Eines der bekanntesten Gleichnisse im heutigen Evangelium erzählt eine spannende Familiengeschichte: ein Vater, dessen Großherzigkeit schier maßlos ist; ein Sohn, der schließlich in der Gosse landet - bei den Schweinen, und dem es erst dann reicht; und zu guter Letzt ein zweiter Sohn. Der Ältere der beiden, der, der brav geblieben ist, anständig, der sein Lebtag lang gearbeitet hat, und am Ende dieses Gleichnisses steht gerade der draußen vor der Tür.
Ich lade ein, dass wir uns in diese Geschichte hineinbegeben. Aber an wessen Stelle sollen wir uns hineinversetzen? Nun, aller Voraussicht nach gehören wir hier in der Kirche eher nicht auf die Seite des verlorenen Sohnes - der würde wohl am Sonntagvormittag nicht in der Kirche sitzen, sondern in irgendeinem Bett liegen - und nicht unbedingt in seinem eigenen.
Wir hier im Gottesdienst können uns aller Wahrscheinlichkeit nach eher auf die Seite des älteren Sohnes stellen: ich nehme an, dass die meisten von uns ein einigermaßen wohlgeordnetes Leben führen; viele von uns werden einem Beruf nachgehen, wir sorgen uns um unsere Familien und Angehörigen und versuchen so anständig wie möglich durchs Leben zu kommen. Wir wissen, dass Arbeit zum Leben dazugehört, wir pfeifen nicht auf unsere Pflichten, sondern haben gelernt, dass das eben auch dazugehört zum Leben. Kurz und wohlgemerkt ohne abfälligen Beiton gesagt: Leute wie wir halten die Kirche und die Welt am Laufen.
Und dann das: der Vater wirft sich dem Hallodri an die Brust. Dem, der sein Geld - man verzeihe mir den kräftigen Ausdruck, aber er trifft es wohl am besten - verhurt hat; der schließlich, als er nicht mehr aus noch ein wusste, zurückgekrochen kommt. Ja, ganz am Ende kriecht er doch noch zu Kreuze!
Was würde ich mir da erwarten als rechtschaffener Bruder vom Vater? Zumindest dass er sich die Entschuldigung anhört, das Zerknirschtsein des Jüngeren einfordert - aber nein, der Vater wirft sich ihm an die Brust, noch bevor der überhaupt etwas gesagt hat. Zuerst die Zuwendung.
Und mir als älterem Bruder steigt die Galle hoch. Ich bin anständig geblieben. Und plötzlich stehe ich draußen vor der Tür - drinnen spielt die Musik, wird getanzt und gefeiert. Aber der Vater - der scheint unermüdlich in seiner Barmherzigkeit - er geht raus zu mir, er lässt mich nicht draußen stehen, und er bittet mich, reinzukommen, mich einzuklinken in die Gemeinschaft und mitzufeiern.
Er mutet mir zu, ein wenig von seiner Barmherzigkeit zu übernehmen. Und ich habe die Wahl...
So in etwa vielleicht das Erleben dieses älteren Bruders. Wieder von außen betrachtet erlaube ich mir, hier eine Linie zu ziehen zum Thema Caritas. Denn es ist die Caritas des Vaters, die sich dem Verlotterten an die Brust wirft. Die gar nicht auf seine Beteuerungen wartet, sondern ihm entgegenläuft. Eine verrückte Caritas, die unsere üblichen Maßstäbe überwindet.
Und in diesem Gleichnis steckt die Aufforderung an uns, ein wenig an dieser übermäßigen Caritas teilzuhaben - auch reinzugehen ins Haus, wo das Leben spielt, die eigene Selbstgerechtigkeit zu überwinden, das Beharren auf die eigene Anständigkeit aufzugeben. Sich dem und der an die Seite zu stellen, die es bis jetzt vermasselt haben, die versagt haben, die Mist gebaut haben. Und mit ihnen zu feiern, dass auch sie wieder eine Chance haben.
Noch ein letzte Bemerkung dazu: Jede und jeder, der caritativ handelt, kennt den Vorwurf, man würde den Unanständigen helfen, denen, die Dreck am Stecken haben. Das heißt dann oft: "Hilfe verdienen nur die, die schuldlos in Not geraten sind. Aber die anderen - die sollen schauen, wo sie bleiben. Mir wurde ja auch nicht geholfen...". Hören sie einfach mal Haussammlerinnen und Haussammlern zu, die für die Caritas von Tür zu Tür gehen, was die so zu Gehör bekommen. Oder lesen Sie nach im Internet nach, was da so alles gepostet wird zu Zeitungsartikeln, wenn über Menschen berichtet wird, die schuldig geworden sind in ihrem Leben.
Und schon steht er wieder draußen: der Bruder vor der Tür - lässt sich verhärten und kämpft mit den eigenen inneren Regungen! Er kann es nicht aushalten, Zeuge zu werden von einer Güte, die das übliche Maß übersteigt! Bestenfalls verdient einer eine zweite Chance, aber was, wenn jemand eine dritte oder vierte Chance benötigt? Wer im Sozialbereich tätig ist, weiß: manche brauchen ein Lebtag lang immer wieder neue Chancen.
Es ist kein Leichtes, sich immer wieder auf die Spur der Barmherzigkeit Gottes auszurichten, die eigene Gestimmtheit zu überwinden und reinzugehen. Dazu braucht es schon einen, der rauskommt, einen einlädt und einen damit rausholt aus der eigenen Charakter-Panzerung. Aber nur so gelingt das Fest - und keiner, keine muss draußen vor der Tür bleiben! Das Haus steht offen für alle!
© DSA Mag. Wilfried Scheidl, Caritas der Diözese Linz
Im 15. Kapitel des Lukasevangeliums erzählt Jesus, wie ein Schaf sich verlaufen hat und der Hirte nicht ruht, bis er es wiederfindet, wie einer Frau ein Geldstück abhanden gekommen ist und sie in ihrem Haus alles auf den Kopf stellt, bis sie es findet, und wie ein junger Mensch auf Abwege gerät und sein Vater auf ihn wartet, ihn aufnimmt, als wäre nichts geschehen.
Man hat das 15. Kapitel im Lukasevangelium das "Evangelium im Evangelium" genannt. Wenn auch das ganze Evangelium gute Kunde ist von einem liebenden Gott, so wird doch in diesem Kapitel die Botschaft Jesu von Gott wie in einem Brennpunkt eingefangen. Jesus will uns in diesen drei Gleichnissen zeigen, wie Gott uns Menschen gesonnen ist, wie viel ihm daran gelegen ist, dass wir nicht verloren gehen, uns selbst nicht verlieren.
Jesus.
du bist gekommen zu suchen, was verloren war.
Kyrie eleison.
Jesus,
in dir erkennen wir die grenzenlose Liebe Gottes.
Christe eleison.
Jesus,
du willst uns frei machen von aller Selbstgerechtigkeit.
Kyrie eleison.
Herr, unser Gott,
du hast in deinem Sohn
die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt.
Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben,
damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
in der Freude auf das Osterfest
bringen wir unsere Gaben dar.
Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern,
das der Welt Heilung schenkt und den Tod überwindet.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe. (GL 444)
Gott und Vater,
wir bringen dir unseren Lobpreis dar,
denn wir haben Grund dir zu danken,
da du barmherzig bist.
Du hast von deinem Volk die Schande der Knechtschaft abgewälzt
und in ein Land geführt, das ihm zur Heimat wurde.
Du nimmst auch heute die Schande der Knechtschaft von uns,
wenn wir von deinen Wegen abgewichen sind.
Kehrvers
In Jesus Christus hast du uns gezeigt,
dass du der barmherzige Vater bist,
der unsere Freiheit achtet und uns wieder aufnimmt,
wenn unsere eigenen Wege ins Nichts geführt haben.
Kehrvers
In ihm sind wir eine neue Schöpfung geworden,
er hat uns mit dir versöhnt
und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen.
Kehrvers
Du lädst uns ein zum österlichen Mahl der Versöhnung,
gibst uns Ansehen und Achtung
und teilst mit uns die Freude,
wenn einer zu dir heimkehrt.
Kehrvers
Wir stimmen ein in das Fest der Freude
und singen mit allen Schwestern und Brüdern,
mit allen Engeln und Heiligen dein Lob:
Danklied, z. B.: Den Herren will ich loben (GL 395)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Menschwerdung
hat er das Menschengeschlecht
aus der Finsternis zum Licht des Glaubens geführt.
Wir sind als Knechte der Sünde geboren,
er aber macht uns zu deinen Kindern
durch die neue Geburt
aus dem Wasser der Taufe.
Darum preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 4
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist das wahre Licht,
das jeden Menschen erleuchtet.
Heile die Blindheit unseres Herzens,
damit wir erkennen, was vor dir recht ist,
und dich aufrichtig lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag

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