Das Gleichnis von den beiden Brüdern im Evangelium hält uns einen Spiegel vor. Statt eines klaren Ja oder Nein sagen wir oft »naja« und meinen nein. Es gibt auch die Möglichkeit, die Meinung zu ändern, umzukehren. In der Umkehr begegnen wir der Gnade Gottes.
Die beiden Brüder im Gleichnis Jesu stellen uns Menschen vor, die einerseits nicht Wort halten, andererseits bereit sind umzukehren. Durch das Gleichnis spricht Jesus Menschen an, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit so überzeugt sind, dass sie meinen, keiner Umkehr zu bedürfen, traut er den Zöllnern und Sündern die Fähigkeit zur Umkehr zu.
Vom Thema „Umkehr“ als schwierige Verhaltensweise hörten wir schon an den letzten Sonntagen im Zusammenhang mit Schuld, Sünde, Vergebung. Es geht somit um Fehlverhalten, ausgelöst durch Ungerechtigkeit im menschlichen Bereich. Die Lesung aus dem Buch Ezechiel thematisiert die Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit Gottes wird vom Menschen, vom Haus Israel, in Frage gestellt und erntet von Jahwe Widerspruch. Gott ist gerecht, weil er vergibt und barmherzig ist, weil er immer wieder neue Chance gibt, umzukehren. Auch heute wird die Gerechtigkeit Gottes angezweifelt vor allem dann, wenn wir Leid ertragen müssen und keinen Sinn darin erkennen, wenn wir Zurücksetzung erfahren, wo andere bevorzugt werden, wo es an Wertschätzung gegenüber dem Mitmenschen fehlt.
Gerechtigkeit setzt Wahrheit voraus. Wir Menschen als begrenzte Wesen, vergessen offensichtlich, dass wir nicht im Besitz der vollen Wahrheit sind und damit auch unser Verständnis von Gerechtigkeit bruchstückhaft ist. Gottes Gerechtigkeit ist treffsicher, indem sie jedem genug zumisst. Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist grausam, Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit führt in die Beliebigkeit und ins Chaos (nach Thomas v. Aquin). Diese Unordnung führt in die Sünde, in die Absonderung von Gott, die sich auch im Mangel an Selbst-, Nächsten- und Feindesliebe zeigt, denn Gottes- und Menschenliebe sind untrennbar miteinander verbunden.
Das Evangelium stellt in diesem Gleichnis ganz unterschiedliche Menschen in ihren Verhaltensweisen dar. Die beiden Brüder, der eine ein Ja-Sager. Wenn es darauf ankommt, geschieht nichts, leere Worte, alles ist oberflächlich. Wir kennen solche Versprechungen, vor allem aus der Politik, aber auch beim Zusammenleben im kleineren Kreis gibt es immer wieder Zusagen, die dann nicht eingehalten werden. Wenn man will, findet man Wege, wenn man nicht will, findet man Gründe; man könnte auch sagen mehr oder weniger gute Ausreden.
Der andere sagt nein, arbeitet aber dann doch im Weinberg. Ist er ein Umfaller, der wie ein Schilfrohr agiert, das sich in die „richtige“ Richtung des meanstreams, der gerade aktuellen Meinung, bewegt? Könnte Angst dafür ausschlaggebend sein, berufliche oder private Nachteile zu erleiden?
Ist es geschicktes Taktieren oder ein Hinterfragen der persönlichen Situation, die zur Umkehr drängt? Jesus beantwortet diese Frage nicht, vielmehr lässt er die Adressaten, die Hohenpriester und Ältesten, nach einer Antwort suchen. Es ist jene Personengruppe, die zur Gesetzesgerechtigkeit neigt und bei Irrtum und Fehlverhalten sich gerne auf Gesetze zurückzieht. Barmherzigkeit, Chance zur Umkehr rücken bei diesen Menschen stark in den Hintergrund. Formalismus wird großgeschrieben, der Mensch in seiner Not darf nicht auf Hilfe hoffen. Niemals aber werden Gesetze alles regeln können.
Jesus will mit dieser Taktik nicht nur die Hohenpriester und die Ältesten zur Mündigkeit erziehen, sondern auch uns heute lebende Menschen. Ich überlasse Ihnen darüber nachzudenken, was mit jenen Menschen geschieht, die bei ihrem Nein bleiben. Sind sie authentisch und fallen sie aus der Liebe Gottes heraus? Wird ihnen Barmherzigkeit zuteil?
Das Evangelium spricht aber noch von anderen Personen: Johannes der Täufer. Wir kennen ihn als rauen Gesellen, kein Diplomat, er sagt es gerade heraus und kommt aufgrund seiner Ehrlichkeit dabei zu Tode. Wie geht es heute grundehrlichen Menschen? Sie werden höchstwahrscheinlich nicht gleich umgebracht, müssen aber mitunter erhebliche Nachteile in ihrer Lebensgestaltung in Kauf nehmen.
Dann hören wir noch von Zöllnern, die betrügen und von Dirnen, die ihren Körper verkaufen: Jesus spricht ihnen die Fähigkeit zu, umzukehren, sich zu ändern und Glauben zu haben. Jesus kritisiert damit die Prominenz seiner Zeit, die meint, keine Bekehrung nötig zu haben. Vielmehr haben sie ein Gewaltpotential in sich, das auch Jesus tötet. Worauf es ankommt: Wort und Tat sollen übereinstimmen. Wenn das nicht der Fall ist, sind Umkehr und Reue besonders wichtig.
Das heutige Evangelium ist kurz, aber sehr inhaltsreich und fordernd und schließt mit einer Mahnung: „Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm (Johannes) nicht geglaubt.“ Das Evangelium stellt bei genauem Zuhören oder Durchlesen viele Fragen, lädt ein zum Weiterdenken. Diese Fragen und diese Einladung darf ich an Sie, liebe Gemeinde, weitergeben. Mahatma Gandhi (1869-1948, Hindu, Führer der Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Herrschaft) meint schon: "Die beste Art das Evangelium zu predigen, ist, es zu leben."
Wenn Menschen eine gegebene Zusage nicht einhalten, sind wir von ihnen enttäuscht. Wenn sich jemand nach anfänglicher Ablehnung trotzdem für eine gute Sache engagiert, freuen wir uns über seine Umkehr. Wer seine Meinung ändert, gerät in den Verdacht, ein Wendehals zu sein. Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, müssen wir bereit sein dazuzulernen und wenn nötig umzukehren.
Wir beginnen jeden Gottesdiesnt mit der Hinwendung zu Gott. Wir zeigen ihm, dass wir bereit sind, seine Wege zu gehen, und, wo es nötig ist, umzukehren.
Bekennen wir, dass wir seiner Vergebung und seiner Zuwendung bedürfen:
Ich bekennne...
Großer Gott, du offenbarst deine Macht
vor allem im Erbarmen und im Verschonen.
Darum nimm uns in Gnaden auf,
wenn uns auch Schuld belastet.
Gib, dass wir unseren Lauf vollenden
und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
Du kennst uns besser, als wir uns selber kennen.
Du weißt, wie sehr wir
der Änderung und Umkehr bedürfen.
Aber du trittst nicht mit Gewalt an uns heran
oder mit List.
Du kommst zu uns mit deinem Wort -
deinem offenen und guten,
deinem fordernden und heilenden Wort.
Gib, daß wir dir heute nicht ausweichen,
daß wir uns öffnen
und dein Wort annehmen:
Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 33
Herr.
Du kennst unser Elend.
Wir reden miteinander und verstehen uns nicht.
Wir schließen Verträge und vertragen uns nicht.
Wir sprechen vom Frieden und rüsten uns zum Krieg.
Zeige uns einen Ausweg.
Sende deinen Geist,
damit er den Kreis des Bösen durchbricht
und das Angesicht der Erde erneuert.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.
MB Auswahl 18
Barmherziger Gott,
nimm unsere Gaben an
und öffne uns in dieser Feier
die Quelle, aus der aller Segen strömt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers:
Singt dem Herrn, alle Länder der Erde.
(GL 54,1)
Gott und Herr, wir bringen dir unseren Lobpreis dar.
Denn du bist ein Gott, der nicht den Tod des Sünders will,
sondern dass er umkehrt und lebt.
Kehrvers
In Freiheit lässt du jeden Menschen seine eigenen Wege gehen.
Du rufst den zur Umkehr,
der das rechtschaffene Leben aufgibt und Unrecht tut.
Kehrvers
Dein Sohn hat sich erniedrigt
und ist den Menschen gleich geworden
um sie aus ihrer Todesnot herauszuholen
und ihre Herzen wieder dir zuzuwenden.
Kehrvers
Er hat uns gelehrt,
wie der eine den anderen höher schätze als sich selbst,
und wie wir zum wahren Leben kommen,
wenn wir auch auf das Wohl der anderen achten.
Kehrvers
Dafür danken und preisen wir dich.
Wir singen mit der ganzen Schöpfung dein Lob:
Danklied, z. B. Nun danket alle Gott… (GL 405)
Wir danken dir, gütiger Vater,
denn durch die frohe Botschaft,
die dein Sohn verkündet,
hast du Menschen aus allen Völkern und Sprachen
zur Gemeinschaft der Kirche vereint.
Sie lebt aus der Kraft deines Geistes
und sammelt die Menschen zur Einheit.
Sie bezeugt deine Liebe
und öffnet allen das Tor der Hoffnung.
So wird die Kirche zum Zeichen deiner Treue,
die du uns für immer versprochen hast.
Darum preisen dich Himmel und Erde,
und mit der ganzen Kirche bekennen wir
zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Gnade zu rühmen.
So sehr hast du die Welt geliebt,
daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast.
Er ist uns Menschen gleich geworden
in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst,
was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde
haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes
hast du ihn erneuert.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ....
MB Sonntage 7
Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen.
(vgl Lk 11,28)
Oder:
Christus spricht:
Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!,
wird in das Himmelreich kommen,
sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.
(Mt 7,21)
Allmächtiger Gott,
in der Feier der Eucharistie
haben wir den Tod des Herrn verkündet.
Dieses Sakrament stärke uns an Leib und Seele
und mache uns bereit mit Christus zu leiden,
damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Das Erntedankfest ist ein Anlass für den Überfluss, in dem wir leben zu danken. Der Dank beinhaltet aber auch Bitten an Gott und die Mitmenschen und die Herausforderung auch das wechselseitige Vertrauen in der Gesellschaft zu fördern. Grundlage dieses Vertrauens ist das Vertrauen in Gott.
Auch wenn unwetterbedingt Ernteausfälle zu beklagen sind und betroffene Bauern damit in beträchtliche Nöte geraten sind, leben wir insgesamt im Überfluss. Beim Einkaufen werden wir von den Ernteausfällen gar nichts bemerken. Wir haben einen Überfluss an Lebensmitteln, und es steht uns ein Warenangebot zur Verfügung wie noch nie zuvor. Fast könnten wir uns sorglos zurücklehnen wie der Gutsbesitzer im Lukasevangelium (Lk 12, 19) und sagen: "Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!" und vergessen, dafür Gott zu danken.
Wenn wir genauer hinschauen, haben wir auch einen Überfluss an Problemen, über die wir nicht hinwegschauen dürfen: Nicht alle Menschen haben teil am Überfluss. Viel zu viele leiden noch bittere Armut und Hunger. Sie sind nicht fähig, aus eigener Kraft ihrer Not zu entkommen. Wer wird ihnen helfen? Wie können gerechtere politische und ökonomische Verhältnisse geschaffen werden?
Seit Jahren beobachten wir klimatische Veränderungen, von denen wir nicht genau sagen können, wodurch sie verursacht werden. Es besteht der dringende Verdacht, dass unser unbedachtes Leben im Überfluss diese mitverursacht. Und es ist zu befürchten, dass wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen, die wieder vor allem die Ärmsten am härtesten trifft. Millionen von Menschen sind auf der Flucht vor Kriegen wie auch vor Dürre- und Hungerkatastrophen.
Kopfzerbrechen bereiten uns auch der Einsatz chemischer Mittel bei der Produktion von Lebensmitteln und der Ausstoß von Schadstoffen seitens der Industrie, die unsere Umwelt belasten.
Erntedank ist ein Innehalten am Ende der Erntezeit. Wir danken Gott für die Fülle der Lebensmittel, die uns zur Verfügung stehen. Wir danken bei dieser Gelegenheit auch allen Menschen, die in der Erzeugung von Lebensmitteln mitarbeiten. Darüber hinaus danken wir allen, die sich dafür einsetzen, dass möglichst viele Menschen gut leben können.
Unser Dank ist zugleich auch eine Bitte: Eine Bitte an den Schöpfer, dass er auch in Zukunft wachsen lässt, was wir zum Leben brauchen.
Mit unserem Dank bitten wir auch alle, die an der Herstellung und Verteilung von Lebensmitteln mitwirken, dass sie sich ihrer Verantwortung für die Gesundheit und das Wohl aller Menschen bewusst sind.
Mit unserem Dank verbinden wir aber auch Bitten an jeden einzelnen Nutznießer des Überflusses an Gütern: Vergessen wir jene nicht, die vom Reichtum unserer Zivilisation ausgeschlossen sind, auch wenn wir für ihre Nöte keine schnellen Lösungen bereit haben.
Auch wir tragen Mitverantwortung für unsere Umwelt und für die Zukunft unseres Planeten, auch wenn uns unsere Mitverantwortung zeitweise überfordert und wir uns nicht gerne daran erinnern lassen. Erntedank ist auch die gegenseitige Bitte an uns alle, dass wir unsere Augen nicht vor den Problemen verschließen und uns+ am gesellschaftlichen Dialog, der diesbezüglich notwendig ist, teilnehmen.
Neben der Aufforderung zu Danken und den damit verbundenen Bitten beinhaltet das Erntedankfest noch eine dritte Aufforderung an uns alle: Es gilt das Vertrauen zu stärken, das Vertrauen in Gott wie auch das Vertrauen in unsere Mitmenschen. Dies scheint mir in einer Zeit, da nicht wenige Kräfte Interesse daran haben, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu destabilisieren, erneut wichtig. Wechselseitiges Vertrauen ist ein hohes Gut, das nicht von selbst entsteht sondern wie unsere Erntefrüchte dem Wachstum unterworfen ist. Es fällt nicht vom Himmel. Und es kann auch zugrunde gehen, "verfaulen" oder zerstört werden.
Die biblischen Texte (z.B. Dtn 6,4-12 oder Ez 36,1-12) werden nicht müde in Erinnerung zu rufen, wie Gott uns bisher getragen und ernährt hat. Sie möchten in den Lesern und Hörern das Vertrauen stärken, dass Gott auch in Zukunft für uns sorgen wird, auch wenn wir selbst unseren Teil dazu beitragen müssen.
Das Zusammenwirken der Menschen ist keine Selbstverständlichkeit. Es treten immer wieder Kräfte auf, die Zwietracht, Neid und Hass säen, die Menschen entzweien und daran hindern, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen. Ich halte es für wichtig und notwendig, dass sich alle Menschen über die Grenzen von religiösen, ideologischen und nationalen Interessen hinweg vernetzen und jenen entschlossen entgegentreten, die einer friedlichen und gerechten Zukunft für alle Menschen entgegenarbeiten.
Vertrauen kann wachsen, wenn wir uns immer wieder all das Positive vor Augen halten, das durch Zusammenhalt und dauerhaften Frieden möglich geworden ist. Reiche Ernten auch in Zukunft sind am meisten bedroht durch persönliche und nationale Egoismen, die zu Krieg und Terror führen. Hier entgegenzuwirken ist auch unsere Herausforderung.
Unser Gehörsinn ist oft einseitig getrimmt auf Geräusche, die für unseren Alltag Bedeutung haben. Das Erntedankfest und dessen diesjähriges Motte lädt uns ein, unser Ohr für die Geräusche der Schöpfung zu schärfen.
Es ist uns ein Bedürfnis, Gott für alles zu danken, was er uns zum Leben gibt. Eine Form des Dankens ist das Teilen. Es macht uns reicher, schenkt Freude.
Das Motto des Erntedanksonntags wurde übernommen von der OeKU, der ökumenischen Arbeitsstelle Kirchen und Umwelt in der Schweiz. Bei dieser Stelle können unter www.oeku.ch auch weitere Materialien zum Thema und für die Schöpfungszeit vom 1.9. bis zum 4.10. bezogen werden. Die OeKU schreibt zum diesjährigen Motto: Die Alpen gehören mit etwa 30 000 Tier- und 13 000 Pflanzenarten zu den artenreichsten Gebieten Europas. Die Leitidee für die landwirtschaftliche, touristische, energetische und verkehrsmäßige Nutzung der Bergwelt muss die Nachhaltigkeit sein. Das bedeutet, dass der Lebensraum Berge den künftigen Generationen möglichst intakt erhalten werden soll. So bleiben die Berge auch in Zukunft Ort für die spirituelle Erfahrung. Dafür dürfen auch Pfarreien und Kirchgemeinden eintreten.
Vielleicht waren manche von Ihnen schon einmal in den italienischen oder französischen Alpen zum Wandern. Wenn ja, dann ist Ihnen sicher der große Unterschied zu den schweizerischen, österreichischen und deutschen Alpen aufgefallen: In Italien und Frankreich sind die meisten Almen verwaist, die Almhütten eingefallen, die Weiden verbuscht und bewaldet. Die typischen Almlandschaften, die jahrhundertelang fast flächendeckend verbreitet waren, gibt es dort nicht mehr.
Womöglich werden manche spontan sagen: Da holt sich die Natur zurück, was der Mensch ihr mit der Rodung der Bergwälder einst genommen hat. Da wächst wieder eine „natürliche", nicht vom Menschen gestaltete Vegetation heran. Doch ist der Verlust der Almen so leicht abzuhaken? Kann man den Traditionsbruch, den das Verlassen der Almen darstellt, so einfach beiseiteschieben?
Historisch betrachtet ist die heutige Almlandschaft der Alpen im Wesentlichen im Hochmittelalter entstanden. Zwar gab es zum Beispiel auf dem Dachstein-Hochplateau schon von 1700 bis 900 vor Chr. eine bronzezeitliche Almwirtschaft mit 28 Almen, um die Arbeiter des Salzbergbaus in Hallstatt mit ausreichender Nahrung zu versorgen. Ohne die Almwirtschaft wäre der Bergbau dort gar nicht möglich gewesen. Daher fand an allen Bergbaustandorten in den Alpen bereits in dieser frühen Phase Almwirtschaft statt. Doch eine systematische und flächendeckende Erschließung der höheren Lagen zur Sommerbewirtschaftung war erst nötig, als die alpine Bevölkerung ihren Höchststand erreichte - und das war im 12. und 13. Jahrhundert. Seitdem sehen die Alpen unterhalb der Baumgrenze so aus, wie wir sie kennen.
Welche Bedeutung haben die Almen aber in einer modernen Industriegesellschaft? Warum kann man sie nicht einfach aufgeben? Warum setzen die nationalen Regierungen und die Europäische Union Fördermittel für die Almbewirtschaftung ein?
Natürlich ist das wundervolle Landschaftsbild am auffälligsten, das durch die Almen erzeugt wird: Statt eintöniger Berghänge, die flächendeckend bewaldet sind, ist der Wechsel von Wald und Almweide eine Wohltat für die Augen. Hinzu kommen die bunten Blumen auf den Almwiesen, die uns erfreuen. Das ist der schönste, aber zugleich der nebensächlichste Aspekt der Almen.
Ökologisch betrachtet von höchster Bedeutung ist die Funktion der Almen für die Artenvielfalt: Die Alpen gehören mit etwa 30 000 Tier- und 13 000 Pflanzenarten zu den artenreichsten Gebieten Europas. Eine große Zahl von ihnen kann in dieser Höhe nur dann leben, wenn sie nicht vom Wald verdrängt wird. Die Artenvielfalt der Berge ist menschengemacht.
Ursprünglich war die wichtigste Funktion der Almen die Lebensmittelgewinnung: Weil die Felder und Wiesen im Tal als Lebensgrundlage für die Bevölkerung nicht ausreichten, musste man auch die höheren Lagen erschließen und landwirtschaftlich nutzen. Heute haben wir eine so mühsame Erarbeitung von Lebensmitteln nicht mehr nötig, weswegen die Almwirtschaft ohne Fördermittel nicht mehr lebensfähig ist.
Dennoch verdanken wir der Almwirtschaft sehr viel, unter anderem unsere vielfältige und hochentwickelte Käsekultur: Seit einiger Zeit vergibt die Europäische Union für bestimmte Lebensmittel die sogenannte „geschützte Ursprungsbezeichnung". Diese besagt, dass Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung eines Produkts in einem bestimmten geographischen Gebiet nach einem dort traditionell anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgen. In Österreich sind sechs von acht Lebensmitteln mit geschützter Ursprungsbezeichnung Bergkäsesorten, in Deutschland fünf von zwölf. Mit den Almen ginge ein zentrales Stück unserer Ernährungskultur verloren.
Liebe Schwestern und Brüder, Israel kennt keine Almen, die nur im Sommer bewirtschaftet würden. Das Klima ist so warm, dass man selbst auf den höchsten Bergen ganzjährig Landwirtschaft treiben kann. Deshalb ist Israel ein Volk der Berge. In den fruchtbaren Ebenen am Meer und am Jordan wohnen die Philister und die Kanaanäer. Die haben modernste Waffen, so dass die Israeliten sie nicht besiegen können. Also ziehen sie sich in die Berge zurück, wo sie nur schwer angegriffen werden können und weitgehend in Ruhe gelassen werden (Jdt 7,10). Ihre Gegner trösten sich damit, dass Israel nur in den Bergen stark ist, denn sie sagen: „Ihr Gott ist ein Gott der Berge" (1 Kön 20,23. 28).
Für Israel sind die Berge Lebensraum und Nahrungsquelle zugleich:
- ein Lebensraum der Tiere, denn „die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht." (Ps 104,18).
- ein lebensnotwendiges Wasserreservoir, denn „du tränkst die Berge aus deinen Kammern, aus deinen Wolken wird die Erde satt." (Ps 104,13).
- die Kornkammer des Landes, denn „im Land gebe es Korn in Fülle. Es rausche auf dem Gipfel der Berge." (Ps 72,16).
Besonders aber ist die Fruchtbarkeit der Berge ein Sinnbild für das Leben des Volkes Israel, wie uns die Lesung aus dem Buch Ezechiel eindrücklich verdeutlicht (Ez 36): „Ihr aber, ihr Berge Israels, sollt wieder grün werden und Früchte hervorbringen für mein Volk Israel; denn es wird bald zurückkommen. Seht, ich wende mich euch wieder zu und dann ackert und sät man wieder auf euch und ich lasse viele Menschen dort leben, das ganze Haus Israel... Ich lasse viele Menschen und Tiere auf euch leben und sie werden sich vermehren und fruchtbar sein."
Mit der Deportation der Jerusalemer Oberschicht ins babylonische Exil waren die Berge verödet und wurden kaum noch landwirtschaftlich genutzt. Vier Jahrzehnte später prophezeit Ezechiel, dass dieser Zustand bald ein Ende hat. Das Bergvolk Israel darf in seine Berge zurückkehren. Aber Ezechiel richtet seine Botschaft nicht an die Menschen, sondern an die Berge: Ihnen verkündet er Heil und erneutes Wohlergehen. An sie denkt Gott ganz unmittelbar, als er sein Volk befreit.
Vor diesem Hintergrund wird es verständlich, warum Matthäus so viel Wert darauf legt, dass Jesus seine Predigt über die Fülle der Nahrung für Pflanzen und Tiere auf einem Berg verkündet. Wo sonst könnten die Israeliten so augenscheinlich an die Großzügigkeit des Vaters im Himmel erinnert werden wie dort, wo alles voll ist von Lebensmitteln? Wo sonst könnten sie die Sorglosigkeit und das Gottvertrauen besser lernen als dort, wo Gott ihnen Nahrung wachsen lässt?
Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Erntedanksonntag danken wir für alle Lebensmittel, die der Schöpfer in diesem Jahr hat wachsen lassen. Dazu gehören auch die würzige Bergbauernbutter, die geschmacksintensive Almenmilch und die vielen Käsesorten, die im Alpenraum produziert werden. Es ist großartig, dass es diese Lebensmittel gibt und dass sie anders schmecken als die Produkte aus dem Tal.
Aber danken heißt auch denken. Ohne unsere Unterstützung kann die Almwirtschaft nicht überleben. Wenn wir die Almen wertschätzen, sollten die Bergbauern und -bäuerinnen sie umweltbewusst pflegen, die SteuerzahlerInnen sie mit öffentlichen Mitteln unterstützen und die KonsumentInnen in ihrer Freizeit auf den Almen und im Alltag zuhause das essen und trinken, was dort produziert wird - zu fairen Preisen. Außerdem müssen wir auf der Hut sein, dass nicht immer mehr und größere Skipisten die lebendige Vielfalt der Almen verdrängen. Und schließlich sollte die Kirche in alpinen Gemeinden den Almauf- und abtrieb auch im 21. Jahrhundert selbstbewusst feiern: Als Bitte um und Dank für den gesunden, unfallfreien Aufenthalt von Mensch und Tier in großer Höhe.
In Italien und Frankreich sind die meisten Almen verwaist, die Hütten eingefallen, die Wiesen verbuscht und bewaldet. Die biblischen Texte erinnern uns daran, dass da ein wertvoller Lebensraum verlorengeht. Noch ist das bei uns nur vereinzelt der Fall. An uns allen - auch weit weg vom Gebirge - liegt es, den Lebensraum Berge für die Zukunft zu erhalten.
© Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, KTU Linz
In den 1960er-Jahren wurden in den Ferienmonaten hunderte von Kindern aus Berlin zur Erholung in die Steiermark eingeladen. Mehrere Jahre hindurch kam Ricardo auf den Hof meiner Eltern. Bei seinem ersten Aufenthalt war er erst fünf Jahre alt. Das anfängliche Heimweh war bald verflogen, denn bald hatte er gleich mehrere "Geschwister" und auf dem Bauernhof gab es für das Großstadtkind viel zu entdecken.
Meine Eltern hielten damals keine Kühe mehr. Die Milch holten wir bei den Nachbarn. Dort konnte Ricardo auch zusehen, wie die Nachbarin ihre Kühe mit den Händen melkte. Ihm war das nicht geheuer, denn daheim kam die Milch aus dem Kühlschrank. Und wenn keine mehr da war, kaufte man sie im Laden. Anfangs weigerte er sich daher, Milch von der Kuh zu trinken...
Weit entfernt von landwirtschaftlichen Produktionsverhältnissen sind heute nicht nur Großstadtkinder. Die meisten Menschen erleben keinen direkten Kontakt mehr zur Erzeugung von Lebensmitteln. Viele haben auch kaum eine Vorstellung davon, wie viel Arbeit, Mühe, Fachwissen und Sachkenntnis dazu notwendig ist. Die Lebensmittelproduktion ist eine unüberschaubare Technologie geworden. Wer darin mitarbeiten will, braucht eine gediegene und umfassende Ausbildung. Wir aber bezahlen im Supermarkt den uns vorgegebenen Preis und erhalten dafür, was wir haben wollen.
Erst in der Krise beginnen wir darüber nachzudenken, wo alles herkommt und dass nicht alles so selbstverständlich ist, wie es im Alltag erlebt wird. In der Krise müssen wir erst lernen, wie wir mit mageren Jahren zurechtkommen, denn in den fetten leben die meisten Menschen gedankenlos dahin.
Auch in anderen Bereichen haben wir grundlegende Zusammenhänge aus dem Blick verloren. Geld holt man sich vom Bankomaten. Wie es dort hineinkommt, weiß man bestenfalls vom Fernsehen. Dass es nicht immer fließt, sondern dass der Lohn manchmal nur langsam tröpfelt, und vor allem dass er meist hart erarbeitet werden muss, begreifen Kinder und Jugendliche oft erst sehr spät, manches Mal sogar zu spät...
Die Geldwirtschaft ist zu einer undurchschaubaren Technologie geworden. Der Zusammenhang mit der Wertschöpfung ist vielen aus dem Bewusstsein geraten. In der Krise versuchen vife Politiker an den Stellschrauben dieser Maschine ein wenig herumzuschrauben. Dies wird nicht viel bringen, solange wir nicht zugleich ein Gespür für Geldwert, Leistung und Warenwerte zurückgewinnen.
Im Herbst - so ist es vielerorts Brauch - feiern wir Erntedank. Dieses Fest erinnert uns daran, dass nicht alles so selbstverständlich ist, wie wir es im Alltag wahrnehmen. Die Milch kommt eben nicht nur aus dem Kühlregal und das Brot nicht nur vom Bäcker. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir ausreichend zu essen haben, unverdorbenes Wasser, gesunde Lebensmittel. Es ist nicht selbstverständlich, dass der Wirtschaftskreislauf funktioniert, dass aus den Bankomaten Geld kommt, dass Menschen sich anstrengen, forschen und ihr Wissen unmanipuliert weitergeben.
Wir haben Grund, allen dankbar zu sein, die ihre Kräfte und Begabungen in diesen großen Kreislauf einbringen. Und wir ahnen, dass hinter all dem ein geheimnisvoller Geber steht, dem es vor allen anderen zu danken gilt.
Menschen, die näher an der Natur leben oder gar von ihr abhängig sind, werden sich leichter tun, in diesen Dank einzustimmen. Denn sie wissen, dass alles miteinander verknüpft und verflochten ist und dass es letztlich einem Wunder gleichkommt, dass die Natur so Vielfältiges so reichlich hervorbringt.
Erntedank ist darüber hinaus Anlass, an all jene zu denken, die aus irgendeinem Grund an diesen Kreisläufen nicht teilhaben können. Etwa weil sie in einem Land oder in einer Gesellschaftsschicht leben, die von unserer modernen Zivilisation abgeschnitten sind, und sie deswegen hungern oder gar verhungern müssen. Die Spielregeln, nach denen Lebensmittel produziert und verteilt werden, sind von Menschen gemacht und sind oft sehr ungerecht. Das darf uns nicht ruhig schlafen lassen.
Erntedank ist auch Anlass, an jene Menschen zu denken, die aus irgendeinem Grund an den Arbeitsprozessen nicht teilnehmen können. Die Gründe dafür sind vielschichtig und nicht einfach zu lösen. Ohne Solidarität werden die Schattenseiten der Erfolgsgeschichte der modernen Weltwirtschaft nicht zu beseitigen sein.
Der schönste Dank ist das dankbare Genießen all dessen, was der Schöpfer uns geschenkt hat, und das Miteinander-Teilen. Beides kommt im Brotbrechen zum Ausdruck. Es ist kein Zufall, dass dieses Brotbrechen ein zentraler Ritus unseres Glaubens geworden ist und dass unsere Dankbarkeit dem Schöpfer und den Mitmenschen gegenüber in der Eucharistiefeier den innigsten Ausdruck findet.
Viele gläubige Menschen - nicht nur Christen - bringen ihre Haltung der Dankbarkeit auch im Tischgebet zum Ausdruck. Dieses macht uns die größeren Zusammenhänge, die in der Hektik des Alltag leicht untergehen, immer neu bewusst. Wir tun gut daran, diesen Brauch nicht verkümmern zu lassen.
Lieder
GL 81: Lobet den Herren alle, die ihn ehren
GL 86: Aus meines Herzens Grunde
GL 184: Herr, wir bringen in Brot und Wein
GL 187: Wir weihn der Erde Gaben
GL 382/Ö866: Ein Danklied sei dem Herrn
GL 385: Nun saget Dank und lobt den Herren (1. und 2. Str.)
GL 386: Laudate omnes gentes
GL 390: Magnificat
GL 392: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren
GL 402: Danket Gott, denn er ist gut
GL 403: Nun danket all und bringet Ehr
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 406: Danket, danket dem Herrn (Kanon)
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 411: Erde singe, dass es klinge
GL 412: Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich (Kanon)
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 433,2 Schweige und höre
GL 462: Tanzen, ja tanzen wollen wir
GL 463: Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht
GL 466: Herr, dich loben die Geschöpfe
GL 467: Erfreue dich, Himmel, erfreue dich, Erde
GL 468 Gott gab uns Atem
GL 469: Der Erde Schöpfer und ihr Herr
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben
Psalmen und Kehrverse
GL 19,2/559: Sonnengesang des Franz von Assisi
GL 37: Der Herr ist mein Hirt - Mit Psalm 23 - VI.
GL 45: Der Herr krönt das Jahr mit seinem Segen - Mit Psalm 65 - VI.
GL 51: Wie groß sind deine Werke, o Herr, wie tief deine Gedanken - Mit Psalm 92 - I.
GL 58: Lobe den Herrn meine Seele. - Mit Psalm 104 - VIII.
GL Ö877: Wie schön ist es, dem Herrn zu danken - Mit Psalm 65 (GL 45,2) - VI.
Gott, unser Vater,
du sorgst für deine Geschöpfe.
Du hast dem Menschen die Erde anvertraut.
Wir danken dir für die Ernte dieses Jahres.
Nähre damit unser irdisches Leben
und gib uns immer das tägliche Brot,
damit wir dich für deine Güte preisen.
und mit deinen Gaben den Notleidenden helfen können.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: Zum Erntedank
Herr, unser Gott,
segne die Früchte der Erde,
die wir in Dankbarkeit darbringen.
Heilige Brot und Wein für das Opfer
und lass uns durch den Empfang deines Sakramentes
Frucht bringen,
die bleibt für das unvergängliche Leben.
Darum bitten wird durch Christus, unseren Herrn.
MB Zum Erntedank
Jetzt, Gott, willst du uns begegnen.
Jetzt willst du unser Herz berühren.
Jetzt willst du uns verwandeln wie Brot und Wein.
Rühre uns an,
rüttle uns auf,
verwandle uns,
damit wir deinem Ruf zur ökologischen Umkehr folgen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
(für Wortgottesfeiern)
Kehrvers:
Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue.
(GL 401)
Gepriesen bist du, Herr, unser Gott.
Alles, was du geschaffen hast, ist gut.
Kehrvers
Die Welt kündet deine Weisheit und Größe.
Der Mensch kann dich erkennen und dir dienen.
Kehrvers
Du lässt uns in der Sorge um die Welt nicht allein.
In Jesus Christus ist uns deine Liebe erschienen.
Kehrvers
Auf ihn hin ist alles geschaffen;
er schenkt uns die Fülle des Lebens.
Kehrvers
Er heilt die Wunden der Schöpfung
und gibt uns unzerstörbare Hoffnung.
Kehrvers
Er ist der Anfang einer neuen Schöpfung;
durch ihn willst du die Welt vollenden.
Kehrvers
Gepriesen bist du, Herr unser Gott,
durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn.
Im Heiligen Geist versammelt, stimmen wir ein
in den Lobgesang der himmlischen Chöre:
Danklied, z.B.: Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus... (GL 381)
(Nach: Wort-Gottes-Feier; Werkbuch für die Sonn- und Festtage; Hrsg. Liturg. Institute Deutschlands und Österreichs, Trier 2004, S. 180f)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn du hast die Welt mit all ihren Kräften ins Dasein gerufen
und sie dem Wechsel der Zeit unterworfen.
Den Menschen aber hast du
auf dein Bild hin geschaffen und
ihm das Werk deiner Allmacht übergeben.
Du hast ihn bestimmt,
über die Erde zu herrschen,
dir, seinem Herrn und Schöpfer, zu dienen
und das Lob deiner großen Taten zu verkünden
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 5
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Denn wunderbar sind deine Werke.
Die ganze Welt hast du erschaffen:
Die Sonne gibt uns Licht und Wärme.
Sie lässt das Korn und die Früchte reifen.
Blumen und Tiere, Wälder und Wiesen - alles ist für uns da.
Du gibst uns Menschen Verstand und Phantasie.
Wir bauen Häuser und Straßen.
Wir können Vieles erfinden, was uns das Leben leichter macht.
Darüber freuen wir uns, dafür danken wir dir, Vater.
Zusammen mit allen, die an dich glauben,
zusammen mit den Heiligen und den Engeln preisen wir dich und rufen:
Heilig…
Herr, von den Früchten deiner Schöpfung werden alle satt.
Du schenkst dem Menschen Brot von der Erde
und Wein, der sein Herz erfreut.
(vgl. Ps. 104,13-15)
Oder:
Aller Augen warten auf dich
und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf
und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.
(Ps 145,15f)
Herr,
in dieser heiligen Feier
haben wir dir für die Ernte des Jahres gedankt.
Schenke uns als Frucht dieses Opfers die ewigen Güter,
welche die Erde nicht geben kann.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Zum Erntedank
Mein Gott,
wie schön ist deine Welt,
wie großartig ist deine Schöpfung,
wie wunderbar sind alle deine Werke.
Mein Gott,
wie überraschend bunt sind all die vielen Seiten
im großen Bilderbuch deiner Schöpfung.
Mein Gott,
wie geheimnisvoll ist das Wechselspiel
der von dir immer neu geschenkten Zeit
von Morgen und Abend, von Tag und Nacht.
Mein Gott,
wie zahlreich sind deine Fingerabdrücke
in den unterschiedlichsten Kunstwerken,
die du in der Natur geschaffen hast.
Mein Gott,
wie gewaltig und sanft sind die Kräfte
in den Schauspielen der Elemente von
Feuer und Wasser, Luft und Erde.
Mein Gott,
wie vielfältig und geistreich hast du
Farben und Formen
verteilt in Bäumen und Blumen,
Pflanzen und Tieren.
Mein Gott,
wie einzigartig und schön
hast du Gesicht und Wesen eines
jeden Menschen auf dieser Erde ersonnen.
Mein Gott,
ich stimme ein in die Sonnengesänge
und Loblieder aller deiner
Kreaturen in deiner schönen Welt.
Paul Weismantel in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. HOHE Verlag, Erfstadt. 2007.
1. Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt
und hofft auf ihn!
2. Er sendet Tau und Regen
und Sonn- und Mondenschein,
er wickelt seinen Segen
gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behende
in unser Feld und Brot:
es geht durch unsre Hände,
kommt aber her von Gott.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!
3. Was nah ist und was ferne,
von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne,
der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter
und Korn und Obst von ihm,
das schöne Frühlingswetter
und Schnee und Ungestüm.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!
4. Er läßt die Sonn aufgehen,
er stellt des Mondes Lauf;
er läßt die Winde wehen
und tut den Himmel auf.
Er schenkt uns so viel Freude,
er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide
und unsern Kindern Brot.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!
Matthias Claudius, 1782

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