selbstmitteilung Gottes in seiner eigensten Wirklichkeit und Herrlichkeit an die Kreatur, ist das Bekenntnis zu der unwahrscheinlichsten Wahrheit, dass Gott selbst mit seiner unendlichen Wirklichkeit und Herrlichkeit, Heiligkeit, Freiheit und Liebe wirklich ohne Abstrich bei uns selbst in der Kreatürlichkeit unserer Existenz ankommen kann und alles andere, was das Christentum anbietet oder von uns fordert, demgegenüber nur Vorläufigkeit oder sekundäre Konsequenz ist." So komme es bei der Neuevangelisierung unserer Welt nicht zuerst darauf an, die christliche Wirklichkeit als solche, also vor allem inhaltlich zu nennen, "sondern etwas von der Erfahrung zu sagen, die man natürlich sehr subjektiv von dieser Wirklichkeit gemacht hat". Das berühmte Wort Rahners, der Christ der Zukunft werde einer sein, der eine "Erfahrung" in göttlichen Dingen gemacht hat und somit ein "Mystiker" ist, hat hier seine Wurzeln.
63. JAHRGANG 2011 WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DE Freiburg, 13.März 2011.
aus: Geist der Unruhe. Zeitgenosse, Theologe, Prophet: Karl Rahner. Von Georg Kügler.
http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/bes_thema_druckversion_html?k_beitrag=474873

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