In und durch die Taufe wird Wirklichkeit, was Jesus gesagt hat: "Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich; wie mich mein Vater kennt, und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe." Jede und jeder hat durch die Taufe Anteil an dieser Berufung und Sendung.
So lautet eine Feststellung des Karl Rahners. Diesen Satz habe ich im Buch meines Pastoraltheologieprofessors und Mitbruders Hermann Stenger gefunden. In der Vorbereitung auf die Predigt zum 4. Ostersonntag und Weltgebetstag um geistliche Berufe, erinnerte ich mich an das 2000 von ihm erschienene Buch mit dem Titel "Im Zeichen des Hirten und des Lammes". Dieses Buch, an dem Hermann Stenger 10 Jahre gearbeitet hat, übersteigt zwar den Rahmen einer Sonntagspredigt, bringt jedoch zum Ausdruck, wie umfangreich das Bild vom Hirten schon in der Bibel mit seinen orientalischen Lebenserfahrungen war und dass Hirte-Sein bis in unsere Zeit eine äußerst sensible Aufgabe geblieben ist. (Siehe Kontexte aus dem oben genanntem Buch).
Gerade in der kath. Kirche, die weltweit heute vor fast unlösbaren Herausforderungen steht und in vielen Ländern der Erde (nicht bloß in Europa oder Nordamerika) große Probleme mit dem Nachwuchs von geistlichen und kirchlichen Berufen hat, wird die Sicht Hermann Stengers vom Hirtenamt in der Kirche und der Leitungsaufgabe in der Gemeinde immer bedeutsamer.
Jesus greift das Bild vom guten Hirten auf, das seinen ZuhörerInnen sicher vertrauter war als es uns heute ist. Wer kennt heute den Beruf eines Hirten wirklich? Vielleicht aus einer kurzen Bergwanderung, die auf eine Alm vorbei führte oder endete, vielleicht noch etwas oberflächlicher durch diverse Werbeeinschaltungen bis hin zur violetten Kuh für eine bekannte Schokolademarke. Wir tun uns schon schwer mit dem Bild vom Hirten und wohl noch viel schwerer, wenn es um die theologische Umsetzung des Hirten und seiner Herde auf die Person Jesu und auf die JüngerInnengemeinde geht.
Das aber mindert nicht die tiefe Aussage, die uns der Evangelist Johannes mit dieser Perikope vor Augen stellt. "Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich; wie mich mein Vater kennt, und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe". Nach den Ostererzählungen von den Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen in der Osterzeit ist das Hirtenbild für den Auferstandenen für mich so etwas wie eine Krönung.
Was Jesus zu Lebzeiten seinen Jüngern gesagt hat, wird von den Evangelisten Jahre nach der Auferstehung aus der Auferstehungserfahrung niedergeschrieben. Schon zu Lebzeiten Jesu haben die Jünger und Jüngerinnen, ja die Menschen, die ihm begegnet sind, die er geheilt hat, die er angesprochen hat, die sich ihm anvertraut haben, erfahren dürfen, dass er sich von allen anderen unterscheidet. Ja, viele haben gespürt, dass er die Menschen kennt wie kein anderer. In seinen Worten, in seinem Denken, in seinem Handeln war etwas von der Liebe und Barmherzigkeit, Güte und Weite seines Vaters spürbar. Und er hat nie eine Gelegenheit ausgelassen, dass es letztlich nicht er ist, sondern er immer im Auftrag und in der Sendung seines Vaters handelt.
Ob nun bei der Begegnung mit der Sünderin Maria Magdalena, mit dem Zöllner Zachäus, mit dem Gelähmten, den er in der Synagoge in die Mitte stellt und ihn heilt oder in dem nächtlichen Gespräch mit Nikodemus, immer kommt ein ganz neues Denken, ein ganz neues Gottesbild durch. Und Jesus kann zum Staunen, ja oft auch zum Entsetzen der Schriftgelehrten und Pharisäer aufzeigen: das ist alles schon in den Schriften der Väter enthalten. Aber er befreit von allen unmenschlichen, unfrei machenden und den Menschen knechtenden Gesetzen und Vorschriften, ja Denken und Urteilen, er befreit alle, die meinen, den Glauben auf diese Art bewahren zu müssen.
Wer in diesen Ostertagen, sei es in der Osternachtliturgie selber oder in den folgenden Tagen, eine Taufe mitgefeiert hat, wird wie ich bei der Tauffeier eines achtjährigen Mädchens, das heuer zur Erstkommunion geht, besonders ergriffen, wenn der Taufspender, die Neugetaufte mit Chrisam salbt und ihr zusagen darf: "Du bist gesalbt zur Priesterin, Prophetin und Königin." Welch eine Würde wird durch diese Salbung ausgedrückt!
Nehmen wir dieses Ritual in unserer Kirche wirklich ernst? Es muss für einen Erwachsenen in der Urkirche ein für sein Leben prägender Augenblick gewesen sein und wohl auch heute noch sein, wenn mit dieser Salbung das tiefe und große Geheimnis der Taufe, durch das ich Christi Namen tragen darf, ausgedrückt wird: Christos, der Gesalbte. Jede Christin und jeder Christ ist eine Gesalbte, ein Gesalbter und damit eine von Gott durch Jesus Christus Berufene, ein Berufener und mit der Firmung - in der Erwachsenentaufe wird sie ja gleich anschließend an die Taufe gespendet - eine Gesandte, ein Gesandter.
In und durch die Taufe wird Wirklichkeit, was Jesus gesagt hat: "Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich; wie mich mein Vater kennt, und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe." Jede und jeder hat durch die Taufe Anteil an dieser Berufung und Sendung, jede und jeder auf seine und ihre Weise, jede und jeder durch sein und ihr ganzes Leben.
Das Evangelium des vierten Ostersonntag vom Guten Hirten erinnert uns neu daran, wie Karl Rahner es ausdrückte: "Jeder Getaufte ist ein geweihter Seelsorger, eine geweihte Seelsorgerin"
Im Bild des Hirten vergleicht sich Jesus als der "gute Hirt" mit einem Mietling. Unter seiner Obhut und mit seiner uns verliehenen Kraft vermögen wir mehr, als wenn wir uns nur auf uns selbst verlassen. Ihm, der in seiner Auferstehung gezeigt hat, dass er sein Leben hingeben und es sich neu nehmen kann, dürfen wir glauben und uns mit unserem Leben anvertrauen.
Der Evangelist Johannes berichtet im Vergleich mit den anderen Evangelisten weitaus weniger Wunder als diese. Dafür fügt er den Wunder- oder Gleichnisberichten sehr häufig eine Selbstdarstellung oder Selbstoffenbarung Jesu hinzu. Im heutigen Evangelium begegnen wir einer solchen Selbstdarstellung Jesu.
Im Bild des Hirten vergleicht sich Jesus als der "gute Hirt" mit einem Mietling. Das Bild des "guten Hirten" war für die Israeliten ein geläufiger Begriff. Als Auszeichnung und Ehrentitel wurde er jenen Persönlichkeiten beigegeben, die sich um das Volk Gottes in besonderer Weise verdient gemacht hatten wie z.B. Moses, David, Salomo. Für das Volk sorgen, es auf guten Wegen führen und im Glauben an Jahwe bewahren. Das waren die Bilder und Vorstellungen, die jeder mit dem Begriff "guter Hirte" verband. Dabei schwang sehr deutlich mit: Die Sorge um das Volk und die Menschen diente nicht dem eigenen persönlichen Profit, sondern war auf die Vorteile, das Wohlergehen und Heil aller im Volk ausgerichtet.
Diese ganz der Herde sich hingebende Fürsorge, der Verzicht, selbst dabei Gewinn für sich herauszuschlagen, die Bereitschaft, ein Höchstmaß an Mühe ohne Lohnansprüche auf sich zu nehmen, das war das Markenzeichen des guten Hirten. Jesus greift dieses Bild für sich auf und verstärkt es noch mit dem Hinweis, nicht nur alle denkbare Mühe auf sich zu nehmen, sondern sogar das Leben für die Herde einzusetzen.
Und nun kommt das Entscheidende, nämlich die Begründung seiner Haltung und damit die Offenlegung seines Wesens. Jesus sagt: Ich kenne den Vater, wie mich der Vater kennt. Das biblische Wort "kennen" bedeutet mehr als unser deutsches Wort "kennen". Es geht über das, was wir normaler Weise darunter verstehen, von jemandem etwas oder viel wissen, hinaus. Das biblische Wort "kennen" besagt: Ich bin eins mit dem, den ich kenne. Seine Gedanken, seine Absichten und Ziele, sein Wollen sind auch ganz meine Gedanken, meine Absichten und Ziele, mein Wollen. Jesus macht deutlich: So wie Gott sich um jeden einzelnen sorgt, müht, um ihn ringt, weil er ihn liebt, so sehr liegt mir jeder einzelne am Herzen. Darum bin ich bereit, alles, selbst mein Leben, einzusetzen und hinzugeben.
Dabei legt Jesus Wert darauf, dass seine Bereitschaft, das Leben hinzugeben, seine ganz persönliche Entscheidung ist. Er gibt sein Leben nicht, weil man es ihm entreißt und er sich nicht wehren könnte. Niemand kann ihm das Leben gegen seinen Willen nehmen; wenn er es hingibt, geschieht dies aus freien Stücken. Zur Hingabe des Lebens ist Jesus bereit, weil er um nichts in der Welt Abstriche von der Liebe zu machen bereit ist. Und seine Liebe, seine Sorge, sein Mühen gelten nicht nur dem Volk Gottes, sondern allen Menschen. Jesus drückt dies aus mit den Worten: "Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen". Weil eine umfassende, ausnahmslose Liebe in Jesus ist, darum gleicht er dem Vater, ist er eins mit ihm.
Nachdem Jesus so sein Wesen kundgetan hat, liefert er auch ein Stichwort für das Wesen der Schafe: "die Meinen kennen mich". Wieder ist das Wort "kennen" im biblischen Sinn gebraucht. Zu Christus gehört, wer sich bemüht, Grundzüge des Wesens Jesu - sein Denken, sein Wohlwollen, sein Handeln, seinen Charakter - in das eigene Wesen einfließen zu lassen. An anderer Stelle im Evangelium wird das Gleiche ausgedrückt mit den Worten: Sie hören auf meine Stimme.
Mit dem Hinhören auf Jesus beginnt und vertieft sich unser Christ-Sein. Wer auf die Weisungen Jesu achtet, so soll uns immer wieder bewusst werden, kann sich vor Abwegen und Irrwegen bewahren. Er findet in der Botschaft Jesu Nahrung für Geist, Herz und Seele. Im Hinhören auf Jesus kann Totes, Abgestorbenes in uns wieder lebendig werden, können Verwundungen leichter heilen, werden uns viele neue Ideen kommen, unserer Liebe Ausdruck zu verleihen.
Im Hinhören auf Jesus legen wir wie von selbst den Herdentrieb ab, der uns tun und sich verhalten lässt, was alle tun, wie alle handeln und sich verhalten. Im Hinhören auf Jesus werden wir zu Menschen, die das Leben und den Alltag beherzt anpacken und im Geiste Jesu Gestalt geben - mit unserer persönlichen und ganz individuellen Eigenart. Wir werden ein entschiedenes Ja zu einem christlichen Leben sagen und uns davon auch dann nicht abbringen lassen, wenn wir Spott, Leid, Ablehnung, Benachteiligung ernten und erfahren.
Jesus als Leitbild für uns annehmen und sich ihm als Hirten anschließen, bedeutet: In den Schutzbereich dessen eintauchen, der nicht wie ein Mietling flieht, sobald uns Gefahr droht. Jesus sichert uns zu, dass zu seinem Wesen das uns Behüten und Bestärken gehört. Unter seiner Obhut und mit seiner uns verliehenen Kraft vermögen wir mehr, als wenn wir uns nur auf uns selbst verlassen. Ihm, der in seiner Auferstehung gezeigt hat, dass er sein Leben hingeben und es sich neu nehmen kann, dürfen wir glauben und uns mit unserem Leben anvertrauen. Wir werden in der beschützenden Kraft Jesu nicht nur im Sterben dem Tot-Sein für alle Zeiten entrissen; nein, schon in dieser Welt wird uns mehr an Lebendigkeit und Kraft verliehen.
Erproben wir dies im Alltag und überzeugen wir uns auf diese Weise, dass Jesu Worte und Verheißungen wahr sind.
In Westeuropa und Nordamerika beobachten wir schon seit vielen Jahren, dass immer weniger junge Menschen zum priesterlichen Dienst in der Kirche bereit sind. Wie kann die Kirche sie bewältigen?
Während sich weltweit die Politiker und Wirtschaftfachleute mit der Frage beschäftigten, wie die derzeitige Wirtschaftskrise bewältigt werden kann, erlebte die Katholische Kirche Erschütterungen, die von vielen Beobachtern ebenfalls als Symptom einer Krise interpretiert wurden.
Was haben die weltweite Finanz- und Wirtschftkrise und die Krise der Kirche gemeinsam? So fragt sich vielleicht manch einer, den meine Einleitung heute irritiert. Ich meine, dass es sehr viele Gemeinsamkeiten gibt und dass es sich lohnen würde, länger darüber nachzudenken, als in einer Sonntagspredigt Platz hat.
Die wichtigste Gemeinsamkeit sehen ich darin, dass beide Krisen vielschichtige Ursachen haben, die lange Zeit ignoriert worden sind und dann zu einer heftigen Erschütterung des Vertrauens geführt haben.
In Westeüropa und Nordamerika beobachten wir schon seit vielen Jahren, dass immer weniger junge Menschen zum priesterlichen Dienst in der Kirche bereit sind. Damit einher geht in Mitteleuropa schon seit vielen Jahren ein Rückgang des sonntäglichen Gottesdienstbesuchs. In Osteuropa, das in den vergangenen Jahren viele Geistliche Berufungen hatte, scheinen sich ähnliche Entwicklungen anzubahnen. Die gegenwärtig angestrebten Lösungen dieser Probleme in einer Neuordnung der Seelsorgsräume sind eher pragmatischer Natur und weichen den grundsätzlichen Fragestellungen aus. Darüber hinaus setzen sie die handelnden Personen - Priester wie Laien - noch mehr unter Stress und Druck und verstärken das Unbehagen.
In vielen Fragen des kirchlichen Lebens ist man sich nicht mehr so einig wie in früheren Zeiten. Das führt zu Konflikten, die ebenfalls auf dem Rücken der Amtsträger aller Ebenen ausgetragen werden.
Die Zahl der Priester, die durch die vielfältigen Belastungen unter die Räder kommen, die ausgebrannt sind und eigentlich nicht mehr können - in jedem Zivilberuf würde man sie in Frühpension schicken - ist in meiner Wahrnehmung beängstigend und wird weiter steigen.
Mich wundert es nicht, dass so wenige junge Menschen bereit sind, ihr künftiges Leben in ein so hoch aufgeladenes Spannungsfeld hineinzustellen. Hinzu kommt, dass vor wenigen Jahren noch der Beruf des Priesters gesellschaftlich hoch angesehen war. Außerhalb kirchlicher Kreise wird man heute als Priester selten für voll genommen und man muss mit vielen Unterstellungen und Verdächtigungen leben.
Wie können wir mit dieser Kriese umgehen? Wie kann die Kirche sie bewältigen? Was können wir zur Bewältigung der Krise beitragen?
Ich möchte drei Punkte nennen, die ich für vordringlich halte.
Was wir der Finanz- und Wirtschaftskrise voraushaben, führt uns Jesus in der Rede vom Guten Hirten vor Augen. Noch bevor wir daraus neue Forderungen für unsere Unter- und Oberhirten ableiten, müssen und dürfen wir festhalten: Hier ist in erster Linie von Jesus als dem Guten Hirten die Rede, der sein Leben für seine Herde hingegeben hat. Er wird für seine Herde auch in unserer Zeit sorgen. Ich traue ihm zu, dass er uns aus der gegenwärtigen Krise herausführen wird, auch wenn ich noch nicht erkennen kann, wie dies konkret aussehen wird.
Das heißt aber nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen und nichts tun sollen.
Am Sonntag des Guten Hirten werden wir alljährlich aufgefordert, um Geistliche Berufe zu beten. Viele tun dies nicht nur an diesem einen Tag, sondern das ganze Jahr über.
Wie bei jedem Bittgebet gilt aber auch hier: Wir können dem Herrn nicht vorschreiben, was er aus unseren Bitten zu machen hat. Ich bin gewiss, dass er dadurch, dass er unsere Bitten nicht umgehend erfüllt, uns etwas sagen will.
Wir tun gut daran, bei unserem Beten darüber nachzudenken, worum wir bitten; vielleicht auch darüber nachdenken, wie wir mit den Geistlichen Berufungen umgehen, um die wir gebeten haben; nachdenken, wie viel an Forderung und Überforderung in unserem Beten oft auch drinnen steckt.
Wir tun auch gut daran, darüber nachzudenken, ob der, den wir bitten, unsere Gebete nicht bereits auf andere Weise erfüllt, als wir erwarten. In meiner seelsorglichen Tätigkeit treffe ich immer wieder auf Menschen, die ein geistliches Hirtenamt ausüben, jedoch nicht in die kirchlichen Wunschbilder von Seelsorgern passen. Vielleicht lässt uns der Herr so lange auf die Erfüllung unserer Bitten warten, weil wir erst reif werden müssen für neue Wege, die er mit uns gehen will.
Noch ein Drittes ist mir am heutigen Tag ein Anliegen. Es richtet sich einerseits an die Theologen und Vordenker der Kirche, andererseits doch auch an alle.
Eine Besonderheit der Kirche, die auch vom II. Vatikanischen Konzil hervorgehoben worden ist, ist ihre sakramentale Verfassung. Die Kirche ist ein sichtbares und leibhaftes Zeichen des Heiles, das Gott in der Welt und an der Welt wirkt.
Was dies in unserer gegenwärtigen Zeit bedeutet, in welcher konkreten Gestalt die Sakramentalität der Kirche und der einzelnen Sakramente sichtbar, erlebbar, spürbar werden sollen, wird meiner Einschätzung nach zu wenig bedacht. Ich vermute, dass die Krise eines sakramental verstandenen Priestertums und auch die Krise in der Feier der Sakramente damit zusammenhängt.
Dass die jungen Leute uns mit ihren Füßen sagen, was sie von unseren Gottesdiensten und sakramentalen Lebensvollzügen halten, müsste uns mehr beunruhigen. Dabei geht es nicht nur um die Häufigkeit und um Pflichtbewusstsein, sondern um die Inhalte und ihre Gestalt. Es ist offensichtlich, dass dies in anderen Kulturen besser gelingt als in unserer westlichen.
Bitten wir den Guten Hirten, dass er uns auch heute, wie es im Psalm heißt, auf grüne Auen und zu den Quellen lebendigen Wassers führt.
Wir haben Priestermangel. Es liegt wohl an unserem unterentwickelten Bewusstsein. Jesus hat alle Getauften auch zu seinen Jüngern und Zeugen bestellt. Wir sind Apostel, Gesandte, Missionare durch unser Sosein. Wir haben Mangel an Begeisterten, wenngleich alle in Taufe und Firmung den Heiligen Geist empfangen haben zur Mündigkeit und Verantwortung. Wir haben einen Mangel an kleinen, lebendigen Gemeinschaften, wo noch jeder mit jedem bekannt ist und jeder für jeden verantwortlich sein kann.
Es ist wieder Gut-Hirten-Sonntag. Die Idylle des Schäferlebens ist selten geworden. Dennoch ist die Pastoraltheologie auch heute noch danach benannt. Aber den Pastoren bleibt kaum Zeit für nach-gehende Seelsorge. Im Weinberg ist viel Arbeit - Mancher Winzer bekommt keine Taglöhner, ja nicht einmal einen Nachfolger. Landwirtschaft rechnet sich nicht mehr, eine Familie kann nicht mehr davon leben. Ist die Frage nach einer heutigen Berufungstheologie erlaubt? Zu Menschenfischern hat Jesus wetterfeste Männer bestellt - warum wohl wollen junge Männer heutzutage kaum mehr Menschen fischen und mit Netzen zu tun haben? Sind ihnen die Rahmenbedingungen vielleicht zu suspekt?
Wir sollen also für Priesterberufe beten. Weiter nichts? Die Priesterdonnerstagsbewegung tut dies seit Jahrzehnten, gewachsene Gemeinden beten heute darum, dass sie wenigsten noch einen Messeleser behalten können. Bischöfe müssen Gemeinden wegen Priestermangels zusammenlegen und wegen rückläufiger Kirchen-Finanzen werden Sakralbauten profaniert.
Dabei hat der Herr versprochen: "Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, wird euch zuteil werden." Freilich sagt der Apostel Paulus auch: "Wir wissen nicht, um was wir bitten sollen, damit Gott uns erhören kann." ( Röm 8,26).
Ich bin sicher, Gott erhört unser Gebet, wenn auch manchmal nicht so, wie wir es gerne hätten, sondern wie es für uns am besten ist. Ich hoffe, dass auch die Bischöfe um Priesterberufe beten. Bei manchem Würdenträger bin ich mir nicht so sicher, worum er genau betet. Allerdings: wer mit den Menschen kaum redet, von dem kann ich mir schwerlich vorstellen, dass er mit Gott mehr spricht. Dabei könnte man vielleicht im Priestermangel auch eine Nachhilfestunde des Heiligen Geistes für unsere Oberhirten sehen. Von einem Bischöfemangel hört man wohlgemerkt nichts.
Wir haben um Priester, Gemeindeleiter und Eucharistievorsteher gebetet, und mancher Pfarrer hat
früher das Seinige getan, um einen Nachfolger in seiner Führungsposition zu bekommen, wie das jeder weitsichtige Firmenchef rechtzeitig macht. Da haben in unserer Zeit viele junge Männer Theologie studiert, aber sie haben sich nicht weihen lassen, weil sie anscheinend zu gut Theologie studiert haben. Ein Regens sagt kürzlich: die heutige junge Generation ist bindungsscheu. Ja, wer lässt sich schon mit 20/25 Jahren für den Rest eines langen Lebens gerne binden oder festnageln? Ich dachte unwillkürlich an Isaak, den sein Vater Abraham auf den Opferaltar binden wollte, um ihn zu schlachten. Wollte denn Jesus freiwillig ans Kreuz geheftet werden, um die Welt erlöster und menschlicher zu machen? Hat er nicht gelehrt: Barmherzigkeit will ich, und nicht Opfer!? (Hebr 10,5-8; Amos 5,21 ; Hos 6,6; Mt 9,13).
Wir arbeiten für die Kirche, wenn wir zum Aufbau seines Gottesreiches arbeiten. Menschen sehnen sich nach mehr Gerechtigkeit, Friede, Wohlergehen, Freude, Hoffnung über den Tod hinaus. Und dies, so wissen wir, ist der Wille Gottes. Dies alles soll der Priester vermitteln, dafür steht er als Gewährs- und Mittelsmann. Dazu sollten Priester die Animateure sein, das sollte ihr Lebensinhalt sein. Das wollen sie in großer Souveränität vorleben.
Warum sollte Gott heute dazu nicht mehr berufen? Oder bitten wir ihn vielleicht nicht vorbehaltlos und ohne menschliche Bedingungen? Gott kann doch, wenn er wollte, aus Steinen Söhne Abrahams er-wecken. (Lk 3,8) Jesus hat es damals schon verabsäumt, aus Steinen Brot zu machen, obwohl selbst der Teufel es ihm zutraute. (Mt 4,3) Was Menschen selber tun können, das müssen sie schon selber tun und nicht auf Wunder warten.
Ja, es müsste heute schon mit dem Teufel zugehen, wenn kaum noch ein junger Mann Pfarrer werden will. Da hocken sie dann, dennoch Theologen geworden, alle in der kategorialen Seelsorge drin und basteln an Großraumpfarrverbänden, diese gescheiten Akademiker und Pastoralspezialisten, aber zum Aufwandeln sind sie nicht zu gebrauchen. Wo doch dies das wichtigste wäre, wenigstens nach Aussagen von Kardinal Meisner in seinem Fastenhirtenbrief 2009. "Ohne Priester ist Jesus nicht real präsent!" So schreibt er lapidar.
Könnte es nicht sein, dass Gott anders beruft als wie wir es uns billigerweise vorstellen? Der Hohepriester Kajaphas sagt: "Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das ganze Volk stirbt." Woher nimmt er das Recht, einen Menschen für seine Interessen zu verzwecken? Die Herrscher dieser Welt, dürfen sie Menschen für ihre Vorstellungen gebrauchen und verheizen? Menschen haben und hatten dazu nie ein Recht.
Ja, sicher: Gott braucht und gebraucht Menschen, er ruft auch durch Menschen, vor allem durch die gläubige Gemeinde. Als die Stelle des Iskariot nachzubesetzen war, da betete die Gemeinde und wählte zwei aus, die die einzig wichtige Voraussetzung für ein Kirchenamt haben: sie müssen Zeugen für die Auferstehung und das Leben sein. Unter diesen beiden warfen sie das Los: Joseph Barsabbas kennt und verehrt heute kaum jemand. Matthias wurde der Nachrücker-Apostel.
Sind Ministrantenbuben (in Italien heißen sie Chiericetti = die Mini-Kleriker) auch schon Zeugen des Lebens oder haben diese jungen Schnösel von Auferstehung so viel Ahnung wie die schlafenden Wächter an Jesu Grab und haben gehätschelte Seminarknaben vom wirklichen Leben nicht so wenig mitbekommen wie die bunten Vögel, die man noch flügellahm in einen goldenen Käfig gesetzt hat, wo sie jetzt nur noch die goldenen Gitterstäbe lobpreisen können?
Handauflegung, Beorderung, Bestellung zu einem Vorsteheramt, das ist handfest und nicht so hoch gehängt wie eine "heilige Weihe", wo Primiz als Vorschusslorbeer gefeiert wird im Zelt mit 1500 Menschen. Ein Priester oder ein Bischof soll genommen sein aus dem Volk und für das Volk, und sollte auch bestellt werden vom Volk, dem er vorsteht, und so lange wie die Gemeinde ihn in seinem Amt bestätigt. Sie sind nicht Auserwählte aus einer ganz anderen Welt, die Gott aus unergründlichem Ratschluss bevorzugen wollte. Da fließt schnell Dünkel und Einbildung mit ein, die zu Neid und Eifersüchteleien führen.
Wir sehen bei Kain und Abel, dass eingebildete Bevorzugung zu Neid, Mord und Todschlag führen kann. Seit Jesu Himmelfahrt, garantiert seit dem Jahre 70, gibt es keine Priesterkaste und keinen Tempeldienst mehr. Jeder Ort und jede Zeit und jeder Stand ist heilig. Jesus zeigte auf sich und sagt: "Reißt diesen Tempel nieder, ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen!" Damit hat die Entgrenzung zwischen Heilig und Profan begonnen, das Priestertum ist entsakralisiert. "Ihr alle seid ein von Gott auserwähltes Volk, seine königlichen Priester, ihr gehört ganz zu ihm." (1. Petr 2,9).
Also: Es liegt an uns, unser Priestertum wahrzunehmen. Wir müssen das tun, was unser einziger Hoher Priester Jesu uns zu tun aufgetragen hat. Dankbar sein für das Opfer seines Lebens, seine Auferstehung und sein Bei-uns-sein bis ans Ende der Tage, Anteil nehmen an den Nöten aller Menschen, teilen der irdischen Güter mit allen Bedürftigen. Es genügt nicht, seinen Leib zu nehmen und zu essen - geschweige dieses verwandelnde Brot lediglich herzuzeigen, damit alle in Ehrfurcht versinken - und darüber dennoch verhungern. Wir müssen vielmehr dieses Lebensbrot und unser tägliches Brot teilen mit allen Menschen. Indem wir das Brot brechen und mit den Menschen teilen, beweisen wir unsere Dankbarkeit gegenüber Gott. Sonst könnten wir nicht bestehen vor dem, der sich das Angesicht eines jeden geschundenen Menschen zueigen macht - und aus diesem spricht: "Ich war hungrig - und ihr habt mich nicht gespeist!"
Ja, wir haben Priestermangel. Es liegt wohl an unserem unterentwickelten Bewusstsein. Jesus hat alle Getauften auch zu seinen Jüngern und Zeugen bestellt. Wir sind Apostel, Gesandte, Missionare durch unser Sosein. Es wäre fatal, wenn einige wenige sich dafür auserwählt wähnten, dass sie allein Gesandte, Beauftragte, Eingeweihte seien. Wir können es nicht zulassen, dass diese sich das Monopol auf Gottes Gnadengaben unter den Nagel reißen wie Mautner oder Zolleinnehmer an belebten Durchgangsstraßen im Mittelalter.
Ja, wir haben Mangel an Begeisterten, wenngleich alle in Taufe und Firmung den Heiligen Geist empfangen haben zur Mündigkeit und Verantwortung. Weil 14-jährige und dann die so genannten "Laien" dessen ungeachtet kaum etwas zu sagen haben, deswegen gehen sie auf und davon, so ähnlich wie die Fledermäuse den zu aufwändig restaurierten Kirchturm meiden werden. Ist denn Mitdenken und Mitarbeiten und Mitbestimmen der Kirche wesensfremd gleichwie die Demokratie? Wenn das so ist, dann ist auch Hierarchie der Kirche wesensfremd. "Der Größte unter euch sei der Diener aller!" Und dies nicht nur in schönen Sprüchen und symbolhaft.
Ja, wir haben einen Mangel an kleinen, lebendigen Gemeinschaften, - "small is beautiful" - wo noch jeder mit jedem bekannt ist und jeder für jeden verantwortlich sein kann. "Wir machen das schon für euch, wir werden dafür ja schließlich bezahlt!" Und die Weisheit der Sieben Schwaben kennen wir ja auch: "Hannemann, geht du voran, du hast die größeren Stiefel an!" Übrigens: der Paulus war Apostel, obwohl er die Auferstehung versäumt hatte und er arbeitete auf Missionsreise immer noch als Zeltweber, um von seiner eigenen Hände Arbeit zu leben und niemandem zur Last zu fallen. Er wollte sich wohl von niemandem sagen lassen: "Wird doch alles bezahlt!" Und wer zahlt, der schafft an.
Und als Petrus nach dem Evangelisten Matthäus aufzählt, dass er alles verlassen hat und den Herrn bedrängt: Was wird uns denn dafür zuteil werden? Da zählt Jesus vieles auf, was sie verlassen haben. Bemerkenswerter Weise zählt er nicht auf die Ehefrau. Alles andere werden sie hundertfach bekommen - und das ewige Leben. Und Erste werden Letzte sein, und Letzte werden Erste im Gottesreich. Warum haben wir wieder so viele Hochwürden, Prälaten und Väter, obwohl Jesus sagt, dass sich niemand Vater nennen lassen soll, weil es mehr als genug ist, dass wir einen Vater im Himmel haben. Aber daran wollen sie offensichtlich nicht glauben, weil wir sonst wie würdige Geschwister miteinander umgehen müssten.
Wollen wir beten für alle mit Geist und Charismen Begabten und für alle Amtsträger männlichen oder auch weiblichen Geschlechts in all den Gemeinden Gottes auf dem ganzen Erdenrund, dass Menschen die Zeichen der Zeit zu deuten vermögen und nicht unter der Last ihres Amtes aufgerieben werden, sondern ihre Schwestern und Brüder im Glauben zu stärken vermögen. Seelsorger brauchen Zeit und Ansprechpartner für ihre eigene Seele, sonst erleiden sie nicht selten ein Burn-out-Syndrom.
Wir sollten Gott nicht Grenzen aufzeigen, wie und wen er berufen darf: nur ziemlich junge, unerfahrene, zölibatäre Männer. Ausnahmen von diesem scheinbar allerheiligsten Gesetz gibt es nur für Konvertiten und Proselyten, aus anderen Konfessionen Heimgeholte in die einzig wahre Kirche.
Und Akademiker sollten es wegen des Konkordats aber schon sein. Nur bei Polen und Indern kann man die Maßstäbe nicht so genau anlegen. Inkulturationskurse für sie sind wohl auch eher peinlich. Jetzt sehen wir möglicherweise, wie die Missionare im Gefolge der Kolonisatoren manchmal wie Elefanten im Porzellanladen gewirkt haben mögen. Und Priester im Ehrenamt oder mit Zivilberuf, beispielsweise Arbeiterpriester kommen auch nicht in Frage.
Die vielen Diakone kann kein Bischof - aus Rücksicht auf die weltkirchlicher Monokultur, versteht sich - fragen, ob sie nicht aus ihrem "Volkssturmstatus" (letztes Aufgebot mit unzulänglicher Ausrüstung) heraus wollen und am Sonntag anstelle von Wortgottesdiensten Eucharistiefeier halten wollten.
Und Frauen sind nach wie vor weiheunfähig. Darüber nachzudenken oder dafür Verständnis gegen tief eingeschliffene Antipathien zu wecken ist nach wie vor "kraft päpstlichen Amtes" untersagt. Viele meinen, dies sei ein Dogma, dabei ist es nur ein sexistischer Skandal, dass die beiden letzten Päpste in diesem Punkt mit den Mullahs Hand in Hand gehen.
Warum hat sich das Christentum damals gegen das Judentum so rasch und leicht durchgesetzt?
Weil Jesus von Menschen erdachte Grenzen niedergerissen hat. "Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann noch Frau; denn ihr alle seid eine neue Schöpfung in Christus Jesus." (Gal 3,28). "Durch Christus wurde euch die Freiheit geschenkt. Nehmt daher in gegenseitiger Liebe Rücksicht aufeinander." (Gal 5,13).
Wir sollten wieder buchstabieren lernen: wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Diese Kirche wächst von unten, wie aus einem Senfkorn wächst das Reich Gottes, nicht aus Machtbündnissen und Staatsverträgen. "In Stille und Vertrauen ruht eure Kraft" (Jes 30,15). So ähnlich wie ein Weizenkorn müssen wir sein, das sich selber stirbt, aber so hundertfache Frucht trägt.
Manche werden vom Mutterleib an geistliche Herren. Andere sehen spät, was und wie gnadenvoll ihre ureigenste Berufung war, gegen die sie sich lange zur Wehr gesetzt haben wie gegen ein undankbares Prophetenschicksal.
© Wolfgang Dettenkofer (ehem. Berufsschulreligionslehrer) Eisenbartlingerweg 2, D-83093 Bad Endorf, Tel. +49 (8053) 795 661.
e-mail: hwdkha@t-online.de
Lieder:
GL 144: Nun jauchzt dem Herren alle Welt (3. Str.)
GL 213: Christ ist erstanden
GL 244: Vom Tode heut erstanden ist
GL 223: Wir wollen alle fröhlich sein
GL 281: Also sprach beim Abendmahle (3. Str.)
GL 329: Das ist der Tag, den Gott gemacht
GL 332: Die ganze Welt, herr Jesu Christ
GL 334: O Licht der wunderbaren Nacht
GL 336: Jesus lebt, mit ihm auch ich!
GL 337: Freu dich, erlöste Christenheit
GL 338: Jerusalem, du neue Stadt
GL 366: Jesus Christus, guter Hirte
GL 384: Hoch sei gepriesen unser Gott (3. Str.)
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 455: Alles meinem Gott zu Ehren (3. Str.)
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen ( 3. Str.)
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit (2. und 3. Str.)
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht (1. und 2. Str.)
GL 487: Nun singe Lob du Christenheit (4. Str.)
GL Ö834: Das Grab ist leer, der Held erwacht
GL Ö835: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt
GL Ö837: Halleluja! Lasst uns singen
GL Ö838: Christ ist erstanden! Halleluja!
Kehrverse und Psalmen:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; Er führt mich an Wasser des Lebens. - Mit Psalm 23 - VI.
GL 66: Das ist der Tag, den der Herr gemacht; lasst uns frohlocken und seiner uns freuen. - Mit Psalm 118 -VI.
GL 618: Confitemini Domino, quoniam bonus... - Mit Psalm 63 - VII.
Allmächtiger, ewiger Gott,
dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen
als der Gute Hirt.
Geleite auch die Herde,
für die er sein Leben dahingab,
aus aller Not zur ewigen Freude.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB 4. Sonntag der Osterzeit
Herr,
nimm die Gebete und Gaben deines Volkes an.
Mehre die Zahl deiner Dienerinnen und Diener,
die du als Seelsorgerinnen und Seelsorger
und als Priester und Diakone
mit der Verkündigung der Frohen Botschaft
und der Spendung der Sakramente auserwählt hast.
Erhalt sie in deiner Liebe und Treue zu dir.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
MB: Orationen Messen um Priesterberufe
Herr, unser Gott,
gib, dass wir dir allzeit danken
durch die Feier der österlichen Geheimnisse.
In ihnen führst du das Werk der Erlösung fort,
mache sie für uns zur Quelle der unvergänglichen Freude.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag der Osterzeit
Kehrvers:
Der Herr ist mein Hirt;
er führt mich an Wasser des Lebens.
(GL 37,1)
Großer und treuer Gott, wir treten vor dich,
um dir zu danken.
Du bist der wahre Hirte,
der sein Volk hütet wie ein Hirt seine Herde.
Kehrvers
Den Hirten Abraham hast zu du zum Stammvater
und Vorbild jenes Volkes gemacht,
das du erwählt und ins Herz geschlossen hast.
Kehrvers
Einst hast du Israel, dein Volk, der Hand des Pharao entrissen
und heimgeführt in das verheißene Land,
das von Milch und Honig fließt.
Kehrvers
Den Hirten David hast du von den Herden geholt
und zum König über ganz Israel gesalbt.
Mit Weisheit hat er das Volk geführt
und vor den Augen aller Völker stark gemacht.
Kehrvers
In Jesus von Nazareth hast du dich selbst zum Hirten gemacht,
um dein Volk aufs Neue zu sammeln,
es vor allem Bösen zu schützen und auf gute Weide zu führen.
Kehrvers
Er ist selbst zum Lamm geworden,
das sich für die Seinen geopfert hat,
und das neue Volk Gottes aus der Bedrängnis herausgeholt hat.
Kehrvers
Er führt seine Herde zu den Quellen,
aus denen das Wasser des Lebens strömt.
Er gibt den Seinen ewiges Leben
und lässt sie niemals zugrunde gehen.
Kehrvers
Für deine Sorge und Treue danken wir dir
und stimmen wir ein in den Lobgesang der großen Schar,
die du aus allen Nationen und Völkern zusammengeholt hast
und die nun vor dir stehen:
Danklied, z. B. Lobet den Herren (GL 392)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Du hast deinen eingeborenen Sohn gesalbt
mit dem Heiligen Geist und ihn bestellt
zum Hohenpriester des Neuen und Ewigen Bundes:
du hast bestimmt,
daß dieses eine Priestertum fortlebe in deiner Kirche.
Denn Christus hat dein ganzes Volk ausgezeichnet
mit der Würde seines königlichen Priestertums,
aus ihm hat er in brüderlicher Liebe Menschen erwählt,
die durch Auflegung der Hände teilhaben
an seinem priesterlichen Dienste.
In seinem Namen feiern sie immer neu das Opfer,
durch das er die Menschen erlöst hat,
und bereiten deinen Kindern das Ostermahl.
Sie dienen deinem Volke in Werken der Liebe,
sie nähren es durch das Wort
und stärken es durch die Sakramente.
Ihr Leben sollen sie einsetzen für dich
und das Heil der Menschen, dem Vorbild Christi folgen
und dir ihre Liebe und ihren Glauben bezeugen.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit:
MB Chrisammesse
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater,
in diesen Tagen freudig zu danken,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Als er seinen Leib am Kreuz dahingab,
hat er die Opfer der Vorzeit vollendet.
Er hat sich dir dargebracht zu unserem Heil,
er selbst ist der Priester,
der Altar und das Opferlamm.
Durch ihn preisen wir dich in österlicher Freude
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 5
Gott, du Hirt deines Volkes,
sieh voll Huld auf deine Herde,
die durch das kostbare Blut deines Sohnes erkauft ist;
bleibe bei ihr
und führe sie auf die Weide des ewigen Lebens.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag der Osterzeit
Samstagabend oder Sonntag werden wir folgenden Evangelientext in der Messe hören:
Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins. (Johannes 10,27-30)
Das Bild des Hirten sollte eigentlich positiv besetzt sein, biblisch gesehen zumindest. Schutz und Fürsorge sollen sich darin ausdrücken. Aber das Bild hat Grenzen. Meine Erfahrungen mit und mein Wissen um Schafe und Hirten kommt mir beim Lesen der biblischen Hirtenbilder in die Quere.
Wozu hat denn ein Hirte Schafe? Um ihrer selbst willen eher nicht! Im besten Fall geht es lange Zeit nur um ihre Wolle und die Milch. Mit ewigem Leben ist es allerdings gerade bei den Tieren, die bereits als Lammfleisch auf dem Essensteller landen, nicht weit her gewesen. Bis zum Schlachten hat sich der Schäfer hoffentlich gut um seine Tiere gekümmert. Selbst ein solches, wenn auch begrenztes Leben in Würde ist ja keine Selbstverständlichkeit! Aber bis auf die Tiere, die auf einem Gnadenhof oder ähnlichem bis zu ihrem natürlichen Lebensende gepflegt werden, ist ihre Lebenszeit immer streng limitiert.
Muss ich mir beim biblischen Bild vom Hirten Gott also besser als einen "Tierschützer auf einem Gnadenhof" vorstellen, der sich um alte, kranke, vernachlässigte "Schafe" kümmert? Zunächst ist das ein fremdes Bild. Aber wenn es darum geht, besonders die Armen und Zukurzgekommenen in den Blick zu nehmen, weil sie Jesus besonders am Herz lagen und liegen, könnte etwas von dem Bild stimmen: letztlich ist jeder Mensch, bin auch ich zuwendungsbedürftig mit meinen Schwächen.
Aber allein bei dieser Sicht zu bleiben, hieße auch, Gott nur als den "ganz anderen", den "mir gegenüber" oder gar "über mir" zu sehen. Der Aspekt des "mir ganz nahen" Gottes, dem, der mir so nahe kommt, dass ich mich "mit ihm eins" weiß, "du in mir und ich in dir", kommt darin nicht vor und lässt das Hirten-Bild schief hängen. Es hängt erst dann wieder gerade, wenn auch ich mir die Rolle der Hirtin zu eigen mache, überall dort, wo mir Menschen anvertraut sind. Als "Hirtin" kann es nicht meine Aufgabe sein, andere zu melken, zu scheren und dann dem Metzger auszuliefern. Als Hirtin in der Nachfolge Jesu habe ich mich gemeinsam mit anderen mit um ein Leben in Fülle zu kümmern. Für alle. Jetzt. Und für immer.
Freche-fromme Frauen-Gedanken, in:
http://frech-fromm-frau.blogspot.de/2013/04/wie-passt-das-biblische-hirtenbild-zur.html

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.