Kv: Sende aus deinen Geist
und das Angesicht der Erde wird neu. – Kv
Oder: Kv Halleluja. – Kv
GL 312,2
Preise den Herrn, meine Seele! /
Herr, mein Gott, überaus groß bist du! *
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, *
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. – (Kv)
Wie zahlreich sind deine Werke, Herr, /
sie alle hast du mit Weisheit gemacht, *
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit, *
darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere. – (Kv)
Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, /
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin *
und kehren zurück zum Staub.
Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen *
und du erneuerst das Angesicht der Erde. – (Kv)
Die Herrlichkeit des Herrn währe ewig, *
der Herr freue sich seiner Werke.
Möge ihm mein Dichten gefallen. *
Ich will mich freuen am Herrn. – Kv
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn ihr mich liebt,
werdet ihr meine Gebote halten.
Und ich werde den Vater bitten
und er wird euch einen anderen Beistand geben,
der für immer bei euch bleiben soll.
Wenn jemand mich liebt,
wird er mein Wort halten;
mein Vater wird ihn lieben
und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.
Wer mich nicht liebt,
hält meine Worte nicht.
Und das Wort, das ihr hört,
stammt nicht von mir, sondern vom Vater,
der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
Der Beistand aber, der Heilige Geist,
den der Vater in meinem Namen senden wird,
der wird euch alles lehren
und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Vertraut ist der Hl. Geist als »Tröster« oder »Begleiter«. Er kann aber auch als »Auslöser« von Bewegung und Veränderung betrachtet werden.


Das Pfingstfest ist aus einem jüdischen Fest des Wortes Gottes herausgewachsen. Dieses bildet den Grudnrahmen. Vor dem Hintergrund der Sprachenverwirrung nach dem Turmbau zu Babel feiern wir es als ein Fest des sich Verstehens und der Gaben , mit denen uns der Geist beschenkt hat.
Charismatische Menschen können begeistern und mitreißen. Jesus von Nazareth war solch ein mitreißender Mensch. Auch wir können dem Geist, der von Gott kommt, Raum geben, wenn wir sagen: Yes, we can...
Vielleicht erinnern sie sich noch an diesen Wahlslogan von Barak Obama: Yes, we can. Dieses Motto hat abertausende Menschen begeistert und auch Hoffnungen geweckt. Barack Obama hat beide Präsidentschaftswahlen gewonnen, weil er mehr Menschen motivieren konnte zur Wahl zu gehen, als seine jeweiligen Herausforderer. Dies sagen jedenfalls die Wahlanalytiker.
Menschen, die andere begeistern können, die andere motivieren und mitreißen, sind Charismatiker. Sie haben eine ungeheure Macht. Denn Menschen, die von etwas begeistert sind, die motiviert sind, sind gefragt. Sie bringen frischen Wind und strotzen vor Energie.
Umgekehrt erleidet die Volkswirtschaft regelmäßig einen enormen wirtschaftlichen Schaden, wenn Arbeitnehmer unmotiviert sind und geistig schon längst ihren Job gekündigt haben, z.B. weil sie mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden sind, oder weil sie keine Perspektiven sehen.
Nicht umsonst stellen viele Fußball-Profivereine Mentaltrainer und Psychologen ein, damit ihre Stars das Potential, das in ihnen steckt, auch abrufen und dass mögliche Blockaden abgebaut werden.
Und wir selbst spüren es: Wenn wir von etwas überzeugt sind, wenn wir uns von etwas anstecken lassen, dann sind wir auch bereit, Vieles dafür einzusetzen: Geld, Zeit, Energien, Engagement. Und so manches wird plötzlich möglich, wo vorher als unmöglich galt. Die Triebkraft sind Erwartungen, Hoffnungen und Träume, sind Ziele, die man erreichen möchte. Doch allzu oft kommt nach der Erwartung die Ernüchterung, die Routine, der graue Alltag.
Vor rund 2000 Jahren lebte so ein Charismatiker. Jesus von Nazareth, den wir Christen als Sohn Gottes verehren. Viele Menschen waren von ihm begeistert, sie folgten ihm und jubelten ihm zu. Wir erinnern uns an den triumphalen Einzug von Jesus in Jerusalem. Die Menschen hatten große Erwartungen, Hoffnungen und Träume. Sie hatten ganz bestimmte Pläne und Wunschvorstellungen mit dieser Person verknüpft. Ihre Rechnung ging nicht auf. Ihre Erwartungen wurden nicht erfüllt. Aus dem Ruf „Hosanna“, wurde der Ruf laut: „Ans Kreuz mit ihm“.
Nach dem Schock vom Karfreitag und dem Tod Jesu kam die unerwartete Wende. Ostern. Der Tod wird besiegt. Der Auferstandene erscheint seinen Jüngern. Bevor er zu seinem Vater im Himmel heimgeht, verspricht er seinen Jüngern den Beistand, den Heiligen Geist. Dessen Sendung feiern wir Christen heute.
Wir hören, dass die Jünger wieder begeistert waren. Aber, es ist eine andere Begeisterung. Sie sind nicht mehr begeistert von ihren Plänen, von ihren Vorstellungen, sie sind begeistert vom Plan und vom Willen Gottes. Dafür lassen sie sich begeistern. Ihre Botschaft verbreitet sich nicht durch Analysen, Machbarkeitsstudien, oder durch Finanzierungspläne, sondern weil sie in erster Linie und noch vor allen Aktivitäten Gottes Geist Raum geben. Die Gegenwart Gottes steht vor jeder Aktivität. Denn nur durch Gottes Gegenwart gereicht das menschliche Bemühen zum Segen.
Yes, we can - Wir können so leben, dass Gottes Geist unter uns leben kann.
Yes, we can - Wir können Gott jeden Morgen darum bitten, dass er uns durch diesen neuen Tag mit all seinen Aufgaben und mit all seinen Herausforderungen begleitet und uns beisteht.
Yes, we can - Wir können immer wieder am Abend eines Tages auch das Bruchstückhafte, selbst die Verletzungen und Traurigkeiten, Gott hinhalten und ihn um Heilung und um seinen Segen bitten.
Yes, we can - Wir können hier, jetzt und heute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eines neuen Himmels und einer neuen Erde werden, weil Gott auch uns seinen Beistand, seinen Heiligen Geist zugesagt hat.
Yes, we can - Wir können ein lebendiger Tabernakel in dieser tränendurchtränkten Welt sein, damit Gott durch uns den Menschen in ihrem Leid nahe ist. Er wird sie zu neuem Leben erwecken und ihnen Freude in Fülle schenken.
In diesem Sinne wünsche ich ihnen allen ein geisterfülltes und frohes Pfingstfest.
© Diakon Martin Genter, genter@me.com
Zum jüdischen Pfingstfest waren Juden aus der ganzen damaligen Welt in Jerusalem und feierten das jüdische Gesetz als Gottesgeschenk als Zeichen der Einheit des erwählten Volkes. In diese Situation hinein kommt das Pfingstereignis der Apostelgeschichte. Der Heilige Geist wirkt weiter in der Geschichte der Kirche.
Jesus öffnet uns die Türen. Auch die Herzen. Was klein anfängt, erobert die Welt. Mit Worten, die alle verstehen. Pfingsten erzählt von einer Liebenserklärung: „Ich habe euch lieb“. Das beflügelt alle guten Geister. Was ist das für ein Fest! Es stürmt, lodert – und wir reden mit der Welt, als ob wir nie etwas anderes gemacht hätten. So viel Welt an diesem kleinen Ort! Sie steht Kopf! Und: die Menschen verstehen. Sie verstehen Gott, sie verstehen sich, sie verstehen die Welt. Was ist das für ein Fest!
Einmal im Jahr am Ende des Osterfestkreises bekommt der Heilige Geist etwas mehr Raum zugesprochen, obwohl wir bei jeder heiligen Messe den Heiligen Geist herabrufen und die biblischen Texte immer wieder vom Heiligen Geist sprechen. Nicht die Kirche oder die Gemeinschaft der Heiligen sind Gegenstand unseres Glaubens wie man aus dem Text des Glaubensbekenntnisses schließen könnte, sondern einzig und allein der dreifaltige Gott, den wir am nächsten Sonntag besonders in den Blick nehmen: Ich (wir) glaube(n) an den Heiligen Geist- somit an den, der Beziehung schafft. Das Leben Gottes ist Beziehung: Beziehung in sich, Selbstmitteilung, sich einander mitteilen, Austausch des Lebens, das wir Person nennen.
Die erste Lesung aus der Apostelgeschichte zeigt uns, dass Gott neue Seiten seines Wesens zu erkennen gibt. Der Heilige Geist ist Gabe für die Zeit nach Jesu Tod. Es ist der Geist der Einheit, der Menschen über die Barrieren von Sprache und Nationalität zusammenführt ohne die kulturelle Vielfalt, die es von Anfang an in unserer Welt und auch in der Kirche gibt, zu zerstören. Auch wenn es immer wieder Spannungen, Auffassungsunterschiede und Konflikte gibt, ist ein Weg in die Einheit möglich, zugegebenermaßen schwer zu finden.
Im Roman "Parallelen der Liebe" von Aldous Huxley (1894-1963) lesen wir: "Von zweierlei Treue hin- und hergerissen zu werden ist das schmerzliche Los fast jedes Menschen: Hie Gott, hie Teufel, hie Geist, hie Fleisch." Anders gesagt: Der Mensch ist ein Zerrissener, Heimatloser. "Dieser Konflikt in seinen verschiedenen Gestalten ist der Gegenstand jedes Dramas." Persönlich füge ich hinzu: ist der Konflikt jedes menschlichen Lebens. Zerrissenheit, seelische Halt-und Heimatlosigkeit, Unsicherheit werden durch die neuen Medien wie Internet, Facebook, Twitter- und damit auch durch die Rasanz der Zeit offenbar.
An anderer Stelle in Huxleys Roman "Parallelen der Liebe" ist zu lesen: "Der Geist muss offen sein [...] frei von unwichtigen Dingen und völlig ruhig. Es ist kein Platz für Gedanken in einem angestopften Hirn voll Lärm. Wo der Mensch seinen Geist mit so viel irdischem Kleinkram füllt, dass Gott darin keinen Raum mehr findet, da begeht er die Sünde wider den Geist." Paulus empfiehlt deshalb im Brief an die Römer: "Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne (und Töchter) Gottes." (Röm.8,14). Am Pfingstfest kommt der Heilige Geist in Form von Feuerzungen auf die Apostel nieder. (Apg. 2,1-4). Gott wählt das Symbol des Feuers, um den Menschen nahe zu sein. Seine Wärme und sein Licht sind spür- und sichtbar.
Ob wir für andere Licht sind, zeigt sich in unserem täglichen Leben, in all jenen Begebenheiten, in denen wir uns in irgendeiner Weise mit unseren Mitmenschen auseinandersetzen. Sie haben immer einen konkreten Anfang, der sehr schnell eine kritische Phase heraufbeschwören kann. Daraus erwächst der Höhepunkt, dem das gute oder böse Ende folgt. Anfang, kritische Phase, Höhepunkt und Ende sind die vier Bauelemente unserer persönlichen "Alltagsgeschichten" oder unserer Lebensgeschichte. Ob es sich um eine gute oder böse handelt, entscheidet sich in der kritischen Phase.
Hat nicht hier besonders das Schriftwort Gültigkeit: "Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne (und Töchter) Gottes." Unsere persönliche Alltagsgeschichte kann zur Überlebensgeschichte werden. Die Psychologie hilft uns, blinde Flecken in unserem vielschichtigen Menschsein auf dem Weg zur Mitte zu entdecken. Der Mensch ist ein Rätsel, ein Geheimnis. Vieles in meiner persönlichen Lebensgeschichte ist mir nicht bewusst, unbekannt, damit auch nicht erklärbar, manches wird anderen über mich bekannt, was sich zur kritischen Phase in meinem Alltag entwickeln kann. Sind in diesen Situationen andere für mich Licht, und inwieweit habe ich anderen Wärme gegeben?
"Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne (und Töchter) Gottes." Das gilt natürlich auch für die christlichen Kirchen. Wie viele blinde, dunkle Flecken sind auch in den Kirchen zu erforschen? Blindheit nimmt gefangen, macht eng und ängstlich, das Licht des Geistes fehlt. Es ist sehr zu hoffen, dass wir durch den neuen Papst, der ein großer Verehrer des Heiligen Geistes ist, wir wieder besser ans Evangelium herangeführt werden. Unser Umgang miteinander, auch der einzelnen Kirchen untereinander, bestimmt, ob wir Wege und Tore öffnen oder verschließen, ob wir Licht sein wollen als geisterfüllte Menschen oder, ob wir nicht das Licht ausblasen, auch das Licht anderer Konfessionen.
"Der Geist des Herrn erfüllt das All
mit Sturm und Feuersgluten.
Er krönt mit Jubel Berg und Tal.
Er lässt die Wasser fluten."
Herr, nach unserer Ebbe, schenke uns deine Flut.
In der guten alten Zeit, als ich noch zum Jugendseelsorger taugte, veranstaltete ich gemeinsam mit Mitbrüdern und befreundeten JugendseelsorgerInnen durch mehrere Jahre hindurch ein dreitägiges Jugendpfingstfest mit Jugendlichen aus Gemeinden, in denen wir als Redemptoristen arbeiteten oder mit denen wir in Kontakt waren.
Jedes Mal machten wir uns viel Mühe mit der inhaltlichen Vorbereitung. Dabei leitete uns die Frage: Wie und wo kann Pfingsten heute erfahren werden? Die offensichtliche Diskrepanz zwischen der Begeisterung der Jünger damals und der Coolness der Jugendlichen heute forderte uns jedes Jahr neu heraus. Wie und womit können wir in unseren Tagen Menschen für lebendiges Christsein begeistern? Und klar war von vornherein: Mit dem Begeisterungspotential einer Fußballmeisterschaft oder eines Popkonzertes konnten wir auf keinen Fall mithalten.
Geht es zu Pfingsten wirklich um Be-geisterung? Wo können wir das Phänomen Pfingsten, wie es in der Apostelgeschichte beschrieben wird, einordnen?
Was sich nach der Schilderung der Apostelgeschichte in Jerusalem zugetragen hat, ist überraschend über alle, die es erlebt haben, hereingebrochen und ruft heute noch Staunen hervor. Wer hätte dies den Jüngern zugetraut? Wie ein Naturereignis unvorhersehbar ist es ihnen zugestoßen. Von Jesus, seiner Lehre und seinen Taten begeistert waren sie früher einmal, am Anfang des Auftretens Jesu in Galiläa. Diese Beobachtung ist mir wichtig, damit wir uns nicht auf eine falsche Fährte locken lassen. Begeisterung für Jesus führt nicht zwangsläufig zu einem neuen Pfingsten.
Wir tun gut daran genauer hinzuschauen, was damals geschehen ist. Zunächst einmal ist an jenem 1. Karfreitag alles zusammengebrochen, was an Hoffnungen und auch an Begeisterung für Jesus da war. In den Tagen und Wochen danach finden wir die Jüngerinnen und Jünger damit beschäftigt aufzuräumen und ihr Leben neu zu ordnen. Dabei machen sie die Erfahrung, dass Jesus und das, was er in ihr Leben gebracht hat, nicht tot sind. Er lebt, und das, was er ihnen gesagt hat, bewahrheitet sich und ergibt jetzt einen neuen, noch tieferen Sinn als zuvor. Nach und nach beginnen sie Konsequenzen daraus zu ziehen.
Am Pfingsttag kommt über sie der Geist Gottes, wie er zuvor über Jesus gekommen ist: Bei der Taufe im Jordan kam er auf ihn herab (Lk 3,22). Dann führte er ihn in der Wüste umher (Lk 4,1). "Erfüllt von der Kraft des Geistes" kehrt Jesus nach Galiläa zurück (Lk 4,14f) und beginnt zu predigen. Nun heilt er Menschen, die von unreinen Geistern besessen waren (Lk 4,33. Lk 8,29. Lk 8,39 u.v.a.m.). Der Geist Gottes bewirkte in Jesus vor allem Aufbruch und Neubeginn.
Im Johannesevangelium haucht der Auferstandene den Heiligen Geist seinen Jüngern ein. Er übergibt ihnen den Geist, der ihn beseelte und bewegte.
Der Verfasser der Apostelgeschichte beschreibt in Fortsetzung des Lukasevangeliums, wie der Heilige Geist auch auf die Jünger herabkam und auch in ihnen einen Aufbruch und Neubeginn bewirkte.
Wenn wir all dies berücksichtigen, ist es geradezu gefährlich, um diesen Geist Gottes zu bitten, ein Spiel mit dem Feuer gleichsam, denn wir wissen nicht, was er in uns auslöst und in uns und durch uns bewirkt. Das ist mehr als einfach Begeisterung.
Im Rückblick auf mein eigenes Leben muss ich gestehen, dass ich in den liturgisch vorgesehenen Begegnungen mit dem Heiligen Geist bei der Firmung und auch bei der Priesterweihe eher Windstille erlebt habe. Es war so windstill, dass ich mich fragte: War's das jetzt?
Anders hingegen verlief es in anderen Lebensphasen. Mehrere Male zerbröselten meine Lebensentwürfe und ich landete in einer handfesten Krise; von Außenstehenden kaum wahrgenommen. Für mich aber waren diese Ereignisse mit tiefgehenden Erschütterungen verbunden. Jede dieser Krisen dauerte eine Zeitlang und stellte eine Reihe meiner bisherigen Einstellungen in Frage. Am Ende jeder Krise stand aber ein Neuaufbruch mit einem kräftigen Motivationsschub. Einmal hatte ich sogar das länger anhaltende Gefühl, vor dieser Erfahrung nicht wirklich gelebt zu haben. - War das mein persönliches Pfingsten?
Der Geist Gottes weht, wo er will und wie er will. Und das stimmt mich zuversichtlich. Ich muss ihm nicht künstlich nachhelfen. Ich brauche keine Begeisterungsstürme zu erzeugen und niemand anzufeuern. Dafür fühle ich mich nicht sonderlich begabt. Im Gegenteil: ich meide Menschenansammlungen, die für irgend etwas außergewöhnlich begeistert sind; auch kirchliche.
Was mir immer wieder geholfen hat: das Kreisen um die biblischen Texte über Jesus und seine Jünger und mein Wunsch zu begreifen, was sie bewegt hat.
Wonach ich immer wieder Sehnsucht verspüre: Eintauchen in den Geist Jesu, in den Geist der Vergebung, in seine Verbundenheit mit dem Vater, in seine Offenheit für die Kleinen und Schwachen, in seine Geduld mit seinen Freundinnen und Freunden. - Ist das der Geist, mit dem er uns getauft hat?
Ich ahne, dass die Begegnung mit Gott in den großen sakramentalen Zeichen doch nicht vergeblich war, auch wenn ich dies im Vollzug nicht direkt wahrnehmen konnte. Das stimmt mich zuversichtlich, wenn ich sehe, wie sehr sich unsere Pfarrgemeinden um eine nachhaltige Feier der Sakramente bemühen, auch wenn sie keinen unmittelbaren Erfolg verbuchen können.
Oft wünsche ich mir einen Aufbruch in der Kirche, wie ich ihn in meinem individuellen und persönlichen Leben erfahren habe. Ich sehe einige Parallelen zwischen dem Erleben meiner persönlichen Krisen und den Krisenphänomenen der gegenwärtigen Kirche. Ich fürchte, wir können den Aufbruch nicht machen und nicht herbeizwingen, sondern wir müssen ihn uns zur gegebenen Zeit schenken lassen. Was ich bis dahin tun kann, tun will und mit allen, die sich dafür gewinnen lassen, teilen will, ist das Eintauchen in den Geist Jesu, in das, was ihn bewegt hat.
Lieder:
GL 165: Send uns deines Geistes Kraft
GL 341: Veni, creator Spiritus
GL 342: Komm, Heilger Geist, der Leben schafft
GL 343: Veni Sancte Spiritus
GL 344: Komm herab, o Heilger Geist
GL 345: Veni Sancte Spiritus
GL 346: Atme in uns, heiliger Geist
GL 347: Der Geist des Herrn erfüllt das All
GL 348: Nun bitten wir den Heiligen Geist
GL 349: Komm, o Tröster, Heilger Geist
GL 350: Geist der Zuversicht, Quelle des Trostes (Kanon)
GL 351: Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein
GL 487: Nun singe Lob, du Christenheit
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen (3. Str.)
Kehrverse und Psalmen:
GL 645,3-4: Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu - Mit Ps 104 - VII.
GL 645,5-6: Alle wurden erfüllt mit Heiligem Geist und kündeten Gottes große Taten - Mit Psalm 147 - V.
GL 646,1: Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis, Halleluja, Halleluja
GL 654,1: Ihr seid der Tempel Gottes, in euch wohnt Gottes Geist
Allmächtiger, ewiger Gott,
durch das Geheimnis des heutigen Tages
heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen.
Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes,
und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat,
das wirke sie auch heute in den Herzen aller,
die an dich glauben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Pfingsten am Tag
Allmächtiger Gott,
erfülle die Verheißung deines Sohnes:
Sende uns deinen Geist,
damit er uns in die volle Wahrheit einführt
und uns das Geheimnis dieses Opfers
immer mehr erschließt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingsten am Tag
Kehrvers:
Jubelt dem Herrn alle Lande,
Halleluja, preist unseren Gott. (GL 643,1)
Danke, Schöpfer-Geist, dass du ununterbrochen unser Chaos in Kosmos verwandelst; dass du unseren Geist besucht und unser Herz mit Gnade erfüllt hast.
Kehrvers
Danke, dass du für uns der Tröster bist, die größte Gabe des Vaters, das lebendige Wasser, das Feuer, die Liebe und die geistliche Salbung.
Kehrvers
Danke für die unendlichen Gaben und Charismen, die du als mächtiger Finger Gottes unter den Menschen verteilt hast, du erfüllte und ständig zu erfüllende Verheißung des Vaters.
Kehrvers
Danke für das Wort aus Feuer, das du niemals aufgehört hast, in den Mund der Propheten, der Seelsorger, der Missionare und der Beter zu legen.
Kehrvers
Danke für das Licht Christi, das du in unserem Geist hast leuchten lassen, für seine Liebe, die du in unsere Herzen ausgegossen hast, und für die Heilung, die du in unserem gebrechlichen Leib bewirkt hast.
Kehrvers
Danke, dass du uns im Kampf zur Seite gestanden hast, dass du uns geholfen hast, den Feind zu besiegen oder uns nach der Niederlage wieder zu erheben.
Kehrvers
Danke, dass du unser Führer warst in den schwierigen Entscheidungen des Lebens und dass du uns vor der Faszination des Bösen bewahrt hast.
Kehrvers
Danke schließlich, dass du uns das Angesicht des Vaters offenbart und uns gelehrt hast, "Abba!" zu rufen.
Kehrvers
Danke, dass du uns dazu anspornst, zu erklären: "Jesus ist der Herr!"
Kehrvers
Danke, dass du dich der Kirche der Väter und der unserer Tage offenbart hast als das Band der Einheit zwischen Vater und Sohn, als unaussprechliches Objekt ihrer gemeinsamen Hauchung der Liebe, als Lebensatem und Duft göttlicher Salbung, die der Vater dem Sohn überträgt, indem er ihn zeugt "noch vor dem Morgenstern".
Kehrvers
Danke einfach dafür, dass du da bist, jetzt und in alle Ewigkeit, sei dir, Heiliger Geist, gedankt!
Danklied: z. B.: Nun danket alle Gott (GL 405)
Aus Raniero Cantalamessa, Komm, Schöpfer Geist. Betrachtungen zum Hymnus Veni Creator Spiritus. Aus dem Italienischen von Ingrid Stampa. Mit einem Vorwort von Joseph Kardinal Ratzinger, Freiburg i. Br.: Verlag Herder 1999.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken
und diesen Tag in festlicher Freude zu feiern.
Denn heute hast du das österliche Heilswerk vollendet,
heute hast du den Heiligen Geist
gesandt über alle,
die du mit Christus auferweckt
und zu deinen Kindern berufen hast.
Am Pfingsttag erfüllst du
deine Kirche mit Leben:
Dein Geist schenkt allen Völkern
die Erkenntnis des lebendigen Gottes
und vereint die vielen Sprachen
im Bekenntnis des einen Glaubens.
Darum preisen dich alle Völker
auf dem Erdenrund in österlicher Freude.
Darum rühmen dich die himmlischen Kräfte
und die Mächte der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Pfingsten
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt
und verkündeten Gottes große Taten.
(vgl. Apg 2, 4.11)
Oder:
Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen,
und du erneuerst das Antlitz der Erde.
Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn;
der Herr freue sich seiner Werke.
(Ps. 104,30f.)
Oder:
Wie mich der Vater gesandt hat,
so sende ich euch.
(Joh 20,21)
Oder:
Wenn der Geist dessen in euch wohnt,
der Jesus von den Toten auferweckt hat,
dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat,
auch euren sterblichen Leib lebendig machen,
durch seinen Geist, der in euch wohnt.
(Röm. 8,11)
Herr, unser Gott,
du hast deine Kirche
mit himmlischen Gaben beschenkt.
Erhalte ihr deine Gnade,
damit die Kraft aus der Höhe, der Heilige Geist,
in ihr weiterwirkt
und die geistliche Speise sie nährt
bis zur Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingsten am Tag
Herr, unser Gott,
du hast uns im heiligen Mahl gesättigt.
Erfülle uns durch dieses Sakrament mit der Glut des Heiligen Geistes,
den du am Pfingstfest den Aposteln gesandt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der gütige Gott hat am heutigen Tag die Jünger durch die Eingießung des Heiligen Geistes erleuchtet.
Er segne euch und schenke euch den Reichtum seiner Gaben. Amen.
Jenes Feuer, das in vielen Zungen auf die Jünger herabkam,
reinige eure Herzen und entzünde in euch die göttliche Liebe. Amen.
Der Heilige Geist, der die vielen Sprachen im Bekenntnis des Glaubens geeint hat,
festige euch in der Wahrheit und führe euch vom Glauben zum Schauen. Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
MB Vom Heiligen Geist
„Ich bin stolz auf unsere Kirche!" - So habe ich früher oft gesagt. Und ich bin noch immer stolz auf sie. Aber es gibt „Schwächen“ an unserer Kirche, die wir sehen müssen. Sie werfen Fragen auf, sie sind „fragwürdig“. - Ich denke dabei nicht an die Skandale, die es in der Kirche gegeben hat; und die Missstände, die wir so gut kennen und die eine Schande für die Kirche und uns Christen sind. Ich denke vielmehr an „Schwächen“ der Kirche, die zu ihrer „Grundausstattung“ gehören und immerzu ihr gehören werden. Sie sind ihr „auf den Leib geschnitten", und sie wird sie daher nie los werden.
Einige dieser „Schwächen“ springen ins Auge.
Die Apostel
Eine „Schwäche" gehört seit Anfang an zur Kirche. Jesus selber hat sie verursacht, als er die "Apostel“ ausgesucht hat.
Wenn wir nämlich mit etwas kritischem Sinn auf die Auswahl schauen, die Jesus getroffen hat, sind wir versucht zu sagen: es war eine „schlechte Wahl“! Die Männer, auf die seine Wahl gefallen ist, waren Arbeiter, Steuereintreiber, manche von ihnen politisch eher extrem, charakterlich unausgeglichen; und alle ungebildet! ... Ich habe Jesus öfters Vorwürfe gemacht, dass er solche Männer zu seiner Kerngruppe machte.
Aber ist es nicht höchst erstaunlich, dass diese inkompetenten und unfähigen Männer die Kirche aufgebaut und getragen haben? Nicht gescheite Leute haben Jesus und seine Botschaft in der Welt gegenwärtig gemacht, keine mächtigen Politiker oder Millionäre, sondern dieses arme Häuflein! Zeigt nicht gerade diese Tatsache, dass die Kirche nicht Menschenwerk ist, sondern von Gott und seinem Christus getragen und gehalten wird?
Paulus hat diese und andere „Schwächen“ der Kirche klar im Blick gehabt; er schreibt oft darüber, besonders in seinem 1. Brief an seine Freunde in Korinth: „Was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt, was nichts ist, damit er zunichtemache, was etwas ist.“(1 Kor 1,27f.).
Das ist die „Weisheit Gottes“ und die „Philosophie“ seines Messias!
Aus: Hans Schermann, Auf dem Weg des Lebens. Erfahrungen und Einsichten. Fromm Verlag, Saarbrücken 2017
Der Geist der Liebe ist es, der aus der entmutigten, verzweifelten, zerstreuten und verleugnenden Jüngerschar Zeugen der Auferstehung erstehen lässt. Gottes Geist gibt ihnen eine neue Sprache: aus dem Blabla, dem unverbindlichen Geschwätz, aus dem Gezänk der Parteien, der Saft- und Kraftlosigkeit der Predigten, in den Sprachbarrieren entsteht eine neue Verstehensgemeinschaft. Als geisterfüllte Menschen erinnern und bezeugen die Apostel das kraftvolle, tröstende Wort Gottes, das Jesus in Person ist. Der Geist ist ihnen Beistand, der guten Stand gibt, gerade wenn sie traurigen, sprachlosen, lahmen, trägen, einsamen, verängstigten oder verbitterten Menschen begegnen. Der Heilige Geist eröffnet Lebensräume, wo alle in die Enge getrieben sind, Freiräume, wo die Lasten drücken, Quellen, wo alles verkarstet, Licht, wo Dunkel herrscht.
"Die Gnade des Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes seien mit euch allen" (2 Kor 13,13). Der Heilige Geist ist der Kuss, die Beziehung zwischen Vater und Sohn, das "Zwischen", die Atmosphäre. Geist ist das, was verbindet, was zusammenfügt, was Gemeinschaft stiftet. Gemeinschaft ist geradezu der Urgedanke Gottes. Nur ein gemeinschaftsfähiger Mensch entspricht dem trinitarischen Gott der Liebe und der Gemeinschaft.
Aus: Manfred Scheuer, Und eine Spur von Ewigkeit. Ein geistlicher Begleiter durch das Jahr. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
Fast lauter junge Gesichter und leuchtende Augen sind es, in die ein Bischof bei den vielen Firmspendungen im Laufe eines Kirchenjahres blickt. Im Wechsel von einem Gesicht zum anderen kommt er manchmal in ein inneres Gespräch mit dem Heiligen Geist, der diesen Firmlingen in Gebet, Handauflegung und Salbung geschenkt wird.
Fragen drängen sich auf: Was wirst du, Gottes Geist, in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit diesem jungen Menschen tun, der jetzt vor mir steht? Und was wird er in seiner Freiheit mit dir, der niemanden zwingt, tun? Wird er dein Licht in einer großen Lebens- und Glaubenskrise auslöschen? Oder wird er dieses Licht durch ein laues Leben zu einer armselig brennenden Funzel, zu einem glimmenden Docht verkommen lassen? Werden die Augen dieses Firmlings in zwanzig, in fünfzig Jahren inmitten eines dann vielleicht schon runzeligen Gesichtes noch leuchten, weil das Licht des Heiligen Geistes dann immer noch in seinem Herzen brennt? Oder werden diese Augen stumpf sein und werden sich Spuren von tiefen Enttäuschungen, von Gier und von Gleichgültigkeit in dieses Gesicht eingeschrieben haben?
Jeder weiß, dass viele junge Menschen mit so guten Gesichtern und leuchtenden Augen zur Firmung herangetreten sind und trotzdem bald darauf schon die großen Ferien vom kirchlichen Leben begonnen haben; dass sie aufgehört haben, regelmäßig zu beten, den Sonntagsgottesdienst mitzufeiern, zu beichten und sich für die Kirche mitverantwortlich zu fühlen. Die Firmung ist für sie absurderweise nicht Anfang eines Lebens als mündiger Christ geworden, sondern Abschied vom Leben mit der Kirche.
Der Bischof gleicht bei der Firmspendung jenem Sämann, über den Jesus in einem Gleichnis gesprochen hat: Er streut das Saatgut mit dem Wind und auch gegen den Wind aus. Er ahnt, dass einiges verloren geht, weil es auf steinigen Boden oder in ein Dornengestrüpp fallt. Er darf aber auch hoffen, dass vieles von dem, was da ausgesät wird, aufgehen und dreißigfach, sechzigfach, ja hundertfach Frucht bringen wird (Mk 4,1-9).
Jede Firmspendung geschieht in der Hoffnung, dass mindestens diesmal kein Firmling mit dabei ist, der in einer der ihm bevorstehenden Krisen den Geist Gottes in seinem Herzen ganz auslöschen wird. Diese Hoffnung gründet auf der Erfahrung, dass viele Getaufte und Gefirmte zwar durch Jahre, ja Jahrzehnte in weite Feme von der Kirche geraten, dass sie aber eines Tages neu zum Glauben erwachen wie aus einem Winterschlaf. Manchmal geschieht dies, wenn sie Mutter oder Vater geworden sind und nun ihren Kindern jenen Glauben vermitteln wollen, den sie selbst anscheinend verloren haben. Öfter aber geschieht dies im Alter oder während einer schweren Krankheit. Die Krankenhäuser und die Altenheime sind ja so etwas wie Exerzitienhäuser, auch wenn viele Menschen dort ohne kirchlichen Beistand auskommen müssen. In diesen Häusern steigen häufig Fragen wieder auf, die durch lange Zeit vergessen, verdrängt waren: Wozu lebe ich eigentlich? Woher komme ich und wohin gehe ich? Fängt jemand mich auf, wenn ich sterbend fürchte, ins Nichts zu fallen? In christlicher Sicht sind dies Fragen, die der Geist Gottes eingibt und die allein er auf unübertreffliche Weise beantworten kann. Es sind Fragen, die zu einer Tauferneuerung und Firmerneuerung führen können.
Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Was ist das?
Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft
an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann;
sondern der Heilige Geist
hat mich durch das Evangelium berufen,
mit seinen Gaben erleuchtet,
im rechten Glauben geheiligt und erhalten;
gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden
beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt
und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben;
in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen
täglich alle Sünden reichlich vergibt
und am Jüngsten Tage
mich und alle Toten auferwecken wird
und mir samt allen Gläubigen in Christus
ein ewiges Leben geben wird.
Das ist gewißlich wahr.
Martin Luther (1529) Kleiner Katechismus.
Und doch, obwohl ein jeder von sich strebt
Wie aus dem Kerker, der ihn hasst und hält,-
Es ist ein großes Wunder in der Welt:
Ich fühle: alles Leben wird gelebt.
Wer lebt es denn? Sind das die Dinge, die
wie eine ungespielte Melodie
im Abend wie in einer Harfe stehn?
Sind das die Winde, die von Wassern wehn,
sind das die Zweige, die sich Zeichen geben,
sind das die Blumen, die die Düfte weben,
sind das die langen alternden Alleen?
Sind das die warmen Tiere, welche gehen,
sind das die Vögel, die sich fremd erheben?
Wer lebt es denn? Lebst du es, Gott, - das Leben?
R. M. Rilke, Die Gedichte, Frankfurt: Insel 1986.
Im postmodernen Mischmasch und Einerlei gibt es keinen großen Unterschied zwischen dem Alkoholgehalt, der Vernunft und dem Heiligen Geist. Müssen wir den Geist aber deshalb abschreiben, weil er so vieldeutig ist? Lassen wir ihn vorübergehend in Frühpension gehen, weil wir ihn ohnehin nicht brauchen? Was wäre in unserem Leben anders, wenn wir Pfingsten nicht feiern würden? Oder ist er doch eine tiefe geheime Sehnsucht in uns, die über das Faktische, die Berechenbarkeit und die Verfügbarkeit hinausgeht, weil wir uns doch nicht der Herrschaft der Resignation unterwerfen und aus dem mit der Zeit faden Kreislauf des Habens und Besitzens ausbrechen wollen? Oder wollen wir vielleicht hoch hinaus, um dann - wie beim Turmbau zu Babel - ganz unten zu landen? Beschwören wir den reinen Geist der Gnosis, jener dualistischen Tendenz, die Leib und Geist so strikt zu trennen suchte und deshalb der ärgste Feind des Heiligen Geistes ist, weil er keine Fleischwerdung Gottes und auch kein Kreuz kennt?
Um dem Heiligen Geist Gottes auf die Spur zu kommen, dürfen wir uns von der Heiligen Schrift her leiten lassen. Der Geist Gottes ist der schöpferische Geist des Lebens. Er schwebt, wie es im Buch Genesis heißt, über dem Wasser, einer Urflut und einem Zustand, der noch "wüst ist und leer", eben dem Tohuwabohu. Der Geist Gottes bewirkt, dass die Erde bewohnbar wird und nicht untergeht in materieller und geistiger Umweltverschmutzung. Aus dem Chaos wird ein Kosmos, aus dem zerstörerischen Durcheinander eine Beziehungsstruktur, aus dem Kampf mit dem Recht des Stärkeren ein gegenseitiges Wahr- und Annehmen in Würde. Adam wird zum Menschen, weil ihm der Geist eingehaucht wird, einer, der zu Gott Du sagen kann. Der Heilige Geist ist eine "kraftgeladene Wirklichkeit von höchster Lebendigkeit und Bewegtheit", sagt Alfons Deissler. [...]
Der Geist der Liebe ist es, der aus der entmutigten, verzweifelten, zerstreuten und verleugnenden Jüngerschar Zeugen der Auferstehung erstehen lässt. Gottes Geist gibt ihnen eine neue Sprache: aus dem Blabla, dem unverbindlichen Geschwätz, aus dem Gezänk der Parteien, der Saft- und Kraftlosigkeit der Predigten, in den Sprachbarrieren entsteht eine neue Verstehensgemeinschaft. Als geisterfüllte Menschen erinnern und bezeugen die Apostel das kraftvolle, tröstende Wort Gottes, das Jesus in Person ist. Der Geist ist ihnen Beistand, der guten Stand gibt, gerade wenn sie traurigen, sprachlosen, lahmen, trägen, einsamen, verängstigten oder verbitterten Menschen begegnen. Der Heilige Geist eröffnet Lebensräume, wo alle in die Enge getrieben sind, Freiräume, wo die Lasten drücken, Quellen, wo alles verkarstet, Licht, wo Dunkel herrscht.
Aus: Manfred Scheuer, Und eine Spur von Ewigkeit. Ein geistlicher Begleiter durch das Jahr. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
In dieser klugen Zeit,
Herr, lass uns nicht verdummen:
Vor leerem Menschenwort
lass dein Wort nicht verstummen.
In dieser satten Zeit
lass uns nicht Hungers sterben:
Speis' uns mit deinem Brot,
dass wir nicht gar verderben.
In dieser kalten Zeit
lass unsre Herzen brennen:
Lass in der Liebe stehn,
die deinen Namen nennen.
In dieser müden Zeit
gib Kraft zu neuem Werke:
Wo unser Herz verzagt,
sei du, Herr, unsre Stärke.
Zum reinhören:
https://m.soundcloud.com/user-607197191/gebet-wider-den-geist-der-zeit-version-i-zum-reinhoren
Lindolfo Weingärtner - Quelle unbekannt
Heiliger Geist, Quelle der Wahrheit,
du Atem Gottes, Spender des Lebens!
Überrasche mich - mitten im täglichen Leben.
Verfolge mich bis in meine Pläne hinein.
Wecke mein Talent - damit es arbeite.
Entzünde dein Charisma - damit ich dich bezeuge.
Treibe mich - wenn ich nachlasse.
Verständige mich - wenn ich nicht verstehe.
Durchglühe mich - wenn ich erkalte.
Überflute mich - wenn ich selbstgefällig bin.
Bete in mir - wenn ich wortlos bin.
Berge mich - wenn ich schutzlos bin.
Juble in mir - wenn ich dich liebe.
Aus: Es ist Zeit zur Aussaat. Novene im Anliegen der geistlichen Berufe und kirchlichen Dienste im Jubeljahr der Erzdiözese Freiburg (1827 - 2002).

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