Als Christen haben wir nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, uns in die Politik einzumischen. Jesus nennt seine Jünger »Salz der Erde« und »Licht der Welt«.
„Soll sich die Kirche in die Politik einmischen?“ Diese Frage höre ich immer wieder. Wenn ich über diese Frage nachdenke, dann kommt mir eine andere Frage: Was ist überhaupt Politik? Politik – da denken wir doch alle erst einmal an die Parteien, an die Machthaber dieser Welt, an die Staatregierungen, an den Bundestag. Politik aber heißt noch für mich viel mehr. Politik hat mit der Gestaltung der Welt und auch des Zusammenlebens zu tun. Jede kleinste Entscheidung in einem Gremium ist schon Politik. Wenn sich in der Einrichtung, in der ich als Seelsorger tätig, sich der Hausbeirat zusammensetzt, wenn die Mitarbeitervertretung Beschlüsse fasst, dann ist das Politik. Es soll zum Wohle der Hausbewohner der Einrichtung entschieden werden. Ihre Lebensbedingungen sollen sich bessern. Das Handeln dieser Menschen, die sich einsetzen, soll Hoffnung schenken.
Ja, die Kirche soll sich in die Politik einmischen. Die Christen sollen sich einbringen in die Welt, in das Leben der Mitmenschen. Denn Jesus nennt uns, die wir seine Freunde sind, Licht der Welt und Salz der Erde. Zuerst meint das: den Glauben, die frohe Botschaft zu verkünden. Es bedeutet, ein Zeugnis geben von seinem eigenen Glauben. Dieses Zeugnis geschieht in Wort und in der Tat, in der Weise, wie ich lebe. Wir haben unseren Glauben nicht für uns selbst, zur eigenen Erbauung. Wir haben unseren Glauben, dass wir diese Welt ein wenig heller machen, schmackhafter für die Mitmenschen.
Schauen wir uns die Bildworte an, mit denen Jesus das ausdrückt. Da ist das Bild vom Licht der Welt. Licht, ganz gleich ob es das Sonnenlicht meint, oder das Kerzenlicht oder das elektrisch erzeugte Licht – das Licht ist nicht wegzudenken. Ohne Licht könnten wir nicht leben. Es gäbe kein Sauerstoff. Pflanzen, die nicht genug Licht bekommen, gehen ein. Ohne Licht bliebe es dunkel. Nur, wenn das Licht sich verschenkt, dann kommt es zu seinem wahren Sinn. Dann ist es nicht zwecklos. Es gibt vieles, was das Leben der Mitmenschen schwer macht. Es gibt viele Menschen, die in der Dunkelheit leben: sie werden nicht gemocht, sie sind einsam, krank. Sie sehen in ihrem Leben keine Perspektive. Alles kommt ihnen so sinnlos vor. Ihr Leben wird zerstört, behindert, durch Kriege oder durch Arbeitslosigkeit. Sie brauchen andere, die ihnen Mut machen, sie aufrichten, ihnen beistehen. Es gibt Menschen, die suchen nach dem Sinn des Lebens. Sie sind ohne Orientierung und ohne Halt. Sie brauchen Menschen, die vom Glauben erzählen, von dem, was ihnen der Glaube an Gott schenkt.
Menschen, die an Gott glauben, können auf vielerlei Weise »Licht« sein. Jesaja zeigt Wege auf. „Teile den Hungrigen dein Brot aus, nimm den obdachlosen Armen in dein haus auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und entziehe dich nicht deinen Verwandten…“ Das sind Taten, die für viele gute Taten stehen. So wie Licht dort seinen Sinn findet, wenn es Räume heller macht, so werden wir erst dann zu Christen, wo wir für andere leben. Wir sind darauf ausgerichtet, nicht einfach nur für uns selbst zu leben.
Das zeigt vor allem auch das Bild vom Salz der Erde. Ohne Salz wären viele Speisen nicht schmackhaft, wären fahl. Andererseits aber darf auch nicht zu viel Salz gegeben werden. Es muss dezent gestreut werden. Salz hat den Sinn, die Speisen zu würzen. Es ist nicht nur für sich selbst da. Allein ist Salz wertlos. Auch Salz hat nur dann Sinn, wenn es für etwas verwendet wird. Wir sind alle Christen, nicht für uns, sondern für andere. Wir sind Christen, in dem wir für andere leben. Oft geschieht das unscheinbar, im Stillen, im Kleinen. Das ist das Bild für Salz, das eben ganz dezent gestreut werden muss. Oft reichen nur ein paar Körnchen. Oft sind es die kleinen Taten, die kleinen Worte, die das Leben anderer schmackhaft machen.
Als Christen sind wir berufen Licht zu sein, Salz der Erde zu sein in allen Bereichen des Lebens, nicht eben nur in der Politik. Es ist ein guter Versuch, wenn sich Christen zusammentun, um eine christliche Siedlung zu gründen. Die Menschen versuchen dann, gemeinsam ihre Werte zu leben. Doch ist Abschotten nicht angesagt. In allen Bereichen kann ich ein Zeuge sein für Jesus Christus. Das kann der Sportverein ebenso wie die Nachbarschaft, das kann mein Arbeitsplatz sein wie der Kegelclub. Dabei muss ich nicht »missionieren«, das heißt andere versuchen zu bekehren. Wenn ich ein regelmäßiger Gottesdienstbesucher bin, dann kann ich doch dazu stehen. Ich habe die Chance zu sagen, dass der Besuch des Gottesdienstes eben nicht eine bloße Pflichtveranstaltung ist, sondern dass ich es als eine Zeit betrachte, in dem ich meine Liebe und meine Freundschaft mit Gott pflege. Ich kann mich einsetzen für das ungeborene Leben, dafür, dass auch Menschen mit einer Behinderung das Lebensrecht zugestanden wird. Wo es darauf ankommt, sich durchzusetzen und dieses auch mit unfairen Mitteln geschieht, da kann ich Fairness walten lassen.
Eben, weil Jesus selbst mir durch sein eigenes Leben diesen Weg aufgezeigt hat, die Welt zu erneuern, eben weil Jesus selbst den Weg der Gewaltlosigkeit gegangen ist, weil er sich einsetzte für die armen, für die schwachen, eben, weil Jesus keinen Unterschied machte unter den Menschen, darum kann ich versuchen, seinen Weg zu gehen.
Dabei müssen wir einmal beachten, wie Jesus es sagt: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Und nicht „Ihr sollt das Licht der Welt sein!“ oder: „Versucht das Licht der Welt zu sein…“ „Ihr seid“ – das bedeutet für mich: Jesus traut uns das zu, dass wir „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ auch wirklich sind. Weil Jesus uns das zutraut, darum macht er uns mit seinen Worten auch Mut, seine Jünger, seine Freunde zu sein.
Seine Freunde, seine Jünger können wir überall sein. Wir sollen uns einmischen, sicher nicht nur, aber auch in der Politik. Ich habe Achtung vor denen, die es tun und versuchen, als Christen und Christinnen für menschliche Werte, die aus dem Glauben kommen, eintreten. Die Welt soll immer mehr von der Liebe Gottesbestimmt sein, durch uns. Jesus traut es uns zu.
Jesus fordert in der sog. Bergpredigt seine Jünger auf, Salz und Licht zu sein. Diese beiden Bildworte können heute verstanden werden als Aufforderung nicht »geschmacklos» und ein »heller Kopf« zu sein. - Das Christentum ist eine Bildungsreligion.
Gott schreibt die TORA (=Wegweisung) ins Herz der Israeliten, um sie von innen her, also von ihrem Denken und von ihrer Einstellung her zu gewinnen. Das Gesetz ist dann kein Fremdkörper mehr, sondern führt zu pulsierendem Leben: „Damit sie das Leben in Fülle haben.“ (Joh.10,10).
Tora und Berglehre hängen eng zusammen. Wir werden in den kommenden Sonntagen einige Stellen aus der Berglehre hören. Die Berglehre ist kein Allround-Sicherheitspaket, sondern Jesus lehrte, wie einer der Vollmacht hat. So können wir sagen: Das Christentum ist eine Bildungsreligion (siehe auch gleichnamiges Buch: Thomas Söding: Christentum als Bildungsreligion. Der Impuls des Neuen Testaments, Herder 2016). Jesus lehrt an verschiedenen Orten, in Einzelgesprächen, bei verschiedenen Lebenssituationen, in Gleichnissen.
„De sermone Domine in monte“ heißt übersetzt: Berglehre. Erst Augustinus spricht im 5. Jhdt. von der Bergpredigt. Worüber werden wir an diesem Sonntag unterrichtet? Es geht um ein Doppelbildwort vom Salz und vom Licht. Beide Bilder haben auch für uns Aktualität.
Das Salz diente zur Zeit Jesu zur Aufbewahrung und zum Erhalt von Fleisch bzw. leicht verderblicher Lebensmittel. In diesem Bild liegen zwei Anliegen des Evangeliums, die nicht leicht zu finden sind: Das Gesetz im Liebesgebot Gott und den Menschen gegenüber aufzubewahren, es hochzuhalten, nicht auf moralisierende Weise, sondern beispielhaft in den Werken der Nächstenliebe, in den noch so kleinen Aufmerksamkeiten des Alltags, um dem Leben Geschmack zu geben.
Oftmals sprechen wir in manchen Lebenslagen vom „schlechten Beigeschmack“. Das Evangelium führt dieses Bild weiter, wenn es vom „schalen Salz“ spricht, das seine Aufgabe nicht erfüllt. „schal sein“ heißt geschmacklos, „dumpf“ sein, noch deutlicher „dumm“ sein. Eine Schülerin, ein Schüler Jesu darf nicht dumm sein, vielmehr sollen sie klug und weise sein bzw. werden. „Sapientia“ meint Weisheit, Einsicht, Klugheit, das Zeitwort dazu ist „sapere“ = schmecken, unser Wort „sabbern“ leitet sich davon ab, weil etwas gut schmeckt und riecht.
Die Umgebung der Christen soll gleichsam Geschmack dafür bekommen, wie anziehend und frohmachend die Botschaft Jesu ist, dass es sich lohnt, nach ihr zu leben, somit dem Leben Geschmack zu verleihen und klug zu sein. Klugheit bedeutet Lebendigkeit des Geistes, Sinn für die Wahrheit und die Wirklichkeit zu haben. Klugheit ist nie gesicherter Dauerbesitz, muss ständig neu erworben werden. Das meint das Bild vom „Salz der Erde“.
„Ihr seid das Licht der Welt“. Jesus sagt das auch von sich selber: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh.8,12). Anders gesagt: „Hell auf der Platte“, wach im Geist sein. Da gibt es schon große Ähnlichkeiten zum vorhergehenden Bild. Noch pointierter ausgedrückt: „Sei kein Armleuchter“, kein Dummkopf. Besonders in dunklen Zeiten - nicht nur was den Winter mit den langen Nächten betrifft - sehnt sich der Mensch nach Licht. Vor allem in den Dunkelheiten des Lebens in Beziehungskrisen, Misserfolgen oder Schicksalsschlägen wollen wir Licht, das auch Wärme gibt, ein Licht, das von mitfühlenden und helfenden Menschen ausgeht. Der Evangelist Johannes spricht davon, dass „die Finsternis das Licht nicht erkannt hat.“ (Joh.1,4-5). Vor lauter Sorgen und Trauer wird auch in unserem Dasein dieses Licht nicht sichtbar.
Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) hinterlässt uns ein Gebet, das diese Situation gut darstellt:
In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht.
Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe.
Ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede.
In mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld.
Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich. - Amen.
Jesus beruft Menschen, die er wegen als Kleine und Geringe selig gepriesen hat, Salz und Licht zu sein. Menschen die die Haltungen der Seligpreisungen leben strahlen die Liebe Gottes aus.
Jesus preist am Beginn der Bergpredigt Menschen selig, die arm und gewaltlos sind oder die verfolgt werden und dabei nicht mit Bösem zurückschlagen. Für diese und uns alle Jünger sagt er: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“. Man braucht nur wenig Salz für die Suppe. Aber diese Wenige ist notwendig für den Geschmack und unsere Gesundheit. Was selbstverständlich ist, Salz muss salzen können. Wenn es das nicht kann, taugt es zu nichts und wir werfen es weg. Wenn wir vom Licht reden, dem zweiten Bild, mit dem Jesus uns vergleicht, staunen wir, dass ein kleines Licht viel Dunkelheit verscheuchen kann. Es besiegt das Dunkle. Dementsprechend erhellt ein größeres Feuer weite Räume.
Jesus sagt nicht: „Strengt euch an, ihr müsst Licht und Salz sein!" Nein, Jesus ernennt uns für seinen Dienst. Er drückt uns seinen Stempel auf. Er bekräftigt: „Meine Gnade habt Ihr mit der Hl. Taufe und Firmung erhalten! Mein Geist ist in Euch! Ihr seid von mir erwählt für unsere Welt, Salz und Licht für sie zu sein. Mit euch will ich anderen Menschen meine Freundschaft zeigen und sie zum Vater führen. Dazu brauche ich euch, trotzt eurer Fehlern und Schwächen. Jesus erwählte den Petrus, der ihn verleugnete; er holte Frauen, die keine rühmliche Vergangenheit hatten in seinen Kreis. Er hatte Männer, die sich stritten, wer der Größte sei, um sich, lauter Durchschnittstypen. In der Apostelgeschichte wird über die Jünger gesagt, dass man sich wunderte, weil sie einfache und ungelehrte Leute waren.
Wir sind auch keine wortgewandten Redner oder irgendwelche Könner. Trotzdem sagt Jesus zu uns: Ihr seid Salz und Licht für diese Welt. Wer im Dunkeln einmal gegen den Türrahmen gerannt ist, braucht ein Licht. Wir sollen Licht und Orientierung geben, weil uns Jesus ruft und beauftragt. Das wichtigste Flämmchen, das wir entzünden können, ist unser Wohlwollen, unser absichtsloses Dienen. Da kann jeder und jede seine je eigene Gabe einbringen. sei sie noch so bescheiden. Denn er selbst, Jesus, der das wahre Licht der Welt ist, möchte durch unser Leben Menschen mit seiner Liebe anstecken.
Danken wir auch, dass er uns gebrauchen möchte und fragen wir ihn neu: „Jesus, wo willst du mich haben? Ich bin bereit. Es ist nicht viel, was ich einbringen kann, aber es gehört dir! Du machst etwas daraus!“ Liebe strahlt aus Nicht zuerst unsere Fähigkeiten und was wir auf die Füße bringen, zählt und strahlt wie Licht aus. Die Liebe auf Jesus und den Nächsten hin ist die Grundenergie Gottes, die von anderen wahrgenommen wird.
Ein Freund erzählte mir: „Ich begann am Morgen ganz bewusst noch vor dem Aufstehen, alles, was am heutigen Tag kommen sollte, auf Gott und seine grenzenlose Liebe hin zu leben, ihm zu schenken. Mein Tag fing mit Kopfweh an. Da konnte ich Ihm gleich ein inneres Ja sagen. Dieses kleine Ja richtete mich innerlich intensiv auf Gott und die Liebe aus. Das Kopfweh verschwand und ich ging mit anderen eine Seelsorgsaufgabe an, die es zu erledigen galt. Meine Idee, wie wir vorgehen könnten, wurde nicht angenommen. Vielmehr sollte ich es anders machen. Ich begann sofort mich auf den Vorschlag der anderen einlassen und stellte im Glauben an die Kraft der Liebe meine Gedanken beiseite. So hielt ich mich an die Impulse der anderen und es ging gut. Es entstand eine gute Atmosphäre, in der Vieles über Gott gesprochen wurde. Neues Interesse am Glauben war entstanden. Ich spürte, dass oft im scheinbaren eigenen Verlieren, ein Gewinnen liegt. Jesus hatte uns zum Licht gemacht.“
Die Lesung aus dem Buch Jesaja fordert die Konkretion von Liebe und Barmherzigkeit ein. Der Wiederaufbau nach dem babylonischen Exil muss auch innerlich vollzogen werden. Neben dem Tempel- und Opferkult braucht es eine Kultur der Liebe und Barmherzigkeit.
Der Text der ersten Lesung des heutigen Sonntags stammt vom Propheten Jesaja aus der Zeit nach der Babylonischen Gefangenschaft. Die ins Exil verschleppten Israeliten sind zurückgekehrt. Erneuert sind inzwischen die Mauern Jerusalems, der zerstörte Tempel ist neu aufgebaut. Gottesdienste können wieder regelmäßig stattfinden, Opfer und Gaben dargebracht werden.
Wie die Propheten der Vorzeit so versteht sich Jesaja als Warner und Mahner im Auftrage Gottes, als Lehrer und Seelsorger des Volkes. Er möchte die Gläubigen dafür gewinnen, nicht nur äußerlich den Glanz Jerusalems und des Tempels wieder herzustellen, sondern auch im eigenen Innern ein Gott wohlgefälliges Verhalten anzustreben und aufzubauen. Ob Menschen Gott ehren, so ist der Prophet überzeugt, zeigt sich nicht in erster Linie an der Zahl ihrer Opfertiere, die sie Gott darbringen und an der Teilnahme an den Gottesdiensten, sondern an der Liebe und Barmherzigkeit, die sie dem Nächsten erweisen. In seiner Verkündigung und durch seine Mahnreden macht er deutlich: Nicht nur direktes Unrechttun, sondern auch fehlende Liebe und mögliche, aber unterlassene Hilfe trennen von Gott. Wo die Liebe hingegen gelebt und praktiziert wird, dort entwickelt sich eine wunderbare Atmosphäre, die wie ein helles Licht aufleuchtet und glänzt. In diesem Licht spiegelt sich die Herrlichkeit Gottes wieder, dessen Wesen Liebe, Güte und Barmherzigkeit in sich vereint und ausstrahlt.
Vier praktische Weisungen gibt der Prophet den Gläubigen an die Hand, die niemand, der sich zu Jahwe bekennt, unbeachtet lassen soll.
Teile an Hungrige dein Brot aus.
Nimm die Obdachlosen in dein Haus auf.
Wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn.
Entziehe dich nicht deinen Verwandten.
Zur Zeit des Jesaja waren die Genannten die vorrangig Bedürftigen. In unserer Zeit und in unserem Land wird allgemein eine Menge dafür getan, den Hungrigen, Obdachlosen und an Kleidung Bedürftigen zu helfen. Und gerade auch Christen setzen sich in besonderer Weise auf diesem Gebiet für Menschen ein: durch Spenden verschiedenster Art, durch freiwillige Hilfsdienste in Suppenküchen, Unterkünften, sozialen Einrichtungen, in der Kinderbetreuung, durch Begleitgänge zum Arzt, zu Ämtern und Behörden usw. All das ist schon einmal sehr gut. Bei einem Nachdenken über die Hinwendung zum Nächsten sollten wir aber auch noch Folgendes bedenken:
Hunger haben Menschen ja nicht nur nach täglichem Brot. Viele an reich gedeckten Tischen hungern nach etwas, das ihnen fehlt – je nach Situation: Zuwendung, Anerkennung, Austausch und Herzensgemeinschaft, Wertschätzung, Beistand, Ermutigung, Vergebung, Versöhnung. Diesen Hunger einzelner Menschen sollten wir uns neu bewusst machen. Wo wir auch diesen Hunger stillen, dort wird jedes Mal ein Licht aufgehen in beiden Herzen: im Herzen des Beschenkten, aber ebenso im Herzen des Gebenden.
Obdachlose finden sich nicht nur auf der Straße und in Hinterhöfen. Obdachlos sind alle, die sich nicht geborgen fühlen: in ihrer Familie, in ihrem Freundeskreis, am Arbeitsplatz, bei sich selbst. Zu überlegen und zu fragen wäre: Kann man sich bei mir zuhause fühlen? Obdach gewähren könnte darin bestehen: Den anderen mit seinen Eigenarten und seiner Denkweise nicht von vornherein zu kritisieren, abzulehnen oder zu bedrängen, sich dem allgemeinen Verhalten und Denken anzupassen. In Ruhe miteinander reden, zuhören und zu begreifen suchen, warum der andere sich verhält, wie er sich gibt, mit ihm zusammen nach Lösungen suchen, die er akzeptieren kann, ihn spüren lassen, dass bei aller Verschiedenheit Interesse besteht an einem ausgewogenen Miteinander.
Nackte bekleiden. Nackt fühlen wir uns gewöhnlich dann, wenn andere Zeugen unseres Versagens wurden. Entblößt und beschämt stehen wir da. Es gibt keine Entschuldigungen, die wir zu unserer Entlastung ins Feld führen könnten. Wenn wir Zeugen einer solchen Situation sind, können wir die Blamage des anderen durch Herumerzählen so richtig groß machen und ausweiten. Wir können den nackt und entblößt vor uns Stehenden aber auch bekleiden, indem wir als Erstes über den Vorfall anderen gegenüber schweigen. Es geht dabei nicht um ein Vertuschen. Aber wenn wir ihm zu verstehen geben, dass wir schweigen, weil wir ihm ehrliche Mühe um Besserung zutrauen, dann schenken wir fast eine Ritterrüstung als Kleid. Die Mühe um Besserung wird mit Sicherheit in Angriff genommen werden. Denn niemand ist stolz auf sein Versagen.
Sich den Verwandten nicht entziehen wurde in der frühen Zeit vor allem betont für den Fall der Not. Es gab noch keine Versicherungen oder Absicherungen irgendwelcher Art. In der Not war man vor allem auf die Hilfe der Verwandten angewiesen. Wenn der Punkt „Not“ heute gewöhnlich auch nicht mehr im Mittelpunkt steht, so bleibt dennoch der Aufruf, sich um gute Beziehungen im persönlichen Umfeld zu mühen. Letztlich entspringt diese Aufforderung dem Appell zur Gemeinschaft mit möglichst vielen in einem weiteren Umkreis. Nach Gottes Willen sind wir Menschen füreinander verantwortlich. Würde Jesaja heute zu uns sprechen, würde er wohl neben den Blutsverwandten auch Mitbewohner des gleichen Hauses benennen, Nachbarschaften, Zugezogene, Mitglieder einer Gruppe, der wir angehören. Hier gute und engere Beziehungen aufzubauen, Verbindungen schaffen, ist ein wertvolles Geschenk, ist gelebter Gottesdienst, weil Menschen mehr und näher zusammenrücken und sich – wie in der heiligen Messe – den Frieden nicht nur wünschen, sondern ihn verwirklichen und leben.
Nach den bitteren Erfahrungen in der Verbannung waren die heimgekehrten Israeliten sehr bemüht, ihrem Gott für die Rückkehr in die Heimat zu danken. Sie empfanden die Rückkehr aus dem Exil in Babylon – nach dem Auszug aus Ägypten – als eine zweite Befreiung aus der Knechtschaft eines fremden Volkes. Der Tempel wurde aufgebaut, feierliche Gottesdienste mit Lobliedern und Psalmen fanden regelmäßig statt. Auch der Opferkult wurde wieder aufgegriffen. All das ist in den Augen des Propheten ein guter, aber nur ein erster Schritt in den möglichen und Gott zustehenden Lobpreis. Jesaja möchte, dass die Gläubigen auch den zweiten, allerdings schwierigeren Schritt vollziehen: die klare und eindeutige, liebevolle und barmherzige Hinwendung zum Mitmenschen. Wie er, Jahwe, dem wandernden Gottesvolk in der Wüste seine Liebe und Barmherzigkeit gewährt hatte, so sollte jeder Israelit seine Zugehörigkeit zum Volk Gottes dadurch erweisen, dass auch er im Alltag die Liebe und Barmherzigkeit lebte. Dies war für Jesaja der eigentlich wirkliche Beweis für die Dankbarkeit und echte Verbundenheit mit Jahwe, nicht das leicht vollzogen Lippenbekenntnis in Form von Lobliedern und Hymnen, so sehr diese auch dazugehörten und zur Verehrung Jahwes beitrugen. Liebe und Barmherzigkeit sollte Israel und soll grundsätzlich alle Menschen in eine bessere, lichtere Zukunft führen. Dazu hatte Jahwe sein Volk erwählt und aufgerufen.
Diesem Auftrag Jahwes, den Jesus wiederholt, nachzukommen, sind auch die Christen in besonderer Weise verpflichtet, wenn sie von sich sagen wollen, dass sie ihren Glauben lebendig leben. Menschen liebevoll und barmherzig begegnen, was wir ja grundsätzlich wollen, könnte uns vielleicht ein Stück leichter fallen und immer neu Antrieb geben, wenn wir bedenken: Es ist solange nicht wahr, dass ich Gott liebe, wenn ich die nicht liebe, die er liebt.
Welche Anforderungen werden an Menschen gestellt, die wie Paulus (2. Lesung) die Frohe Botschaft verkünden wollen? Eine Erzählung eines Missionsbischofs konkretisiert dies für unsere Zeit.
Am heutigen Sonntag möchte ich mit Ihnen auf die Lesung des Apostels Paulus aus dem ersten Korintherbrief schauen. Dazu benütze ich einen Kurzbericht von Dr. Newbigin, Bischof der Südindischen Kirche in der Diözese Madras: Wer war der Missionar?
Aus einem abgelegenen Dorf kam folgende Nachricht: "Bischof, komm in unser Dorf. Wir möchten Christen werden.“ Ich fuhr hin und fragte: „Ihr seid doch Hindus, wie kommt ihr dazu, euch taufen zu lassen? Es war doch kein Missionar bei euch. Was habt ihr vom christlichen Glauben gehört? Und von wem?“ Die Leute sagten: "Das ist so gekommen. Vor ein paar Jahren war ein Europäer da. Der hat mit einer großen Bohrmaschine für unser Dorf einen Brunnen gegraben. Soviel wir wissen, kam er aus Deutschland. Er war ein Christ. Er hat nie davon geredet, aber wir wussten das. Er hat uns diesen Brunnen gebohrt, und was er da für uns machte, hatte auch mit seinem Glauben zu tun.
Dann später kam ein Mann durch unser Dorf, der verteilte Schriften an alle, die lesen konnten. Die Überschrift hieß: Was wird aus dir, wenn du heute Nacht stirbst? Das hat uns interessiert. Wir konnten die Frage nicht beantworten. Wir fanden, dass wir mehr darüber wissen müssten. Darum schickten wir einen Boten in das Nachbardorf. Dort gibt es eine kleine, christliche Gemeinde. Wir sagten: Schickt uns doch jemanden, der uns den christlichen Glauben erklären kann. Sie schickten uns einen Mann, der wohnte ein paar Wochen bei uns und erklärte uns alles. Jetzt wollen wir Christen werden."
Bischof Newbigin fügte diesem Bericht folgende Überlegungen an: Wer ist für dieses Dorf nun eigentlich der Missionar gewesen? Der Mann, der den Brunnen gegraben hat; der Mann, der die Schriften verteilte; oder der Mann aus dem Nachbardorf, der ein paar Wochen lang mit den Leuten lebte und ihnen den Glauben erklärte? - Wohl alle drei.
Dieser handwerkliche Einsatz hatte sehr wohl mit dem Glauben zu tun. Dafür gibt es viele Beispiele. Ich habe den Eindruck, dass Mutter Teresa und ihre Mitschwestern weltweit mehr Boden für das Reich Gottes bereitet haben als viele Prediger und Religionslehrer. Sie haben überzeugt, weil sie Not gesehen haben und geholfen haben. Erst als sie gefragt wurden, teilten sie mit, aus welcher inneren Überzeugung sie tätig sind. Solche Worte fielen auf guten Boden, trieben Wurzeln und trugen und tragen auch heute Früchte.
In ähnlicher Weise ebnen in unserem Land viele Helferinnen und Helfer Wege zum christlichen Glauben jenen, die aus östlichen Ländern oder Nordafrika gekommen sind. Heimatlose erleben spontane Unterstützung, freuen sich über Begegnungen und sind dankbar für Sprach- und Integrationskurse. Sie erleben deutlich den Unterschied zu früher, wo sie ihres Lebens nicht sicher waren. Glaube muss man spüren. Das bleibt unverzichtbar und wird immer wichtiger, wenn Kinder zu guten Christen heranwachsen sollen. Alle Getauften und Gefirmten tragen wesentlich bei, dass christliche Werte in unserer Gesellschaft lebendig bleiben, ob sie z.B. einen Kranken besuchen oder ob sie in der Familie vorleben, was sie von ihren Kindern verlangen. Paulus selber hat hier gute Karten. Als Zeltmacher hat er seinen Lebensunterhalt verdient und davon auch Ärmere unterstützt.
Ein zweiter Schritt zum Glauben erfolgte in der Erzählung durch den Mann, der die Schriften verteilte. Das waren nicht x-beliebige Schriften, sondern Mitteilungen über Jesus Christus. Genau darum ging es auch Paulus. Er verbreitete nicht seine Lieblingsgedanken, sondern das was Jesus Christus in ihm bewirkt hat. In diesem Jesus begegnet uns nicht nur ein großer Sozialreformer und Edelhumanist. In seiner Botschaft und in seinen Taten leuchtet mehr auf als bloß menschliche Qualitäten. Hier offenbart sich Gott selber im unscheinbaren Kleid. Dass der Höchste sich so weit zu jedem von uns herablässt und sogar für uns Demütigungen, Leid und Kreuz auf sich nimmt, das ist das unerhört Neue. Darin liegt das Einzigartige, das Unbezahlbare. Solche Tatsachen provozieren und fordern heraus, damals wie heute.
Auf dem Areopag, dem Gelehrtenpflaster in Athen, spitzt Paulus seine Predigt zu auf das Kreuz und die Auferstehung Christi. So etwas aber war zu neu für die Gedankengänge der Philosophen. Sie winkten ab und sagten: Darüber wollen wir dich ein anderes Mal hören.
Liebe Mitglaubende, das Evangelium ist nicht menschliche Spekulation, sind nicht hochtrabende Gedankengänge. Hier geht es um Tatsachen, die die Apostel erlebt haben und im Glauben an den Auferstandenen täglich spürten. In der Apostelgeschichte bezeugen Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat: "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben." (Apg 4,20). Auch Paulus bezieht sich mehrmals auf sein Damaskuserlebnis, wo der Auferstandene mächtig an ihm gehandelt hat.
In der Erzählung ist der dritte Schritt zum Glauben verbunden mit dem Mann aus dem Nachbardorf, der ein paar Wochen lang mit den Leuten lebte und ihnen den Glauben erklärte.
Paulus legt keinen Wert auf glänzende Reden oder Formulierungen, die weise klingen. Er hat vielmehr Bammel vor seinen Auftritten. Bedenken und Ängste stiegen in ihm auf. Zweifel machten ihm zu schaffen, ob er der Aufgabe gewachsen ist. Mit seinen Talenten konnte er nicht prahlen. Er kam sich vor wie eine höchst schäbige Verpackung für den kostbarsten Inhalt der Welt.
Hiermit möchte ich die theologische Ausbildung nicht abwerten. Ich bin dankbar für alle Anregungen, die helfen, biblische Wahrheiten näher zu bringen. Religionslehrer sehen sich immer wieder veranlasst, gute Methoden und Impulse zu entwickeln, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu wecken.
Wenn es um die Weitergabe des Glaubens geht, werden hohe Maßstäbe angelegt. Glaubwürdig, echt und überzeugend sollen nicht allein die Verkünder sein. An uns alle sind diese Erwartungen gerichtet. Um zu überzeugen und zum Glauben zu führen, braucht es den ganzen Menschen mit allen seinen Fähigkeiten.
Aus der Erzählung gehen hervor: die Tatkraft im Alltag, die Einsicht in die Botschaft Jesu und das Weitersagen wie auch der Erfahrungsaustausch über den Glauben. Paulus hat alle drei Energiefelder des Glaubens in seiner Person vereint. Er hat mit seinem Leben bezeugt, was er verkündet hat. Beten wir, dass wir Jahr für Jahr mehr diese drei Glaubensebenen mit Leben erfüllen.
(Die Erzählung ist entnommen aus: Weltmission heute Nr.4, Lesslie Newbigin; Mission in der Nachfolge Christi, Bibelarbeiten, Ev.Missionswerkl, Mittelweg 143, 2000 Hamburg 13)
Lange Jahre habe ich in der Jugendarbeit mit Jugendlichen folgende Meditation gemacht. Sie handelt von einer Kerze. Ich habe dieser Kerze meine Stimme gegeben. Sinngemäß sagte die Kerze: "Ihr habt mich angezündet. Nun brenne ich. Aber seit ich brenne, bin ich auch schon ein wenig kürzer geworden. Aber so ist das halt. Entweder ich lasse mich anzünden, aber dann muss ich auch etwas geben von mir selbst, ja sogar mich selbst. Nur dann kann ich aber auch leuchten. Oder ich bleibe ganz. Dann bleibe ich aber nur im Karton liegen. Ich muss mich dann aber auch fragen, wozu ich da bin. Im Karton hat mein Sein als Kerze keinen Sinn."
Am Bild vom Licht und vom Salz zeigt sich: wie Salz nur dann seinen Sinn erfüllt, wenn es würzt, wie ein Licht dazu geschaffen wurde, um zu leuchten, so erfüllen wir den Sinn unseres Christseins nur dann, wenn wir von unserem Glauben weiterschenken, wenn wir uns anderen gegenüber als Christen bewähren. Wie wichtig der Glaube ist, zeigt sich, dass er uns Kraft schenkt, dass er uns eine Lebenshilfe ist. Ebenso ist es wichtig, unseren Glauben weiter zu schenken. Wer seinen Glauben nicht verbirgt, der wird früher oder später den Mitmenschen zur Anfrage. Dann gilt es, Zeuge zu sein für Jesus Christus.
Jesus redet sagt uns: "Ihr seid das Licht der Welt. Ihr seid das Salz der Erde." Jesus sagt nicht: "Ihr sollt Licht, ihr sollt Salz sein…" Die Frage ist die: sind wir wie ein fades Salz, ohne Geschmack, das seine Funktion, Speisen zu würzen nur noch mangelhaft erfüllt? Sind wir wie ein Licht, das unter einem Leuchter steht und dessen Leuchtkraft nur noch sehr schwach ist?
Bevor ich anfing Theologie zu studieren, wurde ich öfters angefragt: warum wirst du Priester, warum lebst du so? Es ist für das Glaubenszeugnis kein Studium erforderlich. Wir dürfen einfach von dem erzählen, was uns im Glauben bewegt, was uns der Glaube schenkt. Gerade in unserer Zeit scheint der Glaube zu verdunsten. Immer weniger können - Kinder wie Erwachsene – die Grundgebete. Immer weniger Menschen wissen den Sinn von Festen. Auf Wissen allein kommt es zwar nicht an, doch zeigt dies auch, dass der Glaube immer schwächer wird. Dabei ist dieser Glaube wichtig und kostbar.
Gerade das, was den Glauben so kostbar macht, können wir dann entdecken, wenn wir uns immer wieder fragen: was wäre mein Leben ohne den Glauben an Jesus. Kämen wir zu dem Ergebnis, dass ich dann nicht viel ändern würde, außer dass ich die Kirchenzeitung abbestellen könnte, dass ich am Sonntag mehr freie Zeit hätte, dann bräuchten wir sicher eine Erneuerung des Glaubens. Dann ist der Glaube schal oder wie ein schwaches Licht.
Doch wie die Kirche immer wieder erneuert werden muss, wie die frohe Botschaft, das Evangelium, in jeder Zeit neu gesagt werden muss, so braucht mein persönlicher Glaube Erneuerung. Erneuern kann ich meine Glauben durch Nachdenken, durch Gespräche mit anderen, auch durch eine gute Beichte. Es ist nicht falsch, wenn ich von Zeit zu Zeit neue Gebetsformen entdecke, wenn alte Gebetsformen nicht mehr tragen.
Ich muss eingestehen: manches Mal ist es nur das Pflichtgefühl, das mich hierher geführt hat. Pflicht ist an sich nichts Schlechtes. Es kann mich bewahren vor einer allzu großen Nachlässigkeit. Es kann mich bewahren, den Glauben aufzugeben und dabei Gott aus den Augen zu verlieren. Es kann mich davor bewahren, mir nur die Rosinen herauszusuchen. Pflicht kann mich davor bewahren, nur dann zu beten oder den Gottesdienst zu besuchen, wenn es mir gerade passt.
Unsere Pflicht als Christen aber ist es zu lieben! Gehen wir in den Gottesdienst - dann aus Liebe zu Gott. Versuchen wir zu unseren Mitmenschen gut zu sein - dann aus Liebe zu Gott. Liebe heißt immer, sich verschenken, für andere zu leben und das Wohl des anderen zu wollen. Wir möchten ja kein schales Salz sein, sondern ein Salz, das würzt. So sollen ja auch keine laschen Christen sein, die sich nur der Welt angleichen. Die Mitmenschen sollen an uns spüren: es lohnt sich Christ zu sein.
Durch unseren Glauben an Gott haben wir einen echten Halt geschenkt bekommen. Gott möchte jedem Menschen dieser Halt sein, ein guter Vater wie eine liebende Mutter. Christen sind keine Hinterwäldler, sondern sie haben der Welt Entscheidendes und Wichtiges zu schenken. Es ist das Zeugnis für den lebendigen Gott, der mit uns Menschen lebt, der sich um die Mitmenschen sorgt. Christen sind keine Menschen, die ihre Ellenbogen gebrauchen, um ich durchzusetzen. Sie sind keine Menschen, bei denen nur die erfolgreichen Zeitgenossen Ansehen genießen, die anderen, die auf der Verliererseite des Lebens stehen jedoch nicht.
Woran man Menschen auch erkennen kann, dass sie zu Gott gehören wollen, da schenkt uns Jesaja gute Hinweise. Wir sollen das Brot teilen - es kann heißen, Not zu lindern, mit den Armen zu teilen - es kann ebenso heißen, auch vom Glauben zu erzählen und denen die frohe Botschaft zu verkünden, die nach Sinn im Leben suchen.
Die Gerechtigkeit ist wichtig. Niemanden verleumden, auf keinen mit dem Finger zeigen. Die Welt wäre menschlicher und heller, wenn wir uns immer daran hielten. Es fällt uns auch nicht in den Schoß, so zu leben wie es Jesaja fordert. Doch schon das Bemühen darum ist wertvoll. Wir können nicht über die schlechte Welt klagen, wenn wir nicht bei uns anfangen oder es zumindest versuchen. Vielmehr gilt es, Licht zu sein, ein Licht, das leuchtet.
Einfach ist es nicht Christ zu sein. Es bringt auch schmerzliche Erfahrungen, Enttäuschungen und Kummer. In vielen Ländern der Welt sind Christen gefährdet. Ein Glaubenszeugnis bringt nicht immer Freunde. Denn Gottes Gebote und seine Liebe widersprechen oft dem, was Menschen wollen. Als Christen sind wir Zeugen für Gott in Wort und in Tat, im Verhalten zu den Mitmenschen, in der Art und Weise wie wir leben. Wir sollen ausstrahlen, auf andere wirken, für andere wirken, dann strahlen wir Gottes Liebe aus.
Leben wir so, dass die Menschen unseren Glauben sehen, denn unser Licht soll leuchten, "damit sie eure guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen".
Für alle, die sich fragen, wie soll mein Glaube aussehen und sich gestalten, gibt das heutige Evangelium eine klare und hilfreiche Richtlinie. Jesus gebraucht zwei Bilder, die jedem von uns aus dem Alltag sehr vertraut sind und sich als Erinnerungsbilder gut bei uns einprägen: Salz und Licht.
Schon die jüngeren Kinder wissen, dass Salz zum Würzen da ist. Salz, das seine Kraft verloren hat, gehört in den Abfall. Das ist allen klar. Aber schon eine kleine Priese tauglichen Salzes genügt, um Speisen schmackhaft zu machen. Niemand schüttet einen ganzen Salzstreuer oder ein halbes Päckchen Salz auf einmal ins Essen. Ungenießbar und verdorben wäre alles.
Ähnliches lässt sich vom Licht sagen. Schon ein kleines Licht in der Nacht oder Dunkelheit kann uns den Weg und die Richtung zeigen. Und in der Dämmerung oder im Halbdunkel dosieren wir die Helligkeit des Lichtes auf wohltuende Stärke. Denn grelles Licht blendet und tut auf Dauer den Augen weh. Es verdunkelt eher, als dass es erhellt.
Übertragen wir diese Bilder auf den Glauben. Ein Glaube, in dem Pfeffer und Salz stecken, soll den anderen ein schmackhafter und wohltuender Glaube sein. Beachten wir: Es geht um meinen Glauben. Jesus sagt ja nicht, wir sollen den anderen Salz und Pfeffer in ihren Glauben schütten. Nein, mein Glaube soll nicht fade und schal sein. Für meinen Glauben soll ich Sorge tragen. Wahrscheinlich kennen wir alle Menschen, die immer wieder an anderen herummäkeln, auf sie einreden und sie bearbeiten; nur auf das, was es bei sich selber zu tun gäbe, schauen sie nicht oder nur selten. Diesen Fehler sollten wir unbedingt meiden.
Wo mein Glaube gut gewürzt ist, da werde ich vor allem ein dankbarer Mensch sein: Gott gegenüber, den Menschen gegenüber - vor allem denen, die mir beistanden, halfen, mich ermutigten, mein Leid mittrugen, mich auf Gefahren hinwiesen. Dankbare Menschen sind immer sehr wohltuende Menschen.
Neben der Dankbarkeit wird gewürzter Glaube Mut in unsere Herzen legen. Etwas wagen, mutig mit Gottvertrauen das Leben angehen, gehört zum Glauben. Dies fängt damit an, dass ich Gott ehrlich frage, wie er sich mein Leben denkt, welche Erwartungen er an mich richtet, welche Aufgabe ich anpacken, welches Risiko ich eingehen sollte. Und diese Frage gilt es immer wieder einmal neu zu stellen, weil das Leben im Fluss ist, Situationen sich ändern und neue Herausforderungen mit sich bringen. Wer mit Mut und Vertrauen seinen Glauben würzt, der bringt Spontanität und Abwechslung, Vielfalt und Reichtum, Fülle und Überraschendes in sein Leben. Das wiederum animiert oftmals andere zur Nachahmung oder zum Mitmachen im Streben um Gutes, Vorteilhaftes und Beglückendes.
Ein Drittes möchte ich nennen, was würzigen Glauben auszeichnet. Mit Dankbarkeit, Mut und Zuversicht gelebtem Glauben ergeht es wie Speisen, auf die Salz gestreut wurde.
Das Salz bleibt nicht an der Oberfläche. Nach und nach dringt es ein, verteilt sich und würzt die Speise durch und durch. Diesen Prozess durchlebt auch der Glaube. Beginnen wir getrost an irgendeiner Stelle, unserem Glauben Pfeffer und Salz beizumischen. Nach und nach wird unser ganzes Denken und Handeln davon erfasst. Im Gegensatz zum Salz vollzieht sich im Bereich des Glaubens dieser Prozess vielleicht wesentlich langsamer, aber mit Sicherheit stetig. Das ist das Schöne und beglückende an diesem Vorgang.
Werfen wir auch noch einen Blick auf das Licht. Die Lesung aus dem Buch Jesaja hat uns viele Beispiele aufgezählt, wie wir Licht für andere werden können. Als Erstes wird benannt: Ein Herz haben für Arme und Leidende, ihnen helfen und beistehen so gut, wie wir es können und vermögen. Aber auch noch auf einem anderen Gebiet werden wir angesprochen - einem Punkt, der für Arme und Reichere in gleicher Weise gilt:
- Wir sollen nicht mit dem Finger auf andere weisen und niemanden verleumden.
- Bloßstellen,
- Nackt-Machen,
- das Gute kaum erwähnen, aber die Fehler und das Versagen pompös herausstellen,
- den Betroffenen möglichst geschickt in Widersprüche verwickeln, um neu über ihn herfallen zu können,
all das scheint in unserer Gegenwart Trend und Mode zu sein. Ich rede hier nicht der Verharmlosung oder dem Verschweigen von Fehlern und Versagen das Wort. Dass es negatives Handeln und Verhalten gibt, ist nicht in Ordnung und soll auch nach Recht und Gesetz belangt werden.
Einladen möchte ich, uns zu überprüfen: Was ist mein Handlungsmotiv? Will ich den anderen, der schuldig geworden ist, fertig machen, Spießruten laufen lassen, abservieren, ruinieren, wegwerfen? Oder liegt mir daran, dem Schuldiggewordenen Wege zu eröffnen, Schuld möglichst zu bereinigen und neue Pfade zu betreten?
Ich kann anderen das Grab schaufeln, für immer Dunkelheit und Nacht über sie bringen. Die modernen Medien sind gute Helfer bei diesem Werk. Und als Opfer trifft es nicht nur Politiker oder angesehene Persönlichkeiten. Auch zahlreiche einfache Menschen werden Opfer der Bloßstellungsmaschinerie: sei es durch die Medien, sei es durch Mobbing oder Tratsch.
Beteilige dich nicht daran, Menschen kaputt zu machen, sagt uns Jesus. Sei Licht für die Menschen - auch dem, der an dir oder sonst schuldig wurde. Jeder darf sich schützen und verteidigen. Aber tun wir es mit fairen Mitteln und der Bereitschaft, dem Schuldiggewordenen aufzuhelfen. Dann sind wir Licht, nach dem sich alle sehnen. Beklatschen wir nicht die gnadenlosen Fertigmacher ohne Herz, die genüsslich bloßstellen, aber niemals fragen, was aus ihren Opfern wird.
Salz und Licht sollen wir für die Menschen sein und damit Abbilder der Liebe und Barmherzigkeit des Vaters im Himmel. Es gibt keinen größeren Dank, keine größere Verehrung Gottes als unser Streben, das Leben der Menschen nicht zu verdunkeln oder gar zu zerstören. Leuchtende, wohltuende Menschen sucht der Herr, - Menschen, die kraftvoll und mit Schwung ihren Glauben leben und nicht aufhören, sich auch dem Schuldiggewordenen gegenüber ein Herz zu bewahren. Lassen wir auch uns dazu neu einladen.
Das Salz, das würzt und damit Geschmack gibt, das Salz, das hilft beim Haltbarmachen von Nahrungsmitteln. Das Salz, das lebensnotwendig ist für unseren Organismus… Das Salz, das so wertvoll ist, dass es früher auch schon mal als Zahlungsmittel gegolten hat.
Kurz gesagt: ohne Salz geht es nicht, und das ist beileibe nicht bloß eine Geschmacksfrage! Ohne Salz, ohne diesen Mineralstoff kein Leben. Und dieses Salz löst sich auf, lässt sich reinwerfen ins Gemisch der Speise, macht die Suppe würzig, durchdringt das Ganze.
Wir sind also das Salz der Erde, so Jesus. Uns spricht er das zu, er meint, dass dieses Bild des Salzes auf uns passt. Ich erlaube mir, dieses Bild für Menschen zu verwenden, die alltäglich versuchen Salz der Erde zu sein. Menschen, die in unseren Pfarrgemeinden versuchen so zu wirken wie oben beschrieben. Die aktiv sind unter dem Stichwort der Pfarrcaritas oder der pfarrlichen Sozialkreise. Die die Kirchensuppe, und nicht nur diese, vor Ort würzen durch ihr Engagement.
Ich denke an die Pfarrcaritasleiterin, zugleich Lehrerin, die in ihrer Freizeit einem Kind einer Familie aus Afghanistan Nachhilfe gibt, damit der Bub in der Volksschule eine Chance bekommt, da der Hort keinen Platz mehr für ihn hat.
Ich denke an den Apotheker, der regelmäßig in einer städtisch geprägten Pfarre eigene Sozialberatungsstunden anbietet für die Menschen aus seinem Stadtviertel.
Ich denke an die Pfarrcaritas, die selber in einer Landgemeinde einige Pflegebetten angeschafft hat und verleiht an pflegebedürftige Menschen aus dem Ort.
Ich denke an die Leiterin einer Pfarrcaritas, die unermüdlich Menschen im Pfarrgebiet nachgeht, sie zuhause besucht, sie jahrelang begleitet durch Dick und Dünn. Bis hin zu Terminen beim Asylgerichtshof in Wien.
Ich denke an den engagierten Mann aus einer anderen Pfarre, der einer psychisch kranken Frau hilft nach ihrer Übersiedlung in die neue Wohnung beim Montieren der Möbel.
Ich denke an die Pfarre, die in einem Stadtteil mit vielen materiell armen Menschen einen Dauerflohmarkt betreibt und den Erlös wiederum für ihre soziale Arbeit verwendet.
(Anmerkung des Verfassers: an dieser Stelle wenn möglich eigene pfarrliche Beispiel einfügen!)
Ich denke an die ca. 7000 Frauen und Männer, die in Oberösterreich noch immer im Frühjahr von Tür zu Tür gehen, und für die diözesane Caritas um Spenden bitten.
Ich denke an viele, von denen man gemeinhin nicht so viel spricht, die leise, unauffällig und oft verborgen Salz der Erde sind. An Menschen, die Halt geben, die vor Ort da sind, wenn Hilfe gebraucht wird. An Menschen, die nicht bloß schöne Worte machen, sondern Hand anlegen, weil sie verstanden haben, worum es geht.
Wir brauchen solche Leute, die auch Salz in unserer Kirchensuppe sind. Wir brauchen sie, weil sie uns daran erinnern, dass bei allem, was wir sonst auch unter dem Kirchendach initiieren, es letztendlich darum geht: Licht und Salz zu sein für die, die es nötig haben. Wir sollen nicht uns selber wärmen, sondern das Licht soll leuchten für die, die im Dunkeln sind. Wir sollen nicht uns selber in der Kirche mit Salz überwürzen, sondern das Leben derer, die es dringend nötig haben, soll wieder Kräftigung und Geschmack erfahren.
Ohne Pfarrcaritas geht es also wirklich nicht; es braucht überall Frauen und Männer, die sich bewusst dafür einsetzen, hinzuschauen, die bereit sind loszugehen, die keine Angst haben auch aufzugehen im Engagement für die Leute vor Ort. Wir brauchen die Leute vor Ort, nahe bei den Menschen. Und es kann es eigentlich auch nie genug Leute geben, die sie dabei unterstützen!
Deshalb am Ende noch eine Einladung an uns alle zu einer kleinen geistlichen Übung:
Schließen wir die Augen, gehen wir einmal in Gedanken und mit einem offenen Herz durch die Straßen unserer Stadt, unseres Viertels, unseres Ortes.
Und wenn wir da durchgehen, fragen wir uns mal: wo mangelt es da an Salz und Licht? Wo schaut es finster aus, wo fehlt das notwendende geschmackgebende Salz?
Und wenn wir da solche Orte finden, wo Mangel ist, dann stellen wir uns die nächste Frage: was können wir dazu tun, damit es besser, heller, würziger wird?
Und wenn wir dazu eine Idee bekommen, und sei sie noch so klein, dann die letzte Frage: was wird unser erster Schritt dazu in der kommenden Woche sein? Denn wir sind das Salz der Erde! Wir sind das Licht der Welt!
© DSA Mag. Wilfried Scheidl, RegionalCaritas, Regional-Koordinator für Wels Stadt und Wels Land
"Ihr seid das Salz der Erde", sagt uns der Herr. Was könnte er damit meinen? Was ist Salz? Weiß, feinkörnig, unscheinbar; wenn man es in einer Flüssigkeit oder in einer Speise auflöst, wird es unsichtbar, und bleibt trotzdem wirksam. Für die Menschen des Altertums und Mittelalters ein wertvoller Stoff, unbedingt nötig, um Speisen schmackhaft zu machen. Es war und ist lebenswichtig, der Körper braucht es dringend. Früher war es auch das einzige Konservierungsmittel. In Israel wurde es im Tempel verwendet. "Jedes Speiseopfer ist zu salzen", steht in der Schrift (Ex 30,35). Salz war Symbol der Beständigkeit; beim Abschluss eines Vertrages aßen beide Partner Salz.
"Ihr seid das Salz der Erde": Wir sollen wie Salz sein, ein eigenartiger Vergleich.
Abraham a Santa Clara, der Wiener Hofprediger, sagte einmal in einer Predigt: "Ihr sollt Salz seid, Salz und nicht Zucker! Und Salz, das beißt."
Es geht nicht um eine bestimmte Eigenschaft, um Tugenden, die wir in die Menschheit einzubringen haben, sondern es geht um unser ganzes Sein, um unser Tun, um unser Verhalten hier in dieser Welt. Wir sollen mit unserem christlichen Leben den anderen nicht um jeden Preis gefallen, wir dürfen nicht überall beliebt sein, sondern die Menschen von heute dürfen sich auch an uns stoßen, es darf ihnen sauer aufstoßen, wenn sie uns erleben.
Wir sollen Salz sein, also nur eine kleine Menge, ein kleiner Bestandteil. Wir müssen nicht die ganze Suppe, die ganze Speise werden, es reicht, wenn wir als kleine Gruppe, als Minderheit, die wir ja sind, das Unsere als "Salz" dazugeben, wenn wir das Ganze dadurch prägen.
Wie lebensnotwendig das ist, was Christen in die Welt hinein zumischen haben, sehen wir am Gegenteil. Schales Salz "taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Menschen zertreten". Wenn wir Christen ausfallen, wenn wir versagen, total angepasst sind, haben wir keinen Wert mehr, und nichts sonst kann unseren Dienst für die Welt ersetzen. Wenn wir zu wenig an Christus, an sein Evangelium glauben, wenn wir nicht wirklich davon durchdrungen und überzeugt find, fehlt Entscheidendes. Wie wollen wir dann noch wirklich Anderes, Neues, in die Welt bringen? Alles fault.
Das Urteil Jesu ist ziemlich vernichtend über uns, denn wir werden wie ein fades, geschmackloses Salz, wenn uns keine Kraft mehr innewohnt, wenn wir nichts mehr von seinem Geist bringen. Wir wandern auf den Müll, sind soviel wert wie Abfall. Es braucht uns nicht mehr, also bleiben wir nicht.
Jesus sagt uns, wir sind etwas, Salz der Erde, und wir sollen das sein, sollen es aushalten, dass wir nur das sind. Zunächst klingt das relativ passiv, keine Spur von Machen-Können, von Selbst-Machen. Dieses Symbol Salz bringt uns also mit unserer eigenen Ohnmacht in Berührung.
Ich gehe davon aus, wir kennen aus eigener Erfahrung diese Gefühle: Ich bin ohne Einfluss, ich kann nichts ändern, nichts bewegen, nichts gestalten. Wenn wir in die Welt voller Gewalt und Ungerechtigkeit hineinschauen und uns fragen:
Kann ich da etwas ändern? Kann ich mich gegen diese Flut anstemmen? Dann ist die Antwort gerne die: Nein, dazu bin ich zu schwach, da bin ich ohnmächtig.
Oder wenn Sie einmal in den Blick nehmen, wie in unserer Zeit, in unserer Gesellschaft der Unglaube sich ausbreitet, und wir, die wir die Frohe Botschaft zu verbreiten haben, stellen fest: Es will uns niemand hören, dann fühlen wir uns ohnmächtig.
Solche Gefühle sind schwer auszuhalten. Manche resignieren dann und werden depressiv, damit nehmen die Ohnmachts-Gefühle zu. Andere werden aggressiv, schlagen um sich, oder stürzen sich wie wild in die Arbeit, um doch etwas zu erreichen. Die Ergebnisse weisen meist nicht in die gewünschte Richtung. Wie können wir mit unserer Ohnmacht leben, ohne davon zu sehr gelähmt oder zu sehr angetrieben und bestimmt zu werden? Da werden unter Umständen Kräfte in uns wirksam, die uns von dem abhalten, was wir zu sein haben.
In solchen Situationen ist die Erinnerung an das Evangelium eine Hilfe: Ihr seid das Salz der Erde. Nicht mehr! Wir dürfen daran glauben, davon ausgehen: Gott wohnt in mir. Er ist durch seinen Geist in mir anwesend. Es geht darum, damit in Kontakt zu kommen. Wir sind alle getauft. Damit ist göttliches Leben, göttlicher Geist, göttliche Kraft in uns. Dieser Gott wirkt in uns und durch uns, oft unsichtbar, oft in einer Art und Weise, dass wir erst viel später merken: Er war es.
Wir dürfen, wir sollen Salz sein, das bedeutet für mich auch: Wir sollen anders sein als die Welt. In manchen Punkten dürfen wir im Widerspruch stehen, zum Beispiel wenn die Habsucht als Tugend, als Wert dargestellt wird. Wenn diejenigen das höchste Ansehen genießen, die ein ungeheures Vermögen angehäuft haben. Wir brauchen das nicht, denn wir wissen: Es bleibt uns am Ende nichts.
Wenn wir so leben, im Widerspruch zu dem, was unserer Gesellschaft so wichtig ist, dann ecken wir zwar an, aber wir ändern damit etwas, vielleicht unsichtbar, verborgen, und doch wirksam, denn der eine oder andere kommt dann doch zum Nachdenken, kommt zur Besinnung, dass man anders leben kann als die Masse, dass man freier wird, wenn man sich nicht dem Diktat der Mehrheit beugt. Das ist unsere Aufgabe als Salz der Erde. Und wie gesagt, es beißt. Wenn unser Leben, unser Verhalten in dieser Welt anderen so vorkommt, dann sind wir auf dem richtigen Weg.
Unlängst bin ich abends in der Dunkelheit auf der Autobahn durch das Rheintal* gefahren. Von weit her leuchteten die Lichter der Ortschaft Triesenberg*. Und mir ist aufgefallen, wie sehr sie in den letzten Jahren grösser geworden ist - und mit ihr das abendliche Lichtermeer. Und unwillkürlich machte ich ein Gedankenspiel: Würde ich nicht in dieser Gegend wohnen und hier nur auf der Durchfahrt sein, und würden nicht so viele Lichter dort oben auf dem Berg brennen, wüsste ich nicht einmal, dass es diesen Ort Triesenberg gibt und käme nicht auf die Idee, ein Dorf auf diesem Berg zu vermuten. Erst die Lichter lassen nächtliche Durchreisende fragen, was das da oben für ein Ort ist.
Übertragen wir diese Alltagsbeobachtung auf unseren Glauben. Wir haben ihn, den Glauben, den christlichen Glauben. Vielen von uns wurde er in die Wiege gelegt. Die meisten der Christen leben ihn so recht und schlecht, manchmal mehr, manchmal weniger. Bewusst, wenn wir uns - wie heute hier - Zeit für Gebet und Gottesdienst nehmen, unbewusst, wenn wir reden, schweigen, handeln, anderen begegnen. Manches Mal beiläufig. Oft auch beliebig. Was von meinem Glauben wird eigentlich für andere wahrnehmbar? In der Arbeit? Im Zusammenleben? In der Begegnung?
Ab und zu müssten wir uns als Christinnen und Christen ein Beispiel an den Glühwürmchen nehmen. Zugegeben: sie sind selten geworden. Und man muss schon Glück haben, eines in der Natur zu entdecken. So ein Glühwürmchen ist ein faszinierendes Wesen: es leuchtet von innen her. Es wird nicht von außen angestrahlt. Sein Licht leuchtet von innen nach außen und vermag in der dunkelsten Nacht ein heller Lichtpunkt zu sein. So ein kleines Geschöpfchen vermag so etwas Großartiges und Staunenswertes.
Es gibt eine Redensart, die sagt: Wenn du wissen willst, was Christen glauben, lebe eine Zeitlang mit ihnen. Wenn unser Glaube nicht durch uns in der Welt zum Leuchten kommt, fangen Menschen nicht an, danach zu fragen. Wo er aber durchkommt, kann er eine ungeahnte Strahlkraft entwickeln.
Jesus hat uns im Evangelium ein großes Wort gegeben. Er hat nicht aufgezählt, was wir alles nicht können oder nicht tun sollen. Das macht einen klein und mutlos, verhindert ein gesundes Selbstbewusstsein, wenn man solche Sätze ständig gesagt bekommt. Jesus erweist sich als guter Pädagoge. Er bestärkt. Er sagt nicht: Ihr sollt das Salz der Erde sein. Er sagt: Ihr seid das Salz der Erde! Er sagt nicht: Ihr sollt das Licht der Welt sein. Er sagt: Ihr seid das Licht der Welt.
Matthäus schreibt sein Evangelium für die verfolgte junge Christengemeinde, in der den Jüngern einiges abverlangt wird, für die es kein Honigschlecken ist, ihren christlichen Glauben zu leben geschweige denn ihn in der Öffentlichkeit zu bekennen. Ihnen wird - wie uns heute - zugesagt: Schon hier und jetzt sind Christen und Christinnen Licht der Welt und Salz der Erde. Schon hier und jetzt haben Christinnen und Christen eine für andere Menschen vielleicht unglaubliche Kraft ihre Umwelt, ihre Umgebung zu prägen, wie das Licht die Dunkelheit ringsum erhellt, oder das Salz die Speise durchwirkt und Geschmack verleiht.
Wir erinnern uns an ein anderes Jesuswort, das uns der Evangelist Johannes überliefert hat: Jesus spricht: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben." (Joh 8,12) Wer Jesus nachfolgt, dem mag keine Finsternis etwas anhaben, weil er das Licht des Lebens hat, Lichtträger/Lichtträgerin ist. Das Entzünden der Taufkerze an der Osterkerze bringt dies in der Taufliturgie auf sinnenfällige Weise zum Ausdruck.
Weil uns das Licht Christi in der Taufe geschenkt wurde, vermögen wir es, Licht der Welt zu sein. Weil uns das Licht Christi anvertraut wurde, ist es aber auch unsere Aufgabe, in unserer gottgeschenkten Freiheit für dieses Licht Sorge zu tragen, wenngleich Jesus damit auch Gefahr läuft, dass es verlöscht, wie wenn eine Flamme erstickt wird, wenn sie keinen Sauerstoff mehr bekommt, weil ein Gefäß darüber gestülpt wurde.
Es mag Christinnen und Christen geben, denen das Licht angesichts der Verfehlungen einzelner Vertreter der Kirche "abgelöscht" hat.
Vielleicht mag es auch so sein, dass manche es übersehen haben, dafür Sorge zu tragen, dass das Licht des Glaubens jenen Sauerstoff bekommt, den es zum Leuchten braucht, sodass die Flamme kleiner geworden ist und nur mehr "ein kleines Flunzerl" brennt.
Und vielleicht kennen wir Menschen oder spüren wir sogar tief in uns selbst, dass das Licht Christi in uns brennt, das Herz erwärmt und nach außen strahlt.
Wie auch immer: Jesus hört nicht auf, Licht des Lebens zu sein. Jesus hört auch nicht auf, uns zuzumuten, Licht der Welt zu sein. Christlicher Glaube bewahrheitet und bewährt sich in Taten. Christlicher Glaube wird in Werken der Nächstenliebe Wirklichkeit. "So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werken sehen und euren Vater im Himmel preisen."
Schauen wir auf die guten Werke, die Getaufte inner- und außerhalb der Kirche wirken, dann haben wir Grund zur Freude und Dankbarkeit. Es muss nicht immer "Kirche" draufstehen, was Kirche ist. Wichtig ist die Antriebskraft, aus der heraus das Gute in der Welt geschieht.
Dieses Jahr wird als Europäisches Jahr der Freiwilligen begangen. Eine Möglichkeit, vermehrt in den Blickfeld jenes Gute zu nehmen, das Menschen unentgeltlich und freiwillig tun. Eine Einladung auch an uns wieder verstärkt wahrzunehmen, wo Christen und Christinnen Hand anlegen, ihren Mund öffnen, ihre Zeit schenken, und unaufhörlich dazu beitragen, dass das Licht Christi in der Welt aufleuchtet.
Durch gute Werke bringen wir Christus selbst zum Leuchten. Durch unsere guten Werke laden wir ein, andere zu fragen: Was ist das, was dich zu solchen Taten bewegt? Was ist es, das dich mit Freude und Kraft erfüllt? Und wenn wir dann noch den Mut haben und sagen können: das ist mein Glaube an Jesus, dann freut sich nicht allein unser Vater im Himmel. Dann ist dieses Zeugnis hundertmal besser als jedes Credo, das wir im Gottesdienst über die Lippen bringen, dann kann vielleicht dieses Zeugnis Anstoß sein, dass andere zu fragen beginnen und dann und wann wieder ein Licht des Glaubens mehr entzündet wird.
Das heutige Evangelium ist Zuspruch Jesu, seine Ermutigung an uns, wieder neu wahrzunehmen, dass auch ich Licht bin für andere, ja, auch für die Welt. Es lädt uns aber auch ein, all' das Gute um uns wahrzunehmen, was in seinem Namen geschieht oder neu zu entdecken und zu erfahren, dass Jesu Licht auch mir einmal geschenkt wurde, geschenkt ist: Auch ich habe eine Kraft von innen her, weil mir Kraft von oben geschenkt ist.
Lieder:
GL 142: Zu dir, o Gott, erheben wir
GL 144: Nun jauchzt dem Herren alle Welt
GL 281: Also sprach beim Abendmahle Jesus als sein Testament (1. Str.)
GL 348: Nun bitten wir den Heiligen Geist (4. Str.)
GL 362: Jesus Christ, you are my life, alleluja
GL 371: Herz Jesu, Gottes Opferbrand (2. Str.)
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 374: Volk Gottes zünde Lichter an
GL 377: O Jesu, all mein leben bist du
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 437: Meine engen Grenzen
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 442: Wo die Güte
GL 446: Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 461: Mir nach, spricht Christus, unser Held (2. Str.)
GL 464: Gott liebt dies
GL 468: Gott gab uns Atem, damit wir leben (3. Str.)
GL 479: Eine große Stadt ersteht, die vom Himmel niedergeht
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 483: Gehet nicht auf in den Sorgen dieser Welt (2. Str.)
GL 484: Dank sei dir Vater für das ewge leben (6. Str.)
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 489: Laßt uns loben, freudig loben
GL 491: Ich bin getauft und Gott geweiht (3. Str.)
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
Ö854: Liebe ist nicht nur ein Wort
Ö904: Der Himmel geht über allen auf
Ö922: Das sollt ihr, Christ Jünger, nie vergessen
Ö923: Strahlen brechen viele aus einem Licht
Psalmen und Kehrverse:
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Psalm 27 - IV.
GL 56: Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade - Mit Psalm 100 - V.
GL 373: Du bist Licht und du bist Leben - Mit Psalm 112 (GL 61,2) - VI.
GL 454: Geht in alle Welt, Halleluja, und seid meine Zeugen. Halleluja - Mit Psalm 112 (GL 61,2) - VI.
GL 629,1-2: Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I.
Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: 5. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
hilf uns, durch das Bekenntnis des Glaubens,
durch die Ausdauer in der Hoffnung und
durch Werke der Liebe den Menschen
ein Zeugnis deiner Nähe zu geben.
Durch Christus, unseren Herrn.
Herr, unser Gott,
du hast Brot und Wein geschaffen,
um uns Menschen in diesem vergänglichen Leben
Nahrung und Freude zu schenken.
Mache diese Gaben zum Sakrament,
das uns ewiges Leben bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
(für Wortgottesfeiern)
Kehrvers:
Gott, du bist herrlich und heilig,
wir wollen dir lobsingen. Halleluja. (GL 488,2)
Guter Gott,
wir treten vor dich, um dir unseren Dank darzubringen.
In Weisheit hast du die Welt geschaffen
und ihre eine Ordnung gegeben,
in der sich alle Geschöpfe entfalten können.
Kehrvers
Deine Propheten haben Gerechtigkeit und Barmherzigkeit eingemahnt.
Durch sie wird das Leben hell
und strahlt in der Dunkelheit menschlicher Machenschaften dein Licht auf.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hast du zum Licht für alle Völker gemacht.
Sein Leben und seine Botschaft erhellen auch unseren Weg.
Sein Umgang mit den Hungrigen, Armen und Kranken
heilte die Bedrängten und Geschlagenen.
Kehrvers
Seinen Jüngern trug er auf, selbst Salz und Licht zu sein,
damit alle Welt ihre guten Werke sehe
und dich, Vater im Himmel, preise.
Für dein Licht und für dein Wohlwollen danken wir dir
und preisen wir dich mit der ganzen Schöpfung.
Danklied, z.B. "Nun saget Dank und lobt den Herren" (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig, dir zu danken,
heiliger Vater.
Es ist recht, dich zu preisen.
Denn du allein bist der lebendige und wahre Gott.
Du bist vor den Zeiten und lebst in Ewigkeit.
Du wohnst in unzugänglichem Lichte.
Alles hast du erschaffen,
denn du bist die Liebe
und der Ursprung des Lebens.
Du erfüllst deine Geschöpfe mit Segen
und erfreust sie alle mit dem Glanz deines Lichtes.
Vor dir stehen die Scharen der Engel
und schauen dein Angesicht.
Sie dienen dir Tag und Nacht,
nie endet ihr Lobgesang.
Mit ihnen preisen auch wir deinen Namen,
durch unseren Mund rühmen dich alle Gesschöpfe
und künden voll Freude das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Hochgebet 4
Ja, es ist würdig und recht,
dich, unseren liebenden Gott und Vater,
immer und überall zu preisen.
Denn du hast deinen Sohn in unsere Welt gesandt.
Er ist das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
das alle Dunkelheit durchdringt
und unser Leben erhellt.
Durch ihn hast du dein heiliges Volk selbst
zum Licht der Welt und zum Salz der Erde gemacht.
Es ist die Stadt auf dem Berg,
die nicht verborgen bleibt,
und das Licht auf dem Leuchter,
das allen leuchtet.
Darum preisen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen,
darum singen auch wir vereint mit ihnen
zum Lobe deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
Barmherziger Gott,
du hast uns teilhaben lassen
an dem einen Brot und dem einen Kelch.
Laß uns eins werden in Christus
und Diener der Freude sein für die Welt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Ihr habt mich angezündet und schaut nachdenklich in mein Licht.
Vielleicht freut Ihr Euch ein bisschen dabei.
Ich jedenfalls freue mich, dass ich brenne.
Wenn ich nicht brennen würde,
läge ich jetzt in einem Karton mit anderen,
die auch nicht brennen.
In so einem Karton haben wir überhaupt keinen Sinn.
Da liegen wir lediglich herum.
Einen Sinn habe ich nur, wenn ich brenne.
Und jetzt brenne ich.
Aber seit ich brenne,
bin ich schon ein klein bisschen kürzer geworden.
Das ist schade, denn ich kann mir ausrechnen,
wann ich nur noch ein kleines Stümpfchen sein werde.
Aber so ist das - es gibt nur zwei Möglichkeiten:
Entweder ich bleibe ganz und unversehrt im Karton,
dann werde ich nicht kürzer,
dann geht mir überhaupt nichts ab - aber dann weiß ich nicht,
was ich eigentlich soll.
Oder ich gebe Licht und Wärme,
dann weiß ich, wofür ich da bin.
Dann muss ich aber etwas von mir geben -
von mir selbst, mich selber.
Das ist schöner als kalt und sinnlos im Karton.
So ist das auch bei Euch Menschen, genau so.
Entweder Ihr bleibt für Euch,
dann geschieht Euch nichts,
dann geht Euch nichts ab.
Aber dann wisst Ihr
auch eigentlich nicht so recht, wofür.
Dann seid Ihr wie Kerzen im Karton.
Oder Ihr spendet Licht und Wärme,
dann habt Ihr einen Sinn.
Dann freuen sich die Menschen, dass es Euch gibt.
Dann seid Ihr nicht vergebens da.
Aber dafür müsst Ihr etwas geben -
von Euch selbst, von allem, was in Euch lebendig ist:
von Eurer Freude, Euer Herzlichkeit, von Eurer Treue,
Eurem Lachen, von Eurer Traurigkeit,
von Euren Ängsten, von Euren Sehnsüchten.
Ihr braucht keine Angst zu haben,
wenn Ihr dabei kürzer werdet.
Das ist nur äußerlich.
Innen werdet Ihr immer heller.
Denkt ruhig daran,
wenn Ihr eine brennende Kerze seht.
Das Licht einer Kerze verliert nicht an Helligkeit,
wenn es andere Kerzen ansteckt.
(Verfasser unbekannt)
Jemand hat zu mir gesprochen
Und nicht an mir vorbei.
Jemand hat sich mit mir eingelassen
Und nicht das Risiko gescheut.
Jemand hat mir zugehört
Und nicht auf die Uhr gesehen.
Jemand hat sich mir zugewandt
Und nicht ungeduldige Augen gemacht.
Jemand hat mich mitgenommen
Und nicht sitzen gelassen.
Jemand hat sich helfen lassen
Und nicht stolz abgelehnt.
Jemand hat sich als Christ bewährt.
Aus: Josef Dirnbeck / Martin Gutl, Ich begann zu beten. Styria Verlag Graz / Wien / Köln 1973.
Du hast uns die Liebe als Arznei gegeben, o Gott,
und willst, dass der Arzt in dieser Liebe
eingeschlossen sei, um die Kranken zu heilen.
So wie deine Liebe kein Ende hat,
soll auch unser Forschen und Dienen kein Ende haben.
Ohne deine Hilfe ist der Arzt machtlos,
aber mit dir vermag er das Höchste.
Du bedienst dich unser,
weil du selbst gern im Verborgenen bleibst.
Dein Wille ist, dass du durch uns die Kranken heilst.
Du gießest die Freude am ewigen Leben in das Herz ein,
und jeder, der an dich glaubt,
wird lebendig auferstehen und den Tod nicht schmecken.
Du hast im Menschen die Kräfte aller Elemente
Geheimnisvoll zusammengefasst,
so wie ein Arzt, der aus den Säften der Kräuter
die Kraft zum Heilen zieht.
Lass mich alles zum Nutzen der kranken
nach bestem Vermögen und Urteil anordnen,
alles Schädliche von ihnen fernhalten.
Lass mich heilig und rein meine Kunst
und mein Leben bewahren. Amen.
Philippus Paracelsus (1493 – 1541), Arzt und Reformator der Medizin, Naturforscher und Philosoph.
Aus: Gebete für das ganze Leben. Benno-Verlag Leipzig 2004.
Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist,
dass sie einfach da sind.
Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut,
sie nur zu sehen.
Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.
Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend
ihre Nähe ist.
Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer
wir ohne sie wären.
Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk
des Himmels sind.
Sie wüsste es –
würden wir es ihnen sagen!
Vertont von Reinhard Burchhardt (als PDF herunterladen)
Petrus Ceelen.
Aus: Minuten am Morgen, Texte und Gebet zum Schulbeginn, München 2002.
Die Vorbereitung auf die Predigt
145. Die Vorbereitung auf die Predigt ist eine so wichtige Aufgabe, dass es nötig ist, ihr eine längere Zeit des Studiums, des Gebetes, der Reflexion und der pastoralen Kreativität zu widmen. In aller Freundlichkeit möchte ich hier nun einen Weg der Vorbereitung auf die Homilie vorschlagen…
146. Nachdem man den Heiligen Geist angerufen hat, ist der erste Schritt, die ganze Aufmerksamkeit dem biblischen Text zu widmen, der die Grundlage der Predigt sein muss. Wenn jemand innehält und zu verstehen versucht, was die Botschaft eines Textes ist, übt er den „Dienst der Wahrheit“113 aus. Es ist die Demut des Herzens, die anerkennt, dass das Wort Gottes uns immer übersteigt, dass wir „weder ihre Besitzer noch ihre Herren sind, sondern nur ihre Hüter, ihre Herolde, ihre Diener“…
Der persönliche Umgang mit dem Wort
149. Der Prediger muss „zuallererst selber eine große persönliche Vertrautheit mit dem Wort Gottes entwickeln: Für ihn genügt es nicht, dessen sprachlichen oder exegetischen Aspekt zu kennen, der sicher auch notwendig ist; er muss sich dem Wort mit bereitem und betendem Herzen nähern, damit es tief in seine Gedanken und Gefühle eindringt und in ihm eine neue Gesinnung erzeugt“115 …
150. Jesus wurde ärgerlich angesichts dieser vorgeblichen, den anderen gegenüber sehr anspruchsvollen Meister, die das Wort Gottes lehrten, sich aber nicht von ihm erleuchten ließen: „Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen“ (Mt 23,4). Der Apostel Jakobus mahnte. „Nicht so viele von euch sollen Lehrer werden, meine Brüder. Ihr wisst, dass wir im Gericht strenger beurteilt werden (Jak 3,1). Wer predigen will, der muss zuerst bereit sein, sich vom Wort ergreifen zu lassen und es in seinem konkreten Leben Gestalt werden zu lassen. In dem Fall besteht das Predigen in der so intensiven und fruchtbaren Tätigkeit, „den anderen das mitzuteilen, was man selber betrachtet hat“...
151. Es wird von uns nicht verlangt, dass wir makellos sind, sondern vielmehr, dass wir immer im Wachsen begriffen sind, dass wir in dem tiefen Wunsch leben, auf dem Weg des Evangeliums voranzuschreiten, und den Mut nicht verlieren. Unerlässlich ist für den Prediger, die Gewissheit zu haben, dass Gott ihn liebt, dass Jesus Christus ihn gerettet hat und dass seine Liebe immer das letzte Wort hat. Angesichts solcher Schönheit wird er oft spüren, dass sein Leben ihr nicht vollkommen die Ehre gibt, und wird sich aufrichtig wünschen, auf eine so große Liebe besser zu antworten. Doch wenn er nicht innehält, um das Wort Gottes mit echter Offenheit zu hören, wenn er nicht zulässt, dass es sein Leben anrührt, ihn in Frage stellt, ihn ermahnt, ihn aufrüttelt, wenn er sich nicht Zeit nimmt, um mit dem Wort Gottes zu beten, dann ist er tatsächlich ein falscher Prophet, ein Betrüger oder ein eitler Scharlatan. Auf jeden Fall kann er, wenn er seine Dürftigkeit erkennt und den Wunsch hat, sich mehr zu engagieren, sich immer Jesus Christus schenken und dabei mit Petrus sagen: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir“ (Apg 3,6). Der Herr möchte uns einsetzen als lebendige, freie und kreative Menschen, die sich von seinem Wort durchdringen lassen, bevor sie es weitergeben. Seine Botschaft muss wirklich den Weg über den Prediger nehmen, aber nicht nur über seine Vernunft, sondern indem es von seinem ganzen Sein Besitz ergreift...
Aus dem Apostolisches Schreiben EVANGELII GAUDIUM; Papst Franziskus.
Der Mensch strebt danach, sich zu verwirklichen. Man will etwas aus seinem Leben machen. Die Lebenstage sollen erfüllt, sinnvoll und schön sein. Je älter ein Mensch wird, ums so mehr wird er rückblickend von seinem Leben erzählen können.
Gerade aber ein älterer Mensch wird eher als ein junger wissen, dass das Leben nicht nur Selbstverwirklichung und Freude ist, sondern vielschichtiger und umfassender und dass zum Leben immer auch Schweres und Leidvolles gehört.
Der junge Mensch glaubt, das Leben vor sich zu haben, alles erreichen und sich selbst verwirklichen zu können und es ist gut so, dass er voller Hoffnung und Tatendrang ist.
Der ältere Mensch schaut vielleicht eher zurück auf sein Leben und fragt sich zuweilen, ob das alles gewesen sein soll? Vielleicht hat er das Gefühl, einiges verpasst zu haben, nichts mehr nachholen zu können. Er sieht Möglichkeiten schwinden, Kräfte vergehen. Da ist es gut, wenn man im Rückblick auf sein Leben die positiven Dinge nicht übersieht, wenn man auch Kleinigkeiten, die gut getan haben, dankbar betrachten kann, wenn man die Spuren Gottes in seinem Leben erkennen kann.
Es ist schön, wenn die junge Generation von der Lebensweisheit der älteren lernt. Schön, wenn auch dem jungen Menschen die rückblickende Dankbarkeit nicht fremd ist. Andererseits ist zu wünschen, dass sich auch ältere Menschen etwas von der hoffnungsfrohen Lebenseinstellung ihrer Jugend bewahren.
Aus: Cäcilia Kittel, Sei stille dem Herrn, Impulse zur eucharistischen Anbetung, München 2006.
Vielleicht denken manche: Das Gesagte ist viel zu fromm. Wo bleibt der Weltauftrag? Unsere Verantwortung in der Welt den Menschen gegenüber wird dabei keineswegs übersehen. Das Bemühen um Transparenz des eigenen Lebens und Handelns auf Gott hin drängt von sich her zu einer solidarischen Hinwendung zu den Menschen, für die wir da sind. Denn das Tun Christi soll ja durch uns für sie übersetzt werden, soll ein für sie verstehbares Zeichen sein. Das setzt Nähe zwischen Ihnen und uns voraus, Aufmerksamkeit für die Lebenssituation der Menschen, ihre Nöte und Freuden, Ängste und Hoffnungen, ihr Denken, Fühlen und Handeln. So wächst Spiritualität aus dem Alltag heraus, aus der Begegnung mit den Menschen, mit denen wir leben. Haben wir Freunde unter denen, die es schwer haben, die das Nachsehen haben? Haben wir Freunde und Bekannte unter den Armen?
Die Alltagsbegegnungen sind wichtig. In ihnen vollzieht sich die Hinwendung zu den erdnahen Gegebenheiten der jeweiligen Wohn- und Umwelt unterhalb der großen Weltverantwortung. Dass wir uns nicht davon dispensieren können, muss nicht eigens betont werden. Sie kann aber, wenn die Überanstrengung permanent wird, auch dazu führen, dass der Realitätssinn Schaden nimmt und man wie gelähmt ist. Wer fortwährend nicht weniger als den Globus meint schultern zu müssen (was nicht einmal Herkules auf Dauer hielt), kommt leicht in Gefahr, geringere Ziele nicht der Mühe wert zu achten.
Dem großen "Weltgespräch" muss das "Ortsgespräch" vorausgehen. "Es kommt alles darauf, wie wir den Alltag bestehen. Er kann alltäglich machen. Er kann uns aber auch frei von uns selbst machen wie sonst nichts. Brächten wir dieses Frei- und Selbstloswerden fertig, dann würde dieses Liebe durch alle Dinge hindurch, mitten durch das Herz der Dinge hindurch sich hinaufschwingen in die unendlichen Weiten Gottes und auch noch all die verlorenen Dinge des Alltags mitnehmen" (K. Rahner).
Entnommen aus: Franz Kamphaus, Priester aus Passion Freiburg 1993.
Als ich versucht habe, so zu leben, habe ich festgestellt, dass es Liebe und Liebe gibt. Man kann ein gewisses Verständnis für die anderen aufzubringen, sich ein wenig für ihre Schmerzen interessieren, ihre Lasten irgendwie mittragen. Doch diese Art zu lieben genügt nicht, um dem zu entsprechen, was Gott von uns möchte: eine Liebe, deren Maß Jesus vorgegeben hat: "Liebt einander. Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!" Unsere Taten der Liebe sollen zumindest von der entschiedenen Absicht getragen sein, so zu lieben. Was wir auch tun, um dem anderen unsere persönliche Liebe zu erweisen, sollte, von der grundlegenden Bereitschaft geprägt sein, für ihn das Leben zu geben. Nicht irgendein Anstrich von Liebe gefällt Jesus, sondern eine Liebe, die das eigene Leben einsetzt. Wenn wir so leben, sind wir ganz offen für andere, und unser Ich wird entthront.
[…]
Wenn wir in der nächsten Zeit jemandem begegnen, mit jemandem telefonieren, jemandem einen Brief schreiben, einen Vertrag vorbereiten oder unsere tägliche Arbeit als Dienst am Nächsten tun, fragen wir uns immer: Bin ich bereit, für den Betroffenen das Leben zu geben? Stellen wir uns diese Frage auch zehn oder zwanzigmal am Tag, sooft wir etwas für andere tun. Ich bin überzeugt, dass unser Leben einen großen Qualitätssprung erfährt.
Aus: Chiara Lubich: Die gegenseitige Liebe, Ottmaring 2013.
Wer da bedrängt ist findet
mauern, ein
dach und
muß nicht beten
Aus: Reiner Kunze, gespräch mit der amsel, Frankfurt a. Main 1984.
Wie das Salz ist die Jüngerschaft Jesu unersetzlich für die Welt. Doch wo sie versagt, hat sie das Gericht der Menschen zu erwarten.
Marie-Louise Gubler, Befreiung verkündigen. Eine Auslegung der Sonntagsevangelien, Studia Oecumenica Friburgensia 53, 2010.
Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen,
liebe sie trotzdem.
Wenn du Gutes tust,
werden sie dir egoistische Motive und Hintergedanken vorwerfen,
tue trotzdem Gutes.
Wenn du erfolgreich bist,
gewinnst du falsche Freunde und echte Feinde,
sei trotzdem erfolgreich.
Das Gute, das du tust,
wird morgen vergessen sei,
tue trotzdem Gutes.
Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar,
sei trotzdem ehrlich und offen.
Was du in jahrelanger Arbeit aufgebaut hast,
kann über Nacht zerstört werden,
baue trotzdem.
Deine Hilfe wird wirklich gebraucht,
aber die Leute greifen dich vielleicht an,
wenn du ihnen hilfst,
hilf ihnen trotzdem.
Gib der Welt dein Bestes,
und sie schlagen dir die Zähne aus,
gib der Welt trotzdem dein Bestes.
Vardey Lucinda, Mutter Teresa. Der einfache Weg, Hoffmann und Campe.

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