Jesus fragt die Jünger, für wen er gehalten werde. Alte Messiasträume werden lebendig. Jesus ist es aber wichtig zu zeigen, dass die Herrschaft Gottes schon begonnen hat. Das Gute hat gesiegt, das Böse kämpft um Aufmerksamkeit. Wie können wir sensibel werden für das Wirken Gottes in der Welt?
Erinnern Sie sich noch an die Bewerbungsgespräche, die Sie im Laufe Ihres Berufslebens geführt haben? Bei manchem liegt das letzte Gespräch vielleicht schon Jahrzehnte zurück, andere haben sich das letzte Mal erst vor wenigen Jahren oder Monaten beworben. Es ist eine anspannende Situation. Jeder weiß, dass neben den Zeugnissen und Beurteilungen vor allem der persönliche Eindruck wichtig ist. Mein Auftreten, meine Umgangsformen, die Art und Weise zu antworten usw. Ich möchte ein positives Bild von mir vermitteln, um möglichst gute Chancen zu haben, den Job auch zu bekommen. Manchmal gelingt es und manchmal auch nicht. Besonders enttäuschend ist es, wenn der Personalchef ein ganz anderes Bild von mir gewonnen hat, als ich vermitteln wollte bzw. als ich selber von mir habe.
Wer Mut hat, fragt manchmal gute Freunde danach, wie andere mich sehen und was sie selber von mir halten. Im heutigen Evangelium sind wir Zeugen eines solchen Gespräches geworden. Christus fragt seine Jünger danach, für wen die Menschen ihn halten. Und danach, welches Bild sie selbst von ihm haben. Ein mutiger Schritt! Und sozusagen auch ein Zwischenzeugnis für seine Verkündigung: Haben die Menschen, haben seine Jünger die Botschaft verstanden, die er vermitteln will?
Es fällt auf, dass seine Zuhörer und Zuhörerinnen ganz in ihrer überlieferten Tradition verwurzelt geblieben sind: Sie vergleichen den Herrn mit einem der großen Propheten des Judentums. Von Gott gesandte Menschen, die das in der (fernen) Zukunft liegende Kommen Gottes ankündigen und bis dahin die Menschen zur Umkehr, zu einer gerechten sozialen Praxis und zu einem dementsprechend ausgerichteten Tempelkult aufrufen.
Nun wird es spannend: Welches Bild haben seine engsten Freunde von ihm? Für wen halten sie ihn? Petrus, der hier als Sprecher der Jünger auftritt, antwortet ihm: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.
Beide Begriffe sind uns sehr vertraut. Es lohnt sich aber trotzdem, sie vor allem in ihrem Kontakt zu den Vorstellungen der anderen Leute noch einmal zu betrachten.
Mir der babylonischen Gefangenschaft geht um 586 v. Christus das jüdische Königtum zu Ende. Die Verkündigung der Propheten entwickelt seitdem zunehmend die Idee einer endzeitlichen Rettergestalt, deren Kommen alles verändern wird: Ein von Gott ausgewählter Mensch, der eine radikale und endgültige Wende zur Durchsetzung der Gottesherrschaft vollziehen wird. Indem Petrus Jesus als Messias bezeichnet, sagt er letztendlich: Anders als die alten Propheten warten wir nicht mehr auf Gottes rettendes Eingreifen in die Welt. Wir glauben, dass Gott in deiner Person dieses Eingreifen jetzt endgültig begonnen hat.
Christus ist aber nicht nur der erwartete Messias, sondern auch der Sohn des lebendigen Gottes. Die endgültige Aufrichtung der Gottesherrschaft überträgt Gott nämlich nicht einem auserwählten Menschen. In Jesus Christus ist er selbst in diese Welt gekommen, um seiner Herrschaft den endgültigen Durchbruch zu verschaffen.
Leben in Fülle - das ist das, was Gott für uns will. Leben. Der größte Feind des Lebens ist der Tod, der das Leben endgültig vernichtet. Diesen Feind hat Christus, der Sohn des lebendigen Gottes am Ostermorgen besiegt. Der Tod konnte ihn nicht festhalten. Christus ist auferstanden von den Toten und hat das Leben für alle neu geschaffen.
Petrus hat also wirklich Recht: Er ist der Messias und der Sohn des lebendigen Gottes. Und wenn man uns heute fragen würde, würden wir wahrscheinlich auch diese Antwort geben.
Tja, aber ehrlich gesagt: Ist das wirklich unsere innerste Überzeugung? Die Terrorwelle, die Europa zur Zeit überzieht. Säbelrasseln in Korea. Eine Nation, die nicht am Wohlergehen aller Völker interessiert ist, sondern nur ihre eigenen Interessen durchsetzen will. Wir erleben eine zunehmende Vereinsamung der Menschen in unserem Land. Trotz guter wirtschaftlicher Zahlen wächst die Schere zwischen Armen und Reichen. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Wenn ich das in mein Herz hineinlasse, dann sehe ich mich manchmal mehr auf der Seite der „Leute“ im heutigen Evangelium als auf der Seite des Petrus. Eher auf der Seite derer, die auf das Eingreifen Gottes immer noch warten, als auf der Seite derer, die überzeugt sind, dass der Anbruch der Gottesherrschaft tatsächlich schon begonnen hat.
Das ist das Perfide der lebensfeindlichen Kräfte. Obwohl sie durch den Sieg Christi am Kreuz tödlich getroffen sind, haben sie immer noch Macht über uns und versuchen unser Vertrauen in die längst angebrochene Gottesherrschaft zu zerstören.
Mir ist es wichtig, meine Sinne immer wieder zu schärfen und eine hohe Sensibilität für Gottes Wirken in dieser Welt zu entwickeln. Ich denke zum Beispiel an die klatschenden Menschen nach der Gedenkminute für die Opfer des Anschlages in Barcelona: „Wir haben keine Angst!“ - riefen sie minutenlang rhythmisch im Chor. Ich denke an die vielen Ehrenamtlichen, die sich in kommunalen oder auch kirchlichen Initiativen für Senioren und Seniorinnen engagieren, um der Alterseinsamkeit und Altersarmut etwas entgegen zu setzen. Ich denke an die Engagierten in den Hospizvereinen, die Menschen in Würde in der letzten Phase des Lebens begleiten und sich so mutig und engagiert gegen Tötung auf Verlangen einsetzen. Ich denke auch die Vielen, die trotz Unverständnis oder auch Spott ihrer Mitmenschen, treu zum christlichen Glauben stehen und sich in unseren Kirchengemeinden engagieren.
Es stimmt einfach nicht, dass das Böse stärker ist, als das Leben. Das Böse erzielt nur mehr Aufmerksamkeit. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Es hat verloren. Gewonnen hat die Herrschaft Gottes, die ich immer mehr spüren darf.
Ich möchte mich bemühen, dieses vielfältige Wirken Gottes in der Welt und in meinem Leben immer stärker wahrzunehmen. Ich möchte nicht nur aus guter christlicher Tradition, sondern voller Überzeugung und Glauben sagen können: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.
Wer ist Jesus für dich und mich, ist die entscheidende Frage. Das Erkennen der Bedeutung Jeus ist ein Lernprozess, den wir gut an Petrus beobachten können, und eine Herausforderung für jeden Einzelnen, auf die er oder sie persönlich eine Antwort finden muss.
Jesus fragt im heutigen Evangelium seine Jünger: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Sie sagen: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.“ Die Menschen ordnen Jesus in die Reihe der Propheten ein. Es sind Namen, bei denen in Israel die Erwartung einer Wende mitschwingt. So sprach der Täufer vom nahen Endgericht. Der Prophet Elija verkörpert die Wiederherstellung des Reiches Israel und Jeremia steht für den Untergang und Neuanfang des Volkes. All diese Meinungen sind nicht ganz verkehrt. Sie nähern sich Jesus an. Aber sie reichen nicht an das Eigentliche von Jesus heran, an seine ganz andere Sendung und Größe.
Auch heute gibt es bei uns Menschen, die Jesus kennen, vielleicht sogar Theologie studiert haben, aber ihm nicht in seinem wahren Sein begegnet sind. Sie halten ihn für eine große religiöse Gründergestalt. Letztlich entscheiden sie selbst, was sie von Jesus annehmen oder nicht.
Jetzt werden die Jünger gefragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortet und spricht: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Da sagte Jesus zu ihm: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Petrus bekennt Jesus als den Christus. Der Geist des Vaters spricht aus ihm. Er selbst, der Mensch Simon, ist sich dieser Aussage nicht voll bewusst. Das muss erst in ihm wachsen.
Oft verliert Petrus diese Eingebung des himmlischen Vaters. Er denkt wieder rein menschlich und fällt ins irdisch Politische zurück. Er scheint zu vergessen, was er beim Seesturm und dem Gang über dem Wasser zutiefst erschüttert gerufen hatte: „Du bist der Sohn Gottes!“ Petrus muss noch Reifungswege gehen: Am Abend von Jesu Gefangennahme und dessen Verurteilung verleugnet er am Kohlenfeuer Jesus. Umstehende fragen ihn: „Wirklich, auch du gehörst zu ihnen, deine Mundart verrät dich. Da fing er an, sich zu verfluchen und schwor: Ich kenne den Menschen nicht. Gleich darauf krähte ein Hahn, und Petrus erinnerte sich an das, was Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.“
Das ist für uns das Wunder göttlicher Erwählung, dass Gott treu bleibt und nochmals eine Chance gibt: am See von Tiberias. Der österliche Jesus fragt Petrus dreimal nach seiner Liebe. Petrus antwortet: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!“
Doch schon hier im heutigen Text im Matthäusevangelium bekommt Petrus seine ganz besondere Bestimmung von Jesus: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein“. Hier wird Petrus zum felsenfesten Fundament der Kirche erklärt. Damit alle Menschen, die Gott zum Glauben beruft, das Heil in Christus, dem Erlöser, finden, erhält Petrus die Binde- und Lösegewalt, die letztlich auf Vergebung zielt. Jesus sichert dem Petrus zu, die Mächte der Unterwelt werden diese Botschaft nicht überwältigen. Die Schlüssel stellen die konkrete Hirtengewalt für die Herde Christi dar.
Seit dem vierten Jahrhundert und ganz besonders in neuerer Zeit wurde diese Stelle in Theologie und Kirche zur Begründung der besonderen Stellung des Bischofs von Rom, des Papstes, verwendet. Wenn sich aus den Worten Jesu für Petrus in der Kirche Tendenzen zu falsch verstandener Vollmacht entwickelten, die nicht mehr dem Geist des Dienens entsprachen, hatte man sich von dem, was Jesus dem Petrus offenbarte, entfernt oder ihn gar verraten.
Im Römerbrief wird uns eine Antwort auf diese Frage als Glaubensformel hinterlassen: „Denn wenn du mit deinem Mund bekennst: »Jesus ist der Herr« und in deinem Herzen glaubst: »Gott hat ihn von den Toten auferweckt«, so wirst du gerettet werden“. Bekennen wir heute bewusst mit der gläubigen Gemeinde hier im Gottesdienst, dass Jesus der Herr ist und glauben wir in unserem Herzen, dass er uns gerettet und erlöst hat. Gehen wir täglich im Gebet ins innere Gespräch mit Jesus und übergeben wir ihm Freud und Leid unseres Lebens! Tragen wir seine Liebe, mit der er uns in reichem Masse beschenkt, zu den Mitmenschen. So wird durch uns und um uns herum Jesu Kirche aufblühen können und die Menschen stärken.
Die Worte der Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer klingen wie ein Lobpreis in hymnisch-feierlicher Sprache. Paulus teilt uns das Ergebnis seiner Überlegungen zum Wesen und Handeln Gottes ihn betreffend mit. Das Staunen und die Bewunderung gegenüber Gott vonseiten des Apostels sind so groß, dass Paulus unfähig ist, nüchtern und nur sachlich zu berichten. Die Gefühle, Gedanken, sein Herz legen ihm Worte in den Mund und lassen ihn eine Sprache verwenden, die in den Bereich des Betens und des Lobpreises gehören.
Dabei ist Paulus von vornherein eigentlich gar kein meditativer, zurückgezogener Mensch mit vorwiegend frommer Sprache. In der Bibel wird uns der Apostel zunächst als ein Draufgänger geschildert. Bei den ersten Christenverfolgungen gehört er mit zu denen, dessen Namensnennung die Christen bereits erschreckt. Der Diakon Stephanus wird unter seiner Aufsicht gesteinigt. In seinem Drang, Christen zu verfolgen, beschränkt Paulus sich nicht nur auf Jerusalem und die umliegenden Orte. Bis nach Damaskus treibt ihn sein Eifer, um die neue christliche Bewegung klein zu halten oder gar auszurotten, sofern dies gelingen sollte.
Und dann kommt der Einbruch. Vor den Stadttoren von Damaskus hört Paulus eine Stimme, die ihn fragt: Was tust du? Warum verfolgst du mich, den Gekreuzigten und Auferstandenen?
Ein erstes Mal geht Paulus ernsthafter in sich. Ja, was mache ich? Ist das, was ich tue, in Ordnung?
Wir dürfen uns die Bekehrung des Apostels nicht zu einfach vorstellen. Zwar wird er von der christlichen Gemeinde in Damaskus aufgenommen und über den christlichen Glauben belehrt, aber daran schließt sich ein dreijähriger Rückzug des Apostels in die Wüste an. Hier, so dürfen wir annehmen, geschieht die gründliche innere Auseinandersetzung und Neuorientierung des künftigen Apostels im Glauben. Das Ergebnis lautet: Ich, Paulus, fühle mich gerufen, den Heiden das Evangelium zu verkünden.
Was könnte Paulus dazu bewogen haben, zu dieser Überzeugung und Entscheidung zu kommen?
Als Erstes wird Paulus klar geworden sein: Ich habe jüdische Theologie studiert beim berühmten Professor Gamaliel. Damit bin ich auf dem neusten Stand, was die jüdische Religion betrifft. Von daher müsste ich in der Lage sein, begründen zu können, in welchen Punkten christliche Vorstellungen jüdisches Denken übertreffen und dass das Christentum eine klare Weiterführung des bereits im Gottesvolk verankerten Gottesglaubens ist. Diese Überlegungen hätten Paulus allerdings schnurgerade nach Jerusalem führen müssen, ins Zentrum jüdischer Glaubensvermittlung.
Doch dann kamen wohl die weiteren Überlegungen:
- Ich habe römisches Bürgerrecht. Dies schützt vor staatlicher und behördlicher Willkür.
- Ich spreche neben Hebräisch auch Griechisch, die Sprache des römischen Reiches. In den heidnischen Ländern könnte ich mich ohne Schwierigkeiten verständlich machen.
- Ich habe das Handwerk des Tuchwebers erlernt. Im praktischen Leben und Lebensalltag bin ich nicht unbeholfen. Und Paulus weist in seinen Briefen darauf hin, dass er seinen eigenen Lebensunterhalt verdient habe und niemandem zur Last falle.
- Schließlich war der Apostel unverheiratet, nicht gebunden an Familienpflichten.
All diese Überlegungen zusammen genommen, verknüpft mit dem Auftrag Jesu "Ich sende euch bis an die Grenze der Erde", werden in Paulus die Frage aufgeworfen haben: Ist mit dem Geschehen vor Damaskus mir nicht gleichzeitig aufgetragen worden, einer von denen zu sein, die bis an die Grenzen der Erde gehen sollten?
Vielleicht wird in der Abgeschiedenheit der Wüste Paulus sich ein erstes Mal voller Staunen gesagt haben: Wie unergründlich sind doch Gottes Wege mit mir, wie unerforschlich ist sein verborgenes Wirken. Hätte ich als Student oder Lehrling je daran gedacht, wozu meine Ausbildung, mein Wissen, meine Energie einmal dienen könnten oder sollen! Wie vorausschauend sind Gottes Pläne, wie weise seine Gedanken!
Mit der gleichen Kraft, mit dem gleichen Schwung, die den Apostel bei der Verfolgung der Christen vorwärts trieben, geht Paulus dann seiner missionarischen Arbeit nach. Hier zeigt sich, dass er, Paulus, wie kein anderer tatsächlich genau der richtige Mann ist. Die Arbeit ist schwierig, die Strapazen sind groß. Paulus gibt nicht auf. Er spürt in sich die Kraft, durchhalten zu können. Vor allem ist er der rechte Mann, um die Probleme zwischen den Heiden- und Judenchristen einer Lösung zuzuführen, mit der beide Seiten leben können. Dadurch wird der Weg offen gehalten, um jeden in die christliche Gemeinschaft aufzunehmen.
Wenn Paulus auf seinen Lebensweg und sein Wirken zurück schaut, spürt er, wie sehr er durch Gott geführt wurde. Der Apostel erkennt, sein Werk ist nur zu einem geringen Teil das Ergebnis seiner eigenen Mühe. Zwar gehört diese mit dazu, aber Leitung, Planung, Führung lagen letztlich in den Händen Gottes. Aus ihm, durch ihn und auf ihn hin geschah und bewegte sich alles, wie unerkannt dies in den jeweiligen Situationen zunächst auch immer war.
Paulus ist von Gott fasziniert, - fasziniert auch, wie sich das Handeln Gottes an den Menschen wiederholt. Wie sehr hatte Israel beim Auszug aus Ägypten und beim Wandern durch die Wüste Gott als den erfahren, der unerforschlich in seinen Gedanken Israels Weg begleitet hatte. Welch unergründlichen Weg nahm trotz Verfolgung die Entwicklung und Ausbreitung des Christentums! Es hätte gar keinen erfolgreicheren anderen Weg geben können, stellt Paulus für sich fest. Wer könnte Gott weisere Ratschläge geben! Dank und Lobpreis steigen in seinem Herzen auf und lassen ihn aussprechen: Ihm, diesem Gott voller Klugheit und Weisheit, sei Ehre in Ewigkeit.
Paulus ist fasziniert und berauscht von Gott. Er will, dass die Christen von Rom, denen er den Brief schreibt, es auch sind. Sie sollen in ihr Leben schauen und erkennen, an welchen Punkten auch sie von Gott geleitet und geführt wurden. Euer Leben besteht nicht aus lauter reinen Zufällen, will der Apostel den Gläubigen sagen. Erkennt Gottes vorbereitendes und begleitendes Handeln im Verborgenen. Beides gibt es auch in euerm Leben.
Wenn wir der Aufforderung des Paulus an die Römer nachkommen und auch für uns Rückblick halten, werden wohl nur sehr wenige von uns eine Art Damaskus-Erlebnis bei sich entdecken. Aber anderes könnten wir mit dem Apostel gemeinsam haben.
Gab es in unserem Leben nicht auch Situationen, wo unsere Pläne völlig durchkreuzt wurden? - Und genau das war zu unserem Heil und Vorteil.
Wo galt es Schwieriges oder Leidvolles durchzustehen, wo wir im Nachhinein sagen konnten? - Gerade dadurch wurde ich stark für Nachfolgendes und befähigt, wichtige Lebenssituationen zu bewältigen.
Welche Bedeutung hatte für uns die Begegnung mit bestimmten Menschen: in der Schulzeit, am Arbeitsplatz, im Urlaub, durch eine Bekanntschaft? - Welchen Verlust hätte es bedeutet, wenn ich diesen Betreffenden nicht begegnet wäre?
Wo müssten wir sagen: Gott sei Dank habe ich dies und jenes gelernt und mich darin eingeübt? - Nie im Traum hätte ich je daran gedacht, wie wertvoll dies für mich und mein Leben einmal werden könnte.
Wahrscheinlich haben wir alle ausreichend Gründe, um in die Worte des Paulus, Worte des Staunens und der Dankbarkeit, einzustimmen, um mit unseren Worten zu sagen: Tief und reich ist deine Weisheit, Gott, wenn auch manches für uns auf Anhieb unergründlich war. Dir, Gott, sei Ehre, Dank und Lobpreis in Ewigkeit.
Gott, unser Herr,
du verbindest alle, die an dich glauben,
zum gemeinsamen Streben.
Gib, daß wir lieben, was du befiehlst,
und ersehnen, was du uns verheißen hast,
damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens
unsere Herzen dort verankert seien,
wo die wahren Freuden sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
Du bist uns nahe,
noch bevor wir zu dir kommen.
Du bist bei uns,
noch bevor wir uns aufmachen zu dir.
Sieh deine Gemeinde, die auf dich schaut:
Sieh unsere Sehnsucht nach Glück,
unseren Willen zum Guten
und unser Versagen.
Erbarme dich unserer Armut und Leere.
Fülle sie mit deinem Leben,
mit deinem Glück,
mit deiner Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 25
Herr und Gott,
du hast dir
das eine Volk des Neuen Bundes erworben
durch das Opfer deines Sohnes,
das er ein für allemal dargebracht hat.
Sieh gnädig auf uns
und schenke uns in deiner Kirche
Einheit und Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
die Gaben, die wir bereitet haben,
sind Zeichen unserer Hingabe an dich.
Darum bitten wir:
Wie Brot und Wein in der Kraft des Geistes geheiligt werden,
so heilige auch uns selbst immer mehr
nach dem Bilde unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und Leben schenkt in alle Ewigkeit.
MB Auswahl 6
Gott und Vater,
dein Sohn hat gezeigt,
wie ein Segensgebet Brot mehren
und Wasser verwandeln kann.
Lass nun Segen werden über Brot und Wein,
damit wir aus dieser Kraft leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Dich Gott, unser Vater, zu preisen, sind wir hier versammelt,
denn wir haben allen Grund dir zu danken und dich zu loben.
Kehrvers
Du selbst bist der Gute Hirte, der für die Seinen sorgt.
Schon im Ersten Bund hast du
Propheten, Priester und Könige als Hirten eingesetzt,
damit sie dein Volk leiten und auf deinen Wegen führen.
Kehrvers
Als dein auserwähltes Volk von deinen Wegen abwich,
hast du Jesus von Nazareth als Messias gesandt.
Er hat allen, die auf ihn hörten, deine Größe geoffenbart
und sie zum neuen Gottesvolk zusammengerufen.
Kehrvers
Simon Petrus hat er zum festen Fundament seiner Kirche gemacht
und ihm er die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut,
damit er gemeinsam mit der ganzen Kirche
die Türen zum ewigen Leben aufschließe.
Kehrvers
Mit Simon Petrus und den anderen Jüngern bekennen auch wir,
dass Jesus der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes ist,
auf ihn hoffen wir und auf ihn bauen wir unser Leben auf.
Kehrvers
Für diesen festen Grund danken wir dir
und preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen.
Mit der ganzen Schöpfung singen wir dir unser Lob:
Danklied, z. B. "Ein Haus voll Glorie schauet" (GL 478, 1. 3. und 5. Str.)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn du bist der ewige Hirt,
der seine Herde nicht verläßt,
du hütest sie allezeit durch deine heiligen Apostel.
Du hast sie der Kirche als Hirten gegeben,
damit sie ihr vorstehn als Stellvertreter deines Sohnes.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Apostel 1
Über den Vater hat Jesus viel gesprochen.
Die Menschen sollten um ihn wissen
und dann mit Vertrauen und Hoffnung sagen:
Vater Unser...
Einleitung zum Friedensgebet:
Herr Jesus Christus,
dürfen wir dich nicht mit Recht für unseren Frieden
und den Friedensbringer der Welt halten?
So bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
Herr, unser Gott,
schenke uns durch dieses Sakrament
die Fülle deines Erbarmens
und mache uns heil.
Gewähre uns deine Hilfe,
damit wir so vor dir leben können,
wie es dir gefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Diese Worte aber können ihren guten Klang zurückgewinnen, wenn wir bedenken, was «ewiges Leben» in den Augen Jesu heißt: «Dies ist das ewige Leben: dich, den einzigen und wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast» (Job 17,3). Für Jesus ist ewiges Leben und Gotteserkenntnis geradezu identisch. Ist dies nicht eine frohmachende Perspektive für uns Christen und Christinnen, die im kirchlichen Dienst stehen oder die sich auf einen kirchlichen Dienst vorbereiten und deren Berufsbezeichnung «Theologen und Theologinnen» heißt? Wenn wir nämlich diese Berufsbezeichnung beim Wort nehmen, dann sind Theologen Menschen, deren einziges Thema, das sie wirklich interessieren muss, die Wirklichkeit Gottes ist: Gott als die alles, was überhaupt ist, bestimmende und umgreifende Wirklichkeit ist das exklusiv-eine Thema der Theologie. Gerade deshalb aber sind wir Theologen berufen und verpflichtet, im Erkennen dieses einen Themas Gottes zugleich alle Wirklichkeit und damit alles, was irgendwie Inhalt der menschlichen Wirklichkeitserfahrung ist und sein kann, mitzuerkennen und die gesamte Wirklichkeit in ihrer Bezogenheit auf Gott zu reflektieren, also «sub specie Dei aeternitatis».
Dieses eine Thema der Theologie und damit auch des kirchlichen Dienstes in seiner ganzen Fülle wiederzuentdecken und ihm die erste Priorität einzuräumen, ist der Anruf des heutigen Evangeliums, freilich auch der Anruf der heutigen Zeit, und zwar genauerhin in einer zweifachen Hinsicht, die für das Leben der Menschen heute von grundlegender Bedeutung ist: Gotteserkenntnis heißt erstens Ausrichtung nach der Transzendenz im urreligiösen Sinn der Wirklichkeit Gottes. Diese Transzendenzbeziehung vermag dem menschlichen Leben Weite zu geben. Dies zeigt sich umgekehrt daran, dass überall dort, wo den Menschen die religiöse Transzendenz verschlossen ist, sich ihnen der Versuch und die Versuchung aufdrängt, den Himmel gleichsam auf Erden zu suchen. Und dort, wo der Jahrhunderte lang befürchteten Vertröstung auf das Jenseits eine anstrengende Vertröstung auf das Diesseits gewichen ist, erscheint das Leben letztlich als nichts anderes als der vergebliche Versuch, den Himmel auf Erden zu erzwingen.
Für dieses Bemühen stehen freilich in der heutigen Gesellschaft nur wenige Betätigungsfelder zur Verfügung, genauer-hin diejenigen des Amüsements, der Arbeit und der Liebe. Von daher droht die große Gefahr, dass sich die Menschen heute zu Tode amüsieren, zu Tode arbeiten und sogar zu Tode lieben, wie prominente Fachexperten des modernen Lebens diagnostizieren. In diesem dreifachen «zu Tode» zeigt sich aber, wie befreiend und erlösend die wahre Transzendenzbeziehung für den Menschen ist, weil sich erst hier die unverbrauchte Weisheit des heiligen Augustinus bewährt: «Unruhig ist des Menschen Herz, bis es ruhen kann bei Gott.» In der Tat kann allein die einzig maßlose Wirklichkeit Gottes eine maßlose Antwort auf die maßlose Sehnsucht des menschlichen Herzens geben.
Aus: Bischof Kurt Koch, Fenster sein für Gott. Unzeitgemäße Gedanken zum Dienst in der Kirche. Paulusverlag Freiburg Schweiz 2002.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.