Jesus konfrontiert seine Jünger mit dem Paradoxon, dass sie das Leben gewinnen werden, wenn sie es verlieren. Niemand will Verlierer sein. Das macht Angst. Der Weg Jesu zeigt, dass es sich lohnt, für einander da zu sein.
Zum Glück gibt es immer wieder Menschen, die in Notsituationen geistesgegenwärtig beherzt helfen und manches Mal dabei sogar ihr eigenes Leben riskieren. Warum tun sie das? Die Beweggründe lassen sich nicht ohne weiteres auf einen Nenner bringen.
Immer wieder wird aber auch berichtet, dass Menschen wegschauen, sich der Hilfeleistung entziehen, vorbeifahren oder gar Fahrerflucht begehen. Auch dafür gibt es vielerlei Gründe und Ausreden. Man möchte keine Zeit verlieren, nicht in die Probleme anderer hineingezogen werden und anderes mehr.
Es gibt Gott sei Dank auch Menschen, sie sich haupt- oder ehrenamtlich als Helfer der Gesellschaft zur Verfügung stellen. Sie wenden viel Zeit auf, sich weiterzubilden und ihren Dienst zu professionalisieren. Warum tun sie das? Manche haben das Helfen zum Beruf gemacht und erhalten Geld dafür. Die weit größere Zahl tut es unentgeltlich und bekommt dafür oft nicht einmal ein Dankeschön. Ein Lohn, von dem meist nicht geredet wird, ist das gute Gefühl geholfen zu haben. Dieses vermittelt Sinn und stärkt das Bewusstsein wertvoll zu sein.
Im Evangelium begegneten wir Jesus, der versuchte, die Jünger mit dem Weg des Messias vertraut zu machen. Ihn erwarte in Jerusalem Leiden und Tod. Die Jünger wollen ihn verständlicherweise davon abbringen. Das würden wohl die meisten Menschen so tun. Jesus sieht aber in seinem bevorstehenden Lebensweg eine Bedeutung, die seine Jünger noch nicht verstehen können. In seinem Tod und in seiner Auferstehung wird sich die Liebe Gottes zu den Menschen und die Größe Gottes offenbaren. "Stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg", heißt es im Hohenlied. An Jesus wird sich zeigen, dass die Liebe stärker ist als der Tod.
Wenn Jesus fordert, "wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach", wirbt er dafür, dass wir von ihm lernen, diesen Weg der Liebe zu gehen, auch wenn zunächst zu befürchten ist, dass wir dadurch zu Verlierern werden oder uns Nachteile einhandeln. Das Leben werden wir aber nur gewinnen, wenn wir den Weg der Liebe gehen.
Die Geschichte des Christentums ist voll mit großen Namen von Menschen, die den Tod nicht fürchteten und ihr Leben für andere hingegeben haben. Diese Lebenseinstellung der Hingabe ist aber auch für den gewöhnlichen Alltag bedeutsam. Für einander da sein, für einander einstehen, sich für andere einsetzen, ist Grundlage menschlicher Gemeinschaft. Was wir mit Hingabe tun, stiftet Sinn und stärkt Zusammenhalt. Viele Tätigkeiten erleben wir nur dann als erfüllend, wenn wir sie mit Hingabe tun können. Ich kann mir keinen guten Lehrer, keine gute Lehrerin, keinen Arzt und keine Pflegerin vorstellen, die ihren Beruf nicht mit Hingabe erfüllen, sondern nur als Job verrichten.
Hingabe ist auch ein wesentlicher Teil einer tiefen personalen Beziehung. Wenn eine Beziehung nur auf wechselseitiges Geben und Nehmen aufbaut, wird sie den Beigeschmack des Geschäftlichen nicht los. Ein ausgewogenes wechselseitiges Geben und Nehmen ist zwar für das Funktionieren einer Beziehung notwendige Voraussetzung, wechselseitige Hingabe bringt jedoch erst den Mehrwert.
Sonntag für Sonntag versammeln wir uns zur Eucharistiefeier und rufen wir uns den Tod und die Auferstehung Jesu in Erinnerung. In der Liturgie ist immer wieder vom Opfer Jesu die Rede. Er hat sein Leben hingegeben, sich geopfert, um damit zu zeigen, dass die Liebe stärker ist als der Tod und dass in seiner Auferstehung die Macht und Größe Gottes sichtbar wird. Für uns Christen ist diese Feier eine Schule der Hingabe. An Jesus sehen wir, dass wir das Leben gewinnen, wenn wir bereit sind es hinzugeben. Aus der Verbundenheit mit ihm können wir uns Kraft holen für jene Momente, wo wir aus Angst zu verlieren davor zurückschrecken, uns für andere zu verausgaben.
Leiden und sterben zu wollen, widerstrebt unserem natürlichen Empfinden. Dagegen wehren wir uns innerlich. Jesus hat uns vorgelebt, dass Leiden und Sterben auch einen Sinn bekommen kann. Entscheidend ist, dass wir hinter ihm hergehen und von ihm lernen, das wahre Leben zu finden.
Allmächtiger Gott,
von dir kommt alles Gute.
Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.
Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.
Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
diese Opferfeier bringe uns Heil und Segen.
Was du jetzt unter heiligen Zeichen wirkst,
das vollende in deinem Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers:
Der Herr ist mein Licht und mein Heil. (GL 38,1)
Guter Gott und Vater,
wir sind hier versammelt, um dich zu loben und dir zu danken.
Kehrvers
Du hast auf das Rufen deines Volkes gehört, als es in Not war,
und es aus der Knechtschaft Ägyptens herausgeführt.
Du bist ihm vorangegangen,
und hast es in das Land deiner Verheißung geführt.
Kehrvers
Du hast Jesus, deinen Sohn gesandt,
damit er die Menschen zum wahren Leben führe.
Durch ihn hast du seine Jünger gelehrt,
dass sie dem Kreuz nicht ausweichen, sondern ihm nachfolgen.
Kehrvers
Durch Leiden und Tod hindurch
ist er ihnen den Weg zur Auferstehung vorangegangen.
Er ist zum Weizenkorn geworden, das in die Erde fällt und stirbt,
um reiche Frucht zu bringen.
Kehrvers
Er gibt auch uns die Kraft, unser Leben dir zu überlassen,
damit wir uns selbst dir als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen
und so ewiges Leben gewinnen.
Kehrvers
Mit allen Engeln und Heiligen loben und preisen wir dich
und sagen wir dir unseren Dank.
Danklied, z. B. Singt dem Herrn ein neues Lied (GL 409)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Gnade zu rühmen.
So sehr hast du die Welt geliebt,
daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast.
Er ist uns Menschen gleich geworden
in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst,
was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde
haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes
hast du ihn erneuert.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ....
MB Sonntage 7
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Allmächtiger Gott,
du hast uns gestärkt durch das lebendige Brot,
das vom Himmel kommt.
Deine Liebe,
die wir im Sakrament empfangen haben,
mache uns bereit,
dir in unseren Brüdern zu dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
| Winners and losers, turn the pages of my life | Gewinner und Verlierer, die Seiten meines Lebens |
| Chorus: | Chor: |
| There's a light and a dark side | Es gibt eine helle und eine dunkle Seite |
| Chorus: | Chor: |
| Which one will you be today? | Welches werden Sie heute sein? |
Wo sind die Verbandplätze unserer Welt? Sicher nicht nur in fernen, exotischen Ländern oder auf den Kriegsschauplätzen, auf die momentan die Fernsehkameras gerichtet sind. Dorthin würden uns vielleicht unsere »romantischen« Gefühle automatisch ziehen. Aber: Sie sind überall um uns herum.
»Seht meine Hände und meine Füße an«, sagt Christus heute mit dem Blick auf alle Notleidenden und Verwundeten, Nahestehende und Fremde, »fasst mich doch an und seht: Ein Geist hat doch nicht Fleisch und Bein, wie ihr es an mir seht.«
»Die Männer und die Frauen sind Fleisch und Bein, Hände und Füße, die durchbohrte Seite Christi - sein mystischer Körper«, fügt der Autor hinzu, der sich hinter dem Pseudonym »Mönch der Ostkirche« verbirgt, »in ihnen können wir durch unser Tun die Wirklichkeit der Auferstehung realisieren«. Er fordert uns auf, dass wir Christus nicht nur in sozial Bedürftigen, Kranken, Armen, Verlassenen, sondern insbesondere auch in den Menschen sehen, die uns fremd und unsympathisch sind: »In vielen von diesen Männern und Frauen - in bösen und verbrecherischen Menschen - ist Christus wieder gefangen genommen worden. Befreie ihn dadurch, dass du ihn still und schweigend erkennst und ihn in ihnen anbeten wirst.«
Das sind harte, anspruchsvolle Worte, wer kann sie hören? Und wer wagt es, sie zu realisieren - oder es zumindest zu versuchen? Wir sind es aus vielen Predigten gewohnt, die Aufforderung zu hören, dass wir Menschen in sozialer Not helfen sollen, und vielleicht tun wir das auch ab und zu. Über die Liebe zu den Feinden wird allerdings nicht häufig gepredigt - und wenn darüber gepredigt wird, dann entsteht oft der peinliche Eindruck, dass weder der Prediger noch seine Zuhörer diese Worte allzu »wörtlich« nehmen, schärfer ausgedrückt: Sie nehmen sie gar nicht ernst. Das wird in den Kirchen nur so gesagt! Wir haben schon erwähnt, dass die größte Schwierigkeit mit dieser Aussage Jesu darin besteht, dass wir die Begriffe »Liebe« und »Hass« als bloße Emotionen betrachten (nicht als Lebenshaltungen und Willensentscheidungen, als etwas, an dem wir unser Leben ausrichten); und natürlich wissen wir gut, dass man Emotionen »nicht befehlen kann« und dass unsere Gefühle, Unrecht erlitten zu haben, sich hartnäckig halten, obwohl der gute Wille in uns vorhanden ist, den unerhörten Auftrag Jesu zu erfüllen.
Hier legt uns der Mönch der Ostkirche eine neue theologische und spirituelle Anregung vor, die uns ermutigen soll, auch die Menschen anzunehmen, die wir in der Regel nicht akzeptieren wollen, »die Bösen und die Verbrecher«. Er sagt uns nicht, dass wir ihre Schlechtigkeit lieben und akzeptieren sollen, dass wir ihre schlechten Taten und Eigenschaften übersehen, bagatellisieren und entschuldigen sollen, er verlangt auch nicht von uns, dass wir irgendeine emotionale Neigung ihnen gegenüber entwickeln sollen. Er sagt uns lediglich, dass Christus durch das Geheimnis der Menschwerdung im Menschsein jedes beliebigen Menschen anwesend ist. In den »Bösen« ist er »gefangen«, weil sie ihm die Freiheit nicht geboten haben, weil sie ihn nicht in ihren Herzen und ihrem Handeln herrschen ließen.
Dadurch, dass wir uns bewusst werden, dass auch sie »zu Christus gehören« (und dadurch auch zu uns), befreien wir diese Menschen noch nicht vom Bösen. Einstweilen befreien wir nur unsere Beziehung zu ihnen - dadurch dass wir in unsere Haltung zu ihnen Christus als ein treues Bild des Vaters eintreten lassen, der »seine Sonne über Böse und Gute aufgehen lässt und es über Gerechte und Ungerechte regnen lässt«3. Inwieweit diese unsere innere Haltung, diese unsere Gesinnung ihnen gegenüber, unser Verhalten und Handeln beeinflusst und inwieweit unser Verhalten auf sie zurückwirken, sie beeinflussen und sie vielleicht auch verändern kann, das ist wiederum eine anderer, offener Akt dieses Dramas.
Christus kommt immer nur als Aufforderung, Angebot, als Einladung, der man Folge leisten kann, als offene Möglichkeit - als »the God who may be«. Ihm ist jedweder beliebige Druck völlig fremd, mit dem er uns vielleicht manipulieren, unsere Freiheit nicht respektieren würde. Der Gott, den uns Christus vorstellt (mit seinen Worten und seiner Person) spricht uns an und fordert uns auf, aber er zwingt uns niemals zu etwas. Entsprechend soll auch unser christliches Zeugnis sein: Wir sind dazu da, dass wir den Horizont des »Möglichen« (d. h. des erwartbaren, gewöhnlichen, »logischen«, »natürlichen« Handelns - wie man handelt, wie es in der Welt zugeht) um das erweitern, was Menschen, die Gott nicht kennen oder Christus nicht ernst nehmen, als unmöglich erscheint. Dass wir als »alternatives Angebot« da sind, ist schon Bestandteil des Dienstes der Heilung, der Befreiung und der »Austreibung des Bösen«, den sich viele ein wenig zu romantisch vorstellen.
Aus: Tomáš Halík, Berühre die Wunden. Über Leid, Vertrauen und die Kunst der Verwandlung. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2013.

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