Lesung aus dem ersten Buch der Könige.
In jenen Tagen
erzählte Ahab Isebel alles, was Elija getan,
auch dass er alle Propheten
mit dem Schwert getötet habe.
Sie schickte einen Boten zu Elija
und ließ ihm sagen:
Die Götter sollen mir dies und das antun,
wenn ich morgen um diese Zeit
dein Leben nicht dem Leben eines jeden von ihnen gleichmache.
Elija geriet in Angst,
machte sich auf und ging weg,
um sein Leben zu retten.
Er kam nach Beerscheba in Juda
und ließ dort seinen Diener zurück.
Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein.
Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch
und wünschte sich den Tod.
Er sagte: Nun ist es genug, Herr.
Nimm mein Leben;
denn ich bin nicht besser als meine Väter.
Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein.
Doch ein Engel rührte ihn an
und sprach: Steh auf und iss!
Als er um sich blickte,
sah er neben seinem Kopf Brot,
das in glühender Asche gebacken war,
und einen Krug mit Wasser.
Er aß und trank und legte sich wieder hin.
Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal,
rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!
Sonst ist der Weg zu weit für dich.
Da stand er auf,
aß und trank
und wanderte, durch diese Speise gestärkt,
vierzig Tage und vierzig Nächte
bis zum Gottesberg Horeb.
Dort ging er in eine Höhle,
um darin zu übernachten.
Doch das Wort des HERRN erging an ihn:
Was willst du hier, Elija?
Er sagte:
Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den HERRN,
den Gott der Heerscharen, eingetreten,
weil die Israeliten deinen Bund verlassen,
deine Altäre zerstört
und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben.
Ich allein bin übrig geblieben
und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.
Der HERR antwortete:
Komm heraus
und stell dich auf den Berg vor den HERRN!
Da zog der HERR vorüber:
Ein starker, heftiger Sturm,
der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach,
ging dem HERRN voraus.
Doch der HERR war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.
Doch der HERR war nicht im Erdbeben.
Nach dem Beben kam ein Feuer.
Doch der HERR war nicht im Feuer.
Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.
Als Elija es hörte,
hüllte er sein Gesicht in den Mantel,
trat hinaus
und stellte sich an den Eingang der Höhle.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Gotteserfahrung des Elija auf dem Berg Horeb ereignete sich, nachdem er von den gewaltigen Wogen des Lebens hin- und hergeworfen wurde. Doch Gott ist nicht in den Gewalten, er begegnet ihm in der Stille. Petrus und die anderen Jünger erfahren, dass Jesus Herr ist über alle Naturgewalten. Sich ihm anzuvertrauen ist die Herausforderung des Glaubens.
Wie ruhig der See jetzt ist! Schaut! Eine große Stille liegt über dem Wasser. Als wenn nichts gewesen wäre. Alle Ängste, Aufregungen, Kämpfe - vorbei. Die Geister und Ungeheuer sind verschwunden. Müde und mitgenommen gehen sie an Land. Flüchtlinge. Ihre Gesichter sind gezeichnet. Doch in ihre Seelen schaut keine Kamera. Sie haben alle einen Namen. In der Statistik sind sie aber nur Zahlen. Und gerinnen zur Krise.
Heute gesellen sich zwei Menschen dazu. Der eine, Elia - aus der ersten Lesung - hat Erfahrungen mit Gewalt. Nicht mal als Opfer. Der andere, Petrus - aus dem Evangelium - ist gerettet worden. Vor dem Untergang standen beide. Sie sind, buchstäblich, an ihr Ende gekommen, an Grenzen, die nicht zu überwinden waren. Dass sie leben, verdanken sie einem Wunder. Dem Wunder, dass Gott sie nicht fallen lässt. Und sich ihnen offenbart. In einer großen Ruhe, die vor allem Anfang liegt. Sie können noch einmal neu anfangen. Die Stürme sind verebbt. Wie ruhig der See jetzt ist! Schaut!
Es ist schon etwas Einmaliges, in der Kirche zu sein.
Elia's Geschichte ist verwinkelt und verworren. Zwischen Ekstase und Verlorenheit. Ich war eifrig, Gott zu verteidigen, sagt er. Leidenschaftlich. Unerbittlich. Konsequent. Ich habe mich angelegt mit den Priestern, die für andere Götter arbeiteten – für die Fruchtbarkeitsgötter und Fruchtbarkeitsgöttinnen, von denen es so viele gab. Nebenbuhler verträgt Gott nicht. Ich war ganz sicher, Gott richtig verstanden zu haben. Ich wusste, was wahr ist. Ich war immer mit mir im Reinen.
Am Ende siegt die Gewalt. Wie so oft in den Geschichten, die wir kaum entwirren können. Elia selbst legt Hand an. Waren es 450, gar 850 Priester, die umgebracht werden? Die Opferzahl ist nicht mehr zu eruieren. Ein Massaker. Aber wir kennen den Namen des Baches, der das Blut schlucken musste: Der Bach Kischon. Was dieser Bach zu erzählen hat! Und dann doch auswaschen, reinwaschen muss. Alles fliesst. Eine schreckliche Geschichte, fromm verbrämt und verklärt. Elia muss es sich sogar gefallen lassen, als Gotteskämpfer stilisiert zu werden - oder kam ihm das gerade recht? Aber man spürt die Zerrissenheit. Selbst in den alten, heiligen Texten. Wir sehen Elia in einer Höhle. Dort begegnet ihm – Gott. Es war sein sehnlichster Wunsch, ihn einmal zu sehen. Doch wie kommt Gott? In einem Sturm, der Berge zerreißt? In einem Erdbeben? Im Feuer? Das sind nicht nur Naturgewalten – das sind auch Bilder für Gewalt überhaupt. Unberechenbar. Unkontrollierbar. Einschüchternd. Gott selbst wird oft mit diesen Bildern geschmückt. Gewaltig – groß – unnahbar. Als ob er nur so Gott sein kann.
Gott aber erscheint in einem Hauch, in einem Säuseln, leicht, sanft. Wie ein Atemzug. Elia sieht auch nichts von ihm – er hört auch kein Wort, keine Stimme, nur den Hauch. Elia verhüllt sein Gesicht in seinem Mantel, schleicht nach draußen und stellt sich vor die Höhle. Elia hat Gottes Atem, seinen Lebensatem gehört – und dann ist ER weg. Jetzt ist alles still. Im Schweigen verhüllt. Elia atmet. Ein und aus.
Hatte Gott nicht am Anfang den Menschen seinen Atem gegeben? Ist sein Atem nicht meine Seele? Verbindet uns das nicht alle? Gott lässt sich hören. Gewalt ist nicht einmal in seiner Stimme. Wenn er kommt, atmet alles auf. Jetzt kommt Elia aus seiner Höhle. Die Welt sieht anders aus als vorhin. Dabei war es nur ein Hauch. Ein Hauch, der alles verwandelt, alles verändert.
Ob Petrus den feurigen Elia's kennt? Ganz sicher. Seine Geschichte wurde erzählt, in immer wieder neuen Variationen. Zuletzt soll Elia in einem feurigen Wagen in den Himmel gefahren sein. Da schlagen schon die Herzen der Kinder höher. Ein feuriger Wagen! Petrus ist Fischer, ein einfacher Mann. Eigentlich heißt er auch nur Simon. Aber Jesus hat ihn Petrus, Fels, genannt. Und steht treu zu ihm. Ein großes Vertrauen. Einen Beweis hat Petrus auch noch nicht erbringen müssen. Als er sich aber wenigstens zu Jesus bekennen soll, versagt er schmählich. Dabei nimmt er in der Regel den Mund immer zu voll. Wir kennen – und lieben – ihn als Draufgänger. Er überlegt nicht lange. In seinem Urteil ist er schnell sicher. Überschätzt sich dabei aber auch. Das passt zu ihm: Herr, lass mich über das Wasser gehen.
Dabei war das Boot weit draußen auf dem See, das Wasser aufgewühlt, der Sturm schier endlos. Die Wellen spielen mit dem kleinen Boot. Wir spüren die Angst, aber auch den Kampf. Die Jünger Jesu kennen den See, ihren See. Sie haben ihn schon so manches Mal nass und verschwitzt ihr Leben abgerungen. Wie sich das anhört? Und dann einer allein! Herr, lass mich über das Wasser gehen. Haben wir je davon gehört, dass ein Mensch über das Wasser geht? Über Wasser gehen kann? Und dann auch noch durch im Sturm? Eine schöne Allmachtsphantasie. Möchtest du nicht vielleicht auch in den Himmel fahren?
Es ist ein gewaltiges Bild! Mit gewaltigen Mächten. Der tosende, aufgewühlte See - das kleine Boot, unter Schaum und Gischt kaum auszumachen - hin und hergerissene Menschen, ganz allein auf sich gestellt. Nur: Jesus ist auch da. Von ihm werden Menschen staunend sagen, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen. Er ruft Petrus: Komm! Petrus aber versinkt. Wie erwartet, wie befürchtet. Dabei bestärken wir uns in unseren Vorbehalten und Zweifeln. Wir haben längst aufgegeben, das Unmögliche zu denken. Jesus aber hält Petrus fest. Er nennt ihn einen Kleingläubigen. Gibt es das Wort überhaupt? Gibt es denn auch Großgläubige?
Petrus weiß um seinen Kleinglauben. Er hat nicht nur diese entsetzliche Szene im Kopf, als er fast untergegangen wäre, er erinnert sich auch gut an jene Nacht, in der er Jesus einfach verleugnet hat. Dreimal. Es hätte ihm nicht geschadet, auch nichts gekostet, wenn er zu Jesus gestanden hätte. Eine schreckliche Geschichte. Jetzt ist Petrus untergegangen. Er hatte kein Vertrauen. Wohl auch kein Selbstvertrauen. Konnte er erwarten, womöglich hoffen, von Jesus noch einmal angesehen, angenommen zu werden? Wie auf dem See: Jesus hält Petrus fest, Jesus hält an Petrus fest. Er vertraut ihm sogar seine Kirche an, Menschen, die sich wie Petrus danach sehnen, glauben zu können, gehalten zu werden.
Die Geschichte von der Stillung des Sturmes ist eine Geschichte mitten aus dem Leben. Sie erzählt von Vertrauen, von Glauben, von Liebe. Und sie lässt uns wie in einem Spiegel unsere Angst, unsere Unsicherheit, unseren Kleinglauben sehen. Wie viele Untergangsgeschichten wohl heute zusammen kämen, wenn sie erzählt würden? Unter Großgläubigen sind wir nicht.
In gewisser Weise hat diese Geschichte traumhafte Züge. Sie braucht diese Züge auch, um von einem Wunder zu erzählen. Von einem Wunder, das immer wieder geschieht. Komm!
Erzählen wir doch heute von dem Wunder der Stille. Elia lernt Gott in einem Hauch kennen. Er offenbart sich in seinem, in meinem Atem. Petrus begegnet er in einer großen Stille. Die Gewalt ist verstummt. Auch die Naturgewalt. Der Sturm ist gestillt. Gestillt. Still.
Erzählen wir doch heute von den Untergängen. Menschen gehen unter. Wenn sie nichts mehr haben, woran sie noch glauben können. Wenn ihre Hoffnungen immer enttäuscht werden. Wenn sie der Gewalt hilflos ausgeliefert sind. Wenn sie sich selbst verlieren. Die Seele aufgewühlt, ausgeliefert, ratlos. Stürmische See - im Herzen. Wir Menschen sterben viele Tode, bevor wir sterben. Der letzte ist wohl nicht der schlimmste.
Im Evangelium sehen wir Jesus über den See kommen. Er kommt uns im Sturm entgegen. Er hält auch die, die gerade auf der Flucht sind. Ausgeliefert. Von Schleppern verkauft. Auf der Suche nach einer neuen Heimat. Kleingläubige sehen keinen Weg. Kleingläubige gewähren kein Vertrauen. Kleingläubige verlieben sich in ihre Zweifel. Jesus kommt über den See. Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Habe ich? Wir könnten einmal tief durchatmen ...
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne,
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Dem Gang Jesu über den See ging eine dramatische Zeit voraus: Jesus erfährt vom Tod Johannes des Täufers, er kann sich dem Volk nicht entziehen, gibt ihnen auf wunderbare Weise Brot und zieht sich im Gebet zum Alleinsein mit dem Vater zurück. Er überwindet seine eigene Angst und fordert die Jünger auf, nicht kleingläubig zu sein.
Vor einigen Jahren entschloss ich mich, zusammen mit einem Mitbruder im Urlaub einen Teil Giechenlands mit dem Fahrrad zu erkunden. Griechenlandkenner rieten uns davon ab mit dem Argument, dass es dort im August unerträglich heiß sei. Wir spotteten darüber und brachten als Gegenargument, man müsse nur schnell genug fahren und den Fahrtwind zur Kühlung nutzen. Was zunächst als Spaß gemeint war, bewahrheitete sich auf unserer unvergesslichen Radtour um den Peloponnes. Die größere Herausforderung waren die Berge und die manchmal steilen Anstiege der Nebenstraßen, auf denen wir unterwegs waren. Aber auch die haben unserer Kondition gut getan. Gegenwind ist zwar meist unangenehm, man kann ihm aber auch positive Seiten abgewinnen. Er kühlt nicht nur, er erhöht auch den Trainingseffekt.
Der Gegenwind im übertragenen Sinn, mit dem wir im Leben immer wieder zu kämpfen haben, hat auch mehrere Gesichter. Meist ist er unangenehm und lehrt uns das Fürchten. Manchen Menschen bläst er existenzbedrohend ins Gesicht.
Der Kampf mit Wind und Wellen, wie er in der Evangelienperikope von den Jüngern erzählt wird, ist ein Bild für Existenzkämpfe, denen sich jeder Mensch in irgend einer Weise ausgesetzt sieht. Der eine kämpft um das wirtschaftliche Überleben, der andere um einen Arbeitsplatz, wieder andere kämpfen gegen eine lebensbedrohende Krankheit... Und nicht immer wird dieser Kampf gewonnen.
Auch Jesus hatte Gegenwind in seinem Leben. Das übersehen wir allzu leicht, wenn wir die schönen Geschichten der Bibel lesen. Am vergangenen Sonntag hörten wir die Vorgeschichte des heutigen Abschnittes. Jesus wollte sich in die Einsamkeit zurückziehen, nachdem ihm zu Ohren kam, dass Johannes der Täufer enthauptet worden war. Vielleicht überlegte er sogar, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Er war Realist genug, um abschätzen zu können, was das Vorgehen gegen Johannes für ihn und sein Programm bedeutete. Zur ersehnten Nachdenkpause kam es aber nicht, da die Menschen herausfanden, wo er sich aufhielt, und ihn auch dort mit ihrer Not bedrängten. Das Mitleid mit ihnen ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Er heilte die Kranken, predigte und sättigte sie in ihrem geistigen, geistlichen und leiblichen Hunger.
Erst in der darauffolgenden Nacht blieb ihm Zeit, seine eigene Not vor den himmlischen Vater zu bringen. Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass er sich bewusst war, dass er durch das, was er tat, nicht nur sich selbst, sondern auch seine Jünger in Gefahr brachte. Vermutlich waren diese sich dessen noch gar nicht bewusst.
"Nachdem er alle weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten", lesen wir. Nach dem Zusammensein mit dem Vater kehrt er zurück zu seinen Jüngern, die sich auf dem See gegen Wind und Wetter abmühten.
Die Begegnung mit den Jüngern und vor allem die Szene mit Petrus zeigen, wie anders diese mit dem "Gegenwind" umgingen. Sie versuchten, mit dem Einsatz all ihrer Kräfte und ihrer gewiss reichen Erfahrung als Fischer gegen den Sturm anzukämpfen. Jesus hingegen steht durch seine Verbindung zum Vater über all dem. Ihm kann diese Bedrohung nichts anhaben. Für einen kurzen Moment kann es ihm Petrus gleichtun. Doch sein Glaube lässt sich allzu leicht in Frage stellen, und er beginnt zu sinken. Im Ausruf "Herr, rette mich!" kommt schließlich zum Ausdruck, was ihn und auch uns allein retten kann, wenn es um das Letzte geht: Der Halt, den der Herr allein geben kann.
So gesehen wurde diese Sturmnacht eine heilsame Erfahrung für die Jünger, vor allem für Petrus. Ohne Sturm und Gegenwind wären sie vermutlich auf der Stufe eines Schönwetterglaubens stehen geblieben, wie er sich nach der wunderbaren Brotvermehrung anbot.
Es ist schön und gut zu erleben, wie der Glaube Menschen bessert, heilt, Orientierung gibt, sättigt. So könnte man den Inhalt der Erzählung vom letzten Sonntag zusammenfassen. - Doch gibt der Glaube an Gott auch Halt, wenn es härter im Leben zugeht?
Die Geschichte vom Seesturm ist eine bildhafte Zusammenfassung des Schicksals Jesu und seiner Jünger. Auch ihm und ihnen allen ist letztendlich nicht erspart geblieben, was Johannes dem Täufer widerfahren ist. Was Jesus über die Wellen und Abgründe seines Lebens hinweg getragen hat, war seine Verbindung mit dem Vater. Schritt für Schritt hat er auch seine Jünger in diese innige Gottesbeziehung hineingeführt.
Was erwarten wir vom Glauben? Dass er unsere Wunden heilt? Dass er uns geistige Orientierung gibt? Dass er uns geistliche Nahrung bietet? - Das alles kann er uns geben. Und dennoch bleiben uns existentielle Bedrohungen nicht erspart: Misserfolg, Verlust des Einkommens, des Arbeitsplatzes, eines nahen Menschen, das Zerbrechen von Beziehungen, Unfälle, unheilbare Krankheit... Diese werden zur großen Herausforderung des Glaubens. An ihnen kann der Glaube zerbrechen oder auch wachsen. An ihnen wachsen manche Menschen über sich hinaus.
Dazu fallen mir viele Begegnungen mit Menschen ein, die in ihrem Leben in diesem Sinn mit Stürmen und Gegenwind zu kämpfen hatten. Nach menschlichen Maßstäben haben viele von ihnen den Kampf verloren. Und dennoch sind viele an diesem ihren Schicksal als Menschen und als Glaubende gewachsen.
Was können wir tun? - Jesus zeigt uns, wie wichtig die innige Verbindung mit dem Vater ist. Sie gibt innere Ruhe und Kraft. Darüber hinaus ermuntert uns Jesus, wie Petrus das scheinbar sichere Boot zu verlassen und ganz auf Gott zu vertrauen. Wenn es um das Letzte geht, kann auch uns nur ein "Herr, rette uns!" helfen. Zu dieser höchsten Reife des Glaubens will er uns hinführen.
Das Wetter können die Menschen nicht machen und nur wenig beeinflussen. Und das ist gut so. In seiner Unberechenbarkeit ist das Wetter auch ein Bild für die Unberechenbarkeit des Lebens und des Schicksals. Auch da gibt es eine Auf und Ab, Sonnenschein, Stürme bis hin zu Katastrophen.
Gott ist bei uns, er geht mit uns, er ist uns gerade dann nahe, wenn es in unserem Leben stürmisch hergeht. In diesem Vertrauen stärkt er uns und bestärken wir uns gegenseitig, wenn wir miteinander Gottesdienst feiern.
Am Beginn dieser Feier rufen wir ihm zu "Herr, rette uns!" - So könnte man den uralten Ruf der Christen "Kyrie eleison!" treffend übersetzen.
Herr, Jesus Christus,
du lässt uns nicht allein in den Stürmen des Lebens.
Kyrie eleison.
An dich glauben wir. Hilf unserem Kleinglauben.
Christe eleison.
Du bist wahrhaftig Gottes Sohn.
Kyrie eleison.
Allmächtiger Gott,
wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes Statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, daß wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
Gott, du stellst dich auf die Seite derer,
die auf dich ihre Hoffnung setzen.
Schenk uns den Mut,
unser Leben dir und deiner Liebe anzuvertrauen.
Durch Christus, unseren Herrn.
Treuer, barmherziger Gott,
du schenkst uns das große Vertrauen,
uns von keiner Gewalt einschüchtern,
von keinem Sturm knicken,
von keiner Welle brechen zu lassen.
Dafür danken wir dir.
Du kennst die Geschichten von Menschen,
über die sich ein Gewitter zusammenbraut,
die Angst davor haben, unterzugehen,
die nach Luft schnappen.
Komm ihnen entgegen. Fange sie auf.
Dass wir deinen Atem hören,
dass sich eine große Stille ausbreitet,
darum bitten wir in Christus, unserem Herrn.
Gott uns Vater,
die dunklen Seiten des Lebens
bringen viele Menschen in große Bedrängnis.
Für sie bitten wir:
Herr, rette sie!
Für alle Menschen, die ums Überleben kämpfen
und auf der Flucht sind vor Hunger- und Dürrekatastrophen.
Für alle Menschen, die in unmenschlichen Systemen gefangen sind
und um ihre Freiheit kämpfen.
Für alle Menschen, die durch Unwetter, Erdbeben oder andere Naturkatastrophen ihre Existenzgrundlage verloren haben.
Für alle Menschen, die durch einen Unfall
oder durch einen Schicksalsschlag hart getroffen sind.
Für alle Menschen, die sich in Hilfsorganisationen für in Not Geratene einsetzen
und dabei ihre eigene Sicherheit riskieren.
Für alle Opfer von Katastrophen und Kriegen.
Schenke ihnen ewiges Leben.
Herr, wir glauben und vertrauen,
dass du unser Leben in deinen Händen hältst
und es gut mit uns meinst.
Dafür danken und preisen wir dich. Amen.
Herr, unser Gott,
wir bringen die Gaben zum Altar,
die du selber uns geschenkt hast.
Nimm sie von deiner Kirche entgegen
und mache sie für uns zum Sakrament des Heiles.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers:
Alles, was atmet, lobe den Herrn. (GL 616,5)
Guter Gott, wir danken dir, dass du uns nahe bist.
Du hörst auf das Rufen deines Volkes, wenn es in Not ist,
und lässt es nicht im Stich.
Kehrvers
Immer wieder hast du dich deinen Propheten zu erkennen gegeben,
du hast sie deine Stimme vernehmen
und deine Gegenwart spüren lassen.
Kehrvers
Deinen Jüngern bist du beigestanden,
als sie von den Wellen des Sees hin- und hergeworfen wurden.
Du hast ihr Vertrauen gestärkt und ihnen zugerufen:
Fürchtet euch nicht!
Kehrvers
Petrus hast du deine rettende Hand entgegengestreckt,
als er aus Kleinglauben Angst bekam und zu versinken drohte.
So hast du dich deinen Jüngern als wahrer Sohn Gottes gezeigt.
Kehrvers
Auch für uns bist du der feste Grund,
auf den wir unser Leben bauen können.
Auch uns streckst du deine Hand entgegen,
wenn wir in Gefahr sind und zu dir rufen: Herr, rette uns.
Kehrvers
Mit allen Engeln und Heiligen preisen wir dich.
Wir danken dir für deine Güte und Nähe,
wir bekennen dich als den wahren Sohn Gottes
und singen zu deinem Lob:
Danklied, z. B. Nun saget Dank und lobt den Herren (GL 385)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn deine Vorsehung waltet über jeder Zeit;
in deiner Weisheit und Allmacht
führst du das Steuer der Kirche
und stärkst sie durch die Kraft des Heiligen Geistes.
In ihm kann sie allezeit auf deine Hilfe vertrauen,
in Not und Bedrängnis zu dir rufen
und in Tagen der Freude dir danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Heiliger Geist 2
Barmherziger Gott,
wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Das heilige Sakrament bringe uns Heil,
es erhalte uns in der Wahrheit
und sei unser Licht in der Finsternis.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
Du bist der Anfang, du bist das Ende. Gott.
Wir danken dir, dass alle Tage bei dir aufgehoben und geborgen sind.
Die Tage, die wir hinter uns gelassen haben,
die Tage, die jetzt vor uns liegen.
Wenn dunkle Wolken aufziehen, bist du der Schimmer am Horizont,
wenn die Wellen hoch gehen, kommst du uns entgegen in der Nacht,
wenn Stürme toben, schenkst du die große Stille,
die vor allem war was kam.
Wir sehen jeden Tag Abhängigkeiten und Herausforderungen.
Wir sprechen mit Menschen, die uns zugetan sind,
aber auch kritisch gegenüberstehen.
Auf manches freuen wir uns schon.
Die neue Woche gleicht einem unbeschriebenen Blatt.
Bewahre uns in deiner Liebe,
nimm unser Vertrauen in deine Hand
und hilf uns, alles Böse zu überwinden.
In Christus, unserem Herrn. – Amen.
"In diesem losgelösten Sommer spürte Irene zum ersten Mal das Wegfließen des Wassers weit draußen näher als den Sand unter den Füßen. An den Treppen der Steilküste, wo Erde bröckelte, sah Irene wie in all den anderen Sommern die Warntafel stehen 'Erdrutschgefahr'. Die Warnung hatte in diesem losgelösten Sommer zum ersten Mal wenig mit der Küste und viel mit Irene zu tun."
Die oben genannten Sätze stehen fast am Anfang von Herta Müllers Roman "Reisende auf einem Bein". Herta Müller stammt aus Rumänien. Seit 1987 lebt sie in (West-)Berlin. Deutsch ist ihre Muttersprache.
"Erdrutschgefahr": Diese Warnung wird hier zum Bild der inneren Unsicherheit eines Menschen, für den nichts mehr hält. Das Vertraute trägt ihn nicht mehr.
Einmal, vor vielen Jahren, erlebte ich in Wien ein Erdbeben geringen Ausmaßes. Einige Dachziegel fielen herunter, die Pendeluhren blieben stehen. Es dauerte nur kurz, nur einige Sekunden. Aber ich kann mich an das merkwürdige Gefühl der Unsicherheit erinnern, wenn der Boden, auf den man vertraut, unverlässlich wird. Die selbstverständliche Sicherheit gerät ins Wanken. Ich erinnere mich nicht an Angst, dafür dauerte es zu kurz, sondern an ein großes Staunen.
In den beiden Schöpfungsberichten, die am Anfang der Bibel stehen, gibt es für das bewohnbare Land zwei Bilder. Nach dem ersten Bericht teilt Gott am zweiten Schöpfungstag das Festland von den Wassern und nennt es Land, Erde. "Gott sprach: Das Wasser unterhalb des Himmels sammle sich an einem Ort, damit das Trockene sichtbar wird. So geschah es. Das Trockene nannte Gott Land ..."
Im zweiten Schöpfungsbericht gibt es ein anderes Bild. Da ist zuerst die Erde eine leere, unfruchtbare Wüste, in der Gott einen Garten anlegt, um den Menschen dorthin zu versetzen.
Die beiden Bilder entsprechen unseren verschiedenen Erfahrungen der Erde, des Landes. Wer eine Schiffsreise gemacht hat oder nach einer Luftreise sicher gelandet ist, freut sich über das Land, das ihn trägt. Der Reisende aber, der aus der Wüste kommt, er freut sich über die Oasenstadt. Sein Herz erhebt sich: Isfahan!
Er hat bewohnbares Land gefunden. Die zwei Bilder sind verschieden. Gemeinsam aber sagen sie uns: Das, was dich trägt, wo du leben kannst - es kommt von Gott.
Darauf müssen wir uns verlassen. Auch wenn wir in unserem Leben die Erfahrung machen, dass nichts mehr hält. Wenn nichts mehr bleibt von dem, was uns, wie wir glaubten, getragen hat. Nicht nur das Bankkonto und der Beruf, auf die wir unsere Sicherheit gebaut hatten. Auch unser Vertrauen auf andere Menschen, unsere Liebe: Es hält nichts mehr. Alles ist ins Wanken geraten. Erdrutsch. Erdbeben.
Auch dann, sagt uns die Heilige Schrift, bist du in Gottes Hand. Er lässt dich nicht fallen.
Aus: joop roeland, an orten gewesen sein. Otto Müller Verlag / Verlag Die Quelle. Salzburg /Feldkirch 1999.

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