Es heißt, dass die drei Männer, die von weit her kamen, Sterndeuter waren, weise Männer. So lesen wir es im Matthäusevangelium (2,1-12). Weil sie einen König suchten, den neugeborenen König der Juden, hat die Überlieferung in ihnen Könige gesehen. Sie knien vor dem von ihnen gesuchten und nun gefundenen König nieder und huldigen ihm. Sie legen ihre Kronen ab und reichen dem Kind ihre Geschenke. Nennen wir sie jetzt einfach "die Dreikönige". Im Traum hatten sie die Weisung erhalten, nicht mehr nach Jerusalem zu Herodes zurückzukehren. Wie ging es dann weiter? Sie haben sich wieder auf den Weg gemacht - als Könige - und haben ihre Kronen wieder aufgesetzt.
Der Schriftsteller Werner Reiser hat dazu eine kleine Geschichte geschrieben, die ich jetzt in gekürzter und etwas abgewandelter Form wiedergebe:
Als die Könige aus ihrem Traum erwacht waren, weckten sie ihre Diener, die neben den Kamelen schliefen. Sie befahlen ihnen, für den Aufbruch die nötigen Vorkehrungen zu treffen. Aber welchen Weg sollten sie einschlagen? Kein Stern am Himmel, der ihnen den Weg wies. Sie ritten ins Dunkle hinein. Vor ihnen lagen Felsen und Schluchten, in denen man sich verirren konnte. Da stiegen sie ab und hielten Rat miteinander. Es gab jedoch verschiedene Ansichten über den weiteren Weg. Sie konnten sich nicht einigen. Die Knechte bekamen das alles mit. Einer von ihnen hatte den Mut, etwas zu sagen. Er könne einen Weg ausfindig machen. Das sei anmaßend, meinte einer der Könige. Und er sei nicht gewillt, sich von einem Knecht den Weg weisen zu lassen. Es gäbe in dieser Welt nun einmal Könige und Knechte, Herren und Diener.
Der dritte König, der bisher nichts gesagt hatte, wandte sich an seine königlichen Gefährten: "Ist es nicht seltsam? Wir lassen uns von unseren Knechten bedienen. Sie versorgen unsere Tiere. Sie tragen unsere Lasten. Warum haben sie uns nichts zu sagen? Er rief den als vorlaut gerügten Knecht zu sich und fragte ihn, ob er diese Gegend kenne. Der antwortete, dass er vor vielen Jahren als Kriegsgefangener durch diese Gegend geschleppt wurde. Sie sei ihm in Erinnerung geblieben. Dem dritten König schien dieser Mann zuverlässig. Er stieg auf sein Kamel und sagte zu dem Knecht: "Geh voran und zeig uns den Weg. Und gib mir dein Gepäck. Auf meinem Tier gibt es genügend Platz, nachdem ich meine Geschenke dem neugeborenen König gegeben habe.
Die zwei anderen Könige konnten das nicht begreifen. Denn damit würde die Welt auf den Kopf gestellt. Darauf fragte der dritte König, welche Welt denn auf den Kopf gestellt würde, wenn man die Lasten gerechter verteilte, wenn man die Kluft zwischen den Mächtigen und den Unterdrückten, den Reichen und Armen überwinde. Dann zogen sie weiter, voran die Knechte und dann die Könige. Und es war, als ob auf dem dunklen Weg ein heller Glanz erstrahlte.
Diese Geschichte hat mich deswegen berührt, weil ich darin etwas von mir selber wiedererkenne. Vielleicht geht dies Ihnen auch so. Denn diese Geschichte lässt uns nachdenken über unser eigenes mitmenschliches Verhalten. Wir alle haben Jesus kennen gelernt als jemanden, der keinerlei Gewalt ausgeübt hat. In ihm kündigt sich ein Reich an, das nicht auf politischer Macht basiert. Das Reich Gottes! Gott geht in Jesus einen Weg der Erniedrigung, ein Weg menschlicher Ohnmacht. Schon in der Armseligkeit der Geburt des Messias, in seinem Auf-der Flucht-sein vor den Menschen kündigt sich sein künftiger Weg an, den selbst seine engsten Freunde nicht mehr verstehen konnten.
Jesus ist anders Herr als die Herren dieser Welt, die Macht und Gewalt ausüben. Den Jüngern, die im Reich Gottes die ersten Plätze einnehmen wollten, sagt er: "Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele" (Mk 10,42-45).
Als die Könige diesem armseligen Kind, den sie für einen König hielten, begegneten, konnten sie nicht ahnen, wie sein künftiger Weg verlief. Und wir? Wir kennen den Weg Jesu, der gezeichnet ist von Gewaltlosigkeit und Vergebungsbereitschaft. Wir kennen seinen Weg hin zu den Menschen, vor allem zu jenen, die von den vermeintlich Guten und Selbstgerechten verachtet wurden. Mit seinem Verhalten gegenüber den vermeintlich geringen Menschen hat Jesus die Welt wirklich auf den Kopf gestellt.
Darum könnte die Geschichte von den drei Königen in ihrem Umgang mit den Knechten auch uns meinen. Sie könnte uns einen Anstoß geben, vielleicht mehr als bisher, unseren Mitmenschen friedfertig und versöhnlich zu begegnen, um so Schritt für Schritt auf dem Weg, den Jesus uns gewiesen hat, weiter zu gehen. Ihm nachzufolgen, der nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen.
Hören wir noch Worte von Karl Rahner.
"Es leuchtet der Stern.
Viel kannst du nicht mitnehmen auf dem Weg.
Und viel geht dir unterwegs verloren.
Lass es fahren.
Gold der Liebe,
Weihrauch der Sehnsucht,
Myrrhe der Schmerzen
Hast du ja bei dir.
Er wird sie annehmen."
Heute feiern wir ein königliches Fest. Das Fest der drei Heiligen Könige. Sie haben kostbare Gaben mitgebracht: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Es sind königliche Geschenke - wenn auch nicht gerade kindliche. Aber darauf kommt es heute nicht an. Die Völker kommen sozusagen mit ihren Schätzen, um dem neugeborenen König zu huldigen.
Der Prophet Jesaja hat das kommen sehen, mutig und trotzig, wie er war. Es ist ein grandioser Hymnus, angestimmt in grauer Zeit:
Völker wandern zu deinem Licht
und Könige zu deinem strahlenden Glanz.
Blick auf und schau umher:
Sie alle versammeln sich und kommen zu dir.
Deine Söhne kommen von fern,
deine Töchter trägt man auf den Armen herbei.
Du wirst es sehen, und du wirst strahlen,
dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit.
Denn der Reichtum des Meeres strömt dir zu,
die Schätze der Völker kommen zu dir.
Zahllose Kamele bedecken dein Land,
Dromedare aus Midian und Efa.
Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold
und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.
Der Mund ist ganz voll, voll genommen. Es ist ein Trost-, es ist auch ein Trotzlied. Das arg gebeutelte Volk Israel darf wieder nach Hause. Nach langen Jahren der Deportation, der Vertreibung, der Demütigung wird ihnen ein Neuanfang gesungen. Gott selbst wird mit ihnen gehen und sich neu zu ihnen bekennen. Er wird mitten unter ihnen wohnen. Mein Volk! Die ganze Welt soll es sehen! Die ganze Welt soll sich auf den Weg machen. Die ganze Welt soll kommen!
Und: Wir sehen sie kommen. Die Rolle, stellvertretend für die Völker zu erscheinen, hat der Prophet Jesaja den drei aus dem Morgenland auf den Leib geschneidert, lange vor ihrer Zeit. Sie wissen es nicht einmal. Jetzt sind sie gekommen.
Es war ein Stern, der ihnen aufgegangen war - ein Licht. Ein Wort, das ihnen die Welt aufschloss: "Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel."
Die drei bringen das Morgenland mit. Das Land, in dem der Morgen zu Hause ist. Wir riechen förmlich die Zukunft. Dass sie ihre Geschenke, die für den Reichtum, für die Schönheit, für die Gerüche der Welt stehen, in einem Stall übergeben, hat die Welt noch nicht gesehen. In einem Stall! Drei Ausrufezeichen! Die ganze Welt kommt zu dem Kind. Aber es blitzt kein Scheinwerfer, es bläst keine Trompete, es kommt keine Rede. Nur ein Stern.
Der ehemalige Aachener Bischof Klaus Hemmerle - gestorben am 23. Januar 1994 - hat dem Stern ein eigenes Gedicht gewidmet:
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er die Fernsten rief,
aufzubrechen zum nahen Gott.
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er den Wüstenweg wies,
den untersten, den härtesten Weg.
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er stehen blieb über dem Haus der kleinen Leute:
Dort ist die große Zukunft geboren.
Schauen wir einmal auf den Stern! Was macht er? Er ruft die Fernsten! Er weist den Weg, nicht den einfachen! Er bleibt stehen! Da, wo die Zukunft geboren ist. Drei Beschreibungen, jede ist für sich birgt schon ein Geheimnis. Dass die Fernsten überhaupt gerufen werden - dass auch der unterste, der härteste Weg ein Weg ist - dass die große Zukunft bei kleinen Leuten geboren ist - Wunder über Wunder. Die erste Strophe verrät, worum es geht: "aufzubrechen zum nahen Gott". Um ihn zu finden, muss ich auch den untersten, den härtesten Weg gehen - und in das Haus der kleinen Leute gehen. Es ist jetzt keine Last, kein Zugeständnis, kein Kompromiss. Es geht nicht anders! So einfach ist das!
DER Stern hat sich nicht geirrt. Er schenkt dem nahen Gott Licht, macht Wüstenwege hell und lenkt unsere Augen auf eine große Zukunft. Als Mensch, der viele Irrtümer kennt, manche begeht, manche in Kauf nimmt - geht mir ein Licht auf.
In dieser Form ist das Gedicht nicht einmal vollständig. Klaus Hemmerle hat den drei Sternen-Strophen drei Herz-Strophen angefügt. Sein Gedicht heißt: Der Stern und das Herz.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich aufmachte,
den Unbekannten zu suchen.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es nicht aufgab
in der sichtlosen Ungeduld.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich beugte
vor dem Kind
Sterne sind weit weg. Auch unerreichbar. Sie haben eine eigene Schönheit. DER eine Stern besonders. Kann ich ihn unter den vielen anderen Sternen ausmachen, entdecken, ihn im Blick behalten?
Das Herz hingegen - das bin ich.
Aber Klaus Hemmerle sagt nicht: Mein Herz hat sich nicht geirrt. Ich weiß auch nicht, ob ich ihm das jemals nachsprechen könnte. Was ist schon - mein Herz?
Ich kann mir viel sagen, viel einreden,
ich kann mich entschuldigen, mich rein waschen,
ich kann mich überheben, ich kann mich schwarzmalen.
Klaus Hemmerle lauscht dem Evangelium ab: Dein Herz hat sich nicht geirrt.
Es gibt Worte, die ich mir selbst nicht sagen kann. Das Wort der Liebe. Z.B.
Ich möchte sagen: Ich liebe dich.
Ich möchte hören: Ich liebe dich.
Bei Klaus Hemmerle ist es in die Form der Vergangenheit gegossen. Dein Herz hat sich nicht geirrt. Ich habe das wohl schon alles gemacht, so gehalten, so entdeckt. Als ich mich aufmachte, den Unbekannten zu suchen, als ich nicht aufgab in der sichtlosen Ungeduld, als ich mich beugte vor dem Kind.
Es ist wie ein Zeugnis, ein Urteil, ein Nachruf.
Keine Aufforderung, keine Pflicht, keine Leistung.
Der Stern, der sich nicht irrt, findet dein Herz.
Es ist ein besonderes Fest, heute. Ein königliches. Viele kleine Könige gehen von Haus zu Haus. Sie bringen einen Stern mit - und einen Segen - und ein Lied. Einer von ihnen ist dunkelhäutig. Sie sammeln Geld. Für fremde Kinder, für Menschen in Not. Dafür bekommen sie sogar eine eigene "Missio", eine Sendung. Wir nennen sie: Sternsinger. Ein schöner Titel für kleine Könige! Sie singen von dem Stern, der sich nicht irrte. Von dem Herz, das sich nicht irrt. Als es sich aufmachte, den Unbekannten zu suchen.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
GL 524: Gott des Vaters ewger Sohn
Oder:
Herr,
wir legen weite Wege zurück.
Oft ist viel Nacht um uns. Wir sehen keinen Stern.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du bist das Licht.
Unsere Sackgassen und Irrwege machst du hell.
Christus, erbarme dich.
Herr,
zu dir kommen Weise und Könige.
Hilf uns aufzubrechen und gehen zu dir.
Herr, erbarme dich.
Allherrschender Gott,
durch den Stern, dem die Weisen gefolgt sind,
hast du am heutigen Tag
den Heidenvölkern deinen Sohn geoffenbart.
Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt.
Führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner Herrlichkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Erscheinung des Herrn, Hl. Dreikönige
Allmächtiger, gütiger Gott,
du hast uns deinen Sohn geschickt
als das Licht der Welt.
Laß uns den rechten Weg erkennen
und führe uns zur Erkenntnis der Wahrheit
und zur Fülle des Lebens.
Durch Christus, unseren Herrn.
Allmächtiger Gott,
nimm die Gaben deiner Kirche an.
Sie bringt nicht mehr Gold, Weihrauch und Myrrhe dar,
sondern er, den diese Gaben bezeichnen,
wird für uns geopfert und uns zur Speise gegeben,
unser Herr Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Erscheiung des Herrn
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers: GL 408: Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn…
Oder: GL 141: Auf, lasst uns jubeln dem Herrn, vor sein Angesicht kommen mit Dank.
Oder: GLÖ 929,2: Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn.
Wir sagen dir Dank, guter Gott und Vater,
dass du über den Menschen,
die in Finsternis lebten und im Dunkel ihren Weg gingen;
dein Licht hast aufstrahlen
und alle Völker deine Herrlichkeit hast schauen lassen.
Kehrvers
Aus deinem auserwählten Volk Israel
hast du Jesus von Nazareth als Messias hervorgehen lassen.
Er ist zum Hirten des neuen Gottesvolkes geworden,
das er aus allen Stämmen und Völkern zusammenruft.
Kehrvers
Durch ihn sind auch wir Miterben deines Reiches,
durch ihn gehören auch wir zu demselben Leib,
durch ihn haben auch wir Anteil an derselben Verheißung.
Kehrvers
So bringen wir dir mit allen Völkern unseren Lobpreis dar,
beugen wir vor dir unsere Knie
bringen wir dir unsere Gaben
und singen wir mit allen Engeln und Heiligen:
Danklied, z. B. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn heute enthüllst du
das Geheimnis unseres Heiles,
heute offenbarst du das Licht der Völker,
deinen Sohn Jesus Christus.
Er ist als sterblicher Mensch auf Erden erschienen
und hat uns neu geschaffen
im Glanz seines göttlichen Lebens.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Erscheinung des Herrn
Wir danken dir, allmächtiger Gott,
für die heiligen Gaben
und bitten dich:
Erhelle unsere Wege mit dem Licht deiner Gnade,
damit wir in Glauben und Liebe erfassen,
was du uns im Geheimnis der Eucharistie geschenkt hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Erscheinung des Herrn

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.