Die Asche, mit der wir uns am Aschermittwoch bekreuzigen lassen, ruft uns zur Umkehr. Wie Umkehr erfolgen soll, zeigen uns die Lesungen des Tages.
Die Fastenzeit kann Anlass sein, die nicht eingehaltenen Neujahrsvorsätze wieder aufzunehmen. Es geht jedoch vielmehr um eine geistige/geistliche Erneuerung: Wir sollen österliche Menschen werden: ohne Heuchelei Barmherzigkeit üben. Das Aschenkreuz ist Zeichen unserer Umkehr und unserer Hoffnung.
Wer fastet, der hat die Chance, sich selbst zu überraschen: Fällt es mir leicht, sieben Wochen auf Schokolade zu verzichten? Ist mein Leben anders, wenn ich keinen Rotwein trinke? Was entdecke ich, wenn ich täglich einen Psalm lese? Wie verändert sich mein Leben, wenn ich den Menschen in meiner Lebens- und Arbeitsumgebung aufmerksamer und wohlwollender begegne? Die Fastenzeit bietet ungeahnte Möglichkeiten, denn: Wer fastet, der schafft sich selbst neue Freiräume, wird ein neuer Mensch.
"Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst." So lautet die Formel, während uns das Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet wird. Ziemlich eindeutig macht der Aschermittwoch klar, dass auch die Endlichkeit unseres Lebens sich mitten im Leben abspielt. Das Bewusstsein unserer Endlichkeit verweist uns so radikal auf die Einzigartigkeit unseres Lebens. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, eine Zeit bewusster Aufmerksamkeit für unser Leben.
In der Bibel ist Fasten oft nicht Sache eines oder einer Einzelnen, sondern es steht für die Umkehr einer ganzen Gesellschaft. Fasten steht in der Tradition auch dafür, gegen gesellschaftliche Missstände anzugehen. "Nein, das ist ein Fasten wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulasen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen." (Jesaia 58,6-7).
Jesaia fordert, den Mitmenschen zu sehen und ihm zu helfen, wieder mehr zu sehen, wo Hilfe nötig ist, mehr zu hören, wenn jemand bittet, wieder mehr zu fordern, wenn Ungerechtigkeit sich breitmacht, sein Leben einzusetzen für eine mögliche bessere Welt. Fasten ist keine Privatsache, sondern berührt uns und unsere realen gesellschaftlichen Verhältnisse, lenkt das Augenmerk auf unser Tun und unser Umfeld. Fasten heißt hier, Ungerechtigkeit wahrzunehmen und die möglichen eigenen Schritte zu setzen, sich mit anderen zu solidarisieren, Unrecht sichtbar zu machen und an der Veränderung mitzugestalten. Fasten bedeutet, die Welt, die Menschen, vor allem die Geknechteten und Leidenden zu sehen und menschenfreundlich zu handeln. Denn die biblische Zusage ist ein Leben in Fülle für alle, gutes Leben für alle. Das kann nur gelingen, wenn wir im Mitmenschen unseren Bruder, unsere Schwester sehen und ihnen barmherzig und wohlwollend begegnen.
Gleichzeitig ist es auch wichtig, uns selbst in den Blick zu nehmen, wie es Bernhard von Clairvaux (1091-1153) beschreibt:
GÖNNE DICH DIR SELBST!
Wenn du dein ganzes Leben und Erleben
völlig ins Tätigsein verlegst
und keinen Raum mehr für Besinnung vorsiehst,
soll ich dich da loben?
Wie kannst du voll und echt Mensch sein,
wenn du dich selbst verloren hast?
... Denk also daran: Gönne dich dir selbst
Fasten verändert also Leben, das eigene und das der Mitmenschen. Veränderung braucht Neubesinnung, Offenheit und den Mut, sein Leben auf- und auszuräumen. Wer Fülle will, muss leer werden. Mit vollen Händen kann man nichts empfangen. Fasten fordert auf, unser Leben großzügig zu teilen.
Das mittelhochdeutsche Wort "vasten" bedeutet "(fest-)halten, beobachten, bewachen." Die Fastenzeit regt uns an, uns und unserer Umgebung die gebührende Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu schenken. 40 Tage können wir uns immer wieder Zeitgeschenke gönnen in einer Welt der Turbulenzen und Hochgeschwindigkeit. Hier tut ab und zu auch Stille gut. Denn Stille ist eine Erholungsreise fürs Gehirn. Leben wird uns geschenkt, mit jedem Atemzug neu. Das kann uns gerade in der Fastenzeit wieder mehr bewusst werden. Genießen wir jeden Atemzug und Augenblick in Dankbarkeit. Jede Minute ist eine unbezahlbare Kostbarkeit.
Fasten verdichtet unser Leben, kann uns helfen, den Blick freizugeben auf das Wesentliche unseres Lebens. Was wollen wir wirklich? Was brauchen wir wirklich? Wir können bewusster konsumieren, im Zweifelsfalle weniger.
Die FASTEN-ZEIT lädt uns ein, "7 Wochen anders zu leben".
7 Wochen unseren Stärken Raum geben, unseren Fähigkeiten nachspüren und sie mit anderen zu teilen. Ich bin wichtig und wertvoll, ich nehme mir Zeit für mich und andere. Wir können auch bewusst das wahrnehmen, was uns im Leben Gutes begegnet.
7 Wochen Zeitgeschenk einmal im Jahr als Unterbrechung des Gewohnten und Alltäglichen sind eine tolle Sache.
7 Wochen bewusst den Kontakt mit Freunden und Freundinnen pflegen, mit unseren Ideen andere anstecken. Denn wo zwei oder drei gemeinsam etwas teilen wird es lebendiger und lustvoller. In der Gemeinschaft finden wir Unterstützung, können uns Kraft holen, finden ein Ohr für Gespräche, dürfen auf Unterstützung hoffen, können uns auch in vermeintlich schwierigen Situationen Mut machen.
7 Wochen unseren Mitmenschen freundlich begegnen, denn unsere Haltung, unsere Einstellung, unser Gesichtsausdruck, unsere Gedanken verändern uns und die anderen. Lächle deinen Mitmenschen zu. Das verändert, erstmal schon dich und mit Sicherheit auch dein Gegenüber. Und im Übrigen ist Lachen, ein Lächeln gut gegen Falten.
7 Wochen haben wir Zeit, unserer Seele auf den Grund zu gehen, unserer Mitte nachzuspüren, unserem Leben, unseren Herzensangelegenheiten Frei-Raum zu geben. 7 Wochen haben wir Zeit zu überlegen, worauf wir in unserem Leben verzichten möchten, um dadurch Leben und Lebendigkeit zu gewinnen, zum Beispiel nur mehr jeden zweiten Tag oder einmal die Woche die E-mails abrufen, oder gar erst wieder nach Ostern, uns einen fernsehfreien Abend pro Woche gönnen, keine Tageszeitung mehr lesen, dafür 5 Minuten in die Luft schauen und uns am Leben freuen, ab und zu zu Fuß gehen und das Auto stehen lassen und dadurch unsere Umgebung neu wahrnehmen ...
7 Wochen ohne das eine und dafür Platz für Neues, für das, was ich mich bisher nicht getraut habe. 7 Wochen Zeit für "Gutes Leben". Verzichten wir auf das, was uns gefangen nimmt oder belastet, auf die unangenehmen Dinge. Lassen wir das sein, was uns nicht lustig ist im Leben, dann bleibt uns mehr Zeit für das über, was unser Leben ausmacht, was uns gut tut und unsere Lebendigkeit fördert. Spüren wir in uns hinein, was uns gut tut. Denn nur wer sich selbst gut versorgt, kann auch gut auf andere schauen.
Wir haben mit der Fastenzeit die Chance, Neues zu wagen, Vertrautes mit einem neuen Blick zu sehen, für ein paar Wochen auf Gewohntes zu verzichten, um etwas anderes zu wagen oder Altem wieder neue Räume zu eröffnen. Manche Freiräume laden auch ein zum süßen Nichtstun, einfach sein, einfach alles für eine Weile sein lassen. Vielleicht stellen wir in der Veränderung auch eine innere Unruhe fest ...
Müssen wir wirklich ...
... sofort antworten, wenn wir eine Mail bekommen haben?
... beim Handy abheben, wenn es läutet?
... immer freundlich sein, auch wenn uns nicht danach ist?
... zu einer Veranstaltung gehen, obwohl wir keine Lust haben?
... zustimmen, obwohl unser Herz was anderes flüstert?
... viel arbeiten, damit alle mit uns zufrieden sind?
Ich will zu mir stehen und das tun, was mir entspricht, meinem Herzen folgen. Und mir immer wieder die Frage stellen: Was möchte ich von HERZEN gerne tun? Nehmen wir uns Fasten-zeit. Wagen wir die Veränderung! Gehen wir einfach los! Entdecken wir unsere Sehnsüchte und Hoffnungen neu und geben ihnen Raum! Raum zum Leben. Was möchten wir tun? Wovon möchten wir uns verabschieden?
Und: keine Angst vor dem Scheitern: Wenn wir ein Vorhaben nicht schaffen, beginnen wir am nächsten Tag einfach von Neuem. Nähren wir unsere Freuden täglich neu. Denn die Seele nährt sich von dem, was ihr Freude macht.
In diesem Sinne kann uns die kommende Fastenzeit Anstoß sein, uns wertvolle, wesentliche Augenblicke und aufmerksame Wahrnehmungen zu gönnen im Gehen auf Ostern hin, dem Fest der Auferstehung und der Neuausrichtung. Möge uns unsere Ausrichtung aufeinander zu immer wieder neu gelingen, damit der Geist der Menschenfreundlichkeit immer mehr Platz greife.
Autor: Mag. Fritz Käferböck-Stelzer, Leiter Treffpunkt mensch & arbeit, Nettingsdorf
Liedvorschläge:
GL 142: Zu dir, o Gott erheben wir die Seele voll Vertrauen
GL 161: Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünde
GL 267: O Mensch, bewein dein Sünde groß
GL 268: Erbarme dich, erbarm dich mein
GL 269: Du Sonne der Gerechtigkeit
GL 271: O Herr, aus tiefer Klage erheb ich mein Gesicht
GL 272: Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte (3. Str.)
GL 273: O Herr, nimm unsere Schuld
GL 274: Und suchst du meine Sünde, flieh ich von dir zu dir
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 277: Aus tiefer Not schrei ich zu dir
GL 385,2: Nicht sterben werd ich, sondern leben
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 427: Herr, deine Güt' ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 437: Meine engen Grenzen
GL 440: Hilf, Herr, meines Lebens
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 638: Nun ist sie da, die rechte Zeit
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
GL Ö814: O höre, Herr, erhöre mich
Psalmen und Kehrverse:
GL 276: Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, erschaffe mir ein reines Herz - Mit Psalm 103 (GL57,2) - II.
GL 301: Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott - Mit Psalm 1 (GL 31,2) - IV.
GL 511: Aus der Tiefe rufe ich zu dir, höre, o Herr, meine Stimme. - Mit Psalm 90 (GL 50,2) - I.
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben - Mit Psalm 1 (GL 31,2) - IV.
GL 639: Erbarme dich meiner, o Gott, erbarme dich meiner - Mit Ps 51 - IV.
GL 640,1: Herr, unser Gott bekehre uns
Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich
beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Buße.
Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht,
damit wir dem Bösen absagen
und mit Entschiedenheit das Gute tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Aschermittwoch
Barmherziger Gott,
du bist den Demütigen nahe
und lässt dich durch Buße versöhnen.
Neige dein Ohr unseren Bitten
und segne + alle, die gekommen sind,
um das Aschenkreuz zu empfangen.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße
in rechter Gesinnung zu begehen,
damit wir das heilige Osterfest
mit geläutertem Herzen feiern.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Oder:
Herr und Gott,
du willst nicht den Tod des Sünders,
du willst, dass er sich bekehrt und lebt.
Erhöre gnädig unsere Bitten:
Segne + diese Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen,
weil wir wissen,
dass wir Staub sind und zum Staub zurückkehren.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen.
Verzeih uns unsere Sünden.
Erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes
und schenke uns durch seine Auferstehung das unvergängliche Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Oder:
Gott, du willst nicht unseren Tod und unser Verderben.
Du willst, dass wir umkehren und leben.
Erhöre unser Gebet und segne + diese Asche,
mit der wir uns bezeichnen lassen.
Hilf uns nach deinem Wort zu leben,
erneuere uns durch Jesus Christus, deinen Sohn,
und lass uns ihm immer ähnlicher werden.
Schenke uns durch seine Auferstehung
unvergängliches Leben bei dir.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn.
Ich lade Sie ein, nach der Segnung der Asche das Aschenkreuz zu empfangen unter folgenden Gedanken.
Die Asche sprach:
Einmal war ich Glut, war ich Leben, Liebe, Leidenschaft - .
und jetzt? Jetzt bin ich Asche.
Ja, ich war einmal jemand -
ich wurde bewundert, war angesehen, beliebt und gefragt.
Jetzt bin ich nur noch Asche.
Da meldete sich Gott zu Wort und sprach:
Auf die Glut kommt es bei mir an.
Hast du geglüht?
Hast du dich in Liebe verschenkt, verausgabt, hingegeben wie Jesus?
(Quelle unbekannt, frei nacherzählt)
Die Liebe Jesu, die ihn für uns bis an Kreuz gehen ließ,
richtet auf und erweckt zu neuem Leben.
Empfangen wir das Aschenkreuz mit dieser Zuversicht.
Herr, unser Gott,
zu Beginn der heiligen vierzig Tage bringen wir dieses Opfer dar
und bitten dich: Hilf uns, umzukehren
und Taten der Buße und der Liebe zu vollbringen,
damit wir unseren bösen Neigungen nicht nachgeben.
Reinige uns von Sünden
und mache uns fähig,
das Gedächtnis des Leidens unseres Herrn Jesus Christus
mit ganzer Hingabe zu begehen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Aschermittwoch
Kehrvers:
Lobe den Herrn, meine Seele!
(GL 58,1)
Guter Gott,
wir kommen zu dir, um dir zu danken
und deine barmherzige Liebe zu preisen.
Du hast den Menschen, als er sich von dir abgewandt hat,
nicht verstoßen, sondern auf einen Weg geführt,
auf dem er die Tiefe deiner Weisheit und Liebe zu verstehen begann.
Kehrvers
Du hast immer wieder mit den Menschen einen Bund geschlossen
und schließlich Israel zu deinem heiligen Volk erwählt.
Wann immer es deinen Bund verlassen hat,
hast du ihm Propheten gesandt,
damit sie die Herzen der Menschen wieder dir zuzuwenden.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hat den Bund mit deinem Volk erneuert.
Er hat uns an seiner innigen Verbundenheit mit dir teilhaben lassen
und uns den Heiligen Geist gesandt,
durch den auch wir dich Vater nennen.
Er hat uns mit dir, heiliger Gott und Vater, versöhnt
und ruft uns zur Umkehr,
wo immer wir von deinen Wegen abgewichen sind.
Kehrvers
Wir danken dir für die Gnade und Barmherzigkeit,
mit der du uns begegnest
und die uns die Kraft gibt, auch einander zu vergeben
und auf den Weg zurück zu kehren, den Jesus Christus mit uns geht.
Wir stimmen ein in den Lobgesang aller Menschen,
die deine Größe erkannt haben,
und singen mit den Engeln und Heiligen dein Lob:
Danklied, z. B. "Mein ganzes Herz erhebet dich..." (GL 143)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen deinen heiligen Namen.
Denn jetzt ist die Zeit der Gnade,
jetzt sind die Tage des Heiles.
Du hilfst uns, das Böse zu überwinden,
du schenkst uns von neuem die Reinheit des Herzens.
Du gibst deinen Kindern die Kraft,
in dieser vergänglichen Welt
das unvergängliche Heil zu wirken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dich
in deiner Kirche und vereinen uns
mit den Engeln und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig...
MB Fastenzeit 2
Wer über die Weisung des Herrn nachsinnt bei Tag und Nacht,
bringt seine Frucht zur rechten Zeit.
(Ps 1,2-3)
Oder:
Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade;
jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
(2 Kor 6,2b)
Barmherziger Gott,
stärke uns durch dieses heilige Mahl,
damit wir fasten können, wie es dir gefällt,
und durch die Feier dieser Tage Heilung finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Bald wie ein Sommermorgen, bald Sonne im Zenit,
Bald eine Regenwolke, die durch meinen Himmel zieht,
Bald schweigsam und verschlossen, überschäumend gleich danach,
Sie ist der dunkle Bergsee, und sie ist der helle Bach.
Geheimnisvoll, dazu an Überraschungen so reich,
Sie ist so wie ich sag‘ und auch das Gegenteil zugleich.
Asche und Glut,
Schwarz oder weiß,
Lava und Eis,
Ebbe und Flut.
Sie ist wie ein Bild im Kaleidoskop, das kaum geseh‘n
In bunte Scherben fällt, um neu und schöner zu entsteh‘n.
Und ihre Seele hat so viele Farben wie das Licht,
Das sich in Tauperlen im Gras als Regenbogen bricht,
Wie schillernde Akkorde aus einer Sphärenmusik,
Und ich, ich liebe jeden Stein in diesem Mosaik!
Ich hab‘ manches gelernt von ihr, und lerne doch nie aus,
Je mehr ich weiß, desto weniger werd‘ ich schlau daraus.
Sie ist mir oft ein Rätsel, doch ich komme zu dem Schluß,
Daß ich nicht jedes Rätsel auf der Welt verstehen muß.
Ein Buch mit sieben Siegeln, doch ich rühre nicht daran,
Solang ich in der Wärme ihrer Liebe leben kann!
Reinhard Mey
Wohlauf, mein Herz und all mein Mut,
und such das Gut ob allem Gut!
Was das nicht ist, das schätz gar klein
Und sehn dich allzeit wieder heim.
Du hast doch hier kein Bleiben nicht,
ob’s morgen oder heut geschieht.
Da es denn anders nicht mag sein,
so flieh der Welte falschen Schein.
Bereu dein Sünd und beßre dich,
als wolltst du morgn gen Himmelreich.
Ade, Welt, Gott gesegne dich!
Ich fahr dahin gen Himmelreich.
1
Staub und Asche
verherrlichen dich nicht.
Du hast es doch nicht nötig,
daß ich sterbe.
2
Heile mich. Heile mich nicht.
Was nicht sein kann, kann nicht sein.
Heile mich von meiner Angst.
3
Ich habe noch so Vieles nicht gesehn.
Es gibt Menschen, die ich liebe.
Ich kann es nicht glauben. Warum
hast du mich verlassen?
4
Ende noch nicht in Sicht.
Ich sehe Licht. Ich fühle Schmerz.
Schmerz, der mich schafft.
Der ich sterben muß,
einsam wie wir alle.
5
Sende den Engelo
des letzten Trostes,
die Augen eines Menschen.
Enthalte mir den einen
Menschen nicht vor, der sagt:
hier bin ich.
6
Weck meine Milde wieder auf,
Gib mir zurück
die Augen eines Kindes.
Daß ich sehe, was ist,
und mich anvertraue
und das Licht nicht hasse.
7
Weil du es bist,
größer als mein Herz,
der mich gesehen hat,
eh ich geboren wurde.
Lasset uns mit Jesus ziehen,
seinem Vorbild folgen nach,
in der Welt der Welt entfliehen,
auf der Bahn, die er uns brach,
immer fort zum Himmel reisen,
irdisch noch schon himmlisch sein,
glauben recht und leben rein,
in der Lieb den Glauben weisen.
Treuer Jesu, bleib bei mir,
gehe vor, ich folge dir.
Lasset uns mit Jesus leiden,
seinem Vorbild werden gleich;
nach dem Leide folgen Freuden,
Armut hier macht dorten reich,
Tränensaat, die erntet Lachen;
Hoffnung tröste mit Geduld:
Es kann leichtlich Gottes Huld
aus dem Regen Sonne machen.
Jesu, hier leid ich mit dir,
dort teil deine Freud mit mir.
Lasset uns mit Jesus sterben;
sein Tod uns vom andern Tod
rettet und vom Seelverderben,
von der ewiglichen Not.
Lasst uns töten hier im Leben
unser Fleisch, ihm sterben ab,
so wird er uns aus dem Grab
in das Himmelleben heben.
Jesu, sterb ich, sterb ich dir,
dass ich lebe für und für.
Lasset uns mit Jesus leben.
Weil er auferstanden ist,
muss das Grab uns wiedergeben.
Jesu, unser Haupt du bist,
wir sind deines Leibes Glieder
wo du lebst, da leben wir;
ach erkenn uns für und für,
trauter Freund, als deine Brüder!
Jesu, dir ich lebe hier,
dorten ewig auch bei dir.
Beteiligung zahlreicher Künstler an der Liturgie zum Beginn der Fastenzeit - Installationen machen auf die Botschaft von Buße und Umkehr aufmerksam
Wien, 13.2.2015 (KAP) Am Aschermittwoch als Beginn der Fastenzeit wird in den Kirchen das Aschenkreuz als Zeichen für Umkehr und Buße ausgeteilt. Etliche Angebote der Kirchen im ganzen Bundesgebiet laden auch heuer dazu ein, diesem Tag - er fällt diesmal auf den 18. Februar - einen ökumenischen oder künstlerischen Schwerpunkt zu geben. Spezielle liturgische Feiern gibt es u.a. auch für Journalisten sowie für Künstler.
Eine bereits langjährige Initiative ist die Aschermittwochs-Feier von Christen verschiedener Konfessionen, die in Wien etwa in der Ruprechtskirche stattfindet. Der "ökumenische Aschermittwoch" ab 19 Uhr wird vom Ruprechtskirchen-Rektor P. Hans Brandl sowie von der evangelischen Hochschulpfarrerin Gerda Pfandl geleitet. Das Thema des Wortgottesdienstes mit Aschenkreuz-Verteilung, der besonders auch Familien mit Partnern und Kindern aus verschiedenen Konfessionen ansprechen soll, lautet "Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider". Im Zentrum steht dabei der alttestamentliche Prophet Joel mit seinen Aufrufen zur Buße sowie auch seinen Hoffnungsworten.
Die Wiener Hofburgkapelle ist bereits ab 17 Uhr Schauplatz des diesjährigen "Aschermittwochs der Künstler", an dem Musiker und Schauspieler unter Verzicht ihres Honorars zugunsten der St. Anna Kinderkrebsforschung Darbietungen geben. Im literarischen Programm unter dem Motto "Sisyphos" wird Nestroy-Preisträgerin Sunnyi Melles mit Studenten des Max Reinhardt-Seminars Texte von Albert Camus, Charles Baudelaire, Günter Grass und anderen Autoren lesen. Neben musikalischen Beiträgen aus allen Epochen ist eine "gestische Intervention" von Jacqueline Kornmüller mit den Wiener Sängerknaben zu Franz Schuhs Videointerview "Über die Zukunft" geplant. (Anmeldung unter office@hofmusikkapelle.gv.at, erbetene Mindestspende 25 Euro).
Besonders an Journalisten ist die Einladung des katholischen Publizistenverbandes gerichtet, der ebenfalls um 17 Uhr den "Aschermittwoch für Medienleute" in der Wiener Michaelergruft veranstaltet. Der Ort ist sehr bewusst gewählt - so wird der Pfarrer der Michaelerkirche, P. Peter von Meijl, inmitten der teils offenen Särgen mit den Worten "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst" das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen.
Installationen in den Domkirchen
Zahlreiche liturgische Veranstaltungen auch in den Bundesländern setzten künstlerische Akzente, um die Botschaft des Aschermittwochs und der Fastenzeit zu verdeutlichen. So wird etwa bei der Aschenkreuz-Feier im Innsbrucker Dom (19 Uhr) die Kunstinstallation "Poly X" von Heidi Holleis zu sehen sein, die bis Karsamstag an dieser Stelle verbleibt. Eine Installation von Gerhard Kalian ist im Klagenfurter Dom zu sehen, wo ebenfalls um 19 Uhr Bischof Alois Schwarz die Aschermittwochsliturgie feiert.
In St. Pölten findet - diesmal erst am Donnerstag, 19. Februar um 18.30 Uhr - im Dom eine Fastenbesinnung für Künstler statt. Im Anschluss eröffnet Diözesanbischof Klaus Küng die Ausstellung "Nur Kunst" im Bischöflichen Sommerrefektorium, bei der bis 15. März Werke von zehn bildenden Künstlern und drei Literaten zu erleben sind. Im Gurker Dom wird am Mittwoch mit Beginn der Aschermittwochs-Liturgie um 18 Uhr das "Hungertuch" aus dem Jahr 1458 aufgezogen. Das 89-Quadratmeter-Textilwerk des Meisters Konrad aus Friesach gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse mittelalterlicher Malkunst.
In der Linzer Ursulinenkirche steht die Aschermittwochsliturgie um 20 Uhr unter dem Motto "Memento Mori". Zu sehen ist die Installation "ich bin vergangen, du bist" von Hannelore Demel-Lerchster, zudem gibt es eine Predigt und Orgelimprovisationen von Kirchenrektor Peter-Paul Kaspar.
"Aktion Liebe" im Burgenland
Öffentlichkeitswirksam startet die Diözese Eisenstadt in die Fastenzeit: Bischof Ägidius Zsifkovics wird bei einem Aschermittwoch-Wortgottesdienst bereits um 11 Uhr das große Kreuz im Eisenstädter Martinsdom verhüllen, was zugleich Auftakt zur "Aktion Liebe" ist. Im ganzen Burgenland werden dabei in der Fastenzeit Kreuze im öffentlichen Raum - auch Marterln und Wegkreuze - verhüllt. Die Fortsetzung der "Aktion Glaube" sowie "Aktion Hoffnung" in den vergangenen Jahren soll Aufmerksamkeit für Glaubenszeichen und damit auch für den Glauben selbst wecken.
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Hildesheimer Bischof Trelle will im Gottesdienst "Last der Geschichte in den Blick nehmen" und um Verzeihung bitten.
Bonn, 13.2.2015 (KAP/KNA) Mit einem öffentlichen Schuldbekenntnis will der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle an Verfehlungen der Kirche im Laufe der Geschichte erinnern. Im Aschermittwochsgottesdienst um 18.30 Uhr im Dom wolle er in bisher nicht dagewesener Weise "die Last der Geschichte in den Blick nehmen" und um Verzeihung bitten, teilte die Diözese am Freitag in Hildesheim mit.
Es seien schlimme Fehler geschehen, teils aus gutem Glauben und Unwissenheit, aber auch "aus Machtkalkül, Patriotismus und Obrigkeitsgehorsam", so die Diözese. Der Bischof werde auch nicht verschweigen, "wo weggeschaut und geschwiegen wurde, wo Menschen in der Kirche Opfer von Missbrauch geworden sind". Das alles wolle Trelle mit der Bitte um Verzeihung "auf den Altar legen".
Die deutschen Bischöfe hatten speziell aufgrund der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bereits 2011 in einen symbolischen Akt der Buße um Erneuerung und Vergebung gebeten.
Noch weiter ging zuvor der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode an Karfreitag 2010, als er ein öffentliches Schuldbekenntnis abgelegte und sich vor dem Altar auf den Boden legte und dort Minuten lang in Stille verharrte.
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O Herr, nimm dieses Herz von Stein
und gib mir ein menschliches Herz:
ein Herz, dich zu lieben und zu verehren,
ein Herz, in dir mich zu freuen,
dich nachzuahmen
und dir zu gefallen um Christi willen!
Ambrosius von Mailand in: Gebete großer Menschen. Zusammengestellt von Sr. M. Lucia OCD. Styria Verlag, Graz Wien Köln 1978.
Darf man jetzt, wo der Fasching eben seinem Höhepunkt zustrebt, schon von der Fastenzeit reden? Ich versuche es. Nicht deshalb, weil in den Kaufhäusern schon die Osterhasen angeboten werden. Sondern weil die nächste FURCHE erst erscheinen wird, wenn Heringsschmaus und/ oder Aschenkreuz schon hinter uns liegen.
Jahr für Jahr überlege ich mir zeitgemäße Formen, der Fastenzeit einen Stellenwert zu geben. Überzeugt davon, dass unser Leben samt seiner Maßlosigkeiten wenigstens gelegentlich den Verzicht braucht, um halbwegs in die Balance zu kommen. Um im Luxus dem "Wärmetod der Gefühle" zu entkommen. Und um die eigene Seelenkammer von Gerümpel aller Art zu säubern.
Gewinn durch Verzicht
Keiner von uns kommt ganz ohne Abschied von Falschem, Liebgewonnenem und allzu Bequemem aus. Alle spüren wir, wie oft unser komplexes Leben an die Grenzen dessen stößt, was unsere Seele noch ertragen kann; was sich an Zwängen und Ängsten mit unserem Wohlstand verschwistert. "Je mehr Du hast, desto mehr hat es Dich" - seit Jahren begleitet mich dieses Wort eines Mönchsfreundes. Es heißt im Umkehrschluss: Gewinn durch Verzicht.
Also: Was tun? Wo und wie die Ansprüche bewusst herunterschrauben - zumindest für ein paar Wochen? Nichts spricht gegen das klassische "Friss (trink, rauch ...) die Hälfte!". Würden wir uns daran halten, dann könnten - so sagt die Medizin - bis zu 30 Prozent unserer Spitalsbetten eingespart werden. Trotzdem: Mich irritiert der Verdacht einer spirituell entleerten Lifestyle-Askese - samt kommerzialisiertem Fitness- und Körperkult. Mehr denn je gerinnt uns ja sogar das Fasten zur reinen Sorge um uns selbst.
Persönlich glaube ich: Sinnvoll ist Verzicht nur dort, wo daraus Freiheit wächst - und nicht Fremdbestimmung. Religionen, Kirchen haben in beidem eine enorme Erfahrung. Hier Vergeistigung, ja Gottesbegegnung, dort Machtinstrument und Manipulation: "Ein abgemagerter Körper wird das schmale Himmelstor schneller durchschreiten", mahnte der schlaue Kirchenvater Tertullian.
Ich möchte es heuer anders versuchen. "Schuld" daran ist Franz Welser-Möst. Vor wenigen Tagen haben wir über sein großes Lebenselixier geredet: über die Stille. Das Mönchtum hat es immer gewusst -und die Musik auch: Großes - auch Heiliges - kann nur dort wachsen, wo dafür Zeit und Raum geschaffen wird. Wo Stille zugelassen und auch ertragen wird. Wo wir uns selbst die Chance geben, ruhig zu werden und auf die Sprache unserer Seele zu hören.
Ein Spalt in die Weite und Tiefe
Bewusst gesetzte Momente der Stille also. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn: Wir tun uns verdammt schwer mit der Stille. Wir "müllen" uns mit Lärm zu, sagt Welser-Möst, was - psychologisch gesehen - ein klares Fluchtverhalten ist: Flucht vor uns selbst. Vor dem Blick in den eigenen Spiegel. Auch der kleinste Moment von Stille ist also ein Spalt in die Weite -und Tiefe.
Übrigens: Punkt 18 Uhr haben gestern - wie jeden Tag - die Abendglocken geläutet. Ich habe es einmal versucht: Stehenbleiben und Zuhören. Es war schön.
Heinz Nußbaumer in: Die Furche 9 / 3. März 2011, Rubrik "Auf ein Wort".
Der Mensch ist bald vergessen,
Der Mensch vergißt so bald,
Der Mensch hat nichts besessen,
Er sterb jung oder alt.
Der Mensch ist bald vergessen,
Nur Gott vergißt uns nicht,
Hat unser Herz ermessen,
Wenn es in Schmerzen bricht.
Wir steigen im Gebete
Zu ihm, wie aus dem Tod,
Sein Hauch, der uns durchwehte,
Tat unserm Herzen not.
Achim von Arnim in: Hans-Rüdiger Schwab, Gott im Gedicht. Ein Streifzug durch die deutschsprachige Lyrik. Tops Verlag, Kevelaer 2007.
Stille lass mich finden, Gott, bei dir.
Atem holen will ich, ausruhn hier.
Voller Unrast ist das Herz in mir,
bis es Frieden findet, Gott, in dir
Lassen will ich Hast und Eile,
die mein Tagewerk bestimmen,
die mich ständig weitertreiben.
Innehalten will ich, rasten.
Will vergessen, was die Augen,
was die Sinne überflutet,
diese Gier: Das muss ich sehen.
Ruhen sollen meine Augen.
Lassen will ich alles Laute,
das Gerede und Getöne,
das Geschrei und das Gelärme.
Schließen will ich Mund und Ohren.
Will vergessen meine Sorgen:
Was ist heut und was wird morgen?
Ich bin ja bei dir geborgen,
du wirst allzeit für mich sorgen.
Stille lass mich finden, Gott, bei dir.
Atem holen will ich, ausruhn hier.
Voller Unrast ist das Herz in mir,
bis es Frieden findet, Gott, in dir.
zum Kern vordringen
prüfen ob
die Ehrlichkeit ehrlich
der Fuß geerdet
das Bild real
die Offenheit offen
nicht verführbar sein
für Projektion Ideologie
Geltungssucht Rechthaberei
Übertreibung
kein seichter Talkshowmaster werden
den so genannten Großen schmeichelnd
nicht devot Ruf und Mammon folgen
und Begegnungen
zu Seifenopern
verkommen lassen, ach nein
mit Tiefe denken reden
gelassen altern
einfach aufrichtig schlicht
die kleinen Kreise ziehn
die Not und Sorge
im eigenen Quadratkilometer
erkennen wollen
hilfsbereit Hand anlegen
ohne Aufhebens
das Gold der Stille schätzen lernen
schillernd aus trübem Alltag
Feste machen
und Sekunden für die wahren
Wunder halten
Aus: Iris Mandl-Schmidt, Schaff meinen Gedanken einen Weg. Gebete ins Konkrete. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 2001.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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