Jeremia ist ein Beispiel dafür, wie Menschen um der Wahrheit willen verfolgt werden. Das Flüstern hinter dem Rücken oder anonym in den sog. sozialen Medien entzieht sich der Kontrolle und erzeugt Angst. Die offen gesagte Wahrheit befreit. Mit der Zusage, dass der Herr mir beisteht, kann diese Angst bezwungen werden.
Wie hört sich das an, wenn viele flüstern? Sollen wir es einmal probieren? Flüstern (noch leiser) – nicht zu überhören. Aber auch nicht zu verstehen. Geraune. Und doch zu laut, um es nicht mitzubekommen. Ich beneide Jeremia nicht. „Ich höre das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen“
Ich könnte Ihnen die Geschichte Jeremias erzählen. Sie spielt vor langer Zeit. Es ist die Geschichte eines Menschen, der als Prophet ständig aneckt, der mutig für Wahrheit und Recht eintritt, den Mächtigen widersteht und dem Heer der Ja-Sager ein Nein entgegenbringt. Es ist die Geschichte eines Menschen, der mit Gott ringt, der Gott sogar zum Vorwurf macht, ihn hereingelegt, ja verführt zu haben. Wie ein junges Mädchen. Und Jeremias Geschichte ist die Geschichte eines Menschen, der ein großes Vertrauen findet: „Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held.“ In der Lesung haben wir diese Worte gehört.
Wie hört sich das an, wenn viele flüstern? - Bedrohlich? Einschüchternd? Unheimlich? Wir spüren die Ablehnung. Sie liegt in der Luft. Wem gilt sie? Jeremia? Gott? Beiden? Erzählen wir doch - Flüstergeschichten!
In unserer lauten Welt hören wir Flüstern kaum. Wer auf sich aufmerksam machen will, muss sich in Szene setzen und geschliffene – oder auch ungehobelte – Sätze von sich geben. Doch in der virtuellen Welt, merkwürdig genug soziale Netzwerke genannt, flüstern viele. Nicht erkennbar, anonym, hinterrücks. Es gibt bei uns Menschen, die wissen, wie das ist – wenn viele flüstern. Der junge Mann, der sich kaum noch in die Öffentlichkeit traut, weil er Angst hat – und vom Flüstern verfolgt wird. Und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war erst vor ein paar Tagen zu lesen - nach dem Angriff auf Muslime in London: "Die sozialen Netzwerke sind seit Jahren voll mit düsteren Vorhersagen über einen drohenden Bürgerkrieg zwischen den Einheimischen in Europa und Einwanderern aus islamischen Ländern." Lautlos, mit der Wucht einer Welle. Gesichter gibt' s nicht.
Was passiert eigentlich, wenn die Wahrheit geflüstert werden muss? Es ist, als ob sie versteckt, geschützt und verwahrt werden muss. Ist sie so gefährlich? Gefährdet ist sie sehr. Hinter vorgehaltener Hand, niemals in Sichtweite, bei Nacht und Nebel werden Worte mehr gehaucht als gesagt Wenn es nur keiner gehört hat! Es gab sogar schon Flüsterwitze, auf die die Todesstrafe stand. Weltweit wird an vielen Orten aber immer noch geflüstert. Es ist lebensgefährlich, Kritik zu üben, eine andere Meinung zu äußern, schöne Fassaden zu entzaubern. Es ist lebensgefährlich, menschlich zu sein. Flüstern ist die Kunst, nicht zu schweigen, aber auch nichts gesagt zu haben. Flüstern ist der Gefährte der Angst. Heute reden wir darüber. Heute bitten wir um das offene, freie Wort.
Ein Flüstern ist allerdings schön. Kennen Sie das? Erinnern Sie sich? Eine Liebeserklärung lässt sich zwar auch groß inszenieren, aber sie braucht nicht mehr als ein Flüstern. Doch irgendwann stehen zwei Menschen zu ihrem Wort. Dann bekommen es alle mit. Bei Einwänden, die es immer noch geben soll, lernen Menschen - vom Alter ganz unabhängig - ihrem Wort zu vertrauen. Es mag auch Angst geben, aber - so Johannes - Furcht ist nicht in der Liebe. Die wahre Liebe treibt die Furcht aus.
Ich höre das Flüstern der Vielen. Wir hören Jeremia. Wir legen unsere Gedanken dazu. Ängste, von denen wir wissen, Hoffnungen, die uns beflügeln. Jeremia konnte seine Zuversicht trotz bitterer Erfahrungen in einem Bekenntnis zusammenfassen: Der Herr steht zu mir wie ein gewaltiger Held. Das ist doch eine Liebeserklärung, oder? Ein offenes, freies Wort. Die Ängste müssen weichen. Jetzt wird nicht mehr geflüstert.
Im Evangelium treffen wir dann auf das Wort, das im Hintergrund schon die ganze Zeit lautlos verharrt. Menschenfurcht! Es ist die Furcht, die Menschen voneinander trennt, die Furcht, die Grenzen zieht, die die Luft zum Atmen nimmt.
Jesus sagt: "Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt ist!"
Da ist das Flüstern wieder, aber entlarvt und enttarnt. Mit den Worten Jesu: Nichts wird geflüstert, was nicht in die Ohren platzt, und nichts wird hinter vorgehaltener Hand gesagt, was nicht den Marktplatz erobert. Eine grosse Freiheit, eine grosse Gelassenheit bricht sich Bahn. Die Wahrheit befreit! Sie lässt sich nicht klein machen, nicht klein reden!
Jesus spricht seine Jünger an. Sie sind mal Großmäuler, mal kleinlaut und mutlos. Schutz suchen sie hinter verschlossenen Türen und Fenstern. In dieser Enge mussten sie wohl nicht flüstern, aber zu sagen hatten sie auch nichts. Apostel sind sie trotzdem. Oder vielleicht gerade deswegen!
Jesus vertraut uns sein Wort an! Im Evangelium lesen wir tatsächlich: "Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag." Es ist ein kleines Sprachspiel. Das Evangelium wächst von innen nach außen, vom Kleinen ins Große, vom Schwachen ins Starke, von der Nacht in den Tag. Mutig ist das. Das Evangelium wächst uns über den Kopf. Oder: reißt uns mit. Wir spüren die Gewissheit, die Verlässlichkeit in dieser Zusage. Ja, es ist mehr Zusage als Aufforderung, mehr Geschenk als Aufgabe. Jedenfalls ist der helle Tag schon zu sehen. Von Flüstern ist jetzt nicht die Rede. Der Tag wird eigentlich auch erst hell, wenn die Wahrheit öffentlich wird, wenn das Schweigen lauthals zu lachen anfängt, wenn Menschen sich an die Hand nehmen, um Liebe untereinander zu teilen. Und weil das doch eine andere Liebe ist, mag sie das Flüstern nicht mehr. Von den Dächern soll verkündet werden, was uns ins Ohr geflüstert wurde. Das Evangelium. Gottes Wort, das löst und befreit, das uns trägt und führt. Wie am ersten Tag. Es werde Licht - und siehe: Es wurde Licht.
Ich mag es, wenn Jesus so redet! Ich liebe den hellen Tag. Mit einem Fuß stehe ich schon in Gottes Reich. Die Engel flüstern nicht! Hier treffe ich auf Jeremia! Mit ihm möchte ich mich unterhalten. Er hat gewiss viel zu sagen. Geflüstert wird jetzt nicht. Jeder kann, soll es hören. DOCH der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held.
Fürchtet euch nicht. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können. Sagt Jesus.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
"Fürchtet Euch nicht!" ruft Jesus seinen Jüngern zu, die er zuvor ausgesandt hat, die Frohe Botschaft vom Himmelreich zu verkünden. Die Jüngerinnen und Jünger, die uns diese Worte Jesu überliefert haben, haben am eigenen Leib Verfolgung erlitten. Auch heute erleiden viele Christen Verfolgung um ihres Glaubens willen. Für uns bleibt die Herausforderung, für den Glauben Zeugnis abzulegen, auch wenn wir keine Verfolgung zu befürchten haben.
Am letzten Sonntag hörten wir von Matthäus, wie Jesus von der großen Ernte und den wenigen Arbeitern sprach und wie Jesus sich die zwölf Jünger auswählte. Er sandte sie zu verkünden, dass das Himmelreich nahe ist. Er gab ihnen die Vollmacht: Kranke zu heilen, Tote zu erwecken, Aussätzige rein zu machen und Dämonen auszutreiben.
Heute spricht Jesus von der Gefährdung seiner Jünger in ihrer Verkündigung. Vor allem aber ermutigt er sie. “Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.“
Jesus versucht, die Vaterliebe Gottes für seine Jünger plausibel zu machen: wenn sich Gott um die Spatzen kümmert, dass sie leben und pfeifen, dann erst um seine Lieblinge, die Menschen. Gott kennt jedes Haar an unserem Körper, erst recht weiß er um jede Sorge und Angst unseres Herzens.
Dreimal wiederholt Jesus das „Fürchtet Euch nicht“! Weder um die Botschaft noch um sein eigenes Leben soll der Jünger Jesu sich Sorge machen. Jesus versichert uns, dass er zu uns steht, wenn wir uns zu ihm bekennen.
In den Diktaturen heute und denen der letzten hundert Jahre, im kommunistischen Osten, in der DDR und im Nationalsozialismus, gab es mutige Christen, die zu ihrem christlichen Glauben standen, und dafür Gefängnis und grobe Benachteiligungen in Kauf nahmen. Das wird heute anerkannt. Ihnen danken wir. Eine Reihe von ihnen, die tapfer ihr Leben verloren haben, ist von der Kirche seliggesprochen worden.
Statistiken belegen, dass in unseren Tagen nicht nur einzelne Christen verfolgt werden, sondern Gemeinden; dass Christen in religiös anders geprägten Ländern unter Druck stehen. Die Ausübung ihres Glaubens ist überschattet und kontrolliert von der Staatsmacht. Ich denke an einen Asylsuchenden, der gleich nach seiner Ankunft bei uns, darum bat, katholisch werden zu können. Er nahm treu den Taufunterricht wahr, der ein halbes Jahr dauerte, und wurde getauft. Jetzt meinte die Entscheidungsbehörde des Bundes für die Anerkennung als Asylanten bei uns, er könne auch in seinem Land Katholik sein. Seine eigene Erfahrung ist aber eine andere. Er habe erlebt, wie sehr die Meinungsfreiheit in seinem Land unterdrückt werde. Ich hoffe, dass es diesem betroffenen Mitchristen gelingt, in der Revision die Entscheider zu überzeugen, sodass er bei uns bleiben darf.
Doch wie geht es uns? Wie weit sind wir bereit, uns für unseren Glauben einsetzen? Unser Glaubenszeugnis steht unter anderen Bedingungen. Wir haben normalerweise nicht unmittelbare Folgen zu befürchten. Ist es Menschenfurcht oder Bequemlichkeit, dass unser Glaube so wenig sichtbare Gestalt annimmt?
Mögen uns oft und immer wieder Erfahrungen zuteilwerden, in denen uns die vorbehaltlose und unendlich barmherzige Liebe Gottes aufgeht! So werden wir Freude finden. Der Heilige Geist gibt uns dann Mut und Schwung, Wir können aus der Ermutigung, die Jesus den Jüngern sagte: „Fürchtet Euch nicht“! leben. Wir vollbringen Taten aus seiner Liebe und bekennen uns zu seinem Namen.
Tolle Bilder: Der Spatz für 2 Pfennig auf dem Markt - wertlos also -, aber Herr der Luft. Beflügelt, gehalten von dem Willen des Vaters im Himmel. Wie gelungen sein Flug ist! Schaut ihn euch an!
Größer noch als dieses ist das Bild von den abgezählten Haaren. Eins, zwei, drei, hundert, tausend - irgendwann verheddern sich Finger und Haare. Ein schier unmögliches Unterfangen, die Haare auf dem Kopf zu zählen. Ihr könnt es versuchen. Ein schönes Gefühl auf dem Kopf wird es zwar sein. Aber es kommt nichts dabei rum. Verliebte tun es trotzdem. Sie spielen mit den Haaren. Absichtslos. Zärtlich.
Große Bilder kommen immer bescheiden daher: Gott schenkt dem Zwei-Pfennigs-Spatzen den Himmel und lässt nicht einmal eins unserer Haare aus den Fingern. Bilder für Gottes Fürsorge und Größe, für seine Liebe. Was ist schon ein Spatz? Was ist schon ein Haar? Auf dem Markt: nichts. In den Augen Gottes: alles.
Jochen Klepper hat 1938 in bedrückender Zeit diese Erfahrung in Worte gekleidet:
Auch deines Hauptes Haare
sind wohl von ihm gezählt.
Er bleibt der Wunderbare,
dem kein Geringstes fehlt.
Den keine Meere fassen
und keiner Berge Grat,
hat selbst sein Reich verlassen,
ist dir als Mensch genaht.
"Als Mensch genaht." Es ist die Geschichte Jesu. Seine Geschichte auch mit mir. Ich spüre eine Vertrautheit, die meiner Seele Flügel verleiht.
Jesus spricht die Angst an, die Menschen vor einander haben - und einander machen. Die Bilder, die er nachzeichnet, mit einfachen Strichen, erzählen Lebenserfahrungen: drei davon mögen beispielhaft für sie stehen
Ein Mensch steht morgens auf und hat Angst vor dem Tag. Die Gedanken drehen sich im Kopf. Er fürchtet, seinem Leben nicht gewachsen zu sein, darf es aber nicht zeigen. Hinter einer sicheren Fassade wohnt die Unruhe. Nachts aber kommen Gesichter hoch: Chefs,
Kollegen, Untergebene…
Mit Liebe fing alles an. Schönes Einvernehmen, viel Verständnis. Dann aber, das Ja-Wort ist längst verklungen, wächst der Druck. Die Erwartung. Warum entpuppt sich die Partnerin, der Partner jetzt als Drache? Irgendwann versagt die Rechtfertigung. Die Angst wächst. Lähmt. Macht aus der Liebe einen Albtraum…
Jemand möchte sagen, dass er Christ ist. Er möchte sich nicht rechtfertigen. Im Gespräch aber merkt er, wie schwer es ist, darüber zu reden. Ihm schlägt Unverständnis entgegen. Er hört, mal ausgesprochen, mal hinter Floskeln versteckt, die Frage, wie er als moderner Mensch solchen Unsinn glauben könne. Manchmal beschleicht ihn die Angst. Er könne doch auch schweigen…
Über Ängste könnte jeder von uns etwas sagen. Wie sie sich einnisten, sich in Gedanken vergraben, Herzen gefangen nehmen. Dabei ist die Angst vor Arbeitslosigkeit, Krankheit, Liebesverlust hier nicht einmal auf dem Bildschirm. Heute dreht sich alles um die Angst, die ein Mensch vor dem anderen hat - oder macht. Schlimm sind die Ängste, die nicht bejaht werden können, nicht ausgesprochen werden, zum Schweigen verurteilt sind.
Jesus sagt: Fürchtet euch nicht! Im Evangelium hören wir das immer wieder deutlich heraus. In unserem Abschnitt gleich 3 Mal. Wir spüren, wie viel Gewicht in diesen Worten liegt.
Aber weil Imperative dieser Art nicht helfen, eher die Angst noch schlimmer machen, redet Jesus anders mit uns: Er lässt uns Spatzen nachsehen - und auf die Haarpracht schauen. Für ihn sind das Beispiele: Beispiele, wie Gott Weite und Nähe schafft. Er fragt nicht nach dem Wert, auf den wir Menschen stoßen - nur 2 Pfennig, er fragt auch nicht danach, was uns unmöglich ist - Haare zählen, er lässt uns staunen. Über Gottes Art, den Dingen ihr Gewicht zu geben. In Gottes Hand schrumpft die Angst auf ihr Maß und verliert die Macht. Jesus sagt: "Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen".
Einen Punkt stellt Jesus allerdings besonders heraus: die Angst, sich zu ihm zu bekennen. Die Furcht, sich als Christ zu outen, ist also uralt und keineswegs ein Zeichen unserer Zeit. Was schwierig ist und hemmt, kennen wir, wir kennen auch die Vorurteile, die eigenen Zweifel. Die Angst, sich einem anderen Menschen zu öffnen, das Vertrauen, ja Glauben mit ihm zu teilen, steht aber für viele Ängste, den eigenen Weg zu gehen. In jeder Angst vor einem anderen Menschen steckt die Sehnsucht, nicht aufzufallen, mit dem Strom zu schwimmen, in keine Auseinandersetzung gezogen zu werden. Und jede Angst, die ein Mensch schürt, dient einem Machtanspruch, will Unterwerfung, fordert Übereinstimmung.
Das Bekenntnis zu Jesus aber drückt aus, dass wir nicht Unterworfene, sondern Befreite sind. Nicht Alleingelassene, sondern Geliebte. Wir gehören zu dem Herrn, der die Kapriolen der Spatzen kennt - und meine Haare auf dem Haupt. Mehr noch: Er misst den Spatzen den Himmel aus!
Jesus sagt: "Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen."
Angst stellen wir immer dunkel dar. Schemenhaft, schattenhaft. Es ist geradezu ein Merkmal der Angst, sich aus dem Hellen zurückzuziehen, ja, die Sonne in ein schwarzes Loch zu verwandeln. Wenn aber die Angst die Flucht antreten muss, wird aus Nacht Tag. Die Schemen und Schatten verlieren ihre Konturen, werden sichtbar, ans Licht gebracht.
Jesus hat für uns den hellen Tag vorgesehen. Das tut gut. Wir stehen auf. Wir lassen uns nicht unterdrücken. Jesus sagt:
Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern.
Philipp Spitta hat diesen Auftrag gereimt:
Es gilt ein frei Geständnis
in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis
bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben,
trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben
das Evangelium.
GL 164: Der in seinem Wort uns hält
Oder:
Herr,
wir fühlen uns stark,
verstricken uns aber in Schuld und Angst.
Stärke unseren Glauben.
Herr, erbarme dich
Christus,
du traust uns zu,
Schwache zu schützen und Verlorene zu finden.
Schütze unseren Mut.
Christus, erbarme dich
Herr,
wir nehmen die Herausforderung an,
deine Schöpfung zu bewahren und Frieden zu schaffen.
Heile unsere Zerrissenheit.
Herr, erbarme dich
Heiliger Gott,
gib, dass wir deinen Namen allezeit
fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
nimm das Opfer des Lobes
und der Versöhnung an.
Löse uns durch diese Feier aus aller Verstrickung,
damit wir in freier Hingabe ganz dir angehören.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers:
Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. (GL 616,1)
Herr, wir kommen, um dir unseren Dank auszudrücken,
denn wir haben allen Grund zu danken.
In dir sind wir geborgen,
Du gibst uns Halt und Sicherheit.
Kehrvers
Unerschrocken sind deine Propheten für dich eingetreten.
Sie wussten dich an ihrer Seite.
Du gabst ihnen die Kraft, sich zu dir zu bekennen
und deinen Willen zu verkünden.
Kehrvers
Als die Zeit erfüllt war, hast du Jesus von Nazareth gesandt
und durch ihn deine väterliche Liebe zu allen deinen Geschöpfen
aufs Neue geoffenbart.
Jedes kann sich deiner Fürsorge sicher sein.
Kehrvers
Im Vertrauen auf deine Vatergüte können wir leben ohne Angst.
Jeder einzelne ist gehalten von deiner Hand.
Du lässt keinen fallen, der sich zu dir bekennt.
Kehrvers
Dafür danken wir dir, und singen wir dir unseren Lobpreis
gemeinsam mit allen Geschöpfen
und mit den Engeln und Heiligen:
Danklied, z. B. Nun danket alle Gott (GL 405)
In Wahrheit ist es würdig, dir zu danken,
heiliger Vater.
Es ist recht, dich zu preisen.
Denn du allein bist der lebendige und wahre Gott.
Du bist vor den Zeiten und lebst in Ewigkeit.
Du wohnst in unzugänglichem Lichte.
Alles hast du erschaffen,
denn du bist die Liebe
und der Ursprung des Lebens.
Du erfüllst deine Geschöpfe mit Segen
und erfreust sie alle mit dem Glanz deines Lichtes.
Vor dir stehen die Scharen der Engel
und schauen dein Angesicht.
Sie dienen dir Tag und Nacht,
nie endet ihr Lobgesang.
Mit ihnen preisen auch wir deinen Namen,
durch unseren Mund rühmen dich alle Gesschöpfe
und künden voll Freude das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Hochgebet 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn in dir leben wir,
in dir bewegen wir uns und sind wir.
Jeden Tag erfahren wir aufs neue
das Wirken deiner Güte.
Schon in diesem Leben
besitzen wir den Heiligen Geist,
das Unterpfand ewiger Herrlichkeit.
Durch ihn hast du Jesus auferweckt von den Toten
und uns die sichere Hoffnung gegeben,
daß sich an uns das österliche Geheimnis vollendet.
Darum preisen wir dich
mit allen Chören der Engel und
singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 6
Gütiger Gott,
du hast uns durch den Leib und das Blut Christi gestärkt.
Gib, dass wir niemals verlieren,
was wir in jeder Feier der Eucharistie empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Du, der lebend’ge Brunnenquell,
der Gottes Stadt durchfließet hell,
erquickest das Gemüte.
Durch dich besteht des Vaters Bau;
du willst und gibst, dass man dir trau,
du bist die Gottesgüte.
Irden Geschirr sind wir und weich,
brechen gar leicht von jedem Streich;
du selbst wollst uns bewahren,
und brennen wohl in deiner Glut,
dass uns der Feind nicht Schaden tut,
wenn wir von hinnen fahren.
Ambrosius Blarer (1533/34) in EG 127,7

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