Halleluja. Halleluja.
Ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für das Volk Israel!
Halleluja.
Johannes der Täufer weist mit den Worten „Er wird euch mit dem Hl. Geist und mit Feuer taufen.“ auf Jesus, als den vom Volk erwarteten Messias hin. Er ist sich dessen bewusst, dass ein Größerer kommt. Er wird IHN taufen und der Himmel wird sich öffnen. Als Getaufte sollen auch wir hinweisen auf den, der von Gott kommt.
Drei Szenen lassen sich im heutigen Evangelium erkennen:
- Jesus, als Erstgeborener, wird, um dem Gesetz des Mose zu entsprechen, im Tempel Jahwe dargebracht.
- Maria, seine Mutter, bringt 40 Tage nach der Geburt ihres Sohnes im Tempel in Jerusalem ein Reinigungsopfer dar. Somit gilt sie wieder als rein.
- Simeon und Hanna, beide hochbetagt und in Erwartung, „das Heil der Welt“ zu sehen, preisen Gott im Tempel laut, als sie dieses Heil im Kind Jesus „schauen“.
Die beiden ersten Szenen haben dem heutigen Festtag jeweils zur ihrer Zeit den Namen gegeben:
Die erste Szene – Jesus wird im Tempel dargebracht – hat dem Fest zuerst den Namen „Darbringung Christi im Tempel“ gegeben. Dieses Fest wurde ab dem 4. Jhd. als Herrenfest am 14. Februar – als noch der 6. Jänner, Epiphanie, als das „Geburtsfest Christi“ bezeichnet wurde – gefeiert.
Die zweite Szene – Maria Reinigung – hat durch die aufkommende Marienverehrung etwa ab dem 5. Jhd. das eigentliche Herrenfest zu einem Marienfest „gemacht“. Unter dem Namen “ Maria Reinigung“ oder „Mariä Lichtmess“ wurde nun dieses mit dem marianischen Gedanken, der Reinigung Mariens, gefeiert.
Ab dem 6. Jhd. wurde in der Westkirche ein engerer Bezug zum Christfest, also den 25. Dezember hergestellt. Der 6. Jänner wurde immer mehr zum „Dreikönigstag“. Folgedessen ist der 2. Februar als heutiger Festtag errechnet worden (40 Tage nach der Geburt des Herrn und nicht nach der Erscheinung des Herrn). Erst nach der Liturgiereform 1963 wird das Fest wieder als Herrenfest „Darstellung des Herrn“ gefeiert. Diese abwechslungsreiche Festtagsgeschichte, zeigt, welche Akzente man im Laufe der Jahrhunderte gesetzt und betont hat.
Die christozentrische Aussage des Lukas ist im heutigen Evangelium gut erkennbar: Jesus, als Erstgeborener, ist nach dem Gesetz Mose „Gott geweiht“. Lukas gibt in seinem Evangelium dieser religiösen Tradition einen Platz: die Eltern bringen Jesus zur Darstellung an Jahwe in den Jerusalemer Tempel! Aber Lukas sieht die eigentliche Darstellung im Tempel nicht als Mittelpunkt. Erst zum Schluss des heutigen Evangeliums wird gesagt: „Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.“
Die dritte Szene ist der eigentliche Mittelpunkt: Lukas fügt zwischen dem Eintritt in den Tempel und dem Aufbruch nach Nazaret die Begegnung mit dem hochbetagten Simeon ein: „ … und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme …“.
Liebevoller kann man eine solche Szene der Begegnung zwischen „dem alten, gottesfürchtigen Mann“ und „dem Neugeborenen“ kaum schildern. Das Erste Testament und das Zweite Testament werden dadurch miteinander verbunden. Sie treten durch den Lobpreis des weisen Simeon - und der gottesfürchtigen Hanna - in einen Dialog.
Das Staunen über diesen Lobpreis bei den Eltern war groß. Noch mehr staunten sie wahrscheinlich über den von Simeon angekündigten Lebensbogen von Jesus, dessen Tod, Maria ein Schwert durch ihre Seele einst dringen lässt.
In der Kunst wird dieser Lebensbogen verschieden dargestellt. Eine dieser Darstellungen, die ohne Kenntnis der mittelalterlichen Symbolsprache „harmlos und niedlich“ aussieht, ist folgende: Maria hält Jesus, als Kleinkind, liebevoll in den Armen. Das „Jesuskind“ verweist jedoch bereits auf seine Passion, symbolisch dargestellt als kleiner Vogel (Passionsvogel), den Jesus in seiner Hand hält. Der Distelfink bzw. Stieglitz, wie er auch genannt wird, ist aufgrund seines zum Teil roten Schopfes und seiner Vorliebe für Distelblumen in der mittelalterlichen Kunst zum Passionsvogel, der Leid und Tod Jesu symbolisieren soll, geworden.
Unter dem Titel „Madonna mit dem Kind“ ist in der Kunstkammer im KHM in Wien ein Relief aus Marmor (von Antonio Rossellino Settignano) mit dem Passionsvogel zu sehen. Jesus sitzt auf der Schoß seiner Mutter und hält seine Passion, seine Leidensgeschichte, symbolisiert durch den Passionsvogel, in der linken Hand. Wenn man die Symbolsprache des Mittelalters in der christlichen Ikonographie kennt, dann ist eine solche Darstellung nicht „harmlos und niedlich“.
Aber noch ist es nicht so weit: die Schwierigkeiten, von denen Simeon spricht, und die Passion sind nicht der Schluss des heutigen Evangeliums. Vielmehr heißt es: „Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit und seine Gnade ruhte auf ihm.“ Möge Gottes Weisheit, seine Gnade auf jedem Kind ruhen und es stärken.
Das Evangelium von Simeon und Hanna hat es mir angetan. Da haben einmal zwei Senioren das Wort. Was haben sie als Senioren zu sagen?
Der Text von Simeon wirkt für mich wie eine Ouverture zum Weihnachtsevangelium "Nun entlässt du Herr deinen Knecht in Frieden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und zur Herrlichkeit deines Volkes dient" (Lk 2,28-33). Dieser Hymnus, im Lateinischen nach den Anfangsworten "Nunc dimittis" genannt, gehört mit dem Benedictus und Magnificat zur Weltliteratur. Diese Sätze möchte ich, um mit dem Dichter Andreas Zeiss zu sprechen in eine "Worttruhe" geben.
Sie sind unendlich kostbar. Besonders angetan bin ich von dem Satz Simeons "meine Augen haben das Heil gesehen". Auch wir sehen das Heil, zwar verhüllt, aber doch unter den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein. Damit öffnet uns Gott in Jesus Christus schon jetzt die irdischen Grenzen. Wir können aus unseren Alltäglichkeiten ausziehen, um an der Bibel das Hoffen zu lernen. Nun kann ich wie Simeon in Frieden von dieser Welt scheiden. Aller Sinn des Lebens ist erfüllt. "Meine Augen haben das Heil gesehen", heißt: mit der Menschwerdung Jesu kann ich Gott ins Angesicht schauen. Das bedeutet die Umkehrung aller Verhältnisse. Das Grab ist nicht mehr die Endstation. Ich darf dieses Licht und die Hoffnung auf die Gräber tragen. Freilich unsere Welt ist noch nicht ganz erfüllt von diesem Licht. Erst wenn Jesus in Macht und Herrlichkeit kommt, werden alle Menschen auf Gott ausgerichtet sein. Dann wird dem Krieg und allen Feindseligkeiten ein Ende gesetzt werden. Und Gott wird jede Träne von uns abwischen. Kein Schwert mehr wird durch unsere Seele dringen.
Was will Simeon uns heute sagen? Simeon hat Gott vertraut. Er war wie wir von Hoffnung und Sehnsucht getrieben. Er war unendlich dankbar, dass er noch in seinem Alter das Heil schauen durfte. Er staunte darüber, wie sich Schritt für Schritt sein Weg ergab. Auch wir können wie Simeon darauf vertrauen, dass Gott an uns wirkt.
Bei diesem Evangelium fällt mir auf, dass im Tempel von Jerusalem nicht nur Simeon, sondern auch Hanna anwesend war. Sie lobte und pries Gott und redete von ihm mit allen, die auf die Erlösung durch Christus warteten. Sie war schon als Kind lebensfroh. Aber jetzt ist sie überglücklich. Hanna sagt uns: Gottes Licht leuchtet schon jetzt in dieser Welt. Und viele Menschen sollen sich von dieser Botschaft anstecken lassen. Dann wird es ganz hell in unserer Welt. Das wäre ein echter Neuanfang. Denn auch unsere Augen sehen Gottes Heil, zwar verhüllt in der Gestalt von Brot und Wein. Aber eines Tages werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht schauen. Das macht uns schon jetzt lebensfroh. Das wird dann ein Fest ohne Ende sein.
Die Bibel stellt uns die Offenbarung "Jesus ist der Heiland der Welt" in drei umfangreichen Szenen dar.
Als Erste erfahren es die Hirten durch die am Himmel erscheinenden Engel mit der Botschaft: "Euch ist der Retter, der Heiland, geboren". Mit dieser Eröffnung wird bereits ein starker Akzent gesetzt. Nicht die Frommen, nicht die Hohen erfahren es als Erste, sondern die Kleinen, Vergessenen, Abgeschobenen. Dass sie wie alle anderen in das Heilshandeln Gottes hineingenommen werden, ist eine so wahrhaft frohe und beglückende Botschaft, dass sie ihnen, den Betroffenen, wohl als erste verkündet werden muss.
Der Evangelist Matthäus weist dann auf eine zweite Gruppe hin, denen Jesus als Heiland kundgetan wird. Es sind die Suchenden, die Aufmerksamen, die Weisen aus dem Morgenland. Weil sie von einem tiefen Verlangen beseelt sind, dem Ehre zu erweisen, dem wahrhaft Ehre gebührt, werden sie durch den neu aufgegangenen Stern auf das Himmlische Ereignis aufmerksam. Der Neugeborene muss alle bisherigen Herrscher bei weitem übertreffen. Das ist den Weisen klar. Weil sie nicht ruhen wollen, bis sie sich vor diesem Herrn verneigt haben, gelangen sie zum Stall in Betlehem. Nebenan in Jerusalem sitzen Weise und Gelehrte in großer Zahl. Sie können sogar Auskunft geben über den Geburtsort des großen Königs. Aber sie suchen nicht, sind nicht elektrisiert, um Heilsgeschichte der Gegenwart wahrzunehmen. So brechen sie auch nicht auf zum Heiland der Welt.
Ein Gott Suchender sein, ein aufmerksames Auge für Gottes Handeln haben oder entwickeln, gehört zum Glauben, will uns Matthäus sagen.
Eine dritte Szene berichtet uns das heutige Evangelium. Jesus, noch ein Baby, erlebt sozusagen sein erstes öffentliches Auftreten inmitten seines Volkes.
Es war in Israel Brauch, jede männliche Erstgeburt in besonderer Weise Gott, dem Schöpfer und Herrn des Lebens, zu weihen. So kommen Maria und Josef mit ihrem Jesus in den Tempel. Und hier im Tempel, dem zentralen Mittelpunkt des gläubigen Volkes, verkündet Simeon allen Anwesenden, Jesus auf den Armen haltend: Dieser ist das Heil der Welt, ein Licht, das sogar die Heiden erleuchten wird.
Wer Jesus ist, wird nach diesen drei Szenen hinreichend kundgetan. So kommt Lukas als Seelsorger zu seinem zweiten Anliegen. Er möchte uns die Augen dafür öffnen, welchen Menschen der Zugang zum Heiland der Welt am ehesten offen steht und ziemlich leicht zugänglich ist. Er zeigt es uns an den Personen, die in die Darstellung Jesu in besonderer Weise eingebunden sind.
Da ist Simeon. Sein Name bedeutet "Hörender". Name und Charakter stimmen bei ihm überein. Als Hörender hat er bis ins Greisenalter die Verheißungen Gottes immer neu verinnerlicht und ihnen vertraut. Auch wenn er Jesu nicht auf seine Arme hätte nehmen können, wäre er mit seiner inneren Einstellung Gott verbunden geblieben, als ein wach und aufmerksam auf Gott Hörender.
Hanna, die langjährige Witwe, hat ihre schwierige Lebenssituation angenommen. Ihr Name bedeutet: "Gott ist gnädig". In diesem Glauben und Vertrauen hat ihr Lebensschicksal sie nicht in eine innere Verkümmerung geführt. Auf vieles, ja auf sehr vieles hat sie als Witwe in damaliger Zeit verzichten müssen. Aus ihrem Glauben und einer tiefen und innigen Beziehung zu Gott schöpft sie Kraft, bewertet und gestaltet sie ihr schicksalhaftes Leben dennoch positiv.
Maria und Josef zählen zu den Kleinen und Unbeachteten. Aber sie überlassen sich Gott. Sobald sie seinen Willen kennen, handeln sie. Langes Zögern oder Herumdiskutieren gibt es für sie nicht.
Menschen mit diesen Charaktereigenschaften, so will uns Lukas ans Herz legen, kann sich Gott leicht kundtun.
Was könnte das für uns bedeuten? - Schicksalsschläge verschiedenster Art gehören wohl zu jedem Menschenleben. Und ich bin sicher, auch Hanna hat sich des Öfteren gefragt: Womit habe ich das verdient? Gott, wo bist du? In ihrem Ringen mit Gott bewahrt sie sich jedoch davor, von Gott abzulassen. Wie wir wird sie an bestimmten Tagen erkannt haben: Mein Leben ist hart; aber ich bin Gott nicht aus den Augen. Hier und da und dort konnte ich es spüren. Dies bewegt sie, Gott zu preisen, ihm zu danken, innerlich nicht in die Verkümmerung abzudriften, obwohl sich an ihrem Lebensschicksal nach außen kaum etwas änderte.
Simeon, der Wache, wird als der aufmerksam Hörende in die Begegnung mit dem Herrn geführt. Hell wach auf Gott Hörender sein, wird auch uns befähigen, für das Heilswirken Gottes Empfinden zu entwickeln. Spüren und ahnen, dass und wo Gott am Wirken ist, stärkt unseren Glauben bei weitem mehr als alles Wissen über ihn. Gott spüren, das ist die treibende Kraft in uns, die uns zum Handeln bewegt und Zuversicht verleiht. Sie legt Lob und Dank auf unsere Zunge, Kraft und Ausdauer in unser Herz.
Bei Maria und Josef dürfen wir erkennen, dass es nicht auf unser Ansehen in der Gesellschaft ankommt, um von Gott in einen Dienst für ihn genommen zu werden. Gott fängt mit dem Kleinsten und Geringsten etwas an, sofern dieser bereit ist, Hand anzulegen. Gott wird uns segnen, auch wenn im Dienst für Gott unser Herz manchen Schmerz durchleiden wird, wie es Maria von Simeon für ihr Leben vorausgesagt wurde.
Mit seinem Bericht der Darstellung Jesu im Tempel hat uns Lukas verschiedene Vorbilder für ein Leben aus dem Glauben geliefert. Es ist an uns, im Blick auf sie zu reagieren. Maria und Josef kehren mit dem Segen Gottes nach Hause zurück, um sich neu dem Alltag und Leben zu stellen. Wie sie werden auch wir besonders in jedem Gottesdienst und auch sonst mit dem Segen Gottes beschenkt. Er soll uns die Kraft verleihen, wach für Gottes Weisungen an uns zu bleiben und unseren Alltag und unser Leben nach seinem Willen mit Hingabe und Gottvertrauen zu gestalten.
In der heutigen Predigt möchte ich den Blick lenken auf Simeon und Hanna. Sie sind im besten Sinne des Wortes fromme und gottesfürchtige Menschen geworden und geblieben. Hanna hat als junges Mädchen geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt. Wohl durch einen frühen Tod hat sie ihren Mann verloren. Seitdem ist sie Witwe, jetzt hochbetagt mit 84 Jahren.
Hinter diesen Daten entsteht das Bild eines nicht einfachen Lebens, eines herben, aber für die damalige Zeit auch nicht völlig außergewöhnlichen Schicksals. Als Witwe, möglicherweise kinderlos, gehört sie zu den sozialen wie wirtschaftlichen Verlierern der Gesellschaft. Sie ist abhängig von den Zuwendungen Fremder und ausgeliefert der Willkür eines jeden, der ihre Lage auszunutzen versteht. Diese Belastungen haben sie jedoch nicht gottlos gemacht, sondern noch mehr in Gott verwurzelt. Dazu haben Fasten, Beten und Gottesdienst beigetragen.
Mich erstaunt der kleine Hinweis: Simeon und Hanna nehmen Anregungen des Geistes Gottes wahr, begeben sich zur rechten Zeit an die rechte Stelle und erkennen im Jesuskind, was vor ihnen niemand in Worte gefasst hat.
Simeon und Hanna werden als Propheten bezeichnet. Propheten sind Menschen, die mehr sehen als das bloße Auge, die in die Dinge hineinsehen und darüber hinaus. Propheten sind Entdecker Gottes, Sucher der Spuren Gottes mitten im Leben der Menschen. Propheten und Prophetinnen können diese Spuren Gottes in Worte fassen, sie vermögen auf das göttliche Ereignis mitten im Leben aufmerksam zu machen.
Simeon und Hanna sehen in Jesus mehr als das 40 Tage alte Kind. Sie erkennen in ihm das Heil, das Gott vor allen Völkern bereitet hat. Sie sehen das Licht und die Herrlichkeit für die ganze Welt. Dem Simeon geht ein Licht auf: In diesem Kind erfüllen sich alle Prophezeiungen. Simeon weiß, dass er jetzt Gottes Sohn auf den Armen trägt, den Retter der Welt. Er sieht auch das Kreuz und den Schmerz Marias.
Ein Weiteres fällt auf: Warum erkannte nicht der Dienst habende Priester den Messias, sondern einfache, alte Leute? - Der Priester, der ständig mit dem Heiligen beschäftigt war, hätte doch sofort erahnen müssen, dass dieses Kind ein ganz außergewöhnliches Kind war. Nicht der Profi erkannte Gott, sondern der Laie! Auf ihm, so heißt es im Evangeliumstext, ruhte der Heilige Geist, weil er gerecht und fromm war. Der lebendige Geist wirkt nicht automatisch im Amtsträger. Vielmehr ergießt sich der Heilige Geist dort, wo er den guten Willen sieht, seinen Eingebungen zu folgen.
In diesem Bericht wie in der gesamten Kindheitsgeschichte Jesu schlägt sich die Überzeugung des Evangelisten nieder, dass der gekreuzigte und auferstandene Jesus, bereits zu Beginn seines Lebens der verheißene Messias ist. Aus der nachösterlichen Erfahrung heraus wird hier über Jesus erzählt. Jesus ist nicht erst im Laufe seines Lebens zum Sohn Gottes geworden, er ist es von Anfang an und über alle menschliche Zeitvorstellung hinaus.
Dieses Großartige und Göttliche ist nicht lauthals und sensationell. Wie schon die Weihnachtsgeschichte und der Bericht von den Weisen aus dem Morgenland sagt uns auch die Szene im Tempel, dass Gott auf leisen Sohlen in diese Welt kommt. Er ist kein Gott der großen Auftritte, kein König, der mit Pauken und Trompeten Einzug hält.
Von Simeon und Hanna können wir abschauen, wie man dieses geradezu unterschwellige Vorgehen Gottes besser erkennen kann. Für Simeon und Hanna hat eine große Rolle gespielt, dass sie wach und offen geblieben sind. Eine Sinnesschärfe für das Kleine, ein geduldig-sehnsüchtiges Herbei-Warten zeichnete sie aus. Von Beiden wird gesagt, dass sie das schon sehr lange getan haben, ein langes Leben lang. Wir können uns ausmalen, wie oft sie enttäuscht wurden. Es scheint fast wie ein Wunder, dass sie nicht resigniert haben.
Zahlen und Altersangaben in der Bibel sind meist nicht zufällig gewählt. So dürfen wir auch genauer hinschauen auf die Witwe "von vierundachtzig Jahren". Zwölf mal sieben Jahre hat diese Frau hinter sich. Die Sieben und die Zwölf, beide Ziffern sind Symbolzahlen der Ganzheit, der Fülle, der Vollendung. Ihre Zeit ist also erfüllt, ihre Zeit ist gekommen. Warum so spät, könnten wir fragen. Nach so vielen womöglich ereignislosen Jahren passiert bei Hanna jetzt auf einmal im hohen Alter etwas Neues, etwas ganz Neues, das sie fordert und antreibt.
Im Blick auf Priester- und Ordensberufe ist manchmal von "Spätberufenen" die Rede, als gäbe es die Normzeit, zu der eine Berufung sich zu ereignen hat. Gott beruft aber "nicht früh oder spät, sondern wenn's passt". Das hat einmal ein solcher "Spätberufener" gesagt, als er darauf angesprochen wurde. Kein Lebensalter und kein Lebensstand sind davor sicher, Zeitpunkt und Ort eines (neuen) Anrufs Gottes zu werden. Wer glaubt, wer mit Gott lebt, der ist nie fertig, sondern immer noch offen.
Lassen wir uns also ermutigen von Hanna und Simeon, offen zu bleiben für die Überraschungen Gottes im Heute. Bewahren wir uns die Haltung, dass wir zu keinem Zeitpunkt unseres Lebens fertig sind. Bleiben wir aufmerksam und wach für den Anruf unserer Zeit, unserer Umgebung, der nächsten Menschen.
Von Hanna heißt es, dass sie zu allen über das Kind sprach, die auf die Erlösung warteten.
Das Gute, das sie erfahren hat, die Begegnung mit dem lebendig machenden Gott, will und kann sie nicht für sich behalten. Hanna wird zur ersten Verkünderin der Zeitenwende, der Erlösung.
Simeon stimmt einen Lobgesang an, der in das tägliche Gebet der Kirche eingegangen ist: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet."
In den unscheinbaren alltäglichen Dingen mehr sehen als ein Fotoapparat, fordert auch unseren Glauben heraus. Wir hören Geschichten aus einem 2000 Jahre alten Buch und erkennen darin doch das Wort des lebendigen Gottes, wie wir es nach der Lesung bekennen.
Wir erhalten ein Stück Brot, und schauen darin mehr als ein Symbol der Gemeinschaft.
Wir sehen, hören, fühlen die Menschen in unserer Pfarrgemeinde und wissen in ihnen Christus selbst gegenwärtig, der gesagt hat, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Bitten wir Gott um einen Glauben wie ihn Simeon und Hanna besaßen, einen Glauben, der hinter dem Licht der Kerzen das Licht der Welt erkennt, der aus den Worten der Schrift das Wort Gottes heraushört, der im Essen des Brotes schmeckt, wie gütig der Herr ist.
Im Evangelientext des heutigen Festes stehen viele mehr oder wenig bedeutungsschwere theologische Sätze. Fast dazwischen versteckt wird von zwei berührenden Szenen der Begegnung über die Generationen hinweg berichtet, die ich näher bedenken möchte.
Simeon, der alte fromme Mann, wartet darauf, den Messias Gottes zu sehen. Wie er sich das vorgestellt hat, wird nicht berichtet. Aber im Baby Jesus, das von den Eltern in den Tempel gebracht wird, erkennt er die Erfüllung der Verheißung, die ihm gegeben worden ist. Er erkennt im Säugling, im wehrlosen Kind, den Träger der Verheißung für eine bessere Zukunft. Auch die alte Prophetin Hanna, die Gott Tag und Nacht im Tempel dient, kommt hinzu und erkennt dieses Kind als Hoffnungsträger für die Erlösung Israels. Weise, alte Menschen vermögen das Versprechen und Potential, das in neugeborenen Kindern liegt, zu sehen und Gott für die Eröffnung einer besseren Zukunft durch sie zu danken.
Jesu Vater und seine Mutter staunten über die Worte des alten Mannes. Maria und Josef sind die Generation in der Mitte zwischen Großeltern und Enkeln, könnte man generalisierend sagen. Sie sind die Generation, die viele Pflichten zu erfüllen hat, die die Last und den Stress des Familien- und Berufslebens tragen müssen. Dieses Elternpaar nun kann auf die Stimme des alten Mannes hören und darüber staunen, was er über dieses Kind sagt. Wie schön und gut wäre es, wenn die Elterngeneration die Sicht der Alten über ihre Enkelkinder hören und darüber staunen könnte. Gerade dann, wenn man vor lauter Anstrengung und Belastungen nicht aus und ein weiß. Und Simeon segnet die Eltern Jesu. Er überträgt auf sie damit sein Wohlwollen, seinen Glauben und seine lebenserfahrene Liebe für die Aufgabe und Herausforderung Jesus aufwachsen zu lassen und zu erziehen. Er sagt ihnen im Segen Gottes Güte, Schutz und Führung zu.
Ich denke, die Wärme und Zuneigung, die über diesen Szenen liegt, kann uns einen Weg zeigen, wahrzunehmen, welchen Wert das Miteinander der Generationen für alle Beteiligten hat. Das könnte uns gerade in einer Zeit, wo Neid und Egoismus die Generationenbeziehungen gefährden, weiter helfen. Oft ist es doch so, dass die ältere Generation sich nicht darum kümmern will, welche Zukunft ihre Enkel vorfinden werden. Manche leben nach dem Motto: Hauptsache mir geht es gut, und dann hinter mir die Sintflut, wenn ich längst im Grab bin. Diese Haltung macht vielen jungen Menschen Angst. Sie sorgen sich um ihre Zukunft, eine gesunde Umwelt und lebenswertes Leben und empfinden die immer größer werdende Gruppe der Alten als Bedrohung.
Aber auch die alten Menschen haben Angst. Angst überflüssig und eine Belastung zu sein. Angst vor Einsamkeit, wenn sich niemand um sie kümmert und Angst, keine gute, würdige Pflege zu bekommen, weil das die Jungen überfordert und nicht interessiert. So entstehen ein misstrauisches Klima zwischen den Generationen und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Das löst dann den Drang aus, die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen, ohne Rücksicht auf Verluste, und macht unsere Welt kalt und bedrohlich. Wenn wir aber das Miteinander der Generationen, wie es die Bibel heute beschreibt, meditieren und uns hineinversetzen, dann können wir ein Geheimnis erfahren.
Das bewusste Leben in der Abfolge der Generationen gibt dem Leben Halt und Sinn. Viele Menschen stehen unter dem Stress, ihr Dasein und ihre Existenzberechtigung rechtfertigen zu müssen. Sie glauben aus sich heraus ihre Existenzberechtigung erkaufen, erleisten und verdienen zu müssen. Das ist sehr anstrengend, angstbesetzt und erzeugt Daseinsstress. Wer hingegen in Generationen denken und fühlen kann, merkt, dass der Sinn des Lebens und unsere Existenzberechtigung darin liegen, unseren Platz in der Geschichte einzunehmen. Ich komme aus den Wurzeln meiner Ahnenreihe, bin berufen meine Lebenszeit gut auszufüllen und der nächsten Generation, denen die nach mir kommen, etwas zu hinterlassen. Dieses Vermächtnis meines Lebens ist nicht materiell oder generativ durch eigene Kinder zu verstehen, sondern ein einmaliges Mehr an Glaube, Hoffnung, Liebe und Segen soll in dieser Welt sein, wenn ich abtreten muss. Mein Leben ist eingebettet in den Strom der Generationen und Gott hat mir genau diesen Platz in der Kette zugewiesen, den nur ich und sonst niemand ausfüllen kann.
So zu denken und zu empfinden entlastet und gibt Halt. Der Sinn des Lebens ist größer als mein kleines Ich, aber ich bin befähigt und berufen meinen Beitrag dazu zu leisten. Wenn wir uns diesen Zugang zum Wert und Sinn unserer eigenen Existenz bewusst gemacht haben, dann können wir uns freuen über jede Generation. Denn dann hat jede Generation ihre Aufgabe im großen Ganzen zu erfüllen. Die ältere Generation hat die Aufgabe, mit Weisheit die Verheißungen der Zukunft zu erkennen und die Kinder und Enkelgeneration zu segnen. Die Elterngeneration hat die Aufgabe, die Last des Lebens zu schultern und die Welt bewohnbarer und friedvoller zu machen. Eine Kraftquelle dafür ist das Staunen über die Erfahrungen und Werte der Älteren und die Anerkennung ihrer Leistungen und Weisheit.
Und die Enkelgeneration schließlich steht auf den Schultern ihrer Ahnen und kann mit Hoffnung und Mut in die Zukunft gehen, weil sie sich als Trägerin der alten Verheißungen und als Erbin der Hoffnung, des Glauben und der Liebe ihrer Vorfahren verstehen darf. Es macht dann keinen Sinn, die Generationen gegeneinander auszuspielen, sondern es gilt die Kraft zu nutzen, die im Miteinander der verschiedenen Lebensalter zur Entfaltung kommt.
Auch das vierte der zehn Gebote enthält diese drei Dimensionen:
Ehre deinen Vater und deine Mutter.
Das heißt, bringe ihnen Anerkennung und Wertschätzung entgegen und fühle dich dafür verantwortlich, dass sie in Würde altern können und ein gutes Leben haben.
Damit du lange lebst und es dir gut geht.
Das heißt, das Bewusstsein der eigenen Verwurzelung in der Ahnenreihe gibt Kraft und Sinn, um das Leben mit seinen Höhen und Tiefen zu bestehen.
in dem Land, das der Herr dein Gott dir gibt.
Das heißt, auch die Nachgeborenen bekommen Lebensraum und haben Zukunft, wenn wir jetzt verantwortungsvoll, nachhaltig und friedlich mit unserer Erde umgehen. Unsere Nachkommen können dann zuversichtlich heran wachsen, kräftig und weise werden und erfahren, dass Gottes Gnade auf ihnen ruht.
Autorin: Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt
In seinem neuen Buch "Die Durchschnittsfalle" rechnet der Humangenetiker Dr. Markus Hengstschläger mit dem Bildungssystem ab: Eine Gesellschaft, die sich am Durchschnitt orientiere, sei nicht gerüstet, um wichtige Fragen der Zukunft lösen zu können. Er ruft dazu auf, Talente und Stärken vermehrt zu fördern, denn es braucht mehr Individualität und Menschen, die aus der Masse herausstechen, statt nur mit dem Strom mit zu schwimmen. Jede und jeder ist eine Elite, so der Wissenschaftler. Ein zutiefst christlicher Blick auf den Menschen. Im Anderen, im Kleinen und Unscheinbaren das Große und Besondere zu sehen, ist auch der Blick, mit dem uns Gott ansieht. Und ist dies nicht auch der Blick eines Simeon und einer Hanna im heutigen Evangelium? Und der von Maria und Josef, die ihr Kind frei geben für die je eigene Berufung?
Wie alle jüdischen Eltern bringen Maria und Josef Jesus 40 Tage nach seiner Geburt in den Tempel und weihen ihn Gott. Sie wollen damit treu das Gesetz erfüllen: Beschneidung des Kindes, Darstellung vor dem Herrn, Darbringen von Opfergaben für die kultische Reinigung der Mutter - wie es Vorschrift ist in Israel. Etwas vom Tiefsten der jüdischen Religiosität kommt hier zum Ausdruck: das Erste, Beste, Wertvollste ist für Gott gerade gut genug.
Das Kind dem Herrn weihen bedeutet: es aus der Hand geben, es Gott geben. Nicht ihre Wünsche und Vorstellungen sollen sein Leben bestimmen, sondern die Pläne Gottes. So erfüllen Maria und Josef mit dem Gang in den Tempel nicht nur ihre religiöse Pflicht, sondern erkennen auch an: Dieses Kind, unser Kind, gehört nicht allein uns. Dieses Kind gehört eigentlich Gott. Von ihm haben wir es als Geschenk erhalten. Dieses Kind ist ein Kind Gottes! Und irgendwann, wenn es älter geworden ist, werden wir dieses Kind hergeben müssen, es loslassen, es in sein Leben entlassen, damit es sich selbständig entfalten und sein Leben in eigener Verantwortung führen kann.
Im Tempel treffen sie auf Simeon und Hanna, hoch betagte Repräsentanten des Volkes Israel, die in dem Kind den sehnsüchtig erwarteten Erlöser erkennen.
Im Blick auf dieses Kind ruft Simeon den Satz aus, den die Kirche jeden Abend in der Komplet, dem Nachtgebet, betet: "Nun lässt du Herr, mich in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast ..."
"Simeon" = "Gott hat erhört" oder: "Gott ist Erhörung". Es ist ihm zugesagt, noch bevor er stirbt, "den Trost Israels zu schauen." Im Kind Jesus erkennt er die Erfüllung aller Hoffnungen und Verheißungen des Ersten Testaments.
"Er nahm das Kind in seine Arme" so heißt es. Seine Hoffnung hat Hand und Fuß bekommen. Gott - leibhaftig in diesem Kind, hautnah in seinen Armen. Der alte Mann und das Neugeborene, der scheidende Prophet und der kommende Retter. Beginn und Vollendung, Leben am Ende umarmt Leben am Anfang.
Weil er Augen hat für das Verborgene, Kleine und Unscheinbare, kann er Abschied nehmen, im tiefen Frieden mit sich, den Menschen und Gott.
Hanna ("Gott hat sich erbarmt") - Lukas bezeichnet sie als Prophetin - bestätigt das Zeugnis Simeons.
Hannas Leben war kein leichtes Leben. Nur wenige Jahre war ihr das Glück der Ehe vergönnt. Jahrzehnte, fast ihr ganzes Leben hat sie als Witwe gelebt. Witwen gehörten damals zu den schutzlosesten und am meisten benachteiligten Bevölkerungsschichten. Dazu kam die seelische Not: Trauer, Enttäuschung, die Erfahrung der Einsamkeit, der Schmerz des Alleinseins. Doch ist sie an den schmerzhaften Erfahrungen ihres Lebens nicht zerbrochen. Die Schicksalsschläge haben sie nicht von Gott weggebracht, sondern näher zu ihm hingeführt. Bis ins hohe Alter hatte sie nicht aufgehört, die "Erlösung Israels" herbeizusehnen, den Befreier, der auch ihr Erlösung bringen sollte. Im Gott Loben bezeugt sie dieses Kind als den ersehnten Retter, der von Schuld befreit, die Gebeugten aufrichtet und alle Gebrechen heilt. Wenn es von Hanna heißt, sie habe zu allen, die auf die Erlösung warten, über das Kind gesprochen, so wird sie damit Verkünderin der Erlösungstag Gottes und Lukas stellt sie gleichsam in die Reihe der Apostel.
Simeon und Hanna, zwei Menschen, die trotz ihres Alters Hoffende geblieben sind. Menschen, die wachsam beobachten, was geschieht, um den "Kairos" ihres Lebens nicht zu versäumen. Sie vertrauen darauf, dass immer noch Größeres geschehen kann in ihrem Leben.
Als ehemalige Altenheim- und derzeitige Krankenhausseelsorgerin steigen in mir Bilder auf: Alte und Kranke, die in Krankheit oder im Angesicht des Todes ein Leuchten in den Augen haben. Menschen, die voller Dankbarkeit auf ihr Leben blicken und voller Erwartung sind, die mich an ihren Visionen teilhaben lassen. Menschen, die trotz schwerer Schicksalsschläge nicht resignieren. Ich frage mich manchmal, woher nehmen diese Menschen die Kraft? Woher nimmt ein Simeon die Kraft und die Geduld, sein Warten durchzuhalten über Jahre und Jahrzehnte? Was hat Hannas Sehnsucht wach gehalten? Wie erkannte sie in diesem Kind den erwarteten Messias?
Simeon und Hanna erwarten das Heil nicht von der Vergangenheit, sondern sie erwarten es in der gegenwärtigen Stunde, im Hier und Jetzt.
In der Seelsorge begegne ich immer wieder Menschen, die glauben und darauf vertrauen, dass sich in ihrer gegenwärtigen oftmals lebensbedrohlichen Situation Gottes Heil und Zuwendung zeigt und dass sie daraus Kraft schöpfen.
Wie Simeon und Hanna schauen lernen, heißt für mich, den "Elitemenschen" in meinem Gegenüber zu sehen. Was Dr. Hengstschläger für die Bildung allgemein fordert, geben uns Hanna und Simeon als Grundprogramm für die Pastoral vor.
Mit dem Fest der Taufe Jesu - vor 5 Wochen gefeiert - endete der Weihnachtsfestkreis. Vor der Liturgiereform dauerte die Weihnachtszeit bis zum Fest Mariä Lichtmess.
Heute heißt es "Fest der Darstellung des Herrn". Das Festgeheimnis gehört sicherlich zu Weihnachten dazu, aber wenn wir den Inhalt des Festes genauer anschauen, dann öffnet es die Tore hin zum Osterfest.
Schauen wir hinein in das Evangelium dieses Festes: Maria und Josef beanspruchen dieses Kind von Bethlehem nicht für sich - "mein Kind", "unser Kind". Sie bringen es in den Tempel und weihen es Gott für das, wozu ER dieses Kind bestimmt hat. Doch dieses Kind ist für sie jetzt nicht weggegeben, sondern sie bekommen es zurück, jedoch ganz für den Heilsdienst Gottes; und sie selbst sind mit einbezogen.
Das wichtige Geschehen ist hier: Das Kind Gott geben (weihen) und es neu zurückbekommen. Auch das Evangelium ist mehr als ein Bericht über das, was Josef und Maria getan haben. Es steckt eine Botschaft für uns dahinter: nämlich: Etwas Wichtiges Gott geben - um es von Gott neu zurückzubekommen.
Ein erster Gedanke zum heutigen Fest: Auch wir müssen unseren Weihnachtsglauben an dieses Kind von Bethlehem, das auch in uns geboren worden ist - denken wir an den oft zitierten Satz von Angelus Silesius: "Wäre Jesus tausendmal in Bethlehem geboren, aber nicht in uns, so wären wir dennoch verloren" - dieses in uns geborene Kind, diesen in uns neu lebendigen Glauben an Jesus, müssen wir zum Tempel, zu Gott bringen, ihn Gott weihen, und er gibt ihn uns neu zurück, aber in einer anderen Art, als wir uns das vorstellen.
Das heißt, wir müssen das Wertvollste, das wir empfangen haben, das göttliche Kind in uns, weggeben. Wir dürfen es nicht festhalten, nicht für uns behalten. Wir müssen es wieder hergeben, um es neu empfangen zu können.
Das betrifft auch unseren Glauben, der uns meist sehr kostbar ist. Er bleibt nicht so, wie wir ihn uns vorstellen. Gott verändert unseren Glauben in seiner Art, und das ist für uns oft nur schwer verständlich. Wir kapieren den Sinn meist erst viel später in der Rückschau auf unser Leben.
Gott nimmt uns den kindlichen Glauben und schenkt uns einen Glauben, der heute, im Alltag zu bestehen vermag.
Als Zweites möchte ich sagen: Alles, was wir denken, tun und schaffen, ist gut, wenn wir es vor Gott hinlegen, ihm anvertrauen. Er gibt es uns mit seinem Segen zurück. Wenn wir in einem Tagewerk nicht bloß unser eigenes Werk sehen, sondern es Gott weihen. Wir werden es danach ganz anders einordnen.
Ein Drittes ist: Alles, was uns im Leben geschenkt wird, dürfen wir immer wieder Gott zurückgeben, damit er es uns neu schenkt. Die Geschenke, die wir bekommen, z.B. so ein Blumenstrauß oder ein Buch zum Geburtstag, zu einem Festtag, verbinden wir es mit einem Gedanken an Gott und er wird uns sein noch tieferes Geschenk erkennen lassen, nämlich das Geschenk des Lebens. Erst recht gilt das für Liebe, Vertrauen, Geborgenheit. Halten wir das nicht für selbstverständlich, sondern sehen wir dahinter die Liebe, das Vertrauen, die Geborgenheit, die Gott uns schenkt. Und wir werden sie ganz neu und tief erleben.
Und noch ein Letztes: Das Fest der Darstellung des Herrn zeigt uns einen Weg auf, wie ich zu mir selber finde, wie ich Ich werde, meine Persönlichkeit entwickle. Nur indem ich etwas von mir hergebe, auf den andern zugehe, mich mitteile, wird mir etwas zuteil. Das geschieht in Freundschaft, Ehe, aber auch unter Kollegen und Kolleginnen. Unser Leben wächst im Geben und Empfangen. Indem ich mich selber ganz hergebe, loslasse kann, finde ich zum Leben in Fülle. Es ist gut, wenn ich mein Leben, mich selber, immer wieder Gott weihe. Er gibt es mir wieder neu zurück.
Das "Fest Darstellung des Herrn" führt uns in vielen Bereichen tiefer ins Leben hinein.
Unseren Weihnachtsglauben Gott übergeben und ihn zurückbekommen, damit er alltagsfest ist und herhält das Jahr über.
Unser Denken, Handeln, Tun Gott übergeben und wieder neu empfangen.
Unsere Geschenke Gott hinhalten und neu, anders empfangen.
Uns selber Gott hinhalten und neu zu uns selber finden.
Gott geben -von Gott neu bekommen, um das geht es. Das Gegenteil ist: Je mehr wir etwas oder uns selber krampfhaft festhalten, desto mehr werden wir dieses oder uns selber verlieren.
Wer das bedenkt, geht nach dem Weihnachtfest mit dem Fest der Darstellung des Herrn bewusster in die österliche Bußzeit hinein, auf Ostern zu, der Auferstehung entgegen. Der heutige Festtag leitet über von Glauben der Menschwerdung Gottes zum Glauben an die Auferstehung. Die Darstellung Jesu im Tempel wird zu unserer Darstellung vor dem Herrn. - Ich finde es wunderbar, dass wir das so feiern dürfen!
Seht, Christus, der Herr, kommt in Macht und Herrlichkeit,
er wird die Augen seiner Diener erleuchten. Halleluja.
Oder ein anderer passender Gesang.
Der Priester segnet die Kerzen und spricht:
Lasset uns beten.
Gott, du Quell und Ursprung allen Lichtes,
du hast am heutigen Tag
dem greisen Simeon Christus geoffenbart
als das Licht zur Erleuchtung der Heiden.
Segne + die Kerzen
die wir in unseren Händen tragen
und zu deinem Lob entzünden.
Führe uns auf dem Weg des Glaubens und der Liebe
zu jenem Licht, das nie erlöschen wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Oder:
Lasset uns beten.
Gott, du bist das wahre Licht,
das die Welt mit seinem Glanz hell macht.
Erleuchte auch unsere Herzen,
damit alle, die heute mit brennenden Kerzen
in deinem heiligen Haus vor dich hintreten,
einst das ewige Licht deiner Herrlichkeit schauen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Nun lädt der Priester die Gemeinde zur Prozession ein:
Lasst uns ziehen in Frieden,
Christus, dem Herrn, entgegen!
Während der Prozession wird gesungen: man verwendet dazu den Lobgesang des Simeon oder einen anderen passenden Gesang.
Segnung der Kerzen:
(ersetzt den Bußakt)
Antiphon beim Entzünden der Kerzen:
Seht, Christus, der Herr, kommt in Macht und Herrlichkeit,
er wird die Augen seiner Diener erleuchten. Halleluja.
Weihegebet über dir Kerzen:
Gott,
du bist das wahre Licht,
das die Welt mit seinem Glanz hell macht.
Erleuchte auch unsere Herzen,
damit alle, die heute mit brennenden Kerzen
in deinem heiligen Haus vor dich hintreten,
einst das ewige Licht deiner Herrlichkeit schauen.
Darum bitten wir durch Christus, unserem Herrn. Amen.
Oder:
Gott,
du bist das Licht und willst uns mit deinem Glanz erfüllen.
Blicke auf deine Gemeinde,
die heute mit brennenden Kerzen zu deinem Haus zieht.
Gib, dass wir das ewige Ziel nie aus den Augen verlieren
und immer auf dem Weg bleiben zu dir.
Durch Christus, unsern Herrn. Amen.
Gesang zur Prozession:
(III. Ton - Nunc dimittis - Lobgesang des Simeon, GL 665,3)
Kehrvers:
Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten,
du deines Volkes Herrlichkeit. (VII.)
Kehrvers:
Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, *
wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Kehrvers
Meine Augen haben das Heil gesehen, *
das du vor allen Völkern bereitet hast.
Kehrvers
Allmächtiger, ewiger Gott,
dein eingeborener Sohn
hat unsere menschliche Natur angenommen
und wurde am heutigen Tag im Tempel dargestellt.
Läutere unser Leben und Denken,
damit wir mit reinem Herzen vor dein Antlitz treten.
MB Darstellung des Herrn, 2. Februar
Allmächtiger Gott,
nach deinem Ratschluss hat dein eigener Sohn
sich als makelloses Lamm geopfert.
Nimm die Gabe an,
die deine Kirche in festlicher Freude darbringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
MB Darstellung des Herrn, 2. Februar
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn heute hat die jungfräuliche Mutter
deinen ewigen Sohn zum Tempel getragen;
Simeon, vom Geist erleuchtet,
preist ihn als Ruhm deines Volkes Israel,
als Licht zur Erleuchtung der Heiden.
Darum gehen auch wir dem Erlöser freudig entgegen
und singen mit den Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Darstellung des Herrn
Barmherziger Gott,
stärke unsere Hoffnung
durch das Sakrament, das wir empfangen haben,
und vollende in uns das Werk deiner Gnade.
Du hast du Erwartung Simeons erfüllt
und ihn Christus schauen lassen.
Erfülle auch unser Verlangen;
Lass uns Christus entgegengehen
und in ihm das ewige Leben finden,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.
MB Darstellung des Herrn, 2. Februar
Gott, der allmächtige Vater,
segne uns.
Er erfülle uns mit seinem Licht.
Er schaffe in uns den Frieden.
Er vollende uns mit seiner Herrlichkeit.
Das gewähre uns der allmächtige Gott,
der Vater und der Sohn und der Hl. Geist. Amen.
Franziskus rief die Katholiken in seiner Ansprache auch auf, verstärkt in sozialen Brennpunkten und multikulturellen Milieus zu wirken. Sie müssten die eigene Bequemlichkeit überwinden und den Mut haben, "alle Randgebiete zu erreichen, die das Licht des Evangeliums brauchen".
Er verwies auf das Vorbild Jesu. Dessen Sendung habe ihren Anfang nicht etwa in Jerusalem als religiösem, sozialem und politischen Zentrum der damaligen Zeit genommen, erklärte der Papst. Stattdessen habe er zunächst in Galiläa gewirkt, einem von Juden verachteten Randgebiet, in dem verschiedene nichtjüdische Bevölkerungsgruppen gewohnt hätten.
Franziskus warb zudem dafür, die christliche Botschaft vor allem armen und einfachen Menschen zu verkünden. Jesus habe sich zuerst an "niedrig gestellte Menschen" gerichtet und sich nicht an die Schulen der Schriftgelehrten und Gesetzeslehrer gewendet. Er sei auf die "Straßen des alltäglichen Lebens" gegangen, so der Papst. Die christliche Botschaft sei für alle da. Dies gelte auch für jene "die vielleicht nichts mehr erwarten und nicht einmal die Kraft haben, zu suchen und zu bitten".
Das Galiläa zur Zeit Jesu sei zum "symbolischen Ort für die Öffnung des Evangeliums für alle Völker geworden", führte der Papst aus. Auch heute müsse sich die christliche Glaubensverkündigung mit anderen Kulturen auseinandersetzen und die Begegnung mit ihnen suchen.
Kathpress 26.01.20014 Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich(www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten.
Das Licht und das Leben des Auferstandenen
30. Jede Teilkirche ist als Teil der katholischen Kirche unter der Leitung ihres Bischofs ebenfalls zur missionarischen Neuausrichtung aufgerufen. Sie ist der wichtigste Träger der Evangelisierung, insofern sie der konkrete Ausdruck der einen Kirche an einem Ort der Welt ist und in ihr »die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche Christi wahrhaft wirkt und gegenwärtig ist«. Es ist die Kirche, die in einem bestimmten Raum Gestalt annimmt, mit allen von Christus geschenkten Heilsmitteln versehen ist, zugleich jedoch ein lokales Angesicht trägt. Ihre Freude, Jesus Christus bekannt zu machen, findet ihren Ausdruck sowohl in ihrer Sorge, ihn an anderen, noch bedürftigeren Orten zu verkünden, als auch in einem beständigen Aufbruch zu den Peripherien des eigenen Territoriums oder zu den neuen soziokulturellen Umfeldern. Sie setzt sich dafür ein, immer dort gegenwärtig zu sein, wo das Licht und das Leben des Auferstandenen am meisten fehlen. Damit dieser missionarische Impuls immer stärker, großherziger und fruchtbarer sei, fordere ich auch jede Teilkirche auf, in einen entschiedenen Prozess der Unterscheidung, der Läuterung und der Reform einzutreten.
[...]
Licht und Trost der Freundschaft mit Jesus Christus
49. Brechen wir auf, gehen wir hinaus, um allen das Leben Jesu Christi anzubieten! Ich wiederhole hier für die ganze Kirche, was ich viele Male den Priestern und Laien von Buenos Aires gesagt habe: Mir ist eine „verbeulte“ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein, und schließlich in einer Anhäufung von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist. Wenn uns etwas in heilige Sorge versetzen und unser Gewissen beunruhigen soll, dann ist es die Tatsache, dass so viele unserer Brüder und Schwestern ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus leben, ohne eine Glaubensgemeinschaft, die sie aufnimmt, ohne einen Horizont von Sinn und Leben. Ich hoffe, dass mehr als die Furcht, einen Fehler zu machen, unser Beweggrund die Furcht sei, uns einzuschließen in die Strukturen, die uns einen falschen Schutz geben, in die Normen, die uns in unnachsichtige Richter verwandeln, in die Gewohnheiten, in denen wir uns ruhig fühlen, während draußen eine hungrige Menschenmenge wartet und Jesus uns pausenlos wiederholt: »Gebt ihr ihnen zu essen! « (Mk 6,37).
[...]
Berufen, um Licht und Leben zu vermitteln
83.So nimmt die größte Bedrohung Form an, der »graue Pragmatismus des kirchlichen Alltags, bei dem scheinbar alles mit rechten Dingen zugeht, in Wirklichkeit aber der Glaube verbraucht wird und ins Schäbige absinkt«. Es entwickelt sich die Grabespsychologie, die die Christen allmählich in Mumien für das Museum verwandelt. Enttäuscht von der Wirklichkeit, von der Kirche oder von sich selbst, leben sie in der ständigen Versuchung, sich an eine hoffnungslose, süßliche, Traurigkeit zu klammern, die sich des Herzens bemächtigt wie »das kostbarste der Elixiere des Dämons«. Berufen, um Licht und Leben zu vermitteln, lassen sie sich schließlich von Dingen faszinieren, die nur Dunkelheit und innere Müdigkeit erzeugen und die apostolische Dynamik schwächen. Aus diesen Gründen erlaube ich mir, darauf zu beharren: Lassen wir uns die Freude der Evangelisierung nicht nehmen!
Papst Franziskus, EVANGELII GAUDIUM, gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, zum Abschluss des Jahres des Glaubens, am 24. November – Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, König des Weltalls – im Jahr 2013, dem ersten meines Pontifikats.
Jungfrau und Mutter Maria,
vom Heiligen Geist geführt
nahmst du das Wort des Lebens auf,
in der Tiefe deines demütigen Glaubens
ganz dem ewigen Gott hingegeben.
Hilf uns, unser »Ja« zu sagen
angesichts der Notwendigkeit, die dringlicher ist denn je,
die Frohe Botschaft Jesu erklingen zu lassen.
Du, von der Gegenwart Christi erfüllt,
brachtest die Freude zu Johannes dem Täufer
und ließest ihn im Schoß seiner Mutter frohlocken.
Du hast, bebend vor Freude,
den Lobpreis der Wundertaten Gottes gesungen.
Du verharrtest standhaft unter dem Kreuz
in unerschütterlichem Glauben
und empfingst den freudigen Trost der Auferstehung,
du versammeltest die Jünger
in der Erwartung des Heiligen Geistes,
damit die missionarische Kirche entstehen konnte.
Erwirke uns nun einen neuen Eifer als Auferstandene,
um allen das Evangelium des Lebens zu bringen,
das den Tod besiegt.
Gib uns den heiligen Wagemut, neue Wege zu suchen,
damit das Geschenk der Schönheit, die nie erlischt,
zu allen gelange.
Du, Jungfrau des hörenden Herzens und des Betrachtens,
Mutter der Liebe, Braut der ewigen Hochzeit,
tritt für die Kirche ein, deren reinstes Urbild du bist,
damit sie sich niemals verschließt oder still steht
in ihrer Leidenschaft, das Reich Gottes aufzubauen.
Stern der neuen Evangelisierung,
hilf uns, dass wir leuchten
im Zeugnis der Gemeinschaft,
des Dienstes, des brennenden und hochherzigen Glaubens,
der Gerechtigkeit und der Liebe zu den Armen,
damit die Freude aus dem Evangelium
bis an die Grenzen der Erde gelange
und keiner Peripherie sein Licht vorenthalten werde.
Mutter des lebendigen Evangeliums,
Quelle der Freude für die Kleinen,
bitte für uns.
Amen. Halleluja!
Papst Franziskus, EVANGELII GAUDIUM, gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, zum Abschluss des Jahres des Glaubens, am 24. November – Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, König des Weltalls – im Jahr 2013, dem ersten meines Pontifikats.
Das Grundwort des Glaubens ist kein »du musst«, »du sollst«, sondern »du bist« (nicht der kategorische Imperativ, sondern der kategorische Indikativ): Du bist von Gott geliebt. Wer sich geliebt weiß, wer Vertrauen erfährt, der kann sich trauen, aus sich herausgehen, sich loslassen und sein Leben Gott anvertrauen. Das ist wie ein Lichtblick: »Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi« (4,6). Wie am ersten Schöpfungstag: Gott spricht, aus Finsternis soll Licht aufleuchten - jetzt nicht um uns, sondern in unserem Herzen, von Christus her. Den Glanz seines Antlitzes tragen wir in uns. Wer’s erkennt, der ist wie neugeboren, eine neue Schöpfung.
Aus: Franz Kamphaus, Gott beim Wort nehmen. Zeitansagen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
Die Hauptgestalt der Bibel ist für mich und im Grunde für jeden Christen Jesus Christus selber. Jeder Text des Alten und Neuen Testamentes ist auf ihn hin zu lesen und von ihm her zu lesen - für einen Christen. Das unterscheidet das Christentum vom Judentum.
Jesus ist eine Gestalt im Gegenlicht, und die vielen Einzelaussagen über ihn und von ihm, die im Neuen Testament überliefert sind, und die vielen Texte, die von Christen im Alten Testament auf ihn hin verstanden und gelesen werden, ergeben ein Mosaik: ein Mosaik mit einigen leeren Flächen dazwischen, die der Deutung offenstehen, aber ein Gesamtbild, das deutlich ist, das scharfe Konturen hat. Es ist kein Nebel, der über ihn ausgebreitet wird, sondern er ist eine Gestalt im Gegenlicht, klare Konturen und unsägliche Tiefe, die man nie ausloten, nie ausschöpfen kann. Die Bilder, die von ihm im Neuen Testament da sind und im Alten Testament auf ihn hinweisen, sind auf den ersten Blick manchmal widersprüchlich, aber sie können vom Ende her durchaus harmonisiert werden. Er ist das Kind von Betlehem und der Mann von Nazareth, er ist der Sanfte, der Zornige, er ist das Lamm Gottes, und er ist der Weltenrichter.
Die Bibel ist kein Rezeptbuch, sondern ein großer Teppich, und man wird mit ihr nie fertig - und darum gibt es auch Theologie, solange es Christentum gibt. Man wird nie fertig mit der Deutung, aber das ganze ist nicht beliebig, sondern ungemein inspirierend. Und die Bibel muss man gemeinsam mit der ganzen Kirche lesen. Das Einzellesen der Bibel hat bekanntlich zu unzähligen Sektenbildungen geführt, im angelsächsischen Raum vor allem. Die Bibel erklärt sich selber nicht, sondern die Bibel erklärt sich im Schoß der Glaubensgemeinschaft, in der sie gewachsen ist und in der sie gelesen wird.
Aus: Egon Kapellari, Begegnungen unterwegs. Eine Nachlese. Styria Verlag 2003.
Mein Gott, ob du mich hörst?
Ich hab mich versteckt, schau her!
Ich bin verloren,
gehst du mir nach?
Ich bin im Finstern,
hast du ein Licht für mich?
Mir ist kalt,
ist dein Mantel warm?
In meinem Herzen rührt sich nichts mehr.
Weißt du noch, wie es freudig schlug,
von Leben übervoll, ehedem?
Wirst du wieder der Funke sein,
der aus meinen Augen leuchtet?
Ohne dich bin ich trübe,
doch in der Freude - Freude bist du.
Aus: Das Lächeln Gottes. Gebete unserer Zeit. Herausgegeben von Maria Otto und Ludger Hohn-Morisch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Du bist hinabgestiegen
ins Reich der Finsternis,
nichts blieb ausgeschlossen
vom Hauch deiner Gegenwart.
Auch in uns, die wir dich lieben,
ist tief vergraben ein Ort im Dunkeln,
den wir uns selbst verbergen.
Doch durch Ritzen und Poren
entsteigen ihm lähmende Dünste
stiller Verzweiflung, Zwiespalt und Ermattung.
Steige mit uns hinab,
dass kein Teil unser selbst sich entzieht,
dass wir eins und ganz und in Wahrheit
mit dir hervorgehn
in das entschiedene Licht.
Aus: Das Lächeln Gottes. Gebete unserer Zeit. Herausgegeben von Maria Otto und Ludger Hohn-Morisch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Ich komme zu dir,
noch erdrückt von der Nacht,
die Finsternis hielt mich im Rachen,
der Saum des Todes hat mich gestreift.
Doch du warst da
im Schrei meines Herzens,
in meiner Seele auf Knien,
bis der Morgen heraufzog.
Nichts blieb von der Nacht -
nur du.
Aus: Das Lächeln Gottes. Gebete unserer Zeit. Herausgegeben von Maria Otto und Ludger Hohn-Morisch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Lest hier meine Geschichte. Sie ist eine Ansammlung von Fragen. Fragen, die ich zu meinem Leben habe:
Warum habe ich die beste Mutter der Welt geschenkt bekommen? - Sie war bereit, mein Leben zu schützen mit ihrem Leben. Sie bedeckte mich mit ihrem Körper, als russische Tiefflieger im freien Feld Jagd auf deutsche Flüchtlinge machten. Sie stand zu mir bei allen guten und schlechten Streichen in meiner Jugend.
Warum durfte ich das jüngste aller Kinder sein in unserer Familie? - So hatte ich den Schutz nicht nur meiner Eltern, sondern auch meiner Geschwister, die großzügig und verschwenderisch meine Jugendzeit bereicherten.
Warum schenkte mir meine Mutter neben ihrer Liebe eine Ausbildung, trotz ihres entbehrungsreichen Lebens als Kriegerwitwe mit 4 Kindern? - Diese Ausbildung machte mir ein Berufsleben möglich, das mich ausfüllte und mir ein finanziell sorgenfreies Leben schenkte.
Warum führte mich mein Weg zu einem Menschen, der schön, intelligent und gütig seit mehr als 25 Jahren jeden Tag meines Lebens bereichert? - Dieser Mensch, meine Frau, hat all das, was ich nicht habe, und schenkt jeden weiteren Tag Neues an Freude, Ideen, Taten - ein Überfluss an Geborgenheit, Glück und Zufriedenheit.
Warum darf ich auf dieser Welt an einem Ort leben, der mir Natur pur schenkt; sogar Wein wachsen lässt und ein Platz des Friedens ist? - Jeder Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang spannt einen Bogen des täglichen Wohlseins.
Warum habe ich Gesundheit an Körper und Geist bis heute erhalten? - Dieses Geschenk lässt mich die Schöpfung in ihrer Mannigfaltigkeit ohne Reue und Einschränkung genießen.
Und warum gibt es eine ordnende Hand, die mich nicht übermütig werden lässt? - So habe ich vermeintliche Rückschläge in der Vergangenheit sehr leicht tragen können. Die meisten stellten sich sowieso später als richtige Weichenstellungen für meinen Lebensweg heraus.
Die Schönheit und die Leichtigkeit meines Lebens darf ich täglich erfahren in freundlichen Gesten und Worten von Mitmenschen, in Zuneigungen, durch Tiere und in Aufgaben, die ich gerne für meine Umwelt erfülle und erfüllen kann.
Die Welt hat viel mehr Fragen zu beantworten als ich. Die Fragen in meinem Leben führen mich zu einer Antwort: Da ist einer, der denkt, lenkt und schenkt. Und dies täglich, stündlich, ja ständig. Er ist mein Schöpfer, unser Schöpfer und er ist gut.
Aus: Buch des Lebens, Hrsg. Gebhard Fürst, Schwabenverlag 2005.
Komme, was mag! Gott ist mächtig!
Wenn unsere Tage verdunkelt sind
und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte,
so wollen wir stets daran denken,
dass es in der Welt eine große, segnende Kraft gibt,
die Gott heißt.
Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen.
Er will das dunkle Gestern
in ein helles Morgen verwandeln -
zuletzt in den leuchtenden Morgen
der Ewigkeit.
Martin Luther King
Ja, da war etwas. Ich habe zwar nichts gehört. Aber beim Einswerden mit Christus im Empfang der heiligen Kommunion wusste ich in meinem Innersten etwas, das so war, als ob Jesus zu mir sprach: Ich bin es, den du suchst!
Damals war ich bald 44 Jahre alt und hatte natürlich schon viel erlebt. Meiner lieben Frau und mir ging es gut, ich hatte ein sehr gutes Einkommen, ein eigenes Haus. Ich ging meinen Hobbys nach und hatte auch gesundheitlich keine wirklich großen Probleme.
Trotzdem war ich mit zunehmendem Eifer auf der Suche nach etwas anderem. Ich engagierte mich bis zum Umfallen z.B. für einen besseren Umweltschutz und für gerechtere Verhältnisse am Arbeitsplatz, war dem entsprechend in vielen Vereinen tätig und bei so mancher Aktion aktiv. Doch irgendwie hatte ich den Eindruck, das hilft nicht wirklich weiter, wir sollten den Hebel wo anders ansetzen. Aber wo?
Seit dem 9. Mai 1993 sind nun 11 Jahre vergangen. Im Jahr 2004 fiel dieser Tag wieder auf einen Sonntag. Es war Muttertag. Ich habe Jesus suchen und finden dürfen. Ich habe mein Leben gefunden, die Freude, den Frieden, meine Schwestern und Brüder, die Liebe, Gott. Und das Leben ist zu einem Abenteuer geworden, zu einer Zeit der Bewährung. Es wurde zum Ringen immer weniger mit den Anderen und immer mehr mit mir selbst. Ich versuche, mit Jesus den guten Weg zu finden und auch zu gehen.
Und so erscheinen mir die 11 Jahre seit meinem bewussten Christwerden an Erfahrung schon viel reicher als die 44 Jahre davor. Auch kann ich heute beide Lebensweisen vergleichen und darf gewiss sein: Jesus ist mein Leben, ich lebe mit Ihm und durch den Tod hindurch werde ich auf ewig bei Ihm sein. Und nichts kann mich von Ihm trennen, wenn ich nur selbst Ihm treu bleibe. Dies ist der Weg, nach dem ich so lange gesucht habe: Ich gehe mit Jesus.
An mir und meinen Fähigkeiten hat sich wohl gar nicht viel geändert. Ich bin eigentlich der "Alte" geblieben. Und doch ist alles ganz anders. Ich spüre in mir eine stille und andauernde Freude, die alles trägt und umschließt, die mein Herz erwärmt und meine Augen zum Strahlen bringt. Diese Freude ist es, die immer mal wieder auch anderen Menschen auffällt und sie fragen lässt: Wie kommt es, dass du so glücklich bist? Gerade auch dann, wenn wir mit unseren menschlichen Möglichkeiten am Ende sind.
In Gemeinschaft mit Jesus wird das Wunder der Wandlung zum neuen Menschen geschehen und wird sich unser Leben verändern.
Aus: Buch des Lebens, Hrsg. Gebhard Fürst, Schwabenverlag 2005.
Dies ist es, was ich am meisten bewundere und was mir die Göttlichkeit Christi unbedingt beweist: Ich selbst habe Massen zu begeistern vermocht, die für mich in den Tod gingen. Aber doch war meine Gegenwart nötig, der elektrische Funke meines Blickes, meine Stimme, mein Wort, um das heilige Feuer in den Herzen zu entzünden. Sicherlich besitze ich das Geheimnis jener magischen Kraft, welch die Menschen hinreißt, aber ich kann es auf keinen anderen übertragen, keinem meiner Generale habe ich es mitteilen können. Auch besitze ich nicht das Geheimnis, meinen Namen und die Liebe zu mir in den Herzen der Menschen zu verewigen, um dort Wunder zu schaffen ohne Hilfe der Materie. So war es auch mit Cäsar und Alexander. Im Grunde werden wir vergessen, und der Name eines Eroberers bleibt nur das Thema für eine Schularbeit. Welche Kluft ist zwischen meinem Elend und dem ewigen Reich Christi, der geliebt, angebetet und gepredigt wird in der ganzen Welt! Ist denn Christus gestorben? Heißt dies nicht vielmehr ewig leben? Das ist eben der Tod Christi. Nicht der Tod eines Menschen sondern eines Gottes.
Napoleon Bonaparte
"Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit Dir. Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst und deshalb Deine Stirn verhärtest; dass Du dich nach und nach des Gespürs für einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst. Es ist viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. Du fragst, an welchen Punkt? An den Punkt, wo das Herz hart wird. Frage nicht weiter, was damit gemeint sei; wenn Du jetzt nicht erschrickst, ist Dein Herz schon so weit.
Das harte Herz ist allein; es ist sich selbst nicht zuwider, weil es sich selbst nicht spürt. Was fragst Du mich? Keiner mit hartem Herzen hat jemals das Heil erlangt, es sei denn, Gott habe sich seiner erbarmt und ihm, wie der Prophet sagt, sein Herz aus Stein weggenommen und ihm ein Herz aus Fleisch gegeben (Es. 36, 26).
Wenn Du Dein ganzes Leben und Erleben völlig ins Tätigsein verlegst und keinen Raum mehr für die Besinnung vorsiehst, soll ich Dich da loben? Darin lob ich Dich nicht. Ich glaube, niemand wird Dich loben, der das Wort Salomons kennt: "Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit" (Sir 38, 25). Und bestimmt ist es der Tätigkeit selbst nicht förderlich, wenn ihr nicht die Besinnung vorausgeht.
Wenn Du ganz und gar für alle da sein willst, nach dem Beispiel dessen, der allen alles geworden ist (1. Kor. 9, 22), lob ich Deine Menschlichkeit - aber nur, wenn sie voll und echt ist. Wie kannst Du aber voll und echt Mensch sein, wenn Du Dich selbst verloren hast? Auch Du bist ein Mensch. Damit Deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst Du also nicht nur für alle anderen, sondern auch für Dich selbst ein aufmerksames Herz haben. Denn was würde es Dir sonst nützen, wenn Du - nach dem Wort des Herrn (Mt. 16, 26) - alle gewinnen, aber als einzigen Dich selbst verlieren würdest? Wenn also alle Menschen ein Recht auf Dich haben, dann sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig Du selbst nichts von Dir haben? Wie lange bist Du noch ein Geist, der auszieht und nie wieder heimkehrt (Ps. 78, 39)? Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selber?
Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne Dich Dir selbst. Ich sage nicht: tu das immer, ich sage nicht: tu das oft, aber ich sage: tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen."
Bernhard von Clairvaux
Die Worte des Simeon haben prophetischen Klang: Der Greis blickt auf die Vergangenheit und kündigt die Zukunft an. (...) Simeon drückt die Erfüllung der Erwartung aus, die seinen Lebensinhalt ausmachte. Ebenso ergeht es der Prophetin Hanna, die sich beim Anblick des Kindes freut und über es spricht "zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten" (Lk 2,38).
Papst Johannes Paul II.
Manchmal fällt es mir schwer
AN DICH ZU GLAUBEN
Wenn ich sehe
Was um mich herum passiert
Wie Kinder sterben
Wie Gewalt Leben zerstört
Völlig sinnlos
Und doch immer wieder
Manchmal
fällt es mir sehr schwer
an dich zu glauben
Wenn ich höre
dass noch immer
Menschen verhungern
Jeden Tag
An Krankheiten leiden
Bis zum bitteren Tod
Gefoltert werden
Inmitten moderner Hochsicherheitstrakts
Manchmal
fällt es mir sehr schwer zu glauben
WARUM LÄSST EINER DAS ZU?
Will er es nicht
anders?
Stephan Sigg, Treibstoff. Zündende Gebete zu brennenden Fragen. Tyrolia.
Mein Gott, du siehst in mein Herz.
Du kennst mich.
Wie schön, dass du mir nahe bist
und ich geborgen bin bei dir.
Du siehst meine Sorge und Angst.
Du siehst alle meine Fluchtwege.
Du hörst alle meine Ausflüchte,
mit denen ich verbergen will, was ist.
Du siehst mich, wenn ich träume
von großen Dingen, die ich tun will,
und wenn ich versage dort,
wo ich das Notwendige tun soll.
Keinen Schritt kann ich tun,
den du nicht begleitest.
Kein Wort kann ich reden,
das du nicht hörst, ehe es laut wird.
Wie in zwei großen Händen
hältst du mich.
Ich bin darin geborgen
wie ein Vogel im Nest.
Und manchmal, o Gott, ist mir bange
vor deiner Hand, die mich hält;
ich möchte ihr gerne entrinnen
und frei sein.
Ich wünche mir,
ans Ende der Erde zu fliegen
oder in die Weite des Raums,
und bleibe doch in deinen großen Händen.
Ich zweifle, dass mein Leben Sinn hat,
und möchte es von mir werfen;
aber auch bei den Toten bist du,
und wieder bin ich in deiner Hand.
Ich fürchte das Licht
und verberge, was ich tat.
Aber das Dunkel ist Licht für dich
und die Nacht hell wie der Tag.
Mein Gott, du siehst in mein Herz.
Du kennst mich.
Wie gut, dass du mir nah bist
und ich geborgen bin bei dir.
Jörg Zink, Ich bin in dir (Psalm 139).
Das Schwert schneidet,
trennt, bohrt, durchdringt, -
tötet.
Solange ich hier lebe,
bleibe ich allen Arten von Schmerz ausgesetzt.
Im Schmerz erlebe ich den Widerstand,
das "Un-an-ge-nehme"!
Etwas, das ich nicht annehmen kann,
das mir,
meinen Wünschen, Sehnsüchten und Trieben
zuwiderläuft und widerspricht.
Der Schmerz,
ja schon die Angst davor,
bringt das Leid in mein Leben.
Und mit dem Leid steht unausweichlich
die Frage in meinem Leben,
die nie eine Antwort findet:
Warum?
Warum muss ich leiden,
warum gibt es nirgends Leben ohne Schmerz,
Liebe ohne Schmerz,
warum muss ich am Schmerz oft so unsäglich leiden?
Wenn ich das Leid betrachte,
kann ich manches sehen und erkennen:
Der Schmerz weckt Widerstand,
er holt die letzten Lebenskräfte aus mir heraus.
Und erst in der Erschöpfung
wird Ergebung möglich,
in der ich ein anderer werde
und beginne, neu zu leben.
Wenn ich "zu-Grunde-gehe",
kann ich vielleicht "von Grund auf" wieder leben.
Es kann aber auch am Ende
die Vernichtung stehen bleiben.
Der Schmerz kann auch das Böse
in mir lebendig machen:
wenn "ich mich ärgern" muss,
wenn ich hassen und vernichten muss,
- mich selber
und die anderen.
Der Schmerz macht meine ganze Tragik offenbar:
Bevor ich selber etwas tue;
bin ich schuldig;
bin in Schuld geboren.
Am Ende dieser Überlegung
steht das "Warum?"
noch ärgerlicher da.
Gibt es hier eine Hilfe,
einen Ausweg?
Maria,
du bist frei von Schuld und Sünde,
aber nicht frei von Schmerz und Leid.
In dir wirkt die volle Kraft des Glaubens,
restlose Hingabe an Gott.
Dein Glaube
hat dir kein Leid erspart
und keinen Schmerz,
er gab dir keine Antwort
auf die Frage des Warum.
Dein Glaube
gab dir die Kraft zum Leiden;
du hast alles "leiden können",
du hast Gott leiden können.
Deine Vollendung
zeigt sich im Leiden - Können.
Der Glaube,
mein schwacher Glaube,
ist die einzige Quelle jener Kraft,
mit der ich leiden kann,
mit der ich mich selber leiden kann
und die anderen,
mit der ich Gott leiden kann.
Wenn Gott mir nahe ist,
kann ich ihn leiden;
wenn ich ihn leiden kann,
ist er mir nah.
Maria,
du Schmerzensmutter,
bitte für mich!
Aus: Elmar Gruber, Maria - Weg des Glaubens, Meditationen, München 4. Auflage 1998, Seite 57f
"Meine Augen haben das Heil gesehen", sagt dieser gläubige und auf Gott wartende Mann als Erfüllung seines Lebenswunsches aus. Sehen dies aber alle so, die sich heute Christen nennen? So viele fragen heute: "Wohin soll ich gehen? Wer zeigt mir eine Richtung, die zu gehen sich lohnt? Welches Ziel ist tatsächlich erreichbar? Auf welche Ideen, Werte und Ordnungen von früher kann für heute noch eine Antwort gegeben werden?" Widersprüchliche Antworten tauchen auf. Die Antwort der Glaubensverkündigung der Kirche scheint nur eine unter vielen zu sein. Das Leben des Kirchenjahres, die Feier unserer christlichen Feste und andere Traditionen haben für sehr viele keine verbindende und verbindliche Kraft mehr.
Zwar wissen bei uns heute alle von Jesus. Sie haben gehört, dass seine Botschaft einen Weg über den Hass hinaus, über alle Begehrlichkeiten, über das Freund - Feind - Denken hinaus öffnet. Es ist der Weg in die wahre Freiheit. Wo aber kann man das in unserer angeblich christlichen Gesellschaft noch spüren? "Meine Augen haben das Heil gesehen" müsste uns allen in das Stammbuch unseres Lebens eingeschrieben sein. Zu sehr haben auch die Christen sich unserer Zeit angepasst. Zu wenig spürt man vom Geist Christi in unseren Tagen.
Zu Fall kommen und aufgerichtet werden
Eines der deutlichsten Symptome unserer Zeit scheint die Tatsache zu sein, dass ihr Vorbilder fehlen. Was uns an Idolen und angeblichen Leitfiguren in der Boulevardpresse vorgestellt wird, trägt nicht. Von dieser Suche nach einem wirklichen Vorbild handelt ein Buch des Schriftstellers Siegfried Lenz. Der Inhalt ist kurz Folgender:
Drei Lehrer sind mit der Herausgabe eines neuen Lesebuches beauftragt. Sie haben sich zur Aufgabe gestellt, der Jugend auf der Suche nach einem zeitgemäßen und gültigen Vorbild zu helfen. Diese Arbeitsgruppe versucht es zunächst mit einem Griff in die Literatur. Sie lesen viele Lebensbilder von Menschen nach und spüren dabei, dass sie immer wieder auf das Hindernis des Zweifels und auf die Last mangelnder Überzeugung stoßen. Aber sie müssen es sich dabei gefallen lassen, dass nun auch ihr Leben selbst unter die Lupe genommen wird. Neben ihren privaten Miseren, die vom Selbstmord des Sohnes hin zur misslungenen Ehe reichen, offenbart sich die Vergeblichkeit, ein Vorbild ohne Glanz und Hochstapelei zu finden. So scheitert die Suche nach einem Vorbild.
Die biblische Schilderung von der Darstellung des Herrn will uns verdeutlichen, dass wir das Vorbild unseres Lebens schon gefunden haben. Auch wir haben das Heil bereits gesehen. Uns leuchtet, wie für die ganze Welt, das Licht, das uns den rechten Lebensweg zeigt. Auch wir werden vor Schwierigkeiten nicht bewahrt bleiben, so dass uns oft genug ein Schwert durch die Seele dringen wird. Wir werden, je nach unserer Lebensführung, vom Herrn aufgerichtet werden oder zu Fall kommen.
Aus: Wolfgang Oberröder, Jetzt ist die Zeit - jetzt ist die Stunde, Texte zum Christ sein in der Gegenwart, Donauwörth 2002, 20 - 23.
Ein Leben, das nur aus Freuden besteht, ist für niemanden möglich. Da wir alle auch mit schmerzlichen Ereignissen rechnen müssen, ist es klug, die Kinder dazu anzuleiten und ihnen zu helfen, schon von allem Anfang an auf die Enttäuschungen des Lebens gelassen zu reagieren. Das heranwachsende Kind muss das Gefühl haben, dass Vater und Mutter immer für es da sind, mit einer intelligenten Art von Liebe, die hilfreich ist und ermutigt, ohne jedoch alles zu erlauben und alles zu verteidigen. In ihrem Buch "Das Kind in der Familie" schreibt Maria Bargoni: "Ein dreijähriges Kind weinte verzweifelt und zeigte dabei auf eines seiner Füßchen. Das Kindermädchen nahm es in den Arm und zog ihm den kleinen Schuh aus, in dem sich ein winziges Steinchen befand. ‚Ah’, rief daraufhin die Frau aus, 'siehst du? Dieses schlimme Steinchen hat dir so wehgetan. Das böse Steinchen! Wir werden es weit wegwerfen!': 'Zieh Nino den Schuh mit dem Steinchen wieder an! Ich meine das ernst; tu, was ich dir sage!' Und sie gehorchte. Die Mutter ging nun an das andere Ende des Zimmers, drehte sich um und bückte sich nieder; sie öffnete ihre Arme, und mit einem liebevollen Lächeln rief sie ihren Kleinen zu sich: 'Du hast mich doch so lieb, komm her und umarme mich, ohne zu weinen, mit dem kleinen Steinchen im Schuh!' Und das Kind ging, etwas wackelig zwar, aber ohne zu weinen, und warf sich in die Arme der Mutter, die ihm etwas sagte, was es jetzt noch nicht verstand, aber diese Worte hat sie in der Folge immer wieder wiederholt: 'Du musst es immer so machen wie jetzt. Geh deinen Weg, ungeachtet aller Hindernisse, die es immer im Leben gibt. Denk an die Worte deiner Mutter: Man kommt nicht in den Himmel, außer mit einem Steinchen im Schuh!'"
Aus: Albino Luciani, Heilige Zeiten, Meditationen zum Kirchenjahr, 1999, Seite 105f.
Viele Gemeinden versuchen, dieses Fest heute wieder auf neue Weise zu feiern. Denn sie spüren, dass es etwas Wesentliches für unser Leben zu sagen hat: Immer neue Räume Deines Lebens sollen sich für das Licht öffnen, das an Weihnachten in unserer Welt aufgeleuchtet ist. Das Licht von Weihnachten entlässt dich in den Alltag mit der Aufgabe, alle Lebensbereiche von diesem Licht erhellen zu lassen, Deine Arbeit, Dein Leben daheim in der Familie, das Miteinander im Gottesdienst und dein politisches Engagement. Das Licht von Weihnachten soll auch heute die Heiden erleuchten, wie es im Lobgesang des Simeon heißt. Es soll auch heute die Welt in dir und um dich herum mit dem Licht der Liebe erfüllen, damit alle Menschen das Heil sehen, dass die tiefste Sehnsucht erfüllt.
Aus: Anselm Grün, Weihnachten - Einen neuen Anfang feiern, Freiburg 1999, 156 - 157.

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