Matthäus erzählt von Sterndeutern, die den neugeborenen König der Juden suchen, von Herodes, der diesen fürchtet, von Menschen, die einen neuen König ersehnen, unter dem Gerechtigkeit und Frieden blühen. Der Prophet sieht in ferner Zukunft eine neue Zeit anbrechen. In Jesus ist diese erschienen.
Sterndeuter kommen aus dem Land, in dem die Sonne aufgeht, und dem König rutscht das Herz in die Hose. Wer Heil und Unheil in den Sternen lesen kann, ihre Sprache versteht und ihnen die letzten Geheimnisse entreißt, der weiß, was kommt.
Herodes hat Angst! Eine panische Angst, jemand könne ihm seine Herrschaft streitig machen oder seine Verdienste schmälern. Sogar Familienangehörige hat er umbringen lassen. Aus Angst. Zimperlich ist Herodes nicht. Ein Machtmensch durch und durch. Mit markigen Worten und Taten weiß er, seine Schwächen gekonnt zu überspielen. Niemand sollte an seiner Größe zweifeln. Seine Leidenschaft sind tolle Bauwerke. Eines größer und schöner als das andere. Prunkstück: der neue Tempel von Jerusalem. Doch: Herodes sieht überall Feinde. Er sieht sich – gefühlt – umzingelt.
Jetzt kommen Sterndeuter aus dem Land, in dem die Sonne aufgeht … und dem König rutscht das Herz in die Hose. Herodes, genannt »der Große«!
Im 72. Psalm wird ein Wunsch formuliert, eine Sehnsucht, eine Bitte:
Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König,
dem Königssohn gib dein gerechtes Walten!
Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit
und deine Armen durch rechtes Urteil.
Die Gerechtigkeit blühe auf in seinen Tagen
und großer Friede, bis der Mond nicht mehr da ist.
Er herrsche von Meer zu Meer,
vom Strom bis an die Enden der Erde.
Von einer Herrschaft ist die Rede, die durch Gerechtigkeit und Recht gekennzeichnet ist. Gerade die kleinen Leute, die Armen, sollen geschützt werden vor Ausbeutung und Rechtlosigkeit. Von einem großen Frieden ist die Rede – „bis der Mond nicht mehr da ist“ – also grenzenlos. Die ganze Welt soll in diesem Frieden zur Ruhe kommen und aufleben. „Bis an die Enden der Erde“. Eine Vision, die alles sprengt, was Menschen kennen – und eben auch erleiden.
Was blüht denn? Gerechtigkeit? Frieden? Wir sehen und spüren Hass, Vorurteile und Ängste. Neue Grenzen werden gezogen. Menschen riegeln sich ab.
Darum bitten wir auch noch heute:
Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König,
dem Königssohn gib dein gerechtes Walten!
Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit
und deine Armen durch rechtes Urteil.
In diesen Worten drückt sich etwas aus: So möchte Gott – dass regiert wird. Das ist Vorgabe und Verheißung. Mehr noch: das ist das Maß, an dem alle menschliche Regierungskunst gemessen und beurteilt wird. Es geht um Gottes Volk! Um seine Menschen! Seine Schöpfung! Soviel Klarheit muss sein. Verstecken gilt nicht. Ein Stern leuchtet!
Ein Stern ist aufgegangen. Der berühmte Komet? Ich weiß nicht viel. Nicht einmal, wie dieser eine Stern unter den vielen anderen zu entdecken war. Noch weniger, wie man ihm folgen kann. Aber dieser eine Stern ist wie ein Bote aus der anderen Welt. Ein Licht! Ein Weg! Ein Traum! Jetzt ist die Aufregung in Jerusalem groß. Herodes, besorgt, spielt den klugen Staatsmann. Er beraumt eine Sitzung ein. Berater braucht er auch. Fachleute, die etwas von Sternen und Schriften verstehen.
Du, Betlehem im Gebiet von Juda,
bist keineswegs die unbedeutendste
unter den führenden Städten von Juda;
denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen,
der Hirt meines Volkes Israel
So steht es geschrieben! So kann es jeder lesen. Es ist kein Herrschaftswissen, kein Geheimwissen, kein Expertenwissen.
Gott schenkt seinem Volk, Gott schenkt den Menschen einen guten Hirten! Bethlehem ist zwar nur ein Nest, aber Gott fängt seine große Geschichte mit Menschen da an, wo nichts groß, nichts bedeutend ist. Ein neuer Stil, ein neuer Weg: Gott macht sich klein, Gott wird klein! Bethlehem passt zu ihm und das kommt in Jerusalem an. Da, wo die Herren sitzen. Und beraten. Ein Stern hat alles durcheinander gebracht. Oder ist auf einmal zu viel Licht – in der Welt, die das Dunkle zu gerne auch professionell inszeniert? Machtansprüche, Machtmissbrauch – hell erleuchtet. Angst, Angstmache – hell erleuchtet. Ein Stern ist aufgegangen. Eine neue Zeit beginnt. Ein neues Denken. Ein neues Vertrauen.
Wagen wir einen Blick zurück! Der Prophet Jesaja spricht in dunkler, dunkelster Zeit von einem Licht, das aufgeht:
Auf, werde licht, Jerusalem,
denn es kommt dein Licht,
und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir.
Denn siehe,
Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker,
doch über dir geht leuchtend der Herr auf,
seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Völker wandern zu deinem Licht
und Könige zu deinem strahlenden Glanz.
Jesaja sieht – ungeachtet aller Bedrohungen und Ängste – die Welt in Bewegung. Wohin bewegen sich Menschen und Völker? Sie bewegen sich zum Licht! Sie brechen auf aus dem Finsteren!
Das ist ein Blick, der sich nicht von selbst versteht.
Ein junger Mann, der seit Langem im Ausland lebt, erzählt bei seinem Heimatbesuch, dass ihm bei uns das Negative auffällt und stört. Terroristen und Ausländer werden in eine Topf geworfen, in den Medien wird das Bedrohliche betont, viele tun so, als seien sie nur die Opfer weltpolitischer Verwicklungen. Feindbilder werden gepflegt und geschaffen. Überall: Krise. Krisenstimmung.
Wenn dieser Eindruck stimmt, gehen Menschen in die Finsternis und verharren in ihr; von Aufbruch keine Rede!
Allen Unkenrufen zum Trotz werden aber aus Ausländern Nachbarn, aus Fremden Bekannte, vielleicht sogar Freunde. Gegen die vielen Vorurteile, die ihm virtuellen Netz viele Menschen gefangen nehmen (was übrigens Eigenschaft eines Netzes ist!), macht sich Widerstand breit. Viele Menschen ahnen, dass wir keine Zukunft haben, wenn wir Ängste kultivieren und Grenzen ziehen. Dass wir große Herausforderungen zu bewältigen haben in einer Welt, die durchlässig ist für Tourismus wie für Terrorismus, für Begegnung wie für Krieg, ist allen klar – wir brauchen dafür einen Stern! Ist der nicht aufgegangen?
Jesaja sieht die Völker, die Menschen aufbrechen.
Alle kommen von Saba,
bringen Weihrauch und Gold
und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.
Das sind die Schätze, die dem neugeborenen König geschenkt werden. Auch wenn es jetzt keine Könige sind, nur Sterndeuter: Sie sehen das Kind und Maria, seine Mutter. Der Evangelist unterstreicht: sie sehen! Sie fallen nieder, sie beten an. Sie schenken: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die großen Gaben der Welt.
Menschen haben immer schon darüber nachgedacht, wofür Gold, Weihrauch und Myrrhe stehen. Es sind wertvolle Handelsgüter und Staatsschätze. Aber mehr noch: sie stehen für unsere Hoffnungen, für unsere Herzen. Wir bringen uns mit. Unsere Geschichten und Träume, unsere Ängste und Bedenken, unsere Zweifel und unseren Mut. Das beste von uns: unser Leben. Materielle Güter passen nicht gut zu der Krippe. Was soll ein Kind auch mit Gold, Weihrauch und Myrrhe? Aber wir können ihm unsere Liebe schenken und allen Kindern eine Hoffnung geben. Goldgleich! Mehr als Gold! Ruhmreich sind die Taten des Herrn! Eine Welt im Licht. Eine Welt ohne Angst.
Wir nennen unser Fest heute „Fest der Erscheinung des Herren“. Unser Herr kennt viele Möglichkeiten, bei uns zu erscheinen. Manchmal möchten wir ihn zensieren. Wir möchten, dass er nach unseren Vorstellungen kommt und geht. Aber da sei Herodes vor: Uns soll das Herz nicht in die Hose rutschen, wenn die Sterndeuter kommen.
Sternsinger sind heute auch wieder unterwegs. Folgen wir dem Stern! Wir finden ein Kind. Und dann haben wir etwas zu erzählen!
Und der Friede Gottes,
er höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Jesus ist der Messias für Juden wie auch für Nichtjuden. Die Sterndeuter sind Heiden und kommen von weit her, um den neugeborenen Messias zu suchen und mit ihm in Kontakt zu kommen. Die Juden haben die Verheißung, wissen, wo er zu finden wäre, suchen und finden ihn jedoch nicht. Die Erzählung lädt auch uns ein, den Messias zu suchen, zu finden und ihm zu huldigen.
Von den vier Evangelisten berichtet nur Matthäus die Geschichte von den drei Sterndeutern, die im fernen Osten aufbrachen, um den neugeborenen König der Juden, den Messias, zu suchen, um ihm zu huldigen. Was bewegt den Evangelisten zu seinem Bericht?
Matthäus schreibt sein Evangelium für Gemeinden, die sich aus Judenchristen und Heidenchristen zusammensetzten. Zwischen beiden Gruppen gab es gelegentlich heftigen Streit. Die Judenchristen waren sehr geprägt von ihrem mitgebrachten Glauben. So hielten sie gern daran fest: Der Messias ist der Messias des auserwählten Volkes. Um an ihm Anteil zu erhalten, forderten viele Judenchristen, die Heiden sollten sich beschneiden lassen, um damit Mitglieder des auserwählten Volkes zu werden. Schon das Apostel-Konzil in den ersten Jahren der jungen Kirche lehnte diese Forderung als nicht notwendig ab, da Jesus sich selbst immer wieder als der Messias für alle offenbart hatte.
Um den Zwist in manchen Gemeinden zu entschärfen, kam dem Evangelisten die nach den Aussagen der Bibelwissenschaftler wohl bereits im Umlauf befindliche Erzählung von den Sterndeutern gerade recht, um sie für sein Anliegen zu nutzen.
Matthäus setzt bei Gott und seinem hintergründigen Wirken in Bezug auf den Messias an. Als Erstes hatte Gott durch die Propheten einen kommenden Messias für Israel verkünden lassen. Nächster Schritt: Maria erfährt durch einen himmlischen Boten, dass ihr Kind der Messias und Gottes Sohn ist. Dem zunächst über Maria enttäuschten Josef offenbart Gott durch einen Traum, wie Maria ihr Kind empfangen hat und wer dieses Kind ist. Den Sterndeutern zeigt Gott die Geburt des Messias durch das Erscheinen eines besonderen Sternes an. Dieser lässt die Weisen aufbrechen, um den zu suchen, der nach ihrer Überzeugung für die Welt ein Heilbringer sein musste. Denn sobald sie das Kind gefunden hatten, knieten sie vor ihm nieder. Matthäus zeigt den Gläubigen auf, wie sehr Gott immer wieder und Schritt für Schritt seine Hand im Spiel hat. Denn noch bevor Jesus sich offenbaren kann, hat Gott bereits Sorge dafür getragen, dass alle, die es sehen wollen, erkennen können: Der vom Heiligen Geist Gezeugte ist der Messias und ein Heiland für alle Völker.
Der Streit darum, ob der Messias allein dem auserwählten Volk gehört oder nicht, ist unnütz. Die Stammväter Israels erhielten als Erste die Verheißung eines kommenden Messias. Das ist unstrittig. Die Sterndeuter benötigen sogar Auskunft aus den Verheißungen des Alten Testamentes, um den Geburtsort des Kindes zu finden. Die an Israel ergangene Botschaft ist neben dem Stern ein notwendiger Wegweiser für die Sterndeuter, die Heiden. Doch Gott offenbart sich nicht nur Israel; auch die Heiden werden schon sehr früh in das Heilshandeln Gottes einbezogen. Ein Gegeneinander ist also unsinnig und gegen Gottes Willen.
Für ein zweites Anliegen, das Matthäus ansprechen möchte, kam der Bericht von den drei Sterndeutern dem Evangelisten sehr gelegen. Der Stern, den die Weisen hatten aufgehen sehen und der sie nach Israel geführt hatte, verschwand offensichtlich beim Betreten des Landes. Da die Sterndeuter sich nicht vorstellen können, dass der neugeborene Heilbringer in einem unbekannten Dörfchen zur Welt gekommen sein sollte, ziehen sie zur Hauptstadt des Landes an den dortigen Königshof. Es war ja nur logisch, den neugeborenen König im Königspalast zu suchen.
Aber anstelle von Freude und Jubel bricht dort bei dem Bericht der Sterndeuter Erschrecken und Panik aus. Die herbeigerufenen Hohepriester und Schriftgelehrten können über den Geburtsort des Messias sofort Auskunft geben: Betlehem im Lande Judäa. Und nun kommt, worauf Matthäus hinaus will.
Es wäre zu verstehen, dass die Schriftgelehrten im Beisein des Herodes nicht in Jubel ausbrechen aus Angst vor diesem Tyrannen. Aber offensichtlich ist das nicht der eigentliche Grund fehlender Freude und dem Ausbleiben jeglichen Jubels. Es ist deutlich zu spüren: Keiner der Schriftgelehrten scheint innerlich davon berührt zu sein, dass Männer aus dem fernen Osten kommen, um dem erschienenen Messias zu huldigen. Keiner von ihnen kommt auf die Idee, sich zu fragen: Sind diese Sterndeuter und ihr Eintreffen am Königshof ein Zeichen des Himmels für uns und unser Volk? Stumm, steif, unbeweglich, kalt lässt sie alles, was sie erleben und erfahren. Keiner von ihnen erkundigt sich heimlich genauer bei den Sterndeutern. Keiner von ihnen schleicht sich unbemerkt nach Betlehem, um dem Messias persönlich zu begegnen – sollte es wahr sein, dass er geboren wurde. Betlehem ist schließlich nur sechs Kilometer von Jerusalem entfernt.
Es bedarf keines ausdrücklichen Hinweises durch den Evangelisten, um sein Anliegen zu erspüren. Matthäus will betonen: Um in die Nähe von Christus zu kommen, muss man auch aufbrechen, sich auf den Weg machen. Was nützt es, den Geburtsort des Messias genau zu kennen, nur sechs Kilometer entfernt von ihm zu wohnen und zu leben, wenn jeglicher Aufbruch zu ihm unterbleibt.
So möchte Matthäus die Gläubigen in den Gemeinden anregen, sich zu fragen: Begnüge ich mich damit, über Jesus etwas oder viel zu wissen? Wie sieht es mit meinem Aufbrechen zu ihm hin aus?
Christus will sich auch heute finden lassen unter den Kleinen, Armen, Geringen, Ausgegrenzten, Unbeachteten, von Verfolgung Bedrohten. Wie tief neigen wir uns zu ihnen hinab? Und vergessen wir nicht, den Sterndeutern gleich unsere Schätze an Liebe, Freundlichkeit, Wohlwollen und Hilfsbereitschaft mitzunehmen.
Mit Hilfe der Sterndeuter-Erzählung möchte Matthäus den Gläubigen mit auf den Weg geben: Unterlasst das Rangeln, wer die besseren Christen sind. Schaut auf die Zeichen, die Anrufe, die an jeweils jeden einzelnen ergehen, um den Weg zu sehen, der in die Nähe des Erlösers führt. Dann brecht aber auch auf, am besten immer neu und immer wieder. Kein Weg soll euch zu lang oder zu beschwerlich sein.
Ohne es auch nur mit einem Wort zu erwähnen, ist der Evangelist davon überzeugt: Jeder, der bei Christus angekommen ist und seine Liebe betrachtet, wird wie die Sterndeuter das Knie vor ihm beugen, ihm huldigen und beglückt danken: in persönlichen stillen Gebeten und mit jubelnden Liedern – allein oder in gemeinsamen Feiern mit der ganzen Gemeinde.
Die Sterndeuter aus dem Morgenland stehen für alle Menschen, die Gott suchen. Gott lässt uns nicht gleich den ganzen Weg sehen, sondern schickt uns einen Stern für den nächsten Schritt. Auch wir können für andere zum Stern werden.
Wir Menschen sind auf der Suche. Wir haben in uns eine Kraft, die nach dem Sinn sucht. Heute geht es um Sinnsucher, besser Gottsucher. Drei Weise aus dem Ausland Israels, tief aus dem Osten, dort wo die Sonne herkommt, brechen auf. Ein Stern lenkt sie. Sie müssen nach Jerusalem. Sie müssen die Vision des Jesaja verwirklichen, dass aus allen Nationen die Menschen nach Sion kommen, um den Gott Israels anzubeten.
Vor 2½ Jahren fragte mich ein Iraner, der als Asylsuchender in der Nähe unseres Klosters lebte, ob er katholisch werden könne. Ich durfte ihm Taufunterricht geben. Es stellte sich heraus, dass seine Heimat die persische Stadt Hamadan im Westen des Iran ist. Diese Stadt hat eine viertausendjährige Geschichte. Früher soll sie Ekbatana geheißen haben, die Hauptstadt des Mederreiches. Dort hatte sich ein Zentrum für Weisheit, Forschung und Astronomie gebildet. Der Überlieferung nach brachen hier die sogenannten „Magier aus dem Osten“, wie sie die Bibel nennt, auf.
Als der Taufbewerber zur Taufe kam, sagte ich ihm: „Du kommst, um den Herrn aller Herren zu finden, wie vor 2000 Jahren die weisen Forscher aus Deiner Heimat. Sie hatten einen außerordentlichen Stern, der sie führte. Und in Jerusalem gab ihnen die Schrift, das Wort Gottes Auskunft: „Du Bethlehem, aus Dir wird der Hirt, meines Volks Israel hervorgehen“. Du kommst als Taufbewerber, gedrängt von den Erfahrungen der Christen in deiner Heimat und erfüllt vom Wort Gottes, das dir Licht gibt. Halte dich dein Leben lang an das Wort Gottes, es wird dir immer Mut machen, glaube an den dich unendlich liebenden Vater“.
Der verstorbene Bischof Klaus Hemmerle erzählte: Ich hatte als junger Mensch ein Problem, von dem ich nicht wusste, wie ich es lösen sollte. Ich betete, machte eine Wallfahrt und schließlich verstand ich: „Mein Problem ist nicht sofort lösbar, aber ich bekomme so viel Licht, einen Stern, der mir hilft, den nächsten einen Schritt zu tun. Doch gleich um alle Ecken kann ich nicht sehen. Es genügt, einen Schritt zu tun!“
Wir bekommen einen Stern für den nächsten Schritt, einen Schritt des Glaubens. Wir verspüren eine innere Verheißung, die uns ermutigt, weiterzugehen, auch wenn wir das Ziel nicht sehen. Konkret kann das heißen: Ich bleibe dem Ruf Gottes treu: in der Ehe, breche auf aus meinem Misstrauen; glaube im Leid an die Liebe Gottes; sage Ja; bejahe meine Lebenssituation. Da sehe ich vielleicht den Stern nur noch umrisshaft. Das Wort Gottes, ein heller Stern macht mir Mut zur Treue, weil auch Gott treu zu mir steht.
Wenn wir auf das Wort Gottes und unser Inneres achten, werden wir selber durch unser Leben zu strahlenden Sternen für andere. Eine Frau, die viel durchgemacht hatte, schrieb mir in einem Brief: „Die Sterne sind wie Löcher im Himmelsgewölbe, durch die Herrlichkeit Gottes hindurch strahlt.“ Wie so ein Stern möchte ich sein, mich selbst ganz loslassen, damit sein Licht durch mich hindurch ein wenig zu den Menschen in unsere Welt hinein leuchtet.“
In der Rückschau sehe ich, dass Gott mir schon manchen Stern geschickt hat. Das lädt mich ein, dankbar niederzufallen und Danke zu sagen nach dem Vorbild der Waisen. Heute tun wir es gemeinsam in der Messfeier. Und dabei weiß ich und erbitte Gottes Segen dazu: ich darf ein Stern sein, ein Licht, und sei es noch so klein, damit unser Unterwegssein zu Christus gelingt.
Das Fest der »Erscheinung des Herrn« ist eine große Zusammenfassung des Weihnachtsgeheimnisses: die Menschwerdung Gottes in Jesus, das Offenbarwerden Gottes und das Offenbarwerden der Würde der Gotteskindschaft.
Weihnachten ist so populär, dass wir es hier in unseren Breiten gleich zweimal feiern. Das ältere Weihnachtsfest – »Epiphanie des Herrn«, bzw. das Hochfest »Erscheinung des Herrn« führt schon wieder zurück in das Alltagsgeschehen. So gesehen ist es ein Fest im Rückspiegel bevor die Arbeitswelt wieder beginnt; vielleicht auch eine Chance nochmals innezuhalten und zu fragen, wie sich die Zeit vor dem Heiligen Abend und das Fest selber gestaltet hat. Versichern wir einander, wieviel Stress die stillste Zeit wieder gebracht hat oder ob wir im religiösen Bereich wieder einmal „von Besinnung zu Besinnung gehetzt“ sind? Und der Heilige Abend selber: War er wieder ein Fest der Perfektion, verbunden mit Angst, dass Wünsche, Erwartungen nicht erfüllt werden? In der Heiligen Nacht betont die westliche Kirche die Herrlichkeit Gottes im Kind zu Bethlehem als Zeichen unendlicher Liebe zu uns Menschen ohne Unterschied des Geschlechts, der Sprache der Kultur. Weihnachten als Höhepunkt christlicher Ethik, weil Gott selber Mensch geworden ist und er durch sein Leben gezeigt hat, was es heißt, ihm nachzufolgen.
Hier in Wien erleben wir seit zehn Jahren eine andere Perspektive des Weihnachtsfestes, nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung. Am 6. und 7. Jänner findet die „Große Wasserweihe“ der orthodoxen Kirchen am Donaukanal statt. Dabei wird nicht nur der Geburt und der Erscheinung des Herrn gedacht, sondern auch der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer. Wir, als Kirche des lateinischen Ritus, feiern dieses Fest erst am kommenden Sonntag.
In der orthodoxen Kirche taucht der Bischof oder der Priester dreimal das Kreuz ins Wasser, womit angedeutet wird, dass durch diese Wasser die ganze Schöpfung gesegnet wird. Alles wird dem Heil und der Liebe Gottes anvertraut.
Im Stundenbuch der katholischen Kirche findet sich zum Fest der „Erscheinung des Herrn“ eine Antiphon (Antwort- oder Wechselgesang), der sehr gut zur „Großen Wasserweihe“ der orthodoxen Kirchen passt: „Drei Wunder heiligen diesen Tag: Heute führte der Stern der Weisen zum Kind in der Krippe. Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit. Heute wurde Christus im Jordan getauft uns zum Heil.“
Auf diese Weise ist das älteste Weihnachtsfest „Erscheinung des Herrn“ mit dem Symbol des Sterns verbunden, der unser Leben begleitet: der Stern als Symbol für Sinn und innere Kraft. Er ist den Magiern aber auch uns Lebensleuchte. „Was dich heute in der Tiefe (durch die Geburt Jesu) berührt, strahlt weit über den Augenblick hinaus.“ (Christine Spilling- Nöker).
Im Volksmund heißt dieser Festtag „Dreikönig“. Mit ihnen und mit dem Weihnachtsfest verbinden wir Geschenke. Das größte Geschenk ist Gott selber. Am Beginn des Jahres fragen wir nach unserer Zukunft, nach unseren Plänen, nach neuen Wegen. Können wir der Zukunft trauen oder wird dieser Stern, der uns führt durch Wolken der Unsicherheit, des Zweifels, der Niedergeschlagenheit, verdunkelt, was auch unsere Glaubenswege beeinflusst?
Dieses Fest nimmt aber, wie schon erwähnt, auch die Taufe in den Blick. Im Sakrament der Taufe erinnert uns bei der Salbung das Bibelwort: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1 Petr.2,9)
Wir bekommen somit in der Taufe als Glieder des Volkes Gottes sehr verantwortungsvolle Aufgaben mit:
König(in) sein heißt mit hoher Menschenwürde ausgezeichnet sein und sie auch dem Nächsten nicht abzusprechen, Ungerechtigkeit im jeweiligen Lebensbereich so gut es geht, zu verhindern, selbstständig denken und handeln, die Notlagen erkennen.
Der Prophet ist ein Verkünder der unter das Wort Gottes gestellt ist, in ihm nimmt das Wort Gottes Gestalt an, er ist nicht abgesichert. Dieser Auftrag verlangt vollen Einsatz, Mut, Klugheit, Zivilcourage.
Priester(in) sein: Die Taufe ist die erste Priesterweihe eines Menschen, wir alle sind Geistliche. Paulus spricht in seinen Briefen sogar von den Heiligen. Es geht darum, eine lebenslange Beziehung zu Gott aufrecht zu erhalten und diese auch sichtbar zu machen. Eine schöne Berufung auch für Pfarrgemeinderäte/-innen.
Weihnachten ein Fest der Zukunft und der Hoffnung. „Sei kein Gefangener deiner Vergangenheit. Werde (mit Gottes Hilfe) zum Architekten der Zukunft“ (Robin Sharma). Darum wünsche ich Ihnen auch, dass Christus Sie und mich wie ein Stern durchs Leben begleitet.
Die Erzählung von den Sterndeutern aus dem Osten hat Künstler in allen Epochen zu üppigen Bildern angeregt. Ihre Bilder haben sich vielen Menschen stärker eingeprägt als der biblische Text selbst. Der Evangelist selbst greift in seiner Erzählung auf biblisches Bildmaterial zurück. Er will uns damit vermitteln: In Jesus haben sich die Worte erfüllt, welche Propheten einst verkündet haben.
Fremde kennt heute wohl jeder und jede in unserem Land. Vielleicht aus den Medien oder als freiwillige Helfer und Helferinnen an den Grenzen, auf den Bahnhöfen, in den Herbergen bzw. Unterkünften, die für die „Fremden“ bereitgestellt wurden.
Fremde, wie die Sterndeuter im heutigen Evangelium, haben in der Kirche eine ganz besondere Entwicklung durchgemacht. Sie wurden zu Königen, sogar mit verheißungsvollen Namen. Uns würden diese „Hl. Drei Könige“ in den Darstellungen der Weihnachtsbotschaft fehlen. Keine „Hl. Drei Könige“ bei der Krippe, keine beim Krippenspiel oder gar am heutigen „Dreikönigstag“, wie er im Volksmund heißt, das ist schwer vorstellbar.
Wie kommt es jedoch, dass die Sterndeuter – also Magier, Astrologen - aus dem Osten eine so erfolgreiche Karriere in unseren Weihnachtsbildern, in den Erzählungen, ja in unserer ganzen Glaubenstradition hinter sich haben?
Es sind die theologischen Anliegen, die Künstler in ihren Bildern versucht haben darzustellen. Der Reichtum an Fantasie kennt keine Grenzen, um außerbiblische und biblische Quellen so zu malen, dass es an eindrucksvollen Szenen nicht fehlt. Der genaue Wortlaut des Textes war dabei nicht immer wichtig. Und die gemalten Bilder erwiesen sich als einprägsamer. Das heutige Evangelium ist da ein Paradebeispiel:
Zwar gibt es drei Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Aber keine Zahl gibt es bei den Sterndeutern. Und von Königen oder Kamelen ist wörtlich gar keine Rede.
Aber schauen wir beim Evangelist Matthäus nach, welche Bilder er einbindet, die Künstler später zu so üppigen Ausmalungen angeregt haben. Die Quelle für seine „Theologie“ war das Erste Testament. Hier hat er jene Verheißungen gefunden, die auf Jesus und seine Botschaft hin gedeutet werden konnten. So auch im heutigen Evangelium. Im Psalm 72, Vers 10-11 heißt es: „Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Saba und Seba kommen mit ihren Gaben. Alle Könige müssen ihm huldigen, alle Völker ihm dienen.“
Das „Wiederlesen“ so verheißungsvoller Texte aus dem Ersten Testament war eine Hilfe, die Bedeutung Jesu zu vermitteln. Das hat Matthäus in seinem Evangelium gemacht. Die Gaben bringenden Sterndeuter erinnern an den Psalm 72. Ist es da verwunderlich, wenn angesichts der huldigenden Sterndeuter die Vorstellung von Königen entsteht?
In der heutigen Lesung aus dem Prophetenbuch Jesaja heißt es: „Zahllose Kamele bedecken dein Land, Dromedare aus Midian und Efa. Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.“ Die Gaben Gold und Weihrauch im Evangelium erinnern an Jesaja – und seine Kamele.
Der Hinweis auf den Stern ist wohl aus dem Buch Numeri (23,17) genommen, wo Bileam eine Vision Gottes schildert: „Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: Ein Stern geht in Jakob auf, …“. Die Sterndeuter bei Matthäus gingen nicht direkt auf Bethlehem zu. Sie „irrten“ umher!
Matthäus will den Anhängern des „neuen Weges“ - und so auch uns - mitgeben: In Jesus hat sich das Wort erfüllt, welches die Propheten einst verkündet haben. Was die Propheten im Namen Gottes verheißen haben, klang nach Zukunft, nach Hoffnung auf Frieden, nach Gerechtigkeit für alle. Das dürfen wir heute feiern: Diese verheißungsvolle Zukunft ist Wirklichkeit geworden.
Vielleicht werden auch die, die heute in unserem Land bei uns als Fremde aus dem Nahen Osten „gestrandet“ sind, im Laufe der Geschichte Karriere machen und gar zu königlichen Würden „aufsteigen“. Jesus, der neugeborene König, dem die Sterndeuter huldigen, wird bei Matthäus später sagen „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.“ Was wird uns in diesen Fremden wohl noch aufgehen?
Zum Weihnachtsfest 2015 wurde ein Aspekt der Weihnachtsgeschichte besonders aktuell: die Familie auf der Flucht. Dieses Motiv fordert uns heraus zu einem Ja oder Nein. Die Weisen ließen sich von einem Stern leiten, haben die Hindernisse, die ihnen in den Weg gelegt wurden überwunden. Der Stern über Bethlehem lädt uns ein, der Spur Jesu zu folgen.
Ein Aspekt der Weihnachtsgeschichte wurde besonders im Weihnachtsfest 2015 deutlich. Daher ist dieses Evangelium so aktuell: Die Heilige Familie auf der Flucht. Heutzutage erleben auch wir hier in Österreich Menschen auf der Flucht mit Familie, ohne Familie, überwiegend junge Leute. Mitunter ist auch die Flucht vor sich selber zu spüren, wo vieles aus dem seelischen Gleichgewicht geraten ist.
Erschienen ist uns „die Menschenfreundlichkeit Gottes“ (Tit.3,4) Merken wir etwas davon? JA und NEIN:
Ein JA zu den vielen helfenden Händen außerhalb der Institutionen bzw. in Vorfeldorganisationen, in Bahnhöfen, Klöstern, Pfarrhöfen, in Schulen. Geholfen wird überall dort, wo Menschen in der Lage sind und waren durch den Einsatz ihrer Arbeitskraft, durch Geld- und Sachspenden, auch durch das tröstende Wort, durch Zuhören, einfach da sein. Das ist wahre Kirche, Kirche an verschiedensten Orten. - Das ist ein „Herz aus Fleisch“ mit einem „neuen Geist“, wie wir im Buch Ezechiel lesen.
Das NEIN stellt eine Blockade dar wegen vieler Vorurteile, durch Ängste, auch ausgelöst durch Hilflosigkeit, durch politisches Taktieren, durch Ausreden, die im Grunde des Herzens nicht glaubwürdig sind, aber sehr glaubwürdig vorgebracht werden, warum Hilfe auch im kleinen Ausmaß nicht möglich ist, durch Stress und Nervosität, von denen Menschen beinahe aufgefressen werden. – Das ist ein „Herz aus Stein“. Hier fehlt der neue, gute Geist.
Flüchtlinge lassen alles hinter sich, was verwirrt, durcheinander geraten ist, weil sie Hoffnung in die Zukunft setzen, dass sich viel, wenn nicht sogar alles zum Guten wendet. Millionen Menschen fliehen gegenwärtig aufgrund menschenverachtender Politik, aus religiösen Gründen, aus klimatischen Gründen im doppelten Sinn des Wortes: wegen der Erderwärmung mit ihren spürbaren, schwer auszuhaltenden Folgen, aber auch wegen unerträglicher klimatischer Veränderungen im Umgang miteinander, Beziehungsschwierigkeiten, die bis ins Mobbing reichen.
Unter welchem Stern ist heuer unser Weihnachtsfest gestanden? Unter einem guten Stern, der uns an ein sinnvolles Ziel bringt oder ist dieser Stern nicht mehr als ein Irrlicht? Du musst Deinen Kopf heben, Deinen Blick weiten, himmelwärts schauen, Deine Augen an die Dunkelheit gewöhnen, um die Sterne zu sehen und der Stimme Deines Herzens Gehör schenken, so wie es auch die Weisen getan haben. Diese Magier aus der Ferne bringen einen weiten Weg hinter sich; über Hindernisse, etwa über die Machtspiele des Herodes. Sie erreichen das Ziel, das göttliche Kind, mit Hilfe des Sterns von Bethlehem. Auch wir sind eingeladen auf unserem Lebensweg, sicher aber auch mit Hindernissen, diesem Stern von Bethlehem zu folgen und nicht uns von Irrlichtern blenden zu lassen.
Stephanus sieht „den Himmel offen“ (Apg.7,56), der Himmel, eine kosmische Einheit, und wir sind ein Teil davon. Man sieht kein Ende, wo der Himmel aufhört, Anflug von Unendlichkeit, grenzenlos. Ich kann diese Grenze nicht feststellen, weil sie der Horizont setzt. Der Himmel, ein Zeichen unendlicher Liebe. Das will uns auch das Weihnachtsfest sagen, Gott wird Mensch. Wir sind aber in der Liebe, ja in unserem Dasein sehr begrenzt, das spüren wir auch. Oftmals setzen wir uns selber, aber auch anderen gegenüber unnötige Grenzen und behindern so auch unseren Lebensweg und den der anderen und damit auch die Entwicklung im Fortschritt zum Guten.
Weihnachten, immer wieder ein sehr schönes Fest, ein festlicher Rahmen, aber ein aufrüttelnder, unbequemer Inhalt. Schärfen wir den Blick und sehen wir beides: Festliches, Schönes, aber auch die Not und die Unvollkommenheit, um in der Spur Jesu, in seiner Nachfolge zu bleiben, um mit Gottes Hilfe, auch die größten Hürden des Lebens zu schaffen.
Mittlerweile sind wohl schon die meisten Weihnachtsgeschenke ausgepackt und in Gebrach genommen worden, nicht Passendes wurde umgetauscht usw. Das Thema Weihnachtsgeschenke ist damit abgehakt und die meisten sind froh, dass der Stress des Geschenkebesorgens vorläufig ein Ende hat.
Wer jedoch auf die biblischen Weihnachtserzählungen schaut, begegnet erst jetzt, am Ende der Weihnachtszeit dem Motiv des Schenkens. Die Sterndeuter aus dem Osten huldigen dem neugeborenen König der Juden mit Geschenken. Gastgeschenke gehören zum Protokoll von Staatsbesuchen. Und solche Geschenke werden wegen ihrer Symbolträchtigkeit sorgfältig ausgewählt. Die hohen Gäste schenken Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Gold glänzt, sticht ins Auge, ist kostbar, wertbeständig, ein Symbol besonderer Wertschätzung, eines Königs würdig.
Weihrauch duftet "himmlisch", wenn man ihn auf glühende Kohle legt, steigt mit den Gebeten gläubiger Menschen zu Gott auf, ein Symbol göttlicher Verehrung.
Myrrhe war in der Antike ein wichtiges Heilmittel, wirkte desinfizierend und reinigend, es fand darüber hinaus Verwendung beim Einbalsamieren der Toten, ein Symbol der Heilkraft.
Was die Sterndeuter mit diesen Gaben verbanden, können wir nur vermuten. Symbole drücken Bedeutungen aus, die man nur schwer in Worte fassen kann, und lassen dabei vieles offen.
Wenn wir uns den Sterndeutern anschließen und wie sie das göttliche Kind suchen und ihm als unserem König, Herrn und Erlöser unsere Aufwartung machen, stehen auch wir vor der Frage: Was schenken wir ihm und was wollen wir mit unseren Geschenken ausdrücken? Was können wir ihm anstelle von Gold, Weihrauch und Myrrhe schenken? Und wer könnte unsere Gaben in Vertretung des göttlichen Kindes entgegennehmen?
Gold ist relativ einfach zu handhaben. Goldmünzen sind auch heute noch beliebte Geschenke. Man kann sie einfach als Erinnerungsstücke zum "Familenschatz" hinzufügen oder aufheben als Notgroschen. Gerne werden heute aber auch Gutscheine verschenkt oder diskrete Kuverts mit einem Geldbetrag darinnen. Der oder die Beschenkte kann sich dafür etwas nach dem eigenen Geschmack kaufen.
Auch Adressaten, die Gold- oder Geldgeschenke stellvertretend für das göttliche Kind entgegennehmen, lassen sich heute leicht finden. Hat Jesus nicht selbst gesagt "Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, habt ihr mir getan"?
Von dieser Form des Schenkens machen auch heute noch viele Menschen Gebrauch: die Sternsinger gehen uns dabei mit gutem Beispiel voraus. In der Vorweihnachtszeit haben viele Organisationen für einen guten Zweck gesammelt; nicht zu vergessen die Aktion »Licht ins Dunkel«...
Immer wieder wird behauptet »Zeit ist Geld«. Zeit ist eines unserer kostbarsten Güter. Wer aus welchen Gründen auch immer sich schwer tut, Geld zu schenken oder gar Gold, könnte ja einmal überlegen, Zeit zu schenken. Dankbare Abnehmer sind Kinder, alte Menschen, Kranke, Menschen, denen niemand zuhört...
Weihrauch steht für göttliche Verehrung. Römische Kaiser verlangten von ihren Untertanen, dass diese zur Anerkennung ihrer göttlichen Autorität ihnen symbolisch Weihrauch opferten. Im übertragenen Sinne streuen wir auch heute bestimmten Personen Weihrauch. Wir huldigen ihnen wegen ihrer sportlichen oder künstlerischen Leistungen. Wir schauen zu ihnen auf, zeichnen sie aus und bereiten ihnen Empfänge. Manchmal opfern wir ihnen auch Geld und Zeit. Wir kaufen Fan-Artikel und lassen es uns etwas kosten, ihnen nahe zu kommen und bei ihren Auftritten dabei zu sein.
Wieviel göttliche Verehrung lassen wir unserem Erlöser Jesus Christus zukommen? Da beginnen wir schnell mit unserer kostbaren Zeit zu knausern und reden uns darauf aus, dass er nicht kleinlich und nicht auf Lobhudelei aus ist. In Sportstadien schreien wir uns die Stimme aus dem Leib, im Gottesdienst bekommen wir den Mund kaum auf... Von ihm zu reden, erzählen, was wir an ihm schätzen, wofür wir ihm dankbar sind, warum wir auf ihn stolz sind, ist den meisten ungewohnt. Da fehlen uns die Worte und religiöse Symbole in der Öffentlichkeit sind uns peinlich.
Myrrhe war die dritte Gabe der Sterndeuter. Diese war damals ein kostbares Heilmittel. Wir können dieses Geschenk als Huldigung für Christus, dem Arzt und heiler gegenüber verstehen, auch als Hinweis auf seinen Tod »um unseres Heiles willen«.
Die Sehnsucht nach ganz-werden, heil-werden, ist nach wie vor groß. Wir haben zwar eine hoch entwickelte Medizin für akute Krankheiten, erleben aber gleichzeitig, dass Heilung tiefer und grundsätzlicher geschehen müsste. Alternative Gesundheitspflege steht hoch im Kurs, die Heilmittel des Glaubens sind jedoch vielen Menschen abhanden gekommen. Seelisches Gleichgewicht durch erfüllte Beziehungen, durch Vergebung und Versöhnung, Entspannung und Ruhe durch Meditation und Gebet wären heilsame Angebote spirituellen und religiösen Lebens. Spiritualität boomt, nur nicht in den Kirchen. Bringen wir das heilsame des christlichen Glaubens genügend zur Geltung? Hier könnten wir Zeichen setzen.
Die Sterndeutet, so haben wir im Evangelium gehört, gingen auf einem anderen Weg nach Hause zurück, um das göttliche Kind, das sie gefunden haben, nicht Herodes auszuliefern. Vielleicht bringt uns das Nachdenken darüber, was wir dem göttlichen Kind schenken könnten, um ihm gebührende Anerkennung zu geben, auch auf neue Wege, wie unsere persönliche Wertschätzung des Erlösers im Alltag sichtbar und spürbar werden könnte.
In der Lesung aus dem Brief an die Christengemeinde von Ephesus (3,3a) sagt der Verfasser: „Mir wurde das Geheimnis Christi mitgeteilt“. Heute feiern wir das Fest der Erscheinung des Herrn, das Fest des Aufleuchtens des Geheimnisses Christi.
Wir feiern aber nicht nur Vergangenes. Wir feiern Gegenwärtiges. So stelle ich an das heutige Evangelium die Frage: Welchen Tipp können uns die Sterndeuter geben, um das Geheimnis Christi zu entdecken? Und an die heutige Lesung stelle ich die Frage: Gibt es einen Ort, an dem man heute das Geheimnis Christi entdecken kann?
Zuerst zum Evangelium (Mt 2,1-12):
Welchen Tipp können uns die Sterndeuter geben, das Geheimnis Christi zu entdecken?
Das heutige Evangelium ist eine Gott lobpreisende Erzählung. In der Erzählung kommen Figuren vor, handelnde Personen. An die Personen der Erzählung stelle ich meine Frage: Welchen Tipp könnt ihr uns geben, das Geheimnis Christi zu entdecken? Die Erzählung ist Evangelium, Botschaft, gute Botschaft! Welche Botschaft wird uns vermittelt? Von den Sterndeutern aus dem Osten, die nach Jerusalem und dann Bethlehem kommen, heißt es: „Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm.“
Woher wissen denn diese Sterndeuter, dass es richtig ist, vor diesem Kind niederzufallen und ihm zu huldigen? Ich denke: Die Sterndeuter sind offene, suchende Menschen. Die Schriftgelehrten, die meinen, schon alles zu wissen, entdecken nicht, dass der da ist, dem man huldigen muss. Die offenen, suchenden Sterndeuter finden ihn. Wenn ich meine, ich hätte schon alles, ich bräuchte nichts mehr, entdecke ich nichts mehr.
Sie gewinnen innerhalb ihres Wissens- und Erfahrungsbereichs eine Erkenntnis, der sie folgen. Wenn man eine Teilerkenntnis hat und ihr folgt, kommt man weiter. Manches erschließt sich mir nur, wenn ich der Spur folge, wenn ich mich in Bewegung setze. Nur die hingegangen sind nach Bethlehem, haben ihn gefunden!
Die Sterndeuter haben zwar nur ein Torso-Wissen, nicht das ganze Wissen. Aber es genügt, um zu finden. Ein Psychotherapeut sagte in einer Gesprächsrunde: „Bei einer guten Therapie genügen 20%... Man gibt einen Anstoß und alles andere bleibt dann in dem Betreffenden zum Wirken.“ In den Sterndeutern ergab das eine das andere. Sie blieben dran. So kamen sie zum Ziel.
Nun zur Lesung aus dem Epheserbrief (3,6):
Wo können wir das Geheimnis Christi entdecken?
Die Heiden, also auch wir Nicht-Juden, sind „Miterben“. Die Heiden, also wir, „gehören zu demselben Leib“.
Ist uns bewusst, was das heißt?
- Wir sind mit den Heiden, den Sterndeutern, die nach Bethlehem kamen, beim Kind.
- Wir gehören zu diesem Kind, zum Messias, zu Christus.
- Wir gehören zu seinem Leib, wir bilden mit den Juden, die ihn annehmen, zusammen einen Leib, seinen Leib!
Die seinen Leib bilden, nennen wir Kirche. Sie ist der Erscheinungsort Christi:
- zum Beispiel hier, in der gottesdienstlichen Versammlung
- zum Beispiel dort, wo sich Christen miteinander um den Frieden bemühen
- zum Beispiel dort, wo lebendige Kirche ist. Wo ist sie? Vielleicht erscheint sie uns armselig, so wie die Krippe von Bethlehem. Die Sterndeuter ließen sich nicht abbringen!
Machen wir es wie die Sterndeuter: Suchen wir! Suchen wir die Kirche von heute, suchen wir die Menschen, die sich im Namen Jesu versammeln! Und wenn wir eine Spur gefunden haben: bleiben wir dran! Es lohnt sich! Amen.
Was Lesung und Evangelium uns heute darstellen, das ist voll mit Bildern und Symbolen. Solche Bilder und Symbole wollen die Tiefendimensionen des Lebens aufdecken. Sie wollen die Wahrheit über unser Leben aufleuchten lassen und hindeuten auf das, worauf es letztlich ankommt. Ich will kurz drei von diesen Bildern und Symbolen herausgreifen und sie etwas näher betrachten.
Da ist zunächst das Licht, dargestellt vor allem im Stern, dem die Könige folgen. Dieser Stern bringt alles in Bewegung und er, allein er, führt zum Ziel. Voll von Symbolik des Lichtes ist auch der Text der Lesung aus dem Propheten Jesaja. Er beginnt mit dem Zuruf: „Auf, werde Licht!“ Wir Menschen sind aufgerufen, herauszutreten aus der Finsternis, die über der Erde und über dem eigenen Leben liegt. Wir sollen dem Licht entgegen gehen. Dieses Licht ist Jesus. Deshalb bleibt der Stern, dem die Könige folgen, stehen über dem Ort, wo Jesus, der menschgewordene Gott, geboren war.
Ein weiteres Symbol ist der Weg. Die Könige machen sich auf den Weg, den der Stern weist. Er ist offensichtlich lang, dieser Weg. „Sie kommen von ferne“, sagt die Lesung. Und es gibt Hindernisse und Bedrohungen. In Jerusalem verlieren die Könige die Orientierung. Sie müssen nachfragen und Herodes ist dem Projekt nicht wohl gesonnen. Der gehört auf die Seite der Finsternis. Aber die Könige lassen sich nicht beirren. Sie gehen den Weg, den der Stern weist bis sie das Ziel gefunden haben.
Am Ziel bringen die Könige ihre Gaben dar. Das ist unser drittes Symbol. Es sind Kostbarkeiten, die von den Königen dargereicht werden. Von „Schätzen der Völker“ spricht die Lesung. Jeder König schenkt die Gabe, die ihm zu Eigen ist und die er für wichtig hält: der Eine Gold, der Andere Weihrauch und der Dritte Myrrhe. In diesem Schenken erfüllt sich die Geschichte von den drei Königen. Sie erfüllt sich in Hingabe und Anbetung und nicht zuletzt in grenzenloser Freude. Es erfüllt sich, was die Lesung prophezeit: „Dein Herz wird vor Freude beben und sich weiten“.
Diese Bilder und Symbole: was sagen sie uns heute? Wie können sie uns heute Wahrheit und Freude vermitteln? Ich will dazu ganz kurz einige Anregungen geben und einige Fragen zum persönlichen Weiterdenken.
Es liegt heute viel Finsternis über der Erde und Dunkel gibt es in jedem Leben. Immer wieder müssen wir erfahren, wie ungewiss unser Leben ist. Wir müssen uns mit Ängsten herumschlagen und oft genug scheitern wir. Wir versuchen herauszukommen aus solcher Finsternis. Wir suchen Licht. Wir suchen nach einem Stern, der uns Orientierung gibt. Nun gibt es vielerlei Sterne und Sternchen. Es gibt nicht nur Licht, sondern auch Irrlichter. Wir kommen nicht daran vorbei, uns immer wieder die Frage zu stellen: wer ist für mich der Stern, der mein Leben leitet und bewegt? Ist es ein Stern, der mich zu Gott führt? Und was tue ich, um im Licht zu leben und selber Licht zu sein?
Jede und jeder von uns ist auf dem Weg seines Lebens, so wie es die drei Könige waren. Auch unser Lebensweg erscheint manchmal lang und hart. Auch da gibt es Irrwege und die Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Wo hole ich mir die Kraft, um meinen Weg Tag für Tag zu gehen und nie aufzugeben? Inwiefern lasse ich mich dabei vom Stern leiten, den Gott in meinem eigenen Herzen hat aufleuchten lassen? Lebe ich meinen Glauben? Pflege ich ihn?
Und schließlich: ist mir bewusst, dass das ganze Leben letztlich ein Geschenk ist? Welches sind meine speziellen Gaben und Talente? Nutze ich sie, um sie zum Geschenk zu machen für meine Mitmenschen und so mein eigenes Leben zu bereichern? Lebe ich dankbar? Bin ich dankbar für das Geschenk, das Gott für mich ist?
Wir bringen heute als Geschenk nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe. Wir bringen jetzt Brot und Wein als Gaben auf den Altar und mit ihnen alles, was wir sind und haben. Sehr schön bringt das das Lied zum Ausdruck, das so richtig zum heutigen Festtag passt:
„Ich steh an deiner Krippe hier,
o Jesu, du mein Leben.
Ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz Seel und Mut, nimm alles hin
und lass Dir´s wohl gefallen“.
Einige von Ihnen waren vielleicht auch schon selbst einmal als Sternsinger unterwegs. Für Kinder gehört dieser Einsatz immer wieder zu den schönsten, aber auch anstrengendsten Diensten: Einige Tage, als König mit dem Sternträger "Trepp-auf Trepp ab" zu gehen.
Ich selbst war auch viele Jahre als Sternsinger unterwegs, als König, als Sternträger, später als Begleiter.
So manches Mal gab es immer wieder den einen oder anderen Wirbel. Es ging um die Frage "welcher König heute", um die Rolle, die Schminke… Sternträger waren insgesamt weniger beliebt. Auch für viele Seelsorger und Seelsorgerinnen bedeutet das Mitgehen mit den Sternsingern eine wichtige Erfahrung; so leicht komme ich nicht in so viele Wohnungen, Geschäfte und Häuser.
Ich denke, die Idee des Sternsingens kann sich sehen lassen. Seit 60 Jahren gehen Kinder und Jugendliche unter dem Dach der Katholischen Jungschar in Österreich zu den Familien, in die Häuser und Wohnungen und bringen ein Segensguss von Weihnachten. Es wird daneben für soziale und pastorale Projekte weltweit gesammelt. Immerhin haben die Sternsinger in Österreich in den sechs Jahrzehnten über 350 Millionen EURO gesammelt.
Die Könige, oder besser gesagt, die Sterndeuter oder Weisen, deren Geschichte wir heute bedenken, bedeuten mehr, als nur eine bloße Ausschmückung des Weihnachtsfestes, des Brauchtums, usw. Die Sterndeuter symbolisieren jeweils bestimmte Menschentypen.
Menschen, die in einer Erwartung leben, von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter, Menschen, die auf der Spur bleiben wollen im Leben, Menschen, die das Höhere, den Sinn des Lebens, Gott selbst suchen, und schließlich symbolisieren die Sterndeuter auch die sog. Heiden, also Menschen, die nicht zum Volk Israel gehören,…
In unserer gegenwärtigen Zeit symbolisieren sie Menschen auf der ganzen Welt, die nach dem Guten, nach dem Wahren, vielleicht auch nach dem Glück, sowie nach dem Ursprung und den Zielen des Lebens Ausschau halten. Sie symbolisieren auch Menschen, die über Gott, den Grund und die Ursache dieser Welt nachzusinnen bereit sind. Ich denke, solche Menschen finden wir viele: In allen Religionen, Kulturen, mit verschiedener Hautfarbe, politischer Überzeugung oder auch Lebensweise und in jeder Epoche der Menschheitsgeschichte.
Ich möchte heute aber einen ganz speziellen "Sternsucher" in diese Predigtgedanken holen. Einen, der selbst den Stern des Lebens - seines Lebens - suchte und fand. Daraus Konsequenzen zog und sich auf dem Weg machte: Den Heiligen Johannes Nepomuk Neumann. Sein Fest wurde gestern am 5. Jänner gefeiert.
Johannes wurde als Sudetendeutscher Anfang des 19. Jahrhunderts im Böhmerwald geboren. Er wollte Priester werden und trat ins Priesterseminar in Budweis ein. Damals, in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundertss, waren die Priesterseminare anders als heute voll von Studenten. Aussichten auf baldige pastorale Einsätze hatten sie nicht. Es gab zu viele Pfarrer, Kapläne und Vikare.
Anlässlich eines Besuches eines Bischofs aus Amerika im Seminar reifte ihn ihm mehr und mehr der Wunsch, selbst nach Amerika zu gehen. In die USA kamen damals Jahr für Jahr zehntausende Einwanderer; viele aus den deutschen Gebieten Europas. Es gab dort fast keine Seelsorger, also eine große Not.
In Johannes reifte der Entschluss, seinem neuen Stern zu folgen, die Heimat zu verlassen und ganz neu zu beginnen, in Amerika, als einer der vielen Einwanderer. Noch vor der Priesterweihe - und gegen den Willen seines Vaters - ließ er sich nach Amerika einschiffen und traf in New York ein. Dort stellte er sich dem Bischof vor und wurde kurze Zeit später zum Priester geweiht. Darauf entsandte man ihn alleine in das Gebiet der Niagara-Fälle. Dort siedelten viele deutschstämmige Familien an. Innerhalb von 3 Jahren gründete dieser junge Priester aus dem Böhmerwald unter schwierigsten Bedingungen 17 kleine Holzkirchen und Gemeinden.
Er suchte seinen Stern weiter: Bei den Verlassenen, bei den Armen, bei den vielen, die auch ihre Existenz erst aufbauen mussten. Wie viel wert war da ein Priester, der sie verstand, der ihnen beistand, nicht nur geistlich, sondern auch ganz praktisch und in rechtlichen Fragen, oder in der Förderung einer Grundbildung für die Kinder.
Sein Einsatz brachte ihn sehr schnell und oft an den Rand des Grabes. Die Gesundheit verschlechterte sich Monat für Monat. In dieser Zeit traf er auf die Ordensgemeinschaft der Redemptoristen, die seit einigen Jahren auch in Amerika wirkte, gegründet von Wien aus.
In dieser Gemeinschaft, fand er seinen Stern wieder und traf den Entschluss, selbst in diesen Orden einzutreten. "Nicht mehr allein wirken zu müssen, sondern gemeinsam", eine wichtige Erkenntnis.
Nach dem Noviziat wurde er sogleich Pfarrer in Baltimore, Studentenpräfekt, Rektor, Beichtpriester, Missionar und später ab 1848 Provinzial der amerikanischen Redemptoristen.
Sein "Sternesuchen" ging auch auf andere Personen über. So auch auf Franz Xaver Seelos, einem jungen Redemptoristen aus Füssen in Bayern, der mehrere Jahre sein Vikar war. Auch er war engagiert und wirkte mit viel Empathie für die Menschen, immer unterwegs und ein Apostel im Sinne des hl. Klemens Maria Hofbauer, des "zweiten Gründers" der Redemptoristen, der 1820 in Wien verstarb. Im Jahre 2000 wurde Franz Xaver Seelos seliggesprochen.
Johannes N. Neumann wurde 1852 Bischof von Philadelphia, der damals zweitgrößten Stadt in den USA. In seiner Zeit als Bischof gründete er über 120 Schulen - er gilt als Begründer der amerikanischen Pfarrschulen bis hin zu den späteren Universitäten - eine Schwesterngemeinschaft, er schrieb mehrere kleine Katechismen, er blieb engagiert für die Botschaft Jesus Christi; ein Vollblutmissionar.
Mit 49 Jahren schon starb er 1860. Er brach auf dem Weg von einem Gespräch bei einem Notar auf der Straße zusammen. Der Ruf nach Heiligkeit des kleinen Bischofs setze nach seinem Tod sofort ein. Johannes Neumann wurde 1975 von Papst Paul VI. heiliggesprochen.
Dieser Mann hatte seinen Stern im Leben gefunden. Er hatte diesen immer wieder neu in seinem Leben gesucht und ist ihm auf der Spur treu geblieben. So wie die Sterndeuter im heutigen Evangelium.
Das ist auch für uns heute bedenkenswert. Auch Sie und ich dürfen immer wieder Ausschau halten nach unseren "Lebensstern". Ich bin davon überzeugt, dass wir diesen auch finden,… wenn wir uns nur danach bemühen und Gott auch darum bitten. Dieses "Sternesuchen" sollten wir aber ganz anders verstehen als etwa das Interesse für das eigene Sternzeichen, oder die "Gezeiten", Mondphasen oder andere esoterischer Praktiken.
Wohl in der Heiligen Schrift, in den Sakramenten der Kirche, aber auch an ganz bestimmten Eckpunkten im Leben, wo sich Brüche zeigen, wo Schicksalsschläge dazu kamen, wo um Lebensentwürfe gerungen wird. Nicht selten finden wir einen dieser Lebenssterne bildlich gesprochen nach "Regen, Wolken; Sturm und Unwetter".
Ich laden Sie ein, sich dieser Frage heute oder in den nächsten Tagen zu stellen: Wo ist mir das Licht geschenkt worden? Wo hat sich mein "Lebensstern" immer wieder gezeigt?
Hinter diesem Licht, hinter diesem Stern, steht Gott selbst, in seinem Kommen, in seiner Zusage und in seiner Verheißung.
Mögen wir die Sternsinger willkommen heißen, mögen wir in ihrem Sammeln für Projekte und Bedürftige in aller Welt selbst offen werden, Beteiligte an der Mission weltweit werden. Gott selbst segne uns dabei.
Heute feiern wir ein königliches Fest. Das Fest der drei Heiligen Könige. Sie haben kostbare Gaben mitgebracht: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Es sind königliche Geschenke - wenn auch nicht gerade kindliche. Aber darauf kommt es heute nicht an. Die Völker kommen sozusagen mit ihren Schätzen, um dem neugeborenen König zu huldigen.
Der Prophet Jesaja hat das kommen sehen, mutig und trotzig, wie er war. Es ist ein grandioser Hymnus, angestimmt in grauer Zeit:
Völker wandern zu deinem Licht
und Könige zu deinem strahlenden Glanz.
Blick auf und schau umher:
Sie alle versammeln sich und kommen zu dir.
Deine Söhne kommen von fern,
deine Töchter trägt man auf den Armen herbei.
Du wirst es sehen, und du wirst strahlen,
dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit.
Denn der Reichtum des Meeres strömt dir zu,
die Schätze der Völker kommen zu dir.
Zahllose Kamele bedecken dein Land,
Dromedare aus Midian und Efa.
Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold
und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.
Der Mund ist ganz voll, voll genommen. Es ist ein Trost-, es ist auch ein Trotzlied. Das arg gebeutelte Volk Israel darf wieder nach Hause. Nach langen Jahren der Deportation, der Vertreibung, der Demütigung wird ihnen ein Neuanfang gesungen. Gott selbst wird mit ihnen gehen und sich neu zu ihnen bekennen. Er wird mitten unter ihnen wohnen. Mein Volk! Die ganze Welt soll es sehen! Die ganze Welt soll sich auf den Weg machen. Die ganze Welt soll kommen!
Und: Wir sehen sie kommen. Die Rolle, stellvertretend für die Völker zu erscheinen, hat der Prophet Jesaja den drei aus dem Morgenland auf den Leib geschneidert, lange vor ihrer Zeit. Sie wissen es nicht einmal. Jetzt sind sie gekommen.
Es war ein Stern, der ihnen aufgegangen war - ein Licht. Ein Wort, das ihnen die Welt aufschloss: "Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel."
Die drei bringen das Morgenland mit. Das Land, in dem der Morgen zu Hause ist. Wir riechen förmlich die Zukunft. Dass sie ihre Geschenke, die für den Reichtum, für die Schönheit, für die Gerüche der Welt stehen, in einem Stall übergeben, hat die Welt noch nicht gesehen. In einem Stall! Drei Ausrufezeichen! Die ganze Welt kommt zu dem Kind. Aber es blitzt kein Scheinwerfer, es bläst keine Trompete, es kommt keine Rede. Nur ein Stern.
Der ehemalige Aachener Bischof Klaus Hemmerle - gestorben am 23. Januar 1994 - hat dem Stern ein eigenes Gedicht gewidmet:
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er die Fernsten rief,
aufzubrechen zum nahen Gott.
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er den Wüstenweg wies,
den untersten, den härtesten Weg.
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er stehen blieb über dem Haus der kleinen Leute:
Dort ist die große Zukunft geboren.
Schauen wir einmal auf den Stern! Was macht er? Er ruft die Fernsten! Er weist den Weg, nicht den einfachen! Er bleibt stehen! Da, wo die Zukunft geboren ist. Drei Beschreibungen, jede ist für sich birgt schon ein Geheimnis. Dass die Fernsten überhaupt gerufen werden - dass auch der unterste, der härteste Weg ein Weg ist - dass die große Zukunft bei kleinen Leuten geboren ist - Wunder über Wunder. Die erste Strophe verrät, worum es geht: "aufzubrechen zum nahen Gott". Um ihn zu finden, muss ich auch den untersten, den härtesten Weg gehen - und in das Haus der kleinen Leute gehen. Es ist jetzt keine Last, kein Zugeständnis, kein Kompromiss. Es geht nicht anders! So einfach ist das!
DER Stern hat sich nicht geirrt. Er schenkt dem nahen Gott Licht, macht Wüstenwege hell und lenkt unsere Augen auf eine große Zukunft. Als Mensch, der viele Irrtümer kennt, manche begeht, manche in Kauf nimmt - geht mir ein Licht auf.
In dieser Form ist das Gedicht nicht einmal vollständig. Klaus Hemmerle hat den drei Sternen-Strophen drei Herz-Strophen angefügt. Sein Gedicht heißt: Der Stern und das Herz.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich aufmachte,
den Unbekannten zu suchen.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es nicht aufgab
in der sichtlosen Ungeduld.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich beugte
vor dem Kind
Sterne sind weit weg. Auch unerreichbar. Sie haben eine eigene Schönheit. DER eine Stern besonders. Kann ich ihn unter den vielen anderen Sternen ausmachen, entdecken, ihn im Blick behalten?
Das Herz hingegen - das bin ich.
Aber Klaus Hemmerle sagt nicht: Mein Herz hat sich nicht geirrt. Ich weiß auch nicht, ob ich ihm das jemals nachsprechen könnte. Was ist schon - mein Herz?
Ich kann mir viel sagen, viel einreden,
ich kann mich entschuldigen, mich rein waschen,
ich kann mich überheben, ich kann mich schwarzmalen.
Klaus Hemmerle lauscht dem Evangelium ab: Dein Herz hat sich nicht geirrt.
Es gibt Worte, die ich mir selbst nicht sagen kann. Das Wort der Liebe. Z.B.
Ich möchte sagen: Ich liebe dich.
Ich möchte hören: Ich liebe dich.
Bei Klaus Hemmerle ist es in die Form der Vergangenheit gegossen. Dein Herz hat sich nicht geirrt. Ich habe das wohl schon alles gemacht, so gehalten, so entdeckt. Als ich mich aufmachte, den Unbekannten zu suchen, als ich nicht aufgab in der sichtlosen Ungeduld, als ich mich beugte vor dem Kind.
Es ist wie ein Zeugnis, ein Urteil, ein Nachruf.
Keine Aufforderung, keine Pflicht, keine Leistung.
Der Stern, der sich nicht irrt, findet dein Herz.
Es ist ein besonderes Fest, heute. Ein königliches. Viele kleine Könige gehen von Haus zu Haus. Sie bringen einen Stern mit - und einen Segen - und ein Lied. Einer von ihnen ist dunkelhäutig. Sie sammeln Geld. Für fremde Kinder, für Menschen in Not. Dafür bekommen sie sogar eine eigene "Missio", eine Sendung. Wir nennen sie: Sternsinger. Ein schöner Titel für kleine Könige! Sie singen von dem Stern, der sich nicht irrte. Von dem Herz, das sich nicht irrt. Als es sich aufmachte, den Unbekannten zu suchen.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Es heißt, dass die drei Männer, die von weit her kamen, Sterndeuter waren, weise Männer. So lesen wir es im Matthäusevangelium (2,1-12). Weil sie einen König suchten, den neugeborenen König der Juden, hat die Überlieferung in ihnen Könige gesehen. Sie knien vor dem von ihnen gesuchten und nun gefundenen König nieder und huldigen ihm. Sie legen ihre Kronen ab und reichen dem Kind ihre Geschenke. Nennen wir sie jetzt einfach "die Dreikönige". Im Traum hatten sie die Weisung erhalten, nicht mehr nach Jerusalem zu Herodes zurückzukehren. Wie ging es dann weiter? Sie haben sich wieder auf den Weg gemacht - als Könige - und haben ihre Kronen wieder aufgesetzt.
Der Schriftsteller Werner Reiser hat dazu eine kleine Geschichte geschrieben, die ich jetzt in gekürzter und etwas abgewandelter Form wiedergebe:
Als die Könige aus ihrem Traum erwacht waren, weckten sie ihre Diener, die neben den Kamelen schliefen. Sie befahlen ihnen, für den Aufbruch die nötigen Vorkehrungen zu treffen. Aber welchen Weg sollten sie einschlagen? Kein Stern am Himmel, der ihnen den Weg wies. Sie ritten ins Dunkle hinein. Vor ihnen lagen Felsen und Schluchten, in denen man sich verirren konnte. Da stiegen sie ab und hielten Rat miteinander. Es gab jedoch verschiedene Ansichten über den weiteren Weg. Sie konnten sich nicht einigen. Die Knechte bekamen das alles mit. Einer von ihnen hatte den Mut, etwas zu sagen. Er könne einen Weg ausfindig machen. Das sei anmaßend, meinte einer der Könige. Und er sei nicht gewillt, sich von einem Knecht den Weg weisen zu lassen. Es gäbe in dieser Welt nun einmal Könige und Knechte, Herren und Diener.
Der dritte König, der bisher nichts gesagt hatte, wandte sich an seine königlichen Gefährten: "Ist es nicht seltsam? Wir lassen uns von unseren Knechten bedienen. Sie versorgen unsere Tiere. Sie tragen unsere Lasten. Warum haben sie uns nichts zu sagen? Er rief den als vorlaut gerügten Knecht zu sich und fragte ihn, ob er diese Gegend kenne. Der antwortete, dass er vor vielen Jahren als Kriegsgefangener durch diese Gegend geschleppt wurde. Sie sei ihm in Erinnerung geblieben. Dem dritten König schien dieser Mann zuverlässig. Er stieg auf sein Kamel und sagte zu dem Knecht: "Geh voran und zeig uns den Weg. Und gib mir dein Gepäck. Auf meinem Tier gibt es genügend Platz, nachdem ich meine Geschenke dem neugeborenen König gegeben habe.
Die zwei anderen Könige konnten das nicht begreifen. Denn damit würde die Welt auf den Kopf gestellt. Darauf fragte der dritte König, welche Welt denn auf den Kopf gestellt würde, wenn man die Lasten gerechter verteilte, wenn man die Kluft zwischen den Mächtigen und den Unterdrückten, den Reichen und Armen überwinde. Dann zogen sie weiter, voran die Knechte und dann die Könige. Und es war, als ob auf dem dunklen Weg ein heller Glanz erstrahlte.
Diese Geschichte hat mich deswegen berührt, weil ich darin etwas von mir selber wiedererkenne. Vielleicht geht dies Ihnen auch so. Denn diese Geschichte lässt uns nachdenken über unser eigenes mitmenschliches Verhalten. Wir alle haben Jesus kennen gelernt als jemanden, der keinerlei Gewalt ausgeübt hat. In ihm kündigt sich ein Reich an, das nicht auf politischer Macht basiert. Das Reich Gottes! Gott geht in Jesus einen Weg der Erniedrigung, ein Weg menschlicher Ohnmacht. Schon in der Armseligkeit der Geburt des Messias, in seinem Auf-der Flucht-sein vor den Menschen kündigt sich sein künftiger Weg an, den selbst seine engsten Freunde nicht mehr verstehen konnten.
Jesus ist anders Herr als die Herren dieser Welt, die Macht und Gewalt ausüben. Den Jüngern, die im Reich Gottes die ersten Plätze einnehmen wollten, sagt er: "Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele" (Mk 10,42-45).
Als die Könige diesem armseligen Kind, den sie für einen König hielten, begegneten, konnten sie nicht ahnen, wie sein künftiger Weg verlief. Und wir? Wir kennen den Weg Jesu, der gezeichnet ist von Gewaltlosigkeit und Vergebungsbereitschaft. Wir kennen seinen Weg hin zu den Menschen, vor allem zu jenen, die von den vermeintlich Guten und Selbstgerechten verachtet wurden. Mit seinem Verhalten gegenüber den vermeintlich geringen Menschen hat Jesus die Welt wirklich auf den Kopf gestellt.
Darum könnte die Geschichte von den drei Königen in ihrem Umgang mit den Knechten auch uns meinen. Sie könnte uns einen Anstoß geben, vielleicht mehr als bisher, unseren Mitmenschen friedfertig und versöhnlich zu begegnen, um so Schritt für Schritt auf dem Weg, den Jesus uns gewiesen hat, weiter zu gehen. Ihm nachzufolgen, der nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen.
Hören wir noch Worte von Karl Rahner.
"Es leuchtet der Stern.
Viel kannst du nicht mitnehmen auf dem Weg.
Und viel geht dir unterwegs verloren.
Lass es fahren.
Gold der Liebe,
Weihrauch der Sehnsucht,
Myrrhe der Schmerzen
Hast du ja bei dir.
Er wird sie annehmen."
Das heutige Fest ist das ältere Weihnachtsfest, das für die Ostkirchen heute noch das einzige Weihnachtsfest darstellt. Die Lateinische Kirche feiert Weihnachten eigentlich zweimal: Am 25. Dezember und am 6. Januar. Die Liturgie widmet sich am heutigen Festtag nicht so sehr einer Schilderung der Vorgänge um Jesu Geburt im Stall von Bethlehem, von Hirten, denen Engel die Frohe Botschaft verkünden (Lk 2,8-14) ist nicht die Rede. Im Evangelium wird von drei Männern berichtet, die auf der Suche sind, die behaupten, sie hätten einen besonderen Stern gesehen. Nicht irgendeinen beliebigen Stern, sondern einen Stern, der sie in eine bestimmte Richtung gewiesen hat, nämlich nach Jerusalem zu einem neu geborenen König der Juden. Dieser Stern, so sagen sie, ist sein Stern, er sei ihnen erschienen, vor ihnen hergezogen und in Jerusalem stehen geblieben.
Die drei werden in der außerbiblischen Überlieferung als Könige bezeichnet, manchmal werden sie auch "Drei Weise aus dem Morgenland" genannt; und man gibt ihnen sogar Namen (Kaspar, Melchior, Balthasar). Daher führt das Fest auch den Namen "Heilige drei Könige". Im Dom zu Köln befinden sich die Schreine mit den Reliquien dieser Könige. - Die hl. Schrift spricht aber nicht von Königen, sie nennt auch keine Namen. sondern es ist die Rede von Sterndeutern, die aus dem Osten gekommen sind und ein neugeborenes Kind suchen.
Wir wissen nichts über die Religion der Sterndeuter. Aber wie immer das mit dem Stern im Einzelnen gewesen sein mag, sicher ist anzunehmen, dass die Drei eines gemeinsam hatten: Die zunächst noch unbestimmbare Sehnsucht, das nicht restlos deutbare Ausschauhalten nach Begegnung mit einer noch verschleierten und verschlüsselten, aber doch realen Wirklichkeit. Vielleicht empfanden die Sterndeuter, was Rilke in einem Gedicht zum Ausdruck gebracht hat:
"Ich kreise um Gott
Um den uralten Turm
Und ich kreise jahrtausendelang.
Und ich weiß nicht
Bin ich ein Falke, ein Sturm,
Oder ein großer Gesang".
Es ist anzunehmen, dass das waghalsige Unternehmen der drei in ihrer Umgebung nicht ungeteilte Zustimmung gefunden hat. Viele, auch wohlmeinende Menschen - Realisten - werden gesagt haben, das Ganze sei ein Hirngespinst, ein Traum, waghalsig, (lebens)gefährlich und verrückt. Es kann auch angenommen werden, dass die drei Sterndeuter Familien hatten (Frau und Kinder); wie weit für deren Unterhalt vorgesorgt wurde, wissen wir nicht. - Was die Realisten gesagt hatten, war natürlich bedenkenswert, aber die Realisten wissen zumeist mit Träumen und Träumern, mit unbestimmbaren Sternen am Horizont eines Lebens nichts anzufangen.
Dieses berühmt gewordene Wort von Pastor Martin Luther King ("I had a dream"), in eine Zeit scheinbarer Aussichtslosigkeit bezüglich der Rassentrennung (Apartheid) gesprochen, zeigt, dass Träume sogar im politischen Bereich Wirklichkeit werden können. Von David Ben Gurion (Gründer des Staates Israel) stammt das Wort "Nur der ist Realist, der an Wunder glaubt".
Die drei Sterndeuter müssen zunächst eine herbe Enttäuschung erleben: In Jerusalem weiß man nichts von einem soeben geborenen König der Juden und will auch gar nichts davon wissen. Im Gegenteil, die Nachricht von der Geburt dieses Königs verbreitet Furcht und Schrecken beim "amtierenden" König Herodes und seinem Hofstaat.
Die drei Sterndeuter finden das Kind, fallen nieder und beten es an. In den Geschenken, die sie dem Kind darbringen, haben sie erkannt, dass sie eigentlich selber Beschenkte sind. Sie sind nicht mehr Suchende, sie haben gefunden: Nicht nur das Kind, sie haben auch sich selbst, zu sich selbst gefunden. Es ist ja doch eine Erfahrung vieler Menschen, dass sie in der Trübheit so mancher Tage das Gefühl haben, sie seien sich selbst entglitten. Sie haben Züge abfahren sehen, konnten aber nicht mitfahren; sie haben sich in so manche graue Gasse verirrt, und Auswege scheint es nicht zu geben.
Da knien sie nun, die Sterndeuter, vor dem unscheinbaren Kind, vor dem behutsamen, beinahe möchten wir sagen, scheuen Licht, das sich nicht aufdrängt, das aber dem, der sein Herz öffnet, Ungeahntes schauen und erfahren lässt.
Sie kehren, in einem Traum vor dem blutrünstigen Herodes gewarnt, auf "einem anderen Weg" in ihre Heimat zurück. Sie sind dieselben geblieben, sind aber nicht mehr die Gleichen wie zuvor. Sie sind nicht mehr Suchende, sondern Gewandelte, Beschenkte, Staunende - Erlöste.
"Signale aus dem Morgenland” - so übertitelte die Neue Zürcher Zeitung vom 4.12.10 einen ausführlichen Bericht über die Situation der Kulturen des Nahen Ostens. Eingangs nimmt der Artikel deutlichen Bezug auf die Weisen aus dem Morgenland, die auch überall in Europa - also fernab ihres ursprünglichen Lebensraumes - wohlbekannt sind. Dann hört man leider in dem ganzen Artikel nichts mehr von diesem biblischen Bezug - so, wie man in der Bibel nie wieder was hört von den drei Weisen. Eigentlich schade.
Denn das Evangelium hätte einiges zur Diskussion des Problems im Artikel beizutragen. Eindrücklich beschreibt und bewertet dieser die Botschaften, die verschiedene Entwicklungen im Nahen Osten hinaus in die Welt senden. Da wird Bezug genommen auf Situationen in der Türkei, im Jemen, im Irak und im Iran, in Palästina. Deutlich tritt vor die Augen der Leserschaft: Die Länder des Vorderen Orients haben ihre eigenen Charaktere, sie unterliegen eigenen Formen der Entwicklung, sie haben eigene Sozialgebilde. Ihre Geschichte ist nicht die Geschichte Europas. Wer in diesen Ländern eine Entwicklung nach europäischem Vorbild erwartet und fordert, hat vieles nicht verstanden. Der Nahe Osten funktioniert nicht wie ein Märchen aus 1000 und 1 Nacht - aber auch nicht wie ein Märchen der Gebrüder Grimm.
Die Medien machen es möglich, dass diese Entwicklungen nicht mehr unbeobachtet passieren, und die Völkerwanderungen im Zeitalter der Globalisierung lassen uns alle in Europa von diesen Entwicklungen nicht unberührt.
In dieser Situation bekommt die Erzählung des Epiphaniefstes ganz eigene Nuancen. Wir sehen und erleben: Die Thematik von der Berührung verschiedener kultureller und sozialer Welten ist keine Erfindung der Moderne - das hat's eben auch schon zu biblischen Zeiten gegeben. Nur, dass sich heute nicht mehr wie in der Bibel darauf reagieren lässt: Die Erzählung von den drei Weisen lässt uns erfahren, dass die Begegnung an der Krippe folgenlos endet und jeder der Beteiligten an seinen Platz zurückkehrt und sich eigenständig entwickelt. - Von den Weisen hören wir nichts mehr, aus dem Kind im Stall wird einer, der die Welt grundlegend verändert.
Und doch: Auch dort, wo der Stall stand, bleibt die Welt nicht stehen. Lange unbemerkt zieht schließlich eine neue Religion herauf, die heute in der Welt präsent ist wie das Christentum auch. Die Weisen haben sich entwickelt und sind zurückgekehrt: Sie haben nicht nur Gold, Weihrauch und Myrrhe im Gepäck, sondern auch viele Herausforderungen für all jene, die ihnen begegnen.
Das Fest der drei Weisen fordert uns heute heraus, uns dieser Begegnung zu stellen - wie es Maria und Josef auch getan haben. So wie sich einst an der Krippe in Bethlehem Kulturen, Sprachen und Religionen begegnet sind, geschieht das heute auch. Nur, dass dieses Zusammentreffen lebenslänglich andauert und keiner mehr - wie die Weisen - wortlos und klanglos zurückehrt, zurückkehren kann. Die "Signale aus dem Morgenland” in unserer Zeit sind laut und anhaltend.
Wenn da die deutsche Kanzlerin behauptet, 'multikulti sei gescheitert', bleibt nur schlicht festzustellen: Hier herrscht Irrtum. Wir stehen angesichts eines - wahrlich nicht immer positiv - erstarkenden Islams erst am Anfang. Die Entwicklung von Multikulti geht erst los. Ob sie gelingt, liegt auch massiv an uns Christen. Denn sie führt unweigerlich zu der Frage, auf was für ein christliches Abendland die Signale aus dem Orient denn treffen. Und das christliche Abendland wird nicht gestaltet in Parlamenten und Räten, sondern von Menschen, die Visionen und Hoffnungen in Kopf und Herz tragen und offen sind für die Botschaft des Engels der Heiligen Nacht: "Fürchtet euch nicht!”
Furcht vor dem, was passiert, hindert und lähmt. Das Kind in der Krippe aber hat's in seinem späteren Leben ja vorgemacht: Auf Fremde, Ausgestoßene, Menschen am Rande der Gesellschaft ist Jesus zugegangen und hat sie nach ihrem Leben gefragt. Er hat nicht alles toll gefunden, was er erlebt hat, aber er ist vor nichts zurückgeschreckt. Jesus hat Zeit seines Leben deutlich gemacht: Das Leben im 'Hier und Jetzt' ist keine Gefahr, sondern eine Herausforderung. Sich dieser Herausforderung zu stellen und das Leben zu gestalten, heißt: den Boden für Gottes Heil zu bereiten. Nur dann kann Reich Gottes wachsen. Und dieses Reich des Friedens und der Gerechtigkeit unter den Menschen ist keine fixe Idee, kein Hirngespinst, sondern soll zur Erfahrung der Menschen werden.
Wir sind gefordert. Die Weisen sind wieder da - als Menschen nicht nur aus dem Orient, sondern aus ganz vielen verschiedenen Kulturen dieser Welt. Und sie werden bleiben. Sie stehen mit uns an der Krippe. Ihre Geschenke sind ihre Kulturen, ihr Glaube, ihre Traditionen, ihr Denken, ihre Sozialgefüge. Sie legen es vor das Kind in der Krippe - sprich: hinein ins christliche Abendland. Die Antwort der Heiligen Familie auf die Geschenke war Staunen und schweigende Dankbarkeit. Wie reagieren wir auf das Fremde, Andersartige, das unsere persönliche Welt berührt? Sind wir in der Lage, zunächst einmal mit wachen Augen hinzuschauen und mit offenen Ohren zuzuhören? Sehen wir einen Stern am Himmel oder eher das drohende Unwetter?
Die Heilsgeschichte der Weihnachtszeit ist eine Weggeschichte. An vielen Kreuzungen begegnen sich die Menschen: Wie sie die Wege weiter gehen, hängt davon ab, ob man sich gegenseitig droht oder segnet.
Viele von uns haben in ihrem Auto irgendein Navigationssystem, das uns angepriesen wurde als Hilfe für den sicheren Weg zum Ziel. Bedient man so ein Gerät, ist es meistens so, dass man wählen muss, wie die Wegführung sein soll: besonders schnell, besonders direkt, unter Umgehung von zahlungspflichtigen Straßen und so fort. Diese Technik hat größte Vorteile, - vor allem für Autofahrer, die die Kunst des Kartenlesens nicht zu ihren herausragendsten Fähigkeiten zählen. Auch Taxichauffeure können sich das mühsame Geschäft des Erlernens von Straßensystemen ihrer Einsatzorte sparen - Gerät einschalten, Zieladresse eingeben und los geht’s.
Und auch sehr interessant: Wenn man vom Ziel wieder nach Hause fahren will, gibt es dafür oft Kurzwahltasten - die Eingabe der Heimatadresse geht viel schneller, sie kennt die Technik - der Weg zurück ist also oftmals noch einfacher.
Ganz klar: Solche Übertragung von eigener Fähigkeit an die Technik hat auch Nachteile - wann haben Sie sich als Navi-Nutzer das letzte Mal bewusst mit einer Straßenkarte auseinandergesetzt? Auch kann der blinde Verlass auf das System durchaus Gefahren in sich bergen - immer wieder sieht man Bilder und hört Berichte von solchen, die nicht am Ziel, sondern in einem Graben oder sonst wo gelandet sind.
Von einem Navigationssystem ganz ander Art erzählt das Fest 'Erscheinung des Herrn'. Wir hörten, dass die Männer aus dem Orient einem Stern gefolgt sind, der sie an die Krippe nach Bethlehem führt. Einige Unterschiede zu modernen Navigationssystemen sind überdeutlich sichtbar. Abgesehen von Größe und technischer Ausstattung fällt auf, dass der Stern die Männer an ein Ziel führt, das sie selber gar nicht kennen. Ein Umstand, der die Bedienung eines modernen Navis schlicht unmöglich machte. Sie machen sich blind auf den Weg, folgen und vertrauen - wem eigentlich? Sie gehen zielbewusst - wohin eigentlich?
Und trotzdem haben sie eine klare Idee im Kopf hinsichtlich dessen, was sie suchen: "Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen", lassen sie König Herodes zu dessen Entsetzen wissen.
Und sie sind bestens ausgerüstet. Sie bringen Geschenke mit, um dem Herrn des Hauses, wo sie einkehren werden, Referenz zu erweisen. Am Ende der Geschichte fällt noch etwas auf: "Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land," - ohne jegliches Navigationssystem. Die Wege, die sie zu gehen hatten, müssen ihnen jetzt absolut offensichtlich gewesen sein: Ein Suchen und Fragen wie auf dem Hinweg erübrigt sich. Die Männer wissen, was zu tun ist. Nur ein Gebot beherrscht den Rückweg: der Widerstand und der Ungehorsam gegenüber König Herodes.
Nach dieser Episode aus der Kindheitsgeschichte Jesu hört man nie wieder etwas von diesen Fremden - trotzdem haben sie eine so faszinierende Wirkung, dass auf ihrem Handeln ein ganzes Brauchtum ruht: Wir erinnern uns etwa an das Sternsingen und anderes.
Die ganze Situation der Männer aus dem Orient ist derart merkwürdig und geheimnisvoll, dass wir uns nicht wundern dürfen, dass man sie nach der Schrift 'die Magier aus dem Osten' nennt. Dieser Teil der Kindheitsgeschichte aus dem Matthäusevangelium bleibt uns ein gutes Stück rätselhaft.
Ein Hinweis zur Bedeutung gibt vielleicht der Blick in das alttestamentliche Buch der Psalmen: "Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Saba und Seba kommen mit Gaben. Alle Könige müssen ihm huldigen," heißt es im Psalm 72, den der Prophet Jesaja in seine Verkündigung hat miteinfließen lassen. Hat Matthäus versucht, mit der Geschichte der Weisen aus dem Orient ein Stück Glaubenstradition des Alten Bundes im Evangelium wirkliche Geschichte werden zu lassen?
Wie dem auch sei: Die Verkündigung des Epiphaniefestes ist ja zuerst nicht ein Märchen aus 1000 & 1 Nacht, sondern Heilsgeschichte. Diese drei Männer, die sich einfach dem Wirken eines Gottes anvertrauten, der nicht von Hause aus der ihrige war, sie wollen uns anregen, uns auf die Begegnung Gottes mit uns Menschen einzulassen.
Sie, die sich auf neue und unbekannte Weg machten, alles Vertraute daheim ließen und allein einer ungewissen Verheißung nachzogen, laden uns ein, auf uns selber zu schauen. Sie lassen uns fragen, auf welchen Wegen wir denn gehen, wenn wir uns auf Gottsuche machen. Können wir, die wir es gewohnt sind, unsere Wege der Technik anzuvertrauen, aushalten, wenn Gott-Suchen weder auf dem kürzesten noch auf dem schnellsten Wege gelingt, wie man das beim modernen Navi einstellen kann? Was heißt das für uns, wenn Gott-Suche vielleicht durch karge Gegenden unseres Lebens führt, durch die wir gar nicht wollten? Durch Nöte, Schicksalsschläge? Oder dass Gottsuche eben keine zielstrebige Fahrt, sondern oftmals ein langes Ausharren auf den Rastplätzen unseres Lebens ist?
Was heißt es für uns heute, dass die ersten Gott-Suchenden des Neuen Bundes nicht aufgeklärte Theologen und Lehrer der Synagoge, sondern einfache Menschen und Reisende aus fremden Völkern waren?
Der Weg Gottes mit den Menschen führte schon seit der Erwählung des Volkes Israel nie auf geraden Pfaden, sondern stets durch Wüstengegenden, durch die Einsamkeit, durch das Chaos. Und nun, da die Offenbarung Gottes ihrem Höhepunkt entgegen geht, kein klar definiertes Heilsereignis, sondern eine Geburt unter dramatischen Umständen mit Hirten und Fremden als erste Zeugen des Geschehens.
Der Weg Gottes mit den Menschen richtet sich nicht nach einer freundlichen Damenstimme aus einem GPS-Kästchen. Wenn Gott ins Leben der Menschen tritt, dann kann es chaotisch zugehen, befremdlich, vielleicht mysteriös und rätselhaft.
Und nur dann, wenn wir diesen unberechenbaren Gott aushalten können, kann die Begegnung mit ihm auch wirklich gelingen.
"Ein Stern, der deinen Namen trägt, hoch am Himmelszelt- (der) alle Zeiten überlebt und über unserer Liebe steht. Er ist ein Geschenk für alle Ewigkeit." (Nikolaus Presnik bei der Schlagerparade 2007). Dieser Stern unseres Bruders Jesus Christus führt auch uns zur Krippe und begleitet unser Leben.
Das Leben unter einen guten Stern stellen, denn: "An Gottes Segen ist alles gelegen." Diese Evangelienstelle, die wir heute gehört haben, entfaltet das gut, auch wenn mitunter die Schwarz-Weiß-Malerei stark durchkommt, denn das Leben ist viel facettenreicher als wir es uns denken können.
Herodes kommt im Evangelium, aber auch in anderen geschichtlichen Berichten nicht gut weg. Seine Macht ist auf Angst gebaut, er ist immer damit beschäftigt, während seiner Regierungszeit Balance zwischen den Interessen Roms und seiner jüdischen Provinz zu halten. Brutalität, Lieblosigkeit stehen somit für das Böse, für Widersprüchlichkeit. "Ich will hingehen und dem Kind huldigen" (Mt.2,8). Auch diese Äußerung lässt tief blicken. Zur Aufrechterhaltung von Macht gehören auch Verlogenheit und falsche Demut.
Das Kind in der Krippe steht für die Macht der Liebe, die sich unter schwierigen Umständen durchsetzt.
Die Magier, die uns heute besser als die "Drei Könige" bekannt sind, begeben sich auf Suche nach einem Ziel. Sie gehen ihren Lebensweg so wie das Menschen aller Generationen auch tun. Diese drei Weisen, höchstwahrscheinlich Gelehrte, finden den Weg nicht sofort. Es entstehen ganz eigenartige Lebenssituationen, wie wir sie auch immer wieder vorfinden. Man bedient sich bewusst oder unbewusst des Bösen, um den guten Weg weiterzugehen. Die Schriftgelehrten, alle diejenigen, die in der Abhängigkeit des Herodes stehen, zeigen den Weisen, den Gottsuchern, den Weg zur Krippe. Sie geben den Weisen Sinn, damit sie nicht vom Weg abkommen. Manchmal kann es auch umgekehrt sein: Die Guten ebnen unbewusst den Weg zum Bösen, etwa im Dritten Reich durch blinden Gehorsam- sogar noch biblisch durch den Römerbrief begründet- weil man der staatlichen Autorität gegenüber immer Gehorsam zu leisten habe. Die Geschichte lehrt sehr deutlich, wohin blinder Gehorsam führt.
"Seid also wachsam!" (Mk. 13,35). Darauf werden wir oftmals hingewiesen. Wachsamsein heißt, den Stern, der den Weg weist, der leicht von anderen Irrlichtern überstrahlt werden kann, nicht zu übersehen.
Die "Drei Könige" erreichen ihr Ziel, sie geben ihrem Leben Sinn. Beachtenswert ist aber, dass sie dann einen anderen Weg zurückgehen. Erinnert das nicht auch an unser Leben? Wie oft müssen wir ganz andere Wege einschlagen, müssen ausweichen, um nicht bedroht zu werden?
Wir alle sind auf der Suche nach Sinn, nach einem Ziel. Das Evangelium weist darauf hin, dass dieses Ziel nur unter großen Schwierigkeiten erreichbar ist, es ist aber mit Gottes Hilfe möglich. Die Krippe und die "Heiligen Drei Könige" geben uns an, worauf es ankommt, wo und wie wir unser Ziel erreichen werden. Unsere vornehmlichste Aufgabe dabei ist, diesen neugeborenen König in Wort und Tat anzubeten, unser Leben danach auszurichten, die Frohe Botschaft auf diese Weise sichtbar werden zu lassen.
"Ein Stern, der deinen Namen trägt, hoch am Himmelszelt- (der) alle Zeiten überlebt und über unserer Liebe steht." Dieser Stern unseres Bruders Jesus Christus begleitet unser Leben. Folgen wir ihm vertrauensvoll durch dieses Jahr 2010, das noch fast zur Gänze vor uns liegt.
Heute ist ein besonderer Tag. Heute feiern wir die Erscheinung Christi. Die Erscheinung des Messias. Der Tag heute heißt: Epiphanias. Das griechische Wort betont, dass Jesus nicht einfach kommt - er erscheint in seiner Herrlichkeit und Größe. Er geht auf wie ein Stern - und in seinem Glanz wird die Welt hell.
Landläufig heißt dieser Tag auch: Heilige drei Könige. Matthäus erzählt in seinem Evangelium, wie die Weisen, von einem Stern geleitet, den neugeborenen König suchen und finden. Sie, die die Klugheit Babyloniens mit den großen Hoffnungen Israels verbinden, bringen den Reichtum, den Duft und den Geschmack der großen Welt mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Schätze, Träume, Sehnsüchte.
Sie machen sich auf einen langen und beschwerlichen Weg, nur um "anzubeten". Sonst nichts! Der neue Stern, der ihnen am Horizont erscheint, hat sie aus ihrer alten Welt gelockt, das Königshaus in Jerusalem vollends irritiert und dann auch noch die Herrlichkeit Gottes auf ein Kind gelegt. Auf einen Königssohn! Aber eben - auf den anderen! Ihr wisst schon: Den, für den ein Futtertrog gut genug sein musste.
Herodes macht keine gute Figur. Gute Miene zum bösen Spiel? Am Ende wird er nicht einmal sein Gesicht retten können - als Kindsmörder geht er in die Geschichte ein und offenbart das hässliche Gesicht von Macht und Machtmissbrauch. Überraschend ist diese Offenbarung nicht. Wir könnten die Geschichten unschuldiger Kinder (und Erwachsener) in einer fast schon endlosen Reihe dazu tun.
Historisch tut man Herodes Unrecht - er war ein Liebhaber großer Bauwerke und schöner Kunst. Dass er sich die Finger schmutzig gemacht hat, ist nicht überliefert. Aber er steht in dieser Geschichte als Repräsentant da. Als Repräsentant einer Macht, die über Leichen geht. Der nichts heilig ist. Die selbstverliebt Menschen ausnutzt und zur Beute macht. Am Ende tut der Name nichts zur Sache. Herodes, von der Nachwelt ehrfürchtig "der Große'" genannt, wird zu einem Spiegel.
Wir sehen, wie sich die Finsternis über die Welt legt. Sogar die Sterne werden verdunkelt. Jede kleine Hoffnung soll verkümmern. Es ist, als ob nichts wachsen, nichts groß werden soll. Die Bitte, Gott selbst möge kommen und in seiner Herrlichkeit erscheinen, macht Epiphanias zu einem Fest der Sehnsucht.
Eine Sehnsucht zu spüren, tut gut. Dann sind wir offen und warten noch - ohne alles sicher zu verstauen, zu verklären, in Mogelpackungen zu verkaufen. Aber kommen Sie doch mit - wir besuchen einmal Korinth. Ein Ort, der von den Weisen aus dem Morgenland vertreten wird. Beim neugeborenen König.
Mit der Zeit war in Korinth, einer bedeutenden antiken Hafen- und Handelsstadt, Umschlagplatz vieler kostbarer Waren und aufregender Gedanken, eine kleine christliche Gemeinde entstanden. Dass die Leute aufgeweckt waren, merkten alle ganz schnell. Dass sie gerne diskutierten (und auch stritten), gereichte ihnen zur Ehre. Aber sie zogen Grenzen untereinander, bildeten Lager und spielten mit Trennungen. Das brachte die kleine Gemeinde an den Rand des Ruins. Die Krönung war, dass sich alle ein Urteil darüber zutrauten, wer Gott richtig versteht - und eben auch richtig zu ihm gehört.
Paulus, der die Gemeinde gegründet hat, schrieb ihr sogar einen "Tränenbrief", steht aber wie ein Depp da. Es ist nichts Königliches an ihm: er sieht nicht gut aus, er hat eine piepsige Stimme und was er sagt, ist glanz- und schnörkellos. In Korinth ist man Größeres und Besseres gewohnt. Nein, aus Korinth wären die Weisen aus dem Morgenland nicht nach Bethlehem aufgebrochen, eher hätte man sie bei sich erwartet - und sich mit ihnen geschmückt.
Wenn es nur um Animositäten ginge - wir könnten diese Geschichte abhaken. Aber in Wirklichkeit stand nichts Geringeres auf dem Spiel, als das Evangelium, dass Gottes Nähe und Liebe zu allen Völkern bringt.
Aber hören wir, was Paulus den Korinthern geschrieben hat:
"Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi." (2 Kor. 4,3-6)
Paulus zitiert die Schöpfungsgeschichte, die Geschichte vom "Ersten Tag": Gott, der am 1. Tag der Schöpfung das Licht hervorgebracht hat, macht unsere Herzen hell - um anderen Menschen Licht zu schenken. Paulus, missverstanden und kleingemacht, bringt auf den Punkt, was mit Jesus in die Welt gekommen ist - eben auch nach Korinth. Die Herrlichkeit Gottes ist in dem Angesicht Jesu Christi zu erkennen. Durch uns. . . Ob Streit, Entzweiung, Rechthaberei - und sei es im Namen der größten Wahrheit - Licht bringt?
Es ist nicht bekannt, was die Leute in Korinth über die kleine christliche Gemeinde in ihren Mauern gesagt - oder auch nicht gesagt haben. Ob sie eine Sehnsucht verspürten?
Nein, Herodes muss nicht für alles herhalten!
Manchmal sehen wir im Dunkeln Gespenster. Manchmal schicken wir die Gespenster auch durch die Gemeinde. Sie heißen: Angst. Verzagtheit. Selbstgenügsamkeit. Ob die verwöhnten Ohren in Korinth davon hörten? Auch nur zuhören wollten? Ich weiß es nicht. Aber ich sehe unter uns die Angst umgehen, als Kirche nicht mehr anerkannt zu werden, immer mehr an Bedeutung zu verlieren und auch substantiell zu verarmen. Ich nehme auch die Verzagtheit wahr, in dieser Situation überhaupt noch Glauben zu bekennen, für das Evangelium ein gutes Wort zu haben und mit Menschen eine Hoffnung zu teilen. Bei mir selbst entdecke ich manchmal, wie ich mich mit der Binnenstruktur unserer Gemeinde - wir könnten sie auch Ghetto nennen - zufrieden gebe.
Aber dann werden draußen die Hoffnungsgeschichten nicht mehr erzählt, die Geschichten, die verschlossene Biographien öffnen und gute Wege wissen. Wenn sie fehlen, womöglich nicht einmal vermisst werden, feiern die Gespenster - ein Fest.
Rainer Maria Rilke hat in dem Zyklus: Mir zur Feier (1909 - also vor 100 Jahren) einmal geschrieben (Die Gedichte, itb2246, Frankfurt und Leipzig 1998, S. 147):
Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
Sich viele Blüten schenken lassen … Leise aus den Haaren lösen … Seine Hände hinhalten...
Paulus spricht von dem hellen Schein, den Gott in unsere Herzen gegeben hat. Es ist der helle Schein des Evangeliums selbst - die Liebe Gottes, seine Treue. Herzen, die um die dunklen Seiten am besten wissen, die auch die Ecken schützen, die das Licht scheuen, werden verwandelt, neu gemacht, befreit. Trotz vieler Worte: am Ende ist es immer nur das eine Wort, das mich für das Leben fit macht: Ich liebe dich.
Die, die nur als Schatten leben können, treten ins Licht hinaus, werden gesehen, angenommen, geliebt.
Und die, die über alles Schatten legen, Freiheit unterdrücken und Angst machen, verlieren den Schutz der Dunkelheit.
Die Gespenster - Angst, Verzagtheit und Selbstgenügsamkeit - werden sich nicht mehr an unseren Tisch setzen, sich nicht mehr zu uns ins Bett legen, uns nicht mehr gefangen nehmen. Dass die Herrlichkeit Gottes aufgeht - darauf haben die Menschen lange gewartet. Ich auch …
Kommt, lasst uns Korinth wieder verlassen. Den Umschlagplatz mit den großen Ideen, Reden und Wortfetzen.
Wenn kluge Leute - wie die Weisen - sich auf einen langen und beschwerlichen Weg machen, wissen sie, was sie suchen - und finden - müssen, um auf ihre Kosten zu kommen. Sie haben aber nur einen Stern, dem sie folgen können. Also: in unseren Augen - nichts. Was sie wohl gesagt haben, als sie aufbrachen? Zurückkamen? Wir erfahren nicht mehr als ihre große Freude, ihr Glück.
Der 6. Januar ist ein besonderer Tag. An ihm feiern wir die Erscheinung Christi. Seine Herrlichkeit. Für die orthodoxen Christen ist der 6. Januar seit alters her das Weihnachtsfest. Bei uns hat sich der 24. Dezember als Tag der Geburt Jesu durchgesetzt. Nicht, dass Jesus am 24.12. geboren wäre, aber seine Geburt heiligte die Sonnenwende. Ein alter, wichtiger Tag im Leben der Menschen durfte jetzt den neuen Anfang verkünden, der mit der Geburt Jesu geschenkt war.
Die Geschichten aber, die an diesem Tag gelesen wurden, erzählten von der Niedrigkeit, von der Niedrigkeit Marias, von der Niedrigkeit Jesu, von der Niedrigkeit Gottes. Man hörte und spürte, man feierte und besang - wie Gott in die Nacht kommt.
Heute, am 6. Januar aber, hat der Ton einen neuen Klang bekommen. Der, der sich klein gemacht hat, der sich den Kleinen zuwandte, der das Geringe annahm - ist in seiner Herrlichkeit und Schönheit sichtbar.
In seinem Glanz werden Menschen hell, werden Gesichter leuchtend, werden (Lebens)Geschichten klar. Menschen treten aus dem Schatten heraus, von ihnen geht Hoffnung aus, an ihrem Freimut beißt sich das Finstere die Zähne aus.
Matthäus hat übrigens seinem Evangelium einen besonderen Rahmen gegeben: Erst kommen die Weisen, stellvertretend für die Völker, zu Jesus - dann, am Ende, schickt der Auferstandene seine Jünger in alle Welt.
"Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Mt. 28,18-20).
Die große Welt: Das sind Korinth, Göttingen, Aachen … Selbst in den entlegensten Ecken soll der Glanz des Herrn aufgehen. Wie ein Stern.
Ich denke an die Weisen aus dem Morgenland. Sie waren sehr mutig. Ich mag sie sehr. Ich nenne sie heute sogar: Heilig.
Martin Behm hat 1606 die Bitte formuliert:
Du wollst in mir entzünden, dein Wort, den schönen Stern,
dass falsche Lehr und Sünden sein meinem Herzen fern.
Hilf, dass ich dich erkenne und mit der Christenheit
dich meinen König nenne jetzt und in Ewigkeit.
Und der Friede Gottes,
der einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben hat,
bewahre unsere Sinne
in Christus, unserem Herrn
Verschiedene Legenden ranken sich um die Erzählung, die wir soeben gehört haben: Aus den "Sterndeutern aus dem Osten" wurden "die heiligen drei Könige", die mit feierlichem Tross, mit Dienern und Elefanten und Pferden nach Bethlehem ziehen. Die drei werden in manchen Darstellungen verschiedenem menschlichen Alter zugeordnet: ein junger König als Vertreter der Jugend, ein König im besten Alter als Vertreter der Erwachsenen, ein alter König als Vertreter der Älteren. Oder die drei werden bestimmten Kontinenten zugeordnet: ein schwarzer, ein weißer und ein gelber König sind auf Darstellungen zu sehen. Der Ausgestaltung in Krippendarstellungen sind keine Grenzen gesetzt. Und wir begegnen in diesen Tagen auf unseren Straßen den Sternsingern: drei Ministranten oder Ministrantinnen im Gewand der drei Könige, voraus der Sternträger. Sogar eine Partei nennt ihr Jahrestreffen "Dreikönigstreffen". Dann gibt es die Geschichte vom vierten König, dem kleinen König, der den Dreien folgt, aber überallhin zu spät kommt, weil er den Menschen, die er trifft, Gutes tut. Er kommt erst nach Jerusalem, da Jesus am Kreuz hängt. Edzard Schaper hat diese Erzählung eindrucksvoll ausgestaltet.
Die Erzählung, um die sich solche Legenden ranken, steht im Matthäus-Evangelium. Der Verfasser des Matthäusevangeliums beginnt sein Buch mit dem "Stammbaum Jesu". Wörtlich hört sich das so an: "Buch des Ursprungs Jesu, des Gesalbten, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams". Der, von dem das Evangelium handelt, ist Jude, ist Gesalbter, kommt von David, kommt von Abraham. Und das Evangelium des Matthäus endet mit dem Wort Jesu "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden", dem Auftrag Jesu an die Jünger, zu allen Völkern zu gehen, und der Vergewisserung Jesu, dass er alle Tage bei ihnen sein werde, bis zum Ende der Welt (vgl. Mt 28,19f).
Der Jude Jesus ist das Heil für alle Völker: über allen Völkern soll die Herrlichkeit des Herrn, die in ihm gegenwärtig ist, aufstrahlen. Das wird am Ende deutlich. Aber es steckt schon im Anfang. Das heutige Evangelium verkündet es uns.
Die immer wieder faszinierende Erzählung aus dem Matthäus-Evangelium hören wir heute zum Epiphaniefest: Jesus wird offenbar, "erscheint". Er ist der heimliche König Israels. Die Heiden, repräsentiert durch die Sterndeuter alias Könige aus dem Osten haben ihn erkannt. Ihnen ist er bereits "erschienen". Sie haben ihm als König Israels und ihrem König gehuldigt. "Epiphanie" bedeutet in römischer Zeit: Ankunft des Herrschers, sein glückverheißender Einzug in die Stadt. Nach Jesaja 60,1-6, unserer heutigen Lesung, geht über Jerusalem der Herr auf. Der Herr zieht in die Stadt Jerusalem ein: "Über dir leuchtet der Herr auf". Der Herr ist Licht. Zu diesem Licht ziehen die Völker. Die Völker ziehen nach Jerusalem, um beim Herrn zu sein. Das hat sich mit der Geburt Jesu erfüllt und ist durch die Ankunft der Sterndeuter aus dem Osten offenbar geworden.
Die Gemeinde, in der der Verfasser des Matthäus-Evangeliums gelebt hat, war vermutlich eine Gemeinde aus Juden und Heiden. Sie war sich bewusst, dass Jesus der Gesalbte, der König Israels, und zugleich oder vielmehr gerade so der Ersehnte der Völker, also auch der Nicht-Juden, ist. Im Epheserbrief heißt es: "Jetzt ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden: dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium" (Eph 3,5f). Jesus hat nicht nur mit Israel zu tun, sondern mit der ganzen Welt. Jesus ist nicht nur in der Davidstadt angekommen, sondern in der Welt!
Bei bestimmten Gelegenheiten leuchtet das in besonderer Weise auf. So schrieb mir eine junge Frau nach ihrer Teilnahme am Weltjugendtag in Sydney: "Während der Messe mit den vielen zehntausend Jugendlichen spürte ich die Gemeinsamkeit, die uns alle verband: unser Glaube an Jesus Christus, geführt vom Heiligen Geist".
Die Sterndeuter aus dem Osten, die vom Stern geführten Vertreter der Völker, "wurden von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm". Wo können Menschen von heute "das Haus mit dem Kind und Maria" finden? Dort, wo christliche Gemeinden heute leben!
Können sie auch hier dieses Haus finden, bei uns, die wir das Fest seiner Erscheinung feiern?
Das heutige Fest hat verschiedene Namen. Der offizielle Name ist "Erscheinung des Herrn". Jesus Christus wird als Heiland nicht nur der Juden sondern aller Völker offenbar. Der alte volkstümliche Name lautet "Fest der heiligen drei Könige". Dieser Name macht uns bewusst, dass Menschen aus allen Völkern auf der Suche nach Gott sind.
Nachdem heute auch viele Christen in ihrem Glauben verunsichert sind oder ihn verloren haben, wollen wir heute unsere Aufmerksamkeit auf die Suche nach dem christlichen Glauben lenken.
Alfred Delp stellt zur Weihnachten 1944, kurz vor seiner Hinrichtung über die religiöse Situation unserer Zeit eine harte Diagnose: "Unserer Leben ist gottlos geworden im Sinn der Leere: Gott ist nicht mehr bei uns - und im Sinn der Haltung: Gott wird übersehen, geleugnet, ihm jeglicher Anspruch über das Leben verweigert. Wir sind nicht nur Gottes nicht mehr teilhaft, wir sind nicht nur Gottes nicht mehr willig und bedürftig, wir sind Gottes nicht mehr fähig. Das sind die sehr harten Sätze über unser Leben. Aber sie stimmen bisher. Es geht nicht darum, diese Sätze zu beweisen. Die beweist jeder Tag". (Im Angesicht des Todes S.91).
In der Meditation der "Gestalten der Weihnacht" findet Alfred Delp eine Möglichkeit ausfindig zu machen, unter welchen Voraussetzungen der Mensch von heute wieder gottfähig werden kann. "Weihnachten ist das Geheimnis der Begegnung. Grundsätzlich und tatsächlich gilt dies. Die Menschen, die in den lebendigen Lebensstrom dieser Begegnung gerieten, gerufen oder gerissen wurden, können uns die menschlichen Voraussetzungen sagen, sehen lassen, unter denen der Mensch von Gott rufbar und ansprechbar wird. Und darum geht es: wieder von Gott rufbar und ansprechbar, Gottes wieder fähig zu werden".
Wie der Mensch von Gott rufbar und ansprechbar werden kann, zeigt Alfred Delp an den verschiedenen Gestalten der Weihnacht so auch am Beispiel der drei Weisen aus dem Morgenland: "Es sind dies die Menschen mit den unendlichen Augen. Sie haben Hunger und Durst nach dem Endgültigen. Richtig Hunger und Durst. Sie sind der entsprechenden Entschlüsse fähig. Sie ordnen das Leben seinen Endgültigkeiten unter. Suchende, fahrende Menschen sind sie geworden, weil sie dem inneren Ruf und dem äußeren Zeichen - das sie ohne den innerlichen Hunger und die gespannte Wachheit nie bemerkt hätten - mehr glaubten als der sicheren und behaglichen Sesshaftigkeit. Sie sehen tiefer und begreifen das Endgültige. Hundert Nöte des Geistes und Herzens haben sie zum Glauben befähigt und zur Anbetung geweiht". (S.97/98)
<//span><//span> Ähnlich sieht auch Papst Benedikt XVI in seiner Predigt in Mariazell den Weg zum christlichen Glauben: "Der Aufbruch zum christlichen Glauben, der Anfang der Kirche Jesu Christi, ist möglich geworden, weil es in Israel Menschen des suchenden Herzens gab - Menschen, die sich nicht in der Gewohnheit einhausten, sondern nach Größerem Ausschau hielten: Zacharias, Elisabeth, Simeon, Anna, Maria und <personname w:st="on"></personname>Josef</personname><//personname>, die Zwölf und viele andere. Weil ihr Herz wartete, konnten sie in Jesus den erkennen, den Gott gesandt hatte, und so zum Anfang seiner weltweiten Familie werden. Die Heidenkirche ist möglich geworden, weil es sowohl im Mittelmeerraum wie im Vorderen und Mittleren Asien, wohin die Boten Jesu kamen, wartende Menschen gab, die sich nicht mit dem begnügten, was alle taten und dachten, sondern nach dem Stern suchten, der sie den Weg zur Wahrheit selbst, zum lebendigen Gott weisen konnte".
"Dieses unruhige und offene Herz brauchen wir. Es ist der Kern der Pilgerschaft. Auch heute reicht es nicht aus, irgendwie so zu sein und zu denken wie alle anderen. Unser Leben ist weiter angelegt. Wir brauchen Gott, den Gott, der uns sein Gesicht gezeigt und sein Herz geöffnet hat: Jesus Christus".
Was hier Alfred Delp und der Papst sagen, ist für alle Christen aktuell. Wir alle sind auf dem Weg und nicht am Ziel. Aus den angeführten Texten ergeben sich einige Grundsätze, wie wir erneut zum christlichen Glauben aufbrechen können.
Wir dürfen uns nicht in Gewohnheiten einhausen; uns nicht zufrieden geben, mit einer sicheren und behaglichen Sesshaftigkeit. Es reicht nicht aus, irgendwie so zu sein und zu denken, wie alle anderen.
Wir sollen Menschen suchenden Herzens werden. Wir müssen Ausschau halten nach dem Größeren. Wir brauchen den Hunger und den Durst nach dem Endgültigen. Wir brauchen ein offenes und unruhiges Herz, das uns drängt zu suchen und zu fragen.
Wir können aber nicht allein, aus eigener Kraft zum christlichen Glauben aufbrechen; wir brauchen ähnlich den drei Weisen den "Stern", der uns das Kommen Gottes ankündet.
Es bedarf der Menschen, die uns die Botschaft von Weihnachten verkünden.
Auf dem Weg zum christlichen Glauben auch auf dem Weg zu einem vertieften christlichen Glauben können wir ähnlich den Weisen aus dem Morgenland auf Hindernisse stoßen.
Der Weg kann durch Wüsten führen; der Stern, der uns führt, kann entschwinden. Es bedarf des Mutes und der Geduld. Aber wir dürfen hoffen, ähnlich den drei Weisen ans Ziel zu gelangen. Bitten wir, dass allen, die auf der Suche sind, diese Gnade geschenkt wird.
Weihnachten und Neujahr! - Hochsaison für Kaffeesudleser und Sterndeuter aller Art. Uralt ist das Verlangen der Menschen von einem Orakel, aus Karten oder aus den Sternen ihr Schicksal abzulesen, ihre Zukunft zu deuten. In der Pfarre Breitenfeld und in Europa machen es vor allem junge Leute anders: Sie nehmen selbst den Stern in die Hand und wollen mit ihrem Licht, zugleich auch in Erinnerung an die Menschwerdung Jesu, hinleuchten auf all jene, die ihr Leben unter keinem guten Stern verbringen. Der Stern von Bethlehem soll zu mehr Gerechtigkeit, auch irdischer Gerechtigkeit führen.
Die westliche Volksfrömmigkeit stellt die drei Magier, die magoí, höchstwahrscheinlich Wissenschafter, babylonische Astrologen als "Drei Könige" dar. Auch das hat eine tiefe Bedeutung, denn so sagt es bereits der erste Petrusbrief, jeder Mensch hat eine königliche Würde. Auch Jesus ist "gesalbt zum Priester, König und Propheten in alle Ewigkeit."
So wird dieses Fest auch eine Anfrage an uns, wie wir untereinander und weltweit mit dieser königlichen Würde, die jedem Menschen in der Taufe zugesprochen wird, umgehen. Wie verträgt sich die königliche Würde mit der Gewalt an Schwachen, Wehrlosen, Kindern etc.? Wie verträgt sich königliche Würde mit der Ausbeutung von Arbeitskräften, mit der Kürzung oder gar Vorenthaltung des gerechten Lohnes? Wie verträgt sich königliche Würde jedes einzelnen Menschen mit der Tatsache, dass auch hier in Österreich die viel zitierte "Schere von Arm und Reich" immer weiter auseinander geht und selbstverständliche Dinge, wie Wohnung, ausreichend Nahrung zunehmend schwieriger leistbar sind, dass es viele "working poor" gibt, also Menschen, die mehreren Beschäftigungen nachgehen, weil sie ein Beruf allein nicht mehr ernährt?
In der Weihnachtszeit stellen uns die Evangelien zweimal Menschen auf der Suche vor: das einemal sind es die Hirten, die den Weg zur Krippe suchen und finden, heute begegnet uns eine ganz andere soziale Schicht, die so genannten "Heiligen Drei Könige". Auch sie müssen den neugeborenen König erst finden. Beide, Hirten und Könige, stehen für den suchenden Menschen, der Orientierung braucht und auf der Suche nach Sinn ist. In jedem menschlichen Leben gibt es so manchen Irrweg und auch manches Irrlicht. Die Situation wird dann gefährlich, wenn man sich permanent blenden lässt oder aufhört sich zu bewegen, aus Müdigkeit, Verzweiflung, aus Traurigkeit resigniert.
Der griechische Kirchenlehrer Gregor von Nazianz (329-390) sagt, "dass in dem Augenblick, in dem die vom Stern geführten Magier den neuen König Christus anbeteten, das Ende der Astrologie gekommen war." (Gregor v. Nazianz, Poem. dogm., V, 53-64: PG 37, 428-429). Die Kirche beäugte von Anfang an die Astrologie mit Skepsis. Denn Astrologie kann durch ihre Verführung, durch Neugier, die sie auslöst, durch falsche Hoffnung, die sie möglicherweise zu schüren vermag, durch Ängste, die daraus entstehen können, zur Prognose, zur Wahrsagerei werden. Gefährlich wird es für alle die, die ihre Lebensplanung davon abhängig machen oder ihr Vertrauen schenken.
Zu fragen ist auch, wie weit der Umgang mit der Astrologie dem Ersten Gebot von der uneingeschränkten Souveränität Gottes entspricht. Sich auf innerweltliche Heilslehren und Machbarkeitsphantasien zu verlassen, führt in die Irre, ist Fata Morgana.
Vertrauen wir also mehr dem Wort des Paulus, wenn er sagt, dass weder Engel noch Mächte, weder Gewalt in der Höhe noch in der Tiefe uns von der Liebe Christi scheiden können. (Kol.1,16ff.)
Der Stern von Bethlehem führt in die Geborgenheit Gottes, er zeigt den Hirten, den "Drei Königen", allen Völkern und Generationen immer wieder neu den Weg dorthin. Er leuchtet für ein friedliches Miteinander. Er strahlt für Gerechtigkeit, er führt hin zu erfülltem Leben. Der Stern der Liebe verändert die Welt, wenn wir bereit sind, ihm zu folgen. - Amen. <//span>
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist das Licht, das allen Völkern erschienen ist.
Herr, erbarme dich.
Du hast die Finsternis und die Dunkelheit,
welche die Erde bedeckte, vertrieben.
Christus, erbarme dich.
Alle Völker wandern zu deinem Licht
und zu deinem strahlenden Glanz.
Herr, erbarme dich.
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
GL 524: Gott des Vaters ewger Sohn
Oder:
Herr,
wir legen weite Wege zurück.
Oft ist viel Nacht um uns. Wir sehen keinen Stern.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du bist das Licht.
Unsere Sackgassen und Irrwege machst du hell.
Christus, erbarme dich.
Herr,
zu dir kommen Weise und Könige.
Hilf uns aufzubrechen und gehen zu dir.
Herr, erbarme dich.
Allherrschender Gott,
durch den Stern, dem die Weisen gefolgt sind,
hast du am heutigen Tag
den Heidenvölkern deinen Sohn geoffenbart.
Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt.
Führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner Herrlichkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Erscheinung des Herrn, Hl. Dreikönige
Allmächtiger, gütiger Gott,
du hast uns deinen Sohn geschickt
als das Licht der Welt.
Laß uns den rechten Weg erkennen
und führe uns zur Erkenntnis der Wahrheit
und zur Fülle des Lebens.
Durch Christus, unseren Herrn.
Allmächtiger Gott,
nimm die Gaben deiner Kirche an.
Sie bringt nicht mehr Gold, Weihrauch und Myrrhe dar,
sondern er, den diese Gaben bezeichnen,
wird für uns geopfert und uns zur Speise gegeben,
unser Herr Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Erscheiung des Herrn
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers: GL 408: Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn…
Oder: GL 141: Auf, lasst uns jubeln dem Herrn, vor sein Angesicht kommen mit Dank.
Oder: GLÖ 929,2: Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn.
Wir sagen dir Dank, guter Gott und Vater,
dass du über den Menschen,
die in Finsternis lebten und im Dunkel ihren Weg gingen;
dein Licht hast aufstrahlen
und alle Völker deine Herrlichkeit hast schauen lassen.
Kehrvers
Aus deinem auserwählten Volk Israel
hast du Jesus von Nazareth als Messias hervorgehen lassen.
Er ist zum Hirten des neuen Gottesvolkes geworden,
das er aus allen Stämmen und Völkern zusammenruft.
Kehrvers
Durch ihn sind auch wir Miterben deines Reiches,
durch ihn gehören auch wir zu demselben Leib,
durch ihn haben auch wir Anteil an derselben Verheißung.
Kehrvers
So bringen wir dir mit allen Völkern unseren Lobpreis dar,
beugen wir vor dir unsere Knie
bringen wir dir unsere Gaben
und singen wir mit allen Engeln und Heiligen:
Danklied, z. B. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn heute enthüllst du
das Geheimnis unseres Heiles,
heute offenbarst du das Licht der Völker,
deinen Sohn Jesus Christus.
Er ist als sterblicher Mensch auf Erden erschienen
und hat uns neu geschaffen
im Glanz seines göttlichen Lebens.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Erscheinung des Herrn
Gott hat den Weisen den Stern geschickt, der sie zu seinem Sohn führte. Lasst uns in diesem Zeichen gemeinsam das Gebet sprechen, welches uns Christus selbst gelehrt hat.
Einleitung zum Friedensgruss:
Als sie an der Krippe angekommen waren, erfüllte Frieden das Herz der Sterndeuter. Mögen auch wir erneut Frieden erfahren: Mit uns selbst, in den Familien und Gemeinschaften und zwischen den Völkern. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus, du Licht der Völker, du Grund für Frieden, schaue nicht auf unsere Sünden...
Wir danken dir, allmächtiger Gott,
für die heiligen Gaben
und bitten dich:
Erhelle unsere Wege mit dem Licht deiner Gnade,
damit wir in Glauben und Liebe erfassen,
was du uns im Geheimnis der Eucharistie geschenkt hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Erscheinung des Herrn
Die Gaben der Weisen aus dem Morgenland, waren damals kostbarste Güter. Mit Rauch, Harzen und verführerischem Glanz prägen sie bis heute die Rituale der Kirche.
Sterndeuter wollten wir sein
den richtigen Weg finden
die eine Wahrheit suchen -
rein wie Gold
das Gebet finden -
heilsam wie Weihrauch
bittere Myrrhe des Leidens
in Tränen verwandeln
ankommen wollten wir
im Geheimnis des Lebens.
Aus: Ilse Pauls: Worte am Weg. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, Stolzalpe 2013.
Als ein behutsam Licht
Stiegst du von Vaters Thron.
Wachse, erlisch uns nicht,
Gotteskind, Menschensohn!
Sanfter, wir brauchen dich.
Dringender war es nie.
Bitten dich inniglich,
Dich und die Magd Marie -
König wir, Bürgersmann,
Bauer mit Frau und Knecht:
Schau unser Elend an!
Mach uns gerecht!
Gib uns von deiner Güt
Nicht bloß Gered und Schein!
Öffne das Frostgemüt!
Zeig ihm des andern Pein!
Mach, daß nicht allerwärts
Mensch wider Mensch sich stellt.
Führ das verratne Herz
Hin nach der schönen Welt!
Frieden, ja, ihn gewähr
Denen, die willens sind.
Dein ist die Macht, die Ehr,
Menschensohn, Gotteskind.
Josef Weinheber in: Gebete der Dichter. Große Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten ausgewählt von Alois Weimer. Patmos Verlag, Düsseldorf 2006.
Lang ist's her
Sie hatten seinen Stern gesehen, die drei. Doch das war lange her. Sie hatten seinen Stern gesehen ... Der hatte sie vom Stuhl gerissen und aus den Matratzen. Aufbruch im Morgengrauen des Lebens. Sie hatten sich auf den Weg gemacht. Doch den hatten sie sich ganz anders vorgestellt: gradliniger, einfacher, klarer und zielstrebiger, nicht über Autun oder Limburg, sondern direkte Luftlinie nach Bethlehem. Und nun liegen sie da am Boden und schlafen, alle unter einer Decke, damit sie nicht frieren - ohne Heizung.
Man kann ja auch wirklich müde werden und verzweifeln. Ständig kam etwas dazwischen: Päpstliche Instruktionen, Verordnungen im Amtsblatt, Skandal unter den Getreuen ... Von den immer gleichen Problemen gar nicht zu reden: Die Leute sind stur, kapieren's nicht, wollen ewig alles beim Alten lassen ... Und dann ging auch noch das Geld aus.
Sie hatten einen Stern gesehen. Doch das war lange her. Und der eine war müde geworden, und der andere war frustriert, und der Dritte war einfach sauer und wütend zugleich. Und alle drei hatten sie Blasen an den Füßen und waren lahm geworden. Die Jüngsten waren sie ja schließlich auch nicht mehr. Sie gingen weiter, weil sie halt mal gegangen waren, der Macht der Gewohnheit folgend, nicht dem eigenen Triebe. Die Vision des Aufbruchs war längst auf der Strecke geblieben.
Sie hatten einen Stern gesehen. Aber darüber redeten sie schon lange nicht mehr miteinander; es wäre ihnen fast peinlich gewesen, das Gespräch darüber war versickert. Andere Themen hatten sich aufgedrängt: Wer und was sich alles bei den anderen ändern müsste; wo man wirklich sparen könnte, und was einem alles nicht passt, überhaupt und so.
So kam es, dass sie irgendwann alle drei unter einer Decke steckten auf einer bequemen Matratze, irgendwo in Frankreich. Burgund ist das schlechteste nicht - der Wein, der Käse ... Da kann man's zunächst einmal aushalten. Bitte nicht stören!
Der störende Engel
Wenn da nicht dieser Engel wäre, der die Schlafenden energisch anstupst. Er zeigt auf den Stern. Entschuldigt, sagt er, wenn ich störe, da war doch noch etwas. Da war doch ein Stern, erinnert euch, der hatte euch nicht in Ruhe gelassen. Der hatte euch vom Stuhl gerissen und aus den Matratzen. Ihr wolltet nicht einfach so weitermachen ...
Ja, ja, schon gut, sagt der eine unter der Decke und macht nicht mal die Augen auf. Stern, Engel - da kann ja jeder kommen. Er dreht sich um und schläft weiter.
Lass mich in Ruhe mit dem Stern, sagt der andere unter der Decke. Ich bin in meinem Leben schon vielen nachgelaufen. Ich habe schon so viele Aufbrüche zusammenbrechen gesehen, von kirchlichen Ordnungen und Instruktionen ausgebremst. Verschone mich mit solchen Sternen. Ich hab meine Decke, basta!
Einer von den dreien hat die Augen aufgemacht. Nicht dass er den Stern noch im Blick hätte. Er schaut in eine ganz andere Richtung. Aber die Augen hat er immerhin aufgeschlagen. Der Engel stupst ihn an: Schau mal, der Stern! Du brauchst bloß den Kopf zu drehen, umzukehren. Ganz nah ist er bei dir, der Stern. - Die drei bleiben liegen ...
Mensch Engel, was nun? Was willst du jetzt tun? Ziehst du den dreien die warme Decke weg? Sie werden dich zum Teufel wünschen und sich endgültig in die Ofenecke verkriechen. Mensch Engel, überleg's dir.
Noch ist nicht aller Tage Abend
Es gab einmal den Tag, da haben wir seinen Stern gesehen. Es gab einmal den Tag, da hat's uns von den Stühlen gerissen und wir sind aufgebrochen. Und schließlich sind wir immer noch dabei, wie auch immer. Mag sein, dass wir uns zur Ruhe gesetzt oder gelegt haben und denken: Sternzeiten, das war einmal, das ist lange her. Aber noch sind - hoffentlich - die Augen offen, und irgendwie, lahm oder angeschlagen, sind wir immer noch auf dem Weg. Innen drin, ganz tief im Herzen ahnen wir vielleicht, dass der Stern uns gar nicht so fern ist. Wenn uns doch nur ein Engel anstupsen würde: Schau her, mach die Augen auf! Kehr dich um! Dein Stern, ganz nah, ganz nah ...
Von den drei Magiern heißt es im Evangelium, dass sie auf dem Weg geblieben sind. Mehr noch: Sie haben sich nicht einmal im Palast des Herodes länger aufhalten lassen, obwohl es dort molligere Polster und Decken gab als in Autun. Und schließlich sind sie noch rechtzeitig angekommen in Bethlehem, alle drei. Alle Achtung!
Noch ist nicht aller Tage Abend - das neue Jahr fängt gerade erst an. Und - man soll die Hoffnung nicht aufgeben, mit der Kirche nicht, mit unserer Gemeinde nicht, und nicht - jeder und jede hier - mit sich selbst.
Aus: Franz Kamphaus, Gott beim Wort nehmen. Zeitansagen. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2006.

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