Jesu Gleichnis von den Taglöhnern im Weinberg endet mit dem Satz: Die Letzten werden die Ersten sein. Dieses Gleichnis stellt unsere Vorstellungen von Gerechtigkeit auf den Kopf und in Frage. Es ist ein "ökonomisches Manifest"
Heute wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. An Laternenpfählen, Bäumen und auf Plakaten werden die tollkühnsten, langweiligsten und nichtssagendsten Parolen ausgehängt, mal mit, mal ohne den dazu gehörenden Gesichtern. Ich mag das nicht alles aufzählen. Fürchte auch, nicht gerecht zu sein.
Aber stellt euch vor: Ein Slogan, ein wenig versteckt, taucht auf: „Die Letzten werden die Ersten sein“. Und darunter: Jesus-Partei. Gewöhnungsbedürftig? Fremdartig? Unmöglich? Aber beim Wort genommen, ist das schon eine umwerfende Aussage. Meinetwegen aber auch die alte. Wir sehen, dass Gott eine eigene Sicht auf seine Schöpfung hat. Wir können dazu Bilder, Geschichten, Parolen finden – ein (Ideen)Wettbewerb, sozusagen. Wir nehmen alles noch einmal in die Hand, was wir kennen, verdrängen oder glorifizieren, wir wägen ab, was sich bei uns einnistet oder einschmeichelt, wir zeichnen neu aus, was wir abschreiben oder längst verloren gegeben haben. Seien es Erfahrungen, seien es Menschen.
Jesus-Partei – das gefällt mir. Der Name drückt aus, dass Jesus Partei ergreift. Im besten Sinn des Wortes - parteiisch. Und dass wir Partei ergreifen. Auch im besten Sinn - parteiisch. Parteigänger, eben. Jesus hat sich entschieden. Für uns. Für die Menschen. Für die Welt. Es gilt, sich zu ihm zu bekennen!
Nehmen wir das Evangelium! So provokant und herausfordernd ist uns schon lange kein Evangelium über den Weg gelaufen! Stellt euch vor: die, die zuletzt in den Weinberg gehen, bekommen denselben Lohn wie die, die vom frühen Morgen an sogar in der Mittagshitze geschuftet haben. Körperlich. Einen ganzen Tag. Dass im Laufe des Tages immer wieder neue Tagelöhner dazu kommen, erhöht die Spannung nur. Am Ende schreit – in den Augen der Leute – die Ungerechtigkeit. Selbst den „Letzten“ wird mulmig zu Mute gewesen sein. Ich sehe das schlechte Gewissen schon auf ihren Gesichtern. Doch in der Geschichte Jesu kommen, merkwürdig genug, nur die – Ersten vor. Von ihnen heißt es: „Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.“ Originalton. Hier die Ersten – dort die Letzten. Wie hört sich Murren eigentlich an?
Keine gute Geschichte für Gewerkschafter, Arbeitsmarktforscher und Wirtschaftspolitiker. Von uns käme keiner auf die Idee, eine solche Geschichte zu erzählen – oder wenn, dann als Karikatur, als Persiflage, als Kabarett. Auch nach der kath. Soziallehre, nach den ökumenischen Stellungnahmen zu einer gerechten Wirtschaft, nach Predigten von Papst Franziskus ist gerechte Entlohnung ein so großes Thema, dass die vielen Ungerechtigkeiten, die es nach wie vor weltweit gibt, immer wieder neu ausgeleuchtet werden. Ist Jesus noch bei Verstand? Oder verstehen wir ihn nur nicht? Dass die Letzten die Ersten sein werden, wollen wir nicht glauben. Können wir nicht glauben. Vielleicht auch, weil wir – gefühlt, berechnend oder mit Statussymbolen unterstrichen – natürlich die Ersten sind? Und zu bleiben gedenken? Nicht unwichtig: Jesus erzählt eine Geschichte von Ersten. Für Erste.
Selbst wenn ich mich nicht dazu rechne - ratlos bin ich trotzdem. Was mache ich jetzt?
Schauen wir auf den Anfang, wird uns eine Geschichte angekündigt, die auf einem Markt spielen wird. Einen Arbeitsmarkt. Tatsächlich. Damals tummelten sich da die Menschen, genauer, die Männer, die für den Tag Arbeit und Brot für ihre Familien suchten. Feste Anstellungen mit Tarifvertrag, betrieblicher Altersversorgung und Rechtsschutz waren noch nicht erfunden, auch noch nicht erkämpft. Selbst die Generation Praktikum war noch nicht gesichtet. Das Modell hier heißt: Tagelöhner. Die einen werden genommen, die anderen nicht. Die einen hatten einen ganzen Tag zu tun, die anderen kamen nur auf ein, zwei Stunden. Zu Hause warten Frauen und Kinder. Man lebte von einem Tag zum anderen. Perspektive für die Zukunft? Ungewiss. Am besten, du denkst nicht groß nach. Das Spiel wird jeden Tag gespielt. Jeden Tag Hoffnung, jeden Tag Enttäuschung. Heute Lohn, morgen nichts. Ich sehe sie auf dem Markt, die Tagelöhner. Wer warten muss, wer nicht gleich dran kommt, lungert notfalls den ganzen Tag herum, muss aber präsent sein. Dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Und warten. Wer geht, hat keine Chance. Verfluchtes Leben.
Ich muss jetzt nicht erzählen, dass es bis heute Tagelöhner gibt, die eine Wegwerfgesellschaft im Kleinen sind. Die auf Baustellen und in Erntezeiten missbraucht werden. Die für einen Apfel und Ei arbeiten. Die nicht wohnen, die nur hausen. Möglichst versteckt. Den Reibach machen andere. Die fahren mit Stern vor den Augen. Vielleicht schaffen sie es sogar, als Unternehmer einen Preis zu bekommen. Schlimmstenfalls haben sie mit einem Verfahren zu rechnen. Gute Anwälte sind dann ihr Geld wert. Es ist klar, wer Erste sind und wer Letzte. Entschuldigung. Das Letzte.
Und Jesus erzählt eine Geschichte davon. Mit Protagonisten, die wir eigentlich kennen. Ein Markt ist immer ergiebig für Geschichten. Die Menschen erzählen viel. Sie klagen. Sie spielen. Sie schlagen die Zeit tot. Sie sind müde. Selbst, wenn sie den ganzen Tag nichts machen konnten. Eine bleierne Stimmung liegt über dem Markt. Wer ist hier Gewinner? Wer Verlierer?- In der Geschichte Jesu werden die Letzten Gewinner – und die Ersten!! Wirklich, beide! Die Letzten, weil sie für diesen Tag ein volles, gelungenes Leben haben. Die Ersten, weil auch sie ein volles, gelungenes Leben haben. Weil sie alle satt werden. Auch die, die nicht jeden Tag satt werden. An einem Tag – mehr muss es jetzt nicht sein – haben alle, was ihnen ein Tag gewähren kann. Der Tag wird zu einer Chiffre des gelungenen und satten Lebens. Haben die Ersten, die murren, nicht die Hoffnung, dass ihnen morgen auch der volle Lohn gezahlt wird, wenn sie die Letzten wären? Warum murren sie heute? Am Abend eines Tages? Ein Tag lässt sich nicht abrechnen, die Woche nicht, das Leben nicht. Jesus lehrt uns beten: Unser tägliches Brot gib uns heute. Was in der Geschichte so ärgerlich und unbequem ist, wird zu einer Begegnung in einer neuen Welt. Bei Lichte betrachtet: Klüger kann eine Geschichte nicht sein, die Tagelöhnern ein erfülltes Leben verspricht. Und weitsichtiger kann eine Geschichte nicht sein, die von einem Tag erzählt, der für alle Tage steht. Darum erzählt Jesus ein Gleichnis. Ein Gleichnis vom Himmelreich. Mit dem Reich Gottes ist es so … Mit dem Reich Gottes verhält es sich so … Mit dem Reich Gottes wirst du …
Je länger ich mich in dieser Geschichte tummle, umso schöner wird sie mir. Natürlich erzählt sie von der Güte und Weitsicht Gottes. Ich kann sie auch erbaulich und fromm nacherzählen. In höchsten Tönen. Aber sie erzählt dann doch auch davon, dass nach Gottes Willen jeder Mensch jeden Tag gut leben kann. Was mehr ist, als nur über die Runden zu kommen. Der Tag steht für erfülltes Leben. Für Glück.
Über die Schere von arm und reich zu reden, heben uns für ein andermal auf, aber dass Menschen, bewusst in Kauf genommen, abgehängt werden und abgehängt bleiben, Füllmasse und Abfallprodukte in einer durchaus reichen Welt, wird uns in diesem Evangelium offengelegt. Vor die Füße gelegt. Offenbart.
Wir sehen Menschen, die in der Verkleinerungs- oder Verniedlichungsform „Flüchtlinge“ genannt werden und auf unseren Arbeitsmärkten oft auch keinen besseren Status haben als die Tagelöhner einst. Sie möchten sich einbringen (sprich: integrieren), dürfen aber nicht. Paragraph sowieso.
Wir sehen Menschen, die auf den Arbeitsmärkten nicht mehr vermittelbar sind, weil sie psychisch labil oder nicht belastbar sind - und auch nicht mehr an sich glauben.
Wir sehen auch Menschen, die nie gelernt haben, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen, die Zeit und Leben verplempern.
Viele Geschichten, die im Evangelium einen Platz finden.
Die Güte und Weitsicht Gotteswird uns anvertraut und zum Maß gemacht. Genau genommen ist die Geschichte, die Jesus erzählt, ein ökonomisches Manifest. Es geht um Lebensbedingungen – und um Gerechtigkeit. Um Gerechtigkeit auch für die, die keine Chance haben, Erste zu werden. Oder Erste zu bleiben. Es gibt die Letzten. Es gibt auch die letzten Plätze. Die letzten Gelegenheiten. Was gerecht ist? Gerechter Lohn? Mir geht heute auf: was ich als gerecht ansehe, kann in hohem Maße ungerecht sein. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte. Jeder Mensch braucht auch seine Gerechtigkeit. Seinen Fürsprecher. Seinen Tag! Am Abend soll nicht der Hunger stehen. Oder das misslungene Leben. Oder die Bitterkeit, wieder versagt zu haben. Dass Jesus den Tagelöhnern ein Denkmal setzt, ist auch im Evangelium einmalig – liegt aber ganz auf seiner Linie. In seiner Bergpredigt sagt Jesus: „Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat“ (Mt. 6,34).
Lassen wir die letzten Sätze der beiden Lesungen und des Evangeliums noch einmal Revue passieren: Der Prophet Jesaja: „So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.“ Paulus in seinem Brief nach Philippi: „Vor allem: lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht.“
Und dann Jesus: „So werden die Letzten die Ersten sein.“
Letzte Sätze klingen nach Vermächtnis. Wie letzter Wille. Oder einfach: so ist es. Das ergibt an diesem Sonntag ein illustres Bild. Ganz nach Gottes Art. Wie er sich die Welt vorstellt, die er geschaffen hat und immer neu schafft. Ein Slogan, ein wenig versteckt, taucht auf: „Die Letzten werden die Ersten sein“. Und darunter: Jesus-Partei. Zu ihr gehöre ich doch, sage ich mir. Und es ist ein toller Gedanke. Es muss doch nicht alles so bleiben, wie es ist – oder?
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Hinter Frage nach dem gerechten Lohn verbirgt sich häufig das Phänomen Neid. Der Neid richtet auf jene, die gleich viel bekommen. Jesus argumentiert mit der Logik des Himmelreiches. Mit dieser Logik können auch wir ein wenig Himmel auf Erden verwirklichen.
Immer wieder mal stößt man auf Stellen in der Bibel, die es einem/einer schwer machen, das so einfach zu schlucken. Gut so, möchte man sagen - eine Chance sich daran zu reiben, sich daran abzuarbeiten, in der Hoffnung auf ein Stück Erkenntnisgewinn; so auch an diesem Sonntag mit diesem Evangelium.
Hand aufs Herz: Wen von uns irritiert das denn nicht: Da arbeitet einer den ganzen Tag in der Hitze im Weinberg und am Ende des Tages bekommt er gleich viel raus wie der andere, der eine Stunde am späten Nachmittag engagiert war. Das stößt doch auf - wird da doch gefühlt extrem ungerecht vorgegangen. Das wurmt einen doch, wenn man diese Geschichte hört...
Also eine harte Nuss für uns. Nebenbei: Wenn wir so fühlen und denken, identifizieren wir uns unwillkürlich mit denen, die bereits am frühen Morgen ans Werk gegangen sind. Wir stehen auf Seite derer, die viel gearbeitet haben. Würden wir uns in die Fußstapfen derer stellen, die erst am Nachmittag gearbeitet haben, wäre es für uns vielleicht weniger schwierig. Wir wären dann eventuell überrascht, würden uns freuen über dieses unvermutete Ende. Der Besitzer hat uns das gegeben, was in seinen Augen recht ist.
Was ist recht für die Arbeit? Nun, ein Denar - diese römische Münze - das hat damals gereicht, um einer Kleinfamilie die Existenz für einen Tag zu sichern. Mit einem Denar hat es gerade gereicht, um Frau und Kinder für einen Tag zu versorgen. Morgen aber, da muss man aufs Neue sein Glück versuchen, an der Straße stehen und warten, dass hoffentlich einer kommt der Arbeit gibt. In unzähligen Ländern der Welt ist das heute noch so: keine geregelte Festanstellung, kein sicheres Einkommen, sondern Tag für Tag aufs Neue warten und hoffen, dass es am Ende des Tages reicht.
Nun, man könnte meinen, der Gutsbesitzer denkt da sehr sozial - er schaut auf die Bedürftigkeit der eingestellten Leute. Und wie auch im Text erwähnt: „Niemand hat uns angeworben“, sagen die, die um die 11. Stunde engagiert werden. Es lag nicht an ihnen, dass sie nicht früher angeworben wurden - sie haben sich auf dem Arbeits-Markt angeboten.
Was es schwer macht für die zuerst Eingestellten, das ist der Neid. Sie neiden den später Gekommenen das Existenzminimum für den Tag. Wohlgemerkt: Würde der Gutsbesitzer denen z.B. nur einen Vierteldenar geben, dann hätten sie wohl kein Problem. Ihr Denar als Lohn bliebe ja gleich - so wurde es vereinbart mit dem Gutsbesitzer. Aber dass die anderen auch so viel kriegen - das wurmt, das verleidet einem das Eigene. Der Neid, er wirkt...
Der Sozialexperte Martin Schenk weist darauf hin, was der Neid tut: er spaltet - er macht aus einem Wir ein Ich gegen Dich. In Österreich ist aus den letzten Monaten wohl die Debatte erinnerlich, dass man anerkannten Flüchtlingen die Sozialleistungen kürzen muss. Ihnen stünde nicht so viel zu, wie den Einheimischen. Und in einigen Bundesländern wurde das ja auch schon umgesetzt. Es stand nicht die Frage im Vordergrund: was braucht wer zum Überleben, was braucht wer in seiner Bedürftigkeit?
Nein, der Neid stand im Vordergrund. Und damit hat die Politik gespaltet. Es wurde nicht diskutiert: wie geht es den BezieherInnen von Mindestsicherung allgemein - was wäre hier zu verbessern? Nein, es wurde gesagt: Wieviel könnten wir „denen“ kürzen? Und klammheimlich hat man zugleich auch gekürzt bei kinderreichen Familien, bei Alleinerziehenden, bei pflegenden Angehörigen. Und zwar ungeachtet der Herkunft! Neid spaltet, Neid ist ein Freund der Mächtigen, die ihre eigene Agenda verwirklichen wollen.
Neid ist ein Gefühl, das sich auf die Menschen in meiner Nähe, in meinem Umfeld bezieht. Auch damals gab es Einkommen von mehreren Hundert Denaren im Jahr bei hochrangigen Funktionären des Systems. Aber den Neid, den haben die Arbeiter auf die Ihresgleichen. So auch heute: Der Neid trifft z.B. die Geflüchteten, denen man ihre kärgliche Versorgung neidet. Nicht aber neidet man dem Multimillionär mit seinem in Steueroasen geparkten Vermögen - das ist bestenfalls ein flüchtiges Gefühl. Aber der Geflüchtete neben mir mit seiner Mindestsicherung - das kann mich zur Weißglut treiben. Siehe dazu auch die diversen Vorwürfe in den Untiefen des Internets. Daraus lässt sich vortrefflich politisches Kleingeld machen.
Und es geht weniger darum, dass ich dann mehr habe - nein, Hauptsache der andere hat weniger - erst dann geht es mir besser. So argumentieren ja auch viele politische VertreterInnen: Mit dem Hinweis auf die Kürzung der Mindestsicherung wird gleichzeitig verkündet, dass nun wieder mehr „Leistungsgerechtigkeit“ herrsche. Eigentlich verrückt: Man hat in einem Bereich gezielt verschlechtert, ansonsten hat sich nichts geändert. Aber „gefühlt“ ist es nun eine Verbesserung, von der aber kein Mensch in Wirklichkeit etwas hat.
So hätten es sich vielleicht auch die Arbeiter im Gleichnis gewünscht: Hauptsache die anderen müssen mit weniger auskommen; dann, ja dann erst kann ich meins genießen. Ansonsten ist es mir vergällt.
Nun, Jesus zielt mit diesem Gleichnis wohl keine sozialpolitische Diskussion an - wiewohl der Gedanke, dass alle zumindest das für den Tag Notwendige bekommen sollten, weiterhin gültig ist (und die ArbeiterInnen im Gleichnis wollen ja auch was tun!). Aber Jesus weiß doch sehr gut, wie wir ticken. Wie wir uns unwillkürlich selber das Leben schwer machen, indem wir auf das schauen, was der/die andere neben uns hat, statt uns zu fragen ob das Eigene für uns nicht reicht. Wir könnten ja auch genießen, was uns gegeben wurde und uns daran freuen, anstatt in die Neidspirale zu kommen.
Mit dem Himmelreich ist DAS endlich vorbei: das Starren auf Mein und Dein, das ständige Beurteilen, Vergleichen und Aburteilen. Das Fixiert sein auf die eigene Leistung. Gott sei Dank zählt im Himmel keine Liste mit den geleisteten Arbeitsstunden - nicht wer hat mehr getan im Weinberg. Nein, himmlisch (und damit ganz anders als unser Maßstab) wirkt die Güte Gottes und sein Geschenk an uns: unsere Bedürftigkeit entscheidet darüber, was wir bekommen. Kein Fleißkärtchen, kein Punktesystem, keine Leistungsträgerlogik zählt. Das ist erleichternd und gibt uns auch frei.
Wenn wir schon in Zeiten des wachsenden Neides leben (und zwar des Neides auf die Kleinen, die Schwachen im System, und nicht auf die großen Mächtigen), dann ist das Evangelium heute ein Gegengift. Dann kann uns das Gleichnis aus dem emotionalen Wirbel befreien, in den sich viele immer mehr reinziehen lassen.
Gegen Neid, so Martin Schenk, hilft das Genießen können. Wenn ich genießen kann, dann werde ich genießbarer und gönne auch den anderen ihren Teil. Gegen die Kränkung, die bei so vielen Leuten mit Neidgefühlen wohl im Hintergrund steht, hilft die Anerkennung: wieder gesehen zu werden, gefragt zu werden. Und gegen die Ohnmacht, die sich bei vielen so artikuliert, dass nach oben gebuckelt und nach unten getreten wird, hilft die Erfahrung, selber wieder etwas bewirken zu können.
Das wäre also unser Auftrag als „Bodenpersonal“, ein Stück „Himmel auf Erden zu verwirklichen“, Gelegenheiten zu eröffnen, in welchen Menschen aussteigen können aus dieser unguten Spirale, bei der letztendlich alle verlieren. Räume schaffen, wo man genießen kann, wo man Ansehen erfährt, wo man lernt, wieder etwas bewirken zu können.
Wir als Christinnen und Christen haben allen Grund dazu, diese „himmlische Logik „sich in uns entfalten zu lassen. Gegen alle verinnerlichte Leistungsträgerlogik die innere Weite zu bekommen, auszusteigen aus diesem Teufelskreislauf. Und heilsam zu wirken: gegen den Neid-Wurm, der in uns und in vielen nagt...
© DSA Mag. Wilfried Scheidl, Leiter RegionalCaritas Linz
In unserem alltäglichen Denken kreist unser Denken um Leitung und Gerechtigkeit. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen... Im Denken Jesu geht es um den Sinn der Arbeit.
In den Gleichnissen arbeitet Jesus bei seinen Reden mit Bildern. Auch die moderne Hirnforschung lehrt uns, dass wir uns neue Inhalte in unserem Gedächtnis besser und leichter merken können, wenn wir sie mit Bildern verknüpfen. Im heutigen Gleichnis sind die Bilder der Weinberg und der Gutsbesitzer. Der „Weinberg des Herrn“ ist ein Symbol für den Herrschaftsbereich Gottes. Dorthin lädt er ein – immer wieder, 5x an diesem Tag.
Dabei ist keine Rede von der zu verrichtenden Arbeit. Auch ein allfälliger Lohn wird nur mit der ersten Gruppe besprochen: 1 Denar am Tag, das ist ca. so viel, dass eine Familie einen Tag davon versorgt ist. So weit ist alles ok. Ärgerlich wird es erst bei der Entlohnung am Ende des Tages. Die Optik von der Bezahlung derer, die am Beginn des Tages angeworben wurden und derer, die später bzw. erst ganz zum Schluss kamen, erscheint uns schräg. Wenn wir es vom Aspekt der Leistung – nach der physikalischen Formel der Arbeit in der Zeiteinheit – betrachten, ist der Gutsbesitzer ungerecht. In Zeiten wie diesen, wo wir für Frauen und Männer um gleichen Lohn für gleiche Arbeit kämpfen, erscheint uns diese Art der Bezahlung als ein No-go.
Aber darum geht es hier nicht. Wenn wir von der Deutung des Weinbergs als Herrschaftsbereich Gottes ausgehen, dann geht es einzig und allein darum, bei Gott zu sein. Und da haben doch die Ersten einen größeren Gewinn als die Letzten, die erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit in das Reich des Vaters gekommen sind.
Diese Gleichnis lenkt unseren Blick von der „Warum-Frage“ in unserem Leben auf die „Wozu-Frage“. Warum trifft uns dieses oder jenes Unheil? Warum geht es dem Nachbarn so viel besser? Warum habe ich den guten Job nicht bekommen? usw. Wenn wir um das Warum bei den Arbeitern im Weinberg fragen, dann fragen wir nach dem Zweck und es steht die ungleiche Bezahlung im Vordergrund. Wenn wir aber das Wozu betrachten, welchen Sinn ihre Stunden im Weinberg haben, dann ist es das Sein im Weinberg des Herrn, das Sein mit und bei ihm. Das schenkt Sinn: denen, die seit der Morgenfrühe bei ihm sind, aber auch denen, die erst kurz vor Tagesende von ihm angeworben wurden.
So ist es auch im Alltag unseres Lebens. Wenn wir es schaffen, in den vielen Ungereimtheiten unseres Lebens an einen Sinn des Ganzen zu glauben, dann können wir Ja zum Leben sagen und so manche schwierige Lebenssituation leichter meistern. Der Glaube an einen gütigen Gott – der „gut ist“ – kann uns dabei eine Hilfe sein.
Es liegt an uns, an unserer Entscheidung, wie wir eine bestimmte Lebenssituation meistern. Es liegt auch an den Arbeitern im Gleichnis, ob sich die zuerst angeworbenen, ihr Leben vergiften, indem sie sich der vermeintlichen Ungerechtigkeit ergeben und ihren Lebenshorizont einengen, oder, ob sie versuchen, dem Sinn der Einladung des Gutsherrn nachzuspüren und den Wert für ihr persönliches Leben darin zu entdecken vermögen.
Denn im Endeffekt sind wir Menschen alle so auf die Sinnfrage in unserem Leben ausgerichtet, dass wir unsere Lebensumstände, unser ganzes Sein, nur bejahen können, wenn wir dabei für uns einen Sinn sehen. Ihn zu entdecken, tiefer zu schauen, dem Sinn alles vorerst auch noch so widersinnig Erscheinenden nachzugehen, macht unser Leben reich, macht uns weit und lässt uns letztlich erst im Vollsinn leben.
Heiliger Gott,
du hast uns das Gebot der Liebe
zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen
als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Gib uns die Kraft,
dieses Gebot treu zu befolgen,
damit wir das ewige Leben erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
nimm die Gaben deines Volkes an
und gib, dass wir im Geheimnis
der heiligen Eucharistie empfangen,
was wir im Glauben bekennen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Was wir dir, Herr, bringen können,
haben wir nicht verdient.
Es kommt von dir.
Brot und Wein.
Was du uns schenkst, Herr,
ist mehr als wir erwarten.
Du schenkst dich uns.
Brot und Wein.
Was wir miteinander teilen, Herr,
ist uns von dir anvertraut.
Unsere Arbeit, unser Geld
und unsere Hoffnung.
Brot und Wein.
In Christus, unserem Herrn
Kehrvers:
Preiset den Herrn, denn er ist gut.
Danket dem Herrn, denn er ist gut. (GL Ö971)
Oder:
Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue. (GL 401)
Guter und barmherziger Gott,
wir kommen zu dir, um dir zu danken und dich zu loben.
Weil du uns liebst, hast du die Welt geschaffen
und uns das Leben geschenkt.
Kehrvers
Zu hoch und erhaben sind deine Wege und Gedanken,
als dass wir deine Liebe und Barmherzigkeit begreifen könnten.
Du erfüllst die ganze Schöpfung mit deinem Segen.
Kehrvers
Dein Sohn Jesus Christus ist in die Welt gekommen,
um allen, die deiner Güte vertrauen,
das ewige Leben zu erschließen..
Kehrvers
Du hast uns zu deinen Kindern berufen,
nicht weil wir es verdient hätten,
sondern weil du ein Herz hast,
das sich auch der Kleinen und Schwachen erbarmt.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und preisen wir dich.
Wir stimmen ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen dir zur Ehre:
Danklied, z.B. Nun saget Dank und lobt den Herren (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Allmächtiger Gott,
du erneuerst uns durch deine Sakramente.
Gewähre uns deine Hilfe
und mache das Werk der Erlösung,
das wir gefeiert haben,
auch in unserem Leben wirksam.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis

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