In der Bergpredigt, gleichsam der Antrittsrede Jesu setzt sich Jesus mit den tradierten Geboten auseinander. Er verdichtet und vertieft sie, denn sie sind Ausdruck der innigen Beziehung Gottes zu den Menschen.
Haben Sie schon gehört? Stimme abgesenkt, verschwörerischer Blick, die Hand schützend um den Mund gelegt... Was, flüsternd, neugierig, was? Aber das Ritual kippt... Es kommt kein Geheimnis, klein Klatsch. Ihr habt gehört: du sollst nicht töten. Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst keinen Meineid schwören. Das sind doch die Gebote, denke ich. Wenigstens drei von ihnen. Jesus zitiert sie. Jesus zitiert sie wohl stellvertretend für alle – zehn Gebote. Warum nur sagt er: ihr habt gehört? Nur gehört?
Die Fachleute haben für diese Art Argumentation das Wort „Antithesen“ eingeführt. Dem – eigentlich – Vertrauten, womöglich Selbstverständlichem, wird eine größere, weitere, ja, auch strengere Ausrichtung gegeben. So hört sich das auch an, was Jesus sagt. Ich aber sage euch! Einen Diskussionsspielraum finden wir nicht.
Schon der böse Gedanke, das schlechte Reden, das Schimpfwort werden als Todesstoß sichtbar.
Ein Ehebruch beginnt schon mit einem lüsternen Blick und in der sexuellen Phantasie. Und wenn unsere Worte, unsere Reden nicht wahr und verlässlich sind – dann kommt es einem Meineid gleich.
Wir hören Autorität heraus, wir ahnen, dass wir noch nicht alles gehört, noch nicht alles verstanden haben. Aber strenger ist das alles eigentlich nicht, nur tiefer, verdichteter. Auf den Punkt gebracht:
Wir entdecken neue Seiten. Was wir alles gehört haben! Was wir alles wissen! Nur: nicht alles! Es fehlt etwas, es fehlt uns etwas, wenn wir – und jetzt fällt das Zauberwort – nicht aus der Liebe leben, die uns geschenkt ist.
In der Lesung – aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther - haben wir gehört:
"Wir verkündigen Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden. Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes."
Wer die Tiefen Gottes sehen will, wird seine Liebe entdecken – und sich dann auch.
So neu und überraschend ist dann auch nicht, was Jesus sagt. Schon die Propheten haben den Blick auf die Herzen von Menschen gewagt. Es genügt nicht, die Gebote Gottes formal zu halten – sie sind Ausdruck inniger Beziehungen zwischen Gott und den Menschen. Es reicht nicht, wenn Menschen einander nicht töten – sie dürfen auch dem Hass und der Rache keinen Raum geben. Es reicht nicht, wenn Menschen ihre Ehe äußerlich aufrecht erhalten – sie dürfen sich auch in Gedanken nicht voneinander entfernen. Es reicht nicht, wenn Menschen den Meineid nicht zu ihren Zwecken einsetzen – sie sollen in allem, was sie sagen, treu und verlässlich sein. Ist das die Vollkommenheit, nach der ich mich auch sehne?
Jessie J, eigentlich Jessica Ellen Cornish, eine britische Popmusikerin, 1988 geboren, singt ihren Song Nobody’s Perfect. Sehr rhythmisch, immer wieder neu ansetzend.
„Und ich hasse, dass ich dich im Glauben gelassen habe
Dass das Vertrauen , welches wir hatten, gebrochen ist
Sag mir nicht, du kannst mir nicht vergeben
Denn niemand ist perfekt
Nein, nein, nein, nein, nein ,nein, nein, niemand ist perfekt
Erzähl mir nicht, erzähl nicht
Erzähl mir nicht, du kannst mir nicht vergeben
Nein, nein, nein, nein
Denn niemand ist perfekt, nein“
Merkwürdig: ich verstehe sie auf Anhieb. Niemand ist perfekt. Ich auch nicht. Jessi J singt ein Lied – eine Bitte um Vergebung. Sie beklagt etwas, sich wirft sich etwas vor. Was? Ich höre es heraus, es steht zwischen den Zeilen: zerbrochenes Vertrauen, schuldhaft zerbrochenes Vertrauen. Dazu lassen sich viele Geschichten erzählen, viele Lieder singen. Zerbrochenes Vertrauen liegt überall herum. In den Ecken, auf den Wegen, unter den Tischen.
Der Song von Jessi J nimmt – wohl unbewusst – Maß an der Vollkommenheit, die Jesus in Worte fasst. Ich möchte doch auch darüber reden, warum so oft schlechte Gedanken in mir ihr Unwesen treiben. Warum ich in meinen Phantasien ein anderer sein möchte als der ich gerade bin. Warum ich mit meinen Worten spiele.
Ich höre die Gebote, ich höre, was Jesus sagt. Ich verstehe auch die Stoßrichtung, ich schaue auf mein Leben, ich halte den Blick aus, der auf mein Herz fällt.
Jessi J’s „Erzähl mir nicht, du kannst mir nicht vergeben“ wird zu einem Gebet.
Die sogenannten Antithesen „ihr habt gehört – ich aber sage euch“ werden von Jesus in seiner Bergpredigt formuliert. Die Bergpredigt kommt einer Antrittsrede oder einer Regierungserklärung nahe. Jesus legt sein Programm vor. Oder anders gesagt: er lässt uns in das Herz Gottes schauen.
Nehmen wir diesen Blick auf, hören wir nicht nur den Anspruch Jesu. Wir bekommen Liebe geschenkt. Was er sagt, hat er im Leben vieler Menschen möglich gemacht. Das sind dann die Zeichen und Wunder, von denen schon die Zeitgenossen geschwärmt haben:
Jesus sagt: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
Der beim Ehebruch ertappten Frau schenkt er einen neuen Anfang, ohne Steinigung.
Und er sagt uns seine unverbrüchliche Treue und Nähe zu.
Sein Wort trägt uns im Leben und im Sterben!
Jetzt machen wir uns auf den Weg. Wir suchen die größere Gerechtigkeit.
Öffne mir die Augen
für das Wunderbare an deiner Weisung!
Herr, weise mir den Weg deiner Gesetze!
Ich will ihn einhalten bis ans Ende.
Gib mir Einsicht, damit ich deiner Weisung folge
und mich an sie halte aus ganzem Herzen.
(Ps 119)
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
In der Bergpredigt gibt uns Jesus ein neues Grundgesetz für das neue Reich Gottes. Es geht über das Halten der Gebote hinaus. Er strebt eine neue Gesellschaft an.
Ich bin gekommen, das Gesetz zu erfüllen. Eine klare Ansage Jesu begegnet uns am Anfang des heutigen Evangeliums. Jesus weiß als gläubiger Jude, was Leitlinie des Lebens ist und sein soll. Die Tora, die Weisungen JHWHs. Die Tora führt zum Leben. Das war dem Volk Israel immer schon klar. Um die Tora für das Leben tauglich zu machen, braucht es daher immer wieder die Erinnerung und die Erklärung, das gemeinsame Ringen um den rechten, gerechten Weg. Denn offensichtlich hat das bisher zu wenig gefruchtet. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt wurde ... Jesus erweist sich als schlauer Pädagoge. Sowohl ihr, als auch die Alten sollten die Weisungen JHWHs kennen und auch tun. War aber wohl noch zu wenig, denn die Welt, wie sie ist, ist noch weit von Gerechtigkeit, von Menschlichkeit, von Barmherzigkeit entfernt. Damit Reich Gottes möglich werden kann, muss die Gerechtigkeit der Gemeinde jene der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertreffen.
Das kann auch für uns Anknüpfungspunkt in unserer Zeit sein. Wir erleben Zeiten großer Fluchtbewegungen, weil Menschen in ihren Ländern von Krieg und Tod bedroht sind, Leben dort schlichtweg verunmöglicht wird. Gleichzeitig spüren wir eine große Verhärtung und steigende Menschenverachtung, die sich auch in einem Rechtsruck und teilweisem Rechtsextremismus auswirkt, in unserer immer noch reichen Gesellschaft. Da wird von Seiten der Politik und der Reichen Angst geschürt gegen AsylwerberInnen, MigrantInnen, Obdachlose, Arbeitslose und Bezieherinnen von Mindestsicherung. Und per Gesetz werden Kürzungen beschlossen, die denjenigen, die ohnehin schon wenig oder zuwenig haben, das Leben noch härter macht, wenn nicht gar verunmöglicht. Oder es werden per Gesetz Bettelverbote erteilt, also Grundrechte mit Füßen getreten. „Wir sind ja schließlich kein Selbstbedienungsladen. Die, die zu uns kommen wollen, sollen abgeschreckt werden. Denen soll es nicht zu leicht gemacht werden.“ So sagen zumindest die, die als PolitikerInnen auf Kosten der Allgemeinheit gute Gehälter beziehen, oder die, die ihre Gewinne in ihren Firmen oft wenig besteuern lassen, weil sie Finanzberater haben, kurzum die, die ihren Beitrag zu einer guten Gesellschaft lieber für sich behalten als ihn allen zur Verfügung zu stellen.
Anders die Gesetze der Bibel. Sie decken auf, benennen die Wirklichkeit als das, was es ist, ein Skandal, ein Ärgernis, ein Unrecht, weil Menschen noch immer nicht als Menschen leben können.
In einer Zeit, wo die Römerherrschaft der damaligen Gesellschaft ihren Stempel aufzudrücken versucht, braucht es einen Orientierungsrahmen. Jesus knüpft an den Weisungen für die Alten an, verlangt deren Erfüllung, weil er weiß, dass sie dem Leben dienen. Es geht um die Frage, wie angesichts der herrschenden Unterdrückung trotzdem gottgefälliges und damit menschenfreundliches Leben möglich ist. Gemeinsam als Gemeinschaft. Jesus aktualisiert das, was den Alten gesagt wurde und ergänzt mit einer neuen Praxis.
Eingebettet ist das, was Jesus hier sagt, in die sogenannte Bergpredigt. Als er die vielen Menschen sieht, steigt er auf einen Berg, und er lehrte sie. Hier passiert also Entscheidendes. Nach den Seligpreisungen faltet Matthäus die Botschaft Jesu aus, bezeichnet die JüngerInnen und AnhängerInnen Jesu als Salz der Erde und Licht der Welt. Geschmackvoll leben, dem Schalen Würze verleihen und das beleuchten, was dem Leben, der Lebendigkeit, der Menschlichkeit dient, könnte man kurz zusammenfassen. Und er beschreibt prägnant das Selbstverständnis des Messias Jesus, der gekommen ist, das Gesetz und die Propheten zu erfüllen, sich dadurch in einer Tradition der Befreiung wissend.
Auch das eine Herausforderung an unsere Zeit, in der alles individuell geregelt werden will, angepasst an die je eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Und nach vorne, hinten und oben hin offen, keine Grenzen, entgrenztes Leben in allen Bereichen. Alles soll möglich sein, sofort, Reisen und Jetten um die Welt, da eine Bestellung im Internet, immer mehr Technisierung im Alltag, steigender Energieverbrauch und Erderwärmung, die Forderung nach einem Erwerbsarbeitstag mit bis zu zwölf Stunden. Die Auswirkungen auf das Menschsein, auf die Schöpfung und die Welt werden zwar immer wieder diskutiert, aber nicht geregelt. Zu angenehm ist für uns das Leben auf Kosten anderer.
Demgegenüber schildert Matthäus, wie die Verwirklichung des Reiches Gottes aussehen kann und vermittelt uns als ChristInnen in dieser Nachfolge, wo wir stehen, und dass wir an der Verwirklichung noch zu arbeiten haben. Jesus weiß sich in der Tradition der Tora, dem Grundgesetz des Projektes Israel mit JHWH, seinem Gott. Einzigartiges tritt uns in der Tora entgegen, ein Gesetz von unten geschrieben, das den Menschen im Fokus hat, das sich orientiert an den Kleinen, Benachteiligten, das arme Witwen, Waisen, Fremde, SklavInnen bevorzugt in den Blick nimmt. Sie stehen unter dem besonderen Schutz JHWHs und damit auch dem des Volkes Israel. Wie anders treten da heutige Gesetze auf, die mehr an der Sicherung von Eigentum orientiert sind als an einer gerechten Gesellschaft.
Biblische Gesetze sind Gesetze aus der Perspektive von unten. Nicht Eigentum wird geschützt, sondern das Leben der Schwächeren. Daher darf auch kein Jota verlorengehen oder umgedeutet werden. So wie wir es heute erleben, dass in der Auslegung der Gesetze oft ein großer Spielraum ist und Geld, Macht und Einfluss mitbestimmen, wie Gesetze gestaltet und ausgelegt werden. Jesus bemüht ganz bewusst die Tora und die Propheten als Leitlinien, als Orientierung zum Leben und Handeln aneinander.
In diesen Zusammenhang sind die Worte und Gedanken Jesu eingebettet und es wird so auch verständlich, wieso Jesus scheinbar an einer Übererfüllung der Gesetze interessiert ist. Sein Denken geht in Richtung Menschenfreundlichkeit. Und da ist es wichtig und wesentlich, wie der Mensch dem Menschen zum Nächsten werden kann. Jeder der seinem Bruder zürnt ist aufgerufen, sein Verhältnis mit ihm zu regeln, ins rechte Lot zu bringen. Passiert das nicht, kann sich die Spirale der Gewalt aufschaukeln bis zur gegenseitigen Vernichtung. Im alltäglichen Verhalten mit- und aneinander soll eine neue Gesellschaft entstehen. Nicht erst mit dem Töten, der radikalen Verweigerung von Existenz, beginnt der radikale Bruch zwischen Menschen. Im Zürnen, schlecht über wen Reden, jemanden Ausgrenzen und Ausrichten zeigt sich, dass Beziehung aus dem Lot ist. Wir gehen dann nicht so miteinander um, wie es uns als Menschen grundsätzlich entsprechen würde und könnte.
Man kann sich untereinander das Leben ganz schön zur Hölle machen. Man denke nur an Konflikte am Arbeitsplatz, wo KollegInnen links liegen gelassen werden, nicht teilhaben können und dürfen. Wo Gespräch verweigert wird. Wo abwertend über Menschen gesprochen wird. Hier gilt es, von Grund auf neue Verhaltensweisen einzuüben. Positiv aufeinander zugehen, Angebote von anderen aufnehmen. „Ja und“ statt „ja aber“ als Grundhaltung. Und mit dem Herzen die Mitmenschen im Blick haben, also barmherzig miteinander umgehen.
Jesus wendet sich an die Leute aus dem Volk. Er will uns eine Perspektive für eine vorbehaltlose Geschwisterlichkeit mitgeben, wo Menschen einander Nächste werden. Dazu leitet er auch mit praktischen Umsetzungen an, greift auf Altbewährtes zurück. Friedvoll miteinander umgehen, uns zum Guten verführen lassen und Handschlagqualität im Sinne von ehrlichem Umgang miteinander, wo ein Ja wirklich ein Ja ist.
„Ihr habt gehört“ - Erinnern ist ein wesentliches Moment unseres Glaubens, an die Tora will immer wieder neu erinnert werden. Doch Matthäus bringt noch weitere Aspekte ins Spiel, die für ein geglücktes Zusammenleben in der Gemeinde und mit anderen wichtig erscheinen. Unser Denken prägt unser Tun und Handeln. So gesehen ist es wichtig, uns mit Menschenfreundlichkeit, Barmherzigkeit, Respekt, würdevollem Tun aneinander zu stärken. Es liegt an uns, wie Geschichte, Leben miteinander ausgeht, wie wir mit Menschen an den Rändern der Gesellschaft umgehen. Unser Tun und Denken bestimmt eine neue Gesellschaft. Wir haben es in der Hand, gewohnte Kreisläufe zu unter- und durchbrechen, gegen jede Form der Gewalt neue Wege zu gehen. Denn Gewalt zeigt sich nicht erst in der letzten Konsequenz unseres Handelns, sondern ist angelegt in unserem Denken, in Sichtweisen, in Bewertungen, in dem, wie wir mit- und voneinander reden, was wir übereinander denken. Hier könnten wir im Sinne eines Aufräumens unsere Schubladen entleeren und Raum für neues Denken und Handeln schaffen.
Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Leben braucht Klarheit, wo wir darauf vertrauen dürfen, dass ein Ja kein Vielleicht bedeutet. Wer kennt es nicht aus eigener Erfahrung: Eine Zusage zu geben oder zu bekommen, die dann nicht eingehalten wird. So ist Zusammenleben nicht möglich. Es ist wesentlich, dass wir uns aufeinander verlassen können. Verbindlich miteinander verbunden, im Geiste JHWH, der uns leitet zum Leben und der Garant einer Gesellschaft ohne Herrschaft ist, in der der Mensch dem Menschen Nächster ist. Unbedingt.
Dazu wollen uns die Gesetze, die Weisungen der Tradition befreien. An unserer Lebensform, an der Praxis unserer Gemeinden wird ablesbar sein, wie weit wir mit der Umsetzung der Gerechtigkeit und Menschenfreundlichkeit JHWH schon sind.
© Mag. Fritz Käferböck-Stelzer, Betriebsseelsorger im Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf.
In der Bergpredigt erläutert Jesus die Ordnung des neuen Bundes mit Gott. Er fordert von seinen Jüngern eine Gerechtigkeit, die jene der Pharisäer übertrifft. Gutsein ist mehr als das Halten der Gebote.
Im heutigen Evangelium erleben wir eine Auseinandersetzung Jesu mit den Pharisäern. Aber schalten wir nicht ab. Es ist eine Auseinandersetzung auch mit uns und jedem Christen.
Im Blick darauf, dass Jesus sich gegen die Pharisäer wendet, was ihre Gesetzesfrömmigkeit betriff, muss man den Schriftgelehrten und Pharisäern zuerst einmal zugutehalten: Sie hatten zu den Zehn Geboten, die Moses den Israeliten nach der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens beim Durchzug durch die Wüste am Sinai von Gott übergeben hatte, eine Reihe Zusatzgebote geschaffen. Diese Zusatzgebote dienten dazu, praktische Hilfen für das Einhalten der Zehn Gebote anzubieten. So sollte z.B. am Sabbat alle Arbeit ruhen, um den Sabbat als Tag des Herrn zu begehen. Bewusste Besinnung auf Gott, Erneuerung der Verbundenheit mit ihm, Lob und Dank sollten diesen Tag prägen. Alles, was hiervon ablenken könnte, sollte unterbleiben. Ähnlich verhielt es sich mit den anderen Zusatzgeboten. Sie sollten die Einhaltung der Zehn Gebote unterstützen.
Die Pharisäer nahmen die Zusatzgebote sehr ernst und achteten wohl auch sehr streng darauf, dass sie allgemein eingehalten wurden. Beides kritisiert Jesus nicht. Seine Kritik setzt dort an, wo die Pharisäer sich mit der Einhaltung der Gebote dem Buchstaben nach begnügten und glaubten, damit vor Gott gerecht zu sein und als seine Lieblinge zu gelten. Jesus will die Pharisäer dazu bewegen, genauer hinzuschauen. Gesetze in Form von Verboten wollen dem Bösen und Negativen äußerste Grenzen der Duldung setzen. Bei deren Übertretung bleibt die Sache nicht mehr lediglich eine Privatangelegenheit zwischen einzelnen Menschen, sondern die Gemeinschaft schreitet ein mit Gerichtsurteil und Bestrafung. Töten ist nur das letzte Glied einer langen Kette von verwerflichem Handeln, das zerstört, kaputt macht, dem gelingenden Leben abträglich ist und schadet.
Oder: „Du sollst keinen Meineid schwören!“ Ein Eid wird ja nur gefordert bei sehr wichtigen Angelegenheiten. Das Gebot, das nur den Eid benennt, will damit keinen Freibrief liefern, außer beim Eid nach Gutdünken zu lügen oder zu hintergehen, wie es einem geradeso auskommt. Es gebietet wie beim Gebot „Du sollst nicht töten!“, wenigstens das Schlimmste an Unwahrheit zu unterlassen. Jesus verweist auf das Einhalten grundsätzlicher Ehrlichkeit: Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein, alles andere stammt vom Bösen.
Jesus möchte den Menschen vermitteln: Es soll ihnen nicht genügen, vor Gott hintreten zu wollen mit dem Hinweis, die aufgestellten Gebote ihrem Wortlaut nach eingehalten und das Böse gemieden zu haben. Er will, dass wir darüber hinausgehen: Richte deinen Blick über das Vermeiden des Bösestun auch auf das, was dir an Gutsein möglich ist, sagt Jesus. Für das Meiden des Bösen und das Streben nach dem Guten will er uns gewinnen. Wenn wir sagen können, dass wir gegen ein Gebot nicht verstoßen haben, soll uns das durchaus hoch erfreuen, aber nicht den Blick dafür nehmen, dass uns darüber hinaus viel an Gutem möglich ist.
Mit der beispielhaften Gegenüberstellung, wie sie Jesus im Evangelium vorträgt, will er uns den Willen Gottes und seine Erwartungen an uns vor Augen stellen. Gottes Wunsch und Wille geht über Gebote oder Verordnungen oft weit hinaus. Den Willen Gottes erkennen wir, wenn wir mit liebendem Herzen in die Welt und auf die Menschen schauen. Nicht sich beschränken, lediglich Gebote einhalten, sondern aus Liebe und Hingabe handeln, das ist Jesu Leitsatz. Liebe wird z.B. davor bewahren, nicht nur einen Menschen nicht zu töten, sondern allem, was lebt und lebendig ist, mit Ehrfurcht zu begegnen. Mit einer grundsätzlich liebenden Einstellung des Herzens werden wir uns hüten:
Gemeinschaft zu zerstören,
Keile zwischen Menschen zu treiben,
Zwist und Streit zu schüren,
Gewalt anzuwenden,
zu bedrohen oder zu erpressen,
Menschen oder Tiere zu quälen,
etwas zu verwüsten,
Schönes zu zerstören oder verkommen zu lassen.
Liebe wird uns davor bewahren,
nicht nur unter Eid die Wahrheit zu sagen,
hinterhältig und mit List zu agieren,
sich auf Kosten anderer zu bereichern,
Halbwahrheiten zu verbreiten,
vage Vermutungen in die Welt zu setzen,
Verleumdungen anderer zuzulassen und nicht für sie einzutreten.
Wie ernst Jesus die Auseinandersetzung ist, wie sehr er die Menschen zum Nachdenken bringen will, um sie für seine Sicht zu gewinnen, können wir der Art entnehmen, wie Jesus auftritt. Die Pharisäer und Schriftgelehrten waren angesehene, theologisch ausgebildete Persönlichkeiten, auf die das Volk hörte. Jesus, der junge Mann aus Nazareth, nähert sich ihnen nicht wie ein Schüler, der seinen Lehrer korrigieren möchte. Schüler sind in dieser Situation die Pharisäer. Jesus tritt in einer Autorität auf, die sicher jeden verblüfft aufhorchen ließ. Sich seiner vollkommen sicher, dass er Gottes Willen verkündet und vom Vater im Himmel beauftragt ist, dies zu tun, beginnt er seine Rede: „Ich aber sage euch...“
Sein Widerspruch richtet sich nicht gegen die Gebote und Vorschriften, sondern gegen die Art, wie viele mit den Geboten umgehen. Jesus bemängelt nicht die Lückenhaftigkeit der Gebote, fordert nicht auf zu ihrer Verbesserung. Er weiß, dass Gebote immer lückenhaft bleiben werden in Bezug auf das, was sie beabsichtigen und sagen wollen. Aber Jesus weiß auch, dass man mit ehrlichem Bedenken, wirklichem Wollen und mit einem von Liebe geleiteten Herzen den Sinn und die Absicht eines Gebotes verstehen kann. Und genau diese Haltung den Geboten gegenüber fordert er ein: von jedem zu jeder Zeit.
So sollen auch wir uns ansprechen lassen, die Gebote, die uns Weisung, Richtung und Antrieb geben sollen, in ihrer Weite und Fülle anzustreben. Böses unterlassen ist gut, aber nur der erste Schritt. Die Liebe leben, das ist Erfüllung des Willens Gottes. Auch zu diesem Schritt will uns Jesus auffordern.
Im vorliegenden dritten Abschnitt aus der Bergpredigt bringt Jesus konkrete Beispiele und Forderungen. Ihm geht es um eine größere Gerechtigkeit als um Gesetzesgerechtigkeit. Er will ein Leben nach den Geboten aus dem Geist der Liebe heraus.
Die letzten Sonntage hörten wir die Seligpreisungen und die Einladung, Licht und Salz zu sein. Im heutigen Evangelium spricht Jesus zu Menschen, die nach der Auslegung der Schriftgelehrten und Pharisäer lebten. Da sagte Jesus zu ihnen: „Glaubt nicht, dass ich gekommen bin, um das Gesetz und die Propheten abzuschaffen: Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ Und an seine Jünger gerichtet, fügt er hinzu: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“.
Jesus erklärt sie durch eine Reihe von Gegenüberstellungen zwischen den alten Geboten und seiner Art, sie neu auszulegen. Jedes Mal beginnt er mit: „Ich habt gehört, dass zu den Alten gesagt wurde…“, und stellt dann fest: „Ich aber sage euch…“. Zum Beispiel: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: 'Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein.' Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein“. Es geht um die innere Gesinnung, nicht um das, was gerade noch erlaubt ist. Man kann innerlich sehr hart über den Nächsten denken oder ihn in bösen Worten niedermachen. Da sind wir längst in Sünde geraten, fallen aber nicht unter das Gesetz, erst beim Töten. Dagegen meint Jesus: Bleibt gut und absichtslos zueinander.
Jesus spricht auch von der Ehe. Es gab das alttestamentliche Gebot: Du sollst nicht die Ehe brechen. In der Praxis jedoch konnte der Mann seine Frau verstoßen und das war gerade noch rechtens. Auch hier appelliert Jesus an die Gesinnung: Man kann schon im Herzen Ehebruch betreiben.
In einem dritten Fall geht es um den Schwur, den Eid bzw. Meineid. Im Alten Testament wird gemahnt, Schwüre zu halten und keinen Meineid abzulegen. Da würde der Mensch es wagen, den Wahren schlechthin, Gott, für die eigene Lüge zu beanspruchen. Jesus meint, wir sollten in unseren Aussagen und Absichten klar und durchsichtig sein, dass wir nicht schwören brauchen, dass es genügt, ja und nein zu sagen.
Jesu Art zu sprechen machte einen großen Eindruck auf die Menschen. Sie waren gleichzeitig erschrocken, denn das: „Ich sage euch…“ bedeutete, dass Jesus für sich selber die Autorität Gottes vor dem Gesetz beanspruchte. Dabei war neu, wie Jesus die „Erfüllung“ der Gebote mit der Liebe Gottes und der Kraft des Heiligen Geistes verknüpft. Der heilige Paulus schreibt dazu: „die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes“.
So mancher von uns wird fragen: Kann ich so leben, wie es Jesus formuliert? „Wer dem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen sein“. „Keine Frau, keinen Mann lüstern ansehen!“ Immer klar Ja und Nein sagen. Es gibt im Konkreten unseres Miteinander viele Schwierigkeiten: Wir verstummen voreinander, wir fühlen uns verletzt und gedemütigt, bauen Mauern auf. In der Ehe können viele einander schwer annehmen, sie möchten am liebsten den anderen ändern. Wie sollen wir damit umgehen?
Bleiben wir nicht im Negativen stecken! Geben wir dem Vertrauen und der Liebe einen Vorschuss. Denn Jesu Worte sind eine Einladung zum gelingenden Leben; sie sind Hoffnungsworte. Jesus will keinen neuen engherzigen Gebotekatalog, vor dem wir resignieren.
Der Herr schenkt uns den Geist neuer Liebe. Wir sind aus eigener Kraft nicht in der Lage, Menschen der gelebten Bergpredigt zu sein. Beten wir um den Geist neuer Liebe in unserer Lebens- und Arbeitswelt. Anstatt im Blick auf eine oft gleichgültige Gesellschaft zu resignieren, vollbringen wir in Geduld die vielen kleinen Schritte, einen nach dem andern. Hören wir uns um, ob wir Gleichgesinnte für das Leben im Geiste Christi finden. Im Miteinander der Liebe verspricht uns Jesus seine Gegenwart. Dann öffnete er unser Herz mehr und mehr für die Not um uns. Und wir lieben jeden wie Gott ihn liebt.
"Der Mensch denkt und Gott lenkt” - wer kennt diesen Satz nicht, der sich an das sechzehnte Kapitel des alttestamentlichen Buches der Sprüche anlehnt. Immer wieder führen wir ihn auf den Lippen, wenn wir erfahren müssen, dass wir zwar unsere Vorstellungen vom Leben und unsere Wünsche ans Leben haben, aber dass es oft ganz anders herauskommt. Vor allem fällt uns dieser Satz leicht auszusprechen, wenn wir tief in unseren Herzen zugeben müssen, dass unsere Vorstellung vom Leben eigentlich recht schief war und trotzdem alles am Ende gut heraus gekommen ist.
"Der Mensch denkt und Gott lenkt”. Der Satz ist wie die eine von zwei Seiten einer Medaille. Diese Worte heißen doch auch: Am Ende ist es immer nur Gott, der unser Leben regiert, bestimmt, lenkt und leitet. - Ja klar, denn: Welcher fromme Mensch würde das schon verneinen.
Und doch stellt sich die Frage: Warum sollen wir denn dann überhaupt noch denken? Warum sollen wir uns überhaupt noch entscheiden? Warum sollen wir Verantwortung für unser Leben übernehmen? Das ist ja wohl dann höchst überflüssig.
Heißt die Alternative gar wirklich so: Fromm sein oder aber das Leben selbst gestalten? Das Alte Testament schein es uns so vorzumachen - und wir haben es oftmals tief in unsere Herzen eingepflanzt.
Wer so denkt, glaubt und lebt, den muss der heutige Sonntag ganz außerordentlich herausfordern und durcheinander rütteln... Feuer und Wasser sind vor dich hingestellt; streck deine Hände aus nach dem, was dir gefällt. Der Mensch hat Leben und Tod vor sich; was er begehrt, wird ihm zuteil. Das Weisheitsbuch Jesus Sirach weist uns darauf hin, dass es noch andere Gottesbilder im Alten Bund gibt. Mensch, triff deine Wahl, entscheide dich! Und wer wählt, wer sich entscheidet, der kann sich eben auch irren, der kann daneben liegen, der kann sündigen.
Keinem gebietet er zu sündigen, und die Betrüger unterstützt er nicht, so hörten wir. Und dennoch hat jeder Mensch die Freiheit, sich zu versündigen und Schlechtes zu tun. Das Buch Jesus Sirach hat ein freiheitliches Menschenbild und das Bild von einem Gott, der diese Freiheit ermöglicht. Es ist dieser Gott, der schon am Anfang der Zeiten sein Volk aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit hat: Und auch dieser Weg war von Pleiten und Pannen gezeichnet, aber er führte ans Ziel.
Schließlich hat Gott in seinem Sohn sogar die Fesseln des Todes gesprengt und Leben in Fülle verheißen. Auch dieser Weg zu einem ewigen Leben kennt Sackgassen und falsches Abzweigen. Aber Gott lädt immer wieder ein innezuhalten, den Weg genau anzuschauen und gegebenenfalls zu korrigieren. Wer dem Ruf Gottes als Christ und Christin folgt, wählt seinen Weg, den er in seinem Leben gehen will und wählt vielleicht auch mal den falschen. Das ist das Risiko der Freiheit.
Und: Die Freiheit der Kinder Gottes gibt es nicht gratis. Das Geschenk der Freiheit ist zugleich auch die Verpflichtung zur Entscheidung.
Glücklicherweise bietet das Leben immer wieder Leitlinien zur Orientierung an, das Evangelium dieses Sonntags sogar in sehr eindringlicher Weise. Jesus hat klare Vorstellungen davon, wie Freiheit in rechter Weise gestaltet wird. Die Gesetze der Torah skizzieren ein Leben im Gleichstand: Ich muss dem anderen Menschen nicht mehr an Freiheit lassen, als ich selber habe. Jesus aber geht darüber hinaus. Seine radikalen Worten lassen erkennen: Die eigene Freiheit gestaltet nur in rechter Weise der Mensch, der verstanden hat, wo die Freiheit des Anderen beginnt, und der diese Freiheit des Anderen auch immer im Auge behält.
Das Geschenk der Freiheit ist also auch die Verpflichtung zur Verantwortung. Wer meint, hemmungslos frei sein zu können, hat sich schon verstrickt in Schuld gegenüber anderen. Und dazu ist es noch nicht einmal genug, einfach nur das Gesetz des Alltags in den Blick zu nehmen - es braucht mehr: Wirklich frei lebt nur, wer bereit ist, für die Freiheit des Anderen engagiert Sorge zu tragen. Und die Schritte zu diesem Tun lenkt nicht Gott, sondern der Mensch, der dem Ruf zur Freiheit Gottes folgt. Dieser Anspruch an unser Christsein ist nicht leicht. Gott fordert uns wahrlich heraus.
Wer sein Leben in Freiheit gestalten will, kann seinen Weg nicht anders gehen als in kleinen Schritten, weil er immer wieder anhalten muss, um zu schauen, was rechts und links passiert, weil er darauf Acht geben muss, was der Andere für seine Freiheit braucht.
Das tönt unglaublich anstrengend. Wer soll das schaffen? Leichter scheint das Leben doch, wenn ich die Hände zum Gebet falte und einzig darauf vertraue, dass Gott das Leben schon irgendwie lenkt. Und wenn nicht Gott, dann halt der Pfarrer, der Bischof oder der Papst. Oder irgendeine andere Autorität. Es müsste sich doch jemand finden lassen.
Ja, solche Autoritäten gibt es und sie gebrauchen unser Leben oft sehr gerne und dankbar, vor allem für ihre eigenen Zwecke. Das aber verschleiert unsere Gottesebenbildlichkeit. Unsere Hoffnung als Christinnen und Christen ist es doch, dass Gottes Geist uns ermutigt und befähigt, selbst und eigenverantwortet die richtigen Schritte zu gehen. Gott hat in Taufe und Firmung die Hand nach uns ausgestreckt und zugesagt, mit seiner Kraft in unserem Leben immer gegenwärtig zu sein. Und der Freiheit der Kinder Gottes wegen lohnt es sich, das Leben anzupacken und zu gestalten, im Kleinen wie im Großen: in den eigenen vier Wänden genauso wie rund um die Welt. Und dabei sind wir eben nicht allein. Das hat Gott schon dem Mose zugesagt. Aus dem brennenden Dornbusch hieß es doch: Ich bin dein Gott. Ich bin Jahwe: der Ich-bin-da.
Für jede Lebensphase, für jede Geschichte, auch für die olympischen Spiele gibt es ein Evangelium. Daher habe ich heute als Predigtthema gewählt: Das Evangelium und die Olympischen Spiele.
Am 7. Feber 2014 wurden die olympischen Spiele in Sotschi eröffnet. Jeder wird zugeben, dass diese Spiele auch der Politik dienen. Alle Welt soll die Macht der Großen sehen. Daher werden diese Spiele über das Fernsehen in fast alle Länder der Welt übertragen.
Doch Jesus zeigt uns, "was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat" (1Kor. 2,9): Gott selbst. Das ist der Sinn des Lebens: Gott zu erkennen und seinen Sohn, den er gesandt hat (vgl Joh 17,3). Jesus bringt uns nicht das olympische, sondern viel mehr, das himmlische Feuer.
Die olympischen Spiele in Sotschi sind ein weltliches Schauspiel. Doch viel größer war das himmlische Schauspiel in Jerusalem von Tod und Auferstehung Jesu. Als Jesus starb, "bebte die Erde, die Felsen barsten und die Gräber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf" (Mt 27,51ff). Wahrlich, ein Schauspiel zwischen Himmel und Erde.
Aber eines überrascht uns alle bei der himmlischen Olympiade. Nicht die Person, welche die beste Leistung erbracht hat, ist der Größte, sondern der Mensch, der vor Gott ein Kind ist (siehe Mt.18,1).Warum ist das so? Bei Gott zählt nicht die Leistung, sondern die Liebe. Wer am meisten liebt, ist der Größte im Himmelreich. Und je mehr wir uns von Gott lieben lassen, desto mehr können wir tun.
Ein krebskranker Mann erzählt mir, dass ihn ein Lächeln des Kindes am meisten erfreut. Liebe ist das Größte, der Dreh- und Angelpunkt des Lebens.
Auf alles kann der Mensch verzichten, nicht aber auf die Liebe Gottes und der Eltern. Ein Kind läuft öfters Gott und den Eltern davon, aber es kehrt immer wieder zurück. Denn ohne Liebe kann es sich nicht entwickeln, ohne Liebe geht es unter. Wer sich aber von Christus lieben, berühren lässt, wird groß, glücklich und selig. Mit Christus kann ein Mensch jede Mauer überspringen, auch die Mauer des Todes. Wer liebt, hat nicht umsonst gelebt. So ein Mensch kann mit Paulus sprechen: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Nun liegt für mich die Krone bereit" (2 Tim 4,7f).
Wer über Olympiade und Evangelium nachdenkt, muss vor Gott ein Kind werden. Die Seligpreisungen die allen anderen vorangestellt ist, lautet: Selig die Armen, selig die Kleinen, denn ihrer ist das Himmelreich. Für wen Gott alles in allem wird, der hat gewonnen. Bei den weltlichen Spielen zählt die Leistung, bei den himmlischen Spielen die Liebe. Die olympischen Spiele in Sotschi enden am 23. Februar. Das himmlische Schauspiel der bedingungslosen Liebe Gottes aber hat kein Ende.
"Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen." Die Erwartung Jesu an seine Jünger ist eindeutig, liebe Hörerinnen und Hörer. Es geht ihm um die uneingeschränkte Glaubwürdigkeit. Seine Anhänger sollen nicht in Diplomatie ausweichen oder zusätzlich heilige Schwüre leisten, damit man ihnen glaubt.
Schön wäre es ja, wenn Leben immer so geradlinig ginge. Leider gibt es Situationen, in denen es nicht so glatt geht. Jesus selbst bringt in seinen Streitgesprächen mit den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes ein Beispiel dafür. Er fragt: "Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zum ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite." (Mt 21, 28-31) Dieses Verhalten der Söhne dürfte unserer Erfahrung entsprechen. Manche Zusage, die uns gegeben wurde, ist nachher zurückgenommen worden. Und umgekehrt, aus einem harten Nein ist manchmal doch noch ein Ja geworden. Grob gesprochen scheint es diese beiden Typen zu geben. Der eine neigt dazu, auf eine Bitte immer Ja zu sagen, um gleichsam ständig "Liebkind" zu bleiben. Er oder sie möchte den Bittsteller auf keinen Fall enttäuschen, merkt aber bald, dass die Zusage über die eigenen Kräfte und Möglichkeiten geht. Der oder die andere schützt sich zunächst durch ein abgrenzendes Nein, um nach ruhiger Überlegung doch noch dem Wunsch nachzukommen.
Ich denke, es gehört zu meinen Lebensaufgaben, herauszubekommen, zu welchem Menschentyp ich gehöre, um dann daran zu arbeiten, dass mein Ja wirklich ein Ja und mein Nein wirklich ein Nein ist und bleibt. Wie sonst will ich als verlässlich gelten? Es gehört zu einer reifen Persönlichkeit, dass sie auch dann zur Wahrheit steht, wenn ihr daraus Nachteile erwachsen. In manchen Verhandlungen mag diplomatisches Geschick vonnöten sein, verlässliche Beziehungen lassen sich darauf nicht aufbauen. Dabei muss nicht gleich an die Ehe, eine Lebenspartnerschaft oder eine Freundschaft gedacht werden. Es genügt, Mitglied in einem Verein oder in einer Kirchengemeinde zu sein oder schlicht Arbeitskollege.
Besonders schwer wiegt, wenn der kirchlichen Gemeinschaft, bestimmten Institutionen in ihr oder Amtsträgern vorzuwerfen ist, dass sie sich herausreden oder Sachverhalte vertuschen. Es ist nicht unfair, sondern evangeliumsgemäß, wenn Christen von ihren Zeitgenossen schärfer kritisiert werden als andere Mitbürger. Christen stehen durch ihren Namen unter einem höheren Anspruch. Mit dem, was sie im Namen Jesu, ihres Herrn, verkünden, richten sie sich auch selbst. Für sie gibt es in allem, was sie sagen und tun, gleichsam eine eingebaute Kritik. Ihnen ist die Ausflucht verbaut, darauf zu verweisen, dass andere Institutionen und Menschen auch fehlerhaft sind. Jesus unterscheidet nun mal zwischen den "Kindern dieser Welt" und seinen Jüngern. Er legt für seine Freunde die Latte hoch: "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen."
Drei Blicke müssen wir heute riskieren! Auf unsere Münder, unsere Augen - und unsere Herzen. Obwohl das Evangelium alles andere ist als gefällig - in ihm liegt das Versprechen einer neuen Entdeckung.
Ich kenne doch böse Worte. Sie rutschen einfach heraus. Im Eifer des Gefechtes. In einem Streit. Ich kann sie auch nicht weder zurückholen - nicht einmal ihren Klang verschönern. Ein Wort kommt zur Welt, wächst, wuchert. Manchmal kann ich mich nicht einmal entschuldigen. Manchmal mag ich es auch nicht. Ich bin doch im Recht!
Ich kenne auch den Blick auf den anderen Menschen, der sich ihm zuwendet, ihn liebevoll anschaut - oder auch auszieht, nackt dastehen lässt, ihm seiner Würde beraubt. Es gibt den Blick, der Macht ausdrückt und Unterordnungen schafft. Man sagt auch, es gäbe den typisch männlichen Blick - auf das "schöne Geschlecht", den typisch weiblichen Blick - auf das "starke Geschlecht". Aber was ist schon typisch? Typisch nur, dass ich es nicht erklären kann.
Der dritte Blick ruht auf dem Herzen. Es ist, wie Augustin in seinen Bekenntnisse sagte, unruhig - dabei ist es doch die Mitte der Person, meine Mitte! Oft sehe ich sogar eine Mördergrube - und halte den Blick kaum aus. Ich möchte meine Ruhe haben, auf Zeit spielen, mich nicht jetzt entscheiden müssen. Ich sage "ja", meine aber "nein". Verlassen kann ich mich nicht einmal auf mich.
Drei Blicke dürfen wir heute riskieren.
Es ist wie ein kleiner Beichtspiegel: Ich höre das Evangelium - und betrachte mich in einem Spiegel. Mich - das heißt auch, einmal nicht auf die anderen zu schauen, über sie zu reden, besser zu sein als sie.
Was sehen wir denn in diesem Spiegel? Zunächst: Drei Gebote, drei Gebote von zehn:
"Du sollst nicht töten", "Du sollst nicht ehebrechen" und "Du sollst keinen Meineid schwören". Aber wir sehen jetzt mehr als Mord, Ehebruch und Meineid - wir sehen den Hass, der sich in Worten Luft macht - wir sehen die Begierde, die aus den Augen kommt - wir sehen, dass selbst der Eid wertlos wird. Jesus schärft uns sozusagen den Blick. Er lässt uns in die Gebote sehen. In die Gebote sehen, heißt, in Gottes Absichten eingeweiht zu werden. Ihm ins Herz zu schauen.
Was ich wie einen Beichtspiegel empfinde, wird zu einem Spiegel meines Lebens.
Ich sehe mich. Ich sehe ihn. Er sieht mich.
Obwohl das Evangelium ziemlich apodiktisch klingt - Zu den Alten wurde gesagt, ich aber sage euch - liegt sein Reiz eher im Verborgenen. Es ist die Ansage einer neuen Zeit.
Jesus hält seine Bergpredigt. Sie gilt als seine Antrittsrede. Jesus umreißt sein Programm, stellt Schwerpunkte vor, lädt zu Veränderungen ein. Wie man das neudeutsch so nennt: er holt, er nimmt Menschen mit. Die aber sind neugierig, offen, erwartungsvoll. Wir sehen uns um ihn versammelt. Eine neue Herrschaft beginnt.
Darum geht es denn auch:
dass Worte nicht mehr töten, nicht mehr verletzen, nicht mehr demütigen -
dass Blicke nicht mehr ausziehen, nicht mehr wehrlos machen, nicht die Würde rauben -
dass Worte trösten, aufrichten und Gemeinschaft stiften,
dass Blicke Herzen öffnen und Vertrauen schenken.
Eine neue Herrschaft beginnt.
Es ist zwar ein heißes Eisen, gehört aber heute in unsere Mitte - das Beispiel Ehebruch. Wie kaum ein anderes Thema hat es mit Worten und Blicken zu tun - mit verlorenen Worten, mit verletzenden Blicken - und mit der Sehnsucht, ein gutes Wort zu hören und liebevoll angesehen zu werden.
Viele Menschen schauen nicht nur auf gute Erfahrungen zurück, die sie in einer Ehe gemacht haben. Aus einer großen Liebe wurde ein - großes Leid. Was in dem Wort "Bruch" fast untergeht, ist eine Wunde, ein Schmerz, eine Enttäuschung.
Andere erzählen noch nach 40, 50, 60 Jahren, wie reich sie beschenkt wurden und wie schön es war - mit diesem einen Menschen. Von solchen Verhältnissen - und Träumen - gehen wohl auch die meisten Menschen aus, wenn sie den Schritt in die Ehe wagen. Sie versprechen einander Liebe - bis das der Tod euch scheidet.
Zu erzählen wissen wir auch von Menschen, die sich - nach einer Scheidung - trauten, noch einmal zu heiraten und verbindlich "ja" zu einander zu sagen. Oft hat der Partner, die Partnerin auch schon eine gescheiterte Ehe hinter sich. Manche bringen Kinder mit. Neue Familien finden sich zusammen. Das moderne Wort Patchwork-Familie trifft eigentlich nicht, was geschieht: dass ganz neue Banden entstehen, neues Vertrauen, neue Zukunft.
Ich höre Jesu Wort: Unter euch soll es überhaupt keine Scheidung geben! Dieses Wort steht - es steht auch in seiner Verlässlichkeit und Treue. Sein Wort ist auch nicht klein zu reden. Wir können es nicht einmal verbiegen.
Aber wir sind - nur Menschen. Wir sehen uns schuldig werden. Wir sehen auch, dass wir ein "Ja" nicht durchhalten können. Wir leiden darunter, aufgegeben zu werden - und einen anderen Menschen aufzugeben. Was oft so leicht und leichtfertig aussieht, entpuppt sich in vielen Fällen als Trauma. Oder auch als ein Geschenk - für einen neuen Anfang. Ein Seelsorger weiß sehr viel davon zu erzählen, hält aber dicht, schweigt - und hört zu.
Jesus hat den Anspruch erhoben, dass wir größer, besser sind - als die Pharisäer und Schriftgelehrten. Zumindest hat der Evangelist das so in Worte gefasst. In seiner Zeit beginnen Juden und Christen, trotz tiefer und reicher Verwandtschaft, eigene Wege zu gehen - sich also zu trennen. Das war ein schmerzhafter Prozess. Wir spüren ihn auch in den Worten "größer" und "besser" - und sind doch klein, angefochten und verführbar. Das Evangelium gibt uns aber ein Maß, das übrigens immer schon - in der Thora, bei den Propheten, bei den Gesetzeslehrern - galt: wir sehen in Gottes Herz, um unser Leben zu verstehen - und den Weg Jesu zu gehen.
Ich gebe zu: als ich das Evangelium las, war mein erster Gedanke: 100% reichen nicht, 150%ig muss es sein - wenn nicht noch mehr. Die vielen Forderungen, die ich in meinen Leben kennengelernt habe, gerade auch in der Kirche, wanderten, irrten durch meinen Kopf. Nie ist es genug - du musst immer weiter, höher hinaus. Du musst perfekt werden. Und dann überfiel mich der Gedanke: Es reicht nicht, Mensch zu sein. Ich spürte in mir - Angst und Widerwillen.
Jetzt, wo wir uns gemeinsam auf den Weg des Evangelium gemacht haben, eingerahmt von der Bitte, der Herr möge sich erbarmen, und der Einladung, an seinem Mahl teilzuhaben, hat Jesu Wort eine große Kraft.
Nein, ich bin nicht "größer" und "besser" als ...
Ich will auch nicht "größer" oder "besser" sein als ...
Ich suche aber bei ihm Barmherzigkeit und Kraft.
Dass Worte nicht mehr töten, nicht mehr verletzen, nicht mehr demütigen -
dass Blicke nicht mehr ausziehen, nicht mehr wehrlos machen, nicht die Würde rauben -
dass Worte trösten, aufrichten und Gemeinschaft stiften,
dass Blicke Herzen öffnen und Vertrauen schenken.
Eine neue Herrschaft beginnt.
Eine alte Legende erzählt von zwei Mönchen, die Streit miteinander haben. Sie können sich nicht einigen, denn jeder von beiden fühlt sich im Recht. Schließlich tragen sie dem Abt ihre Sache vor und bitten ihn, den Streit zu schlichten und für Gerechtigkeit zu sorgen. Der Abt möchte eine Nacht Bedenkzeit und gibt den Mönchen am nächsten Morgen seine Antwort:
"Gerechtigkeit gibt es nur in der Hölle, im Himmel regiert die Barmherzigkeit, und auf Erden gibt es das Kreuz!"
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne,
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei; singt dem Herrn, ruft ihm zu, der uns befreit
GL 146: Du rufst uns, Herr an deinen Tisch (1., und 3. Str.)
GL 162: Zu dir, o Gott, erheben wir
GL 210: Das Weizenkorn muss sterben
GL 342: Komm, Heilger Geist
GL 365: Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht
GL 372: Morgenstern der finsteren Nacht
GL 381: Dein Lob, herr, ruft der Himmel aus
GL 383: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt
GL 384: Hoch sei gepriesen unser Gott
GL 385: Nun saget Dank und lobt den Herren (3. Str.)
GL 418: Befiehl du deine Wege
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr, er will mich immer weiden
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen; du schaust mein Wesen ganz
GL 439: Erhör, o Gott, mein Flehen
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 446: Lass uns in deinem Namen, o Herr, die nötigen Schritte tun
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 456: Herr, du bist mein Leben, Herr du bist mein Weg
GL 457: Suchen und fragen, hoffen und sehn
GL 458/459: Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt
GL 464: Gott, liebt diese Welt
GL 472: Manchmal feiern wir mitten im Tag
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 489: Lasst uns loben, freudig loben
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
GL 544: Halleluja... - Selig, die arm sind vor Gott
Psalmen und Kehrverse:
GL 31: Selig der Mensch, der seine Freude hat, seine Freude an der Weisung des Herrn - Mit Psalm 1 - IV.
GL 71: Selig, wer Gott fürchtet und auf seinen Wegen geht - Mit Psalm 128 - VIII.
GL 796: Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß - Mit Psalm 15 (GL 34,2) - VI.
GL 584: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Psalm 19 - II.
Gott, du liebst deine Geschöpfe,
und es ist deine Freude,
bei den Menschen zu wohnen.
Gib uns ein neues und reines Herz,
das bereit ist, dich aufzunehmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Vater,
dein Sohn ruft uns zu einer neuen
Gerechtigkeit auf, die aus dem Herzen kommt.
Gib uns die Kraft zu einem Handeln, das sich
für die Menschen und für das Leben entscheidet.
Durch Christus, unseren Herrn.
Barmherziger Gott,
das heilige Opfer reinige uns von Sünden
und mache uns zu neuen Menschen.
Es helfe uns, nach deinem Willen zu leben,
damit wir den verheißenen Lohn erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis
(für Wortgottesfeiern)
Kehrvers:
Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. (GL 616,5)
Oder:
Alles, was Odem hat,
alles, was Odem hat, lobe den Herrn! (619,1)
Guter Gott und Vater,
wir sind zusammengekommen, um dir zu danken
und unseren Lobpreis darzubringen.
In deiner Weisheit hast du die Welt geschaffen und geordnet.
Den Menschen gabst du Gebote und Vorschriften,
damit es ihnen wohl ergehe auf Erden.
Kehrvers
Deinen Sohn Jesus Christus hast du in die Welt gesandt,
damit er erfülle, was das Gesetz und die Propheten
angekündigt und verheißen haben.
Er hat uns den Sinn deiner Gebote erschlossen
und uns den Weg gewiesen, wie wir vor dir gerecht werden können.
Kehrvers
Dein Geist führt uns auch heute.
Er leitet uns an, Hass und Zorn zu überwinden,
Frieden zu suchen und uns miteinander zu versöhnen.
Er mahnt uns zur Gerechtigkeit.
Er bestärkt uns, Verantwortung zu tragen in allem, was wir tun.
Er lehrt uns, die Würde jedes Menschen zu achten.
Kehrvers
Wir preisen deine Weisheit und deine Treue
und stimmen ein in das Lob der ganzen Schöpfung.
Danklied, z. B. "Mein ganzes Herz erhebet dich" (GL 143)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn in dir leben wir,
in dir bewegen wir uns und sind wir.
Jeden Tag erfahren wir aufs neue
das Wirken deiner Güte.
Schon in diesem Leben
besitzen wir den Heiligen Geist,
das Unterpfand ewiger Herrlichkeit.
Durch ihn hast du Jesus auferweckt von den Toten
und uns die sichere Hoffnung gegeben,
daß sich an uns das österliche Geheimnis vollendet.
Darum preisen wir dich
mit allen Chören der Engel und
singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 6
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Gnade zu rühmen.
So sehr hast du die Welt geliebt,
daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast.
Er ist uns Menschen gleich geworden
in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst,
was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde
haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes
hast du ihn erneuert.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ....
MB Sonntage 7
Wir verkünden,
was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat,
was in keines Menschen Herz gedrungen ist,
was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.
(1 Kor 2,9)
Oder:
Groß ist die Weisheit des Herrn,
stark an Kraft ist er und sieht alles.
(Sir 15,18)
Gott, du Spender alles Guten,
du hast uns das Brot des Himmels geschenkt.
Erhalte in uns das Verlangen nach dieser Speise,
die unser wahres Leben ist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis
Wenn ich nervös bin, habe ich diese Sache, dass ich zu viel rede
Manchmal kann ich zur Hölle nochmal nicht still sein
Es ist als ob ich jemandem erzählen muss, irgendjemandem der zuhört
Und das ist wo ich anscheinend Scheiße baue
Yeah, ich vergesse die Konsequenzen
Für eine Minute dort verliere ich meine Sinne
Und in der Hitze des Augenblicks fängt mein Mund an
Die Worte beginnen zu fließen, oh
Aber ich wollte dich nie verletzen
Ich weiß, es ist Zeit, dass ich lerne,
die Leute, die ich liebe so zu behandeln wie ich geliebt werden will
Das ist eine Lektion, die ich gelernt habe
Ich hasse es, dass ich dich im Stich gelassen habe
Und ich fühle mich deswegen so schlecht
Ich denke Karma kommt wieder zurück
Denn jetzt bin ich die eine, die verletzt ist
Und ich hasse, dass ich dich im Glauben gelassen habe
Dass das Vertrauen , welches wir hatten gebrochen ist
Sag mir nicht, du kannst mir nicht vergeben
Denn niemand ist perfekt
Nein, nein, nein, nein, nein ,nein, nein, niemand ist perfekt nein
Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte
Ich schwöre, ich würde nie diese Linie gekreuzt haben
Ich sollte es für mich behalten
Aber nein, Ich ging und erzählte der ganzen Welt wie ich mich fühle und oh
Also sitze ich und realisiere
Mit diesen Tränen in meinen Augen
Ich muss mich ändern, wenn ich dich für immer behalten will
Ich verspreche, dass ich es versuchen werde
Aber ich wollte dich nie verletzen
Ich weiß, es ist Zeit, dass ich lerne,
die Leute, die ich liebe so zu behandeln wie ich geliebt werden will
Das ist eine Lektion, die ich gelernt habe
Ich hasse es, dass ich dich im Stich gelassen habe
Und ich fühle mich deswegen so schlecht
Ich denke Karma kommt wieder zurück
Denn jetzt bin ich die eine, die verletzt ist
Und ich hasse, dass ich dich im Glauben gelassen habe
Dass das Vertrauen , welches wir hatten gebrochen ist
Sag mir nicht, du kannst mir nicht vergeben
Denn niemand ist perfekt
Nein, nein, nein, nein, nein ,nein, nein, niemand ist perfekt
Ich bin kein Heiliger, nein, keineswegs, aber was ich getan habe, es war nicht cool
Aber ich schwöre, dass ich dir das nie mehr antun werde
Ich bin kein Heiliger, nein, keineswegs, aber was ich getan habe, es war nicht cool
Aber ich schwöre, dass ich dir das nie mehr antun werde
Ich hasse es, dass ich dich im Stich gelassen habe
Und ich fühle mich deswegen so schlecht
Ich denke Karma kommt wieder zurück
Denn jetzt bin ich die eine, die verletzt ist
Und ich hasse, dass ich dich im Glauben gelassen habe
Dass das Vertrauen , welches wir hatten gebrochen ist
Sag mir nicht, du kannst mir nicht vergeben
Denn niemand ist perfekt nein
Ich hasse es, dass ich dich im Stich gelassen habe
Und ich fühle mich deswegen so schlecht
Ich denke Karma kommt wieder zurück
Denn jetzt bin ich die eine, die verletzt ist
Und ich hasse, dass ich dich im Glauben gelassen habe
Dass das Vertrauen , welches wir hatten gebrochen ist
Sag mir nicht, du kannst mir nicht vergeben
Denn niemand ist perfekt yeah yeah whoa
Erzähl mir nicht, erzähl nicht
Erzähl mir nicht, du kannst mir nicht vergeben
Nein, nein, nein, nein
Denn niemand ist perfekt, nein
Jessie J (Jessica Ellen Cornish):
www.songtexte.com/uebersetzung/jessie-j/nobodys-perfect-deutsch-43d6fbaf.html
Engl. Originalversion unter:
http://www.songtexte.com/songtext/jessie-j/nobodys-perfect-bbf2982.html
Wenn es ein Kulturphänomen gibt, das junge Menschen europa- oder sogar weltweit verbindet, dann ist es Harry Potter. Kaum jemand, der heute zwischen 20 und 35 Jahren alt ist, ist ohne Buch-, Hörbuch- oder Filmkontakt zu Joanne K. Rowlings Zauberer-Parallelwelt aufgewachsen. Die Potter-Geschichten verhandeln viele grundsätzliche Wertfragen zwischen Gut und Böse, zwischen Flüchten und Standhalten.
Doch an keinem Punkt kommen sie dem globalen Zeitgeist moderner westlicher Gesellschaften so nah wie im letzten Kapitel des zweiten Bandes „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“. Da sorgt sich der Held, ob er wohl tatsächlich in sein Schulhaus „Gryffindor“ gehöre, oder doch eher in das sinistere Haus „Slytherin“. Der weise Schulleiter Albus Dumbledore versucht ihn zu beruhigen: Harry sei nach Gryffindor gekommen, genau weil er sich gegen Slytherin entschieden habe. „Es sind unsere Entscheidungen, Harry, die zeigen, wer wir wirklich sind – viel mehr als unsere angeborenen Fähigkeiten“, sagt Dumbledore.
Dieser Satz ist ein Versprechen. Ein Versprechen, das sich auch die Autorin der Potter-Geschichten selbst gegeben haben mag, als sie, alleinerziehend, weitgehend mittellos und ohne Verlag im grauen Edinburgh an einem Kinderbuch herumschrieb, das später die Welt erobern sollte: Du bist, was du sein willst. Du bist, was du entscheidest. Du bist zu nichts bestimmt und zu nichts verdammt.
Die Kehrseite dieses Versprechens ist allerdings eine Drohung: Wenn kein Gott, keine ständische Ordnung, kein soziales Milieu, kein Elternhaus und keine biologische Ausstattung dir vorschreiben können, wer du sein sollst, dann bist du allein. Allein verantwortlich für deinen Erfolg, dein Glück, dein Leben. Und eben auch verantwortlich für Misserfolg, Unglück und Scheitern.
Liebe Brüder und Schwestern,
in der Liturgie dieses Sonntages folgt die Lesung der sogenannten „Bergpredigt“ von Jesus, die sich in den Kapiteln 5, 6 und 7 des Matthäusevangeliums findet. Nach den „Seligpreisungen“, die ein Programm des Lebens darstellen, verkündet Jesus das neue Gesetz, seine »Torah«, wie es unsere Brüder, die Juden, nennen. Tatsächlich sollte der Messias bei seinem Kommen auch die definitive Offenbarung des Gesetzes bringen, und genau das ist es, was Jesus erklären wird:
„Glaubt nicht, dass ich gekommen bin, um das Gesetz der Propheten abzuschaffen: Ich bin nicht gekommen, um abzuschaffen, sondern um es zu erfüllen.“ Und an seine Jünger gerichtet, fügt er hinzu: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 5,17,20). Aber worin besteht diese „Erfüllung“ des Gesetzes Christi und diese ‚höhere Gerechtigkeit‘, von der er spricht?
Jesus erklärt es durch eine Reihe von Antithesen zwischen den alten Geboten und seiner Art, sie neu auszulegen. Jedes Mal beginnt er mit: „Ich habt gehört, dass zu den Alten gesagt wurde...“, und danach stellt er fest: „Ich aber sage euch...“. Zum Beispiel: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein“ (Mt 5,21-22).
Und so geht es sechs Mal weiter. Diese Art zu sprechen machte einen großen Eindruck auf die Menschen, die gleichzeitig erschrocken waren, denn das: „Ich sage euch...“ bedeutete, dass Jesus für sich selber die Autorität Gottes vor dem Gesetz beanspruchte. Die Neuheit Jesu besteht im Wesentlichen in seiner „Erfüllung“ der Gebote mit der Liebe Gottes und der Kraft des Heiligen Geistes, die in ihm wohnt.
Und wir können uns, durch die Liebe zu Christus, dem Wirken des Heiligen Geistes öffnen, der uns befähigt, die göttliche Liebe zu leben. Darum wird jedes Gebot eine Forderung der Liebe, und alle werden in einem einzigen Gebot zusammengefasst: Liebe Gott mit all deinem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst.
Benedikt XVI. Ansprache vor dem Angelus zum Evangelium des 6. Sonntags im Jahreskreis am 14. Februar 2011.
Es bleibt ein Erlebnis von unvergleichlichem Wert, dass wir die großen Ereignisse der Weltgeschichte einmal von unten, aus der Perspektive der Ausgeschalteten, Beargwöhnten, Schlechtbehandelten, Machtlosen, Unterdrückten und Verhöhnten, kurz der Leidenden, sehen gelernt haben. Wenn nur in dieser Zeit nicht Bitterkeit oder Neid das Herz zerfressen hat, dass wir Großes und Kleines, Glück und Unglück, Stärke und Schwäche mit neuen Augen ansehen, dass unser Blick für Größe, Menschlichkeit, Recht und Barmherzigkeit klarer, freier, unbestechlicher geworden ist, ja, dass das persönliche Leiden ein tauglicherer Schlüssel, ein fruchtbareres Prinzip zur betrachtenden und tätigen Erschließung der Welt ist als persönliches Glück. Es kommt nur darauf an, dass diese Perspektive von unten nicht zur Parteinahme für die ewig Unzufriedenen wird, sondern dass wir aus einer höheren Zufriedenheit, die eigentlich jenseits von unten und oben begründet ist, dem Leben in allen seinen Dimensionen gerecht werden, und es so bejahen.
Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW Band 8.
Viele von uns kennen nagende Konflikte. Da gibt es den Streit zwischen Vermieter und Mieter, einen schwelenden Konflikt mit einer Kollegin, Reibereien mit den Nachbarn, Uneinigkeit in der Verwandtschaft. Die meisten von uns haben erlebt, wie belastend ein Konflikt ist, wie quälend es ist, wenn wir gegen jemanden Groll hegen; wie dieses Gefühl von Missgunst und Ablehnung in uns arbeitet, Energien bindet, uns schwächt und vom Wesentlichen abhält. Manchen von uns ist vielleicht auch Unrecht geschehen, Unrecht durch einen Menschen, der sich als selbstsüchtig und auf seinen eigenen Vorteil bedacht erwiesen hat. Und da stehen wir vor der großen Herausforderung, in einem solchen Fall menschliche Größe zu zeigen. Vergebung erfordert menschliche Größe. In einer Geste der Versöhnung geben wir uns selbst, will die Versöhnung tief und von Dauer sein. Es gibt Situationen - etwa wenn wir ungerecht behandelt werden -, in denen wir menschliche Größe im Vergeben zeigen müssen.
Was ist menschliche Größe? Ein beeindruckendes Beispiel für menschliche Größe finden wir in dem bewegenden Buch Alle Flüsse fließen ins Meer, der Autobiographie von Elie Wiesel, der als Sechzehnjähriger elf Monate in einem Konzentrationslager leiden musste, dort auch seine ganze Familie verlor. "Ich erinnere mich", schreibt Elie Wiesel, "an einen polnischen Rabbi, der sich am Ende von Jom Kippur bemühte, diejenigen zu trösten, die nicht gefastet hatten. ,Das Gesetz verlangt von den Juden nicht, daß sie unter Lebensgefahr fasten1, sprach er zu ihnen. ,In den Augen des Schöpfers, gelobt sei Er, ist es heute angebrachter zu essen, als sich zu kasteien.1 Er selbst hatte gefastet. Aufgrund seiner Schwäche wurde er bei der nächsten Selektion mitgenommen. Er bat seine Blockkameraden, ein Kaddisch für seine Seele zu sprechen. Der ganze Block betete für ihn."
Hier stellt sich ein Mensch in den Dienst Gottes; hier legt ein Mensch anderen Menschen keine Lasten auf, die er nicht selbst zu tragen bereit ist; mehr noch: er geht mehr als die verlangte Meile, wie es in der Bergpredigt heißt (Mt 5,41), er richtet sich selbst nicht mit milderem Maß als die anderen. Hier sehen wir menschliche Größe. Menschliche Größe ist ein Verzicht auf das Ausnutzen eines Spielraums, der uns zusteht. Um noch zwei Beispiele zu nennen: Ignatius von Loyola wurde im Jahr 1538 vom spanischen Kleriker Mudarra verfolgt, der mit hinterlistigen Methoden den Ruf von Ignatius beschädigte und dessen Arbeitsmöglichkeiten aufs Spiel setzte. Ignatius wurde nach einer offiziellen Untersuchung rehabilitiert. Mudarra geriet später mit der Inquisition in Konflikt, musste aus Rom fliehen und wandte sich an Ignatius, um durch dessen Intervention eine Milderung der gegen ihn verhängten Sanktionen zu erreichen. Ignatius kam dieser Bitte nach - großzügig, ohne an die Vergangenheit zu denken. Das ist menschliche Größe. Nelson Mandela wurde nach 26 Jahren 1990 aus dem Gefängnis entlassen und rief sofort zu einer Politik der Versöhnung auf, die sich nicht an Mechanismen der Vergeltung orientieren dürfe. Das ist menschliche Größe.
Aus: Alois Kothgasser / Clemens Sedmak, Geben und Vergeben. Von der Kunst neu zu beginnen. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2008.
Eine alte Legende erzählt von zwei Mönchen, die Streit miteinander haben. Sie können sich nicht einigen, denn jeder von beiden fühlt sich im Recht. Schließlich tragen sie dem Abt ihre Sache vor und bitten ihn, den Streit zu schlichten und für Gerechtigkeit zu sorgen. Der Abt möchte eine Nacht Bedenkzeit und gibt den Mönchen am nächsten Morgen seine Antwort:
"Gerechtigkeit gibt es nur in der Hölle, im Himmel regiert die Barmherzigkeit, und auf Erden gibt es das Kreuz!"
http://www.luellemann.de/txt-111.htm (7.2.2011)
In diesem Evangelium sehen wir, daß unser lieber Herr Christus seine Christen also will lehren, wenn sie glauben und getauft sind, und haben nun den Namen und die Herrlichkeit daß sie Christen heißen, und allerlei geistliche Güter und Gaben empfangen haben: daß sie denken, auch ein rechtschaffenes Leben untereinander zu führen, daß nicht falsch noch heuchlerisch sei. Denn er hat uns nicht eine falsche Gnade widerfahren lassen, die nur den Schein hätte; sondern gleichwie unsere Sünden rechte, große, verdammliche, und nicht gemalte Sünden sind: also ist es auch mit seiner Gnade eitel Ernst und ein rechtschaffen wahrhaftig Wesen. Darum sollen wir denken, daß wir nicht fälschlich gegen unserer nächsten Handeln, sondern treulich und wahrhaftig; wie Gott mit uns, unsere Sünden wegen, gehandelt hat...
Was ist nun die bessere Gerechtigkeit? Diese, da Werke und Herz zugleich fromm und nach Gottes Wort gerichtet ist: das nicht allein die Hand totschlage, sondern auch das Herz von allem Zorn frei ist; das nicht allein du mit dem Werke nicht ein Ehebrecher werdest, sondern dein Herz ganz rein sei, ohne alle böse Lust und Begierde. Also ist es in allen Geboten; denn solches fordert das Gesetz. Es will nicht allein das Werken haben; sondern ein reines Herz, daß durchaus mit dem Wort Gottes und Gesetz sich vergleicht...
Also geht diese Lehre vornehmlich dahin, daß der Herr uns vor der geistlichen Hoffart warnen und zur Erkenntnis unseres unreinen bösen Herzens und sündlichen Natur bringen, und also zur Hoffnung seiner Gnade uns leiten will. Dieses ist dann die rechte Gerechtigkeit, die in den Himmel gehört. Die steht nicht in unseren Werken, obwohl diese heilig sein, sondern in Vergebung der Sünden und auf der Gnade Gottes. Denn ob wir es schon soweit bringen, daß wir äußerlich niemand ärgern und uns in Gottes Wort und Willen fleißig üben; so ist doch der größte Mangel daran, daß das Herz noch voll böser Lust und Sünden ist...
Wer sich nun also in den zehn Geboten übte, meinst du nicht, er würde nicht jede Stunde Ursache haben, seine Sünde zu beichten, zu beten und sich im Glauben und Wort zu üben? Denn das Beichten muß sein, wenn der Zorn oder andere Lüste uns angreifen, daß wir es nicht leugnen noch entschuldigen, sondern Gott bekennen und ihm von ganzem Herzen beichten, daß wir Unrecht getan haben. Da muß danach das Beten auch folgen, daß Gott solches uns nicht zurechnen soll, sondern vergeben, und uns, um Christus willen, durch seinen Heiligen Geist frömmer machen. Auf solches Gebet soll der Glaube folgen, daß wir nicht zweifeln, es sei uns durch Christus diese und andere Sünde vergeben.
Auszug aus: Martin Luther, Predigt über Mt. 5,20-26 in:
http://bitflow.dyndns.org/german/MartinLuther/Matthaeus_5_20_26.html (7.2.2011)
Die bessere Gerechtigkeit und das Gebot der Liebe - dies ist der dritte Kreis und das ganze Evangelium kann in diesen Ring gefaßt werden; man kann es als eine ethische Botschaft darstellen, ohne es zu entwerten. In seinem Volke fand Jesus eine reiche und tiefe Ethik vor. Es ist nicht richtig, die pharisäische Moral lediglich nach kasuistischen und läppischen Erscheinungen zu beurteilen, die sie aufweist. Durch die Verflechtung mit dem Kultus und die Versteinerung im Ritual war die Moral der Heiligkeit gewiß geradezu in ihr Gegenteil verwandelt, aber noch war nicht alles hart und tot geworden, noch war in der Tiefe des Systems etwas Lebendiges vorhanden. Den Fragenden konnte Jesus antworten: "Ihr habt das Gesetz, haltet es; ihr wißt selbst am besten, was ihr zu thun habt, die Hauptsumme des Gesetzes ist, wie ihr selbst sagt, die Gottes- und die Nächstenliebe." Dennoch kann man das Evangelium Jesu in einem ihm eigentümlichen Kreise ethischer Gedanken zum Ausdruck bringen. Wir wollen uns das an vier Punkten klar machen.
Erstlich, Jesus löste mit scharfem Schnitte die Verbindung der Ethik mit dem äußeren Kultus und den technisch-religiösen Übungen. Er wollte von dem tendenziösen und eigensüchtigen Betriebe "guter Werke" in Verflechtung mit dem gottesdienstlichen Ritual schlechterdings nichts mehr wissen. Entrüsteten Spott hat er für diejenigen, die den Nächsten, ja ihre Eltern darben lassen, aber dafür an den Tempel Geschenke schicken. Hier kennt er keinen Kompromiß. Die Liebe, die Barmherzigkeit hat ihren Zweck in sich; sie wird entwertet und geschändet, wenn sie etwas anderes als Dienst am Nächsten sein soll.
Zweitens, er geht überall in den sittlichen Fragen auf die Wurzel, d. h. auf die Gesinnung zurück. Das, was er "bessere Gerechtigkeit" nennt, ist lediglich von hier aus zu verstehen. Die "bessere" Gerechtigkeit ist die Gerechtigkeit, welche bestehen bleibt, auch wenn man den Maßstab in die Tiefe des Herzens senkt. Wieder scheinbar etwas sehr Einfaches, Selbstverständliches. Dennoch hat er diese Wahrheit in die scharfe Form gekleidet: "Zu den Alten ist gesagt worden ... Ich aber sage euch." Also war es doch ein Neues; also wußte er, daß es mit solcher Konsequenz und Souveränität noch nicht ausgesprochen worden war. Einen großen Teil der sogenannten Bergpredigt nimmt jene Verkündigung ein, in welcher er die einzelnen großen Gebiete menschlicher Beziehungen und menschlicher Verfehlungen durchgeht, um überall die Gesinnung aufzudecken, die Werke nach ihr zu beurteilen und Himmel und Hölle an sie zu knüpfen.
Drittens, er führt Alles, was er aus der Verflechtung mit dem Eigensüchtigen und Rituellen befreit und als das Sittliche erkannt hat, auf eine Wurzel und auf ein Motiv zurück, - die Liebe. Ein anderes kennt er nicht, und die Liebe ist selbst nur eine, mag sie als Nächsten-, Samariter- oder Feindesliebe erscheinen. Sie soll die Seele ganz erfüllen; sie ist das, was bleibt, wenn die Seele sich selber stirbt. In diesem Sinne ist die Liebe bereits das neue Leben. Immer aber ist es die Liebe, die da dient; nur in dieser Funktion ist sie vorhanden und lebendig.
Viertens, wir haben gesehen, Jesus hat das Sittliche herausgeführt aus allen ihm fremden Verbindungen, selbst aus der Verknüpfung mit der öffentlichen Religion. Die haben ihn also nicht mißverstanden, die da erklärten, es handle sich im Evangelium um die gemeine Moral. Und doch - einen entscheidenden Punkt gibt es, an welchem er die Religion und die Moral zusammenbindet. Dieser Punkt will empfunden sein; er läßt sich nicht leicht fassen. Im Hinblick aus die Seligpreisungen darf man ihn vielleicht um besten als die Demut bezeichnen: Demut und Liebe hat Jesus in ein Eins gesetzt. Demut ist keine einzelne Tugend, sondern sie ist reine Empfänglichkeit, Ausdruck innerer Bedürftigkeit, Bitte um Gottes Gnade und Vergebung, also Aufgeschlossenheit gegenüber Gott. Von dieser Demut, welche die Gottesliebe ist, die wir zu leisten vermögen, meint Jesus - denken Sie an das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner -, daß sie die stetige Stimmung des Guten ist, und daß aus ihr alles Gute quillt und wächst. "Vergieb uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern", das ist das Gebet der Demut und der Liebe zugleich. Also hat auch die Liebe zum Nächsten hier ihren Quellpunkt; die Geistlich-Armen und die Hungernden und Dürstenden sind auch die Friedfertigen und Barmherzigen.
In diesem Sinne ist Moral und Religion durch Jesus verknüpft worden; in diesem Sinne kann man die Religion die Seele der Moral und die Moral den Körper der Religion nennen. Von hier aus versteht man, wie Jesus Gottes- und Nächstenliebe bis zur Identifizierung aneinanderrücken konnte: die Nächstenliebe ist auf Erden die einzige Bethätigung der in der Demut lebendigen Gottesliebe.
Indem Jesus seine Predigt von der besseren Gerechtigkeit und dem neuen Gebot der Liebe in diesen vier Hauptgedanken zum Ausdruck gebracht hat, hat er den Kreis des Ethischen in einer Weise umschrieben, wie ihn noch Niemand vor ihm umschrieben hatte. Wenn sich uns aber zu verdunkeln droht, was er gemeint hat, so wollen wir uns immer wieder in die Seligpreisungen der Bergpredigt versenken. Sie enthalten seine Ethik und seine Religion, in der Wurzel verbunden und von allem Äußerlichen und partikularen befreit.
Auszug aus: Adolf von Harnack, Das Wesen des Christentums, 4. Vorlesung (1900)
http://de.wikisource.org/wiki/Das_Wesen_des_Christentums/Vierte_Vorlesung (7.2.2011)
Schick mir jemanden, der mich liebt.
Ich brauche Arme, in denen ich ruhen kann,
der mich im strömenden Regen vor Verletzungen schützt.
Gib mir einen endlosen Sommer.
Gott, ich fürchte mich vor der Kälte.
Ich fühle, wie ich vor meiner Zeit alt werde.
Wenn meine Seele die Schande heilt,
werde ich durch diesen Schmerz wachsen.
Gott, ich tue alles was ich kann,
um ein besserer Mensch zu sein.
Geh einfach mit meinem Gewissen um,
denn es ist nicht mein Fehler.
Ich weiß, dass ich beigebracht bekam,
die Schuld zu ertragen.
Sicher, letztlich werden die Engel
meine Tränen auffangen.
Hilf mir hieraus,
ich bin voller Schmerz.
Wenn meine Seele die Schande heilt,
werde ich durch diesen Schmerz wachsen.
Gott, ich tue alles was ich kann,
um ein besserer Mensch zu sein.
Wenn du deinen Lover gefunden hast,
kannst du deine Heimreise antreten.
Liebe ist überall,
Liebe ist überall.
Ich weiß, dass manche
auf einen steinigen Boden gefallen sind,
aber die Liebe ist überall.
Schick mir jemanden, der mich liebt.
Ich brauche Arme, in denen ich ruhen kann,
der mich im strömenden Regen vor Verletzungen schützt.
Gib mir einen endlosen Sommer.
Gott, ich fürchte mich vor der Kälte.
Ich fühle, wie ich vor meiner Zeit alt werde.
Wenn meine Seele die Schande heilt,
werde ich durch diesen Schmerz wachsen.
Gott, ich tue alles was ich kann,
um ein besserer Mensch zu sein.
Better Man Lyrics
Robbie Williams Lyrics
http://www.golyr.de/robbie-williams/songtext-better-man-480672.html (7.2.2011)

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